The Social Question as a Question of Consciousness
GA 189
2 March 1919, Dornach
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The Social Question as a Question of Consciousness, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Wir haben gestern versucht, wiederum von einer gewissen Seite her in die soziale Bewegung der Gegenwart einzudringen. Und was gestern den Gegenstand unserer Betrachtung bildete, war, daß man gerade in der Gegenwart, um überhaupt eine Bewegung innerhalb der Menschheit zu verstehen, sorgfältig darauf sehen muß, was bei Menschen, die in einer solchen Bewegung drinnenstehen, und auch bei den übrigen Zeitgenossen dieser Menschen einerseits an der Oberfläche der Seele im gewöhnlichen Bewußtsein vorgeht, und dem, was andererseits unten in der Tiefe der Seele, in den unterbewußten Regionen vorgeht. Und da haben wir drei Impulse der modernen proletarischen Bewegung ins Auge gefaßt. Wir haben ins Auge gefaßt zunächst die sogenannte materialistische Geschichtsauffassung. Dann haben wir uns angesehen dasjenige, was der Proletarier von seinen Führern gelernt hat. Was er versteht unter der Klassenkampf-Bewegung, die allem geschichtlichen Geschehen zugrunde liegen soll; und dann haben wir unser Augenmerk auf dasjenige gerichtet, was so tief einschneidend in die Proletarierseelen gewirkt hat; wir haben unser Augenmerk gewendet auf die sogenannte Mehrwerttheorie. Und wir haben gesehen, das sind die Dinge, die an der Oberfläche des Seelenlebens des modernen Proletariers liegen. In den Tiefen unten wühlt und west etwas ganz anderes. Während sich der moderne Proletarier täuscht dadurch, daß er sich sagt: alles geschichtliche Werden ist nur eine Spiegelung der rein wirtschaftlichen Vorgänge, die alles geistige Leben wie einen Rauch nach der Oberfläche schickt, lechzt eigentlich der Proletarier mit der ganzen modernen Menschheit nach einer gewissen geistigen Erkenntnis der Welt. Aber er weiß noch nichts davon, daß eigentlich die unterbewußten Tiefen seiner Seele nach geistiger Erkenntnis lechzen. Gerade das, was so in den unterbewußten Regionen des Seelenlebens vorgeht und sich an der Oberfläche maskiert durch etwas ganz anderes, das rumort dann oftmals in den allerwildesten Instinkten. Ebenso weiß der moderne Proletarier, wenn er das Wort Klassenkampf ausspricht, nicht, daß er dadurch nur zu maskieren versucht, was wiederum die Seelentiefen der modernen Menschheit wie eine tiefe Sehnsucht erfüllt: der Impuls nach Gedankenfreiheit. In sein Gegenteil verkehrt sich auf dem Wege vom Unterbewußten bis zum Bewußten das Streben nach Gedankenfreiheit. Das alleralleräußerste Leben in Autoritativem, dem Miterleben des bloßen Klassenbewußtseins, das hat zu seinem Untergrunde eigentlich das Streben nach Gedankenfreiheit. Und der wirkliche Sozialismus, nach dem unsere Zeit strebt in ihren Tiefen, der drückt sich eigentlich aus in dem, was im Grunde eine Art Gegenteil des Sozialismus ist, in dem Streben, egoistisch allen Mehrwert einzuheimsen.
[ 1 ] Yesterday we attempted once again to gain insight into the contemporary social movement from a certain perspective. And what was the subject of our consideration yesterday was that, precisely in the present day, in order to understand any movement within humanity at all, one must carefully observe what is taking place, on the one hand, on the surface of the soul in ordinary consciousness—both in people who are actively involved in such a movement and in their contemporaries— and, on the other hand, what is taking place deep within the soul, in the subconscious regions. And in this context, we have focused on three impulses of the modern proletarian movement. First, we focused on the so-called materialist conception of history. Then we examined what the proletarian has learned from his leaders. What he understands by the class struggle movement, which is said to underlie all historical events; and then we have turned our attention to that which has had such a profound effect on the souls of the proletariat; we have turned our attention to the so-called theory of surplus value. And we have seen that these are the things that lie on the surface of the modern proletarian’s inner life. In the depths below, something entirely different is stirring and churning. While the modern proletarian deceives himself by telling himself that all historical development is merely a reflection of purely economic processes—which send all spiritual life to the surface like smoke—the proletarian, along with all of modern humanity, actually yearns for a certain spiritual understanding of the world. But he is still unaware that it is actually the subconscious depths of his soul that yearn for spiritual insight. It is precisely what is taking place in the subconscious regions of his inner life—and which is masked on the surface by something entirely different—that often rumbles within his wildest instincts. Likewise, when the modern proletarian utters the words “class struggle,” he does not realize that he is merely attempting to mask what, in turn, fills the depths of modern humanity’s soul like a profound longing: the impulse toward freedom of thought. On its journey from the subconscious to the conscious, the striving for freedom of thought is transformed into its opposite. The very, very extreme form of life under authority—the experience of mere class consciousness—actually has at its foundation the striving for freedom of thought. And the true socialism toward which our age strives in its depths is actually expressed in what is, at its core, a kind of opposite of socialism: the selfish pursuit of reaping all surplus value.
[ 2 ] Wer dieses Geheimnis, möchte ich sagen, der gegenwärtigen proletarischen Bewegung nicht versteht, der kommt den sozialen Impulsen der Gegenwart doch nicht nahe. Nachdem wir dies gestern vor unsere Seele geführt haben, wollen wir heute einige dazugehörige Wahrheiten uns einmal vor Augen führen.
[ 2 ] I would say that anyone who does not understand this secret of the current proletarian movement cannot truly grasp the social forces at work today. Having reflected on this yesterday, let us now consider a few related truths.
[ 3 ] Wer in dieser Art tiefer hineinschauen will in das, was eigentlich vorgeht, für den entsteht noch ein ganz besonderes Verhältnis zu weltgeschichtlichen Bewegungen, auch zu einer solchen in der Gegenwart. Der radikalste Ausdruck der gegenwärtigen sozialen Bewegung ist nun, wie Sie ja wissen, der Bolschewismus, der mehr eine soziale Methode ist, als inhaltlich etwas anderes als was auch sonst der radikale Sozialismus, wie er sich nennt, in sein Wollen aufgenommen hat. Wer Geschichte nicht theoretisch, sondern der Wirklichkeit gemäß betrachtet, der sieht vor allen Dingen darauf, zu verstehen, wie sich gewisse Strömungen im Weltenwerden der Menschheit auch gerade in ihren radikalsten Ausgestaltungen offenbaren, denn an den radikalen Ausgestaltungen kann man oftmals am besten Verständnis finden für das, was sich sonst da, wo der Radikalismus weniger herrscht, verbirgt, trotzdem es nicht weniger wirksam ist. Man muß schon, wenn man diese historische Schlußfolgerung, die die Geschichte selbst gezogen hat in den schreckenerregenden Tatsachen heute, wenn man diese historische Schlußfolgerung des Bolschewismus verstehen will, sich ein wenig umsehen auch im neueren Geistesleben.
[ 3 ] Anyone who wishes to look more deeply in this way into what is actually happening will develop a very special relationship to movements in world history, including those taking place in the present. The most radical expression of the current social movement is, as you know, Bolshevism, which is more of a social method than anything substantively different from what radical socialism—as it calls itself—has incorporated into its aims. Anyone who views history not theoretically but in accordance with reality seeks above all to understand how certain currents in the unfolding of human history reveal themselves, particularly in their most radical manifestations; for it is often through these radical manifestations that one can best gain an understanding of what otherwise remains hidden in places where radicalism is less prevalent, even though it is no less effective. If one wishes to understand this historical conclusion—which history itself has drawn from today’s terrifying realities—if one wishes to understand this historical conclusion of Bolshevism, one must look around a bit at recent intellectual life as well.
[ 4 ] Sehen Sie, wenn man heute frägt: wer sind denn eigentlich Bolschewisten? — da wird man mit verschiedenen Namen antworten. Nicht wahr, sich überall darbietende Namen sind Lenin, Trotzki. Aber ich will Ihnen einen dritten Bolschewisten nennen, bei dessen Nennung Sie vielleicht ein wenig erstaunt sein werden, der aber doch, ich kann es nicht anders sagen, von einem Gesichtspunkte aus ein echter Bolschewik ist; das ist Johann Gottlieb Fichte. Ich habe Ihnen öfter von Johann Gottlieb Fichte gesprochen, Ihnen auch schon hier versucht, die Lebensgeschichte Johann Gottlieb Fichtes etwas tiefer darzustellen. Wir haben auch einiges von den Hauptgedanken Johann Gottlieb Fichtes uns vor die Seele geführt. Es wird nicht zu leugnen sein, daß Johann Gottlieb Fichte einer der energischsten Denker der neueren Zeit war. Es wird auch nicht zu leugnen sein, daß er ein Idealist im echtesten Sinne des Wortes war. Aber Johann Gottlieb Fichte hat seine sozialistische Anschauung auch ausgesprochen in einer kleinen kompendiösen Schrift, in seinem «Geschlossenen Handelsstaat». Inhaltlich genommen, wenn man darauf sieht, wie sich das in der Wirklichkeit gestalten würde, was Fichte da als eine Art Idealbild sozialer Zustände darstellt, kann man nur sagen: verwirklicht würde dieses soziale Ideal, das Fichte in seinem kompendiösen kleinen Büchelchen «Der geschlossene Handelsstaat» darstellt, verwirklicht würde es sich ausnehmen als Bolschewismus. Man möchte sogar sagen, manchmal erinnert einen das, was Trotzki schreibt, fast Satz für Satz wörtlich, so weit bei so auseinanderliegenden Dingen das der Fall sein kann, an das, was im «Geschlossenen Handelsstaat» bei Fichte steht.
