Past and Future Influences on Social Events
GA 190
6 April 1919, Dornach
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Past and Future Influences on Social Events, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Wenn wir solche Gedanken durch unsere Seele ziehen lassen, wie wir sie gestern wiederum besprochen haben, so tun wir das in Anbetracht des Ernstes unserer Zeit, der ja leider, wie wir wissen, nicht allgemein, ja nicht einmal von einem einigermaßen schon größeren Kreise unserer Zeitgenossen wirklich gefühlt wird. Man wird erst sagen können, daß dieser Ernst der Zeit erfühlt werde, wenn eine größere Anzahl von Menschen die Empfindung haben werden, daß ein Weg, und zwar der unserer Zeit angemessene Weg in ein geistiges Erkennen hinein notwendig ist, und daß dieser Weg in ein geistiges Erkennen hinein gewissermaßen die einzige wirkliche Heilung für Schäden und Krankheiten unserer Zeit ist. Einer solchen Sache gegenüber muß eigentlich in uns die Frage auftauchen: Worinnen liegen die Fundamente der Schäden unserer Zeit? Worinnen liegt das eigentlich Verursachende der Krankheiten unserer Zeit? — Und wenn auch bei sehr vielen Menschen heute die Neigung besteht, diese Schäden, diese Krankheiten unserer Zeit woanders zu suchen als beim Menschen selbst, so ist es dennoch unendlich wichtig, einzusehen, daß dies, die Schäden beim Menschen selbst zu suchen, der einzige Weg ist, der irgendwie zu einem Ziel führen kann.
[ 1 ] When we allow such thoughts to pass through our souls—as we discussed once again yesterday—we do so in light of the gravity of our times, which, as we know, is unfortunately not universally felt, nor even truly felt by a reasonably large circle of our contemporaries. We will only be able to say that this gravity of our times is truly felt when a larger number of people come to realize that a path—specifically, a path appropriate to our times—toward spiritual understanding is necessary, and that this path toward spiritual understanding is, in a sense, the only real cure for the ills and maladies of our time. Faced with such a situation, the question must inevitably arise within us: Where do the foundations of the ills of our time lie? What is the actual cause of the maladies of our time? — And even though many people today are inclined to look for these ills, these maladies of our time, elsewhere than in human beings themselves, it is nevertheless infinitely important to realize that seeking these ills within human beings themselves is the only path that can in any way lead to a goal.
[ 2 ] Wenn wir die Gegenwart überblicken, sehen wir ja, wie vom Osten Europas herüber die Wetterzeichen leuchten. Man kann nun auch heute noch nicht sagen, daß die europäische Menschheit geneigt sei, diese Wetterzeichen irgendwie ins Auge zu fassen. Die Dinge werden doch immer so betrachtet, daß man es unbequem findet, über die großen Angelegenheiten der Menschheit sich wirklich Urteile zu bilden. In solchen Angelegenheiten kann immer wieder und wiederum der Gedanke nützlich sein, der darauf hinweist, was versäumt worden ist. Denn sieht man einigermaßen ein, was versäumt worden ist, so wird man vielleicht abgehalten werden, in der Zukunft in ähnlicher Weise wiederum Versäumnisse herbeizuführen. Vom Osten herüber, von dem hier oftmals gesagt worden ist, daß trotz allem, was da vorgehen mag, dort die Keime für die sechste nachatlantische Kultur liegen, von jenem Osten sind seit langem Wetterzeichen gekommen. Sie waren ja nicht in so blutiger Schrift geschrieben, wie die der letzten Zeit es ist, aber sie wären doch geeignet gewesen, gehört zu werden, ins Auge gefaßt zu werden. Hier ist auf manches seit Jahren hingewiesen worden. Ich möchte einiges von dem zuerst heute, im ersten Teile unserer Betrachtung erwähnen, was hier von der einen oder anderen Seite her schon vorgebracht worden ist. Wenn man auf dasjenige hinblickt, was im Osten Europas seit langem lebt, so könnte man das zusammenfassen in eine für unsere Gegenwart außerordentlich charakteristische Frage, in die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch?
[ 2 ] When we look at the present, we can see how the warning signs are shining from Eastern Europe. Even today, one cannot say that the people of Europe are inclined to take these warning signs seriously in any way. After all, things are always viewed in such a way that people find it inconvenient to truly form judgments about the great affairs of humanity. In such matters, the idea that points out what has been neglected can be useful time and again. For if one gains some understanding of what has been neglected, one may be deterred from causing similar omissions in the future. From the East—about which it has often been said here that, despite whatever may be happening there, the seeds of the sixth post-Atlantean culture lie there—signs have been coming from that East for a long time. They were not written in such bloody letters as those of recent times, but they would still have been worthy of being heard and taken to heart. Many things have been pointed out here for years. Today, in the first part of our discussion, I would like to mention some of what has already been brought up here from one side or the other. When one looks at what has long been alive in Eastern Europe, one could summarize it in a question that is extraordinarily characteristic of our present time: What, after all, is a human being?
[ 3 ] Man kann sagen, diese Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? Was stellt der Mensch vor im Weltenall? — diese Frage ist von den verschiedensten Schichten der Bevölkerung am ernstesten in der neueren Zeit im Osten Europas genommen worden. Der Westen hatte vielfach anderes zu tun, als über die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — nachzudenken. Gewiß, theoretisch wurde viel verhandelt über diese Frage; aber solche theoretischen Verhandlungen, wenn sie nicht durchdrungen sind von wirklichem spirituellem Leben, taugen ja nichts.
[ 3 ] One might say that this question—What, after all, is a human being? What is the human being’s place in the universe?—has been taken most seriously in recent times by the most diverse segments of the population in Eastern Europe. The West, for the most part, had other things to do than to reflect on the question: “What, after all, is a human being?” Certainly, there has been much theoretical discussion of this question; but such theoretical discussions, if they are not imbued with genuine spiritual life, are of no use.
[ 4 ] Ich will nur einiges anführen von dem, was hinweist auf die im Osten sehnsüchtig gestellte Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? Es sind bedeutsame Worte, die gerade von Osten gehört werden konnten. Ich habe schon einmal auf ein solches Wort hingewiesen. Unter denjenigen, welche in der neueren Zeit mitgewirkt haben beim Heraufkommen von Anschauungen über die soziale Frage, war einer der begabtesten Menschen Bakunin, später Marxens Gegner. Im Gegensatze zu Marx, der durchaus aus westeuropäischen Vorstellungen heraus das soziale Leben und die soziale Bewegung angegriffen hat, hat Bakunin aus östlichen Vorstellungen und Impulsen heraus die soziale Bewegung angefaßt. Überall glimmt bei Bakunin so etwas durch von einer Lebensphilosophie, von einer tieferen Auffassung und Anschauung des Lebens. Und so rührt denn auch von Bakunin ein sehr bedeutsames Wort her, das Wort, welches die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — beleuchten will durch einen Kontrast der Vorstellung des Menschen und der Vorstellung Gottes. Sehen Sie, dieses Wort Bakunins, von dem ich sprechen möchte nun, das ist hervorgegangen aus der Empfindung des modernen Lebens bei Bakunin. Er fand: tief in der menschlichen Natur liegt der Impuls der Freiheit, der Impuls des freien Menschen. Was möchte man denn mehr im Leben als ein freier Mensch sein — so etwa könnte man den Sehnsuchtsimpuls eines Menschen, der ähnlich denkt wie Bakunin, ausdrücken. Gegen diesen Sehnsuchtsimpuls der inneren Menschennatur steht bei einem solchen Menschen die andere Empfindung, die er bekommt von der Betrachtung des modernen Lebens, wo der Mensch eingespannt ist, wenn er den bürgerlichen Kreisen angehört, in eine Unsumme von staatlichen und sonstigen Vorurteilen, wenn er den proletarischen Kreisen angehört, in Industrialismus und Kapitalismus, der Mensch ist eigentlich innerhalb des modernen Lebens für den, der so frei und unabhängig dieses Leben betrachtet wie Bakunin, eine Art Sklave. Die Freiheit muß fundamental gefaßt werden, wie ich es versucht habe in meiner «Philosophie der Freiheit». Wenn diese Freiheit nicht so fundamental erfaßt wird, so wird man immer herumgeworfen werden, auf der einen Seite von der Sucht nach der Freiheit, auf der anderen Seite von der Wahrnehmung des gegenwärtigen Lebens, das alles eher realisiert als die Freiheit. Und so blickt Bakunin förmlich auf zu dem, was Jahrtausende sagen, zu den religiösen Gottesempfindungen der Menschheit und kontrastiert dieses mit dem modernen Leben. «Gott ist, also ist der Mensch frei.» Bakunin stellt sich vor, wenn Gott ist, so kann der Mensch nicht anders sein als frei. «Der Mensch ist Sklave, also gibt es keinen Gott. Ich bin überzeugt,» — sagt Bakunin weiter — «daß niemand aus diesem Kreise heraus kann, und jetzt laßt uns wählen.»
