Spiritual-Scientific Consideration
of Social and Pedagogic Questions
GA 192
8 June 1919, Stuttgart
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Spiritual-Scientific Consideration of Social and Pedagogic Questions, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Heute, in dieser unserer Gegenwart, über Pfingsten so zu sprechen, wie das üblich geworden ist, scheint mir angesichts des Ernstes der Zeit eine unchristliche Handlung, obwohl solche unchristlichen Handlungen heute gerade an der Tagesordnung sind. Schließlich, aus dem Geiste des Pfingstfestes heraus gesprochen ist ja gerade alles das, was hier von denjenigen zur Erneuerung unseres Erziehungs- und Schulwesens vorgebracht wird, die sich ernstlich bekennen zu unserer Bewegung für die Dreigliederung des sozialen Organismus. Denn in der Abgliederung des Geisteslebens, in der Selbständigmachung des Schulwesens, liegt der wichtigste Pfingstgeist unserer Gegenwart, liegt jener Pfingstgeist, der in den übrigen sogenannten religiösen und konfessionellen Strömungen unseres Zeitalters längst geschwunden ist. Hoffen wollen wir ja, daß gerade aus der Emanzipation des Geisteslebens, wie wir sie anstreben, die Erneuerung dieses Geisteslebens, der die Menschheit so sehr bedarf, hervorgehe. Was heute in unserem Unterrichts- und Erziehungswesen zur Erneuerung des Geistes, zur Ausgießung des wahren Pfingstgeistes der Gegenwart geschehen muß, das kann doch nur derjenige einsehen, der sich ein Urteil darüber bildet, wie der Anti-Pfingstgeist überall hineingeträufelt ist in das, was uns heute im öffentlichen Leben, im sogenannten geistigen Verkehr der Menschen untereinander begegnet.
[ 1 ] Today, in our present time, to speak of Pentecost in the way that has become customary seems to me, given the gravity of the times, to be an unchristian act—even though such unchristian acts are, in fact, the order of the day today. After all, everything that is being put forward here by those who are committed to the renewal of our educational and school systems—and who earnestly profess their allegiance to our movement for the threefold social order—is, in fact, spoken in the spirit of Pentecost. For in the separation of spiritual life, in the establishment of an independent school system, lies the most important Pentecostal spirit of our present time—the very spirit that has long since vanished from the other so-called religious and denominational movements of our age. Let us hope, indeed, that it is precisely from the emancipation of spiritual life—as we strive for it—that the renewal of this spiritual life, which humanity so desperately needs, will emerge. What must happen today in our educational system to bring about a renewal of the spirit—to bring forth the true Pentecostal spirit of our time—can only be understood by those who form their own judgment about how the anti-Pentecostal spirit has seeped into everything we encounter today in public life and in the so-called intellectual interactions among people.
[ 2 ] Wenn so gesprochen wird, wie es aus anthroposophischen Untergründen heraus in dieser Zeit von uns geschehen muß, dann kann man heute sogar — ich sage sogar, und ich unterstreiche das dreimal —, sogar den Vorwurf hören: in diesen Reden komme ja das Wort deutsch und christlich oder Christus fast gar nicht vor.
[ 2 ] When we speak in the way that we must at this time, based on anthroposophical principles, we may even hear the accusation today—and I say “even,” and I emphasize this three times—that the words “German” and “Christian” or “Christ” hardly appear at all in these speeches.
[ 3 ] Wenn wir nicht in uns den Geist zur Zurückweisung eines solchen Geschwätzes finden, haben wir den Nerv anthroposophischer Weltanschauung noch nicht erkannt. In solchem Geschwätz liegt die Frucht unserer verkehrten Volks- und Menschheitspädagogik; in diesem Geschwätz lebt sich das aus, was an Verkehrtheiten in unsere Seelen während der Erziehung hineingeträufelt ist. Daher kommt es darauf an, vor allen Dingen Einsicht zu gewinnen in den Zusammenhang zwischen dem verkehrten Geschwätz unseres Zeitalters und unserem verkehrten Erziehungs- und Unterrichtswesen. Die Gewinnung dieser Einsicht ist das, was sich heute zerteilen und in einzelnen feurigen Zungen über die Häupter der Zeitgenossen niedersenken sollte.
[ 3 ] If we cannot find within ourselves the spirit to reject such nonsense, we have not yet recognized the essence of the anthroposophical worldview. Such idle chatter is the fruit of our misguided approach to the education of the people and of humanity; in this chatter, the misconceptions that have been instilled in our souls during our upbringing find their full expression. Therefore, it is essential, above all else, to gain insight into the connection between the misguided chatter of our age and our misguided system of education and instruction. Gaining this insight is what should today split apart and descend in individual fiery tongues upon the heads of our contemporaries.
[ 4 ] Es ist in unserer Zeit viel davon die Rede, daß man das Wort nicht achten solle, denn: «Im Anfang war die Tat.» Aber ein Zeitalter, wie das unsrige, wird auch diese Sache nut falsch anwenden, denn in diesem Zeitalter ist das Wort zur geschwätzigen Phrase und die Tat zur gedankenlosen Brutalität geworden. Ein solches Zeitalter hat es billig, vom Wort abzulenken, weil es in dem Wort, das es kennt, nur fühlen kann die Phrase, und in der Tat, die es kennt, die gedankenlose Brutalität.
[ 4 ] There is much talk in our time about not respecting the word, for: “In the beginning was the deed.” But an age like ours will also misapply this principle, for in this age the word has become a vacuous phrase and the deed has become thoughtless brutality. Such an age is justified in turning away from the word, because in the word it knows, it can perceive only empty phrases, and in the deed it knows, only thoughtless brutality.
[ 5 ] Es gibt einen tiefen Zusammenhang zwischen unserer Erziehung, unserem Unterricht, und dieser eben gekennzeichneten Tatsache. Wir tragen zwei Quellen einer verkehrten Menschlichkeit in uns: wir tragen in uns ein verkehrtes Griechentum und ein verkehrtes Römertum. Wir verstehen nicht, das Griechentum in seiner Zeit und an seinem Ort so zu nehmen, wie es ist. Wir verstehen nicht, wie die hehren Gestalten des Sokrates und Plato alle Mühe hatten, den Griechen auszutreiben ihren unwiderstehlichen Hang zur Illusion. Der Grieche war so geartet, daß er fortwährend den Hang empfand, über den Ernst des Lebens hinaus sich zur wesenlosen Illusion zu erheben und in ihr seine Wohlbefriedigung zu suchen. Die griechischen Gesetzgeber, Sokrates und Plato, haben auf die Realität des Geistes mit aller Schärfe hinweisen müssen, damit die Griechen nicht immer mehr in ihren Volksfehler, in ihren Rassenfehler verfielen: sich durch Illusion wohlbehaglich über den Ernst des Lebens hinwegzutäuschen. Und selbst so lange nur haben es die Griechen dem Sokrates verziehen, von dem Lebensernst zu sprechen, als ihnen der «Bummler » Sokrates ungefährlich erschien. Als sie aber vernahmen, was eigentlich in den Worten des bummelnden Sokrates für Lebensernst enthalten ist, da haben sie ihn vergiftet.
[ 5 ] There is a deep connection between our upbringing, our education, and the fact just described. We carry within us two sources of a distorted humanity: we carry within us a distorted Greek spirit and a distorted Roman spirit. We do not understand how to accept the Greek spirit in its own time and place, just as it is. We do not understand how the noble figures of Socrates and Plato struggled so hard to rid the Greeks of their irresistible tendency toward illusion. The Greek was so disposed that he constantly felt the urge to rise above the seriousness of life to an insubstantial illusion and to seek his satisfaction in it. The Greek lawmakers, Socrates and Plato, had to point out the reality of the spirit with the utmost clarity so that the Greeks would not sink ever deeper into their national flaw, their racial flaw: comfortably deluding themselves with illusion to escape the seriousness of life. And the Greeks forgave Socrates for speaking of the seriousness of life only as long as the “loafer” Socrates seemed harmless to them. But when they realized what seriousness of life was actually contained in the words of the loitering Socrates, they poisoned him.
[ 6 ] Wir haben, soweit wir Menschen unseres Zeitalters sind, nicht in uns den Geist des sokratischen Ernstes. Wir nehmen lieber jenen Geist des Griechentums auf, der Sokrates vergiftet hat, und schweigen in diesem Geist des Griechentums. Wir lassen uns selbst gefallen, daß die Perle der Weltliteratur, das Johannes-Evangelium, in seinem Anfange dadurch vergiftet wird, daß an die Stelle dessen, wovon das Alte Testament gesprochen hat: daß, wenn der Mensch es in seine Illusionen hereinfallen läßt, Himmel und Erde zusammenstürzen, daß an dieser Stelle das harmlose Wort von uns wörtlich genommen wird. «Im Urbeginne war das Wort», so beginnt das Johannes-Evangelium. Der heutige Mensch ist froh, daß er an dieser Stelle das Wort «Wort», das er phrasenhaft zu nehmen geneigt ist, stehen hat. An dieser Stelle steht aber in Wahrheit etwas, was geeignet ist, alle die Illusionen, die der Mensch in die Phrase hineindrängt, auszutreiben. Himmel und Erde unserer Illusionen stürzen zusammen, wenn man die Wahrheit des Logos, der an dieser Stelle steht und empfunden werden sollte, wirklich ernsthaft vernehmen wollte.
[ 6 ] As people of our age, we do not possess within us the spirit of Socratic seriousness. We prefer to embrace that spirit of Hellenism that poisoned Socrates, and we remain silent in this spirit of Hellenism. We allow ourselves to accept that the pearl of world literature, the Gospel of John, is poisoned at its very beginning by the fact that, in place of what the Old Testament spoke of—that if man lets it slip into his illusions, heaven and earth will collapse—we take the harmless word at face value. “In the beginning was the Word”—thus begins the Gospel of John. People today are glad to find the word “Word” at this point, a word they are inclined to take as mere rhetoric. But in truth, what stands here is something capable of dispelling all the illusions that people project into the phrase. The heaven and earth of our illusions collapse when one truly and earnestly seeks to perceive the truth of the Logos that stands here and should be felt.
