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The Rudolf Steiner Archive

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The Social Question as a
Question of Consciousness
GA 191

15 November 1919, Dornach

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The Social Question as a Question of Consciousness, tr. SOL
  1. Lucifer and Ahriman, tr. Osmond
  2. Die soziale Frage als Bewußtseinsfrage

Fünfzehnter Vortrag

Fifteenth Lecture

[ 1 ] Gestern habe ich Sie darauf aufmerksam gemacht, wie eine Art von Urwissen, von Urweisheit im Besitze der menschlichen Seele war, und wie diese Urweisheit bis in unsere Zeiten herein gewissermaßen versickert ist, nach und nach aufgebraucht worden ist, so daß die Menschen über die zivilisierte Erde hin mit ihrem Wissen, mit ihrer Erkenntnis mehr und mehr sich angewiesen fühlen auf dasjenige, was ihnen wird aus dem physischen Dasein heraus. Unter Wissen und Erkenntnis verstehe ich hier nicht bloß das, was «Wissenschaft» ist, sondern das, was im Bewußtsein in den Seelen auch für das gewöhnliche Leben vorhanden ist.

[ 1 ] Yesterday I drew your attention to how a kind of primordial knowledge, of primordial wisdom, was once possessed by the human soul, and how this primordial wisdom has, so to speak, seeped away down to our own times, gradually being depleted, so that people throughout the civilized world feel increasingly dependent, in their knowledge and understanding, on what comes to them from physical existence. By “knowledge” and “insight,” I do not mean here merely what is “science,” but rather what is present in the consciousness of the soul even in everyday life.

[ 2 ] Nun entsteht ja auf dem Boden der Geisteswissenschaft natürlich zunächst die Frage: Wie ist denn eigentlich dieses Urwissen der Menschheit zustande gekommen? — Da muß ich von neuen Gesichtspunkten aus auf Dinge hinweisen, die wir ja von anderer Seite her schon mannigfaltig besprochen haben.

[ 2 ] Now, within the field of spiritual science, the question naturally arises: How did this primordial knowledge of humanity actually come about? — Here I must point out, from new perspectives, certain things that we have already discussed at length from other angles.

[ 3 ] Blicken wir zurück zu dem Zeitpunkt, da der Mensch anfing, eigentlicher Erdenbürger zu werden, da der Mensch herabstieg seinem geistig-seelischen Wesen nach auf die eigentliche Erde, sich umkleidete mit den Kräften der Erde und irdisches Wesen in irdischer Sphäre wurde. Wenn alles nur so gewesen wäre, daß der Mensch mit den Vorbedingungen, die in seinem eigenen Wesen lagen, auf die Erde herabgestiegen wäre, so würde die Menschheit sich ganz anders entwickeln müssen, als sie sich in Wirklichkeit durch die verschiedenen Kulturepochen hindurch entwickelt hat. Die Menschen hätten schon damals ausgehen müssen von einer gewissen Beziehung zur Umwelt. Sie hätten sich erwerben müssen aus, ich möchte nicht gerade sagen, hellseherischen, aber etwas hellseherischen Instinkten heraus, Erdenerkenntnis. Diese Erdenerkenntnis hätten sie sich sehr langsam erwerben können. Sie würden lange Zeit ungeschickte, kindliche Wesen geblieben sein. Sie würden sich allerdings bis in unsere Zeit herein heraufgearbeitet haben bis zu einer gewissen menschheitlichen Seelen- und Leibesverfassung, aber sie würden keineswegs zu derjenigen geistigen Höhe gekommen sein, zu der sie gekommen sind. Daß sie sich anders als durch die verschiedenen Kindheitsstufen hindurch entwickeln konnten, das ist dem Umstande zu verdanken, daß in die Erdenentwickelung hinein sich verflochten haben diejenigen Wesenheiten, die wir immer genannt haben die luziferischen Wesenheiten. Jetzt, seit neuerer Zeit wissen wir ja auch, daß eine Luziferindividualität selbst sich in einem gewissen Zeitpunkt der vorchristlichen Zeitrechnung in Asien inkarniert hat, und daß von dieser luziferischen Wesenheit die heidnische Urweisheit, namentlich diejenige, die noch zu bemerken ist auf dem Boden der historischen Tatsachen, ausgegangen ist. Aber im Spiel, möchte ich sagen, der Menschheitsentwickelung waren immer die luziferischen Wesenheiten dabei. Nun möchte ich Sie ganz ernstlich bitten — obwohl ich weiß, wie wenig solche Bitten eigentlich nützen —, wenn von luziferischer Wesenheit gesprochen wird, nicht an dieses Denken über luziferische Wesenheit mit voller Spießigkeit, mit voller Philistrosität heranzutreten. Denn es herrscht heute noch vielfach auch unter denjenigen, die sich zur anthroposophischen Bewegung bekennen, die Neigung, zu sagen — ich habe öfter von dieser Neigung gesprochen —: Ja, das ist ja luziferisch, um Gottes willen, nur nicht dem sich nahen, nur das ja von sich weisen! — Es handelt sich darum, daß alle diese Dinge von den verschiedensten Gesichtspunkten aus beurteilt werden müssen, und daß streng ins Auge zu fassen ist, daß eben die ganze heidnische Urweisheit von luziferischer Quelle ausgegangen ist. Aber es muß studiert werden, wie das eigentlich sich vollzogen hat. Und je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, desto mehr finden wir gewisse Menschen, die durch ihre in ihren Reinkarnationen gelegenen Vorbedingungen dazu reif waren, sich bekanntzumachen mit denjenigen Weistümern, die im Besitze der luziferischen Wesenheiten sind. Wir sprechen ja zum Beispiel von den sieben heiligen Rishis der Inder. So wie der Inder selbst immer, wenn er aus seiner Weisheit heraus gesprochen hat, aufgefaßt hat die Weisheit der sieben heiligen Rishis, wußte er, insofern er ein Eingeweihter war in diese Dinge, daß die eigentlichen Lehrer der Rishis luziferische Wesenheiten waren. Denn dasjenige, was die luziferischen Wesenheiten in die Erdenentwickelung mitgebracht haben, in die sie, wie gesagt, sich hineinverflochten haben, das ist vor allen Dingen alles dasjenige, was die die menschliche Kultur durchsetzende Gedankenwelt, die intellektualistische Gedankenwelt, die im besten Sinne des Wortes vernünftige Welt, die Weisheitswelt, immer war. Gerade wenn man an den Menschheitsursprung zurückgeht, dann findet man, daß die Quellen für die heidnischen Weistümer immer in luziferischen Wesenheiten zu suchen sind.

[ 3 ] Let us look back to the time when human beings began to become true inhabitants of the Earth—when, in terms of their spiritual and soul nature, they descended to the Earth itself, clothed themselves in the forces of the Earth, and became earthly beings in the earthly sphere. If it had been merely the case that human beings had descended to Earth with the prerequisites inherent in their own nature, then humanity would have had to develop quite differently than it actually has throughout the various cultural epochs. Even back then, human beings would have had to start from a certain relationship with their environment. They would have had to acquire knowledge of the Earth based on—I wouldn’t exactly call them clairvoyant, but somewhat clairvoyant—instincts. They would have been able to acquire this knowledge of the Earth very slowly. They would have remained clumsy, childlike beings for a long time. They would, of course, have worked their way up to a certain human state of soul and body by our time, but they would by no means have reached the spiritual heights to which they have actually arrived. The fact that they were able to develop in a way other than through the various stages of childhood is due to the fact that those beings we have always called the Luciferic beings have become interwoven into Earth’s evolution. Now, as we have come to know in recent times, a Luciferic individuality itself incarnated in Asia at a certain point in pre-Christian history, and it was from this Luciferic being that the pagan primordial wisdom—namely, that which can still be discerned on the basis of historical facts—originated. But, I would say, the Luciferic entities have always been present in the course of human evolution. Now I would like to ask you quite earnestly—although I know how little such requests actually help—that when speaking of the Luciferic entity, you not approach this concept of the Luciferic entity with utter narrow-mindedness and philistinism. For even today, there is still a widespread tendency—even among those who identify with the anthroposophical movement—to say—and I have spoken of this tendency often—: “Yes, that is Luciferic, for heaven’s sake; just don’t go near it, just reject it outright!” — The point is that all these things must be judged from the most diverse points of view, and that we must strictly bear in mind that the entire pagan primordial wisdom originated from a Luciferic source. But we must study how this actually took place. And the further back we go in human evolution, the more we find certain individuals who, due to the preconditions established in their reincarnations, were ripe to become acquainted with the wisdom possessed by the Luciferic beings. We speak, for example, of the seven holy Rishis of the Indians. Just as the Indian himself, whenever he spoke from his own wisdom, understood the wisdom of the seven holy Rishis, he knew—insofar as he was an initiate into these matters—that the actual teachers of the Rishis were Luciferic beings. For what the Luciferic entities brought into the development of the Earth—into which, as I said, they have interwoven themselves—is, above all, everything that has always constituted the world of thought permeating human culture: the intellectual world of thought, the rational world in the best sense of the word, the world of wisdom. Precisely when one goes back to the origins of humanity, one finds that the sources of pagan wisdom are always to be sought in Luciferic beings.