[ 4 ] You see, if you ask today, “Who, exactly, are the Bolsheviks?”—you’ll get a variety of names in response. After all, the names that come up everywhere are Lenin and Trotsky. But I want to name a third Bolshevik for you—one whose name might surprise you a little, but who, I can’t put it any other way, is, from a certain point of view, a genuine Bolshevik; that is Johann Gottlieb Fichte. I have spoken to you often about Johann Gottlieb Fichte, and have already tried here to present the story of his life in somewhat greater depth. We have also reflected on some of Johann Gottlieb Fichte’s main ideas. It cannot be denied that Johann Gottlieb Fichte was one of the most vigorous thinkers of modern times. Nor can it be denied that he was an idealist in the truest sense of the word. But Johann Gottlieb Fichte also articulated his socialist views in a short, concise treatise, his *Closed Commercial State*. In terms of content—if one considers how what Fichte presents there as a kind of ideal picture of social conditions would actually take shape in reality—one can only say: if this social ideal, which Fichte presents in his concise little booklet *The Closed Commercial State*, were to be realized, it would turn out to be Bolshevism. One might even say that at times, what Trotsky writes—almost sentence for sentence, word for word, as far as that is possible with such disparate subjects—is reminiscent of what is written in Fichte’s *The Closed Commercial State*.
[ 5 ] Nun ist allerdings Johann Gottlieb Fichte ein längst verstorbener Bolschewik. Aber ich möchte sagen: das ist es eben, was uns auffordert, der Sache etwas näher nachzugehen. Wir haben in Fichte vor allen Dingen zu sehen einen einsamen Denker, der zu hohen philosophischen Ideen gekommen ist, und der auch im Verlaufe seines Denkens nachgedacht hat, wie aus den mancherlei für ihn auch schreienden Ungerechtigkeiten seiner Gesellschaftsordnung sich ein gerechter sozialer Zustand ergeben könnte. Und da webt er aus seinem Seeleninneren heraus ein Bild der gesellschaftlichen Ordnung, das ungefähr in derselben Weise auf die Gliederung der Menschheit hingeht, wie es allerdings auf gewaltsame Weise der heutige russische Bolschewismus entfaltet und wie es seine Nachfolger entfalten werden. Es liegt sogar noch etwas anderes vor. Ich kann mir denken, daß viele Menschen, die von den mancherlei Ungerechtigkeiten berührt sind, welche innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung natürlich auch heute noch für sie währnehmbar sind, sich von den recht einfachen Anschauungen in Fichtes «Geschlossenem Handelsstaat» gefesselt fühlen. Ich brauche es Ihnen nicht darzustellen, denn Sie brauchen bloß dasjenige, was der Bolschewismus tut, mit den gebildeten Worten eines Philosophen dargestellt zu denken, dann haben Sie die Darstellung des «Geschlossenen Handelsstaats» bei Johann Gottlieb Fichte.
[ 5 ] Now, Johann Gottlieb Fichte is, of course, a Bolshevik who has long since passed away. But I would like to say: that is precisely what prompts us to examine the matter a little more closely. In Fichte, we must see above all a solitary thinker who arrived at lofty philosophical ideas, and who, in the course of his thinking, also pondered how a just social order might emerge from the various injustices of his social system—injustices that were, to him, glaringly obvious. And so, from the depths of his soul, he weaves a vision of social order that approaches the structuring of humanity in roughly the same way as today’s Russian Bolshevism is unfolding it—albeit by force—and as its successors will continue to unfold it. There is even something else at play here. I can imagine that many people, who are affected by the various injustices that are, of course, still perceptible to them within the social order even today, feel captivated by the rather simple ideas in Fichte’s *Closed Commercial State*. I need not explain this to you, for you need only imagine what Bolshevism does, expressed in the refined language of a philosopher, and you will have the description of the “Closed Commercial State” as presented by Johann Gottlieb Fichte.
[ 6 ] Gerade aber diese Tatsache kann Ihnen von einem gewissen Gesichtspunkte erhärten, worin das Recht zu der Aufstellung jener Dreigliedrigkeit des gesunden sozialen Organismus liegt, von der ich Ihnen öfter gesprochen habe. Worauf geht denn eigentlich diese Dreigliedrigkeit? Ich habe in öffentlichen Vorträgen angedeutet, wie sich diese soziale Denkweise von anderen unterscheidet. Ich habe gesagt: wenn man heute auf das hinblickt, was sich zum Teil schon in diesem oder jenem Staatsgefüge verwirklicht hat, wenn man hinblickt auf das, nach dessen Verwirklichung auch sozialistisch denkende und gesinnte Köpfe streben, so hat man das Gefühl, daß das, was die Menschen auf der einen Seite als einen mittelalterlichen Aberglauben empfinden, auf der anderen Seite sich in ihren Seelen tief eingenistet hätte. Es ist, als ob die menschlichen Seelen ein gewisses Gelüste nach Aberglauben hätten, und wird ihnen der Aberglaube nach der einen Seite ausgetrieben, so wendet er sich nach der anderen Seite hin. Deshalb wird man sowohl gegenüber manchem Bestehenden im sozialen Leben, wie auch gegenüber dem, was gerade sozialistisch gesinnte Köpfe wollen, an die Szene im zweiten Teil von Goethes «Faust» erinnert, wo Wagner den Homunkulus herstellt. HHomunkulus soll eben aus Ingredienzien mechanisch nach nüchternen Verstandesgrundsätzen zusammengesetzt werden. Die Alchimisten, die man als abergläubische Leute ansieht, stellten sich vor, daß man das so ohne weiteres könne, und dadurch stellten sie die künstliche Herstellung eines Menschleins, des Homunkulus, in Gegensatz zu dem Gelegenheitgeben dazu, daß ein wirklicher menschlicher Organismus entsteht. Man kann einen wirklichen menschlichen Organismus nicht aus seinen Ingredienzien zusammenstellen, man muß die Bedingungen herbeiführen, so daß er dann gewissermaßen von selbst entstehen kann. Den alchimistischen Aberglauben auf naturwissenschaftlichem Gebiete vermeinen die Menschen überwunden zu haben. Der Aberglaube auf sozialem Gebiete ist blühend da. Sie versuchen aus allerlei Ingredienzien des menschlichen Wollens eine künstliche Gesellschaftsordnung herzustellen.
[ 6 ] But it is precisely this fact that can, from a certain point of view, confirm to you the validity of the threefold structure of a healthy social organism, about which I have spoken to you on several occasions. What, then, is this threefold structure actually based on? I have hinted in public lectures at how this social way of thinking differs from others. I have said: When one looks today at what has already been realized to some extent in this or that state structure, and when one looks at what even those with socialist thoughts and convictions are striving to achieve, one gets the feeling that what people perceive on the one hand as medieval superstition has, on the other hand, taken deep root in their souls. It is as if human souls had a certain craving for superstition, and if superstition is driven out of them on one side, it turns toward the other. That is why, both in regard to certain existing aspects of social life and to what socialist-minded people currently desire, one is reminded of the scene in the second part of Goethe’s *Faust* where Wagner creates the homunculus. The homunculus is to be mechanically assembled from ingredients according to sober principles of reason. The alchemists, who are regarded as superstitious people, imagined that this could be done without further ado, and in doing so they contrasted the artificial creation of a little human being—the homunculus—with the conditions necessary for a real human organism to arise. One cannot assemble a real human organism from its ingredients; one must create the conditions so that it can, as it were, arise on its own. People believe they have overcome alchemical superstition in the realm of the natural sciences. Superstition in the social sphere, however, is thriving. They attempt to create an artificial social order out of all manner of ingredients of human will.
[ 7 ] Diese Denkweise ist diametral entgegengesetzt derjenigen, die hier vertreten wird aus geisteswissenschaftlichen Unterlagen heraus. Diejenige Denkweise, die hier vertreten wird, sie strebt danach, allen sozialen Aberglauben abzustreifen und darauf auszugehen, praktisch die Frage zu beantworten: welche Bedingungen müssen hergestellt werden, damit nicht der eine oder der andere aus seiner besonderen Gescheitheit heraus irgendein sozialistisches Ideal verwirklichen könne, sondern daß die Menschen im sozialen Leben untereinander, im gegenseitigen Zusammenwirken die notwendige soziale Gestaltung herbeiführen.
[ 7 ] This way of thinking is diametrically opposed to the one advocated here, which is based on materials from the humanities. The way of thinking advocated here strives to cast aside all social superstitions and to set out to answer the question in practical terms: What conditions must be established so that it is not one person or another who, by virtue of their particular cleverness, can realize some socialist ideal, but rather so that people in social life, through mutual cooperation, bring about the necessary social structure.
