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The Inner Aspect of the Social Enigma
A Luciferic Past and an Ahrimanic Future
GA 193

12 June 1919, Heidenheim

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Der innere Aspekt des sozialen Rätsels
  1. The Inner Aspect of the Social Enigma, tr. SOL

Fünfter Vortrag

Fünfter Vortrag

[ 1 ] Wir leben in einer Zeit, in der bemerkt werden könnte, was eigentlich seit Jahren die sogenannte anthroposophische Geisteswissenschaft anstrebt. Und es wäre wohl die schönste Frucht gerade des anthroposophischen Strebens, wenn dieses als Überzeugung sich ergeben würde in den Herzen und Seelen der an dieser Bewegung sich Beteiligenden, daß gewissermaßen die Feuerzeichen unserer Zeit dasjenige sind, was wie ein Beweis gelten kann für die Notwendigkeit, aus der heraus sich diese geisteswissenschaftliche Bewegung nun schon seit Jahren in die Zeit hineingestellt hat. Mag heute äußerlich in der Welt dies oder jenes stürmisch vor sich gehen, mag das, was sich herausarbeiten will aus tiefen Untergründen der menschlichen Entwicklung, so oder so aussehen, die eigentliche Natur und Wesenheit desjenigen, was geschieht, vernimmt man eigentlich doch nur, wenn man auf diejenigen Ereignisse hinschaut, die dem gewöhnlichen, heute noch üblichen menschlichen Anschauen entgehen, und die eigentlich nur dann wahrnehmbar sind, wenn man die Welt von einem geistigen Gesichtspunkte aus betrachtet.

[ 1 ] Wir leben in einer Zeit, in der bemerkt werden könnte, was eigentlich seit Jahren die sogenannte anthroposophische Geisteswissenschaft anstrebt. Und es wäre wohl die schönste Frucht gerade des anthroposophischen Strebens, wenn dieses als Überzeugung sich ergeben würde in den Herzen und Seelen der an dieser Bewegung sich Beteiligenden, daß gewissermaßen die Feuerzeichen unserer Zeit dasjenige sind, was wie ein Beweis gelten kann für die Notwendigkeit, aus der heraus sich diese geisteswissenschaftliche Bewegung nun schon seit Jahren in die Zeit hineingestellt hat. Mag heute äußerlich in der Welt dies oder jenes stürmisch vor sich gehen, mag das, was sich herausarbeiten will aus tiefen Untergründen der menschlichen Entwicklung, so oder so aussehen, die eigentliche Natur und Wesenheit desjenigen, was geschieht, vernimmt man eigentlich doch nur, wenn man auf diejenigen Ereignisse hinschaut, die dem gewöhnlichen, heute noch üblichen menschlichen Anschauen entgehen, und die eigentlich nur dann wahrnehmbar sind, wenn man die Welt von einem geistigen Gesichtspunkte aus betrachtet.

[ 2 ] Ich möchte ausgehen von einer solchen Erscheinung, die heute unter den mannigfachen stürmischen Ereignissen kaum bemerkt wird. Sie wird als etwas Unbedeutendes und Unberträchtliches angesehen, aber sie ist da für denjenigen, der sich aus geistigen Untergründen heraus die Möglichkeit erworben hat, das Leben wirklichkeitsgemäß zu betrachten.

[ 2 ] Ich möchte ausgehen von einer solchen Erscheinung, die heute unter den mannigfachen stürmischen Ereignissen kaum bemerkt wird. Sie wird als etwas Unbedeutendes und Unberträchtliches angesehen, aber sie ist da für denjenigen, der sich aus geistigen Untergründen heraus die Möglichkeit erworben hat, das Leben wirklichkeitsgemäß zu betrachten.

[ 3 ] Es sind jetzt etwa sieben, acht, zehn Jahre her — es mag paradox klingen, aber es ist wahr —, seit für den wirklichen Beobachter des Lebens die Kinder, die geboren werden, mit einem ganz anderen Antlitz geboren werden als früher. Gewiß, man bemerkt es nicht, weil man auf solche Dinge nicht achtet, weil man heute überhaupt auf die wichtigsten Dinge des Lebens nicht acht gibt. Aber wer sich einen Blick für solche Dinge erworben hat, der weiß, daß über dem Antlitz der vielen, seit sieben bis acht oder zehn Jahren geborenen Kinder etwas lagert wie Trübe, wie Zurückhaltung gegenüber der Welt. Man möchte sagen, schon von den ersten Tagen, von den ersten Wochen an merkt man es an der Physiognomie der Kindergesichter: da ist etwas anders, als es früher war. Und geht man dieser merkwürdigen, dem heutigen Menschen noch paradox klingenden Tatsache nach, dann bemerkt man, daß die Kinderseelen, die sich durch die Geburt in die Welt bringen, bereits, indem sie durch Empfängnis und Geburt durchgehen, schon dasjenige in sich tragen, was dann ihrem Antlitz fast von der Geburt ab den melancholischen, vielleicht oftmals hinter allem Lächeln verborgenen melancholischen Ausdruck gibt, der früher nicht so auf den Kindergesichtern lagerte. Und in den Seelen, ganz unbewußt selbstverständlich, lebt etwas von der Stimmung des Nichthereinwollens ins Leben. Die Seelen, die heute durch die Geburt gehen — wie gesagt, es ist das schon seit fast zehn Jahren —, fühlen etwas wie ein Hindernis und Hemmnis, in diese physische Welt hereinzukommen.

[ 3 ] Es sind jetzt etwa sieben, acht, zehn Jahre her — es mag paradox klingen, aber es ist wahr —, seit für den wirklichen Beobachter des Lebens die Kinder, die geboren werden, mit einem ganz anderen Antlitz geboren werden als früher. Gewiß, man bemerkt es nicht, weil man auf solche Dinge nicht achtet, weil man heute überhaupt auf die wichtigsten Dinge des Lebens nicht acht gibt. Aber wer sich einen Blick für solche Dinge erworben hat, der weiß, daß über dem Antlitz der vielen, seit sieben bis acht oder zehn Jahren geborenen Kinder etwas lagert wie Trübe, wie Zurückhaltung gegenüber der Welt. Man möchte sagen, schon von den ersten Tagen, von den ersten Wochen an merkt man es an der Physiognomie der Kindergesichter: da ist etwas anders, als es früher war. Und geht man dieser merkwürdigen, dem heutigen Menschen noch paradox klingenden Tatsache nach, dann bemerkt man, daß die Kinderseelen, die sich durch die Geburt in die Welt bringen, bereits, indem sie durch Empfängnis und Geburt durchgehen, schon dasjenige in sich tragen, was dann ihrem Antlitz fast von der Geburt ab den melancholischen, vielleicht oftmals hinter allem Lächeln verborgenen melancholischen Ausdruck gibt, der früher nicht so auf den Kindergesichtern lagerte. Und in den Seelen, ganz unbewußt selbstverständlich, lebt etwas von der Stimmung des Nichthereinwollens ins Leben. Die Seelen, die heute durch die Geburt gehen — wie gesagt, es ist das schon seit fast zehn Jahren —, fühlen etwas wie ein Hindernis und Hemmnis, in diese physische Welt hereinzukommen.

[ 4 ] Es ist ja so, daß der Mensch, bevor er durch Empfängnis und Geburt in die physische Welt hereinkommt, in der geistigen Welt ein wichtiges Ereignis durchmacht, das dann seine Strahlen wirft, seine Wirkungen betätigt in dem kommenden Leben. Die Menschen sterben hier auf der Erde, sie gehen durch die Todespforte, sie legen den physischen Leib ab, bringen ihre Seele hinein in die geistige Welt. Diese Seele trägt in sich noch die Wirkungen alles desjenigen, was sie hier in der physischen Welt durchlebt und erfahren hat. Sie sieht im Grunde genommen aus, indem sie durch die Todespforte gegangen ist, wie die Wirkungen selbst, desjenigen, was unmittelbar hier im Erdenleben durchgemacht wird. Solche Seelen, welche nun durch die Todespforte gegangen sind, begegnen — das ist ein Ereignis, das eben Tatsache ist, ich kann es Ihnen nur erzählen, weil diese Dinge ja nur durch Erfahrung aus der geistigen Welt herausgeholt werden können —, sie begegnen jenen Seelen, die sich anschicken, in der kommenden Zeit herunterzusteigen in einen physischen Leib. Und das ist ein wichtiges Ereignis, diese Begegnung der Seelen, die eben durch die Todespforte gegangen sind, mit jenen Seelen, die demnächst durch die Geburtspforte in die physische Welt hereintreten werden. Dieses Ereignis hat etwas Ausschlaggebendes. Es ist gewissermaßen da, um den heruntersteigenden Seelen so etwas einzuimpfen wie eine Vorstellung von dem, was sie hier antreffen werden. Und von dieser Begegnung her stammt der Impuls, welcher die eigentümliche Melancholie den Kindern aufdrückt, die heute in die Welt hereingehen. Sie wollen in diese Welt nicht herein, von der sie durch diese Begegnung erfahren haben. Denn sie wissen, wie ihnen gewissermaRen das «geistige Gefieder» zerzaust wird durch dasjenige, was die in materialistische Gesinnung und materialistische Weltanschauung und auch in materialistisches Tun getauchte Menschheit auf der Erde heute durchmacht. Dieses Ereignis, das natürlich nur geistig konstatierbar ist, wirft neben anderem eine stark wirkende Beleuchtung auf unsere ganze Gegenwart, die man aus solchen Untergründen heraus nur verstehen kann, aber auch verstehen sollte.