[ 4 ] Man kann fragen: Ja, wie ist denn so etwas eigentlich möglich? — Da muß man sich klar darüber sein, daß ja der Mensch eben hätte kindlich bleiben müssen, wenn er nicht fortdauernd den aus den Mysterien heraus kommenden Unterricht von allerlei luziferischen Wesenheiten hätte bekommen können. Das Wesentliche ist, daß diejenigen, die zum Fortschritt, zur Heranbildung der Menschheit das nötige Wissen, die nötige Weisheit haben mußten, eben die Erb- und Urweisheit, sich nicht wie ein moderner Philister scheuten, diese Weisheit zu empfangen vom luziferischen Elemente, sondern daß sie auch alles das auf sich nahmen, was der Mensch auf sich nehmen muß, wenn er solchen Unterricht aus Geistessphären von luziferischen Wesenheiten erhält. Da mußte der Mensch vor allen Dingen auf sich nehmen — man könnte es Verpflichtung nennen, obwohl natürlich solche Worte nicht immer ganz genau das Wesen der Sache ausdrücken können diese luziferische Weisheit, die ja Weltenweisheit ist, [im Dienste der Erdenentwickelung als gute Weisheit zu gebrauchen]. Der Unterschied zwischen der guten Weisheit und der luziferischen Weisheit besteht ja darin, daß die gute Weisheit in anderen Händen ist, und die luziferische Weisheit, die inhaltlich dieselbe ist, in luziferischen Händen; der Inhalt ist ganz derselbe. Das ist dasjenige, um was es sich handelt. Es handelt sich nicht darum, daß es eine Weisheit gibt, die man sich so hübsch in seine Seelenkammer einpökeln kann, damit man dann dadurch ein guter Mensch wird, sondern es handelt sich darum, daß die Weisheit zwar eine einheitliche ist in der Welt, daß der Unterschied nur der ist, daß sie zum Beispiel in den Händen der weisen Menschen, die sie gut verwalten, oder in den Händen der Angeloi, Archangeloi und so weiter, oder aber in den Händen Luzifers sein kann. Von anderer Seite her war in den alten Zeiten für den Menschheitsfortschritt die Weisheit nicht zu erlangen. So mußten die Eingeweihten der alten Zeiten sie aus den luziferischen Händen entgegennehmen, und sie mußten eben die Verpflichtung eingehen, nicht den anderen Aspirationen der luziferischen Wesenheiten zu verfallen.

[ 4 ] One might ask: Yes, how is something like that actually possible? — One must realize that human beings would indeed have had to remain childlike if they had not been able to continually receive the teachings—arising from the Mysteries—from all manner of Luciferic beings. The essential point is that those who needed the necessary knowledge and wisdom for the progress and development of humanity—namely, the and primordial wisdom—did not shy away, like a modern philistine, from receiving this wisdom from the Luciferic element, but that they also took upon themselves everything that a human being must take upon themselves when receiving such instruction from the spiritual spheres by Luciferic beings. Above all, human beings had to take upon themselves—one might call it an obligation, although of course such words cannot always express the essence of the matter precisely—this Luciferic wisdom, which is, after all, world wisdom, [to use it as good wisdom in the service of Earth’s evolution]. The difference between good wisdom and Luciferic wisdom lies in the fact that good wisdom is in other hands, and Luciferic wisdom—which is identical in content—is in Luciferic hands; the content is exactly the same. That is what is at stake. It is not a matter of there being a wisdom that one can so neatly tuck away in the chamber of one’s soul so that one might thereby become a good person; rather, it is a matter of the fact that, while wisdom is indeed one and the same in the world, the only difference is that it may, for example, be in the hands of wise human beings who manage it well, or in the hands of the Angeloi, archangels, and so on, or in the hands of Lucifer. From another perspective, in ancient times, wisdom was unattainable for the progress of humanity. Thus, the initiates of ancient times had to receive it from Luciferic hands, and they had to undertake the obligation not to succumb to the other aspirations of the Luciferic beings.

[ 5 ] Es war die Absicht Luzifers, die Weisheit der Menschheit zu überliefern, um sie dadurch dazu zu bringen, den Weg der Erdenentwickelung nicht auf sich zu nehmen, sondern die Bahn der Entwickelung in einer überirdischen Sphäre, in einer der Erde entrückten Sphäre durchzumachen. Also wenn ich schematisch zeichnen soll, so möchte ich sagen: Wenn dies die Erdoberfläche ist (siehe Zeichnung, weiß), so hätte der Mensch auf der Erdoberfläche diesen Weg durchzumachen (rot), wenn er hier die Erde betritt.

[ 5 ] It was Lucifer’s intention to pass on the wisdom of humanity in order to thereby lead them not to follow the path of earthly evolution, but to undergo the process of evolution in a superterrestrial sphere, in a sphere removed from the Earth. So if I were to draw a diagram, I would say: If this is the Earth’s surface (see diagram, white), then human beings on the Earth’s surface would have to follow this path (red) when they set foot on Earth here.

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[ 6 ] Die luziferischen Wesenheiten impfen dem Menschen ihre Weisheit ein, aber sie wollen, daß er dadurch von der Erde abzweigt und nicht die Erdenentwickelung durchmacht. Die Erde will Luzifer ihrem Schicksal überlassen, von den Menschen unbevölkert sein lassen; er will die Menschheit für ein besonderes, dem Christus-Reiche fremdes Reich gewinnen.

[ 6 ] The Luciferic beings instill their wisdom in human beings, but they want them to turn away from the Earth as a result and not undergo Earth’s evolution. Lucifer wants to leave the Earth to its fate, to leave it uninhabited by human beings; he wants to win humanity over to a special kingdom that is alien to the Kingdom of Christ.

[ 7 ] Die Weisen der alten Zeiten, die die Urweisheit aus Luzifers Händen empfangen haben, die mußten also die Verpflichtung übernehmen, nicht dem Luzifer nachzugeben, sondern seine Weisheit zu empfangen, aber sie im Dienste der Erdenentwickelung zu gebrauchen. Das ist es, was im wesentlichen durch die Mysterien der vorchristlichen Zeiten ja auch geleistet worden ist. Und wenn man frägt, was eigentlich die Menschheit bekommen hat durch diese Mysterien der vorchristlichen Zeiten, durch den Einfluß der luziferischen Wesenheiten, die zuerst, also noch in der nachatlantischen Zeit, inspirierten gewisse Persönlichkeiten, die Rishis der Inder, und dann selbst ihren Sendboten auf die Erde schickten, wie ich Ihnen angedeutet habe, so ist es alles dasjenige, was die Menschen aufgebracht haben seit ihrer Entwickelung an Fähigkeit des Sprechens und an Fähigkeit des Denkens. Denn Sprechen und Denken sind ursprünglich durchaus luziferischer Natur, nur daß diese Künste gewissermaßen dem Luzifer entlistet worden sind von den Weisen der Urzeit. Wenn Sie Luzifer fliehen wollen, dann müssen Sie sich entschließen, in der Zukunft stumm zu sein und nicht zu denken!

