Past and Future Influences on Social Events
GA 190
5 April 1919, Dornach
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Past and Future Influences on Social Events, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Ich werde heute sehr pedantisch beginnen müssen, weil ich genötigt sein werde, aus einer Einzelheit heraus einiges Licht zu werfen auf unsere Zeit im Sinne einer allgemeinen Charakteristik dieser Zeit. Eine Eigenschaft unserer Zeit, deren Betrachtung aber außerordentlich wichtig ist für denjenigen, der im geisteswissenschaftlichen Sinne, das heißt, mit offenem Seelenauge unsere Zeit betrachten soll, möchte ich Ihnen charakterisieren. Und da möchte ich gewissermaßen empirisch von einem einzelnen Beispiel ausgehen, was sehr pedantisch erscheinen könnte, was aber eben ein Symptom ist für eine ganz, ganz allgemeine Eigenschaft unserer Zeit. Vorerst möchte ich nur andeuten, welche Eigenschaft unserer Zeit ich eigentlich meine. Es ist eine gewisse Seelenverwirrung, die herrührt aus einer sehr bedeutsam wirkenden Oberflächlichkeit unserer Zeit. Dafür also möchte ich von einem ganz konkreten Einzelbeispiel ausgehen.
[ 1 ] I will have to begin very meticulously today, because I will be compelled to shed some light on our time—in the sense of providing a general characterization of this era—by focusing on a single detail. I would like to describe a characteristic of our time that is, however, of extraordinary importance for anyone who is to view our time from a spiritual-scientific perspective—that is, with an open soul’s eye. And here I would like to proceed, so to speak, empirically from a single example, which might seem very pedantic, but which is in fact a symptom of a very, very general characteristic of our time. For now, I would just like to hint at which characteristic of our time I am actually referring to. It is a certain confusion of the soul that stems from a superficiality of our time that appears very significant. To illustrate this, I would like to start with a very concrete, individual example.
[ 2 ] Sie werden sich vielleicht, wenigstens einzelne von Ihnen, erinnern, daß in den vielen, unübersehbar vielen Besprechungen über die Ereignisse, die dieser Weltkriegskatastrophe vorangegangen sind, ein englisches Telegramm eine große Rolle spielt, welches in einer ganz bestimmten Weise auch nachkonstruiert worden ist. Ich werde heute nicht wieder auf die Kriegsursache eingehen, davon rede ich heute nicht, ich rede von dieser formalen Eigenschaft unserer Zeit. Mit alldem, was wir besprochen haben über die Vorgänge des Jahres 1914, hat das, was ich jetzt besprechen werde, unmittelbar nichts zu tun. Also von einem Telegramm ist viel die Rede gewesen, welches in London verfaßt und nach Petersburg geschickt worden ist, und das dort eine merkwürdige Rolle gespielt hat, trotzdem der Glaube bestanden hat, daß dieses Telegramm eigentlich im Einverständnisse des Außenministers Grey mit dem Botschafter Lichnowsky entstanden ist. So hat man sich die Entstehung des Telegramms gedacht, welches in Petersburg einen besonderen Eindruck gemacht hat und auf welches hin unmittelbar die russische Mobilisation erfolgt ist. Und das war vielfach eine Rätselfrage, wie es denn kommt, daß durch Verabredung zwischen dem deutschen Gesandten in London, Lichnowsky, mit Edward Grey ein Telegramm zustande kommt, das nach Petersburg geschickt wird, und das unmittelbar dort die Mobilisation veranlaßt.
[ 2 ] You may recall—at least some of you—that in the many, countless discussions about the events that preceded this World War catastrophe, an English telegram plays a major role, one that has also been reconstructed in a very specific way. I will not revisit the cause of the war today; I am not speaking of that today. I am speaking of this formal characteristic of our time. What I am about to discuss has nothing directly to do with all that we have discussed regarding the events of 1914. There has been much talk of a telegram that was drafted in London and sent to St. Petersburg, and which played a curious role there, even though it was believed that this telegram had actually been composed with the consent of Foreign Minister Grey and Ambassador Lichnowsky. This is how people imagined the origins of the telegram, which made a particular impression in St. Petersburg and immediately triggered the Russian mobilization. And it was a mystery to many: how could it be that, through an agreement between the German envoy in London, Lichnowsky, and Edward Grey, a telegram was drafted, sent to St. Petersburg, and immediately prompted mobilization there?
[ 3 ] Einen Beweis für die Existenz dieses Telegrammes, das merkwürdigerweise eben viel besprochen worden ist, nur sich in dem englischen «Blaubuch» nicht findet, einen merkwürdigen Beweis dafür sah man in der Formulierung des Vorschlages, den Sassonow gemacht hat, wie man sagte, unmittelbar auf dieses Telegramm hin — also eigentlich ohne Berücksichtigung eines Vorschlages, an dessen Gestaltung auch der deutsche Botschafter teilgenommen hat —, das von England ausgegangen ist. Ohne Rücksicht auf die Gestaltung dieses Telegrammes ist sofort in Rußland die Mobilisierung in Szene gesetzt worden.
[ 3 ] Evidence of the existence of this telegram—which, curiously enough, has just been the subject of much discussion— is simply not found in the English “Blue Book”; a curious piece of evidence for this was seen in the wording of the proposal that Sassonov made—as was said—directly in response to this telegram—that is, without actually taking into account a proposal in the drafting of which the German ambassador had also participated—which originated in England. Regardless of the content of this telegram, mobilization was immediately set in motion in Russia.
[ 4 ] Wie gesagt, ich spreche nicht über die Kriegsursachen, ich will nur zunächst hervorheben, daß es eine große Rätselfrage war, wie gerade auf dieses Telegramm hin Sassonow die Formulierung seines Vorschlages bezüglich Österreichs und Serbiens habe machen können, wie er mit der Mobilisierung hat einverstanden sein können und so weiter. Unter den Leuten, die viel geredet haben über dieses Telegramm, ist auch der damalige deutsche Reichstagsabgeordnete David, der jetzige deutsche sozialistische Minister David. Er hat nicht nur eine Reichstagsrede gehalten, also vor einer großen Anzahl von Menschen, die in einer so ernsten Zeit doch in eine solche Sache selbstverständlich eingeweiht sind, er hat auch einen sehr aufsehenerregenden Artikel in der «Frankfurter Zeitung» über dieses Telegramm geschrieben. Das wurde also eine sehr rätselhafte Sache. Nun will ich Ihnen die Formulierung auf die Tafel schreiben — Sie sehen, ich fange heute sehr pedantisch an —, welche der Vorschlag des russischen Außenministers Sassonow auf dieses Telegramm hin angenommen hat: «Im Auftrag seiner Regierung» — so ist die Übersetzung — «übermittelte mir der englische Botschafter den Wunsch des Londoner Kabinetts einige Abänderungen in der Formel, die ich gestern dem deutschen Botschafter vorschlug, anzubringen. Ich antwortete, daß ich den englischen Vorschlag annehme. Hiermit übermittele ich Ihnen die entsprechende abgeänderte Formel.»
[ 4 ] As I said, I am not discussing the causes of the war; I just want to emphasize, for now, that it was a great mystery how, in response to this very telegram, Sassonov could have worded his proposal regarding Austria and Serbia the way he did, how he could have agreed to mobilization, and so on. Among those who spoke at length about this telegram was David, then a member of the German Reichstag and now a German Socialist minister. Not only did he deliver a speech in the Reichstag—that is, before a large number of people who, in such serious times, were naturally well-informed about such matters—but he also wrote a highly sensational article in the *Frankfurter Zeitung* about this telegram. So this became a very puzzling affair. Now I’d like to write the wording on the board—as you can see, I’m starting off very pedantically today—which the Russian Foreign Minister Sassonov adopted in response to this telegram: “On behalf of his government”—that is the translation—“the British ambassador conveyed to me the London Cabinet’s wish to make some amendments to the wording I proposed to the German ambassador yesterday. I replied that I accept the British proposal. I hereby convey to you the corresponding amended wording.”