[ 4 ] Es ist ja so, daß der Mensch, bevor er durch Empfängnis und Geburt in die physische Welt hereinkommt, in der geistigen Welt ein wichtiges Ereignis durchmacht, das dann seine Strahlen wirft, seine Wirkungen betätigt in dem kommenden Leben. Die Menschen sterben hier auf der Erde, sie gehen durch die Todespforte, sie legen den physischen Leib ab, bringen ihre Seele hinein in die geistige Welt. Diese Seele trägt in sich noch die Wirkungen alles desjenigen, was sie hier in der physischen Welt durchlebt und erfahren hat. Sie sieht im Grunde genommen aus, indem sie durch die Todespforte gegangen ist, wie die Wirkungen selbst, desjenigen, was unmittelbar hier im Erdenleben durchgemacht wird. Solche Seelen, welche nun durch die Todespforte gegangen sind, begegnen — das ist ein Ereignis, das eben Tatsache ist, ich kann es Ihnen nur erzählen, weil diese Dinge ja nur durch Erfahrung aus der geistigen Welt herausgeholt werden können —, sie begegnen jenen Seelen, die sich anschicken, in der kommenden Zeit herunterzusteigen in einen physischen Leib. Und das ist ein wichtiges Ereignis, diese Begegnung der Seelen, die eben durch die Todespforte gegangen sind, mit jenen Seelen, die demnächst durch die Geburtspforte in die physische Welt hereintreten werden. Dieses Ereignis hat etwas Ausschlaggebendes. Es ist gewissermaßen da, um den heruntersteigenden Seelen so etwas einzuimpfen wie eine Vorstellung von dem, was sie hier antreffen werden. Und von dieser Begegnung her stammt der Impuls, welcher die eigentümliche Melancholie den Kindern aufdrückt, die heute in die Welt hereingehen. Sie wollen in diese Welt nicht herein, von der sie durch diese Begegnung erfahren haben. Denn sie wissen, wie ihnen gewissermaRen das «geistige Gefieder» zerzaust wird durch dasjenige, was die in materialistische Gesinnung und materialistische Weltanschauung und auch in materialistisches Tun getauchte Menschheit auf der Erde heute durchmacht. Dieses Ereignis, das natürlich nur geistig konstatierbar ist, wirft neben anderem eine stark wirkende Beleuchtung auf unsere ganze Gegenwart, die man aus solchen Untergründen heraus nur verstehen kann, aber auch verstehen sollte.

[ 5 ] Ich ging von einem Ereignis aus, das selbstverständlich nur aus geistigem Schauen erfaßt werden kann. Aber andere Ereignisse in der Gegenwart sprechen laut und deutlich zu uns, und die könnten auch ohne geistiges Schauen unmittelbar auffällig werden für jeden nicht schläfrig durch das Leben gehenden Menschen. Wir sehen, wie sich zum großen Unheil der Welt ausgebreitet hat seit den letzten vier bis fünf Jahren die große Weltkriegskatastrophe. Wir blicken immer wieder und wieder — ich denke, das muß jede wache Seele tun — zurück nach dem, was äußerlich sichtbar zu dieser furchtbaren Menschheitskatastrophe geführt hat. Wir blicken auf den Verlauf dieser Katastrophe und blicken zuletzt auf das, was heute als Ereignisse aus dieser Katastrophe über weiteste Gebiete der Welt hin hervorgegangen ist. Eines müßte auffällig sein für jede wache Seele. Nehmen Sie doch die eigentümliche Tatsache, daß diese Weltkriegskatastrophe zum Beispiel über Mitteleuropa hereingebrochen ist, und daß eigentlich — es ist ja doch so — niemand wissen möchte, wie die Dinge eigentlich gekommen sind. Die Leute fragen sich, wie die Dinge gekommen sind, geben dem einen oder anderen die Schuld, sagen sich aber doch zuletzt immer wieder, wenn sie dann glauben, ergründet zu haben, daß das eine oder andere schuld war: Es kann doch nicht so sein, es muß da doch noch etwas anderes im Spiele sein.

[ 5 ] Ich ging von einem Ereignis aus, das selbstverständlich nur aus geistigem Schauen erfaßt werden kann. Aber andere Ereignisse in der Gegenwart sprechen laut und deutlich zu uns, und die könnten auch ohne geistiges Schauen unmittelbar auffällig werden für jeden nicht schläfrig durch das Leben gehenden Menschen. Wir sehen, wie sich zum großen Unheil der Welt ausgebreitet hat seit den letzten vier bis fünf Jahren die große Weltkriegskatastrophe. Wir blicken immer wieder und wieder — ich denke, das muß jede wache Seele tun — zurück nach dem, was äußerlich sichtbar zu dieser furchtbaren Menschheitskatastrophe geführt hat. Wir blicken auf den Verlauf dieser Katastrophe und blicken zuletzt auf das, was heute als Ereignisse aus dieser Katastrophe über weiteste Gebiete der Welt hin hervorgegangen ist. Eines müßte auffällig sein für jede wache Seele. Nehmen Sie doch die eigentümliche Tatsache, daß diese Weltkriegskatastrophe zum Beispiel über Mitteleuropa hereingebrochen ist, und daß eigentlich — es ist ja doch so — niemand wissen möchte, wie die Dinge eigentlich gekommen sind. Die Leute fragen sich, wie die Dinge gekommen sind, geben dem einen oder anderen die Schuld, sagen sich aber doch zuletzt immer wieder, wenn sie dann glauben, ergründet zu haben, daß das eine oder andere schuld war: Es kann doch nicht so sein, es muß da doch noch etwas anderes im Spiele sein.

[ 6 ] Die Leute sagen sich: Die große soziale Bewegung hat sich herausergeben aus dieser Weltkriegskatastrophe. Die Menschen — seien sie nun Parteileute, seien sie nicht Parteileute — versuchen zu verstehen, was eigentlich geschehen soll innerhalb dieser sozialen Katastrophe. Alles, was sich die Menschen darüber an Gedanken machen, sind ja eigentlich gegenüber den Ereignissen Gedankenmumien, sind Gedanken, die der Wucht der Ereignisse und dem eigentlichen Charakter durchaus nicht gewachsen sind. Und sieht man noch genauer zu, gerade jetzt, wo von einer Reihe von scheinbar recht unmittelbar an dem Entstehen der Weltkatastrophe beteiligten Personen allerlei Memoiren erscheinen, so muß man sich sagen nach dem, was diese Leute schreiben: Standen sie denn vor vier bis fünf Jahren wirklich in den Ereignissen drinnen? Haben sie eigentlich gewußt, was sie tun? Haben sie eine Ahnung gehabt von der Tragweite dessen, was ihr Verstand ausgeheckt hat? Immer mehr müßten sich die Menschen heute gestehen so etwas, wie das Geständnis des russischen Ministers Suchomlinoff, der mit Bezug auf die drei bis vier Stunden, wo es darauf ankam, daß er seine wichtigsten Entschlüsse faßte, vor Gericht gesagt hat: Da muß ich den Verstand nicht gehabt haben, da muß ich ja verrückt gewesen sein!

[ 6 ] Die Leute sagen sich: Die große soziale Bewegung hat sich herausergeben aus dieser Weltkriegskatastrophe. Die Menschen — seien sie nun Parteileute, seien sie nicht Parteileute — versuchen zu verstehen, was eigentlich geschehen soll innerhalb dieser sozialen Katastrophe. Alles, was sich die Menschen darüber an Gedanken machen, sind ja eigentlich gegenüber den Ereignissen Gedankenmumien, sind Gedanken, die der Wucht der Ereignisse und dem eigentlichen Charakter durchaus nicht gewachsen sind. Und sieht man noch genauer zu, gerade jetzt, wo von einer Reihe von scheinbar recht unmittelbar an dem Entstehen der Weltkatastrophe beteiligten Personen allerlei Memoiren erscheinen, so muß man sich sagen nach dem, was diese Leute schreiben: Standen sie denn vor vier bis fünf Jahren wirklich in den Ereignissen drinnen? Haben sie eigentlich gewußt, was sie tun? Haben sie eine Ahnung gehabt von der Tragweite dessen, was ihr Verstand ausgeheckt hat? Immer mehr müßten sich die Menschen heute gestehen so etwas, wie das Geständnis des russischen Ministers Suchomlinoff, der mit Bezug auf die drei bis vier Stunden, wo es darauf ankam, daß er seine wichtigsten Entschlüsse faßte, vor Gericht gesagt hat: Da muß ich den Verstand nicht gehabt haben, da muß ich ja verrückt gewesen sein!