[ 7 ] Also unsere Zeitkultur ist darauf ausgegangen, die Schärfe des Lebens sich mystisch behaglich oder brutal tätlich abzuschwächen. Das ist es, worauf wir heute sehen müssen, wozu wir uns aber vor allen Dingen heute wieder bekennen müssen. Heute müssen wir aus unseren Seelen austreiben durch die früheste Erziehung, durch die früheste Schule schon, und bis hinauf zu den höchsten Stufen müssen wir es aus dem Menschen auszutreiben lernen, was Sokrates und Plato austreiben wollten aus dem Griechentum dadurch, daß sie diesem Griechentum sagten: Bewahret euch vor Illusionen! Der Geist hat Realität. In der Idee ist Wirklichkeit, nicht dasjenige, was ihr mit euren illusionären Phrasen in dieser Idee sehen wollt.
[ 7 ] So our contemporary culture has sought to soften the harshness of life—either through mystical comfort or brutal violence. This is what we must recognize today, and above all, what we must recommit ourselves to. Today, we must expel from our souls—through the earliest education, beginning as early as school—and all the way up to the highest levels, we must learn to expel from human beings what Socrates and Plato sought to expel from Greek civilization by telling that civilization: “Beware of illusions!” The spirit has reality. Reality lies in the idea, not in what you wish to see in this idea with your illusory phrases.
[ 8 ] Wir kommen nicht weiter, wenn wir ethisch und religiös weiter schwätzen. Denn das Evangelium ist selber Tat im Weltenwerden. Heute ist das Evangelium zum Geschwätz geworden. Daher hat es neben sich die gedankenlose brutale Tat. Wir müssen aber in unsere Seelen aufnehmen können, was uns wirklich durchgeisten kann, wenn wir sprechen. Wir müssen finden den Weg, das Herz mittun zu lassen, wenn die Lippen sich bewegen. Wir müssen finden den Weg, den ganzen Menschen in unser Wort hineinzulegen, sonst wird das Wort zum Erzieher zur Illusion, zum Hinwegführer, zum behaglichen Hinwegführer von dem Ernst der Wirklichkeit. Wir müssen Abschied nehmen von jenem Geist, der uns hineingehen läßt in die Kirche, damit wir in dieser Kirche hinweggehoben werden von dem Ernst des Lebens und uns behaglich eingeträufelt wird die Phrase: Der Herrgott wird es schon machen, er wird euch erlösen von euren Übeln. — Wir müssen die Kräfte in uns aufsuchen, die in unsern Seelen selbst die göttlichen Kräfte sind, denn sie sind vom Weltenwerden in uns gelegt, damit wir sie brauchen und damit wir den Gott in unsere eigene Seele aufnehmen können. Nicht uns vorreden lassen von dem äußeren Gott, damit unsere Seelen in behaglicher Seelenruhe sich hinlegen können auf die philiströsen Sofas, die wir so lieben, wenn es sich um das Geistesleben handelt. Und den Weg muß unsere Erziehung, unser Unterrichtswesen suchen, um hinauszukommen über — wie man das heute schon nennen darf — die griechische Phrase; den Weg muß unsere Erziehung und unser Unterrichtswesen finden, um hinwegzukommen über die römische Phrase.
[ 8 ] We won’t get anywhere if we keep rambling on about ethics and religion. For the Gospel itself is action in the unfolding of the world. Today, the Gospel has become mere chatter. That is why thoughtless, brutal action exists alongside it. But we must be able to take into our souls what can truly inspire us when we speak. We must find a way to let the heart participate when the lips move. We must find a way to put the whole person into our words; otherwise, the word becomes an educator of illusion, a guide away—a comfortable guide away from the seriousness of reality. We must bid farewell to that spirit that allows us to enter the church so that, within it, we may be lifted away from the gravity of life and comfortably lulled by the phrase: “The Lord will take care of it; He will deliver you from your troubles.” — We must seek out the powers within us, which are the divine powers in our very souls, for they have been placed within us since the creation of the world so that we may use them and so that we may receive God into our own souls. We must not allow ourselves to be lulled by talk of an external God, so that our souls can recline in comfortable tranquility on the philistine sofas we so love when it comes to spiritual life. And our education and our educational system must seek the path to move beyond—as one may already call it today—the Greek phrase; our education and our educational system must find the path to move beyond the Roman phrase.
[ 9 ] Für das Römertum war das, was unsere Zeit noch anbetet als den Geist der Gesetze, recht. Denn wozu war dieser Geist der Gesetze des Römertums? Oh, die Legende von der Gründung Roms hat eine tiefe Bedeutung. Räuberbanden wurden zusammengeholt, um an ihnen die schlimmsten tierisch-menschlichen Instinkte zu bekämpfen. Dazu war das römische Gesetz da, um wilde Tiere zu bändigen. Wir aber sollten uns darauf besinnen, daß wir Menschen geworden sind, und daß wir nicht anbeten sollten jenen Geist der Gesetze, welcher da war aus den berechtigten Trieben des Römertums heraus, wilde tierisch-menschliche Leidenschaften zu bezähmen. Was wir von dem römischen Geist zurückbehalten haben als den Geist des Rechtes, wie er noch heute in uns waltet, das trägt überall den Charakter, daß die wilden menschlichen Leidenschaften, die nicht selber in Freiheit walten können, gezähmt werden müssen.
[ 9 ] For the Romans, what our age still worships as the spirit of the law was right. For what was the purpose of this spirit of the Roman law? Oh, the legend of the founding of Rome has a profound meaning. Bands of robbers were rounded up so that the worst animalistic-human instincts could be fought against in them. Roman law existed for this very purpose: to tame wild beasts. But we should reflect on the fact that we have become human beings, and that we should not worship that spirit of the law, which arose from the legitimate impulses of Roman civilization to subdue wild, animal-like human passions. What we have retained from the Roman spirit—namely, the spirit of law, as it still reigns within us today—is characterized everywhere by the need to tame those wild human passions that cannot reign freely on their own.
[ 10 ] Christlich, sagen die Menschen, dieses Wort lebe nicht in den Vorträgen, die jetzt gehalten werden. Dabei vergessen die Menschen immer wieder und wieder ein richtiges christliches Wort, das Paulinische Wort: Die Sünde ist durch das Gesetz gekommen, nicht das Gesetz durch die Sünde. Wäre das Gesetz nicht da, so wäre die Sünde tot. Das mag für unsere Zeit noch nichts taugen, weil die Menschen unchristlich geworden sind. Aber das ist ein Wort, dessen tiefen Sinn man lernen muß. Das ist das Christliche: daß herausgenommen werde aus dem, worin heute die Menschen den Allerhalter, den Allumfasser sehen, aus dem Staat, der unser Erbe des Römertums ist, daß herausgenommen werde aus ihm das freie Geistesleben und das Wirtschaftsleben, das sich auf sich selbst stellen muß. Christlichen Geist wollen die Menschen nicht. Daher wollen sie sich trösten lassen darüber, indem das Wort Christ und christlich möglichst oft als Phrase angewendet werde. Ebenso wollen heute die Menschen möglichst oft als Phrase das Wort deutsch hören. Deutscher Geist waltet in Goethe wahrhaftig. Neuerer mitteleuropäischer Geist, der undeutsch ist, er hat in seinem erleuchteten Vertreter der Berliner Akademie der Wissenschaften das Wort geprägt, das ich hier auch schon angeführt habe: die Ehre dieser Herren, der heutigen Geistesführer, bestehe darin, daß sie sich fühlen als die «wissenschaftliche Schutztruppe der Hohenzollern». Derselbe Mann, der dieses Wort geprägt hat, hat auch aus der wissenschaftlichen Phrase der gegenwärtigen Zeit heraus die Rede gehalten «Goethe und kein Ende», und er hat mit dieser Rede allen naturwissenschaftlichen Geist Goethes in Grund und Boden treten wollen. Er hat den Geschmack besessen zu sagen: Faust bei Goethe täte besser, die Luftpumpe zu erfinden und Gretchen ehrlich zu machen, als jenes Zeug zu vollführen, das der Faust bei Goethe tut. — Das war der neuzeitliche Geist, der den wirklichen deutschen Geist, der nicht immer das Wort deutsch eitel auf den Lippen trägt, mit Füßen getreten hat, gerade so, wie es christlich-neuzeitlicher Geist, das heißt unchristlicher Geist gewesen ist, immer das Wort Christ und christlich zu verlangen, und nicht des anderen Wortes zu achten: Du sollst das Wort Gott nicht immer eitel aussprechen. — Man sollte fühlen, was christlich ist, und nicht angewiesen sein darauf, daß immer das Geschwätz vom Christentum uns an die Ohren herandringt.
[ 10 ] People say that this word—“Christian”—is absent from the sermons being preached today. Yet time and again, people forget a truly Christian teaching, a teaching from Paul: Sin came through the law, not the law through sin. If the Law were not there, sin would be dead. That may not mean much for our time, because people have become unchristian. But this is a saying whose deep meaning one must learn. This is what it means to be Christian: that from what people today see as the all-sustaining, all-encompassing entity—the state, which is our legacy from Roman times—the free spiritual life and economic life, which must stand on their own, be separated from it. People do not want the Christian spirit. That is why they seek comfort in having the words “Christian” and “Christianity” used as often as possible merely as empty phrases. Likewise, people today want to hear the word “German” used as often as possible as an empty phrase. The German spirit truly reigns in Goethe. A newer Central European spirit, which is un-German, has, through its enlightened representative at the Berlin Academy of Sciences, coined the phrase I have already cited here: the honor of these gentlemen, today’s intellectual leaders, lies in the fact that they see themselves as the “scientific protective force of the Hohenzollerns.” The same man who coined this phrase also delivered, in the spirit of contemporary scientific rhetoric, the lecture “Goethe and No End,” and with this lecture he sought to trample all of Goethe’s scientific spirit into the ground. He had the audacity to say: Goethe’s Faust would do better to invent the air pump and make Gretchen virtuous than to carry out the things that Goethe’s Faust does. — That was the modern spirit that trampled underfoot the true German spirit—which does not always vainly utter the word “German”—just as it has been the spirit of modern Christianity—that is, an unchristian spirit—to always demand the words “Christian” and “Christianity,” and to pay no heed to the other commandment: “You shall not take the name of God in vain.” — One should feel what is Christian, and not be dependent on the constant chatter about Christianity reaching our ears.