[ 4 ] I want to mention just a few things that point to the question so eagerly asked in the East: What, after all, is a human being? These are significant words that could be heard precisely from the East. I have already referred to such a statement once before. Among those who have contributed in recent times to the emergence of views on the social question, one of the most gifted individuals was Bakunin, who later became Marx’s opponent. In contrast to Marx, who approached social life and the social movement entirely from a Western European perspective, Bakunin approached the social movement from Eastern perspectives and impulses. Throughout Bakunin’s work, there is a glimmer of a philosophy of life, of a deeper understanding and perspective on life. And so it is from Bakunin that a very significant phrase originates—a phrase that seeks to shed light on the question: “What, after all, is a human being?”—by contrasting the concept of humanity with the concept of God. You see, this statement by Bakunin, which I would now like to discuss, arose from his perception of modern life. He believed that deep within human nature lies the impulse toward freedom—the impulse of the free human being. What more could one want in life than to be a free human being?—this is roughly how one might express the yearning of a person who thinks similarly to Bakunin. Set against this yearning impulse of inner human nature is, in such a person, the other sensation he derives from observing modern life: where the individual—if he belongs to bourgeois circles—is bound by a vast array of state and other prejudices, and if he belongs to proletarian circles, by industrialism and capitalism; in fact, within modern life, for someone who views this life as freely and independently as Bakunin does, a person is a kind of slave. Freedom must be understood in a fundamental way, as I have attempted to do in my *Philosophy of Freedom*. If this freedom is not grasped in such a fundamental way, one will always be tossed about—on the one hand by the craving for freedom, on the other by the perception of present-day life, which embodies everything other than freedom. And so Bakunin literally looks up to what millennia have taught us—to humanity’s religious sense of God—and contrasts this with modern life. “God exists, therefore man is free.” Bakunin posits that if God exists, then man cannot help but be free. “Man is a slave, therefore there is no God. I am convinced,” Bakunin continues, “that no one can escape this cycle, and now let us choose.”
[ 5 ] Das ist ein Wort, das eigentlich auf die Menschen einen bedeutungsvolleren Eindruck machen sollte als manches Weltereignis, das eben durch seine Außerlichkeit geeignet ist, auf die Sensationen der Menschen einen Eindruck zu machen. Wenn man nur die Menschen dazu bringen könnte, Empfindung zu haben für solch ein Wort, durch das ein moderner Mensch gesteht: Ich komme nicht hinaus über das Dilemma; auf der einen Seite müßte ich sagen: Gott ist, also ist der Mensch frei; auf der anderen Seite aber muß ich sagen: Aber der Mensch ist Sklave, also gibt es keinen Gott! — Wir haben zu wählen, zu wählen zwischen der ewigen Sehnsucht des menschlichen Herzens nach Freiheit, und der unbesieglichen Erfahrung des modernen Lebens, daß der Mensch Sklave ist. Das eine, die Menschennatur selbst, führt zum Gottesbeweis. Das moderne Leben führt zum Atheismus. Und dazwischen gibt es nicht eine Entscheidung — meint Bakunin — auf ein Urteil hin, dazwischen gibt es nur eine Wahl. Man kann so und so wählen, wenn man moderner Mensch ist, weil im Grunde genommen nichts zwingt dazu, etwas anderes zu tun, als zu wählen.
[ 5 ] This is a word that should actually make a more profound impression on people than many world events, which, precisely because of their outward nature, are suited to making an impression on people’s sensibilities. If only one could get people to feel something for such a word, through which a modern person confesses: I cannot escape this dilemma; on the one hand, I must say: God exists, therefore man is free; on the other hand, however, I must say: But man is a slave, therefore there is no God! — We must choose, choose between the eternal longing of the human heart for freedom and the invincible experience of modern life that man is a slave. The one—human nature itself—leads to the proof of God. Modern life leads to atheism. And in between, there is no decision—says Bakunin—based on a judgment; in between, there is only a choice. One can choose one way or the other if one is a modern person, because, fundamentally, nothing compels one to do anything other than choose.
[ 6 ] Nun kann man ja schon sagen, daß die meisten Menschen heute überhaupt nicht wählen, sondern gedankenlos in diesem Dilemma, in diesem Kreise dahinvegetieren geistig, seelisch.
[ 6 ] Well, one could certainly say that most people today don’t make a choice at all, but instead drift aimlessly through this dilemma, this vicious cycle, mentally and emotionally.
[ 7 ] Ein anderes Wort aus dem Osten, das Gorki einen seiner Helden sagen läßt: «Ich will ein kleines Buch schreiben. Ich will es «Das Sterbegebe» nennen; es gibt solche Gebete, man spricht sie über Sterbende. Und diese Gesellschaft, auf der der Fluch der inneren Schwäche lastet, wird, bevor sie verreckt, nach meinem Buche greifen wie nach Moschus.»
[ 7 ] Another phrase from the East that Gorky has one of his heroes say: “I want to write a little book. I want to call it *The Prayer for the Dying*; there are such prayers, spoken over the dying. And this society, burdened by the curse of inner weakness, will, before it dies, reach for my book as if for musk.”
[ 8 ] Sehen Sie, das ist ein solches Wort, welches schon von einem gewissen Gesichtspunkte aus der neueren Menschheit zugerufen werden kann, — doch die neuere Menschheit sucht nur nach allerlei Betäubungsmitteln, seelischen, geistigen Betäubungsmitteln, um ein solches Wort nicht ernst genug nehmen zu müssen. Und im Osten ist ja jene merkwürdige Philosophenschule — nennen wir sie so — entstanden, welche eine Art Lebenskonsequenz des modernen Daseins gezogen hat, die Sekte der Barfüßer-Philosophen, wie sie von manchen genannt werden. Gorki läßt einen solchen Barfüßer die Worte aussprechen: «In mir selbst ist was nicht in Ordnung. Ich bin folglich nicht so zur Welt gekommen, wie es sich für einen Menschen gehört. Ich befinde mich auf besonderer Bahn. Und nicht allein ich. Unserer sind viele. Wir müssen zu absonderlichen Menschen werden und fügen uns in keine Ordnung .... Wer ist vor uns schuldig? Selbst sind wir vor uns und vor dem Leben schuldig!»
[ 8 ] You see, this is the kind of word that, from a certain point of view, can already be called out to modern humanity—yet modern humanity seeks only all manner of narcotics, psychological and spiritual narcotics, so as not to have to take such a word seriously enough. And in the East, after all, that peculiar school of philosophy—let’s call it that—has emerged, one that has drawn a kind of life-consequence from modern existence: the sect of the barefoot philosophers, as some call them. Gorky has one such barefoot philosopher utter the words: “Something is not right within me.” Consequently, I was not born into this world as a human being ought to be. I find myself on a special path. And I am not alone. There are many like us. We must become peculiar people and do not conform to any order.... Who is to blame before us? We ourselves are to blame before ourselves and before life!”
[ 9 ] So sprachen im Osten nicht einzelne Menschen, so sprachen viele, und wenn einmal auch aus äußerlichen Untergründen — was heute noch nicht möglich ist — die Geschichte dieser letzten Wirrjahre Europas wird geschrieben werden können, dann wird man schon finden, wieviel Anteil eine solche Weltanschauung an dem ganzen Schicksal unserer Zeit hat, wie aber andererseits auch eine solche Weltanschauung begründet ist in dem, was ich gestern charakterisiert habe als die Verworrenheit, die Oberflächlichkeit, die Gedankenlosigkeit unseres Zeitalters.
[ 9 ] In the East, it was not just a few individuals who spoke this way—many did—and even if, for the time being, this was due to external factors—which is not yet possible today — the history of these last turbulent years in Europe can be written, then one will surely discover just how much such a worldview has contributed to the entire fate of our time, and how, on the other hand, such a worldview is rooted in what I characterized yesterday as the confusion, superficiality, and thoughtlessness of our age.
[ 10 ] Da muß man sich denn doch immer wieder und wiederum fragen: Wie drückt sich denn in den Einzelheiten dasjenige aus, was ich schon gestern sagte, daß unser Zeitalter, insbesondere seit dem Anfange des 18. Jahrhunderts, durchgeht wie durch eine Welle von Verwirrung, wie durch eine Welle von sich bildenden, die Menschen verwirrenden Gedankenknäueln? Sehen Sie, etwas, was zur Aufklärung über diese Frage dienen kann, kann eigentlich nur auf dem Boden einer wirklichen Geisteswissenschaft gefunden werden. Was ist denn eigentlich dasjenige, was am leichtesten sich heute unter einer gewissen Sorte von Menschen verbreitet? Gedanken, sogenannte Gedanken! Es sind allerdings meistens Gedanken, die in Worten zum Ausdrucke kommen, Vorstellungen, die auf bedrucktem Papier heute eine rasche Verbreitung gewinnen können, Gedanken namentlich von der Art, auf welche die Menschen am meisten stolz sind, über das sinnlich-materielle Leben, wie sie die Naturwissenschaft, die ja hinlänglich popularisiert wird, in allen Kreisen heute treibt. Es sollte einmal verglichen werden, welch gewaltiger Unterschied zwischen dem Seelenleben der heutigen Menschen besteht und dem Seelenleben eines Menschen etwa noch des 15. Jahrhunderts, ja des 16. Jahrhunderts. Damals teilte man sich die Gedanken mit; man las nicht jeden Morgen bedrucktes Papier mit den Gedanken, die dann eigentlich den Menschen durch den ganzen Tag hindurch, meistens ohne daß er irgendwie etwas davon ahnt, tragen. Was macht es schon heute auf den Menschen viel Eindruck, wenn er am Sonntag eine Predigt hört, nachdem er aus ganz anderen Gedankenunterlagen heraus seine Zeitung gelesen hat? Dadurch wird eine gewisse Bildung verbreitet. Aber in unserem Zeitalter ist diese Bildung ganz ohne eigentlichen wirklichen geistigen Inhalt, denn wirklicher geistiger Inhalt kann erst wiederum durch eine spirituelle Kultur kommen.
