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Past and Future Influences on Social Events
GA 190

30 March 1919, Dornach

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Vergangenheits- und Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen
  1. Past and Future Influences on Social Events, tr. SOL

Sechster Vortrag

Sechster Vortrag

[ 1 ] Dasjenige, was man die soziale Frage nennt, spricht in der allerintensivsten Weise als eine weltgeschichtliche Forderung in unsere Zeit herein. Man kann aber zu gleicher Zeit sagen: Diese Zeit, diese unsere Gegenwart ist möglichst wenig vorbereitet, der wahren Gestalt dieser sozialen Frage ein wirkliches, durchgreifendes Verständnis entgegenzubringen. Man gebe sich nur in bezug auf diese Tatsache keinen Illusionen hin. Wir haben öfter hinweisen müssen auf die tiefe Kluft, welche besteht zwischen den bis in unsere Zeit herein führenden Klassen und Ständen und den proletarischen Massen. Die führenden Klassen und Stände haben sich im weitesten Umkreise im Laufe der neueren geschichtlichen Entwickelung in sich abgeschlossen mit gewissen Interessenkreisen und haben ein allgemein menschliches Verständnis vernachlässigt. Die proletarischen Massen haben sich immer mehr und mehr durch ihre ganzen Lebensverhältnisse als ausgeschlossen betrachten müssen von dem, worinnen sich mehr oder weniger eingesponnen haben die führenden Menschenklassen. Nun könnte man ja allerdings sagen, daß mit Bezug auf die Scheidung in Klassen das Verhältnis zum Beispiel im alten Griechenland noch ungünstiger war. Da hatte man die großen Kreise von Sklaven, die nicht nur teilweise, in bezug auf ihre Arbeitskraft, als Ware betrachtet wurden, sondern die überhaupt in ihrer ganzen Menschheit als Ware betrachtet wurden, gekauft und verkauft wurden auf dem Markte. Aber man würde doch die Sache falsch ansehen, wenn man bloß auf das eben Erwähnte hinschaute. Gewiß, bis weit herein in die neuere Zeit war eine schroffe Klassensonderung und Klassenscheidung da; aber sie war mehr für die äußeren Lebensverhältnisse da, für diejenigen Verhältnisse, die sich in dem äußeren sozialen Rang ausdrücken. Während die neueste Zeit — und das ist gerade das Bedeutsame — eine Art von geistiger Gemeinschaft über die führenden Klassen ausgegossen hat, eine geistige Gemeinschaft, die eng zusammenhängt mit den egoistischen Interessen dieser führenden Klassen, und an der die großen proletarischen Massen nicht teilhaben können. Man bedenke nur, wie wenig das Geistesleben früherer Zeiten gerade in dieser Richtung gewirkt hat. Gewiß, es waren einzelne Individuen in alten Zeiten als Mysterienleiter, als Mysterienschüler mit den höheren Gliedern des geistigen Lebens durchdrungen; aber dieses geistige Leben gliederte sich nicht wie heute so, daß der Mensch gewissermaßen eine bürgerliche Bildung anzieht, wie er das bessere Bürgerkleid anzieht gegenüber dem Arbeiterkittel, und daß er dem Proletarier auch nur eine proletarische Bildung übrig läßt, wie er ihm eben den Arbeiterkittel übrig läßt. Bedenken Sie, wie das Christentum sich durch Jahrhunderte hindurch bemüht hat, gerade ein gemeinsames Geistesleben, das alle Menschen gleich hinstellen sollte vor Gott, über die Menschheit auszugießen. Und auch wenn Sie zurückschauen meinetwillen auf das Geistesleben des alten Hebräertums, gewiß, da waren die Schriftgelehrten und Pharisäer, einzelne Gemeinschaften, die sich heraushoben, die im Besitz eines gewissen geistigen Lebens waren; aber das, was sie aus diesem Geistesleben heraus gegeben haben, das gaben sie allen Klassen in gleicher Weise. Die Klassenscheidung bezog sich viel mehr auf anderes als auf das Geistesleben selbst. Und wir dürfen nicht vergessen, daß zum Beispiel das Mittelalter hindurch der Inhalt des Geisteslebens in etwas ganz anderem lag, als er heute liegt. Der Inhalt des Geisteslebens im Mittelalter lag im Bilde, das in der Kirche war, wo es jeder sehen konnte, wo es der höchste Adelige sehen konnte, wo es der letzte Arme sehen konnte. Dieses Geistesleben verband die Menschen von unten nach oben.

[ 1 ] Dasjenige, was man die soziale Frage nennt, spricht in der allerintensivsten Weise als eine weltgeschichtliche Forderung in unsere Zeit herein. Man kann aber zu gleicher Zeit sagen: Diese Zeit, diese unsere Gegenwart ist möglichst wenig vorbereitet, der wahren Gestalt dieser sozialen Frage ein wirkliches, durchgreifendes Verständnis entgegenzubringen. Man gebe sich nur in bezug auf diese Tatsache keinen Illusionen hin. Wir haben öfter hinweisen müssen auf die tiefe Kluft, welche besteht zwischen den bis in unsere Zeit herein führenden Klassen und Ständen und den proletarischen Massen. Die führenden Klassen und Stände haben sich im weitesten Umkreise im Laufe der neueren geschichtlichen Entwickelung in sich abgeschlossen mit gewissen Interessenkreisen und haben ein allgemein menschliches Verständnis vernachlässigt. Die proletarischen Massen haben sich immer mehr und mehr durch ihre ganzen Lebensverhältnisse als ausgeschlossen betrachten müssen von dem, worinnen sich mehr oder weniger eingesponnen haben die führenden Menschenklassen. Nun könnte man ja allerdings sagen, daß mit Bezug auf die Scheidung in Klassen das Verhältnis zum Beispiel im alten Griechenland noch ungünstiger war. Da hatte man die großen Kreise von Sklaven, die nicht nur teilweise, in bezug auf ihre Arbeitskraft, als Ware betrachtet wurden, sondern die überhaupt in ihrer ganzen Menschheit als Ware betrachtet wurden, gekauft und verkauft wurden auf dem Markte. Aber man würde doch die Sache falsch ansehen, wenn man bloß auf das eben Erwähnte hinschaute. Gewiß, bis weit herein in die neuere Zeit war eine schroffe Klassensonderung und Klassenscheidung da; aber sie war mehr für die äußeren Lebensverhältnisse da, für diejenigen Verhältnisse, die sich in dem äußeren sozialen Rang ausdrücken. Während die neueste Zeit — und das ist gerade das Bedeutsame — eine Art von geistiger Gemeinschaft über die führenden Klassen ausgegossen hat, eine geistige Gemeinschaft, die eng zusammenhängt mit den egoistischen Interessen dieser führenden Klassen, und an der die großen proletarischen Massen nicht teilhaben können. Man bedenke nur, wie wenig das Geistesleben früherer Zeiten gerade in dieser Richtung gewirkt hat. Gewiß, es waren einzelne Individuen in alten Zeiten als Mysterienleiter, als Mysterienschüler mit den höheren Gliedern des geistigen Lebens durchdrungen; aber dieses geistige Leben gliederte sich nicht wie heute so, daß der Mensch gewissermaßen eine bürgerliche Bildung anzieht, wie er das bessere Bürgerkleid anzieht gegenüber dem Arbeiterkittel, und daß er dem Proletarier auch nur eine proletarische Bildung übrig läßt, wie er ihm eben den Arbeiterkittel übrig läßt. Bedenken Sie, wie das Christentum sich durch Jahrhunderte hindurch bemüht hat, gerade ein gemeinsames Geistesleben, das alle Menschen gleich hinstellen sollte vor Gott, über die Menschheit auszugießen. Und auch wenn Sie zurückschauen meinetwillen auf das Geistesleben des alten Hebräertums, gewiß, da waren die Schriftgelehrten und Pharisäer, einzelne Gemeinschaften, die sich heraushoben, die im Besitz eines gewissen geistigen Lebens waren; aber das, was sie aus diesem Geistesleben heraus gegeben haben, das gaben sie allen Klassen in gleicher Weise. Die Klassenscheidung bezog sich viel mehr auf anderes als auf das Geistesleben selbst. Und wir dürfen nicht vergessen, daß zum Beispiel das Mittelalter hindurch der Inhalt des Geisteslebens in etwas ganz anderem lag, als er heute liegt. Der Inhalt des Geisteslebens im Mittelalter lag im Bilde, das in der Kirche war, wo es jeder sehen konnte, wo es der höchste Adelige sehen konnte, wo es der letzte Arme sehen konnte. Dieses Geistesleben verband die Menschen von unten nach oben.