[ 11 ] Das ist heute Pfingstgeist. Man kann nicht sagen, daß dieser Pfingstgeist heute, wenn er nicht gehegt und gepflegt wird, es leicht hätte, auf fruchtbaren Boden zu fallen. Man hat Gelegenheit hinzusehen, wie dieser Pfingstgeist von links und von rechts verkannt wird. Ist nicht eine merkwürdige Illustration — wenn ich von der Höhe der Betrachtung für einen Augenblick zum Alltäglichen komme —, eine merkwürdige Illustration des Geistes unserer Zeit dieses, was sich tatsächlich zugetragen hat: Unser Bund für soziale Dreigliederung macht sich auf, um ein Keimwort in Tat umzusetzen und, damit er verstanden werde, greift er zu den Worten eines Mannes, der nun auch seinerseits von Sozialisierung sprechen will, dessen Worte man gut brauchen kann, wenn von Sozialisierung gesprochen wird, dessen Worte man gut zitieren kann, weil sie als Worte tatsächlich, wenn sie Keimgedanken zu Taten wären, dasjenige bedeuten würden, was wir wollen. — Und was geschieht? Von der Seite, von der diese Worte ausgegangen sind, wird das, was als Taten aus ihnen genommen werden sollte, sofort in Grund und Boden gekämpft. Was heißt das eigentlich im Innern des Menschen? Das heißt: Wehe euch, wenn ihr unsere Worte als etwas anderes nehmt denn als Geschwätz und Phrase! In dem Augenblick, wo ihr sie ernst nehmt, diese unsere Worte, sind wir eure Gegner. — So hat die Erziehung gewirkt, die in Staatsfittichen heraufgezogen ist im neueren Zeitalter. Das von der einen Seite.
[ 11 ] That is the spirit of Pentecost today. One cannot say that this spirit of Pentecost, if it is not nurtured and cultivated, would easily find fertile ground today. We have the opportunity to observe how this Pentecost spirit is misunderstood by both the left and the right. Is it not a remarkable illustration—if I step down from the heights of contemplation for a moment to the everyday—a remarkable illustration of the spirit of our time, what has actually taken place: Our Association for Social Threefolding sets out to put a seed idea into action, and—so that it may be understood—it draws upon the words of a man who now, for his part, also wishes to speak of socialization; whose words are very useful when speaking of socialization; whose words can be quoted effectively because, as words, they would in fact—if these seed ideas were put into action—mean precisely what we want. — And what happens? From the very side from which these words originated, what should be drawn from them as deeds is immediately crushed to the ground. What does that actually mean deep within a person? It means: Woe to you if you take our words as anything other than idle chatter and empty phrases! The moment you take them seriously—these words of ours—we become your adversaries. — This is the effect of the education that has been raised under the state’s wing in modern times. That is from one side.
[ 12 ] Von der andern Seite die liebliche Denunziation: Wir sind ja mit alledem ganz einverstanden, was Steiner sagt, wir sind einverstanden mit dem, was er als seine Ansicht vorbringt zur Bekämpfung des bisherigen Kapitalismus, wir sind einverstanden mit seiner Dreigliederung des sozialen Organismus, aber wir bekämpfen ihn, denn wir lassen uns von einem Geister-Seher nicht solche Sachen sagen!
[ 12 ] On the other hand, the charming denunciation: We are, after all, in complete agreement with everything Steiner says; we agree with the views he puts forward for combating capitalism as it has existed so far; we agree with his threefold social order—but we oppose him, because we will not allow a spirit-seer to tell us such things!
[ 13 ] Nun, es wäre schon genügend Grund — aber der Grund darf keine Giftpflanze sein —, sich zu sagen: Was soll mit einem Zeitalter angefangen werden, das in dieser Weise nichts anderes will als entweder bloße Phrase oder bloße gedankenlose, brutale Tat, und das alles ablehnt, was nicht Phrase oder gedankenlose Brutalität ist und was gerade die Keime zur wahren Wirklichkeit des Menschen in sich trägt? Damit man nicht denken braucht, will man den gedankenlosen Klassenkampf. Damit man seine Gedanken nicht zur Tat werden läßt, spricht man die schönsten Phrasen aus. Und wenn sie die anderen Menschen ernst nehmen, bekämpft man sie bis aufs Messer.
[ 13 ] Well, that would be reason enough—but the reason must not be a poisonous plant—to say to oneself: What is to be done with an age that, in this way, wants nothing but either mere rhetoric or mere thoughtless, brutal action, and that rejects everything that is not rhetoric or thoughtless brutality—and that which carries within itself the very seeds of humanity’s true reality? So that one need not think, one wants thoughtless class struggle. So as not to let their thoughts become deeds, they utter the most beautiful phrases. And when others take them seriously, they fight them tooth and nail.
[ 14 ] Diese Frage muß in unsere Herzen einziehen: Haben die Menschen, die aus solchem Geiste geboren sind, noch das Recht, in wohlgefügten Phrasen sich über das Pfingstwunder auszuschleimen? Der Schleim, der heute über das Pfingstwunder sich salbungsvoll ausläßt, kommt aus denselben Drüsen, aus denen das Gift kommt, mit dem man heute alles, was aus dem Geist kommt, bespritzen will, und mit dem man sich berufen will auf der einen Seite auf die wesenlose Phrase und auf der andern Seite auf die gedankenlose brutale Tat. Die wesenlose Phrase ist auf der einen Seite zum religiösen Geschwätz der Welt geworden, die brutale ungeistige Tat ist zum Militarismus, dem Grundübel unserer Zeit, geworden. Ehe man nicht einsieht, wie diese beiden Dinge wurzeln in der verkehrten Erziehung und in der verkehrten Schule, eher kann man nicht fruchtbar nachdenken über das, was geschehen soll. Alles übrige ist Quacksalberei.
[ 14 ] This question must take root in our hearts: Do people born of such a spirit still have the right to gush about the miracle of Pentecost in well-crafted phrases? The flattery that is unceremoniously heaped upon the miracle of Pentecost today comes from the same glands that produce the poison with which people today seek to spray everything that comes from the Spirit—and with which they claim to rely, on the one hand, on empty phrases and, on the other, on thoughtless, brutal acts. On the one hand, empty phrases have become the religious babble of the world; on the other, brutal, spiritless acts have become militarism, the root evil of our time. Until one recognizes how these two things are rooted in flawed education and flawed schooling, one cannot think fruitfully about what should happen. Everything else is quackery.
[ 15 ] Die Dinge, die gemacht werden müssen, müssen aus der Wirklichkeit heraus gemacht werden. Denn die Wirklichkeit trägt den Geist in sich, und jede Verleugnung des Geistes wird in Wahrheit doch zum realen Unsinn und Unding. Aber wenn jemand versucht, auf die geistige Wirklichkeit hinzuweisen, dann ist er ein Illusionär oder ein Geister-Seher. So wird er in unserer Zeit gestempelt, weil die Empfindung für die wahre Wirklichkeit in den weitesten Kreisen völlig fehlt.
[ 15 ] The things that must be done must be done based on reality. For reality embodies the spirit, and any denial of the spirit ultimately becomes, in truth, real nonsense and absurdity. But if someone tries to point to spiritual reality, then he is labeled an illusionist or a seer of spirits. That is how he is branded in our time, because a sense of true reality is completely lacking in the broadest circles.
[ 16 ] Den sozialen Organismus mit dem menschlichen oder einem sonstigen Organismus zu vergleichen, das ist auch in unserer Zeit Phrase geworden, und es ist eine recht billige Phrase. Will man auf diesem Gebiete nicht phrasenhaft reden, dann muß man jene Grundlegung liefern, die geliefert worden ist in meiner Schrift «Von Seelenrätseln ». Was hätte es heute für einen Sinn, von der Dreigliederung des sozialen Organismus zu sprechen, wenn nicht erst diese geistige Grundlage von der Dreigliederung des menschlichen Organismus in NervenSinnesfähigkeiten, in rhythmische Fähigkeiten und in Stoffwechselfähigkeiten, als eine wirkliche naturwissenschaftliche Erkenntnis vor die Menschen hingestellt worden wäre? Aber die Menschen sind zu bequem, die aus dem verkehrten Schulwesen herausgewachsenen Vorstellungen der Gegenwart sich korrigieren zu lassen durch das, was aus der wahren Wirklichkeit stammt.
[ 16 ] Comparing the social organism to the human organism or any other organism has become a cliché even in our time, and it is a rather trite one. If one wishes to avoid clichés in this area, one must provide the foundational principles that have been set forth in my work *On the Mysteries of the Soul*. What would be the point today of speaking of the threefold structure of the social organism if this spiritual foundation—the threefold structure of the human organism into nervous and sensory faculties, rhythmic faculties, and metabolic faculties—had not first been presented to people as a genuine scientific insight? But people are too complacent to allow the contemporary ideas—which have grown out of a flawed educational system—to be corrected by what stems from true reality.
