Past and Future Influences on Social Events
GA 190
13 April 1919, Dornach
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Vergangenheits- und Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen
Elfter Vortrag
Elfter Vortrag
[ 1 ] Aus den beiden Vorträgen von vorgestern und gestern werden Sie ersehen haben, daß wahrhaftig nicht aus irgendeiner subjektiven Meinung, aus irgendeinem subjektiven Wollen heraus von seiten anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft gegenwärtig gesprochen werden muß von jener sozialen Dreigliederung, von der wir ja jetzt so oft gesprochen haben und die auch zum Gegenstande öffentlicher Darstellungen gemacht worden ist. Was besonders die Auseinandersetzungen von gestern betrifft, so ist darüber zu sagen, daß ich dabei die Absicht haben mußte, darauf hinzuweisen, welche tiefgehenden Impulse in dem Völkerleben der gegenwärtigen zivilisierten Welt, also der Welt der fünften nachatlantischen Zeit herrschen. Ich versuchte zu zeigen, wie ungefähr vom Jahre 1200 ab in Mitteleuropa ein Impuls erwacht, der in diesem Mitteleuropa eigentlich bedeutete den Aufstieg desjenigen, was man nennen kann die bürgerliche soziale Ordnung, daß aber sich hineinmischte in dieses bürgerlich soziale Leben Mitteleuropas wie zurückgebliebenes Seelenleben aus früheren Jahrhunderten, verfallendes Nibelungentum, jenes verfallene Nibelungentum, welches als Seelenleben sich ausgestaltete, namentlich in den verwaltenden und regierenden Oberschichten der mitteleuropäischen Länder. Und ich betonte ganz besonders, welch ein einschneidender Kontrast in diesem mitteleuropäischen Leben vorhanden war vom 13. bis ins 20. Jahrhundert herein, wo er eben dann geführt hat zu jenem furchtbaren sozialen Röcheln, das auch über Mitteleuropa hereingebrochen ist. Ich versuchte darauf hinzuweisen, welch ein einschneidender Kontrast vorhanden war zwischen dem inneren seelischen Erleben der breiten bürgerlichen Bevölkerung und denjenigen Leuten, welche, hervorkommend aus dem alten Rittertum, aus den alten Lehensträgern, aus alldem, was eben Überbleibsel war in seelischer Beziehung des alten Nibelungentums, im Grunde die Politik dieses Mitteleuropa machten, während die breite Masse des Bürgertums unpolitisch, apolitisch blieb. Man muß sich schon einmal ganz ernsthaftig, gerade wenn man von praktischen Gesichtspunkten aus Geisteswissenschafter sein will, hineinversetzen in diesen Seelenunterschied, der da besteht oder bestanden hat, namentlich zwischen dem sogenannten gebildeten Bürgertum und seinen Angehörigen und zwischen alldem, was auf irgendwie gearteten Regierungssesseln in Mitteleuropa gesessen hat. Das habe ich gestern charakterisiert.
[ 1 ] Aus den beiden Vorträgen von vorgestern und gestern werden Sie ersehen haben, daß wahrhaftig nicht aus irgendeiner subjektiven Meinung, aus irgendeinem subjektiven Wollen heraus von seiten anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft gegenwärtig gesprochen werden muß von jener sozialen Dreigliederung, von der wir ja jetzt so oft gesprochen haben und die auch zum Gegenstande öffentlicher Darstellungen gemacht worden ist. Was besonders die Auseinandersetzungen von gestern betrifft, so ist darüber zu sagen, daß ich dabei die Absicht haben mußte, darauf hinzuweisen, welche tiefgehenden Impulse in dem Völkerleben der gegenwärtigen zivilisierten Welt, also der Welt der fünften nachatlantischen Zeit herrschen. Ich versuchte zu zeigen, wie ungefähr vom Jahre 1200 ab in Mitteleuropa ein Impuls erwacht, der in diesem Mitteleuropa eigentlich bedeutete den Aufstieg desjenigen, was man nennen kann die bürgerliche soziale Ordnung, daß aber sich hineinmischte in dieses bürgerlich soziale Leben Mitteleuropas wie zurückgebliebenes Seelenleben aus früheren Jahrhunderten, verfallendes Nibelungentum, jenes verfallene Nibelungentum, welches als Seelenleben sich ausgestaltete, namentlich in den verwaltenden und regierenden Oberschichten der mitteleuropäischen Länder. Und ich betonte ganz besonders, welch ein einschneidender Kontrast in diesem mitteleuropäischen Leben vorhanden war vom 13. bis ins 20. Jahrhundert herein, wo er eben dann geführt hat zu jenem furchtbaren sozialen Röcheln, das auch über Mitteleuropa hereingebrochen ist. Ich versuchte darauf hinzuweisen, welch ein einschneidender Kontrast vorhanden war zwischen dem inneren seelischen Erleben der breiten bürgerlichen Bevölkerung und denjenigen Leuten, welche, hervorkommend aus dem alten Rittertum, aus den alten Lehensträgern, aus alldem, was eben Überbleibsel war in seelischer Beziehung des alten Nibelungentums, im Grunde die Politik dieses Mitteleuropa machten, während die breite Masse des Bürgertums unpolitisch, apolitisch blieb. Man muß sich schon einmal ganz ernsthaftig, gerade wenn man von praktischen Gesichtspunkten aus Geisteswissenschafter sein will, hineinversetzen in diesen Seelenunterschied, der da besteht oder bestanden hat, namentlich zwischen dem sogenannten gebildeten Bürgertum und seinen Angehörigen und zwischen alldem, was auf irgendwie gearteten Regierungssesseln in Mitteleuropa gesessen hat. Das habe ich gestern charakterisiert.
[ 2 ] Nun wollen wir ein wenig näher ins Auge fassen, warum eigentlich diese im Grunde doch großartige Geistesbewegung, die da geht von Walther von der Vogelweide bis herauf zum Goetheanismus, während sie nach dem Goetheanismus einen jähen Absturz erfährt, warum denn diese Geistesbewegung so gar nicht dahin gekommen ist, das soziale Leben irgendwie zu bewältigen, in dem sozialen Leben irgendwie Gedanken zu fassen. Man bedenke doch nur, daß selbst Goethe, der über vieles in der Welt die umfassendsten Ideen zu entwickeln verstand, eigentlich nur in gewissen Andeutungen, von denen man dreist sagen kann, daß sie ihm selber nicht ganz klar waren, zu sprechen verstand über dasjenige, was da als eine neue soziale Ordnung über die zivilisierte Menschheit heraufkommen muß. Im Grunde war schon die Tendenz nach der Dreigliederung des gesunden sozialen Organismus seit dem Ende des 18. Jahrhunderts in dem Unterbewußtsein der Menschen vorhanden. Und die Rufe nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die nur dann Sinn bekommen werden, wenn einmal die Dreigliederung sich verwirklicht, sie bezeugten, daß diese unterbewußte Sehnsucht nach der Dreigliederung vorhanden war. Warum eigentlich kam sie nicht ans Tageslicht?
[ 2 ] Nun wollen wir ein wenig näher ins Auge fassen, warum eigentlich diese im Grunde doch großartige Geistesbewegung, die da geht von Walther von der Vogelweide bis herauf zum Goetheanismus, während sie nach dem Goetheanismus einen jähen Absturz erfährt, warum denn diese Geistesbewegung so gar nicht dahin gekommen ist, das soziale Leben irgendwie zu bewältigen, in dem sozialen Leben irgendwie Gedanken zu fassen. Man bedenke doch nur, daß selbst Goethe, der über vieles in der Welt die umfassendsten Ideen zu entwickeln verstand, eigentlich nur in gewissen Andeutungen, von denen man dreist sagen kann, daß sie ihm selber nicht ganz klar waren, zu sprechen verstand über dasjenige, was da als eine neue soziale Ordnung über die zivilisierte Menschheit heraufkommen muß. Im Grunde war schon die Tendenz nach der Dreigliederung des gesunden sozialen Organismus seit dem Ende des 18. Jahrhunderts in dem Unterbewußtsein der Menschen vorhanden. Und die Rufe nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die nur dann Sinn bekommen werden, wenn einmal die Dreigliederung sich verwirklicht, sie bezeugten, daß diese unterbewußte Sehnsucht nach der Dreigliederung vorhanden war. Warum eigentlich kam sie nicht ans Tageslicht?
[ 3 ] Das hängt mit der ganzen Artung des Geisteslebens Mitteleuropas zusammen. Ich habe gestern am Schlusse hingewiesen auf eine eigentümliche Erscheinung, ich habe gesagt: Der von mir so hoch verehrte Herman Grimm, der mit seinen Ideen in so manches hineinleuchten konnte, was Künstlerisches, was Allgemein-Menschliches ist, was die Antike betrifft, er verfiel in die merkwürdige Unwahrheit, einen bloRen Wortphraseur wie Wildenbruch zu bewundern. Ich habe öfter im Lauf der Jahre — gestatten Sie diese persönliche Bemerkung — auf etwas hingewiesen, was, wenn man es so erzählt, recht unbedeutend dem Zuhörer erscheinen könnte, was aber für den, der das Leben symptomatologisch betrachtet, eine große, tiefgehende Bedeutung haben kann. Ich hatte unter manchen anderen Gesprächen, die ich führen durfte in der Zeit, als ich mit Herman Grimm persönlichen Verkehr hatte, auch einmal ein Gespräch mit ihm, im Verlauf dessen ich von meinem Gesichtspunkte aus auf manches hinwies, was geistig zu verstehen ist. Und wenn ich dies erzählt habe, habe ich immer darauf aufmerksam gemacht, daß Herman Grimm für eine solche Rede über das Geistige nur eine abwehrende Handbewegung hatte; er meinte, das ist etwas, worauf er sich nicht einläßt. Es war in diesem Momente eine ungeheuer wahre Bemerkung, die in dieser Handbewegung bestand. Inwiefern war diese Bemerkung ungeheuer wahr? Wahr war sie insofern, als Herman Grimm bei allem seinem Eingehen auf manches in der sogenannten geistigen Entwickelung der Menschheit, in der Kunst, in der Darlebung des ‚Allgemein-Menschlichen, auch nicht die geringste Ahnung hatte von dem, was eigentlich Geist sein muß dem Menschen des fünften nachatlantischen Zeitalters. Herman Grimm wußte einfach nicht vom Gesichtspunkte aus eines Menschen des fünften nachatlantischen Zeitraums, was Geist ist. Wenn man solch eine Sache bespricht, dann ist es schon nötig, daß man nicht schroff sich auf den Gesichtspunkt der Wahrheit stellt; wenigstens bis zum Geiste hin war ein solcher Mensch wie Herman Grimm wahr —: weil er nichts wußte von der Art, wieman über den Geist denkt, machte er eine abwehrende Bewegung. Wäre er einer gewesen von den Phraseuren, die heute wieder als Propheten maskiert herumgehen und die Menschen bessern wollen, dann würde er geglaubt haben, er könne über den Geist mitreden, dann würde er geglaubt haben, wenn man sagt: Geist, Geist, Geist —, dann wäre damit irgend etwas gesagt, was auch entsprechen würde einem Inhalt, den man in seiner eigenen Seele hegt.
[ 3 ] Das hängt mit der ganzen Artung des Geisteslebens Mitteleuropas zusammen. Ich habe gestern am Schlusse hingewiesen auf eine eigentümliche Erscheinung, ich habe gesagt: Der von mir so hoch verehrte Herman Grimm, der mit seinen Ideen in so manches hineinleuchten konnte, was Künstlerisches, was Allgemein-Menschliches ist, was die Antike betrifft, er verfiel in die merkwürdige Unwahrheit, einen bloRen Wortphraseur wie Wildenbruch zu bewundern. Ich habe öfter im Lauf der Jahre — gestatten Sie diese persönliche Bemerkung — auf etwas hingewiesen, was, wenn man es so erzählt, recht unbedeutend dem Zuhörer erscheinen könnte, was aber für den, der das Leben symptomatologisch betrachtet, eine große, tiefgehende Bedeutung haben kann. Ich hatte unter manchen anderen Gesprächen, die ich führen durfte in der Zeit, als ich mit Herman Grimm persönlichen Verkehr hatte, auch einmal ein Gespräch mit ihm, im Verlauf dessen ich von meinem Gesichtspunkte aus auf manches hinwies, was geistig zu verstehen ist. Und wenn ich dies erzählt habe, habe ich immer darauf aufmerksam gemacht, daß Herman Grimm für eine solche Rede über das Geistige nur eine abwehrende Handbewegung hatte; er meinte, das ist etwas, worauf er sich nicht einläßt. Es war in diesem Momente eine ungeheuer wahre Bemerkung, die in dieser Handbewegung bestand. Inwiefern war diese Bemerkung ungeheuer wahr? Wahr war sie insofern, als Herman Grimm bei allem seinem Eingehen auf manches in der sogenannten geistigen Entwickelung der Menschheit, in der Kunst, in der Darlebung des ‚Allgemein-Menschlichen, auch nicht die geringste Ahnung hatte von dem, was eigentlich Geist sein muß dem Menschen des fünften nachatlantischen Zeitalters. Herman Grimm wußte einfach nicht vom Gesichtspunkte aus eines Menschen des fünften nachatlantischen Zeitraums, was Geist ist. Wenn man solch eine Sache bespricht, dann ist es schon nötig, daß man nicht schroff sich auf den Gesichtspunkt der Wahrheit stellt; wenigstens bis zum Geiste hin war ein solcher Mensch wie Herman Grimm wahr —: weil er nichts wußte von der Art, wieman über den Geist denkt, machte er eine abwehrende Bewegung. Wäre er einer gewesen von den Phraseuren, die heute wieder als Propheten maskiert herumgehen und die Menschen bessern wollen, dann würde er geglaubt haben, er könne über den Geist mitreden, dann würde er geglaubt haben, wenn man sagt: Geist, Geist, Geist —, dann wäre damit irgend etwas gesagt, was auch entsprechen würde einem Inhalt, den man in seiner eigenen Seele hegt.