[ 5 ] Auf diese Formel des Sassonow berief sich auch, wie gesagt, der jetzige deutsche Minister David, und in dem Artikel in der «Frankfurter Zeitung», den er geschrieben hat, unterstreicht er besonders noch die Worte: «Ich antwortete, daß ich den englischen Vorschlag annehme.»
[ 5 ] As mentioned, the current German minister, David, also referred to this statement by Sassonow, and in the article he wrote for the *Frankfurter Zeitung*, he specifically emphasizes the words: “I replied that I accepted the English proposal.”
[ 6 ] Mit diesem Satze soll zum Ausdruck kommen, daß angenommen werde der englische Vorschlag, der in jenem Telegramm formuliert gewesen wäre zwischen Lichnowsky und Grey und von dem sehr viel die Rede ist. Von diesem Telegramm, auf das sich David stützt, handelt ein ganzer langer Artikel der «Frankfurter Zeitung», der sehr viel gelesen worden ist und sehr großes Aufsehen gemacht hat, und der namentlich eben Licht wirft auf dieses Telegramm, ausgehend davon, daß kurioserweise Sassonow antwortet: «Ich antwortete, daß ich den englischen Vorschlag annehme.» Nun folgt aber die Mobilisation darauf. Also mußte das Telegramm, das ist daraus zu schließen, enthalten haben einen englischen Vorschlag zur Mobilisation.
[ 6 ] This sentence is intended to convey that the English proposal—which was reportedly formulated in that telegram between Lichnowsky and Grey and which has been the subject of much discussion—is being accepted. This telegram, on which David relies, is the subject of a long article in the *Frankfurter Zeitung*—an article that has been widely read and caused quite a stir—and which specifically sheds light on this telegram, based on the fact that, curiously, Sassonov replies: “I replied that I accepted the British proposal.” But mobilization followed shortly thereafter. It must therefore be concluded that the telegram must have contained a British proposal for mobilization.
[ 7 ] Nun bemerke ich: diese Unterstreichung findet sich in der Formel nicht; aber diese Unterstreichung ist außerordentlich wichtig für das, was ich die Verwirrung unserer Zeit nenne. Denn selbstverständlich, wenn die Leute heute etwas unterstreichen, das heißt, fett gedruckt finden, dann sind sie darauf besonders aus, das aufmerksam zu verfolgen und sehen in einem solchen Unterstrichenen den Hauptinhalt der Sache. Aber es ist eben, wie gesagt, gar nicht unterstrichen in der Originalformel. Aber man lese einmal diese Formel. Man lese sie nun einmal wirklich. So, wie in ausführlichen Artikeln darüber die Rede ist, wird hier verwiesen auf einen Vorschlag, der in einem Telegramm, wie ich es Ihnen ausgeführt habe, enthalten sein soll. Aber man lese einmal diese Formel: «Im Auftrag seiner Regierung übermittelte mir der englische Botschafter den Wunsch des Londoner Kabinetts einige Abänderungen in der Formel, die ich gestern dem deutschen Botschafter vorschlug, anzubringen» Die Formel; von der hier Sassonow spricht; ist die, die Sassonow am vorhergehenden Tage selbst gemacht hat. Über diese Formel wurde von Grey eine Änderung gewünscht. Diese Änderung bringt er an und sagt: «Ich antwortete, daß ich den englischen Vorschlag annehme» —, nämlich die Formel, die er gestern gemacht hat, heute zu ändern. Also dieser Satz bezieht sich darauf, daß er die gestern gemachte Formel, die Formel, die als die gestrige dieser selben Formel zugrunde lag, ändert in diese Gestalt. Und dieser Satz bezieht sich auf diese Änderung. Der Vorschlag bezieht sich darauf, daß er seine Formel ändern soll.
[ 7 ] Now I note: this underlining is not found in the formula; but this underlining is extraordinarily important for what I call the confusion of our time. For, of course, when people today come across something that is underlined—that is, printed in bold—they are particularly inclined to pay close attention to it and regard such underlined text as the main point of the matter. But, as I said, it is not underlined at all in the original formula. But let’s read this formula. Let’s really read it. Just as is discussed in detailed articles on the subject, reference is made here to a proposal that is said to be contained in a telegram, as I have explained to you. But let us read this formula: “On behalf of his government, the British ambassador conveyed to me the London Cabinet’s wish to make some amendments to the formula that I proposed to the German ambassador yesterday.” The formula Sassonov is referring to here is the one Sassonov himself had drafted the previous day. Grey requested a change to this formula. Sassonov makes this change and says: “I replied that I accepted the British proposal”—namely, to amend today the formula he had drafted yesterday. So this sentence refers to the fact that he is amending the wording he had drafted yesterday—the wording that served as the basis for yesterday’s version of this very same wording—into this form. And this sentence refers to that amendment. The proposal refers to the fact that he is to amend his wording.
[ 8 ] Das heißt, jenes Telegramm ist überhaupt nicht vorhanden. Dieses Telegramm ist das reinste Gespenst und beruht nur lediglich darauf, daß diese Formel falsch gelesen worden ist, weil man nicht sich die Zeit genommen hat in der Oberflächlichkeit der Gegenwart, ordentlich zu verfolgen, was in den Sätzen drinnensteht. Denken Sie, das ist in der Gegenwart in ernstesten Angelegenheiten möglich, daß die Leute über etwas reden, das überhaupt nicht existiert, weil sie nicht mehr verstehen in ihrer Oberflächlichkeit, was sie lesen. Das ist nur ein konkretes Beispiel für den Fall, der heute unzählige Male vorkommt, daß diejenigen Menschen, die schreiben und drucken lassen, nicht lesen können, daß die Leser, Tausende und aber Tausende, nichts bemerken davon, daß die Schreibenden und Druckenlassenden nicht lesen können und über Dinge reden, die nicht vorhanden sind.
[ 8 ] In other words, that telegram does not exist at all. This telegram is nothing but a phantom and is based solely on the fact that this phrase was misread because, in the superficiality of the present, people did not take the time to properly follow what is contained in the sentences. Can you imagine that in today’s world, even in the most serious matters, people would be talking about something that doesn’t exist at all, simply because, in their superficiality, they no longer understand what they’re reading? This is just one concrete example of a situation that occurs countless times today: that those who write and have their work printed cannot read, and that the readers—thousands upon thousands of them—do not notice that the writers and publishers cannot read and are talking about things that do not exist.
[ 9 ] Sehen Sie, das ist die Strafe für die Nichtanerkennung einer geistigen Welt, für die Nichtanerkennung desjenigen, was die Leute Gespenster nennen, daß sie selber Gespenster schaffen in ihrer Oberflächlichkeit. Wer heute gesunden Sinnes in die Welt blickt, der findet, wie gesagt, auf Schritt und Tritt die verheerendsten Folgen dieser furchtbaren Oberflächlichkeit, die sich ausgestaltet eben zu Gedankenverwirrung. Und das Traurigste ist eigentlich, daß wenn man diese Dinge hervorhebt, sie bespricht, die Sache auf die gegenwärtigen Menschen gar keinen besonderen Eindruck macht, weil die Oberflächlichkeit, die Gedankenlosigkeit nun schon einmal leider zu einer allgemeinen Menschheitseigenschaft geworden ist. Und es ist einfach furchtbar, wieviel in dem ganzen Leben unserer Gegenwart beruht auf den Folgen dieser Oberflächlichkeit. So muß man das Seelenleben unserer Zeit ansehen. Und man kann gerade solche Erscheinungen nicht ernst genug, nicht wichtig genug nehmen. Eigentlich müßte fast jeder in unserer Zeit, der den Versuch macht, sich durch die heute gangbaren Mittel von etwas zu unterrichten, gleichgültig ob ein anderer ihm etwas sagt — denn im Reden ist die gleiche Oberflächlichkeit heute vorhanden — oder ob er irgend etwas liest, sei es da oder dort, er müßte sich fortwährend von einem inneren kritischen Sinne leiten lassen und sich sagen: Du mußt versuchen, die Dinge zu durchschauen, welche heute herumschwirren in der Welt, und welche dadurch, daß sie durch alle möglichen Kanäle in die Menschenseelen hineinkommen und in den Menschenseelen als Impulse wirken, das Leben ungeheuer verwirren, ungeheuer durcheinanderbringen. Wie gesagt, ich bin von einem konkreten Beispiel ausgegangen, um Ihnen zu zeigen, wie leitende, führende Persönlichkeiten durch ihre Oberflächlichkeit dazu verführt werden, nicht nur von etwas zu reden, was gar nicht vorhanden ist, sondern seitenlange Auseinandersetzungen zu schreiben über etwas, was es gar nicht gibt, und wie solche Persönlichkeiten, die dazu berufen sind, in den Weltgeschicken mitzureden, vor Versammlungen solches Zeug vorbringen können, ohne daß die Hunderte von Abgeordneten, die da sind, um ihr Volk zu vertreten, etwas davon merken.
