The Inner Aspect of the Social Enigma
A Luciferic Past and an Ahrimanic Future
GA 193
11 February 1919, Zurich
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Inner Aspect of the Social Question, tr. Davy
Dritter Vortrag
Lecture II
[ 1 ] Ich sagte schon heute vor acht Tagen, daß wir als an der anthroposophischen Bewegung interessierte Menschen wesentlich vertiefen können und auch vertieft auffassen können dasjenige über die brennenden Fragen der Gegenwart, was notwendig für die gegenwärtige Menschheit ist, um ein Urteil, um die Möglichkeit einer Stellungnahme zu gewinnen. Vertiefter können wir manches auffassen, als es möglich ist innerhalb der breiten Öffentlichkeit. Gewissermaßen können wir uns wie eine Art von Sauerteig, wenn ich das biblische Wort gebrauchen darf, betrachten, so daß ein jeder an seinem Orte versucht, auch noch aus einem tieferen Gefühl, aus einem tieferen Impuls heraus etwas beizutragen zu dem, was der Zeit ganz besonders nötig ist.
[ 1 ] A week ago I was saying that we here, as anthroposophists, are able to grasp in a much deeper sense all that is necessary for reaching a judgment on the burning questions of the present day. We can do much more in this way than is possible in wider circles. In a sense we can look on ourselves as a kind of leaven—if I may use the biblical word—so that everyone in his own situation may try to contribute something, out of a strong warmth of impulse, towards the needs of the time.
[ 2 ] Wenn wir uns an dasjenige erinnern, was als der Grundton in den öffentlichen Vorträgen gesagt worden ist, so werden wir finden, es handelt sich für die Gegenwart darum, eine gewisse Gliederung des sozialen Organismus anzustreben. Ich sage immer anstreben, nicht etwa revolutionär von heute bis morgen durchführen wollen, sondern anstreben eine gewisse Gliederung desjenigen, was unter dem Einflusse gewisser neuzeitlicher Zeitströmungen zentralisiert worden ist. Anstreben, daß statt des sogenannten Einheitsstaates, in freier Selbständigkeit neben den anderen sich entwickelt ein besonderes Glied des sozialen Organismus, das alles umfaßt, was sich auf das geistige Leben bezieht: Erziehung der Menschen, Unterricht, Kunst, Literatur, aber auch, wie ich schon angedeutet habe und wie morgen noch im öffentlichen Vortrage berührt werden soll, dasjenige, was sich bezieht auf die Verwaltung des Privat- und Strafrechtes. Ein zweites Glied des sozialen Organismus soll dann im engeren Sinne dasjenige sein, was man bisher Staat genannt hat und dem man eigentlich in der neueren Zeit, eben aus den Strömungen der letzten vierhundert Jahre heraus, alles mögliche aufladen wollte: Staatsschulen, Staatserziehung und so weiter. Aber auch gerade unter dem Einfluß von sozialistischen und sozialen Gedanken versucht man heute, das wirtschaftliche Leben und das im eminentesten Sinne politische Rechtsleben zu einer Einheit zusammenzuschweißen. Beide müssen wieder auseinanderstreben. Selbständig müssen einander gegenüberstehen als zweites Glied des sozialen Organismus der politische Staat, und selbständig, relativ selbständig, alles dasjenige, was in sich schließt Warenzirkulation, Wirtschaftsleben, Ökonomie.
[ 2 ] If we recall what has been said as the keynote of the public lectures, we shall appreciate that the immediate essential is to strive towards a certain differentiation—a certain “membering”—of the social organism. I say always “strive towards”—there is no question of wanting to effect a revolutionary change overnight. We must strive towards a differentiation of a great deal which under modern influences has become centralised. What we must work for—instead of the so-called unitary State—is that a certain realm of society, embracing all that has to do with spiritual life, should unfold freely and independently alongside the other realms. This realm will include the upbringing of children, education, art, literature, and also (as I have remarked already and shall mention in the public lecture tomorrow) everything concerned with the administration of civil and criminal law. As a second “limb” of the social organism we should recognise, but in a restricted sense, that which has been known as the “State.” It is precisely on the shoulders of this “State” that men nowadays want to pile as much as possible—State schools, State child-care, and so on. That has been the great tendency of the last four hundred years. And to-day, under the influence of social ideas and socialistic thinking, people want to weld economic life into a single whole with political life. These two realms must be separated once more. The political State must stand on its own independent ground, as the second sphere of society; and the same relative independence must distinguish the realm of domestic economy, where commodities circulate—that is, economic life.
[ 3 ] Nun wollen wir diese Sache einmal von einem Gesichtspunkte betrachten, der heute noch nicht so leicht dem zugänglich sein kann, der nicht innerhalb unserer Bewegung steht, und wollen das dann bringen bis zu einer gewissen Kulmination, so daß aus dieser Kulmination heraus ein tieferes Verständnis der Lebenslage der heutigen Menschheit überhaupt erquellen kann. Betrachten Sie einmal dasjenige, was man im irdischen Sinne Geistesleben nennt. Geistesleben im irdischen Sinne ist alles das, was uns in irgendeiner Weise über den einzelmenschlichen Egoismus hinaushebt und mit Gruppen von anderen Menschen zusammenführt. Nehmen Sie als für die Mehrzahl der Menschen heute noch bedeutsamstes irdisches Geistesleben dasjenige Geistesleben, das gerade den Zusammenhang mit dem überirdischen Geistesleben vermitteln soll, nehmen Sie das religiöse Leben, wie es sich für den Menschen in den einzelnen Religionsgemeinden abspielt. Der Mensch wird da in einer gewissen Weise durch seine seelischen Bedürfnisse mit anderen Menschen zusammengeführt, mit diesen anderen Menschen verbinden ihn dann gleichartige Scelenbedürfnisse. Durch die Erziehung sorgt ein Mensch für den anderen im Geistig-Seelischen. Wenn wir ein Buch lesen, werden wir auch über unser individuelles, egoistisches Leben hinausgeführt, indem wir die Gedanken des Autors nicht allein aufnehmen, sondern, wenn es ein nur halbwegs gelesenes Buch ist, mit zahlreichen anderen Menschen gleiche Gedanken aufnehmen, was wiederum uns in eine gewisse Menschengruppe hineinstellt, welche Gleichartiges in der Seele erlebt. Das ist doch eine wichtige Charaktereigenschaft des geistigen Lebens, daß dieses geistige Leben aus der vollen Freiheit erquillt, aus der individuellen Initiative des einzelnen Menschen, daß aber dieses irdische Geistesleben den Menschen zusammenführt mit anderen Menschen, Menschengruppen formt aus der Gesamtheit der Menschen heraus.
[ 3 ] Now, my dear friends, we will look at this question from a point of view not easily reached by anyone outside our movement. And we will carry the matter to a certain culmination, so that out of this culmination a deeper understanding of the human situation to-day may spring forth. Let us look first at what is called, in an earthly sense, spiritual life. Spiritual life in this earthly sense embraces everything which in one way or another lifts us out of our solitary egoism and draws us into community with other human beings. Let us take, as the most important manifestation of earthly spiritual life for most people still, that aspect of it which should bring us into relation with super-earthly spiritual life—I mean the practice of religion, as this takes its course in the various congregations. In the human soul are needs which cause people to seek each other out; people are united by experiencing similar needs. The upbringing of a child means that one soul is caring for another. Anyone who reads a book is drawn out of the egoistic circle of his individual life, for it is not he alone who absorbs the author's thoughts; even when he is only half-way through a book he is already sharing these thoughts with a great company of other readers. And so, through this kinship of soul-experience, a certain human community is formed. This is an important characteristic of spiritual life: it has its springs in freedom, in the individual initiative of the single human being, and yet it draws men together, and forms communities out of what they have in common.
[ 4 ] Damit aber ist eines schon für den, der tieferes Verständnis sucht, gesagt, etwas gesagt, was jegliche Art solchen Zusammenlebens dem Zentralereignisse der ganzen Erdenentwicklung, dem Mysterium von Golgatha, nahebringt. Denn seitdem das Mysterium von Golgatha in der Erdenentwicklung sich abgespielt hat, gehört alles dasjenige, was auf das Menschenzusammenleben sich bezieht, in einem gewissen Sinne zu diesem Christus-Impuls. Das ist. das Wesentliche, daß der Christus-Impuls nicht dem einzelnen Menschen gehört, sondern dem menschlichen Zusammenleben. Es ist, im Sinne des Christus Jesus selber verstanden, ein großer Irrtum, wenn man glaubt, der einzelne Mensch könne eine unmittelbare Beziehung zu dem Christus haben. Das Wesentliche ist, daß der Christus gelebt hat, gestorben ist, auferstanden ist für die Menschheit, für dasjenige, was die Menschheit im Ganzen ist. Daher kommt das Mysterium von Golgatha, das Christus-Ereignis sofort in Betracht — wir werden später darauf zurückkommen —, wenn irgendeine Art menschlichen Zusammenlebens seit dem Mysterium von Golgatha entfaltet wird. Es rückt also auch das irdische Geistesleben, das erquillt aus dem Individuellsten heraus, aus den menschlichen persönlichen Anlagen und Begabungen, an das Christus-Ereignis für den wirklich die Welt Verstehenden heran.
[ 4 ] Here, for anyone who seeks deeper understanding, is a fact to be kept in mind—a fact which brings every kind of human fellowship into relation with the central event of earth-evolution—the Mystery of Golgotha. For since the Mystery of Golgotha everything concerned with human fellowship belongs in a sense to the Christ Impulse. That is the essential thing—the Christ Impulse belongs not to single men but to the fellowship of men. In truth, according to the mind of Christ Himself, it is a great mistake to suppose that the solitary individual can establish a direct relation with Christ. The essential thing is that Christ lived and died, and rose from the dead, for humanity as a whole. Since the Mystery of Golgotha, therefore, the Christ Event is immediately relevant (we shall return to this point) wherever human fellowship unfolds. And accordingly, for anyone who really understands the world, the earthly spiritual life which springs from the most individual source, from personal circumstances and gifts, leads to the Christ Event.
