The Social Question as a Question of Consciousness
GA 189
16 March 1919, Dornach
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The Social Question as a Question of Consciousness, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Ich habe gestern gesagt, daß unter den mancherlei Zeichen, wie gegenwärtiges Denken weit von der Wirklichkeit abliegt, zum Beispiel auch folgendes sei, daß man jetzt in den Kreisen, die sich mit der einschlägigen Frage beschäftigen, gar nicht daran denkt, daß die Begründung eines Völkerbundes, als sie der Idee nach aus dem Kopfe Wilsons entstand, damals verkündet wurde als etwas, was nur in einer geeigneten Weise möglich würde, wenn ein Friede sich ergeben würde ohne den Sieg der einen oder der anderen Seite. Ich möchte Ihnen heute doch, damit Sie sehen, in welcher scharfen Weise dazumal am 22. Januar 1917 Wilson diese Bedingungen für den Völkerbund gestellt hat, die betreffende Stelle aus seiner Rede in der deutschen Übersetzung vorlesen. Sie können sie, wenn Sie wollen, vergleichen; es ist Ja hier jetzt auch die englische Ausgabe erschienen mit gegenüberstehender deutscher Übersetzung, und Sie werden finden, daß durch die deutsche Übersetzung der Sinn der Stelle keineswegs geändert wird. Wilson sagt:
[ 1 ] I said yesterday that among the various signs of how current thinking is far removed from reality is, for example, the fact that in the circles currently engaged with this issue, no one even considers that the establishment of a League of Nations—as it originated in Wilson’s mind— was proclaimed at the time as something that would only be possible in an appropriate manner if peace were to be achieved without the victory of one side or the other. Today, however, so that you may see just how sharply Wilson laid out these conditions for the League of Nations on January 22, 1917, I would like to read to you the relevant passage from his speech in the German translation. You can compare it if you wish; the English edition has now been published here with the German translation in parallel columns, and you will find that the German translation in no way alters the meaning of the passage. Wilson says:
[ 2 ] «Vor allem anderen ist damit gesagt, daß ein Friede ohne Sieg sein muß. Es ist nicht angenehm, das sagen zu müssen. Man wolle mir gestatten, meine eigene Auffassung dafür darzulegen und zu betonen, daß mir keine andere Auffassung in den Sinn gekommen ist. Ich suche bloß den Tatsachen ins Gesicht zu sehen, und zwar ohne alle schonenden Vertuschungen. Ein Sieg würde zu bedeuten haben, daß der Friede dem Besiegten aufgezwungen würde, daß der Unterlegene sich den Bedingungen des Siegers zu beugen hätte. Solche Bedingungen könnten nur in tiefer Demut, im Zustande der Nötigung und unter unerträglichen Opfern angenommen werden, und es würde eine schmerzende Wunde, ein Gefühl des Grolls und eine bittere Erinnerung zurückbleiben. Ein Friede, der auf solcher Grundlage ruhte, könnte keinen Bestand haben, sondern wäre wie auf Treibsand gebaut. Nur ein Friede zwischen Gleichgesinnten kann von Dauer sein — ein Friede, der seinem ganzen Wesen nach auf Gleichheit und auf dem gemeinsamen Genuß einer allen gemeinsam zugute kommenden Wohltat beruht. Die rechte Gesinnung, die rechte Gefühlsstimmung zwischen den verschiedenen Nationen ist für einen dauerhaften Frieden ebenso notwendig, wie die gerechte Beilegung hartnäckiger Streitfragen über Gebiets- oder Rassen- oder Volkszugehörigkeit.»
[ 2 ] “Above all else, this means that peace must be without victory. It is not pleasant to have to say this. Allow me to set forth my own view on this matter and to emphasize that no other view has occurred to me. I am merely seeking to face the facts head-on, without any euphemistic cover-ups. A victory would mean that peace would be imposed on the vanquished, that the defeated party would have to submit to the victor’s terms. Such terms could only be accepted with deep humility, under duress, and at the cost of unbearable sacrifices, and they would leave behind a painful wound, a sense of resentment, and a bitter memory. A peace resting on such a foundation could not endure; rather, it would be built on quicksand. Only a peace between like-minded parties can be lasting—a peace that is, in its very essence, based on equality and on the shared enjoyment of a benefit that serves the common good of all. The right attitude, the right spirit of goodwill between the various nations, is just as necessary for a lasting peace as the just settlement of intractable disputes over territory, race, or nationality.”
[ 3 ] Das wurde als Bedingung dazumal geltend gemacht für die Begründung eines Völkerbundes. Und wenn klares Denken vorliegt, dann, meine lieben Freunde, kann nichts anderes gesagt werden als: Es müßte eben in dem Augenblicke, in dem es einen solchen Frieden ohne Sieg nicht gibt, alles Gerede über einen gegenwärtig zu begründenden Völkerbund, der doch keine Aussichten auf irgendwelches Gedeihen bieten könnte, aufgegeben werden. Aber das ist nicht geschehen. Die Leute denken nicht der Wirklichkeit entsprechend, die Leute denken abstrakt und lassen die Gedanken so fortrollen, wie sie einmal zu rollen begonnen haben, ganz gleichgültig, ob diese Gedanken unter Voraussetzungen gefaßt sind, die jetzt noch zutreffen, oder nicht.
[ 3 ] That was put forward as a condition at the time for the establishment of a League of Nations. And if we think clearly, my dear friends, there is nothing else to say but this: At the very moment when such a peace without victory does not exist, all talk of establishing a League of Nations at this time—which could offer no prospect of success anyway—must be abandoned. But that has not happened. People do not think in accordance with reality; they think abstractly and let their thoughts roll on once they have begun to roll, regardless of whether these thoughts are based on assumptions that still hold true today or not.
[ 4 ] Es ist dieses nur ein eklatantes Beispiel für das Denken, das die Welt in so großes Unglück gebracht hat. Und ehe man nicht einsehen wird, daß an die Stelle solchen wirklichkeitsfremden Denkens ein anderes Denken treten müsse, welches in die Wirklichkeit unterzutauchen in der Lage ist, werden sich die Verhältnisse ganz. gewiß nicht in einer der Menschheit heilsamen Art ändern können. Das muß für die großen Angelegenheiten der Welt eingesehen werden, das muß auch eingesehen werden für alles, was ein jeglicher in seinem alltäglichen Leben zu ordnen hat. Denn es greifen ineinander die Maßnahmen, die der einzelne im alltäglichen Leben trifft, mit den höchsten Angelegenheiten der Menschheit. Daher muß es uns immer wieder und wieder als eine Notwendigkeit vor die Seele treten, zu fragen, was denn in der Gegenwart eine wirkliche Änderung hervorrufen könnte.
[ 4 ] This is just one glaring example of the kind of thinking that has brought such great misfortune upon the world. And until people realize that such unrealistic thinking must be replaced by a different kind of thinking—one capable of immersing itself in reality—conditions will certainly not be able to change in a way that is beneficial to humanity. This must be recognized in regard to the great affairs of the world, and it must also be recognized in regard to everything that each individual must manage in their daily life. For the actions that the individual takes in daily life are intertwined with the highest concerns of humanity. Therefore, it must occur to us again and again as a necessity to ask what could bring about a real change in the present.
[ 5 ] Nun wissen wir ja, bei dem, was wir Annahme der Geisteswissenschaft durch die Menschen nennen, handelt es sich nicht allein darum, daß eine bestimmte Überzeugung von den übersinnlichen Welten aufgenommen werde. Das wäre das Was. Es handelt sich darum, daß derjenige, der im wahren Sinne des Wortes in sein Denken aufnimmt, was heute gerechterweise über die übersinnlichen Welten gesagt werden kann aus den geistigen Offenbarungen der Zeit heraus, daß der zu einem gewissen Wie in seinem Denken gelangt, daß sich sein Denken allmählich umgestaltet in einer solchen Art, daß er wirklich einen Sinn und ein Interesse erhält für das, was in der Welt wahrhaftig und wirklich vorgeht. Also nicht darauf, was wir anerkennen durch die Geisteswissenschaft, kommt es allein an, sondern wie wir durch die Geisteswissenschaft unser Denken umgestalten, wie unser Denken anders wird. Wenn das so ist, muß uns um so mehr die Frage ganz besonders naheliegen: Wie kommt es, daß in der Gegenwart ein so starker Widerstand herrscht gegen die Geisteswissenschaft?
[ 5 ] Now we know, of course, that what we call humanity’s acceptance of spiritual science is not merely a matter of adopting a certain belief in the supersensible worlds. That would be the “what.” It is a matter of the person who, in the true sense of the word, takes into his thinking what can justly be said today about the supersensible worlds based on the spiritual revelations of our time—that person arrives at a certain “how” in their thinking, such that their thinking is gradually transformed in such a way that they truly gain a sense of and interest in what is genuinely and actually taking place in the world. So it is not solely a matter of what we acknowledge through spiritual science, but rather how we transform our thinking through spiritual science, how our thinking changes. If this is the case, then the question must be all the more close to our hearts: How is it that there is such strong resistance to spiritual science in the present day?