[ 7 ] Solche Ereignisse sind tief sprechend. Und sie weisen darauf hin, daß eine Verwirrung des Geistes durch die weitesten Kreise der Beteiligten gegangen ist. Und wer nun wirklich das Zeug dazu hat, in das Furchtbare der gegenwärtigen Weltereignisse hineinzublikken, der kommt schon darauf — und die Leute werden immer mehr darauf kommen —: Moralisch ist nicht so sehr viel verfehlt worden, aber um so mehr intellektuell durch die Unfähigkeit, die Weltereignisse irgendwie zu durchschauen. Und heute ist es nicht anders. Wie hilflos steht im Grunde genommen die große Mehrheit der Menschheit da gegenüber den hereingebrochenen Weltereignissen. Da müßte die ernsteste Frage auftauchen: Was liegt denn da eigentlich zugrunde? — Es liegt etwas zugrunde, was gerade für unsere von materialistischer Gesinnung durchdrungene Zeit außerordentlich schwer zu begreifen ist: daß gerade seit jenem weltgeschichtlichen Zeitpunkt, in dem die materialistische Weltanschauungswoge besonders hoch gegangen ist, in Wahrheit die stärkste geistige Kraft, die jemals in das Menschenleben aus der geistigen Welt herein wollte, in dieses Menschenleben jetzt herein will. Das ist das Charakteristische in unserer Zeit. Der Geist, die geistige Welt will sich seit dem Beginn des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts mit aller Macht den Menschen offenbaren. Doch die Menschen sind allmählich an einem Punkte ihrer Entwicklung angekommen, wo sie zum Aufnehmen von irgend etwas in der Welt als Werkzeug nur ihren physischen Leib benutzen wollen. Sie haben sich aus der materialistischen Weltanschauungsgesinnung heraus gewöhnt, sogar theoretisch zu vertreten, daß das physische Gehirn das Werkzeug sei für das Denken, sogar für das Fühlen und sogar für das Wollen. Sie haben sich eingeredet, daß der physische Leib das Werkzeug sei für alles geistige Leben. Sie haben sich das nicht grundlos eingeredet. Sie hatten guten Grund dazu, nämlich den Grund, daß innerhalb der Menschheitsentwicklung die Menschen allmählich nur den physischen Leib noch benutzen konnten, daß es wirklich nach und nach so gekommen ist, daß nur der physische Leib für die geistige Betätigung als Werkzeug benutzt werden konnte. Und so stehen wir heute in dem unendlich wichtigen Knoten der Menschheitsentwicklung, wo auf der einen Seite wie im Sturme sich offenbaren will die geistige Welt, und wo auf der anderen Seite der Mensch die Kraft finden muß, aus seinem stärksten Eingesponnensein in das Materielle sich zum neuen Empfangen der Geistesoffenbarungen heraufzuarbeiten.

[ 7 ] Solche Ereignisse sind tief sprechend. Und sie weisen darauf hin, daß eine Verwirrung des Geistes durch die weitesten Kreise der Beteiligten gegangen ist. Und wer nun wirklich das Zeug dazu hat, in das Furchtbare der gegenwärtigen Weltereignisse hineinzublikken, der kommt schon darauf — und die Leute werden immer mehr darauf kommen —: Moralisch ist nicht so sehr viel verfehlt worden, aber um so mehr intellektuell durch die Unfähigkeit, die Weltereignisse irgendwie zu durchschauen. Und heute ist es nicht anders. Wie hilflos steht im Grunde genommen die große Mehrheit der Menschheit da gegenüber den hereingebrochenen Weltereignissen. Da müßte die ernsteste Frage auftauchen: Was liegt denn da eigentlich zugrunde? — Es liegt etwas zugrunde, was gerade für unsere von materialistischer Gesinnung durchdrungene Zeit außerordentlich schwer zu begreifen ist: daß gerade seit jenem weltgeschichtlichen Zeitpunkt, in dem die materialistische Weltanschauungswoge besonders hoch gegangen ist, in Wahrheit die stärkste geistige Kraft, die jemals in das Menschenleben aus der geistigen Welt herein wollte, in dieses Menschenleben jetzt herein will. Das ist das Charakteristische in unserer Zeit. Der Geist, die geistige Welt will sich seit dem Beginn des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts mit aller Macht den Menschen offenbaren. Doch die Menschen sind allmählich an einem Punkte ihrer Entwicklung angekommen, wo sie zum Aufnehmen von irgend etwas in der Welt als Werkzeug nur ihren physischen Leib benutzen wollen. Sie haben sich aus der materialistischen Weltanschauungsgesinnung heraus gewöhnt, sogar theoretisch zu vertreten, daß das physische Gehirn das Werkzeug sei für das Denken, sogar für das Fühlen und sogar für das Wollen. Sie haben sich eingeredet, daß der physische Leib das Werkzeug sei für alles geistige Leben. Sie haben sich das nicht grundlos eingeredet. Sie hatten guten Grund dazu, nämlich den Grund, daß innerhalb der Menschheitsentwicklung die Menschen allmählich nur den physischen Leib noch benutzen konnten, daß es wirklich nach und nach so gekommen ist, daß nur der physische Leib für die geistige Betätigung als Werkzeug benutzt werden konnte. Und so stehen wir heute in dem unendlich wichtigen Knoten der Menschheitsentwicklung, wo auf der einen Seite wie im Sturme sich offenbaren will die geistige Welt, und wo auf der anderen Seite der Mensch die Kraft finden muß, aus seinem stärksten Eingesponnensein in das Materielle sich zum neuen Empfangen der Geistesoffenbarungen heraufzuarbeiten.

[ 8 ] Es ist der Menschheit heute die stärkste Prüfung ihrer Kraft gestellt, die Prüfung der Kraft des freien Sich-Hinaufarbeitens zu dem Geiste, der ganz von selbst der Menschheit entgegenkommt, wenn der Mensch sich vor diesem Geiste nicht verschließt. Aber es ist die Zeit vorbei, in der in allerlei unterbewußten und unbewußten Prozessen sich der Geist offenbaren kann an den Menschen. Es ist die Zeit gekommen, wo der Mensch in freier innerer Tat das Geisteslicht empfangen muß. Und all die Verwirrung und alle die Unklarheit, in der die Menschen heute leben, kommt davon her, daß die Menschen heute etwas empfangen müssen, was sie eben eigentlich noch nicht empfangen wollen: ein ganz neues Verständnis der Dinge.

[ 8 ] Es ist der Menschheit heute die stärkste Prüfung ihrer Kraft gestellt, die Prüfung der Kraft des freien Sich-Hinaufarbeitens zu dem Geiste, der ganz von selbst der Menschheit entgegenkommt, wenn der Mensch sich vor diesem Geiste nicht verschließt. Aber es ist die Zeit vorbei, in der in allerlei unterbewußten und unbewußten Prozessen sich der Geist offenbaren kann an den Menschen. Es ist die Zeit gekommen, wo der Mensch in freier innerer Tat das Geisteslicht empfangen muß. Und all die Verwirrung und alle die Unklarheit, in der die Menschen heute leben, kommt davon her, daß die Menschen heute etwas empfangen müssen, was sie eben eigentlich noch nicht empfangen wollen: ein ganz neues Verständnis der Dinge.

[ 9 ] In diese furchtbare, schreckenerfüllte Weltkriegskatastrophe hinein hat sich das alte Denken, die alte Art, die Weltereignisse zu überblicken, ausgelebt und die unendlich bedeutsamen Sturmzeichen dieser Weltkriegskatastrophe bedeuten nichts anderes als den Hinweis darauf: Versucht umzudenken, versucht eine neue Art, euch die Welt anzuschauen, denn die alte Art muß immer nur in Chaos und Verwirrung führen. Das muß endlich eingesehen werden: Die leitenden Persönlichkeiten des Jahres 1914 waren an dem Punkt angekommen, wo mit dem alten Verständnis nichts mehr zu erreichen war. Deshalb führten sie die Menschheit ins Unglück. Diese Tatsache muß der Mensch sich heute tief in die Seele schreiben, sonst wird er nicht den starken, den kräftigen Entschluß fassen, wirklich aus freier Innerlichkeit dem Geiste und seinem Leben entgegenzukommen. Es ist ja das Jammervolle gerade in unserer unmittelbaren Gegenwart, daß wir sehen, überall offenbaren sich Dinge, die mit den bisherigen Weltanschauungen und Lebensauffassungen nicht zu verstehen sind. Aber die Leute klammern sich an diese alten Weltanschauungen und Lebensauffassungen und wollen nicht — wollen nicht zu ganz neuen Arten, die Dinge anzuschauen, kommen. Anthroposophische Weltanschauung wollte die Menschheit vorbereiten, zu diesen neuen Arten, die Welt anzuschauen, zu kommen. Sie hatte eigentlich im Grunde genommen keine anderen wirklichen Gegner, diese anthroposophische Weltanschauung, als lediglich die Bequemlichkeit, die Trägheit des inneren Menschen, der sich nicht aufraffen kann, die innersten Kräfte seiner Seele entgegenzutragen der gerade in unserer Zeit so mächtig hereinbrechenden Geisteswelle.

