Past and Future Influences on Social Events
GA 190
6 April 1919, Dornach
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Vergangenheits- und Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen
Achter Vortrag
Achter Vortrag
[ 1 ] Wenn wir solche Gedanken durch unsere Seele ziehen lassen, wie wir sie gestern wiederum besprochen haben, so tun wir das in Anbetracht des Ernstes unserer Zeit, der ja leider, wie wir wissen, nicht allgemein, ja nicht einmal von einem einigermaßen schon größeren Kreise unserer Zeitgenossen wirklich gefühlt wird. Man wird erst sagen können, daß dieser Ernst der Zeit erfühlt werde, wenn eine größere Anzahl von Menschen die Empfindung haben werden, daß ein Weg, und zwar der unserer Zeit angemessene Weg in ein geistiges Erkennen hinein notwendig ist, und daß dieser Weg in ein geistiges Erkennen hinein gewissermaßen die einzige wirkliche Heilung für Schäden und Krankheiten unserer Zeit ist. Einer solchen Sache gegenüber muß eigentlich in uns die Frage auftauchen: Worinnen liegen die Fundamente der Schäden unserer Zeit? Worinnen liegt das eigentlich Verursachende der Krankheiten unserer Zeit? — Und wenn auch bei sehr vielen Menschen heute die Neigung besteht, diese Schäden, diese Krankheiten unserer Zeit woanders zu suchen als beim Menschen selbst, so ist es dennoch unendlich wichtig, einzusehen, daß dies, die Schäden beim Menschen selbst zu suchen, der einzige Weg ist, der irgendwie zu einem Ziel führen kann.
[ 1 ] Wenn wir solche Gedanken durch unsere Seele ziehen lassen, wie wir sie gestern wiederum besprochen haben, so tun wir das in Anbetracht des Ernstes unserer Zeit, der ja leider, wie wir wissen, nicht allgemein, ja nicht einmal von einem einigermaßen schon größeren Kreise unserer Zeitgenossen wirklich gefühlt wird. Man wird erst sagen können, daß dieser Ernst der Zeit erfühlt werde, wenn eine größere Anzahl von Menschen die Empfindung haben werden, daß ein Weg, und zwar der unserer Zeit angemessene Weg in ein geistiges Erkennen hinein notwendig ist, und daß dieser Weg in ein geistiges Erkennen hinein gewissermaßen die einzige wirkliche Heilung für Schäden und Krankheiten unserer Zeit ist. Einer solchen Sache gegenüber muß eigentlich in uns die Frage auftauchen: Worinnen liegen die Fundamente der Schäden unserer Zeit? Worinnen liegt das eigentlich Verursachende der Krankheiten unserer Zeit? — Und wenn auch bei sehr vielen Menschen heute die Neigung besteht, diese Schäden, diese Krankheiten unserer Zeit woanders zu suchen als beim Menschen selbst, so ist es dennoch unendlich wichtig, einzusehen, daß dies, die Schäden beim Menschen selbst zu suchen, der einzige Weg ist, der irgendwie zu einem Ziel führen kann.
[ 2 ] Wenn wir die Gegenwart überblicken, sehen wir ja, wie vom Osten Europas herüber die Wetterzeichen leuchten. Man kann nun auch heute noch nicht sagen, daß die europäische Menschheit geneigt sei, diese Wetterzeichen irgendwie ins Auge zu fassen. Die Dinge werden doch immer so betrachtet, daß man es unbequem findet, über die großen Angelegenheiten der Menschheit sich wirklich Urteile zu bilden. In solchen Angelegenheiten kann immer wieder und wiederum der Gedanke nützlich sein, der darauf hinweist, was versäumt worden ist. Denn sieht man einigermaßen ein, was versäumt worden ist, so wird man vielleicht abgehalten werden, in der Zukunft in ähnlicher Weise wiederum Versäumnisse herbeizuführen. Vom Osten herüber, von dem hier oftmals gesagt worden ist, daß trotz allem, was da vorgehen mag, dort die Keime für die sechste nachatlantische Kultur liegen, von jenem Osten sind seit langem Wetterzeichen gekommen. Sie waren ja nicht in so blutiger Schrift geschrieben, wie die der letzten Zeit es ist, aber sie wären doch geeignet gewesen, gehört zu werden, ins Auge gefaßt zu werden. Hier ist auf manches seit Jahren hingewiesen worden. Ich möchte einiges von dem zuerst heute, im ersten Teile unserer Betrachtung erwähnen, was hier von der einen oder anderen Seite her schon vorgebracht worden ist. Wenn man auf dasjenige hinblickt, was im Osten Europas seit langem lebt, so könnte man das zusammenfassen in eine für unsere Gegenwart außerordentlich charakteristische Frage, in die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch?
[ 2 ] Wenn wir die Gegenwart überblicken, sehen wir ja, wie vom Osten Europas herüber die Wetterzeichen leuchten. Man kann nun auch heute noch nicht sagen, daß die europäische Menschheit geneigt sei, diese Wetterzeichen irgendwie ins Auge zu fassen. Die Dinge werden doch immer so betrachtet, daß man es unbequem findet, über die großen Angelegenheiten der Menschheit sich wirklich Urteile zu bilden. In solchen Angelegenheiten kann immer wieder und wiederum der Gedanke nützlich sein, der darauf hinweist, was versäumt worden ist. Denn sieht man einigermaßen ein, was versäumt worden ist, so wird man vielleicht abgehalten werden, in der Zukunft in ähnlicher Weise wiederum Versäumnisse herbeizuführen. Vom Osten herüber, von dem hier oftmals gesagt worden ist, daß trotz allem, was da vorgehen mag, dort die Keime für die sechste nachatlantische Kultur liegen, von jenem Osten sind seit langem Wetterzeichen gekommen. Sie waren ja nicht in so blutiger Schrift geschrieben, wie die der letzten Zeit es ist, aber sie wären doch geeignet gewesen, gehört zu werden, ins Auge gefaßt zu werden. Hier ist auf manches seit Jahren hingewiesen worden. Ich möchte einiges von dem zuerst heute, im ersten Teile unserer Betrachtung erwähnen, was hier von der einen oder anderen Seite her schon vorgebracht worden ist. Wenn man auf dasjenige hinblickt, was im Osten Europas seit langem lebt, so könnte man das zusammenfassen in eine für unsere Gegenwart außerordentlich charakteristische Frage, in die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch?
[ 3 ] Man kann sagen, diese Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? Was stellt der Mensch vor im Weltenall? — diese Frage ist von den verschiedensten Schichten der Bevölkerung am ernstesten in der neueren Zeit im Osten Europas genommen worden. Der Westen hatte vielfach anderes zu tun, als über die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — nachzudenken. Gewiß, theoretisch wurde viel verhandelt über diese Frage; aber solche theoretischen Verhandlungen, wenn sie nicht durchdrungen sind von wirklichem spirituellem Leben, taugen ja nichts.
[ 3 ] Man kann sagen, diese Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? Was stellt der Mensch vor im Weltenall? — diese Frage ist von den verschiedensten Schichten der Bevölkerung am ernstesten in der neueren Zeit im Osten Europas genommen worden. Der Westen hatte vielfach anderes zu tun, als über die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — nachzudenken. Gewiß, theoretisch wurde viel verhandelt über diese Frage; aber solche theoretischen Verhandlungen, wenn sie nicht durchdrungen sind von wirklichem spirituellem Leben, taugen ja nichts.
[ 4 ] Ich will nur einiges anführen von dem, was hinweist auf die im Osten sehnsüchtig gestellte Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? Es sind bedeutsame Worte, die gerade von Osten gehört werden konnten. Ich habe schon einmal auf ein solches Wort hingewiesen. Unter denjenigen, welche in der neueren Zeit mitgewirkt haben beim Heraufkommen von Anschauungen über die soziale Frage, war einer der begabtesten Menschen Bakunin, später Marxens Gegner. Im Gegensatze zu Marx, der durchaus aus westeuropäischen Vorstellungen heraus das soziale Leben und die soziale Bewegung angegriffen hat, hat Bakunin aus östlichen Vorstellungen und Impulsen heraus die soziale Bewegung angefaßt. Überall glimmt bei Bakunin so etwas durch von einer Lebensphilosophie, von einer tieferen Auffassung und Anschauung des Lebens. Und so rührt denn auch von Bakunin ein sehr bedeutsames Wort her, das Wort, welches die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — beleuchten will durch einen Kontrast der Vorstellung des Menschen und der Vorstellung Gottes. Sehen Sie, dieses Wort Bakunins, von dem ich sprechen möchte nun, das ist hervorgegangen aus der Empfindung des modernen Lebens bei Bakunin. Er fand: tief in der menschlichen Natur liegt der Impuls der Freiheit, der Impuls des freien Menschen. Was möchte man denn mehr im Leben als ein freier Mensch sein — so etwa könnte man den Sehnsuchtsimpuls eines Menschen, der ähnlich denkt wie Bakunin, ausdrücken. Gegen diesen Sehnsuchtsimpuls der inneren Menschennatur steht bei einem solchen Menschen die andere Empfindung, die er bekommt von der Betrachtung des modernen Lebens, wo der Mensch eingespannt ist, wenn er den bürgerlichen Kreisen angehört, in eine Unsumme von staatlichen und sonstigen Vorurteilen, wenn er den proletarischen Kreisen angehört, in Industrialismus und Kapitalismus, der Mensch ist eigentlich innerhalb des modernen Lebens für den, der so frei und unabhängig dieses Leben betrachtet wie Bakunin, eine Art Sklave. Die Freiheit muß fundamental gefaßt werden, wie ich es versucht habe in meiner «Philosophie der Freiheit». Wenn diese Freiheit nicht so fundamental erfaßt wird, so wird man immer herumgeworfen werden, auf der einen Seite von der Sucht nach der Freiheit, auf der anderen Seite von der Wahrnehmung des gegenwärtigen Lebens, das alles eher realisiert als die Freiheit. Und so blickt Bakunin förmlich auf zu dem, was Jahrtausende sagen, zu den religiösen Gottesempfindungen der Menschheit und kontrastiert dieses mit dem modernen Leben. «Gott ist, also ist der Mensch frei.» Bakunin stellt sich vor, wenn Gott ist, so kann der Mensch nicht anders sein als frei. «Der Mensch ist Sklave, also gibt es keinen Gott. Ich bin überzeugt,» — sagt Bakunin weiter — «daß niemand aus diesem Kreise heraus kann, und jetzt laßt uns wählen.»