[ 5 ] Nun betrachten wir aber zunächst dieses irdische Geistesleben für sich: religiöses Leben, Schul- und Erziehungswesen, künstlerisches Wesen und so weiter. Wir gelangen durch dieses in eine gewisse Beziehung zu anderen Menschen. Da müssen wir unterscheiden zwischen dem, was uns mit anderen Menschen durch unser eigentliches Schicksal, durch unser Karma in Beziehung bringt, und dem, was nicht in diesem engsten Sinne mit unserem individuellen Karma zusammenhängt. Wir haben auf der einen Seite gewisse Beziehungen zu den Menschen, die sich einstellen in unserem Leben; wir knüpfen neue Beziehungen an zu einzelnen Menschen. Wir haben Beziehungen, die nichts anderes sind als die Wirkungen von anderen Verhältnissen, die in früheren Erdenleben sich angeknüpft haben. Wir knüpfen hier wiederum Verhältnisse an, die ihre karmische Entwicklung in späteren Erdenleben finden werden. Das gibt eine ganze Menge von individuellen Beziehungen der einzelnen Menschen zu anderen einzelnen Menschen. Diese Beziehungen, die im wesentlichen mit unserem Karma im engsten Sinne zusammenhängen, müssen wir unterscheiden von den weiteren Beziehungen, in die wir dadurch zu Menschen kommen, daß wir mit ihnen solche Gemeinschaften schließen, durch welche wir einer religiösen Gemeinde, einem Glaubensbekenntnis mit ihnen gemeinsam angehören, daß wir mit ihnen in gleichem Sinne erzogen werden, mit ihnen gemeinschaftlich ein Buch lesen und dergleichen, mit ihnen gemeinsam irgendeine Kunst genießen und so weiter. Diese Menschen, mit denen wir also in eine irdische Gemeinschaft kommen, müssen nicht immer durch eine karmische Beziehung aus einem früheren Erdenleben mit uns zusammen sein. Es gibt allerdings auch solche Gemeinschaften, die auf gemeinsame Schicksale in früheren Erdenleben hinweisen, aber mit diesen großen Gemeinschaften, von denen ich eben gesprochen habe, ist dieses in der Regel nicht der Fall. Doch führt es auf etwas anderes zurück. Es führt darauf zurück, daß wir gegen das Ende der Zeit, die wir in der übersinnlichen Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchleben, wenn wir in dem Zeitraume ankommen, der nahe liegt unserer neuen Wiederverkörperung, geistige Beziehungen eingehen — weil wir bis zu einem gewissen Grade da reif werden für solche geistige Beziehungen — zu den Hierarchien der Angeloi, Archangeloi und Archai, also geistige Beziehungen zu den höheren Hierarchien überhaupt; aber daß wir in der geistigübersinnlichen Welt vor unserer neuen Geburt auch anderen Menschenseelen nahekommen, die später verkörpert werden als wir, die in irgendeiner Weise noch länger auf ihre Verkörperung zu warten haben. Wir haben eine ganze Summe von übersinnlichen Begegnungen, die wir gerade durch unsere besondere Reife machen, bevor wir wiederum durch eine Geburt in das Erdenleben hereingezogen werden. Und diese Kräfte, die wir dabei aufnehmen, die stellen uns auf der Erde an denjenigen Platz hin, wo es uns möglich wird, solche Gemeinschaften des irdisch-geistigen Lebens zu erleben, von denen ich eben gesprochen habe.
[ 5 ] Let us now first consider this earthly spiritual life—religion, education, art and so forth—on its own account. We gain through it a certain connection with other human beings. Here we must distinguish between the connections we form through our individual destiny and karma, and those which in this narrow sense are not dependent on our karma. Some of the connections we establish in the course of life are the direct outcome of relationships formed in earlier lives; some will bear karmic fruit in future lives. Human beings form connections with one another in manifold ways. The connections formed directly through our karma must be distinguished from the wider connections that arise when we meet people through joining a society, or a religious body or a fellowship of belief, and also from those that come through reading the same book or through common enjoyment of a work of art, and so on. The people we encounter in these ways on earth are not always related to us karmically from an earlier life. Certainly, there are communities which point to a common destiny in earlier lives; but with the wider groupings of which I have just spoken it is generally not so. This brings us to a further point. Towards the end of our time in the super-sensible world, between death and a new birth, when we reach the period just before our next incarnation, we enter into relations—as far as we are ripe for them—with Angels, Archangels and Archai, and with the higher Hierarchies as well. But also we come near to other human souls, due to be incarnated later than ourselves—souls which have to wait longer, one may say, for their incarnations. During this period we have a whole range of super-sensible experiences to go through, according to our individual stage of development, before we are plunged again into earthly life. And the forces we thus receive place us on earth in the situation which will enable us to find our way into those experiences of earthly spiritual life of which I have just spoken.
[ 6 ] Es ist aus dem, was ich gesagt habe, vor allen Dingen herauszunehmen, daß unser irdisch-geistiges Leben, das wir erleben, indem wir religiöse Menschen sind, indem wir erzogen werden, geschult werden, indem wir gewisse Kunsteindrücke aufnehmen und dergleichen, nicht etwas ist, was nur seine Bestimmung erhält durch das, was auf der Erde ist, sondern bestimmt ist durch dasjenige, was wir übersinnlich erst erleben, bevor wir durch die Geburt zu diesem irdischen Geistesleben herunterkommen. Wie durch das Bild, das im Spiegel ist, hingewiesen wird auf den, der sich abspiegelt, so wird durch das irdische Geistesleben hingewiesen auf das, was der Mensch erlebte, bevor er in einen irdischen Leib eingezogen ist. In dieser Beziehung gibt es nichts auf der Erde, was in einem so innigen Bezug, in einem so realen, lebendigen Bezug zu der übersinnlichen Welt steht als dieses irdische Geistesleben, das ja gewisse Verirrungen, viele Verirrungen aufweist. Aber auch die Verirrungen haben einen sinnvollen Bezug zu dem, was wir im Übersinnlichen, in einer ganz anderen Weise allerdings, aber doch eben im Übersinnlichen erleben. Dadurch wird das irdische Geistesleben zu einer besonderen Stellung auf der Erde gebracht, daß es mit unserem vorgeburtlichen Leben zusammenhängt. Nichts anderes im irdischen Leben hängt mit unserem vorgeburtlichen Leben so zusammen wie dieses irdische Geistesleben. Das ist, worauf der Geistesforscher noch besonders hinweisen muß. Er trennt das irdische Geistesleben von den anderen Betätigungen ab, denen der Mensch hier auf der Erde unterliegt, weil er in seinen übersinnlichen Beobachtungen erfährt, daß dieses irdische Geistesleben im vorgeburtlichen, übersinnlichen Leben seine Ursprünge, seine Impulse hat. Dadurch gliedert sich für den Geisteswissenschafter dieses irdische Geistesleben von dem anderen Erleben des Menschen ab.
[ 6 ] The essential point to grasp is that our spiritual life on earth—all that we experience through religion, or through upbringing and education, through artistic impressions and so on—is not determined solely by earthly circumstances. Our earthly spiritual life takes its character from the experiences we have had in super-sensible realms before birth. Just as an image in a mirror indicates what is being reflected, so does earthly spiritual life point to what the human being has experienced before entering his physical body. Nothing on earth stands towards the super-sensible world in so intimate, real and living a relationship as this earthly spiritual life—which indeed shows aberrations, many aberrations ... but these very aberrations have a relation full of meaning to all that we experience—certainly, in a quite different way—in the super-sensible. This connection with pre-earthly life places spiritual life on earth in a quite special situation. Nothing else in earthly life is so closely bound up with our life before birth! This is a fact to which the spiritual investigator is bound to draw particular attention. He distinguishes spiritual life from man's other earthly activities, because super-sensible observation shows him that spiritual life on earth has its roots and impulse in the life before birth. So for the spiritual investigator this earthly spiritual life marks itself off from other human experiences.
[ 7 ] Anders steht es mit dem, was man im engeren Sinne das politische, das öffentliche Rechtsleben nennen kann, dasjenige Leben, welches staatliche Ordnung unter den Menschen bringt. Wieviel man auch mit den genauesten geisteswissenschaftlichen Methoden sich anstrengt zu erforschen, womit dieses Staatliche, das eigentlich Staatliche, das politische Rechtsleben, das öffentliche Rechtsleben zusammenhängt, man findet gar keinen Bezug dieses Lebens zu einem Übersinnlichen. Dieses Leben steht da als völlig irdisches. Wir müssen uns nur genau verständigen darüber, was hier gemeint ist. Was ist zum Beispiel ein im eminenten Sinne irdisches, irdisches politisches Rechtsverhältnis? Das Besitzverhältnis, das Eigentumsverhältnis. Wenn ich irgendwie Besitzer bin eines Grundstückes, so bin ich es nur dadurch, daß mir ein politischer Zusammenhang das ausschließliche Recht gibt, dieses Grundstück zu benützen, mir es möglich macht, alle anderen von der Benützung dieses Grundstückes, der Bebauung und so weiter auszuschließen. So ist es mit alledem, was auf dem öffentlichen Recht beruht. Das, was die Summe der öffentlichen Rechte ist, auch die Summe alles dessen, was eine gewisse Gemeinschaft nach außen schützt, das alles ist das Staatsleben im engeren Sinne. Das ist das eigentlich irdische Leben, was nur mit den Impulsen, die beim Menschen zwischen Geburt und Tod verfließen, zusammenhängt. Mag sich der Staat manchmal noch so sehr dünken, er sei ein Gottgegebenes, im Sinne der tieferen Auffassung aller religiösen Bekenntnisse gilt folgendes. Erstens gilt dasjenige, was der Christus Jesus meinte, als er in der damaligen Sprache zu den Menschen sprach: «Gebet dem Cäsar, was des Cäsars ist, und Gott, was Gottes ist.» Er wollte insbesondere gegenüber den Aspirationen des römischen Imperiums alles, was äußerliches Staatsleben ist, scheiden von dem, was ein Spiegelbild des übersinnlichen Lebens ist. Aber alles das, was in das bloße irdische Staatsleben einen überirdischen Impuls hereinbringen will, zum Beispiel den Staat geradezu zum Träger des religiösen Lebens oder zum Träger des Erziehungswesens machen will — woran kein Mensch in der neueren Zeit zweifelt, daß es so sein soll, leider! —, all das bezeichneten die tieferen religiösen Naturen so, daß sie sagten: Wenn irgendwie sich mischen will dasjenige, was geistig-übersinnlich ist, mit dem, was äußerlich-staatlich ist, so regiert der widerrechtliche Fürst dieser Welt.