[ 10 ] So one must ask oneself again and again: How, in the details, is what I said yesterday expressed—namely, that our age, especially since the beginning of the 18th century, is passing through a wave of confusion, a wave of tangled thoughts that are forming and bewildering people? You see, anything that can shed light on this question can really only be found on the basis of a true spiritual science. What, after all, is the thing that spreads most easily today among a certain kind of people? Thoughts—so-called thoughts! Admittedly, these are mostly thoughts expressed in words—ideas that can spread rapidly today on printed paper—thoughts, in particular, of the kind of which people are most proud: thoughts about sensory-material life, as promoted today in all circles by the natural sciences, which are, after all, sufficiently popularized. One should compare the enormous difference between the inner life of people today and that of a person from, say, the 15th century—or even the 16th century. Back then, people shared their thoughts with one another; they did not read printed paper every morning containing the thoughts that then actually carry a person through the entire day, usually without them having the slightest inkling of it. What impression does it really make on people today when they hear a sermon on Sunday after having read their newspaper with a completely different frame of mind? This helps spread a certain kind of education. But in our age, this education is entirely devoid of any real spiritual content, for true spiritual content can only come about through a spiritual culture.
[ 11 ] Nun haben Gedanken, wie sie in der neueren Zeit verbreitet werden, gar keinen wirklichen Menschheitswert, wenn diese Gedanken nicht bezogen werden können auf das übersinnliche Leben. Alle Gedanken — das ist etwas radikal gesprochen, aber es ist richtig —, die nicht angeknüpfe werden können an das übersinnliche Leben, sind eigentlich dem Menschen schädlich. Und darinnen liegt eine der Hauptkrankheiten unserer Zeit, daß aus allen möglichen Untergründen heraus, namentlich aus der Popularisierung der naturwissenschaftlichen Vorstellungen, Gedanken verbreitet werden, die dann nicht von den Menschen auf das übersinnliche Leben bezogen werden, und die deshalb schädlich sind. Gedanken sollten eigentlich immer auf das übersinnliche Leben bezogen werden. Sie wirken zerstörerisch, vernichtend auf das menschliche Leben, wenn sie nicht auf das Übersinnliche bezogen werden. Denn ohne die Beziehung der Gedanken, die im Menschen erzeugt werden, auf das Übersinnliche, kann nämlich die Kardinalfrage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — gar nicht beantwortet werden. Da der Mensch mit seinem Wesen schon einmal das Übersinnliche hat, so bleibt immer für ihn etwas Odes, etwas ihn im Tiefsten Unbefriedigendes, wenn er Gedanken, die ja auf übersinnliche Art doch in ihm erzeugt werden, nicht auf das Übersinnliche beziehen kann. Nun wird niemals die Sehnsucht nach einer Antwort auf die Frage in der Menschenseele erlöschen, die Sehnsucht nach einer Beantwortung der Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — Diese Sehnsucht kann nicht erlöschen. Sie kann betäubt werden, der Mensch kann gewissermaßen sich selber die Besinnung nehmen, so daß diese Besinnung nicht hinreicht bis zu der Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — Dann wird in allerlei nervösen und sonstigen Zuständen diese Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — in dem Menschen wühlen. Aber ausgelöscht aus dem menschlichen Seelenleben kann diese Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch? — nicht werden.
[ 11 ] Now, ideas such as those that have become widespread in recent times have no real value for humanity unless they can be related to the supersensible life. All thoughts—to put it rather radically, but it is true—that cannot be connected to the supersensible life are actually harmful to human beings. And therein lies one of the main ills of our time: that from all sorts of sources—notably the popularization of scientific ideas—thoughts are disseminated that people do not relate to the supersensible life, and which are therefore harmful. Thoughts should, in fact, always be related to the supersensible life. They have a destructive, devastating effect on human life if they are not related to the supersensible. For without relating the thoughts generated within a human being to the supersensible, the fundamental question—“What, in fact, is a human being?”—cannot be answered at all. Since human beings, by their very nature, already possess the supersensible, there will always remain for them a sense of loss, something that leaves them deeply unsatisfied, if they cannot relate the thoughts—which are, after all, generated within them in a supersensible way—to the supersensible. Now, the longing for an answer to this question will never die out in the human soul—the longing for an answer to the question: What, in fact, is a human being?—This longing cannot die out. It can be numbed; a person can, in a sense, deprive themselves of self-reflection, so that this reflection does not extend to the question: What, in fact, is a human being? — Then, in all manner of nervous and other states, this question—“What, after all, is a human being?”—will gnaw at the person. But this question—“What, after all, is a human being?”—cannot be extinguished from the life of the human soul.
[ 12 ] Nun war gerade das 19. Jahrhundert mit seiner Gesamtkultur ganz und gar nicht geeignet, diese Frage in einer menschenbefriedigenden Art zu beantworten. Große Impulse des Zeitalters drücken sich dann immer in bedeutungsvollen Symptomen aus. Ein solches bedeutungsvolles Symptom für das ganze neuere Geistesleben ist das Dasein Friedrich Nietzsches. Es ist ja sehr zu beklagen, daß das neuzeitliche Spießer- und Philistertum sich auch als Anhängerschaft Nietzsches geriert hat, und daß vor allen Dingen der Blick nicht geworfen worden ist, oder wenigstens von wenigen nur geworfen worden ist auf das eigentliche Phänomen Nietzsche.
[ 12 ] Yet the 19th century, with its overall culture, was entirely unsuited to answering this question in a way that would satisfy humanity. The great impulses of an era are always expressed in significant symptoms. One such significant symptom of modern intellectual life as a whole is the existence of Friedrich Nietzsche. It is indeed very regrettable that modern-day narrow-mindedness and philistinism have also masqueraded as followers of Nietzsche, and that, above all, attention has not been paid—or at least has been paid by only a few—to the actual phenomenon of Nietzsche.
[ 13 ] Ich habe es immer so ausgesprochen, daß ich gesagt habe: In Nietzsche stellt sich der moderne Mensch dar, welcher seelisch am meisten gelitten hat und auch daran zugrunde gegangen ist an der Kultur des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts. Ich sagte oftmals: Die anderen haben diese Kultur des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Da war Schopenhauer. Er hat ein gewisses Stück der Kultur des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Nietzsche hat daran gelitten als Schopenhauerianer. Da war Richard Wagner, auch er hat ein Stück Kultur des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Nietzsche hat daran gelitten als Wagnerianer. Da war der wiedererneuerte Voltairismus, die freie Geistigkeit aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts; Haeckel, Büchner, Feuerbach und andere haben diese Freigeisterei vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hervorgebracht. Nietzsche hat daran gelitten. Innerhalb der ganzen neueren Kultur drückt sich aus im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, daß diese Kultur sich selbst ad absurdum führen muß. Die Kunst lief ein in Werte, die man nur dann begreifen konnte, wenn man sie in ihrer Selbstauflösung begriff. Die Wissenschaft kam immer mehr und mehr dazu, ihre eigene Nichtigkeit gegenüber dem Übersinnlichen als höchste Weisheit zu predigen. Nietzsche litt daran. Er litt an Schopenhauer, an Richard Wagner, an dem wiederauferweckten Voltairismus vom letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, er litt an der ganzen Kultur des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, und prägte aus diesem Leiden heraus zwei grandiose, überwältigende, aber Verzweiflung weckende Ideen, die Idee vom Übermenschen und die Idee von der Wiederkunft des Gleichen. Die Idee vom Übermenschen warum Übermensch? Weil man keine Möglichkeit hatte, die Frage: Was ist denn der Mensch? — zu beantworten. Das bewirkte in einem so Leidenden, wie es Nietzsche war, die Flucht vor dem Menschen, das Hineilen zu etwas, was den Menschen überwindet. Übermensch ist für Nietzsche einfach das starke, große Illusionsmittel, Betäubungsmittel gegen die Unmöglichkeit, aus der Kultur des 19. Jahrhunderts heraus zu einer Anschauung über den Menschen zu kommen.
[ 13 ] I have always put it this way: Nietzsche embodies the modern human being who suffered the most emotionally—and who was also destroyed by—the culture of the last third of the 19th century. I often said: The others gave rise to this culture of the 19th century. There was Schopenhauer. He contributed a certain aspect of the culture of the 19th century. Nietzsche suffered from it as a Schopenhauerian. There was Richard Wagner; he, too, contributed an aspect of the culture of the 19th century. Nietzsche suffered from it as a Wagnerian. Then there was the revived Voltaireanism, the free-thinking spirit of the last third of the 19th century; Haeckel, Büchner, Feuerbach, and others gave rise to this free-thinking spirit of the last third of the 19th century. Nietzsche suffered because of it. Throughout the entire modern culture of the last third of the 19th century, it became evident that this culture was bound to reduce itself to absurdity. Art converged on values that could only be understood by perceiving them in their self-dissolution. Science increasingly came to preach its own insignificance in the face of the supernatural as the highest wisdom. Nietzsche suffered from this. He suffered from Schopenhauer, from Richard Wagner, from the revived Voltaireanism of the last third of the 19th century; he suffered from the entire culture of the last third of the 19th century, and out of this suffering he forged two grandiose, overwhelming, yet despair-inducing ideas: the idea of the Übermensch and the idea of the return of the same. The idea of the Übermensch—why the Übermensch? Because there was no way to answer the question: “What, then, is man?” This led a man suffering as deeply as Nietzsche did to flee from humanity, to rush toward something that transcends humanity. For Nietzsche, the Übermensch is simply a powerful, grand illusion—an anesthetic against the impossibility of arriving at a conception of man from within 19th-century culture.
