The Inner Aspect of the Social Enigma
A Luciferic Past and an Ahrimanic Future
GA 193
9 March 1919, Zurich
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Der innere Aspekt des sozialen Rätsels
Vierter Vortrag
Vierter Vortrag
[ 1 ] Es ist wirklich recht bedeutungsvoll, in welcher Weise heute einige derjenigen Menschen über die gegenwärtige Menschenlage zu sprechen sich gedrängt fühlen, die mit ihren Gefühlen und Empfindungen wenigstens versuchen zu durchschauen, wie gegenwärtig die sozialen Dinge in der Welt stehen. Mit Bezug auf dieses Bedeutungsvolle möchte ich heute ausgehen von einigen Sätzen in der Rede, die kurz vor seinem Tode Kurt Eisner in einer Versammlung von Basler Studenten gehalten hat. Vielleicht kennen einige von Ihnen diese Sätze schon, aber sie sind außerordentlich bedeutungsvoll, wenn man gewisse Dinge heute symptomatisch ins Auge fassen will. «Höre ich nicht», sagt er, auf früher Ausgesprochenes anspielend, «oder sehe ich doch klar, daß tief in unserem Leben jene Sehnsucht lebt und nach Leben drängt, die erkennt, daß unser Leben, wie wir's heute leben müssen, doch nur die deutliche Erfindung irgendeines bösen Geistes ist. Stellen Sie sich einen großen Denker vor, der nichts von unserer Zeit wüßte und der ungefähr vor zweitausend Jahren gelebt und geträumt hätte, wie etwa in zweitausend Jahren die Welt aussehen würde, er hätte nicht mit blühendster Phantasie wohl eine Welt sich ausdenken können wie die, in der wir zu leben verurteilt sind. Das Bestehende ist doch in Wahrheit die einzige Utopie in der Welt, und das, was wir wollen, was als Sehnsucht in unserem Geiste lebt, ist die tiefste und letzte Wirklichkeit, und alles andere ist schauderbar. Wir verwechseln nur Traum und Wachen. Diesen alten Traum unseres heutigen sozialen Daseins abzuschütteln, ist unsere Aufgabe. Ein Blick in den Krieg: Läßt sich eine menschliche Vernunft denken, die dergleichen ersinnen könnte? Wenn dieser Krieg nicht das gewesen ist, was man wirklich nennt, so haben wir vielleicht geträumt, und wir wachen nun.» Also denken Sie, dieser Mann hatte nötig, um den Versuch zu machen, die Gegenwart zu verstehen, zu dem Begriff des Traumes seine Zuflucht zu nehmen, sich die Frage vorzulegen: Kann man denn dasjenige, was uns jetzt wirklich umgibt, nicht viel mehr einen bösen Traum nennen als eine wahre Wirklichkeit?
[ 1 ] Es ist wirklich recht bedeutungsvoll, in welcher Weise heute einige derjenigen Menschen über die gegenwärtige Menschenlage zu sprechen sich gedrängt fühlen, die mit ihren Gefühlen und Empfindungen wenigstens versuchen zu durchschauen, wie gegenwärtig die sozialen Dinge in der Welt stehen. Mit Bezug auf dieses Bedeutungsvolle möchte ich heute ausgehen von einigen Sätzen in der Rede, die kurz vor seinem Tode Kurt Eisner in einer Versammlung von Basler Studenten gehalten hat. Vielleicht kennen einige von Ihnen diese Sätze schon, aber sie sind außerordentlich bedeutungsvoll, wenn man gewisse Dinge heute symptomatisch ins Auge fassen will. «Höre ich nicht», sagt er, auf früher Ausgesprochenes anspielend, «oder sehe ich doch klar, daß tief in unserem Leben jene Sehnsucht lebt und nach Leben drängt, die erkennt, daß unser Leben, wie wir's heute leben müssen, doch nur die deutliche Erfindung irgendeines bösen Geistes ist. Stellen Sie sich einen großen Denker vor, der nichts von unserer Zeit wüßte und der ungefähr vor zweitausend Jahren gelebt und geträumt hätte, wie etwa in zweitausend Jahren die Welt aussehen würde, er hätte nicht mit blühendster Phantasie wohl eine Welt sich ausdenken können wie die, in der wir zu leben verurteilt sind. Das Bestehende ist doch in Wahrheit die einzige Utopie in der Welt, und das, was wir wollen, was als Sehnsucht in unserem Geiste lebt, ist die tiefste und letzte Wirklichkeit, und alles andere ist schauderbar. Wir verwechseln nur Traum und Wachen. Diesen alten Traum unseres heutigen sozialen Daseins abzuschütteln, ist unsere Aufgabe. Ein Blick in den Krieg: Läßt sich eine menschliche Vernunft denken, die dergleichen ersinnen könnte? Wenn dieser Krieg nicht das gewesen ist, was man wirklich nennt, so haben wir vielleicht geträumt, und wir wachen nun.» Also denken Sie, dieser Mann hatte nötig, um den Versuch zu machen, die Gegenwart zu verstehen, zu dem Begriff des Traumes seine Zuflucht zu nehmen, sich die Frage vorzulegen: Kann man denn dasjenige, was uns jetzt wirklich umgibt, nicht viel mehr einen bösen Traum nennen als eine wahre Wirklichkeit?
[ 2 ] Es tritt der merkwürdige Fall ein — bedenken Sie nur das ganz Charakteristische dieses Falles —, daß ein ganz moderner Mensch, ein Mensch, der sich selbst als Herold einer neuen Zeit fühlt, nicht im allgemeinen die äußere, sinnliche Wirklichkeit als eine Maja, als einen Traum, ansieht — wie etwa die indische Weltanschauung das tut, sondern daß ein solcher moderner Geist sich gezwungen fühlt, durch die besonderen Ereignisse der Gegenwart, die Frage, in welchem Sinne es auch sein mag, aber immerhin die Frage aufzuwerfen, ob nicht diese Wirklichkeit eigentlich geträumt sei! Man muß doch aus dem ganzen Zusammenhang der Rede Eisners entnehmen, daß er mehr als eine bloße Phrase sagen wollte, als er den Satz aussprach, daß diese gegenwärtige Wirklichkeit nichts anderes sein kann als etwas, was über die Menschheit gebracht worden ist durch einen bösen Geist.
[ 2 ] Es tritt der merkwürdige Fall ein — bedenken Sie nur das ganz Charakteristische dieses Falles —, daß ein ganz moderner Mensch, ein Mensch, der sich selbst als Herold einer neuen Zeit fühlt, nicht im allgemeinen die äußere, sinnliche Wirklichkeit als eine Maja, als einen Traum, ansieht — wie etwa die indische Weltanschauung das tut, sondern daß ein solcher moderner Geist sich gezwungen fühlt, durch die besonderen Ereignisse der Gegenwart, die Frage, in welchem Sinne es auch sein mag, aber immerhin die Frage aufzuwerfen, ob nicht diese Wirklichkeit eigentlich geträumt sei! Man muß doch aus dem ganzen Zusammenhang der Rede Eisners entnehmen, daß er mehr als eine bloße Phrase sagen wollte, als er den Satz aussprach, daß diese gegenwärtige Wirklichkeit nichts anderes sein kann als etwas, was über die Menschheit gebracht worden ist durch einen bösen Geist.
[ 3 ] Nun, nehmen wir mancherlei von dem, was im Verlauf unserer anthroposophischen Bemühungen durch unsere Seele gezogen ist, nehmen wir vor allen Dingen die Tatsache, daß wir im allgemeinen den Versuch machen, die äußere, sinnliche Wirklichkeit nicht als die ganze Wirklichkeit anzusehen, und dieser äußeren sinnlichen Wirklichkeit gegenüberzustellen die übersinnliche, die erst diese sinnliche Wirklichkeit zur wahren, zur vollkommenen Wirklichkeit abschließt. Aber bedenken wir gegenüber dieser Anschauung, die eigentlich nur ein kleines Fünklein in den Gedankenströmungen des gegenwärtigen Zeitalters ist, während materialistisches Denken dieses gegenwärtige Zeitalter in weitem Umfange ausfüllt, daß auf der anderen Seite gerade solch ein Mann wie Kurt Eisner — der von seinem Standpunkte aus ganz gewiß nichts hält, wenigstens in seinem physischen Leben nichts von diesem kleinen Fünklein gehalten hat —, wie gebändigt durch die Tatsachen der Gegenwart zu keinem anderen Vergleich greifen kann als zu dem, die äußere Wirklichkeit, wie sie wenigstens gegenwärtig vorliegt, sei ein Traum. Also wenigstens der gegenwärtigen Wirklichkeit gegenüber muß solch ein Mann ein Geständnis ablegen, das sich nur ausdrücken läßt durch einen Vergleich mit der allgemeinen Wahrheit von dem Majacharakter, von dem Charakter der Unwirklichkeit der bloß äußeren, sinnlichen Wirklichkeit.
[ 3 ] Nun, nehmen wir mancherlei von dem, was im Verlauf unserer anthroposophischen Bemühungen durch unsere Seele gezogen ist, nehmen wir vor allen Dingen die Tatsache, daß wir im allgemeinen den Versuch machen, die äußere, sinnliche Wirklichkeit nicht als die ganze Wirklichkeit anzusehen, und dieser äußeren sinnlichen Wirklichkeit gegenüberzustellen die übersinnliche, die erst diese sinnliche Wirklichkeit zur wahren, zur vollkommenen Wirklichkeit abschließt. Aber bedenken wir gegenüber dieser Anschauung, die eigentlich nur ein kleines Fünklein in den Gedankenströmungen des gegenwärtigen Zeitalters ist, während materialistisches Denken dieses gegenwärtige Zeitalter in weitem Umfange ausfüllt, daß auf der anderen Seite gerade solch ein Mann wie Kurt Eisner — der von seinem Standpunkte aus ganz gewiß nichts hält, wenigstens in seinem physischen Leben nichts von diesem kleinen Fünklein gehalten hat —, wie gebändigt durch die Tatsachen der Gegenwart zu keinem anderen Vergleich greifen kann als zu dem, die äußere Wirklichkeit, wie sie wenigstens gegenwärtig vorliegt, sei ein Traum. Also wenigstens der gegenwärtigen Wirklichkeit gegenüber muß solch ein Mann ein Geständnis ablegen, das sich nur ausdrücken läßt durch einen Vergleich mit der allgemeinen Wahrheit von dem Majacharakter, von dem Charakter der Unwirklichkeit der bloß äußeren, sinnlichen Wirklichkeit.
[ 4 ] Wollen wir einmal manches von dem, was durch unsere Betrachtungen auch der sozialen Frage in den letzten Wochen durch unsere Seele gezogen ist, nun auch etwas tiefer betrachten. Wollen wir doch unser Augenmerk darauf richten, wie die Entwicklung der letzten Jahrhunderte sich so gestaltet hat, daß die Menschen immer mehr und mehr zum Ableugnen der eigentlichen geistigen oder übersinnlichen Welt gekommen sind, daß sie in weitestem Umfange sich, man möchte sagen, gewissermaßen einsetzen für dieses Ableugnen der übersinnlichen Welt. Gewiß, es wird von gewissen Seiten aus — das werden Sie einwenden können — noch viel über die übersinnliche Welt gesprochen. Die Kirchen sind noch immer reichlich, wenn vielleicht auch nicht gefüllt, so doch wenigstens von Worten, die vom Geiste künden sollen, durchhallt. Schließlich konnte man heute und auch gestern abend fast die ganze Zeit über auch hier die Glocken läuten hören, die auch ein Ausdruck sein sollen für dasjenige, was sich als Geistesleben in der Welt geltend macht. Aber daneben erleben wir doch auch etwas anderes. Wir erleben, daß, wenn heute in der unmittelbaren Gegenwart der Versuch gemacht wird, auf den Christus hinzuhören, was Er für die Gegenwart sagt, dann sich gerade die Bekenner der alten Religionsgemeinschaften am allerheftigsten gegen ein solches Wort des Geistes wenden. Wirkliches Geistesleben, nicht bloß ein solches, das auf den Glauben einer alten Tradition geht, sondern das auf die unmittelbare Geistesproduktion der Gegenwart geht, wollen doch heute recht, recht wenige Menschen.
[ 4 ] Wollen wir einmal manches von dem, was durch unsere Betrachtungen auch der sozialen Frage in den letzten Wochen durch unsere Seele gezogen ist, nun auch etwas tiefer betrachten. Wollen wir doch unser Augenmerk darauf richten, wie die Entwicklung der letzten Jahrhunderte sich so gestaltet hat, daß die Menschen immer mehr und mehr zum Ableugnen der eigentlichen geistigen oder übersinnlichen Welt gekommen sind, daß sie in weitestem Umfange sich, man möchte sagen, gewissermaßen einsetzen für dieses Ableugnen der übersinnlichen Welt. Gewiß, es wird von gewissen Seiten aus — das werden Sie einwenden können — noch viel über die übersinnliche Welt gesprochen. Die Kirchen sind noch immer reichlich, wenn vielleicht auch nicht gefüllt, so doch wenigstens von Worten, die vom Geiste künden sollen, durchhallt. Schließlich konnte man heute und auch gestern abend fast die ganze Zeit über auch hier die Glocken läuten hören, die auch ein Ausdruck sein sollen für dasjenige, was sich als Geistesleben in der Welt geltend macht. Aber daneben erleben wir doch auch etwas anderes. Wir erleben, daß, wenn heute in der unmittelbaren Gegenwart der Versuch gemacht wird, auf den Christus hinzuhören, was Er für die Gegenwart sagt, dann sich gerade die Bekenner der alten Religionsgemeinschaften am allerheftigsten gegen ein solches Wort des Geistes wenden. Wirkliches Geistesleben, nicht bloß ein solches, das auf den Glauben einer alten Tradition geht, sondern das auf die unmittelbare Geistesproduktion der Gegenwart geht, wollen doch heute recht, recht wenige Menschen.