[ 7 ] It is different with what can be called, in a strict sense, political life, the life of civic rights, which brings administrative order into human affairs. You see, however hard one may try to discover, with the most exact methods of spiritual science, the deeper connections of political life ... one can find no relation between this political life and the super-sensible. Political life is entirely of the earth! We must clearly understand what this signifies. For example, what shall we take as a preeminently earthly type of legal relationship? The relation to property, to ownership. If I own a plot of land, then it is solely by political means that I am given an exclusive right and tenure of the land. It is this which enables me to exclude all others from using the land, building on it, etc. So it is with everything that has to do with public law. The sum total of public law, together with the means taken to protect a society from external interference—all that makes up political life in the strict sense. This is the genuine earth-life—the life connected solely with impulses which take their course between birth and death. However much the State may imagine itself to be God-given ... the truth to which all religious creeds, in their deeper meaning, bear witness is as follows. The first truth was conveyed by Christ Jesus when in the old phraseology he said: “Render unto Caesar the things that are Caesar's, and to God the things that are God's.” Faced with the pretensions of the Roman Empire, He wished above all to separate everything to do with political life from all that bears the imprint of the super-sensible. But when the purely earthly State seeks to make itself the bearer of a super-earthly impulse—when, for example, the State seeks to assume responsibility for religious life, or for education (this last responsibility, unfortunately, is taken for granted in our day)—then we have the situation characterised by the deeper teachings of religion, when they said: Wherever an attempt is made to mix the spiritual-super-sensible with the earthly-political, there rules the usurping Prince of this world.
[ 8 ] Sie wissen vielleicht, man müßte viel über die Bedeutung des widerrechtlichen Fürsten dieser Welt nachdenken, und man kriegt zuletzt nichts heraus. Man bekommt nur durch Geisteswissenschaft heraus, was damit gemeint ist. Dann regiert der widerrechtliche Fürst dieser Welt, wenn das, was sich bloß auf die Ordnung irdischer Verhältnisse beziehen soll, sich anmaßt, das geistige und, wie wir später sehen werden, auch das wirtschaftliche Leben in sich einbeziehen zu wollen. Der rechtliche Fürst dieser Welt ist nur der, der in die äußeren politischen Staatsverhältnisse bloß das einbezieht, was seine Impulse hat in dem Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. So haben wir das zweite Glied in dem sozialen Organismus geisteswissenschaftlich ergriffen. Es ist dasjenige, welches hingeordnet ist auf jene Impulse, die beim Menschen zwischen Geburt und Tod verfließen.
[ 8 ] What is the meaning of the “usurping Prince of this world?” You know, perhaps, my dear friends, that people have thought a great deal about this, without getting anywhere. Only through spiritual science can one reach the meaning. The usurping Prince of this world rules whenever an authority which should be concerned only with the ordering of earthly affairs arrogates to itself the spiritual—and seeks also, as we shall see later, to assimilate economic life. The rightful Prince of this world is he for whom the political realm includes only those things which belong wholly to the life between birth and death. So we have come to an understanding of the second “limb” of the social organism, in the sense of spiritual science. It is the realm orientated towards those impulses which run their course between birth and death.
[ 9 ] Nun kommen wir zu dem dritten, zu dem wirtschaftlichen Verhältnis. Denken Sie sich einmal, wie uns eigentlich das wirtschaftliche Leben hineinstellt in ein gewisses Verhältnis zu der Welt. Sie werden leicht darauf kommen, wie dieses Verhältnis ist, wenn Sie sich denken müßten, daß wir ganz aufgehen könnten im rein äußeren wirtschaftlichen Leben. Was wären wir dann, wenn wir nur im äußeren, rein wirtschaftlichen Leben aufgehen würden? Wir wären denkende Tiere, nichts anderes. Nur dadurch sind wir nicht denkende Tiere, daß wir außer dem wirtschaftlichen Leben noch ein Rechtsleben haben, ein politisches Leben, ein Staatsleben und eine Geisteswissenschaft, ein irdisches Geistesleben. Wir werden also durch das Wirtschaftsleben mehr oder weniger hinuntergedrängt ins Untermenschliche. Aber indem wir hinuntergedrängt werden ins Untermenschliche, können wir gerade auf diesem Gebiete des Untermenschlichen Interessen entwickeln, die im wahren Sinne des Wortes die brüderlichen Interessen unter den Menschen sind. Auf keinem anderen Gebiete können wir so leicht und so selbstverständlich die brüderlichen Verhältnisse unter den Menschen im vollsten Sinne des Wortes entwickeln wie gerade im Wirtschaftsleben.
[ 9 ] Now we come to the third, the economic realm. Just think, my dear friends, how economic life draws us into a particular relation with the world. You will readily understand what this relation is if you compel yourselves to imagine that it were possible for us to be entirely absorbed in economic life. If that could happen, what should we be like? We should be thinking animals, nothing else. We are not thinking animals for the reason that besides economic life we have a life of rights—a political life—and a knowledge of the spirit, an earthly spiritual life. Through economic life we are thus plunged, more or less, into the midst of human relationships. And because of this interests are kindled—precisely in this field of human relations we are able to develop interests which in the true sense of the word are fraternal. In no other realm than that of economic life are fraternal relationships so easily and obviously developed among human beings.
[ 10 ] Im geistigen Leben — was ist das eigentlich Regierende im irdischen Geistesleben? Im Grunde genommen das persönliche, wenn auch seelische, aber seelisch-egoistische Interesse. Von der Religion will der Mensch haben, daß sie ihn selig macht. Von der Erziehung will er haben, daß sie seine Anlagen entwickelt. Von irgendeiner künstlerischen oder sonstigen Erscheinung, die er genießt, will er Freude in sein Leben hinein haben oder auch eine Entfaltung seiner Lebenskräfte. Es ist überall so, daß ein gröberer oder feinerer Egoismus, wenn auch verständlicherweise, um seinetwillen den Menschen hinführt zu dem, was im irdischen Geistesleben lebt.
[ 10 ] In the spiritual life ... what is the ruling impulse in earthly spiritual life? Fundamentally, it is personal interest—an interest arising out of the soul-nature, certainly, but none the less egoistic. Of religion, people demand that it shall make them holy. Of education, that is shall develop their talents. Of any kind of artistic representation, that it shall bring pleasure into their lives, and perhaps also stimulate their inner energies. As a general rule, it is egoism, whether of a grosser or more refined sort, which leads a person—quite understandably—to seek in spiritual life whatever satisfies himself.
[ 11 ] Wiederum im Rechtsleben, im politischen Leben haben wir es zu tun mit dem, was uns gewissermaßen zu gleichen Wesen vor dem Gesetze macht. Wir haben es zu tun mit dem Verhältnisse von Mensch zu Mensch. Wir haben es mit dem zu tun, was unser Recht sein soll. Recht besteht nicht unter Tieren! Das ist auch etwas, wodurch wir über die Tierheit schon im irdischen Leben hinausgehoben sind. Aber wir haben sowohl in dem Verhältnis, das wir in einer Religionsgemeinschaft, in einer Erziehungsgemeinschaft haben, wie auch in einer Rechtsgemeinschaft, in diesem allem etwas, was in einer gewissen Beziehung auf einem Anspruch von uns beruht, was wir gewissermaßen in selbstverständlicher Weise wollen. Auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens, da kann sich etwas geltend machen, gerade wenn wir uns überwinden können, was wir nicht aus den Interessen heraus wollen: Brüderlichkeit, Berücksichtigung des anderen, so leben, daß der andere neben uns durch uns etwas erfährt.
[ 11 ] In the political life of rights, on the other hand, we have to do with something which makes us all equal before the law. We are concerned with the relation of man to man. We have to ask, what our right should be. No question of rights exists among animals. In this respect, also, we are raised above the animals, even in our earthly affairs. But if we are connected with a religious community, or with a group of teachers, then—just as much as in civic relationships—we come up against personal claims, personal wishes. In the economic sphere, it is through the overcoming of self that something valuable, not derived from personal desires, comes to expression—brotherhood, responsibility for others, a way of living so that the other man gains experience through us.
[ 12 ] Im geistigen Verhältnis nehmen wir etwas entgegen, weil wir cs wollen. Im Rechtsverhältnis machen wir auf etwas Anspruch, worauf wir Anspruch machen müssen, wenn wir uns ein menschenwürdiges Leben als Gleicher unter Gleichen bewahren wollen. Und im wirtschaftlichen Leben entfaltet sich dasjenige, was die Gefühle des einen Menschen mit den Gefühlen des anderen Menschen verbindet: die Brüderlichkeit. Die Impulse des brüderlichen Lebens, die entspringen, indem wir ein gewisses Verhältnis herstellen, aus dem, was wir besitzen, zu dem, was der andere besitzt; dessen, was wir bedürfen, zu dem, was der andere bedarf; aus dem, was wir haben, zu dem, was der andere hat und so weiter. Entwickeln wir im wirtschaftlichen Leben immer mehr und mehr diese Brüderlichkeit, dann geht gewissermaßen aus diesem wirtschaftlichen Leben etwas heraus. Diese Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben, dieses brüderliche Verhältnis unter den Menschen, das im Wirtschaftsleben strahlen muß, wenn Gesundung des Wirtschaftslebens da sein soll, das ist dasjenige, was, wenn ich so sagen soll, aus dem Wirtschaftsleben aufdampft, so daß, indem wir gerade aus dem Wirtschaftsleben heraus es uns anerziehen, wir es mitnehmen durch die Pforte des Todes und hineintragen in das übersinnliche Leben nach dem Tode.