[ 17 ] Eine andere greuliche Vorstellung lebt in unserer offiziellen, das heißt überall autoritativ geglaubten Wissenschaft. Diese Wissenschaft nimmt teil an der götzendienerischen Anbetung alles dessen, was als so hohe Kultur in der neueren Zeit heraufgezogen ist. Wie sollte nicht, wenn sie etwas besonders geheimnisvoll ausdrücken will, diese moderne Wissenschaft ihre Zuflucht zu dem nehmen, was sie jeweilig am meisten anbetet. Nun also, so ist ihr das Nervensystem geworden zu einer Summe von Telegraphenlinien, so ist ihr geworden die ganze Nerventätigkeit des Menschen zu einem merkwürdig komplizierten Telegraphenfunktionieren. Das Auge nimmt wahr, die Haut nimmt mit wahr. Da wird zu der Telegraphenstation Gehirn durch sensitive Nerven das hingeleitet, was von außen her wahrgenommen wird. Dann sitzt dort im Gehirn ein, ich weiß nicht was für ein Wesen — ein geistiges Wesen leugnet die neuere Wissenschaft ja ab —, durch ein Wesen also, das zur Phrase geworden ist, weil man nichts Wirkliches darin erblickt, wird das von den «sensitiven » Nerven Wahrgenommene umgesetzt durch die «motorischen» Nerven in Willensbewegungen. Und eingebleut wird dem jungen Menschen der Unterschied zwischen sensitiven Nerven und motorischen Nerven, und aufgebaut wird auf diesen Unterschied die ganze Anschauung über den Menschen.
[ 17 ] Another horrifying notion persists in our official science—that is, the science universally regarded as authoritative. This science participates in the idolatrous worship of everything that has emerged as “high culture” in modern times. How could this modern science, when it wishes to express something particularly mysterious, fail to take refuge in whatever it most reveres at any given time? And so, the nervous system has become for it a collection of telegraph lines; the entire nervous activity of the human being has become for it a remarkably complicated telegraphic function. The eye perceives; the skin perceives as well. What is perceived from the outside is transmitted via sensory nerves to the “telegraph station” that is the brain. Then there sits in the brain—I do not know what kind of being—a spiritual being, which modern science, of course, denies—so through a being that has become a mere cliché, because nothing real is perceived in it, what is perceived by the “sensory” nerves is transformed by the “motor” nerves into volitional movements. And the distinction between sensory nerves and motor nerves is drummed into young people, and the entire conception of the human being is built upon this distinction.
[ 18 ] Seit Jahren kämpfe ich gegen dieses Unding der Trennung zwischen sensitiven und motorischen Nerven, erstens, weil dieser Unterschied ein Unding ist, weil die sogenannten motorischen Nerven zu nichts anderem da sind als zu dem, wozu die sensitiven Nerven auch da sind. Ein sensitiver Nerv, ein Sinnesnerv, ist dazu da, daß er uns Werkzeug ist, um das wahrzunehmen, was in unserer Sinnesorganisation vorgeht. Und ein sogenannter motorischer Nerv ist kein motorischer Nerv, sondern auch ein sensitiver Nerv; er ist nur dazu da, daß ich meine eigene Handbewegung, daß ich meine Eigenbewegungen, die aus anderen Gründen heraus kommen als aus den motorischen Nerven, wahrnehmen kann. Motorische Nerven sind innere Sinnesnerven zur Wahrnehmung meiner eigenen Willensentschlüsse. Damit ich das Äußere, was sich in meinem Sinnesapparat abspielt, wahrnehme, dazu sind die sensitiven Nerven da, und damit ich mir nicht ein unbekanntes Wesen bleibe, indem ich selber gehe, schlage oder greife, ohne daß ich etwas davon weiß, dazu sind die sogenannten motorischen Nerven da, also nicht zur Anspannung des Willens, sondern zur Wahrnehmung dessen, was der Wille in uns tut. Das Ganze, was aus der neueren Wissenschaft geprägt worden ist aus dem vertrackten Verstandeswissen unserer Zeit heraus, ist ein wirklich wissenschaftliches Unding. Das ist der eine Grund, warum ich seit Jahren dieses Unding bekämpfe.
[ 18 ] For years I have been fighting against this absurdity of the distinction between sensory and motor nerves, first of all because this distinction is an absurdity—since the so-called motor nerves serve no other purpose than that for which the sensory nerves also serve. A sensory nerve serves as a tool for us to perceive what is happening within our sensory system. And a so-called motor nerve is not a motor nerve at all, but rather a sensory nerve as well; its sole purpose is to allow me to perceive my own hand movements—my own movements—which arise from causes other than the motor nerves. Motor nerves are internal sensory nerves for perceiving my own volitional decisions. The sensory nerves exist so that I can perceive what is happening externally within my sensory apparatus, and the so-called motor nerves exist so that I do not remain an unknown entity to myself—walking, striking, or grasping without being aware of it—that is, not to exert the will, but to perceive what the will is doing within us. The entire body of thought that has been shaped by modern science—arising from the convoluted intellectual knowledge of our time—is a truly scientific absurdity. That is one reason why I have been fighting this absurdity for years.
[ 19 ] Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum dieses Unding ausgerottet werden muß, dieser Aberglaube von den sensitiven und motorischen Nerven, zwischen denen kein anderer Unterschied ist, als daß die einen sensitiv sind für das, was draußen ist, und die andern für das, was im eigenen Körper ist. Dieser andere Grund ist der folgende.
[ 19 ] But there is another reason why this absurdity must be eradicated—this superstition about sensory and motor nerves, between which there is no difference other than that the former are sensitive to what is outside, and the latter to what is within one’s own body. This other reason is as follows.
[ 20 ] Kein Mensch kann in irgendeiner Sozialwissenschaft ein richtiges Verständnis des Menschen für sein Verhältnis zur Arbeit gewinnen, der auf der vertrackten Unterscheidung zwischen sensitiven und motorischen Nerven seine Begriffe, seine Vorstellungen aufbaut. Denn man wird stets kuriose Begriffe von dem bekommen, was menschliche Arbeit in Wirklichkeit ist, wenn man einerseits fragt: Was geht eigentlich im Menschen vor, wenn er arbeitet, wenn er seine Muskeln in Bewegung bringt? — und andererseits keine Ahnung davon hat, daß dieses In-Bewegung-Bringen der Muskeln nicht auf den sogenannten motorischen Nerven beruht, sondern auf dem unmittelbaren Zusammensein der Seele mit der Außenwelt. Ich kann Ihnen diese Fragen selbstverständlich nur andeuten, aus dem Grunde, weil heute noch nicht einmal die primitivsten Vorstellungen dafür vorhanden sind. Die Menschen verstehen noch gar nichts über diese Dinge, weil das Schulwesen noch nicht die primitivsten Vorstellungen zum Verständnis solcher Dinge in Umschwung gebracht hat, weil es noch immerfort mit dem Wahnsinn der Unterscheidung zwischen sensitiven und motorischen Nerven arbeitet.
[ 20 ] No one can gain a true understanding of humanity’s relationship to work in any social science if they base their concepts and ideas on the convoluted distinction between sensory and motor nerves. For one will always arrive at peculiar notions of what human labor actually is if, on the one hand, one asks: What is actually going on inside a person when they work, when they set their muscles in motion? — and, on the other hand, has no idea that this setting of the muscles in motion does not depend on the so-called motor nerves, but on the soul’s direct interaction with the external world. Of course, I can only hint at these questions, for the reason that not even the most basic concepts for understanding them exist today. People still understand nothing at all about these things, because the school system has not yet introduced even the most basic concepts necessary for understanding such matters, because it still operates on the delusion of distinguishing between sensory and motor nerves.
[ 21 ] Wenn ich mit einer Maschine in Berührung komme, muß ich als ganzer Mensch mit ihr in Berührung kommen; da muß ich ein Verhältnis herstellen vor allen Dingen zwischen meinen Muskeln und dieser Maschine. Dieses Verhältnis ist dasjenige, worauf des Menschen Arbeit wirklich beruht. Auf dieses Verhältnis kommt es an, wenn man die Arbeit sozial werten will, auf das ganz besondere Verhältnis des Menschen zu der Arbeitsgrundlage.
[ 21 ] When I come into contact with a machine, I must come into contact with it as a whole person; above all, I must establish a relationship between my muscles and this machine. This relationship is what human labor truly rests upon. This relationship is what matters when one seeks to evaluate work from a social perspective—the very special relationship between a person and the basis of their work.
[ 22 ] Mit was für einem Arbeitsbegriff arbeiten wir denn heute? Das, was im Menschen vorgeht, wenn er, wie man sagt, arbeitet, das ist nicht verschieden, ob er nun an einer Maschine sich abmüht, ob er Holz hackt, oder ob er zu seinem Vergnügen Sport treibt. Er kann sich geradeso mit dem Sportvergnügen abnützen, er kann ebensoviel Arbeitskraft konsumieren bei dem sozial überflüssigen Sport wie bei dem sozial nützlichen Holzhacken. Und die Illusion über den Unterschied zwischen motorischen und sensitiven Nerven ist es, die psychologisch die Menschen ablenkt davon, auch einen wirklichen Arbeitsbegriff zu erfassen, der nur erfaßt werden kann, wenn man den Menschen nicht darnach betrachtet, wie er sich abnützt, sondern darnach, wie er sich in ein Verhältnis stellt zur sozialen Umgebung. Ich glaube Ihnen, daß Sie davon noch keinen deutlichen Begriff bekommen haben, weil die Begriffe, die man heute von diesen Dingen erhalten kann, so verkehrt sind durch unser Schulwesen, daß es erst einige Zeit dauern wird, bis man den Übergang von dem sozial unsinnigen Arbeitsbegriff, von dem wahnsinnigen wissenschaftlichen Begriff der Unterscheidung der sensitiven und motorischen Nerven, finden wird. Aber in diesen Dingen liegt zugleich der Grund dafür, warum wir so unpraktisch denken. Denn wie kann eine Menschheit praktisch über das Praktische denken, die sich der wahnsinnigen Vorstellung hingibt: in unserem Inneren waltet ein Telegraphenapparat, und die Drähte gehen hin zu irgend etwas im Gehirn und werden dort umgeschaltet in andere Drähte, sensitive und motorische Nerven? Von unserer, einem verkehrten Schulwesen entspringenden Unwissenschaft, an die das breite Publikum, verführt durch die Zeitungspest, glaubt, geht aus das Unvermögen, wirklich sozial zu denken.