[ 4 ] Unter denjenigen, die auch viel vom Geiste gesprochen haben in den letzten Jahrzehnten, ohne eine Ahnung zu haben von dem, was Geist ist, sind ja auch die Majorität der Theosophen zu verzeichnen. Denn eigentlich kann man schon sagen, daß unter allen geistlosen Schwätzereien, die in der neuesten Zeit gepflogen worden sind, die theosophischen die betrübendsten waren, auch die schlimmsten Früchte zum Teil getragen haben. Wenn man aber so etwas ausspricht wie dasjenige, was ich eben in bezug auf Herman Grimm gesagt habe, den ich dabei nicht als Persönlichkeit, sondern als Repräsentanten, als Typus unserer Zeit ins Auge fassen möchte, dann kann man doch die Frage stellen, wie es denn eigentlich möglich ist, daß ein solcher, das mitteleuropäische Leben ganz und gar repräsentierender Mensch keine Ahnung davon hat, wie man denken muß, wenn man über den Geist denkt. Damit ist nämlich Herman Grimm wirklich nur der Repräsentant für mitteleuropäisches Leben. Denn fassen wir eben gerade diejenige Kultur ins Auge, die ich gestern charakterisiert habe, die als die Kultur des Bürgertums, sagen wir im Jahre 1200 — approximativ natürlich — aufgeht und dann bis in den Goetheanismus hinein sich erstreckt, fassen wir gerade diese Kultur, diese glanzvolle Kultur ins Auge, dann muß uns als das Charakteristische dieser Kultur, die ja deshalb nicht geringer geschätzt zu werden braucht, erscheinen, daß sie im schönsten Sinne von demjenigen durchpulst ist, was man Seele nennt, daß ihr aber ganz und gar dasjenige fehlt, was man Geist nennen kann. Das muß man nur mit all der dazu nötigen tragischen Empfindung ins Auge fassen können, daß gerade dieser glanzvollen Kultur dasjenige fehlt, was man Geist nennen könnte. Nur muß man natürlich den Geist in dem Sinne nehmen, wie man den Geist zu nehmen lernt durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft.
[ 4 ] Unter denjenigen, die auch viel vom Geiste gesprochen haben in den letzten Jahrzehnten, ohne eine Ahnung zu haben von dem, was Geist ist, sind ja auch die Majorität der Theosophen zu verzeichnen. Denn eigentlich kann man schon sagen, daß unter allen geistlosen Schwätzereien, die in der neuesten Zeit gepflogen worden sind, die theosophischen die betrübendsten waren, auch die schlimmsten Früchte zum Teil getragen haben. Wenn man aber so etwas ausspricht wie dasjenige, was ich eben in bezug auf Herman Grimm gesagt habe, den ich dabei nicht als Persönlichkeit, sondern als Repräsentanten, als Typus unserer Zeit ins Auge fassen möchte, dann kann man doch die Frage stellen, wie es denn eigentlich möglich ist, daß ein solcher, das mitteleuropäische Leben ganz und gar repräsentierender Mensch keine Ahnung davon hat, wie man denken muß, wenn man über den Geist denkt. Damit ist nämlich Herman Grimm wirklich nur der Repräsentant für mitteleuropäisches Leben. Denn fassen wir eben gerade diejenige Kultur ins Auge, die ich gestern charakterisiert habe, die als die Kultur des Bürgertums, sagen wir im Jahre 1200 — approximativ natürlich — aufgeht und dann bis in den Goetheanismus hinein sich erstreckt, fassen wir gerade diese Kultur, diese glanzvolle Kultur ins Auge, dann muß uns als das Charakteristische dieser Kultur, die ja deshalb nicht geringer geschätzt zu werden braucht, erscheinen, daß sie im schönsten Sinne von demjenigen durchpulst ist, was man Seele nennt, daß ihr aber ganz und gar dasjenige fehlt, was man Geist nennen kann. Das muß man nur mit all der dazu nötigen tragischen Empfindung ins Auge fassen können, daß gerade dieser glanzvollen Kultur dasjenige fehlt, was man Geist nennen könnte. Nur muß man natürlich den Geist in dem Sinne nehmen, wie man den Geist zu nehmen lernt durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft.
[ 5 ] Ich komme immer wiederum auf diese repräsentative Persönlichkeit, Herman Grimm, zurück, denn so, wie er gedacht hat, so haben Tausende und aber Tausende von Gebildeten Mitteleuropas gedacht. Herman Grimm hat ein ausgezeichnetes Buch über Goethe geschrieben, das zusammenfaßt Vorlesungen, die er in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts an der Berliner Universität gehalten hat. Mit Bezug auf all dasjenige, was Herman Grimm über Goethe gesagt hat, ist es richtig, daß er eigentlich das Beste gesagt hat, was in umfassender Weise aus dieser Bildungsschicht heraus über Goethe gesagt worden ist. Und Herman Grimm hatte von seinem seelenvollen Standpunkte aus die Gabe, Menschen zu charakterisieren, aber auch die Gabe, Menschencharakteristiken in richtiger Weise aufzufassen, in richtiger Weise zu taxieren. In dieser Beziehung war er glänzend im Auffinden der Worte, um irgend etwas zu charakterisieren. Ich möchte nur an eines erinnern. Herman Grimm gehörte natürlich auch zu den Menschen, von denen ich gestern gesprochen habe, die mit Bezug auf die Nibelungenwildlinge in der Unwahrheit drinnen waren. Er war begeistert für Friedrich den Großen und hatte in seiner Seele eine ganz bestimmte Vorstellung, wie er sich Friedrich den Großen als einen germanisch-deutschen Helden vorzustellen habe. Nun hat der englische Historiker und Schriftsteller Macaulay eine Charakteristik Friedrichs des Großen gegeben, die selbstverständlich vom englischen Gesichtspunkte aus geschrieben ist. Herman Grimm wollte in einem Aufsatz über Macaulay klarmachen, wie eigentlich nur ein richtig empfindender Deutscher Friedrich den Großen verstehen und die Linien ziehen kann, durch die dieser Charakter gezeichnet wird, und die Macaulaysche Zeichnung von Friedrich dem Großen charakterisierte er sehr treffend, indem er sagte: Macaulay macht aus Friedrich dem Großen ein verzwicktes englisches Lordsgesicht mit Schnupftabak auf der Nase.
[ 5 ] Ich komme immer wiederum auf diese repräsentative Persönlichkeit, Herman Grimm, zurück, denn so, wie er gedacht hat, so haben Tausende und aber Tausende von Gebildeten Mitteleuropas gedacht. Herman Grimm hat ein ausgezeichnetes Buch über Goethe geschrieben, das zusammenfaßt Vorlesungen, die er in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts an der Berliner Universität gehalten hat. Mit Bezug auf all dasjenige, was Herman Grimm über Goethe gesagt hat, ist es richtig, daß er eigentlich das Beste gesagt hat, was in umfassender Weise aus dieser Bildungsschicht heraus über Goethe gesagt worden ist. Und Herman Grimm hatte von seinem seelenvollen Standpunkte aus die Gabe, Menschen zu charakterisieren, aber auch die Gabe, Menschencharakteristiken in richtiger Weise aufzufassen, in richtiger Weise zu taxieren. In dieser Beziehung war er glänzend im Auffinden der Worte, um irgend etwas zu charakterisieren. Ich möchte nur an eines erinnern. Herman Grimm gehörte natürlich auch zu den Menschen, von denen ich gestern gesprochen habe, die mit Bezug auf die Nibelungenwildlinge in der Unwahrheit drinnen waren. Er war begeistert für Friedrich den Großen und hatte in seiner Seele eine ganz bestimmte Vorstellung, wie er sich Friedrich den Großen als einen germanisch-deutschen Helden vorzustellen habe. Nun hat der englische Historiker und Schriftsteller Macaulay eine Charakteristik Friedrichs des Großen gegeben, die selbstverständlich vom englischen Gesichtspunkte aus geschrieben ist. Herman Grimm wollte in einem Aufsatz über Macaulay klarmachen, wie eigentlich nur ein richtig empfindender Deutscher Friedrich den Großen verstehen und die Linien ziehen kann, durch die dieser Charakter gezeichnet wird, und die Macaulaysche Zeichnung von Friedrich dem Großen charakterisierte er sehr treffend, indem er sagte: Macaulay macht aus Friedrich dem Großen ein verzwicktes englisches Lordsgesicht mit Schnupftabak auf der Nase.
[ 6 ] Nun, solch eine Charakteristik zu finden, das ist etwas, das bedeutet etwas, nämlich, daß man runden kann seine Ideen, seine Vorstellungen, daß diese Vorstellungen plastisch werden können. Solche Beispiele, aus denen anschaulich wird, wie solch ein Geist wie Herman Grimm treffend charakterisieren kann, könnte man viele geben, aber auch von anderen ähnlichen Geistern aus der ganzen Kulturzeit Mitteleuropas, die ich gestern charakterisiert habe. Aber sieht man gerade mit diesem guten Willen, der aus einer solchen Anerkennung Herman Grimms hervorgeht, seine Goethe-Monographie an, die weitaus die beste ist von denen, die geschrieben worden sind, was hat man dann für eine Empfindung? Man hat die Empfindung: Das ist etwas sehr Schönes, etwas außerordentlich Gutes — aber Goethe ist es nicht! Von Goethe ist eigentlich im Grunde genommen nur ein Schattenbild da, wie wenn man von einem Gebilde, das drei Dimensionen hat, nur ein Schattenbild, das auf die Wand geworfen wird und zwei Dimensionen hat, macht. Ich möchte sagen: Kapitel für Kapitel wandelt Goethe wie ein Gespenst vom Jahre 1749 bis 1832. Ein gespenstiger Goethe wird geschildert, nicht dasjenige, was Goethe war, was Goethe dachte, was Goethe fühlte, was Goethe wollte, sondern dasjenige, was wie ein Gespenst durch die Jahrzehnte, auf die ich eben gedeutet habe, hinwanderte und -wandelte.
[ 6 ] Nun, solch eine Charakteristik zu finden, das ist etwas, das bedeutet etwas, nämlich, daß man runden kann seine Ideen, seine Vorstellungen, daß diese Vorstellungen plastisch werden können. Solche Beispiele, aus denen anschaulich wird, wie solch ein Geist wie Herman Grimm treffend charakterisieren kann, könnte man viele geben, aber auch von anderen ähnlichen Geistern aus der ganzen Kulturzeit Mitteleuropas, die ich gestern charakterisiert habe. Aber sieht man gerade mit diesem guten Willen, der aus einer solchen Anerkennung Herman Grimms hervorgeht, seine Goethe-Monographie an, die weitaus die beste ist von denen, die geschrieben worden sind, was hat man dann für eine Empfindung? Man hat die Empfindung: Das ist etwas sehr Schönes, etwas außerordentlich Gutes — aber Goethe ist es nicht! Von Goethe ist eigentlich im Grunde genommen nur ein Schattenbild da, wie wenn man von einem Gebilde, das drei Dimensionen hat, nur ein Schattenbild, das auf die Wand geworfen wird und zwei Dimensionen hat, macht. Ich möchte sagen: Kapitel für Kapitel wandelt Goethe wie ein Gespenst vom Jahre 1749 bis 1832. Ein gespenstiger Goethe wird geschildert, nicht dasjenige, was Goethe war, was Goethe dachte, was Goethe fühlte, was Goethe wollte, sondern dasjenige, was wie ein Gespenst durch die Jahrzehnte, auf die ich eben gedeutet habe, hinwanderte und -wandelte.