[ 7 ] The sages of ancient times, who received primordial wisdom from Lucifer’s hands, were thus obliged not to yield to Lucifer, but to receive his wisdom and use it in the service of Earth’s evolution. This is essentially what was accomplished through the mysteries of pre-Christian times. And if one asks what humanity actually gained through these mysteries of pre-Christian times—through the influence of the Luciferic beings, who, first, that is, still during the post-Atlantean era, inspired certain individuals—the Rishis of India—and then even sent their own messengers to Earth, as I have indicated to you—then it is all that which human beings have developed since the beginning of their evolution: the ability to speak and the ability to think. For speech and thought are originally of a thoroughly Luciferic nature, except that these arts were, so to speak, wrested from Lucifer by the sages of primeval times. If you wish to flee from Lucifer, then you must resolve to be silent and not to think in the future!

[ 8 ] Diese Dinge gehören eben zu jener Initiationswissenschaft, die nach und nach die Menschheit erfahren muß, trotzdem die jahrhundertealte Philistererziehung der zivilisierten Welt die Menschen zurückbeben läßt vor diesen Wahrheiten. Man hat ja so lange dieses karikierte Abbild von Luzifer und Ahriman, das der mittelalterliche Teufel zugleich ist, den Menschen vorgehalten. Man hat die Menschen so lange in einer philisterhaften Atmosphäre aufwachsen lassen, daß sie diese Weistümer, die aber mit der Entwickelung der Menschheit innig zusammenhängen, heute immer noch eigentlich nur mit Schaudern aufnehmen, denn es ist ja den Menschen so furchtbar angenehm, wenn sie sagen können: Vor dem Teufel hüte ich mich, dem Christus gebe ich mich gefangen in kindlicher Einfalt, dann werde ich selig, dann bin ich mit meiner Seele unter allen Umständen gerettet. — So leicht in seinen Untergründen ist das Menschenleben eben nicht. Es handelt sich durchaus darum, daß für die Zukunft der Menschheitsentwickelung diese Dinge, von denen wir jetzt reden, der Menschheit nicht vorenthalten werden dürfen. Denn es muß gewußt werden, daß gerade die Kunst des Sprechens und die Kunst des Denkens etwas ist, was in diese Erdenentwickelung nur hat hereinkommen können dadurch, daß der Mensch es auf dem Umwege durch die luziferische Vermittlung erhalten hat. Ich möchte sagen: Sie können heute noch Ihrem Denken das luziferische Element anmerken. Über die Sprachen, die ja seit langem differenziert der Erde angepaßt sind, ist Ahriman bereits hergefallen, der die Differenzierung bewirkt hat, der die einheitliche Sprache in die differenzierte Erdensprache heruntergebildet hat. Während Luzifer immer die Tendenz der Vereinheitlichung hat, ist das ahrimanische Prinzip von der Tendenz durchdrungen, zu differenzieren. Wie wäre denn das Denken, wenn es nicht luziferisch wäre?

[ 8 ] These things are part of that science of initiation which humanity must gradually come to know, even though the centuries-old philistine education of the civilized world causes people to recoil from these truths. After all, people have been presented with this caricatured image of Lucifer and Ahriman—who is also the medieval devil—for so long. People have been raised in such a philistine atmosphere for so long that even today they still can only accept these teachings—which are, however, intimately connected with the evolution of humanity—with a shudder, for it is so terribly comforting for people to be able to say: “I guard myself against the devil; to Christ I surrender myself in childlike simplicity; then I will be saved; then my soul will be saved under all circumstances.” — Human life is simply not that straightforward at its core. The point is precisely that, for the future of human development, these things we are now discussing must not be withheld from humanity. For it must be understood that the very art of speech and the art of thinking are something that could only have entered into this earthly evolution because human beings received them indirectly through Lucifer’s mediation. I would say: You can still discern the Luciferic element in your thinking today. Ahriman has already descended upon the languages—which have long been differentiated to suit the Earth—and it is he who brought about this differentiation, who reduced the unified language to the differentiated earthly language. While Lucifer always has a tendency toward unification, the Ahrimanic principle is permeated by a tendency to differentiate. What would thinking be like if it were not Luciferic?

[ 9 ] Ja, sehen Sie, wenn das Denken nicht luziferisch wäre, dann würden die meisten Menschen der Erde, alle diejenigen, die nicht luziferisch denken, so denken, wie einer derjenigen Menschen, der am wenigsten luziferisch dachte; das ist Goethe. Goethe gehört zu denjenigen Menschen, die am wenigsten luziferisch dachten, die in einer gewissen Beziehung darauf ausgingen, den luziferischen Mächten kühn ins Angesicht zu schauen. Das aber macht notwendig, sich möglichst ans konkrete Einzelne zu halten. In dem Augenblick, wo man generalisiert, wo man vereinheitlicht, naht man sich schon dem luziferischen Denken. Wenn Sie jeden einzelnen Menschen, jedes einzelne Tier, jede einzelne Pflanze, jeden einzelnen Stein für sich betrachten würden, mit Ihrem Denken nur das einzelne Objekt ins Auge fassen würden, nicht Gattungen und Arten bilden würden, nicht generalisieren würden, nicht vereinheitlichen würden im Denken, dann würden Sie allerdings wenig von luziferischem Denken aufnehmen. Aber wer das schon als Kind machen würde, würde ja heute in allen Schulen gleich in der ersten Klasse durchfallen! Darum kann es sich also gar nicht handeln. Es geht heute darum, einzusehen, daß das allgemeine Denken, dasjenige Denken, das insbesondere im heidnischen Wesen heimisch war, nach und nach überhaupt versiegt. Die Menschen sind nicht mehr so veranlagt, daß dieses luziferische Element der Vereinheitlichung ihnen viel Nutzen stiften kann auf der Erde. Dafür sorgt eben der Umstand, daß die gottgeschaffene menschliche Natur allmählich nachgekommen ist in der Entwickelung, mit der Erde, mit dem Irdischen verwandt geworden ist. Dadurch, daß der Mensch mit dem Irdischen verwandt geworden ist, dadurch ist er heute weniger verwandt — schon durch sein Naturell selber mit dem luziferischen Element, das ihn eigentlich von der Erde abbringen will.

[ 9 ] Yes, you see, if thinking were not Luciferic, then most people on Earth—all those who do not think Luciferically—would think like the person who thought the least Luciferically; that is, Goethe. Goethe is among those who thought the least Luciferically, who, in a certain sense, set out to boldly look the Luciferic powers in the face. But that makes it necessary to stick as closely as possible to the concrete particular. The moment one generalizes, the moment one unifies, one is already approaching Luciferic thinking. If you were to consider every single human being, every single animal, every single plant, every single stone on its own—if your thinking focused solely on the individual object, without forming genera and species, without generalizing, without unifying things in your thinking—then you would indeed absorb very little of Luciferic thinking. But anyone who did that as a child would fail in the very first grade in every school today! So that cannot be the issue at all. The point today is to realize that general thinking—the kind of thinking that was particularly at home in the pagan mindset—is gradually drying up altogether. Human beings are no longer disposed in such a way that this Luciferic element of standardization can be of much use to them on Earth. This is precisely due to the fact that human nature, created by God, has gradually caught up in its development and become related to the Earth and to earthly matters. Because human beings have become related to the earthly, they are now less closely connected—by their very nature—to the Luciferic element, which actually seeks to turn them away from the Earth.