[ 5 ] Ist es demgegenüber nicht eigentlich doch so, als wenn vielleicht nicht von einem bösen Weltengeiste, aber von einem guten Weltengeiste aus diese moderne Menschheit gezwungen werden sollte, an die Geistigkeit des Daseins dadurch wiederum zu denken, daß einmal über diese moderne Menschheit eine solche äußere sinnliche Wirklichkeit verhängt worden ist, von der ein so moderner Geist sagen muß, sie nähme sich aus wie ein Traum, und selbst ein großer Denker vor zweitausend Jahren hätte nicht auszudenken vermocht dasjenige, was heute eine scheinbare äußere Wirklichkeit geworden ist?
[ 5 ] Ist es demgegenüber nicht eigentlich doch so, als wenn vielleicht nicht von einem bösen Weltengeiste, aber von einem guten Weltengeiste aus diese moderne Menschheit gezwungen werden sollte, an die Geistigkeit des Daseins dadurch wiederum zu denken, daß einmal über diese moderne Menschheit eine solche äußere sinnliche Wirklichkeit verhängt worden ist, von der ein so moderner Geist sagen muß, sie nähme sich aus wie ein Traum, und selbst ein großer Denker vor zweitausend Jahren hätte nicht auszudenken vermocht dasjenige, was heute eine scheinbare äußere Wirklichkeit geworden ist?
[ 6 ] Jedenfalls zwingt ein solches Bekenntnis eines modernen Geistes dazu, noch andere Vorstellungen über die Wirklichkeit sich zu bilden, als heute gangbar sind. Ich weiß, daß eine große Anzahl unserer anthroposophischen Freunde gerade diese Vorstellungen von der wahren Wirklichkeit, auf die ich heute als wichtige hingewiesen habe, etwas schwer gefunden hat. Aber man kommt heute nicht aus mit dem Leben, wenn man nicht den guten Willen hat, sich zu solchen schweren Vorstellungen zu wenden. Wie denken denn auf einem gewissen Gebiete heute die Leute? Sie bekommen einen Kristall in die Hand: das ist ein wirklicher Gegenstand. Sie bekommen eine Rose in die Hand, die vom Rosenstock abgepflückt ist, und sie sagen auch, das ist ein wirklicher Gegenstand. Beides nennen sie in gleichem Sinne einen wirklichen Gegenstand. Aber sind beide Gegenstände in gleichem Sinne wirklich? Die Naturforscher auf allen Lehrkanzeln und in allen Laboratorien und Kliniken reden so über die Wirklichkeit, indem sie nur dasjenige wirklich nennen, was in gleichem Sinne wirklich ist wie der Kristall und wie die Rose, die vom Rosenstock abgepflückt ist. Aber ist denn nicht ein beträchtlicher, gewaltiger Unterschied dadurch da, daß der Kristall durch lange Zeiten hin die Formen durch sich selbst beibehält, die er hat? Die Rose wird nach verhältnismäßig kurzer Zeit, wenn sie vom Rosenstock abgepflückt ist, ihre Form verlieren, sie stirbt ab. Sie hat nicht in sich denselben Grad von Wirklichkeit, den der Kristall in sich hat. Und selbst der Rosenstock, wenn wir ihn aus der Erde herausreißen, hat nicht mehr denselben Grad von Wirklichkeit, den er hat, wenn er in der Erde drinnen ist. Das leitet uns an, die Dinge in der Welt doch anders zu betrachten, als es die heutige äußerliche Betrachtungsweise tut. Wir dürfen nicht von Wirklichkeit sprechen, wenn wir von einer Rose oder von einem Rosenstock sprechen. Wir dürfen höchstens von Wirklichkeit sprechen, indem wir die ganze Erde ins Auge fassen; und den Rosenstock wie auch jede Pflanze darauf wie ein aus dieser Wirklichkeit herauswachsendes Haar.
[ 6 ] Jedenfalls zwingt ein solches Bekenntnis eines modernen Geistes dazu, noch andere Vorstellungen über die Wirklichkeit sich zu bilden, als heute gangbar sind. Ich weiß, daß eine große Anzahl unserer anthroposophischen Freunde gerade diese Vorstellungen von der wahren Wirklichkeit, auf die ich heute als wichtige hingewiesen habe, etwas schwer gefunden hat. Aber man kommt heute nicht aus mit dem Leben, wenn man nicht den guten Willen hat, sich zu solchen schweren Vorstellungen zu wenden. Wie denken denn auf einem gewissen Gebiete heute die Leute? Sie bekommen einen Kristall in die Hand: das ist ein wirklicher Gegenstand. Sie bekommen eine Rose in die Hand, die vom Rosenstock abgepflückt ist, und sie sagen auch, das ist ein wirklicher Gegenstand. Beides nennen sie in gleichem Sinne einen wirklichen Gegenstand. Aber sind beide Gegenstände in gleichem Sinne wirklich? Die Naturforscher auf allen Lehrkanzeln und in allen Laboratorien und Kliniken reden so über die Wirklichkeit, indem sie nur dasjenige wirklich nennen, was in gleichem Sinne wirklich ist wie der Kristall und wie die Rose, die vom Rosenstock abgepflückt ist. Aber ist denn nicht ein beträchtlicher, gewaltiger Unterschied dadurch da, daß der Kristall durch lange Zeiten hin die Formen durch sich selbst beibehält, die er hat? Die Rose wird nach verhältnismäßig kurzer Zeit, wenn sie vom Rosenstock abgepflückt ist, ihre Form verlieren, sie stirbt ab. Sie hat nicht in sich denselben Grad von Wirklichkeit, den der Kristall in sich hat. Und selbst der Rosenstock, wenn wir ihn aus der Erde herausreißen, hat nicht mehr denselben Grad von Wirklichkeit, den er hat, wenn er in der Erde drinnen ist. Das leitet uns an, die Dinge in der Welt doch anders zu betrachten, als es die heutige äußerliche Betrachtungsweise tut. Wir dürfen nicht von Wirklichkeit sprechen, wenn wir von einer Rose oder von einem Rosenstock sprechen. Wir dürfen höchstens von Wirklichkeit sprechen, indem wir die ganze Erde ins Auge fassen; und den Rosenstock wie auch jede Pflanze darauf wie ein aus dieser Wirklichkeit herauswachsendes Haar.
[ 7 ] Sie sehen daraus, es kann in der äußeren, sinnlichen Wirklichkeit Dinge geben, die nicht im wahren Sinne des Wortes, wenn sie von ihrer Grundlage entfernt sind, noch wirklich sind. Das heißt, wir müssen in der scheinbaren äußeren Wirklichkeit, in dieser groRen Täuschung erst nach den wahren Wirklichkeiten suchen. Die Menschheit, sie macht heute schon bei der Naturbetrachtung solche Fehler in bezug auf die Wirklichkeit. Aber wer solche Fehler in bezug auf die Wirklichkeit macht und sich im Laufe von langen Jahrhunderten daran gewöhnt hat, sie zu machen, wie die heutige Menschheit, der wird außerordentlich schwer zu einem wirklichkeitsgemäßen sozialen Denken kommen. Denn sehen Sie, das ist der große Unterschied des menschlichen Lebens von der Natur, daß die Natur dasjenige absterben läßt, was nicht mehr seine volle Wirklichkeit hat: die vom Rosenstock abgepflückte Rose. Einen äußeren Schein von Wirklichkeit kann auch etwas haben, was keine Wirklichkeit ist, was für sich eine Lüge ist. So etwas, was für sich keine Wirklichkeit hat, können wir aber im sozialen Leben wie eine Wirklichkeit realisieren. Dann braucht es nicht gleich abzusterben, aber es wird allmählich zum Schmerz und zur Qual der Menschheit, während nur dasjenige zum Heile der Menschheit ausschlagen kann, was aus einer ganzen Wirklichkeit heraus empfunden, gedacht und dem menschlichen sozialen Organismus eingepflanzt ist. Es ist nicht bloß eine Sünde wider die soziale Ordnung, sondern es ist eine Sünde wider die Wahrheit selbst, wenn zum Beispiel unsere heutige Lebensauffassung noch davon ausgeht, daß menschliche Arbeitskraft — ich habe das jetzt öfter hier gesagt — eine Ware sein kann. Man kann sie in der äußeren scheinbaren Wirklichkeit dazu machen, aber eine solche äußere scheinbare Wirklichkeit wird dann zum Schmerz, zum Leid der menschlichen sozialen Ordnung und gibt den Anlaß zu den Erschütterungen, zu den Revolutionen des gesellschaftlichen Organismus.
[ 7 ] Sie sehen daraus, es kann in der äußeren, sinnlichen Wirklichkeit Dinge geben, die nicht im wahren Sinne des Wortes, wenn sie von ihrer Grundlage entfernt sind, noch wirklich sind. Das heißt, wir müssen in der scheinbaren äußeren Wirklichkeit, in dieser groRen Täuschung erst nach den wahren Wirklichkeiten suchen. Die Menschheit, sie macht heute schon bei der Naturbetrachtung solche Fehler in bezug auf die Wirklichkeit. Aber wer solche Fehler in bezug auf die Wirklichkeit macht und sich im Laufe von langen Jahrhunderten daran gewöhnt hat, sie zu machen, wie die heutige Menschheit, der wird außerordentlich schwer zu einem wirklichkeitsgemäßen sozialen Denken kommen. Denn sehen Sie, das ist der große Unterschied des menschlichen Lebens von der Natur, daß die Natur dasjenige absterben läßt, was nicht mehr seine volle Wirklichkeit hat: die vom Rosenstock abgepflückte Rose. Einen äußeren Schein von Wirklichkeit kann auch etwas haben, was keine Wirklichkeit ist, was für sich eine Lüge ist. So etwas, was für sich keine Wirklichkeit hat, können wir aber im sozialen Leben wie eine Wirklichkeit realisieren. Dann braucht es nicht gleich abzusterben, aber es wird allmählich zum Schmerz und zur Qual der Menschheit, während nur dasjenige zum Heile der Menschheit ausschlagen kann, was aus einer ganzen Wirklichkeit heraus empfunden, gedacht und dem menschlichen sozialen Organismus eingepflanzt ist. Es ist nicht bloß eine Sünde wider die soziale Ordnung, sondern es ist eine Sünde wider die Wahrheit selbst, wenn zum Beispiel unsere heutige Lebensauffassung noch davon ausgeht, daß menschliche Arbeitskraft — ich habe das jetzt öfter hier gesagt — eine Ware sein kann. Man kann sie in der äußeren scheinbaren Wirklichkeit dazu machen, aber eine solche äußere scheinbare Wirklichkeit wird dann zum Schmerz, zum Leid der menschlichen sozialen Ordnung und gibt den Anlaß zu den Erschütterungen, zu den Revolutionen des gesellschaftlichen Organismus.
[ 8 ] Kurz, dasjenige, was die Menschheit gegenwärtig nötig hat in ihre Denkgewohnheiten aufzunehmen, ist, daß nicht alles, was in der äußeren scheinbaren Wirklichkeit sich offenbart, so wie es sich innerhalb gewisser Grenzen offenbart, auch eine wahre Wirklichkeit zu sein braucht, sondern eine Lebenslüge sein kann. Und dieser Unterschied der Lebenswahrheit und der Lebenslüge ist es, der sich ganz tief in das Gemüt des heutigen Menschen eingraben sollte. Denn in je mehr Menschen sich dieser Unterschied ganz tief eingräbt, in je mehr Menschen das Gefühl erwacht, man muß nach dem suchen, was keine Lebenslüge, sondern was eine Lebenswahrheit ist, um so eher werden wir zu einer Gesundung des sozialen Organismus kommen können. Was muß aber dazu eintreten?
[ 8 ] Kurz, dasjenige, was die Menschheit gegenwärtig nötig hat in ihre Denkgewohnheiten aufzunehmen, ist, daß nicht alles, was in der äußeren scheinbaren Wirklichkeit sich offenbart, so wie es sich innerhalb gewisser Grenzen offenbart, auch eine wahre Wirklichkeit zu sein braucht, sondern eine Lebenslüge sein kann. Und dieser Unterschied der Lebenswahrheit und der Lebenslüge ist es, der sich ganz tief in das Gemüt des heutigen Menschen eingraben sollte. Denn in je mehr Menschen sich dieser Unterschied ganz tief eingräbt, in je mehr Menschen das Gefühl erwacht, man muß nach dem suchen, was keine Lebenslüge, sondern was eine Lebenswahrheit ist, um so eher werden wir zu einer Gesundung des sozialen Organismus kommen können. Was muß aber dazu eintreten?