[ 7 ] Goethe selber hat nicht alles von dem, was in seiner Seele lebte, was in seiner Seele namentlich geistig lebte, auch geistig sich zum Bewußtsein gebracht. Das ist gerade heute das große Problem Goethe, dasjenige, was in Goethe geistig lebte, wirklich auf geistige Art ins Bewußtsein heraufzuholen, was Goethe noch nicht konnte, denn es war dazumal nicht möglich, etwas anderes als eine seelenvolle, nicht eine geistige Kultur zu haben. So hat auch Herman Grimm, der ganz in der Goethe-Tradition drinnen fußt, wenn er von dem Geist Goethes reden sollte, nur einen Schatten, ein Gespenst, ein Schema. Und es ist schon eine charakteristische Erscheinung, daß dasjenige, was man aus der heutigen Kultur hervorgehend als das Beste über Goethe und den Goetheanismus bezeichnen muß, nur ein Gespenst von Goethe gibt. Das ist schon eine bezeichnende Erscheinung.
[ 7 ] Goethe selber hat nicht alles von dem, was in seiner Seele lebte, was in seiner Seele namentlich geistig lebte, auch geistig sich zum Bewußtsein gebracht. Das ist gerade heute das große Problem Goethe, dasjenige, was in Goethe geistig lebte, wirklich auf geistige Art ins Bewußtsein heraufzuholen, was Goethe noch nicht konnte, denn es war dazumal nicht möglich, etwas anderes als eine seelenvolle, nicht eine geistige Kultur zu haben. So hat auch Herman Grimm, der ganz in der Goethe-Tradition drinnen fußt, wenn er von dem Geist Goethes reden sollte, nur einen Schatten, ein Gespenst, ein Schema. Und es ist schon eine charakteristische Erscheinung, daß dasjenige, was man aus der heutigen Kultur hervorgehend als das Beste über Goethe und den Goetheanismus bezeichnen muß, nur ein Gespenst von Goethe gibt. Das ist schon eine bezeichnende Erscheinung.
[ 8 ] Ja, woher rührt es denn aber, daß durch diese ganze glanzvolle Kulturentwickelung hindurch der Begriff, das Erleben, das Erfühlen des eigentlichen Geistes fehlt? Tastend haben Leute wie Troxler, wie auch manchmal Schelling, hingewiesen auf den Geist. Aber rein objektiv gesehen, muß man sagen: In dieser ganzen Kultur fehlt der Geist. Und weil der Geist fehlte, kannte man auch nicht die Bedürfnisse des Geistes, kannte man nicht die Lebensbedingungen des Geistes. Das ist wiederum etwas, was als tragische Empfindung hervorquellen kann aus der Wahrnehmung dieser Kulturströmung, daß man innerhalb ihrer die Lebensbedingungen des Geistes, auch die sozialen Lebensbedingungen des Geistes nicht wahrzunehmen, nicht zu empfinden vermochte. Daran liegt es aber, daß sich das mitteleuropäische soziale Leben durch die Jahrhunderte herauf entwickeln konnte und, weil es kein eigentliches Erlebnis vom Geiste hatte, auch nicht das Bedürfnis bekam, die Grundbedingungen dieses Geisteslebens dadurch zu erfüllen, daß man das Geistesleben emanzipiert, auf sich selber stellt und von dem Staatsleben absondert. Weil man den Geist nicht kannte, kannte man auch nicht die innersten Lebensbedingungen des Geistes, empfand daher nicht die Notwendigkeit — ich rede immer nur von diesen Gebieten, bei den anderen Gebieten der gegenwärtigen zivilisierten Welt empfand man es auch nicht, aber aus anderen Gründen —, den Geist auf sich selbst zu stellen, sondern ließ ihn verschmelzen mit dem, worinnen er sich nur in Fesseln entwickeln konnte: mit dem Staatswesen. 1200, sagte ich, ist der Zeitpunkt, in dem auch die Tätigkeit Walthers von der Vogelweide verzeichnet werden kann, der Zeitpunkt, in dem das geistige Leben Mitteleuropas in mächtigen Imaginationen dahinpulste, von denen die konventionelle Geschichte wenig verzeichnet. Dann gleitet dieses Geistesleben durch die Jahrhunderte weiter, nimmt aber eigentlich schon vom 15., 16. Jahrhundert an die Keime des Niedergangs in sich auf, und es stellt sich hinein in dieses Geistesleben Mitteleuropas die Begründung der Universitäten Prag, Ingolstadt, Freiburg, Heidelberg, Rostock, Würzburg und so weiter. Die Begründung dieser Universitäten, die sich so aussäen über das mitteleuropäische Leben, fällt fast ganz in ein Jahrhundert hinein. Mit diesem Denken, mit diesem Leben, das von den Universitäten ausstrahlte, wurde die Tendenz gebracht nach dem Abstrakten, nach demjenigen, das dann als das rein naturwissenschaftliche Denken vergöttert und verehrt wurde — vergöttert kann man natürlich nur vergleichsweise sagen und das heute so verheerend in die Denkgewohnheiten der Menschen eingreift.
[ 8 ] Ja, woher rührt es denn aber, daß durch diese ganze glanzvolle Kulturentwickelung hindurch der Begriff, das Erleben, das Erfühlen des eigentlichen Geistes fehlt? Tastend haben Leute wie Troxler, wie auch manchmal Schelling, hingewiesen auf den Geist. Aber rein objektiv gesehen, muß man sagen: In dieser ganzen Kultur fehlt der Geist. Und weil der Geist fehlte, kannte man auch nicht die Bedürfnisse des Geistes, kannte man nicht die Lebensbedingungen des Geistes. Das ist wiederum etwas, was als tragische Empfindung hervorquellen kann aus der Wahrnehmung dieser Kulturströmung, daß man innerhalb ihrer die Lebensbedingungen des Geistes, auch die sozialen Lebensbedingungen des Geistes nicht wahrzunehmen, nicht zu empfinden vermochte. Daran liegt es aber, daß sich das mitteleuropäische soziale Leben durch die Jahrhunderte herauf entwickeln konnte und, weil es kein eigentliches Erlebnis vom Geiste hatte, auch nicht das Bedürfnis bekam, die Grundbedingungen dieses Geisteslebens dadurch zu erfüllen, daß man das Geistesleben emanzipiert, auf sich selber stellt und von dem Staatsleben absondert. Weil man den Geist nicht kannte, kannte man auch nicht die innersten Lebensbedingungen des Geistes, empfand daher nicht die Notwendigkeit — ich rede immer nur von diesen Gebieten, bei den anderen Gebieten der gegenwärtigen zivilisierten Welt empfand man es auch nicht, aber aus anderen Gründen —, den Geist auf sich selbst zu stellen, sondern ließ ihn verschmelzen mit dem, worinnen er sich nur in Fesseln entwickeln konnte: mit dem Staatswesen. 1200, sagte ich, ist der Zeitpunkt, in dem auch die Tätigkeit Walthers von der Vogelweide verzeichnet werden kann, der Zeitpunkt, in dem das geistige Leben Mitteleuropas in mächtigen Imaginationen dahinpulste, von denen die konventionelle Geschichte wenig verzeichnet. Dann gleitet dieses Geistesleben durch die Jahrhunderte weiter, nimmt aber eigentlich schon vom 15., 16. Jahrhundert an die Keime des Niedergangs in sich auf, und es stellt sich hinein in dieses Geistesleben Mitteleuropas die Begründung der Universitäten Prag, Ingolstadt, Freiburg, Heidelberg, Rostock, Würzburg und so weiter. Die Begründung dieser Universitäten, die sich so aussäen über das mitteleuropäische Leben, fällt fast ganz in ein Jahrhundert hinein. Mit diesem Denken, mit diesem Leben, das von den Universitäten ausstrahlte, wurde die Tendenz gebracht nach dem Abstrakten, nach demjenigen, das dann als das rein naturwissenschaftliche Denken vergöttert und verehrt wurde — vergöttert kann man natürlich nur vergleichsweise sagen und das heute so verheerend in die Denkgewohnheiten der Menschen eingreift.
[ 9 ] Und mit diesem Leben wurde im Grunde genommen der ganzen gebildeten Bürgerwelt die Nuance gegeben. Wie war denn diese Nuance der ganzen gebildeten Bürgerwelt? Natürlich spricht da vieles mit, was nicht in jedem einzelnen, ich möchte sagen, quellenhaft wirkte, aber dessen Wirkung auf jeden einzelnen überging. Es wirkte das mit, daß ja in dieser Zeit immer mehr und mehr heraufkam die Empfänglichkeit für ein ganz fremdes Seelenleben, das gebildet wurde durch Träger der Bildung in diesem Bürgertum, das dann in Goethe und Herder und Schiller kulminierte. Das entwickelte ja außer dem, was in der eigenen Seele lag, im wesentlichen fremde Elemente, fremde Impulse.
[ 9 ] Und mit diesem Leben wurde im Grunde genommen der ganzen gebildeten Bürgerwelt die Nuance gegeben. Wie war denn diese Nuance der ganzen gebildeten Bürgerwelt? Natürlich spricht da vieles mit, was nicht in jedem einzelnen, ich möchte sagen, quellenhaft wirkte, aber dessen Wirkung auf jeden einzelnen überging. Es wirkte das mit, daß ja in dieser Zeit immer mehr und mehr heraufkam die Empfänglichkeit für ein ganz fremdes Seelenleben, das gebildet wurde durch Träger der Bildung in diesem Bürgertum, das dann in Goethe und Herder und Schiller kulminierte. Das entwickelte ja außer dem, was in der eigenen Seele lag, im wesentlichen fremde Elemente, fremde Impulse.
[ 10 ] Damit weise ich auf eine ungeheuer charakteristische Erscheinung hin. Die Seelen dieser Leute, die Träger des Bürgertums waren, sie suchten ja nach dem Geiste, dessen Begriff sie nicht einmal hatten. Aber wo suchten sie nach dem Geiste? In der griechischen Bildung. Sie lernten in ihren Mittelschulen griechisch, und was als Geistesinhalt in die Seelen floß, war griechischer Inhalt. Wenn man vom 13. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert in Mitteleuropa vom Geist sprach, hätte man immer sagen müssen: Dasjenige, was einem die eingeimpfte griechische Bildung über den Geist beibrachte. Es entstand da kein eigenes Leben über den Geist. Griechische Bildung aber über den Geist war noch nicht die Bildung desjenigen Zeitraumes in der Menschheitsentwickelung, den wir den Zeitraum der Bewußtseinsentwickelung nennen. Der beginnt erst mit der Mitte des 15. Jahrhunderts. So trug dieses Bürgertum in sich veraltete Bildung, griechische Bildung, und die gab ihm allein dasjenige, was der Grieche vom Geiste eigentlich fühlte und empfand.
[ 10 ] Damit weise ich auf eine ungeheuer charakteristische Erscheinung hin. Die Seelen dieser Leute, die Träger des Bürgertums waren, sie suchten ja nach dem Geiste, dessen Begriff sie nicht einmal hatten. Aber wo suchten sie nach dem Geiste? In der griechischen Bildung. Sie lernten in ihren Mittelschulen griechisch, und was als Geistesinhalt in die Seelen floß, war griechischer Inhalt. Wenn man vom 13. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert in Mitteleuropa vom Geist sprach, hätte man immer sagen müssen: Dasjenige, was einem die eingeimpfte griechische Bildung über den Geist beibrachte. Es entstand da kein eigenes Leben über den Geist. Griechische Bildung aber über den Geist war noch nicht die Bildung desjenigen Zeitraumes in der Menschheitsentwickelung, den wir den Zeitraum der Bewußtseinsentwickelung nennen. Der beginnt erst mit der Mitte des 15. Jahrhunderts. So trug dieses Bürgertum in sich veraltete Bildung, griechische Bildung, und die gab ihm allein dasjenige, was der Grieche vom Geiste eigentlich fühlte und empfand.
[ 11 ] Dasjenige aber, was der Grieche vom Geiste empfand, das war durchaus bloß die Seelenseite des Geistes. Darin liegt ja die Tiefe des Griechentums, daß der Grieche gewissermaßen gerade hinaufgelangte bis zur Empfindung des höchsten Seelischen. Das nannte er Geist. Gewiß, der Geist erglänzt herunter aus den Höhen. So wie ich ihn hier zeichne, erglänzt er aus den Höhen herunter, durchpulst das Seelische. Aber wenn man den Blick hinaufrichtet, so hat man das Seelische des Geistes.
[ 11 ] Dasjenige aber, was der Grieche vom Geiste empfand, das war durchaus bloß die Seelenseite des Geistes. Darin liegt ja die Tiefe des Griechentums, daß der Grieche gewissermaßen gerade hinaufgelangte bis zur Empfindung des höchsten Seelischen. Das nannte er Geist. Gewiß, der Geist erglänzt herunter aus den Höhen. So wie ich ihn hier zeichne, erglänzt er aus den Höhen herunter, durchpulst das Seelische. Aber wenn man den Blick hinaufrichtet, so hat man das Seelische des Geistes.


