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Spiritual-Scientific Consideration
of Social and Pedagogic Questions
GA 192

1 June 1919, Stuttgart

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Spiritual-Scientific Consideration of Social and Pedagogic Questions, tr. SOL
  1. Geisteswissenschaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen

Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Heute kommt außerordentlich viel darauf an, daß die tieferen Zusammenhänge innerhalb der Gesellschaftsordnung der Menschheit wirklich gesehen werden. Die Zeiten haben es mit sich gebracht, daß in vieler Beziehung die Menschen sich zufrieden gaben mit dem, was ich nennen möchte Oberflächenanschauung, Anschauungen, die an der Oberfläche des Daseins gewonnen worden sind und die dann dazu geführt haben, daß man das eine für richtig hält, oder besser gesagt, daß der eine etwas für richtig hält, der andere für falsch, daß aber dann mit diesen Ansichten von Richtig und Falsch nichts anzufangen ist. Es ist mit ihnen nichts anzufangen aus dem Grunde, weil man sich zwar Gedanken bilden kann, die an der Oberfläche liegen, doch kann niemals irgend etwas Vernünftiges geschehen, wenn man solche Gedanken in die Wirklichkeit umsetzt. Die Wirklichkeit läßt sich Oberflächenansichten nicht so leicht gefallen, wie die Dinge im menschlichen Kopfe. Da aber liegt ein Krebsschaden der heutigen Zeit. Und ein weiterer Krebsschaden ist der, daß die Menschen nicht wollen jene Selbstbesinnung aufbringen, die ihnen im rechten Moment sagen würde: Diese Dinge sind alle aus unserem persönlichsten Interesse heraus, die dürfen wir nicht etwa im sozialen Sinne auffrisieren; wir dürfen nicht sagen, wenn wir etwas in unserem persönlichen Interesse tun wollen, daß dies ein Zweig sei irgendeiner sozialen Wirksamkeit. In dieser Beziehung erlebt man ja so manches. Es hat sich mancherlei vergrößert heute von dem, was ja seit Jahren vorhanden ist: daß immer wiederum dasjenige, was hier von dieser Stelle aus gewollt wird, umgesetzt wird in das persönliche Interesse einzelner Kreise, und dann gesagt wird, das sei irgendeine Konsequenz, eine Folge desjenigen, was von hier aus gewollt wird. Ich sage das aus dem Grunde, um aufmerksam zu machen, daß heute der gute Wille vorhanden sein müßte, in die Dinge tiefer hineinzuschauen, über Oberflächenanschauungen hinwegzukommen.

[ 1 ] Today, it is of the utmost importance that the deeper connections within the social order of humanity be truly understood. The times have led to a situation where, in many respects, people have been content with what I would like to call a “superficial view”—views that have been formed on the surface of existence and that have then led people to believe one thing is right, or rather, for one person to believe something is right and another to believe it is wrong, yet these views of right and wrong are ultimately useless. They are of no use for the simple reason that, although one can form thoughts that lie on the surface, nothing sensible can ever come of putting such thoughts into practice. Reality does not tolerate superficial views as easily as the human mind does. Yet therein lies a cancerous affliction of our time. And another cancerous affliction is that people are unwilling to muster the self-reflection that would tell them at the right moment: These things all stem from our most personal interests; we must not, for example, dress them up in social terms; we must not say, when we want to do something in our personal interest, that this is a branch of some social activity. In this regard, one experiences all sorts of things. Many aspects of what has existed for years have become more pronounced today: that time and again, what is intended here from this place is transformed into the personal interests of individual circles, and then it is claimed that this is some kind of consequence, a result of what is intended from here. I say this to draw attention to the fact that today there ought to be the goodwill to look more deeply into things and move beyond superficial views.

[ 2 ] Nirgends mehr als auf pädagogischem Gebiete ist dieses Hinwegkommen über Oberflächenanschauungen notwendig, und nirgends mehr fehlt der gute Wille dazu, als gerade auf diesem pädagogischen Gebiet. Denn auf diesem pädagogischen Gebiet ist es notwendig, wenn wirklich sozial gedacht werden soll, ich möchte sagen, bis in die elementarsten Dinge hinein seine Aufmerksamkeit zu wenden. Das haben Sie vielleicht schon gesehen aus den beiden vorigen an Pädagogisches anknüpfenden Vorträgen; das aber möchte ich insbesondere heute als etwas gewahrt wissen, das durch das ganze Anhören meines Vortrages durchgehen soll.

[ 2 ] Nowhere is it more necessary to move beyond superficial views than in the field of education, and nowhere is the willingness to do so more lacking than precisely in this field. For in this field of education, if we are to think truly in social terms, it is necessary—I would say—to turn our attention even to the most elementary matters. You may have already seen this in the two previous lectures related to education; but today, in particular, I would like you to bear this in mind as a thread that should run through the entire lecture.

[ 3 ] Was wird heute schon von den untersten Schulstufen ab von Menschen, von kleinen Kindern, erlebt. Wenn das kleine Kind in die Schule geführt wird, dann ist für dasjenige, was da geschieht, fast alles andere maßgebend, nur nicht die Bedürfnisse, die Impulse des sich entwickelnden Menschen. Und mit dem Aufrücken von Schulklasse zu Schulklasse wird das immer schlimmer und schlimmer. Bereits in einem Alter, das solche Dinge nicht im geringsten verträgt, tritt zum Beispiel folgendes ein: Der junge Mensch geht in die Schule zur ersten Schulstunde des Morgens. In dieser ersten Schulstunde ist vielleicht angesetzt aus den Bequemlichkeiten des Lehrerkollegiums heraus, sagen wir, Mathematik, Rechnen. Dann folgt vielleicht Latein, dann folgt vielleicht eine weitere Stunde religiösen Unterrichts. Und dann folgt vielleicht Musik oder Gesang, oder vielleicht nicht einmal das, sondern es folgt vielleicht Geographie darauf. Man kann das menschliche Gemüt von Grund auf nicht stärker ruinieren, als wenn man in dieser Weise bei dem jungen Menschen dafür sorgt, daß seine Konzentrationskraft auf das allergründlichste zerstört wird. Dasjenige, wo angefangen werden müßte, auf dem Gebiete des Unterrichts zu sozialisieren, das ist vor allen Dingen der Stundenplan, diese Mördergrube für alles dasjenige, was wahrhafte Pädagogik ist. Der Stundenplan, der dann seine Fortsetzung findet durch alle Schulstufen, das ist dasjenige, was heute zuallererst bekämpft werden muß.

[ 3 ] What do people—even small children—experience today, starting from the very earliest grades? When a small child is taken to school, almost everything else determines what happens there—except for the needs and impulses of the developing human being. And as the child moves up from one grade to the next, it gets worse and worse. Even at an age when such things are not at all appropriate, the following, for example, occurs: The young person goes to school for the first class of the morning. In this first class, perhaps out of convenience for the teaching staff, let’s say, mathematics or arithmetic is scheduled. Then perhaps Latin follows, then perhaps another period of religious instruction. And then perhaps music or singing follows—or perhaps not even that, but rather geography. There is no better way to ruin the human mind from the ground up than by ensuring, in this manner, that the young person’s ability to concentrate is utterly destroyed. The very place where we must begin to socialize in the realm of education is, above all, the class schedule—that death trap for everything that constitutes true pedagogy. The class schedule, which then continues through all school levels, is what must be combated first and foremost today.

[ 4 ] Notwendig ist, daß gesorgt werde, wenn überhaupt an eine Gesundung unseres Unterrichtswesens gedacht wird, daß in der Zukunft der heranwachsende Mensch so lange bei einer Sache bleiben kann, als das konzentrierte Verweilen auf einer Sache durch die Entwickelungszustände des Menschen notwendig ist. So daß zum Beispiel, sagen wir, sorgfältig herausgefunden werden müßte: für ein bestimmtes Lebensalter ist notwendig, dem heranwachsenden Menschen, sagen wir mathematische, physikalische Begriffe beizubringen. Dann müßte dazu nicht der schlechteste Weg gewählt werden, daß eine oder drei oder fünf wöchentliche Schulstunden dafür angesetzt werden, sondern es müßte dieses Sichaneignen eine Epoche werden beim heranwachsenden Menschen, das heißt, er müßte immerzu, ohne durch anderes fortwährend gestört zu werden, eine gewisse Zeit seines Lebens hindurch sich auf eines konzentrieren. Das heißt, man müßte aus wirklicher pädagogisch-psychologischer Anthropologie heraus zum Beispiel sich klar sein darüber, in welchem Lebensalter dem Menschen beizubringen ist irgend etwas Arithmetisches. In diesem Lebensalter müßte die Hauptsache auf Arithmetik gelegt werden; in diesem Lebensalter müßte der ganze Tag dazu verwendet werden, um auf Arithmetik die Hauptaufmerksamkeit zu lenken. Das meine ich natürlich nicht so, daß nun der junge Mensch von morgens bis abends nur Mathematik treiben müßte, aber ich meine es so, wie ich genötigt war, es einmal zu machen, als ich ein psychopathisches Kind von elf Jahren zu erziehen bekam. Da versuchte ich, auf ökonomische Weise vorzugehen: da reservierte ich mir von allen Persönlichkeiten, die für die Erziehung des Kindes verantwortlich waren, daß ich selber in der Zeit, wo ich die Seele besonders konzentrieren wollte auf eine bestimmte Sache, nun den ganzen Plan zu entwerfen hatte für das, was sonst mit dem Kinde getrieben wurde: also soundsoviel durfte Klavier gespielt, soundsoviel durfte gesungen werden und so weiter. Es handelt sich nicht darum, nun etwa wiederum die Seele zu erfüllen mit irgendeinem Lehrstoff, sondern darum, die ganze Entwickelung so einzurichten, daß die Seele von selbst sich in einer bestimmten Lebensepoche auf eines konzentrieren kann, und daß man, bevor man zu etwas anderem übergeht, es wirklich dahin bringt, daß ein gewisser Abschluß erreicht ist in einem einzelnen Zweige der Menschenbildung. Sagen wir also: Es ist nachzudenken darüber, wieviel man in einer bestimmten Lebensepoche von Arithmetik einem Menschen beizubringen hat, dann muß diese Lebensepoche damit abschließen, daß das junge sich entwickelnde Kind das Gefühl haben kann: Jetzt habe ich in dieser Sache etwas erreicht. — Dann darf erst zu einem anderen sogenannten Gegenstand übergegangen werden.