[ 9 ] Ohne weiteres werden Sie ja nicht zu der Erkenntnis von der wahren oder nur scheinbaren Wirklichkeit eines äußeren Gegenstandes kommen können. Denken Sie sich, es würde ein Wesen von einem Planeten kommen, auf dem die Verhältnisse nicht so lägen wie auf unserer Erde, so daß das Wesen niemals den Unterschied bemerkt hätte zwischen einer Rose, die auf einem Rosenstock wächst, und einem Kristall, so könnte ein solches Wesen, wenn man ihm nebeneinandergelegt nun einen Kristall und eine Rose darböte, glauben, die beiden wären von gleicher Wirklichkeit. Und es könnte dann nur überrascht sein, daß die Rose so schnell verwelkt, während der Kristall bestehen bleibt. Der Mensch auf der Erde weiß sich nur gegenüber dieser Wirklichkeit zurechtzufinden, weil er eben die Dinge durch längere Zeiten verfolgt hat. Aber nicht alles kann man so verfolgen, daß man schon in der äußeren Wirklichkeit sieht, was wahre Wirklichkeit ist oder nicht, wie bei der Rose, sondern es liegen uns im Leben Dinge vor, welche notwendig machen, daß wir uns erst eine Grundlage schaffen, um die wahre Wirklichkeit überhaupt ins Auge fassen zu können. Welches kann eine solche Grundlage sein, namentlich für das soziale Zusammenleben der Menschen?
[ 9 ] Ohne weiteres werden Sie ja nicht zu der Erkenntnis von der wahren oder nur scheinbaren Wirklichkeit eines äußeren Gegenstandes kommen können. Denken Sie sich, es würde ein Wesen von einem Planeten kommen, auf dem die Verhältnisse nicht so lägen wie auf unserer Erde, so daß das Wesen niemals den Unterschied bemerkt hätte zwischen einer Rose, die auf einem Rosenstock wächst, und einem Kristall, so könnte ein solches Wesen, wenn man ihm nebeneinandergelegt nun einen Kristall und eine Rose darböte, glauben, die beiden wären von gleicher Wirklichkeit. Und es könnte dann nur überrascht sein, daß die Rose so schnell verwelkt, während der Kristall bestehen bleibt. Der Mensch auf der Erde weiß sich nur gegenüber dieser Wirklichkeit zurechtzufinden, weil er eben die Dinge durch längere Zeiten verfolgt hat. Aber nicht alles kann man so verfolgen, daß man schon in der äußeren Wirklichkeit sieht, was wahre Wirklichkeit ist oder nicht, wie bei der Rose, sondern es liegen uns im Leben Dinge vor, welche notwendig machen, daß wir uns erst eine Grundlage schaffen, um die wahre Wirklichkeit überhaupt ins Auge fassen zu können. Welches kann eine solche Grundlage sein, namentlich für das soziale Zusammenleben der Menschen?
[ 10 ] Nun, ich habe Ihnen einzelnes über diese Grundlage im letzten und im vorletzten Zweigvortrage hier auseinandergesetzt. Heute will ich noch einiges hinzufügen. Sie kennen aus meinen Schriften die Schilderungen, die ich über die geistige Welt gegeben habe, über jene Welt, die der Mensch durchlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Sie wissen, wenn man auf dieses Leben in der übersinnlichen, in der geistigen Welt hinweist, hat man nötig, die Beziehungen festzustellen, die da herrschen von Seele zu Seele. Da ist der Mensch leibfrei, da ist der Mensch nicht den physischen Gesetzen dieser unserer Welt unterworfen, die wir zwischen der Geburt und dem Tode durchleben. Da redet man daher von dem, was als Kraft oder als Kräfte spielt von Seele zu Seele. Lesen Sie nach in meiner «Theosophie», wie da in bezug auf das Leben zwischen Tod und neuer Geburt gesprochen werden muß von den Sympathie- und Antipathiekräften, die von Seele zu Seele in der Seelenwelt spielen. Da spielen die Kräfte ganz innerlich von Seele zu Seele. Antipathie bringt eine Seele der anderen entgegen, durch Sympathien wird sie gemildert. Es entstehen Harmonien und Disharmonien zwischen Innerlichstem, was die Seelen erleben. Und dieses Erleben des Innerlichsten einer Seele im Verhältnis zu dem Erleben des Innerlichsten einer anderen Seele ist dasjenige, was das wahre Verhältnis der übersinnlichen Welt ausmacht. Und nur ein Abglanz von diesem Übersinnlichen ist dasjenige, was, gewissermaßen wie die Reste davon, durch das physische Leben hindurch hier in der physischen Welt eine Seele mit der anderen erleben kann.
[ 10 ] Nun, ich habe Ihnen einzelnes über diese Grundlage im letzten und im vorletzten Zweigvortrage hier auseinandergesetzt. Heute will ich noch einiges hinzufügen. Sie kennen aus meinen Schriften die Schilderungen, die ich über die geistige Welt gegeben habe, über jene Welt, die der Mensch durchlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Sie wissen, wenn man auf dieses Leben in der übersinnlichen, in der geistigen Welt hinweist, hat man nötig, die Beziehungen festzustellen, die da herrschen von Seele zu Seele. Da ist der Mensch leibfrei, da ist der Mensch nicht den physischen Gesetzen dieser unserer Welt unterworfen, die wir zwischen der Geburt und dem Tode durchleben. Da redet man daher von dem, was als Kraft oder als Kräfte spielt von Seele zu Seele. Lesen Sie nach in meiner «Theosophie», wie da in bezug auf das Leben zwischen Tod und neuer Geburt gesprochen werden muß von den Sympathie- und Antipathiekräften, die von Seele zu Seele in der Seelenwelt spielen. Da spielen die Kräfte ganz innerlich von Seele zu Seele. Antipathie bringt eine Seele der anderen entgegen, durch Sympathien wird sie gemildert. Es entstehen Harmonien und Disharmonien zwischen Innerlichstem, was die Seelen erleben. Und dieses Erleben des Innerlichsten einer Seele im Verhältnis zu dem Erleben des Innerlichsten einer anderen Seele ist dasjenige, was das wahre Verhältnis der übersinnlichen Welt ausmacht. Und nur ein Abglanz von diesem Übersinnlichen ist dasjenige, was, gewissermaßen wie die Reste davon, durch das physische Leben hindurch hier in der physischen Welt eine Seele mit der anderen erleben kann.
[ 11 ] Aber dieser Abglanz wiederum muß im rechten Lichte beurteilt werden. Man kann die Frage aufwerfen: Wie stellt sich, sozial betrachtet, dasjenige, was wir hier durchleben zwischen Geburt und Tod, zu dem übersinnlichen Leben? — Da werden wir jetzt, wo wir die notwendige Dreigliederung des sozialen Organismus schon öfter ins Auge gefaßt haben, zunächst auf das mittlere Glied gelenkt, das öfter beschrieben worden ist, auf den eigentlichen politischen Staat. Die Menschen, die in unserer Gegenwart über den politischen Staat nachgedacht haben, haben immer versucht zu erkennen, was eigentlich der politische Staat ist. Aber sehen Sie, die Menschen der Gegenwart mit ihren materialistischen Vorstellungen haben wirklich keine rechte Unterlage, so etwas zu betrachten. Außerdem ist nach den Interessen der verschiedenen Menschenklassen in der neueren Zeit alles mögliche zusammengeschmolzen worden mit dem modernen Staate, so daß man gar nicht ohne weiteres voraussetzen kann, dieser Staat sei eine Wirklichkeit und nicht eine Lebenslüge. Es ist ein weiter Abstand von der Anschauung des deutschen Philosophen Hegel zu der anderen Anschauung, die Fritz Mauthner, der philosophische Wörterbuchschreiber, in der neueren Zeit dargetan hat. Hegel sieht den Staat mehr oder weniger wie den verwirklichten Gott auf der Erde an. Fritz Mauthner sagt, der Staat sei ein notwendiges Übel. Also er sieht ihn als ein Übel an, allerdings als ein solches, das man nicht entbehren kann, das notwendig ist zum menschlichen Zusammenleben. Das sind so entgegengesetzte Empfindungen zweier neuerer Geister.
[ 11 ] Aber dieser Abglanz wiederum muß im rechten Lichte beurteilt werden. Man kann die Frage aufwerfen: Wie stellt sich, sozial betrachtet, dasjenige, was wir hier durchleben zwischen Geburt und Tod, zu dem übersinnlichen Leben? — Da werden wir jetzt, wo wir die notwendige Dreigliederung des sozialen Organismus schon öfter ins Auge gefaßt haben, zunächst auf das mittlere Glied gelenkt, das öfter beschrieben worden ist, auf den eigentlichen politischen Staat. Die Menschen, die in unserer Gegenwart über den politischen Staat nachgedacht haben, haben immer versucht zu erkennen, was eigentlich der politische Staat ist. Aber sehen Sie, die Menschen der Gegenwart mit ihren materialistischen Vorstellungen haben wirklich keine rechte Unterlage, so etwas zu betrachten. Außerdem ist nach den Interessen der verschiedenen Menschenklassen in der neueren Zeit alles mögliche zusammengeschmolzen worden mit dem modernen Staate, so daß man gar nicht ohne weiteres voraussetzen kann, dieser Staat sei eine Wirklichkeit und nicht eine Lebenslüge. Es ist ein weiter Abstand von der Anschauung des deutschen Philosophen Hegel zu der anderen Anschauung, die Fritz Mauthner, der philosophische Wörterbuchschreiber, in der neueren Zeit dargetan hat. Hegel sieht den Staat mehr oder weniger wie den verwirklichten Gott auf der Erde an. Fritz Mauthner sagt, der Staat sei ein notwendiges Übel. Also er sieht ihn als ein Übel an, allerdings als ein solches, das man nicht entbehren kann, das notwendig ist zum menschlichen Zusammenleben. Das sind so entgegengesetzte Empfindungen zweier neuerer Geister.
[ 12 ] Die mannigfaltigsten Menschen haben sich, da jetzt vieles, was früher instinktiv sich gestaltet hat, in das menschliche Bewußtsein hereingestellt wird, Vorstellungen darüber zu bilden versucht, wie der Staat beschaffen sein soll, wie der Staat werden soll. Wiederum sind die mannigfaltigsten Abstufungen in diesen Menschenvorstellungen zutagegetreten. Da haben wir auf der einen Seite die lammfrommen Schilderer des Staates, die nicht recht eindringen wollen in das, was er eigentlich ist, aber ihn doch so gestalten wollen, daß die Menschen, welche viel darüber zu klagen haben, möglichst nicht viel darüber zu reden haben. Und da sind die anderen, die den Staat radikal umändern wollen, damit sich aus ihm heraus ein die Menschen befriedigendes Dasein entwickeln könne. Es fragt sich: Wie kann man aber überhaupt eine Anschauung gewinnen über dasjenige, was der Staat eigentlich ist?
[ 12 ] Die mannigfaltigsten Menschen haben sich, da jetzt vieles, was früher instinktiv sich gestaltet hat, in das menschliche Bewußtsein hereingestellt wird, Vorstellungen darüber zu bilden versucht, wie der Staat beschaffen sein soll, wie der Staat werden soll. Wiederum sind die mannigfaltigsten Abstufungen in diesen Menschenvorstellungen zutagegetreten. Da haben wir auf der einen Seite die lammfrommen Schilderer des Staates, die nicht recht eindringen wollen in das, was er eigentlich ist, aber ihn doch so gestalten wollen, daß die Menschen, welche viel darüber zu klagen haben, möglichst nicht viel darüber zu reden haben. Und da sind die anderen, die den Staat radikal umändern wollen, damit sich aus ihm heraus ein die Menschen befriedigendes Dasein entwickeln könne. Es fragt sich: Wie kann man aber überhaupt eine Anschauung gewinnen über dasjenige, was der Staat eigentlich ist?