[ 22 ] What concept of work are we actually using today? What goes on inside a person when he is, as they say, working—whether he is toiling at a machine, chopping wood, or playing sports for pleasure—is essentially the same. They can wear themselves out just as much through the enjoyment of sports; they can expend just as much energy in socially superfluous sports as in the socially useful task of chopping wood. And it is the illusion regarding the difference between motor and sensory nerves that psychologically distracts people from grasping a true concept of labor—one that can only be grasped if we view people not in terms of how they wear themselves out, but in terms of how they relate to their social environment. I believe you have not yet formed a clear concept of this, because the concepts one can acquire about these matters today are so distorted by our educational system that it will take some time before we can make the transition away from the socially nonsensical concept of work and from the insane scientific notion of distinguishing between sensory and motor nerves. But these very issues also explain why we think in such an impractical way. For how can humanity think practically about practical matters when it succumbs to the insane notion that a telegraph apparatus reigns within us, and that the wires lead to something in the brain where they are switched to other wires—sensory and motor nerves? Our unscientific mindset—which stems from a flawed educational system and is believed by the general public, seduced by the plague of newspapers—is the source of our inability to think in a truly social way.
[ 23 ] Das ist es, was wir heute als Pfingstgeist erkennen sollten, und was gescheiter wäre, ausgegossen zu werden in Einzelzungen auf die Menschen der Gegenwart, als dasjenige, womit heute als mit Quacksalbereien daran gedacht wird, dies oder jenes zu verbessern. Wenn man heute sagt, die Menschheit muß umlernen und umdenken, so glauben die Menschen meistens, man meine mit diesen Dingen dieselbe Phrase, die sie selber meinen, selbstverständlich, weil die Menschen sogleich in Phrase und Utopie dasjenige umsetzen, was man sagt. Aber ist denn nicht ein Unterschied, ob irgendein beliebiger Redakteur sagt: Die Menschheit muß umlernen — oder ob man es sagt, weil man weiß: Bis in solche Tiefen hinein hat sich die Menschheit falsche Gedanken gemacht durch falsche Denkgewohnheiten, die bis zu den sensitiven und motorischen Nerven gehen, die bis in die Struktur desjenigen gehen, woran die Menschheit heute felsenfest aberglaubt, weil ihre Autoritäten es ihr befehlen? Daß aus einer Wirklichkeit heraus geredet werde, und anders geredet werde über diese Wirklichkeit, wenn auf dem Boden der anthroposophischen Bewegung vom «Umdenken» und «Umlernen» die Sprache ist, das der Welt klarzumachen, wäre die Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft. Denn die Phrase hat heute eine solche Kraft gewonnen, daß mit Bezug auf die äußeren Worte derjenige, der kein Unterscheidungsvermögen hat zwischen Wirklichkeit und Phrase, selbst sagen kann: Nun, lest doch den Leitartikel des heutigen «Stuttgarter Tagblattes», da werdet ihr auch die Lehre vom Umlernen finden. Aber heute kommt es nicht darauf an, daß wir Worte vergleichen, denn dadurch fallen wir gerade in die Phrasenhaftigkeit hinein; heute kommt es darauf an, daß wir die Wirklichkeit ergreifen und uns hüten, in die Phrasenhaftigkeit zu verfallen. Wie oft mußte ich ungerne abweisend sein, wenn immer wieder und wieder Phrasen hervorkamen wie solche: Nun, da hat wieder einer auf der Kanzel «ganz theosophisch » gesprochen, wie die Leute sagen. Diese Dinge waren die schlimmsten, denn sie zeugten davon, wie wenig Unterscheidungsvermögen vorhanden ist zwischen der Wirklichkeits-Erkenntnis und dem wohlbehaglichen Leben in der Phrase. Es sollte einmal das Fest der Pfingsten auch die Mahnung in die menschlichen Seelen eingießen: Hinweg von eurer Phrase, hin zur Wirklichkeit! Wir reden heute auf dem Gebiete der Wissenschaft, auf dem Gebiete der Kunst, auf dem Gebiete der Religion überall in Phrasen, in Phrasen, welche im Halse stecken bleiben und daher den ganzen Menschen nicht ergreifen; wie der Glaube des Menschen heute besteht, daß die Sensationen seiner Sinne irgendwo im Gehirn stecken bleiben und seinen motorischen Apparat nicht ergreifen. Zwischen allen diesen Dingen sind die genauesten Zusammenhänge, und ehe nicht die Umwandlung unserer Zeit hineingreift gerade in diejenigen Denkgewohnheiten, welche die autoritäre Wissenschaft heute ausgebildet hat, welche ausgebildet hat das wissenschaftliche Papsttum, eher gibt es keine wirkliche Erneuerung, denn alle andere Erneuerung erfließt nur aus der Oberfläche, und nicht aus dem, woraus sie erfließen muß: aus dem wirklichen Innern. Wenn unser Schul- und Erziehungswesen wirklich eine Erneuerung erfahren soll, muß man darauf bedacht sein, durch solche Dinge, wie sie hier erörtert worden sind, den Menschen vor dem zu bewahren, was in der heutigen Menschheit so leicht heraufkommen kann, weil sie in sich trägt das Erbe des Römertums.
[ 23 ] This is what we should recognize today as the Spirit of Pentecost, and it would be wiser for it to be poured out in individual tongues upon the people of the present than to be regarded today as some form of quackery intended to improve this or that. When people say today that humanity must relearn and rethink, they usually believe that these terms refer to the same cliché they themselves have in mind—naturally, because people immediately reduce what is said to a cliché or utopia. But isn’t there a difference between, for example, an arbitrary editor saying: “Humanity must relearn”—or if one says it because one knows: Humanity has formed false ideas down to such depths through false habits of thought, habits that extend to the sensory and motor nerves, that penetrate the very structure of what humanity today believes in with unshakable faith simply because its authorities command it? It is the task of the Anthroposophical Society to make it clear to the world that, while speaking from a reality, the language of “rethinking” and “relearning” used within the Anthroposophical Movement refers to that reality in a different way. For the cliché has gained such power today that, with regard to outward words, anyone who lacks the ability to distinguish between reality and cliché can say: “Well, just read today’s editorial in the *Stuttgarter Tagblatt*; there you will also find the doctrine of relearning.” But today it is not a matter of comparing words, for in doing so we fall right into the trap of empty rhetoric; today it is a matter of grasping reality and guarding against falling into empty rhetoric. How often have I had to be reluctantly dismissive when, time and again, phrases like these came up: “Well, there’s another one who spoke ‘in a thoroughly theosophical way’ from the pulpit,” as people say. These things were the worst, for they testified to how little discernment there is between the knowledge of reality and the comfortable life of empty phrases. May the Feast of Pentecost also instill this admonition into human souls: Away from your empty phrases, toward reality! Today, in the realms of science, art, and religion, we speak everywhere in empty phrases—phrases that get stuck in the throat and therefore fail to move the whole person; just as people today believe that the sensations of their senses get stuck somewhere in the brain and do not affect their motor functions. There are the most precise connections between all these things, and until the transformation of our time takes hold precisely in those habits of thought that authoritarian science has cultivated today—that which the scientific papacy has cultivated—there will be no real renewal, for all other renewal flows only from the surface, and not from where it must flow: from the true inner self. If our school and educational systems are truly to undergo renewal, we must be mindful, through such matters as have been discussed here, of protecting people from what can so easily arise in humanity today, because it carries within itself the legacy of Roman culture.
[ 24 ] Es muß bekämpft werden der Hang zur Illusion, die Liebe zur Illusion, die heute in der Menschheit ganz verbreitet ist. Der heutige Mensch fühlt sich behaglich, wenn er sich über den Wert der Wirklichkeit hinwegtäuschen darf, wenn er sich sagen darf: Nicht der Christus in mir, der die Kräfte in mir anregt, die Kräfte in mir stark macht, ist es, zu dem ich mich bekenne, sondern der Christus, der unabhängig von mir ist, und der in Gnaden mich von meinen Sünden befreit, ohne daß ich im Ernste durch meine eigene Kraft etwas dazu tue.
[ 24 ] We must combat the tendency toward illusion, the love of illusion, which is so widespread among humanity today. People today feel comfortable when they are allowed to delude themselves about the value of reality, when they are allowed to say to themselves: It is not the Christ within me—who stirs the forces within me and strengthens them—to whom I profess my faith, but rather the Christ who is independent of me and who, through grace, frees me from my sins without my making any serious effort of my own.