[ 9 ] In diese furchtbare, schreckenerfüllte Weltkriegskatastrophe hinein hat sich das alte Denken, die alte Art, die Weltereignisse zu überblicken, ausgelebt und die unendlich bedeutsamen Sturmzeichen dieser Weltkriegskatastrophe bedeuten nichts anderes als den Hinweis darauf: Versucht umzudenken, versucht eine neue Art, euch die Welt anzuschauen, denn die alte Art muß immer nur in Chaos und Verwirrung führen. Das muß endlich eingesehen werden: Die leitenden Persönlichkeiten des Jahres 1914 waren an dem Punkt angekommen, wo mit dem alten Verständnis nichts mehr zu erreichen war. Deshalb führten sie die Menschheit ins Unglück. Diese Tatsache muß der Mensch sich heute tief in die Seele schreiben, sonst wird er nicht den starken, den kräftigen Entschluß fassen, wirklich aus freier Innerlichkeit dem Geiste und seinem Leben entgegenzukommen. Es ist ja das Jammervolle gerade in unserer unmittelbaren Gegenwart, daß wir sehen, überall offenbaren sich Dinge, die mit den bisherigen Weltanschauungen und Lebensauffassungen nicht zu verstehen sind. Aber die Leute klammern sich an diese alten Weltanschauungen und Lebensauffassungen und wollen nicht — wollen nicht zu ganz neuen Arten, die Dinge anzuschauen, kommen. Anthroposophische Weltanschauung wollte die Menschheit vorbereiten, zu diesen neuen Arten, die Welt anzuschauen, zu kommen. Sie hatte eigentlich im Grunde genommen keine anderen wirklichen Gegner, diese anthroposophische Weltanschauung, als lediglich die Bequemlichkeit, die Trägheit des inneren Menschen, der sich nicht aufraffen kann, die innersten Kräfte seiner Seele entgegenzutragen der gerade in unserer Zeit so mächtig hereinbrechenden Geisteswelle.

[ 10 ] Was ich vorhin sagte: die Menschen haben sich abgewöhnt, etwas anderes zum Denken zu gebrauchen als ihren physischen Leib, das hat endlich auch zur materialistischen Weltanschauung geführt. Nun gibt es eines, was unbedingt in der Gegenwart verstanden werden muß. Die Natur, so wie sie die heutige, zu ihren Triumphen gekommene Naturwissenschaft studiert, kann man verstehen mit dem Instrument des physischen Gehirns, des physischen Leibes überhaupt. Nicht aber kann man das Menschenleben verstehen mit dem Instrument des physischen Leibes. Dieses Menschenleben ist nur zu verstehen, wenn man sich zu einem Denken aufschwingen kann, das nicht vom physischen Leibe allein hergeholt ist. Und dieses Denken ist es, was gepflegt werden sollte durch die anthroposophische Weltanschauung. Natürlich sagen die Leute: Ja, anthroposophische Weltanschauung, was da in den Büchern steht, was da gesprochen wird, man versteht es nicht. — Man glaubt es den Leuten, daß sie es nicht verstehen. Aber, was heißt es, sie verstehen es nicht? Es heißt nichts anderes als: Ich will mich nur des physischen Gehirns zum Verstehen bedienen, ich will nicht lernen ein anderes Denken als das, welches sich faul an das physische Gehirn anlehnen kann. Mit dem ist natürlich anthroposophische Weltanschauung nicht zu verstehen. Nicht als ob man hellsichtig sein müßte, um sie zu verstehen, aber man muß sich üben in einem solchen Denken, das nicht an das physische Gehirn gebunden ist. Und was in der anthroposophischen Literatur vorhanden ist, was mit dem gesunden Menschenverstand — und der ist nicht an das Gehirn gebunden, nur der kranke materialistische Verstand ist an das Gehirn gebunden —, was mit dem gesunden Menschenverstand erlernt werden kann, das trainiert allmählich ein solches Denken, ein solches Empfinden, ein solches Wollen, daß dieses Denken und Empfinden und Wollen den entsprechenden Ereignissen der Gegenwart gewachsen ist. Sie mögen das auffassen, wie Sie wollen, aber es ist so: Was die Gegenwart von uns fordert, ist nicht zu begreifen durch das Instrument des physischen Leibes: Das muß begriffen werden durch das Instrument des ätherischen Leibes, desjenigen Leibes, der als ein Bildekräfteleib dem physischen Leibe zugrunde liegt.

[ 10 ] Was ich vorhin sagte: die Menschen haben sich abgewöhnt, etwas anderes zum Denken zu gebrauchen als ihren physischen Leib, das hat endlich auch zur materialistischen Weltanschauung geführt. Nun gibt es eines, was unbedingt in der Gegenwart verstanden werden muß. Die Natur, so wie sie die heutige, zu ihren Triumphen gekommene Naturwissenschaft studiert, kann man verstehen mit dem Instrument des physischen Gehirns, des physischen Leibes überhaupt. Nicht aber kann man das Menschenleben verstehen mit dem Instrument des physischen Leibes. Dieses Menschenleben ist nur zu verstehen, wenn man sich zu einem Denken aufschwingen kann, das nicht vom physischen Leibe allein hergeholt ist. Und dieses Denken ist es, was gepflegt werden sollte durch die anthroposophische Weltanschauung. Natürlich sagen die Leute: Ja, anthroposophische Weltanschauung, was da in den Büchern steht, was da gesprochen wird, man versteht es nicht. — Man glaubt es den Leuten, daß sie es nicht verstehen. Aber, was heißt es, sie verstehen es nicht? Es heißt nichts anderes als: Ich will mich nur des physischen Gehirns zum Verstehen bedienen, ich will nicht lernen ein anderes Denken als das, welches sich faul an das physische Gehirn anlehnen kann. Mit dem ist natürlich anthroposophische Weltanschauung nicht zu verstehen. Nicht als ob man hellsichtig sein müßte, um sie zu verstehen, aber man muß sich üben in einem solchen Denken, das nicht an das physische Gehirn gebunden ist. Und was in der anthroposophischen Literatur vorhanden ist, was mit dem gesunden Menschenverstand — und der ist nicht an das Gehirn gebunden, nur der kranke materialistische Verstand ist an das Gehirn gebunden —, was mit dem gesunden Menschenverstand erlernt werden kann, das trainiert allmählich ein solches Denken, ein solches Empfinden, ein solches Wollen, daß dieses Denken und Empfinden und Wollen den entsprechenden Ereignissen der Gegenwart gewachsen ist. Sie mögen das auffassen, wie Sie wollen, aber es ist so: Was die Gegenwart von uns fordert, ist nicht zu begreifen durch das Instrument des physischen Leibes: Das muß begriffen werden durch das Instrument des ätherischen Leibes, desjenigen Leibes, der als ein Bildekräfteleib dem physischen Leibe zugrunde liegt.

[ 11 ] Die hereinbrechende geistige Welt, die sich der Menschheit offenbaren will, macht sich eigentlich nur in sehr unbewußten Gefühlen für die Menschen geltend. Die Menschen haben eine heillose Furcht davor. Es ist eigentlich nur eine Ausrede, wenn die Menschen sagen, sie verstünden die Geisteswissenschaft nicht. Die Wahrheit ist, daß sie Furcht haben vor der sich offenbarenden geistigen Welt. Nur weil die Menschen diese Furcht vor der geistigen Welt nicht gestehen wollen, sagen sie, sie verstehen die Geisteswissenschaft nicht, ‚oder, sie sei nicht logisch, oder was sie sonst alles als Ausrede wählen. In Wahrheit haben sie Furcht davor, und daher wählen sie auch alles mögliche, um gerade den großen, mächtigen Problemen zu entschlüpfen. Wie sind die Leute froh, wenn sie den großen Aufgaben, den Rätseln des gegenwärtigen Lebens entschlüpfen können! Man hat vielleicht nach der einen oder anderen Richtung über wichtige Probleme der Gegenwart gesprochen, aber die Leute haben das unbequem gefunden. Dann jedoch haben sie sich die Ibsenschen Dramen angeschaut, darin ist etwas vorgekommen von den großen Problemen der Gegenwart. Aber die Leute brauchen nicht daran zu glauben, denn das war «bloß» Kunst. Das Hereinragen der geistigen Welt in die physische Welt war den Leuten unbequem, wenn man ihnen direkt davon sprach. Auch Björnson hat solches in seinen Dramen verarbeitet; doch da braucht man nicht daran zu glauben, das war «bloß» Kunst. Ernst zu machen mit diesen Dingen, davor hatten die Leute eine heillose Furcht. Und wieder: die Klassengegensätze, die Kluft zwischen den führenden Klassen und den proletarischen Klassen wurde immer größer. Rätsel gingen von der sozialen Frage aus. Man redete von diesen Rätseln, da war das unbequem. Aber die Leute gingen ins Theater und schauten sich Hauptmanns «Weber» an; da brauchte man keine ernsthafte Stellung dazu zu nehmen, sondern konnte sich ein bißchen innerlich aufregen an dem, was als Abgründe in der Menschheit vorhanden war, brauchte aber nicht Stellung dazu zu nehmen, denn es war ja «bloß» Kunst und so weiter. Die Leute flüchteten in etwas hinein, was sie nicht ernst zu nehmen brauchten. Das ist eine charakteristische Erscheinung für die Zeitpsychologie. Aber was verbirgt sich hinter dieser charakteristischen Erscheinung der Zeitpsychologie? Das verbirgt sich dahinter, daß die Menschen hätten streben sollen, aus der Tendenz der Offenbarung der geistigen Welt, gewisse Dinge ernst zu nehmen, die nicht begriffen werden können durch das Instrument des physischen Leibes, die nur begriffen werden können durch imaginative Kräfte, wie die Kunst selber nur durch imaginative Kräfte zu begreifen ist. Des Menschen physischer Leib ist aufgebaut wie ein Naturprodukt, des Menschen ätherischer Leib ist aufgebaut wie ein Kunstprodukt, wie eine wirkliche Plastik, nur ist er in fortwährender Bewegung. Und was der Mensch sonst zu seinem Vergnügen hinnimmt in der Kunstauffassung, das muß sich verdichten, muß sich erhellen, muß ernste Anschauung werden: Imagination, Inspiration, Intuition. Dann versteht der Mensch das, was sich ihm heute offenbaren will. Denn hinter den heutigen Ereignissen lauert das, was nur geistig verstanden werden kann. Tief fühlen und empfinden sollte man, wie das, was als eine geistige Offenbarung herein will in die gegenwärtige Welt, nur begriffen werden kann durch Geisteswissenschaft selber, das heißt, durch jenes Denken und Empfinden und jene inneren Willensimpulse, die herantrainiert werden können durch die Geisteswissenschaft, die in derselben Region verlaufen, in der verläuft unernst, als bloßes Spiegelbild, das Künstlerische.