[ 4 ] If we are to even consider reforming our educational system, it is essential to ensure that, in the future, young people are able to remain focused on a single subject for as long as their stage of development requires concentrated attention to that subject. So, for example, we would have to carefully determine that, at a certain age, it is necessary to teach young people—let’s say—concepts in mathematics and physics. Then the worst possible approach—allocating one, three, or five weekly school hours to this—should not be chosen; rather, this process of mastering the subject must become a distinct phase in the young person’s development—that is, they must be able to concentrate on a single subject continuously for a certain period of their life, without being constantly distracted by other things. This means that, based on genuine pedagogical-psychological anthropology, one would have to be clear, for example, about the age at which a person should be taught arithmetic. At that age, the main emphasis should be placed on arithmetic; at that age, the entire day should be devoted to directing the main focus toward arithmetic. Of course, I do not mean that the young person should now spend from morning to night doing nothing but mathematics, but I mean it in the way I was once compelled to do it when I was tasked with educating an eleven-year-old child with a psychopathic condition. I tried to proceed in an economical manner: I arranged with all the people responsible for the child’s upbringing that, during the time when I wanted to focus the child’s soul particularly on a specific subject, I myself would be in charge of devising the entire schedule for the child’s other activities—that is, a certain amount of time could be spent playing the piano, a certain amount singing, and so on. The point is not to fill the soul with yet another set of academic subjects, but rather to structure the child’s entire development in such a way that the soul can concentrate on one thing of its own accord during a specific stage of life, and that—before moving on to something else—one truly ensures that a certain level of completion has been reached in a particular branch of human education. So let’s say: If we are to consider how much arithmetic to teach a person during a particular stage of life, then that stage must conclude with the young, developing child feeling: “Now I have achieved something in this area.” — Only then may one move on to another so-called subject.

[ 5 ] Sie sehen also: Dasjenige, was jetzt die Grundlage unseres Unterrichtens bis in die höchsten Hochschulstufen ausmacht, das trägt zugleich die allergründlichsten Schäden unseres Unterrichtswesens an sich. Es kann kaum etwas Widersinnigeres geben, als wenn der Hochschüler zur Hochschule geht, so wie ich es zum Beispiel in meiner Zeit erfahren habe, und etwa hört:

[ 5 ] So you see: what now forms the basis of our education all the way up to the highest levels of higher education is, at the same time, the very source of the most fundamental flaws in our educational system. There can hardly be anything more absurd than when a college student goes to college—as I, for example, experienced in my day—and hears something like this:

Von 7- 8 Uhr morgens praktische Philosophie,
von 8- 9 Uhr morgens Geschichtswissenschaft,
on 9-10 Uhr morgens Literaturgeschichte,
von 10-11 Uhr morgens Staatsrecht und so weiter.

From 7 to 8 a.m., practical philosophy,
from 8 to 9 a.m., history,
from 9 to 10 a.m., literary history,
from 10 to 11 a.m., constitutional law, and so on.

[ 6 ] Nun liegt alledem nicht die Absicht zugrunde, die aber zugrunde liegen müßte: keinen Kuddelmuddel anzurichten in dem sich entwickelnden Menschen, sondern es liegt lediglich die Absicht zugrunde, allen Bequemlichkeiten der äußeren Schuleinrichtung zu dienen. Das ist ganz vorurteilslos anzuschauen.

[ 6 ] Now, none of this is based on the intention—which it ought to be—of not creating confusion in the developing human being, but rather it is based solely on the intention of serving all the conveniences of the external school environment. This must be viewed entirely without prejudice.

[ 7 ] Da liegt heute eine eminenteste Aufgabe vor. Das ist eine Aufgabe, von der man aber kaum glauben kann, daß in weitesten Kreisen nach den heutigen Denkgewohnheiten eine Neigung besteht, sich ernsthaft damit zu befassen. Das ist es auch, was man meint, wenn man immer wiederum sagt: Heute ist die Zeit nicht der kleinen, sondern der großen Abrechnungen. Die Leute glauben vielfach, es werde der Zeit der großen Abrechnungen gedient, wenn man große Worte spricht. Ihr wird aber nur gedient, wenn man sich mit innerem Mut heranmacht an große Wandlungen, und wenn man nicht den Mut verliert, entgegenzutreten allem, was sich solchen großen Wandlungen entgegenstellt.

[ 7 ] This is the most important task facing us today. Yet it is a task that, given today’s prevailing ways of thinking, one can hardly believe most people are inclined to take seriously. This is precisely what is meant when people say time and again: Today is not the time for small reckonings, but for great ones. People often believe that speaking in grand terms serves the time of great reckonings. But it is served only when one approaches great transformations with inner courage, and when one does not lose the courage to stand up to everything that opposes such great transformations.

[ 8 ] Ein anderes ist dasjenige, was heute für fast unerläßlich gehalten wird in den weitesten Kreisen, was insbesondere eine große Bedeutung für die unteren Schulstufen hat: das ist die sogenannte staatliche Schulaufsicht. Es kann nichts Ruinöseres geben für eine wirklich sachgemäße Entwickelung des Geisteslebens als eine solche amtliche oder halbamtliche Schulaufsicht. Dasjenige, was Bedürfnis des Geisteslebens im Schulwesen ist — und derjenige, der in die Dinge innerlich hineinschaut, der könnte das wissen —, was zu einer wirklich gedeihlichen Fortentwickelung notwendig ist, das erfordert eine Rücksichtnahme auf alle einzelnen Augenblicke, die sich ergeben aus dem lebendigen Unterricht selber. Das kann und darf niemals beurteilt werden durch irgendeine außenstehende Schulaufsicht. Einem Menschen, dem man einmal in der Selbstverwaltung des Geisteslebens durch alle die Vorsichten, die dazu notwendig sind, das Vertrauen geschenkt hat, daß er auf irgendeiner Stelle Menschen erzieht oder unterrichtet, dem darf, solange er auf seinem Posten steht, niemand in seine Methodik oder dergleichen hineinreden. Das ist etwas, was viele Leute heute noch nicht verstehen; aber mit diesem Nichtverstehen verstehen sie zugleich nicht eine der Grundbedingungen alles wirklich heranreifenden Geisteslebens. Sie sehen daraus, in welch radikaler Weise Hand angelegt werden muß an all dasjenige, was heute die Leute als etwas Selbstverständliches hinnehmen, ja, dessen Erstarkung sie sogar noch fordern. Denn es gibt doch kaum irgendein, sagen wir, auch nur soziales Programm, das aus Parteidenken hervorgeht und nicht irgendwelche Punkte über amtliche oder halbamtliche Schulaufsicht hat. Damit ist nicht irgend jemand ein Vorwurf gemacht, auch nicht einer Partei ein Vorwurf gemacht, sondern einfach hingewiesen auf dasjenige, was sich ergeben hat gerade aus dem verkehrten Geistesleben, das allmählich heraufgekommen ist.

[ 8 ] Another matter is what is today considered almost indispensable in the broadest circles, and which is of particular importance for the lower grades: namely, what is known as state school supervision. There can be nothing more ruinous to the truly appropriate development of spiritual life than such official or semi-official school supervision. What the spiritual life in the school system requires—and anyone who looks deeply into these matters would know this—what is necessary for a truly flourishing development, demands attention to every single moment that arises from the living teaching process itself. This can never and must never be judged by any external school supervision. A person who has once been entrusted—through all the necessary precautions—with the self-administration of spiritual life, to educate or teach people in any capacity, must not, as long as they remain in their post, be interfered with by anyone regarding their methodology or the like. This is something many people still do not understand today; but with this lack of understanding, they simultaneously fail to grasp one of the fundamental conditions of all truly maturing spiritual life. From this, they can see just how radically we must intervene in all that people today take for granted—indeed, the very intensification of which they even demand. For there is hardly any—let’s say—even a social program that arises from party thinking and does not include some points regarding official or semi-official school supervision. This is not a reproach directed at anyone in particular, nor is it a reproach directed at any party; rather, it is simply a pointing out of what has resulted precisely from the distorted spiritual life that has gradually emerged.

[ 9 ] Man kann ja diese Verkehrtheiten des Geisteslebens besonders studieren, wenn man an die hohen Schulstufen herangeht. Wie hat sich denn eigentlich unser Hochschulwesen entwickelt? Das konnte man sogar noch in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gut beobachten. Schließlich sind all diejenigen Menschen, die gerade innerhalb des deutschen Geisteslebens es irgendwie gebracht haben zu dem, was eine gewisse Weitbedeutung hat, noch herangewachsen, als das neuere System nicht zerstört hatte die Grundlage einer wirklich geistigen Entwickelung. Goethe hat schon genügend geschimpft über die Hindernisse, die ihm während seiner Schulausbildung gelegt worden sind. Man sollte sich erst einmal Rechenschaft darüber ablegen, wie anders dasjenige, was in Goethes «Dichtung und Wahrheit» über Professor Ludwig und andere steht, sich ausnehmen würde, wenn Goethe hineingezwängt worden wäre mit achtzehn, neunzehn oder zwanzig Jahren in einen heutigen Hochschulzwang. Diese Dinge müssen heute durchaus angeschaut werden.