[ 2 ] Dann kam aber die neuere Zeit herauf, welche im wesentlichen das Literarische an die Stelle des alten Bildhaften setzte. Immer geringeres und geringeres Verständnis zeigte sich für das Bildhafte, für das Imaginative, und immer mehr und mehr suchten die Leute die Bildung in dem Literarischen, in dem Schrifttum, in den niedergeschriebenen und gedruckten Worten. Und dieses niedergeschriebene und gedruckte ‘Wort nahm immer mehr und mehr die Gestaltung an, welche es möglich machte, daß gewissermaßen neben dem proletarischen allgemeinmenschlichen Fühlen sich eine Oberschicht der Bildung herausgestaltete. Diese Seelenzweiheit im sozialen Leben, die immer mehr und mehr herauskam in der neueren Zeit, die begründete viel mehr als alles andere die tiefe, tiefe soziale Kluft, die jetzt solche furchtbaren Folgen hat.

[ 2 ] Dann kam aber die neuere Zeit herauf, welche im wesentlichen das Literarische an die Stelle des alten Bildhaften setzte. Immer geringeres und geringeres Verständnis zeigte sich für das Bildhafte, für das Imaginative, und immer mehr und mehr suchten die Leute die Bildung in dem Literarischen, in dem Schrifttum, in den niedergeschriebenen und gedruckten Worten. Und dieses niedergeschriebene und gedruckte ‘Wort nahm immer mehr und mehr die Gestaltung an, welche es möglich machte, daß gewissermaßen neben dem proletarischen allgemeinmenschlichen Fühlen sich eine Oberschicht der Bildung herausgestaltete. Diese Seelenzweiheit im sozialen Leben, die immer mehr und mehr herauskam in der neueren Zeit, die begründete viel mehr als alles andere die tiefe, tiefe soziale Kluft, die jetzt solche furchtbaren Folgen hat.

[ 3 ] Dazu kam noch, daß ja an sich in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum, in diesem Zeitraum der herrschenden BewußtseinsseelenEntwickelung, die Menschen immer egoistischer und egoistischer wurden, weil sie sich gewissermaßen auf die Spitze der menschlichen Persönlichkeit stellen mußten, weil sie gerade die menschliche Persönlichkeit ausbilden sollten. Durch diese Ausbildung der menschlichen Persönlichkeit stellte sich das heraus, daß die Menschen immer weniger und weniger fähig waren, wirklich einander zu verstehen, aufeinander einzugehen. Wir sind ja endlich in diesem Zeitalter der Gegenwart dahin gelangt, wo es fast zur Unmöglichkeit geworden ist, daß einer von dem anderen überzeugt werde, wo daher Ausbreitung von Ideen so leicht gesucht wird auf dem Wege der Gewalt. Wie oft habe ich es hier und sonst in unserem Gemeinschaftszusammenhange betont, daß heute eigentlich ein jeder über alles — aus keinerlei Voraussetzungen heraus — immer seinen Standpunkt hat. Es kann heute einer ein noch so junger Dachs sein, er hat gegenüber den gereiftesten Anschauungen eben seinen Standpunkt. Das Gefühl, daß Gesichtspunkte für das Lebensurteil gewonnen werden sollen durch Heranreifen, durch Ausbreitung der Erfahrung, dieses Gefühl ist immer mehr und mehr zum Schwinden gekommen. Das Eingehen auf den anderen, so daß man überzeugt werden kann von dem, was in der Seele des anderen lebt, das ist immer mehr und mehr zurückgetreten; daher verstehen sich die Menschen so ungeheuer wenig.

[ 3 ] Dazu kam noch, daß ja an sich in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum, in diesem Zeitraum der herrschenden BewußtseinsseelenEntwickelung, die Menschen immer egoistischer und egoistischer wurden, weil sie sich gewissermaßen auf die Spitze der menschlichen Persönlichkeit stellen mußten, weil sie gerade die menschliche Persönlichkeit ausbilden sollten. Durch diese Ausbildung der menschlichen Persönlichkeit stellte sich das heraus, daß die Menschen immer weniger und weniger fähig waren, wirklich einander zu verstehen, aufeinander einzugehen. Wir sind ja endlich in diesem Zeitalter der Gegenwart dahin gelangt, wo es fast zur Unmöglichkeit geworden ist, daß einer von dem anderen überzeugt werde, wo daher Ausbreitung von Ideen so leicht gesucht wird auf dem Wege der Gewalt. Wie oft habe ich es hier und sonst in unserem Gemeinschaftszusammenhange betont, daß heute eigentlich ein jeder über alles — aus keinerlei Voraussetzungen heraus — immer seinen Standpunkt hat. Es kann heute einer ein noch so junger Dachs sein, er hat gegenüber den gereiftesten Anschauungen eben seinen Standpunkt. Das Gefühl, daß Gesichtspunkte für das Lebensurteil gewonnen werden sollen durch Heranreifen, durch Ausbreitung der Erfahrung, dieses Gefühl ist immer mehr und mehr zum Schwinden gekommen. Das Eingehen auf den anderen, so daß man überzeugt werden kann von dem, was in der Seele des anderen lebt, das ist immer mehr und mehr zurückgetreten; daher verstehen sich die Menschen so ungeheuer wenig.

[ 4 ] Dazu kam, daß im Laufe der letzten Jahrhunderte sich die Menschen vom Geistigen überhaupt immer mehr und mehr abgewendet haben. Ich habe neulich erst hier noch einmal besonders betont, wie man durchaus nicht sich täuschen lassen soll dadurch, daß auch heute die Leute noch in die Kirche gehen und behaupten, Religion zu haben. Diese Religion bedeutet gegenüber dem Zusammenhange, den der Mensch braucht und suchen soll zwischen der sinnlichen Welt, in der er lebt zwischen Geburt und Tod, und der übersinnlichen Welt, außerordentlich wenig. Der größte Teil von dem, was die Menschen heute als religiösen Inhalt für sich behaupten, ist ja nichts weiter als ein Leben in Worten, als ein Leben in der Sprache. Und nachdem wir betont haben gestern und vorgestern, wie abstrakt das Leben in der Sprache geworden ist, braucht es uns nicht zu verwundern, daß auch das religiöse Leben, das sich ja zumeist in der Sprache für die Menschen ausdrückt, ein abstraktes und damit ein materialistisches geworden ist. Denn alles Abstrakte führt eigentlich den Menschen immerzu zum Materialistischen. Und die Frage, die eigentlich unser ganzes Leben fortwährend durchdringen und durchklingen sollte: Was ist eigentlich der Mensch? — die Frage ist ja auf etwas hinweisend, das dem heutigen Menschen, dem Durchschnittsmenschen kaum zugänglich ist. Bedenken Sie doch, daß, um die Frage zu beantworten, was der Mensch ist, man nötig hat, in hingebungsvoller Art auf die ganze Welt einzugehen; denn der Mensch ist ein Mikrokosmos, eine kleine Welt, und er wird nur verständlich, wenn man ihn sich vorzustellen vermag so, wie er herausgeboren ist aus der ganzen Welt. Zum Verständnis des Menschen ist das Verständnis der Welt nötig. Wie wenig wird aber heute im Zeitalter der rein auf das Außerliche gehenden Naturwissenschaft ein wirkliches Verständnis der Welt und damit ein Verständnis des Menschen gesucht. Wenn man nun in der Gegenwart auch oftmals denkt, das hinge gar nicht zusammen mit dem Verständnis für die soziale Frage, so ist es doch durchaus wahr, daß alles das, was ich jetzt eben wieder aufgeführt habe, mit dem Verständnis für die soziale Frage innig zusammenhängt. Man wird aber diesen Zusammenhang erst allmählich wiederum merken, wenn man liebevoll wird eingehen wollen auf das Geistige. Heute will man die soziale Frage lediglich aus äußeren Dingen heraus lösen. Wirklich lösen wird man sie nur können, wenn man für alles Streben und Empfinden und Wollen des Menschen das geistige Erleben zugrunde legen kann, wenn man fruchtbar wiederum die Frage stellen wird können: Wie kann eine wahre Verbindung hergestellt werden zwischen der Welt, in welcher der Mensch lebt zwischen der Geburt und dem Tode, und der Welt, in der er lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt?