[ 13 ] Wenn man unbefangen ins Auge faßt, was sich nun spinnen kann von Mensch zu Mensch im Staatsverhältnis, und dies mit dem vergleicht, was sich spinnt, wie ich eben charakterisiert habe, von Seele zu Seele im übersinnlichen Leben, dann erst bekommt man eine Anschauung über die Wirklichkeit des Staates, über die mögliche Wirklichkeit des Staates. Denn so, wie jenes Verhältnis, das auf die Grundkräfte der menschlichen Seele von Sympathien und Antipathien im übersinnlichen Leben aufgebaut ist, ein Innerlichstes ist in der menschlichen Seele, so ist dasjenige, was sich von Mensch zu Mensch im bloßen Leben des politischen Staates begründen kann, ein Äußerlichstes, auf das Recht Basiertes, auf dasjenige, wo der Mensch in der äußerlichsten Weise dem anderen Menschen gegenübersteht. Wenn Sie diesen Gedanken durchdenken, dann kommen Sie dazu einzusehen, daß der Staat das genaue Gegenteil des übersinnlichen Lebens ist. Und er ist um so vollkommener in seinem Wesen, dieser Staat, je mehr er das volle Gegenteil des übersinnlichen Lebens ist, je weniger er sich irgendwie anmaßt, irgend etwas von übersinnlichem Leben in seine Struktur hineinzubringen, je mehr er nur dasjenige ins Auge faßt, was das äußerlichste Rechtsverhältnis des Verhaltens von Mensch zu Mensch betrifft, worinnen alle Menschen gleich sind, gleich vor dem äußeren Rechtsgesetze. Immer tiefer und tiefer wird man von der Wahrheit durchdrungen, daß die Vollkommenheit des Staates gerade darinnen besteht, daß in ihm nichts gesucht werde als dasjenige, was angehört unserem Leben zwischen Geburt und Tod, was unserem alleräußerlichsten Verhältnis angehört.
[ 13 ] Wenn man unbefangen ins Auge faßt, was sich nun spinnen kann von Mensch zu Mensch im Staatsverhältnis, und dies mit dem vergleicht, was sich spinnt, wie ich eben charakterisiert habe, von Seele zu Seele im übersinnlichen Leben, dann erst bekommt man eine Anschauung über die Wirklichkeit des Staates, über die mögliche Wirklichkeit des Staates. Denn so, wie jenes Verhältnis, das auf die Grundkräfte der menschlichen Seele von Sympathien und Antipathien im übersinnlichen Leben aufgebaut ist, ein Innerlichstes ist in der menschlichen Seele, so ist dasjenige, was sich von Mensch zu Mensch im bloßen Leben des politischen Staates begründen kann, ein Äußerlichstes, auf das Recht Basiertes, auf dasjenige, wo der Mensch in der äußerlichsten Weise dem anderen Menschen gegenübersteht. Wenn Sie diesen Gedanken durchdenken, dann kommen Sie dazu einzusehen, daß der Staat das genaue Gegenteil des übersinnlichen Lebens ist. Und er ist um so vollkommener in seinem Wesen, dieser Staat, je mehr er das volle Gegenteil des übersinnlichen Lebens ist, je weniger er sich irgendwie anmaßt, irgend etwas von übersinnlichem Leben in seine Struktur hineinzubringen, je mehr er nur dasjenige ins Auge faßt, was das äußerlichste Rechtsverhältnis des Verhaltens von Mensch zu Mensch betrifft, worinnen alle Menschen gleich sind, gleich vor dem äußeren Rechtsgesetze. Immer tiefer und tiefer wird man von der Wahrheit durchdrungen, daß die Vollkommenheit des Staates gerade darinnen besteht, daß in ihm nichts gesucht werde als dasjenige, was angehört unserem Leben zwischen Geburt und Tod, was unserem alleräußerlichsten Verhältnis angehört.
[ 14 ] Dann aber muß man fragen: Wenn der Staat nur ein Abglanz des übersinnlichen Lebens ist dadurch, daß er das Gegenteil dieses übersinnlichen Lebens darstellt, wie ragt denn in unser übriges sinnliches Leben das Übersinnliche herein? — Von einem anderen Gesichtspunkte aus habe ich es Ihnen letzthin dargestellt. Heute aber will ich Ihnen noch mitteilen, daß von den Antipathien, die sich in der übersinnlichen Welt zwischen dem Tode und der Geburt entwickeln, gewisse Reste zurückbleiben, Rest-Antipathien, mit denen wir durch die Geburt ins physische Dasein schreiten. Denen wird im physischen Leben entgegengewirkt durch alles das, was sich im sogenannten geistigen Leben, in der geistigen Kultur auslebt. Da werden die Menschen in religiösen Gemeinschaften, da werden sie in anderen gemeinsamen Geistesgütern zusammengebracht; da sollen sie den Ausgleich für gewisse Antipathien schaffen, die als Rest aus dem vorgeburtlichen Leben geblieben sind. All unsere geistige Kultur soll eine Einrichtung für sich hier sein, weil sie ein Abglanz ist unseres vorgeburtlichen Lebens, weil sie gewissermaßen den Menschen hier in die Sinneswelt herausstellt, damit begabt, eine Art Heilmittel für die restlichen Antipathien zu bilden, die aus der übersinnlichen Welt geblieben sind. Daher ist es so schauderhaft, wenn die Menschen im geistigen Leben Spaltungen hervorrufen, statt sich gerade im geistigen Leben recht zu vereinen. Die restlichen Antipathien, die uns aus dem geistigen Leben vor der Geburt bleiben, sind wühlend in den Untergründen der menschlichen Seele und lassen nicht dasjenige, was eigentlich angestrebt werden sollte, zur Wahrheit werden: wirkliche geistige Harmonie, wirkliches geistiges Zusammenwirken. Wo solches sein sollte, entwickeln sich gleich Sekten. Diese Sektenbildungen und Sektenspaltungen sind noch das hier auf der Erde befindliche Abglanzzeichen für die Antipathien, aus denen alles geistige Leben hervorgeht, und für die es eigentlich als ein Heilmittel sich entwickeln soll. Wir haben das geistige Leben als etwas aufzufassen, was in inniger Beziehung steht zu unserem vorgeburtlichen Leben, was in gewisser Beziehung schon verwandt ist mit dem übersinnlichen Leben. Wir sollen daher nicht in die Versuchung kommen, dieses geistige Kulturleben anders aufzurichten als ein freies Leben außerhalb des Staates, der nicht ein Abglanz in diesem Sinne, sondern ein Gegenbild sein soll für das übersinnliche Leben. Und wir bekommen nur eine Vorstellung über das, was wirklich ist am Staate und wirklich ist an dem geistigen Kulturleben, wenn wir zu unserem sinnlichen Leben das übersinnliche Leben hinzufügen. Beides zusammen macht erst die wahre Wirklichkeit aus, während das bloße sinnliche Leben eben durchaus ein Traum ist.
[ 14 ] Dann aber muß man fragen: Wenn der Staat nur ein Abglanz des übersinnlichen Lebens ist dadurch, daß er das Gegenteil dieses übersinnlichen Lebens darstellt, wie ragt denn in unser übriges sinnliches Leben das Übersinnliche herein? — Von einem anderen Gesichtspunkte aus habe ich es Ihnen letzthin dargestellt. Heute aber will ich Ihnen noch mitteilen, daß von den Antipathien, die sich in der übersinnlichen Welt zwischen dem Tode und der Geburt entwickeln, gewisse Reste zurückbleiben, Rest-Antipathien, mit denen wir durch die Geburt ins physische Dasein schreiten. Denen wird im physischen Leben entgegengewirkt durch alles das, was sich im sogenannten geistigen Leben, in der geistigen Kultur auslebt. Da werden die Menschen in religiösen Gemeinschaften, da werden sie in anderen gemeinsamen Geistesgütern zusammengebracht; da sollen sie den Ausgleich für gewisse Antipathien schaffen, die als Rest aus dem vorgeburtlichen Leben geblieben sind. All unsere geistige Kultur soll eine Einrichtung für sich hier sein, weil sie ein Abglanz ist unseres vorgeburtlichen Lebens, weil sie gewissermaßen den Menschen hier in die Sinneswelt herausstellt, damit begabt, eine Art Heilmittel für die restlichen Antipathien zu bilden, die aus der übersinnlichen Welt geblieben sind. Daher ist es so schauderhaft, wenn die Menschen im geistigen Leben Spaltungen hervorrufen, statt sich gerade im geistigen Leben recht zu vereinen. Die restlichen Antipathien, die uns aus dem geistigen Leben vor der Geburt bleiben, sind wühlend in den Untergründen der menschlichen Seele und lassen nicht dasjenige, was eigentlich angestrebt werden sollte, zur Wahrheit werden: wirkliche geistige Harmonie, wirkliches geistiges Zusammenwirken. Wo solches sein sollte, entwickeln sich gleich Sekten. Diese Sektenbildungen und Sektenspaltungen sind noch das hier auf der Erde befindliche Abglanzzeichen für die Antipathien, aus denen alles geistige Leben hervorgeht, und für die es eigentlich als ein Heilmittel sich entwickeln soll. Wir haben das geistige Leben als etwas aufzufassen, was in inniger Beziehung steht zu unserem vorgeburtlichen Leben, was in gewisser Beziehung schon verwandt ist mit dem übersinnlichen Leben. Wir sollen daher nicht in die Versuchung kommen, dieses geistige Kulturleben anders aufzurichten als ein freies Leben außerhalb des Staates, der nicht ein Abglanz in diesem Sinne, sondern ein Gegenbild sein soll für das übersinnliche Leben. Und wir bekommen nur eine Vorstellung über das, was wirklich ist am Staate und wirklich ist an dem geistigen Kulturleben, wenn wir zu unserem sinnlichen Leben das übersinnliche Leben hinzufügen. Beides zusammen macht erst die wahre Wirklichkeit aus, während das bloße sinnliche Leben eben durchaus ein Traum ist.
[ 15 ] Das wirtschaftliche Leben ist wiederum ganz anders geartet. Im wirtschaftlichen Leben arbeitet der eine Mensch für den anderen. Der eine Mensch arbeitet in der Regel für den anderen, weil er ebenso wie der andere seine Vorteile dabei findet. Das wirtschaftliche Leben geht aus den Bedürfnissen hervor und besteht in der Befriedigung der Bedürfnisse, in dem Herausarbeiten alles dessen auf dem physischen Plane, was die dumpfen Naturbedürfnisse des Menschen befriedigen kann oder auch wohl die feineren, aber doch mehr instinktiven Seelenbedürfnisse. Da entwickelt sich innerhalb dieses wirtschaftlichen Lebens unbewußt dasjenige, was nun wiederum hinauswirkt bis jenseits des Todes. Dasjenige, was die Menschen aus den egoistischen Bedürfnissen des Wirtschaftslebens für einander arbeiten, entwickelt in seinen Untergründen die Keime für gewisse Sympathien, die sich im nachtodlichen Leben in unserer Seele ausbilden müssen. So wie das geistige Kulturleben eine Art Heilmittel ist gegen den Rest der Antipathien, die wir mitbringen aus unserem vorgeburtlichen Leben in dieses nachgeburtliche, so ist dasjenige, was in den Untergründen des Wirtschaftslebens spielt, von Keimen durchsetzt für die Sympathien, die sich nach dem Tode entwickeln sollen. Das ist wiederum ein anderer Gesichtspunkt für die Art, wie wir aus der übersinnlichen Welt heraus die notwendige Dreigliederung des sozialen Organismus erkennen können. Solch einen Gesichtspunkt kann allerdings derjenige nicht erringen, der sich nicht bestrebt, die geisteswissenschaftlichen Grundlagen der Welterkenntnis sich anzueignen. Aber für denjenigen, der sich diese geisteswissenschaftliche Grundlage aneignet, wird immer mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit die Forderung, daß der gesunde soziale Organismus in diese drei Glieder geteilt sein muß, weil diese drei Glieder in untereinander ganz verschiedener Art ihre Beziehungen zur übersinnlichen Wirklichkeit haben, die, wie gesagt, erst mit der sinnlichen zusammen die wahre Wirklichkeit ausmacht.
[ 15 ] Das wirtschaftliche Leben ist wiederum ganz anders geartet. Im wirtschaftlichen Leben arbeitet der eine Mensch für den anderen. Der eine Mensch arbeitet in der Regel für den anderen, weil er ebenso wie der andere seine Vorteile dabei findet. Das wirtschaftliche Leben geht aus den Bedürfnissen hervor und besteht in der Befriedigung der Bedürfnisse, in dem Herausarbeiten alles dessen auf dem physischen Plane, was die dumpfen Naturbedürfnisse des Menschen befriedigen kann oder auch wohl die feineren, aber doch mehr instinktiven Seelenbedürfnisse. Da entwickelt sich innerhalb dieses wirtschaftlichen Lebens unbewußt dasjenige, was nun wiederum hinauswirkt bis jenseits des Todes. Dasjenige, was die Menschen aus den egoistischen Bedürfnissen des Wirtschaftslebens für einander arbeiten, entwickelt in seinen Untergründen die Keime für gewisse Sympathien, die sich im nachtodlichen Leben in unserer Seele ausbilden müssen. So wie das geistige Kulturleben eine Art Heilmittel ist gegen den Rest der Antipathien, die wir mitbringen aus unserem vorgeburtlichen Leben in dieses nachgeburtliche, so ist dasjenige, was in den Untergründen des Wirtschaftslebens spielt, von Keimen durchsetzt für die Sympathien, die sich nach dem Tode entwickeln sollen. Das ist wiederum ein anderer Gesichtspunkt für die Art, wie wir aus der übersinnlichen Welt heraus die notwendige Dreigliederung des sozialen Organismus erkennen können. Solch einen Gesichtspunkt kann allerdings derjenige nicht erringen, der sich nicht bestrebt, die geisteswissenschaftlichen Grundlagen der Welterkenntnis sich anzueignen. Aber für denjenigen, der sich diese geisteswissenschaftliche Grundlage aneignet, wird immer mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit die Forderung, daß der gesunde soziale Organismus in diese drei Glieder geteilt sein muß, weil diese drei Glieder in untereinander ganz verschiedener Art ihre Beziehungen zur übersinnlichen Wirklichkeit haben, die, wie gesagt, erst mit der sinnlichen zusammen die wahre Wirklichkeit ausmacht.