[ 9 ] One can study these distortions in intellectual life in particular when considering higher education. How, in fact, has our higher education system developed? This was still clearly observable even in the second half of the nineteenth century. After all, all those people who, particularly within German intellectual life, have somehow achieved something of broader significance, grew up at a time when the modern system had not yet destroyed the foundation of genuine intellectual development. Goethe had already complained at length about the obstacles placed in his path during his school education. We should first consider how different the passages in Goethe’s *Poetry and Truth* about Professor Ludwig and others would seem if Goethe had been forced, at the age of eighteen, nineteen, or twenty, into the rigid academic system of today. These matters must certainly be examined today.

[ 10 ] Was ist denn eigentlich ausgemerzt worden, nach und nach ausgemerzt worden? Sehen Sie, als das Gymnasium, das heute ja ein Schreckgespenst ist gegenüber den Forderungen der Zeit, die einzige Vorbereitungsstätte für das höhere Bildungswesen war, als es noch den Typus des alten Klostergymnasiums hatte, das natürlich für seine Zeit gar nicht so schlecht war, da hatte es noch einen letzten Rest von dem, was man etwa so charakterisieren könnte: Der Mensch nimmt etwas in sich auf, was ihn auf den Standpunkt einer allgemeinen Weltanschauung bringt. Es figurierte im Studienplan der Gymnasien die sogenannte philosophische Propädeutik. Sie wurde allerdings nur in den beiden letzten Jahrgängen gepflegt. Es wurde zumeist zwar das gemacht, daß, was in den zweiten Jahrgang gehörte, in den ersten genommen wurde, und was in den ersten gehörte, in den zweiten genommen wurde. Nun aber, es war wenigstens etwas da: es war ein stehengebliebener Rest von dem, wofür in den älteren Hochschulen gesorgt wurde, daß die ersten Jahre, die der Mensch an der Hochschule zubringt, jedem die Möglichkeit gaben, etwas von allgemeiner Weltanschauung in sich aufzunehmen, etwas von dem in sich aufzunehmen, was ihm überhaupt erst die Berechtigung geben kann, sich in ein besonderes Berufsstudium hineinzubegeben. Denn niemand kann in Wirklichkeit in einem besonderen Berufsstudium etwas taugen, der nicht durch einen propädeutischen, einen vorbereitenden Unterricht die Möglichkeit gewonnen hat, über allgemein menschliche Angelegenheiten sich ein verständig empfindendes Urteil zu bilden. Man hält es heute für überflüssig, dem Menschen in einer wahren Gestalt etwas logische, etwas psychologische Begriffe beizubringen. Niemand kann vorteilhaft überhaupt irgendeinen Zweig des höheren Geisteslebens studieren, der nicht den Durchgang durch solche logischen und psychologischen Vorstellungen genommen hat, der sich nicht dadurch gewissermaßen erst die innere Berechtigung dazu erworben hat. All diese Dinge hat das neuere Kulturgeistesleben absolut ausgemerzt. Dieses will gar nicht mehr auf den Menschen überhaupt sehen; dieses neuere Kulturgeistesleben will aus dem Geistesleben ganz fremden Impulsen heraus dieses Geistesleben dressieren.

[ 10 ] What, exactly, has been eradicated—gradually eradicated? You see, when the high school—which today is, of course, a specter in the face of the demands of the times—was the sole institution preparing students for higher education, when it still took the form of the old monastic high school, which, of course, wasn’t all that bad for its time, it still retained a last remnant of what one might characterize as follows: A person absorbs something that brings them to the standpoint of a general worldview. The so-called “philosophical propaedeutics” featured in the high school curriculum. It was, however, taught only in the last two grades. For the most part, what was supposed to be covered in the second grade was taught in the first, and what was supposed to be covered in the first was taught in the second. Still, at least there was something there: it was a remnant of what had been provided for in the older universities—namely, that the first years a person spends at the university gave everyone the opportunity to absorb something of a general worldview, to absorb something that could, in the first place, give them the qualification to embark on a specific professional course of study. For in reality, no one can be of any use in a specialized professional program who has not, through a propaedeutic, preparatory course of study, gained the ability to form a sensible and perceptive judgment on general human matters. Today, it is considered superfluous to teach people, in a genuine way, certain logical and psychological concepts. No one can benefit from studying any branch of higher intellectual life at all who has not passed through such logical and psychological concepts, who has not, in a sense, first acquired the inner justification for doing so through them. Modern cultural and intellectual life has completely eradicated all these things. It no longer wishes to look at human beings at all; this modern cultural and intellectual life seeks to train spiritual life based on impulses entirely foreign to it.

[ 11 ] Das hat aber dazu geführt, daß, was in unserem allgemeinen Geistesbetrieb drinnen steckt, eben gar nicht mehr irgendwie das Gepräge einer einheitlichen Kultur trägt. Es hat uns zersplittert, und es hat bis jetzt nicht bewältigen können, was wir bewältigen werden müssen. Wer Erfahrung hat in diesem Gebiet, der weiß, in wie unzähligen Lobreden gepriesen worden ist das sogenannte Spezialistentum der neueren Zweit. Man hat betont, unser Kulturleben habe eine solche Ausbreitung erfahren, daß der Mensch fruchtbar nur einen einzelnen speziellen Zweig beherrschen kann. Man hat damit auf etwas hingewiesen, was von der einen Seite her, ich möchte sagen, selbstverständlich ist. Aber man hat sich aus innerer Bequemlichkeit zugleich dieser Selbstverständlichkeit mit wahrer Wollust hingegeben. Denn man braucht ja jetzt nichts anderes, als sich einzukapseln in irgendeine Spezialität, und gerade durch das Einkapseln in irgendeine Spezialität wurde man ein für die heutige Zeit besonders berechtigter Kulturmensch. Natürlich kann derjenige, dem die Kultur am Herzen liegt, nicht hoffen, und er kann es auch nicht wollen, daß das Spezialistentum sich umwandeln soll in einen allbeherrschenden Dilettantismus; aber was angestrebt werden muß, ist, daß die ganze Erziehung, das ganze Schulwesen für den Menschen so eingerichtet werde, daß er, ich möchte sagen, in einer unteren Schichte seines Bewußtseins immer die Möglichkeit hat, von seiner Spezialität aus verständnisvolle Fäden zu ziehen zur gesamten Kultur. Das kann nicht anders geschehen, als wenn man jeder Hochschule einen Unterbau gibt von allgemeiner Menschenbildung. Diejenigen, die heute zu den Zöpfen gehören, die werden einwenden: Ja, was tun wir denn dann mit der Fachbildung? — Man sollte nur wirklich einmal prüfen, wie ökonomisch man dann, wenn die Spezialitäten beginnen, mit der Fachbildung vorgehen könnte, wenn man auf allgemein gebildete Menschen wirken kann, auf Menschen wirken kann, die wirklich etwas Menschliches in sich haben. Heute sind wir ja nun dutch unsere perversen Kulturverhältnisse leider so weit, daß man in seiner Spezialität der höchstentwickelte Mensch sein kann und blitzdumm sein kann in bezug auf alle großen Menschheitsfragen, nichts verstehen kann von diesen. Wir haben heute einmal die sonderbare Erscheinung vor uns, daß derjenige, der nur eine Volksschule, oder vielleicht diese nicht einmal ordentlich durchgemacht hat, aber durch das Leben gezerrt worden ist, über allgemein menschliche Verhältnisse Besseres zu sagen hat, als derjenige, der durch Hochschulbildung durchgegangen ist und ein exzellenter Mensch auf seinem Gebiet geworden ist.

[ 11 ] But this has led to a situation where what lies at the heart of our general intellectual life no longer bears the hallmarks of a unified culture. It has fragmented us, and so far it has not been able to cope with what we will have to face. Anyone with experience in this field knows how countless eulogies have extolled the so-called “specialization” of recent times. It has been emphasized that our cultural life has expanded to such an extent that a person can fruitfully master only a single specialized branch. In doing so, they have pointed to something that, from one perspective, I would say, is self-evident. But at the same time, out of a sense of complacency, they have indulged in this self-evident truth with genuine relish. For all one needs to do now is to isolate oneself within some specialty, and it is precisely through this isolation within a specialty that one has become a cultured person particularly justified for the present age. Of course, anyone who cares deeply about culture cannot hope—nor can they wish—that specialization should turn into an all-encompassing dilettantism; but what must be strived for is that the entire educational system, the entire school system, be organized for the individual in such a way that he—I would say—always has the possibility, at a deeper level of his consciousness, to draw meaningful connections from his specialty to culture as a whole. This can only happen if every institution of higher education is given a foundation of general humanistic education. Those who are part of the old guard today will object: “Well, what are we supposed to do with specialized education then?”—One really ought to examine just how efficiently one could then approach specialized education once the specializations begin, if one can work with generally educated people, with people who truly possess something human within them. Today, unfortunately, due to our perverse cultural conditions, we have reached a point where one can be the most highly developed person in one’s specialty and yet be utterly ignorant regarding all the great questions of humanity, understanding nothing of them. Today we are faced with the strange phenomenon that someone who has only attended elementary school—or perhaps hasn’t even completed it properly—but has been buffeted by life, has more to say about general human conditions than someone who has gone through a university education and become an excellent expert in their field.