[ 10 ] Aber es wäre schlimm, wenn der Mensch nur von dem luziferischen Elemente abkommen würde und nichts anderes an die Stelle treten würde. Es wäre sehr, sehr schlimm. Denn dann würde der Mensch ganz mit der Erde, das heißt mit dem einzelnen Erdenterritorium, auf dem er geboren wird, zusammenwachsen. Er würde sich in seiner Kultur vollständig spezifizieren, vollständig differenzieren. Wir sehen ja heute diese Tendenz sich herausentwickeln. Besonders veranlagt war die Sache schon seit dem Beginne des 19. Jahrhunderts; aber wir sehen heute, wie aus der Weltkriegskatastrophe die Tendenz sich herausentwickelt, sich in immer kleinere und kleinere Gruppen zu spalten. Der Volkschauvinismus nimmt immer mehr und mehr überhand, bis er dazu führen wird, daß sich die Menschen in immer kleinere und kleinere Gruppen spalten, so daß schließlich die Gruppe zuletzt nur einen einzelnen Menschen umfassen könnte. Dann könnte es dahin kommen, daß die einzelnen Menschen auch in einen linken und rechten sich spalten würden, und in einen Krieg mit sich selbst kommen könnten, wo sich der rechte Mensch mit dem linken in den Haaren liegt. Viele Anlagen dazu zeigen sich ja auch heute schon in der Entwickelung der Menschheit. Dem muß eben das Gegengewicht geschaffen werden. Und dieses Gegengewicht kann nur geschaffen werden dadurch, daß ebenso wie eine Urweisheit die heidnische Kultur durchdrang und durchsetzte, auch eine neue Weisheit, doch nun aus freiem Menschenwillen heraus, errungen wird, eine neue Weisheit der Erdenkultur überliefert werden wird. Diese neue Weisheit muß wiederum eine Initiationsweisheit sein. Diese neue Weisheit muß wiederum über das hinausgehen, was nur im einzelnen gewonnen werden kann.

[ 10 ] But it would be terrible if human beings were to be separated only from the Luciferic element and nothing else were to take its place. It would be very, very terrible. For then human beings would become completely intertwined with the Earth—that is, with the specific territory on which they are born. They would become completely specialized and differentiated within their own culture. We can indeed see this tendency developing today. The groundwork for this had already been laid since the beginning of the 19th century; but today we see how, out of the catastrophe of the World War, the tendency to split into ever smaller and smaller groups is emerging. National chauvinism is gaining more and more ground, until it will lead to people splitting into ever smaller and smaller groups, so that eventually a group might consist of just a single person. It could then come to the point where individual people would also split into left and right, and could end up at war with themselves, with the “right” person at loggerheads with the “left.” Many signs of this are already evident today in the development of humanity. A counterbalance to this must be created. And this counterbalance can only be created by ensuring that, just as an ancient wisdom permeated and shaped pagan culture, a new wisdom—but now arising from free human will—is attained and handed down to earthly culture. This new wisdom must, in turn, be a wisdom of initiation. This new wisdom must, in turn, go beyond what can be attained only on an individual level.

[ 11 ] Und hier kommen wir zu jenem Kapitel, das auch dem heutigen Menschen nicht vorenthalten werden darf. Wenn der Mensch gegen die Zukunft hin nichts tun würde, um eine neue Weisheit selbst zu erringen, dann würden in unterbewußten Tiefen der Menschennatur die Dinge vorgehen, die ich Ihnen ja zum Teil schon geschildert habe, nämlich die Ahrimanisierung der ganzen Menschheitskultur. Die Menschbeitskultur würde ahrimanisiert werden, und es würde dann jener Inkarnation des Ahriman, von der ich Ihnen gesprochen habe, ein leichtes sein, mit ihrem eigenen Wesen die Erdenkultur zu durchdringen. Deshalb muß eben vorgebaut werden in bezug auf alle die Strömungen, die die ahrimanische Kultur fördern.

[ 11 ] And here we come to the chapter that must not be withheld from people today either. If humanity were to do nothing in the future to attain a new wisdom on its own, then the processes I have already described to you in part—namely, the Ahrimanization of the entire culture of humanity—would take place in the subconscious depths of human nature. Human culture would become Ahrimanized, and it would then be easy for that incarnation of Ahriman, of which I have spoken to you, to permeate earthly culture with its own essence. That is precisely why we must take preventive measures against all the currents that promote Ahrimanic culture.

[ 12 ] Was würde nun aber eintreten, wenn zum Beispiel die Menschen so blieben, wie sie heute gute Neigung haben zu sein, wenn sie also die zu Ahriman hinführenden Strömungen nicht in der Weise auffassen, durchschauen und dadurch in das richtige Geleise führen würden, wie wir das neulich besprochen haben? Dann würde eben, sobald Ahriman in dem bestimmten Zeitpunkte sich in der westlichen Welt inkarniert, die Menschheitskultur ganz ahrimanisiert werden. Was würde Ahriman bringen? Ahriman würde den Menschen durch die grandiosesten Künste alles dasjenige bringen, was bis dahin nur mit großer Mühe und Anstrengung erworben werden kann an hellseherischem Wissen, wie es hier gemeint ist. Denken Sie sich, wie unendlich bequem das sein würde! Die Menschen würden gar nichts zu tun brauchen. Sie würden materialistisch hinleben können, sie würden essen und trinken können, so viel eben nach der Kriegskatastrophe da ist, und würden sich nicht zu kümmern brauchen um irgendein Geistesstreben. Die Ahrimanströmungen würden ihren «schönen, guten» Verlauf nehmen. Wenn im richtigen Zeitpunkt Ahriman in der westlichen Welt inkarniert wird, würde er eine große Geheimschule gründen, in dieser Geheimschule würden die grandiosesten Zauberkünste getrieben werden, und über die Menschheit würde ausgegossen werden alles dasjenige, was sonst nur mit Mühe zu erwerben ist.

[ 12 ] But what would happen, for example, if people remained as they tend to be today—that is, if they did not perceive and see through the currents leading to Ahriman, and thereby steer them onto the right track, as we discussed recently? Then, as soon as Ahriman incarnates in the Western world at that specific point in time, human culture would become completely Ahrimanized. What would Ahriman bring? Through the most magnificent arts, Ahriman would bring to humanity all that clairvoyant knowledge—as meant here—which until then could only be acquired with great effort and struggle. Just imagine how infinitely convenient that would be! People would not have to do anything at all. They could live a materialistic life; they could eat and drink as much as was available after the catastrophe of war, and would not have to concern themselves with any spiritual striving. The Ahrimanic currents would take their “beautiful, good” course. If, at the right moment, Ahriman were to incarnate in the Western world, he would found a great secret school; in this secret school, the most magnificent magical arts would be practiced, and everything that can otherwise only be acquired with great effort would be poured out upon humanity.

[ 13 ] Man darf sich wiederum nicht philiströs vorstellen, daß Ahriman, wenn er herunterkommt, eine Art von «Krampus» ist, der den Menschen allen möglichen Schabernack antut. O nein, alle die Bequemlinge, die heute sagen: Wir wollen nichts von Geisteswissenschaft wissen —, die würden seinem Zauber verfallen, denn er würde in grandiosester Weise die Menschen in großen Mengen durch Zauberkünste zu Hellsehern machen können. Nur würde er allerdings die Menschen so zu Hellsehern machen, daß der einzelne Mensch furchtbar hellsichtig würde, aber ganz differenziert: Dasjenige, was der eine sehen würde, würde der andere nicht sehen, nicht ein dritter! Die Menschen würden alle durcheinanderkommen, und trotzdem sie ein Fundament von hellseherischer Weisheit empfangen würden, würden sie nur in Streit und Hader kommen können, denn die Gesichte der verschiedenen Menschen wären die verschiedensten. Schließlich aber würden die Menschen mit ihren Gesichten sehr zufrieden sein, denn sie würden ja ein jeder in die geistige Welt hineinsehen können. Die Folge davon würde aber wiederum sein, daß alles, was Erdenkultur ist, dem Ahriman verfiele! Die Menschheit würde dem Ahriman verfallen, einfach dadurch, daß sie sich nicht selbst angeeignet hat, was ihr dann Ahriman geben würde. Das wäre der allerschlechteste Rat, den man den Menschen geben könnte, wenn man ihnen sagte: Bleibt nur, wie ihr seid! Ahriman wird euch ja alle hellsehend machen, wenn ihr es wollt. Und ihr werdet es wollen, denn Ahriman wird eine große Macht haben! — Aber die Folge davon würde sein, daß auf der Erde das Ahrimanreich errichtet würde, daß die ganze Erde verahrimanisiert würde, daß da gewissermaßen zugrunde gehen würde, was bisher von der Menschenkultur erarbeitet worden ist. Erfüllen würde sich alles dasjenige, was im Grunde in unbewußter Tendenz die gegenwärtige Menschheit ja eigentlich heillos will.