[ 8 ] Da findet man aber, daß tatsächlich dieser soziale Organismus ebenso wie der natürliche Organismus aus drei relativ in sich selbständigen Gliedern bestehen muß. Geradeso wie der menschliche Kopf, der hauptsächlich der Träger der Sinnesorgane ist, durch die Sinnesorgane in einem besonderen Verhältnis zur Außenwelt steht, wie er für sich zentralisiert ist, wie wiederum das rhythmische System, das Lungen- und Atmungssystem für sich zentralisiert ist, das Stoffwechselsystem für sich zentralisiert ist und diese drei in einer relativen Selbständigkeit zusammenwirken, so ist es eine fundamentale Notwendigkeit, daß der soziale Organismus dreigliedrig ist und diese drei Glieder relative Selbständigkeit haben. Nebeneinander wirken müssen der selbständig auf sich gestellte Geistesorganismus, der selbständig auf sich gestellte Organismus des politischen Staates im engeren Sinne und das selbständig auf sich gestellte Wirtschaftsleben — jede dieser Körperschaften mit eigener Gesetzgebung und Verwaltung, die sich aus ihren eigenen Verhältnissen und Kräften heraus ergeben müssen. Das scheint abstrakt zu sein, ist aber gerade dasjenige, was die Ge MAN samtmasse der Menschheit so gliedert, daß aus dem Zusammenwirken dieser Glieder sich ergeben muß, was den sozialen Organismus gesund macht. Also nicht darauf kommt es an, auszudenken, wie sich der soziale Organismus gestalten soll. Auf sozialem Gebiete geht nämlich unser Denken nicht so weit, daß wir eine Struktur des sozialen Organismus ohne weiteres angeben können. Eine Struktur des sozialen Organismus kann der einzelne Mensch von sich aus ebensowenig verwirklichen, wie der einzelne Mensch von sich aus, wenn er ohne Zusammenhang mit der Gesellschaft auf einer einsamen Insel aufwachsen würde, je die Sprache erlernen würde; so kann der einzelne Mensch niemals aus sich heraus etwas Soziales spinnen. Alles Soziale ersteht im Zusammenwirken, aber im geregelten, auf diese Dreigliedrigkeit aufgebauten, wirklichen harmonischen Zusammenwirken der Menschen. Erst wenn man diese Richtung, die auf die wirkliche praktische Gestaltung, das wirkliche praktische Leben geht, recht ins Auge faßt, erst dann versteht man, wie ein solcher Mensch wie Johann Gottlieb Fichte dazu gekommen ist, ein soziales System auszudenken, das eigentlich in seiner Verwirklichung Bolschewismus ist.
[ 8 ] There, however, one finds that this social organism, just like the natural organism, must indeed consist of three relatively independent parts. Just as the human head—which is primarily the seat of the sense organs—stands in a special relationship to the external world through the sense organs, just as it is centralized in itself, just as, in turn, the rhythmic system, the pulmonary and respiratory system, and the metabolic system are each centralized in themselves, and these three interact with relative independence, so it is a fundamental necessity that the social organism be threefold and that these three components possess relative autonomy. The spiritual organism, which stands independently; the political state in the narrower sense, which stands independently; and economic life, which stands independently—must all function side by side, each of these entities with its own legislation and administration, which must arise from their own circumstances and strengths. This may seem abstract, but it is precisely what structures the mass of humanity in such a way that the interaction of these parts must result in what makes the social organism healthy. Thus, the point is not to figure out how the social organism should be structured. For in the social realm, our thinking does not extend far enough for us to be able to specify a structure for the social organism off the cuff. Just as an individual human being cannot, on their own, realize a structure for the social organism, so too could an individual human being, if they were to grow up on a deserted island without any connection to society, never learn language on their own; in the same way, an individual human being can never weave something social out of themselves alone. Everything social arises through interaction, but through the orderly, truly harmonious interaction of human beings, built upon this threefold structure. Only when one truly grasps this direction—which leads toward genuine practical organization and genuine practical life—only then does one understand how a man like Johann Gottlieb Fichte came to conceive of a social system that, in its actual realization, is in fact Bolshevism.
[ 9 ] Was ist denn Johann Gottlieb Fichte für eine Persönlichkeit? Fichte ist einer der charakteristischsten Denker der neueren Zeit. Er ist gewissermaßen der Mann, der das Denken, das sich ja, wie wir wissen, auch entwickelt hat, das nicht immer das gleiche war — lesen Sie das nach in meinen «Rätseln der Philosophie» —, der das Denken in der energischsten Weise und in seiner reinsten Gestaltung ausgebildet hat. Gerade an einer solchen Persönlichkeit wie Fichte kann man sehen, wozu das Denken wird, wenn der Mensch dieses Denken ganz nur aus sich, aus dem Ich heraus schöpfen will. Und wendet man dann dieses reine Denken, so wie es ist, auf die soziale Struktur an, dann kommt das Bild heraus, das Fichte im «Geschlossenen Handelsstaat» gegeben hat. Nur derjenige kommt dieser Sache bei, der sich sagt: solch ein Denken wie das Fichtesche ist gar nicht geeignet, die soziale Struktur zu finden. Das ganz nur aus dem Impulse des Ich heraus schöpfende Denken ist nicht in der Lage, die soziale Struktur zu finden, so wie der einzelne Mensch nicht die Sprache erfinden kann; sondern es kann die soziale Struktur nur gefunden werden, wenn man erst die Menschen in ein solches Verhältnis bringt, daß sie im gegenseitigen Verkehr und in ihrem Zusammenhange diese soziale Struktur finden. Man muß gewissermaßen halt machen vor gewissen Dingen, die sich auf die soziale Struktur beziehen, und muß den Weg nur so weit verfolgen, daß man zeigt: Seht ihr, so müssen die Menschen zueinander stehen, wenn in ihrem Zusammenwirken der soziale Organismus sich verwirklichen will. Das ist wirklichkeitsgemäßes Denken, das ist erfahrungsgemäßes Denken. Fichtes Denken ist aus dem reinen Ich herausgeborenes Denken. Und aus dem reinen Ich herausgeborenes Denken, wenn auch in etwas anderer Form, ist schließlich auch das bolschewistische Denken. Es ist im Grunde genommen gerade deshalb antisozial, weil es nur aus den Offenbarungen des Ich heraus geboren ist. Denn es ist ja diese Form gerade nicht im menschlichen Gemeinschaftsleben entstanden. Das Gemeinschaftsleben des Proletariats hat diese Form auf Autorität hin angenommen. Das Maßgebende sind die einzelnen Führer. Das ist es, worauf es ankommt.
[ 9 ] What kind of figure was Johann Gottlieb Fichte? Fichte is one of the most distinctive thinkers of modern times. He is, in a sense, the man who—as we know, thought has evolved and has not always remained the same—[see my *Riddles of Philosophy* for more on this]—who developed thought in the most vigorous way and in its purest form. It is precisely in a figure like Fichte that one can see what thinking becomes when a person seeks to draw this thinking entirely from within themselves, from the “I.” And if one then applies this pure thinking, just as it is, to the social structure, the result is the picture Fichte presented in *The Closed Commercial State*. Only those who realize that thinking such as Fichte’s is not at all suited to discovering the social structure can come to terms with this matter. Thinking that arises solely from the impulse of the “I” is incapable of discovering the social structure, just as the individual human being cannot invent language; rather, the social structure can only be discovered when people are first brought into such a relationship that they find this social structure through their mutual interaction and within their interconnectedness. One must, so to speak, draw the line at certain things that relate to social structure, and must follow the path only so far as to show: “Look, this is how people must relate to one another if the social organism is to realize itself through their interaction.” That is thinking grounded in reality; that is thinking grounded in experience. Fichte’s thinking is thinking born of the pure “I.” And thinking born of the pure “I”—albeit in a somewhat different form—is, after all, also Bolshevik thinking. It is, in essence, antisocial precisely because it is born solely from the revelations of the “I.” For it is precisely this form that did not arise in human communal life. The communal life of the proletariat has adopted this form out of deference to authority. The individual leaders are the decisive factor. That is what matters.
[ 10 ] Nun muß man sich demgegenüber fragen: Wodurch gibt denn eigentlich dieses Gemeinschaftsleben gerade auf sozialem Gebiete mehr als das innere Leben des einzelnen Menschen? Nun, sehen Sie, da muß man sich schon recht klarmachen, worauf eigentlich so etwas, wie gerade die reinste Gestaltung des Denkens bei Fichte führt. Wer sich nicht philosophisch vorbereitet, sondern als gewöhnlicher Mensch, der gewohnt ist Zeitungen zu lesen, leichter faßliche Bücher zu lesen, vielleicht auch Universitätswissenschaft, wie sie heute besteht, zu verfolgen, wer sich als solcher gewöhnlicher Mensch an Fichtes Bücher heranmacht, der kann nicht mit, der findet das alles so, daß er sich an dem Gedanken wie aufgespießt fühlt — so energisch sind sie, aber so abstrakt entwickelt er sie. Es ist eben ein reines Gedankengespinst für die meisten Menschen, was Fichte da darbietet.
[ 10 ] Now, in contrast to this, one must ask: In what way does this communal life—particularly in the social sphere—actually offer more than the inner life of the individual? Well, you see, one really has to make it quite clear to oneself what something like the purest form of thought, as found in Fichte, actually leads to. Anyone who approaches Fichte’s books without philosophical preparation—but rather as an ordinary person accustomed to reading newspapers, more accessible books, and perhaps even following university scholarship as it exists today—will not be able to keep up; they will find it all so overwhelming that they feel as if they’ve been impaled by the ideas—so forceful are they, yet he develops them in such an abstract manner. For most people, what Fichte presents here is nothing more than a pure web of ideas.
[ 11 ] Woher kommt denn das? Es kommt gerade daher, daß dieses Denken ein reines Denken ist, ein Denken, das von aller Welterfahrung abgesehen nur herauswebt aus der Seele, was sich eben aus der Seele herausweben läßt. Wenn Sie Fichtes Wissenschaftslehre studieren, so schreiten Sie von Satz zu Satz in einer abstrakten Höhe vor, daß Sie oftmals gar nicht wissen, warum Sie denn eigentlich diese Gedanken hegen sollen, denn sie sagen Ihnen gar nichts. Sie können Fichtes Wissenschaftslehre durch viele Blätter lesen, und Sie erfahren: Das Ich setzt sich selbst. — Das ist zunächst auf vielen Blättern auseinandergesetzt. Das nächste: Das Ich setzt das Nichtich — wiederum auf vielen Blättern auseinandergesetzt. Das dritte: Das Ich setzt sich selbst begrenzt durch das Nichtich und das Nichtich als begrenzt durch das Ich. — Nun sind Sie schon fast durch die «Wissenschaftslehre» durch, in welcher diese Sätze nur in einer sehr stark in die Breite gehenden Deduktion auseinandergesetzt werden. Sie werden sagen: das interessiert mich gar nicht, denn schließlich sind das ja ganz ausgehöhlte Abstraktionen. Aber dennoch, wenn Sie wiederum das Fichtesche Leben und Streben so betrachten, wie ich es Ihnen einmal vor einiger Zeit hier dargestellt habe, dann bekommen Sie Respekt vor Fichte, dann bekommen Sie Respekt vor diesem Hinstreben zu dem reinen Denken.