[ 14 ] Wiederkunft des Gleichen: Man muß sich nur den ganzen Ernst dieser Idee bei Nietzsche vorstellen. Denken Sie nur einmal, wie wir hier sitzen und vereinigt sind jetzt, sind wir schon unzählige Male so da gesessen und werden unzählige Male wiederum da sitzen; jeder von uns hat unzählige Male das durchgemacht, was er jetzt in dieser Zeit durchmacht und wird es unzählige Male wiederum durchmachen. Keine Evolution, welche wirklich aufkommen läßt den Gedanken an einen Aufstieg an einen Fortschritt. — Weil man nicht zu einer Anschauung über den Menschen kommen kann, deshalb Übermensch, weil man keinen wirklichen Fortschritt in der Entwickelung weder der Menschheit noch des Kosmos denken kann, Wiederkunft des Gleichen. Nietzsche ist zu diesen Konsequenzen gekommen. Die anderen, die vielleicht lachen über diese Konsequenzen, sie kommen nicht dazu aus Gedankenlosigkeit. Denn entweder kommt man zu diesen Konsequenzen, oder man muß zur Geisteswissenschaft sich wenden, die nicht vom Übermenschen spricht, aber von demjenigen spricht, was sich schon entwickelt hat durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, durch die Erdenentwickelung durch und weiterhin in den kosmischen Metamorphosen unserer Erde, und die auch nicht von der Wiederkunft des Gleichen spricht, sondern die in der Lage ist, von einem wirklichen Fortschritt — lesen Sie nur meine «Geheimwissenschaft im Umriß» — zu sprechen. Aber wo ist Neigung heute vorhanden, diese Dinge in ihrem vollen Ernste zu betrachten? Was ist denn für die meisten Menschen unendlich viel wichtiger, als diese große, weltumfassende Angelegenheit?
[ 14 ] The Return of the Same: One need only imagine the full gravity of this idea in Nietzsche. Just think for a moment how we are sitting here, united as we are now; we have sat here countless times before and will sit here countless times again; each of us has gone through countless times what we are going through now in this moment and will go through it countless times again. No evolution that truly gives rise to the idea of an ascent or progress. — Because one cannot arrive at a conception of humanity—hence the “Overman”—because one cannot conceive of any real progress in the development of either humanity or the cosmos: the recurrence of the same. Nietzsche has arrived at these conclusions. The others, who perhaps laugh at these conclusions, do so out of thoughtlessness. For either one arrives at these conclusions, or one must turn to spiritual science, which does not speak of the “Superman,” but of that which has already developed through the Saturn, Sun, and Moon eras, through Earth’s evolution and onward into the cosmic metamorphoses of our Earth, and which also does not speak of the return of the same, but is capable of speaking of real progress—just read my *Outline of the Secret Science*. But where is the inclination today to regard these things with their full seriousness? What, after all, is infinitely more important to most people than this great, all-encompassing matter?
[ 15 ] Aus allen solchen Voraussetzungen heraus muß man fragen: Was liegt denn da eigentlich vor? — In allen Tiefen kommt man heute nicht leicht dem bei, was da eigentlich vorliegt. Ich möchte einen besonderen Gesichtspunkt heute erwähnen. Wenn man sich bemüht, die Erlebnisse derjenigen Menschen ins Auge zu fassen, die eben oder vor kurzer Zeit durch die Todespforte gegangen sind, die also am Beginne desjenigen Lebens stehen, welches geführt wird zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, da bemerkt man etwas sehr eigentümliches. Ich gestehe Ihnen offen, meine lieben Freunde, daß diese Bemerkung, von der ich Ihnen jetzt spreche, mir lange etwas recht Unerklärliches gewesen ist, daß man nur nach und nach zurechtkommt, wenn man eine solche Tatsache gefunden hat. Es ist die Tatsache, daß eine große Anzahl von Menschen, die heute, das heißt in unserer Gegenwart, durch die Todespforte gehen, durch dasjenige, was sie nach dem Tode erleben, außerordentlich überrascht sind über das Unbekannte, das da vor ihnen steht. Ich habe Ihnen ja von dem gesprochen, was der Tote erlebt, nachdem er durch die Todespforte gegangen ist. In all das, was leichter verständlich ist, mit dem man leichter zurechtkommt und über das auch leichter zu sprechen ist, mischt sich eben so manches hinein, was man nicht anders charakterisieren kann, als indem man sagt: es überrascht den Toten, daß so etwas auch da ist. Das auf der einen Seite. Es lebt in ihm das Bewußtsein, daß er eigentlich nicht gedacht haben würde, daß Erlebnisse solcher Art vor seine Seele treten würden.
[ 15 ] Given all these circumstances, one must ask: What is actually going on here? — Even when delving into the deepest depths, it is not easy today to grasp what is actually happening. I would like to mention a particular point of view today. When one endeavors to contemplate the experiences of those people who have just or recently passed through the gate of death—who are thus at the beginning of that life lived between death and a new birth—one notices something very peculiar. I confess to you openly, my dear friends, that this observation I am now speaking of has long been something quite inexplicable to me—something one can only gradually come to terms with once one has encountered such a fact. It is the fact that a large number of people who pass through the gate of death today—that is, in our presence—are extraordinarily surprised by what they experience after death, by the unknown that lies before them. I have, after all, spoken to you about what the deceased experiences after passing through the gate of death. Amid all that is easier to understand—things one can more readily come to terms with and that are also easier to talk about—there are many elements that cannot be characterized in any other way than by saying: it surprises the deceased that such things exist there as well. That is one aspect. The awareness lives within them that they would not actually have imagined that experiences of this kind would present themselves to their soul.
[ 16 ] Auf der anderen Seite bei älter gestorbenen Menschen — bei jugendlich Gestorbenen ist es weniger der Fall — zeigt sich dieses, das mit einer gewissen Unbekanntheit vor die Seele tritt, zugleich deutlich, daß es mit dem Menschen selbst etwas zu tun hat, daß es irgendwie von dem Menschen, der da durch die Todespforte gegangen ist, eigentlich herrührt. Also etwas Unbekanntes ist es, dem der Tote begegnet, aber zugleich etwas, von dem er deutlich weiß, es rührt von ihm selbst her, wie gesagt, namentlich dann, wenn er zu den älter gestorbenen Menschen gehört.
[ 16 ] On the other hand, in the case of people who died at an older age—this is less often the case with those who died young—this phenomenon, which presents itself to the soul with a certain air of unfamiliarity, also makes it clear that it has something to do with the person themselves, that it actually originates, in some way, from the person who has passed through the gate of death. So it is something unknown that the deceased encounters, but at the same time something that he clearly knows originates from himself—as I said, especially if he is among those who died at an older age.
[ 17 ] Wenn man diese Tatsache bemerkt, so findet man wirklich recht schwer eine Erklärung dafür. Erst dann findet man eine Erklärung dafür, wenn man es ganz ernst nimmt mit etwas anderem, was man im Zusammenhange damit betrachten muß, nämlich mit der Tatsache, daß der heutige Mensch, der in die heutige Lebensordnung hereingestellt ist, eine große Summe von Dingen erlebt, von denen er entweder gar nichts weiß, oder über die er sich alle möglichen Illusionen macht. Es ist eine ganze weite Summe von Erlebnissen, die man zu den unterbewußten Erlebnissen zählen kann, die an den Menschen herankommen, geradeso wie dasjenige, was er bewußt durchlebt, die er aber entweder gar nicht beachtet, während sie doch in ihm vorgehen, oder denen er eine ganz falsche Deutung gibt. Das ist ja überhaupt das Charakteristische des heutigen Menschen, daß dieser heutige Mensch gern umdeutet dasjenige, was er selbst erlebt. Er mag sich über sich selbst nicht gerne wahrheitsgemäße Rechenschaft geben. Er möchte dasjenige, was zusammenhängt mit seiner Einstellung zu der Welt, nach der einen oder nach der anderen Seite färben. Man prüfe sich nach dieser Richtung nur einmal und frage sich, wie oft man eigentlich sich eingesteht, daß man unrecht hat in einer Sache. Man wird da, wo man sich eingestehen sollte, daß man unrecht hat, in den meisten Fällen irgend etwas anderes vorstellen, was einen hinwegbetäubt über dasjenige, was man sich sonst sagen müßte: daß man in irgendeiner Sache unrecht hat. Aber das ist nur eine von den Erscheinungen, welche schon äußerlich den Menschen darauf hinweisen könnten, daß er vieles heute unterbewußt erlebt, worüber er sich in seinem Bewußtsein Illusionen macht. Wird man etwas älter und stirbt dann, dann hat man eine große Summe solcher unterbewußter Erfahrungen in sich. Und diese unterbewußten Erfahrungen sind es, welche wie umgestaltet in Wesenhaftes nach dem Tode dem Menschen entgegentreten. Findet man diesen Zusammenhang heraus zwischen dem unterbewußten Erlebten und dem, was der Tote, nachdem er durch die Todespforte gegangen ist, Überraschendes erlebt, dann kommt man erst mit dieser Erscheinung zurecht, dann kommt man erst dazu, zu begreifen, warum so viele Menschen, die heute gar nicht gern nachdenken darüber, wie sie das eine und das andere erleben, sondern es im Unterbewußten lassen, wie die überrascht sind, wenn ihnen nun diese ganze unterbewußte Sache, nachdem sie durch die Todespforte gegangen sind, wirklich entgegentritt. Sie sind davon überrascht, trotzdem sie die Dinge erlebt haben, und sie müssen zu gleicher Zeit empfinden, daß sie mit dem, was sie erleben, selbst sehr viel zu tun gehabt haben. Es ist eigentlich ein Teil ihres eigenen Lebens, der entweder gar nicht oder nur sehr undeutlich bemerkte Teil ihres eigenen Erlebens.