[ 6 ] Nun, ich habe gestern schon darauf aufmerksam gemacht, daß natürlich alles, was man über diesen Widerstand sagen kann, zugleich bezogen werden müsse auf alles das, was entstehen kann unter dem Einfluß des dreigliedrigen sozialen Organismus. Ich sagte gestern: trete man nur einmal wirksam ein für die Stellung des Geisteslebens auf seinen eigenen Füßen, für die Unabhängigkeit des Geisteslebens vom Wirtschaftskreislauf und vom politischen Staatsleben, dann würde man in verhältnismäßig kurzer Zeit Geisteswissenschaft heute zur Verbreitung bringen. Aber man kann doch noch tiefer fragen: Warum sind denn die Leute so wenig geneigt, gerade das einzusehen, was sich als eine Notwendigkeit ergeben muß durch eine wahrhaftige Emanzipation des Geisteslebens, durch ein Auf-sich-Gestelltsein des Geisteslebens? — Das rührt allerdings davon her, daß dieses Geistesleben in der neueren Zeit eine gewisse Gestalt angenommen hat, welche als solche die Menschen abhält, ihre Blicke nach der geistigen Welt hin zu richten. Man könnte in einer gewissen Weise sogar davon reden, daß die gegenwärtigen traurigen Ereignisse eine gewisse Strafe der Menschheit seien für die Verkennung, für die notwendige Verkennung des geistigen Lebens, die in der neueren Zeit eingetreten ist. Und das, meine lieben Freunde, muß eingesehen werden, daß man ohne die Überleitung der menschlichen Gedanken in eine soziale Richtung in der Zukunft nicht auskommen wird. Das lehren die Tatsachen; solche Tatsachen, gegen die anzukämpfen eine Torheit ist. Aber auf der anderen Seite muß das, was Ihnen ja aus mancher Darstellung, die ich gegeben habe, schon hervorgeht, ganz tief in seinen Untergründen eingesehen werden: daß jegliche Art Sozialistik ohne gleichzeitig vor sich gehende Vergeistigung nicht das Heil, sondern das Unheil der Menschheit bewirken muß. Eine Grundlage, das einzusehen, verschafft man sich am besten, wenn man das sozialistische Denken in seinem Hervorgehen aus dem übrigen neuzeitlichen Denken einmal gründlich ins Auge faßt.
[ 6 ] Well, I already pointed out yesterday that, of course, anything one might say about this resistance must at the same time be considered in relation to everything that can arise under the influence of the threefold social organism. I said yesterday: if one were to effectively advocate even once for spiritual life to stand on its own two feet, for the independence of spiritual life from the economic cycle and from political life, then spiritual science could be made widely known today in a relatively short time. But one can ask an even deeper question: Why are people so reluctant to recognize precisely what must emerge as a necessity through a true emancipation of spiritual life, through spiritual life standing on its own? — This stems, of course, from the fact that spiritual life has taken on a certain form in recent times, a form that, in and of itself, prevents people from turning their gaze toward the spiritual world. In a certain sense, one could even say that the current sad events are a kind of punishment for humanity for its misunderstanding—for the inevitable misunderstanding of spiritual life—that has taken hold in recent times. And this, my dear friends, must be recognized: that in the future, we will not be able to do without steering human thought in a social direction. The facts teach us this; facts that it would be foolish to fight against. But on the other hand, what is already evident to you from many of the explanations I have given must be understood at a very deep level: that any form of socialism, without a simultaneous process of spiritualization, must bring about not the salvation but the ruin of humanity. The best way to gain a foundation for understanding this is to thoroughly examine socialist thought in its emergence from the rest of modern thought.
[ 7 ] Andeutungen darüber, was auf diesem Gebiete vorliegt, habe ich Ihnen ja schon gegeben. Wir wollen heute mancherlei zusammenfassen, was wir bisher an Andeutungen nach dieser Richtung gehört haben. Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß in solchen Geistern, wie zum Beispiel Fichte, etwas steckt, wenn sie ihr Denken auf das soziale Gebiet überleiten, was zu einer ganz ähnlichen Anschauung führt, wie sie uns heute zum Beispiel im Bolschewismus entgegentritt. Ich habe das dadurch zum Ausdruck zu bringen versucht, daß ich sagte: Johann Gottlieb Fichte wäre ein wirklicher, echter Bolschewist! Gewiß, Johann Gottlieb Fichte hatte noch so viel Geistigkeit, daß er, ich möchte sagen, ohne den Menschen gefährlich zu werden, dazumal bolschewistische Ideen in seinem «Geschlossenen Handelsstaat» drucken lassen konnte. Heute haben die Menschen ja so wenig Neigung, auf den wirklichen Inhalt von Dingen einzugehen, daß sie gar nicht merken, daß Johann Gottlieb Fichte in seinem «Geschlossenen Handelsstaat» ein echter Bolschewik ist.
[ 7 ] I have already given you some hints as to what exists in this area. Today we want to summarize some of the hints we have heard so far in this direction. I have pointed out to you that there is something in thinkers such as Fichte, for example, when they apply their thinking to the social sphere, which leads to a view quite similar to the one we encounter today in Bolshevism, for example. I tried to express this by saying: Johann Gottlieb Fichte would be a true, genuine Bolshevik! Certainly, Johann Gottlieb Fichte still possessed enough spiritual depth that he could, I might say, have Bolshevik ideas printed in his *Closed Commercial State* at that time without posing a danger to people. Today, people are so little inclined to delve into the true substance of things that they do not even realize that Johann Gottlieb Fichte is a genuine Bolshevik in his *Closed Commercial State*.
[ 8 ] Dasjenige Denken aber, das ganz besonders charakteristisch ist für die neuere Zeit, ist eigentlich zum Vorschein gekommen in Hegel. Und von Hegel habe ich Ihnen ja gesagt, ist wiederum abhängig Karl Marx, allerdings in einer höchst merkwürdigen Weise. Nun möchte ich zu Ihnen doch einmal, wenn das auch scheinbar, aber eben nur scheinbar, in abstrakte Höhen führt, über die besondere Artung des Hegelschen Denkens sprechen. Es ist ja viel Unzutreffendes in den Wirren der letzten viereinhalb Jahre gerade über Hegel gesagt worden. Warum sollte man nicht auch einmal objektiv auf die Art eingehen, wie er seine Sachen eigentlich gemeint hat.
[ 8 ] But the mode of thought that is particularly characteristic of modern times actually came to the fore in Hegel. And as I have already told you, Karl Marx is in turn dependent on Hegel—albeit in a most peculiar way. Now I would like to speak to you—even if this seems, though only seemingly, to lead to abstract heights—about the particular nature of Hegelian thought. After all, much that is inaccurate has been said about Hegel amid the turmoil of the last four and a half years. Why shouldn’t we also take an objective look at the way he actually meant his ideas?
[ 9 ] Fassen wir einmal ins Auge, wie Hegel über die Welt gedacht, gesonnen hat, wie er versucht hat, den Blick hinzurichten auf die Offenbarung der Weltgeheimnisse für den Menschen. Hegel stellt ja, was er über die eigentliche Grundwesenheit der Welt zu sagen hatte, öfter sogar ganz übersichtlich dar; am übersichtlichsten in seiner «Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften». Schauen wir uns einmal ganz in populärer Form an, welche Weltanschauung da zum Ausdruck kommt. Sehen Sie, die Weltanschauung Hegels zerfällt in drei Teile. Der erste Teil ist das, was Hegel Logik nennt. Aber Logik ist für Hegel nicht die Kunst des menschlichen, des subjektiven menschlichen Denkens, sondern Logik ist für Hegel die Summe aller derjenigen Ideen, welche in der Welt selbst wirksam sind. Hegel sieht nämlich in den Ideen nicht nur das, was im menschlichen Kopfe spukt. Was im menschlichen Kopfe spukt, ist nur die Anschauung der Idee. Ideen sind für Hegel gewissermaßen Kräfte, welche in den Dingen selber drinnen spielen. Und Hegel geht nicht weiter zum Wesen der Dinge zurück, als bis zu den Ideen, so daß er gleichsam in seiner Logik die Summe aller Ideen geben will, die in den Dingen drinnen sind. Die Ideen, die sich noch nicht schöpferisch in der Natur erweisen, die Ideen, die noch nicht im Menschen zur Spiegelung, zum Erkennen kommen, sind die Ideen an sich, die in der Welt als Ideen wirken. — Ich weiß sehr wohl, daß Sie aus dem, was ich sage, vielleicht nicht besonders klug werden können; aber das behaupten ja die Leute schon lange, daß sie aus Hegel nicht klug werden, weil sie sich nicht vorstellen können, daß irgendwo ein reines Ideengewebe existiere. Aber Hegel sieht in diesem reinen Ideengewebe Gott vor der Erschaffung der Welt. Also Gott ist für Hegel eigentlich eine Summe, besser gesagt, ein Organismus von Ideen geworden, und zwar in der Form, wie diese Ideen existiert haben, bevor eine Natur entstanden ist, und bevor wiederum auf der Grundlage der Natur sich der Mensch entwickelt hat. So sucht Hegel die Ideen in der reinen Logik darzustellen. Das ist Gott vor der Erschaffung der Welt. Also Gott vor der Erschaffung der Welt ist die reine Logik.