[ 16 ] Aber von solchen Zusammenhängen des äußeren physischen Daseins, wie es sich entfaltet im geistigen Kulturleben, im Staatsleben, im Wirtschaftsleben, hat die Menschheit in den letzten Jahrhunderten nicht mehr geredet. Sie hat die alten Traditionen fortgesponnen, die aber unverstandene geblieben sind. Sie hat sich abgewöhnt, in unmittelbarem tätigem Seelenleben den Weg ins Geistesland hinein zu gehen, um im Geistesland das Licht zu suchen, das die physische Wirklichkeit beleuchten kann, so daß man diese physische Wirklichkeit erst in der richtigen Weise erkennt. Die führenden Kreise der Menschheit, sie haben ja den Ton angegeben in diesem ungeistigen Leben. Dadurch ist jene tiefe Kluft zwischen den Menschenklassen entstanden, die heute auf dem Untergrunde alles Lebens zu suchen ist, die wirklich von den Menschen nicht verschlafen werden sollte. Ich darf vielleicht immer wieder daran erinnern, wie, bevor Juli und August 1914 eingetreten ist, die Menschen, insofern sie den führenden, den bisher führenden Klassen angehört haben, dasjenige gelobt haben, wozu es unsere Zivilisation, wie sie das nannten, nun endlich gebracht hat. Sie wiesen darauf hin, wie der Gedanke pfeilschnell über weite Strecken hin durch Telegraphen und Telephon befördert werden kann, wie andere märchenhafte Errungenschaften der neueren Technik das Kultur-, das Zivilisationsleben so vorwärtsgebracht haben. Aber dieses Kultur-, dieses Zivilisationsleben ruhte eben auf dem Untergrunde, der die heutigen furchtbaren Katastrophen herbeigeführt hat. Vor dem Juli und August 1914 haben die europäischen Staatsmänner, besonders diejenigen in den mitteleuropäischen Staaten — man kann das dokumentarisch nachweisen —, unzählige Male betont: So wie die Verhältnisse liegen, ist der Friede in Europa für lange Zeit gesichert. — Wörtlich mit solchen Redensarten haben insbesondere die Staatsmänner Mitteleuropas zu ihren Parteien gesprochen. Ich könnte Ihnen noch von Mai 1914 solche Reden zeigen, wo gesagt worden ist: So wie die Verhältnisse der Staaten jetzt untereinander durch unsere diplomatischen Beziehungen geordnet sind, haben wir die Möglichkeit, an einen länger dauernden Frieden zu glauben. — Im Mai 1914! Aber derjenige, der die Verhältnisse dazumal durchschaute, mußte eben anders reden. Ich habe dazumal in den Vorträgen in Wien, vor dem Kriege, dasjenige ausgesprochen, was ich öfter im Verlauf der letzten Jahre gesagt habe: Wir leben in etwas darinnen, das man nur nennen kann eine menschliche soziale Krebskrankheit, ein Karzinom der gesellschaftlichen Ordnung. Dieses Karzinom, dieses Geschwür ist aufgebrochen und ist zu dem geworden, was man den Weltkrieg nennt.
[ 16 ] Aber von solchen Zusammenhängen des äußeren physischen Daseins, wie es sich entfaltet im geistigen Kulturleben, im Staatsleben, im Wirtschaftsleben, hat die Menschheit in den letzten Jahrhunderten nicht mehr geredet. Sie hat die alten Traditionen fortgesponnen, die aber unverstandene geblieben sind. Sie hat sich abgewöhnt, in unmittelbarem tätigem Seelenleben den Weg ins Geistesland hinein zu gehen, um im Geistesland das Licht zu suchen, das die physische Wirklichkeit beleuchten kann, so daß man diese physische Wirklichkeit erst in der richtigen Weise erkennt. Die führenden Kreise der Menschheit, sie haben ja den Ton angegeben in diesem ungeistigen Leben. Dadurch ist jene tiefe Kluft zwischen den Menschenklassen entstanden, die heute auf dem Untergrunde alles Lebens zu suchen ist, die wirklich von den Menschen nicht verschlafen werden sollte. Ich darf vielleicht immer wieder daran erinnern, wie, bevor Juli und August 1914 eingetreten ist, die Menschen, insofern sie den führenden, den bisher führenden Klassen angehört haben, dasjenige gelobt haben, wozu es unsere Zivilisation, wie sie das nannten, nun endlich gebracht hat. Sie wiesen darauf hin, wie der Gedanke pfeilschnell über weite Strecken hin durch Telegraphen und Telephon befördert werden kann, wie andere märchenhafte Errungenschaften der neueren Technik das Kultur-, das Zivilisationsleben so vorwärtsgebracht haben. Aber dieses Kultur-, dieses Zivilisationsleben ruhte eben auf dem Untergrunde, der die heutigen furchtbaren Katastrophen herbeigeführt hat. Vor dem Juli und August 1914 haben die europäischen Staatsmänner, besonders diejenigen in den mitteleuropäischen Staaten — man kann das dokumentarisch nachweisen —, unzählige Male betont: So wie die Verhältnisse liegen, ist der Friede in Europa für lange Zeit gesichert. — Wörtlich mit solchen Redensarten haben insbesondere die Staatsmänner Mitteleuropas zu ihren Parteien gesprochen. Ich könnte Ihnen noch von Mai 1914 solche Reden zeigen, wo gesagt worden ist: So wie die Verhältnisse der Staaten jetzt untereinander durch unsere diplomatischen Beziehungen geordnet sind, haben wir die Möglichkeit, an einen länger dauernden Frieden zu glauben. — Im Mai 1914! Aber derjenige, der die Verhältnisse dazumal durchschaute, mußte eben anders reden. Ich habe dazumal in den Vorträgen in Wien, vor dem Kriege, dasjenige ausgesprochen, was ich öfter im Verlauf der letzten Jahre gesagt habe: Wir leben in etwas darinnen, das man nur nennen kann eine menschliche soziale Krebskrankheit, ein Karzinom der gesellschaftlichen Ordnung. Dieses Karzinom, dieses Geschwür ist aufgebrochen und ist zu dem geworden, was man den Weltkrieg nennt.
[ 17 ] Dazumal war natürlich der Ausspruch: Wir leben in einem Karzinom, wir leben in einem sozialen Geschwür — für die Leute eine Redensart, eine Phrase, weil der Weltkrieg erst danach kam. Denn die Leute hatten keine Ahnung, daß sie auf einem Vulkan tanzten. Für viele ist es heute wieder so, wenn man auf den anderen Vulkan hinweist, der wahrhaftig auch einer ist, und der da liegt in dem, was erst heraufkommt für die Ausgestaltung desjenigen, was man seit langem die soziale Frage nennt. Weil die Menschen so gern schlafen gegenüber der Wirklichkeit, kommen sie nicht darauf, in dieser Wirklichkeit die wahren Kräfte, die diese Wirklichkeit selbst erst zur wahren Wirklichkeit machen, zu erkennen.
[ 17 ] Dazumal war natürlich der Ausspruch: Wir leben in einem Karzinom, wir leben in einem sozialen Geschwür — für die Leute eine Redensart, eine Phrase, weil der Weltkrieg erst danach kam. Denn die Leute hatten keine Ahnung, daß sie auf einem Vulkan tanzten. Für viele ist es heute wieder so, wenn man auf den anderen Vulkan hinweist, der wahrhaftig auch einer ist, und der da liegt in dem, was erst heraufkommt für die Ausgestaltung desjenigen, was man seit langem die soziale Frage nennt. Weil die Menschen so gern schlafen gegenüber der Wirklichkeit, kommen sie nicht darauf, in dieser Wirklichkeit die wahren Kräfte, die diese Wirklichkeit selbst erst zur wahren Wirklichkeit machen, zu erkennen.
[ 18 ] Sehen Sie, deshalb ist es so schwierig, für den heutigen Menschen eindringlich zu machen, was so notwendig wäre: die Sache von den drei Gliedern des gesunden sozialen Organismus, von der Notwendigkeit des Hinarbeitens auf diese Dreigliederung. Wie unterscheidet sich denn diese Denkungsart, die da in der Forderung dieser Dreigliederung zum Ausdrucke kommt, von anderen Denkungsarten? sehen Sie, andere Denkungsarten gehen eigentlich davon aus, auszudenken, welches die beste soziale Weltordnung sein könnte, wie man es eigentlich machen müsse, damit die Menschen zu der besten sozialen Weltordnung kommen. Merken Sie den Unterschied von der Denkart, die dieser Dreigliederung des sozialen Organismus zugrunde liegt. Diese Dreigliederung geht gar nicht davon aus, zu fragen: Welches ist die beste Anordnung im sozialen Organismus? — Sondern sie geht auf die Wirklichkeit los: Wie soll man die Menschen selber gliedern, daß sie in den sozialen Organismus frei hineingestellt sind und zusammen wirken können, so daß das Richtige wird? — Diese Denkungsweise appelliert nicht an Prinzipien, appelliert nicht an Theorien, nicht an soziale Dogmen, sondern sie appelliert an die Menschen. Sie sagt: Stellt die Menschen hinein in die drei Glieder des sozialen Organismus, dann werden diese Menschen sagen, was soziale Ordnung sein soll. — An den wirklichen Menschen appelliert diese Denkungsweise und nicht an abstrakte Theorien oder abstrakte soziale Dogmen.
[ 18 ] Sehen Sie, deshalb ist es so schwierig, für den heutigen Menschen eindringlich zu machen, was so notwendig wäre: die Sache von den drei Gliedern des gesunden sozialen Organismus, von der Notwendigkeit des Hinarbeitens auf diese Dreigliederung. Wie unterscheidet sich denn diese Denkungsart, die da in der Forderung dieser Dreigliederung zum Ausdrucke kommt, von anderen Denkungsarten? sehen Sie, andere Denkungsarten gehen eigentlich davon aus, auszudenken, welches die beste soziale Weltordnung sein könnte, wie man es eigentlich machen müsse, damit die Menschen zu der besten sozialen Weltordnung kommen. Merken Sie den Unterschied von der Denkart, die dieser Dreigliederung des sozialen Organismus zugrunde liegt. Diese Dreigliederung geht gar nicht davon aus, zu fragen: Welches ist die beste Anordnung im sozialen Organismus? — Sondern sie geht auf die Wirklichkeit los: Wie soll man die Menschen selber gliedern, daß sie in den sozialen Organismus frei hineingestellt sind und zusammen wirken können, so daß das Richtige wird? — Diese Denkungsweise appelliert nicht an Prinzipien, appelliert nicht an Theorien, nicht an soziale Dogmen, sondern sie appelliert an die Menschen. Sie sagt: Stellt die Menschen hinein in die drei Glieder des sozialen Organismus, dann werden diese Menschen sagen, was soziale Ordnung sein soll. — An den wirklichen Menschen appelliert diese Denkungsweise und nicht an abstrakte Theorien oder abstrakte soziale Dogmen.
[ 19 ] Wenn ein Mensch allein leben würde, würde er niemals die menschliche Sprache entwickeln. Die menschliche Sprache kann nur in der sozialen Gemeinschaft entstehen. Der Mensch, der allein lebt, entwickelt auch keine soziale Denkungsart, keine soziale Empfindung und keine sozialen Instinkte. Nur in der richtigen Gemeinschaft kann das soziale Leben entwickelt werden.
[ 19 ] Wenn ein Mensch allein leben würde, würde er niemals die menschliche Sprache entwickeln. Die menschliche Sprache kann nur in der sozialen Gemeinschaft entstehen. Der Mensch, der allein lebt, entwickelt auch keine soziale Denkungsart, keine soziale Empfindung und keine sozialen Instinkte. Nur in der richtigen Gemeinschaft kann das soziale Leben entwickelt werden.