[ 17 ] When one notices this fact, it is indeed quite difficult to find an explanation for it. One can only find an explanation for it when one takes very seriously something else that must be considered in this context, namely the fact that modern human beings, living within today’s social order, experience a vast array of things about which they either know nothing at all or harbor all sorts of illusions. It is a vast array of experiences that can be counted among the subconscious experiences that affect people, just like those they consciously go through—but which they either ignore entirely, even though they are taking place within them, or to which they assign a completely false interpretation. This, in fact, is the defining characteristic of modern man: that he readily reinterprets what he himself experiences. He does not like to take an honest account of himself. He wants to color what relates to his attitude toward the world in one direction or another. Just examine yourself in this regard once and ask yourself how often you actually admit to yourself that you are wrong about something. In most cases, where you should admit that you are wrong, you will imagine something else that numbs you to what you would otherwise have to tell yourself: that you are wrong about something. But this is only one of the phenomena that could already outwardly indicate to a person that they are unconsciously experiencing many things today about which they harbor illusions in their conscious mind. As one grows older and then dies, one carries within oneself a vast accumulation of such subconscious experiences. And it is these subconscious experiences that, as if transformed into something essential, confront a person after death. Once one discovers this connection between what was experienced subconsciously and what the deceased, after passing through the gate of death, experiences something surprising—only then can one come to terms with this phenomenon; only then can one begin to understand why so many people today, who do not like to reflect on how they experience this or that but leave it in the subconscious, are so surprised when this entire subconscious realm truly confronts them after they have passed through the gate of death. They are surprised by it, even though they have experienced these things, and at the same time they must realize that they themselves had a great deal to do with what they are experiencing. It is actually a part of their own life—a part of their own experience that they either did not notice at all or only very vaguely.
[ 18 ] Solche Dinge in der richtigen Weise zu würdigen, ist heute eine notwendige, aber noch schwierige Aufgabe des geisteswissenschaftlichen Erkennens. Aber der Hinweis auf diese Tatsache ist für unsere Zeit von einer ganz fundamentalen Wichtigkeit. Denn erst wenn man von diesen Dingen ausgeht, kann man eigentlich eine ganz vernünftige Antwort auf die Frage bekommen: Warum gestaltet sich die Antwort auf die Frage: Was ist eigentlich der Mensch? — für den gegenwärtigen Menschen zu einer so außerordentlich schwierigen?
[ 18 ] Appreciating such things in the right way is today a necessary, yet still difficult, task of humanities scholarship. But pointing out this fact is of fundamental importance for our time. For only by taking these things as a starting point can one actually arrive at a truly reasonable answer to the question: Why has the answer to the question “What is a human being, really?” become such an extraordinarily difficult one for people today?
[ 19 ] Wenn man das menschliche Leben in seiner inneren Entwickelung ganz nimmt, so zerfällt es eigentlich in drei Teile. Der eine umfaßt dasjenige, was wir als unsere Begabungen, unsere Talente, unsere Fähigkeiten empfinden. Der zweite Teil umfaßt alles dasjenige, was wir im Verkehr mit unseren Mitmenschen, durch die Wechselwirkung unseres Bewußtseins mit dem Bewußtsein anderer Menschen entwickeln. Und das dritte Gebiet umfaßt unsere Erfahrung. Unsere Zeit verhält sich zu diesen drei Teilen der Menschennatur sehr, sehr einseitig, berücksichtigt eigentlich nur den mittleren Teil. Gewiß, es wird ja heute von gewissen Seiten her viel gejammert über das Verkennen begabter Menschen, aber es sind zumeist die begabten Menschen selber, die so jammern. Die hingebungsvolle Art, Begabungen zu pflegen, die kommt ja immer mehr und mehr ab. Ebenso kommt aber eigentlich die Schätzung der menschlichen Erfahrung ab. Der Mensch ist sich heute nicht mehr bewußt — ich habe das öfters ausgeführt —, daß man nicht bloß älter wird, sondern daß man im Alterwerden Erfahrung ansammelt, daß man im Älterwerden klüger, weiser wird. Dieses Gefühl für die menschliche Entwickelung, das kommt auch den Menschen immer mehr und mehr abhanden. Die Menschen wollen heute, nachdem sie ein gewisses Alter erreicht haben, alle gleich weise sein, über alles in gleicher Weise mitreden, und nach der Ansicht vieler soll sich in dieses Mitreden weder die Begabung hineinmischen, noch die durch das Leben errungene Erfahrung. Darauf beruht im Grunde genommen unsere ganze demokratische Weltanschauung, die immer dazu neigen wird, sich selbst ihr Grab zu schaufeln: daß der Mensch, nachdem er ein gewisses Alter erreicht hat, im Verein mit seinen Mitmenschen über Gott und über die Welt und über noch drei Dörfer, über alles mögliche Entscheidungen treffen kann.
[ 19 ] If we consider human life in its inner development as a whole, it can actually be divided into three parts. The first encompasses what we perceive as our gifts, our talents, and our abilities. The second part encompasses everything we develop in our interactions with our fellow human beings, through the interplay of our consciousness with the consciousness of others. And the third area encompasses our experience. Our time takes a very, very one-sided view of these three aspects of human nature, really taking into account only the middle one. Certainly, there is a lot of complaining today from certain quarters about the failure to recognize gifted people, but it is mostly the gifted people themselves who are complaining. The devoted way of nurturing gifts is, after all, fading more and more. But the appreciation of human experience is also fading away. People today are no longer aware—as I have often pointed out—that one does not merely grow older, but that in growing older one accumulates experience, that in growing older one becomes wiser and more discerning. This sense of human development is also increasingly being lost to people. Today, once they have reached a certain age, people all want to be equally wise, to have an equal say in everything; and in the view of many, neither natural talent nor the experience gained through life should play a role in this participation. This is, in essence, the foundation of our entire democratic worldview—a worldview that will always tend to dig its own grave: that once a person has reached a certain age, they can make decisions—together with their fellow human beings—about God, the world, and three more villages, about absolutely everything.
[ 20 ] Dasjenige aber, was der Mensch in Verein mit seinen Mitmenschen durch die Wechselwirkung von Bewußtsein zu Bewußtsein entwickelt, das gehört nur dem einen Gebiete des sozialen Lebens, dem Staatsleben an. Der Staat ist allerdings der Götze geworden, gerade aus dem Grunde, weil man nur dasjenige gelten lassen will, was auf die eben angedeutete Weise unter den Menschen pulsiert. Die beiden anderen Gebiete will man nicht als selbständige soziale Organisationen gelten lassen, weil ja in der geistigen Organisation die besondere Pflege der individuellen Fähigkeiten da sein würde. Und in der wirtschaftlichen Organisation würde vor allen Dingen das wirklich ganz durch innere Kräfte zur Geltung kommen, was man die Erfahrung nennt. Im Lebenswirtschaften wird man eigentlich nur gescheiter, wobei ich natürlich unter Lebenswirtschaften nicht bloß Kühe melken und Kohl kochen verstehe, sondern das Lebenswirtschaften im weitesten Kreise. Zum Wirtschaften gehört auch Geistiges, insofern geistige Leistungen einen bestimmten Warenwert haben, und den müssen sie ja haben, sonst würde man von geistigen Leistungen niemals leben können. Sie haben natürlich auch auf anderem Gebiete einen Wert, aber sie haben Warenwert. Gerade aus diesem Wirtschaften, zu dem also das Erzeugen von geistigen Werten gehört, insofern diese Werte Warenwerte sind, ergibt sich die Erfahrung. Nun weiß man heute außer dem Gebiete der Geisteswissenschaft eigentlich gar nicht zu unterscheiden zwischen diesen drei Gebieten der menschlichen Natur, Untere gewöhnlichen Begabungen, durch die wir entweder in.den. einen oder in dem anderen geistigen Zweige begabt sind, oder durch die wir für das eine oder andere geschickt sind, denn auch körperliche Geschicklichkeiten gehören zu den individuellen Begabungen, alle diese Dinge gehören eigentlich, so wie der Mensch heute ist, nicht ganz der individuellen Menschennatur an. Im Grunde genommen, so paradox Ihnen das klingt, je genialer heute ein Mensch ist, desto weniger ist er eigentlich ein individueller Mensch. Denn unsere Begabungen, unsere individuellen Fähigkeiten, sie werden erzeugt durch eine Wechselwirkung des Kosmos vor unserer Geburt beziehungsweise vor unserer Empfängnis, mit den Kräften der Vererbung durch viele Generationen hindurch. Das habe ich einmal dargestellt, wie das ist. Unsere genialen Begabungen und überhaupt unsere individuellen Fähigkeiten sind alle vom Kopf abhängig. Worinnen auch die besondere Begabung eines Menschen bestehen mag, mag sie auch scheinbar zusammenhängen mit besonderen Muskelausbildungen, diese besonderen Begabungen haben doch im Kopfe ihren Ursprung, auch insoferne sich diese Begabungen in der Menschenstatur und dergleichen ausdrücken. Ob einer ein Riese ist, der Bäume zerbrechen kann, dickstämmige Bäume, oder ob einer ein kleiner Knirps ist, davon hängt doch seine individuelle Fähigkeit in vieler Beziehung ab. Das hat alles im Kopfe den Ursprung. Was am Menschen gewissermaßen eingeboren ist an individuellen Fähigkeiten, das hat alles aus dem Kopfe den Ursprung.