[ 9 ] Let’s take a moment to consider how Hegel thought about and reflected on the world, and how he sought to direct our gaze toward the revelation of the world’s mysteries to humankind. Hegel, after all, often presented what he had to say about the world’s true essential nature quite clearly; most clearly in his *Encyclopedia of the Philosophical Sciences*. Let’s take a look, in very simple terms, at the worldview expressed there. You see, Hegel’s worldview is divided into three parts. The first part is what Hegel calls logic. But for Hegel, logic is not the art of human—that is, subjective—human thought; rather, logic is the sum of all those ideas that are at work in the world itself. For Hegel sees in ideas not merely what haunts the human mind. What haunts the human mind is merely the perception of the idea. For Hegel, ideas are, so to speak, forces at work within things themselves. And Hegel does not go any further back to the essence of things than to the ideas, so that in his Logic he seeks, as it were, to present the sum of all the ideas that are within things. The ideas that have not yet manifested themselves creatively in nature—the ideas that have not yet been reflected or recognized by human beings—are the ideas in themselves, which operate in the world as ideas. — I am well aware that what I am saying may not make much sense to you; but people have long claimed that they cannot make sense of Hegel because they cannot imagine that a pure fabric of ideas exists anywhere. But Hegel sees God in this pure fabric of ideas prior to the creation of the world. Thus, for Hegel, God has essentially become a sum—or rather, an organism—of ideas, specifically in the form in which these ideas existed before nature came into being, and before humanity, in turn, developed on the basis of nature. In this way, Hegel seeks to represent the ideas in pure logic. That is God before the creation of the world. Thus, God before the creation of the world is pure logic.
[ 10 ] Nun könnte man sagen, es wäre schon sehr fruchtbar für das menschliche Geistesleben, wenn jemand alle Ideen hinstellen würde, welche da waren, gleichgültig ob sie Ideen eines lebendigen Gottes waren, oder ob sie nur als Ideen wie ein Spinngewebe in der Luft die es aber damals auch noch nicht gegeben hat — geschwebt hätten; es wäre das schon ein Gewinn für die menschliche Seele. Aber wenn Sie sich diese reine Logik bei Hegel vornehmen — und das ist der Grund, warum sie so wenige Leute vornehmen —, so finden Sie nichts als wiederum ein Gewebe von Ideen. Begonnen wird mit dem ärmsten Begriffe, mit dem reinen Sein. Dann wird weiter aufgestiegen zu dem Nichtsein, dann zu dem Dasein und so fort. Also Sie werden angehalten, die Summe aller Ideen, die sich der Mensch über die Welt macht, auf die er gewöhnlich nicht reflektiert, weil ihm das zu langweilig ist, von dem reinen Sein bis zu dem zweckmäßigen Aufbau des Organismus hin, abgesehen von jeder äußeren Welt, sich einmal vor die Seele zu stellen. Da bekommen Sie eine Summe von Ideen, aber nur von abstrakten Ideen. Und das lebendige Fühlen des Menschen wird natürlich eine gewisse Stellung einnehmen gegenüber dieser Summe oder diesem Organismus von abstrakten Ideen. Nehmen wir an einmal, es würde jemand sagen: Das ist ein pantheistisches Vorurteil, daß Hegel glaubt, die Ideen als solche seien da; ich nehme für mich an, ein Gott wäre vor der Erschaffung der Welt dagewesen, und der hätte eben diese Ideen gehabt und hätte nach diesen Ideen die Welt geschaffen. — Aber denken Sie einmal, wenn Sie sich die Vernunft und das Seelenleben eines Gottes vorstellen sollten, der nichts anderes in sich gehabt hätte als die Hegelschen Ideen, der also immer nur darüber nachgedacht hätte, was zwischen dem Sein und dem zweckmäßigen Organisieren lebt, der in sich nur gehabt hätte die Ideen der alleräußersten Abstraktion — was würden Sie zu einer solchen Zumutung, sich dieses Seelenleben Gottes zu denken, sagen? Sie würden gar nicht begreifen können, wie ein Gott so ärmlich sein könnte, in seiner göttlichen Vernunft nur diese abstrakten Ideen zu denken. Und dennoch, für Hegel ist die Summe dieser abstrakten Ideen Gott selbst, nicht nur der Verstand Gottes, sondern sogar Gott selbst vor der Erschaffung der Welt. Also das ist das Wesentliche, daß Hegel nicht in Wirklichkeit über abstrakte Ideen herauskommt, sondern gerade die abstrakten Ideen als das Göttliche ansieht.
[ 10 ] Now, one might say that it would be very fruitful for human intellectual life if someone were to lay out all the ideas that existed, regardless of whether they were ideas of a living God or whether they merely floated in the air like a spider’s web—which, however, did not yet exist at that time; that alone would be a gain for the human soul. But if you examine this pure logic in Hegel—and that is why so few people do—you will find nothing but yet another web of ideas. It begins with the most meager concept, with pure Being. Then it ascends further to non-Being, then to existence, and so on. So you are urged to bring before your mind the sum total of all the ideas that human beings form about the world—ideas they usually do not reflect upon because they find it too tedious—ranging from pure being to the functional structure of the organism, apart from any external world. There you are presented with a sum of ideas, but only abstract ideas. And human beings’ living feelings will naturally take a certain stance toward this sum or this organism of abstract ideas. Let’s suppose, for a moment, that someone were to say: It is a pantheistic prejudice that Hegel believes ideas exist as such; I, for my part, assume that a God existed before the creation of the world, and that this God would have had precisely these ideas and would have created the world according to them. — But just think: if you were to imagine the reason and the inner life of a God who had nothing else within himself but Hegel’s ideas—who, in other words, had always thought only about what lies between Being and purposeful organization, who had within himself only the ideas of the utmost abstraction—what would you say to such an unreasonable demand to conceive of God’s inner life in this way? You would not be able to comprehend at all how a God could be so meager as to think only these abstract ideas in his divine reason. And yet, for Hegel, the sum of these abstract ideas is God himself—not merely God’s intellect, but God himself even before the creation of the world. So that is the crux of the matter: that Hegel does not, in reality, go beyond abstract ideas, but rather regards the abstract ideas themselves as the divine.
[ 11 ] Dann schreitet er vor zu dem Zweiten: das ist die Natur. Ich könnte Ihnen auch da gewisse definitionsartige Urteile geben über die Art, wie Hegel nun vorschreitet von der Idee, das heißt von Gott vor der Erschaffung der Welt bis zu der Natur. Aber auch davon würden Sie wahrscheinlich, wenn Sie sich an die Ihnen bis jetzt gebräuchlichen Denkgewohnheiten halten, nicht gerade sehr viel haben. Die Logik enthält nach Hegel die Idee in ihrem Ansichsein. Die Natur enthält die Idee in ihrem Außersichsein. Was Sie also als Natur überschauen, ist auch Idee, ist eigentlich nichts anderes, als was die Logik enthält, nur eben in der anderen Form des Außersichseins. Und dann nimmt Hegel die Natur durch von der bloßen Mechanik bis zur Darstellung der biologischen, pflanzlichen, tierischen Verhältnisse. Das heißt, er versucht überall in dem Umfange, in dem die Natur dem Menschen vorliegt, Ideen in der Natur nachzuweisen, die Idee im Lichte, in der Wärme, in anderen Kräften, in der Schwerkraft und so weiter.
[ 11 ] Then he moves on to the second: that is, nature. I could also offer you certain definitional judgments regarding the way Hegel proceeds from the Idea—that is, from God before the creation of the world—to nature. But even that would probably not be of much use to you if you stick to the habits of thought you have been accustomed to up to now. According to Hegel, logic contains the Idea in its “being-in-itself.” Nature contains the Idea in its “being-outside-itself.” So what you perceive as nature is also the Idea; it is actually nothing other than what logic contains, only in the different form of “being-outside-itself.” And then Hegel examines nature from mere mechanics all the way to the description of biological, plant, and animal conditions. That is to say, he attempts everywhere—to the extent that nature presents itself to human beings—to demonstrate the presence of ideas in nature: the Idea in light, in heat, in other forces, in gravity, and so on.
[ 12 ] Hegel entschädigt den, der seine Abstraktheit sinnvoll hinnehmen kann, durch eine gerade ihm eigene Anschaulichkeit und Bildlichkeit. Allein diese Anschaulichkeit und Bildlichkeit bei Hegel wird manch—: mal gefährlich für das Verständnis dessen, was Hegel eigentlich gewollt hat. Ich habe einmal einem befreundeten Universitätsprofessor gegenüber, einem Philosophen, Hegel zu verteidigen versucht. Sie wissen, ich verteidige Hegel, weil ich es für fruchtbarer halte, alles mit Bezug auf das wirklich Positive zu verteidigen, als bloß auf die eigene Meinung immer zu schwören und alles andere in Grund und Boden zu kritisieren. Wenn irgend etwas gut ist, so verteidige ich es immer; das ist der Positivismus der Geisteswissenschaft. Aber dazumal kam ich mit der Verteidigung Hegels etwas schief an. Der Betreffende sagte: Ach, gehen Sie mir mit Hegel fort; ein Mensch, der nichts anderes zu sagen weiß über die Kometen, als daß sie ein Aussatz am Himmel sind, den kann man doch nicht ernst nehmen! — Natürlich muß man solch eine Stelle, daß die Kometen ein Aussatz, ein Ausschlag, so etwas wie Masern oder dergleichen am Himmel seien, in dem ganzen Zusammenhange nehmen. Es ist selbstverständlich leicht, sich über solche Dinge lustig zu machen. Es kann sogar ganz charmant sein, wenn sich die Leute über solche Dinge lustig machen. Man braucht, um wirklichkeitsgemäß in die Welt hineinzuschauen, nicht immer ein Gesicht ganz hinunter zu machen, möglichst in die Länge gezogen, sondern man braucht einen gewissen Humor, gerade um auch die Tragik der Welt in vollem Sinne verstehen zu können.