[ 12 ] Gegen diese Erscheinung hat man heute zu kämpfen, wenn man überhaupt nur daran denkt, in die Tiefe hinein diejenigen Impulse zu senden, die allein zu einer Besserung führen können, die nicht bloß dahin führen, an der Oberfläche allein Maßnahmen zu treffen, wie es die Leute wollen; die nicht dahin gehen, wohin zu gehen die Wirklichkeit fordert, wenn tatsächlich etwas geschehen soll. Natürlich haben wir heute das Übel schon so weit getrieben, daß wir ja für den Unterbau der Hochschule gar nicht mehr die geeigneten Persönlichkeiten haben, daß wir in der furchtbaren Lage sind, überhaupt keine Lehrer mehr zu haben für eine allgemeine Menschenbildung. Denn wir haben es ja dazu gebracht, daß gerade unsere Hochschulen verschlafen haben, ich möchte sagen, die alleräußersten Ranken der Kultur. Man kann es erleben, daß an unseren Hochschulen irgendeine Wissenschaft in der Stunde, in der sie angesetzt ist, aus dem Kollegienheft von irgendeinem Professor vorgelesen wird, daß der Student sich die Sache anhört, daß er sich dann irgendwelche Nachschriften kauft, um sich schriftlich für das Examen einzudressieren. Es ist das sogar ein ziemlich gewöhnlicher Vorgang. Was heißt das aber in Wirklichkeit? Das heißt in Wirklichkeit: der junge Mann hat völlig versessen die Zeit, die er da zugehört hat; denn dasjenige, was wirklich geschehen ist, das ist ja nur das, daß er die Nachschriften sich eindressiert hat. Wenn er bloß das gemacht hätte, so hätte er wirklich alles das getan, was eine Wirklichkeit in der Sache ist. Das heißt: daß der Professor sich heraufstellt aufs Podium, sein Kollegheft abliest, ist eine völlig unnötige Sache, ist absolut überflüssig.

[ 12 ] We must fight against this phenomenon today if we are even to consider sending deep into the heart those impulses that alone can lead to improvement—impulses that do not merely result in taking superficial measures, as people want; measures that do not go where reality demands we go if anything is actually to be accomplished. Of course, we have already driven this evil so far today that we no longer have the right kind of people to form the foundation of our universities, that we find ourselves in the dreadful situation of having no teachers at all for a general human education. For we have brought it to the point where our universities in particular—I would say, the very outermost tendrils of culture—have fallen asleep. One can witness how, at our universities, a particular subject is simply read aloud from a professor’s lecture notes at the scheduled time; the student listens to the material and then buys some lecture notes to drill himself in writing for the exam. This is, in fact, a fairly common occurrence. But what does that really mean? It means, in reality, that the young man has completely wasted the time he spent listening there; for what really happened is simply that he drilled the lecture notes into his memory. If he had simply done that, he would have actually done everything that is essential to the matter. In other words, the professor standing up on the podium and reading from his lecture notes is a completely unnecessary act; it is absolutely superfluous.

[ 13 ] Nun wird leicht gesagt werden können: Da haben wir also einen solchen Botokuden vor uns, der die Abschaffung der Kollegien verlangt! Nein, das ist nicht der Fall. Ich verlange ganz gewiß nicht die Abschaffung der Kollegien, ich mache nur darauf aufmerksam, daß die Kollegien heute gelesen werden mit Nichtberücksichtigung der kulturgeschichtlichen Tatsache, daß einmal die Buchdruckerkunst erfunden worden ist, daß dasjenige, was man bloß vorliest, wirklich besser in den Hirnkasten hineindringt, wenn es in einem ordentlich geschriebenen Buch gelesen wird. Aber ich mache auch darauf aufmerksam, daß das beste, was man durch ein gut geschriebenes Buch bekommen kann, kaum ein Zehntel von dem sein kann, was wirklich aus der unmittelbaren Persönlichkeit des Unterrichtenden so hervorgeht, daß eine seelische Verbindung entsteht zwischen dem Unterrichtenden und demjenigen, der unterrichtet wird. Das kann aber nur in einem auf sich selbst gestellten, sich selbst verwaltenden Geistesleben geschehen, wo die Individualität sich voll entfalten kann, wo nicht Traditionen, wie es bei den Universitäten oder anderen Hochschulen ist, jahrhundertelang herrschen, sondern wo der Einzelne die Möglichkeit hat, bis ins einzelnste hinein er selbst zu sein. Dann wird gerade von dem mündlichen Unterricht das ausgehen, wovon man sagen kann: Wir haben abgestoßen alles das, was auch durch die Buchdruckerkunst in die Menschheit kommen will, durch die Illustrationskunst und so weiter. Aber wir haben gerade dadurch, daß wir das abgestoßen haben, die Möglichkeit bekommen, ganz neue Lehrfähigkeiten zu entwickeln, die heute noch in der Menschheit schlafen. Diese Dinge gehören auch, und sie gehören sogar in alleretster Linie zu den sozialen Fragen der Gegenwart. Denn erst, wenn man Herz und Sinn haben wird für diese Dinge, wird man auch eindringen können in dasjenige, was sonst vonnöten ist heute.

[ 13 ] Now, it will be easy to say: So here we have a Botokuden who demands the abolition of the colleges! No, that is not the case. I certainly do not demand the abolition of lectures; I am merely pointing out that lectures today are delivered without taking into account the cultural-historical fact that, once the art of printing was invented, what is merely read aloud actually penetrates the mind more effectively when it is read in a properly written book. But I also point out that the best one can gain from a well-written book can hardly amount to a tenth of what truly emanates from the teacher’s immediate personality—to the extent that a spiritual connection is formed between the teacher and the student. But this can only happen in an independent, self-governing spiritual life, where individuality can unfold fully, where traditions—as is the case at universities or other institutions of higher learning—do not reign for centuries, but where the individual has the opportunity to be himself down to the very smallest detail. Then it is precisely from oral instruction that something will emerge of which one can say: We have cast off everything that seeks to enter humanity through the art of printing, through the art of illustration, and so on. But it is precisely by casting these things aside that we have gained the opportunity to develop entirely new teaching abilities that still lie dormant within humanity today. These matters also belong—and indeed, they belong first and foremost—to the social issues of the present. For only when one has a heart and a mind for these things will one also be able to penetrate into what is otherwise necessary today.

[ 14 ] Sehen wir uns einmal an, was aus der verkehrten höheren Bildung für die allgemeine soziale Lage herauskommt. Ich habe gestern sogar im Öffentlichen Vortrag darauf aufmerksam machen müssen, daß wir im Grunde genommen gar keine Spiegelung der wirklichen sozialen Zustände, weder in der Nationalökonomie des Bürgertums noch in der Nationalökonomie des Proletariertums haben, weil wir einfach nicht die Kraft hatten, zu einer wirklichen sozialen Wissenschaft zu kommen. Was ist unter dem Bürgertum statt der sozialen Wissenschaft entstanden? Etwas, auf das man sehr stolz ist, das man nicht müde wird, immer wieder und wieder zu preisen: das ist die moderne Soziologie. Nun, diese moderne Soziologie ist das unsinnigste Kulturprodukt, das überhaupt hat entstehen können. Denn diese Soziologie sündigt wider alle elementarsten Notwendigkeiten, die eine soziale Wissenschaft haben müßte. Diese Soziologie sucht ihre Größe darin, daß sie absieht von allem, was zum sozialen Wollen, zum sozialen Impuls führen könnte, daß sie bloß historisch und statistisch verzeichnet die sogenannten soziologischen Tatsachen, damit sie den Beweis scheinbar liefert, daß der Mensch eine Art soziales Tier ist, daß der Mensch in der Gesellschaft drinnen lebt. Diesen Beweis, den hat sie, allerdings unbewußt, recht stark geliefert, diese Soziologie; sie hat ihn dadurch geliefert, daß sie nichts anderes zutage förderte, als die plattesten soziologischen Urteile, das heißt diejenigen, welche allgemein, welche Gemeingut sind, Trivialitäten. Nirgends aber ist der Wille vorhanden, die Erkenntnisse der Gesellschaftsgesetze so zu finden, wie sie einlaufen müssen in das menschliche soziale Wollen. Damit ist aber auf diesem Gebiet die Kraft des Geisteslebens überhaupt gelähmt. Wir haben in allen nicht proletarischen Schichten heute, das muß ruhig zugestanden werden, überhaupt kein soziales Wollen. Das soziale Wollen fehlt vollständig, weil gerade da, wo es hätte gepflegt werden sollen, im Hochschulunterricht, Soziologie an die Stelle von Sozialwissenschaft getreten ist; ohnmächtige Soziologie an die Stelle von den Willen durchpulsender, den Menschen anregender Sozialwissenschaft.

[ 14 ] Let’s take a look at what this misguided higher education means for the general social situation. Yesterday, I even had to point out in my public lecture that, fundamentally, we have no reflection of real social conditions—neither in the national economy of the bourgeoisie nor in that of the proletariat—because we simply lacked the strength to develop a true social science. What has emerged among the bourgeoisie in place of social science? Something of which they are very proud, something they never tire of praising over and over again: modern sociology. Well, this modern sociology is the most nonsensical cultural product that could possibly have come into being. For this sociology violates all the most elementary requirements that a social science ought to have. This sociology seeks its greatness in the fact that it disregards everything that could lead to social will or social impulse; that it merely records the so-called sociological facts historically and statistically, so as to seemingly provide proof that human beings are a kind of social animal, that human beings live within society. This sociology has, albeit unconsciously, provided quite strong evidence of this; it has done so by bringing to light nothing but the most trite sociological judgments—that is, those that are general, commonplace, and trivial. Nowhere, however, is there a will to discover the laws of society in the way they must flow into human social will. Consequently, the power of intellectual life in this area is completely paralyzed. We must calmly admit that in all non-proletarian strata today, there is absolutely no social will whatsoever. Social will is completely absent because, precisely where it should have been cultivated—in higher education—sociology has taken the place of social science; impotent sociology has taken the place of social science, which is pulsing with will and inspires people.