[ 13 ] One must not, however, imagine in a philistine way that Ahriman, when he comes down, is some kind of “Krampus” who plays all sorts of pranks on people. Oh no, all those who are content with the status quo and say today: ‘We want nothing to do with spiritual science’—they would fall under his spell, for he would be able, in the most magnificent way, to turn large numbers of people into clairvoyants through the arts of magic. However, he would turn people into clairvoyants in such a way that each individual would become terribly clairvoyant, but in a completely differentiated manner: what one person would see, another would not see, nor would a third! People would all become confused, and even though they would receive a foundation of clairvoyant wisdom, they would only be able to engage in strife and discord, for the visions of different people would be the most diverse. Ultimately, however, people would be very satisfied with their visions, for each of them would indeed be able to look into the spiritual world. The consequence of this, however, would in turn be that everything that constitutes earthly culture would fall prey to Ahriman! Humanity would fall prey to Ahriman simply because it has not made its own what Ahriman would then give it. That would be the very worst advice one could give to people if one were to say to them: Just stay as you are! Ahriman will make you all clairvoyant, if you so desire. And you will desire it, for Ahriman will have great power! — But the consequence of this would be that the realm of Ahriman would be established on Earth, that the entire Earth would become Ahrimanized, and that, so to speak, everything that human culture has achieved thus far would be destroyed. Everything that present-day humanity, in an unconscious tendency, actually desires so desperately would come to pass.

[ 14 ] Dasjenige, um was es sich handelt, ist nun dieses: Gerade diejenige Zukunftsweisheit, die hellsichtiger Art ist, diese Zukunftsweisheit, die muß wiederum dem Ahriman abgenommen werden. Man kann sagen: Es ist nur es Buch, nicht zwei Weisheiten — ea Buch. — Es handelt sich nur darum, ob Ahriman das Buch hat oder Christus. Christus kann es nicht haben, ohne daß die Menschheit dafür kämpft. Und die Menschheit kann nur dadurch dafür kämpfen, daß sie sich sagt, sie müsse bis zu demjenigen Zeitpunkte, in dem Ahriman auf der Erde erscheint, durch eigene Anstrengung diesen Inhalt der geistigen Wissenschaft errungen haben.

[ 14 ] The point at issue is this: It is precisely that kind of foresight—the clairvoyant kind—that must be taken away from Ahriman. One might say: It is only one book, not two kinds of wisdom—one book. — The only question is whether Ahriman has the book or Christ does. Christ cannot have it unless humanity fights for it. And humanity can only fight for it by telling itself that, by the time Ahriman appears on Earth, it must have attained this content of spiritual science through its own efforts.

[ 15 ] Sehen Sie, das ist die kosmische Arbeit der Geisteswissenschaft. Die kosmische Arbeit der Geisteswissenschaft besteht ja darinnen, daß das Wissen der Zukunft nicht ahrimanisch werde beziehungsweise bleibe. Es ist eine gute Methode, dem Ahriman in die Hände zu arbeiten, wenn man von der Bekenntnisteligion alles, was Wissen ist, ausschließt, wenn man immer wieder und wiederum betont, nur der schlichte Glaube mache alles. Wenn man bei diesem schlichten Glauben stehenbleibt, dann verdammt man sich eben in die Seelendumpfheit und Seelenstumpfheit, und dann dringt nicht die Weisheit herein, die dem Ahriman gewissermaßen abgenommen werden soll. Also es handelt sich nicht darum, daß die Menschheit einfach die Zukunftsweisheit empfange, sondern darum, daß die Menschheit diese Zukunftsweisheit sich erarbeite, und daß diejenigen, die sie erarbeiten, die Verpflichtung übernehmen, die Erdenkultur zu retten; die Erdenkultur für Christus zu retten, so wie die alten Rishis und Eingeweihten die Verpflichtung übernommen hatten, nicht nachzugeben dem Ansinnen Luzifers, die Menschheit von der Erde hinwegzuführen..

[ 15 ] You see, this is the cosmic work of spiritual science. The cosmic work of spiritual science consists, after all, in ensuring that the knowledge of the future does not become—or remain—Ahrimanic. It is a sure way to play into Ahriman’s hands if one excludes all knowledge from confessional religion, if one emphasizes time and again that simple faith alone accomplishes everything. If one remains stuck at this level of simple faith, then one simply condemns oneself to spiritual dullness and numbness, and then the wisdom that is, so to speak, to be wrested from Ahriman cannot penetrate. So it is not a matter of humanity simply receiving the wisdom of the future, but rather of humanity working to attain this wisdom of the future, and of those who attain it taking on the obligation to save earthly culture; to save Earth’s culture for Christ, just as the ancient Rishis and initiates had taken upon themselves the obligation not to yield to Lucifer’s demand to lead humanity away from Earth..

[ 16 ] Was ist denn nun eigentlich das zunächst für das menschliche Empfinden Wesentliche dieser Sache? Das Wesentliche dieser Sache ist, daB auch für die Zukunftsweisheit ein ähnlicher Kampf notwendig ist, wie er geleistet werden mußte von den uralten Eingeweihten, die den Menschen die Sprache und die Fähigkeit zu denken vermittelt haben, wie er geleistet werden mußte gegen Luzifer. Wie diese Initiierten der Urweisheit dem Luzifer dasjenige abringen mußten, was menschlicher Verstand geworden ist, so muß dasjenige, was Einsicht in das innere Wesen der Dinge in der Zukunft sein soll, abgerungen werden den ahrimanischen Mächten. Diese Dinge spielen stark zwischen den Zeilen des Lebens, und sie spielen schon auch in das Leben herein.

[ 16 ] What, then, is actually the most essential aspect of this matter as it relates to human perception? The essential aspect of this matter is that a struggle similar to the one waged by the ancient initiates—who imparted language and the ability to think to humankind—and to the one that had to be waged against Lucifer will also be necessary for the wisdom of the future. Just as these initiates of primordial wisdom had to wrest from Lucifer that which has become human intellect, so too must that which is to be insight into the inner nature of things in the future be wrested from the Ahrimanic forces. These forces are at work between the lines of life, and they are already influencing life itself.

[ 17 ] Ich las neulich eine Aufzeichnung, die ein Freund der anthroposophischen Bewegung kurz vor seinem Tode geschrieben hat. Er ist im Kriege verwundet worden und hat noch längere Zeit im Lazarett gelegen, wo er während der Operationen, die an ihm vorgenommen worden sind, manche Einblicke in die geistige Welt gewonnen hat. Die letzten Zeilen aber, die er hinterlassen hat, enthalten eine merkwürdige Stelle. Sie enthalten eine Schauung, in welcher er schildert, was er kurz vor dem Tode erlebt hat. Und zum letzten, was er erlebt hat, gehört, daß ihm alles dasjenige, was sich wie der Luftkreis ausbreitet um ihn herum wie er sich ausdrückt, «graniten» wird, ganz dicht, steinern wird; graniten wird, wie schwerer Granit sich auf die Seele legt. Solch einen Eindruck muß man verstehen. Und man kann ihn verstehen, wenn man weiß, daß zu kämpfen ist um dasjenige, was Zukunftsweisheit ist; denn die ahrimanischen Mächte lassen sich diese Zukunftsweisheit nicht so ohne weiteres entringen. Man darf nicht glauben, daß man in wollüstigen Visionen Weisheit erhoffen kann. Wirkliche Weisheit muß, wie ich neulich auch im öffentlichen Vortrage sagte, «in Leiden erworben werden». Und von jenen Leiden ist das, was ich Ihnen eben von einem Sterbenden mitgeteilt habe, eigentlich ein recht gutes Bild. Denn in dem Ringen um die Zuakunftsweisheit ist eines der häufigsten Erlebnisse gerade dieses, daß die Welt um einen herum drückt, wie wenn die Luft plötzlich zu Granit erstarren würde. Man kann wissen, warum diese Dinge so sind. Man braucht ja nur zu bedenken, daß es das Bestreben der ahrimanischen Mächte ist, die Erde zum völligen Erstarren zu bringen. Sie würden ihr Spiel gewonnen haben, sobald es ihnen gelungen wäre, alles dasjenige, was Erde, Wasser, Luft ist, zum völligen Erstarren gebracht zu haben. Dann würde die Erde sich nicht wiederum zurückentwickeln können zu jener Wärme, aus der sie sich seit der Saturnzeit her entwickelt hat. Diese Wärme soll sie ja wiederum erreichen in der Vulkanzeit. Das zu verhindern, ist das Streben der ahrimanischen Mächte. Und eine wichtige Entscheidung läge schon darin, wenn in der Gegenwart die Menschenseelen etwa nicht erglühen könnten für das, was der geistige Inhalt der Geisteswissenschaft ist. Denn der erste Anstoß zum Erstarren der Erde würde dann gegeben werden von menschlichen Seelen, von der Lässigkeit und Faulheit und Bequemlichkeit der menschlichen Seelen. Wenn Sie bedenken, daß in diesem Erstarren das eigentliche Ziel der ahrimanischen Mächte liegt, dann wird es Ihnen nicht auffällig sein, daß jenes Zusammenpressen, jenes Granitenwerden des Lebens zu den Erlebnissen gehört, die im Kampfe um die Zukunftsweisheit durchgemacht werden müssen.