[ 12 ] Aber es wurde die Aufgabe des fünften nachatlantischen Zeitraums, sich zu erheben in den Geist selbst. Das konnte diese Kulturentwickelung noch nicht. Das ist viel wichtiger, als man gewöhnlich denkt. Denn das klärt auf über die ganze Art, wie neuzeitlich-mittelalterliche Bildung von dem Geist Besitz ergreifen konnte.
[ 12 ] Aber es wurde die Aufgabe des fünften nachatlantischen Zeitraums, sich zu erheben in den Geist selbst. Das konnte diese Kulturentwickelung noch nicht. Das ist viel wichtiger, als man gewöhnlich denkt. Denn das klärt auf über die ganze Art, wie neuzeitlich-mittelalterliche Bildung von dem Geist Besitz ergreifen konnte.
[ 13 ] Was war denn notwendig, um zu einem Begriff des Geistes, zu einem inneren Erleben des Geistes im neuzeitlichen Sinne zu kommen? Gerade an einer solchen repräsentativen Erscheinung wie Herman Grimm ist es möglich zu studieren, was notwendig war, um in der neueren Zeit sich durchzuarbeiten zum inneren Erleben des Geistes. Dazu ist nämlich notwendig gewesen, wovon gerade ein so klassisch gebildeter Mensch wie Herman Grimm keine Ahnung hatte: naturwissenschaftliches Streben, naturwissenschaftliche Denkweise. Warum? Die naturwissenschaftliche Denkweise ist geistlos. Die naturwissenschaftliche Denkweise enthält gerade, wenn sie groß ist, nicht ein Stückchen Geist, gar nichts Geistiges. Alle naturwissenschaftlichen Begriffe, alle Begriffe von Naturgesetzen sind geistlos, weil sie nur Schattenbilder vom Geiste sind, weil im Bewußtsein, wenn man etwas weiß von Naturgesetzen, nichts vom Geist anwesend ist. Man kann dann zwei Wege gehen. Man kann sich der Naturwissenschaft hingeben, wie viele sich ihr heute hingeben, kann stehenbleiben bei dem, was die Naturwissenschaft gibt; dann wird man geistlos. Man kann gerade dadurch ein großer Naturforscher sein, aber man muß geistlos sein. Das ist der eine Weg.
[ 13 ] Was war denn notwendig, um zu einem Begriff des Geistes, zu einem inneren Erleben des Geistes im neuzeitlichen Sinne zu kommen? Gerade an einer solchen repräsentativen Erscheinung wie Herman Grimm ist es möglich zu studieren, was notwendig war, um in der neueren Zeit sich durchzuarbeiten zum inneren Erleben des Geistes. Dazu ist nämlich notwendig gewesen, wovon gerade ein so klassisch gebildeter Mensch wie Herman Grimm keine Ahnung hatte: naturwissenschaftliches Streben, naturwissenschaftliche Denkweise. Warum? Die naturwissenschaftliche Denkweise ist geistlos. Die naturwissenschaftliche Denkweise enthält gerade, wenn sie groß ist, nicht ein Stückchen Geist, gar nichts Geistiges. Alle naturwissenschaftlichen Begriffe, alle Begriffe von Naturgesetzen sind geistlos, weil sie nur Schattenbilder vom Geiste sind, weil im Bewußtsein, wenn man etwas weiß von Naturgesetzen, nichts vom Geist anwesend ist. Man kann dann zwei Wege gehen. Man kann sich der Naturwissenschaft hingeben, wie viele sich ihr heute hingeben, kann stehenbleiben bei dem, was die Naturwissenschaft gibt; dann wird man geistlos. Man kann gerade dadurch ein großer Naturforscher sein, aber man muß geistlos sein. Das ist der eine Weg.
[ 14 ] Der andere Weg ist der, daß man die Geistlosigkeit der Naturwissenschaft gerade da, wo sie in ihrer Größe aufgetreten ist, innerlich tragisch erlebt, daß man mit seiner Seele untertaucht in das Naturwissen. Wenn man mit seiner Seele untertaucht in dasjenige, was an abstrakten Naturgesetzen, die sehr interessant sind und in manches hineinleuchten, gefunden wurde, die aber geistlos sind, wenn man untertaucht in die Naturgesetze der Chemie, der Physik, der Biologie, die am Seziertisch gewonnen werden und schon dadurch andeuten, wie sie von dem Lebendigen nur das Tote geben, wenn man versucht, mit dem nicht nur in menschlichem Hochmut als einer Erkenntnis zu leben, sondern wenn man versucht zu fragen: Was gibt das der menschlichen Seele? — dann ist es erlebt! Das gibt nichts von Geistlosigkeit. Das ist ja auch das tragische Problem Nietzsche, der gerade an dem Empfinden der Geistlosigkeit der modernen naturwissenschaftlichen Bildung in seinem Seelenleben zerklüftet und zerrissen wird.
[ 14 ] Der andere Weg ist der, daß man die Geistlosigkeit der Naturwissenschaft gerade da, wo sie in ihrer Größe aufgetreten ist, innerlich tragisch erlebt, daß man mit seiner Seele untertaucht in das Naturwissen. Wenn man mit seiner Seele untertaucht in dasjenige, was an abstrakten Naturgesetzen, die sehr interessant sind und in manches hineinleuchten, gefunden wurde, die aber geistlos sind, wenn man untertaucht in die Naturgesetze der Chemie, der Physik, der Biologie, die am Seziertisch gewonnen werden und schon dadurch andeuten, wie sie von dem Lebendigen nur das Tote geben, wenn man versucht, mit dem nicht nur in menschlichem Hochmut als einer Erkenntnis zu leben, sondern wenn man versucht zu fragen: Was gibt das der menschlichen Seele? — dann ist es erlebt! Das gibt nichts von Geistlosigkeit. Das ist ja auch das tragische Problem Nietzsche, der gerade an dem Empfinden der Geistlosigkeit der modernen naturwissenschaftlichen Bildung in seinem Seelenleben zerklüftet und zerrissen wird.
[ 15 ] Und dann kann die Reaktion eintreten im Inneren der Seele. Dann kann man erleben, wie im Anschauen der Natur der Geist ganz stumm, ganz schweigsam bleibt, nichts sagt. Die Seele bäumt sich auf, nimmt ihre Kraft zusammen, sucht dann aus dem Inneren heraus den Geist zu gebären. Das kann nur in dem Zeitalter geschehen, in dem die unmittelbare Naturanlage bei solchen Menschen wie denen der mitteleuropäischen bürgerlichen Bildung nicht vorhanden sind, und an die herantritt naturwissenschaftliche Kultur. Dann, wenn sie nicht innerlich tot sind, wenn sie innerlich lebendig sind, dann rafft sich in ihrem Inneren der Impuls des Geistes selbst auf. An dem Toten muß seit der Mitte des 15. Jahrhunderts der Geist geboren werden, wenn der Geist in das menschliche Seelenleben überhaupt hereintreten soll. Daher werden diejenigen, die nur mit der klassischen Bildung jenen Nachduft des Griechischen ausleben, der das Seelenhafte des Geistes durch des Menschen eigene Seele durchpulsieren läßt, noch befriedigt sein können in dem inneren Erleben, das ihnen gibt die Empfindung dieses griechischen Seelen-Geistes, dieser griechischen Geistes-Seele. Diejenigen aber, die genötigt sind, mit der Naturwissenschaft innerlich lebendig Ernst zu machen und ihren Tod, ihr Leichnamhaftes zu empfinden, die werden dann den Geist in ihrer Seele erstehen lassen.
[ 15 ] Und dann kann die Reaktion eintreten im Inneren der Seele. Dann kann man erleben, wie im Anschauen der Natur der Geist ganz stumm, ganz schweigsam bleibt, nichts sagt. Die Seele bäumt sich auf, nimmt ihre Kraft zusammen, sucht dann aus dem Inneren heraus den Geist zu gebären. Das kann nur in dem Zeitalter geschehen, in dem die unmittelbare Naturanlage bei solchen Menschen wie denen der mitteleuropäischen bürgerlichen Bildung nicht vorhanden sind, und an die herantritt naturwissenschaftliche Kultur. Dann, wenn sie nicht innerlich tot sind, wenn sie innerlich lebendig sind, dann rafft sich in ihrem Inneren der Impuls des Geistes selbst auf. An dem Toten muß seit der Mitte des 15. Jahrhunderts der Geist geboren werden, wenn der Geist in das menschliche Seelenleben überhaupt hereintreten soll. Daher werden diejenigen, die nur mit der klassischen Bildung jenen Nachduft des Griechischen ausleben, der das Seelenhafte des Geistes durch des Menschen eigene Seele durchpulsieren läßt, noch befriedigt sein können in dem inneren Erleben, das ihnen gibt die Empfindung dieses griechischen Seelen-Geistes, dieser griechischen Geistes-Seele. Diejenigen aber, die genötigt sind, mit der Naturwissenschaft innerlich lebendig Ernst zu machen und ihren Tod, ihr Leichnamhaftes zu empfinden, die werden dann den Geist in ihrer Seele erstehen lassen.
[ 16 ] Man muß schon, um in der neueren Zeit ein wirkliches unmittelbares Erlebnis vom Geist zu haben, nicht nur in Laboratorien gewesen sein und dort Zyansäure oder Ammoniak gerochen oder im Seziersaal gewesen sein und die frischen Präparate der Leichen angeschaut haben, man muß aus der ganzen naturwissenschaftlichen Richtung heraus den Leichenduft verspürt haben, um aus dieser Empfindung heraus zu dem Licht des Geistes zu kommen. Das ist ein Impuls, der in neuerer Zeit aufleben muß. Das ist eine der Prüfungen, die die Menschen durchmachen müssen in der neueren Zeit. Die Naturwissenschaft ist viel mehr dazu da, die Menschen zu erziehen, als Wahrheiten über die Natur zu vermitteln. Nur der naive Mensch kann glauben, daß in irgendeinem Naturgesetz, das die gelehrten Naturwissenschafter verzeichnen, eine innerliche Wahrheit ist. Nein, die ist nicht drinnen; aber zur Erziehung der Menschen zum Geiste ist gerade die geistlose Naturwissenschaft da. Das ist eine von jenen Paradoxien der weltgeschichtlichen Entwickelung der Menschheit.
[ 16 ] Man muß schon, um in der neueren Zeit ein wirkliches unmittelbares Erlebnis vom Geist zu haben, nicht nur in Laboratorien gewesen sein und dort Zyansäure oder Ammoniak gerochen oder im Seziersaal gewesen sein und die frischen Präparate der Leichen angeschaut haben, man muß aus der ganzen naturwissenschaftlichen Richtung heraus den Leichenduft verspürt haben, um aus dieser Empfindung heraus zu dem Licht des Geistes zu kommen. Das ist ein Impuls, der in neuerer Zeit aufleben muß. Das ist eine der Prüfungen, die die Menschen durchmachen müssen in der neueren Zeit. Die Naturwissenschaft ist viel mehr dazu da, die Menschen zu erziehen, als Wahrheiten über die Natur zu vermitteln. Nur der naive Mensch kann glauben, daß in irgendeinem Naturgesetz, das die gelehrten Naturwissenschafter verzeichnen, eine innerliche Wahrheit ist. Nein, die ist nicht drinnen; aber zur Erziehung der Menschen zum Geiste ist gerade die geistlose Naturwissenschaft da. Das ist eine von jenen Paradoxien der weltgeschichtlichen Entwickelung der Menschheit.
[ 17 ] So leuchtete erst in der neuesten Zeit — in der Zeit, die den Goetheanismus ablöste, denn da kam erst die eigentliche Leichenhaftigkeit, das eigentliche Tote der Naturwissenschaft herauf — der Geist, allerdings nur für diejenigen Menschen, die sein Licht empfangen wollten. Und so schützten sich die Menschen bis zur Goethe-Zeit und noch Goethe selber gegen das Verheerende eines in den Staatszwang hineingefesselten Geisteslebens dadurch, daß sie im Grunde genommen das griechische Geistesleben verarbeiten, das ja dem modernen Staate nicht angehörte, weil es überhaupt der modernen Zeit nicht angehörte. Die Abtrennung des Geisteslebens von dem Staatsleben wurde surrogativ dadurch besorgt, daß man ein fremdes Geistesleben, das griechische, in sich aufnahm. Dieses griechische Geistesleben, das war es eben, welches die innere Geistleerheit der neueren europäischen Welt überhaupt zudeckt. Das war auf der einen Seite.