[ 25 ] Immer wieder und wieder ist mir in zahlreichen Briefen dieses Christus Jesus-Bekenntnis entgegengehalten worden gegenüber demjenigen, was die Anthroposophie tun muß und tun will. Und immer wieder und wieder ist mir die Sehnsucht entgegengetreten, das, was heute aus der Wirklichkeit des Geistes heraus scharf geprägt werden muß, weil die Zeit es fordert, zur trivialen Phrase populär zuzurichten, damit die Menschen es doch verstehen können. Doch in dem Augenblick, wo man anthroposophische Wahrheiten zu trivialen Phrasen zuschneiden würde, da würden sie zu dem, was in der heutigen Zeit so billig ist: sie würden zur Phrase werden, würden zur Phrase werden, indem man sie zur Trivialität der Gasse oder zur Philistrosität der heutigen Wissenschaft herunterwürdigte. Immer wieder bin ich ermahnt worden, beides zu tun. Immer wieder hatte ich die Mühe, beides nicht zu tun, weder zur trivialen Phrase der Gasse das Anthroposophische herunterzudrücken — was man im heutigen Sinne popularisieren nennt —, noch auch konnte ich den andern Mahnungen folgen, für die wissenschaftlichen Leute so zu reden, daß sie es verstehen. Diese Ermahnungen kamen ja vielfach an mich heran. Nun, dann hätte ich so reden müssen, daß es ein Echo gefunden hätte bei dem wissenschaftlichen Unsinn der Gegenwart. Da ist es mir noch lieber, wenn sich die Leute so gebärden, wie neulich in Tübingen ein Professor aus der wissenschaftlichen Gesinnung der Zeit heraus es tat. Da scheint mir durchaus, daß Wahrheit herrscht in den Tatsachen, weil diese Gebärde der beste Beweis dafür ist, wie sehr das Geistesleben notwendig hat, umgewälzt zu werden. Insbesondere, wenn man diesen Übergang finden will zum wahren Pfingstgeist, von dem geschwätzigen Worte zu dem keimtragenden Worte, dann wird man sich hüten müssen, immer wieder und wieder die Seelen hinüberzuleiten zu seinen altgewohnten Vorstellungen, um das zu begreifen, was man mit neuen Vorstellungen nicht begreifen will, was mit alten Vorstellungen zwar geschwätzt, aber doch nicht begriffen werden kann.
[ 25 ] Time and time again, in numerous letters, this confession of faith in Christ Jesus has been held up to me in contrast to what anthroposophy must and wants to do. And time and again I have been confronted with the desire to adapt what must be sharply defined today out of the reality of the spirit—because the times demand it—into a trivial, popular phrase, so that people might at least understand it. But the moment one were to tailor anthroposophical truths into trivial phrases, they would become what is so cheap in our time: they would become mere phrases, reduced to the triviality of the street or the philistinism of modern science. Time and again I have been urged to do both. Time and again, I have struggled not to do either—neither to reduce anthroposophy to the trivial clichés of the street—what is called “popularization” in today’s sense—nor could I follow the other exhortations to speak to scientists in a way they would understand. These exhortations came to me many times. Well, then I would have had to speak in a way that would have resonated with the scientific nonsense of the present day. I much prefer it when people behave as a professor in Tübingen did recently, acting in accordance with the prevailing scientific mindset of the time. It seems to me quite clearly that truth reigns in the facts, because this behavior is the best proof of just how much spiritual life needs to be transformed. In particular, if one wishes to find this transition to the true Spirit of Pentecost—from idle chatter to words that bear the seed of truth—then one must be careful not to keep leading souls back, time and again, to their old, familiar concepts in order to grasp what they refuse to grasp with new concepts—what can indeed be chattered about using old concepts, but cannot truly be understood.
[ 26 ] Es hat aus bürgerlichem Munde keinen großen Sinn, etwa heute mit den Valeurs, mit den Werten, welche die Worte oftmals haben, darauf hinzuweisen, daß das Proletariertum in gewissen Kreisen für die Dinge, die auf dem Boden des dreigliedrigen sozialen Organismus zu sagen sind, den guten Willen hat, sie besser zu verstehen als das Bürgertum. Habt nur auch diesen guten Willen, ihr Bürger! — so möchte man heute vielfach sagen. Der Proletarier lacht selbstverständlich über diese Mahnung zum guten Willen der Bürger; denn richtig ist es, daß er besser als der Bürger dazu präpariert ist, manches zu verstehen. Aber er ist dazu präpatiert, diese Dinge auch aus einem andern Untergrunde her zu verstehen, und er lacht darüber, wenn man sagt, man solle beim Bürgertum appellieren an den guten Willen zum Verständnis, und er lacht insbesondere darüber, wenn man sagt, daß man sich von diesem Appellieren einen Erfolg versprechen könnte. Denn er weiß ganz gut, daß sein besseres Verständnis von etwas ganz anderem herkommt: daß er, wenn er morgen nicht arbeitet, auf der Straße liegt. Er ist mit der sozialen Ordnung, ich möchte sagen, punktuell, nicht durch eine gerade Linie, verbunden wie der heutige bürokratische Bürger. Er redet von seinem Menschentum aus, weil ihn die heutige soziale Ordnung dazu gebracht hat, keine andern als menschliche Interessen zu haben, denn er bleibt nichts anderes als Mensch, wenn er morgen auf die Straße geworfen wird. Daraus entspringt sein besseres Verständnis.
[ 26 ] It makes little sense for a member of the bourgeoisie to point out today—using the “values” that these words often carry—that in certain circles the proletariat has the goodwill to understand matters pertaining to the threefold social organism better than the bourgeoisie does. “Just have that good will yourselves, you bourgeois!”—that is what one might often say today. The proletarian, of course, laughs at this appeal to the bourgeoisie’s good will; for it is true that he is better prepared than the bourgeois to understand many things. But he is equipped to understand these things from a different perspective as well, and he laughs when people say one should appeal to the bourgeoisie’s goodwill for understanding; and he laughs especially when people say that one could expect success from such an appeal. For he knows full well that his greater understanding stems from something entirely different: that if he doesn’t work tomorrow, he’ll end up on the street. He is connected to the social order—I would say—in specific, isolated ways, not through a straight line, as is the case with today’s bureaucratic citizen. He speaks from his humanity because today’s social order has led him to have no interests other than human ones; for he remains nothing other than a human being if he is thrown out onto the street tomorrow. This is the source of his greater understanding.
[ 27 ] Der Bürger, insbesondere der Staatsbeamte, ihn nimmt der Staat so schnell wie möglich in seine Hand, nicht allzufrüh, weil da das In-die-Hand-Nehmen noch etwas unreinlich ist; da überläßt man es den Müttern und Ammen. Aber wenn er über die erste Unreinlichkeit hinauskommt, nimmt man den Menschen sogleich in Staatsobhut, dressiert ihn und präpariert ihn — nicht zum Menschen, sondern zum Staatsbeamten. Da knüpft man die Fäden, daß er nicht punktuell, wie der Proletarier, mit der sozialen Ordnung zusammenhängt, sondern durch eine lange Linie, durch Stricke mit allen seinen Interessen an die bestehende und durch den Staat erhaltene soziale Ordnung angebunden ist. Man präpariert ihn dazu, daß er in seinem ganzen Gehaben der richtige Ausdruck dieser sozialen Ordnung wird. Dann gibt man ihm zu essen, dann ist er zufrieden. Und man gibt ihm nicht nur zu essen, man sorgt für ihn, so daß er nicht selbst für sich zu sorgen hat. Und dann, wenn er nicht mehr arbeiten kann, sorgt der Staat dafür, daß er seine Pension bekommt, daß er ohne sein Zutun richtig von den Mächten erhalten werde, die ihn dazu präparierten, daß er ihr getreuer Ausdruck ist. Das geht so bis zum Tode. Dann sorgt man auch noch durch die Religion, welche ihre Heilmittel nicht aus den inneren Kräften der Seele nimmt, sondern von außen her, über die Gnade, kommen läßt, man sorgt dafür, daß die Seele auch noch nach dem Tode weiter «pensioniert» ist. Das ist gerade der Inhalt der Staatsweisheit, der Religionsweisheit. Kein Wunder, daß der so mit den Interessen des Staates zusammengebundene Staats- und Himmelsbürger an dem festhält, mit dem er zusammengebunden ist.
[ 27 ] The citizen—especially the civil servant—is taken under the state’s wing as soon as possible, though not too early, because at that stage the process of taking him under the wing is still somewhat unrefined; at that stage, it is left to mothers and wet nurses. But once he has outgrown that initial state of impurity, the state immediately takes him into its care, trains him, and molds him—not into a human being, but into a civil servant. That is when the threads are woven so that he is not connected to the social order in isolated instances, like the proletarian, but is bound to the existing social order—which is maintained by the state—through a long chain, through ropes, with all his interests. He is conditioned to become, in his entire demeanor, the proper expression of this social order. Then he is given food, and then he is content. And one does not merely feed him; one provides for him so that he need not provide for himself. And then, when he can no longer work, the state ensures that he receives his pension, that he is properly sustained—without any effort on his part—by the powers that prepared him to be their faithful expression. This continues until death. Then, through religion—which does not draw its remedies from the soul’s inner powers but receives them from outside through grace—they ensure that the soul remains “retired” even after death. This is precisely the essence of state wisdom and religious wisdom. No wonder that the citizen of both state and heaven, so bound to the interests of the state, clings to that to which he is bound.
[ 28 ] Das ist der Gegensatz: das Interesse auf der einen Seite, aber auch das Interesse auf der anderen Seite. Es ist das Interesse auf der andern Seite dasjenige, was heute eine Anzahl von Menschen aufruft zu dem, wozu die Menschheit im Zeitalter des Bewußtseinswesens kommen muß, wovon ich auch öfter gesprochen habe: von dem Sichstellen auf den individuellen menschlichen Boden. Der Proletarier hat nur Gelegenheit dazu, sich als erster auf den individuellen Boden zu stellen, weil er in den andern nicht hineingenommen worden ist. Je mehr er hineingenommen wird, desto schlimmer steht es mit ihm. Denn da haben wir auf der einen Seite diejenigen Menschen, die in ähnlicher Weise durch das Proletariertum in ihre Stellen eingesetzt wurden: die Gewerkschaftsbeamten. Die gewöhnen sich, wenn auch ihre Stellungen andere Namen haben, behaglich in die Allüren der anderen hinein und bekämpfen dann dasjenige, was so scheint, als ob es gegen ihre Allüren gehen könnte. Da schlüpfen sie nach und nach in die Gewohnheiten des Bürgertums hinein.