[ 4 ] Ich will nur einiges anführen von dem, was hinweist auf die im Osten sehnsüchtig gestellte Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? Es sind bedeutsame Worte, die gerade von Osten gehört werden konnten. Ich habe schon einmal auf ein solches Wort hingewiesen. Unter denjenigen, welche in der neueren Zeit mitgewirkt haben beim Heraufkommen von Anschauungen über die soziale Frage, war einer der begabtesten Menschen Bakunin, später Marxens Gegner. Im Gegensatze zu Marx, der durchaus aus westeuropäischen Vorstellungen heraus das soziale Leben und die soziale Bewegung angegriffen hat, hat Bakunin aus östlichen Vorstellungen und Impulsen heraus die soziale Bewegung angefaßt. Überall glimmt bei Bakunin so etwas durch von einer Lebensphilosophie, von einer tieferen Auffassung und Anschauung des Lebens. Und so rührt denn auch von Bakunin ein sehr bedeutsames Wort her, das Wort, welches die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — beleuchten will durch einen Kontrast der Vorstellung des Menschen und der Vorstellung Gottes. Sehen Sie, dieses Wort Bakunins, von dem ich sprechen möchte nun, das ist hervorgegangen aus der Empfindung des modernen Lebens bei Bakunin. Er fand: tief in der menschlichen Natur liegt der Impuls der Freiheit, der Impuls des freien Menschen. Was möchte man denn mehr im Leben als ein freier Mensch sein — so etwa könnte man den Sehnsuchtsimpuls eines Menschen, der ähnlich denkt wie Bakunin, ausdrücken. Gegen diesen Sehnsuchtsimpuls der inneren Menschennatur steht bei einem solchen Menschen die andere Empfindung, die er bekommt von der Betrachtung des modernen Lebens, wo der Mensch eingespannt ist, wenn er den bürgerlichen Kreisen angehört, in eine Unsumme von staatlichen und sonstigen Vorurteilen, wenn er den proletarischen Kreisen angehört, in Industrialismus und Kapitalismus, der Mensch ist eigentlich innerhalb des modernen Lebens für den, der so frei und unabhängig dieses Leben betrachtet wie Bakunin, eine Art Sklave. Die Freiheit muß fundamental gefaßt werden, wie ich es versucht habe in meiner «Philosophie der Freiheit». Wenn diese Freiheit nicht so fundamental erfaßt wird, so wird man immer herumgeworfen werden, auf der einen Seite von der Sucht nach der Freiheit, auf der anderen Seite von der Wahrnehmung des gegenwärtigen Lebens, das alles eher realisiert als die Freiheit. Und so blickt Bakunin förmlich auf zu dem, was Jahrtausende sagen, zu den religiösen Gottesempfindungen der Menschheit und kontrastiert dieses mit dem modernen Leben. «Gott ist, also ist der Mensch frei.» Bakunin stellt sich vor, wenn Gott ist, so kann der Mensch nicht anders sein als frei. «Der Mensch ist Sklave, also gibt es keinen Gott. Ich bin überzeugt,» — sagt Bakunin weiter — «daß niemand aus diesem Kreise heraus kann, und jetzt laßt uns wählen.»
[ 5 ] Das ist ein Wort, das eigentlich auf die Menschen einen bedeutungsvolleren Eindruck machen sollte als manches Weltereignis, das eben durch seine Außerlichkeit geeignet ist, auf die Sensationen der Menschen einen Eindruck zu machen. Wenn man nur die Menschen dazu bringen könnte, Empfindung zu haben für solch ein Wort, durch das ein moderner Mensch gesteht: Ich komme nicht hinaus über das Dilemma; auf der einen Seite müßte ich sagen: Gott ist, also ist der Mensch frei; auf der anderen Seite aber muß ich sagen: Aber der Mensch ist Sklave, also gibt es keinen Gott! — Wir haben zu wählen, zu wählen zwischen der ewigen Sehnsucht des menschlichen Herzens nach Freiheit, und der unbesieglichen Erfahrung des modernen Lebens, daß der Mensch Sklave ist. Das eine, die Menschennatur selbst, führt zum Gottesbeweis. Das moderne Leben führt zum Atheismus. Und dazwischen gibt es nicht eine Entscheidung — meint Bakunin — auf ein Urteil hin, dazwischen gibt es nur eine Wahl. Man kann so und so wählen, wenn man moderner Mensch ist, weil im Grunde genommen nichts zwingt dazu, etwas anderes zu tun, als zu wählen.
[ 5 ] Das ist ein Wort, das eigentlich auf die Menschen einen bedeutungsvolleren Eindruck machen sollte als manches Weltereignis, das eben durch seine Außerlichkeit geeignet ist, auf die Sensationen der Menschen einen Eindruck zu machen. Wenn man nur die Menschen dazu bringen könnte, Empfindung zu haben für solch ein Wort, durch das ein moderner Mensch gesteht: Ich komme nicht hinaus über das Dilemma; auf der einen Seite müßte ich sagen: Gott ist, also ist der Mensch frei; auf der anderen Seite aber muß ich sagen: Aber der Mensch ist Sklave, also gibt es keinen Gott! — Wir haben zu wählen, zu wählen zwischen der ewigen Sehnsucht des menschlichen Herzens nach Freiheit, und der unbesieglichen Erfahrung des modernen Lebens, daß der Mensch Sklave ist. Das eine, die Menschennatur selbst, führt zum Gottesbeweis. Das moderne Leben führt zum Atheismus. Und dazwischen gibt es nicht eine Entscheidung — meint Bakunin — auf ein Urteil hin, dazwischen gibt es nur eine Wahl. Man kann so und so wählen, wenn man moderner Mensch ist, weil im Grunde genommen nichts zwingt dazu, etwas anderes zu tun, als zu wählen.
[ 6 ] Nun kann man ja schon sagen, daß die meisten Menschen heute überhaupt nicht wählen, sondern gedankenlos in diesem Dilemma, in diesem Kreise dahinvegetieren geistig, seelisch.
[ 6 ] Nun kann man ja schon sagen, daß die meisten Menschen heute überhaupt nicht wählen, sondern gedankenlos in diesem Dilemma, in diesem Kreise dahinvegetieren geistig, seelisch.
[ 7 ] Ein anderes Wort aus dem Osten, das Gorki einen seiner Helden sagen läßt: «Ich will ein kleines Buch schreiben. Ich will es «Das Sterbegebe» nennen; es gibt solche Gebete, man spricht sie über Sterbende. Und diese Gesellschaft, auf der der Fluch der inneren Schwäche lastet, wird, bevor sie verreckt, nach meinem Buche greifen wie nach Moschus.»
[ 7 ] Ein anderes Wort aus dem Osten, das Gorki einen seiner Helden sagen läßt: «Ich will ein kleines Buch schreiben. Ich will es «Das Sterbegebe» nennen; es gibt solche Gebete, man spricht sie über Sterbende. Und diese Gesellschaft, auf der der Fluch der inneren Schwäche lastet, wird, bevor sie verreckt, nach meinem Buche greifen wie nach Moschus.»
[ 8 ] Sehen Sie, das ist ein solches Wort, welches schon von einem gewissen Gesichtspunkte aus der neueren Menschheit zugerufen werden kann, — doch die neuere Menschheit sucht nur nach allerlei Betäubungsmitteln, seelischen, geistigen Betäubungsmitteln, um ein solches Wort nicht ernst genug nehmen zu müssen. Und im Osten ist ja jene merkwürdige Philosophenschule — nennen wir sie so — entstanden, welche eine Art Lebenskonsequenz des modernen Daseins gezogen hat, die Sekte der Barfüßer-Philosophen, wie sie von manchen genannt werden. Gorki läßt einen solchen Barfüßer die Worte aussprechen: «In mir selbst ist was nicht in Ordnung. Ich bin folglich nicht so zur Welt gekommen, wie es sich für einen Menschen gehört. Ich befinde mich auf besonderer Bahn. Und nicht allein ich. Unserer sind viele. Wir müssen zu absonderlichen Menschen werden und fügen uns in keine Ordnung .... Wer ist vor uns schuldig? Selbst sind wir vor uns und vor dem Leben schuldig!»
[ 8 ] Sehen Sie, das ist ein solches Wort, welches schon von einem gewissen Gesichtspunkte aus der neueren Menschheit zugerufen werden kann, — doch die neuere Menschheit sucht nur nach allerlei Betäubungsmitteln, seelischen, geistigen Betäubungsmitteln, um ein solches Wort nicht ernst genug nehmen zu müssen. Und im Osten ist ja jene merkwürdige Philosophenschule — nennen wir sie so — entstanden, welche eine Art Lebenskonsequenz des modernen Daseins gezogen hat, die Sekte der Barfüßer-Philosophen, wie sie von manchen genannt werden. Gorki läßt einen solchen Barfüßer die Worte aussprechen: «In mir selbst ist was nicht in Ordnung. Ich bin folglich nicht so zur Welt gekommen, wie es sich für einen Menschen gehört. Ich befinde mich auf besonderer Bahn. Und nicht allein ich. Unserer sind viele. Wir müssen zu absonderlichen Menschen werden und fügen uns in keine Ordnung .... Wer ist vor uns schuldig? Selbst sind wir vor uns und vor dem Leben schuldig!»
[ 9 ] So sprachen im Osten nicht einzelne Menschen, so sprachen viele, und wenn einmal auch aus äußerlichen Untergründen — was heute noch nicht möglich ist — die Geschichte dieser letzten Wirrjahre Europas wird geschrieben werden können, dann wird man schon finden, wieviel Anteil eine solche Weltanschauung an dem ganzen Schicksal unserer Zeit hat, wie aber andererseits auch eine solche Weltanschauung begründet ist in dem, was ich gestern charakterisiert habe als die Verworrenheit, die Oberflächlichkeit, die Gedankenlosigkeit unseres Zeitalters.
[ 9 ] So sprachen im Osten nicht einzelne Menschen, so sprachen viele, und wenn einmal auch aus äußerlichen Untergründen — was heute noch nicht möglich ist — die Geschichte dieser letzten Wirrjahre Europas wird geschrieben werden können, dann wird man schon finden, wieviel Anteil eine solche Weltanschauung an dem ganzen Schicksal unserer Zeit hat, wie aber andererseits auch eine solche Weltanschauung begründet ist in dem, was ich gestern charakterisiert habe als die Verworrenheit, die Oberflächlichkeit, die Gedankenlosigkeit unseres Zeitalters.
[ 10 ] Da muß man sich denn doch immer wieder und wiederum fragen: Wie drückt sich denn in den Einzelheiten dasjenige aus, was ich schon gestern sagte, daß unser Zeitalter, insbesondere seit dem Anfange des 18. Jahrhunderts, durchgeht wie durch eine Welle von Verwirrung, wie durch eine Welle von sich bildenden, die Menschen verwirrenden Gedankenknäueln? Sehen Sie, etwas, was zur Aufklärung über diese Frage dienen kann, kann eigentlich nur auf dem Boden einer wirklichen Geisteswissenschaft gefunden werden. Was ist denn eigentlich dasjenige, was am leichtesten sich heute unter einer gewissen Sorte von Menschen verbreitet? Gedanken, sogenannte Gedanken! Es sind allerdings meistens Gedanken, die in Worten zum Ausdrucke kommen, Vorstellungen, die auf bedrucktem Papier heute eine rasche Verbreitung gewinnen können, Gedanken namentlich von der Art, auf welche die Menschen am meisten stolz sind, über das sinnlich-materielle Leben, wie sie die Naturwissenschaft, die ja hinlänglich popularisiert wird, in allen Kreisen heute treibt. Es sollte einmal verglichen werden, welch gewaltiger Unterschied zwischen dem Seelenleben der heutigen Menschen besteht und dem Seelenleben eines Menschen etwa noch des 15. Jahrhunderts, ja des 16. Jahrhunderts. Damals teilte man sich die Gedanken mit; man las nicht jeden Morgen bedrucktes Papier mit den Gedanken, die dann eigentlich den Menschen durch den ganzen Tag hindurch, meistens ohne daß er irgendwie etwas davon ahnt, tragen. Was macht es schon heute auf den Menschen viel Eindruck, wenn er am Sonntag eine Predigt hört, nachdem er aus ganz anderen Gedankenunterlagen heraus seine Zeitung gelesen hat? Dadurch wird eine gewisse Bildung verbreitet. Aber in unserem Zeitalter ist diese Bildung ganz ohne eigentlichen wirklichen geistigen Inhalt, denn wirklicher geistiger Inhalt kann erst wiederum durch eine spirituelle Kultur kommen.