[ 11 ] Die hereinbrechende geistige Welt, die sich der Menschheit offenbaren will, macht sich eigentlich nur in sehr unbewußten Gefühlen für die Menschen geltend. Die Menschen haben eine heillose Furcht davor. Es ist eigentlich nur eine Ausrede, wenn die Menschen sagen, sie verstünden die Geisteswissenschaft nicht. Die Wahrheit ist, daß sie Furcht haben vor der sich offenbarenden geistigen Welt. Nur weil die Menschen diese Furcht vor der geistigen Welt nicht gestehen wollen, sagen sie, sie verstehen die Geisteswissenschaft nicht, ‚oder, sie sei nicht logisch, oder was sie sonst alles als Ausrede wählen. In Wahrheit haben sie Furcht davor, und daher wählen sie auch alles mögliche, um gerade den großen, mächtigen Problemen zu entschlüpfen. Wie sind die Leute froh, wenn sie den großen Aufgaben, den Rätseln des gegenwärtigen Lebens entschlüpfen können! Man hat vielleicht nach der einen oder anderen Richtung über wichtige Probleme der Gegenwart gesprochen, aber die Leute haben das unbequem gefunden. Dann jedoch haben sie sich die Ibsenschen Dramen angeschaut, darin ist etwas vorgekommen von den großen Problemen der Gegenwart. Aber die Leute brauchen nicht daran zu glauben, denn das war «bloß» Kunst. Das Hereinragen der geistigen Welt in die physische Welt war den Leuten unbequem, wenn man ihnen direkt davon sprach. Auch Björnson hat solches in seinen Dramen verarbeitet; doch da braucht man nicht daran zu glauben, das war «bloß» Kunst. Ernst zu machen mit diesen Dingen, davor hatten die Leute eine heillose Furcht. Und wieder: die Klassengegensätze, die Kluft zwischen den führenden Klassen und den proletarischen Klassen wurde immer größer. Rätsel gingen von der sozialen Frage aus. Man redete von diesen Rätseln, da war das unbequem. Aber die Leute gingen ins Theater und schauten sich Hauptmanns «Weber» an; da brauchte man keine ernsthafte Stellung dazu zu nehmen, sondern konnte sich ein bißchen innerlich aufregen an dem, was als Abgründe in der Menschheit vorhanden war, brauchte aber nicht Stellung dazu zu nehmen, denn es war ja «bloß» Kunst und so weiter. Die Leute flüchteten in etwas hinein, was sie nicht ernst zu nehmen brauchten. Das ist eine charakteristische Erscheinung für die Zeitpsychologie. Aber was verbirgt sich hinter dieser charakteristischen Erscheinung der Zeitpsychologie? Das verbirgt sich dahinter, daß die Menschen hätten streben sollen, aus der Tendenz der Offenbarung der geistigen Welt, gewisse Dinge ernst zu nehmen, die nicht begriffen werden können durch das Instrument des physischen Leibes, die nur begriffen werden können durch imaginative Kräfte, wie die Kunst selber nur durch imaginative Kräfte zu begreifen ist. Des Menschen physischer Leib ist aufgebaut wie ein Naturprodukt, des Menschen ätherischer Leib ist aufgebaut wie ein Kunstprodukt, wie eine wirkliche Plastik, nur ist er in fortwährender Bewegung. Und was der Mensch sonst zu seinem Vergnügen hinnimmt in der Kunstauffassung, das muß sich verdichten, muß sich erhellen, muß ernste Anschauung werden: Imagination, Inspiration, Intuition. Dann versteht der Mensch das, was sich ihm heute offenbaren will. Denn hinter den heutigen Ereignissen lauert das, was nur geistig verstanden werden kann. Tief fühlen und empfinden sollte man, wie das, was als eine geistige Offenbarung herein will in die gegenwärtige Welt, nur begriffen werden kann durch Geisteswissenschaft selber, das heißt, durch jenes Denken und Empfinden und jene inneren Willensimpulse, die herantrainiert werden können durch die Geisteswissenschaft, die in derselben Region verlaufen, in der verläuft unernst, als bloßes Spiegelbild, das Künstlerische.

[ 12 ] Ich habe seinerzeit versucht, auf einem Gebiete auf etwas hinzuweisen, was der Gegenwart dringend notwendig ist. Es ist natürlich aus dem Banausentum, aus der Philistrosität unserer Wissenschaft heraus, aus dem Schreckensungetüm dessen, was heute offizielle Universitätswissenschaft ist, nicht verstanden worden. Ich nannte in meiner 1894 erschienenen «Philosophie der Freiheit» ein Kapitel «Die moralische Phantasie». Geisteswissenschaftlich könnte man auch sagen: die imaginativen Moralimpulse. Ich wollte darauf hinweisen, daß dasjenige Gebiet, das sonst nur künstlerisch in der Phantasie ergriffen wird, nun notwendig im Ernst von der Menschheit ergriffen werden muß, weil das die Stufe ist, die der Mensch ersteigen muß, um das Übersinnliche in sich hereinzubekommen, das nicht durch das Gehirn ergriffen wird. Ich wollte wenigstens mit Bezug auf die Erfassung des Moralischen Anfang der neunziger Jahre darauf hinweisen, daß der Ernst kommt, das Übersinnliche aufzufassen. Diese Dinge sollte man heute empfinden. Man sollte eine Empfindung davon haben, daß die Gedanken, die inneren Seelenimpulse, die man herausgetragen hat bis in die Weltkriegskatastrophe und bis in die Zeit der sozialen Umwälzung hinein, weiterhin nicht mehr brauchbar sind, daß man neue Impulse braucht. Kommt man heute mit einem neuen Impuls, dann wird gerade dieser neue Impuls am allerwenigsten verstanden. Denn man kommt mit einem Impuls, der lebendig herausgeholt ist aus der geistigen Welt als Heilmittel gegen die Schäden unserer Zeit. Da quieksen die Leute links, und da quieksen die Leute rechts, und alles quiekst zusammen in einem Chor von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken und findet, daß das alles etwas ist, was man nicht versteht. Selbstverständlich versteht man es nicht, wenn man bei den alten Denkformen stehenbleiben will. Aber heute ist eben notwendig, daß wir nicht stehenbleiben bei alten Denkformen, sondern daß man die ganze Seele innerlich umformt und umgestaltet. Alle äußeren Revolutionen — und sie können noch so sehr nach dem Wunsche der einen oder der anderen Partei oder Klasse sein — werden in die schlimmste Sackgasse verlaufen und das schlimmste Elend über die Menschheit bringen, wenn nicht diese äußeren revolutionären Bewegungen von heute durchleuchtet werden durch die innere Revolution der Seele, die sich da abspielt in dem Hinweggehen von dem Versenktsein in die rein materialistische Weltanschauung und die entgegengeht dem Aufnehmen der geistigen Welle, die als eine neue Offenbarung in die Menschheitsentwicklung hereinbrechen will. Die Revolution von der Materie zum Geist, das ist die einzig heilsame Revolution, und alle anderen Revolutionen sind nur die Kinderkrankheiten — das ist Scharlach, das sind Masern von dem Vorläufer desjenigen, was sich als Gesundes in dem Heraufkommen des Geistes in der Gegenwart gebären will.