[ 12 ] Hegel rewards those who can meaningfully accept his abstractness with a vividness and imagery that are unique to him. Yet this very vividness and imagery in Hegel can sometimes be dangerous for understanding what Hegel actually intended. I once tried to defend Hegel to a university professor friend of mine, a philosopher. You know, I defend Hegel because I consider it more fruitful to defend everything in relation to what is truly positive than to simply swear by one’s own opinion and criticize everything else to the ground. If anything is good, I always defend it; that is the positivism of the humanities. But back then, my defense of Hegel didn’t go over very well. The person in question said: “Oh, spare me with Hegel; a man who has nothing else to say about comets except that they are a leprosy in the sky—you can’t take him seriously!” — Of course, a statement like that—that comets are a leprosy, a rash, something like measles or the like in the sky—must be taken in its full context. It goes without saying that it’s easy to make fun of such things. It can even be quite charming when people make fun of such things. To view the world realistically, one doesn’t always need to pull a long, gloomy face; rather, one needs a certain sense of humor, precisely in order to fully understand the tragedy of the world.
[ 13 ] Nachdem Hegel auf diese Weise gewissermaßen ein Register aller Begriffe gegeben hat, aller Ideen, die in der Natur verkörpert sind, steigt er auf als Drittes zum Geist. Im Geist sieht er die Idee in ihrem Anundfürsichsein, das heißt, da ist sie nicht nur so, wie sie war vor der Erschaffung der Welt, nicht nur in ihrem Ansichsein, sondern da ist sie für sich. Sie lebt in der menschlichen Seele und da für sich — die Idee draußen objektiv und außerdem noch für sich, im Menschen. Da der Mensch aber Idee ist, weil alles Idee ist, so ist das die Idee in ihrem Anundfürsichsein. Da versucht Hegel wiederum die Idee nun zu verfolgen, wie sie anwesend ist erst in der Seele des einzelmenschlichen Individuums, dann wie sie anwesend ist — wenn ich einiges überspringe — im Staate. In der Seele des Menschen arbeitet die Idee im Innern; im Staate hat sie sich wiederum verobjektiviert, da lebt sie in den Gesetzen, in den Einrichtungen. Da lebt überall die Idee drinnen, da ist sie objektiv geworden. Sie entwickelt sich dann objektiv weiter in der Weltgeschichte. Staat, Weltgeschichte. Da wird also alles an Ideen registriert in der Weltgeschichte, was die FortentwickeJung der Menschheit auf dem physischen Plane bewirkt. Alles dasjenige, was an Ideen in Seele, Staat, Weltgeschichte lebt, das führt aber nirgends hinaus aus dem physischen Plan, macht nirgends den Menschen aufmerksam darauf, daß es etwa eine übersinnliche Welt gäbe, denn die übersinnliche Welt ist für Hegel eben nur die Summe der Ideen, die in dem allen drinnen lebt, einmal im Ansichsein vor der Erschaffung der Welt, in dem Außersichsein in der Natur, und in dem Anundfürsichsein der menschlichen Seele im Staat und der Weltgeschichte.
[ 13 ] After Hegel has thus, in a sense, provided a catalog of all concepts—all ideas embodied in nature—he ascends, as the third stage, to the Spirit. In the Spirit, he sees the Idea in its “in-and-for-itself” being; that is to say, it is not merely as it was before the creation of the world—not merely in its “in-itself” being—but it exists for itself. It lives in the human soul and there for itself—the Idea existing objectively outside and, moreover, for itself within the human being. But since man is an idea—because everything is an idea—this is the idea in its “in-and-for-itself” being. Here Hegel again attempts to trace the idea as it is present first in the soul of the individual human being, then—if I skip over a few points—in the state. In the human soul, the Idea works internally; in the state, it has once again objectified itself; there it lives in the laws and institutions. There, the Idea lives everywhere within; there it has become objective. It then continues to develop objectively in world history. State, world history. Thus, everything in terms of ideas that brings about the further development of humanity on the physical plane is recorded in world history. However, all those ideas that live in the soul, the state, and world history lead nowhere beyond the physical plane; they do not draw people’s attention to the possibility that there might be a supersensible world, for, for Hegel, the supersensible world is simply the sum of the ideas that live within all of this—first in their “in-itself” existence before the creation of the world, in their “out-of-itself” existence in nature, and in the “in-and-for-itself” existence of the human soul in the state and world history.
[ 14 ] Und dann entwickelt sie sich aufs Höchste herauf, die Idee, kommt gewissermaßen in einem letzten Augenblicke des Werdens zu sich, in Kunst, Religion und Philosophie.
[ 14 ] And then the idea reaches its highest point of development; it comes into its own, so to speak, in a final moment of becoming—in art, religion, and philosophy.
[ 15 ] Die drei: Kunst, Religion und Philosophie, wenn sie im Menschenleben auftreten, stehen nun über Staat und über Weltgeschichte, aber sie sind doch nur die Verkörperung der reinen Logik, sie sind die Verkörperungen der abstrakten Ideen. In der Kunst stellen sich diese Ideen, die vor der Erschaffung der Welt als Logik existiert haben, durch das sinnliche Bild dar; in der Religion durch die gefühlsmäßige Vorstellung; und in der Philosophie tritt endlich die Idee in ihrer reinen Gestalt selber im menschlichen Geiste auf. Der Mensch erfüllt sich mit Philosophie, blickt auf alles andere, was die Menschheit und die Natur an Ideen hervorgebracht hat, zurück und fühlt sich nun — wie soll man sagen — als erfüllt von dem Gotte, der aber die Idee ist, die zurückblickt auf ihr ganzes vorhergehendes Werden. Der Gott schaut sich im Menschen selber an. Aber eigentlich schaut sich die Idee im Menschen selber an. Abstraktion schaut die Abstraktion an.
[ 15 ] These three—art, religion, and philosophy—when they appear in human life, stand above the state and above world history; yet they are merely the embodiment of pure logic; they are the embodiments of abstract ideas. In art, these ideas—which existed as logic before the creation of the world—are represented through sensory images; in religion, through emotional conception; and in philosophy, the idea finally appears in its pure form within the human mind. Man fulfills himself through philosophy, looks back on everything else that humanity and nature have produced in terms of ideas, and now feels—how shall one put it—as if filled with God, who is, however, the Idea looking back on its entire previous becoming. God beholds himself in man. But in reality, the Idea beholds itself in man. Abstraction beholds abstraction.
I. Logik: Idee in ihrem Ansichsein
II. Natur: Idee in ihrem Außersichsein
III. Geist: Idee in ihrem Anundfürsichsein
Seele — Staat — Weltgeschichte: Kunst Religion Philosophie
I. Logic: The Idea in Its Being-in-Itself
II. Nature: The Idea in Its Being-Outside-Itself
III. Spirit: The Idea in Its Being-in-and-for-Itself
Soul — State — World History: Art, Religion, Philosophy
[ 16 ] Man kann sich nichts Genialeres denken, als diesen Gedanken über die menschliche Abstraktion, wenn man die Genialität auf dem Gebiete des Abstrakten ins Auge faßt. Und man kann sich eigentlich nichts innerlich Kühneres denken, als wenn der Mensch geltend macht: das Höchste sind die Ideen; außer den Ideen gibt es keinen Gott, die Ideen sind der Gott, und du Menschenseele bist auch Idee, nur daß es die Idee in dir zu ihrem Anundfürsichsein gebracht hat, sie schaut sich an. — Sie sehen, wir schwimmen in Ideen, wir sind selber Ideen, alles ist Idee. Die Welt in ihrer alleräußersten Abstraktion. Es ist von ungeheurer Bedeutung, daß gerade um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert und in das 19. Jahrhundert hinein ein Geist aufgetreten ist, der die Kühnheit hatte, einmal zu sagen: Nur derjenige erfaßt die Wirklichkeit, der sie in der abstrakten Idee erfaßt; es gibt keine andere höhere Wirklichkeit als die abstrakte Idee.
[ 16 ] One cannot imagine anything more brilliant than this idea about human abstraction, when one considers brilliance in the realm of the abstract. And one cannot really imagine anything more intrinsically bold than when a person asserts: the highest reality is ideas; apart from ideas, there is no God; ideas are God; and you, human soul, are also an idea—only that the idea within you has attained its being-in-and-for-itself, and it gazes upon itself. — You see, we are swimming in ideas; we ourselves are ideas; everything is an idea. The world in its most extreme abstraction. It is of immense significance that, precisely at the turn of the 18th to the 19th century and into the 19th century, a spirit emerged that had the audacity to say: Only he who grasps reality in the abstract idea truly grasps it; there is no higher reality than the abstract idea.