[ 10 ] Da muß man sich denn doch immer wieder und wiederum fragen: Wie drückt sich denn in den Einzelheiten dasjenige aus, was ich schon gestern sagte, daß unser Zeitalter, insbesondere seit dem Anfange des 18. Jahrhunderts, durchgeht wie durch eine Welle von Verwirrung, wie durch eine Welle von sich bildenden, die Menschen verwirrenden Gedankenknäueln? Sehen Sie, etwas, was zur Aufklärung über diese Frage dienen kann, kann eigentlich nur auf dem Boden einer wirklichen Geisteswissenschaft gefunden werden. Was ist denn eigentlich dasjenige, was am leichtesten sich heute unter einer gewissen Sorte von Menschen verbreitet? Gedanken, sogenannte Gedanken! Es sind allerdings meistens Gedanken, die in Worten zum Ausdrucke kommen, Vorstellungen, die auf bedrucktem Papier heute eine rasche Verbreitung gewinnen können, Gedanken namentlich von der Art, auf welche die Menschen am meisten stolz sind, über das sinnlich-materielle Leben, wie sie die Naturwissenschaft, die ja hinlänglich popularisiert wird, in allen Kreisen heute treibt. Es sollte einmal verglichen werden, welch gewaltiger Unterschied zwischen dem Seelenleben der heutigen Menschen besteht und dem Seelenleben eines Menschen etwa noch des 15. Jahrhunderts, ja des 16. Jahrhunderts. Damals teilte man sich die Gedanken mit; man las nicht jeden Morgen bedrucktes Papier mit den Gedanken, die dann eigentlich den Menschen durch den ganzen Tag hindurch, meistens ohne daß er irgendwie etwas davon ahnt, tragen. Was macht es schon heute auf den Menschen viel Eindruck, wenn er am Sonntag eine Predigt hört, nachdem er aus ganz anderen Gedankenunterlagen heraus seine Zeitung gelesen hat? Dadurch wird eine gewisse Bildung verbreitet. Aber in unserem Zeitalter ist diese Bildung ganz ohne eigentlichen wirklichen geistigen Inhalt, denn wirklicher geistiger Inhalt kann erst wiederum durch eine spirituelle Kultur kommen.
[ 11 ] Nun haben Gedanken, wie sie in der neueren Zeit verbreitet werden, gar keinen wirklichen Menschheitswert, wenn diese Gedanken nicht bezogen werden können auf das übersinnliche Leben. Alle Gedanken — das ist etwas radikal gesprochen, aber es ist richtig —, die nicht angeknüpfe werden können an das übersinnliche Leben, sind eigentlich dem Menschen schädlich. Und darinnen liegt eine der Hauptkrankheiten unserer Zeit, daß aus allen möglichen Untergründen heraus, namentlich aus der Popularisierung der naturwissenschaftlichen Vorstellungen, Gedanken verbreitet werden, die dann nicht von den Menschen auf das übersinnliche Leben bezogen werden, und die deshalb schädlich sind. Gedanken sollten eigentlich immer auf das übersinnliche Leben bezogen werden. Sie wirken zerstörerisch, vernichtend auf das menschliche Leben, wenn sie nicht auf das Übersinnliche bezogen werden. Denn ohne die Beziehung der Gedanken, die im Menschen erzeugt werden, auf das Übersinnliche, kann nämlich die Kardinalfrage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — gar nicht beantwortet werden. Da der Mensch mit seinem Wesen schon einmal das Übersinnliche hat, so bleibt immer für ihn etwas Odes, etwas ihn im Tiefsten Unbefriedigendes, wenn er Gedanken, die ja auf übersinnliche Art doch in ihm erzeugt werden, nicht auf das Übersinnliche beziehen kann. Nun wird niemals die Sehnsucht nach einer Antwort auf die Frage in der Menschenseele erlöschen, die Sehnsucht nach einer Beantwortung der Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — Diese Sehnsucht kann nicht erlöschen. Sie kann betäubt werden, der Mensch kann gewissermaßen sich selber die Besinnung nehmen, so daß diese Besinnung nicht hinreicht bis zu der Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — Dann wird in allerlei nervösen und sonstigen Zuständen diese Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — in dem Menschen wühlen. Aber ausgelöscht aus dem menschlichen Seelenleben kann diese Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — nicht werden.
[ 11 ] Nun haben Gedanken, wie sie in der neueren Zeit verbreitet werden, gar keinen wirklichen Menschheitswert, wenn diese Gedanken nicht bezogen werden können auf das übersinnliche Leben. Alle Gedanken — das ist etwas radikal gesprochen, aber es ist richtig —, die nicht angeknüpfe werden können an das übersinnliche Leben, sind eigentlich dem Menschen schädlich. Und darinnen liegt eine der Hauptkrankheiten unserer Zeit, daß aus allen möglichen Untergründen heraus, namentlich aus der Popularisierung der naturwissenschaftlichen Vorstellungen, Gedanken verbreitet werden, die dann nicht von den Menschen auf das übersinnliche Leben bezogen werden, und die deshalb schädlich sind. Gedanken sollten eigentlich immer auf das übersinnliche Leben bezogen werden. Sie wirken zerstörerisch, vernichtend auf das menschliche Leben, wenn sie nicht auf das Übersinnliche bezogen werden. Denn ohne die Beziehung der Gedanken, die im Menschen erzeugt werden, auf das Übersinnliche, kann nämlich die Kardinalfrage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — gar nicht beantwortet werden. Da der Mensch mit seinem Wesen schon einmal das Übersinnliche hat, so bleibt immer für ihn etwas Odes, etwas ihn im Tiefsten Unbefriedigendes, wenn er Gedanken, die ja auf übersinnliche Art doch in ihm erzeugt werden, nicht auf das Übersinnliche beziehen kann. Nun wird niemals die Sehnsucht nach einer Antwort auf die Frage in der Menschenseele erlöschen, die Sehnsucht nach einer Beantwortung der Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — Diese Sehnsucht kann nicht erlöschen. Sie kann betäubt werden, der Mensch kann gewissermaßen sich selber die Besinnung nehmen, so daß diese Besinnung nicht hinreicht bis zu der Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — Dann wird in allerlei nervösen und sonstigen Zuständen diese Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — in dem Menschen wühlen. Aber ausgelöscht aus dem menschlichen Seelenleben kann diese Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — nicht werden.
[ 12 ] Nun war gerade das 19. Jahrhundert mit seiner Gesamtkultur ganz und gar nicht geeignet, diese Frage in einer menschenbefriedigenden Art zu beantworten. Große Impulse des Zeitalters drücken sich dann immer in bedeutungsvollen Symptomen aus. Ein solches bedeutungsvolles Symptom für das ganze neuere Geistesleben ist das Dasein Friedrich Nietzsches. Es ist ja sehr zu beklagen, daß das neuzeitliche Spießer- und Philistertum sich auch als Anhängerschaft Nietzsches geriert hat, und daß vor allen Dingen der Blick nicht geworfen worden ist, oder wenigstens von wenigen nur geworfen worden ist auf das eigentliche Phänomen Nietzsche.
[ 12 ] Nun war gerade das 19. Jahrhundert mit seiner Gesamtkultur ganz und gar nicht geeignet, diese Frage in einer menschenbefriedigenden Art zu beantworten. Große Impulse des Zeitalters drücken sich dann immer in bedeutungsvollen Symptomen aus. Ein solches bedeutungsvolles Symptom für das ganze neuere Geistesleben ist das Dasein Friedrich Nietzsches. Es ist ja sehr zu beklagen, daß das neuzeitliche Spießer- und Philistertum sich auch als Anhängerschaft Nietzsches geriert hat, und daß vor allen Dingen der Blick nicht geworfen worden ist, oder wenigstens von wenigen nur geworfen worden ist auf das eigentliche Phänomen Nietzsche.
[ 13 ] Ich habe es immer so ausgesprochen, daß ich gesagt habe: In Nietzsche stellt sich der moderne Mensch dar, welcher seelisch am meisten gelitten hat und auch daran zugrunde gegangen ist an der Kultur des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts. Ich sagte oftmals: Die anderen haben diese Kultur des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Da war Schopenhauer. Er hat ein gewisses Stück der Kultur des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Nietzsche hat daran gelitten als Schopenhauerianer. Da war Richard Wagner, auch er hat ein Stück Kultur des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Nietzsche hat daran gelitten als Wagnerianer. Da war der wiedererneuerte Voltairismus, die freie Geistigkeit aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts; Haeckel, Büchner, Feuerbach und andere haben diese Freigeisterei vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Nietzsche hat daran gelitten. Innerhalb der ganzen neueren Kultur drückt sich aus im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, daß diese Kultur sich selbst ad absurdum führen muß. Die Kunst lief ein in Werte, die man nur dann begreifen konnte, wenn man sie in ihrer Selbstauflösung begriff. Die Wissenschaft kam immer mehr und mehr dazu, ihre eigene Nichtigkeit gegenüber dem Übersinnlichen als höchste Weisheit zu predigen. Nietzsche litt daran. Er litt an Schopenhauer, an Richard Wagner, an dem wiederauferweckten Voltairismus vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, er litt an der ganzen Kultur des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, und prägte aus diesem Leiden heraus zwei grandiose, überwältigende, aber Verzweiflung weckende Ideen, die Idee vom Übermenschen und die Idee von der Wiederkunft des Gleichen. Die Idee vom Übermenschen warum Übermensch? Weil man keine Möglichkeit hatte, die Frage: Was ist denn der Mensch? — zu beantworten. Das bewirkte in einem so Leidenden, wie es Nietzsche war, die Flucht vor dem Menschen, das Hineilen zu etwas, was den Menschen überwindet. Übermensch ist für Nietzsche einfach das starke, große Illusionsmittel, Betäubungsmittel gegen die Unmöglichkeit, aus der Kultur des 19. Jahrhunderts heraus zu einer Anschauung über den Menschen zu kommen.
[ 13 ] Ich habe es immer so ausgesprochen, daß ich gesagt habe: In Nietzsche stellt sich der moderne Mensch dar, welcher seelisch am meisten gelitten hat und auch daran zugrunde gegangen ist an der Kultur des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts. Ich sagte oftmals: Die anderen haben diese Kultur des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Da war Schopenhauer. Er hat ein gewisses Stück der Kultur des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Nietzsche hat daran gelitten als Schopenhauerianer. Da war Richard Wagner, auch er hat ein Stück Kultur des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Nietzsche hat daran gelitten als Wagnerianer. Da war der wiedererneuerte Voltairismus, die freie Geistigkeit aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts; Haeckel, Büchner, Feuerbach und andere haben diese Freigeisterei vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Nietzsche hat daran gelitten. Innerhalb der ganzen neueren Kultur drückt sich aus im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, daß diese Kultur sich selbst ad absurdum führen muß. Die Kunst lief ein in Werte, die man nur dann begreifen konnte, wenn man sie in ihrer Selbstauflösung begriff. Die Wissenschaft kam immer mehr und mehr dazu, ihre eigene Nichtigkeit gegenüber dem Übersinnlichen als höchste Weisheit zu predigen. Nietzsche litt daran. Er litt an Schopenhauer, an Richard Wagner, an dem wiederauferweckten Voltairismus vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, er litt an der ganzen Kultur des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, und prägte aus diesem Leiden heraus zwei grandiose, überwältigende, aber Verzweiflung weckende Ideen, die Idee vom Übermenschen und die Idee von der Wiederkunft des Gleichen. Die Idee vom Übermenschen warum Übermensch? Weil man keine Möglichkeit hatte, die Frage: Was ist denn der Mensch? — zu beantworten. Das bewirkte in einem so Leidenden, wie es Nietzsche war, die Flucht vor dem Menschen, das Hineilen zu etwas, was den Menschen überwindet. Übermensch ist für Nietzsche einfach das starke, große Illusionsmittel, Betäubungsmittel gegen die Unmöglichkeit, aus der Kultur des 19. Jahrhunderts heraus zu einer Anschauung über den Menschen zu kommen.