[ 9 ] You see, this is the punishment for failing to acknowledge a spiritual world, for failing to acknowledge what people call ghosts—that in their superficiality, they themselves create ghosts. Anyone who looks at the world today with a sound mind will find, as I said, at every turn the most devastating consequences of this terrible superficiality, which manifests itself precisely as confusion of thought. And the saddest thing is actually that when one highlights these things and discusses them, they make no particular impression on people today, because superficiality and thoughtlessness have, unfortunately, already become a general human trait. And it is simply terrible how much of our entire present-day life is based on the consequences of this superficiality. This is how we must view the spiritual life of our time. And we cannot take such phenomena seriously enough, nor regard them as important enough. In fact, almost everyone in our time who attempts to learn about something through the means commonly available today—whether someone else tells them something—for the same superficiality is present in speech today—or whether they read something here or there—should constantly let themselves be guided by an inner critical sense and say to themselves: You must try to see through the things that are swirling around in the world today, and which—by entering people’s souls through all manner of channels and acting as impulses within them—enormously confuse life and throw it into utter disarray. As I said, I started with a concrete example to show you how leading figures, through their superficiality, are led to not only talk about something that doesn’t even exist, but to write pages and pages of arguments about something that doesn’t exist at all, and how such figures, who are called upon to have a say in world affairs, can present such nonsense before assemblies without the hundreds of representatives who are there to represent their people even noticing it.
[ 10 ] Diese Dinge müssen schon sehr ernst genommen werden. Und zu den bittersten Dingen der Gegenwart gehört dieses, daß gerade in den letzten viereinhalb Jahren die Menschen sich noch mehr abgewöhnt haben, genau und exakt auf dasjenige hinzusehen, was in der Wirklichkeit vorhanden ist. Positivismus ist nicht unkritischer Sinn; Positivismus ist, die Dinge zu sehen, wie sie sind, und nicht Phantastereien nachleben, die reine Gespenster schaffen statt Wirklichkeit. Das, was ich sage, ist sehr aktuell, denn es geht jeden einzelnen Menschen in jeder einzelnen Lebenslage an. Und jedem einzelnen Menschen in jeder einzelnen Lebenslage kann etwas von dieser Sorte in jedem Augenblick passieren.
[ 10 ] These matters must indeed be taken very seriously. And one of the most bitter realities of our time is that, especially over the last four and a half years, people have become even less inclined to look closely and precisely at what actually exists in reality. Positivism is not uncritical thinking; positivism is seeing things as they are, rather than living out fantasies that create mere phantoms instead of reality. What I am saying is very relevant today, because it concerns every single person in every single situation in life. And something of this sort can happen to every single person in every single situation at any moment.
[ 11 ] Nun könnte ich dieses Beispiel nicht nur verhundertfachen, sondern vertausendfachen, und diese Vertausendfachung wäre eben Zeugnis dafür, daß es eine allgemeine Eigenschaft der heutigen Menschheit ist, sich durch Oberflächlichkeit in Verwirrung hineinzubringen, weil eine gewisse Abneigung vorhanden ist, auf die Wirklichkeit loszugehen. Das aber rührt doch aus tieferen Grundlagen unserer menschheitlichen Entwickelung her. Nicht allein kann man in dem gewöhnlichen Sinn, wie vielleicht auch meine Worte wiederum aufgefaßt werden, als ob man die Gegenwart nur kritisieren wollte, von diesen Dingen sprechen, sondern es ist schon wahr, daß durch außerirdische Einflüsse, durch Einflüsse von geistiger, ahrimanischer Seite diese Verwirrung, diese Verwirrungswelle über die Menschheit heraufgezogen ist. Das sieht man auf der einen Seite daran, daß die Verwirrung so vorhanden ist, wie ich sie Ihnen in einem grotesken Fall gezeigt habe, auf der anderen Seite daran, daß viele Menschen, die wissen, wie man heute die Menschen behandeln muß, diese Verwirrung benutzen, im umfassendsten Sinne mit dieser Verwirrung rechnen. Menschen, die nicht gutartiger Natur sind, die aber darauf ausgehen, geistige Kräfte zu benützen, bringen geradezu das wiederum unter die Menschen, was rechnet mit der Verwirrung, mit dem Nicht-eingehen-Wollen auf die Tatsachen.
[ 11 ] Now, I could not only multiply this example a hundredfold, but a thousandfold, and this thousandfold increase would serve as evidence that it is a general characteristic of humanity today to plunge itself into confusion through superficiality, because there is a certain reluctance to confront reality. But this stems from deeper foundations of our human development. Not only can one speak of these things in the ordinary sense—as my words might again be interpreted, as if I were merely seeking to criticize the present—but it is indeed true that through extraterrestrial influences, through influences from the spiritual, Ahrimanic side, this confusion, this wave of confusion, has swept over humanity. This can be seen, on the one hand, in the fact that this confusion exists just as I have shown you in a grotesque example; on the other hand, in the fact that many people who know how one must treat people today are exploiting this confusion and, in the broadest sense, counting on it. People who are not of a benevolent nature, but who seek to make use of spiritual forces, are in fact instilling among people precisely that which counts on confusion and on a refusal to face the facts.
[ 12 ] Was erscheint heute nicht alles, meine lieben Freunde! Man braucht nur ein klein wenig mit den Faktoren der Verwirrung zu rechnen, dann ist es heute leicht, die Leute zu verwirren, den Leuten alles, alles mögliche vorzumachen. Ein Beispiel: Vor einiger Zeit erschien ein russisches Buch, das im ersten Teil — ich rede jetzt nicht über den übrigen Inhalt — eine Anzahl von Protokollen enthält, angebliche Protokolle von Sitzungen irgendeiner Geheimgesellschaft, die die unglaublichsten Dinge sich vortragen läßt von ihren Oberen. Diese Geheimgesellschaft ist geradezu wie eine Art Teufel, könnte man sagen, unter der Menschheit. Ungefähr das Gegenteil von alledem, was den Menschen gut und heilsam ist, würde ausgehen von dieser Geheimgesellschaft. Und diese Protokolle sollen ein Beweis dafür sein — gemäß den Reden, die da gehalten werden in jener Geheimgesellschaft —, daß eine solche Gesellschaft existiert. Diese Protokolle sollen sogar in außerordentlicher Nähe von hier gefunden worden sein, sind einverleibt einem Buch, das aber vom russischen Standpunkt geschrieben ist. Wie gesagt, über den übrigen Inhalt des’ Buches will ich nicht sprechen, aber man braucht nur ganz weniges von diesen Protokollen zu lesen und die Welt zu kennen, so weiß man, daß es sich um einen der plumpesten jesuitischen Schwindel handelt. Es sind einfach jesuitische Falsifikate, die aufgeschrieben worden sind, um eine solche Gesellschaft hinzustellen. Diese Dinge werden eben wiederum benützt, um auf die Verwirrung der Menschen zu wirken. Diese Verwirrung der Menschen ist ungeheuer gefährlich in unserer Zeit, weil sie, wie gesagt, nicht beruht bloß auf dem, was man finden kann an Impulsen innerhalb des physischen Erdenlebens, sondern weil da geistige Kräfte ahrimanischer Natur hereinspielen. Mit diesen Dingen muß man sich durchaus bekanntmachen, denn es handelt sich wirklich nicht darum, daß man anthroposophische Geisteswissenschaft treibt in dem Sinne, daß man alles weiß, was inhaltlich in anthroposophischer Geisteswissenschaft mitgeteilt wird, sondern das Wesentliche ist, wie ich es schon oftmals gesagt habe, daß man durch die Aufnahme anthroposophischer Geisteswissenschaft, die eine Art des Urteilens notwendig macht, welche nicht anwendbar ist in der gewöhnlichen physischen Welt, wirklichkeitsfreundlicher, einsichtsvoller, urteilsfähiger wird mit Bezug auf das Leben und die Welt.