[ 11 ] Where does this come from? It comes precisely from the fact that this thinking is pure thinking—a kind of thinking that, setting aside all worldly experience, weaves out of the soul only what can be woven out of the soul. When you study Fichte’s *Science of Knowledge*, you proceed from proposition to proposition at such an abstract level that you often have no idea why you should actually entertain these thoughts, since they tell you absolutely nothing. You can read through many pages of Fichte’s *Science of Knowledge*, and you learn: The “I” posits itself. — This is first elaborated upon over many pages. Next: “The ‘I’ posits the ‘not-I’”—again elaborated over many pages. Third: “The ‘I’ posits itself as limited by the ‘not-I,’ and the ‘not-I’ as limited by the ‘I.’”—Now you have almost worked your way through the *Science of Knowledge*, in which these propositions are expounded only through a highly expansive deduction. You will say: that doesn’t interest me at all, because after all, these are completely hollow abstractions. But nevertheless, if you again consider Fichte’s “Life and Striving” as I once presented it to you here some time ago, then you will gain respect for Fichte; then you will gain respect for this striving toward pure thought.
[ 12 ] Woher rührt denn dieser merkwürdige Widerspruch? Sehen Sie, dieser merkwürdige Widerspruch rührt davon her, daß es einmal in der Menschheitsentwickelung notwendig geworden ist, zu diesem reinen, nur von Gedanken erfüllten Denken hinzukommen. Das menschliche Denken ist ja sonst, namentlich in älteren Zeiten immer nur — wie ich es Ihnen auch gestern wiederum ausgeführt habe — von Bildern erfüllt gewesen. Die Leute, wie Fichte, Schelling und Hegel, sie haben einmal das gedacht, was nur reine Gedanken, bildlose Gedanken sind. So hätte der Grieche nie denken können, so hätte der Römer nicht denken können, so hätte man im ganzen Mittelalter nicht denken können, denn die Scholastik ist etwas ganz anderes trotz all ihrer Abstraktheit.
[ 12 ] Where does this strange contradiction come from? You see, this strange contradiction stems from the fact that, at a certain point in human development, it became necessary to arrive at this pure form of thinking, filled solely with thoughts. Human thinking, after all—especially in earlier times—has always been filled only with images, as I explained to you again yesterday. Thinkers such as Fichte, Schelling, and Hegel were the first to conceive of what are purely abstract, image-less thoughts. The Greeks could never have thought this way, nor could the Romans, nor could people throughout the Middle Ages, for Scholasticism is something entirely different, despite all its abstractness.
[ 13 ] Wozu ist denn in der neueren geschichtlichen Entwickelung solch ein abstraktes Denken aufgetreten? Nun, es ist deshalb aufgetreten, weil die Menschen sich einmal anstrengen mußten. Und es gehört eine starke innere Anstrengung dazu, um sich zum Beispiel im Fichteschen Sinne bis zu einer solchen Abstraktheit zu erheben, um solche Abstraktionen sich kraftvoll zu erringen, von denen der banausische, wirklichkeitssinnliche Mensch sagt, das tauge ja gar nichts, denn da sei alle Erfahrung ausgepreßt. Das ist auch durchaus der Fall. Aber zu solchen Abstraktionen mußte man eben einmal kommen. Der erste Schritt war zu solchen Abstraktionen. Sobald man aber die innere Stoßkraft des Seelenlebens noch ein Stück weiter entwickelt über diese Abstraktionen heraus, geht es in das spirituelle Leben hinein. Es gibt keinen gesunden Weg der neueren Mystik als durch das energische Denken durch. Daher mußte zunächst das energische Denken errungen werden. Der nächste Schritt ist, daß dann über dieses energische Denken hinaus zum wirklichen Erleben des Spirituellen gegangen wird. Natürlich geht das alles in der geschichtlichen Entwickelung langsam vor sich, aber der Weg der Menschheit geht doch darauf hin. Und diese Sehnsucht, die eigentlich heute alle Menschen beherrscht, aus der Abstraktion heraus zum spirituellen Leben zu kommen, diese Sehnsucht liegt geheimnisvoll auch der in der modernen proletarischen Bewegung verankerten Kraft zugrunde.
[ 13 ] Why, then, has such abstract thinking emerged in recent historical development? Well, it has emerged because people once had to make an effort. And it takes a strong inner effort, for example, to rise to such a level of abstraction in the Fichtean sense—to vigorously attain such abstractions—which the philistine, sensually grounded person dismisses as utterly worthless, claiming that all experience has been squeezed out of them. That is indeed the case. But one simply had to arrive at such abstractions at some point. The first step was toward such abstractions. But as soon as one develops the inner driving force of the soul life a little further, beyond these abstractions, one enters into spiritual life. There is no healthy path to modern mysticism other than through energetic thinking. Therefore, energetic thinking had to be attained first. The next step is to move beyond this energetic thinking toward the actual experience of the spiritual. Of course, all of this unfolds slowly in the course of historical development, but humanity’s path is indeed heading in that direction. And this longing—which actually dominates all people today—to move from abstraction to spiritual life, this longing also mysteriously underlies the force anchored in the modern proletarian movement.
[ 14 ] Der Proletarier sagt, nichts wirke von geistigen Kräften in der Geschichte; in der Geschichte wirken nur die wirtschaftlichen Kräfte. Die nimmt er mit der gröbsten Wahrnehmung auf, die betrachtet er als das allein geschichtlich Werdende. Das geistige Leben ist ein bloßer Überbau, eine Ideologie, ein Spiegelbild der äußeren wirtschaftlichen Vorgänge. — Nun ja, das stellt er sich so vor, weil der moderne Mensch, wenn er in sich blickt, die alten atavistischen Schauungen verloren hat; er erblickt in sich bloße Abstraktionen, bloße abstrakte Gedanken, in denen er keine Wirklichkeit finden kann; denn da müßte er den nächsten Schritt machen, den ich eben charakterisiert habe. Daher sucht ein jeder die Wirklichkeit, nach der er sich eigentlich aus seinem Inneren heraus sehnt, in der äußeren Welt. Und weil der Proletarier seit dem Kapitalismus eingespannt ist in das bloße Wirtschaftsleben, sucht er diese Wirklichkeit im Wirtschaftsleben.
[ 14 ] The proletarian says that no spiritual forces are at work in history; only economic forces are at work in history. He perceives these with the crudest of senses and regards them as the sole agents of historical development. Spiritual life is merely a superstructure, an ideology, a reflection of external economic processes. — Well, that is how he imagines it, because modern man, when he looks within himself, has lost the old atavistic visions; he sees within himself mere abstractions, mere abstract thoughts, in which he cannot find any reality; for to do so, he would have to take the next step, which I have just described. Consequently, everyone seeks the reality for which they actually yearn from within in the external world. And because the proletarian, since the advent of capitalism, has been bound up in mere economic life, he seeks this reality in economic life.
[ 15 ] Was wird der nächste Schritt sein, der naturgemäße, selbstverständliche Schritt? Der wird sein, daß man durchschauen wird, daß innerhalb der wirtschaftlichen Ordnung letzten Endes nichts wirklich Treibendes liegt. Als das Treibende in der Geschichte wird gerade im Gegensatz zu diesem geschichtlichen Materialismus die Kraft aus dem Inneren erwachsen, zum Spirituellen vorzudringen. Es ist nur die Karikatur des in den Tiefen der menschlichen Seele liegenden Sehnens, was im historischen Materialismus zum Vorschein kommt.
[ 15 ] What will be the next step—the natural, obvious step? It will be the realization that, ultimately, there is nothing truly driving the economic order. In contrast to this historical materialism, the driving force in history will arise from within—the impulse to advance toward the spiritual. What emerges in historical materialism is merely a caricature of the longing that lies in the depths of the human soul.
[ 16 ] Und ebenso ist im Klassenbewußtsein die Kraft der einzelnen menschlichen Individualität da, die in sich selber einen Inhalt sucht, die sich darin äußert — weil sie sich selbst noch leer vorkommt, den Inhalt noch nicht gefunden hat —, daß sie sich an die ganze Klasse anlehnt, sich stark fühlt, wenn sie als Menschheit im Zusammenhang da ist.
[ 16 ] And in the same way, class consciousness embodies the power of individual human identity, which seeks meaning within itself and expresses itself—because it still feels empty, having not yet found that meaning—by drawing strength from the entire class and feeling empowered when it exists as part of the human collective.