[ 14 ] Wiederkunft des Gleichen: Man muß sich nur den ganzen Ernst dieser Idee bei Nietzsche vorstellen. Denken Sie nur einmal, wie wir hier sitzen und vereinigt sind jetzt, sind wir schon unzählige Male so da gesessen und werden unzählige Male wiederum da sitzen; jeder von uns hat unzählige Male das durchgemacht, was er jetzt in dieser Zeit durchmacht und wird es unzählige Male wiederum durchmachen. Keine Evolution, welche wirklich aufkommen läßt den Gedanken an einen Aufstieg an einen Fortschritt. — Weil man nicht zu einer Anschauung über den Menschen kommen kann, deshalb Übermensch, weil man keinen wirklichen Fortschritt in der Entwickelung weder der Menschheit noch des Kosmos denken kann, Wiederkunft des Gleichen. Nietzsche ist zu diesen Konsequenzen gekommen. Die anderen, die vielleicht lachen über diese Konsequenzen, sie kommen nicht dazu aus Gedankenlosigkeit. Denn entweder kommt man zu diesen Konsequenzen, oder man muß zur Geisteswissenschaft sich wenden, die nicht vom Übermenschen spricht, aber von demjenigen spricht, was sich schon entwickelt hat durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, durch die Erdenentwickelung durch und weiterhin in den kosmischen Metamorphosen unserer Erde, und die auch nicht von der Wiederkunft des Gleichen spricht, sondern die in der Lage ist, von einem wirklichen Fortschritt — lesen Sie nur meine «Geheimwissenschaft im Umriß» — zu sprechen. Aber wo ist Neigung heute vorhanden, diese Dinge in ihrem vollen Ernste zu betrachten? Was ist denn für die meisten Menschen unendlich viel wichtiger, als diese große, weltumfassende Angelegenheit?
[ 14 ] Wiederkunft des Gleichen: Man muß sich nur den ganzen Ernst dieser Idee bei Nietzsche vorstellen. Denken Sie nur einmal, wie wir hier sitzen und vereinigt sind jetzt, sind wir schon unzählige Male so da gesessen und werden unzählige Male wiederum da sitzen; jeder von uns hat unzählige Male das durchgemacht, was er jetzt in dieser Zeit durchmacht und wird es unzählige Male wiederum durchmachen. Keine Evolution, welche wirklich aufkommen läßt den Gedanken an einen Aufstieg an einen Fortschritt. — Weil man nicht zu einer Anschauung über den Menschen kommen kann, deshalb Übermensch, weil man keinen wirklichen Fortschritt in der Entwickelung weder der Menschheit noch des Kosmos denken kann, Wiederkunft des Gleichen. Nietzsche ist zu diesen Konsequenzen gekommen. Die anderen, die vielleicht lachen über diese Konsequenzen, sie kommen nicht dazu aus Gedankenlosigkeit. Denn entweder kommt man zu diesen Konsequenzen, oder man muß zur Geisteswissenschaft sich wenden, die nicht vom Übermenschen spricht, aber von demjenigen spricht, was sich schon entwickelt hat durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, durch die Erdenentwickelung durch und weiterhin in den kosmischen Metamorphosen unserer Erde, und die auch nicht von der Wiederkunft des Gleichen spricht, sondern die in der Lage ist, von einem wirklichen Fortschritt — lesen Sie nur meine «Geheimwissenschaft im Umriß» — zu sprechen. Aber wo ist Neigung heute vorhanden, diese Dinge in ihrem vollen Ernste zu betrachten? Was ist denn für die meisten Menschen unendlich viel wichtiger, als diese große, weltumfassende Angelegenheit?
[ 15 ] Aus allen solchen Voraussetzungen heraus muß man fragen: Was liegt denn da eigentlich vor? — In allen Tiefen kommt man heute nicht leicht dem bei, was da eigentlich vorliegt. Ich möchte einen besonderen Gesichtspunkt heute erwähnen. Wenn man sich bemüht, die Erlebnisse derjenigen Menschen ins Auge zu fassen, die eben oder vor kurzer Zeit durch die Todespforte gegangen sind, die also am Beginne desjenigen Lebens stehen, welches geführt wird zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, da bemerkt man etwas sehr eigentümliches. Ich gestehe Ihnen offen, meine lieben Freunde, daß diese Bemerkung, von der ich Ihnen jetzt spreche, mir lange etwas recht Unerklärliches gewesen ist, daß man nur nach und nach zurechtkommt, wenn man eine solche Tatsache gefunden hat. Es ist die Tatsache, daß eine große Anzahl von Menschen, die heute, das heißt in unserer Gegenwart, durch die Todespforte gehen, durch dasjenige, was sie nach dem Tode erleben, außerordentlich überrascht sind über das Unbekannte, das da vor ihnen steht. Ich habe Ihnen ja von dem gesprochen, was der Tote erlebt, nachdem er durch die Todespforte gegangen ist. In all das, was leichter verständlich ist, mit dem man leichter zurechtkommt und über das auch leichter zu sprechen ist, mischt sich eben so manches hinein, was man nicht anders charakterisieren kann, als indem man sagt: es überrascht den Toten, daß so etwas auch da ist. Das auf der einen Seite. Es lebt in ihm das Bewußtsein, daß er eigentlich nicht gedacht haben würde, daß Erlebnisse solcher Art vor seine Seele treten würden.
[ 15 ] Aus allen solchen Voraussetzungen heraus muß man fragen: Was liegt denn da eigentlich vor? — In allen Tiefen kommt man heute nicht leicht dem bei, was da eigentlich vorliegt. Ich möchte einen besonderen Gesichtspunkt heute erwähnen. Wenn man sich bemüht, die Erlebnisse derjenigen Menschen ins Auge zu fassen, die eben oder vor kurzer Zeit durch die Todespforte gegangen sind, die also am Beginne desjenigen Lebens stehen, welches geführt wird zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, da bemerkt man etwas sehr eigentümliches. Ich gestehe Ihnen offen, meine lieben Freunde, daß diese Bemerkung, von der ich Ihnen jetzt spreche, mir lange etwas recht Unerklärliches gewesen ist, daß man nur nach und nach zurechtkommt, wenn man eine solche Tatsache gefunden hat. Es ist die Tatsache, daß eine große Anzahl von Menschen, die heute, das heißt in unserer Gegenwart, durch die Todespforte gehen, durch dasjenige, was sie nach dem Tode erleben, außerordentlich überrascht sind über das Unbekannte, das da vor ihnen steht. Ich habe Ihnen ja von dem gesprochen, was der Tote erlebt, nachdem er durch die Todespforte gegangen ist. In all das, was leichter verständlich ist, mit dem man leichter zurechtkommt und über das auch leichter zu sprechen ist, mischt sich eben so manches hinein, was man nicht anders charakterisieren kann, als indem man sagt: es überrascht den Toten, daß so etwas auch da ist. Das auf der einen Seite. Es lebt in ihm das Bewußtsein, daß er eigentlich nicht gedacht haben würde, daß Erlebnisse solcher Art vor seine Seele treten würden.
[ 16 ] Auf der anderen Seite bei älter gestorbenen Menschen — bei jugendlich Gestorbenen ist es weniger der Fall — zeigt sich dieses, das mit einer gewissen Unbekanntheit vor die Seele tritt, zugleich deutlich, daß es mit dem Menschen selbst etwas zu tun hat, daß es irgendwie von dem Menschen, der da durch die Todespforte gegangen ist, eigentlich herrührt. Also etwas Unbekanntes ist es, dem der Tote begegnet, aber zugleich etwas, von dem er deutlich weiß, es rührt von ihm selbst her, wie gesagt, namentlich dann, wenn er zu den älter gestorbenen Menschen gehört.
[ 16 ] Auf der anderen Seite bei älter gestorbenen Menschen — bei jugendlich Gestorbenen ist es weniger der Fall — zeigt sich dieses, das mit einer gewissen Unbekanntheit vor die Seele tritt, zugleich deutlich, daß es mit dem Menschen selbst etwas zu tun hat, daß es irgendwie von dem Menschen, der da durch die Todespforte gegangen ist, eigentlich herrührt. Also etwas Unbekanntes ist es, dem der Tote begegnet, aber zugleich etwas, von dem er deutlich weiß, es rührt von ihm selbst her, wie gesagt, namentlich dann, wenn er zu den älter gestorbenen Menschen gehört.
[ 17 ] Wenn man diese Tatsache bemerkt, so findet man wirklich recht schwer eine Erklärung dafür. Erst dann findet man eine Erklärung dafür, wenn man es ganz ernst nimmt mit etwas anderem, was man im Zusammenhange damit betrachten muß, nämlich mit der Tatsache, daß der heutige Mensch, der in die heutige Lebensordnung hereingestellt ist, eine große Summe von Dingen erlebt, von denen er entweder gar nichts weiß, oder über die er sich alle möglichen Illusionen macht. Es ist eine ganze weite Summe von Erlebnissen, die man zu den unterbewußten Erlebnissen zählen kann, die an den Menschen herankommen, geradeso wie dasjenige, was er bewußt durchlebt, die er aber entweder gar nicht beachtet, während sie doch in ihm vorgehen, oder denen er eine ganz falsche Deutung gibt. Das ist ja überhaupt das Charakteristische des heutigen Menschen, daß dieser heutige Mensch gern umdeutet dasjenige, was er selbst erlebt. Er mag sich über sich selbst nicht gerne wahrheitsgemäße Rechenschaft geben. Er möchte dasjenige, was zusammenhängt mit seiner Einstellung zu der Welt, nach der einen oder nach der anderen Seite färben. Man prüfe sich nach dieser Richtung nur einmal und frage sich, wie oft man eigentlich sich eingesteht, daß man unrecht hat in einer Sache. Man wird da, wo man sich eingestehen sollte, daß man unrecht hat, in den meisten Fällen irgend etwas anderes vorstellen, was einen hinwegbetäubt über dasjenige, was man sich sonst sagen müßte: daß man in irgendeiner Sache unrecht hat. Aber das ist nur eine von den Erscheinungen, welche schon äußerlich den Menschen darauf hinweisen könnten, daß er vieles heute unterbewußt erlebt, worüber er sich in seinem Bewußtsein Illusionen macht. Wird man etwas älter und stirbt dann, dann hat man eine große Summe solcher unterbewußter Erfahrungen in sich. Und diese unterbewußten Erfahrungen sind es, welche wie umgestaltet in Wesenhaftes nach dem Tode dem Menschen entgegentreten. Findet man diesen Zusammenhang heraus zwischen dem unterbewußten Erlebten und dem, was der Tote, nachdem er durch die Todespforte gegangen ist, Überraschendes erlebt, dann kommt man erst mit dieser Erscheinung zurecht, dann kommt man erst dazu, zu begreifen, warum so viele Menschen, die heute gar nicht gern nachdenken darüber, wie sie das eine und das andere erleben, sondern es im Unterbewußten lassen, wie die überrascht sind, wenn ihnen nun diese ganze unterbewußte Sache, nachdem sie durch die Todespforte gegangen sind, wirklich entgegentritt. Sie sind davon überrascht, trotzdem sie die Dinge erlebt haben, und sie müssen zu gleicher Zeit empfinden, daß sie mit dem, was sie erleben, selbst sehr viel zu tun gehabt haben. Es ist eigentlich ein Teil ihres eigenen Lebens, der entweder gar nicht oder nur sehr undeutlich bemerkte Teil ihres eigenen Erlebens.