[ 12 ] My dear friends, the things that get published these days! You just need to factor in a little bit of confusion, and then it’s easy to confuse people and make them believe all sorts of things. Here’s an example: Some time ago, a Russian book was published whose first part—I’m not talking about the rest of the content here—contains a number of “protocols,” alleged minutes of meetings of some secret society, in which its leaders have the most unbelievable things discussed. This secret society is practically a kind of devil, one might say, among humanity. This secret society is said to promote the very opposite of everything that is good and wholesome for humanity. And these protocols are supposed to be proof—based on the speeches delivered within that secret society—that such a society exists. These protocols are even said to have been found very close to here; they are included in a book written from a Russian perspective. As I said, I do not wish to discuss the rest of the book’s content, but one need only read a very small portion of these Protocols and have some knowledge of the world to realize that this is one of the crudest Jesuit hoaxes. They are simply Jesuit forgeries that were written down to portray such a society. These things are, in turn, being used to sow confusion among people. This confusion among people is immensely dangerous in our time, because, as I said, it is not based merely on the impulses one can find within physical earthly life, but because spiritual forces of an Ahrimanic nature are at work here. One must certainly familiarize oneself with these matters, for it is truly not a matter of practicing anthroposophical spiritual science in the sense of knowing everything that is communicated in terms of content within anthroposophical spiritual science; rather, the essential point is, as I have often said, that by taking in anthroposophical spiritual science—which necessitates a way of judging that is not applicable in the ordinary physical world—one becomes more open to reality, more insightful, and better able to judge life and the world.
[ 13 ] Nun, ich sagte, eine Welle von Verwirrung geht über die Welt. Warum ist das? Erinnern Sie sich daran, daß 1413 begonnen hat unser gegenwärtiger fünfter nachatlantischer Zeitraum, der Zeitraum der Entwickelung der Bewußtseinsseele. Seit jener Zeit strebt die Menschheit dahin, die Bewußtseinsseele besonders zu entwickeln. Wenn man so spricht über diesen unseren Zeitraum, so spricht man wie drinnenstehend in der Erdenentwickelung. Denn in der physischen Erdenentwickelung prägt sich aus dasjenige, was, in Worten gefaßt, eben lautet: Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts ist die Menschheit im Zeitalter der Bewußtseinsentwickelung.
[ 13 ] Well, I said that a wave of confusion is sweeping across the world. Why is that? Remember that our current fifth post-Atlantean epoch—the epoch of the development of the soul of consciousness—began in 1413. Since that time, humanity has been striving to develop the consciousness soul in particular. When one speaks in this way about our present epoch, one speaks as if standing right in the midst of Earth’s evolution. For in the physical evolution of the Earth, what is expressed in words is precisely this: Since the middle of the 15th century, humanity has been in the age of the development of consciousness.
[ 14 ] Nun könnte man aber die Frage auch von einem anderen Gesichtspunkte aus stellen, von einem Gesichtspunkte aus, den man geisteswissenschaftlich immer wieder anschlagen muß. Man könnte die Frage auch stellen von dem Gesichtspunkte der entkörperten Seelen, der Seelen, die leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Für viele Dinge, die in anthroposophischer Geisteswissenschaft besprochen werden müssen, ist es von einer großen Bedeutung, immer auch den Gesichtspunkt klar ins Auge zu fassen, wie sich die Dinge ausnehmen vor den entkörperten Menschenseelen oder sogar vor anderen Geistern der verschiedenen geistigen Hierarchien. Dadurch kann man erst in der richtigen Weise kontrollieren, ob man dasjenige, was man irdisch entscheidet, was ja immer einseitig sein muß, in der richtigen Weise geisteswissenschaftlich zum Ausdrucke bringt. Nun, wer durch geisteswissenschaftliche Forschung diesen Zeitraum der fünften nachatlantischen Epoche überblickt, der findet, daß von einem ganz bestimmten Zeitpunkte an, ebenso wie sich ändert das Leben der Lebenden, die immer mehr auf den Boden des Bewußtseins, die Spitze der Persönlichkeit sich stellen, sich auch ändert das Leben der Toten. Und da können wir zunächst nur darauf Rücksicht nehmen, inwiefern sich dieses Leben der Toten ändert im Verkehr mit den auf der Erde lebenden Menschen. Es ist ja das Verhältnis der Lebenden zu den Toten so außerordentlich schwer ins menschliche Bewußtsein hereinzubringen, weil — wie ich Ihnen ja oftmals von den verschiedensten Gesichtspunkten her angedeutet habe — dasjenige, was man da erlebt, doch außerordentlich verschieden ist von demjenigen, was hier innerhalb des physischen Erdenumkreises erlebbar ist. Innerhalb des physischen Erdenumkreises aber bildet sich der Mensch gewöhnlich seine Vorstellungen; aber wir leben eben einmal in einer Zeit, in der diese Vorstellungen, die innerhalb des physischen Erdenumkreises gebildet werden, korrigiert werden müssen an den Erlebnissen mit den entkörperten Seelen. Anfangs ist es einem nur außerordentlich schwer verständlich, was da eigentlich vorgeht. Man erlebt da außerordentlich lebendig, wie das wirkt, was ich in den letzten Vorträgen hier angedeutet habe: das Verhältnis der Toten zur menschlichen Sprache. Ich habe Ihnen gesagt: Hauptwörter werden von den Toten kaum verstanden. Ich habe Ihnen charakterisiert, wie die anderen Wörter der Sprache von den Toten verstanden werden. Aber auch darinnen gibt es wiederum Unterschiede, und man möchte sagen: Deutlich vernehmbar ist das, daß eigentlich die menschliche Sprache, wie sie hier auf der Erde gesprochen wird — trotzdem das ganz richtig ist, was ich neulich ausgeführt habe —, daß die menschliche Sprache, wie sie auf Erden hier gesprochen wird, immer unverständlicher und unverständlicher dem Toten wird. Gewiß, sie verstehen noch Zeitwörter, Verben, sie verstehen auch Beziehungswörter, sie verstehen alles dasjenige, wobei wir selbst genötigt sind, bildliche Vorstellungen zu entwickeln. Aber eben für das, was in die Sprache eigentlich gefaßt werden kann, für das geht dem Toten immer mehr das Verständnis, das Auffassungsvermögen mit der fortlaufenden Zeit verloren, und das wird in der Zukunft immer anders, immer mehr und mehr anders werden.