[ 12 ] In the spiritual life we receive according to our desires. In the sphere of rights we make a claim to something we need in order to make sure of a satisfactory human life as an equal among equals. And in the economic sphere is born that which unites men in terms of feeling: that is, brotherhood. The more this brotherhood is cultivated, the more fruitful economic life becomes. And the impulse towards brotherhood arises when we establish a certain connection between our property and another's, between our need and another's, between something we have and something another has, and so on. This fraternity, this brotherly relation between men which must radiate through economic life if health is to prevail there, may be thought of as a kind of emanation rising from the economic sphere—and in such a way that if we absorb it into ourselves we are able to take it with us through the gate of death and carry it into the super-sensible life after death.
[ 13 ] So erscheint für das irdische Leben das Wirtschaftsleben als das niederste, aber in ihm entwickelt sich etwas, was gerade hineinpulst aus dem Irdischen durch die Pforte des Todes in das Überirdische. Da haben wir das dritte Gebiet des sozialen Organismus geisteswissenschaftlich betrachtet. Es entwickelt sich etwas, was uns Menschen gewissermaßen in das Untermenschliche hinunterstößt, aber wir werden dafür begnadet, daß gerade aus dem, was die Brüderlichkeit im wirtschaftlichen Leben entwickelt, wir etwas durch die Pforte des Todes mitnehmen, was uns bleibt, indem wir in die übersinnliche Welt hineintreten. So wie das irdische Geistesleben, das sich auf die Weise entwickelt, wie ich es vorhin beschrieben habe, hinweist durch das Spiegelbild auf das Abgespiegelte, auf das vorgeburtliche übersinnliche Geistesleben, so weist das Wirtschaftsleben mit dem, was sich unter dem Einfluß dieses Wirtschaftslebens im Menschen entwickelt — soziales Interesse, Gefühle für menschliche Gemeinschaft, Brüderlichkeit —, auf das übersinnliche Leben nach dem Tode hin.
[ 13 ] On earth, economic life looks like the lowest of the three social spheres, yet precisely from this sphere arises an impulse which works on into super-earthly realms after death. That is how the third member of the social organism presents itself in the light of spiritual science. Its character is such that in a certain sense it drives us into regions below the human level; yet in fact this is a blessing, since from the fraternity of economic life we carry through the gate of death something which remains with us when we enter the super-sensible world. Just as earthly spiritual life points backward, like a mirrored image, to super-sensible spiritual life before birth, so does economic life, with all that arises from its influence on men—social interests, feeling for human fellowship, brotherhood—so does economic life point forward to super-sensible life after death.
[ 14 ] Und so haben wir geisteswissenschaftlich die drei Gebiete getrennt: das Geistesleben mit seinem Hinweis auf das vorgeburtliche übersinnliche Leben; das eigentliche Staatsleben mit seiner Beziehung auf die Impulse, die zwischen der Geburt und dem Tode sich abspielen; das eigentliche Wirtschaftsleben, welches hinweist auf dasjenige, was wir erleben werden, nachdem wir durch die Pforte des Todes gegangen sind. Ebenso wahr, als es ist, daß der Mensch nicht nur ein irdisches, sondern ein überirdisches Wesen zugleich ist, daß er in sich trägt die Ergebnisse desjenigen, was er vorgeburtlich «vor»-gelebt hat im Übersinnlichen, daß er in sich entwickelt die Keime zu dem, was er erleben soll im nachtodlichen Leben, wenn ich das Bild gebrauchen darf, ebenso wahr, wie in dieser Beziehung das Menschenleben dreifach ist und der Mensch neben diesen zwei Spiegelungen des überirdischen Lebens noch sein besonderes irdisches zwischen Geburt und Tod erlebt, so wahr dieses Leben des Menschen in sich dreifach gegliedert ist, so wahr muß der soziale Organismus, in dem der Mensch drinnensteht, dreifach gegliedert sein, wenn seine Gesamtmenschenseele in diesem sozialen Organismus ihre Grundlage, ihre Basis haben soll. So gibt es für den, der des Menschen Stellung im Weltenall geisteswissenschaftlich erkennt, eben noch viel tiefere Gründe, einzusehen, daß der soziale Organismus ein dreigliedriger sein muß, daß gewissermaßen der Mensch verkümmern muß — wie er im neuzeitlichen Leben in einer gewissen Weise verkümmert ist, was dann zu der furchtbaren Katastrophe der letzten vier Jahre geführt hat —, wenn alles zentralisiert ist, wenn alles nur bezogen wird auf ein chaotisches, anarchisch durcheinander gewürfeltes äußeres soziales Leben. So das Menschenleben auffassen, sich auf diese Weise bewußt werden, daß jedes Gesamtmenschheitliche so drinnensteht in der allgemeinen Menschheit und in der Welt überhaupt, das ist, was aus der Vertiefung in die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse dem Menschen nach und nach werden soll. Das ist dasjenige, was zugleich die richtige Christus-Erkenntnis für unsere Zeit und für die nächste Zukunft ist. Das ist gewissermaßen, was uns geoffenbart wird, wenn wir heute den Christus hören wollen. Er selber hat gesagt — ich habe das oft betont —: «Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Erdenzeiten.» Das heißt, er hat nicht nur gesprochen in den Zeiten, in denen er auf der Erde gewandelt ist, sondern er spricht weiter, und wir sollen ihn weiter hören. Wir sollen nicht nur die Evangelien lesen wollen, die wir allerdings immer wieder lesen sollen, sondern wir sollen das hören, was er in lebendiger Art durch sein fortdauerndes Bei-uns-Sein zu offenbaren hat. In diesem Zeitalter hat er uns zu offenbaren: Ändert den Sinn — wie sein Vorläufer, der Täufer Johannes, gesagt hat —, ändert aufs neue den Sinn, der euch eröffnet die Anschauung eurer dreifachen Menschheit, die da fordert, daß auch dasjenige, in dem ihr drinnen lebt als im irdischen Dasein, eine dreifache Gliederung braucht.
[ 14 ] Thus we have distinguished the three social spheres, in the light of spiritual science: spiritual life, pointing back to super-sensible life before birth; political life, bound up with the impulses which take their course between birth and death; and economic life pointing forward to the experiences we shall encounter when we have passed through the gate of death. Now, just as it is true that the being of man belongs not only to earthly but to super-earthly realms—that he bears in himself the fruits of his pre-natal life in the super-sensible, and develops in himself the seeds (if I may use this image) of the experiences that will be his in the life after death—just as it is true that in this connection human life is threefold, unfolding on earth between these two reflections of the super-earthly, so in truth must the social organism be itself “three-membered,” if it is to serve as foundation for human soul-life as a whole. For those, accordingly, who through spiritual science understand man's place in the cosmos, there are much deeper reasons for recognising that the social organism must have a threefold structure, and that if everything is centralised, if everything is piled on to a chaotically jumbled social life, then man is bound to degenerate ... as indeed in modern life he has, in some respects, which has led on to the frightful catastrophe of the last four years. You see: to grasp human life in such a way as to realise that every human fellowship is inwardly related to the whole of humanity and to the wider world—this is what ought more and more to come home to men from the deepening of spiritual-scientific knowledge. This is also the true Christ-Knowledge for our time and the immediate future. That is what we shall learn if we are willing, today, to listen to the Christ. He Himself said—I have often quoted it: “I am with you always, even unto the end of the world.” This means: Christ did not speak only during His time on earth; His utterance continues, and we must continue to listen for it. We should not wish merely to read the Gospels (though certainly they ought to be read over and over again); we should listen to the living revelation that springs from His continued presence among us. In this epoch He declares to us: “Make new your ways of thinking” (as His forerunner, John the Baptist, said: “Change your thinking”), “so that they may reveal to you man's threefold nature which demands also that your social environment on earth shall have a threefold membering.”
[ 15 ] Man sagt mit Recht: Der Christus ist für die Gesamtmenschheit gestorben und auferstanden, das Mysterium von Golgatha ist ein gemeinsames Menschheitsereignis. — Es wird einem dies besonders in der heutigen Zeit bewußt, wo Völker gegen Völker aufgestanden sind und im wilden Kampf gegeneinander gewütet haben, wo jetzt doch wieder, nachdem die Ereignisse in eine Krisis eingetreten sind, nicht Besonnenheit, nicht das Bewußtsein der Menschengemeinsamkeit, sondern anstelle dessen vielfach ein wilder Siegestaumel herrscht! Verkenne man das nicht. All dasjenige, was wir erlebt haben in den letzten viereinhalb Jahren, was wir jetzt erleben, was wir noch erleben werden, zeigt. dem Tieferblickenden, daß die Menschheit mit Bezug auf das Christus-Bewußtsein in eine Art von Krisis eingetreten ist. In eine Krisis ist die Menschheit eingetreten in bezug auf das Christus-Bewußtsein dadurch, daß der rechte Gemeinschaftssinn, der rechte Zusammenhang der Menschen untereinander abhanden gekommen ist. Und gar notwendig haben die Menschen, daß sie sich besinnen: Wie können wir in rechter Weise den Christus-Impuls wiederfinden?
[ 15 ] You see, it is absolutely true to say: The Christ died and rose again for the whole of mankind; the Mystery of Golgotha is an event which concerns the whole of humanity. At the present time it is particularly necessary to be aware of that—at this time when nation has risen against nation in savage struggle, and when even now, after events have led on to a crisis, we find no thoughtfulness, no consciousness of the community of mankind, but on manifold sides a delirium of victory! Make no mistake: all that we have lived through in the last four years, all that we are experiencing now and have still to experience—to anyone who looks below the surface all this shows that mankind has reached a kind of crisis with regard to knowledge of the Christ. And the reason for this is that the true spirit of fellowship, the true relationship between men, has been lost. And it is very necessary that men should ask themselves: How can we find our way again to the Christ Impulse?