[ 17 ] I recently read an account written by a friend of the anthroposophical movement shortly before his death. He had been wounded in the war and spent a long time in a military hospital, where, during the operations he underwent, he gained many insights into the spiritual world. The last lines he left behind, however, contain a remarkable passage. They describe a vision in which he recounts what he experienced shortly before his death. And among the final things he experienced was that everything surrounding him—which, as he puts it, spreads around him like the atmosphere—became “granite,” turning completely dense and stony; became “granite-like,” as if heavy granite were settling upon the soul. One must understand such an impression. And one can understand it if one knows that one must struggle for what is future-wisdom; for the Ahrimanic forces do not allow this future-wisdom to be wrested from them so easily. One must not believe that one can hope for wisdom in voluptuous visions. True wisdom must, as I also said recently in a public lecture, “be acquired through suffering.” And what I have just told you about a dying person is actually a very good illustration of that suffering. For in the struggle for future wisdom, one of the most common experiences is precisely this: that the world around you presses down, as if the air were suddenly to solidify into granite. One can understand why these things are so. One need only consider that it is the aim of the Ahrimanic forces to bring the Earth to a complete standstill. They would have won their game as soon as they succeeded in bringing everything—Earth, water, and air—to a complete standstill. Then the Earth would not be able to evolve back to that warmth from which it has been developing since the Saturnic Age. It is meant to reach that warmth again during the Volcanic Age. Preventing this is the aim of the Ahrimanic forces. And a crucial factor would already be at play if, in the present, human souls were unable to be inspired by the spiritual content of spiritual science. For the initial impetus for the Earth’s solidification would then be provided by human souls—by their indifference, laziness, and complacency. If you consider that this solidification is the actual goal of the Ahrimanic forces, then it will not strike you as odd that this compression, this turning of life into granite, is among the experiences that must be endured in the struggle for future wisdom.

[ 18 ] Bedenken Sie doch nur, daß die Menschen sich vorbereiten können in der Gegenwart, hineinzuschauen in die geistige Welt, indem sie zunächst durch ihren gesunden Menschenverstand auffassen dasjenige, was Geisteswissenschaft bringen will. Die Anstrengung, die dem Studium dargebracht wird, das durch den gesunden Menschenverstand sich leiten läßt, das kann etwas sein von dem Ringen, das dann hineinführt in das Empfangen von Schauungen aus der geistigen Welt. Da wird eben manches überwunden werden müssen. Für die heutigen Menschen wird ja die Sache auch zunächst nur deshalb so schwer, weil sie, wenn sie die Geisteswissenschaft verstehen wollen, gegen ihre eigenen granitenen Schädel kämpfen müssen. Wenn nicht diese granitene Härte des eigenen menschlichen Schädels vorhanden wäre, würde ja Geisteswissenschaft viel mehr angenommen werden in der Gegenwart. Viel gescheiter als alles philiströse Perhorreszieren der ahrimanischen Mächte wäre ein solches Bekämpfen des Ahriman, das allerdings nicht philiströs sein kann, und das in einem aufrichtigen, ehrlichen Studium geisteswissenschaftlicher Inhalte besteht. Dann würde nach und nach von den Menschen geistig dasjenige erschaut und empfunden werden, was sonst physisch über die Erde hereintreten muß: Die Erstarrung, das Granitenwerden.

[ 18 ] Just consider that people can prepare themselves in the present to look into the spiritual world by first grasping, through their common sense, what spiritual science seeks to convey. The effort devoted to this study, guided by common sense, can be part of the struggle that then leads to receiving visions from the spiritual world. In this process, many obstacles will have to be overcome. For people today, the matter is so difficult at first simply because, if they want to understand spiritual science, they must fight against their own granite-hard skulls. If this granite-like hardness of the human skull were not present, spiritual science would be accepted much more widely today. Far wiser than all the philistine condemnation of the Ahrimanic forces would be a struggle against Ahriman—one that, however, cannot be philistine—and that consists of a sincere, honest study of the content of spiritual science. Then, little by little, people would spiritually perceive and feel what would otherwise have to descend physically upon the earth: the hardening, the turning to granite.

[ 19 ] So muß hingewiesen werden darauf, daß es wirklich tief wahr ist, daß die Zukunftsweisheit nur errungen werden kann unter Entbehrungen, Leiden und Schmerzen, daß sie aber zum Heile der Menschheitsentwickelung errungen werden muß im Ertragen der entsprechenden körperlichen und seelischen Leiden. Daher sollte jeder eigentlich das sich zum Grundsatze machen, daß das In-Leiden-Erringen der Weisheit ihn niemals abhalten sollte von dem Verfolgen dieser Weisheit. Was die Menschheit für das äußere Leben braucht, das ist, daß in Zukunft die Gefahr der Erdenerstarrung, des Frostigwerdens, das zuerst in der moralischen Welt eintreten würde, der Erde weggenommen werde. Das kann aber nur dadurch sein, daß die Menschen im Geiste nach und nach alles das sich vorstellen und auch innerlich empfinden und mit ihrem Willen dagegenrennen, was sonst äußerliche physische Wirklichkeit werden würde.

[ 19 ] It must therefore be pointed out that it is truly and profoundly true that wisdom regarding the future can only be attained through deprivation, suffering, and pain; yet, for the sake of humanity’s development, it must be attained by enduring the corresponding physical and mental suffering. Therefore, everyone should actually make it a principle that the attainment of wisdom through suffering should never deter them from pursuing this wisdom. What humanity needs for its outer life is that, in the future, the danger of the Earth’s solidification—of its growing cold, a process that would first occur in the moral world—be removed from the Earth. But this can only be achieved if people, in spirit, gradually imagine and inwardly feel all that would otherwise become outer physical reality, and counteract it with their will.

[ 20 ] Daher kommt es auch, daß im Grunde genommen eigentlich nur die Feigheit in der Gegenwart schuld daran ist, daß die Menschen nicht an die Geisteswissenschaft heran wollen. Sie bringen es sich allerdings nicht zum Bewußtsein; aber es ist eben so, daß Furcht und Feigheit vor dem, was als Schwieriges ihrem Streben sich entgegenlagert, von ihnen zu ertragen ist. Wie oft hört man immer wieder und wiederum, daß Leute, die in einen anthroposophischen Zweig gehen, Erhebung suchen. Unter einer Erhebung verstehen die Leute oft eine innere seelische Wollust. Die kann nicht geboten werden, denn die würde gerade die Menschen in Dumpfheit einhüllen und sie von dem Lichte, das sie brauchen, entfernen. Das Wesentliche ist, daß gegen die nächste Zukunft, von dieser Gegenwart an, den Menschen nicht vorenthalten werden darf, welches die eigentlich treibenden Kräfte der Menschheitsevolution sind. Die Menschen müssen wissen, wie in der Tat das Menschenwesen in einer Art von Gleichgewichtszustand sich befindet zwischen den luziferischen und den ahrimanischen Mächten, und wie die Christus-Wesenheit wirklich eine Art Genosse der Menschen geworden ist: erst aus dem luziferischen Kampf heraus, dann in den ahrimanischen Kampf hinein.