[ 20 ] Daß das heute geschehe, dem widerspricht aber sehr vieles. Dadurch nämlich, daß der Materialismus in den letzten Jahrhunderten heraufgezogen ist, hat sich der Mensch von der wahren Wirklichkeit entfernt. Er ist der wahren Wirklichkeit fremd geworden. Er ist einsam geworden in seinem Inneren. Und am einsamsten sind diejenigen geworden, die aus dem Leben herausgerissen sind und mit nichts zusammenhängen als mit der öden Maschine, mit der Fabrik auf der einen Seite und dem seelenlosen Kapitalismus auf der anderen Seite. Öde ist es in den menschlichen Seelen geworden. Aber aus dieser Seelenöde ringt sich dann los dasjenige, was eben aus dem einzelnen, individuellen, persönlichen Menschen heraus kommen kann. Was aus diesem einzelnen, individuellen, persönlichen Menschen heraus kommen kann, sind innerliche Gedanken, sind innerlicheSchauungen von der übersinnlichen Welt, sind auch Schauungen, die uns die äußere sinnliche Naturwelt erklären. Aber gerade dann, wenn wir recht einsam werden, wenn wir recht auf uns selber nur gestellt sind, ist das die beste Seelenverfassung für all dasjenige, was die Erkenntnis für den einzelnen Menschen in seinen Zusammenhängen mit Natur- und Geisteswelt entwickeln soll. Dem steht entgegen dasjenige, was sich als soziales Denken entwickeln soll. Nur wer dies bedenkt, kann richtig über den bedeutungsvollen geschichtlichen Augenblick urteilen, in welchem wir jetzt stehen. Die Menschen mußten einmal in der Weltentwicklung so einsam werden, damit sie aus der Einsamkeit ihrer Seele heraus geistiges Leben entwickeln wollen. Die einsamsten waren die großen Denker, die in scheinbar ganz abstrakten Höhen gelebt haben und die in ihren Abstraktionen nur den Weg suchten zu der übersinnlichen Welt.
[ 20 ] Daß das heute geschehe, dem widerspricht aber sehr vieles. Dadurch nämlich, daß der Materialismus in den letzten Jahrhunderten heraufgezogen ist, hat sich der Mensch von der wahren Wirklichkeit entfernt. Er ist der wahren Wirklichkeit fremd geworden. Er ist einsam geworden in seinem Inneren. Und am einsamsten sind diejenigen geworden, die aus dem Leben herausgerissen sind und mit nichts zusammenhängen als mit der öden Maschine, mit der Fabrik auf der einen Seite und dem seelenlosen Kapitalismus auf der anderen Seite. Öde ist es in den menschlichen Seelen geworden. Aber aus dieser Seelenöde ringt sich dann los dasjenige, was eben aus dem einzelnen, individuellen, persönlichen Menschen heraus kommen kann. Was aus diesem einzelnen, individuellen, persönlichen Menschen heraus kommen kann, sind innerliche Gedanken, sind innerlicheSchauungen von der übersinnlichen Welt, sind auch Schauungen, die uns die äußere sinnliche Naturwelt erklären. Aber gerade dann, wenn wir recht einsam werden, wenn wir recht auf uns selber nur gestellt sind, ist das die beste Seelenverfassung für all dasjenige, was die Erkenntnis für den einzelnen Menschen in seinen Zusammenhängen mit Natur- und Geisteswelt entwickeln soll. Dem steht entgegen dasjenige, was sich als soziales Denken entwickeln soll. Nur wer dies bedenkt, kann richtig über den bedeutungsvollen geschichtlichen Augenblick urteilen, in welchem wir jetzt stehen. Die Menschen mußten einmal in der Weltentwicklung so einsam werden, damit sie aus der Einsamkeit ihrer Seele heraus geistiges Leben entwickeln wollen. Die einsamsten waren die großen Denker, die in scheinbar ganz abstrakten Höhen gelebt haben und die in ihren Abstraktionen nur den Weg suchten zu der übersinnlichen Welt.
[ 21 ] Aber natürlich muß der Mensch nicht nur den Weg suchen zu der übersinnlichen Welt und zu der Natur, er muß den Weg suchen aus seinen Gedanken heraus zu dem sozialen Leben. Da aber das soziale Leben nicht in der Einsamkeit entwickelt werden kann, sondern nur in dem wirklichen Miterleben der anderen Menschen, so war der einsame Mensch der neueren Zeit nicht recht geeignet, ein soziales Denken zu entwickeln. Gerade wenn er so recht sein Inneres nur zur Geltung bringen wollte, wurde das, was er aus seinem Inneren heraus spann, antisozial, wurde kein soziales Denken. So leben wir in den widersprüchlichsten Erscheinungen. Die neueren Neigungen und Sehnsuchten der Menschen sind die Entfaltung von Geisteskräften, die auf Einsamkeit angelegt sind und die durch den überflutenden ahrimanischen Materialismus auf falsche Bahnen gebracht werden.
[ 21 ] Aber natürlich muß der Mensch nicht nur den Weg suchen zu der übersinnlichen Welt und zu der Natur, er muß den Weg suchen aus seinen Gedanken heraus zu dem sozialen Leben. Da aber das soziale Leben nicht in der Einsamkeit entwickelt werden kann, sondern nur in dem wirklichen Miterleben der anderen Menschen, so war der einsame Mensch der neueren Zeit nicht recht geeignet, ein soziales Denken zu entwickeln. Gerade wenn er so recht sein Inneres nur zur Geltung bringen wollte, wurde das, was er aus seinem Inneren heraus spann, antisozial, wurde kein soziales Denken. So leben wir in den widersprüchlichsten Erscheinungen. Die neueren Neigungen und Sehnsuchten der Menschen sind die Entfaltung von Geisteskräften, die auf Einsamkeit angelegt sind und die durch den überflutenden ahrimanischen Materialismus auf falsche Bahnen gebracht werden.
[ 22 ] Man merkt das Gewicht dieser Tatsache so recht, wenn man sich etwas fragt, was heute für viele Menschen schreckhaft ist. Man kann die Menschen fragen: Was nennt ihr bolschewistisch? — Lenin, Trotzkij, sagen dann die Leute. Nun, ich kenne noch einen dritten Bolschewik, der allerdings nicht in der unmittelbaren Gegenwart lebt, und dieser dritte ist kein anderer als der deutsche Philosoph Johann Gottlieb Fichte. Sie werden mancherlei schon gehört haben, mancherlei aufgenommen haben über die ideale spirituelle Denkungsart Johann Gottlieb Fichtes. Sie werden dabei weniger daran gedacht haben, als welcher Mensch sich Fichte auslebt, und werden die Anschauungen kennen, die er in seinem «Geschlossenen Handelsstaat», den sich jeder in der Reclam-Bibliothek für billigstes Geld kaufen kann, niedergelegt hat. Lesen Sie die Art und Weise, wie sich Fichte die Güter der Menschen, deren gesellschaftliche Ordnung verteilt denkt, und vergleichen Sie dann dasjenige, was Fichte da aufstellt, mit dem, was Trotzkij oder Lenin schreiben, so werden Sie eine merkwürdige Übereinstimmung entdecken. Dann werden Sie doch bedenklich werden in dem bloßen äußerlichen Hinstellen und Verurteilen, und Sie werden versucht sein zu fragen: Was liegt denn da eigentlich zugrunde? — Wenn Sie dann näher darauf eingehen, wenn Sie versuchen sich klarzumachen, was da zugrunde liegt, so kommen Sie zu folgendem: Sie untersuchen die besondere geistige Richtung, die sich bei den radikalsten Menschen heute findet, Sie lassen sich darauf ein, vielleicht gerade Trotzkijs und Lenins Seele zu untersuchen, die besondere Art zu denken, die Gedankenformen, und Sie fragen sich dann: Wie sind solche Menschen denkbar geworden? — Sie bekommen zur Antwort: Sie sind denkbar auf der einen Seite in einer anderen sozialen Ordnung und denkbar in unserer sozialen Ordnung, die sich unter dem Lichte oder eigentlich unter der Dunkelheit, der Finsternis des Materialismus seit Jahrhunderten entwickelt hat. — Nehmen Sie an, in einer anderen sozialen Ordnung hätten sich Lenin und Trotzkij entwickelt. Was wären sie vielleicht geworden, indem sie ihre Geisteskräfte in ganz anderer Weise entwickelt hätten? Tiefe Mystiker! Denn dasjenige, was in solchen Seelen lebt, könnte in einer religiösen Atmosphäre zum Beispiel tiefste Mystik werden. In der Atmosphäre des neueren Materialismus wird es das, als was es sich einem darstellt.
[ 22 ] Man merkt das Gewicht dieser Tatsache so recht, wenn man sich etwas fragt, was heute für viele Menschen schreckhaft ist. Man kann die Menschen fragen: Was nennt ihr bolschewistisch? — Lenin, Trotzkij, sagen dann die Leute. Nun, ich kenne noch einen dritten Bolschewik, der allerdings nicht in der unmittelbaren Gegenwart lebt, und dieser dritte ist kein anderer als der deutsche Philosoph Johann Gottlieb Fichte. Sie werden mancherlei schon gehört haben, mancherlei aufgenommen haben über die ideale spirituelle Denkungsart Johann Gottlieb Fichtes. Sie werden dabei weniger daran gedacht haben, als welcher Mensch sich Fichte auslebt, und werden die Anschauungen kennen, die er in seinem «Geschlossenen Handelsstaat», den sich jeder in der Reclam-Bibliothek für billigstes Geld kaufen kann, niedergelegt hat. Lesen Sie die Art und Weise, wie sich Fichte die Güter der Menschen, deren gesellschaftliche Ordnung verteilt denkt, und vergleichen Sie dann dasjenige, was Fichte da aufstellt, mit dem, was Trotzkij oder Lenin schreiben, so werden Sie eine merkwürdige Übereinstimmung entdecken. Dann werden Sie doch bedenklich werden in dem bloßen äußerlichen Hinstellen und Verurteilen, und Sie werden versucht sein zu fragen: Was liegt denn da eigentlich zugrunde? — Wenn Sie dann näher darauf eingehen, wenn Sie versuchen sich klarzumachen, was da zugrunde liegt, so kommen Sie zu folgendem: Sie untersuchen die besondere geistige Richtung, die sich bei den radikalsten Menschen heute findet, Sie lassen sich darauf ein, vielleicht gerade Trotzkijs und Lenins Seele zu untersuchen, die besondere Art zu denken, die Gedankenformen, und Sie fragen sich dann: Wie sind solche Menschen denkbar geworden? — Sie bekommen zur Antwort: Sie sind denkbar auf der einen Seite in einer anderen sozialen Ordnung und denkbar in unserer sozialen Ordnung, die sich unter dem Lichte oder eigentlich unter der Dunkelheit, der Finsternis des Materialismus seit Jahrhunderten entwickelt hat. — Nehmen Sie an, in einer anderen sozialen Ordnung hätten sich Lenin und Trotzkij entwickelt. Was wären sie vielleicht geworden, indem sie ihre Geisteskräfte in ganz anderer Weise entwickelt hätten? Tiefe Mystiker! Denn dasjenige, was in solchen Seelen lebt, könnte in einer religiösen Atmosphäre zum Beispiel tiefste Mystik werden. In der Atmosphäre des neueren Materialismus wird es das, als was es sich einem darstellt.
[ 23 ] Nehmen Sie Johann Gottlieb Fichtes «Geschlossenen Handelsstaat», so ist es das soziale Ideal eines Menschen, der nun wahrhaftig in intensivster Art höchste Erkenntnispfade zu beschreiten versuchte, der ein Denken ausbildete, das immerzu hingeneigt war auf die übersinnliche Welt. Als er aber aus sich selbst herausspinnen wollte ein soziales Ideal, so war es zwar ein reines Gebilde des menschlichen Herzens, aber gerade dasjenige, was uns geeignet macht, auf innerlichem Wege höchste Ideale der Erkenntnis zu erringen, das macht uns, wenn wir es auf das soziale Leben anwenden wollen, ungeeignet, soziale Denkungsart zu entwickeln. In einem solchen geistigen Wesen, wie Fichte es entwickelt hat, kann nur der Mensch allein seine Wege machen. Das soziale Denken muß in der menschlichen Gemeinschaft entwickelt werden. Und der Denker hat dann hauptsächlich die Aufgabe, darauf hinzuweisen, wie der soziale Organismus gestaltet sein mag, damit die Menschen in der richtigen Weise zusammenwirken, um im Sozialen selbst das Soziale zu begründen. Deshalb gebe ich Ihnen nicht an, oder gebe ich den gegenwärtigen Menschen nicht an, man soll so und so einrichten Privateigentum an Produktionsmitteln oder Gemeineigentum an Produktionsmitteln, sondern ich muß sagen: Versucht hinzuarbeiten darauf, daß der soziale Organismus gegliedert werde in seine drei Glieder, dann wird auch dasjenige, was unter der Wirksamkeit des Kapitals steht, von dem geistigen Gebiete aus verwaltet werden und ihm sein Rechtsleben eingeflößt werden von dem politischen Staate. Dann wird Rechtsleben und Geistesleben mit dem Wirtschaftsleben in ordentlicher Weise zusammenfließen. Und dann wird jene Sozialisierung eintreten, die immerzu wieder überleiten wird aus gewissen Rechtsbegriffen heraus dasjenige, was man über seinen eigenen Verbrauch hinaus erworben hat, in die geistige Organisation hinein. Es geht wieder zurück an die geistige Organisation.