[ 4 ] Dazu kam, daß im Laufe der letzten Jahrhunderte sich die Menschen vom Geistigen überhaupt immer mehr und mehr abgewendet haben. Ich habe neulich erst hier noch einmal besonders betont, wie man durchaus nicht sich täuschen lassen soll dadurch, daß auch heute die Leute noch in die Kirche gehen und behaupten, Religion zu haben. Diese Religion bedeutet gegenüber dem Zusammenhange, den der Mensch braucht und suchen soll zwischen der sinnlichen Welt, in der er lebt zwischen Geburt und Tod, und der übersinnlichen Welt, außerordentlich wenig. Der größte Teil von dem, was die Menschen heute als religiösen Inhalt für sich behaupten, ist ja nichts weiter als ein Leben in Worten, als ein Leben in der Sprache. Und nachdem wir betont haben gestern und vorgestern, wie abstrakt das Leben in der Sprache geworden ist, braucht es uns nicht zu verwundern, daß auch das religiöse Leben, das sich ja zumeist in der Sprache für die Menschen ausdrückt, ein abstraktes und damit ein materialistisches geworden ist. Denn alles Abstrakte führt eigentlich den Menschen immerzu zum Materialistischen. Und die Frage, die eigentlich unser ganzes Leben fortwährend durchdringen und durchklingen sollte: Was ist eigentlich der Mensch? — die Frage ist ja auf etwas hinweisend, das dem heutigen Menschen, dem Durchschnittsmenschen kaum zugänglich ist. Bedenken Sie doch, daß, um die Frage zu beantworten, was der Mensch ist, man nötig hat, in hingebungsvoller Art auf die ganze Welt einzugehen; denn der Mensch ist ein Mikrokosmos, eine kleine Welt, und er wird nur verständlich, wenn man ihn sich vorzustellen vermag so, wie er herausgeboren ist aus der ganzen Welt. Zum Verständnis des Menschen ist das Verständnis der Welt nötig. Wie wenig wird aber heute im Zeitalter der rein auf das Außerliche gehenden Naturwissenschaft ein wirkliches Verständnis der Welt und damit ein Verständnis des Menschen gesucht. Wenn man nun in der Gegenwart auch oftmals denkt, das hinge gar nicht zusammen mit dem Verständnis für die soziale Frage, so ist es doch durchaus wahr, daß alles das, was ich jetzt eben wieder aufgeführt habe, mit dem Verständnis für die soziale Frage innig zusammenhängt. Man wird aber diesen Zusammenhang erst allmählich wiederum merken, wenn man liebevoll wird eingehen wollen auf das Geistige. Heute will man die soziale Frage lediglich aus äußeren Dingen heraus lösen. Wirklich lösen wird man sie nur können, wenn man für alles Streben und Empfinden und Wollen des Menschen das geistige Erleben zugrunde legen kann, wenn man fruchtbar wiederum die Frage stellen wird können: Wie kann eine wahre Verbindung hergestellt werden zwischen der Welt, in welcher der Mensch lebt zwischen der Geburt und dem Tode, und der Welt, in der er lebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt?

[ 5 ] Sie kennen alle schon mehr oder weniger die «Gruppe», welche die Trinität für die Weltanschauung der Zukunft darstellen soll: den Menschheitsrepräsentanten zwischen Luzifer und Ahriman. Sie werden bemerkt haben, daß versucht worden ist, diesen Menschheitsrepräsentanten in solcher Weise darzustellen, daß er als Ganzes eigentlich so wirken soll, wie sonst nur das menschliche Antlitz in seinen Zügen wirkt. Das menschliche Antlitz in seinen Zügen wirkt so, daß diese Züge ein Ausdruck des Seelenlebens sind. Wir sprechen von Physiognomie, wir sprechen mit Bezug auf gewisse äußere Dinge beim Menschen von Gesten, und wir wissen, daß diese Beweglichkeit, die sich in Physiognomie und Geste ausdrückt, zusammenhängt mit dem Seelenleben. Nicht nur wurde versucht, das Antlitz, so weit als es beim Menschen zwischen Geburt und Tod einen physiognomischen Ausdruck hat, in dem Menschheitsrepräsentanten unserer Gruppe physiognomisch darzustellen, sondern gewissermaßen nach dem Prinzip, wie in der Natur nur das menschliche Antlitz gebaut ist, so wurde versucht, den ganzen Menschen zu bilden, jede Formung, jedes Glied gewissermaßen zu einem erweiterten Antlitz zu machen. Warum denn das? Weil in unserer Zeit wiederum das Bestreben Platz greifen muß, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen zwischen Wesen, welche nur als geistig-seelische Wesen leben, und Wesen, die hier auf der Erde im physischen Leibe leben, wie zum Beispiel die Menschen. Vergegenwärtigen wir uns — wie wir uns vergegenwärtigt haben, was die Toten von unserer Sprache vernehmen —, was sie überhaupt von unserer Erde im ganzen vernehmen.

[ 5 ] Sie kennen alle schon mehr oder weniger die «Gruppe», welche die Trinität für die Weltanschauung der Zukunft darstellen soll: den Menschheitsrepräsentanten zwischen Luzifer und Ahriman. Sie werden bemerkt haben, daß versucht worden ist, diesen Menschheitsrepräsentanten in solcher Weise darzustellen, daß er als Ganzes eigentlich so wirken soll, wie sonst nur das menschliche Antlitz in seinen Zügen wirkt. Das menschliche Antlitz in seinen Zügen wirkt so, daß diese Züge ein Ausdruck des Seelenlebens sind. Wir sprechen von Physiognomie, wir sprechen mit Bezug auf gewisse äußere Dinge beim Menschen von Gesten, und wir wissen, daß diese Beweglichkeit, die sich in Physiognomie und Geste ausdrückt, zusammenhängt mit dem Seelenleben. Nicht nur wurde versucht, das Antlitz, so weit als es beim Menschen zwischen Geburt und Tod einen physiognomischen Ausdruck hat, in dem Menschheitsrepräsentanten unserer Gruppe physiognomisch darzustellen, sondern gewissermaßen nach dem Prinzip, wie in der Natur nur das menschliche Antlitz gebaut ist, so wurde versucht, den ganzen Menschen zu bilden, jede Formung, jedes Glied gewissermaßen zu einem erweiterten Antlitz zu machen. Warum denn das? Weil in unserer Zeit wiederum das Bestreben Platz greifen muß, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen zwischen Wesen, welche nur als geistig-seelische Wesen leben, und Wesen, die hier auf der Erde im physischen Leibe leben, wie zum Beispiel die Menschen. Vergegenwärtigen wir uns — wie wir uns vergegenwärtigt haben, was die Toten von unserer Sprache vernehmen —, was sie überhaupt von unserer Erde im ganzen vernehmen.

[ 6 ] Wir haben auf unserer Erde erstens das weite Steinreich, das Mineralreich; bis zu einem gewissen Grade haben wir dieses Mineralreich in Kristallformen, dann aber auch zerschlagen, amorph, wie man sagt. Im Grunde genommen sehen die Toten von der Erde nur die Kristallformen und dasjenige, was sich sonst aus den morphologischen, aus den Gestaltungsverhältnissen der Erde als regelmäßige Gestalt ergibt; und das sehen sie wie einen Hohlkörper. Sie können die Dinge nachlesen in meiner «Theosophie». Von den Pflanzen sehen die Toten zunächst nicht diejenige Gestalt, die wir mit unseren Augen sehen. Es ist sogar sehr schwierig, darauf hinzuweisen, was die Toten von der Pflanzenwelt sehen. Erstens ist ihnen die ganze Pflanzenwelt der Erde wie ein großer Leib; aber sie sehen nicht die grüne Pflanzengestalt, die wir sehen, sondern sie sehen eine gewisse Bewegung, das Wachsen der Pflanzen, sie sehen das Entstehen eines Blattes nach dem anderen bis zur Blüte hin; sie sehen dasjenige, was gerade den Menschen entgeht. Sie sehen also die Erde als einen einheitlichen großen Organismus und gewissermaßen geistig die Haare herauswachsen aus der Erde — denn vergeistigt sind diese Pflanzen. Wiederum von der Tierwelt — ich spreche jetzt immer von den äußeren sinnlichen Formen — sehen die Toten nur das Laufen der Tiere über die Erde; nicht die einzelne Gestalt des Tieres; sondern. die Ortsveränderung.

[ 6 ] Wir haben auf unserer Erde erstens das weite Steinreich, das Mineralreich; bis zu einem gewissen Grade haben wir dieses Mineralreich in Kristallformen, dann aber auch zerschlagen, amorph, wie man sagt. Im Grunde genommen sehen die Toten von der Erde nur die Kristallformen und dasjenige, was sich sonst aus den morphologischen, aus den Gestaltungsverhältnissen der Erde als regelmäßige Gestalt ergibt; und das sehen sie wie einen Hohlkörper. Sie können die Dinge nachlesen in meiner «Theosophie». Von den Pflanzen sehen die Toten zunächst nicht diejenige Gestalt, die wir mit unseren Augen sehen. Es ist sogar sehr schwierig, darauf hinzuweisen, was die Toten von der Pflanzenwelt sehen. Erstens ist ihnen die ganze Pflanzenwelt der Erde wie ein großer Leib; aber sie sehen nicht die grüne Pflanzengestalt, die wir sehen, sondern sie sehen eine gewisse Bewegung, das Wachsen der Pflanzen, sie sehen das Entstehen eines Blattes nach dem anderen bis zur Blüte hin; sie sehen dasjenige, was gerade den Menschen entgeht. Sie sehen also die Erde als einen einheitlichen großen Organismus und gewissermaßen geistig die Haare herauswachsen aus der Erde — denn vergeistigt sind diese Pflanzen. Wiederum von der Tierwelt — ich spreche jetzt immer von den äußeren sinnlichen Formen — sehen die Toten nur das Laufen der Tiere über die Erde; nicht die einzelne Gestalt des Tieres; sondern. die Ortsveränderung.