[ 12 ] Ich habe seinerzeit versucht, auf einem Gebiete auf etwas hinzuweisen, was der Gegenwart dringend notwendig ist. Es ist natürlich aus dem Banausentum, aus der Philistrosität unserer Wissenschaft heraus, aus dem Schreckensungetüm dessen, was heute offizielle Universitätswissenschaft ist, nicht verstanden worden. Ich nannte in meiner 1894 erschienenen «Philosophie der Freiheit» ein Kapitel «Die moralische Phantasie». Geisteswissenschaftlich könnte man auch sagen: die imaginativen Moralimpulse. Ich wollte darauf hinweisen, daß dasjenige Gebiet, das sonst nur künstlerisch in der Phantasie ergriffen wird, nun notwendig im Ernst von der Menschheit ergriffen werden muß, weil das die Stufe ist, die der Mensch ersteigen muß, um das Übersinnliche in sich hereinzubekommen, das nicht durch das Gehirn ergriffen wird. Ich wollte wenigstens mit Bezug auf die Erfassung des Moralischen Anfang der neunziger Jahre darauf hinweisen, daß der Ernst kommt, das Übersinnliche aufzufassen. Diese Dinge sollte man heute empfinden. Man sollte eine Empfindung davon haben, daß die Gedanken, die inneren Seelenimpulse, die man herausgetragen hat bis in die Weltkriegskatastrophe und bis in die Zeit der sozialen Umwälzung hinein, weiterhin nicht mehr brauchbar sind, daß man neue Impulse braucht. Kommt man heute mit einem neuen Impuls, dann wird gerade dieser neue Impuls am allerwenigsten verstanden. Denn man kommt mit einem Impuls, der lebendig herausgeholt ist aus der geistigen Welt als Heilmittel gegen die Schäden unserer Zeit. Da quieksen die Leute links, und da quieksen die Leute rechts, und alles quiekst zusammen in einem Chor von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken und findet, daß das alles etwas ist, was man nicht versteht. Selbstverständlich versteht man es nicht, wenn man bei den alten Denkformen stehenbleiben will. Aber heute ist eben notwendig, daß wir nicht stehenbleiben bei alten Denkformen, sondern daß man die ganze Seele innerlich umformt und umgestaltet. Alle äußeren Revolutionen — und sie können noch so sehr nach dem Wunsche der einen oder der anderen Partei oder Klasse sein — werden in die schlimmste Sackgasse verlaufen und das schlimmste Elend über die Menschheit bringen, wenn nicht diese äußeren revolutionären Bewegungen von heute durchleuchtet werden durch die innere Revolution der Seele, die sich da abspielt in dem Hinweggehen von dem Versenktsein in die rein materialistische Weltanschauung und die entgegengeht dem Aufnehmen der geistigen Welle, die als eine neue Offenbarung in die Menschheitsentwicklung hereinbrechen will. Die Revolution von der Materie zum Geist, das ist die einzig heilsame Revolution, und alle anderen Revolutionen sind nur die Kinderkrankheiten — das ist Scharlach, das sind Masern von dem Vorläufer desjenigen, was sich als Gesundes in dem Heraufkommen des Geistes in der Gegenwart gebären will.

[ 13 ] Es ist eben ein starker innerer Entschluß heute notwendig, um dem, was die Gegenwart vom Menschen fordert, gewachsen zu sein. Und bedenken wir in allem Ernst, daß es eine geistige Welt ist, die in die unsrige hereinbrechen will, daß von uns gefordert wird: geistige Kräfte seien da, von denen wir unsere Entschließungen, unsere Handlungen, unser ganzes Denken abhängig machen sollen. Das wird von uns gefordert! In einer solchen Zeit ändert sich vieles. Da darf ich wieder auf ein Symptom hinweisen, das ausgesprochen, wiederum paradox klingen wird, das aber, innerlich geistig angeschaut, von der allergrößten Wichtigkeit ist. Wir haben, das wissen wir aus der Geisteswissenschaft, außer unserem physischen Leib und unserem ätherischen Leib — von dem ich Ihnen eben gesprochen habe als von einem Instrument, das uns notwendig wird für eine gewisse geistige Auffassung dessen, was sonst bloß Spiegelbild in der Kunst zu sein braucht —, wir haben weiter das eigentliche Seelische in uns. Sie können sagen astralischer Leib, oder wie Sie es nennen wollen. Das ist das, was noch wesentlich geistiger ist als der ätherische Leib, das ist das, dem der Mensch natürlich in der Zeit seiner physischen Entwicklung noch ferner gestanden hat als seinem ätherischen Leib. Denn der ätherische Leib hat, als dem physischen Leibe zugrunde liegend, eine Art Bildgestalt, wenn es auch ein Bild ist, das in fortwährender Bewegung ist; aber der astralische Leib ist eigentlich gestaltlos. Und redet man von ihm, so redet man nur von einem Bilde, von dem man weiß, daß das Bild ihn nur darstellen soll, denn in Wahrheit ist er gestaltlos. Dieser astralische Leib hat sich — dieser Prozeß spielt sich seit drei bis vier Jahrhunderten ab — beim neueren Menschen recht sehr verändert. Die Menschen der Vergangenheit hatten einen verhältnismäßig noch von Geistigkeit, von allerlei geistigen Kräften durchspülten, durchdrungenen astralischen Leib; und was die Menschen an spirituellen, an geistigen Empfindungen und geistigen Impulsen im Leben hatten, das kam von diesem Geistigen, das im astralischen Leibe war. Jetzt sind die astralischen Leiber eigentlich leer geworden. Sie sind merkwürdig leer. Und sie sind leer, weil in der Zeit, in der gewissermaßen von außen sich offenbaren will mit Macht die geistige Welt, der Mensch diese äußere geistige Welt aufnehmen soll. Daher ist sein astralischer Leib nach und nach leer geworden. Er soll sich wieder erfüllen mit dem, was äußerlich sich offenbart. Das hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den Menschen. Und jetzt komme ich zu der Tatsache, die — wie ich schon sagte —, wenn man sie ausspricht, recht paradox scheinen wird, geradeso wie das melancholische Antlitz des Kindes. Aber sie ist doch eine Tatsache.

[ 13 ] Es ist eben ein starker innerer Entschluß heute notwendig, um dem, was die Gegenwart vom Menschen fordert, gewachsen zu sein. Und bedenken wir in allem Ernst, daß es eine geistige Welt ist, die in die unsrige hereinbrechen will, daß von uns gefordert wird: geistige Kräfte seien da, von denen wir unsere Entschließungen, unsere Handlungen, unser ganzes Denken abhängig machen sollen. Das wird von uns gefordert! In einer solchen Zeit ändert sich vieles. Da darf ich wieder auf ein Symptom hinweisen, das ausgesprochen, wiederum paradox klingen wird, das aber, innerlich geistig angeschaut, von der allergrößten Wichtigkeit ist. Wir haben, das wissen wir aus der Geisteswissenschaft, außer unserem physischen Leib und unserem ätherischen Leib — von dem ich Ihnen eben gesprochen habe als von einem Instrument, das uns notwendig wird für eine gewisse geistige Auffassung dessen, was sonst bloß Spiegelbild in der Kunst zu sein braucht —, wir haben weiter das eigentliche Seelische in uns. Sie können sagen astralischer Leib, oder wie Sie es nennen wollen. Das ist das, was noch wesentlich geistiger ist als der ätherische Leib, das ist das, dem der Mensch natürlich in der Zeit seiner physischen Entwicklung noch ferner gestanden hat als seinem ätherischen Leib. Denn der ätherische Leib hat, als dem physischen Leibe zugrunde liegend, eine Art Bildgestalt, wenn es auch ein Bild ist, das in fortwährender Bewegung ist; aber der astralische Leib ist eigentlich gestaltlos. Und redet man von ihm, so redet man nur von einem Bilde, von dem man weiß, daß das Bild ihn nur darstellen soll, denn in Wahrheit ist er gestaltlos. Dieser astralische Leib hat sich — dieser Prozeß spielt sich seit drei bis vier Jahrhunderten ab — beim neueren Menschen recht sehr verändert. Die Menschen der Vergangenheit hatten einen verhältnismäßig noch von Geistigkeit, von allerlei geistigen Kräften durchspülten, durchdrungenen astralischen Leib; und was die Menschen an spirituellen, an geistigen Empfindungen und geistigen Impulsen im Leben hatten, das kam von diesem Geistigen, das im astralischen Leibe war. Jetzt sind die astralischen Leiber eigentlich leer geworden. Sie sind merkwürdig leer. Und sie sind leer, weil in der Zeit, in der gewissermaßen von außen sich offenbaren will mit Macht die geistige Welt, der Mensch diese äußere geistige Welt aufnehmen soll. Daher ist sein astralischer Leib nach und nach leer geworden. Er soll sich wieder erfüllen mit dem, was äußerlich sich offenbart. Das hat eine ganz bestimmte Wirkung auf den Menschen. Und jetzt komme ich zu der Tatsache, die — wie ich schon sagte —, wenn man sie ausspricht, recht paradox scheinen wird, geradeso wie das melancholische Antlitz des Kindes. Aber sie ist doch eine Tatsache.