[ 23 ] Nehmen Sie Johann Gottlieb Fichtes «Geschlossenen Handelsstaat», so ist es das soziale Ideal eines Menschen, der nun wahrhaftig in intensivster Art höchste Erkenntnispfade zu beschreiten versuchte, der ein Denken ausbildete, das immerzu hingeneigt war auf die übersinnliche Welt. Als er aber aus sich selbst herausspinnen wollte ein soziales Ideal, so war es zwar ein reines Gebilde des menschlichen Herzens, aber gerade dasjenige, was uns geeignet macht, auf innerlichem Wege höchste Ideale der Erkenntnis zu erringen, das macht uns, wenn wir es auf das soziale Leben anwenden wollen, ungeeignet, soziale Denkungsart zu entwickeln. In einem solchen geistigen Wesen, wie Fichte es entwickelt hat, kann nur der Mensch allein seine Wege machen. Das soziale Denken muß in der menschlichen Gemeinschaft entwickelt werden. Und der Denker hat dann hauptsächlich die Aufgabe, darauf hinzuweisen, wie der soziale Organismus gestaltet sein mag, damit die Menschen in der richtigen Weise zusammenwirken, um im Sozialen selbst das Soziale zu begründen. Deshalb gebe ich Ihnen nicht an, oder gebe ich den gegenwärtigen Menschen nicht an, man soll so und so einrichten Privateigentum an Produktionsmitteln oder Gemeineigentum an Produktionsmitteln, sondern ich muß sagen: Versucht hinzuarbeiten darauf, daß der soziale Organismus gegliedert werde in seine drei Glieder, dann wird auch dasjenige, was unter der Wirksamkeit des Kapitals steht, von dem geistigen Gebiete aus verwaltet werden und ihm sein Rechtsleben eingeflößt werden von dem politischen Staate. Dann wird Rechtsleben und Geistesleben mit dem Wirtschaftsleben in ordentlicher Weise zusammenfließen. Und dann wird jene Sozialisierung eintreten, die immerzu wieder überleiten wird aus gewissen Rechtsbegriffen heraus dasjenige, was man über seinen eigenen Verbrauch hinaus erworben hat, in die geistige Organisation hinein. Es geht wieder zurück an die geistige Organisation.
[ 24 ] Heute hat man diese Einrichtung nur auf dem Gebiete des geistigen Eigentums, wo es niemandem auffällt. Sein geistiges Eigentum kann man nicht länger wahren für seine Nachkommen, als höchstens eine gewisse Zeit hindurch, dreißig Jahre nach dem Tode, dann wird es Gemeineigentum. Man sollte nur daran denken, daß dies ein Muster sein kann für die Zurückleitung desjenigen, was allerdings durch menschlich-individuelle Kräfte erarbeitet wird, wie auch desjenigen, was in der kapitalistischen Ordnung steht, die Zurückleitung wiederum in den sozialen Organismus. Es fragt sich dann nur in welche Teile? In denjenigen Teil, der geistige individuelle und auch sonstige individuelle Kräfte des Menschen in der richtigen Weise verwalten kann: in den geistigen Organismus. Die Menschen werden das so machen, wenn sie in der richtigen Weise im sozialen Organismus stehen. Das setzt diese Denkungsart voraus.
[ 24 ] Heute hat man diese Einrichtung nur auf dem Gebiete des geistigen Eigentums, wo es niemandem auffällt. Sein geistiges Eigentum kann man nicht länger wahren für seine Nachkommen, als höchstens eine gewisse Zeit hindurch, dreißig Jahre nach dem Tode, dann wird es Gemeineigentum. Man sollte nur daran denken, daß dies ein Muster sein kann für die Zurückleitung desjenigen, was allerdings durch menschlich-individuelle Kräfte erarbeitet wird, wie auch desjenigen, was in der kapitalistischen Ordnung steht, die Zurückleitung wiederum in den sozialen Organismus. Es fragt sich dann nur in welche Teile? In denjenigen Teil, der geistige individuelle und auch sonstige individuelle Kräfte des Menschen in der richtigen Weise verwalten kann: in den geistigen Organismus. Die Menschen werden das so machen, wenn sie in der richtigen Weise im sozialen Organismus stehen. Das setzt diese Denkungsart voraus.
[ 25 ] Ich könnte mir denken, daß diese Dinge in jedem Jahrhundert anders gemacht werden: Absolute Festsetzungen für diese Dinge gibt es nicht. Aber unsere Zeit hat sich angewöhnt, alles vom materialistischen Gesichtspunkte aus zu beurteilen, und daher sieht man gar nichts mehr in seinem rechten Lichte. Ich habe jetzt öfter auseinandergesetzt, wie in der modernen Zeit Arbeitskraft Ware geworden ist. Dagegen hilft nicht der gewöhnliche Arbeitsvertrag, denn der geht davon aus, daß Arbeitskraft Ware ist, und er wird geschlossen über die Arbeit, die der Arbeiter dem Unternehmer leisten soll. Ein gesundes Verhältnis kann nur dadurch zustande kommen, daß der Vertrag gar nicht über die Arbeit geschlossen wird, daß die Arbeit als Rechtsverhältnis festgesetzt wird vom politischen Staate und daß der Vertrag geschlossen wird über die Verteilung des erzeugten Produkts zwischen dem körperlich Arbeitenden und dem geistig Arbeitenden. Über die erzeugten Waren aber nur kann der Vertrag geschlossen werden, nicht über das Verhältnis der Arbeitskraft zum Unternehmer. Dadurch allein kann die Sache auf eine gesunde Basis gestellt werden.
[ 25 ] Ich könnte mir denken, daß diese Dinge in jedem Jahrhundert anders gemacht werden: Absolute Festsetzungen für diese Dinge gibt es nicht. Aber unsere Zeit hat sich angewöhnt, alles vom materialistischen Gesichtspunkte aus zu beurteilen, und daher sieht man gar nichts mehr in seinem rechten Lichte. Ich habe jetzt öfter auseinandergesetzt, wie in der modernen Zeit Arbeitskraft Ware geworden ist. Dagegen hilft nicht der gewöhnliche Arbeitsvertrag, denn der geht davon aus, daß Arbeitskraft Ware ist, und er wird geschlossen über die Arbeit, die der Arbeiter dem Unternehmer leisten soll. Ein gesundes Verhältnis kann nur dadurch zustande kommen, daß der Vertrag gar nicht über die Arbeit geschlossen wird, daß die Arbeit als Rechtsverhältnis festgesetzt wird vom politischen Staate und daß der Vertrag geschlossen wird über die Verteilung des erzeugten Produkts zwischen dem körperlich Arbeitenden und dem geistig Arbeitenden. Über die erzeugten Waren aber nur kann der Vertrag geschlossen werden, nicht über das Verhältnis der Arbeitskraft zum Unternehmer. Dadurch allein kann die Sache auf eine gesunde Basis gestellt werden.
[ 26 ] Aber die Menschen fragen nun: Woher kommen die Schäden im sozialen Leben, die dem Kapitalismus anhaften? — Sie sagen: Die kommen von der wirtschaftlichen Ordnung des Kapitalismus. Aber von dieser wirtschaftlichen Ordnung können keine Schäden kommen, sondern davon kommen die Schäden, daß wir erstens kein wirkliches Arbeitsrecht haben, welches die Arbeit in der entsprechenden Weise schützt, und zweitens, daß wir nicht bemerken, wie wir in der Lebenslüge leben, wie dem Arbeiter sein Teil abgenommen wird. Aber worauf beruht denn das Abnehmen? Nicht auf der Wirtschaftsordnung, sondern darauf, daß eigentlich durch die gesellschaftliche Ordnung selber die Möglichkeit geboten ist, daß sich die individuellen Fähigkeiten des Unternehmers nicht in der richtigen Weise teilen mit dem Arbeiter. Bei Waren muß man teilen, denn sie werden gemeinsam produziert von dem geistigen und körperlichen Arbeiter. Was heißt es denn aber, durch seine individuellen Fähigkeiten jemandem anderen etwas abnehmen, was man ihm nicht abnehmen soll? Das heißt, ihn betrügen, ihn übervorteilen! Diesen Verhältnissen muß man nur gesund und unbefangen ins Auge schauen, dann kommt man darauf: nicht in dem Kapitalismus liegt es, sondern in dem Mißbrauch der geistigen Fähigkeiten. Da haben Sie den Zusammenhang mit der geistigen Welt. Machen Sie erst die geistige Organisation gesund, so daß die geistigen Fähigkeiten sich nicht mehr dahin entwickeln, daß sie denjenigen übervorteilen, der arbeiten muß, dann machen Sie den sozialen Organismus gesund. Es kommt darauf an, überall auf das Richtige hinsehen zu können.
[ 26 ] Aber die Menschen fragen nun: Woher kommen die Schäden im sozialen Leben, die dem Kapitalismus anhaften? — Sie sagen: Die kommen von der wirtschaftlichen Ordnung des Kapitalismus. Aber von dieser wirtschaftlichen Ordnung können keine Schäden kommen, sondern davon kommen die Schäden, daß wir erstens kein wirkliches Arbeitsrecht haben, welches die Arbeit in der entsprechenden Weise schützt, und zweitens, daß wir nicht bemerken, wie wir in der Lebenslüge leben, wie dem Arbeiter sein Teil abgenommen wird. Aber worauf beruht denn das Abnehmen? Nicht auf der Wirtschaftsordnung, sondern darauf, daß eigentlich durch die gesellschaftliche Ordnung selber die Möglichkeit geboten ist, daß sich die individuellen Fähigkeiten des Unternehmers nicht in der richtigen Weise teilen mit dem Arbeiter. Bei Waren muß man teilen, denn sie werden gemeinsam produziert von dem geistigen und körperlichen Arbeiter. Was heißt es denn aber, durch seine individuellen Fähigkeiten jemandem anderen etwas abnehmen, was man ihm nicht abnehmen soll? Das heißt, ihn betrügen, ihn übervorteilen! Diesen Verhältnissen muß man nur gesund und unbefangen ins Auge schauen, dann kommt man darauf: nicht in dem Kapitalismus liegt es, sondern in dem Mißbrauch der geistigen Fähigkeiten. Da haben Sie den Zusammenhang mit der geistigen Welt. Machen Sie erst die geistige Organisation gesund, so daß die geistigen Fähigkeiten sich nicht mehr dahin entwickeln, daß sie denjenigen übervorteilen, der arbeiten muß, dann machen Sie den sozialen Organismus gesund. Es kommt darauf an, überall auf das Richtige hinsehen zu können.
[ 27 ] Um auf das Richtige hinsehen zu können, dazu bedarf der Mensch einer Richtlinie. Heute ist die Zeit so weit gekommen, daß richtige Richtlinien nur aus dem geistigen Leben heraus kommen können. Daher muß die Hinlenkung zu diesem geistigen Leben eine ernste werden. Und es ist immer wieder und wiederum darauf aufmerksam zu machen, daß es heute nicht genügt, immer wieder und wiederum darauf hinzuweisen, die Menschen sollen wiederum an den Geist glauben. Oh, es fangen jetzt viele Propheten an, von der Notwendigkeit des Glaubens an den Geist zu reden! Aber darauf kommt es nicht an, daß die Menschen nur sagen: Um zu einer Heilung zu kommen aus den jetzigen ungesunden Verhältnissen heraus, ist es notwendig, daß sich die Menschen vom Materialismus wiederum zum Geist wenden. — Nein, der bloße Glaube an den Geist bringt heute keine Heilung. Es können noch so gefeierte Propheten in den Ländern herumgehen und immer wieder und wiederum sagen: Das neuere Leben hat die Menschen veräußerlicht, sie müssen innerlicher werden. — Es können noch so viele Propheten sagen: Der Christus war bisher nur zum Privatleben da, er soll jetzt in das Staatsleben einziehen. — Mit solchen Dingen ist heute absolut nichts getan. Denn heute kommt es nicht darauf an, bloß an den Geist zu glauben, sondern heute kommt es darauf an, daß man vom Geiste sich so erfüllt, daß der Geist gerade durch uns in die äußere materielle Wirklichkeit übergeführt werde. Nicht darauf kommt es an, heute den Menschen zu sagen: Glaubt an den Geist-, sondern von einem solchen Geiste ist notwendig heute zu sprechen, der die materielle Wirklichkeit wirklich bezwingt, der wirklich sagt, wie man den sozialen Organismus gliedern soll. Denn nicht darauf beruht heute die Ungeistigkeit, daß die Menschen nicht an den Geist glauben, sondern darauf, daß sie nicht mit dem Geiste in einem solchen Zusammenhang stehen können, daß der Geist in die Materie im wirklichen Leben einzugreifen vermag. Der Unglaube an den Geist beruht nicht darauf, daß man bloß den Glauben an den Geist leugnet, sondern er kann auch darauf beruhen, daß man eine bloße Materie annimmt, die ungeistig ist. Wie viele Menschen gibt es heute, die gerade darinnen etwas außerordentlich Vornehmes sehen, daß sie sagen: Ach, das ist das bloße äußerliche materielle Leben, das hat nichts Geistiges, aus dem muß man sich zurückziehen, man muß sich hinwenden von dem äußeren materiellen Leben zu dem abgezogenen Leben des Geistes. — Da ist die materielle Wirklichkeit, da schneidet man seine Coupons ab, dann setzt man sich ins Meditationszimmer und geht weg in die geistige Welt. Schöne doppelte Lebensströmungen, fein voneinander getrennt! Darauf kommt es heute nicht an. Heute kommt es darauf an, daß der Geist so stark in den menschlichen Gemütern werde, daß dieser Geist nicht nur redet von der Art, wie der Mensch geistig begnadet oder erlöst wird, sondern daß der Geist eindringt in dasjenige, was wir tun wollen in der äußeren materiellen Wirklichkeit, daß wir den Geist einführen, einfließen lassen in diese äußere materielle Wirklichkeit. Gewohnheitsmäßig reden über den Geist, das liegt den Menschen sehr nahe. Und in dieser Beziehung können manche Menschen in einem sonderbaren Selbstwiderspruch sein. Die Anzengrubersche dramatische Figur des Menschen, der den Gott leugnet, und dies besonders dadurch bekräftigt, daß er sagt: «So wahr ein Gott im Himmel ist, bin ich ein Atheist», — diese Figur des sich so widersprechenden Menschen, die ist heute vorhanden, wenn auch nicht so kraß wie diese Anzengrubersche dramatische Figur, aber sie ist durchaus keine Seltenheit. Denn in diesem Stile wird heute sehr häufig geredet: So wahr ein Gott im Himmel ist, bin ich ein Atheist!