[ 28 ] That is the contrast: interest on the one hand, but also interest on the other. It is the interest on the other side that today calls upon a number of people to do what humanity must achieve in the age of the conscious being—something I have often spoken of: standing on the ground of the individual human being. The proletarian is the first to have the opportunity to stand on this individual ground, precisely because he has not been absorbed into the others. The more he is absorbed, the worse off he is. For on the one hand, we have those people who have been placed in their positions in a similar way by the proletariat: the union officials. Even if their positions have different names, they comfortably settle into the airs and graces of the others and then fight against anything that seems as though it might run counter to those airs and graces. In this way, they gradually slip into the habits of the bourgeoisie.
[ 29 ] Man spricht heute in der proletarischen Welt vom Gewerkschaftstum. In England ist ungefähr ein Fünftel der gesamten Arbeiterschaft wirtschaftlich organisiert. Das ist verhältnismäßig viel. Daher ist die heutige englische Arbeiterschaft bei dem gegenwärtigen Geist der Organisation auch ganz niedlich in die bürgerliche Denkweise hineingewachsen. In Deutschland ist nur ein Achtel organisiert, die andern sind unorganisierte Arbeiter. Und die Unorganisierten sind es heute, die auf die Spitze der Persönlichkeit gestellt sind, sie sind die eigentlich treibenden Kräfte, oder diejenigen, die sich in ihre Organisation das Bewußtsein hineingerettet haben davon, was es heißt, Mensch zu bleiben, wenn man nicht für sein physisches Leben angestellt, dann pensioniert, und schließlich für sein geistig-seelisches Leben nach dem Tode, wie ich es angedeutet habe, ebenfalls pensioniert wird. Diese Menschen, die sich äußerlich ökonomisch auf die Spitze der eigenen Individualität gestellt fühlen, sie haben, ich möchte sagen, den seelischen Duktus für das, was heute weltgeschichtlich herauskommen muß, und was macht, daß die heutige proletarische Forderung zugleich eine weltgeschichtliche Forderung ist.
[ 29 ] Today, in the proletarian world, people speak of trade unionism. In England, about one-fifth of the entire working class is economically organized. That is a relatively large proportion. Consequently, given the current spirit of organization, today’s English working class has quite naturally grown into the bourgeois way of thinking. In Germany, only one-eighth is organized; the rest are unorganized workers. And it is the unorganized workers today who are placed at the pinnacle of the individual; they are the true driving forces, or those who have preserved within their organization the awareness of what it means to remain human—when one is not employed for one’s physical life, then retired, and finally, as I have indicated, also “retired” from one’s spiritual and soul life after death. These people, who outwardly feel that they have been placed at the pinnacle of their own individuality in economic terms, possess, I would say, the spiritual disposition for what must emerge today in the course of world history—and this is what makes today’s proletarian demand at the same time a demand of world-historical significance.
[ 30 ] Die neuere wirtschaftliche Ordnung hat das Proletariertum in Fabriken in den Kapitalismus hineingespannt, wo es ihm leichter möglich ist, das, was Zeitforderung ist, zu verstehen, als dem Bürger, der eben mit allen Fasern seines Lebens hängt an seiner Versorgung und seiner Pension, und der nicht denken will. Würde er nämlich denken, würde er die Zeit heute richtig auffassen, so könnte es ja nicht vorkommen, daß ein Tübinger Professor so spricht wie neulich der Herr, der mir in der Diskussion erwidert hat: Da redet man davon, daß es beim Proletarier ein «menschenwürdiges Dasein» untergräbt, wenn dieser Proletarier für seine Arbeit «entlohnt» wird. Wird denn aber nicht auch Caruso «entlohnt», wenn er an einem Abend singt und für seine Arbeit dreißig- bis vierzigtausend Mark bekommt? Oder, so meinte der selbstlose Herr, werde nicht auch ich entlohnt? Und ich fühle gar nichts Menschenunwürdiges dabei, wenn ich mein Gehalt einstreiche für meine Arbeit. Und der Caruso findet es auch nicht, wenn er seine dreißig- bis vierzigtausend Mark einkassiert. — Das war der Sinn der Sache. Und es wurde noch hinzugefügt: Es ist ja der einzige kleine Unterschied der, daß das eine mehr, das andere weniger ist, aber darauf kommt es nicht an, denn im wesentlichen ist es dasselbe.
[ 30 ] The modern economic order has drawn the proletariat into capitalism through factory work, where it is easier for them to understand the demands of the times than it is for the middle-class citizen, who is utterly dependent on his livelihood and pension and who refuses to think. For if he were to think—if he were to grasp the times correctly today—it could not happen that a professor from Tübingen would speak as the gentleman did the other day, who replied to me in the discussion: “People talk about how a ‘dignified existence’ for the proletarian is undermined when this proletarian is ‘rewarded’ for his work.” But isn’t Caruso also “rewarded” when he sings one evening and receives thirty to forty thousand marks for his work? Or, as the selfless gentleman put it, am I not also rewarded? And I don’t feel there’s anything undignified about collecting my salary for my work. And Caruso doesn’t feel that way either when he collects his thirty to forty thousand marks. — That was the gist of the matter. And it was added: The only slight difference is that one amount is more and the other less, but that doesn’t matter, because in essence it’s the same thing.
[ 31 ] Das ist der Geist, der aus dem heutigen Schul- und Unterrichtswesen heraufblüht. Das ist dann auch der Geist, der sagt: Wir werden ein armes Volk werden, wir werden Schule und Unterricht nicht bezahlen können, da wird der Staat eingreifen müssen und wird ihn zu bezahlen haben. — Nun, für den, der unverschränkt denkt, wird man zwar einwenden müssen: Ja, aber wie macht es denn der Staat, wenn alle arm sind, und nun er plötzlich der Krösus sein soll, der die Schulden, die wir alle nicht bezahlen können, bezahlen soll? Der Staat nimmt ja erst in Form von Steuern den andern dasjenige ab, was sie haben, er scheint mir daher doch nicht fabrizieren zu können als Krösus, was die Leute nicht haben. — Aber das einzusehen, muß diese Klasse von Menschen erst lernen. Das ist es, was schließlich auch die, die vom Staate ihren Daseinsunterhalt aus den Taschen derjenigen erhalten, die auf der Spitze ihrer Menschenindividualität auch ökonomisch stehen, verstehen lernen sollten. Aber solange die Leute das nicht gelernt haben, nicht gelernt haben durch die Not des Lebens, ist es ihrem Denken nicht beizubringen. Und so scheint es mir, daß eine große Anzahl von Menschen heute einfach ein Zeitalter heraufbeschwören will, in dem man wird lernen können, daß man auch auf die Straße geworfen werden kann, wenn man nicht wirklich eine andere soziale Ordnung durch einen Gedankenimpuls herbeiführen will. Denn es könnte sehr leicht sein, daß jene Pensionen, von denen ich gesprochen habe, nicht mehr gezahlt werden können. Und dann, glaube ich, wenn jene sehr materiellen Pensionen nicht gezahlt werden können, würden die Leute auch nicht mehr soviel geben auf jene anderen Pensionen, die heute spirituell für die Seelen nach dem Tode von den ja auch von den leiblichen Mächten sehr abhängig gewordenen Religionsgemeinschaften gezahlt werden.
[ 31 ] This is the spirit that is blossoming from today’s school and education system. This is also the spirit that says: We will become a poor people; we will not be able to pay for schools and education, so the state will have to step in and will have to pay for them. — Well, anyone who thinks for themselves will surely object: Yes, but how is the state supposed to manage if everyone is poor, and now it’s suddenly expected to be Croesus, paying off the debts that none of us can pay? After all, the state first takes from others—in the form of taxes—what they have; it therefore seems to me that it cannot, like Croesus, produce what people do not have. — But this class of people must first learn to see this. This is what even those who receive their livelihood from the state—out of the pockets of those who stand at the pinnacle of their human individuality, including economically—should ultimately come to understand. But as long as people have not learned this—have not learned it through the hardships of life—it cannot be instilled in their thinking. And so it seems to me that a large number of people today simply want to conjure up an age in which one will be able to learn that one can also be thrown out onto the street if one does not truly wish to bring about a different social order through an impulse of thought. For it could very easily be the case that those pensions I have spoken of can no longer be paid. And then, I believe, if those very material pensions can no longer be paid, people would also no longer place as much value on those other pensions—the spiritual ones for the souls after death—that are currently provided by religious communities, which have themselves become very dependent on physical powers.
[ 32 ] Aber wenn nun irgend etwas auftaucht, was nicht Phrase sein will, sondern Keimgedanke für Taten, dann ist man heute nicht in der Lage, dies anders zu nehmen denn als eine Phrase. Dann spürt man nicht, daß es auf wirklicher Sachkenntnis des Lebens beruht, bis in die Einzelheiten hinein, durch die man erkennt den wissenschaftlichen Wahnsinn der Unterscheidung zwischen sensitiven und motorischen Nerven, der davon abhält, in der Sozialwissenschaft wiederum zu einem wirklichen Arbeitsbegriff zu kommen. Heute ist es schon notwendig, daß wenigstens einige Menschen bis in diese Tiefen hinein sehen. Heute ist es dringend notwendig, daß sich einzelne Menschen nicht betören lassen dahingehend, daß sie sagen: Wir sozialisieren das äußere Wirtschaftsleben, aber die Schule, insbesondere die Mittel- und Hochschule, tasten wir nicht an, die muß bleiben. — Das ist das Allerschlimmste, wenn gerade die bleibt. Denn es wird das, was sie bis jetzt angerichtet hat, in der Zukunft nicht nur weiter angerichtet, sondern sie wird es in einem noch schlimmeren Sinne anrichten. Sozialisieren Sie wirtschaftlich, und lassen Sie dieses Geistesleben, dann haben Sie in kurzer Zeit aus Ihrem heutigen Scheinsozialisieren eine viel schlimmere Tyrannis und viel schlimmere Lebensverhältnisse, als sie nur irgendwie in die Gegenwart hinein sich entwickelt haben. Selbstverständlich gibt es heute einen wirtschaftlichen Zwang, der etwas Furchtbares auslöst im sozialen Organismus. Soll der nun abgelöst werden durch das Strebertum, durch den wüstesten Bürokratismus? Glaubt die Menschheit, die nun endlich — auch ziemlich spät — gelernt hat, daß sie sich nicht berufen darf auf «Thron und Altar», glaubt sie, daß es besser wäre, wenn sie sich aus derselben Gesinnung heraus auf das Staats-Kontobuch und auf das StaatsComptoir beruft? Der Kapitalismus hat verstanden, nach und nach den Altar überzuführen mit Bezug auf die Verehrung in die feuersichere Kasse. Ein Scheinsozialismus wird es verstehen, die jetzige Pseudoverehrung für Mächte, die nicht mehr da sind, die nur noch in der Phrase leben, umzuwandeln in das Genossenschafts-Götzentum und das Genossenschafts-Strebertum.