[ 20 ] This is why, when it comes down to it, it is really only cowardice in the present that is to blame for the fact that people do not want to engage with spiritual science. They do not, however, bring this to their consciousness; but the fact is that they must endure the fear and cowardice they feel in the face of what stands in the way of their striving as something difficult. How often does one hear, time and again, that people who join an anthroposophical branch are seeking spiritual uplift. By “elevation,” people often mean a kind of inner, psychological pleasure. This cannot be offered, for it would only envelop people in dullness and distance them from the light they need. The essential point is that, looking toward the near future—starting from the present—people must not be deprived of knowledge of what the actual driving forces of human evolution are. People must know how the human being is in fact in a kind of state of equilibrium between the Luciferic and Ahrimanic forces, and how the Christ-Being has truly become a kind of companion to humanity: first emerging from the Luciferic struggle, then entering into the Ahrimanic struggle.

[ 21 ] Im Lichte dieser Tatsachen muß die Menschheitsevolution überhaupt gesehen werden. Wer heute die Weltgeheimnisse so darstellt, wie es geschehen muß in der Geisteswissenschaft, der wird gerade wegen wesentlicher Dinge zuweilen arg verspottet. Namentlich wenn man heute gezwungen ist, wie ich es zum Beispiel machen mußte in meinem Buche «Theosophie», immer wieder und wiederum nach der Siebenzahl der Dinge zu schildern, dann spotten die Leute über dieses Schildern nach der Siebenzahl. Ich will morgen über einen solchen Spott, der wiederum dargebracht worden ist, noch sprechen. Aber wenn man den Regenbogen in sieben Farben teilt oder die Oktave, die Tonskalen in die Prim, Sekund, Terz und so weiter teilt, und die Oktave dann die Wiederholung ist der Prim, dann spotten die Leute nicht mehr! Im Physischen nehmen die Leute diese Sachen hin, aber im Geistigen darf das nicht sein! Was da wiederum errungen werden muß, war einmal ein Bestandteil der heidnischen Urweisheit. Und ein letztes Flimmern dieser heidnischen Urweisheit in bezug auf so etwas wie die Siebenzahl sehen wir in der Pythagoreer-Schule, die eigentlich ein Mysterium war. Sie können überall in den Schulbüchern heute über Py/bagoras lesen, werden aber nirgends Verständnis dafür finden, warum Pythagoras die Weltenordnung auf die Zahl gebaut hat. Das war aus dem Grunde, weil die Urweisheit alles auf die Zahl gebaut hat. Aber der letzte Funke der Einsicht gerade in die Zahlenweisheit war noch vorhanden, als Pythagoras seine Schule begründete. Andere Glieder der Urweisheit sind länger geblieben; manches hat sich sogar erhalten bis in die Zeiten des 16., 17. Jahrhunderts herein. So hören wir zum Beispiel noch manches physikalisch Vernünftige bis in das 15., 16. Jahrhundert herein von dem oder jenem erzählen mit Bezug auf die höheren Welten. Dann versiegt allmählich, wenn ich so sagen darf, der Urverstand der Menschheit.

[ 21 ] Human evolution must be viewed in the light of these facts. Anyone who today presents the mysteries of the world as they must be presented in spiritual science is sometimes severely mocked, precisely because of essential matters. In particular, when one is compelled today—as I, for example, had to do in my book *Theosophy*—to describe things again and again according to the number seven, people mock this description based on the number seven. I intend to speak tomorrow about such mockery, which has once again been directed at me. But when one divides the rainbow into seven colors, or the octave and the musical scales into the prime, second, third, and so on—and the octave is then the repetition of the prime—people no longer mock it! In the physical realm, people accept these things, but in the spiritual realm, this must not be the case! What must be regained here was once a component of primordial pagan wisdom. And we see a final glimmer of this primordial pagan wisdom regarding something like the number seven in the Pythagorean school, which was actually a mystery school. You can read about Pythagoras everywhere in school textbooks today, but you will find no explanation anywhere as to why Pythagoras based the order of the world on numbers. This was because primordial wisdom based everything on numbers. But the last spark of insight, particularly into the wisdom of numbers, was still present when Pythagoras founded his school. Other elements of primordial wisdom endured longer; some even survived into the 16th and 17th centuries. For example, we still hear accounts from the 15th and 16th centuries of this or that physically plausible phenomenon in connection with the higher worlds. Then, if I may say so, humanity’s primordial understanding gradually dried up.

[ 22 ] Denken wir uns einmal, es lauerte da in einer Ecke irgendwo ein richtiger Vertreter der Gegenwartsbildung und würde sagen: Nun, was lassen sich diese Anthroposophen denn für Zeug vorreden? Wir haben doch so herrliche Errungenschaften in der neuesten Zeit! Was soll denn das heißen, daß da gesagt wird, die Urweisheit sei versiegt? Wir haben ja alles mögliche Große, Gewaltige bekommen, gerade in den letzten Jahrhunderten und bis in unsere Tage herein, vielleicht schließen die Menschen mit 1914 ab, aber immerhin, bis 1914 haben wir so Herrliches bekommen. — Wenn Sie aber unbefangen hinsehen auf das, was wir in der neuesten Zeit bekommen haben, so werden Sie zu dem folgenden Resultat kommen. Gewiß, die Menschen haben allerlei naturwissenschaftliche, naturbeschreibende und geschichtliche Notizen gesammelt. Das Sammeln ist ja insbesondere Mode geworden. Sie haben auch mancherlei Experimente gemacht und diese beschrieben. Aber wenn Sie nun fragen: Ist denn eigentlich in alldem, was ja gerade die neueste Zeit gebracht hat, etwas Neues an Ideen, an Begriffen? — Einzelne verlorene Geister wie Goethe haben an Ideen, an Begriffen etwas Neues gebracht; aber Goethe ist ja nicht verstanden worden. Gehen Sie durch dasjenige, was zum Beispiel in der Naturwissenschaft oder gar in der neuesten geschichtlichen Wissenschaft spielt, da werden Sie finden: Was da an Ideen spielt, das ist nicht neu. Gewiß, Darwin hat Reisen gemacht, hat vieles beschrieben, was er auf Reisen gesehen hat, hat dann zusammengefaßt, was er gesehen hat und hat es in eine Idee gebracht. Aber wenn Sie die Evolutionsidee bis in die kleinsten Einzelheiten hinein als Idee auffassen, so finden Sie sie schon bei dem Griechen Anaxagoras. Und so finden Sie die wichtigsten Ideen, die heute die Naturwissenschaft hat, bei Aristoteles, also schon in der vorchristlichen Zeit. Und diese Ideen sind Schatz der Urweisheit, luziferischer Quell. Nur muß eben nach und nach dasjenige, was diese Urweisheit ist, versiegen, und Neues, in Form von Einsichten in die geistige Welt, muß errungen werden. Es bedarf dazu einer gewissen Willigkeit der Menschen, diejenigen Dinge hinzunehmen, die unmittelbar losarbeiten auf wirkliche neue Ideen. Und neue Ideen braucht die gegenwärtige Menschheit namentlich in bezug auf das Seelische. Was vom Seelischen heute wissenschaftlich an die Menschen herangebracht wird, das sind ja im Grunde genommen nur noch Worte. Wenn in den gewöhnlichen Schulsälen in gelehrter Art von Wille, von Gedanken, von Gefühlen gesprochen wird, so hat man es eigentlich nur noch mit Worten zu tun, die die Leute wie in einem Kaleidoskop herumwerfen. Aber es sind im Grunde genommen ausgepreßte Worte, der Klang der Worte. Die Menschen gehen gar nicht darauf aus, im Ernste dasjenige zu nehmen, was heute auf Neues hinarbeitet.