[ 27 ] Um auf das Richtige hinsehen zu können, dazu bedarf der Mensch einer Richtlinie. Heute ist die Zeit so weit gekommen, daß richtige Richtlinien nur aus dem geistigen Leben heraus kommen können. Daher muß die Hinlenkung zu diesem geistigen Leben eine ernste werden. Und es ist immer wieder und wiederum darauf aufmerksam zu machen, daß es heute nicht genügt, immer wieder und wiederum darauf hinzuweisen, die Menschen sollen wiederum an den Geist glauben. Oh, es fangen jetzt viele Propheten an, von der Notwendigkeit des Glaubens an den Geist zu reden! Aber darauf kommt es nicht an, daß die Menschen nur sagen: Um zu einer Heilung zu kommen aus den jetzigen ungesunden Verhältnissen heraus, ist es notwendig, daß sich die Menschen vom Materialismus wiederum zum Geist wenden. — Nein, der bloße Glaube an den Geist bringt heute keine Heilung. Es können noch so gefeierte Propheten in den Ländern herumgehen und immer wieder und wiederum sagen: Das neuere Leben hat die Menschen veräußerlicht, sie müssen innerlicher werden. — Es können noch so viele Propheten sagen: Der Christus war bisher nur zum Privatleben da, er soll jetzt in das Staatsleben einziehen. — Mit solchen Dingen ist heute absolut nichts getan. Denn heute kommt es nicht darauf an, bloß an den Geist zu glauben, sondern heute kommt es darauf an, daß man vom Geiste sich so erfüllt, daß der Geist gerade durch uns in die äußere materielle Wirklichkeit übergeführt werde. Nicht darauf kommt es an, heute den Menschen zu sagen: Glaubt an den Geist-, sondern von einem solchen Geiste ist notwendig heute zu sprechen, der die materielle Wirklichkeit wirklich bezwingt, der wirklich sagt, wie man den sozialen Organismus gliedern soll. Denn nicht darauf beruht heute die Ungeistigkeit, daß die Menschen nicht an den Geist glauben, sondern darauf, daß sie nicht mit dem Geiste in einem solchen Zusammenhang stehen können, daß der Geist in die Materie im wirklichen Leben einzugreifen vermag. Der Unglaube an den Geist beruht nicht darauf, daß man bloß den Glauben an den Geist leugnet, sondern er kann auch darauf beruhen, daß man eine bloße Materie annimmt, die ungeistig ist. Wie viele Menschen gibt es heute, die gerade darinnen etwas außerordentlich Vornehmes sehen, daß sie sagen: Ach, das ist das bloße äußerliche materielle Leben, das hat nichts Geistiges, aus dem muß man sich zurückziehen, man muß sich hinwenden von dem äußeren materiellen Leben zu dem abgezogenen Leben des Geistes. — Da ist die materielle Wirklichkeit, da schneidet man seine Coupons ab, dann setzt man sich ins Meditationszimmer und geht weg in die geistige Welt. Schöne doppelte Lebensströmungen, fein voneinander getrennt! Darauf kommt es heute nicht an. Heute kommt es darauf an, daß der Geist so stark in den menschlichen Gemütern werde, daß dieser Geist nicht nur redet von der Art, wie der Mensch geistig begnadet oder erlöst wird, sondern daß der Geist eindringt in dasjenige, was wir tun wollen in der äußeren materiellen Wirklichkeit, daß wir den Geist einführen, einfließen lassen in diese äußere materielle Wirklichkeit. Gewohnheitsmäßig reden über den Geist, das liegt den Menschen sehr nahe. Und in dieser Beziehung können manche Menschen in einem sonderbaren Selbstwiderspruch sein. Die Anzengrubersche dramatische Figur des Menschen, der den Gott leugnet, und dies besonders dadurch bekräftigt, daß er sagt: «So wahr ein Gott im Himmel ist, bin ich ein Atheist», — diese Figur des sich so widersprechenden Menschen, die ist heute vorhanden, wenn auch nicht so kraß wie diese Anzengrubersche dramatische Figur, aber sie ist durchaus keine Seltenheit. Denn in diesem Stile wird heute sehr häufig geredet: So wahr ein Gott im Himmel ist, bin ich ein Atheist!
[ 28 ] Das alles schließt eben die Mahnung ein, nicht auf bloßen Glauben an den Geist zu sehen, sondern vor allen Dingen zu versuchen, den Geist so zu finden, daß der Geist uns stark macht, um auch die äußere materielle Wirklichkeit zu durchschauen. Dann wird in der Tat der Mensch aufhören, in jedem Satze das Wort Geist, Geist, Geist zu sprechen. Dann wird aber der Mensch durch die Art, wie er die Dinge anschaut, beweisen, daß er sie mit Geist betrachtet. Darauf kommt es heute an, daß man die Dinge mit Geist betrachtet, nicht daß man immer nur vom Geiste spricht. Das wird durchschaut werden müssen, damit nicht immer wiederum anthroposophische Geisteswissenschaft mit alldem Gerede vom Geiste, das heute noch so beliebt ist, verwechselt werden könne. Immer wieder und wieder hört man es, wenn nur in einem besseren Stile da oder dort ein Sonntagnachmittagsprediger weltlicher Sorte spricht, daß gesagt wird, der redet ja ganz im Sinne der Anthroposophie. Er redet dann meistens das Gegenteil! Darauf muß man gerade sein Augenmerk lenken. Das ist es, worauf es ankommt.
[ 28 ] Das alles schließt eben die Mahnung ein, nicht auf bloßen Glauben an den Geist zu sehen, sondern vor allen Dingen zu versuchen, den Geist so zu finden, daß der Geist uns stark macht, um auch die äußere materielle Wirklichkeit zu durchschauen. Dann wird in der Tat der Mensch aufhören, in jedem Satze das Wort Geist, Geist, Geist zu sprechen. Dann wird aber der Mensch durch die Art, wie er die Dinge anschaut, beweisen, daß er sie mit Geist betrachtet. Darauf kommt es heute an, daß man die Dinge mit Geist betrachtet, nicht daß man immer nur vom Geiste spricht. Das wird durchschaut werden müssen, damit nicht immer wiederum anthroposophische Geisteswissenschaft mit alldem Gerede vom Geiste, das heute noch so beliebt ist, verwechselt werden könne. Immer wieder und wieder hört man es, wenn nur in einem besseren Stile da oder dort ein Sonntagnachmittagsprediger weltlicher Sorte spricht, daß gesagt wird, der redet ja ganz im Sinne der Anthroposophie. Er redet dann meistens das Gegenteil! Darauf muß man gerade sein Augenmerk lenken. Das ist es, worauf es ankommt.
[ 29 ] Wer dies erkennt, wird dann durchaus nicht weit von der Einsicht sein, daß gerade ein so gut gemeinter, ich möchte sagen, wie aus einer Vorempfindung eines tragischen Todes heraus gesprochcner Satz wie der, den ich Ihnen vorgelesen habe von Kurt Eisner, deshalb besonders wertvoll ist, weil er einem vorkommt wie das Geständnis eines Menschen: An Übersinnliches glaube ich eigentlich doch im Ernste nicht, wenigstens will ich mich nicht lebendig an Übersinnliches wenden. Doch haben diejenigen, die vom Übersinnlichen geredet haben, immer gesagt: Die sinnliche Wirklichkeit hier ist nur die halbe Wirklichkeit, sie ist wie ein Traum. Und ich muß hineinschauen in die Gestalt, welche diese sinnliche Wirklichkeit im sozialen Leben der Gegenwart angenommen hat, und da kommt sie mir gar sehr als ein Traum vor. Da ist es so, daß man sagen muß, daß diese Wirklichkeit die deutliche Erfindung irgendeines bösen Geistes ist. —
[ 29 ] Wer dies erkennt, wird dann durchaus nicht weit von der Einsicht sein, daß gerade ein so gut gemeinter, ich möchte sagen, wie aus einer Vorempfindung eines tragischen Todes heraus gesprochcner Satz wie der, den ich Ihnen vorgelesen habe von Kurt Eisner, deshalb besonders wertvoll ist, weil er einem vorkommt wie das Geständnis eines Menschen: An Übersinnliches glaube ich eigentlich doch im Ernste nicht, wenigstens will ich mich nicht lebendig an Übersinnliches wenden. Doch haben diejenigen, die vom Übersinnlichen geredet haben, immer gesagt: Die sinnliche Wirklichkeit hier ist nur die halbe Wirklichkeit, sie ist wie ein Traum. Und ich muß hineinschauen in die Gestalt, welche diese sinnliche Wirklichkeit im sozialen Leben der Gegenwart angenommen hat, und da kommt sie mir gar sehr als ein Traum vor. Da ist es so, daß man sagen muß, daß diese Wirklichkeit die deutliche Erfindung irgendeines bösen Geistes ist. —
[ 30 ] Gewiß ein bemerkenswertes Geständnis. Könnte es aber nicht auch anders sein? Könnte nicht dasjenige, was in so tragischer, in so furchtbarer Weise die gegenwärtige Wirklichkeit den Menschen zeigt, die Erziehung eines guten Geistes sein, um aus dem, was wie ein böser Alptraum erscheint, die wahre Wirklichkeit zu suchen, die aus Sinnlichem und Übersinnlichem zusammengefügt ist? Man muß nicht durchaus pessimistisch diese Gegenwart ansehen, man kann auch aus ihr die Kraft schöpfen für eine Art von Rechtfertigung dieses Daseins. Dann wird man aber nimmermehr bei dem Sinnlichen stehenbleiben dürfen, dann wird man den Weg aus dem Sinnlichen heraus in das Übersinnliche finden müssen. Derjenige, der diesen Weg nicht suchen will, müßte eigentlich heute wirklich kurzdenkig sein, wenn er sich nicht sagen würde: Diese Wirklichkeit ist wie die Erfindung eines bösen Geistes! — Derjenige aber, der den Willen in sich entwickelt, von dieser Wirklichkeit aufzusteigen zu einer geistigen Wirklichkeit, wird auch von einer Erziehung durch einen guten Geist sprechen können. Und trotz alledem, was wir heute schauen, dürfen wir doch überzeugt sein, daß die Menschen einen Ausweg aus dem tragischen Geschick der Gegenwart finden werden. Aber freilich, der deutliche Wink muß beobachtet werden: mitzuwirken an der sozialen Gesundung.
[ 30 ] Gewiß ein bemerkenswertes Geständnis. Könnte es aber nicht auch anders sein? Könnte nicht dasjenige, was in so tragischer, in so furchtbarer Weise die gegenwärtige Wirklichkeit den Menschen zeigt, die Erziehung eines guten Geistes sein, um aus dem, was wie ein böser Alptraum erscheint, die wahre Wirklichkeit zu suchen, die aus Sinnlichem und Übersinnlichem zusammengefügt ist? Man muß nicht durchaus pessimistisch diese Gegenwart ansehen, man kann auch aus ihr die Kraft schöpfen für eine Art von Rechtfertigung dieses Daseins. Dann wird man aber nimmermehr bei dem Sinnlichen stehenbleiben dürfen, dann wird man den Weg aus dem Sinnlichen heraus in das Übersinnliche finden müssen. Derjenige, der diesen Weg nicht suchen will, müßte eigentlich heute wirklich kurzdenkig sein, wenn er sich nicht sagen würde: Diese Wirklichkeit ist wie die Erfindung eines bösen Geistes! — Derjenige aber, der den Willen in sich entwickelt, von dieser Wirklichkeit aufzusteigen zu einer geistigen Wirklichkeit, wird auch von einer Erziehung durch einen guten Geist sprechen können. Und trotz alledem, was wir heute schauen, dürfen wir doch überzeugt sein, daß die Menschen einen Ausweg aus dem tragischen Geschick der Gegenwart finden werden. Aber freilich, der deutliche Wink muß beobachtet werden: mitzuwirken an der sozialen Gesundung.
[ 31 ] Das wollte ich heute zu dem, was ich letzthin sagte, doch noch hinzufügen.
[ 31 ] Das wollte ich heute zu dem, was ich letzthin sagte, doch noch hinzufügen.