[ 14 ] Die wichtigste Tatsache in der Entstehungsgeschichte der Weltkriegskatastrophe, insofern sich diese Entstehungsgeschichte in Berlin abgespielt hat, fällt auf den 1. August zwischen nachmittags und abends, etwa zwischen ein Viertel vier Uhr nachmittags und elf bis zwölf Uhr nachts. Verschiedene Menschen waren daran beteiligt, selbstverständlich Menschen der materialistischen Gegenwart. Dies ist der ungünstigste Augenblick, den es heute für eine Menschenseele, wenn sie Entschlüsse fassen soll, geben kann, wenn diese Menschenseele aus materialistischer Gesinnung heraus diese Entschlüsse faßt. Denn wir sind in einen sehr, sehr wichtigen Zeitpunkt der Menschheitsentwicklung eingetreten. Der heutige Mensch kann überhaupt keine vernünftigen Entschlüsse fassen, wenn er — so sonderbar es klingen mag, aber das ist eine Wahrheit, und die Menschheit wird das aus äußeren Tatsachen sogar immer mehr als eine Wahrheit erkennen —, wenn er nicht morgens früh schon mit ihnen aufwacht. Er braucht sie nicht dann im Bewußtsein zu haben. Aber im Unterbewußten macht der Mensch in der Nacht dasjenige durch, was er am nächsten Tage erleben kann. Er ist noch nicht so weit, daß er es prophetisch überschauen kann, aber darauf kommt es nicht an. Wenn Sie aber um ein halb vier Uhr, um sechs Uhr einen Gedanken hegen — Sie haben ihn schon in der Nacht gehabt, er steht wieder auf in Ihnen. Steht dagegen ein Gedanke auf, der nicht schon in der Nacht gefaßt ist, der herausgeholt ist aus den Ereignissen des Tages, dann wird er für den heutigen Menschen kein vernünftiger mehr sein können. Der heutige Mensch ist gerade angewiesen, seine wichtigsten Impulse aus der geistigen Welt zu holen. Die wichtigsten Impulse für den Menschen kommen gar nicht aus der physischen Welt. Wir sind gewissermaßen heute darauf angewiesen, unvernünftig zu sein, wenn wir nicht die Entschlüsse schon mitbringen, wenn wir nicht appellieren an dieses Zusammensein mit der geistigen Welt. Wenn unser astralischer Leib des Nachts, wenn er frei, außerhalb des physischen und des ätherischen Leibes mit der geistigen Welt zusammen ist, da geht in ihm das Wesentlichste vor, dann wird er mehr als bei unseren Vorfahren vorbereitet für die Vernunft des Tages. Heilig sollte daher für den heutigen Menschen der Moment des Aufwachens sein, weil er empfinden sollte: Ich komme heraus aus der geistigen Welt, ich trete in die physische Welt ein. Und alles Gute, alles, was mich fähig macht, ein vernünftiger Mensch zu sein, habe ich durch den Verkehr mit der geistigen Welt vom Einschlafen bis zum Aufwachen, habe ich durch den Verkehr mit den Toten, die ich im Leben gekannt habe, die vor mir hingestorben sind, kurz, durch den Verkehr mit denen, die jetzt nicht in einem physischen Leibe sind, dann erfahren, wenn ich mit ihnen in der rein geistigen Welt zusammen bin. Und aus diesem Erleben im Geistigen sollte ich mir herausbringen die Grundempfindung von der Heiligkeit des Momentes des Aufwachens. Dann wird diese Grundempfindung mir über den Tag ausgießen die Möglichkeit, mir bei dem einen zu sagen: Da hilft mir ein geistiger Impuls — und beim anderen: Da hilft mir nichts, da bleibt alles unentschieden, das darf erst morgen entschieden werden.

[ 14 ] Die wichtigste Tatsache in der Entstehungsgeschichte der Weltkriegskatastrophe, insofern sich diese Entstehungsgeschichte in Berlin abgespielt hat, fällt auf den 1. August zwischen nachmittags und abends, etwa zwischen ein Viertel vier Uhr nachmittags und elf bis zwölf Uhr nachts. Verschiedene Menschen waren daran beteiligt, selbstverständlich Menschen der materialistischen Gegenwart. Dies ist der ungünstigste Augenblick, den es heute für eine Menschenseele, wenn sie Entschlüsse fassen soll, geben kann, wenn diese Menschenseele aus materialistischer Gesinnung heraus diese Entschlüsse faßt. Denn wir sind in einen sehr, sehr wichtigen Zeitpunkt der Menschheitsentwicklung eingetreten. Der heutige Mensch kann überhaupt keine vernünftigen Entschlüsse fassen, wenn er — so sonderbar es klingen mag, aber das ist eine Wahrheit, und die Menschheit wird das aus äußeren Tatsachen sogar immer mehr als eine Wahrheit erkennen —, wenn er nicht morgens früh schon mit ihnen aufwacht. Er braucht sie nicht dann im Bewußtsein zu haben. Aber im Unterbewußten macht der Mensch in der Nacht dasjenige durch, was er am nächsten Tage erleben kann. Er ist noch nicht so weit, daß er es prophetisch überschauen kann, aber darauf kommt es nicht an. Wenn Sie aber um ein halb vier Uhr, um sechs Uhr einen Gedanken hegen — Sie haben ihn schon in der Nacht gehabt, er steht wieder auf in Ihnen. Steht dagegen ein Gedanke auf, der nicht schon in der Nacht gefaßt ist, der herausgeholt ist aus den Ereignissen des Tages, dann wird er für den heutigen Menschen kein vernünftiger mehr sein können. Der heutige Mensch ist gerade angewiesen, seine wichtigsten Impulse aus der geistigen Welt zu holen. Die wichtigsten Impulse für den Menschen kommen gar nicht aus der physischen Welt. Wir sind gewissermaßen heute darauf angewiesen, unvernünftig zu sein, wenn wir nicht die Entschlüsse schon mitbringen, wenn wir nicht appellieren an dieses Zusammensein mit der geistigen Welt. Wenn unser astralischer Leib des Nachts, wenn er frei, außerhalb des physischen und des ätherischen Leibes mit der geistigen Welt zusammen ist, da geht in ihm das Wesentlichste vor, dann wird er mehr als bei unseren Vorfahren vorbereitet für die Vernunft des Tages. Heilig sollte daher für den heutigen Menschen der Moment des Aufwachens sein, weil er empfinden sollte: Ich komme heraus aus der geistigen Welt, ich trete in die physische Welt ein. Und alles Gute, alles, was mich fähig macht, ein vernünftiger Mensch zu sein, habe ich durch den Verkehr mit der geistigen Welt vom Einschlafen bis zum Aufwachen, habe ich durch den Verkehr mit den Toten, die ich im Leben gekannt habe, die vor mir hingestorben sind, kurz, durch den Verkehr mit denen, die jetzt nicht in einem physischen Leibe sind, dann erfahren, wenn ich mit ihnen in der rein geistigen Welt zusammen bin. Und aus diesem Erleben im Geistigen sollte ich mir herausbringen die Grundempfindung von der Heiligkeit des Momentes des Aufwachens. Dann wird diese Grundempfindung mir über den Tag ausgießen die Möglichkeit, mir bei dem einen zu sagen: Da hilft mir ein geistiger Impuls — und beim anderen: Da hilft mir nichts, da bleibt alles unentschieden, das darf erst morgen entschieden werden.

[ 15 ] Das ist so eine Art, geistig das Leben zu führen, wenn man wirklich mit den geistigen Faktoren rechnet. Natürlich, mit geistigen Faktoren rechnen die Menschen im materialistischen Zeitalter nicht, denn sie sind immer «gescheit». Sie glauben, daß mit dem Instrument des physischen Leibes alles da ist, was sie zum Gescheitsein brauchen. Sie appellieren nicht an das, was ihnen werden kann, wenn sie getrennt sind vom physischen Leib und in ihrem astralischen Leib mit der geistigen Welt zusammen sind. Einzig und allein der Wille, das Leben geistig zu führen, der Wille, geistige Entschließungen, geistige Impulse mitspielen zu lassen in dem, was wir im Physischen tun, kann die Menschheit wiederum wahrhaftig gesund machen.

[ 15 ] Das ist so eine Art, geistig das Leben zu führen, wenn man wirklich mit den geistigen Faktoren rechnet. Natürlich, mit geistigen Faktoren rechnen die Menschen im materialistischen Zeitalter nicht, denn sie sind immer «gescheit». Sie glauben, daß mit dem Instrument des physischen Leibes alles da ist, was sie zum Gescheitsein brauchen. Sie appellieren nicht an das, was ihnen werden kann, wenn sie getrennt sind vom physischen Leib und in ihrem astralischen Leib mit der geistigen Welt zusammen sind. Einzig und allein der Wille, das Leben geistig zu führen, der Wille, geistige Entschließungen, geistige Impulse mitspielen zu lassen in dem, was wir im Physischen tun, kann die Menschheit wiederum wahrhaftig gesund machen.

[ 16 ] Das ist das, was heute der Mensch wirklich gründlich bedenken sollte. Denn anthroposophische Weltanschauung kann nicht darin bestehen, daß wir eine Summe von abstrakten Begriffen aufnehmen, diese als eine Art Katechismus betrachten ihren abstrakten Inhalten nach, und dann zufrieden sind, daß wir eine andere Weltanschauung haben als die anderen. Nein, anthroposophische Weltanschauung muß darin bestehen, daß unser ganzes Denken ein anderes wird, daß unser ganzes Fühlen ein anderes wird, daß innerlich jener große Moment des Erwachens im Geiste in uns eintritt, so daß wir wissen: Wir müssen unser Leben vom Geiste durchleuchten lassen. Und das Unglück der gegenwärtigen Menschheit ist dadurch gekommen, daß die Ablehnung des Willens, Geistiges aufzunehmen, aufs Höchste getrieben worden ist. Niemals ist aus so äußerlichen Gründen, aus so rein materiellen Gründen ein Ereignis entstanden wie diese Weltkriegskatastrophe. Und sie ist deshalb auch die Fürchterlichste geworden. Aus ihr sollte der Mensch lernen, daß er durch sein früheres Denken, Empfinden und Wollen in diese Katastrophe hineingetrieben worden ist und nicht wieder aus ihr herauskommen wird — wenn sie auch andere Formen annehmen wird —, ehe er nicht die innere Umwandlung, die innere Metamorphose seiner Seele mit kühner Entschlußkraft vornimmt.