[ 22 ] Let’s imagine for a moment that a true representative of contemporary education were lurking in a corner somewhere and were to say: “Well, what kind of nonsense are these anthroposophists spouting?” We have such magnificent achievements in recent times! What is that supposed to mean, that people are saying primordial wisdom has dried up? We have, after all, received all sorts of great and mighty things, especially in the last few centuries and right up to the present day; perhaps people draw the line at 1914, but in any case, up until 1914 we have received such wonderful things. — But if you take an unbiased look at what we have gained in recent times, you will come to the following conclusion. Certainly, people have collected all sorts of scientific, descriptive, and historical records. Collecting has, after all, become particularly fashionable. They have also conducted various experiments and described them. But if you now ask: Is there actually anything new in terms of ideas or concepts in all of this—which, after all, has come about precisely in recent times? — Individual mavericks like Goethe have introduced something new in terms of ideas and concepts; but Goethe, of course, was not understood. Go through what is happening, for example, in the natural sciences or even in the latest historical scholarship, and you will find: The ideas at play there are not new. Certainly, Darwin traveled, described much of what he saw on his journeys, then summarized what he had observed and distilled it into an idea. But if you consider the idea of evolution—down to its smallest details—as an idea, you will find it already in the Greek philosopher Anaxagoras. And so you will find the most important ideas that natural science possesses today in Aristotle—that is, as early as the pre-Christian era. And these ideas are a treasure of primordial wisdom, a Luciferic source. But little by little, that which constitutes this primordial wisdom must dry up, and something new—in the form of insights into the spiritual world—must be attained. This requires a certain willingness on the part of people to accept those things that directly give rise to truly new ideas. And present-day humanity needs new ideas, particularly with regard to the soul. What is presented to people today in a scientific manner concerning the soul is, after all, really nothing more than words. When people speak in a scholarly manner about will, thought, and feeling in ordinary classrooms, they are really dealing only with words that people toss around as if in a kaleidoscope. But these are, in essence, mere empty words—the sound of words. People do not set out at all to take seriously that which is working toward something new today.

[ 23 ] In dieser Beziehung macht man ja wirklich eigentümliche Erfahrungen. Ich wurde zum Beispiel in Dresden vor einiger Zeit eingeladen, in einer Schopenhauer-Gesellschaft zu sprechen. Eine SchopenhauerGesellschaft — ich dachte mir, da muß es etwas ganz Besonderes geben. Und so habe ich denn versucht, darzustellen, wie psychologisch, seelisch aufzufassen ist der Gegensatz zwischen Schlafen und Wachen, Aufwachen und Einschlafen. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, was ich Ihnen auch neulich einmal erwähnt habe, daß ja der Nullpunkt zunächst nur im Aufwachen und Einschlafen da ist, daß der Schlaf nicht bloß ein Aufhören des Wachens ist, sondern sich verhält zu dem Wachen wie Schulden zu Vermögen.

[ 23 ] In this regard, one really does have some peculiar experiences. For example, some time ago I was invited to speak at a Schopenhauer Society in Dresden. A Schopenhauer Society—I thought to myself, there must be something very special about that. And so I tried to explain how the contrast between sleeping and waking, waking up and falling asleep, should be understood psychologically and emotionally. I pointed out—as I also mentioned to you recently—that the zero point initially exists only in the acts of waking up and falling asleep, and that sleep is not merely a cessation of wakefulness, but rather relates to wakefulness as debt does to assets.

[ 24 ] Wenn Sie nach so etwas suchen würden in der gegenwärtigen Psychologie, so würden Sie auch nicht einmal den Ansatz dazu finden, diese weittragenden Dinge anzufassen. Es haben sich dann in einer sogenannten Diskussion einige Leute erhoben, die gelehrt waren, das heißt einige Philosophen. Einer davon hat unter anderem die schöne Urteilsfolge zustande gebracht, die ich etwa in der folgenden Weise charakterisieren könnte. Er sagte: Was wir da gehört haben, das alles ist ja nichts, was man wirklich mit einer ernsten Wissenschaft erringen möchte. Die ernste Wissenschaft muß sich mit ganz anderen Dingen befassen. Das hat nichts zu tun mit dem, was wir wissen wollen, denn wenn man die Sache bei Licht betrachtet, so waren das durchaus nicht neue Wahrheiten, sondern etwas, was uns längst bekannt ist. — Also: Dasjenige, was wir gar nicht wissen wollen und was gar nicht Inhalt unserer Wissenschaft ist, das sei etwas Altbekanntes!

[ 24 ] If you were to look for something like this in contemporary psychology, you wouldn’t even find the slightest hint of an attempt to address these far-reaching issues. Then, in a so-called discussion, a few people spoke up—people who were educated, that is, a few philosophers. One of them, among other things, came up with a beautiful line of reasoning that I could characterize something like this: He said, “What we’ve heard here—all of that—is not really something one would want to achieve through serious science.” Serious science must deal with entirely different matters. This has nothing to do with what we want to know, for when one considers the matter in the light of reason, these were by no means new truths, but rather something we have known for a long time. — In other words: That which we do not want to know at all and which is not at all the subject matter of our science—that is something well-known!

[ 25 ] Nun, es gibt in der Wirklichkeit Widersprüche, aber Widersprüche dieser Art gibt es nur in den Köpfen der gegenwärtigen Gelehrten. Wenn einer sagt: Die Dinge könne man nicht wissen, sie seien nicht Gegenstand des menschlichen Wissens — gut. Wenn einer aber zu gleicher Zeit sagt, die Dinge seien ihm längst bekannt, dann ist das ein offenbarer Widerspruch! Eine solche Zusammenstellung von zwei Urteilen ist oftmals einem gegenwärtigen Gelehrtenkopf ganz geläufig.

[ 25 ] Well, there are contradictions in reality, but contradictions of this kind exist only in the minds of contemporary scholars. If someone says: “One cannot know these things; they are not the subject of human knowledge”—fine. But if someone says at the same time that these things have long been known to him, then that is a blatant contradiction! Such a combination of two judgments is often quite common in the mind of a modern scholar.

[ 26 ] Aber an diesem Denken hängt auch dasjenige, um was es sich in der Gegenwart handelt. Denn der Weg ist weit, weit zwischen dem, daß schließlich der einzelne, der ja immer noch dank der göttlichen Mächte und dank — verzeihen Sie — Luzifer und Ahriman nicht ganz töricht ist, und dem Vertreten dieser Dinge vor der Welt. Der einzelne sieht manches ein von diesen Dingen und bildet sich manchmal bei sich ein gar nicht ungesundes Urteil; aber von diesem Punkte bis dahin, vor der Welt die Sache in entsprechender Weise zu behandeln, ist der Weg weit, recht, recht weit. Und für viele liegt die Sache doch so, daß sie auf der einen Seite ganz gern in die Geisteswissenschaft untertauchen, wenn sich da eine Gesellschaft mehr sektenartiger Art bildet, in der sie untertauchen können. Wenn sie aber dann wiederum vor der Welt stehen und in der Welt etwas von dem vorstellen sollen, wozu die Welt ihre Dokumente, ihre Zeugnisse gibt, dann raucht die Sache wiederum aus; dann sind sie brave Bürger des braven Philisterlandes. Das aber fördert ganz entschieden die Schritte Ahrimans.

[ 26 ] But this way of thinking is also connected to what is at stake in the present. For there is a long, long way between the individual—who, after all, is not entirely foolish thanks to the divine powers and, if you’ll forgive me, thanks to Lucifer and Ahriman—and actually advocating these things before the world. The individual understands some of these things and sometimes forms a judgment for himself that is by no means unhealthy; but from this point to actually addressing the matter appropriately before the world, the path is long—very, very long. And for many, the situation is such that, on the one hand, they are quite happy to immerse themselves in spiritual science when a society of a more sect-like nature forms in which they can immerse themselves. But when they are then faced with the world again and are supposed to present to the world something for which the world provides its documents and evidence, the whole thing fizzles out; then they are once more respectable citizens of the respectable land of the philistines. And that most certainly promotes the advance of Ahriman.