[ 20 ] But what human beings develop in association with their fellow human beings through the interaction of consciousness with consciousness belongs solely to one sphere of social life: political life. The state has, however, become an idol, precisely because people are willing to accept only that which pulsates among human beings in the manner just described. They do not want to recognize the other two spheres as independent social organizations, because the spiritual organization would involve the special cultivation of individual abilities. And in the economic organization, what is called “experience” would come to the fore above all else, driven entirely by inner forces. In the management of life, one actually only becomes wiser—though by “management of life” I do not, of course, mean merely milking cows and cooking cabbage, but the management of life in the broadest sense. The management of life also includes the spiritual realm, insofar as spiritual achievements have a certain commodity value—and they must have it; otherwise, one could never make a living from spiritual achievements. Of course, they also have value in other areas, but they have commodity value. It is precisely from this economic activity—which thus includes the production of intellectual values, inso far as these values are commodity values—that experience arises. Now, outside the realm of spiritual science, people today actually do not know how to distinguish between these three areas of human nature: lower, ordinary talents, through which we are gifted in one or the other branch of intellectual activity, or through which we are skilled in one thing or another—for physical skills also belong to individual talents—all these things, as human beings are today, do not actually belong entirely to individual human nature. Basically, as paradoxical as this may sound to you, the more brilliant a person is today, the less they are actually an individual human being. For our talents, our individual abilities, are produced by an interaction of the cosmos before our birth—or rather, before our conception—with the forces of heredity spanning many generations. I have described this once before. Our brilliant talents and, indeed, all our individual abilities depend entirely on the mind. Whatever a person’s special talent may consist of—even if it appears to be connected to particular muscular developments—these special talents nevertheless have their origin in the mind, even to the extent that they are expressed in a person’s physical stature and the like. Whether someone is a giant who can snap trees—even thick-trunked ones—or a tiny little person, their individual abilities depend on this in many respects. It all has its origin in the mind. Whatever individual abilities are, so to speak, innate in a person all have their origin in the mind.
[ 21 ] Was der Mensch im Verhältnis zum Menschen wirkt, das hat eben im Wechselverkehr, in dem Leben zwischen der Geburt und dem Tode den Ursprung, wie die Sprache, so alle sozialen Elemente in dem Menschenleben. Aber mit den Erfahrungen, die wir durchmachen, da betreten wir ein viel, viel schwierigeres Kapitel, als die meisten Menschen sich heute vorstellen, denn die Menschen heute werden sehr selten erfahrene Menschen, weil sie die Erfahrung nicht an sich herankommen lassen. Die meisten Menschen haben gegenwärtig sogar ein gewisses Geniertsein vor dem Erfahrenwerden. Wenn sie gestehen sollten, die Menschen, daß sie über etwas anders urteilen als vor zehn Jahren, sind sie beschämt, obwohl sie nicht beschämt sein sollten, daß sie seit zehn Jahren gescheiter geworden sind, aber sie sind doch beschämt. Die Anwendung des Lebens, um weiser zu werden, das ist kein Ideal des heutigen Menschen. Der Mensch verschleudert heute zum großen Teil sein Leben mit Bezug auf das Erfahrenerwerden. Aber in diesem Erfahrenerwerden drückt sich das Individuelle aus. Sie können ein Kapitalgenie sein: das, was Sie durch Ihr Kapitalgenie hervorbringen, dazu wird nur in sehr geringer Weise mitwirken, was Sie durchgemacht haben in Ihren früheren Inkarnationen. Diese früheren Inkarnationen sind meistens höchst unschuldig an dem eigentlichen Genie-Sein, denn das ist etwas, was bewirkt wird durch eine Wechselwirkung des Kosmos mit den Kräften der Vererbung durch Generationen hindurch. Die Genies werden der Menschheit gegeben, werden wahrhaftig nicht vom Himmel fallengelassen, damit sie sich selbst befriedigen. Aber dasjenige, was wir uns erwerben, indem wir von Jahr zu Jahr gescheiter werden, bis in unsere alten Tage hinein, davor genieren sich ganz besonders heute die Leute. Daß wir von Jahr zu Jahr gescheiter werden, daß wir die Erfahrungen des Lebens hinnehmen zum Weiserwerden, das hängt mit unseren Inkarnationen zusammen.
[ 21 ] What a person does in relation to other people has its origin precisely in this interplay, in the life between birth and death—just as with language, so too with all social elements in human life. But with the experiences we go through, we enter a chapter that is much, much more difficult than most people today can imagine, for people today very rarely become experienced individuals because they do not allow experience to reach them. Most people today even feel a certain embarrassment at the prospect of gaining experience. If they were to admit that they now judge something differently than they did ten years ago, they would feel ashamed—even though they should not be ashamed of having become wiser over the past ten years—yet they are ashamed nonetheless. Using life to become wiser is not an ideal for people today. Today, people largely squander their lives when it comes to gaining experience. But it is in this process of gaining experience that the individual expresses itself. You may be a genius in business: what you produce through your business genius will be influenced only to a very small degree by what you have gone through in your previous incarnations. These past incarnations are usually entirely innocent of the actual genius itself, for that is something brought about by an interaction between the cosmos and the forces of heredity across generations. Geniuses are given to humanity—they are certainly not dropped from the heavens merely to satisfy themselves. But what we acquire by becoming wiser year by year, right up into our old age—that is something people are particularly embarrassed by today. The fact that we become wiser year by year, that we take in life’s experiences to become wiser—that is connected to our incarnations.
[ 22 ] Sehen Sie, wenn man bei so etwas eine Persönlichkeit wie die Goethes anschaut, so kommt man zu sehr, sehr merkwürdigen, sehr bedeutungsvollen Resultaten. Man kann sprechen von Goethes Genie. Dieses Goethesche Genie spricht sich schon in seiner Jugend aus. Aber, was da an Fähigkeiten bei ihm hervortritt in seiner Jugend, das hat, ich möchte sagen, den Wert wie etwas vom Himmel Gefallenes. Aber indem Goethe ein alter Mann wird und immer reifer und reifer wird, nie aufhört reifer zu werden, da gestaltet sich nach und nach das, da evolutioniert sich dasjenige, was er aus seinen früheren Inkarnationen mitgebracht hat. Das hassen aber auch die Menschen heute. Goethe selbst mußte sich schon beklagen darüber, daß dasjenige, was er nicht sich als Verdienst anrechnete, die Produktionen seiner Jugend, den Leuten besonders wertvoll war, dagegen dasjenige, was er sich durch seine Lebenserfahrung angeeignet hat, daß sie das ablehnen. Ich habe Ihnen öfter einen Spruch angeführt, den er getan hat mit Bezug auf den ersten Teil seines «Faust», der zweite Teil war dazumal noch nicht in Aussicht:
[ 22 ] You see, when one looks at a figure like Goethe in this context, one arrives at very, very remarkable and very significant conclusions. One can speak of Goethe’s genius. This Goethean genius was already evident in his youth. But the abilities that emerge in him during his youth have, I would say, the value of something that has fallen from heaven. Yet as Goethe grows older and becomes more and more mature—never ceasing to mature—what he brought with him from his earlier incarnations gradually takes shape and evolves. But people today hate that, too. Goethe himself had to complain that what he did not count as his own achievement—the works of his youth—were particularly valued by people, whereas they rejected what he had acquired through his life experience. I have often quoted to you a saying he made in reference to the first part of his *Faust*—the second part was not yet in sight at that time:
[ 23 ] Da loben sie den Faust
Und was noch sunsten
In meinen Schriften braust'
Zu ihren Gunsten.
Das alte Mick und Mack,
Das freut sie sehr,
Es meint das Lumpenpack,
Man wär’s nicht mehr.
[ 23 ] So they praise Faust
And whatever else
In my writings rages
In their favor.
The old Mick and Mack,
That pleases them greatly,
The rabble thinks,
That they are no longer what they used to be.
[ 24 ] Aber das ging ja weit in unsere Tage herein. Wie hat noch der wahre und sehr gescheite, begabte Schwaben-Vischer, der sogenannte V-Vischer, über den zweiten Teil des Goetheschen «Faust» geschimpft, ihn parodiert, ihn ein zusammengeschustertes, zusammengeleimtes Machwerk des Goetheschen Alters genannt, weil man in unserer Zeit nicht viel Empfindung hat für das Reiferwerden, für das Erfahrung-Bekommen. Mit dem hängt aber zusammen, daß das heutige Leben nichts hergibt zu der Beantwortung der Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch als Mensch? — Denn eigentlich kann nur aus der Lebenserfahrung heute die Antwort kommen auf die Frage: Was ist denn eigentlich der Mensch als Mensch? — Aber diese Lebenserfahrung darf nicht so gemacht werden, daß das Geistige dabei ausgeschlossen wird. Man muß im fortschreitenden individuellen Leben nach und nach das Gefühl bekommen können: Du lernst nicht nur von dem äußeren sinnlichen Verlauf der Dinge, sondern du lernst auch aus dem, was aus dem Untergrund der Dinge heraufkommt. Alle diese Dinge sind zu gleicher Zeit so, daß sie heute von einem gewissen höheren Gesichtspunkte aus die Frage fast unvermeidlich machen: Wie lösen wir das Geistesleben vom Staatsleben los? — Würde das Geistesleben mit dem Staatsleben fernerhin verbunden bleiben, so könnte sich dieses Geistesleben nicht so entwickeln, wie es die Menschen brauchen, um wirkliche Lebenserfahrungen zu machen. Der Staat würde das Geistesleben immer mehr verflachen müssen, weil der Staat nicht eingehen könnte auf jene Intimitäten des Geisteslebens, die dann zu den wirklichen Erfahrungen führen. Der Staat könnte sich nur auf ein solches Geistesleben einlassen, das ganz demokratisch wäre, denn dem Staate gehört die Demokratie zu. Das Geistesleben aber in seinen eigenen Tiefen kann nie ganz demokratisch wirken. Sie können nicht in die Tiefe des Geisteslebens und auch nicht in die Tiefe der Menschenerkenntnis hinuntersteigen, wenn Sie bei der Demokratie bleiben. Aber im Staate muß alles demokratisch sein. Im Staate soll nur dasjenige beurteilt werden, was jeder Mensch von jedem Menschen beurteilen kann. So kann aber niemals eine wirkliche Menschenerkenntnis zustande kommen. Die muß weggeschoben werden auf das Gebiet, welches ganz allein eben auf sich selbst gestellt ist und als Geistesleben für sich verläuft. Die Menschen gehen heute aneinander vorbei und werden so lange aneinander vorbeigehen, bis sie sich im Geist erschauen.