[ 17 ] So leuchtete erst in der neuesten Zeit — in der Zeit, die den Goetheanismus ablöste, denn da kam erst die eigentliche Leichenhaftigkeit, das eigentliche Tote der Naturwissenschaft herauf — der Geist, allerdings nur für diejenigen Menschen, die sein Licht empfangen wollten. Und so schützten sich die Menschen bis zur Goethe-Zeit und noch Goethe selber gegen das Verheerende eines in den Staatszwang hineingefesselten Geisteslebens dadurch, daß sie im Grunde genommen das griechische Geistesleben verarbeiten, das ja dem modernen Staate nicht angehörte, weil es überhaupt der modernen Zeit nicht angehörte. Die Abtrennung des Geisteslebens von dem Staatsleben wurde surrogativ dadurch besorgt, daß man ein fremdes Geistesleben, das griechische, in sich aufnahm. Dieses griechische Geistesleben, das war es eben, welches die innere Geistleerheit der neueren europäischen Welt überhaupt zudeckt. Das war auf der einen Seite.
[ 18 ] Auf der anderen Seite empfand man aber auch nicht die Notwendigkeit der Trennung des Wirtschaftslebens von dem Rechtsleben, von dem Leben des eigentlichen politischen Staates. Warum nicht? Dem Wirtschaftsleben kann sich ja der Mensch niemals entziehen. Dafür sorgt, trivial ausgedrückt, eben der Magen. Es ist nicht möglich, daß die Menschen solche Kataklysmen auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens unbemerkt erleben, wie sie unbemerkt erlebt werden auf dem Gebiete des Rechtslebens und des Geisteslebens. Das Wirtschaften war also da, und dieses Wirtschaften entwickelte sich auch in einer sehr geraden Linie. Das, was ich gestern angedeutet habe, die Verwandlung der alten, undurchdringlichen Wälder in Wiesen und Kornfelder mit alldem, was als wirtschaftliche Konsequenz davon dasteht, das entwickelte sich in sehr gerader, regulärer Linie. Das war eine sehr gerade Strömung. Aber es fiel in das Erleben dieses Wirtschaftlichen hinein wiederum ein Fremdes, das eigentlich schon länger stark war in der mitteleuropäischen Seele als das Griechische: Es fiel hinein das Lateinisch-Romanische. Und aus dem Lateinisch-Romanischen stammt alles, was sich auf Staats- und Rechtsleben, auf Politik bezieht. Und das ist ja diese merkwürdige Inkongruenz, wiederum etwas, was von der Geschichte der Zukunft scharf wird betont werden müssen, was aber übersehen wird von der parteiischen, für den Materialismus namentlich parteiischen konventionellen Geschichtsschreibung der unmittelbaren Vergangenheit: daß gewisse wirtschaftliche Vorstellungen, gewisse wirtschaftliche Hantierungen des Lebens, ein gewisses Nehmen des Wirtschaftens im Leben sich in gerader Linie aus den sozialen Verhältnissen fortentwickelte, die Tacitus beschreibt für das erste Jahrhundert der germanischen Welt nach der Begründung des Christentums. Aber diese wirtschaftlichen Denkgewohnheiten haben sich nicht ungehindert fortentwickelt. Da schlug die politische Denkart des Romanisch-Lateinischen hinein und infizierte sie ganz und gar und hielt auseinander die ursprünglichen europäischen Wirtschaftsgewohnheiten und das politische Rechtsleben. Und so waren künstlich nebeneinander, scheinbar geteilt, so daß die Teilung eine Maske war, Wirtschaftsleben und politisches Leben, weil das politische Leben die Nuance des Lateinisch-Romanischen und das Wirtschaftsleben die Nuance des Altgermanischen hatte. Weil zwei einander fremde Schichtungen ineinanderlebten, empfand man, daß das nicht zusammengehörte und schmolz äußerlich ineinander, aber man war zufrieden, weil man es ja doch innerlich, seelisch, als getrennt erlebte. Man muß nur einmal die Geschichte des Mittelalters und der neueren Zeit studieren, dann wird man sehen, wie eigentlich diese Geschichte in Wahrheit in Mitteleuropa ein fortwährendes Aufmucken, ein fortwährendes Sich-Wehren, eine fortwährende Opposition ist der wirtschaftlichen Verhältnisse, die aus den alten Zeiten heraufgebracht worden sind, gegen das Staatswesen, gegen den juristischen Romanismus. Man sieht förmlich, wenn man die Dinge bildlich sieht, wie durch die Köpfe der Verwaltungsbeamten der Romanismus als Jurisprudenz eindringt in die Menschen. Da dringt auch viel vom Romanismus gerade in die verfallenden Nibelungenwildlinge hinein. «Graf» hängt mit grapho, schreiben zusammen, das habe ich schon einmal gesagt. Da dringt der Romanismus hinein. Wie ich sagte: man kann es förmlich im Bilde sehen, wie die Bauern, die erfüllt sind von diesem wirtschaftsorientierten Denken, entweder die Fäuste in den Taschen ballen oder mit den Dreschflegeln sich gegen dieses Romanische, Juristische aufbäumen. Das geschieht natürlich nicht immer so äußerlich habhaft. Aber im ganzen moralischen Treiben, wenn man die Geschichte wirklich betrachtet, ist es schon so. So war das, was aus den Keimen der mitteleuropäischen Welt sich heraufentwickelte, durchsetzt — ich charakterisiere bloß, kritisiere nicht, denn alles, was da sich vollzogen hat, hat auch seinen Segen gebracht und war notwendig, war in der historischen Entwickelung in Mitteleuropa nicht zu umgehen —, es war durchsetzt, infiziert von dem juristisch-politischen Romanismus und dem griechischen Humanismus, von dem griechischen Geist-Seele-Begriff, Seelen-Geist-Begriff. Und erst als einschlug das moderne internationale wirtschaftliche Element mit allem, was es im Gefolge hatte, da war es eigentlich nicht mehr möglich, die alten Dinge aufrechtzuerhalten. Man konnte sehr gut klassisch gebildet sein und ein Ignorant sein in bezug auf die naturwissenschaftliche Bildung der neueren Zeit, aber man war dann eben trotzdem innerlich-seelisch ein Rückschrittler. Man konnte nicht mit seiner Zeit gehen, wenn man bloß klassisch gebildet war, wenn man nicht eindrang in dasjenige, was die naturwissenschaftliche Bildung der neueren Zeit gab. Und war man naturwissenschaftlich gebildet, war man vertraut mit dem, was die Naturwissenschaft der neueren Zeit bringen wollte, so konnte man wahrhaftig nur Kulturkrankheiten, Kulturscharlach, Kulturmasern durchmachen, wenn man sich bekanntmachte mit dem, was innerhalb des Zeitraumes, von dem ich Ihnen gesprochen habe, aus dem alten juristischen Romanismus geworden war. Im alten Imperium Romanum war dieser juristische Romanismus am Platze. Dann hatte sich dieses romanische Juristentum, die Res publica, beziehungsweise die Anschauungen darüber, vom alten Romanismus her, ebenso wie auf der anderen Seite die Nibelungenwildheit, durch die mitteleuropäische Bildung hindurch fortgepflanzt.
[ 18 ] Auf der anderen Seite empfand man aber auch nicht die Notwendigkeit der Trennung des Wirtschaftslebens von dem Rechtsleben, von dem Leben des eigentlichen politischen Staates. Warum nicht? Dem Wirtschaftsleben kann sich ja der Mensch niemals entziehen. Dafür sorgt, trivial ausgedrückt, eben der Magen. Es ist nicht möglich, daß die Menschen solche Kataklysmen auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens unbemerkt erleben, wie sie unbemerkt erlebt werden auf dem Gebiete des Rechtslebens und des Geisteslebens. Das Wirtschaften war also da, und dieses Wirtschaften entwickelte sich auch in einer sehr geraden Linie. Das, was ich gestern angedeutet habe, die Verwandlung der alten, undurchdringlichen Wälder in Wiesen und Kornfelder mit alldem, was als wirtschaftliche Konsequenz davon dasteht, das entwickelte sich in sehr gerader, regulärer Linie. Das war eine sehr gerade Strömung. Aber es fiel in das Erleben dieses Wirtschaftlichen hinein wiederum ein Fremdes, das eigentlich schon länger stark war in der mitteleuropäischen Seele als das Griechische: Es fiel hinein das Lateinisch-Romanische. Und aus dem Lateinisch-Romanischen stammt alles, was sich auf Staats- und Rechtsleben, auf Politik bezieht. Und das ist ja diese merkwürdige Inkongruenz, wiederum etwas, was von der Geschichte der Zukunft scharf wird betont werden müssen, was aber übersehen wird von der parteiischen, für den Materialismus namentlich parteiischen konventionellen Geschichtsschreibung der unmittelbaren Vergangenheit: daß gewisse wirtschaftliche Vorstellungen, gewisse wirtschaftliche Hantierungen des Lebens, ein gewisses Nehmen des Wirtschaftens im Leben sich in gerader Linie aus den sozialen Verhältnissen fortentwickelte, die Tacitus beschreibt für das erste Jahrhundert der germanischen Welt nach der Begründung des Christentums. Aber diese wirtschaftlichen Denkgewohnheiten haben sich nicht ungehindert fortentwickelt. Da schlug die politische Denkart des Romanisch-Lateinischen hinein und infizierte sie ganz und gar und hielt auseinander die ursprünglichen europäischen Wirtschaftsgewohnheiten und das politische Rechtsleben. Und so waren künstlich nebeneinander, scheinbar geteilt, so daß die Teilung eine Maske war, Wirtschaftsleben und politisches Leben, weil das politische Leben die Nuance des Lateinisch-Romanischen und das Wirtschaftsleben die Nuance des Altgermanischen hatte. Weil zwei einander fremde Schichtungen ineinanderlebten, empfand man, daß das nicht zusammengehörte und schmolz äußerlich ineinander, aber man war zufrieden, weil man es ja doch innerlich, seelisch, als getrennt erlebte. Man muß nur einmal die Geschichte des Mittelalters und der neueren Zeit studieren, dann wird man sehen, wie eigentlich diese Geschichte in Wahrheit in Mitteleuropa ein fortwährendes Aufmucken, ein fortwährendes Sich-Wehren, eine fortwährende Opposition ist der wirtschaftlichen Verhältnisse, die aus den alten Zeiten heraufgebracht worden sind, gegen das Staatswesen, gegen den juristischen Romanismus. Man sieht förmlich, wenn man die Dinge bildlich sieht, wie durch die Köpfe der Verwaltungsbeamten der Romanismus als Jurisprudenz eindringt in die Menschen. Da dringt auch viel vom Romanismus gerade in die verfallenden Nibelungenwildlinge hinein. «Graf» hängt mit grapho, schreiben zusammen, das habe ich schon einmal gesagt. Da dringt der Romanismus hinein. Wie ich sagte: man kann es förmlich im Bilde sehen, wie die Bauern, die erfüllt sind von diesem wirtschaftsorientierten Denken, entweder die Fäuste in den Taschen ballen oder mit den Dreschflegeln sich gegen dieses Romanische, Juristische aufbäumen. Das geschieht natürlich nicht immer so äußerlich habhaft. Aber im ganzen moralischen Treiben, wenn man die Geschichte wirklich betrachtet, ist es schon so. So war das, was aus den Keimen der mitteleuropäischen Welt sich heraufentwickelte, durchsetzt — ich charakterisiere bloß, kritisiere nicht, denn alles, was da sich vollzogen hat, hat auch seinen Segen gebracht und war notwendig, war in der historischen Entwickelung in Mitteleuropa nicht zu umgehen —, es war durchsetzt, infiziert von dem juristisch-politischen Romanismus und dem griechischen Humanismus, von dem griechischen Geist-Seele-Begriff, Seelen-Geist-Begriff. Und erst als einschlug das moderne internationale wirtschaftliche Element mit allem, was es im Gefolge hatte, da war es eigentlich nicht mehr möglich, die alten Dinge aufrechtzuerhalten. Man konnte sehr gut klassisch gebildet sein und ein Ignorant sein in bezug auf die naturwissenschaftliche Bildung der neueren Zeit, aber man war dann eben trotzdem innerlich-seelisch ein Rückschrittler. Man konnte nicht mit seiner Zeit gehen, wenn man bloß klassisch gebildet war, wenn man nicht eindrang in dasjenige, was die naturwissenschaftliche Bildung der neueren Zeit gab. Und war man naturwissenschaftlich gebildet, war man vertraut mit dem, was die Naturwissenschaft der neueren Zeit bringen wollte, so konnte man wahrhaftig nur Kulturkrankheiten, Kulturscharlach, Kulturmasern durchmachen, wenn man sich bekanntmachte mit dem, was innerhalb des Zeitraumes, von dem ich Ihnen gesprochen habe, aus dem alten juristischen Romanismus geworden war. Im alten Imperium Romanum war dieser juristische Romanismus am Platze. Dann hatte sich dieses romanische Juristentum, die Res publica, beziehungsweise die Anschauungen darüber, vom alten Romanismus her, ebenso wie auf der anderen Seite die Nibelungenwildheit, durch die mitteleuropäische Bildung hindurch fortgepflanzt.