[ 17 ] Und so sind alle die Impulse, die heute an der Oberfläche der sozialen Bewegung walten, im Geheimen hervorgehend aus der Quelle, die ich Ihnen eben bezeichnet habe. Und daher konnte in der Zeit, in der Fichte wirkte, die noch nicht reif war für geisteswissenschaftliches Streben, nichts anderes zum Vorschein kommen, als ein Denken, das eigentlich wartet auf das Entgegenkommen der spirituellen Welt und das für die äußere Wirklichkeit nichts taugt. Und das Denken, das eigentlich angewendet werden sollte auf die geistige Welt, das bewirkt — radikal, konsequent, gewalttätig angewendet auf die äußere sinnliche Wirklichkeit — nicht Aufbau dieser sinnlichen Wirklichkeit, sondern Zerstörung. Ich habe Ihnen öfter über die Funktionen des Bösen gesprochen. Ich habe Ihnen gesagt, welche Kräfte eigentlich in dem wirken, was wir hier das Böse im Menschen nennen. Ich sagte Ihnen: gehen wir nur einen Plan höher, von unserem Sinnesplan in den nächsten geistigen Plan hinein, dann bemerken wir durch die Anschauung dieses geistigen Planes, was eigentlich im Bösen wirkt. Denn würden die Kräfte, die in Dieben, Räubern, Mördern leben, nicht hier in der Sinneswelt ausgelebt, sondern würde der Mensch dasjenige, was er in der Sinneswelt unrechtmäßigerweise auslebt, metamorphosiert, umgewandelt auf dem höheren Plane ausleben, so wäre es da vollberechtigt. Dahin gehört es. Das Böse ist ein versetztes Gutes. Nur dadurch, daß die ahrimanischen Kräfte das, was in eine ganz andere Welt gehört, in unsere Welt hereindrücken, entsteht die Artung des Bösen. Und so entsteht ein zerstörerisches Denken — nicht ein Denken, das warten kann auf die Erfüllung von der spirituellen Welt —, wenn das soziale Ideal herausgesponnen wird aus dem eigenen menschlichen Inneren.
[ 17 ] And so all the impulses that are at work today on the surface of the social movement secretly spring from the source I have just described to you. And that is why, in the era when Fichte was active—an era not yet ripe for spiritual scientific endeavor—nothing else could come to the fore but a mode of thinking that is actually waiting for the spiritual world to meet it halfway and that is of no use whatsoever to external reality. And this way of thinking, which is actually meant to be applied to the spiritual world, when applied—radically, consistently, and violently—to external sensory reality, does not build up that sensory reality but destroys it. I have spoken to you often about the functions of evil. I have told you what forces are actually at work in what we here call evil in human beings. I told you: if we ascend just one plane higher—from our sensory plane into the next spiritual plane—then, through our perception of this spiritual plane, we will realize what is actually at work in evil. For if the forces that dwell in thieves, robbers, and murderers were not acted out here in the sensory world, but if human beings were to act out on the higher plane—in a transformed, metamorphosed form—what they unlawfully act out in the sensory world, then it would be fully justified there. That is where it belongs. Evil is good that has been displaced. It is only because the Ahrimanic forces force into our world that which belongs to an entirely different world that the nature of evil arises. And thus a destructive way of thinking arises—not a way of thinking that can wait for fulfillment from the spiritual world—when the social ideal is spun out of one’s own inner being.
[ 18 ] Sehen Sie, das gibt einem einen Einblick in den Unterschied zwischen all den zahlreichen Abstraktionen, die heute herrschen, und dem, was hier angestrebt wird in einer wirklichen praktischen Erfassung des sozialen Organismus. Denn in dem, was angeregt wird im menschlichen Zusammenleben, in dem, was die Menschen ausbilden im Zusammenleben, wenn nur das richtige Zusammenleben auf die Beine gebracht wird, in dem leben sich dann nicht abstrakte Gedanken aus. Abstrakte Gedanken leben sich aus, wenn der Mensch wirklich ehrlich einsam ist. Abstrakte Gedanken leben sich nicht aus, wenn die Menschen zusammen sind. Da leben sich verborgene, geheimnisvolle Imaginationen aus. Und diese geheimnisvollen Imaginationen geben erst dem sozialen Organismus eine entsprechende Struktur, wenn sie verwirklicht werden. Daher hängen im wesentlichen die Fortschritte, die in der neueren Geisteswissenschaft gemacht werden, zusammen mit den einzig heilsamen Impulsen für eine sozialistische Weltordnung. Und die Mängel und Schäden, das Ungesunde des gegenwärtigen sozialen Organismus besteht darin, daß er gerade in Fichtescher Weise dasjenige, was nur in der Erfahrung erfaßt werden kann, aus den bloßen inneren Forderungen herausweben will.
[ 18 ] You see, this gives one insight into the difference between all the numerous abstractions that prevail today and what is being sought here: a genuine, practical understanding of the social organism. For in what is inspired in human coexistence, in what people develop through living together—if only the right kind of coexistence is established—it is not abstract thoughts that come to life there. Abstract thoughts come to life when a person is truly and honestly alone. Abstract thoughts do not come to life when people are together. It is hidden, mysterious imaginings that come to life then. And these mysterious imaginings give the social organism its proper structure only when they are realized. Therefore, the progress made in modern spiritual science is essentially linked to the only salutary impulses for a socialist world order. And the shortcomings, the damage, and the unhealthy nature of the present social organism lie in the fact that, precisely in the Fichtean manner, it seeks to weave out of mere inner demands that which can only be grasped through experience.
[ 19 ] Wenn man betrachtet, wie in der neueren Zeit danach gestrebt worden ist, den Staat immer mehr und mehr zu einem Einheitsstaat zu machen, bloß in sich zu zentralisieren, dann wird man sich klar darüber, daß das zu nichts anderem hat führen können als zu Erschütterungen und Störungen des sozialen Organismus. Und die Gründe für diese Erschütterungen und Störungen liegen eben durchaus tiefer, als derjenige meint, der diese moderne proletarische Bewegung nur als eine Lohn- oder Brotbewegung betrachtet. Denn nicht darauf kommt es an, selbst wenn eine Lohn- oder Brotbewegung heute notwendig sein sollte oder vorliegen würde, daß nach einer Änderung der Brotverhältnisse, der Brotversorgungsverhältnisse gestrebt wird, sondern darauf kommt es gerade heute in der sozialen Bewegung an, wie danach gestrebt wird. Und auf das Wie kommen Sie durch solche Betrachtungen, wie ich sie wiederum heute mit Ihnen anstelle.
[ 19 ] If one considers how, in recent times, there has been a drive to transform the state more and more into a unitary state—to centralize it entirely within itself—then it becomes clear that this could not have led to anything other than upheavals and disruptions within the social organism. And the reasons for these upheavals and disruptions lie far deeper than those who view this modern proletarian movement merely as a movement for wages or bread might suppose. For what matters—even if a movement for wages or bread were necessary today or were in fact taking place—is not that people strive for a change in bread conditions, in the conditions of bread supply, but rather, especially today in the social movement, how they strive for it. And it is this “how” that you arrive at through such reflections as I am once again engaging in with you today.
[ 20 ] Betrachten Sie weiter dasjenige, worauf wir gestern am Schluß gekommen sind, die Frage des Mehrwerts. Wer die proletarische Bewegung miterlebt hat, weiß, wie tief es eingeschlagen hat, als sie von gewissen Führern in die proletarischen Seelen verpflanzt worden ist. Worauf beruht denn die sogenannte Mehrwertstheorie? Sie beruht wirklich auf dem, was ich auch vorgestern im öffentlichen Vortrage in Basel ausgesprochen habe: daß eigentlich eine reale Unwahrheit in dem Verhältnis des Arbeitgebers zu dem Arbeitnehmer heute herrscht, und weder der Arbeitgeber noch der Arbeitnehmer in der Oberfläche ihres Seelenlebens wissen, daß da eine Unwahrheit herrscht. Der Tatbestand wird maskiert. Aber wenn es auch nicht gewußt wird, es wirkt dennoch in der Seele als Tatsache, es wirkt als Empfindung, es wirkt aus unterbewußten Tiefen herauf.
[ 20 ] Let us now consider what we concluded yesterday: the question of surplus value. Anyone who has witnessed the proletarian movement knows how deeply it took root when it was instilled into the souls of the proletariat by certain leaders. On what, then, is the so-called theory of surplus value based? It is based, in fact, on what I also stated the day before yesterday in my public lecture in Basel: that a real untruth actually prevails today in the relationship between employer and employee, and neither the employer nor the employee, on the surface of their inner lives, is aware that this untruth exists. The reality of the situation is masked. But even if it is not known, it nevertheless acts in the soul as a fact; it acts as a feeling; it rises up from the depths of the subconscious.
[ 21 ] Halten wir uns noch einmal die Hauptsache vor Augen. Der Arbeitnehmer ist heute zu dem Arbeitgeber in einem ganz bestimmten Verhältnisse, das der Arbeitnehmer als menschenunwürdig empfindet, wenn er auch manchmal in seiner bewußten Beschreibung ganz anderes vorbringt. Er empfindet es als menschenunwürdig in seiner Seele, weil es dazu führt, daß er seine Arbeitskraft wie eine andere Ware dem Unternehmer zu verkaufen hat. Und er empfindet in den geheimen Untergründen seiner Seele, daß eigentlich nichts vom Menschen verkauft werden darf. Und verkauft der Mensch seine Arbeitskraft, so geht der ganze Mensch eigentlich mit. Nun, darüber haben wir ja schon Betrachtungen angestellt.
[ 21 ] Let us once again keep the main point in mind. Today, the employee stands in a very specific relationship to the employer—one that the employee perceives as degrading, even if he sometimes presents a completely different view in his conscious description. Deep down, they feel it is degrading because it means they must sell their labor to the employer as if it were just another commodity. And in the secret depths of their soul, they feel that nothing about a human being should actually be sold. And when a person sells their labor, their whole being is actually sold along with it. Well, we have already reflected on this.