[ 24 ] But that went on well into our own time. Just think how the genuine, highly intelligent, and gifted Swabian Vischer—the so-called V-Vischer—raged against the second part of Goethe’s *Faust*, parodied it, and called it a cobbled-together, glued-together piece of trash from Goethe’s old age, because in our time we have little appreciation for maturing or for gaining experience. This, however, is connected to the fact that modern life offers nothing to answer the question: What, after all, is a human being as a human being? — For, in truth, the answer to the question “What, after all, is a human being as a human being?” can come only from life experience today. — But this life experience must not be gained in such a way that the spiritual is excluded from it. In the course of one’s evolving individual life, one must gradually be able to develop the sense that: You learn not only from the outward, sensory course of events, but you also learn from what rises up from the depths of things. All these factors are such that, viewed from a certain higher perspective today, they almost inevitably raise the question: How do we separate spiritual life from political life? — If spiritual life were to remain linked to political life, this spiritual life could not develop in the way that people need in order to gain genuine life experiences. The state would have to increasingly trivialize spiritual life, because the state could not address those intimate aspects of spiritual life that lead to genuine experiences. The state could only engage with a spiritual life that were entirely democratic, for democracy belongs to the state. But spiritual life, in its own depths, can never function entirely democratically. You cannot descend into the depths of spiritual life—nor into the depths of human understanding—if you remain within the framework of democracy. Yet within the state, everything must be democratic. In the state, only that which every person can judge about every other person should be judged. But in this way, a true understanding of human nature can never come about. It must be set aside for the realm that is entirely self-contained and unfolds as spiritual life in its own right. People pass each other by today, and will continue to do so until they see one another in the spirit.
[ 25 ] Das war in älteren Zeiten aus dem Grunde nicht notwendig, weil in alteren Zeiten die Menschen nicht so komplizierte Wesen waren, wie sie heute sind. Die Komplikation in der Menschennatur tritt heute besonders dadurch ein, daß die Menschen eigentlich nur — wie ich es Ihnen von einem anderen Gesichtspunkte aus auseinandergesetzt habe —, das Menschengeschlecht als solches nur siebenundzwanzig Jahre alt wird, das heißt, von selbst sich nur entwickelt bis zum siebenundzwanzigsten Jahre. Was dann noch kommt, das entwickelt sich nicht von selbst wie in alten Zeiten, für das muß die Entwickelung gesucht werden. Und so ist es heute so, daß der junge Mensch bis zu seinem siebenundzwanzigsten Jahre eine Entwickelung durchmacht, wo ihm die Elemente des Menschentums anfliegen. Er erwartet sie bis zu diesem siebenundzwanzigsten Jahr vom Leben. Jetzt kommt das siebenundzwanzigste Jahr, da gibt das Leben selber nichts mehr her. Er tut aber nichts dazu. Daher beginnt von da ab das Leben hohl und leer, öde zu werden, wenn der Mensch sich nicht aufschwingt, das geistige Leben, von dem ich gesagt habe, daß es wie eine Welle sich über die Menschheit ergieße, heute in sich aufzunehmen.
[ 25 ] In earlier times, this was not necessary for the simple reason that people in those days were not as complex as they are today. The complexity of human nature today arises particularly from the fact that human beings—as I have explained to you from a different perspective—actually only reach the age of twenty-seven as a species; that is, they develop on their own only up to the age of twenty-seven. Whatever comes after that does not develop on its own as it did in the old days; for that, development must be sought. And so it is today that a young person, up until the age of twenty-seven, undergoes a phase of development in which the elements of humanity come to them. They expect life to provide these elements up until that twenty-seventh year. Now, when the twenty-seventh year arrives, life itself offers nothing more. Yet the individual does nothing to contribute to this process. Therefore, from that point on, life begins to feel hollow, empty, and desolate unless the individual raises themselves up to embrace within themselves the spiritual life—which I have described as pouring over humanity like a wave—today.


[ 26 ] Diese Krisis, die eigentlich in jeglichem Menschenleben heute ist um das siebenundzwanzigste Jahr — sie dauert dann bis um das fünfunddreißigste Jahr herum —, die drückt sich in charakteristischen Erscheinungen heute aus. Denn alles dasjenige, was in der allgemeinen Menschennatur lebt, das drückt sich in einzelnen Erscheinungen besonders radikal, besonders stark aus. So hat es bis vor kurzer Zeit eine als sehr führend — obwohl sie nicht viel führte — angesehene Persönlichkeit gegeben, die war zu einem bestimmten Zeitpunkt vor eine wichtige Entscheidung gestellt. Aber gleichzeitig mit dieser Entscheidung zeigte sich etwas anderes bei dieser Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit war früher einmal inkarniert im 9. Jahrhunderte der christlichen Zeitrechnung und war in diesem 9. Jahrhunderte an einem südlicheren Orte Europas eine Art schwarzer Magier. Das hat in die jetzige Inkarnation dieser Persönlichkeit so hereingewirkt, daß, als diese Entscheidung eintrat, das entscheidungsvolle Ereignis, diese Persönlichkeit eigentlich starb, das heißt, der Leib von der Seele, die da sich wieder inkarniert hatte, verlassen worden ist. Aber die Persönlichkeit lebte weiter, äußerlich, war trotzdem da. Denken Sie, welche Gelegenheiten für allerlei ahrimanische Geister und Individualitäten, in einem solch gestorbenen Menschen weiterzuleben! Das ist ein Fall von solchen Fällen, wie sie die Komplikation des heutigen Lebens mehrfach hervorbringt. Solche Dinge spielen hinein in dasjenige, was heute Menschenhandlungen sind, in dasjenige, was heute auch Menschenschicksale sind. Man kann heute nicht, ohne wenigstens ein Gefühl zu haben für so einschneidende Dinge, wie ich jetzt einen Fall erwähnt habe, ein Urteil über dasjenige gewinnen, was geschieht. Ich habe oftmals betont, und auch hier sind Persönlichkeiten, denen gegenüber ich öfter betont habe: Über die sogenannte Vorgeschichte dieser Weltkriegskatastrophe wird nicht so geurteilt werden können, wie man früher Geschichte gemacht hat, weil überall Fenster geöffnet waren für ahrimanische Wesenheiten, die hereinkamen. Und weil geistige Ursachen der zweifelhaftesten und sonderbarsten Art hereingespielt haben in die Ereignisse vom Juli 1914, wird man nicht ohne Zuhilfenahme von geistigen Faktoren über dasjenige sprechen können, geschichtlich, was zu dieser Weltkriegskatastrophe geführt hat.
[ 26 ] This crisis, which actually occurs in every person’s life today around the age of twenty-seven—and lasts until around the age of thirty-five—manifests itself in characteristic ways today. For everything that lives within general human nature is expressed in individual manifestations in a particularly radical and intense way. Until recently, for example, there was a person regarded as a leader—although she did not actually lead much—who, at a certain point in time, was faced with an important decision. But at the same time as this decision, something else manifested itself in this individual. This individual had once been incarnated in the 9th century of the Christian era and, in that 9th century, had been a sort of black magician in a southern part of Europe. This had such an effect on this person’s current incarnation that, when the decisive moment—the moment of that decision—arrived, this person actually died; that is, the body was abandoned by the soul that had reincarnated there. But the person continued to live outwardly; they were still there, nonetheless. Just think of the opportunities for all manner of Ahrimanic spirits and individualities to continue living within such a deceased human being! This is one of those cases that the complexity of modern life frequently brings about. Such things play a role in what are today human actions, in what are also today human destinies. Today, one cannot form a judgment about what is happening without at least having a sense of such far-reaching matters as the case I have just mentioned. I have often emphasized this—and there are people here to whom I have frequently made this point—that the so-called prelude to this catastrophe of the World War cannot be judged in the same way that history was written in the past, because windows were open everywhere for Ahrimanic beings to enter. And because spiritual causes of the most dubious and strange kind played a role in the events of July 1914, it will not be possible to speak historically—without the aid of spiritual factors—about what led to this World War catastrophe.