[ 14 ] However, one could also pose the question from a different perspective—one that must be repeatedly addressed in spiritual science. One could also pose the question from the perspective of disembodied souls—souls that live between death and a new birth. For many topics that must be discussed in anthroposophical spiritual science, it is of great importance to always clearly consider the perspective of how things appear to disembodied human souls or even to other spirits of the various spiritual hierarchies. Only in this way can one properly verify whether what one decides on earth—which must always be one-sided—is expressed correctly from the perspective of spiritual science. Now, anyone who surveys this period of the fifth post-Atlantean epoch through spiritual scientific research will find that, from a very specific point in time onward, just as the lives of the living change—as they increasingly ground themselves in consciousness, with the pinnacle of their personality—so too does the life of the dead change. And here we can initially only consider the extent to which this life of the dead changes in its interaction with the people living on Earth. After all, the relationship between the living and the dead is so extraordinarily difficult to bring into human consciousness because—as I have often indicated to you from a wide variety of perspectives—what is experienced there is, after all, extraordinarily different from what can be experienced here within the physical sphere of the Earth. It is within the physical sphere of the Earth, however, that human beings usually form their conceptions; but we are living in a time when these conceptions, formed within the physical sphere of the Earth, must be corrected in light of our experiences with disembodied souls. At first, it is extremely difficult to understand what is actually happening there. One experiences there in an extraordinarily vivid way the effect of what I have hinted at in my recent lectures here: the relationship of the dead to human language. I have told you: nouns are scarcely understood by the dead. I have described to you how the other words of language are understood by the dead. But even within that, there are differences, and one might say: What is clearly perceptible is that human language, as it is spoken here on Earth—even though what I explained recently is entirely correct—that human language, as it is spoken here on Earth, becomes increasingly incomprehensible to the dead. Certainly, they still understand verbs; they also understand relational words; they understand all those things that compel us ourselves to develop figurative concepts. But precisely when it comes to what can actually be expressed in language, the dead are increasingly losing their understanding and comprehension as time goes on, and this will continue to change in the future, becoming more and more different.
[ 15 ] Vor allen Dingen tritt eine Sache, allerdings nur für gewisse Menschen, mit ganz besonderer Deutlichkeit hervor, das ist, daß die Toten dasjenige, was auf der Erde hier als Naturwissenschaft getrieben wird, gar nicht verstehen. Wenn man dem Toten von allem möglichen anderen redet, dann findet man Verständnis. Wenn man aber einkleidet dasjenige, was zur Verständigung mit dem Toten dienen soll, in naturwissenschaftliche Vorstellungsart, dann empfindet das der Tote geradezu als einen Schmerz. Das ist außerordentlich wichtig, und das bezeugt, was auch aus anderen geistigen Untergründen herausgeholt werden kann, daß alles, was hier aufgebracht werden kann mit Bezug auf das Naturwissen, daß alles das eigentlich nur hervorgebracht wird durch den menschlichen physischen Organismus. Und sobald der Mensch diesen menschlichen physischen Organismus verläßt, so gilt für ihn dasjenige, was er im physischen Organismus über die Natur als Naturwissenschaft entwickelt, nicht mehr. Das hat keine Bedeutung für ihn. Er nimmt es nicht mehr auf, es ist nicht mehr da.
[ 15 ] Above all, one thing stands out with particular clarity—though only for certain people—and that is that the dead do not understand at all what is practiced here on Earth as natural science. If you speak to the dead about all sorts of other things, they will understand. But if one frames what is intended to facilitate communication with the dead in the language of natural science, the dead person experiences this as nothing short of pain. This is extraordinarily important, and it confirms what can also be gleaned from other spiritual sources: that everything that can be brought up here with regard to natural science is, in fact, produced solely by the human physical organism. And as soon as a person leaves this human physical organism, what they have developed in the physical organism regarding nature as natural science no longer applies to them. It has no significance for them. They no longer take it in; it is no longer there.
[ 16 ] Über diese Dinge kann man sich sehr deutliche Vorstellungen aneignen. Nehmen Sie ein rein naturwissenschaftlich geschriebenes Buch von einem richtigen Naturwissenschafter, sagen wir über Botanik. Nehmen Sie ein Kapitel und versuchen Sie, dasjenige, was rein im Sinne der heutigen Naturwissenschaft geschrieben ist, an den Toten heranzubringen; es macht ihm Schmerz. Er weiß gar nicht, woher der Schmerz kommt. Es ist ihm absolut nicht konform, er kann es nicht aufnehmen. In dem Augenblick, wo Sie sich erinnern, wie Sie einmal einen Löwenzahn, von dem vielleicht der Naturforscher redet, gesehen haben, und sie stellen sich lebhaft die gelbe Farbe des Löwenzahns vor und die eigentümlich zackig getriebenen Blätter, in dem ‚Augenblicke, wo Sie dasjenige, was Ihr Auge sieht, wirklich innerlich empfinden — Sie müssen es allerdings empfinden, das Augenbild ist für den Toten gar nicht da —, aber dann, wenn Sie es empfinden, da fängt der Tote an, Verständnis zu fassen.
[ 16 ] One can form very clear ideas about these things. Take a book written purely from a scientific perspective by a genuine scientist—let’s say, on botany. Take a chapter and try to present to the deceased what is written purely in the spirit of modern science; it causes him pain. He has no idea where the pain is coming from. It is completely at odds with him; he cannot accept it. The moment you remember seeing a dandelion—the kind the naturalist might be talking about—and you vividly imagine the dandelion’s yellow color and its peculiarly jagged leaves, in that very moment when you truly feel inwardly what your eye sees — you must indeed feel it, for the visual image is not there at all for the deceased — but then, when you feel it, that is when the deceased begins to grasp it.
[ 17 ] Das, sehen Sie, ist sehr merkwürdig. Die Freude über eine grüne Wiese, die kann der Tote miterleben mit dem irdischen Menschen. Die naturwissenschaftlichen Vorstellungen über die grüne Wiese, die kann er nicht miterleben. Die Naturwissenschafter der Gegenwart sprechen davon, daß man eigentlich über das Lebendige keine Vorstellung bilden könne. Da müsse erst in der Zukunft einmal durch irgendeine besonders vollendete Naturwissenschaft aus allen möglichen Atomkombinationen heraus gefunden werden, wie das Lebendige sich zusammensetzt. Aber man dürfe aus den heutigen Untergründen heraus keine Vorstellung über das Lebendige fassen. Wenn Sie aber die Vorstellung über das Lebendige so fassen, wie zum Beispiel Goethe das tut in der Metamorphosenlehre, und diese Vorstellung in sich lebendig machen, dann wiederum versteht sie auch der Tote. Das sind wiederum Vorstellungen, die der Tote versteht.
[ 17 ] That, you see, is very strange. The dead can share in the joy of a green meadow along with living people. But they cannot share in the scientific concepts regarding the green meadow. Contemporary natural scientists say that one cannot actually form a conception of the living. They claim that only in the future, through some particularly advanced natural science, will it be possible to determine—from all possible atomic combinations—how the living is composed. But one should not form a conception of the living based on today’s foundations. However, if you conceive of the living as, for example, Goethe does in his theory of metamorphosis, and bring this conception to life within yourself, then the dead person, too, can understand it. These, in turn, are concepts that the dead person understands.
[ 18 ] Nun liegt alldem, was ich jetzt hier auseinandersetze, eine ganz bestimmte spirituell historische Tatsache zugrunde. Sehen Sie, ungefähr von dem Jahre 1721 an beginnt das eigentlich erst so recht hervorzutreten, was ich jetzt gesagt habe. Wenn Sie zurückgehen in die Zeit vor dem Jahre 1720 und vertiefen sich verständig in Schriften über die Natur, die damals geschrieben worden sind — die meisten Menschen bemerken solche Dinge nicht, aber es ist doch so —, so werden Sie sehen, da wird viel lebendiger über die Natur gesprochen. Diese Art, wie man heute — jetzt darf ich sagen — dem Toten unverständlich von der Natur spricht, die beginnt eigentlich erst in diesem Beginne des 18. Jahrhunderts. Da kommt erst diese Welle über die Menschheit hereingebrochen. Vorher haben die Menschen immer das Bedürfnis, in viel lebendigerer Weise über die Natur zu schreiben, so daß es die Toten noch verstehen können, daß ein gewisses Miterleben der Toten mit den Lebenden stattfindet. Die wissenschaftlichen Vorstellungen werden seit dieser Zeit, seit dem Übergange zum 18. Jahrhundert, so, daß sie nur Vorstellungen für die Erdenmenschen sind, solange diese Erdenmenschen im physischen Leib sind, daß sie kein Band mehr bilden hinauf in die geistige Welt.