[ 7 ] Und von den Menschen, insofern die Menschen physische Gestalten tragen, was sehen davon die Toten? Ja, die menschliche Gestalt als solche ist fast ganz so, nur wenige Teile ausgenommen, daß die Toten überhaupt von den Menschen nichts sehen. Sie nehmen die Seele wahr, das Geistige, aber die äußere Gestalt gar nicht. Würden wir also rein naturalistisch den Menschheitsrepräsentanten gestaltet haben als eine solche menschliche Gestalt, wie der Mensch hier auf der Erde ist, so würde diese Gestalt für die Toten schlechterdings unwahrnehmbar sein; auch für die Angeloi, Archangeloi. Für alle geistigen Wesen, die nicht mehr einen Leib tragen, in dem sinnliche Augen drinnen sind, ist die menschliche Gestalt, rein nachgebildet ihrer Form nach, etwas Unsichtbares, etwas Unwahrnehmbares. Und erst wenn Sie beginnen, Seelisches in der Form auszudrücken, so daß die äußere Form nicht mehr naturalistisch der hiesigen Menschengestalt entspricht, dann beginnen auch die Toten diese Form zu sehen. Wenn Sie ein gewöhnliches symmetrisches Gesicht hinhauen — wie ja im allgemeinen die Gesichter nicht sind, aber wie sie die Menschen sehen —, so sieht der Tote von einem solchen sogenannten Kunstwerke nichts. Unsere Gestalt konnte nur dadurch sichtbar gemacht werden auch für die übersinnlichen Wesenheiten, daß sie asymmetrisch ist, daß die Asymmetrie besonders betont ist, daß etwas drinnen ist, was seelisch ist, und was sich sonst naturalistisch nicht in der äußeren Form ausdrückt.

[ 7 ] Und von den Menschen, insofern die Menschen physische Gestalten tragen, was sehen davon die Toten? Ja, die menschliche Gestalt als solche ist fast ganz so, nur wenige Teile ausgenommen, daß die Toten überhaupt von den Menschen nichts sehen. Sie nehmen die Seele wahr, das Geistige, aber die äußere Gestalt gar nicht. Würden wir also rein naturalistisch den Menschheitsrepräsentanten gestaltet haben als eine solche menschliche Gestalt, wie der Mensch hier auf der Erde ist, so würde diese Gestalt für die Toten schlechterdings unwahrnehmbar sein; auch für die Angeloi, Archangeloi. Für alle geistigen Wesen, die nicht mehr einen Leib tragen, in dem sinnliche Augen drinnen sind, ist die menschliche Gestalt, rein nachgebildet ihrer Form nach, etwas Unsichtbares, etwas Unwahrnehmbares. Und erst wenn Sie beginnen, Seelisches in der Form auszudrücken, so daß die äußere Form nicht mehr naturalistisch der hiesigen Menschengestalt entspricht, dann beginnen auch die Toten diese Form zu sehen. Wenn Sie ein gewöhnliches symmetrisches Gesicht hinhauen — wie ja im allgemeinen die Gesichter nicht sind, aber wie sie die Menschen sehen —, so sieht der Tote von einem solchen sogenannten Kunstwerke nichts. Unsere Gestalt konnte nur dadurch sichtbar gemacht werden auch für die übersinnlichen Wesenheiten, daß sie asymmetrisch ist, daß die Asymmetrie besonders betont ist, daß etwas drinnen ist, was seelisch ist, und was sich sonst naturalistisch nicht in der äußeren Form ausdrückt.

[ 8 ] Nun aber bedenken Sie, wie die Kunst in der neueren Zeit immer naturalistischer und naturalistischer geworden ist. Ich habe es vielleicht schon erzählt: Ich habe als junger Dachs einen befreundeten Bildhauer gekannt, der dann sogar sich in seinem Heimatlande einen gewissen Namen erworben hat, der sagte — wir sprachen über künstlerische Denkmäler — zu meinem Entsetzen: Nun, die beste Nachbildung eines Menschen würde doch entstehen, wenn man ganz genau räumlich jedes einzelne, was am Menschen ist, in Stein oder in Bronze oder sonst einem Material nachbildete. — Ich antwortete: Was dadurch entsteht, das ist das Gegenteil von dem, was entstehen soll! Das ist so weit wie möglich von einem Kunstwerk entfernt! Denn in Wirklichkeit sollte ein Kunstwerk nichts haben von einer solchen bloßen Nachbildung, es sollte alles anders sein wie im Original. — Das verstand der gar nicht; der «Abguß» war ihm eigentlich das vollkommenste plastische Kunstwerk. Aber man möchte sagen: Aus dieser Gesinnung heraus ist ja vielfach die neuere Kunst gebildet, und auch das Kunsturteil ist danach gebildet. Woher soll denn schließlich auch ein anderes Kunsturteil kommen? Nicht wahr, die Leute müssen doch irgend etwas empfinden, wenn sie irgend so etwas in Marmor oder in Bronze Geformtes oder dergleichen sehen! Wenn nun die Leute gar keine Beziehung zu einer geistigen Welt haben, so können sie doch schließlich gar nicht anders ein Kunsturteil fällen, als indem sie sich fragen: Ist das naturgemäß, gibt es so etwas in der Natur? — Und wenn irgendeiner findet: So etwas gibt es nicht —, so hält er es eben nicht für gerechtfertigt, was die Kunst darstellt.

[ 8 ] Nun aber bedenken Sie, wie die Kunst in der neueren Zeit immer naturalistischer und naturalistischer geworden ist. Ich habe es vielleicht schon erzählt: Ich habe als junger Dachs einen befreundeten Bildhauer gekannt, der dann sogar sich in seinem Heimatlande einen gewissen Namen erworben hat, der sagte — wir sprachen über künstlerische Denkmäler — zu meinem Entsetzen: Nun, die beste Nachbildung eines Menschen würde doch entstehen, wenn man ganz genau räumlich jedes einzelne, was am Menschen ist, in Stein oder in Bronze oder sonst einem Material nachbildete. — Ich antwortete: Was dadurch entsteht, das ist das Gegenteil von dem, was entstehen soll! Das ist so weit wie möglich von einem Kunstwerk entfernt! Denn in Wirklichkeit sollte ein Kunstwerk nichts haben von einer solchen bloßen Nachbildung, es sollte alles anders sein wie im Original. — Das verstand der gar nicht; der «Abguß» war ihm eigentlich das vollkommenste plastische Kunstwerk. Aber man möchte sagen: Aus dieser Gesinnung heraus ist ja vielfach die neuere Kunst gebildet, und auch das Kunsturteil ist danach gebildet. Woher soll denn schließlich auch ein anderes Kunsturteil kommen? Nicht wahr, die Leute müssen doch irgend etwas empfinden, wenn sie irgend so etwas in Marmor oder in Bronze Geformtes oder dergleichen sehen! Wenn nun die Leute gar keine Beziehung zu einer geistigen Welt haben, so können sie doch schließlich gar nicht anders ein Kunsturteil fällen, als indem sie sich fragen: Ist das naturgemäß, gibt es so etwas in der Natur? — Und wenn irgendeiner findet: So etwas gibt es nicht —, so hält er es eben nicht für gerechtfertigt, was die Kunst darstellt.

[ 9 ] Aber, meine lieben Freunde, sagen wir uns das doch immer wieder und wiederum: Es ist ja eigentlich etwas Lächerliches in diesem reinnaturalistisch das Leben Nachbilden! Hauptmannsche Dramen zu schreiben, ist doch etwas Lächerliches, denn das kann ja selbstverständlich die Natur doch besser. Da kommen wir ja doch der Natur nicht nach. Während dasjenige, was — wenn auch unvollkommen — herausgeholt ist aus der geistigen Welt, eine Bereicherung der Natur ist, etwas Neues in diese Welt hereinstellt. Aber immer mehr und mehr hat sich die neuere Zeit diesem Naturalismus zugewendet, der eben der Materialismus auf geschichtlichem Gebiete ist.

[ 9 ] Aber, meine lieben Freunde, sagen wir uns das doch immer wieder und wiederum: Es ist ja eigentlich etwas Lächerliches in diesem reinnaturalistisch das Leben Nachbilden! Hauptmannsche Dramen zu schreiben, ist doch etwas Lächerliches, denn das kann ja selbstverständlich die Natur doch besser. Da kommen wir ja doch der Natur nicht nach. Während dasjenige, was — wenn auch unvollkommen — herausgeholt ist aus der geistigen Welt, eine Bereicherung der Natur ist, etwas Neues in diese Welt hereinstellt. Aber immer mehr und mehr hat sich die neuere Zeit diesem Naturalismus zugewendet, der eben der Materialismus auf geschichtlichem Gebiete ist.