[ 22 ] Nun könnte eigentlich die Frage so gestellt werden, und sie wird gewöhnlich gerade vom sozialistischen Denken so gewendet: Wie kommt man dazu, in der richtigen Weise die Arbeitskraft zu vergüten? Die sozialen Ideale, die laufen zumeist darauf hinaus, der menschlichen Arbeitskraft, der handwerklichen Arbeitskraft ihre volle Vergütung zuzuwenden. Nun liegt aber ein ganz anderer Tatbestand vor. Für den, der die Volkswirtschaft durchschaut, ist nämlich klar, daß die menschliche Arbeitskraft überhaupt nicht gegen etwas anderes ausgetauscht werden kann, denn menschliche Arbeitskraft ist nicht mit irgendeiner Ware oder einem Warenrepräsentanten wie dem Gelde irgendwie zu vertauschen. Das ist kein realer Vorgang, sondern nur ein, wenn auch verwirklichter, phantastischer Vorgang. Daß der Handwerker arbeitet und dann Geld für die Aufwendung seiner Arbeitskraft bekommt, ist kein wirklicher Vorgang, sondern die Sache ist maskiert, die Sache ist eine reale Unwahrheit. Was da vorgeht, ist etwas ganz anderes. Man stellte die Sache so in den sozialen Organismus hinein, als wenn der Arbeiter seine Arbeitskraft zu Markte brächte und der Unternehmer ihm diese Arbeitskraft abkaufte mit dem Lohn. So ist es aber gar nicht. Auf dem Wirtschaftsgebiete kann man überhaupt nichts anderes tun, als Ware gegen Ware austauschen allerdings Ware dann im allerweitesten Sinne genommen. Alles Wirtschaftsleben besteht in Wirklichkeit nur im Austausch von Waren. Was ist nun eine Ware vor der Wirklichkeit gedacht? — Ein Grundstück ist als solches noch keine Ware. Die Kohle, die unter der Erde sich befindet, ist als solche noch keine Ware. Eine Ware ist nur das, was in Zusammenhang gekommen ist mit menschlicher Tätigkeit, entweder seinem inneren Wesen nach durch menschliche Tätigkeit verändert oder durch menschliche Tätigkeit von einem Orte zum andern gebracht worden ist. Wenn Sie diese zwei Eigenschaften nehmen, so finden Sie alles, was sich irgendwie unter den Begriff der Ware unterbringen läßt. Man hat viel gestritten über die Natur der Ware. Aber wer Einsicht hat in den volkswirtschaftlichen Zusammenhang, der weiß, daß vor der Wirklichkeit nur diese Definition der Ware einen Wert hat.
[ 22 ] Now, one could actually pose the question this way—and it is usually framed precisely this way by socialist thought: How does one go about properly compensating labor? Social ideals generally boil down to providing full compensation for human labor, for manual labor. But the reality is quite different. For anyone who understands the national economy, it is clear that human labor cannot be exchanged for anything else at all, because human labor cannot be exchanged in any way for any commodity or a representative of commodities such as money. This is not a real process, but merely a fantastical one—albeit one that has been realized. The fact that a craftsman works and then receives money in exchange for expending his labor power is not a real process; rather, the reality is masked—it is a real untruth. What is actually happening is something entirely different. This concept was introduced into the social organism as if the worker were bringing his labor power to market and the entrepreneur were purchasing that labor power from him in exchange for a wage. But that is not how it is at all. In the economic sphere, one can do nothing at all other than exchange commodities for commodities—though “commodity” must be taken here in the broadest possible sense. All economic life consists, in reality, solely of the exchange of commodities. What, then, is a commodity in reality? — A piece of land, as such, is not yet a commodity. Coal lying underground is not yet a commodity in and of itself. A commodity is only that which has come into contact with human activity—either altered in its intrinsic nature by human activity or moved from one place to another by human activity. If you take these two characteristics into account, you will find everything that can in any way be subsumed under the concept of a commodity. There has been much debate about the nature of a commodity. But anyone who understands the economic context knows that, in reality, only this definition of a commodity has any value.
[ 23 ] Nun haben sich im modernen sozialen Organismus zahlreiche Verquickungen, Zusammenschmelzungen der Warenzirkulation mit anderem herausgestellt, und das hat diesen modernen sozialen Organismus zu seinen revolutionären Konvulsionen getrieben. Man glaubt heute und das ist auch eine realisierte Phantastik — nicht nur Ware gegen Ware zu tauschen, sondern man glaubt auch Ware gegen menschliche Arbeitskraft wie im Lohnverhältnisse zu tauschen; und fernerhin glaubt man Ware oder deren Repräsentanten, das Geld, zu tauschen gegen dasjenige, was, solange es vom Menschen nicht verändert ist, nicht Ware sein kann, Grund und Boden zum Beispiel. Denn der Grund und Boden ist als solcher kein Objekt des Wirtschaftsprozesses. Auf dem Grund und Boden werden Objekte des Wirtschaftsprozesses gewonnen durch menschliche Tätigkeit, aber der Grund und Boden ist als solcher kein Objekt des Wirtschaftsprozesses. Was im Wirtschaftsprozeß, im sozialen Organismus überhaupt für den Boden in Betracht kommt, das ist, daß der eine oder andere ein Recht hat, ausschließlich diesen Boden zu benützen und zu bearbeiten. Dieses Recht auf den Boden ist es, was wirklich eine reale Bedeutung für den sozialen Organismus hat. Der Boden selber ist nicht Ware, sondern Waren entstehen auf ihm. Und was da eingreift, ist das Recht, das der Besitzer hat auf den Grund und Boden. Wenn Sie also käuflich, das heißt durch Tausch, ein Grundstück erwerben, so erwerben Sie in Wirklichkeit ein Recht, das heißt, Sie tauschen eine Sache gegen ein Recht, wie es ja schließlich auch beim Kaufe von Patenten der Fall ist.
[ 23 ] Now, in the modern social organism, numerous intertwining and fusions of the circulation of commodities with other processes have emerged, and this has driven this modern social organism to its revolutionary convulsions. People today believe—and this is also a fantasy that has become reality—not only that they are exchanging commodities for commodities, but also that they are exchanging commodities for human labor power, as in wage relations; and furthermore, they believe they are exchanging commodities or their representatives—money—for that which, as long as it remains unaltered by human hands, cannot be a commodity: land, for example. For land, as such, is not an object of the economic process. Objects of the economic process are produced on land through human activity, but land itself is not an object of the economic process. What matters for land in the economic process—and in the social organism in general—is that one person or another has the right to exclusively use and cultivate that land. It is this right to the land that truly has real significance for the social organism. Land itself is not a commodity; rather, commodities are produced on it. And what comes into play here is the right that the owner has to the land. So when you acquire a piece of land by purchase—that is, through exchange—you are in reality acquiring a right; that is, you are exchanging a thing for a right, just as is ultimately the case with the purchase of patents.
[ 24 ] Da greift man tief hinein in jene Verquickung, die so Unseliges bewirkt hat, in jene Verquickung des reinen politischen Rechtsstaates mit dem Wirtschaftsleben, wofür es keine andere Heilung gibt, als die Auseinandertrennung. Das Wirtschaftsleben muß man für sich walten lassen in der reinen Warenproduktion, Warenzirkulation, Warenkonsumtion, in einem assoziativen Leben, in dem sich Produktion, Konsumtion, die einzelnen Berufsinteressen, die die Menschen zusammenschließen, in ein entsprechendes Verhältnis stellen. Aber innerhalb dieser Assoziationen und assoziativen Gruppen wird nur gewirtschaftet, so wie im menschlichen Verdauungssystem eben nur die Verdauung vor sich geht; und dann wird diese Verdauung auf der anderen Seite ergriffen von dem selbständigen Lungen-Herzsystem, das für sich mit der Außenwelt in Beziehung steht; was im Verdauungsprozeß lebt, wird weiter in Empfang genommen von dem, was selbständiger Atmungs-Herzprozeß ist. So muß als selbständig, aus einer besonderen Quelle her das, was im Wirtschaftsleben als Recht verankert ist, festgestellt werden. Das heißt, es muß alles das, was sich auf politische Verhältnisse bezieht, die sich im Rechtsleben und anderem ausdrücken, neben dem Wirtschaftsleben eine relative Selbständigkeit haben.
[ 24 ] Here one delves deeply into that entanglement that has caused so much misfortune—the entanglement of the purely political constitutional state with economic life—for which there is no other remedy than separation. Economic life must be allowed to function on its own terms in the pure production, circulation, and consumption of goods—in an associative life in which production, consumption, and the individual professional interests that bring people together are placed in a corresponding relationship. But within these associations and associative groups, economic activity takes place only in the same way that, in the human digestive system, only digestion occurs; and then this digestion is, on the other hand, taken up by the independent lung-heart system, which relates to the outside world on its own; what lives within the digestive process is further received by what constitutes the independent respiratory-cardiac process. Thus, what is enshrined as law in economic life must be established as independent, deriving from a distinct source. This means that everything relating to political conditions—which find expression in legal life and elsewhere—must possess a relative independence alongside economic life.
[ 25 ] Sehen Sie, wenn man das durchschaut, merkt man auch die Unwahrheit, die in dem Verhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer liegt und die sich so darstellt, als wenn die Arbeitskraft wirklich vergütet würde. Sie wird nämlich zunächst gar nicht unmittelbar vergütet, sondern nur mittelbar. Was vorliegt, ist ein gewisses scheinbares, aber zur Gewalt, zur wirtschaftlichen Gewalt gewordenes Recht, durch das der Arbeitgeber den Arbeiter an die Maschine oder in die Fabrik hineinzwingt — nicht ganz offenbar, aber eigentlich im geheimen hineinzwingt. Was nun getauscht wird, ist in Wirklichkeit nicht Arbeitskraft und Ware oder Warenrepräsentant, das heißt Geld, sondern was getauscht wird, sind die Leistungen: die hervorgebrachte Ware des Arbeiters, das, was er hervorbringt. So daß da gegen einen kleinen Teil dieser Waren, die der Unternehmer ihm gibt, wirklich getauscht wird Ware gegen Ware. Und da stellt sich erst die Unwahrheit dar, als ob Ware gegen Arbeitskraft getauscht würde. Und das Geheimnis davon empfindet der moderne Proletarier als menschenunwürdig, indem er sich sagt: Du produzierst so und so viel an Ware, und davon gibt dir der Unternehmer nur so und so viel ab.