[ 19 ] Ja, meine lieben Freunde, Kulturscharlach, Kulturmasern bekommt man, wenn man die Jurisprudenz nicht bloß abstrakt denkt, sondern mit gesunden naturwissenschaftlichen Begriffen durchtränkt sich einläßt auf dieses Etwas, das als moderne Juristerei in der Literatur und in der Wissenschaft figuriert.
[ 19 ] Ja, meine lieben Freunde, Kulturscharlach, Kulturmasern bekommt man, wenn man die Jurisprudenz nicht bloß abstrakt denkt, sondern mit gesunden naturwissenschaftlichen Begriffen durchtränkt sich einläßt auf dieses Etwas, das als moderne Juristerei in der Literatur und in der Wissenschaft figuriert.
[ 20 ] Einen gewissen Höhepunkt hat das erreicht, als einer, der eigentlich geistreich war, wie Rudolf von Ihering, schon gar nicht mehr wußte, wie er zurechtkommen sollte mit diesen Jammerbegriffen von Jurisprudenz der neueren Zeit. Grotesk wurde das Buch, das Ihering schrieb über den «Zweck im Recht», weil ein Mensch, der ein bißchen sich hineingefunden hatte in naturwissenschaftliches Denken, diese sprachlichen Begriffe, die er hatte, nun auf die Jurisprudenz anwenden wollte, so daß ein Wechselbalg des menschlichen Denkens herauskam. Es ist tatsächlich ein Martyrium für ein gesundes Denken, sich in die neuere juristische Literatur einzulassen, denn man hat alle Augenblicke das Gefühl: das geht wie Regenwürmer durch das Gehirn. Es ist schon so, ich schildere nur die imaginativen Wahrnehmungen.
[ 20 ] Einen gewissen Höhepunkt hat das erreicht, als einer, der eigentlich geistreich war, wie Rudolf von Ihering, schon gar nicht mehr wußte, wie er zurechtkommen sollte mit diesen Jammerbegriffen von Jurisprudenz der neueren Zeit. Grotesk wurde das Buch, das Ihering schrieb über den «Zweck im Recht», weil ein Mensch, der ein bißchen sich hineingefunden hatte in naturwissenschaftliches Denken, diese sprachlichen Begriffe, die er hatte, nun auf die Jurisprudenz anwenden wollte, so daß ein Wechselbalg des menschlichen Denkens herauskam. Es ist tatsächlich ein Martyrium für ein gesundes Denken, sich in die neuere juristische Literatur einzulassen, denn man hat alle Augenblicke das Gefühl: das geht wie Regenwürmer durch das Gehirn. Es ist schon so, ich schildere nur die imaginativen Wahrnehmungen.
[ 21 ] Man muß den Mut haben, auch diese Dinge gehörig ins Auge zu fassen, um einzusehen, daß wir an dem Zeitpunkt angekommen sind, wo nicht nur gewisse Einrichtungen, sondern wo die Denkgewohnheiten der Menschen metamorphosiert, umgestaltet werden müssen, wo die Menschen beginnen müssen, über manche Dinge anders zu denken. Dann erst werden die sozialen Einrichtungen in der Außenwelt unter dem Einfluß der menschlichen Denkgewohnheiten und Empfindungsgewohnheiten so werden können, wie es diese furchtbaren, schreckhaft sprechenden Tatsachen fordern.
[ 21 ] Man muß den Mut haben, auch diese Dinge gehörig ins Auge zu fassen, um einzusehen, daß wir an dem Zeitpunkt angekommen sind, wo nicht nur gewisse Einrichtungen, sondern wo die Denkgewohnheiten der Menschen metamorphosiert, umgestaltet werden müssen, wo die Menschen beginnen müssen, über manche Dinge anders zu denken. Dann erst werden die sozialen Einrichtungen in der Außenwelt unter dem Einfluß der menschlichen Denkgewohnheiten und Empfindungsgewohnheiten so werden können, wie es diese furchtbaren, schreckhaft sprechenden Tatsachen fordern.
[ 22 ] Es ist schon ein gründliches Umlernen mit Bezug auf allerwichtigste Dinge der modernen Menschheit notwendig. Weil aber diese moderne Menschheit insbesondere in der Zeit, von der ich gestern sprach, 1200 anfangend, mit dem Goetheanismus schließend, solche wie Regenwürmer durch das Gehirn ziehende Gedanken in sich aufnahm und das nicht bemerkte, geschah es, daß jene Lässigkeit, jene Passivität des Denkens eintrat, die eine charakteristische Erscheinung der neueren Zeit ist. Diese charakteristische Erscheinung der neueren Zeit ist ja das Nichtvorhandensein des Willens im Element des Denkens. Die Menschen lassen ihre Gedanken über sich kommen, sie geben sich ihnen hin, sie haben die Gedanken am liebsten als Instinkt. Auf diese Weise kann man niemals zum Geiste dringen. Man kann nur zum Geiste dringen, wenn man wahrhaft objektiv den Willen in das Denken hineinlegt, so daß das Denken eine Handlung wird wie irgendeine andere Handlung, wie Holzhacken. Haben denn die modernen Menschen wirklich das Gefühl, daß man beim Denken ermüdet? Das haben sie nicht, weil das Denken für sie keine Tätigkeit ist. Die modernen Menschen haben das Gefühl, daß man beim Holzhacken ermüdet. Daß aber für den, der nicht mit Worten, sondern mit Gedanken denkt, ebenso nach kürzerer Zeit als beim Holzhacken jene Ermüdung kommt, die ganz genau ebenso ist wie beim Holzhacken, daß man nicht weiter kann, das haben die modernen Menschen nicht, das erleben die modernen Menschen nicht. Das muß erlebt werden, sonst wird nicht von der modernen Menschheit in ihrem Zusammenleben jener Durchgang vollbracht werden können, von dem ich nun gestern und vorgestern sprach, jener Durchgang von der sinnlichen in die übersinnliche Welt. Sie wissen, man braucht nicht hellsehend zu werden, um in die übersinnliche Welt überzugehen, sondern man braucht nur durch den gesunden Menschenverstand zu begreifen, was aus der übersinnlichen Welt heraus erforscht werden kann durch einen Hellseherweg. Nicht ist notwendig, daß die ganze Menschheit hellsehend wird, aber notwendig ist, was für jeden Menschen möglich ist: mit dem gesunden Menschenverstand die Einsichten in die geistige Welt zu bekommen. Nur auf diesem Wege kann Harmonie in die moderne Seele hineinkommen, denn diese Harmonie in den modernen Seelen geht gerade aus den Bedingungen der Zeitentwickelung heraus verloren. Wir sind heute einmal an einem Punkt, namentlich der europäischen Entwickelung mit ihrem amerikanischen Anhange und ihren asiatischen Vorposten, angekommen, in der von den Geistern der überirdischen Welt real das Fazit gezogen wird zwischen dem, was in älteren Zeiten gang und gäbe war mit Bezug auf das Nebeneinander der Bevölkerungen auf der Erde, und dem, was in späterer Zeit gang und gäbe geworden ist.
[ 22 ] Es ist schon ein gründliches Umlernen mit Bezug auf allerwichtigste Dinge der modernen Menschheit notwendig. Weil aber diese moderne Menschheit insbesondere in der Zeit, von der ich gestern sprach, 1200 anfangend, mit dem Goetheanismus schließend, solche wie Regenwürmer durch das Gehirn ziehende Gedanken in sich aufnahm und das nicht bemerkte, geschah es, daß jene Lässigkeit, jene Passivität des Denkens eintrat, die eine charakteristische Erscheinung der neueren Zeit ist. Diese charakteristische Erscheinung der neueren Zeit ist ja das Nichtvorhandensein des Willens im Element des Denkens. Die Menschen lassen ihre Gedanken über sich kommen, sie geben sich ihnen hin, sie haben die Gedanken am liebsten als Instinkt. Auf diese Weise kann man niemals zum Geiste dringen. Man kann nur zum Geiste dringen, wenn man wahrhaft objektiv den Willen in das Denken hineinlegt, so daß das Denken eine Handlung wird wie irgendeine andere Handlung, wie Holzhacken. Haben denn die modernen Menschen wirklich das Gefühl, daß man beim Denken ermüdet? Das haben sie nicht, weil das Denken für sie keine Tätigkeit ist. Die modernen Menschen haben das Gefühl, daß man beim Holzhacken ermüdet. Daß aber für den, der nicht mit Worten, sondern mit Gedanken denkt, ebenso nach kürzerer Zeit als beim Holzhacken jene Ermüdung kommt, die ganz genau ebenso ist wie beim Holzhacken, daß man nicht weiter kann, das haben die modernen Menschen nicht, das erleben die modernen Menschen nicht. Das muß erlebt werden, sonst wird nicht von der modernen Menschheit in ihrem Zusammenleben jener Durchgang vollbracht werden können, von dem ich nun gestern und vorgestern sprach, jener Durchgang von der sinnlichen in die übersinnliche Welt. Sie wissen, man braucht nicht hellsehend zu werden, um in die übersinnliche Welt überzugehen, sondern man braucht nur durch den gesunden Menschenverstand zu begreifen, was aus der übersinnlichen Welt heraus erforscht werden kann durch einen Hellseherweg. Nicht ist notwendig, daß die ganze Menschheit hellsehend wird, aber notwendig ist, was für jeden Menschen möglich ist: mit dem gesunden Menschenverstand die Einsichten in die geistige Welt zu bekommen. Nur auf diesem Wege kann Harmonie in die moderne Seele hineinkommen, denn diese Harmonie in den modernen Seelen geht gerade aus den Bedingungen der Zeitentwickelung heraus verloren. Wir sind heute einmal an einem Punkt, namentlich der europäischen Entwickelung mit ihrem amerikanischen Anhange und ihren asiatischen Vorposten, angekommen, in der von den Geistern der überirdischen Welt real das Fazit gezogen wird zwischen dem, was in älteren Zeiten gang und gäbe war mit Bezug auf das Nebeneinander der Bevölkerungen auf der Erde, und dem, was in späterer Zeit gang und gäbe geworden ist.
[ 23 ] Wie waren in ältester Zeit die Völker auf der Erdkugel angeordnet? Bis zu einem gewissen Zeitpunkte, der eigentlich nicht weit vor dem Mysterium von Golgatha zurückliegt, da war alles, was an Völkerkonfiguration auf der Erde bewirkt worden ist, von oben herunter bedingt, dadurch bedingt, daß die Seelen sich einfach senkten aus dem Kosmos, aus der geistigen Welt in die Körper, welche an einem bestimmten Territorium lebendig waren in der physischen Menschheitsentwickelung. So waren in Griechenland in den älteren Zeiten aus den physiologischen, geographischen, klimatischen Verhältnissen heraus gewisse Menschenleiber da, auf der italischen Halbinsel gewisse Menschenleiber da. Die Eltern brachten zwar die Kinder zur Welt, doch kamen die Seelen von oben, waren nur ganz von oben bestimmt und griffen sehr tief in die ganze Konfiguration des Menschen, in seine äußere körperliche Physiognomie ein.
[ 23 ] Wie waren in ältester Zeit die Völker auf der Erdkugel angeordnet? Bis zu einem gewissen Zeitpunkte, der eigentlich nicht weit vor dem Mysterium von Golgatha zurückliegt, da war alles, was an Völkerkonfiguration auf der Erde bewirkt worden ist, von oben herunter bedingt, dadurch bedingt, daß die Seelen sich einfach senkten aus dem Kosmos, aus der geistigen Welt in die Körper, welche an einem bestimmten Territorium lebendig waren in der physischen Menschheitsentwickelung. So waren in Griechenland in den älteren Zeiten aus den physiologischen, geographischen, klimatischen Verhältnissen heraus gewisse Menschenleiber da, auf der italischen Halbinsel gewisse Menschenleiber da. Die Eltern brachten zwar die Kinder zur Welt, doch kamen die Seelen von oben, waren nur ganz von oben bestimmt und griffen sehr tief in die ganze Konfiguration des Menschen, in seine äußere körperliche Physiognomie ein.