[ 17 ] Wenn man diese Tatsache bemerkt, so findet man wirklich recht schwer eine Erklärung dafür. Erst dann findet man eine Erklärung dafür, wenn man es ganz ernst nimmt mit etwas anderem, was man im Zusammenhange damit betrachten muß, nämlich mit der Tatsache, daß der heutige Mensch, der in die heutige Lebensordnung hereingestellt ist, eine große Summe von Dingen erlebt, von denen er entweder gar nichts weiß, oder über die er sich alle möglichen Illusionen macht. Es ist eine ganze weite Summe von Erlebnissen, die man zu den unterbewußten Erlebnissen zählen kann, die an den Menschen herankommen, geradeso wie dasjenige, was er bewußt durchlebt, die er aber entweder gar nicht beachtet, während sie doch in ihm vorgehen, oder denen er eine ganz falsche Deutung gibt. Das ist ja überhaupt das Charakteristische des heutigen Menschen, daß dieser heutige Mensch gern umdeutet dasjenige, was er selbst erlebt. Er mag sich über sich selbst nicht gerne wahrheitsgemäße Rechenschaft geben. Er möchte dasjenige, was zusammenhängt mit seiner Einstellung zu der Welt, nach der einen oder nach der anderen Seite färben. Man prüfe sich nach dieser Richtung nur einmal und frage sich, wie oft man eigentlich sich eingesteht, daß man unrecht hat in einer Sache. Man wird da, wo man sich eingestehen sollte, daß man unrecht hat, in den meisten Fällen irgend etwas anderes vorstellen, was einen hinwegbetäubt über dasjenige, was man sich sonst sagen müßte: daß man in irgendeiner Sache unrecht hat. Aber das ist nur eine von den Erscheinungen, welche schon äußerlich den Menschen darauf hinweisen könnten, daß er vieles heute unterbewußt erlebt, worüber er sich in seinem Bewußtsein Illusionen macht. Wird man etwas älter und stirbt dann, dann hat man eine große Summe solcher unterbewußter Erfahrungen in sich. Und diese unterbewußten Erfahrungen sind es, welche wie umgestaltet in Wesenhaftes nach dem Tode dem Menschen entgegentreten. Findet man diesen Zusammenhang heraus zwischen dem unterbewußten Erlebten und dem, was der Tote, nachdem er durch die Todespforte gegangen ist, Überraschendes erlebt, dann kommt man erst mit dieser Erscheinung zurecht, dann kommt man erst dazu, zu begreifen, warum so viele Menschen, die heute gar nicht gern nachdenken darüber, wie sie das eine und das andere erleben, sondern es im Unterbewußten lassen, wie die überrascht sind, wenn ihnen nun diese ganze unterbewußte Sache, nachdem sie durch die Todespforte gegangen sind, wirklich entgegentritt. Sie sind davon überrascht, trotzdem sie die Dinge erlebt haben, und sie müssen zu gleicher Zeit empfinden, daß sie mit dem, was sie erleben, selbst sehr viel zu tun gehabt haben. Es ist eigentlich ein Teil ihres eigenen Lebens, der entweder gar nicht oder nur sehr undeutlich bemerkte Teil ihres eigenen Erlebens.
[ 18 ] Solche Dinge in der richtigen Weise zu würdigen, ist heute eine notwendige, aber noch schwierige Aufgabe des geisteswissenschaftlichen Erkennens. Aber der Hinweis auf diese Tatsache ist für unsere Zeit von einer ganz fundamentalen Wichtigkeit. Denn erst wenn man von diesen Dingen ausgeht, kann man eigentlich eine ganz vernünftige Antwort auf die Frage bekommen: Warum gestaltet sich die Antwort auf die Frage: Was ist eigentlich der Mensch? — für den gegenwärtigen Menschen zu einer so außerordentlich schwierigen?
[ 18 ] Solche Dinge in der richtigen Weise zu würdigen, ist heute eine notwendige, aber noch schwierige Aufgabe des geisteswissenschaftlichen Erkennens. Aber der Hinweis auf diese Tatsache ist für unsere Zeit von einer ganz fundamentalen Wichtigkeit. Denn erst wenn man von diesen Dingen ausgeht, kann man eigentlich eine ganz vernünftige Antwort auf die Frage bekommen: Warum gestaltet sich die Antwort auf die Frage: Was ist eigentlich der Mensch? — für den gegenwärtigen Menschen zu einer so außerordentlich schwierigen?
[ 19 ] Wenn man das menschliche Leben in seiner inneren Entwickelung ganz nimmt, so zerfällt es eigentlich in drei Teile. Der eine umfaßt dasjenige, was wir als unsere Begabungen, unsere Talente, unsere Fähigkeiten empfinden. Der zweite Teil umfaßt alles dasjenige, was wir im Verkehr mit unseren Mitmenschen, durch die Wechselwirkung unseres Bewußtseins mit dem Bewußtsein anderer Menschen entwickeln. Und das dritte Gebiet umfaßt unsere Erfahrung. Unsere Zeit verhält sich zu diesen drei Teilen der Menschennatur sehr, sehr einseitig, berücksichtigt eigentlich nur den mittleren Teil. Gewiß, es wird ja heute von gewissen Seiten her viel gejammert über das Verkennen begabter Menschen, aber es sind zumeist die begabten Menschen selber, die so jammern. Die hingebungsvolle Art, Begabungen zu pflegen, die kommt ja immer mehr und mehr ab. Ebenso kommt aber eigentlich die Schätzung der menschlichen Erfahrung ab. Der Mensch ist sich heute nicht mehr bewußt — ich habe das öfters ausgeführt —, daß man nicht bloß älter wird, sondern daß man im Alterwerden Erfahrung ansammelt, daß man im Älterwerden klüger, weiser wird. Dieses Gefühl für die menschliche Entwickelung, das kommt auch den Menschen immer mehr und mehr abhanden. Die Menschen wollen heute, nachdem sie ein gewisses Alter erreicht haben, alle gleich weise sein, über alles in gleicher Weise mitreden, und nach der Ansicht vieler soll sich in dieses Mitreden weder die Begabung hineinmischen, noch die durch das Leben errungene Erfahrung. Darauf beruht im Grunde genommen unsere ganze demokratische Weltanschauung, die immer dazu neigen wird, sich selbst ihr Grab zu schaufeln: daß der Mensch, nachdem er ein gewisses Alter erreicht hat, im Verein mit seinen Mitmenschen über Gott und über die Welt und über noch drei Dörfer, über alles mögliche Entscheidungen treffen kann.
[ 19 ] Wenn man das menschliche Leben in seiner inneren Entwickelung ganz nimmt, so zerfällt es eigentlich in drei Teile. Der eine umfaßt dasjenige, was wir als unsere Begabungen, unsere Talente, unsere Fähigkeiten empfinden. Der zweite Teil umfaßt alles dasjenige, was wir im Verkehr mit unseren Mitmenschen, durch die Wechselwirkung unseres Bewußtseins mit dem Bewußtsein anderer Menschen entwickeln. Und das dritte Gebiet umfaßt unsere Erfahrung. Unsere Zeit verhält sich zu diesen drei Teilen der Menschennatur sehr, sehr einseitig, berücksichtigt eigentlich nur den mittleren Teil. Gewiß, es wird ja heute von gewissen Seiten her viel gejammert über das Verkennen begabter Menschen, aber es sind zumeist die begabten Menschen selber, die so jammern. Die hingebungsvolle Art, Begabungen zu pflegen, die kommt ja immer mehr und mehr ab. Ebenso kommt aber eigentlich die Schätzung der menschlichen Erfahrung ab. Der Mensch ist sich heute nicht mehr bewußt — ich habe das öfters ausgeführt —, daß man nicht bloß älter wird, sondern daß man im Alterwerden Erfahrung ansammelt, daß man im Älterwerden klüger, weiser wird. Dieses Gefühl für die menschliche Entwickelung, das kommt auch den Menschen immer mehr und mehr abhanden. Die Menschen wollen heute, nachdem sie ein gewisses Alter erreicht haben, alle gleich weise sein, über alles in gleicher Weise mitreden, und nach der Ansicht vieler soll sich in dieses Mitreden weder die Begabung hineinmischen, noch die durch das Leben errungene Erfahrung. Darauf beruht im Grunde genommen unsere ganze demokratische Weltanschauung, die immer dazu neigen wird, sich selbst ihr Grab zu schaufeln: daß der Mensch, nachdem er ein gewisses Alter erreicht hat, im Verein mit seinen Mitmenschen über Gott und über die Welt und über noch drei Dörfer, über alles mögliche Entscheidungen treffen kann.
[ 20 ] Dasjenige aber, was der Mensch in Verein mit seinen Mitmenschen durch die Wechselwirkung von Bewußtsein zu Bewußtsein entwickelt, das gehört nur dem einen Gebiete des sozialen Lebens, dem Staatsleben an. Der Staat ist allerdings der Götze geworden, gerade aus dem Grunde, weil man nur dasjenige gelten lassen will, was auf die eben angedeutete Weise unter den Menschen pulsiert. Die beiden anderen Gebiete will man nicht als selbständige soziale Organisationen gelten lassen, weil ja in der geistigen Organisation die besondere Pflege der individuellen Fähigkeiten da sein würde. Und in der wirtschaftlichen Organisation würde vor allen Dingen das wirklich ganz durch innere Kräfte zur Geltung kommen, was man die Erfahrung nennt. Im Lebenswirtschaften wird man eigentlich nur gescheiter, wobei ich natürlich unter Lebenswirtschaften nicht bloß Kühe melken und Kohl kochen verstehe, sondern das Lebenswirtschaften im weitesten Kreise. Zum Wirtschaften gehört auch Geistiges, insofern geistige Leistungen einen bestimmten Warenwert haben, und den müssen sie ja haben, sonst würde man von geistigen Leistungen niemals leben können. Sie haben natürlich auch auf anderem Gebiete einen Wert, aber sie haben Warenwert. Gerade aus diesem Wirtschaften, zu dem also das Erzeugen von geistigen Werten gehört, insofern diese Werte Warenwerte sind, ergibt sich die Erfahrung. Nun weiß man heute außer dem Gebiete der Geisteswissenschaft eigentlich gar nicht zu unterscheiden zwischen diesen drei Gebieten der menschlichen Natur, Untere gewöhnlichen Begabungen, durch die wir entweder in.den. einen oder in dem anderen geistigen Zweige begabt sind, oder durch die wir für das eine oder andere geschickt sind, denn auch körperliche Geschicklichkeiten gehören zu den individuellen Begabungen, alle diese Dinge gehören eigentlich, so wie der Mensch heute ist, nicht ganz der individuellen Menschennatur an. Im Grunde genommen, so paradox Ihnen das klingt, je genialer heute ein Mensch ist, desto weniger ist er eigentlich ein individueller Mensch. Denn unsere Begabungen, unsere individuellen Fähigkeiten, sie werden erzeugt durch eine Wechselwirkung des Kosmos vor unserer Geburt beziehungsweise vor unserer Empfängnis, mit den Kräften der Vererbung durch viele Generationen hindurch. Das habe ich einmal dargestellt, wie das ist. Unsere genialen Begabungen und überhaupt unsere individuellen Fähigkeiten sind alle vom Kopf abhängig. Worinnen auch die besondere Begabung eines Menschen bestehen mag, mag sie auch scheinbar zusammenhängen mit besonderen Muskelausbildungen, diese besonderen Begabungen haben doch im Kopfe ihren Ursprung, auch insoferne sich diese Begabungen in der Menschenstatur und dergleichen ausdrücken. Ob einer ein Riese ist, der Bäume zerbrechen kann, dickstämmige Bäume, oder ob einer ein kleiner Knirps ist, davon hängt doch seine individuelle Fähigkeit in vieler Beziehung ab. Das hat alles im Kopfe den Ursprung. Was am Menschen gewissermaßen eingeboren ist an individuellen Fähigkeiten, das hat alles aus dem Kopfe den Ursprung.