[ 27 ] Aber bedenken Sie, wie notwendig es ist, die Dinge heute wirklich ernst zu nehmen. Nehmen Sie also dasjenige, was ich als Grundphänomen angeführt habe gerade vorhin: Bis zum siebenten Jahre entwickelt der Mensch seinen physischen Leib, bis zum vierzehnten Jahre etwa den Ätherleib, bis zum einundzwanzigsten Jahre den Astralleib, bis zum achtundzwanzigsten Jahre die Empfindungsseele. Da ist aber das siebenundzwanzigste Jahr, das heute besonders wichtig ist. Dann wirken bis zum fünfunddreißigsten Jahre erst Verstandesseele, dann Bewußtseinsseele; in der Verstandesseele — lesen Sie nach in meiner «Theosophie», so finden Sie das —, da geht das Ich auf. Nun entwickelt sich aber der Mensch nach dem, was die Menschennatur hergibt, nur bis zum siebenundzwanzigsten Jahr. Er entwickelt sich so, daß er den Aufgang des Ich in der Verstandesseele erwartet. Das kommt aber nicht von selber, weil die Entwickelung vom achtundzwanzigsten bis fünfunddreißigsten Jahr nicht mehr von selber vonstatten geht.
[ 27 ] But consider how essential it is to take things truly seriously today. So take what I just mentioned as a fundamental phenomenon: By the age of seven, a human being develops their physical body; by about the age of fourteen, the etheric body; by the age of twenty-one, the astral body; and by the age of twenty-eight, the feeling soul. But the twenty-seventh year is particularly important today. Then, up to the thirty-fifth year, first the intellectual soul is active, then the conscious soul; in the intellectual soul—look it up in my *Theosophy*, and you will find it—the “I” emerges. Now, however, human beings develop—in accordance with human nature—only up to the age of twenty-seven. They develop in such a way that they anticipate the emergence of the “I” in the intellectual soul. But this does not happen of its own accord, because the development from the age of twenty-eight to thirty-five no longer proceeds spontaneously.
[ 28 ] Das ist die ungeheure Frage, die vor dem heutigen Menschen steht. Er lebt über das siebenundzwanzigste Jahr hinaus. Er hat nichts dazu getan, um dasjenige zu entwickeln, was das wirkliche Ich-Gefühl gibt und damit das Menschheitsgefühl, das Wissen vom Menschen. Was entsteht? Die Frage: Was ist der Mensch eigentlich? — Die Antwort ist: Weg vom Menschen, zum Übermenschen —, der einen bloßen lyrischen Inhalt abgibt. Oder aber solche Dinge wie: «In mir selbst ist was nicht in Ordnung. Ich bin folglich nicht so zur Welt gekommen, wie es sich für einen Menschen gehört. Ich befinde mich auf besonderer Bahn. Und nicht allein ich. Unserer sind viele. Wir müssen zu absonderlichen Menschen werden und fügen uns in keine Ordnung. Wer ist vor uns schuldig? Selbst sind wir vor uns und vor dem Leben schuldig!»
[ 28 ] This is the immense question facing people today. They live beyond the age of twenty-seven. They have done nothing to develop what gives rise to a true sense of self—and thus a sense of humanity, an understanding of what it means to be human. What emerges? The question: What is a human being, really? — The answer is: Away from the human being, toward the superhuman —, which amounts to nothing more than a mere lyrical concept. Or else things like: “Something is not right within me.” Consequently, I was not born into the world as a human being ought to be. I find myself on a special path. And I am not alone. There are many like us. We must become peculiar human beings and do not fit into any order. Who is to blame before us? We ourselves are to blame before ourselves and before life!”
[ 29 ] Da haben Sie aus der Geisteswissenschaft heraus die Frage: Was ist eigentlich der Mensch? — Sie kommt aus der gegenwärtigen Menschennatur heraus. Ich frage Sie: Ist es nicht eine ernste Aufgabe für die Zukunft, daran zu denken, das Geistesleben, das uns befähigt, Lebenserfahrungen zu machen auch über den Geist, wirklich zu trennen von demjenigen, was niemals intime Lebenserfahrungen geben könnte, von dem demokratischen Staatsleben? Glauben Sie, daß jemals irgend etwas aufkommen könnte an der theologischen oder juristischen oder philosophischen oder medizinischen oder staatswissenschaftlichen oder naturwissenschaftlichen Fakultät — ich glaube, diese Fakultäten gibt es heute schon alle —, was zum Beispiel darauf aufmerksam machen könnte: In dieser gefährlichen Zeit nach dem siebenundzwanzigsten bis zum fünfunddreißigsten Jahre, da kann den Menschen innerlich Verödung ankommen, in einem extremen Fall so, daß die Seele sogar herausfahren kann, so daß der Mensch später eigentlich nur noch scheinbar lebt, indem er besessen ist von irgendeiner ahrimanischen Natur. Die Kompliziertheit des modernen Lebens fordert, daß das Geistesleben wirklich hineinmünden kann in das Geistige. Die Fragen, die die wichtigsten sind, lassen sich heute nicht an der Oberfläche des Lebens anfassen. Und wie sollte die bloße staatliche Demokratie, die auf dem Gebiete des Staatslebens ganz berechtigt ist, es möglich machen, was nun kommen muß über die Menschheit, daß in der Zukunft Menschen auftreten, die immer notwendiger und notwendiger sein werden, die dasjenige, was sie über das Leben zu sagen haben, ganz und gar als geistige Botschaft aus der geistigen Welt bringen. Würde das nicht möglich sein, daß in die Zukunft der Menschheit hinein geistige Botschaft aus der geistigen Welt getragen werde, dann würde die Erdenentwickelung keineswegs ihr Ziel erreichen können. Aber die Möglichkeit des Auftretens eines solchen Geisteslebens hängt an der Freiheit des Geisteslebens, hängt daran, daß wirklich das Geistesleben emanzipiert vom Staate und auf sich selbst gestellt wird. Sonst wird sich immer wieder vollziehen, was einmal irgendwo, weit von hier, geschehen ist: An einer Hochschule, wo immer nur Menschen lehrten, die nichts Besonderes zu sagen hatten, machten sich in der demokratischen Versammlung Rufe laut, es sollten «Kapazitäten» berufen werden. Aber die Demokraten stießen mit ihren Stöcken auf den Erdboden: Wir wollen keine Kapazitäten, wir wollen mittlere Lüt! Mittlere Lüt!
[ 29 ] Here, from the perspective of spiritual science, you have the question: What, in fact, is a human being? — It arises from human nature as it is today. I ask you: Is it not a serious task for the future to consider truly separating the spiritual life—which enables us to have life experiences through the spirit—from that which could never provide intimate life experiences: democratic political life? Do you believe that anything could ever emerge from the faculties of theology, law, philosophy, medicine, political science, or the natural sciences—I believe all these faculties already exist today—that might, for example, draw attention to the fact that: In this dangerous period from the age of twenty-seven to thirty-five, people can experience inner desolation; in extreme cases, to such an extent that the soul may even depart, so that the person later lives only in appearance, possessed by some Ahrimanic nature. The complexity of modern life demands that spiritual life be able to truly flow into the spiritual realm. The most important questions today cannot be grasped at the surface of life. And how could mere political democracy—which is entirely justified in the realm of political life—make possible what must now come to pass for humanity: that in the future, people will emerge who will become ever more necessary, people who convey what they have to say about life entirely as a spiritual message from the spiritual world? If it were not possible for spiritual messages from the spiritual world to be carried into humanity’s future, then Earth’s evolution would by no means be able to reach its goal. But the possibility of such a spiritual life emerging depends on the freedom of spiritual life; it depends on spiritual life truly being emancipated from the state and standing on its own. Otherwise, what once happened somewhere far from here will keep happening: At a university where only people who had nothing special to say taught, loud cries arose in the democratic assembly demanding that “experts” be appointed. But the democrats banged their canes on the ground: “We don’t want experts—we want ordinary folks! Ordinary folks!”
[ 30 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, diese Dinge haben schon alle eine ernste, tiefe Grundlage. Und es ist unsere Aufgabe, auf diese ernste, tiefe Grundlage auch hinzuweisen, und vor allen Dingen das furchtbarste Übel der neueren Zeit, die Oberflächlichkeit und Gedankenlosigkeit, zu bekämpfen. Vielfach wird gesagt, die soziale Frage sei auch eine geistige Frage. Aber das Geistesleben muß dann in seinen Fundamenten und wirklich in seiner Tiefe betrachtet werden, sonst bleibt die geistige Betrachtung vor allen Dingen der sozialen Frage eine recht oberflächliche, bleibt an der Oberfläche haften.
[ 30 ] You see, my dear friends, all these things have a serious, profound foundation. And it is our task to point out this serious, profound foundation and, above all, to combat the most terrible evil of modern times: superficiality and thoughtlessness. It is often said that the social question is also a spiritual question. But spiritual life must then be considered in its foundations and truly in its depth; otherwise, spiritual reflection on the social question, above all, remains quite superficial and sticks to the surface.
[ 31 ] Diese Betrachtungen werden wir dann am nächsten Freitag fortsetzen, oder wenn Freitag, wie gewünscht worden ist, in der Nähe hier irgendwo ein anderer Vortrag sein sollte, dann am Samstag um sieben Uhr.
[ 31 ] We will continue these reflections next Friday, or—if, as requested, there is another lecture taking place somewhere nearby on Friday—then on Saturday at seven o'clock.
[ 32 ] Jetzt aber bin ich gebeten, Ihnen zu sagen, daß am Mittwoch um acht Uhr in einer der Abteilungen des Schweizerischen Studentenbundes Basel ein Vortrag sein wird von mir über «Soziales Wollen und proletarische Forderungen» im Bernoullianum, wozu Sie von den Studierenden alle freundlich eingeladen sind.
[ 32 ] However, I have now been asked to inform you that on Wednesday at 8:00 p.m., I will be giving a lecture titled “Social Will and Proletarian Demands” at the Bernoullianum, in one of the branches of the Swiss Student Union in Basel, to which all of you are cordially invited by the students.