[ 15 ] Bis in die Tiefen des Kulturlebens hinein gehen diese Dinge. Da müssen sie aufgesucht werden, sonst kommt man ihnen überhaupt niemals bei. Man denke sich nur einmal, wie anders die Menschen im Leben drinnen stehen würden, wenn erfüllt würde, was in einer vorigen Betrachtung hier ausgesprochen worden ist. Statt daß die Menschen den Blick abgewendet bekommen zu urältesten Kulturepochen, die unter ganz anderen Gesellschaftsverhältnissen ihre Struktur empfangen haben, müßte gerade in dem Lebensalter, wo die Empfindungsseele fein vibrierend zum Dasein kommt, vom vierzehnten, fünfzehnten Jahre aufwärts, der Mensch unmittelbar eingeführt werden in das aller-, allernächstliegende gegenwärtige Leben. Er müßte kennenlernen, was auf dem Acker vor sich geht, er müßte kennenlernen, was im Gewerbe vor sich geht, er müßte die verschiedenen Handelsverbindungen kennenlernen. Das alles müßte der Mensch aufnehmen. Und man denke sich, wie er dann ganz anders ins Leben hinaustreten würde, wie er ein selbständiger Mensch wäre, und wie er nicht sich aufdrängen lassen würde dasjenige, was heute oftmals gerade als die höchste Errungenschaft der Kultur gepriesen wird, was aber nichts anderes ist als die wüsteste Dekadenzerscheinung.

[ 15 ] These things extend deep into the heart of cultural life. They must be sought out there; otherwise, one will never come into contact with them at all. Just imagine how differently people would approach life if what was expressed here in a previous reflection were to be fulfilled. Instead of having people’s gaze diverted away from the most ancient cultural epochs—which took shape under entirely different social conditions—they should, precisely at the age when the feeling soul comes into being with its subtle vibrations, from the age of fourteen or fifteen onward, be directly introduced to the very, very immediate present life. They should learn what goes on in the fields, they should learn what goes on in the trades, and they should become familiar with the various commercial relationships. A person would have to take all of this in. And just imagine how differently they would then step out into life, how they would be an independent person, and how they would not allow themselves to be forced to accept what is often praised today as the highest achievement of culture, but which is nothing other than the most desolate manifestation of decadence.

[ 16 ] Nur auf dem Boden eines sich selbst verwaltenden Geisteslebens kann zum Beispiel auch wirkliche Kunst gedeihen. Und wirkliche Kunst ist Volkssache ; wirkliche Kunst ist im eminentesten Sinne etwas Soziales. Derjenige, der den griechischen, den romanischen, den gotischen Baustil studiert in dem Sinne, wie das heute oftmals geschieht, der weiß über das, was in Betracht kommt, im Grunde genommen noch recht wenig. Erst derjenige kennt, was im griechischen, im romanischen, im gotischen Baustil liegt, welcher weiß, wie die ganze soziale Struktur der Zeit, als diese Stile herrschten, in Formen, in Linienführung, in Abbildlichkeit innerhalb dieser Stile zu sehen war, wie die Kunst fortschwang in den menschlichen Seelen. Was der Mensch im Alltag tat, bis in die Fingerbewegung hinein, war ein Fortschwingen desjenigen, was er sah, wenn er diese Dinge betrachtete, die ihm die Möglichkeit boten, die wirklich reale Wesenheit, sagen wir, eines Baustiles in sich aufzunehmen. Man bedarf heute der Einsetzung der Ehe zwischen Kunst und Leben, die aber nur auf dem Boden eines freien Geisteslebens gedeihen kann. Oh, welcher Jammer, meine lieben Freunde, daß unsere Kinder in Schulstuben geführt werden, die wahrhaftig barbarische Umgebungen für die jungen Gemüter sind! Man denke sich jede Schulstube — nicht in der dekorativen Weise künstlerisch ausgestaltet, wie man sich das heute oftmals denkt, aber man denke sie sich von einem Künstler so ausgestaltet, daß dieser Künstler die einzelnen Formen in Einklang gebracht hat mit dem, worauf das Auge fallen soll, während es das Einmaleins lernt.

[ 16 ] Only on the foundation of a self-governing intellectual life, for example, can true art flourish. And true art is a matter for the people; true art is, in the most eminent sense, a social phenomenon. Anyone who studies Greek, Romanesque, and Gothic architectural styles in the way it is often done today knows, in essence, very little about what is actually at stake. Only the person who understands how the entire social structure of the era in which these styles prevailed was reflected in the forms, lines, and figurative elements within them—and how art resonated within human souls—truly knows what lies at the heart of the Greek, Romanesque, and Gothic architectural styles. What people did in their daily lives—down to the movement of their fingers—was a resonance of what they saw when they contemplated these things, which offered them the opportunity to take in the truly real essence, so to speak, of an architectural style. Today we need to establish a union between art and life, but this can flourish only on the foundation of a free spiritual life. Oh, what a pity, my dear friends, that our children are led into classrooms that are truly barbaric environments for young minds! Imagine every classroom—not decorated in an artistic way, as is often thought today, but imagine it designed by an artist in such a way that this artist has harmonized the individual forms with what the eye should focus on while learning the multiplication tables.

[ 17 ] Die Gedanken, die sozial wirken sollen, können nicht sozial wirken, wenn nicht, während diese Gedanken sich formen, in einer Nebenströmung des geistigen Lebens in die Seele dasjenige einzieht, was aus einer wirklich lebensgemäßen Umgebung herkommt. Dazu aber bedarf es auch, sagen wir, für das Künstlertum eines ganz anderen Lebensganges, als ihm heute gegönnt ist während des Heranwachsens. Es wird ja heute gerade derjenige, der den künstlerischen Trieb in sich fühlt, gar nicht die Möglichkeit haben, dem Leben nahezukommen. Fühlt er in sich, sagen wir, den Trieb, Maler zu werden, dann drängt ihn das Leben dazu, möglichst früh irgendwelche Schinken anzustreichen, denn er meint, es käme darauf an, irgend etwas zu schaffen, was innere Befriedigung gibt. Selbstverständlich kommt es darauf an; aber es handelt sich darum, ob zuerst der Impuls für diese innere Befriedigung den Weg hinaus ins Leben gefunden hat, so daß man die größte innere Befriedigung dann empfindet, wenn man das Leben zuerst frägt: was ist zu schaffen? und wenn man auch immer die Verpflichtung, die gewissenhafte Verpflichtung fühlt, daß man dem Leben nichts entnimmt, was man ihm nicht wieder zurückgibt. Dadurch daß heute, sagen wir, die Maler Landschaften liefern für diejenigen Leute, die doch nicht viel verstehen davon, dadurch wird nicht Kunst gefördert, sondern Kunst in den Abgrund hineingeworfen. Wir haben so eine unnötige Luxuskunst neben einer barbarischen Gestaltung unserer Lebensumgebung. Denken wir uns nur einmal, daß der Zustand eintritt, den herbeizuführen bestrebt ist mein Buch über die soziale Frage, wo aus dem einfachen Grunde, daß jedes Produktionsmittel nur so lange etwas kosten kann, bis es fertig ist, es nach Fertigstellung frei in den Gesellschaftsbau übergeht. Denken wir uns, wie da wegfallen würde jedes individuelle egoistische Interesse, wie ganz von selbst, instinktiv, intuitiv aufkeimen würde in jedem, der schafft, die Tendenz, für die ganze Menschheit zu schaffen, und wie er suchen würde diese Möglichkeit, für die ganze Menschheit zu schaffen, statt dessen, was heute bei vielen vorliegt, daß sie für die Kapitalisten schaffen, nach deren Unbedürfnissen. Das ist ja vor allen Dingen die Aufgabe: so zu sozialisieren, daß unter der Sozialisierung nicht alles Geistesleben unter die Räder kommt.

[ 17 ] Thoughts that are meant to have a social impact cannot do so unless, as these thoughts take shape, the soul absorbs—as a side current of intellectual life—that which comes from an environment truly in tune with life. But this also requires—let us say—a completely different life course for the artist than is afforded to him today during his formative years. After all, today it is precisely those who feel the artistic impulse within themselves who will have no opportunity at all to come close to life. If they feel within themselves, let’s say, the impulse to become a painter, then life urges them to start painting some sort of daub as early as possible, because they believe it is essential to create something that provides inner satisfaction. Of course it matters; but the question is whether the impulse for this inner satisfaction has first found its way out into life, so that one experiences the greatest inner satisfaction when one first asks life: “What is to be created?”—and when one always feels the obligation, the conscientious obligation, not to take anything from life that one does not give back to it. The fact that today, let’s say, painters produce landscapes for people who don’t really understand much about them—this does not promote art, but rather throws art into the abyss. We have this kind of unnecessary, luxurious art alongside a barbaric design of our living environment. Let us just imagine for a moment that the state of affairs my book on the social question strives to bring about were to come to pass—where, for the simple reason that every means of production can only have a cost until it is finished, it is freely incorporated into the fabric of society upon completion. Let us imagine how every individual, selfish interest would disappear, how the tendency to create for all of humanity would spring up quite naturally, instinctively, and intuitively in everyone who creates, and how they would seek this opportunity to create for all of humanity—instead of what is the case for many today, namely, that they create for the capitalists, according to the latter’s unnecessary desires. That, after all, is the primary task: to socialize in such a way that not all intellectual life falls by the wayside in the process of socialization.