[ 16 ] Daß man ihn nicht immer wiederfindet, kann eine einfache Tatsache lehren. Bevor der Christus-Impuls durch das Mysterium von Golgatha in die Erdenentwicklung hereingewirkt hatte, betrachtete sich dasjenige Volk, aus dem gerade der Christus Jesus herausgeboren ist, als das auserwählte Volk, und es glaubte dieses auserwählte Volk, daß die Erde nur glücklich werden könne, wenn alles übrige abstirbt, und nur die Glieder dieses Volkes die ganze Erde erfüllen würden. Das war in gewissem Sinn ein fester Glaube, weil der Gott Jahve dieses Volk auserwählt hatte als sein Volk und weil der Gott Jahve als der Einheitsgott angesehen worden ist. Das war für die Zeit, bevor das Mysterium von Golgatha auf die Erde gekommen ist, aus dem Grunde eine berechtigte Anschauung des alten hebräischen Volkes, weil gerade aus diesem alten hebräischen Volke der Christus Jesus hervorgehen sollte. Aber mit der Erscheinung des Mysteriums von Golgatha auf Erden hätte dieses Bewußtsein aufhören sollen. Nachher war dieses Bewußtsein antiquiert, nachher hätte an die Stelle des Jehovabewußtseins das Christus-Bewußtsein treten müssen, welches ebensosehr vom Menschen spricht, wie das Jahvevolk von den Angehörigen nur eines Volkes gesprochen hat. Es ist das tragische Geschick des jüdischen Volkes, daß es nicht erkannt hat, daß die Sache so liegt. Aber heute erleben wir vielfach einen Rückfall. Heute erleben wir den Rückfall, daß die Völker langsam — wenn sie das auch anders ansehen, anders benennen —, alle eine Art Jahve, aber einen Spezial-Jahve, ihren Volksgott, anbeten wollen.
[ 16 ] A simple fact will show that the way is not always found. Before the Christ Impulse entered into earth-evolution through the Mystery of Golgotha, the people from whom Christ Jesus was born looked on themselves as the chosen people, and they believed that happiness would come to the world only if all other peoples were to die away, and their own stock to spread over the entire face of the earth. In a certain sense that was a well-founded belief, for Jehovah, the God of this people, had chosen it as his people, and Jehovah was regarded as the one and only God. In the time before the Mystery of Golgotha this was a justified perception for the old Hebrew people, since out of this old Hebrew people Christ Jesus was to emerge. But with the enactment of the Mystery of Golgotha this way of thinking should have come to an end. After that, it was out of date: in place of the recognition of Jehovah should have come the recognition of Christ—the recognition which compels one to speak always of humanity, just as, for those who looked up to Jehovah, one people only was in question. Not to have understood that is the tragic fate of the Jewish people. To-day, however, we are coming up against all sorts of reversions. What is it but a reversion when every nation—though it may suppose itself to be doing something quite different and may use other names—wants to worship a sort of Jehovah, a special national goal of its own!
[ 17 ] Gewiß man spricht nicht in religiösen Formeln wie früher, aber man spricht sozusagen in neuzeitlicher Denkweise. Denkweise oder Denkgewohnheit scheint mir ein gutes Wort zu sein. Die Leute haben sich jetzt ein anderes Wort angewöhnt. Man könnte auch die Konzession machen, um besser verstanden zu werden, diese Mode für eine Zeitlang mitzumachen, und statt der Worte Denkgewohnheit oder Denkweise, die in unserem Kreise von mir immer gebraucht worden sind, heute in der Öffentlichkeit «Mentalität» zu sagen. Aus der heutigen Mentalität heraus also macht sich geltend: Jedes Volk möchte gewissermaßen seinen besonderen Volksgott installieren, möchte nur im Sinne dieses Volkes da sein. — Das hat gerade dazu geführt, daß Volk gegen Volk so wütet. Wir erleben einen Rückfall in die Jahvereligion, nur daß die Jahvereligion spezialisiert in viele Jahvereligionen auseinanderfällt. Es ist wirklich heute alttestamentlicher Rückfall vorhanden, Atavismus, Rückfall in das Alte Testament! Die Menschheit will sich geradezu über die ganze Erde in einzelne Glieder spezialisieren, gegen den Christus Jesus, der für die ganze Menschheit gewest und gelebt hat. Die Menschheit will sich im Sinne der Volksgötter installieren, jahvemäßig installieren. Das war vor dem Mysterium von Golgatha gerechtfertigt, ist jetzt ein Rückfall. Das muß man nur richtig verstehen: Nationale Installierung ist heute ein Rückfall ins Alte Testament. Dieser Rückfall ins Alte Testament ist das, was schwere Prüfungen der modernen Menschheit auferlegen wird, und gegen das es nur das eine Heilmittel gibt: dem Christus auf geistigem Wege wiederum nahezukommen.
[ 17 ] Certainly, the old religious formulae are no longer used, but the outcome of present-day mentality is that every nation wants to set up its own national god and so confine itself within a strictly national existence. And the inevitable result is that nation rages against nation! We are experiencing a reversion to the old Jehovah-religion—with the difference that the Jehovah-religion is breaking up into a multitude of Jehovah-religions. To-day we are really confronted with an atavistic reversion to the Old Testament. Humanity is bent on dividing itself up into separate sections all over the earth—quite contrary to the spirit of Christ Jesus, who lived and stood for the whole of humanity. Humanity is trying to organise itself under the sign of national deities, Jehovah-fashion. Before the Mystery of Golgotha that was quite proper; now it is a reversion. This must be clearly understood: the way of nationalism is a reversion to the Old Testament. This reversion is preparing heavy ordeals for mankind, and against it only one remedy will suffice: to draw near once more to the Christ by the path of the spirit. Those concerned with spiritual science are therefore bound essentially to ask the question: How, out of the depths of our own hearts and souls, under the conditions of the present time, shall we find Christ Jesus?
[ 18 ] Dadurch entsteht für den, der sich geisteswissenschaftlich interessiert, ganz besonders die Frage: Wie finden wir in dieser unserer Zeit aus unserem eigenen Herzen heraus, aus dem eigensten Impulse unserer Gegenwartsseelen heraus den Christus Jesus? Daß diese Frage sehr ernst ist — ich habe auch schon in diesem Zweige von anderen Gesichtspunkten aus öfter darüber gesprochen —, können Sie daraus entnehmen, daß gerade viele der offiziellen Träger des Christentums den Christus eigentlich doch verloren haben. Es gibt heute vielgenannte Pfarrer, Pastoren und so weiter, die sprechen von dem Christus. Sie sprechen davon, daß der Mensch durch eine gewisse innere Vertiefung, durch ein gewisses inneres Erleben einen Zusammenhang mit dem Christus gewinnen kann. Geht man näher dem nach, was diese Leute mit dem Christus meinen, da findet man, daß kein Unterschied besteht zwischen diesem Christus und dem Gott im allgemeinen, dem, was man den Vatergott nennt auch im Sinne des Evangeliums. Nicht wahr, ein berühmter Theologe zum Beispiel ist Harnack. Auch hier in der Schweiz eifern ihm viele nach. Harnack hat sogar ein Büchelchen «Das Wesen des Christentums» erscheinen lassen. Er spricht da viel von dem Christus. Aber was er über den Christus sagt, warum soll denn das überhaupt auf den Christus bezogen werden? Es ist gar kein Grund, das auf den Christus zu beziehen! Das kann ebensogut auf den Jahvegott bezogen werden. Daher ist das ganze Buch vom «Wesen des Christentums» innerlich eine Unwahrheit. Es wird zu einer Wahrheit erst, wenn man es hebräisiert, wenn man es übersetzt so, daß überall da, wo in den Sätzen «der Christus» steht, «Jahve» hingeschrieben wird. Damit spreche ich eine Wahrheit aus, von der die Leute in der Gegenwart kaum eine Ahnung haben, daß sie eine Wahrheit ist. Von unzähligen Kanzeln der Welt wird über den Christus gesprochen, und die Menschen glauben, daß mit Recht da über den Christus gesprochen wird, weil eben das Wort Christus dann gehört wird. Die Menschen überlegen sich nicht: Streiche ich von dem, was der Pastor sagt, das Wort «Christus» aus und setze «Jahve» dafür, dann erst paßt es! Sehen Sie, mit den tiefsten Schäden unserer Zeit hängt eine gewisse Unwahrheit zusammen. Glauben Sie nicht, daß in dem Augenblicke, wo ich das ausspreche, ich irgend jemanden treffen will, so daß ich ihn beschuldige oder ihn kritisiere. Das ist gar nicht der Fall. Ich will nur eine Tatsache aussprechen. Denn diejenigen Menschen, die oftmals in der tiefsten inneren Unwahrheit, man kann schon sagen, inneren Lüge sind, die wissen das nicht, sind durchaus in ihrer Art guten Wollens. Die Menschheit hat es heute schwer, zur Wahrheit zu kommen, weil sich gerade dasjenige, was ich hier als eine innere Unwahrheit bezeichnet habe, traditionell ungemein stark festgelegt hat. Und von dieser inneren Unwahrheit, die namentlich mit Bezug auf solche Dinge in unermeßlich großem Kreis herrscht, strahlt jene andere Unwahrheit aus, die heute die verschiedensten Zweige des Lebens ergriffen hat, so daß man auf mancherlei Zweigen des Lebens die Frage schon einmal aufstellen kann: Was ist denn eigentlich noch wahr geblieben? Wo ist denn noch wirkliche Wahrheit? — Deshalb rückt, ganz besonders an den geisteswissenschaftlich Strebenden, ernst die Frage heran: Wie finde ich den wahren Weg, der zu Christus führt, zu diesem besonderen göttlichen Wesen, das mit Recht als der Christus bezeichnet wird? — Wenn wir bloß geboren werden und von der Geburt bis zum Tode hier auf Erden mit einem Seelenleben leben, das sich nun einmal nach der gebräuchlichen Anlage und Entwicklung der Anlagen zwischen Geburt und Tod ergibt, dann haben wir nämlich gar keine Veranlassung, zu dem Christus zu kommen. Dann mag in uns noch so viel Geistiges vorgehen, wir haben keine Veranlassung zu dem Christus zu kommen. Wenn wir uns gewissermaßen, ohne daß wir etwas Gewisses tun, was ich gleich bezeichnen werde, einfach zwischen Geburt und Tod entwickeln, wie das die meisten Menschen heute tun, dann bleiben wir dem Christus fern. — Wie aber kommen wir zu dem Christus? Die Initiative, wenn auch die manchmal aus dem Unterbewußten oder aus dem dunklen Gefühl heraus kommende Initiative, den Weg zum Christus einzuschlagen, muß aus uns selbst kommen. Zu dem Gott, der auch identisch ist mit dem Gott Jahve, kann man kommen, wenn man einfach gesund lebt. Den Jahve nicht zu finden, ist bloß eine Art von Krankheit des Menschen. Gottesleugner, Atheist sein, bedeutet in einer gewissen Weise krank zu sein. Ist man überhaupt vollständig gesund normal entwickelt, so ist man nicht Gottesleugner, weil es lächerlich ist, zu glauben, daß dasjenige, was wir als unseren gesunden Organismus an uns tragen, nicht göttlichen Ursprungs sein könnte. Das Ex deo nascimur ist etwas, was im sozialen Leben dem gesund entwickelten Menschen sich von selbst ergibt. Denn erkennt er das nicht an: Aus dem Göttlichen bin ich geboren — so muß er irgendwie einen Defekt haben, der sich eben in der Weise ausdrückt, daß er Atheist wird. Aber da kommen wir zu dem Göttlichen im allgemeinen, das aus einer inneren Lüge heraus moderne Pastoren Christus nennen, das aber nicht der Christus ist. Zu dem Christus kommen wir nur — und ich spreche hier mit Bezug auf unsere unmittelbare Gegenwart —, wenn wir noch weitergehen, als das gewöhnlich naturgemäß Gesunde anzuerkennen. Denn wir wissen, daß das Mysterium von Golgatha deshalb auf die Erde gekommen ist, weil fernerhin der Mensch nicht das Menschenwürdige ohne dieses Mysterium von Golgatha, das heißt, ohne den Christus-Impuls hätte finden können. Und so müssen wir gewissermaßen unseren Menschen zwischen Geburt und Tod nicht nur finden, sondern wir müssen ihn wiederfinden, wenn wir Christen sein wollen im rechten Sinne, wenn wir dem Christus nahekommen wollen. Wir müssen ihn in der folgenden Weise wiederfinden, diesen unseren Menschen. Wir müssen die innere Ehrlichkeit suchen, müssen uns aufraffen zu der inneren Ehrlichkeit, uns zu sagen: Wir werden mit Bezug auf unsere Gedankenwelt nach dem Mysterium von Golgatha nicht vorurteilslos geboren, wir werden alle mit gewissen Vorurteilen geboren.