[ 18 ] Now, everything I am discussing here is based on a very specific spiritual-historical fact. You see, it is only from about the year 1721 onward that what I have just said really begins to emerge. If you go back to the time before 1720 and delve deeply into writings about nature that were composed back then—most people don’t notice such things, but it is indeed the case—you will see that nature is discussed in a much more vivid way. This way of speaking about nature today—and now I may say so—in a way that is incomprehensible to the dead, actually only began at the start of the 18th century. It was only then that this wave began to sweep over humanity. Before that, people always felt the need to write about nature in a much more vivid way, so that the dead could still understand it, so that a certain shared experience between the dead and the living could take place. Since that time—since the transition to the 18th century—scientific concepts have become such that they are merely concepts for earthly human beings as long as these earthly human beings are in their physical bodies; they no longer form a link upward into the spiritual world.
[ 19 ] Das ist eine außerordentlich wichtige, spirituell-entwickelungsgeschichtliche Tatsache. Denn Sie können sich ja leicht vorstellen jetzt, wie wir hineingehen in einen Prozeß, wo gewissermaßen die Entkörperten durch die Wissenschaft, die der Mensch einzig und allein noch gelten lassen will, gerade von dem, was der Mensch als das wissenschaftlich Wertvollste findet, von der Erde abgeschnürt werden. Stellen Sie sich einmal mit großer Lebendigkeit vor, was ich eben gesagt habe. Es nützt ja nichts, wenn man sich über diese Dinge die Augen verschließt, ich meine, die geistigen Augen. Stellen Sie sich vor, daß an den Universitäten über die ganze Erde hin alles ausgemerzt wird nach und nach, was nicht gelten kann vor der sogenannten exakten Naturwissenschaft. Also die Universitäten, das sind solche Inseln auf der Erde (es wird gezeichnet), wo am ausgiebigsten ausgemerzt wird alles, was nicht exakte Wissenschaft ist. Damit aber sind diese Universitäten diejenigen Stätten, vor denen der Geist, das heißt alles dasjenige, was an Wesenheit im Geistigen existiert, flieht. Und sie sind jene Inseln in der Menschheitskultur, wo am meisten den Anfang nimmt die Ungeistigkeit, das unspirituelle Leben.
[ 19 ] This is an extraordinarily important fact in the history of spiritual development. For you can easily imagine now how we are entering a process in which, so to speak, the disembodied beings are being cut off from the Earth by science—the only thing humanity is still willing to accept—precisely by that which humanity considers to be of the greatest scientific value. Try to imagine with great vividness what I have just said. It does no good to close one’s eyes to these things—I mean, the spiritual eyes. Imagine that, at universities all over the world, everything that cannot stand up to so-called exact natural science is gradually being weeded out. So the universities are like islands on Earth (a diagram is drawn) where everything that is not exact science is eradicated most thoroughly. But this makes these universities the very places from which the spirit—that is, everything that exists as essence in the spiritual realm—flees. And they are those islands in human culture where unspirituality—the unspiritual life—begins most strongly.
[ 20 ] Die Universitäten sind ja, von den anderen Gesichtspunkten aus angesehen, unsere geistigen Zentren. Aber denken Sie, wie wir Erdenmenschen eigentlich reden. Wir nennen seit dem 18. Jahrhundert dasjenige unsere geistigen Zentren, wo der Geist Abschied nimmt, wo der Geist am allerwenigsten ist! Heute ist nicht mehr die Zeit, sich vor diesen Dingen zu verschließen, diese Dinge nicht, ich möchte sagen, kaltsinnig der wahren Wirklichkeit gemäß anzuschauen. Denn man verschließt sich vor dem, dessen Verständnis notwendig ist, wenn man in die wahre Wirklichkeit der Zeit hineinsehen will, wenn man über solche Dinge hinwegsieht.
[ 20 ] Universities are, after all, viewed from other perspectives, our centers of intellectual life. But just think about how we earthlings actually speak. Since the 18th century, we have been calling those places our centers of intellectual life where the spirit takes its leave, where the spirit is least present! Today is no longer the time to shut oneself off from these things, to fail—I would say—to view them dispassionately in accordance with true reality. For one shuts oneself off from that which must be understood if one wishes to look into the true reality of our time; if one overlooks such things.
[ 21 ] Diese Entwickelung, die im 18. Jahrhundert eingesetzt hat, ist auf ihren Höhepunkt gelangt in unserer Zeit. Und in unserer Zeit ist die Rückkehr notwendig. In unserer Zeit ist notwendig die Rückkehr zu der anderen, geistigen Welle, die ich Ihnen vor einiger Zeit hier charakterisiert habe, durch die sich ein spirituelles Leben wirklich der Menschheit auch mitteilt.
[ 21 ] This development, which began in the 18th century, has reached its peak in our time. And in our time, a return is necessary. In our time, a return to that other, spiritual wave—which I described to you here some time ago—is necessary, for it is through this wave that a spiritual life is truly communicated to humanity.
[ 22 ] Nun gibt es eine Sorte von Geistern, die einen besonderen Hang haben, sich gewissermaßen zu ersättigen an dem, was ungeistig wird auf diese Art auf unserer Erde. Das sind die ahrimanischen Geister. Die gewöhnlichen entkörperten Menschenseelen in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt fühlen wenigstens, ich möchte
[ 22 ] Now there is a certain kind of spirit that has a particular tendency to, so to speak, feed on what becomes non-spiritual in this way on our Earth. These are the Ahrimanic spirits. The ordinary disembodied human souls in the life between death and a new birth at least feel—I would like to
[ 23 ] sagen, negativ, indem: sie wie einen Schmerz empfinden dieser Naturwissen, sie fühlen etwas von diesem Naturwissen, haben also eine Art negativer Erfahrung davon. Die luziferischen Geister haben eine furchtbare Wut auf dieses Naturwissen, sie hassen es, und nur die ahrimanischen Geister haben eine gewisse Neigung dafür, suchen gerade dadurch zu ihrem Ziele zu kommen, daß sie sich einlassen auf dieses Naturwissen, so daß dieses Naturwissen ein Anziehungsband bildet für die ahrimanischen Geister.
[ 23 ] say, negatively, in that: they perceive this knowledge of nature as a kind of pain; they sense something of this knowledge of nature and thus have a kind of negative experience of it. The Luciferic spirits harbor a terrible rage toward this knowledge of nature; they hate it, whereas only the Ahrimanic spirits have a certain affinity for it, seeking to achieve their goals precisely by engaging with this knowledge of nature, so that this knowledge of nature forms a bond of attraction for the Ahrimanic spirits.
[ 24 ] Nun ist Ahriman eben gerade der Geist der Täuschung, des Truges, und ich habe Ihnen, indem ich Ihnen dies auseinandersetze, zu gleicher Zeit damit gezeigt, daß seit jenem Beginne des 18. Jahrhunderts die ahrimanischen Einflüsse immer größer und größer geworden sind. Damit aber ist die Welle der Verwirrung heraufgezogen über die Menschheit. Davon kommt sie. Diese Welle der Verwirrung, die ist dasjenige, was die Menschen wie ein Strudel erfaßt hat, und was sich äußert in der grandiosen Oberflächlichkeit, von der ich Ihnen im Eingange der heutigen Besprechungen gesprochen habe.
[ 24 ] Now, Ahriman is precisely the spirit of deception and deceit, and in explaining this to you, I have at the same time shown you that since the beginning of the 18th century, Ahrimanic influences have grown ever greater and greater. And with that, a wave of confusion has swept over humanity. That is where it comes from. This wave of confusion is what has engulfed people like a whirlpool, and what manifests itself in the grandiose superficiality I spoke to you about at the beginning of today’s discussions.