[ 10 ] Das alles rührt von der Abkehr der Menschen vom Geistesleben her. Eine Rückkehr, eine gesunde Rückkehr zum Geistesleben ist nur möglich dadurch, daß wir uns in solcher Konkretheit die Beziehungen des Sinnlichen zu dem Übersinnlichen vorstellen, wie wir es jetzt wiederum versucht haben auf den verschiedensten Gebieten, indem wir uns

[ 10 ] Das alles rührt von der Abkehr der Menschen vom Geistesleben her. Eine Rückkehr, eine gesunde Rückkehr zum Geistesleben ist nur möglich dadurch, daß wir uns in solcher Konkretheit die Beziehungen des Sinnlichen zu dem Übersinnlichen vorstellen, wie wir es jetzt wiederum versucht haben auf den verschiedensten Gebieten, indem wir uns

[ 11 ] klarmachen, was der Tote hört von der Sprache, sieht von den Formen, die hier auf der Erde für den sinnlichen Menschen vorhanden sind. Wenn wir, ebenso wie für irgend etwas auf der physischen Erde, uns im einzelnen konkret klarmachen, wie die Beziehungen vom Sinnlichen und Übersinnlichen sind, dann haben wir erst eine reale Vorstellung über den Zusammenhang des Sinnlichen und des Übersinnlichen! In der neueren Zeit hat erst der heraufkommende materialistische Naturalismus, der seit dem 15., 16. Jahrhundert immer energischer die Menschen ergriffen hat, den Sinn für diesen Zusammenhang von Sinnlichem und Übersinnlichem getötet. Die Wissenschaft läßt zuletzt nichts mehr gelten als dasjenige, was sinnlich-tatsächlich ist. Dadurch haben die Menschen sich losgerissen von einem wirklichen, lebendigen Zusammenfühlen mit der geistigen Welt.

[ 11 ] klarmachen, was der Tote hört von der Sprache, sieht von den Formen, die hier auf der Erde für den sinnlichen Menschen vorhanden sind. Wenn wir, ebenso wie für irgend etwas auf der physischen Erde, uns im einzelnen konkret klarmachen, wie die Beziehungen vom Sinnlichen und Übersinnlichen sind, dann haben wir erst eine reale Vorstellung über den Zusammenhang des Sinnlichen und des Übersinnlichen! In der neueren Zeit hat erst der heraufkommende materialistische Naturalismus, der seit dem 15., 16. Jahrhundert immer energischer die Menschen ergriffen hat, den Sinn für diesen Zusammenhang von Sinnlichem und Übersinnlichem getötet. Die Wissenschaft läßt zuletzt nichts mehr gelten als dasjenige, was sinnlich-tatsächlich ist. Dadurch haben die Menschen sich losgerissen von einem wirklichen, lebendigen Zusammenfühlen mit der geistigen Welt.

[ 12 ] Im 18. Jahrhunderte war das in einzelnen Kulturgebieten noch anders. Da hat innerhalb der französischen Kultur unter den Enzyklopädisten der Materialismus seine geistreichsten Früchte getrieben, dann hat er sich immer mehr und mehr ausgebreitet, und dann ist zuletzt dasjenige gekommen, was am meisten abführt von der geistigen Welt: das Leben in den theosophischen Abstraktionen! Dieses Leben in den theosophischen Abstraktionen, das sich darauf beschränkt, daß man sagt: der Mensch besteht aus physischem Leib, Atherleib und Astralleib und so weiter, der Mensch hat ein Karma, der Mensch lebt in wiederholten Erdenleben —, daß man diese Abstraktionen wie etwas Großes lehren will und dabei in Worten steckenbleibt, das führt zuletzt sogar zu dem äußersten Hochmut, der in vielen theosophischen Gesellschaften so verbreitet ist; denn da bleibt man ganz in äußeren Worten stecken. Erst wenn man übergeht zu einer solchen Charakteristik wie: Was hören die Toten von dem, was wir sprechen? Was sehen die Toten von dem, was wir in unserer Umgebung hier haben? — erst wenn man zu solchen konkreten Vorstellungen vorschreitet, erschließen sich wirkliche Gedanken über die geistige Welt. Die äußersten Extreme grenzen aneinander: das Schwefeln und Schwafeln in Worten, wie astralischer Leib, Ätherleib und so weiter, hinter denen oftmals gar nichts anderes steckt als das Wort, und der rein naturalistische Materialismus.

[ 12 ] Im 18. Jahrhunderte war das in einzelnen Kulturgebieten noch anders. Da hat innerhalb der französischen Kultur unter den Enzyklopädisten der Materialismus seine geistreichsten Früchte getrieben, dann hat er sich immer mehr und mehr ausgebreitet, und dann ist zuletzt dasjenige gekommen, was am meisten abführt von der geistigen Welt: das Leben in den theosophischen Abstraktionen! Dieses Leben in den theosophischen Abstraktionen, das sich darauf beschränkt, daß man sagt: der Mensch besteht aus physischem Leib, Atherleib und Astralleib und so weiter, der Mensch hat ein Karma, der Mensch lebt in wiederholten Erdenleben —, daß man diese Abstraktionen wie etwas Großes lehren will und dabei in Worten steckenbleibt, das führt zuletzt sogar zu dem äußersten Hochmut, der in vielen theosophischen Gesellschaften so verbreitet ist; denn da bleibt man ganz in äußeren Worten stecken. Erst wenn man übergeht zu einer solchen Charakteristik wie: Was hören die Toten von dem, was wir sprechen? Was sehen die Toten von dem, was wir in unserer Umgebung hier haben? — erst wenn man zu solchen konkreten Vorstellungen vorschreitet, erschließen sich wirkliche Gedanken über die geistige Welt. Die äußersten Extreme grenzen aneinander: das Schwefeln und Schwafeln in Worten, wie astralischer Leib, Ätherleib und so weiter, hinter denen oftmals gar nichts anderes steckt als das Wort, und der rein naturalistische Materialismus.

[ 13 ] Für diese Dinge muß man durchaus ein Gefühl sich erwerben, ein solches Gefühl, daß man verlangt, im Konkreten zu hören über die Beziehungen der physischen und der überphysischen Welt. Und nur wenn wir uns erfüllen mit solchen konkreten Vorstellungen des Zusammenhanges zwischen der physischen und der überphysischen Welt, können wir wiederum zurückkehren zu dem, was in anderer Weise Menschen älterer Erdepochen gehabt haben, können zurückkehren zu weit ausgreifenden Weltinteressen. Wir können fragen: Warum ist denn all das Unglück über die Erde hereingebrochen, das über die Erde hereingebrochen ist? Ja, der letzte Grund ist doch der, daß die Interessen der Menschen so enge geworden sind, daß sie kaum über das Alleralltäglichste hinausgehen. Selbstverständlich, wenn der Mensch aufhört, sich für die Sterne zu interessieren, dann beginnt er sich für den Kaffeeklatsch zu interessieren; wenn der Mensch aufhört, die Beziehungen der höheren Hierarchien in einigen Gedanken zu überblikken, so beginnt in ihm die Sehnsucht, seine Zeit im alltäglichen Spiel zu vertändeln. Man sehe sich nur die Interessen an, welche seit ein paar Jahrhunderten die führend gewordenen Kreise der Menschheit erfüllen, man sehe an, was diese Leute vom Morgen bis zum Abend tun! Und wenn man das mit Verständnis ansieht, so wird man sich nicht wundern, daß ein solches Debakel der Menschheit eingetreten ist, wie es eingetreten ist. Die Menschen sind ja heute froh, wenn sie über irgend etwas nur eine mit ein paar Worten umrissene Vorstellung gewinnen können! Sie sind froh, wenn sie in bequemer Weise das eine oder das andere umfassen können.

[ 13 ] Für diese Dinge muß man durchaus ein Gefühl sich erwerben, ein solches Gefühl, daß man verlangt, im Konkreten zu hören über die Beziehungen der physischen und der überphysischen Welt. Und nur wenn wir uns erfüllen mit solchen konkreten Vorstellungen des Zusammenhanges zwischen der physischen und der überphysischen Welt, können wir wiederum zurückkehren zu dem, was in anderer Weise Menschen älterer Erdepochen gehabt haben, können zurückkehren zu weit ausgreifenden Weltinteressen. Wir können fragen: Warum ist denn all das Unglück über die Erde hereingebrochen, das über die Erde hereingebrochen ist? Ja, der letzte Grund ist doch der, daß die Interessen der Menschen so enge geworden sind, daß sie kaum über das Alleralltäglichste hinausgehen. Selbstverständlich, wenn der Mensch aufhört, sich für die Sterne zu interessieren, dann beginnt er sich für den Kaffeeklatsch zu interessieren; wenn der Mensch aufhört, die Beziehungen der höheren Hierarchien in einigen Gedanken zu überblikken, so beginnt in ihm die Sehnsucht, seine Zeit im alltäglichen Spiel zu vertändeln. Man sehe sich nur die Interessen an, welche seit ein paar Jahrhunderten die führend gewordenen Kreise der Menschheit erfüllen, man sehe an, was diese Leute vom Morgen bis zum Abend tun! Und wenn man das mit Verständnis ansieht, so wird man sich nicht wundern, daß ein solches Debakel der Menschheit eingetreten ist, wie es eingetreten ist. Die Menschen sind ja heute froh, wenn sie über irgend etwas nur eine mit ein paar Worten umrissene Vorstellung gewinnen können! Sie sind froh, wenn sie in bequemer Weise das eine oder das andere umfassen können.