[ 17 ] Nun fehlt es allerdings, wenn Sie die Philosophie Hegels vom Anfange bis zum Ende durchgehen, überall an irgendeinem Weg in die übersinnliche Welt hinein! Es kann gar keinen solchen Weg in die übersinnliche Welt hinein geben, denn stirbt der Mensch, so geht er im Sinne der Hegelschen Philosophie, weil der Mensch eigentlich Idee ist, in die allgemeine Strömung der Weltenideen ein. Und nur über diese Strömung der Weltenideen kann man etwas sagen. Es gibt keinen einzigen Begriff — das ist eben gerade das Großartige der Hegelschen Philosophie —, der von irgend etwas Übersinnlichem handelte; nur daß alles, was nun — allerdings in eisigster Abstraktheit — uns als Philosophie Hegels entgegentritt, selber übersinnlich ist, aber eben das Abstrakt-Übersinnliche. Das erweist sich gänzlich ungeeignet, nun selber etwas Übersinnliches aufzunehmen; es erweist sich nur geeignet, das Sinnliche in sich aufzunehmen. Durch ein Übersinnliches wird das Sinnliche vergeistigt, allerdings nur in abstrakten Formen; aber zu gleicher Zeit wird alles Übersinnliche abgewiesen, weil die Summe der Ideen, die vom Anfang bis zum Ende gegeben werden, sich eben nur bezieht auf die sinnliche Welt. So kommt, möchte ich sagen, der übersinnliche Charakter dieser Ideen bei Hegel gar nicht so sehr in Betracht, denn dieses Übersinnliche bezieht sich nicht auf ein Übersinnliches, sondern nur auf das Sinnliche,
[ 17 ] However, if you go through Hegel’s philosophy from beginning to end, you will find that there is nowhere—anywhere—a path into the supersensible world! There can be no such path into the supersensible world at all, for when a human being dies, according to Hegel’s philosophy—since a human being is essentially an Idea—he or she merges into the general flow of the Ideas of the world. And it is only through this flow of the Ideas of the world that one can say anything at all. There is not a single concept—and this is precisely what makes Hegel’s philosophy so magnificent—that deals with anything supersensible; it is simply that everything which now confronts us—albeit in the most icy abstraction—as Hegel’s philosophy is itself supersensible, but specifically the abstract-supersensible. It proves entirely unsuited to incorporating anything supersensible itself; it proves suited only to incorporating the sensible within itself. Through a supersensible element, the sensible is spiritualized, albeit only in abstract forms; but at the same time, everything supersensible is rejected, because the sum of the ideas presented from beginning to end relates precisely only to the sensible world. Thus, I would say, the supersensible character of these ideas in Hegel does not come into play all that much, for this supersensible does not refer to a supersensible realm, but only to the sensible,
[ 18 ] Ich möchte Sie hauptsächlich darauf aufmerksam machen, daß die Tendenz des neuzeitlichen Denkens sich darin äußerte, einmal mit aller Gründlichkeit das Übersinnliche abzuweisen, aber nicht mit oberflächlichem Materialismus, sondern mit der höchsten Kraft des geistigen Denkens. Hegel ist daher kein Materialist, er ist objektiver Idealist. Aber dieser objektive Idealismus behauptet, daß die objektive Idee selbst der Gott und die Grundlage der Welt und alles sei.
[ 18 ] I would like to draw your attention primarily to the fact that the tendency of modern thought was expressed in a thorough rejection of the supernatural—not through superficial materialism, but through the highest power of intellectual thought. Hegel is therefore not a materialist; he is an objective idealist. But this objective idealism asserts that the objective idea itself is God and the foundation of the world and of everything.
[ 19 ] Wer einen solchen Geistesimpuls ausdenkt, dem liefert dieses Ausdenken eine gewisse innere Befriedigung, die hinwegschauen läßt über das, was da fehlt. Derjenige aber, der dann nachkommt, der also nicht ursprünglich so etwas denkt, sondern es nachdenkt, der kann dann um so härter das Ungenügende empfinden. Auf alle diese Dinge habe ich in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» ja hingewiesen.
[ 19 ] For anyone who conceives of such a spiritual impulse, this act of conception provides a certain inner satisfaction that allows them to look past what is missing. But the person who comes along later—that is, someone who did not originally conceive of such a thing but reflects on it afterward—may then feel the inadequacy all the more keenly. I have, in fact, pointed out all these things in my book *The Enigma of Man*.
[ 20 ] Jetzt denken Sie sich, daß nicht ein Mensch wie Hegel mit einem inneren übersinnlichen Impuls so denkt, sondern daß dieses Denken aufgenommen wird von einem anderen Kopf, der ganz und gar nur einen Sinn hat für das Materielle, wie das bei Karl Marx der Fall war. Dann wird diese idealistische Philosophie Hegels gerade der Anlaß, alles Übersinnliche und damit alles Idealistische zurückzuweisen, abzulehnen. Und so wurde es für Karl Marx. Karl Marx eignete sich die Form des Denkens an, die er bei Hegel gefunden hatte. Allein er betrachtete nun nicht die Idee in der Wirklichkeit, sondern er betrachtete die Wirklichkeit so, wie sie sich selbst fortwährend als bloße äußere materielle Wirklichkeit fortspinnt. Er setzte den Impuls des Hegeltums fort und materialisierte ihn. Und so wurzelt gerade der Grundnerv des modernen sozialistischen Denkens in der Gipfelung des modernen idealistischen Denkens. Daß sich auch persönlich und weltgeschichtlich der allerabstrakteste Denker mit dem allermateriellsten Denker berührt, das war eine innere Notwendigkeit des 19. Jahrhunderts, das ist aber auch die Tragik des 19. Jahrhunderts; das ist gewissermaßen das Umschlagen des Geisteslebens in sein Gegenteil.
[ 20 ] Now imagine that it is not a person like Hegel who thinks this way, driven by an inner, supersensory impulse, but rather that this line of thought is taken up by another mind that is entirely focused on the material world—as was the case with Karl Marx. Then Hegel’s idealistic philosophy becomes precisely the reason to reject and dismiss everything supernatural and thus everything idealistic. And so it was for Karl Marx. Karl Marx adopted the form of thought he had found in Hegel. However, he did not now regard the Idea in reality, but rather regarded reality as it continually unfolds as mere external material reality. He carried forward the impulse of Hegelianism and materialized it. And so the very lifeblood of modern socialist thought is rooted in the culmination of modern idealist thought. That, both personally and in terms of world history, the most abstract thinker should intersect with the most materialist thinker was an internal necessity of the nineteenth century; yet this is also the tragedy of the nineteenth century; it is, in a sense, the reversal of intellectual life into its opposite.
[ 21 ] Hegel schreitet in den abstrakten Begriffen fort. Das Sein schlägt um, wird zum Nichtsein, kann sich mit dem Nichtsein nicht vertragen, wird dadurch zum Werden. Und so schreitet Begriff für Begriff durch Thesis, Antithesis, Synthesis weiter nach einem gewissen inneren Dreiklang, den Hegel großartig handhabt im Felde der reinen Idee. Karl Marx überträgt diesen innerlichen Dreiklang, den Hegel für Logik, Natur, Geist in der inneren Ideenbewegung gesucht hat, auf die äußere materielle Wirklichkeit, indem er zum Beispiel sagt: aus der neueren privatwirtschaftlich-kapitalistischen Gemeinsamkeitsform der Menschen entwickelte sich, wie bei Hegel aus dem Sein das Nichtsein, die Trustbildung, die kapitalistische Sozialisierung der privatkapitalistischen Wirtschaft. Wenn die Trusts immer mehr und mehr an Betriebsmitteln zusammenfassen, so schlägt gerade das Eigentum an Privatkapital in sein Gegenteil um. Es entstehen Sozietäten, das Gegenteil der Wirtschaft durch den Einzelnen. Das hat in sein Gegenteil umgeschlagen, in die Antithesis. Jetzt kommt die Synthesis. Das Ganze schlägt noch einmal um, wie das Nichtsein in das Werden. Und die Zusammenschweißung der Privatwirtschaften in die Trustwirtschaften, schlägt um in das noch Größere, das wiederum die Trustwirtschaft aufhebt, in die Gemeinwirtschaft an Produktionsmitteln. So schreitet die Wirklichkeit im Dreiklang fort, die rein äußere ökonomische Wirklichkeit. Was da Karl Marx gedacht hat, ist ganz nach dem Muster von Hegel gedacht, nur daß Hegel sich mit seinem Denken im Elemente der Ideen bewegt, Marx im Weben und Leben der äußeren ökonomischen Wirklichkeit. So liegen die Extreme beieinander, man möchte selbst sagen, wie Sein und Nichtsein.
[ 21 ] Hegel proceeds through abstract concepts. Being turns into non-being, cannot reconcile itself with non-being, and thereby becomes becoming. And so, concept by concept, he proceeds through thesis, antithesis, and synthesis according to a certain inner triad, which Hegel masterfully handles in the realm of the pure idea. Karl Marx transfers this inner triad—which Hegel sought in the inner movement of ideas for logic, nature, and spirit—to external material reality, stating, for example: from the more recent form of human association based on private-capitalist economy, just as in Hegel’s thought non-being emerged from being, the formation of trusts and the capitalist socialization of the private-capitalist economy developed. As trusts consolidate more and more means of production, private capital ownership itself turns into its opposite. Corporations emerge—the opposite of an economy run by individuals. This has turned into its opposite, into the antithesis. Now comes the synthesis. The whole process turns once more, just as non-being turns into becoming. And the fusion of private economies into trust economies turns into something even greater, which in turn abolishes the trust economy: the communal economy of the means of production. Thus reality proceeds in a triad—purely external economic reality. What Karl Marx conceived here follows Hegel’s pattern exactly, except that Hegel’s thought moves within the realm of ideas, while Marx’s moves within the interplay and life of external economic reality. Thus the extremes lie side by side; one might even say, like being and non-being.