[ 32 ] But if something now emerges that is not meant to be mere rhetoric, but rather a seed of thought for action, then people today are unable to perceive it as anything other than rhetoric. Then one does not sense that it is based on a genuine understanding of life, down to the finest details—an understanding that reveals the scientific madness of the distinction between sensory and motor nerves, which prevents social science from arriving at a genuine working concept. Today it is already necessary for at least some people to see into these depths. Today it is urgently necessary for individuals not to be deluded into saying: “We are socializing external economic life, but we will not touch the school system—especially secondary and higher education—it must remain as it is.” — That is the very worst outcome, if that is precisely what remains. For not only will the damage it has caused so far continue to be inflicted in the future, but it will inflict it in an even worse way. Socialize the economy, and leave this spiritual life alone; then, in a short time, your current pseudo-socialization will turn into a much worse tyranny and much worse living conditions than anything that has developed in the present. Of course, there is an economic pressure today that triggers something terrible in the social organism. Is this now to be replaced by social climbing, by the most savage bureaucracy? Does humanity—which has now finally, albeit rather late, learned that it must not appeal to “throne and altar”—believe that it would be better, out of the same mindset, to appeal to the state’s ledger and the state’s counter? Capitalism has understood how to gradually transfer the altar—in terms of veneration—into the fireproof safe. A pseudo-socialism will understand how to transform the current pseudo-veneration for powers that no longer exist, that live on only in rhetoric, into the idolatry of cooperatives and the careerism of cooperatives.
[ 33 ] Was die Menschheit braucht zur Erneuerung des Geistes, das ist der Mut, einzusehen, daß das Erleben des Geistes im wirklichen menschlichen Innern, wie es heute geworden ist, auf der einen Seite zum religiösen Geschwätz und auf der anderen Seite zur gedankenlosen brutalen Tat, zur militaristischen Tat geführt hat. Derjenige, der sich als richtiger, heutiger, dem kapitalistischen Zeitalter entsprossener Mensch fühlt, er fühlt sich wohl, wenn er seine Coupons abschneidet, wenn er mitten drinnen aber seine Augen wegwendet von dem, was eigentlich geschieht, wenn ihm von der einen Seite das Evangelium zum Geschwätz gemacht wird und man ihm redet von Nächstenliebe und Brüderlichkeit, während er Nächstenliebe und Brüderlichkeit bequem mit der Schere entzweischneidet und nicht zu sehen braucht, wie eigentlich die Dinge in der Wirklichkeit vorgehen, weil er auf der andern Seite sicher ist, daß er nicht selber durch die Tat sein Geschäft schützen braucht, sondern weil das der Staat tut, indem er die Schwerter stählt. Wir haben es ja gerade in der modernen Zeit erlebt, daß jenes Bündnis eingegangen worden ist zwischen Geschäftsleben und Staatsleben, das uns in die Weltkatastrophe hineingebracht hat. Was ist denn der Staat, auf den die Menschen so stolz gewesen sind, anderes gewesen als der große Protektor des Wirtschaftslebens, wie es unter dem Kapitalismus geführt worden ist? Man möchte hoffen, daß sich die Patrioten der Vergangenheit, die man in ihrer Gesinnung nicht hat antasten dürfen — denn sie waren «gute » Patrioten, sie hatten die Phrase geprägt von dem patriotischen Wort, und es war im verflossenen Zeitalter eine recht schlimme Sache, wenn man etwa darauf hinwies: diese patriotische Phrase hat einen sehr realen Untergrund, denn der patriotisch verehrte Staat ist ja schließlich der Beschützer der Bankscheine —, man möchte hoffen, daß die Zeit nicht einen besonders wahren Beweis führen kann, daß diese Leute, die so patriotisch waren, nicht sich umpatriotisieren und nun, nachdem sie vielleicht von den Ententemächten ihr Geld besser geschützt wissen, schleunigst ihren Patriotismus umfrisieren! Ich will über die Möglichkeit auf diesem Gebiete gar nichts Besonderes sagen, aber auf die Leichtigkeit möchte ich hinweisen, mit der die patriotische Phrase in ihr Gegenteil übergehen kann. Anzeichen sind genug vorhanden.
[ 33 ] What humanity needs for the renewal of the spirit is the courage to recognize that the experience of the spirit within the true human inner being, as it has become today, has led, on the one hand, to religious babble and, on the other, to thoughtless, brutal acts—to militaristic acts. The person who feels like a true modern human being, a product of the capitalist age, feels at ease when cutting off his coupons, but in the midst of it all turns a blind eye to what is actually happening—when, on the one hand, the Gospel is reduced to idle chatter and he is told about love of neighbor and brotherhood, while he conveniently cuts charity and brotherhood in two with his scissors and need not see how things actually unfold in reality—because, on the other hand, he is certain that he himself need not protect his business through such actions, but that the state does so by sharpening the swords. We have, after all, just experienced in modern times that very alliance between business and the state that led us into the global catastrophe. What, then, has the state—of which people have been so proud—been other than the great protector of economic life as it has been conducted under capitalism? One might hope that the patriots of the past, whose convictions were not to be questioned—for they were “good” patriots, they had coined the phrase with that patriotic word, and in the bygone era it was a rather serious matter if one were to point out, for example: this patriotic phrase has a very real basis, for the state, revered as patriotic, is, after all, the protector of banknotes— one would hope that time will not provide particularly compelling evidence that these people, who were so patriotic, will not turn their patriotism on their own country and now, since they perhaps know their money is better protected by the Entente powers, will hastily rebrand their patriotism! I do not wish to say anything specific about the possibility in this area, but I would like to point out the ease with which patriotic rhetoric can turn into its opposite. There are plenty of signs of this.
[ 34 ] Das sind die Dinge, die gerade mit Bezug auf die Notwendigkeit einer Erneuerung des Erziehungs- und Unterrichtswesens heute als eine Pfingstbetrachtung gesagt werden müssen. Denn mit den salbungsvollen Reden, mit denen man der Menschheit gedient hat, sollte ihr nicht weiter gedient werden. Die Menschen sollten sich gewöhnen, auf Worte zu hören, die auf die Wirklichkeiten der Gegenwart hinweisen. Dann würde es möglich sein, daß wirklich der Pfingstgeist sich recht zerteilt, daß in der Zukunft kleine Zungen hineingehen in all das, was entstehen soll auf der Grundlage des befreiten Geisteslebens als die kleinste Schule, als die höchste Schule, damit der befreite Geist, welcher der wirkliche Heilige Geist ist, aus dem emanzipierten Geistesleben der Zukunft heraus für die wirkliche geistige Entwickelung der Menschheit tätig sein kann.
[ 34 ] These are the things that must be said today as a Pentecost reflection, particularly with regard to the need for a renewal of the education and teaching system. For the unctuous speeches with which humanity has been served should no longer be used to serve it. People should get used to listening to words that point to the realities of the present. Then it would be possible for the Spirit of Pentecost to truly be distributed, so that in the future small tongues may enter into all that is to arise on the basis of a liberated spiritual life—as the smallest school, as the highest school— so that the liberated spirit—which is the true Holy Spirit—may be active for the true spiritual development of humanity, emerging from the emancipated spiritual life of the future.
[ 35 ] Damit redet man vielleicht etwas, was die Religionsschwätzer heute nicht gerade christlich finden. Aber es wird sich die Menschheit der Gegenwart einmal überlegen müssen, ob das christliche Reden der Heutigen nicht noch aus jenem Geiste stammt, aus dem heraus Petrus den Herrn dreimal verleugnet hat, oder ob es schon stammt aus dem Geiste, der da gesprochen hat: Was ich euch geoffenbart habe, das ist nicht bloß auf ein Zeitalter beschränkt, sondern es wird bestehen durch alle Zeitalter. Und ich werde nicht aufhören, euch die Wahrheit zu sagen, und ich werde bei euch sein bis ans Ende der Erdenzeit. — Die, welche heute nur den Geist der Vergangenheit auch im Christentum hören können, werden die Phraseure, die Schwätzer sein. Die, welche den lebendigen Geist auch heute zur Umgestaltung und zum Neubau der menschlichen Ordnung vernehmen, das werden vielleicht doch diejenigen sein, in denen man die wahren Christen wird sehen können.
[ 35 ] This may be something that today’s religious prattlers would not exactly consider Christian. But the people of today will one day have to consider whether the Christian rhetoric of our time does not still stem from the same spirit that led Peter to deny the Lord three times, or whether it already stems from the spirit that said: “What I have revealed to you is not limited to a single age, but will endure throughout all ages.” And I will not cease to tell you the truth, and I will be with you until the end of the age. — Those who today can hear only the spirit of the past, even within Christianity, will be the windbags, the chatterers. Those who even today perceive the living Spirit working to transform and rebuild the human order—they may well be the ones in whom one will be able to recognize the true Christians.
[ 36 ] Möge dieses Zeitalter kommen aus einem wahrhaft erfaßten Pfingstgeist heraus.
[ 36 ] May this age arise from a truly grasped Spirit of Pentecost.