[ 14 ] Die Entwickelungsgeschichte der Menschheit spricht ja laut und deutlich über die verschiedenen Möglichkeiten, die Dinge anzusehen. Unzählig sind in dieser Richtung die Beispiele. In den letzten Jahren hat man zum Beispiel der deutschen Kultur immer wieder und wiederum vorgeworfen, daß sie einen Hegel hat mit seiner Staatstheorie, daß von Hegel gesagt worden ist: der Staat ist zuletzt etwas wie eine Art Gott auf Erden. Ja, aber man bedenke, daß innerhalb des deutschen Geisteslebens nicht nur Hegel vorhanden war, sondern Stirner, und zwar gar nicht viele Jahre getrennt von Hegel. Während für Hegel der Staat etwas war wie der wandelnde Erdengott, war für Stirner der Staat überhaupt ein Dreck, etwas, was man nur zu negieren hat. Die beiden lebten sehr nahe nebeneinander. Man kann sich keine gröReren Extreme denken, beide aus demselben Geistesleben heraus. Will man dann solch ein Geistesleben darstellen, dann muß man es schon so machen, wie ich es zum Beispiel in meinen «Rätseln der Philosophie» gemacht habe, wo der eine mit demselben Anteil dargestellt wird wie der entgegengesetzt Denkende. Sie können bei mir zuerst so über Hegel lesen, daß Sie glauben könnten, ich stünde auf Hegelschem Standpunkt; dann können Sie bei mir lesen über Stirner so, daß Sie glauben könnten, ich stünde auf Stirnerschem Standpunkte. Damit soll aber nichts anderes angedeutet sein, als daß wir uns erziehen sollen zu einem Verständnis für die Vielseitigkeit der Menschen, zu einer inneren Toleranz! Uns soll interessieren dasjenige, was in der Seele des anderen ganz anders gedacht ist als unser eigenes Gedachtes; denn wir sollen das Gefühl haben, daß dieses andere das Unsere ergänzt. Sagen wir, da seien einzelne Menschen, zehn einzelne Menschen (es wird gezeichnet), ich sei einer davon, die anderen neun sind da herum. Nun sage ich mir: Ich denke über gewisse Sachen so, der zweite denkt so, der dritte so, der vierte und fünfte so, alles untereinander mehr oder weniger variiert und verschieden; alle haben wir recht, keiner hat recht. Wenn wir ungefähr das arithmetische Mittel aus alledem erfühlen, wenn wir uns im Zusammenhang so fühlen, daß wir alles mit gleicher Liebe auffassen, gleichgültig ob wir es sagen, oder es die anderen sagen, daß wir lernen, uns in der Gesamtheit drinnen zu fühlen, dann eilen wir gemeinsam der Bestimmung entgegen, die für die Menschen der Zukunft da ist. Dieses Entgegeneilen müssen wir anstreben. Wir müssen es einfach aus dem Grunde anstreben, damit wir einen Sinn bekommen für wirkliches soziales Leben. Wir müssen lernen fühlen, drinnenzustehen in dem, was von dem Sprachgenius umfaßt wird, drinnenzustehen in dem, was von dem gemeinsamen Rechtsleben, von dem Rechtsgenius umfaßt wird; wir müssen lernen, drinnenzustehen in dem, was von dem gemeinsamen Wirtschaftsgenius umfaßt wird: erst dieses lebendige Sich-Drinnenfühlen in einem Ganzen, das sich bewußt der Mensch aneignen muß im Bewußtseinszeitalter, erst das treibt ihn der Zukunftsbestimmung der Menschheit entgegen. Dieses Entgegengehen der Zukunftsbestimmung können wir uns aber nicht anders aneignen, als wenn wir unsere Interessen immer weiter und weiter machen; das heißt aber mit anderen Worten: Wenn wir immer mehr von uns loskommen lernen. Ja, meine lieben Freunde, geht man ganz ehrlich mit sich zu Rate, so wird man zuletzt doch finden, daß eigentlich das Alleruninteressanteste von der ganzen Welt dasjenige ist, was man selber über sich im Kreise des engsten Ich denken und empfinden kann. Über dieses engste Ich empfinden und denken allerdings viele Menschen in der Gegenwart sehr viel. Daher ist ihr Leben so langweilig, daher sind sie so unbefriedigt vom Leben. Wir werden niemals interessant, wenn wir uns in diesem Punkt nur immer so herumdrehen. Dagegen wenn wir nach außen schauen und immer auf das blicken, wie die Außenwelt zu uns hinstrahlt, wenn wir die Interessen immer mehr erweitern, dann wird unser Ich interessant dadurch, daß es uns einen Standpunkt abgibt für die Beobachtung der Außenwelt, dann wird unser Ich erst dadurch bedeutend, daß gerade in diesem Punkte des Ich nur wir ja die Welt sehen können, kein anderer. Ein anderer sieht sie wieder von einem anderen Standpunkte aus.

[ 14 ] Die Entwickelungsgeschichte der Menschheit spricht ja laut und deutlich über die verschiedenen Möglichkeiten, die Dinge anzusehen. Unzählig sind in dieser Richtung die Beispiele. In den letzten Jahren hat man zum Beispiel der deutschen Kultur immer wieder und wiederum vorgeworfen, daß sie einen Hegel hat mit seiner Staatstheorie, daß von Hegel gesagt worden ist: der Staat ist zuletzt etwas wie eine Art Gott auf Erden. Ja, aber man bedenke, daß innerhalb des deutschen Geisteslebens nicht nur Hegel vorhanden war, sondern Stirner, und zwar gar nicht viele Jahre getrennt von Hegel. Während für Hegel der Staat etwas war wie der wandelnde Erdengott, war für Stirner der Staat überhaupt ein Dreck, etwas, was man nur zu negieren hat. Die beiden lebten sehr nahe nebeneinander. Man kann sich keine gröReren Extreme denken, beide aus demselben Geistesleben heraus. Will man dann solch ein Geistesleben darstellen, dann muß man es schon so machen, wie ich es zum Beispiel in meinen «Rätseln der Philosophie» gemacht habe, wo der eine mit demselben Anteil dargestellt wird wie der entgegengesetzt Denkende. Sie können bei mir zuerst so über Hegel lesen, daß Sie glauben könnten, ich stünde auf Hegelschem Standpunkt; dann können Sie bei mir lesen über Stirner so, daß Sie glauben könnten, ich stünde auf Stirnerschem Standpunkte. Damit soll aber nichts anderes angedeutet sein, als daß wir uns erziehen sollen zu einem Verständnis für die Vielseitigkeit der Menschen, zu einer inneren Toleranz! Uns soll interessieren dasjenige, was in der Seele des anderen ganz anders gedacht ist als unser eigenes Gedachtes; denn wir sollen das Gefühl haben, daß dieses andere das Unsere ergänzt. Sagen wir, da seien einzelne Menschen, zehn einzelne Menschen (es wird gezeichnet), ich sei einer davon, die anderen neun sind da herum. Nun sage ich mir: Ich denke über gewisse Sachen so, der zweite denkt so, der dritte so, der vierte und fünfte so, alles untereinander mehr oder weniger variiert und verschieden; alle haben wir recht, keiner hat recht. Wenn wir ungefähr das arithmetische Mittel aus alledem erfühlen, wenn wir uns im Zusammenhang so fühlen, daß wir alles mit gleicher Liebe auffassen, gleichgültig ob wir es sagen, oder es die anderen sagen, daß wir lernen, uns in der Gesamtheit drinnen zu fühlen, dann eilen wir gemeinsam der Bestimmung entgegen, die für die Menschen der Zukunft da ist. Dieses Entgegeneilen müssen wir anstreben. Wir müssen es einfach aus dem Grunde anstreben, damit wir einen Sinn bekommen für wirkliches soziales Leben. Wir müssen lernen fühlen, drinnenzustehen in dem, was von dem Sprachgenius umfaßt wird, drinnenzustehen in dem, was von dem gemeinsamen Rechtsleben, von dem Rechtsgenius umfaßt wird; wir müssen lernen, drinnenzustehen in dem, was von dem gemeinsamen Wirtschaftsgenius umfaßt wird: erst dieses lebendige Sich-Drinnenfühlen in einem Ganzen, das sich bewußt der Mensch aneignen muß im Bewußtseinszeitalter, erst das treibt ihn der Zukunftsbestimmung der Menschheit entgegen. Dieses Entgegengehen der Zukunftsbestimmung können wir uns aber nicht anders aneignen, als wenn wir unsere Interessen immer weiter und weiter machen; das heißt aber mit anderen Worten: Wenn wir immer mehr von uns loskommen lernen. Ja, meine lieben Freunde, geht man ganz ehrlich mit sich zu Rate, so wird man zuletzt doch finden, daß eigentlich das Alleruninteressanteste von der ganzen Welt dasjenige ist, was man selber über sich im Kreise des engsten Ich denken und empfinden kann. Über dieses engste Ich empfinden und denken allerdings viele Menschen in der Gegenwart sehr viel. Daher ist ihr Leben so langweilig, daher sind sie so unbefriedigt vom Leben. Wir werden niemals interessant, wenn wir uns in diesem Punkt nur immer so herumdrehen. Dagegen wenn wir nach außen schauen und immer auf das blicken, wie die Außenwelt zu uns hinstrahlt, wenn wir die Interessen immer mehr erweitern, dann wird unser Ich interessant dadurch, daß es uns einen Standpunkt abgibt für die Beobachtung der Außenwelt, dann wird unser Ich erst dadurch bedeutend, daß gerade in diesem Punkte des Ich nur wir ja die Welt sehen können, kein anderer. Ein anderer sieht sie wieder von einem anderen Standpunkte aus.