[ 24 ] Dann kamen die großen Völkerwanderungen. Menschen wanderten in verschiedenen Strömungen über die Erde. Die Rassenmischungen traten ein, Völkermischungen traten ein. Dadurch kam in ausgiebigem Maße das Vererbungselement im irdischen Leben zur Geltung. Da lebte an einem bestimmten Orte der Erde eine Bevölkerung, die wanderte an einen anderen Ort; so lebten in gewissen Gegenden des Kontinents die Angeln und die Sachsen, die wanderten nach den englischen Inseln aus. Das ist solch eine Völkerwanderung. Nun sind doch die Nachkommen der Angeln und der Sachsen in physischer Vererbung abhängig von dem, was sich vorher auf dem Kontinente entwickelte; sie sehen so aus in bezug auf ihre Physiognomie, mit Bezug auf ihre Hantierungen und so weiter. Dadurch kommt etwas hinein in die Entwickelung der Menschheit, was horizontal abhängig ist. Während früher die Verteilungen der Menschen über die Erde nur abhängig waren von der Art und Weise, wie sich die Seelen inkarnierten, heruntersenkten, wurde jetzt mitbestimmend dasjenige, was an Wanderungen, an Strömungen auftrat. Aber mit Bezug darauf ist gerade um die Wende des 14. zum 15. Jahrhundert ein neues kosmisch-geschichtliches Element aufgetreten, ein neuer kosmisch-geschichtlicher Impuls. Es war eine Zeit hindurch so, daß eine gewisse Sympathie bestand zwischen den Seelen, die herunterkamen aus der geistigen Welt, und den Körpern, die unten waren. Also konkret gesprochen: Auf den englischen Inseln, über den englischen Inseln senkten sich Seelen, die sympathisch berührt waren von der Gestaltung der Leiber, die als Nachkommen der Angeln und der Sachsen auf der britischen Insel lebten. Diese Sympathie hörte mit dem 15. Jahrhundert immer mehr und mehr auf, und die Seelen richten sich seit diesem 15. Jahrhundert nicht mehr nach den Rasseneigentümlichkeiten, sondern wiederum nach den geographischen Verhältnissen, nach dem Klima, nach dem, ob da unten Ebene, ob da Gebirge ist. Die Seelen kümmern sich seit dem 15. Jahrhundert immer weniger darum, wie die Menschen rassengemäß aussehen; sie richten sich mehr nach den geographischen Verhältnissen. So daß es heute in der über die Erde hin ausgebreiteten Menschheit etwas gibt, wie einen Zwiespalt zwischen dem angeerbten Rassenmäßigen und dem Seelischen, das aus der geistigen Welt kommt. Und würden die heutigen Menschen mehr ihr Unterbewußtes wirklich ins Bewußtsein bringen können, dann würden sich heute die wenigsten Menschen — wenn ich mich trivial ausdrücken darf — in ihrer Haut wohlfühlen. Die meisten Menschen würden heute sagen: Ich bin doch heruntergestiegen auf die Erde, um in der Ebene zu leben, unter Grünem oder über Grünem, um dieses oder jenes Klima zu haben, und im Grunde genommen ist es mir gar nicht so besonders wichtig, daß ich ein romanisch oder ein germanisch aussehendes Gesicht trage.
[ 24 ] Dann kamen die großen Völkerwanderungen. Menschen wanderten in verschiedenen Strömungen über die Erde. Die Rassenmischungen traten ein, Völkermischungen traten ein. Dadurch kam in ausgiebigem Maße das Vererbungselement im irdischen Leben zur Geltung. Da lebte an einem bestimmten Orte der Erde eine Bevölkerung, die wanderte an einen anderen Ort; so lebten in gewissen Gegenden des Kontinents die Angeln und die Sachsen, die wanderten nach den englischen Inseln aus. Das ist solch eine Völkerwanderung. Nun sind doch die Nachkommen der Angeln und der Sachsen in physischer Vererbung abhängig von dem, was sich vorher auf dem Kontinente entwickelte; sie sehen so aus in bezug auf ihre Physiognomie, mit Bezug auf ihre Hantierungen und so weiter. Dadurch kommt etwas hinein in die Entwickelung der Menschheit, was horizontal abhängig ist. Während früher die Verteilungen der Menschen über die Erde nur abhängig waren von der Art und Weise, wie sich die Seelen inkarnierten, heruntersenkten, wurde jetzt mitbestimmend dasjenige, was an Wanderungen, an Strömungen auftrat. Aber mit Bezug darauf ist gerade um die Wende des 14. zum 15. Jahrhundert ein neues kosmisch-geschichtliches Element aufgetreten, ein neuer kosmisch-geschichtlicher Impuls. Es war eine Zeit hindurch so, daß eine gewisse Sympathie bestand zwischen den Seelen, die herunterkamen aus der geistigen Welt, und den Körpern, die unten waren. Also konkret gesprochen: Auf den englischen Inseln, über den englischen Inseln senkten sich Seelen, die sympathisch berührt waren von der Gestaltung der Leiber, die als Nachkommen der Angeln und der Sachsen auf der britischen Insel lebten. Diese Sympathie hörte mit dem 15. Jahrhundert immer mehr und mehr auf, und die Seelen richten sich seit diesem 15. Jahrhundert nicht mehr nach den Rasseneigentümlichkeiten, sondern wiederum nach den geographischen Verhältnissen, nach dem Klima, nach dem, ob da unten Ebene, ob da Gebirge ist. Die Seelen kümmern sich seit dem 15. Jahrhundert immer weniger darum, wie die Menschen rassengemäß aussehen; sie richten sich mehr nach den geographischen Verhältnissen. So daß es heute in der über die Erde hin ausgebreiteten Menschheit etwas gibt, wie einen Zwiespalt zwischen dem angeerbten Rassenmäßigen und dem Seelischen, das aus der geistigen Welt kommt. Und würden die heutigen Menschen mehr ihr Unterbewußtes wirklich ins Bewußtsein bringen können, dann würden sich heute die wenigsten Menschen — wenn ich mich trivial ausdrücken darf — in ihrer Haut wohlfühlen. Die meisten Menschen würden heute sagen: Ich bin doch heruntergestiegen auf die Erde, um in der Ebene zu leben, unter Grünem oder über Grünem, um dieses oder jenes Klima zu haben, und im Grunde genommen ist es mir gar nicht so besonders wichtig, daß ich ein romanisch oder ein germanisch aussehendes Gesicht trage.
[ 25 ] Ja, es sieht schon einmal paradox aus, wenn man diese Dinge, die von eminentester Wichtigkeit sind für das Menschenleben heute, im Konkreten schildert. Pantheistisch von Geist, Geist, Geist reden auch die Menschen, die gute Lehren geben, die sagen, man solle sich vom Materialismus abwenden und wiederum dem Geiste zuwenden; das schockiert die Leute heute nicht. Aber wenn man in dieser Konkretheit spricht über den Geist, dann lassen sich das die Leute heute noch nicht recht gefallen. Aber so ist es schon. Und Harmonie muß wiederum gesucht werden zwischen, ich möchte sagen, einer geographischen Prädestination und einem Rassenelemente, das sich über die Erde hin breitet. Daher kommen die internationalen Neigungen in unserer Zeit, daß die Seelen sich nicht kümmern mehr um das Rassenmäßige.
[ 25 ] Ja, es sieht schon einmal paradox aus, wenn man diese Dinge, die von eminentester Wichtigkeit sind für das Menschenleben heute, im Konkreten schildert. Pantheistisch von Geist, Geist, Geist reden auch die Menschen, die gute Lehren geben, die sagen, man solle sich vom Materialismus abwenden und wiederum dem Geiste zuwenden; das schockiert die Leute heute nicht. Aber wenn man in dieser Konkretheit spricht über den Geist, dann lassen sich das die Leute heute noch nicht recht gefallen. Aber so ist es schon. Und Harmonie muß wiederum gesucht werden zwischen, ich möchte sagen, einer geographischen Prädestination und einem Rassenelemente, das sich über die Erde hin breitet. Daher kommen die internationalen Neigungen in unserer Zeit, daß die Seelen sich nicht kümmern mehr um das Rassenmäßige.
[ 26 ] Ich habe dasjenige, was jetzt geschieht, einmal verglichen mit einer vertikalen Völkerwanderung, während früher eine horizontale Völkerwanderung war. Der Vergleich ist nicht bloß eine Analogie, der Vergleich ist auf Grund der Tatsachen des geistigen Lebens ausgesprochen.
[ 26 ] Ich habe dasjenige, was jetzt geschieht, einmal verglichen mit einer vertikalen Völkerwanderung, während früher eine horizontale Völkerwanderung war. Der Vergleich ist nicht bloß eine Analogie, der Vergleich ist auf Grund der Tatsachen des geistigen Lebens ausgesprochen.
[ 27 ] Zu alldem muß hinzugenommen werden, daß der Mensch einfach durch die geistige Entwickelung der neueren Zeit im Unterbewußten immer geistiger wird, und daß eigentlich jene materialistische Gesinnung, die im Oberbewußtsein auftritt, immer mehr widerspricht dem, was der Mensch in seinem Unterbewußtsein hat. Um das einzusehen, dazu ist allerdings notwendig, auf die dreifache Gliederung des Menschen selbst noch einmal einzugehen.
[ 27 ] Zu alldem muß hinzugenommen werden, daß der Mensch einfach durch die geistige Entwickelung der neueren Zeit im Unterbewußten immer geistiger wird, und daß eigentlich jene materialistische Gesinnung, die im Oberbewußtsein auftritt, immer mehr widerspricht dem, was der Mensch in seinem Unterbewußtsein hat. Um das einzusehen, dazu ist allerdings notwendig, auf die dreifache Gliederung des Menschen selbst noch einmal einzugehen.
[ 28 ] Diese dreifache Gliederung empfindet zunächst der heute nur dem Sinnlich-Physischen zugewendete Mensch so, daß er sich sagt: Ich nehme wahr durch meine Sinne, die sind durch den ganzen Körper verteilt, aber hauptsächlich im Kopfe zentralisiert; ich habe im Wahrnehmen das Nerven-Sinnesleben. Aber weiter kommt der Mensch heute nicht. Er kann dann allenfalls beschreiben, daß der Mensch atmet, und daß das Leben von dem Atmen in die Herzbewegung, in die Blutpulsation übergeht. Aber viel weiter kommt der Mensch nicht. Den Stoffwechsel studiert man ja sehr genau, aber nicht als ein Glied des dreigliedrigen Menschen; man betrachtet ihn eigentlich als den ganzen Menschen. Man braucht ja nicht so weit zu gehen, wie jener naturwissenschaftliche Denker, der gesagt hat: Der Mensch ist, was er ißt —, aber im Ganzen ist die naturwissenschaftliche Gesinnung ziemlich stark davon durchdrungen, daß der Mensch ist, was er ißt. In Mitteleuropa wird er ja bald dasjenige sein, was er nicht ißt!
[ 28 ] Diese dreifache Gliederung empfindet zunächst der heute nur dem Sinnlich-Physischen zugewendete Mensch so, daß er sich sagt: Ich nehme wahr durch meine Sinne, die sind durch den ganzen Körper verteilt, aber hauptsächlich im Kopfe zentralisiert; ich habe im Wahrnehmen das Nerven-Sinnesleben. Aber weiter kommt der Mensch heute nicht. Er kann dann allenfalls beschreiben, daß der Mensch atmet, und daß das Leben von dem Atmen in die Herzbewegung, in die Blutpulsation übergeht. Aber viel weiter kommt der Mensch nicht. Den Stoffwechsel studiert man ja sehr genau, aber nicht als ein Glied des dreigliedrigen Menschen; man betrachtet ihn eigentlich als den ganzen Menschen. Man braucht ja nicht so weit zu gehen, wie jener naturwissenschaftliche Denker, der gesagt hat: Der Mensch ist, was er ißt —, aber im Ganzen ist die naturwissenschaftliche Gesinnung ziemlich stark davon durchdrungen, daß der Mensch ist, was er ißt. In Mitteleuropa wird er ja bald dasjenige sein, was er nicht ißt!
[ 29 ] Diese Dreigliederung des Menschen, die sich hineinfinden will in eine soziale Dreigliederung, weil sie immer deutlicher und deutlicher auftritt, die tritt auch differenziert über die Erde hin auf. Der Mensch ist wahrhaftig nicht bloß dasjenige, was innerhalb seiner Haut eingeschlossen ist. Es entsprach schon einer tiefen Empfindung, als ich in meinem ersten Mysterium «Die Pforte der Einweihung» Capesius und Strader allerlei Dinge verrichten ließ und darauf aufmerksam machte, daß das, was da auf der Erde hantiert wird von den Menschen, entspricht kosmischen Vorgängen draußen im Weltenall. Bei jedem Gedanken, den wir fassen, jeder Handbewegung, die wir tun, bei allem, was wir sagen, ob wir gehen, stehen, oder was wir sonst vollbringen, da geht immer etwas im Kosmos vor. Um diese Dinge wirklich zu durchleben, fehlen dem heutigen Menschen die Wahrnehmungsmöglichkeiten. Der Mensch weiß heute nicht — man kann es auch nicht verlangen, und es ist paradox, so zu reden, wie ich jetzt rede —, wie er sich ausnehmen würde, wenn er nur vom Monde aus meinetwillen beobachten würde, wie es auf der Erde hier zugeht. Da würde er sehen, daß das Nerven-Sinnesleben noch etwas ganz anderes ist, als dasjenige, was man davon weiß im physisch-sinnlichen Dasein. Das Nerven-Sinnesleben, also dasjenige, was vorgeht während Sie sehen, während Sie hören, riechen, tasten, das ist Licht im Kosmos, das Ausstrahlen von Licht in den Kosmos. Von Ihrem Schauen, von Ihrem Fühlen, von Ihrem Hören erglänzt die Erde in den Kosmos hinaus.