[ 20 ] Dasjenige aber, was der Mensch in Verein mit seinen Mitmenschen durch die Wechselwirkung von Bewußtsein zu Bewußtsein entwickelt, das gehört nur dem einen Gebiete des sozialen Lebens, dem Staatsleben an. Der Staat ist allerdings der Götze geworden, gerade aus dem Grunde, weil man nur dasjenige gelten lassen will, was auf die eben angedeutete Weise unter den Menschen pulsiert. Die beiden anderen Gebiete will man nicht als selbständige soziale Organisationen gelten lassen, weil ja in der geistigen Organisation die besondere Pflege der individuellen Fähigkeiten da sein würde. Und in der wirtschaftlichen Organisation würde vor allen Dingen das wirklich ganz durch innere Kräfte zur Geltung kommen, was man die Erfahrung nennt. Im Lebenswirtschaften wird man eigentlich nur gescheiter, wobei ich natürlich unter Lebenswirtschaften nicht bloß Kühe melken und Kohl kochen verstehe, sondern das Lebenswirtschaften im weitesten Kreise. Zum Wirtschaften gehört auch Geistiges, insofern geistige Leistungen einen bestimmten Warenwert haben, und den müssen sie ja haben, sonst würde man von geistigen Leistungen niemals leben können. Sie haben natürlich auch auf anderem Gebiete einen Wert, aber sie haben Warenwert. Gerade aus diesem Wirtschaften, zu dem also das Erzeugen von geistigen Werten gehört, insofern diese Werte Warenwerte sind, ergibt sich die Erfahrung. Nun weiß man heute außer dem Gebiete der Geisteswissenschaft eigentlich gar nicht zu unterscheiden zwischen diesen drei Gebieten der menschlichen Natur, Untere gewöhnlichen Begabungen, durch die wir entweder in.den. einen oder in dem anderen geistigen Zweige begabt sind, oder durch die wir für das eine oder andere geschickt sind, denn auch körperliche Geschicklichkeiten gehören zu den individuellen Begabungen, alle diese Dinge gehören eigentlich, so wie der Mensch heute ist, nicht ganz der individuellen Menschennatur an. Im Grunde genommen, so paradox Ihnen das klingt, je genialer heute ein Mensch ist, desto weniger ist er eigentlich ein individueller Mensch. Denn unsere Begabungen, unsere individuellen Fähigkeiten, sie werden erzeugt durch eine Wechselwirkung des Kosmos vor unserer Geburt beziehungsweise vor unserer Empfängnis, mit den Kräften der Vererbung durch viele Generationen hindurch. Das habe ich einmal dargestellt, wie das ist. Unsere genialen Begabungen und überhaupt unsere individuellen Fähigkeiten sind alle vom Kopf abhängig. Worinnen auch die besondere Begabung eines Menschen bestehen mag, mag sie auch scheinbar zusammenhängen mit besonderen Muskelausbildungen, diese besonderen Begabungen haben doch im Kopfe ihren Ursprung, auch insoferne sich diese Begabungen in der Menschenstatur und dergleichen ausdrücken. Ob einer ein Riese ist, der Bäume zerbrechen kann, dickstämmige Bäume, oder ob einer ein kleiner Knirps ist, davon hängt doch seine individuelle Fähigkeit in vieler Beziehung ab. Das hat alles im Kopfe den Ursprung. Was am Menschen gewissermaßen eingeboren ist an individuellen Fähigkeiten, das hat alles aus dem Kopfe den Ursprung.
[ 21 ] Was der Mensch im Verhältnis zum Menschen wirkt, das hat eben im Wechselverkehr, in dem Leben zwischen der Geburt und dem Tode den Ursprung, wie die Sprache, so alle sozialen Elemente in dem Menschenleben. Aber mit den Erfahrungen, die wir durchmachen, da betreten wir ein viel, viel schwierigeres Kapitel, als die meisten Menschen sich heute vorstellen, denn die Menschen heute werden sehr selten erfahrene Menschen, weil sie die Erfahrung nicht an sich herankommen lassen. Die meisten Menschen haben gegenwärtig sogar ein gewisses Geniertsein vor dem Erfahrenwerden. Wenn sie gestehen sollten, die Menschen, daß sie über etwas anders urteilen als vor zehn Jahren, sind sie beschämt, obwohl sie nicht beschämt sein sollten, daß sie seit zehn Jahren gescheiter geworden sind, aber sie sind doch beschämt. Die Anwendung des Lebens, um weiser zu werden, das ist kein Ideal des heutigen Menschen. Der Mensch verschleudert heute zum großen Teil sein Leben mit Bezug auf das Erfahrenerwerden. Aber in diesem Erfahrenerwerden drückt sich das Individuelle aus. Sie können ein Kapitalgenie sein: das, was Sie durch Ihr Kapitalgenie hervorbringen, dazu wird nur in sehr geringer Weise mitwirken, was Sie durchgemacht haben in Ihren früheren Inkarnationen. Diese früheren Inkarnationen sind meistens höchst unschuldig an dem eigentlichen Genie-Sein, denn das ist etwas, was bewirkt wird durch eine Wechselwirkung des Kosmos mit den Kräften der Vererbung durch Generationen hindurch. Die Genies werden der Menschheit gegeben, werden wahrhaftig nicht vom Himmel fallengelassen, damit sie sich selbst befriedigen. Aber dasjenige, was wir uns erwerben, indem wir von Jahr zu Jahr gescheiter werden, bis in unsere alten Tage hinein, davor genieren sich ganz besonders heute die Leute. Daß wir von Jahr zu Jahr gescheiter werden, daß wir die Erfahrungen des Lebens hinnehmen zum Weiserwerden, das hängt mit unseren Inkarnationen zusammen.
[ 21 ] Was der Mensch im Verhältnis zum Menschen wirkt, das hat eben im Wechselverkehr, in dem Leben zwischen der Geburt und dem Tode den Ursprung, wie die Sprache, so alle sozialen Elemente in dem Menschenleben. Aber mit den Erfahrungen, die wir durchmachen, da betreten wir ein viel, viel schwierigeres Kapitel, als die meisten Menschen sich heute vorstellen, denn die Menschen heute werden sehr selten erfahrene Menschen, weil sie die Erfahrung nicht an sich herankommen lassen. Die meisten Menschen haben gegenwärtig sogar ein gewisses Geniertsein vor dem Erfahrenwerden. Wenn sie gestehen sollten, die Menschen, daß sie über etwas anders urteilen als vor zehn Jahren, sind sie beschämt, obwohl sie nicht beschämt sein sollten, daß sie seit zehn Jahren gescheiter geworden sind, aber sie sind doch beschämt. Die Anwendung des Lebens, um weiser zu werden, das ist kein Ideal des heutigen Menschen. Der Mensch verschleudert heute zum großen Teil sein Leben mit Bezug auf das Erfahrenerwerden. Aber in diesem Erfahrenerwerden drückt sich das Individuelle aus. Sie können ein Kapitalgenie sein: das, was Sie durch Ihr Kapitalgenie hervorbringen, dazu wird nur in sehr geringer Weise mitwirken, was Sie durchgemacht haben in Ihren früheren Inkarnationen. Diese früheren Inkarnationen sind meistens höchst unschuldig an dem eigentlichen Genie-Sein, denn das ist etwas, was bewirkt wird durch eine Wechselwirkung des Kosmos mit den Kräften der Vererbung durch Generationen hindurch. Die Genies werden der Menschheit gegeben, werden wahrhaftig nicht vom Himmel fallengelassen, damit sie sich selbst befriedigen. Aber dasjenige, was wir uns erwerben, indem wir von Jahr zu Jahr gescheiter werden, bis in unsere alten Tage hinein, davor genieren sich ganz besonders heute die Leute. Daß wir von Jahr zu Jahr gescheiter werden, daß wir die Erfahrungen des Lebens hinnehmen zum Weiserwerden, das hängt mit unseren Inkarnationen zusammen.
[ 22 ] Sehen Sie, wenn man bei so etwas eine Persönlichkeit wie die Goethes anschaut, so kommt man zu sehr, sehr merkwürdigen, sehr bedeutungsvollen Resultaten. Man kann sprechen von Goethes Genie. Dieses Goethesche Genie spricht sich schon in seiner Jugend aus. Aber, was da an Fähigkeiten bei ihm hervortritt in seiner Jugend, das hat, ich möchte sagen, den Wert wie etwas vom Himmel Gefallenes. Aber indem Goethe ein alter Mann wird und immer reifer und reifer wird, nie aufhört reifer zu werden, da gestaltet sich nach und nach das, da evolutioniert sich dasjenige, was er aus seinen früheren Inkarnationen mitgebracht hat. Das hassen aber auch die Menschen heute. Goethe selbst mußte sich schon beklagen darüber, daß dasjenige, was er nicht sich als Verdienst anrechnete, die Produktionen seiner Jugend, den Leuten besonders wertvoll war, dagegen dasjenige, was er sich durch seine Lebenserfahrung angeeignet hat, daß sie das ablehnen. Ich habe Ihnen öfter einen Spruch angeführt, den er getan hat mit Bezug auf den ersten Teil seines «Faust», der zweite Teil war dazumal noch nicht in Aussicht:
[ 22 ] Sehen Sie, wenn man bei so etwas eine Persönlichkeit wie die Goethes anschaut, so kommt man zu sehr, sehr merkwürdigen, sehr bedeutungsvollen Resultaten. Man kann sprechen von Goethes Genie. Dieses Goethesche Genie spricht sich schon in seiner Jugend aus. Aber, was da an Fähigkeiten bei ihm hervortritt in seiner Jugend, das hat, ich möchte sagen, den Wert wie etwas vom Himmel Gefallenes. Aber indem Goethe ein alter Mann wird und immer reifer und reifer wird, nie aufhört reifer zu werden, da gestaltet sich nach und nach das, da evolutioniert sich dasjenige, was er aus seinen früheren Inkarnationen mitgebracht hat. Das hassen aber auch die Menschen heute. Goethe selbst mußte sich schon beklagen darüber, daß dasjenige, was er nicht sich als Verdienst anrechnete, die Produktionen seiner Jugend, den Leuten besonders wertvoll war, dagegen dasjenige, was er sich durch seine Lebenserfahrung angeeignet hat, daß sie das ablehnen. Ich habe Ihnen öfter einen Spruch angeführt, den er getan hat mit Bezug auf den ersten Teil seines «Faust», der zweite Teil war dazumal noch nicht in Aussicht:
[ 23 ] Da loben sie den Faust
Und was noch sunsten
In meinen Schriften braust'
Zu ihren Gunsten.
Das alte Mick und Mack,
Das freut sie sehr,
Es meint das Lumpenpack,
Man wär’s nicht mehr.
[ 23 ] Da loben sie den Faust
Und was noch sunsten
In meinen Schriften braust'
Zu ihren Gunsten.
Das alte Mick und Mack,
Das freut sie sehr,
Es meint das Lumpenpack,
Man wär’s nicht mehr.
[ 24 ] Aber das ging ja weit in unsere Tage herein. Wie hat noch der wahre und sehr gescheite, begabte Schwaben-Vischer, der sogenannte V-Vischer, über den zweiten Teil des Goetheschen «Faust» geschimpft, ihn parodiert, ihn ein zusammengeschustertes, zusammengeleimtes Machwerk des Goetheschen Alters genannt, weil man in unserer Zeit nicht viel Empfindung hat für das Reiferwerden, für das Erfahrung-Bekommen. Mit dem hängt aber zusammen, daß das heutige Leben nichts hergibt zu der Beantwortung der Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch als Mensch? — Denn eigentlich kann nur aus der Lebenserfahrung heute die Antwort kommen auf die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch als Mensch? — Aber diese Lebenserfahrung darf nicht so gemacht werden, daß das Geistige dabei ausgeschlossen wird. Man muß im fortschreitenden individuellen Leben nach und nach das Gefühl bekommen können: Du lernst nicht nur von dem äußeren sinnlichen Verlauf der Dinge, sondern du lernst auch aus dem, was aus dem Untergrund der Dinge heraufkommt. Alle diese Dinge sind zu gleicher Zeit so, daß sie heute von einem gewissen höheren Gesichtspunkte aus die Frage fast unvermeidlich machen: Wie lösen wir das Geistesleben vom Staatsleben los? — Würde das Geistesleben mit dem Staatsleben fernerhin verbunden bleiben, so könnte sich dieses Geistesleben nicht so entwickeln, wie es die Menschen brauchen, um wirkliche Lebenserfahrungen zu machen. Der Staat würde das Geistesleben immer mehr verflachen müssen, weil der Staat nicht eingehen könnte auf jene Intimitäten des Geisteslebens, die dann zu den wirklichen Erfahrungen führen. Der Staat könnte sich nur auf ein solches Geistesleben einlassen, das ganz demokratisch wäre, denn dem Staate gehört die Demokratie zu. Das Geistesleben aber in seinen eigenen Tiefen kann nie ganz demokratisch wirken. Sie können nicht in die Tiefe des Geisteslebens und auch nicht in die Tiefe der Menschenerkenntnis hinuntersteigen, wenn Sie bei der Demokratie bleiben. Aber im Staate muß alles demokratisch sein. Im Staate soll nur dasjenige beurteilt werden, was jeder Mensch von jedem Menschen beurteilen kann. So kann aber niemals eine wirkliche Menschenerkenntnis zustande kommen. Die muß weggeschoben werden auf das Gebiet, welches ganz allein eben auf sich selbst gestellt ist und als Geistesleben für sich verläuft. Die Menschen gehen heute aneinander vorbei und werden so lange aneinander vorbeigehen, bis sie sich im Geist erschauen.