[ 25 ] You see, once you see through this, you also realize the falsehood inherent in the relationship between employer and employee—a falsehood that presents itself as if labor were actually being compensated. In fact, labor is not compensated directly at all, but only indirectly. What we have here is a certain apparent right—one that has become a form of coercion, of economic coercion—through which the employer compels the worker to the machine or into the factory—not entirely openly, but in fact covertly. What is actually exchanged is not labor power and a commodity or a commodity representative—that is, money—but rather the products: the commodity produced by the worker, that which he produces. Thus, in exchange for a small portion of these commodities that the entrepreneur gives him, there is truly an exchange of commodity for commodity. And this is where the falsehood first presents itself, as if commodities were being exchanged for labor power. And the modern proletarian perceives the secret behind this as degrading, telling himself: You produce this much in commodities, and of that, the entrepreneur gives you only this much.
[ 26 ] Das rechtmäßige Verhältnis zwischen dem Arbeitnehmer und dem Unternehmer kann nämlich gar nicht in der Sphäre des Wirtschaftsprozesses hergestellt werden, sondern nur in der Sphäre des politischen Staates als ein Rechtsverhältnis. Darauf kommt es an. Steht der Mensch auf der einen Seite auf dem Boden des Wirtschaftslebens und auf der anderen Seite auf dem Boden des selbständigen Rechtslebens, dann wird dieses Wirtschaftsleben von zwei Seiten her bestimmt. Auf der einen Seite ist das Wirtschaftsleben abhängig von den von der Menschentätigkeit unabhängigen Naturfaktoren. Ich habe Ihnen angeführt in den öffentlichen Basler Vorträgen, wie zum Beispiel je nach dem Erträgnis, das eine bestimmte Bodengegend in bezug auf Weizen. hat, andere menschliche Arbeitskraft angewendet werden muß, als wo ein anderes Erträgnis, eine andere Ertragsfähigkeit vorliegt. Das sind die Naturgrundlagen. Die grenzen auf der einen Seite an das Wirtschaftsleben an. Auf der anderen Seite muß zum Beispiel mit Bezug auf die Arbeitskraft aus dem Rechtsleben fließen, was als ein Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich herausstellen soll.
[ 26 ] The lawful relationship between the employee and the employer cannot, in fact, be established within the sphere of economic life, but only within the sphere of the political state as a legal relationship. That is what matters. If a person stands, on the one hand, on the ground of economic life and, on the other hand, on the ground of independent legal life, then this economic life is determined from two sides. On the one hand, economic life depends on natural factors that are independent of human activity. I explained to you in my public lectures in Basel, for example, how—depending on the yield of a particular area of land with regard to wheat—a different amount of human labor must be applied than in areas with a different yield or productive capacity. These are the natural foundations. On the one hand, they border on economic life. On the other hand, with regard to labor, for example, legal norms must define the relationship between employer and employee.
[ 27 ] Nun werden Leute, die die Dinge bloß an der Oberfläche sehen, sagen: Ja, aber das ist ja heute schon der Fall, denn es wird der Arbeitsvertrag geschlossen. — Ja, meine lieben Freunde, was nützt das, wenn der Arbeitsvertrag geschlossen wird über etwas, was eigentlich ein kaschiertes Lügenverhältnis ist. Der Arbeitsvertrag wird nämlich gerade über das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in bezug auf die Arbeitskraft und ihre Entlohnung geschlossen. Erst dann wird das richtige Verhältnis hergestellt werden, wenn der Vertrag nicht geschlossen wird über die Entlohnung, sondern wenn der Vertrag ganz sichtbar geschlossen wird über die Art und Weise, wie der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer die Leistung, die geschieht, teilen. Dann wird der Arbeiter — und darauf kommt viel mehr an als auf alles, was die Leute heute glauben — einsehen, daß ohne Mehrwerterzeugung gar nicht auszukommen ist. Aber er muß darauf schauen können, wie der Mehrwert entsteht. Er darf nicht in ein Lügenverhältnis hineingebaut werden. Dann wird er einsehen, daß es ohne Mehrwerterzeugung überhaupt keine geistige Kultur, daß es auch keinen Rechtsstaat geben kann, denn das fließt alles aus dem Mehrwert. Aber wenn der soziale Organismus gesund ist, ergibt sich das alles aus dem dreigliedrigen sozialen Organismus.
[ 27 ] Now, people who only see things on the surface will say: Yes, but that’s already the case today, because an employment contract is signed. — Yes, my dear friends, but what good is that if the employment contract is signed for something that is actually a disguised relationship based on lies? The employment contract is, in fact, concluded precisely regarding the relationship between employer and employee with respect to labor and its compensation. The proper relationship will only be established when the contract is not concluded regarding remuneration, but when it is clearly concluded regarding the way in which the employer and the employee share the work that is performed. Then the worker—and this matters far more than anything people believe today—will realize that it is impossible to do without the production of surplus value. But he must be able to see how surplus value is created. He must not be drawn into a relationship based on lies. Then he will realize that without the production of surplus value there can be no spiritual culture at all, nor can there be a constitutional state, for all of this flows from surplus value. But if the social organism is healthy, all of this arises from the threefold social organism.
[ 28 ] Nun kann man natürlich über diese Anschauung nicht stundenlang, sondern wochenlang sprechen, und wir haben es ja fast schon getan; aber wir kommen natürlich immer wieder zu neuen Einzelheiten, die uns die Sache verständlicher machen sollen, denn jede einzelne konkrete Frage läßt sich ahnen, die entstehen wird und deren Beantwortung im praktischen Leben durch die Dreigliederung versucht werden wird.
[ 28 ] Of course, one could talk about this view not for hours, but for weeks on end, and we have, in fact, almost done so already; but we naturally keep coming across new details that are meant to make the matter clearer to us, for one can foresee every single concrete question that will arise and whose answer will be sought in practical life through the threefold order.
[ 29 ] Sehen Sie, da muß vor allen Dingen so etwas bedacht werden, wie das Folgende: Im Wirtschaftsleben werden Waren ausgetauscht; an das Wirtschaftsleben ist angegliedert das Leben des politischen Staates im engeren Sinne. Der begrenzt die Arbeitszeit im menschlichen Zusammenleben, im Rechtsleben. So daß, während das Wirtschaftsleben auf der einen Seite von der Naturgrundlage abhängig ist, es auf der anderen Seite von dem abhängig ist, was durch das Rechtsleben festgestellt wird, also zum Beispiel Arbeitszeit, Verhältnis der Arbeit zum einzelnen Menschen, zu seiner Stärke, zu seiner Schwäche, seinem Lebensalter. Es kann nicht einen Maximal-Arbeitstag oder so etwas geben, sondern es kann in Wirklichkeit nur eine Begrenzung nach oben und nach unten geben. Das alles sind Bedingungen, die dem Wirtschaftsleben von seiner anderen Grenze aus ebenso zufließen, wie die Naturgrundlagen von der entgegengesetzten Seite herfließen.
[ 29 ] You see, above all else, we must consider the following: In economic life, goods are exchanged; linked to economic life is the life of the political state in the narrower sense. The latter limits working hours in human coexistence and in legal life. Thus, while economic life depends on natural foundations on the one hand, on the other hand it depends on what is established by legal life—for example, working hours, the relationship of work to the individual, to his or her strengths, weaknesses, and age. There cannot be a maximum workday or anything of the sort; in reality, there can only be an upper and lower limit. All of these are conditions that flow into economic life from its other boundary just as the natural foundations flow in from the opposite side.
[ 30 ] Wird einmal der soziale Organismus in dieser Weise gesunden, dann wird zum Beispiel das ganz Ungeheuerliche verschwinden, das heute vielfach da ist, daß sich die Entlohnung aus dem Wirtschaftsleben selbst heraus ergibt; so daß, wenn besonders gute Konjunktur da ist, der Lohn steigt, wenn schlechte da ist, er vermindert werden kann. Das wird sich verwandeln in das Entgegengesetzte. Die gute Konjunktur wird entstehen können unter dem Einfluß des Arbeitslohnes und umgekehrt.
[ 30 ] Once the social organism is restored to health in this way, then, for example, the utterly outrageous situation that exists in many cases today—where wages are determined by economic conditions alone, so that when the economy is particularly strong, wages rise, and when it is weak, they can be reduced—will disappear. This will be transformed into the opposite. A strong economy will be able to emerge under the influence of wages, and vice versa.
[ 31 ] Besonders ersichtlich kann das auch sein bei der Grundrente, die heute vielfach abhängig ist von dem Preise der Waren, die auf dem Grund und Boden erzeugt werden, von dem Marktpreis der Waren. Das gesunde Verhältnis ist nur das Umgekehrte: Wenn das Recht, das sich in der Grundrente zum Ausdruck bringt, wiederum den Marktpreis beeinflußt. Vielfach stellen sich unter dieser Dreigliederung gerade die umgekehrten Verhältnisse ein, die heute da sind und die unsere revolutionären Konvulsionen verursacht haben. Denn das ganze Leben wird in einer anderen Weise verlaufen.
[ 31 ] This can be particularly evident in the case of ground rent, which today is often dependent on the price of the goods produced on the land—that is, on the market price of those goods. The healthy relationship is precisely the opposite: when the right, as expressed in ground rent, in turn influences the market price. In many cases, this threefold structure gives rise to precisely the opposite conditions that exist today and that have caused our revolutionary upheavals. For life as a whole will unfold in a different way.