[ 29 ] Diese Dreigliederung des Menschen, die sich hineinfinden will in eine soziale Dreigliederung, weil sie immer deutlicher und deutlicher auftritt, die tritt auch differenziert über die Erde hin auf. Der Mensch ist wahrhaftig nicht bloß dasjenige, was innerhalb seiner Haut eingeschlossen ist. Es entsprach schon einer tiefen Empfindung, als ich in meinem ersten Mysterium «Die Pforte der Einweihung» Capesius und Strader allerlei Dinge verrichten ließ und darauf aufmerksam machte, daß das, was da auf der Erde hantiert wird von den Menschen, entspricht kosmischen Vorgängen draußen im Weltenall. Bei jedem Gedanken, den wir fassen, jeder Handbewegung, die wir tun, bei allem, was wir sagen, ob wir gehen, stehen, oder was wir sonst vollbringen, da geht immer etwas im Kosmos vor. Um diese Dinge wirklich zu durchleben, fehlen dem heutigen Menschen die Wahrnehmungsmöglichkeiten. Der Mensch weiß heute nicht — man kann es auch nicht verlangen, und es ist paradox, so zu reden, wie ich jetzt rede —, wie er sich ausnehmen würde, wenn er nur vom Monde aus meinetwillen beobachten würde, wie es auf der Erde hier zugeht. Da würde er sehen, daß das Nerven-Sinnesleben noch etwas ganz anderes ist, als dasjenige, was man davon weiß im physisch-sinnlichen Dasein. Das Nerven-Sinnesleben, also dasjenige, was vorgeht während Sie sehen, während Sie hören, riechen, tasten, das ist Licht im Kosmos, das Ausstrahlen von Licht in den Kosmos. Von Ihrem Schauen, von Ihrem Fühlen, von Ihrem Hören erglänzt die Erde in den Kosmos hinaus.
[ 30 ] Anders wiederum ist die Wirkung alles dessen, was rhythmisch ist im Menschen: Atmung, Herzbewegung, Blutpulsation. Das geht in mächtigen Rhythmen, die von dem entsprechenden Gehörorgane gehört würden, in das Weltenall hinaus. Der menschliche Stoffwechsel geht als von der Erde ausströmendes Leben in den Weltenraum hinaus. Sie können nicht wahrnehmen, nicht hören, nicht sehen, nicht riechen, nicht fühlen, ohne daß Sie leuchten in den Kosmos hinaus. Sie können Ihr Blut nicht zirkulieren lassen, ohne daß Sie hinausklingen in den Weltenraum, und Sie können nicht den Stoffwechsel in sich vollbringen, ohne daß von außen sich das ansieht als das Leben der Erde, das Leben der ganzen Erde.
[ 30 ] Anders wiederum ist die Wirkung alles dessen, was rhythmisch ist im Menschen: Atmung, Herzbewegung, Blutpulsation. Das geht in mächtigen Rhythmen, die von dem entsprechenden Gehörorgane gehört würden, in das Weltenall hinaus. Der menschliche Stoffwechsel geht als von der Erde ausströmendes Leben in den Weltenraum hinaus. Sie können nicht wahrnehmen, nicht hören, nicht sehen, nicht riechen, nicht fühlen, ohne daß Sie leuchten in den Kosmos hinaus. Sie können Ihr Blut nicht zirkulieren lassen, ohne daß Sie hinausklingen in den Weltenraum, und Sie können nicht den Stoffwechsel in sich vollbringen, ohne daß von außen sich das ansieht als das Leben der Erde, das Leben der ganzen Erde.
[ 31 ] Mitt Bezug darauf aber ist ein großer Unterschied zum Beispiel zwischen Asien und Europa. Von außen angesehen würde die eigentümliche Denkweise der Asiaten selbst heute noch, wo schon ein großer Teil der Asiaten unspirituell geworden ist, sprühendes, helles Licht in den geistigen Weltenraum hinaus verbreiten. Das wird immer dunkler, je weiter man nach dem Westen geht, immer weniger wird hinausgeleuchtet in den Weltenraum. Dagegen pulsiert immer mehr Leben hinaus in den Weltenraum, je weiter man nach Westen geht. So allein entsteht in der menschlichen Seele das, was man nennen könnte die Anschauung von dem kosmischen Aspekt der Erde; und zur Erde gehört die Menschheit dazu.
[ 31 ] Mitt Bezug darauf aber ist ein großer Unterschied zum Beispiel zwischen Asien und Europa. Von außen angesehen würde die eigentümliche Denkweise der Asiaten selbst heute noch, wo schon ein großer Teil der Asiaten unspirituell geworden ist, sprühendes, helles Licht in den geistigen Weltenraum hinaus verbreiten. Das wird immer dunkler, je weiter man nach dem Westen geht, immer weniger wird hinausgeleuchtet in den Weltenraum. Dagegen pulsiert immer mehr Leben hinaus in den Weltenraum, je weiter man nach Westen geht. So allein entsteht in der menschlichen Seele das, was man nennen könnte die Anschauung von dem kosmischen Aspekt der Erde; und zur Erde gehört die Menschheit dazu.
[ 32 ] Solche Vorstellungen wird man brauchen, wenn die Menschheit einer heilsamen und nicht einer unheilsamen Zukunft entgegengehen soll. Jenes Idiotentum, welches erzeugt wird in der Menschheit allmählich, indem man die gegenwärtigen geographischen Karten bloß zeichnet und die Menschen lernen läßt: hier Donau, hier Rhein, hier Reuß, hier Aare, hier liegt Bern, hier Basel, hier Zürich — bloß dieses äußerliche theoretische Liniieren, das dann, den Globus ergänzend, nur das Sinnliche verbreitet, diese Art von Bildung wird die Menschheit immer mehr herunterbringen. Gewiß, sie ist notwendig als eine Grundlage, sie soll nicht angefochten werden, aber sie wird die Menschheit immer mehr und mehr herunterbringen. Der Globus der zukünftigen Zeit muß verzeichnen: da leuchtet die Erde, weil in den Köpfen der Menschen da Spiritualität ist; da strahlt die Erde mehr Leben in den kosmischen Raum hinaus, weil das eben den Menschen auf diesem Territorium besonders entspricht.
[ 32 ] Solche Vorstellungen wird man brauchen, wenn die Menschheit einer heilsamen und nicht einer unheilsamen Zukunft entgegengehen soll. Jenes Idiotentum, welches erzeugt wird in der Menschheit allmählich, indem man die gegenwärtigen geographischen Karten bloß zeichnet und die Menschen lernen läßt: hier Donau, hier Rhein, hier Reuß, hier Aare, hier liegt Bern, hier Basel, hier Zürich — bloß dieses äußerliche theoretische Liniieren, das dann, den Globus ergänzend, nur das Sinnliche verbreitet, diese Art von Bildung wird die Menschheit immer mehr herunterbringen. Gewiß, sie ist notwendig als eine Grundlage, sie soll nicht angefochten werden, aber sie wird die Menschheit immer mehr und mehr herunterbringen. Der Globus der zukünftigen Zeit muß verzeichnen: da leuchtet die Erde, weil in den Köpfen der Menschen da Spiritualität ist; da strahlt die Erde mehr Leben in den kosmischen Raum hinaus, weil das eben den Menschen auf diesem Territorium besonders entspricht.
[ 33 ] Damit hängt es auch zusammen, was ich schon einmal hier bemerkt habe. Man muß immer das eine durch das andere beleuchten. Ich sagte Ihnen, daß wenn die Europäer sich allmählich in Amerika ansiedeln, sie indianerhafte Hände bekommen, dem Typus des alten Indianers ähnlich werden. Das rührt davon her, daß heute die Seelen, die herunterkommen und sich senken in Menschenleiber, sich mehr nach dem Geographischen richten, wie in alten Zeiten, wo noch die Indianerkultur eine nächstgegebene ist. Jetzt richten sich die Seelen nicht nach den Rassen, richten sich nicht nach dem, was sich aus dem Blute heraus entwickelt, sie richten sich nach den geographischen Verhältnissen. Es wird notwendig sein, daß man innerlich durchdringt dasjenige, was in der Menschheit vorgeht. Diese Durchdringung wartet auf die Menschheit, auf die Geneigtheit der Menschheit zu beweglicheren Begriffen, die eingehen können in solche Dinge. Die können sich aber nur entwickeln auf geisteswissenschaftlicher Grundlage. Und geisteswissenschaftliche Grundlage ist nur möglich, wenn der Geist in der Menschenseele geboren werden kann. Dazu braucht man das emanzipierte freie Geistesleben. Dazu braucht man die Herauslösung des Geisteslebens aus dem politischen Staatsleben.
[ 33 ] Damit hängt es auch zusammen, was ich schon einmal hier bemerkt habe. Man muß immer das eine durch das andere beleuchten. Ich sagte Ihnen, daß wenn die Europäer sich allmählich in Amerika ansiedeln, sie indianerhafte Hände bekommen, dem Typus des alten Indianers ähnlich werden. Das rührt davon her, daß heute die Seelen, die herunterkommen und sich senken in Menschenleiber, sich mehr nach dem Geographischen richten, wie in alten Zeiten, wo noch die Indianerkultur eine nächstgegebene ist. Jetzt richten sich die Seelen nicht nach den Rassen, richten sich nicht nach dem, was sich aus dem Blute heraus entwickelt, sie richten sich nach den geographischen Verhältnissen. Es wird notwendig sein, daß man innerlich durchdringt dasjenige, was in der Menschheit vorgeht. Diese Durchdringung wartet auf die Menschheit, auf die Geneigtheit der Menschheit zu beweglicheren Begriffen, die eingehen können in solche Dinge. Die können sich aber nur entwickeln auf geisteswissenschaftlicher Grundlage. Und geisteswissenschaftliche Grundlage ist nur möglich, wenn der Geist in der Menschenseele geboren werden kann. Dazu braucht man das emanzipierte freie Geistesleben. Dazu braucht man die Herauslösung des Geisteslebens aus dem politischen Staatsleben.
[ 34 ] Nun, meine lieben Freunde, ich habe Ihnen über dasjenige heute einige Andeutungen gegeben, was sich so durchzieht durch jene Menschheit, die heute streben muß nach einer sozialen Neugestaltung. Man kann heute nicht mit den gewöhnlichen Trivialbegriffen soziale Forderungen aufstellen. Man muß eine Einsicht haben in die Natur der gegenwärtigen Menschheit. Man muß einholen dasjenige, was man versäumt hat im Studium der gegenwärtigen Menschheit.
[ 34 ] Nun, meine lieben Freunde, ich habe Ihnen über dasjenige heute einige Andeutungen gegeben, was sich so durchzieht durch jene Menschheit, die heute streben muß nach einer sozialen Neugestaltung. Man kann heute nicht mit den gewöhnlichen Trivialbegriffen soziale Forderungen aufstellen. Man muß eine Einsicht haben in die Natur der gegenwärtigen Menschheit. Man muß einholen dasjenige, was man versäumt hat im Studium der gegenwärtigen Menschheit.
[ 35 ] Da wir jetzt doch bald abreisen müssen, so werde ich morgen zum letzten Male über diese Dinge sprechen. Wir werden uns also morgen um halb acht Uhr hier wiederum versammeln. Vielleicht werden einige eurythmische Stückchen dann auch gegeben werden können, und dann wollen wir morgen noch einen Vortrag hier haben, eben aus dem Grunde, weil wir ja vermutlich diese Woche hier wegfahren müssen. Ich habe Ihnen dann auch einiges zu sagen morgen, was anknüpft an mein Buch über die soziale Frage, das jetzt ausgedruckt ist und demnächst, allernächst erscheinen wird. In Anknüpfung an dieses Buch habe ich dann einiges zu sagen, was mir besonders am Herzen liegt.
[ 35 ] Da wir jetzt doch bald abreisen müssen, so werde ich morgen zum letzten Male über diese Dinge sprechen. Wir werden uns also morgen um halb acht Uhr hier wiederum versammeln. Vielleicht werden einige eurythmische Stückchen dann auch gegeben werden können, und dann wollen wir morgen noch einen Vortrag hier haben, eben aus dem Grunde, weil wir ja vermutlich diese Woche hier wegfahren müssen. Ich habe Ihnen dann auch einiges zu sagen morgen, was anknüpft an mein Buch über die soziale Frage, das jetzt ausgedruckt ist und demnächst, allernächst erscheinen wird. In Anknüpfung an dieses Buch habe ich dann einiges zu sagen, was mir besonders am Herzen liegt.