[ 24 ] Aber das ging ja weit in unsere Tage herein. Wie hat noch der wahre und sehr gescheite, begabte Schwaben-Vischer, der sogenannte V-Vischer, über den zweiten Teil des Goetheschen «Faust» geschimpft, ihn parodiert, ihn ein zusammengeschustertes, zusammengeleimtes Machwerk des Goetheschen Alters genannt, weil man in unserer Zeit nicht viel Empfindung hat für das Reiferwerden, für das Erfahrung-Bekommen. Mit dem hängt aber zusammen, daß das heutige Leben nichts hergibt zu der Beantwortung der Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch als Mensch? — Denn eigentlich kann nur aus der Lebenserfahrung heute die Antwort kommen auf die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch als Mensch? — Aber diese Lebenserfahrung darf nicht so gemacht werden, daß das Geistige dabei ausgeschlossen wird. Man muß im fortschreitenden individuellen Leben nach und nach das Gefühl bekommen können: Du lernst nicht nur von dem äußeren sinnlichen Verlauf der Dinge, sondern du lernst auch aus dem, was aus dem Untergrund der Dinge heraufkommt. Alle diese Dinge sind zu gleicher Zeit so, daß sie heute von einem gewissen höheren Gesichtspunkte aus die Frage fast unvermeidlich machen: Wie lösen wir das Geistesleben vom Staatsleben los? — Würde das Geistesleben mit dem Staatsleben fernerhin verbunden bleiben, so könnte sich dieses Geistesleben nicht so entwickeln, wie es die Menschen brauchen, um wirkliche Lebenserfahrungen zu machen. Der Staat würde das Geistesleben immer mehr verflachen müssen, weil der Staat nicht eingehen könnte auf jene Intimitäten des Geisteslebens, die dann zu den wirklichen Erfahrungen führen. Der Staat könnte sich nur auf ein solches Geistesleben einlassen, das ganz demokratisch wäre, denn dem Staate gehört die Demokratie zu. Das Geistesleben aber in seinen eigenen Tiefen kann nie ganz demokratisch wirken. Sie können nicht in die Tiefe des Geisteslebens und auch nicht in die Tiefe der Menschenerkenntnis hinuntersteigen, wenn Sie bei der Demokratie bleiben. Aber im Staate muß alles demokratisch sein. Im Staate soll nur dasjenige beurteilt werden, was jeder Mensch von jedem Menschen beurteilen kann. So kann aber niemals eine wirkliche Menschenerkenntnis zustande kommen. Die muß weggeschoben werden auf das Gebiet, welches ganz allein eben auf sich selbst gestellt ist und als Geistesleben für sich verläuft. Die Menschen gehen heute aneinander vorbei und werden so lange aneinander vorbeigehen, bis sie sich im Geist erschauen.
[ 25 ] Das war in älteren Zeiten aus dem Grunde nicht notwendig, weil in alteren Zeiten die Menschen nicht so komplizierte Wesen waren, wie sie heute sind. Die Komplikation in der Menschennatur tritt heute besonders dadurch ein, daß die Menschen eigentlich nur — wie ich es Ihnen von einem anderen Gesichtspunkte aus auseinandergesetzt habe —, das Menschengeschlecht als solches nur siebenundzwanzig Jahre alt wird, das heißt, von selbst sich nur entwickelt bis zum siebenundzwanzigsten Jahre. Was dann noch kommt, das entwickelt sich nicht von selbst wie in alten Zeiten, für das muß die Entwickelung gesucht werden. Und so ist es heute so, daß der junge Mensch bis zu seinem siebenundzwanzigsten Jahre eine Entwickelung durchmacht, wo ihm die Elemente des Menschentums anfliegen. Er erwartet sie bis zu diesem siebenundzwanzigsten Jahr vom Leben. Jetzt kommt das siebenundzwanzigste Jahr, da gibt das Leben selber nichts mehr her. Er tut aber nichts dazu. Daher beginnt von da ab das Leben hohl und leer, öde zu werden, wenn der Mensch sich nicht aufschwingt, das geistige Leben, von dem ich gesagt habe, daß es wie eine Welle sich über die Menschheit ergieße, heute in sich aufzunehmen.
[ 25 ] Das war in älteren Zeiten aus dem Grunde nicht notwendig, weil in alteren Zeiten die Menschen nicht so komplizierte Wesen waren, wie sie heute sind. Die Komplikation in der Menschennatur tritt heute besonders dadurch ein, daß die Menschen eigentlich nur — wie ich es Ihnen von einem anderen Gesichtspunkte aus auseinandergesetzt habe —, das Menschengeschlecht als solches nur siebenundzwanzig Jahre alt wird, das heißt, von selbst sich nur entwickelt bis zum siebenundzwanzigsten Jahre. Was dann noch kommt, das entwickelt sich nicht von selbst wie in alten Zeiten, für das muß die Entwickelung gesucht werden. Und so ist es heute so, daß der junge Mensch bis zu seinem siebenundzwanzigsten Jahre eine Entwickelung durchmacht, wo ihm die Elemente des Menschentums anfliegen. Er erwartet sie bis zu diesem siebenundzwanzigsten Jahr vom Leben. Jetzt kommt das siebenundzwanzigste Jahr, da gibt das Leben selber nichts mehr her. Er tut aber nichts dazu. Daher beginnt von da ab das Leben hohl und leer, öde zu werden, wenn der Mensch sich nicht aufschwingt, das geistige Leben, von dem ich gesagt habe, daß es wie eine Welle sich über die Menschheit ergieße, heute in sich aufzunehmen.


[ 26 ] Diese Krisis, die eigentlich in jeglichem Menschenleben heute ist um das siebenundzwanzigste Jahr — sie dauert dann bis um das fünfunddreißigste Jahr herum —, die drückt sich in charakteristischen Erscheinungen heute aus. Denn alles dasjenige, was in der allgemeinen Menschennatur lebt, das drückt sich in einzelnen Erscheinungen besonders radikal, besonders stark aus. So hat es bis vor kurzer Zeit eine als sehr führend — obwohl sie nicht viel führte — angesehene Persönlichkeit gegeben, die war zu einem bestimmten Zeitpunkt vor eine wichtige Entscheidung gestellt. Aber gleichzeitig mit dieser Entscheidung zeigte sich etwas anderes bei dieser Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit war früher einmal inkarniert im 9. Jahrhunderte der christlichen Zeitrechnung und war in diesem 9. Jahrhunderte an einem südlicheren Orte Europas eine Art schwarzer Magier. Das hat in die jetzige Inkarnation dieser Persönlichkeit so hereingewirkt, daß, als diese Entscheidung eintrat, das entscheidungsvolle Ereignis, diese Persönlichkeit eigentlich starb, das heißt, der Leib von der Seele, die da sich wieder inkarniert hatte, verlassen worden ist. Aber die Persönlichkeit lebte weiter, äußerlich, war trotzdem da. Denken Sie, welche Gelegenheiten für allerlei ahrimanische Geister und Individualitäten, in einem solch gestorbenen Menschen weiterzuleben! Das ist ein Fall von solchen Fällen, wie sie die Komplikation des heutigen Lebens mehrfach hervorbringt. Solche Dinge spielen hinein in dasjenige, was heute Menschenhandlungen sind, in dasjenige, was heute auch Menschenschicksale sind. Man kann heute nicht, ohne wenigstens ein Gefühl zu haben für so einschneidende Dinge, wie ich jetzt einen Fall erwähnt habe, ein Urteil über dasjenige gewinnen, was geschieht. Ich habe oftmals betont, und auch hier sind Persönlichkeiten, denen gegenüber ich öfter betont habe: Über die sogenannte Vorgeschichte dieser Weltkriegskatastrophe wird nicht so geurteilt werden können, wie man früher Geschichte gemacht hat, weil überall Fenster geöffnet waren für ahrimanische Wesenheiten, die hereinkamen. Und weil geistige Ursachen der zweifelhaftesten und sonderbarsten Art hereingespielt haben in die Ereignisse vom Juli 1914, wird man nicht ohne Zuhilfenahme von geistigen Faktoren über dasjenige sprechen können, geschichtlich, was zu dieser Weltkriegskatastrophe geführt hat.
[ 26 ] Diese Krisis, die eigentlich in jeglichem Menschenleben heute ist um das siebenundzwanzigste Jahr — sie dauert dann bis um das fünfunddreißigste Jahr herum —, die drückt sich in charakteristischen Erscheinungen heute aus. Denn alles dasjenige, was in der allgemeinen Menschennatur lebt, das drückt sich in einzelnen Erscheinungen besonders radikal, besonders stark aus. So hat es bis vor kurzer Zeit eine als sehr führend — obwohl sie nicht viel führte — angesehene Persönlichkeit gegeben, die war zu einem bestimmten Zeitpunkt vor eine wichtige Entscheidung gestellt. Aber gleichzeitig mit dieser Entscheidung zeigte sich etwas anderes bei dieser Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit war früher einmal inkarniert im 9. Jahrhunderte der christlichen Zeitrechnung und war in diesem 9. Jahrhunderte an einem südlicheren Orte Europas eine Art schwarzer Magier. Das hat in die jetzige Inkarnation dieser Persönlichkeit so hereingewirkt, daß, als diese Entscheidung eintrat, das entscheidungsvolle Ereignis, diese Persönlichkeit eigentlich starb, das heißt, der Leib von der Seele, die da sich wieder inkarniert hatte, verlassen worden ist. Aber die Persönlichkeit lebte weiter, äußerlich, war trotzdem da. Denken Sie, welche Gelegenheiten für allerlei ahrimanische Geister und Individualitäten, in einem solch gestorbenen Menschen weiterzuleben! Das ist ein Fall von solchen Fällen, wie sie die Komplikation des heutigen Lebens mehrfach hervorbringt. Solche Dinge spielen hinein in dasjenige, was heute Menschenhandlungen sind, in dasjenige, was heute auch Menschenschicksale sind. Man kann heute nicht, ohne wenigstens ein Gefühl zu haben für so einschneidende Dinge, wie ich jetzt einen Fall erwähnt habe, ein Urteil über dasjenige gewinnen, was geschieht. Ich habe oftmals betont, und auch hier sind Persönlichkeiten, denen gegenüber ich öfter betont habe: Über die sogenannte Vorgeschichte dieser Weltkriegskatastrophe wird nicht so geurteilt werden können, wie man früher Geschichte gemacht hat, weil überall Fenster geöffnet waren für ahrimanische Wesenheiten, die hereinkamen. Und weil geistige Ursachen der zweifelhaftesten und sonderbarsten Art hereingespielt haben in die Ereignisse vom Juli 1914, wird man nicht ohne Zuhilfenahme von geistigen Faktoren über dasjenige sprechen können, geschichtlich, was zu dieser Weltkriegskatastrophe geführt hat.