[ 18 ] In diesem Punkte haben ja unsere leitenden, führenden Kreise überhaupt noch nicht einmal den allerersten Impuls, auf das Richtige zu sehen. Diese Kreise skandalisieren sich heute über Spartakisten, Bolschewisten und so weiter. Ja, die Spartakisten, die Bolschewisten haben sich nicht selber gemacht. Wer hat sie gemacht? Unsere leitenden, führenden Kreise! Denn die haben keinen Impuls in sich gefühlt, eine wirkliche Volkskultur zu begründen. Es gäbe keinen Bolschewismus und keinen Spartakismus, wenn die leitenden, führenden Kreise ihre Pflicht getan hätten. Abgesehen davon, daß auch Spartakismus und Bolschewismus nicht so sind, wie die Leute in den führenden Kreisen heute sie sich ausmalen, um Schauerstückchen vor die Welt hinzustellen und ihre Kanonen zu rechtfertigen. Das nur nebenbei.

[ 18 ] On this point, our ruling, leading circles do not even have the very first impulse to see what is right. Today, these circles are up in arms over the Spartacists, Bolsheviks, and so on. Yes, the Spartacists and the Bolsheviks did not create themselves. Who created them? Our ruling and leading circles! For they felt no inner impulse to establish a genuine popular culture. There would be no Bolshevism and no Spartacism if the ruling circles had done their duty. Not to mention that Spartacism and Bolshevism are not at all what the people in the ruling circles imagine them to be today, in order to present horror stories to the world and justify their guns. Just as an aside.

[ 19 ] Heute wäre insbesondere in den leitenden, führenden Kreisen notwendig ein klares und ungefärbtes In-sich-Einkehren. Dazu ist wenig, wenig Neigung vorhanden.

[ 19 ] Today, a clear and unbiased period of self-reflection is particularly necessary among the leadership and governing circles. There is very, very little inclination toward this.

[ 20 ] Sehen Sie, das Zeug zu einer Besserung der Seele, das hat wahrhaftig die Menschheitsentwickelung noch nicht aus dieser Seele herausgerissen, das wäre noch immer da; das wäre selbst, und sogar in besonderem Maße, im deutschen Volke da. Aber dieses deutsche Volk, das hat seit langer, langer Zeit stets abgesehen davon, die Keimkräfte der eigenen Gedanken, der eigenen Empfindungen, der eigenen Impulse in sich zu entwickeln. Und in die unterste Schulstufe sind die Impulse eingeimpft worden, die den so großartig angelegten deutschen Menschen zu einer Obrigkeitsmaschine machen; zu einer Maschine, die blind der Obrigkeit folgt. Es ist ein Zusammenhang zwischen all dem, was heute so furchtbar uns vor Augen tritt, und dieser falschen Erziehung, dieser Erziehung, die den Menschen nicht frei und selbständig macht, weil sie selbst nicht frei und selbständig ist. Diese Erziehung, die sich um so wohler fühlt, je mehr sie in den Staat eingeschnürt sein kann, damit sie sich dann weiter wohl fühlen kann, wenn in unzähligen Versammlungen der Beschluß gefaßt werden kann: Wir stehen voll Vertrauen zu der Regierung, die in Versailles jetzt das Nötige dazu beiträgt, uns den Kragen abzuschneiden. In unzähligen Versammlungen werden die Beschlüsse gefaßt: Wir stehen fest hinter dieser Regierung. Während in Wahrheit in dieser Regierung kaum ein Mensch sitzt, der hineingehört, während die ersten Anforderungen wären, offen und frei zu gestehen: Alles dasjenige, was da geschieht, ist nur die Fortsetzung jenes Unheils, das sich in deutschen Gauen vollzogen hat im Unglücksjahr 1914. In diese Dinge hinein ergießen sich die Fehler unseres Erziehungswesens. Und diese Fehler unseres Erziehungswesens, sie haben dem Menschen alle Möglichkeit benommen, Augenmaß zu haben für die Ereignisse des Lebens.

[ 20 ] You see, the potential for spiritual betterment—humanity’s development has truly not yet torn that away from the soul; it would still be there; it would be present, even to a special degree, within the German people. But this German people has, for a long, long time, consistently neglected to develop within itself the germinal forces of its own thoughts, its own feelings, and its own impulses. And from the very first grade of school, impulses have been instilled that turn the German people—with their magnificent potential—into a machine of authority; into a machine that blindly follows authority. There is a connection between everything that appears so terribly before our eyes today and this flawed education—an education that does not make people free and independent because it itself is not free and independent. This education feels all the more comfortable the more it can be tied to the state, so that it can continue to feel at ease when, in countless assemblies, the resolution is passed: “We have full confidence in the government, which is now doing what is necessary in Versailles to cut our throats.” In countless meetings, resolutions are passed: “We stand firmly behind this government.” Whereas in reality, there is hardly a single person in this government who belongs there, and the first requirements would be to admit openly and freely: Everything that is happening there is merely the continuation of that calamity that unfolded in the German provinces during the fateful year of 1914. The failures of our educational system pour into these matters. And these failures of our educational system have robbed people of any ability to maintain a sense of proportion regarding the events of life.

[ 21 ] Wie ich Ihnen heute geschildert habe, daß auf der einen Seite vernünftiges Schulwesen, das auf Konzentration sieht, nicht auf den verruchten Stundenplan, hineinbringen würde in den Menschen selbständige Verstandeskraft und Vernünftigkeit, so würde wahres Durchdringen unserer Gesellschaft schon von der Erziehung aus mit sozialer Kunst eine richtige Willenskultur zustande bringen. Denn niemand kann wollen, der nicht den Willen anerzogen hat durch echte künstlerische Erziehung. Dieses Geheimnis vom Zusammenhang der Kunst mit dem Leben und namentlich mit dem Willenselement des Menschen, dieses zu erkennen, das ist eine der allerersten Anforderungen künftiger psychologischer Pädagogik, und alle zukünftige Pädagogik muß psychologisch sein. Die Erbauer dieser Psychologie werden sogar kaum, so wie die Dinge jetzt stehen, wo alle Psychologie den Leuten ausgetrieben ist, andere Menschen sein können als die Künstler, die noch ein wenig Psychologie in ihren Adern haben, während Psychologie sonst aus unserer Bildung verschwunden ist. In der wissenschaftlichen Bildung ist auch nicht ein Atömchen davon mehr vorhanden. Eine solche Hineinstellung ins Leben, die wäre möglich, wenn wirklich einer für alle und alle für einen arbeiten würden, weil dann die Produktionskräfte so angewendet würden, daß die Zeit vorhanden wäre zu solcher Erziehung. Denn viel Humbug, der heute geredet wird, brauchte gar nicht geredet zu werden, wenn man ernst und often reden wollte, wenn erfüllt würde, was dem Geistesleben auch nur nützen könnte, daß ineinander arbeitet Handarbeit und Geistesarbeit, was in der Zukunft doch angestrebt werden müßte. Dann würde auf der ganzen Erde, wenn jeder — nun, der Jeder wird es nicht sein können, aber eine gewisse Annäherung an das Ideal kann stattfinden — seinen Teil Handarbeit verrichten würde, kein Mensch mehr als höchstens drei bis vier Stunden am Tage handzuarbeiten brauchen. Eine wenigstens approximative Rechnung ergibt dieses. Was über drei bis vier Stunden hinaus handgearbeitet wird, das bewirken nicht die in der Menschheitsentwickelung liegenden Notwendigkeiten, das bewirken — das kann man ohne Emotion, ohne alle Aufregung heute sagen als vollständig objektive Tatsache —, das bewirken die unzählig unter uns wandelnden Faulenzer und Rentengenießer. Aber diesen Dingen muß eben ganz notwendig ehrlich und aufrichtig ins Auge geschaut werden. Denn die Korrektur dieser Verhältnisse hängt nicht allein davon ab, daß im kleinen da oder dort etwas geändert wird, sondern sie hängt davon ab, daß wir unsere Erziehung, unsere Volkspädagogik so einrichten, daß die Menschen durch die Erziehung, durch das Schulwesen, Augenmaß für das Leben bekommen.

[ 21 ] Just as I have described to you today—that, on the one hand, a sensible school system focused on concentration rather than on the pernicious schedule would instill in people independent intellectual power and rationality—so too would a true permeation of our society, beginning with education through social art, bring about a proper culture of the will. For no one can will unless they have cultivated their will through genuine artistic education. Recognizing this mystery of the connection between art and life—and especially with the human element of the will—is one of the very first requirements of future psychological pedagogy, and all future pedagogy must be psychological. As things stand now—with all psychology driven out of people’s minds—the architects of this psychology can hardly be anyone other than the artists, who still have a little psychology in their veins, while psychology has otherwise vanished from our education. Not even a single atom of it remains in scientific education. Such an approach to life would be possible if one truly worked for all and all for one, because then the forces of production would be applied in such a way that there would be time for such education. For much of the nonsense spoken today would not need to be spoken at all if people were to speak seriously and often, if what could be of any benefit to intellectual life were fulfilled—namely, the interplay of manual and intellectual labor—which must surely be the goal for the future. Then, throughout the world, if everyone—well, it won’t be everyone, but a certain approximation to the ideal can be achieved—were to perform their share of manual labor, no one would need to spend more than three to four hours a day on manual labor. At least a rough calculation yields this result. Anything beyond three to four hours of manual labor is not brought about by the necessities inherent in human development; rather—and this can be stated today without emotion or agitation as a completely objective fact—it is brought about by the countless idlers and pensioners walking among us. But it is absolutely necessary to face these realities honestly and sincerely. For correcting these conditions does not depend solely on making minor changes here and there, but rather on organizing our education and public pedagogy in such a way that people, through education and the school system, develop a sense of proportion in life.