[ 25 ] Solche Dinge müssen wir wissen, weil wir gerade durch diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in die Lage kommen müssen, uns vor diesen Dingen zu behüten, uns vor ihnen zu bewahren. Eine Art der Bewahrung ist eben jenes Kritische, von dem ich Ihnen gesprochen habe, dieses Achtgeben auf dasjenige, was aus jeder Ecke an uns herankommen kann heute, um uns zu verwirren, wie bei dem Beispiel, das ich eben hier angeführt habe, das kaum bemerkt worden ist, von wenigen nur bemerkt worden ist. Aber auf der anderen Seite begründet das, was ich gesagt habe, noch etwas anderes. Nicht wahr, etwas, was eine allgemeine Welterscheinung ist, dem kann man sich ja nicht entziehen, das ist doch einmal da. Es ist eben heute diese Welle der Wirrnis da. Das Seelenauge davor zu verschließen, das hilft uns gar nichts. Es hilft uns nur, aufmerksam darauf zu machen, daß diese Welle der Wirrnis da ist. Und wir werden aufmerksam, wenn wir vor allen Dingen bei dem, was sich bezieht auf die geistige Welt, immer uns sagen: Die Wirrnis ist da, sie will uns abhalten von der richtigen Erkenntnis der geistigen Welt. Wenn wir immer, ich möchte sagen, eine Art Argwohn haben, wo irgend etwas aus der geistigen Welt uns gesagt wird, daß es auch ein Irrtum sein könnte, wenn wir uns angewöhnen, vorsichtig genug zu sein, dann verfallen wir schon ganz gewiß der in der Gegenwart herrschenden Welle der Wirrnis nicht. Wir müssen den Mut aufbringen, durch diese Wirrnis durchzugehen und uns über sie zu erheben, indem wir uns recht, recht viel befassen mit wirklichem, gesundem Menschenverstand. Dieser gesunde Menschenverstand, der wird uns dann allein zu eigen werden, wenn wir uns vor allen Dingen nicht verwirren lassen durch etwas, was in der Gegenwart eben so gar häufig ist. In der Gegenwart wollen die Menschen eigentlich nur das gelten lassen, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, was ihnen schon geläufig ist.
[ 25 ] We need to know these things because it is precisely through this anthroposophically oriented spiritual science that we must enable ourselves to guard against them, to protect ourselves from them. One way of protecting ourselves is precisely that critical attitude I spoke to you about—this vigilance toward whatever might come at us from every direction today to confuse us, as in the example I just cited here, which went largely unnoticed, noticed by only a few. But on the other hand, what I have said also points to something else. After all, one cannot escape a phenomenon that is widespread throughout the world; it is simply there. This wave of confusion is indeed present today. Closing our inner eye to it does us no good at all. It only helps us to become aware that this wave of confusion is present. And we become aware when, above all, in matters relating to the spiritual world, we always tell ourselves: The confusion is there; it seeks to prevent us from gaining a true understanding of the spiritual world. If we always—I would say—maintain a certain degree of skepticism whenever something from the spiritual world is communicated to us, recognizing that it could also be a mistake, and if we get into the habit of being cautious enough, then we will most certainly not succumb to the wave of confusion prevailing in the present. We must summon the courage to pass through this confusion and rise above it by engaging very, very deeply with genuine, sound common sense. This sound common sense will become our own only if, above all else, we do not allow ourselves to be confused by something that is so all too common in the present day. These days, people are generally only willing to accept things they are already familiar with once they have reached a certain age.
[ 26 ] Es ist eine ganz allgemeine Erscheinung, daß die Menschen kaum von irgend etwas neu überzeugt werden können, wenn sie ein bestimmtes Alter erreicht haben. Tritt ihnen irgend etwas entgegen, dann fragen sie sich nur: Haben sie das schon gedacht? — dann sind sie damit einverstanden; oder aber sie haben es eben noch nicht gedacht, dann ist es für sie falsch oder abstrakt oder irgend etwas. Kurz, es gibt irgendeinen Grund, weswegen sie sich mit der Sache nicht einlassen. Demgegenüber hat eigentlich der Mensch der Gegenwart die ernste Aufgabe, immerzu sich von neuen Dingen, ich will nicht sagen, überzeugen zu lassen, aber sich wenigstens von neuen Dingen vorurteilslos, unbefangen berühren zu lassen, neue Dinge, die in die Welt hereintreten, mitzumachen. Es könnte scheinen, als ob es eine triviale Bemerkung wäre, die ich damit mache. Sie ist keine triviale Bemerkung, weil in der Gegenwart gegen das, was ich meine, so außerordentlich viel gesündigt wird. Und schnell würde manches besser werden, wenn im Verkehre der Menschen heute mehr überzeugende Kraft sich entwickeln könnte, wenn nicht die Menschen gegeneinander im Verkehre so abweisend wären, nicht so starrköpfig auf ihren eigenen, in einem bestimmten Lebensalter in sich aufgenommenen Meinungen bestünden. Wovon rührt denn das eigentlich her, meine lieben Freunde? In demselben Zeitpunkt, in dem das, was ich Ihnen angedeutet habe mit Bezug auf die naturwissenschaftlich orientierte Vorstellung, auftritt, in demselben Zeitpunkt beginnt ein ganz gewisser Entwickelungsprozeß mit der Menschheit, der in folgendem besteht: Im großen und ganzen ist der Mensch ein physischer Leib, der in einen Ätherleib eingebettet ist; das andere brauchen wir heute nicht zu berücksichtigen. Aber die Innigkeit der Verbindung — ich meine jetzt nicht das räumliche Sich-Decken, aber das Dynamische in der Verbindung —, das ändert sich im Laufe der Erdenentwickelung, und die innigen Beziehungen zwischen dem Ätherkopfe und dem menschlichen physischen Kopf, die bestanden haben zum Beispiel in den Jahrhunderten, von denen man hauptsächlich spricht, wenn man von griechischer Kultur spricht, diese Beziehungen bestehen schon seit dem 3. vorchristlichen Jahrhundert nicht mehr. Seit dem 3. vorchristlichen Jahrhundert ist schon der alte Innigkeitszusammenhang zwischen dem Ätherkopf des Menschen und dem physischen Kopf verlorengegangen. Aber es ist doch immer aufrechterhalten geblieben ein recht inniger Zusammenhang zwischen dem menschlichen physischen Herzen und dem menschlichen Ätherherzen. Aber seit dem Jahre 1721 lockert sich merkwürdigerweise immer mehr und mehr der Zusammenhang zwischen dem menschlichen physischen Herzen und dem Ätherherzen. Wenn ich so sagen darf: Wenn das physische Herz da ist und das Ätherherz da (siehe Zeichnung) so war das früher mehr ein Ganzes, jetzt kann das Ätherherz geschüttelt werden ätherisch, es ist nicht mehr innerlich so dynamisch verbunden wie früher. Später werden noch andere Organe des Menschen sich vom Ätherischen lösen. Das aber, daß das Herz nach und nach sich löst von seinem Ätherteil, und bis in das 3. Jahrtausend hinein, bis man 2100 ungefähr schreiben wird, sich ganz gelöst haben wird, das macht auch in bezug auf die menschliche Entwickelung etwas sehr Bedeutsames aus. Was es ausmacht, das kann man in der folgenden Weise charakterisieren. Man muß sagen: Das macht das aus, daß die Menschen nötig haben, etwas, was ihnen früher von selbst kam durch den natürlichen Zusammenhang zwischen physischem Herzen und Ätherherzen, auf einem anderen Wege zu suchen, auf dem Wege des spirituellen Lebens. Dieses vom physischen Herzen losgetrennte Ätherherz, das wird seine richtige Beziehung zur geistigen Welt nur gewinnen, wenn der Mensch sucht spirituelles Wissen, wenn der Mensch sucht anthroposophisch orientierte geistige Gedanken. Das muß immer mehr und mehr gesucht werden.