[ 15 ] Aber wenn wir in uns selber bleiben und uns immer um uns selber drehen, so betrachten wir eigentlich nur dasjenige, was wir mit allen anderen Menschen gemeinschaftlich haben; dann verliert zuletzt jeder andere Mensch und dann verliert die ganze Welt für uns eigentlich das Interesse. Erweiterung des Interesses, das ist ja auch vor allen Dingen dasjenige, was angestrebt wird durch Geisteswissenschaft. Um aber diese Erweiterung des Interesses zu erfahren, ist es notwendig, daß wir unsere Seele so erziehen, daß sie in die Lage kommt, empfänglich zu sein für dasjenige, was von außen an sie herantritt, daß sie wirklich Neues aufnehmen kann. Geisteswissenschaft weisen die Leute nicht aus dem Grunde zurück, weil sie schwierig ist — sie ist nämlich nicht schwierig —, sondern sie weisen sie aus dem Grunde zurück, weil sie nicht in den eingefahrenen Gedankenbahnen fortrollt, weil sie von den Leuten neue Gedankenbahnen fordert. Alles das, was neue Gedankenbahnen fordert, weisen die Leute zurück. Man kann ja sehr merkwürdige Erfahrungen machen. Den Inhalt des «Aufrufes», den Sie kennen, auch verschiedenes aus der Schrift, die nunmehr in wenigen Tagen erscheinen wird über die soziale Frage, habe ich während der letzten Schreckensjahre diesen und jenen Persönlichkeiten mitgeteilt, weil es sich eigentlich darum gehandelt hätte, daß die Leute hätten lernen sollen aus den bitteren Erfahrungen der letzten Jahre heraus, von sich aus so zu handeln, wie es nötig gewesen wäre zu handeln. Wenn ich zum Beispiel dem einen oder dem anderen gegenüber die Notwendigkeit besprochen habe, daß das geistige Leben auf sich gestellt werde, daß es nicht weiter verquickt werde mit dem Staats- und Wirtschaftsleben, so haben sich die Leute das ja angehört; aber bei sehr vielen solchen Anlässen, da hat es zunächst ausgesehen, als ob sich die Leute anstrengten, einen Gedanken dabei zu entwickeln. Ist man dabei, indem man redet, dann sind die Leute höflich und machen es nicht so, wie sie es machen, wenn sie die Sache nur lesen sollten. Sie haben also einen Gedanken entwickelt, aber dann, nachdem die Höflichkeitsgeste vorbei ist, die doch keine Gedankenwahrheit hat, da schnurrt wieder der Gedankenautomat ab, und da hörte man bei solchen Gelegenheiten immer wiederum: Ach ja, verständlich ist die Trennung der Kirche von der Schule! — Das war das einzige, was die Leute gehört haben, das einzige, was als ein gewohnter Gedanke seit alten Zeiten immer wieder von dem einen so, von dem anderen anders gesagt wird — eingefahrenes Gedankengeleise! Das andere geht vorüber wie Schall und Rauch.

[ 15 ] Aber wenn wir in uns selber bleiben und uns immer um uns selber drehen, so betrachten wir eigentlich nur dasjenige, was wir mit allen anderen Menschen gemeinschaftlich haben; dann verliert zuletzt jeder andere Mensch und dann verliert die ganze Welt für uns eigentlich das Interesse. Erweiterung des Interesses, das ist ja auch vor allen Dingen dasjenige, was angestrebt wird durch Geisteswissenschaft. Um aber diese Erweiterung des Interesses zu erfahren, ist es notwendig, daß wir unsere Seele so erziehen, daß sie in die Lage kommt, empfänglich zu sein für dasjenige, was von außen an sie herantritt, daß sie wirklich Neues aufnehmen kann. Geisteswissenschaft weisen die Leute nicht aus dem Grunde zurück, weil sie schwierig ist — sie ist nämlich nicht schwierig —, sondern sie weisen sie aus dem Grunde zurück, weil sie nicht in den eingefahrenen Gedankenbahnen fortrollt, weil sie von den Leuten neue Gedankenbahnen fordert. Alles das, was neue Gedankenbahnen fordert, weisen die Leute zurück. Man kann ja sehr merkwürdige Erfahrungen machen. Den Inhalt des «Aufrufes», den Sie kennen, auch verschiedenes aus der Schrift, die nunmehr in wenigen Tagen erscheinen wird über die soziale Frage, habe ich während der letzten Schreckensjahre diesen und jenen Persönlichkeiten mitgeteilt, weil es sich eigentlich darum gehandelt hätte, daß die Leute hätten lernen sollen aus den bitteren Erfahrungen der letzten Jahre heraus, von sich aus so zu handeln, wie es nötig gewesen wäre zu handeln. Wenn ich zum Beispiel dem einen oder dem anderen gegenüber die Notwendigkeit besprochen habe, daß das geistige Leben auf sich gestellt werde, daß es nicht weiter verquickt werde mit dem Staats- und Wirtschaftsleben, so haben sich die Leute das ja angehört; aber bei sehr vielen solchen Anlässen, da hat es zunächst ausgesehen, als ob sich die Leute anstrengten, einen Gedanken dabei zu entwickeln. Ist man dabei, indem man redet, dann sind die Leute höflich und machen es nicht so, wie sie es machen, wenn sie die Sache nur lesen sollten. Sie haben also einen Gedanken entwickelt, aber dann, nachdem die Höflichkeitsgeste vorbei ist, die doch keine Gedankenwahrheit hat, da schnurrt wieder der Gedankenautomat ab, und da hörte man bei solchen Gelegenheiten immer wiederum: Ach ja, verständlich ist die Trennung der Kirche von der Schule! — Das war das einzige, was die Leute gehört haben, das einzige, was als ein gewohnter Gedanke seit alten Zeiten immer wieder von dem einen so, von dem anderen anders gesagt wird — eingefahrenes Gedankengeleise! Das andere geht vorüber wie Schall und Rauch.