[ 22 ] Heute liegt die Sache so, daß unser Erziehungswesen Menschenpflanzen an die Oberfläche treibt, die nicht das geringste Augenmaß haben für die Dinge, die um uns herum vorgehen. Daher sind alle die Nachrichten, die zum Beispiel von Versailles kommen, so unsinnig, weil niemand ein Urteil darüber hat, welches Gewicht das eine oder das andere hat, aus welchen Motiven heraus das eine oder andere Volk urteilt, was bei dem einen oder anderen Volk aus seiner menschlichen Wesensgrundlage eine Notwendigkeit ist. Daher wird man auch nicht verstanden, wenn man über solche Dinge redet. Würde auch nur ein Fünkchen von dem Wesen des dreigliedrigen sozialen Organismus in das menschliche Verständnis einziehen können, so würde man sehen, wie dasjenige, was uns vom Westen droht, die Überflutung alles politischen und Geisteslebens mit dem Wirtschaftsleben ist; wie dasjenige, was vom Osten zu uns dringt, auch aus Rußland heraus, der Aufschrei der Menschheit ist nach Herausrettung des Geisteslebens aus dem Wirtschaftsleben. Zwei Pole stehen sich entgegen, der Westen und der Osten, und wir in der Mitte haben die Aufgabe, auf den Westen hinzusehen und seine Schäden nicht bei uns aufkommen zu lassen; auf den Osten hinzusehen und dasjenige aus uns selbst zu pflegen, was et uns sonst nicht nach Jahrhunderten, sondern nach Jahrzehnten auferlegen muß, weil der Menschheit das auferlegt werden muß, was sie sich nicht selber auferlegt. Wir haben die Aufgabe, hier in der Mitte Europas dasjenige zu pflegen, was nur aus den drei Gliedern des sozialen Organismus heraus gepflegt werden kann. Würde heute eine Übermacht der Kultur des Ostens entstehen, dann würde die Erde überschwemmt werden mit nebuloser Mystik, die Erde würde überschwemmt werden mit wirklichkeitsfremder Theosophie. Würde die Übermacht im Westen entstehen, dann würde die Erde überschwemmt werden, tyrannisiert werden durch das bloße materielle Leben. Diese Aufgabe hätten wir: zwei furchtbare Schädigungen der Menschheit abzuhalten durch eine vernünftige Dreigliederung des sozialen Organismus, dadurch, daß wir das Wirtschaftsleben, das Geistesleben verselbständigen und dem Staate die Möglichkeit benehmen, diese Dinge so weit zu treiben, bis von Westen und Osten, über uns zusammenbrechend, unser Untergang kommt.

[ 22 ] The situation today is that our educational system produces people who lack even the slightest sense of proportion when it comes to the things happening around us. That is why all the news coming from Versailles, for example, is so nonsensical—because no one can judge what weight one thing or another carries, what motives drive one people or another to make their judgments, or what is a necessity for one people or another based on their fundamental human nature. That is why people do not understand when one speaks of such things. If even a spark of the essence of the threefold social organism could find its way into human understanding, one would see that what threatens us from the West is the inundation of all political and spiritual life by economic life; and how what is pressing upon us from the East—including from Russia—is humanity’s cry to rescue spiritual life from economic life. Two poles stand opposed to one another, the West and the East, and we in the middle have the task of looking toward the West and preventing its harmful influences from taking root among us; to look toward the East and to nurture within ourselves that which must be imposed upon us not over the course of centuries, but over the course of decades, because humanity must be given what it does not impose upon itself. We have the task, here in the heart of Europe, of nurturing that which can only be nurtured from within the three members of the social organism. If the culture of the East were to gain the upper hand today, the earth would be flooded with nebulous mysticism; the earth would be flooded with theosophy divorced from reality. If the West were to gain the upper hand, the earth would be flooded—and tyrannized—by mere material life. This is the task before us: to avert these two terrible threats to humanity through a sensible threefold organization of the social organism—by making economic life and spiritual life autonomous and depriving the state of the ability to push these matters so far that our downfall comes crashing down upon us from both the West and the East.

[ 23 ] Ein objektiver Blick nach dem Westen hin ergibt das heute vor allen Dingen, wie sehr man aufmerksam sein müßte auf alles dasjenige, was ausgeht von den romanischen Völkern. Denn nichts Gefährlicheres könnte für uns sein, als wenn wir uns Illusionen hingeben würden darüber, daß aus sehr tiefen, tiefen Grundlagen heraus vor allen Dingen Frankreich an unserem Untergang arbeitet. Wenn wir Frankreich daran verhindern, dann kommen wir über dasjenige, was uns von englischer Seite droht, leicht hinweg. Aber dazu gehört Unterscheidungsvermögen, ein Augenmaß für die Dinge. Dazu ist vor allen Dingen notwendig die Einsicht, daß, vielleicht mit wenig Ausnahmen, alle diejenigen, die von Deutschland aus — ich weiß nicht, wie man sagen soll, damit man niemand kränkt — heute in Versailles über das Schicksal Deutschlands verhandeln, nicht weiter als Instrumente verwendet werden für diese Verhandlungen. Das sind Dinge, die eben heute gesehen werden müßten ungeschminkt, die heute so gesehen werden müssen, meine lieben Freunde, daß man gar keine Konzessionen auch in seinem inneren Urteil macht. Sieht man das aber heute ein, dann nimmt man durch ein solches Sehen den ersten Impuls auf, den man insbesondere für Volkspädagogik braucht; man sieht, was die bisherige Volkspädagogik an die Oberfläche getrieben hat an Menschen, die heute Menschenschicksal machen.

[ 23 ] An objective look toward the West reveals above all else today just how vigilant we must be regarding everything that emanates from the Romance-speaking peoples. For nothing could be more dangerous for us than to succumb to the illusion that, from very deep, deep roots, France above all is working toward our downfall. If we prevent France from doing so, then we can easily overcome the threat posed to us by England. But this requires discernment, a sense of proportion. Above all, it requires the realization that, perhaps with few exceptions, all those who—from Germany—I don’t know how to put this so as not to offend anyone—are negotiating Germany’s fate in Versailles today are being used merely as instruments in these negotiations. These are things that must be seen today without embellishment, my dear friends—that is, without making any concessions, even in one’s inner judgment. But if one recognizes this today, then through such insight one gains the initial impetus needed especially for public education; one sees what previous public education has brought to the surface in the people who are shaping human destinies today.

[ 24 ] Es ist natürlich bequemer, die allertrivialsten Urteile an dasjenige anzugliedern, was hier eigentlich gemeint ist, als ausgehend von den Anregungen, die gegeben werden, auf die verschiedenen Menschenfelder zu sehen, damit auf diesen verschiedenen Menschenfeldern das Richtige getroffen werden kann. Als ich vor längerer Zeit in unserem Bau in Dornach gesprochen habe von der Dreigliederung des sozialen Organismus, da verging einige Zeit, und es tauchte nachher auf ein ganz sonderbarer Plan. Als ein groteskes Beispiel, wie die Menschen heute erzogen sind, darf ich vielleicht diesen Plan anführen. Da ist der Bau, an dem Bau beschäftigt einige Menschen, damit verbunden andere, die nichts zu tun haben, und die in der Umgebung leben. Über die Dreigliederung des sozialen Organismus wurde gesprochen. Nun entstand in einigen Köpfen, die heute, möchte ich sagen, selbstverständliche Idee, man müsse doch irgendwo anfangen. Und man wollte nun irgendwo zu sozialisieren anfangen, indem man in der wüstesten Weise sektiererisch ein kleines Gebiet ins Auge faßt und in diesem kleinen Gebiet die wüstesten Pflanzen der Selbstsucht aufsprießen läßt, und dann sagt, man hat doch irgendwo mit dem Sozialisieren angefangen. Also sollte zunächst das, was an Menschentum um den Bau herum gruppiert war, sozialisieren, den dreigliedrigen sozialen Organismus in Szene setzen. Pläne wurden entworfen, wie die Dornacher den dreigliedrigen sozialen Organismus in Szene setzen. Man konnte nichts anderes tun, als den Leuten sagen: Was soll denn das eigentlich heißen? Nehmt einmal an, ihr macht Ernst mit der Sache: Dann käme als erstes die Selbständigkeit des Wirtschaftslebens. Ja, dann müßtet ihr euch natürlich vor allen Dingen Kühe anschaffen und melken und alles dasjenige tun, was scheinbar eine Wirtschaftsoase herbeiführen kann. Und dann könnten, weil mit dieser Wirtschaftsoase nach außen hin in Verbindung stehen müssen andere Menschen, die schönsten Parasiten der Wirtschaft werden, denn jede solche sektiererische Abschließung ist nichts anderes als ein Wirtschaftsparasitismus. Man kann in einem geschlossenen Wirtschaftsgebiet drinnen ja nur sozial egoisieren; wenn man etwas ausschließt, so lebt man auf Kosten anderer. Es ist erst recht der wüsteste Kapitalismus. Und das Rechtsleben: nun, ich möchte sehen, falls ihr ein Gericht einsetzt, wenn einer etwas ausfrißt, und ihm das Urteil sprecht, ich wollte sehen, was dann der schweizerische Staat sagen würde, wenn ihr diese Dreigliederung hättet! Und das Geistesleben: seit wir eine anthroposophische Bewegung haben, ist gerade für das Geistesleben dasjenige angestrebt worden gegen alle Widerstände, was Unabhängigkeit ist nach allen Seiten hin. Das haben wir getan, solange wir existieren, und ihr seht gar nicht einmal, daß dies gleich in Angriff genommen worden ist. So wenig Verständnis dafür ist da, daß gemeint wird, auch das noch solle "eingerichtet werden.