[ 22 ] Aber, meine lieben Freunde, Sie können nunmehr streiten, so lange Sie wollen, über Idealismus und Realismus, Spiritualismus und Materialismus, da gibt es kein Resultat, kein Ergebnis. Einzig und allein kann das, was den Menschen trägt, gefunden werden, wenn im Sinne der modernen Trinität gedacht wird: der Mensch in der Mitte, das eine Extrem, das Luziferische auf der einen Seite; das ahrimanische Extrem auf der anderen Seite. Der ahrimanische Materialismus, der luziferische Spiritualismus als die beiden Extreme, der Mensch als die Gleichgewichtslage. Sie können nicht, wenn Sie zur Wahrheit kommen wollen, Idealist oder Realist, Materialist oder Spiritualist sein, Sie müssen sowohl das eine wie das andere sein. Sie müssen den Geist suchen bis zu einer solchen Intensität, daß Sie ihn als Geist auch in der Materie finden, und Sie müssen die Materie so durchschauen, daß Sie durch die Materie hindurch den Geist finden können. Das ist die Aufgabe der neueren Zeit: nicht weiter zu streiten über Spiritualismus und Materialismus, sondern die Gleichgewichtslage zu finden. Denn die beiden Extreme, die des Hegelschen Luziferismus und die des Marxschen Ahrimanismus haben sich ausgelebt. Sie waren da, sie haben sich geoffenbart. Es muß nun wirklich dasjenige gefunden werden, was der Ausgleich ist. Und das ist eben mit der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft gemeint. Da muß allerdings heraufgestiegen werden bis zu einem solchen reinen Denken, wie das, zu dem Hegel heraufgestiegen ist; aber dieses reine Denken muß benützt werden können, um durchzubrechen zu dem Übersinnlichen. Man muß nicht nur Logik finden, das heißt einen Organismus von Ideen, der sich dann doch nur auf die Sinnenwelt beziehen kann, man muß durchbrechen an der Stelle, wo man die Logik entdeckt hat, aus dem Sinnlichen in das Übersinnliche. Dieses Durchbrechen ist eben bei Hegel noch nicht gelungen. Daher wurde die Menschheit wieder zurückgeworfen.
[ 22 ] But, my dear friends, you can now argue as long as you like about idealism and realism, spiritualism and materialism—there is no conclusion, no result. The only way to find what sustains the human being is to think in terms of the modern Trinity: the human being at the center, the one extreme—the Luciferic—on one side; the Ahrimanic extreme on the other. Ahrimanic materialism and Luciferic spiritualism as the two extremes, the human being as the point of balance. If you wish to arrive at the truth, you cannot be an idealist or a realist, a materialist or a spiritualist; you must be both one and the other. You must seek the spirit with such intensity that you find it as spirit even within matter, and you must penetrate matter so deeply that you can find the spirit through it. This is the task of the modern age: to cease arguing about spiritualism and materialism, and instead to find the point of equilibrium. For the two extremes—those of Hegelian Luciferism and Marxian Ahrimanism—have run their course. They were there; they have revealed themselves. What must now truly be found is that which constitutes the balance. And this is precisely what is meant by anthroposophically oriented spiritual science. To achieve this, one must indeed ascend to a level of pure thinking such as that to which Hegel ascended; but this pure thinking must be capable of being used to break through to the supersensible. One must not merely find logic—that is, an organism of ideas that can ultimately relate only to the sensory world—but must break through, at the very point where logic is discovered, from the sensory into the supersensory. This breakthrough was not yet achieved by Hegel. That is why humanity was set back once again.
[ 23 ] Also es hängt in einer gewissen Weise mit dem Reinsten und mit dem Edelsten zusammen, wozu sich das neuzeitliche Denken erhoben hat, daß der Sozialismus erschienen ist ohne den Hinweis auf irgend etwas Geistiges. Und daß es so schwer wurde, in der Gegenwart zum sozialistischen Denken das geistige Denken hinzuzufinden, das ist schon im inneren Entwickelungsgange der Menschheit in einer gewissen Weise mitbegründet. Nur muß man den ganzen Zusammenhang einsehen, damit man die Kraft gewinne, aus diesem Zusammenhang heraus das Erlösende zu finden. Dazu hat es der wissenschaftliche Betrieb, der heute durch die Universitäten propagiert wird, wahrhaftig nicht gebracht.
[ 23 ] In a certain sense, it is connected to the purest and noblest ideals to which modern thought has risen that socialism emerged without any reference to anything spiritual. And the fact that it has become so difficult in the present day to find a spiritual dimension to socialist thought is, in a certain sense, rooted in the inner course of human development. One must, however, grasp the entire context in order to gain the strength to find salvation within it. The scientific enterprise propagated today by the universities has truly failed to achieve this.
[ 24 ] Was hat Hegel im Grunde genommen getan? Er hat den Menschen — nicht physisch, aber gedanklich — ausgepreßt, wie man eine Zitrone auspreßt, bis sie ganz trocken wird; und diese trockene MenschheitsZitrone ist dann nur noch eine Idee. Sie sitzen hier auf Ihren Stühlen; im Sinne der Hegelschen Philosophie sind Sie lauter Ideen, die hier sitzen, nicht Körper, nicht Seele: Ideen. Denn jeder von Ihnen trägt eine Idee in sich; die war da vor der Erschaffung der Welt als abstrakte Idee. Dann ist jeder für sich Körper, Natur: die Idee im Außersichsein sitzt da auf den Stühlen. Dann ist in Ihnen wiederum die Idee in ihrem Anundfürsichsein. Sie fassen selbst diese Idee, die Sie sind. Denken Sie, was Sie da für ein Schemen sind! Denken Sie nur, wie Sie ausgepreßt sind, wenn Sie so als «Idee» dasitzen: an sich, außer sich, an und für sich — aber doch eben als Idee nur!
[ 24 ] What did Hegel essentially do? He squeezed humanity—not physically, but mentally—just as one squeezes a lemon until it is completely dry; and this dry “lemon” of humanity is then nothing more than an idea. You are sitting here in your chairs; in the sense of Hegel’s philosophy, you are all ideas sitting here, not bodies, not souls: ideas. For each of you carries an idea within you; it existed before the creation of the world as an abstract idea. Then, each of you, in and of yourself, is a body, nature: the idea, existing outside of itself, sits there on the chairs. Then, within you, there is once again the idea in its being-in-and-for-itself. You yourselves grasp this idea that you are. Just think what a kind of specter you are! Just think how squeezed out you are when you sit there as an “idea”: in itself, outside itself, in and for itself—but still, after all, only as an idea!
[ 25 ] Und jetzt wiederum im Sinne von Karl Marx: Da ist gar nichts von Ideen — gerade weil er durch die Methode des Hegelschen Idealismus durchgegangen ist. Jetzt sind Sie nur das zweibeinig gewordene Tier, nur das, als was Sie in der Naturordnung äußerlich erscheinen. — Das andere Extrem!
[ 25 ] And now, again in the spirit of Karl Marx: There is nothing at all about ideas—precisely because he has gone through the method of Hegelian idealism. Now you are merely the animal that has become bipedal, merely what you outwardly appear to be in the natural order.—The other extreme!
[ 26 ] Mußte da nicht gegenüber dem, was da in der Entwickelung der Menschheit vorhanden war, der Versuch unternommen werden, den Menschen wiederum auch in der Anschauung zum Menschen zu machen, das heißt, als das Wesen des Menschen nicht bloß die ganz allgemeine Idee, und auch nicht den bloßen tierischen Menschen hinzustellen, sondern den wirklichen, individuellen Menschen, der eine Hülle hat, die Gipfelpunkt der Natur ist, der in sich eine seelische Wesenheit hat, die Zielpunkt einer geistigen Welt geworden ist? Zum wirklichen Menschen mußte wiederum die menschliche Anschauung hingeleitet werden. Und diesen Versuch habe ich gemacht in meiner «Philosophie der Freiheit». Das ist die eigentliche historische Stellung des Problems, das vorlag, als es mich hindrängte, die «Philosophie der Freiheit» zu schreiben! Frei kann dieses höchst entwickelte Tier nicht sein, das den Menschen umhüllt; frei kann auch nicht jener schemenhafte Mensch sein, der Idee — Ansichsein, Außersichsein, Anundfürsichsein — ist, denn der ist durch logische Notwendigkeit gebildet. Beides ist nicht frei. Frei ist nur der wirkliche Mensch, der als das Gleichgewicht angesehen wird zwischen der Idee, die aber durchbricht zum wirklichen Geiste, und der äußeren materiellen Wirklichkeit.
[ 26 ] Given the state of human development at that time, was it not necessary to attempt to restore humanity to its true nature in people’s perception as well, that is, to present the essence of the human being not merely as a very general idea, nor as the mere animalistic human, but as the real, individual human being—who possesses a physical form that is the pinnacle of nature, and who has within himself a spiritual essence that has become the goal of a spiritual world? Human perception had to be guided back toward the real human being. And I undertook this attempt in my *Philosophy of Freedom*. This is the actual historical context of the problem that presented itself when it impelled me to write the *Philosophy of Freedom*! This highly developed animal that envelops the human being cannot be free; nor can that shadowy human being—who is an idea—be free—being-in-itself, being-outside-itself, being-in-and-for-itself—for he is formed by logical necessity. Neither is free. Only the real human being is free, who is regarded as the balance between the idea—which, however, breaks through into the real spirit—and external material reality.