[ 16 ] Da berühren wir die Dinge, die in unserer Zeit anders werden müssen. Jenes Hingebungsvolle, das wir entwickeln sollen, wird auch empfänglich werden für die Offenbarungen, die sich, wie ich kürzlich hier ausführte, aus der geistigen Welt gerade in unserem Zeitalter den Menschen offenbaren wollen. Wie oft hörte man in der letzten Zeit die Worte: Einfach, einfach muß alles sein! — Und immer wiederum konnte man ja, zum Beispiel mit Bezug auf Goethe, die gescheitesten Leute zitieren hören: «Der Allumfasser, Allerhalter, umfaßt er nicht dich, mich, sich selbst?» «Name ist Schall und Rauch, Gefühl ist alles» und so weiter. Es sollte sehr tiefsinnig sein. Aber Goethe hat es geschrieben als einen Unterricht des Faust an ein sechzehnjähriges Mädchen; das hat man übersehen! Das wurde tiefe philosophische Weisheit, was, für das naive Gretchen-Gemüt gerade geeignet, hingeschrieben worden ist! Das bemerkten die Leute nicht. Aber selbstverständlich ist leichter zu begreifen, was für ein sechzehnjähriges Gretchen ist, als dasjenige, was eben nicht für ein sechzehnjähriges Gretchen, sondern für gereifte Menschen ist. Die Verirrungen in dieser Richtung sollte der Mensch der Gegenwart wohl ins Auge fassen und abkommen von vielen, vielen hergebrachten Begriffen. Immer wieder und wieder ist ja durch die Kultur der neueren Zeit auch dasjenige durchgetönt, was gewisse Keime für die Zukunft enthält. Ich habe ein Fichte-Wort vor einiger Zeit hier zitiert: «Der Mensch kann, was er soll; und wenn er sagt, ich kann nicht, so will er nicht.» Das ist ein sehr wichtiges Wort, vor allen Dingen ein Wort, das der moderne Mensch unbedingt als eine Richtlinie für sich braucht. Denn der moderne Mensch darf sich nicht aufs Faulbett legen und gewissen Bedingungen gegenüber sagen: Das kann ich nicht. — Es liegt einmal in der Natur des modernen Menschen, daß er viel mehr kann, als er sich oft einredet, und daß «Genie» für ihn immer mehr und mehr ein Ergebnis des Fleißes sein muß. Aber man muß den Glauben zu diesem Fleiß sich erringen können. Man muß gewissermaßen jeden Gedanken möglichst beseitigen, daß man das oder jenes, was man soll, nicht könne. Man soll sich immer vor Augen halten, wie unendlich nahe es liegt, zu erklären, man könne etwas nicht, weil es einem zu unbequem ist, den Versuch zu machen, es zu tun. Und je mehr der moderne Mensch sich in der Alltäglichkeit dies zur Regel macht, desto mehr wird er sich zu dieser Stimmung hinaufarbeiten für das Seelisch-Geistige, für die Empfänglichkeit des SeelischGeistigen. Diese Stimmung wird bei viel mehr Menschen, als Sie heute glauben, die innere Erfahrung hervorrufen von dem, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft sagen will. Es ist zu haben, meine lieben Freunde, dasjenige, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wenigstens für gewisse elementarische Dinge sagen will, es ist zu haben für das menschliche Gemüt. Man fasse nur den Mut, es zu haben. Dann aber, wenn man diese Stimmung entwickelt, dann wird auch das soziale Verständnis und das soziale Interesse sich entwickeln. Denn wann haben wir kein soziales Verständnis? Wir haben nur dann kein soziales Verständnis, wenn wir keine Interessen haben, die über unseren eigenen Lebenskreis hinausgehen. Das soziale Verständnis erwacht sogleich, wenn wir uns auch für dasjenige interessieren, was über unseren Lebenskreis hinausliegt, aber wahrhaftig und wirklich interessieren! Diese Dinge zu berücksichtigen, ist ganz besonders nötig im Zeitalter der Bewußtseinsseelen-Entwickelung. Es ist aus dem Grunde nötig, weil die Weltenkräfte den Menschen im Zeitalter der Bewußtseinsseelen-Entwickelung auf das Ich hinweisen, auf die Bewußtseinsseele hinweisen. Also muß er um so mehr auf der Hut sein, um über dieses Ich hinauszukommen! Weil so viel Antisoziales aus den Tiefen der Seele des Menschen heute aufsteigt, deshalb muß das Bewußtsein um so mehr Soziales entwickeln, das wir wiederum hinunterschicken in die unterbewußten Tiefen. Es liegt heute für die meisten Menschen so nahe, mit sich nichts Rechtes anfangen zu können. Das rührt aber nur davon her, weil sie nur mit sich etwas anfangen wollen. In dem Augenblick, wo man nicht bloß mit sich, sondern mit der ganzen Welt empfindend und fühlend etwas anfangen will, dann fängt man auch das Richtige mit sich an.

[ 16 ] Da berühren wir die Dinge, die in unserer Zeit anders werden müssen. Jenes Hingebungsvolle, das wir entwickeln sollen, wird auch empfänglich werden für die Offenbarungen, die sich, wie ich kürzlich hier ausführte, aus der geistigen Welt gerade in unserem Zeitalter den Menschen offenbaren wollen. Wie oft hörte man in der letzten Zeit die Worte: Einfach, einfach muß alles sein! — Und immer wiederum konnte man ja, zum Beispiel mit Bezug auf Goethe, die gescheitesten Leute zitieren hören: «Der Allumfasser, Allerhalter, umfaßt er nicht dich, mich, sich selbst?» «Name ist Schall und Rauch, Gefühl ist alles» und so weiter. Es sollte sehr tiefsinnig sein. Aber Goethe hat es geschrieben als einen Unterricht des Faust an ein sechzehnjähriges Mädchen; das hat man übersehen! Das wurde tiefe philosophische Weisheit, was, für das naive Gretchen-Gemüt gerade geeignet, hingeschrieben worden ist! Das bemerkten die Leute nicht. Aber selbstverständlich ist leichter zu begreifen, was für ein sechzehnjähriges Gretchen ist, als dasjenige, was eben nicht für ein sechzehnjähriges Gretchen, sondern für gereifte Menschen ist. Die Verirrungen in dieser Richtung sollte der Mensch der Gegenwart wohl ins Auge fassen und abkommen von vielen, vielen hergebrachten Begriffen. Immer wieder und wieder ist ja durch die Kultur der neueren Zeit auch dasjenige durchgetönt, was gewisse Keime für die Zukunft enthält. Ich habe ein Fichte-Wort vor einiger Zeit hier zitiert: «Der Mensch kann, was er soll; und wenn er sagt, ich kann nicht, so will er nicht.» Das ist ein sehr wichtiges Wort, vor allen Dingen ein Wort, das der moderne Mensch unbedingt als eine Richtlinie für sich braucht. Denn der moderne Mensch darf sich nicht aufs Faulbett legen und gewissen Bedingungen gegenüber sagen: Das kann ich nicht. — Es liegt einmal in der Natur des modernen Menschen, daß er viel mehr kann, als er sich oft einredet, und daß «Genie» für ihn immer mehr und mehr ein Ergebnis des Fleißes sein muß. Aber man muß den Glauben zu diesem Fleiß sich erringen können. Man muß gewissermaßen jeden Gedanken möglichst beseitigen, daß man das oder jenes, was man soll, nicht könne. Man soll sich immer vor Augen halten, wie unendlich nahe es liegt, zu erklären, man könne etwas nicht, weil es einem zu unbequem ist, den Versuch zu machen, es zu tun. Und je mehr der moderne Mensch sich in der Alltäglichkeit dies zur Regel macht, desto mehr wird er sich zu dieser Stimmung hinaufarbeiten für das Seelisch-Geistige, für die Empfänglichkeit des SeelischGeistigen. Diese Stimmung wird bei viel mehr Menschen, als Sie heute glauben, die innere Erfahrung hervorrufen von dem, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft sagen will. Es ist zu haben, meine lieben Freunde, dasjenige, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wenigstens für gewisse elementarische Dinge sagen will, es ist zu haben für das menschliche Gemüt. Man fasse nur den Mut, es zu haben. Dann aber, wenn man diese Stimmung entwickelt, dann wird auch das soziale Verständnis und das soziale Interesse sich entwickeln. Denn wann haben wir kein soziales Verständnis? Wir haben nur dann kein soziales Verständnis, wenn wir keine Interessen haben, die über unseren eigenen Lebenskreis hinausgehen. Das soziale Verständnis erwacht sogleich, wenn wir uns auch für dasjenige interessieren, was über unseren Lebenskreis hinausliegt, aber wahrhaftig und wirklich interessieren! Diese Dinge zu berücksichtigen, ist ganz besonders nötig im Zeitalter der Bewußtseinsseelen-Entwickelung. Es ist aus dem Grunde nötig, weil die Weltenkräfte den Menschen im Zeitalter der Bewußtseinsseelen-Entwickelung auf das Ich hinweisen, auf die Bewußtseinsseele hinweisen. Also muß er um so mehr auf der Hut sein, um über dieses Ich hinauszukommen! Weil so viel Antisoziales aus den Tiefen der Seele des Menschen heute aufsteigt, deshalb muß das Bewußtsein um so mehr Soziales entwickeln, das wir wiederum hinunterschicken in die unterbewußten Tiefen. Es liegt heute für die meisten Menschen so nahe, mit sich nichts Rechtes anfangen zu können. Das rührt aber nur davon her, weil sie nur mit sich etwas anfangen wollen. In dem Augenblick, wo man nicht bloß mit sich, sondern mit der ganzen Welt empfindend und fühlend etwas anfangen will, dann fängt man auch das Richtige mit sich an.

[ 17 ] Diese Dinge liegen ja neben demjenigen, was man heute Verständnis nennen kann für die soziale Frage. Die soziale Frage ist in vieler Beziehung eine Seelenfrage. Aber nur derjenige, der in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft drinnensteht, wird sie in richtiger Art als eine Seelenfrage zu erfühlen wissen. Das wollte ich Ihnen heute noch sagen.

[ 17 ] Diese Dinge liegen ja neben demjenigen, was man heute Verständnis nennen kann für die soziale Frage. Die soziale Frage ist in vieler Beziehung eine Seelenfrage. Aber nur derjenige, der in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft drinnensteht, wird sie in richtiger Art als eine Seelenfrage zu erfühlen wissen. Das wollte ich Ihnen heute noch sagen.