[ 24 ] It is, of course, easier to attach the most trivial judgments to what is actually meant here than to look at the various spheres of human life based on the suggestions that are offered, so that the right course of action can be taken in these different spheres. Some time ago, when I spoke at our building in Dornach about the threefold structure of the social organism, some time passed, and afterward a very peculiar plan emerged. As a grotesque example of how people are educated today, I might perhaps cite this plan. There is the building; some people are employed at the building, while others—who have nothing to do and live in the surrounding area—are connected to it. The threefold structure of the social organism had been discussed. Now, in some minds, the idea arose—which today, I would say, is taken for granted—that one must start somewhere. And so they wanted to begin socializing somewhere by singling out a small area in the most desolate, sectarian manner, allowing the wildest plants of selfishness to sprout there, and then claiming that they had, after all, begun socializing somewhere. So first, those who were grouped around the building were to engage in socialization, to bring the threefold social organism to life. Plans were drawn up for how the people of Dornach would bring the threefold social organism to life. One could do nothing but ask the people: What does that actually mean? Suppose you take this matter seriously: Then the first thing would be the independence of economic life. Yes, then, of course, you would first and foremost have to acquire cows and milk them and do everything that might seemingly create an economic oasis. And then, because other people would have to be connected to this economic oasis from the outside, they could become the most beautiful parasites of the economy, for any such sectarian isolation is nothing other than economic parasitism. In a closed economic sphere, one can only pursue social egoism; if you exclude something, you live at the expense of others. It is, in fact, the most ruthless form of capitalism. And legal life: well, I’d like to see—if you were to establish a court, and if someone were to commit a crime and you were to pass judgment on him—I’d like to see what the Swiss state would say if you had this threefold social order! And spiritual life: ever since we’ve had an anthroposophical movement, we’ve strived—against all opposition—for nothing less than independence in every respect, especially in spiritual life. We’ve been doing this for as long as we’ve existed, and you don’t even realize that this has already been undertaken. There is so little understanding of this that people think even this still needs to be “established.”

[ 25 ] Darauf kommt es nicht an, daß heute irgend jemand sagt: Ja, an irgendeinem Punkte muß man doch anfangen. — Mit diesem Anfangen ist zumeist nur ein wüstes kapitalistisches Individualisieren gemeint, und dieses muß ja damit beginnen, daß man zunächst kapitalistisch eine solche Kolonie begründet. Damit ist man ganz ferne von dem, was mit den wirklich sozialen Gedanken gemeint sein kann. Aber damit soll nicht eine Kritik über den Einzelnen ausgeübt werden; denn ich bin der letzte, der verkennt, welche Schwierigkeiten der Einzelne hat, wenn er sich heute hineinversetzen soll in die großen Aufgaben der Zeit. Aber etwas anderes möchte ich damit an Ihr Herz legen: sich nicht in Illusionen zu wiegen, sondern wenn Sie eben kapitalistisch individualisieren wollen, so gestehen Sie es sich ein. Ste sind aus den heutigen Verhältnissen heraus genötigt, noch kapitalistisch zu individualisieren zu Ihrer Wohlfahrt. Gestehen Sie sich bitte die Wahrheit, denn Wahrheit wird dasjenige sein, von dem auch wirklich alles soziale Leben wird ausgehen müssen. Wahrheit sollte nicht einmal in den Sätzen verleugnet werden. Man sollte vor die Menschheit auch nicht einmal in der Formulierung von Sätzen hintreten mit einer Unwahrheit.

[ 25 ] It doesn’t matter that someone today might say: “Yes, you have to start somewhere.” — By “starting,” they usually mean nothing more than a reckless capitalist individualism, and this must, of course, begin with the capitalist establishment of such a colony. This is a world away from what is meant by truly social ideas. But this is not meant as a criticism of the individual; for I am the last person to underestimate the difficulties the individual faces when trying to grapple with the great challenges of our time. But there is something else I would like to impress upon you: do not lull yourselves into illusions, but if you do indeed wish to pursue capitalist individualization, then admit it to yourselves. Given today’s circumstances, you are compelled to continue pursuing capitalist individualism for the sake of your well-being. Please admit the truth to yourselves, for truth is what all social life must ultimately spring from. Truth should not even be denied in one’s statements. Nor should one ever present a falsehood to humanity, even in the formulation of sentences.

[ 26 ] Es geht ja heute durch die Lande der Ruf: Unentgeltlichkeit des Schulwesens. — Ja, was soll denn das überhaupt heißen? Es könnte doch nur der Ruf durch die Lande gehen: Wie sozialisiert man, damit ein jeder die Möglichkeit hat, seinen gerechten Beitrag zum Schulwesen zu schaffen? Unentgeltlichkeit des Schulwesens ist ja nichts weiter als eine soziale Lüge, denn entweder verbirgt man dahinter auf der einen Seite, daß man erst einer kleinen Clique den Mehrwert in die Tasche liefern muß, damit die ihr Schulwesen gründet, durch das sie die Menschen beherrscht, oder man streut allen Sand in die Augen, damit sie nur ja nicht wissen, daß unter den Pfennigen, die sie aus dem Portemonnaie nehmen, auch diejenigen sein müssen, von denen die Schulen unterhalten werden. In der Formulierung unserer Sätze müssen wir schon so gewissenhaft sein, daß wir nach Wahrheit streben.

[ 26 ] Today, the cry is going around the country: “Free education.” — Well, what does that even mean? Shouldn’t the cry going around the country be: “How can we organize society so that everyone has the opportunity to make their fair contribution to the school system?” Free education is nothing more than a social lie, because either it is used to hide the fact that, on the one hand, one must first funnel surplus value into the pockets of a small clique so that they can establish a school system through which they control the people, or it is used to throw sand in everyone’s eyes so that they certainly do not realize that among the pennies they take out of their wallets, there must also be those used to maintain the schools. We must be so conscientious in the way we formulate our sentences that we strive for the truth.

[ 27 ] Die Aufgabe ist groß, aber die Größe der Aufgabe sollte sich jeder vor Augen halten. Dasjenige, was in der Anthroposophie als Ideal hingestellt worden ist innerhalb einer kleinen Bewegung seit Jahrzehnten, das, meine lieben Freunde, kann ja natürlich nicht jeder erfüllen: der eine hat Rücksicht zu nehmen auf sein Amt, der andere auf seine Frau, die andere auf ihren Mann, der andere hat Rücksicht zu nehmen auf die Erziehung seiner Kinder. Das müßte rückhaltlos jeder sich gestehen, damit er einen Überblick darüber erhält, wie wenig er dem nachkommt, um was es sich handelt. Denn das anthroposophische Ideal ist ja ein solches, daß es die Einsetzung des ganzen Menschen notwendig macht. Das können ja heute viele nicht. Aber sie sollen sich nicht die Illusion, den Nebel vormachen, daß sie nun schon genug getan haben, sondern sie sollen sich die Wahrheit über sich selbst gestehen. Aber auf der anderen Seite sollen sie durchdrungen sein davon, daß es heute ums Stehen oder Fallen geht, gerade bei der Pflege eines wirklich kulturgemäßen Geisteslebens. Und niemand kann über dasjenige, was dem Geistesleben und damit dem sozialen Leben notwendig ist, zu richtigen Anschauungen kommen, der es nicht wagt, mutig sich zu gestehen: Der Radikalismus muß bis in die Abänderung des verruchten Stundenplanes, bis in manche Kleinigkeiten hinein gehen; denn aus diesen Kleinigkeiten heraus entwickeln sich jene Schneebälle, welche dann zu Lawinen anwachsen, die heute als die großen Kulturschäden da sind.

[ 27 ] The task is a great one, but everyone should keep in mind the magnitude of the task. What has been held up as an ideal in anthroposophy within a small movement for decades—that, my dear friends, cannot of course be fulfilled by everyone: one person must take into account their job, another their wife, another their husband, and yet another the upbringing of their children. Everyone must admit this to themselves without reservation, so that they can gain an overview of just how little they are living up to what is at stake. For the anthroposophical ideal is such that it requires the full commitment of the whole human being. Many are simply unable to do that today. But they should not delude themselves with the illusion—the fog—that they have already done enough; rather, they should admit the truth about themselves. On the other hand, however, they must be deeply convinced that today it is a matter of make or break, especially when it comes to fostering a spiritual life that is truly in keeping with our culture. And no one can arrive at correct views regarding what is necessary for spiritual life—and thus for social life—unless they dare to courageously admit to themselves: Radicalism must extend all the way to changing the nefarious school schedule, right down to the smallest details; for it is from these small details that snowballs develop, which then grow into avalanches—the very forces that are now causing such great damage to culture.

[ 28 ] Das bitte ich zu bedenken. Davon wollen wir dann ein nächstes Mal weiter sprechen.

[ 28 ] Please keep that in mind. We'll talk more about it next time.