[ 27 ] Daher ist auch in dieser «Philosophie der Freiheit» versucht worden, das sittliche Leben nicht auf irgendeinen abstrakten Grundsatz zu begründen, sondern auf das innere, moralische Erlebnis, was ich damals die «moralische Phantasie» nannte; auf dasjenige, was im individuellen Menschen als solchem aus der Intuition heraus schöpft, bildlich ausgedrückt. Kant stellte den kategorischen Imperativ auf: Handle so, daß die Maxime deines Handelns Richtschnur sein kann für alle Menschen. — Zieh dir einen Rock an, der allen Menschen passen kann! Die freiheitsphilosophische Maxime lautet: Handle so, wie es dir, deinen höchsten menschlichen Kräften gerade im konkreten Augenblicke, im individuellen konkreten Augenblicke aus dem Geiste heraus eingeht.
[ 27 ] Therefore, in this *Philosophy of Freedom* as well, an attempt was made to ground the moral life not on some abstract principle, but on the inner, moral experience—which I called at the time the “moral imagination”; that which, in the individual human being as such, springs from intuition—to put it figuratively. Kant formulated the categorical imperative: Act in such a way that the maxim of your action can serve as a guiding principle for all people. — Put on a coat that fits everyone! The maxim of the philosophy of freedom is: Act in whatever way comes to you from the spirit—to you and your highest human powers—precisely in this concrete moment, in this individual, concrete moment.
[ 28 ] So gelangt man auf dem Umwege durch die Moralphilosophie in die Geistigkeit hinein. Und gerade das wäre vielleicht für die heutige Menschheit ein Weg, um zu einer Auffassung von der geistigen Welt zu gelangen: wenn diese Menschheit zunächst das, was ja im Grunde genommen nicht so schwer zu verstehen ist, einsehen würde, daß das Sittliche ja ohne jeden Halt ist, wenn es nicht als ein Teil eines Übersinnlich-Geistigen aufgefaßt wird.
[ 28 ] Thus, one arrives at the spiritual realm via the detour of moral philosophy. And this, in particular, might be a path for humanity today to arrive at an understanding of the spiritual world: if humanity were first to recognize—which, after all, is not so difficult to understand—that morality has no foundation whatsoever unless it is understood as part of the supersensible-spiritual realm.
[ 29 ] Sehen Sie, Hegels Logik ist vom Anfang bis zum Ende eine Summe von abstrakten Ideen. Was schadet denn das aber schließlich, wenn ich die ganze Natur, alles das, was oberflächlich da ist, nur als eine Schematik von Ideen ansehe? — Aber es schadet, wenn dasjenige, was uns zum Sittlichen anspornt und impulsiert, nicht aus der geistigen Welt kommt; denn wenn es nicht aus der geistigen Welt kommt, hat es gar keine wahrhaftige Wirklichkeit, ist es nur Schall und Rauch, die herauskommen aus dem tierischen Menschen. Wenn der tierische Mensch abstirbt, so ist nichts mehr da. Bei der Hegelschen Philosophie gibt es keinen einzigen Begriff, der sich beziehen könnte auf irgend etwas, was noch für den Menschen da wäre, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, oder bevor er durch die Pforte der Geburt gegangen ist. Die Hegelsche Philosophie ist groß, aber sie ist groß als Durchgangspunkt des 19. Jahrhunderts. Hegel anzuerkennen in seiner Größe führt gerade dazu, ihn fortzusetzen, das zu durchbrechen, was sich entgegenstellt da, wo man in das reine Denken, in die reine Logik, in die Idee, in ihr Ansichsein kommt — in die übersinnliche Welt hinein. Hegelianer sein, das kann nur das Privatvergnügen von einigen vertrackten Köpfen sein, die am Beginne des 20. Jahrhunderts ihre große Geistreichigkeit darin suchen, da zu stehen, wo es einem erlaubt war zu stehen in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Denn das, meine lieben Freunde, müssen wir lernen, nicht nur abstrakt als Mensch leben zu wollen, sondern in der Zeit zu leben, in der Entwickelung der Zeit zu leben. Wir kommen gerade dadurch ins Lebendige hinein, daß wir die Verabsolutisierung verneinen, sonst wird man nicht mitarbeiten können mit der menschlichen Entwickelung. Und darauf kommt es an, daß man mit der menschlichen Entwickelung mitarbeitet.
[ 29 ] You see, Hegel’s logic is, from beginning to end, a collection of abstract ideas. But what harm is there, after all, in viewing all of nature—everything that exists on the surface—merely as a schematic arrangement of ideas? — But it is harmful if that which spurs and impels us toward morality does not come from the spiritual world; for if it does not come from the spiritual world, it has no true reality at all—it is merely smoke and mirrors emanating from the animalistic human. When the animalistic human dies, nothing remains. In Hegel’s philosophy, there is not a single concept that could refer to anything that would still be there for a person after they have passed through the gate of death, or before they have passed through the gate of birth. Hegelian philosophy is great, but it is great as a milestone of the 19th century. To acknowledge Hegel in his greatness leads precisely to continuing his work, to breaking through what stands in the way when one enters into pure thought, into pure logic, into the Idea, into its being-in-itself—into the supersensible world. Being a Hegelian can only be the private pleasure of a few convoluted minds who, at the beginning of the 20th century, seek their great intellectual brilliance in standing where one was permitted to stand in the first decades of the 19th century. For this, my dear friends, is what we must learn: not merely to want to live as human beings in the abstract, but to live in time, to live within the unfolding of time. It is precisely by rejecting absolutism that we enter into the living reality; otherwise, we will not be able to participate in human development. And that is what matters: participating in human development.
[ 30 ] Sehen Sie, Raffael war groß. Die Sixtinische Madonna ist eine sehr bedeutende malerische Schöpfung. Sie richtig zu würdigen ist eigentlich nur derjenige berechtigt, der, wenn heute ein Maler die Sixtinische Madonna malen würde, sie für ein schlechtes Bild hielte. Denn nicht darauf kommt es an, daß man irgend etwas absolut nimmt, sondern darauf kommt es an, daß man sich in den großen Menschheitszusammenhang hineinzustellen versteht. Und das ist die große Sünde, das ist das eigentliche Unheil in unserer Zeit, wenn das mißachtet wird. Heute liegt die Notwendigkeit vor, endlich einmal nicht bloß, wie es in der Vorzeit erlaubt war, sich absolut hineinzustellen in die Welt, sondern im Zeitalter der Bewußtseinsentwickelung wird es eine Notwendigkeit, sich bewußt in dem Zeitpunkt zu fühlen, auf den man in einer bestimmten Inkarnation gesetzt ist. So paradox das klingt, zur richtigen Schätzung der Raffaelischen Sixtinischen Madonna wird nur der kommen, der, wenn heute ein Maler diese Sixtinische Madonna malen würde, sie für ein schlechtes Bild zu halten vermöchte aus den heutigen Gesinnungen des Malens heraus. Denn nichts hat einen absoluten Wert, sondern die Dinge haben ihren Wert an der Stelle der Welt, an der sie stehen. Bisher konnte man ohne eine solche Einsicht auskommen. Von heute ab ist eine solche Einsicht notwendig. Schließlich ist sie ja nicht einmal so ganz besonders tief. Der den pythagoräischen Lehrsatz erfunden hat, war zu seiner Zeit ein großer Mann. Wenn ihn heute einer erfindet oder entdeckt, wäre es interessant, nicht wahr; es wäre ja auch interessant, wenn heute jemand die Sixtinische Madonna macht — aber es ist halt nicht die Zeit dazu, es ist nicht das, was geschehen muß an dem Punkte der Entwickelung, an dem wir stehen.
[ 30 ] You see, Raphael was great. The Sistine Madonna is a very significant work of art. Only someone who, if a painter were to paint the Sistine Madonna today, would consider it a poor painting is truly qualified to appreciate it properly. For what matters is not that one regards anything as absolute, but that one knows how to place oneself within the broader context of humanity. And that is the great sin, that is the true calamity of our time, when this is disregarded. Today there is a need—not merely, as was permissible in earlier times, to place oneself absolutely within the world—but in this age of the development of consciousness, it has become a necessity to feel oneself consciously situated at the precise point in time to which one has been placed in a particular incarnation. As paradoxical as it sounds, only those who—if a painter were to paint this Sistine Madonna today—would be able to regard it as a poor painting from the perspective of today’s artistic sensibilities will be able to properly appreciate Raphael’s Sistine Madonna. For nothing has absolute value; rather, things derive their value from their place in the world. Until now, one could manage without such insight. From now on, such insight is necessary. After all, it is not even particularly profound. The man who discovered the Pythagorean theorem was a great man in his time. If someone were to discover or invent it today, it would be interesting, wouldn’t it? It would also be interesting if someone were to paint the Sistine Madonna today—but this is simply not the time for it; it is not what must happen at this stage of development where we now stand.
[ 31 ] Sie sehen, meine lieben Freunde, welche Reformation des Denkens notwendig ist, welche Sozialisierung des Gedankens! Miterleben mit der Menschheit, das ist es, worauf es heute ankommt. Das wird heute den meisten Menschen eben durchaus als paradox erscheinen. Wir sind aber heute schon einmal in die Notwendigkeit versetzt, gründlichst umzudenken, zu wirklich neuen Gedanken zu kommen. Mit den alten Gedanken läßt sich nicht mehr weiterleben. Mit den alten Gedanken kann es nur so sein, daß wenn die Menschen sie fortspinnen, die Welt ihnen über dem Kopf zusammenfallen muß. Daran hängt das Heil der Menschheit, daß die Menschen sich lossagen können von dem alten Denken und wirklich neues Denken wollen. Geisteswissenschaft ist neues Denken. Sie wird ja deshalb gerade so verpönt, weil sie im Grunde allen alten Denkgewohnheiten widerspricht. Nur die Menschen, die ein Empfinden haben von der Notwendigkeit, zu neuem Denken zu kommen, die werden für die Geisteswissenschaft im allgemeinen und auch für ihre Offenbarung in bezug auf einzelne Gebiete des Seelenlebens, wie zum Beispiel in bezug auf die soziale Frage eine volle Empfindung haben können.