[ 26 ] It is a very common phenomenon that people can hardly be convinced of anything new once they have reached a certain age. When confronted with something new, they simply ask themselves: Have they already thought of this? — if so, they agree with it; but if they haven’t thought of it yet, then to them it is wrong or abstract or something of the sort. In short, there is always some reason why they refuse to engage with the matter. In contrast, people today actually have the serious task of constantly allowing themselves—I won’t say to be convinced by—new things, but at least to let themselves be touched by them without prejudice or preconceptions, and to participate in the new things that are entering the world. It might seem as though I am making a trivial remark here. It is not a trivial remark, because in the present day there is such an extraordinary amount of transgression against what I mean. And many things would quickly improve if more persuasive power could develop in people’s interactions today, if people were not so dismissive of one another in their dealings, if they did not cling so stubbornly to their own opinions—opinions they absorbed at a certain stage of life. Where does this actually come from, my dear friends? At the very moment when what I have indicated to you with regard to the scientifically oriented conception occurs, at that very moment a very specific process of development begins within humanity, which consists of the following: Broadly speaking, the human being is a physical body embedded in an etheric body; we need not consider the other aspect today. But the intimacy of the connection—I am not referring here to the spatial overlap, but to the dynamic aspect of the connection—changes in the course of Earth’s evolution, and the intimate relationships between the etheric head and the human physical head—which existed, for example, in the centuries most commonly referred to when speaking of Greek culture—have not existed since the 3rd century B.C. Since the 3rd century B.C., the old intimate connection between the human etheric head and the physical head has already been lost. But a quite intimate connection between the human physical heart and the human etheric heart has always been maintained. But since the year 1721, strangely enough, the connection between the human physical heart and the etheric heart has been loosening more and more. If I may put it this way: when the physical heart is here and the etheric heart is there (see drawing), it used to form more of a unified whole; now the etheric heart can be shaken in an etheric sense—it is no longer connected internally as dynamically as it once was. Later on, other human organs will also detach from the etheric. But the fact that the heart is gradually detaching from its etheric component—and will have detached completely by the third millennium, around the year 2100—is also of great significance in terms of human development. What this signifies can be characterized as follows. It must be said: What this means is that human beings will need to seek—through the path of spiritual life—something that used to come to them naturally through the connection between the physical heart and the etheric heart. This etheric heart, separated from the physical heart, will only establish its proper relationship to the spiritual world when the human being seeks spiritual knowledge, when the human being seeks spiritually oriented thoughts based on anthroposophy. This must be sought more and more.


[ 27 ] Nun finden Sie etwas höchst Merkwürdiges in unserer Zeit. Wenn von anthroposophischer Geisteswissenschaft bei den — mit Respekt zu vermelden — Zeitungsleuten die Rede ist, dann wird oftmals gesagt: Ja, aber das, das hat einen systematischen Zusammenhang, das ist kompliziert, da muß man viele Gedanken haben; das Christentum macht das alles einfach, es hat den Glauben! — Aber dieser Glaube, der sich nicht aufschwingen will zum spirituellen Leben, der sich nicht einlassen will auf die wirklichen Gedanken über die geistige Welt, dieser Glaube ist gerade seit jener Lostrennung des Ätherherzens vom physischen Herzen außerordentlich gefährlich, denn dieser Glaube, der nicht begreifen will die geistige Welt, der eben nur ein naives Gefühlsverhältnis zur geistigen Welt entwickeln will, dieser Glaube materialisiert das Herz der Menschheit, der ist ein Mittel zur materialistischen Kultur auf einem Gebiete, woran man gewöhnlich nicht denkt. Deshalb werden gerade die religiösen Leute, wenn man die Sache ernst nimmt, so furchtbar materialistisch in unserer Zeit, weil sie sich auf den bloßen Glauben stützen. Dieser Glaube muß durchtränkt und durchgeistigt werden von wirklichen Ideen über die geistige Welt, und es ist ein ahrimanischer Trick, den Leuten im Zeitalter der Verwirrung einzuprägen: sie sollen nur ja nicht zur Anschauung der geistigen Welt kommen, sondern beim bloßen Glauben stehenbleiben. Sie sehen da wiederum hingedeutet auf etwas in unserer Zeit, das von einer ungeheuer großen Bedeutung ist. Und das, was ich heute im Anfange gesagt habe, und was ich jetzt am Ende sage der heutigen ‚Auseinandersetzung, es schließt sich zusammen. Schauen Sie nur unbefangen hin auf die furchtbare Gedankenlosigkeit, auf die grenzenlose Oberflächlichkeit, aus der sich herausentwickelt haben unsere traurigen Verhältnisse, schauen Sie tief hin auf dasjenige, was geisteswissenschaftlich allein konstatiert werden kann, die Lostrennung des Ätherherzens vom physischen Herzen, und nehmen Sie aus solchen Auseinandersetzungen den Impuls des Ernstes, der in unserer Zeit so nötig ist zur Entwickelung. Immer zahlreicher und zahlreicher werden auf der einen Seite in unserer Zeit die Menschen werden, die aus der oberflächlichen Verwirrung heraus schon gar nicht mehr wissen, wovon sie reden. Natürlich, bei einem solchen Menschen ist es ganz klar, er weiß doch nicht, wovon er redet, denn er redet von etwas, was überhaupt nicht mehr vorhanden ist, weil er nicht mehr lesen kann. Und auf der anderen Seite werden die Menschen immer zahlreicher, die im trüben fischen wollen, welche die Verwirrung der Gemüter benützen, um einzuträufeln allerlei, was sie wollen, denn in verworrene Geister kann man alle möglichen Impulse hineinverpflanzen. Denn unter den Geistern, die noch eine Beziehung zu der irdischen Verwirrung haben, sind die Truggeister, sind die ahrimanischen Geister. Und man kann das Gegenteil des Vernünftigen, des Gesunden den Menschen dann einpflanzen, wenn man auf ihre Verwirrung rechnet.
[ 27 ] Now you will find something most peculiar in our time. When anthroposophical spiritual science is discussed among — with all due respect — newspaper people, it is often said: “Yes, but that has a systematic structure; it is complicated; you have to think deeply about it”; Christianity makes it all simple—it has faith!”—But this faith, which refuses to rise to spiritual life, which refuses to engage with genuine thoughts about the spiritual world—this faith has been extraordinarily dangerous ever since that separation of the etheric heart from the physical heart, for this faith, which refuses to comprehend the spiritual world, which seeks only to develop a naive emotional relationship to the spiritual world, this faith materializes the heart of humanity; it is a means of fostering materialistic culture in a realm one does not usually consider. That is why, if one takes the matter seriously, religious people in particular have become so terribly materialistic in our time, because they rely on mere faith. This faith must be imbued and spiritualized by genuine ideas about the spiritual world, and it is an Ahrimanic trick to instill in people in this age of confusion the idea that they must by no means come to a direct perception of the spiritual world, but must remain at the level of mere faith. Here again, you see a reference to something in our time that is of immense significance. And what I said at the beginning today, and what I am now saying at the end of today’s “discussion,” all comes together. Just look impartially at the appalling thoughtlessness, at the boundless superficiality from which our sad circumstances have developed; look deeply at what can be established solely through spiritual science—the separation of the etheric heart from the physical heart—and draw from such discussions the impulse of seriousness that is so necessary for development in our time. On the one hand, there are more and more people in our time who, caught up in superficial confusion, no longer even know what they are talking about. Of course, with such a person it is quite clear that they do not know what they are talking about, for they speak of something that no longer exists at all—because they can no longer read. And on the other hand, there are an ever-increasing number of people who seek to fish in troubled waters—who exploit the confusion of minds to instill whatever they please, for all manner of impulses can be implanted into confused minds. For among the spirits that still have a connection to earthly confusion are the spirits of deception, the Ahrimanic spirits. And one can instill in people the opposite of what is reasonable and wholesome by counting on their confusion.
[ 28 ] Das sind ernste Angelegenheiten, meine lieben Freunde. Wir wollen morgen von ihnen weiter sprechen. Morgen werden wir um halb acht Uhr mit dem Vortrage beginnen.
[ 28 ] These are serious matters, my dear friends. Let’s talk more about them tomorrow. Tomorrow we will begin the lecture at half past seven.