[ 18 ] This is a very serious question (I have often spoken of it before from other points of view in this group), as you can see from the fact that many official exponents of Christianity have lost the Christ! There are plenty of well-known parsons, pastors, etc., who talk about the Christ. The burden of their discourse is that men can reach the Christ through a certain deepening of the inner life, a certain inner experience. But if one comes close to what these people mean by the Christ, one finds that no distinction is made between this Christ and God in general—the Father-God, in the sense of the Gospels. You will agree that Harnack, for example, is a celebrated theologian. He is emulated by many here in Switzerland. Harnack has published a small book, The Nature of Christianity; in it he speaks a great deal about the Christ. But what he says concerning Christ ... why should it apply to Christ? It could apply just as well to the Jehovah-God. For this reason the whole book, The Nature of Christianity, is inwardly untruthful. It would become truthful only if it were hebraicised—if it were so translated that wherever the word ‘Christ’ stands, ‘Jehovah’ were written instead. This is a truth of which people to-day have scarcely any inkling. From countless pulpits all over the world Christ is spoken of, and people believe, simply because they hear the word ‘Christ,’ that the preacher is really speaking about the Christ. They never come to the point of thinking: “Strike out the word ‘Christ’ from what the pastor says and substitute ‘Jehovah’—that and nothing less will make it right!” You see, a definite untruth lies at the root of the deepest ailments of our time. Do not think that in saying this I want to accuse or criticise any individual. That is not so. My wish is simply to bring out the facts. For those persons who often fall into the deepest inner untruth—one could even say, into an inner lie—have thoroughly good intentions, in their own way. It is hard to-day for humanity to reach the truth, since what I have called an inner untruth has an exceptionally strong backing of tradition. And this inner untruth, which has come to prevail in immeasurably wide circles, gives rise to another, so that in the most diverse realms of life the question is asked: Is anything still true? Where is any genuine truth left? For this reason, those who are striving along the path of spiritual science are specially moved to ask earnestly: How shall I find the true way to the Christ—to that unique Divine Being Who may rightly be called the Christ? Indeed, if here on earth our soul-life follows customary lines of development from birth to death, then we have no inducement to come to the Christ. We may be as spiritual as we like: we have no inducement to come to the Christ! If, without doing a certain thing—which I will indicate in a moment—we simply pass on from birth to death, as most people do to-day, we remain far from the Christ. How, then, do we come to the Christ? The impulse to take the way to the Christ—even though it be oft-times an impulse rising from the subconscious or from an obscure realm of feeling—must come from ourselves. Any person who is normally healthy can come to the God whom we have identified with the Jehovah-principle. Not to find the Jehovah-God is nothing else than a sort of illness in mankind. To deny God, to be an atheist, means that you are in some way ill. Anyone who has developed normally and healthily cannot be a denier of God, for it is merely laughable to believe that the healthy human organism can have other than a divine origin. The Ex Deo Nascimur is something which declares itself to a healthily developed man in the course of human life. For if he does not recognise—I am born out of the Divine—then he must have some defect, which expresses itself in the fact that he becomes an atheist. But to come to that generalised conception of the Divine, which out of inner falsehood is called Christ by modern pastors—that is not to come to the Christ. We come to the Christ only—and here I am speaking with special reference to the immediate present—if we go beyond customary conditions of health, given by nature. For we know that the Mystery of Golgotha was enacted on earth because mankind would not have been able to maintain a worthy human status without the Mystery of Golgotha—that is, without finding its way to the Christ Impulse. And so we must not merely discover our human nature between birth and death: we must rediscover it, if we are to be Christians in the true sense, able to draw near to the Christ. And this rediscovery of our human nature must take place in the following way. We must strive for the inner honesty—we must nerve ourselves to the inner honesty—to say: “Since the Mystery of Golgotha we have not been born free from prejudice with regard to our world of thought—we are all born with certain prejudices.” Directly we regard the human being as perfect, after the manner of Rousseau or in any other way, we can by no means find the Christ. This is possible only if we know that the human being living since the Mystery of Golgotha has a certain defect, for which he must compensate through his own activity during his life here on earth. I am born a prejudiced person, and freedom from prejudice in my thinking is something I have to achieve during life.
[ 19 ] In dem Augenblicke, wenn man in Rousseauscher oder in anderer Weise den Menschen von vornherein für vollkommen hält, kann man überhaupt nicht den Christus finden, sondern nur wenn man weiß, daß der Mensch in gewisser Weise als ein nach dem Mysterium von Golgatha Lebender einen Defekt hat, den er durch seine eigene Tätigkeit im Leben hier ausgleichen muß. Ich bin als ein vorurteilsvoller Mensch geboren und muß mir die Gedankenvorurteilslosigkeit im Leben erst erwerben. Und wodurch kann ich sie hier erwerben? Einzig und allein dadurch, daß ich nicht nur Interesse entwickele für dasjenige, was ich selber denke, was ich selber für richtig halte, sondern daß ich selbstloses Interesse entwickele für alles, was Menschen meinen und was an mich herantritt, und wenn ich es noch so sehr für Irrtum halte. Je mehr der Mensch auf seine eigenen eigensinnigen Meinungen pocht und sich nur für diese interessiert, desto mehr entfernt er sich in diesem Augenblicke der Weltentwicklung von dem Christus. Je mehr der Mensch soziales Interesse entwickelt für des anderen Menschen Meinungen, auch wenn er sie für Irrtümer hält, je mehr der Mensch seine eigenen Gedanken beleuchtet durch die Meinungen der anderen, je mehr er hinstellt neben seine eigenen Gedanken, die er vielleicht für Wahrheit hält, jene, welche andere entwickeln, die er für Irrtümer hält, aber sich dennoch dafür interessiert, desto mehr erfühlt er im Innersten seiner Seele ein Christus-Wort, das heute im Sinne der neuen Christus-Sprache gedeutet werden muß. Der Christus hat gesagt: «Was ihr einem der geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan.» Der Christus hört nicht auf, immer wieder und wieder sich den Menschen zu offenbaren, bis ans Ende der Erdentage. Und so spricht er heute zu denjenigen, die ihn hören wollen: Was einer der geringsten eurer Brüder denkt, das habt ihr so anzusehen, daß ich in ihm denke, und daß ich mit euch fühle, indem ihr des anderen Gedanken an euren Gedanken abmesset, soziales Interesse habt für dasjenige, was in der anderen Seele vorgeht. Was ihr findet als Meinung, als Lebensanschauung in einem der geringsten eurer Brüder, darin suchet ihr mich selber. — So spricht in unser Gedankenleben hinein der Christus, der sich gerade auf eine neue Weise — wir nähern uns der Zeit — den Menschen des 20. Jahrhunderts offenbaren will. Nicht dadurch, daß man in Harnackscher Weise spricht von dem Gotte, der auch der Jahvegott sein kann und es in Wirklichkeit ist, sondern dadurch, daß man weiß, Christus ist der Gott für alle Menschen. Wir finden ihn aber nicht, wenn wir egoistisch in uns bleiben mit unseren Gedanken, sondern nur, wenn wir unsere Gedanken messen mit den Gedanken der anderen Menschen, wenn wir unser Interesse erweitern in innerer Toleranz für alles Menschliche, wenn wir uns sagen: Durch die Geburt bin ich ein vorurteilsvoller Mensch, durch meine Wiedergeburt aus den Gedanken aller Menschen heraus in einem umfassenden sozialen Gedankengefühl werde ich denjenigen Impuls in mir finden, der der Christus-Impuls ist. Wenn ich mich nicht, als den Quell alles dessen, was ich denke, nur selbst betrachte, sondern wenn ich mich als ein Glied der Menschheit bis in das Innerste meiner Seele hinein betrachte, dann ist ein Weg zu dem Christus gefunden. — Das ist der Weg, der heute als der Gedankenweg zu dem Christus bezeichnet werden muß. Ernste Selbsterziehung dadurch, daß wir uns einen Sinn für das Rechnen auf die Gedanken der anderen aneignen, daß wir dasjenige korrigieren, was wir als unsere eigene Richtung von selbst in uns tragen, an Unterhaltungen mit den anderen, es muß das eine ernste Lebensaufgabe werden. Denn würde unter den Menschen diese Lebensaufgabe nicht Platz greifen, so würden die Menschen den Weg zu dem Christus verlieren. Das ist der Weg der Gedanken heute.