[ 27 ] Aber bedenken Sie, wie notwendig es ist, die Dinge heute wirklich ernst zu nehmen. Nehmen Sie also dasjenige, was ich als Grundphänomen angeführt habe gerade vorhin: Bis zum siebenten Jahre entwickelt der Mensch seinen physischen Leib, bis zum vierzehnten Jahre etwa den Ätherleib, bis zum einundzwanzigsten Jahre den Astralleib, bis zum achtundzwanzigsten Jahre die Empfindungsseele. Da ist aber das siebenundzwanzigste Jahr, das heute besonders wichtig ist. Dann wirken bis zum fünfunddreißigsten Jahre erst Verstandesseele, dann Bewußtseinsseele; in der Verstandesseele — lesen Sie nach in meiner «Theosophie», so finden Sie das —, da geht das Ich auf. Nun entwickelt sich aber der Mensch nach dem, was die Menschennatur hergibt, nur bis zum siebenundzwanzigsten Jahr. Er entwickelt sich so, daß er den Aufgang des Ich in der Verstandesseele erwartet. Das kommt aber nicht von selber, weil die Entwickelung vom achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Jahr nicht mehr von selber vonstatten geht.
[ 27 ] Aber bedenken Sie, wie notwendig es ist, die Dinge heute wirklich ernst zu nehmen. Nehmen Sie also dasjenige, was ich als Grundphänomen angeführt habe gerade vorhin: Bis zum siebenten Jahre entwickelt der Mensch seinen physischen Leib, bis zum vierzehnten Jahre etwa den Ätherleib, bis zum einundzwanzigsten Jahre den Astralleib, bis zum achtundzwanzigsten Jahre die Empfindungsseele. Da ist aber das siebenundzwanzigste Jahr, das heute besonders wichtig ist. Dann wirken bis zum fünfunddreißigsten Jahre erst Verstandesseele, dann Bewußtseinsseele; in der Verstandesseele — lesen Sie nach in meiner «Theosophie», so finden Sie das —, da geht das Ich auf. Nun entwickelt sich aber der Mensch nach dem, was die Menschennatur hergibt, nur bis zum siebenundzwanzigsten Jahr. Er entwickelt sich so, daß er den Aufgang des Ich in der Verstandesseele erwartet. Das kommt aber nicht von selber, weil die Entwickelung vom achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Jahr nicht mehr von selber vonstatten geht.
[ 28 ] Das ist die ungeheure Frage, die vor dem heutigen Menschen steht. Er lebt über das siebenundzwanzigste Jahr hinaus. Er hat nichts dazu getan, um dasjenige zu entwickeln, was das wirkliche Ich-Gefühl gibt und damit das Menschheitsgefühl, das Wissen vom Menschen. Was entsteht? Die Frage: Was ist der Mensch eigentlich? — Die Antwort ist: Weg vom Menschen, zum Übermenschen —, der einen bloßen lyrischen Inhalt abgibt. Oder aber solche Dinge wie: «In mir selbst ist was nicht in Ordnung. Ich bin folglich nicht so zur Welt gekommen, wie es sich für einen Menschen gehört. Ich befinde mich auf besonderer Bahn. Und nicht allein ich. Unserer sind viele. Wir müssen zu absonderlichen Menschen werden und fügen uns in keine Ordnung. Wer ist vor uns schuldig? Selbst sind wir vor uns und vor dem Leben schuldig!»
[ 28 ] Das ist die ungeheure Frage, die vor dem heutigen Menschen steht. Er lebt über das siebenundzwanzigste Jahr hinaus. Er hat nichts dazu getan, um dasjenige zu entwickeln, was das wirkliche Ich-Gefühl gibt und damit das Menschheitsgefühl, das Wissen vom Menschen. Was entsteht? Die Frage: Was ist der Mensch eigentlich? — Die Antwort ist: Weg vom Menschen, zum Übermenschen —, der einen bloßen lyrischen Inhalt abgibt. Oder aber solche Dinge wie: «In mir selbst ist was nicht in Ordnung. Ich bin folglich nicht so zur Welt gekommen, wie es sich für einen Menschen gehört. Ich befinde mich auf besonderer Bahn. Und nicht allein ich. Unserer sind viele. Wir müssen zu absonderlichen Menschen werden und fügen uns in keine Ordnung. Wer ist vor uns schuldig? Selbst sind wir vor uns und vor dem Leben schuldig!»
[ 29 ] Da haben Sie aus der Geisteswissenschaft heraus die Frage: Was ist eigentlich der Mensch? — Sie kommt aus der gegenwärtigen Menschennatur heraus. Ich frage Sie: Ist es nicht eine ernste Aufgabe für die Zukunft, daran zu denken, das Geistesleben, das uns befähigt, Lebenserfahrungen zu machen auch über den Geist, wirklich zu trennen von demjenigen, was niemals intime Lebenserfahrungen geben könnte, von dem demokratischen Staatsleben? Glauben Sie, daß jemals irgend etwas aufkommen könnte an der theologischen oder juristischen oder philosophischen oder medizinischen oder staatswissenschaftlichen oder naturwissenschaftlichen Fakultät — ich glaube, diese Fakultäten gibt es heute schon alle —, was zum Beispiel darauf aufmerksam machen könnte: In dieser gefährlichen Zeit nach dem siebenundzwanzigsten bis zum fünfunddreißigsten Jahre, da kann den Menschen innerlich Verödung ankommen, in einem extremen Fall so, daß die Seele sogar herausfahren kann, so daß der Mensch später eigentlich nur noch scheinbar lebt, indem er besessen ist von irgendeiner ahrimanischen Natur. Die Kompliziertheit des modernen Lebens fordert, daß das Geistesleben wirklich hineinmünden kann in das Geistige. Die Fragen, die die wichtigsten sind, lassen sich heute nicht an der Oberfläche des Lebens anfassen. Und wie sollte die bloße staatliche Demokratie, die auf dem Gebiete des Staatslebens ganz berechtigt ist, es möglich machen, was nun kommen muß über die Menschheit, daß in der Zukunft Menschen auftreten, die immer notwendiger und notwendiger sein werden, die dasjenige, was sie über das Leben zu sagen haben, ganz und gar als geistige Botschaft aus der geistigen Welt bringen. Würde das nicht möglich sein, daß in die Zukunft der Menschheit hinein geistige Botschaft aus der geistigen Welt getragen werde, dann würde die Erdenentwickelung keineswegs ihr Ziel erreichen können. Aber die Möglichkeit des Auftretens eines solchen Geisteslebens hängt an der Freiheit des Geisteslebens, hängt daran, daß wirklich das Geistesleben emanzipiert vom Staate und auf sich selbst gestellt wird. Sonst wird sich immer wieder vollziehen, was einmal irgendwo, weit von hier, geschehen ist: An einer Hochschule, wo immer nur Menschen lehrten, die nichts Besonderes zu sagen hatten, machten sich in der demokratischen Versammlung Rufe laut, es sollten «Kapazitäten» berufen werden. Aber die Demokraten stießen mit ihren Stöcken auf den Erdboden: Wir wollen keine Kapazitäten, wir wollen mittlere Lüt! Mittlere Lüt!
[ 29 ] Da haben Sie aus der Geisteswissenschaft heraus die Frage: Was ist eigentlich der Mensch? — Sie kommt aus der gegenwärtigen Menschennatur heraus. Ich frage Sie: Ist es nicht eine ernste Aufgabe für die Zukunft, daran zu denken, das Geistesleben, das uns befähigt, Lebenserfahrungen zu machen auch über den Geist, wirklich zu trennen von demjenigen, was niemals intime Lebenserfahrungen geben könnte, von dem demokratischen Staatsleben? Glauben Sie, daß jemals irgend etwas aufkommen könnte an der theologischen oder juristischen oder philosophischen oder medizinischen oder staatswissenschaftlichen oder naturwissenschaftlichen Fakultät — ich glaube, diese Fakultäten gibt es heute schon alle —, was zum Beispiel darauf aufmerksam machen könnte: In dieser gefährlichen Zeit nach dem siebenundzwanzigsten bis zum fünfunddreißigsten Jahre, da kann den Menschen innerlich Verödung ankommen, in einem extremen Fall so, daß die Seele sogar herausfahren kann, so daß der Mensch später eigentlich nur noch scheinbar lebt, indem er besessen ist von irgendeiner ahrimanischen Natur. Die Kompliziertheit des modernen Lebens fordert, daß das Geistesleben wirklich hineinmünden kann in das Geistige. Die Fragen, die die wichtigsten sind, lassen sich heute nicht an der Oberfläche des Lebens anfassen. Und wie sollte die bloße staatliche Demokratie, die auf dem Gebiete des Staatslebens ganz berechtigt ist, es möglich machen, was nun kommen muß über die Menschheit, daß in der Zukunft Menschen auftreten, die immer notwendiger und notwendiger sein werden, die dasjenige, was sie über das Leben zu sagen haben, ganz und gar als geistige Botschaft aus der geistigen Welt bringen. Würde das nicht möglich sein, daß in die Zukunft der Menschheit hinein geistige Botschaft aus der geistigen Welt getragen werde, dann würde die Erdenentwickelung keineswegs ihr Ziel erreichen können. Aber die Möglichkeit des Auftretens eines solchen Geisteslebens hängt an der Freiheit des Geisteslebens, hängt daran, daß wirklich das Geistesleben emanzipiert vom Staate und auf sich selbst gestellt wird. Sonst wird sich immer wieder vollziehen, was einmal irgendwo, weit von hier, geschehen ist: An einer Hochschule, wo immer nur Menschen lehrten, die nichts Besonderes zu sagen hatten, machten sich in der demokratischen Versammlung Rufe laut, es sollten «Kapazitäten» berufen werden. Aber die Demokraten stießen mit ihren Stöcken auf den Erdboden: Wir wollen keine Kapazitäten, wir wollen mittlere Lüt! Mittlere Lüt!
[ 30 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, diese Dinge haben schon alle eine ernste, tiefe Grundlage. Und es ist unsere Aufgabe, auf diese ernste, tiefe Grundlage auch hinzuweisen, und vor allen Dingen das furchtbarste Übel der neueren Zeit, die Oberflächlichkeit und Gedankenlosigkeit, zu bekämpfen. Vielfach wird gesagt, die soziale Frage sei auch eine geistige Frage. Aber das Geistesleben muß dann in seinen Fundamenten und wirklich in seiner Tiefe betrachtet werden, sonst bleibt die geistige Betrachtung vor allen Dingen der sozialen Frage eine recht oberflächliche, bleibt an der Oberfläche haften.
[ 30 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, diese Dinge haben schon alle eine ernste, tiefe Grundlage. Und es ist unsere Aufgabe, auf diese ernste, tiefe Grundlage auch hinzuweisen, und vor allen Dingen das furchtbarste Übel der neueren Zeit, die Oberflächlichkeit und Gedankenlosigkeit, zu bekämpfen. Vielfach wird gesagt, die soziale Frage sei auch eine geistige Frage. Aber das Geistesleben muß dann in seinen Fundamenten und wirklich in seiner Tiefe betrachtet werden, sonst bleibt die geistige Betrachtung vor allen Dingen der sozialen Frage eine recht oberflächliche, bleibt an der Oberfläche haften.
[ 31 ] Diese Betrachtungen werden wir dann am nächsten Freitag fortsetzen, oder wenn Freitag, wie gewünscht worden ist, in der Nähe hier irgendwo ein anderer Vortrag sein sollte, dann am Samstag um sieben Uhr.
[ 31 ] Diese Betrachtungen werden wir dann am nächsten Freitag fortsetzen, oder wenn Freitag, wie gewünscht worden ist, in der Nähe hier irgendwo ein anderer Vortrag sein sollte, dann am Samstag um sieben Uhr.
[ 32 ] Jetzt aber bin ich gebeten, Ihnen zu sagen, daß am Mittwoch um acht Uhr in einer der Abteilungen des Schweizerischen Studentenbundes Basel ein Vortrag sein wird von mir über «Soziales Wollen und proletarische Forderungen» im Bernoullianum, wozu Sie von den Studierenden alle freundlich eingeladen sind.
[ 32 ] Jetzt aber bin ich gebeten, Ihnen zu sagen, daß am Mittwoch um acht Uhr in einer der Abteilungen des Schweizerischen Studentenbundes Basel ein Vortrag sein wird von mir über «Soziales Wollen und proletarische Forderungen» im Bernoullianum, wozu Sie von den Studierenden alle freundlich eingeladen sind.