[ 31 ] You see, my dear friends, what a reformation of thought is necessary, what a socialization of thought! Sharing in the experience of humanity—that is what matters today. To most people today, this will certainly seem like a paradox. But we are already faced with the necessity of thoroughly rethinking our ways and arriving at truly new ideas. We can no longer go on living with the old ideas. If people continue to cling to the old ways of thinking, the world will inevitably come crashing down on their heads. The salvation of humanity depends on people being able to break away from the old ways of thinking and truly embrace new ways of thinking. Spiritual science is new thinking. It is precisely for this reason that it is so frowned upon—because it fundamentally contradicts all old habits of thought. Only those who sense the necessity of arriving at a new way of thinking will be able to fully appreciate spiritual science in general, as well as its revelations regarding specific areas of the soul’s life—such as, for example, the social question.
[ 32 ] Und ein anderes noch macht das Ungesunde der gegenwärtigen Zeit aus: daß eigentlich im Unterbewußtsein die Menschen schon daran sind, anders zu denken, aber aus einem historischen Eigensinn heraus dieses im Unterbewußtsein sitzende andere Denken unterdrücken und dadurch die Strafe des unterdrückten Denkens erleiden. Die gegenwärtige geschichtliche Entwickelung ist ja vielfach eine Strafe für die eigensinnige menschliche Natur, die dasjenige, was in ihren Untergründen liegt, unterdrückt und sich künstlich an das hält, an was sie sich seit Jahrhunderten gehalten hat. Man sollte geradezu nicht die inkonsequenten, bequemen Denker, sondern die konsequenten Denker aus der abgelaufenen, abgestorbenen Zeitperiode nehmen, um an ihnen zu sehen, worin man sich geirrt hat. Charakteristisch für die abgestorbene Periode sind nicht die Denker, die jedes Konzessiönchen gemacht haben, sondern diejenigen, welche auf dem Standpunkt des Alten festgestanden haben. Als im österreichischen Herrenhause vor vielen Jahren einmal alle die Abstraktlinge und liberalen Fortschrittsmänner von Fortschritt und Liberalismus sprachen und all dem, wie man Religion umwandeln muß, damit sie den Anforderungen der neueren Zeit entspricht, nun kurz: was alle die braven, biederen Spießer, von Gladstone angefangen bis herüber zu den biederen parlamentarischen Spießern des Kontinents, immerzu, immerzu gesagt haben — da erwiderte der Kardinal Rauscher als ein ganz unmoderner, aber gerade im Alten feststehender Geistlicher: Die katholische Kirche kennt keinen Fortschritt, das was einmal wahr war, wird durch alle Zeiten wahr sein. Alles, was sich als Neuheit dagegen geltend machen will, hat keine Berechtigung. — Das war ein unmoderner, aber in sich vollendeter Geist der alten Zeit. Ebenso Pobedonoszew, der einzige, der in genialer, geistvoller Weise die ganze westliche Kultur der neueren Zeit verurteilt hat, weil sie im Grunde genommen nach seiner Ansicht zu nichts führen wird — sie konnte auch zu nichts führen. Die alte Ordnung, an die sich die moderne Bourgeoisie gewöhnt hatte, war nur aufrechtzuerhalten, wenn man die Welt so gestaltet glauben wollte, wie der Kardinal Rauscher und wie Pobedonoszew selbst sie gestaltet haben wollten. Hätte man die Welt wirklich nicht mit dem Wischiwaschi von Nikolaus II. ausstaffiert, sondern mit den starren Grundsätzen des Pobedonoszew, unser Krieg wäre selbstverständlich nicht gekommen. Nur ist das eine dagegen zu sagen: man hätte es mit den Ideen des Pobedonoszew nicht gekonnt, weil die Wirklichkeit andere Wege nahm als diese Ideen. Und worauf es nun ankommt, ist, der Wirklichkeit zu folgen, nicht indem man Konzessionen macht, nicht indem man sich so verhält, wie sich die meisten Geister im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts oder gar in den zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verhalten haben, sondern indem man sich wirklich auch entschließt, etwas zu denken, was so verschieden ist von dem früheren Denken, wie die Verheerungen des Weltkrieges nach der anderen, der negativen Seite verschieden sind von dem, was bisher sich zugetragen hat. Von dem furchtbaren Unglück der Menschheit, von dem man immer wieder und wieder sagt, so etwas habe es noch nicht gegeben im Verlauf der Geschichte, sollte man jetzt wenigstens das lernen, daß man auch Gedanken fassen müsse, von denen man sagen kann: so etwas hat es ja noch gar nicht gegeben im Lauf der bisherigen Geschichte.
[ 32 ] And there is yet another factor that accounts for the unhealthy nature of the present age: that, deep down in their subconscious, people are already beginning to think differently, but out of a historical stubbornness they suppress this alternative way of thinking rooted in their subconscious and thereby suffer the punishment of that suppressed thought. The current historical development is, in many ways, a punishment for stubborn human nature, which suppresses what lies deep within and artificially clings to what it has clung to for centuries. One should not look to the inconsistent, complacent thinkers, but rather to the consistent thinkers of the past, now-defunct era, in order to see from them where one has gone astray. What is characteristic of that bygone era are not the thinkers who made every little concession, but those who stood firm on the old position. When, many years ago in the Austrian House of Lords, all the abstract thinkers and liberal progressives spoke of progress and liberalism and all that—how religion must be transformed so that it meets the demands of modern times—in short: what all those respectable, staid philistines—from Gladstone on down to the staid parliamentary philistines of the continent—have been saying over and over again—Cardinal Rauscher replied, as a thoroughly old-fashioned clergyman firmly rooted in the old ways: “The Catholic Church knows no progress; what was once true will remain true throughout the ages.” Anything that seeks to assert itself as a novelty has no justification.—That was an old-fashioned but internally coherent spirit of a bygone era. The same goes for Pobedonoszew, the only one who, in a brilliant and witty manner, condemned the entire Western culture of modern times because, in his view, it would ultimately lead nowhere—nor could it lead anywhere. The old order, to which the modern bourgeoisie had grown accustomed, could only be maintained if one wished to shape the world as Cardinal Rauscher and Pobedonoshev himself had wanted to shape it. Had the world truly been governed not by Nicholas II’s wishy-washy policies but by Pobedonoshev’s rigid principles, our war would, of course, never have come to pass. There is, however, one objection to this: it would not have been possible to act on Pobedonoszew’s ideas, because reality took a different course than those ideas. And what matters now is to follow reality—not by making concessions, not by behaving as most minds did during the second half of the 19th century or even in the two decades of the 20th century, but by truly resolving to think something that is as different from previous thinking as the devastation of one world war after another—on the negative side—differs from what has happened so far. From the terrible misfortune of humanity—about which it is said time and again that nothing like it has ever occurred in the course of history—we should now at least learn that we must also conceive of thoughts of which we can say: something like this has indeed never existed in the course of history to date.
[ 33 ] Sie sehen, einen großen Entschluß zu fassen, obliegt einmal der Menschheit. Und was unbewußt aus Instinkten heraus diesen Entschluß zur Reife bringen will, ist im Grunde genommen das, was sich als Sozialismus geltend macht. Nicht früher wird die Welt aus dem Chaos herauskommen, bis eine genügend große Anzahl der Menschen zu dem materiellen Sozialismus den ideellen Spiritualismus hinzufügen wird. So hängen die Dinge heute einmal zusammen. Solange aber die Menschen noch nicht einmal so weit sind, daß sie das allernächste Wirkliche sehen, wenn es ihnen unmittelbar vor der Nase steht, so lange kann kein Heil ersprießen im geschichtlich-sozialen Werden der Menschheit. Dies sollte gewissermaßen die innere Seelenpraxis werden, die uns aus den Impulsen der Geisteswissenschaft heraus entsteht, meine lieben Freunde. Immer wieder und wiederum möchte ich versuchen, Sie auf diese innere Seelenpraxis hinzuweisen. Je stärker Sie empfinden, daß so etwas notwendig ist für unsere Zeit, wie ich es wiederum versuchte, in diesen heutigen Betrachtungen hinzustellen, desto richtiger werden Sie sich in derjenigen Geistesströmung bewegen, die belebt sein will von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft.
[ 33 ] You see, it is up to humanity to make a major decision. And what, unconsciously and driven by instinct, seeks to bring this decision to fruition is, in essence, what asserts itself as socialism. The world will not emerge from chaos until a sufficiently large number of people add ideal spiritualism to material socialism. That is how things are interconnected today. But as long as people are not even ready to see the most immediate reality when it is right under their noses, no salvation can spring forth in the historical and social development of humanity. This, my dear friends, should, in a sense, become the inner spiritual practice that arises from the impulses of spiritual science. Time and again, I would like to try to draw your attention to this inner spiritual practice. The more strongly you feel that something like this is necessary for our time—as I have once again attempted to portray in today’s reflections—the more rightly you will move within that spiritual current that seeks to be enlivened by anthroposophically oriented spiritual science.
[ 34 ] Davon wollen wir dann am nächsten Freitag weiter reden.
[ 34 ] We'll talk more about that next Friday.