[ 19 ] And how can I achieve it? The one and only way is this: instead of taking an interest merely in my own way of thinking, and in what I consider right, I must develop a selfless interest in every opinion I encounter, however strongly I may hold it to be mistaken. The more a man prides himself on his own dogmatic opinions and is interested only in them, the further he removes himself, at this moment of world-evolution, from the Christ. The more he develops a social interest in the opinions of other men, even though he considers them erroneous—the more light he receives into his own thinking from the opinions of others—the more he does to fulfil in his inmost soul a saying of Christ, which to-day must be interpreted in the sense of the new Christ-language. Christ said: “Inasmuch as ye have done it unto one of the least of these my brethren, ye have done it unto me.” The Christ never ceases to reveal Himself anew to men—even unto the end of earthly time. And thus He speaks to-day to those willing to listen: “In whatever the least of your brethren thinks, you must recognise that I am thinking in him; and that I enter into your feeling, whenever you bring another's thought into relation with your own, and whenever you feel a fraternal interest for what is passing in another's soul. Whatever opinion, whatever outlook on life, you discover in the least of your brethren, therein you are seeking Myself.” So does the Christ speak to our life of thought—the Christ Who desires to reveal Himself in a new way—the time for it is drawing near—to the men of the twentieth century. Not in such a way that people should speak in Harnack's style of the God who may equally well be the Jehovah-God, and is in fact nothing else, but so that it may be known: Christ is the God for all men. We shall not find Him if we remain egotistically bound up with our own thoughts, but only if we relate our own thoughts to those of other men, if we expand our interest to embrace, with inner tolerance, everything human, and say to ourselves: “Through the fact of my birth I am a prejudiced person; only through being reborn into an all-embracing feeling of fellowship for the thoughts of all men shall I find in myself the impulse which is, in truth, the Christ Impulse. If I do not look on myself alone as the source of everything I think, but recognise myself, right down into the depths of my soul, as a member of the human community”—then, my dear friends, one way to the Christ lies open. This is the way which must to-day be characterised as the way to the Christ through thinking. Earnest self-training so that we gain a true perception for estimating the thoughts of others, and for correcting bias in ourselves—this we must take as one of life's serious tasks. For unless this task finds place among men, they will lose the way to the Christ. This to-day is the way through thinking.
[ 20 ] Und der andere Weg geht durch das Wollen. Auch da haben die Menschen sich sehr auf den Abweg begeben, der nicht zu dem Christus hinführt, der von dem Christus wegführt. Und wiederfinden müssen wir auf diesem anderen Gebiete den Weg zu dem Christus. Die Jugend hat von selbst noch etwas Idealismus, aber die heutige Menschheit ist trocken und nüchtern. Und die heutige Menschheit ist hochmütig auf dasjenige, was man oftmals Praxis nennt, was aber nur ein gewisser enger Sinn ist. Die heutige Menschheit hält nichts von Idealen, die aus dem Quell des Geistigen herausgeholt sind. Die Jugend hat sie noch, diese Ideale. In keiner Zeit war das Leben der Alten so sehr verschieden von dem Leben der Jugend, wie das heute ist. Nichtverstehen des Menschen ist überhaupt dasjenige, was unserer heutigen Zeit eignet.
[ 20 ] The other way is through the will. Here, too, people are much addicted to a false way, which leads not to the Christ but away from Him. And in this other realm we must find again the way to the Christ. Youth still keeps some idealism, but for the most part humanity to-day is dry and matter-of-fact. And men are proud of what is often called practical technique, though the expression is used in a narrow sense. Humanity to-day has no use for ideals which are drawn from the fountain of the spirit. Youth still has these ideals. Never was the life of older people so sharply severed from the life of the young as it is to-day. Lack of understanding among human beings is indeed the great mark of our time.
[ 21 ] Ich habe gestern hingewiesen auf die tiefe Kluft, welche zwischen Proletariat und Bürgertum herrscht. Auch das Alter und die Jugend — wie schlecht verstehen sie sich heute! Das ist dasjenige, was wir auch sehr, sehr berücksichtigen sollen. Versuchen wir, die Jugend mit Bezug auf ihren Idealismus zu verstehen. Sehr schön, aber man will ihn heute der Jugend austreiben. Man will ihn dadurch heute austreiben, daß man der Jugend eine gewisse Phantasieerziehung, Phantasiebildung durch das Märchen, durch die Legende, durch alles dasjenige, was von dem trockenen äußeren Sinnlichen hinwegführt, entzieht. Dennoch wird es sogar schwierig sein, der Jugend dasjenige auszutreiben, was jugendlicher, natürlicher, elementarer Idealismus ist. Aber was ist das? Schön ist cs, groß ist es, aber es darf nicht das Alleinige im Menschen sein. Denn dieser jugendliche Idealismus ist doch nur der Idealismus des Ex deo nascimur, des Göttlichen, das auch mit dem Jahvegöttlichen identisch ist, das aber nicht allein bleiben darf, nachdem das Mysterium von Golgatha über die Erde hingegangen ist. Es muß daneben noch etwas anderes geben, es muß eine Erziehung, eine Selbsterziehung zum Idealismus geben. Neben dem angeborenen Idealismus der Jugend muß darauf gesehen werden, daß in der menschlichen Gemeinschaft etwas erworben wird, was eben erworbener Idealismus ist, was nicht bloß Idealismus aus Blut und Jugendfeuer heraus ist, sondern was anerzogen ist, was man sich selbst erst aus irgendeiner Initiative erwirbt. Anerzogener, namentlich selbstanerzogener Idealismus, der auch dann nicht verlorengehen kann mit der Jugend, das ist etwas, was den Weg zu dem Christus eröffnet, weil es wieder etwas ist, was im Leben zwischen Geburt und Tod eben erworben wird. Fühlen Sie den großen Unterschied zwischen Blutidealismus und dem anerzogenen, dem erworbenen Idealismus. Fühlen Sie den großen Unterschied zwischen Jugendfeuer und demjenigen Feuer, das aus dem Ergreifen des Geisteslebens kommt und immer von neuem und neuem entfacht werden kann, weil wir cs in unserer Seele, unabhängig von unserer leiblichen Entwicklung, uns angeeignet haben, dann haben Sie ergriffen den zweiten Idealismus, welcher der erworbene Idealismus ist, der Idealismus der Wiedergeburt, nicht der des Angeborenseins. Das ist der Willensweg zu dem Christus. Der andere ist der Gedankenweg. Fragen Sie heute nicht nach abstrakten Wegen zu dem Christus, fragen Sie nach diesen konkreten Wegen. Fragen Sie, wie der Gedankenweg ist, der darin besteht, daß wir innerlich tolerant werden für Meinungen der Gesamtmenschheit, daß wir soziales Interesse für die Gedanken der anderen Menschen gewinnen. Fragen Sie, wie der Willensweg ist, so werden Sie nicht irgend etwas Abstraktes finden, sondern die Notwendigkeit, einen Idealismus sich anzuerziehen. Dann aber, wenn Sie sich diesen Idealismus anerziehen, oder wenn Sie ihn der Jugend, der aufwachsenden Jugend anerziehen, was insbesondere notwendig ist, dann finden Sie in dem, was da als Idealismus heranerzogen wird, daß in dem Menschen der Sinn erwacht, nicht nur dasjenige zu tun, wozu die äußere Welt stößt. Sondern aus diesem Idealismus heraus quellen die Impulse, mehr zu tun, als wozu die Sinneswelt stößt, quillt der Sinn auf, aus dem Geiste heraus zu handeln. In dem, was wir aus anerzogenem Idealismus tun, verwirklichen wir dasjenige, was der Christus wollte, der nicht deshalb aus außerirdischen Welten auf die Erde herabgekommen ist, um bloß irdische Ziele hier zu verwirklichen, sondern aus der außerirdischen in die irdische Welt herabgekommen ist, um Überirdisches zu verwirklichen. Wir wachsen aber nur mit ihm zusammen, wenn wir uns Idealismus anerziehen, so daß Christus, der überirdisch im Irdischen ist, in uns wirken kann. Nur im anerzogenen Idealismus verwirklicht sich das, was das Paulinische Wort über den Christus sagen will: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Wer nicht versuchen will, den in innerer moralischer Wiedergeburt anerzogenen Idealismus zu entwickeln, der kann nichts anderes sagen als: Nicht ich, sondern der Jahve in mir. — Wer aber denjenigen Idealismus eben erwirbt, der anerzogen werden muß, der erworben werden muß, der kann sagen: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Das sind die zwei Wege, durch die wir den Christus wirklich finden. Wandeln wir sic, dann werden wir nicht mehr so sprechen, daß unser Sprechen eine innere Lüge ist. Dann werden wir von dem Christus sprechen als dem Gotte unserer inneren Wiedergeburt, während der Jahve der Gott unserer Geburt ist.