[ 32 ] Was ist vor allen Dingen zu beachten in dem Verhältnisse zwischen dem Wirtschaftsleben und dem politischen Staat im engen Sinne? Unter den Dingen, die da zu beachten sind, werden Sie ja selbst leicht darauf kommen, daß da etwas in Betracht kommt, was manchmal als etwas Unangenehmes empfunden wird, das Steuerzahlen. Bei diesem Steuerzahlen handelt es sich nur darum, daß man wirklich klar durchschauen kann, wie aus dem Mehrwert heraus die Steuer erfließen muß, indem man im demokratischen politischen Zusammenleben die Lebensbedingung des politischen Organismus immer ebenso vor Augen hat, wie man das Wirtschaftsleben vor Augen hat, indem man kauft und verkauft und so aus dem menschlichen Bedürfnisse heraus deutlich die Realität dieses Wirtschaftsverhältnisses wahrnimmt. Aber das wird wiederum etwas im Gefolge haben, was heute geradezu entgegengesetzt vorhanden ist zu der Art, wie es der gesunde soziale Organismus haben wird. Ich sage nicht, daß man es mit der Steuergesetzgebung anders machen soll; unter den heutigen Verhältnissen läßt sich vieles nicht anders machen oder nur, wenn die Fehler auf eine andere Seite gelegt werden. Aber unter dem Einfluß des dreigliedrigen gesunden Organismus wird vor allen Dingen über Einzelnes im sozialen Leben sich eine ganz andere Anschauung herausbilden. Man wird einsehen, daß es für das soziale Leben als solches, für das Leben des Menschen im sozialen Organismus bedeutungslos ist, wenn der Mensch Geld einnimmt. Denn indem der Mensch Geld einnimmt, sondert er sich aus dem sozialen Organismus heraus, und dem sozialen Organismus kann das höchst gleichgültig sein. Es hat nämlich gar keine Bedeutung für seine Funktionen, was der Mensch einnimmt, sondern der Mensch wird erst ein soziales Wesen, indem er ausgibt. Beim Ausgeben erst fängt der Mensch an in sozialer Weise zu wirken. Und da handelt es sich darum, daß gerade beim Ausgeben — ich denke nicht an indirekte Steuern, sondern an Ausgabensteuern, was davon ganz verschieden ist —, daß gerade beim Ausgeben das Steuerzahlen einsetzen muß. Natürlich kann ich Ihnen das nicht in Einzelheiten auseinandersetzen, obwohl das in Einzelheiten ausgearbeitet werden kann, weil es viel zu weit gehende volkswirtschaftliche Kenntnisse voraussetzt, um es in einem Vortrag auseinanderzusetzen. Aber einiges davon kann doch, ich möchte sagen, mitteilend angedeutet werden.
[ 32 ] What, above all, must be taken into account in the relationship between economic life and the political state in the narrow sense? Among the factors to consider, you will easily realize for yourselves that one thing comes into play that is sometimes perceived as unpleasant: paying taxes. When it comes to paying taxes, the key is to truly understand how taxes must be derived from surplus value—by always keeping in mind, within democratic political life, the conditions of existence of the political organism just as one keeps economic life in mind when buying and selling, and by clearly perceiving the reality of this economic relationship based on human needs. But this, in turn, will have certain consequences that are today virtually the opposite of what a healthy social organism would entail. I am not saying that tax legislation should be handled differently; under today’s circumstances, many things cannot be done differently—or can only be done so if the errors are shifted to another party. But under the influence of the threefold healthy organism, a completely different perspective will emerge, above all, regarding specific aspects of social life. People will come to realize that it is meaningless for social life as such—for human life within the social organism—when a person takes in money. For by taking in money, a person separates themselves from the social organism, and this is of the utmost indifference to the social organism. For what a person earns has absolutely no bearing on the functions of the social organism; rather, a person only becomes a social being by spending. It is only through spending that a person begins to act in a social way. And this is precisely why—I am not thinking of indirect taxes, but of expenditure taxes, which are quite different—it is precisely through spending that the payment of taxes must take place. Of course, I cannot explain this to you in detail—although it can be worked out in detail—because it requires far too extensive a knowledge of economics to be discussed in a lecture. But some aspects of it can, I would say, be hinted at in a communicative way.
[ 33 ] In dem gesunden, von den übrigen Gliedern des sozialen Organismus abgegliederten Wirtschaftsleben zeigt sich natürlich, daß zum Beispiel in einem Gebiete, das für den sozialen Organismus in Betracht kommt, geographisch, durch die Naturgrundlage der Weizen teurer erzeugt werden muß als in dem andern. Und da kann es sich herausstellen, daß durch das bloße Assoziationsleben der Ausgleich nicht geschaffen wird. Aber man kann dann durch das Rechtsleben die Sache völlig korrigieren, indem einfach in einem solchen Falle das würde sich ja von selbst ergeben — diejenigen, die den Weizen billiger kaufen, das heißt, weniger ausgeben, eine höhere Besteuerung zu zahlen haben, als die, die den Weizen teuer kaufen, also mehr ausgeben müssen.
[ 33 ] In a healthy economic life, separated from the other parts of the social organism, it naturally follows that, for example, in one region—which is relevant to the social organism from a geographical standpoint—wheat must be produced at a higher cost due to natural conditions than in another. And it may turn out that the mere existence of economic associations does not create a balance. But one can then completely correct the situation through the legal system by simply—and this would follow naturally—requiring those who buy wheat more cheaply, that is, who spend less, to pay higher taxes than those who buy wheat at a higher price, and thus have to spend more.
[ 34 ] Sie können, wenn der Rechtsstaat eben das Recht im Wirtschaftsleben in der richtigen Weise reguliert, wenn nicht die Rechte nur verwirklichte Interessen des Wirtschaftslebens sind, wenn nicht in dem Reichstag der Bund der Landwirte sitzt, sondern bloß diejenigen, die von Mensch zu Mensch über das Recht zu befinden haben, dann können Sie eine vollständige Regulierung im Wirtschaftsleben herbeiführen. Ich deute das abstrakt im allgemeinen an; in allen Einzelheiten wäre das auszuführen. So ist es bei dem Steuerverhältnis zwischen dem Wirtschaftsleben und dem Rechtsleben.
[ 34 ] You can—if the rule of law properly regulates economic life, if rights are not merely realized interests of economic life, if the Reichstag is not composed of the Farmers’ Union but only of those who are to adjudicate matters of law on a person-to-person basis—then you can bring about complete regulation of economic life. I am referring to this in abstract and general terms; it would need to be elaborated in all its details. This is the case with the relationship between economic life and legal life.
[ 35 ] Das Verhältnis aber zwischen dem Wirtschaftsleben, Rechtsleben auf der einen Seite und dem Geistesleben auf der anderen Seite, das ist ein solches, das sich überhaupt nur auf vertrauendes Verständnis begründen kann. Wie die Steuerabgabe allerdings eine zwangsmäßige sein muß, auch im gesunden sozialen Organismus, so kann auf der anderen Seite die Abgabe für das geistige Leben nur eine freiwillige sein, denn das geistige Leben muß völlig auf den Geist der Menschheit gestellt werden. Es muß völlig emanzipiert werden von allem anderen. Dann wirkt es wiederum gerade in der tiefsten, intensivsten Weise auf dieses andere zurück.
[ 35 ] The relationship, however, between economic life and legal life on the one hand, and intellectual life on the other, is one that can be based only on mutual trust and understanding. Just as the payment of taxes must be compulsory—even in a healthy social organism—so, on the other hand, the contribution to spiritual life can only be voluntary, for spiritual life must be placed entirely in the hands of the spirit of humanity. It must be completely emancipated from everything else. Then, in turn, it will have a profound and intense effect on that other realm.
[ 36 ] Das sind wiederum solche Skizzen, die ich Ihnen geben kann von der Art und Weise, wie der soziale Organismus, wenn er gesund ist, funktionieren muß. Diese Dreigliederung ist nichts Erfundenes, diese Dreigliederung ist einfach das, was man beobachten kann, wenn man die tieferen Kräfte in der Menschheitsentwickelung, die gerade heute in Wirksamkeit getreten sind und die sich in den nächsten zehn, zwanzig, dreißig Jahren verwirklichen werden, mag man auch dies oder jenes oder etwas anderes wollen. Es kann sich nur um das Wie handeln. Diese Kräfte sind beobachtet, und sie sind in die Form der Anschauung gebracht. So aber muß man überhaupt leben mit Bezug auf das geschichtliche Leben, daß man gewahr wird, was sich in der Geschichte verwirklichen will. Das stört nicht die Freiheit, denn die Freiheit bezieht sich auf etwas ganz anderes. Die Freiheit wird dadurch ebensowenig gestört, wie sie gestört wird dadurch, daß man nicht auf den Mond hinaufgreifen kann, trotzdem man es vielleicht wollte und dergleichen. Die Freiheit realisiert sich nach den Notwendigkeiten, die sowohl in dem natürlichen wie in dem geschichtlichen Werdeprozeß liegen.
[ 36 ] These, in turn, are the kinds of sketches I can give you of the way in which the social organism, when it is healthy, must function. This threefold structure is not something invented; it is simply what can be observed when one looks at the deeper forces in human development—forces that have just now come into play and will manifest themselves over the next ten, twenty, or thirty years, regardless of what anyone might wish for. The only question is how. These forces have been observed and have been given the form of a vision. But this is precisely how one must live in relation to historical life—by becoming aware of what is striving to come to fruition in history. This does not interfere with freedom, for freedom relates to something entirely different. Freedom is no more impaired by this than it is by the fact that one cannot reach up to the moon, even though one might wish to do so, and the like. Freedom realizes itself in accordance with the necessities inherent in both the natural and the historical processes of becoming.