[ 21 ] Yesterday I spoke of the deep gulf which exists between the proletariat and the middle-class. Age and youth, too—how little they understand each other to-day! This is something we ought to take most seriously into account. We may try to reach an understanding with youth on the ground of its idealism ... yes, that is all very well, but to-day efforts are made to drive the idealism out of young people. The aim is to do this by depriving youth of the imaginative education which is given by fairy-tales and legends, by all that leads away from dry external perceptions. All the same—it will not be too easy to drive all the youthful, natural, primitive idealism out of young people! But what is this youthful idealism? It is a beautiful thing, a great thing—but it ought not to be all-sufficient for human beings, for this youthful idealism is in fact bound up with the Ex Deo Nascimur, with that aspect of the Divine which is identical with the Jahve aspect. And that is just what must not remain sufficient, now that the Mystery of Golgotha has been enacted on earth. Something further is required—idealism must spring from inner development, from self-education. Besides the innate idealism of youth, we must see to it that in human society something else is achieved—precisely an achieved idealism: not merely the idealism that springs from the instincts and enthusiasm of youth, but one that is nurtured, gained by one's own initiative, and will not fade away with the passing of youth. This is something which opens the way to the Christ, because—once more—it is something acquired during the life between birth and death. Feel the great difference between instinctive idealism and achieved idealism! Feel the great difference between youthful enthusiasm and the enthusiasm which springs from taking hold of the life of the spirit and can be ever and again kindled anew, because we have made it part of our soul, independently of the course of our bodily existence—then you will grasp this second idealism, which is not merely the idealism implanted in us by nature. This is the way to the Christ through willing, as distinct from the way through thinking. Do not ask to-day for abstract ways to the Christ; ask for these concrete ways. Seek to understand the way through thinking, which consists in becoming inwardly tolerant towards the opinions of mankind at large, and developing social interest for the thoughts of other men. Seek also for the way through willing—there you will find nothing abstract, but an inescapable need to cultivate idealism in yourselves. And if you cultivate this idealism, or if you introduce it into the education of young people—which is particularly necessary—then you will have something which inspires men not to do only what the outer world impels them to do. For from this idealism arises the resolve to do more than the sense-world suggests—to act out of the spirit. When our actions spring from this achieved idealism we are acting in accordance with the intentions of the Christ, Who did not descend from worlds above the earth in order to achieve merely earthly ends, but came down to the earth from higher realms in order to fulfil a super-earthly purpose. We shall grow towards Him only if we cultivate idealism in ourselves, so that Christ, Who represents the super-earthly within the realm of earth, can work through us. Only in achieved idealism can there be realised the intention of the Pauline saying about Christ: “Not I, but Christ in me.” Anyone who refuses to develop this second idealism through a rebirth of his moral nature can say only: “Not I, but Jehovah in me.” But whoever cultivates this second idealism, which must essentially be cultivated, he can say: “Not I, but Christ in me.” These are the two ways through which we can find the Christ. If we pursue them, we shall no longer speak in such a way that our speech is an inward lie. Then we shall speak of Christ as the Divine Power active in our rebirth—while Jehovah is the Divine Power active in our birth.
[ 22 ] Dieser Unterschied muß gefunden werden von dem neueren Menschen, denn dieser Unterschied allein ist zugleich das, was uns zu wahren sozialen Gefühlen, zu wahren sozialen Interessen bringt. Wer anerzogenen Idealismus in sich entwickelt, der hat auch Liebe für die Menschen. Predigen Sie, wieviel Sie wollen von den Kanzeln, die Menschen sollen sich lieben. Sie reden wie zum Ofen. Wenn Sie ihm gut zureden, er wird doch nicht das Zimmer heizen, er wird das Zimmer heizen, wenn Sie Kohle hinein tun. Sie brauchen ihm dann gar nicht zuzureden, daß es seine Ofenpflicht ist, das Zimmer zu wärmen. So können Sie der Menschheit immer predigen: Liebe und Liebe und Liebe. Das ist eine bloße Rederei, das ist ein bloßes Wort. Arbeiten Sie dahin, daß die Menschen in bezug auf den Idealismus eine Wiedergeburt erleben, daß sie neben dem Blutidealismus einen seelisch anerzogenen Idealismus haben, der durchhält durch das Leben, dann heizen Sie auch in der Seele des Menschen Menschenliebe. Denn so viel Sie an Idealismus sich selber anerziehen, so viel führt Sie Ihre Seele von Ihrem Egoismus hinaus zu einem selbständigen Gefühlsinteresse für die anderen Menschen. Eines werden Sie allerdings erleben, wenn Sie diesen zweifachen Weg gehen, den Gedankenweg und den Willensweg, den ich mit Bezug auf die Erneuerung des Christentums Ihnen angedeutet habe. Aus den innerlich toleranten und sich für andere Gedanken interessierenden eigenen Gedanken heraus und aus dem wiedergeborenen Willen, in anerzogenem Idealismus wiedergeborenen Willen, da entwickelt sich etwas, das nicht anders bezeichnet werden kann als ein für alle Dinge, die man tut und denkt, erhöhtes Verantwortlichkeitsgefühl. Der Mensch, der Neigung hat, hinzusehen auf die Entwicklung seiner Seele, wird, wenn er die beiden Wege geht, in sich fühlen — anders als im gewöhnlichen Leben, das nicht diese Wege geht — das erhöhte, verfeinert sich äußernde innere Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber den Dingen, die man denkt, die man tut. Stößt so das Verantwortlichkeitsgefühl auf, daß man sich sagt: Kann ich denn das auch rechtfertigen, nicht bloß für den nächsten Kreis meines Lebens und der unmittelbaren Umgebung, kann ich es denn rechtfertigen, indem ich mich weiß angehörig einer übersinnlich-geistigen Welt? Kann ich es denn rechtfertigen, indem ich weiß, daß alles das, was ich hier auf Erden tue, eingeschrieben wird in eine Akasha-Chronik ewiger Bedeutung, wo es weiter wirkt? — Oh, das fühlt man stark, diese übersinnliche Verantwortlichkeit gegenüber allem! Das ist etwas, das wie ein Mahner an einen herantritt, wenn man den zweifachen Christus-Weg sucht, wie ein Wesen, das hinter einem steht, einem über die Schulter blickt, einem immer sagt: Du bist nicht nur vor der Welt, du bist vor dem Göttlich-Geistigen verantwortlich für das, was du denkst und tust.
[ 22 ] People to-day must learn to appreciate this distinction, for it is this which leads also to genuine social feeling, a genuine interest in our fellow-men. Whoever develops an achieved idealism in himself, he will have love for human-kind. You may preach as much as you like from pulpits, telling men they ought to love one another: it is like preaching to a stove. The most excellent exhortations will not persuade the stove to heat the room. It will heat the room all right if you stoke it with coal—there is no need to preach to it that its ovenly duty is to heat the room. In just the same way you can keep on preaching to men—love, love, love ... that is mere sermonising, mere words. Strive rather that men should experience a rebirth of idealism, that besides instinctive idealism they should achieve in their souls an idealism which persists throughout life, then ... then you will kindle a warmth of soul in the love of man for man. For as much as you nurture an idealism in yourselves, by so much will you be led in your soul life away out of egoism towards a concern for other men. And if you follow this twofold way, the way through thinking and the way through willing, which I have shown you with regard to the renewal of Christianity, there is one thing you will certainly experience and discover. Out of a thinking which is inwardly tolerant and interested in the thoughts of others, and out of a willing reborn through the achievement of idealism, something unfolds. And this can be described only as a heightened feeling of responsibility for every action one performs. Anyone with an inclination to examine the unfolding of his soul will feel in himself, if he follows the two ways—it is a feeling different from anything encountered in the course of an ordinary life which does not follow the two ways—this heightened and refined sense of responsibility towards everything one thinks and does. This heightened feeling of responsibility will impel one to say: Can I justify this that I am doing or thinking, not merely with reference to the immediate circumstances of my life and environment, but in the light of my responsibility towards the super-sensible spiritual world? Can I justify it in the light of my knowledge that everything I do here on earth will be inscribed in an akashic record of everlasting significance, wherein its influence will work on and on? Oh, it comes powerfully home to one, this super-sensible responsibility towards all things! It strikes one like a solemn warning, when one seeks the two-fold way to Christ—as though a Being stood behind one, looking over one's shoulder and saying repeatedly: “Thou art not responsible only to the world around thee but also to the Divine-Spiritual, for all thy thoughts and all thy actions.”
[ 23 ] Aber dieses Wesen, das uns so über die Schulter blickt, unser Verantwortlichkeitsgefühl erhöht, verfeinert, auf ganz andere Wege bringt, als es vorher war, ist doch dasjenige, welches uns erst recht nahe hinführt zu dem Christus, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Von diesem Christus-Wege, wie er gefunden wird und wie er sich in dem zuletzt charakterisierten Wesen zeigt, wollte ich Ihnen heute sprechen. Denn dieser Christus-Weg hängt innig zusammen gerade mit den tiefsten sozialen Impulsen und Aufgaben unserer Zeit.
[ 23 ] But this Being who looks over our shoulder, who heightens and refines our sense of responsibility and sets us on a new path—he is the one who first directs us truly to the Christ, Who went through the Mystery of Golgotha. It is of this Christ-Way, how it may be found and how it reveals itself through the Being I have just described, that I wanted to speak to you to-day. For this Christ-Way is most intimately connected with the deepest social impulses and tasks of our time.
[ 24 ] Das wollte ich Ihnen bei diesem unserem Zusammensein nahebringen.
[ 24 ] Not translated