[ 16 ] Das ist das, was heute der Mensch wirklich gründlich bedenken sollte. Denn anthroposophische Weltanschauung kann nicht darin bestehen, daß wir eine Summe von abstrakten Begriffen aufnehmen, diese als eine Art Katechismus betrachten ihren abstrakten Inhalten nach, und dann zufrieden sind, daß wir eine andere Weltanschauung haben als die anderen. Nein, anthroposophische Weltanschauung muß darin bestehen, daß unser ganzes Denken ein anderes wird, daß unser ganzes Fühlen ein anderes wird, daß innerlich jener große Moment des Erwachens im Geiste in uns eintritt, so daß wir wissen: Wir müssen unser Leben vom Geiste durchleuchten lassen. Und das Unglück der gegenwärtigen Menschheit ist dadurch gekommen, daß die Ablehnung des Willens, Geistiges aufzunehmen, aufs Höchste getrieben worden ist. Niemals ist aus so äußerlichen Gründen, aus so rein materiellen Gründen ein Ereignis entstanden wie diese Weltkriegskatastrophe. Und sie ist deshalb auch die Fürchterlichste geworden. Aus ihr sollte der Mensch lernen, daß er durch sein früheres Denken, Empfinden und Wollen in diese Katastrophe hineingetrieben worden ist und nicht wieder aus ihr herauskommen wird — wenn sie auch andere Formen annehmen wird —, ehe er nicht die innere Umwandlung, die innere Metamorphose seiner Seele mit kühner Entschlußkraft vornimmt.

[ 17 ] Die Tatsachen, die ich Ihnen vorgeführt habe, sind Tatsachen: die melancholische Trübe in den Kindergesichtern, die Notwendigkeit, unseren ätherischen Leib zu gebrauchen für das Verständnis der Welt, und die Notwendigkeit, für unsere Willensimpulse zu appellieren an den Moment des Aufwachens, an dasjenige, was in uns gleichsam glüht als ein Rest dessen, was uns vom vorhergehenden Schlafe bleibt. Dieses Mitsprechenlassen des Geistes ist es, was notwendig und immer notwendiger wird für die Menschheitsentwicklung der Zukunft. Daß man begreife, daß anthroposophische Weltanschauung nicht eine Sensation sein soll für Seelenmüßiggänger — und heutige Mystiker sind oftmals nichts anderes als Seelenmüßiggänger —, daß sie nicht etwas ist, was so ein Dessert des Lebens bietet, einen äußeren physischen Lebensgenuß, sondern daß sie etwas ist, was mit den tiefsten Impulsen unserer Kultur zusammenhängt. Das sollte man einsehen. Und auch, daß diese unsere Kultur nicht gesunden kann, wenn sie nicht von anthroposophischer Weltanschauung befruchtet wird. Das sollte man sich heute tief in die Seele schreiben, wenn man anthroposophische Weltanschauung kennengelernt hat.

[ 17 ] Die Tatsachen, die ich Ihnen vorgeführt habe, sind Tatsachen: die melancholische Trübe in den Kindergesichtern, die Notwendigkeit, unseren ätherischen Leib zu gebrauchen für das Verständnis der Welt, und die Notwendigkeit, für unsere Willensimpulse zu appellieren an den Moment des Aufwachens, an dasjenige, was in uns gleichsam glüht als ein Rest dessen, was uns vom vorhergehenden Schlafe bleibt. Dieses Mitsprechenlassen des Geistes ist es, was notwendig und immer notwendiger wird für die Menschheitsentwicklung der Zukunft. Daß man begreife, daß anthroposophische Weltanschauung nicht eine Sensation sein soll für Seelenmüßiggänger — und heutige Mystiker sind oftmals nichts anderes als Seelenmüßiggänger —, daß sie nicht etwas ist, was so ein Dessert des Lebens bietet, einen äußeren physischen Lebensgenuß, sondern daß sie etwas ist, was mit den tiefsten Impulsen unserer Kultur zusammenhängt. Das sollte man einsehen. Und auch, daß diese unsere Kultur nicht gesunden kann, wenn sie nicht von anthroposophischer Weltanschauung befruchtet wird. Das sollte man sich heute tief in die Seele schreiben, wenn man anthroposophische Weltanschauung kennengelernt hat.

[ 18 ] Damit habe ich Ihnen von einem gewissen Gesichtspunkte aus kennzeichnen wollen, in welchem entscheidungsvollen Augenblick der Weltentwicklung der Menschheit wir eigentlich stehen. Gewiß, es liegt nahe, diejenigen Dinge, die heute als die notwendigsten gesagt werden müssen, als Narretei zu verurteilen, wenn man aus den Gedanken der Zeit heraus urteilt. Die Menschen glauben Christen zu sein und haben nicht einmal das Wort verstanden, daß dasjenige, was Weisheit vor den Menschen ist, oftmals Torheit ist vor Gott, und daß alle Torheit und vielleicht Narrheit und Tollheit vor den Menschen doch Weisheit vor Gott sein könnte, wie ja sonst auch die Menschen heute die innerlichen Impulse der Dinge leicht vergessen und sich an das Äußere der Phrase gerne halten. Wenn man heute zu den Menschen spricht und nach jedem fünften Wort das Wort «Christ» oder «Christus» oder «Jesus» sagt, dann redet man «christlich», wenn man sonst auch etwas sehr Unchristliches sagt. Wenn man aber vermeint, dasjenige zu verkünden, was der Christus heute uns in die Seele legt und dabei das auch schließlich ins Christentum übernommene Wort betrachtet: «Du sollst den Namen deines Gottes nicht eitel aussprechen», so halten das die Leute für nicht christlich. Denn die Leute plappern die Zehn Gebote ab, sprechen den Namen ihres Gottes alle Augenblicke eitel aus und halten sich gerade durch das Aussprechen dieses Namens für ganz besonders christlich. Ebenso wird man für nicht gut «deutsch» gehalten, wenn man das Wort «deutsch» nicht immer auf der Zunge führt. Heute ist es das Wichtigste, daß man einsieht, wie des deutschen Volkstums tiefste Kräfte in den letzten dreißig Jahren wie mit Füßen getreten worden sind und wieder heraufgeholt werden müssen gerade durch eine geistige Vertiefung.

[ 18 ] Damit habe ich Ihnen von einem gewissen Gesichtspunkte aus kennzeichnen wollen, in welchem entscheidungsvollen Augenblick der Weltentwicklung der Menschheit wir eigentlich stehen. Gewiß, es liegt nahe, diejenigen Dinge, die heute als die notwendigsten gesagt werden müssen, als Narretei zu verurteilen, wenn man aus den Gedanken der Zeit heraus urteilt. Die Menschen glauben Christen zu sein und haben nicht einmal das Wort verstanden, daß dasjenige, was Weisheit vor den Menschen ist, oftmals Torheit ist vor Gott, und daß alle Torheit und vielleicht Narrheit und Tollheit vor den Menschen doch Weisheit vor Gott sein könnte, wie ja sonst auch die Menschen heute die innerlichen Impulse der Dinge leicht vergessen und sich an das Äußere der Phrase gerne halten. Wenn man heute zu den Menschen spricht und nach jedem fünften Wort das Wort «Christ» oder «Christus» oder «Jesus» sagt, dann redet man «christlich», wenn man sonst auch etwas sehr Unchristliches sagt. Wenn man aber vermeint, dasjenige zu verkünden, was der Christus heute uns in die Seele legt und dabei das auch schließlich ins Christentum übernommene Wort betrachtet: «Du sollst den Namen deines Gottes nicht eitel aussprechen», so halten das die Leute für nicht christlich. Denn die Leute plappern die Zehn Gebote ab, sprechen den Namen ihres Gottes alle Augenblicke eitel aus und halten sich gerade durch das Aussprechen dieses Namens für ganz besonders christlich. Ebenso wird man für nicht gut «deutsch» gehalten, wenn man das Wort «deutsch» nicht immer auf der Zunge führt. Heute ist es das Wichtigste, daß man einsieht, wie des deutschen Volkstums tiefste Kräfte in den letzten dreißig Jahren wie mit Füßen getreten worden sind und wieder heraufgeholt werden müssen gerade durch eine geistige Vertiefung.

[ 19 ] Wir blicken nach dem Westen und finden eine Kultur, welche sich vollständig vermaterialisieren will, eine Kultur, die allerdings eine gewisse innere Sicherheit des Instinktes hat und dadurch im Materialismus nicht ertrinken kann. Und wir blicken nach dem Osten und finden eine Kultur, die alles Westliche und auch uns verachtet, weil diese östliche Kultur bei einer alten Spiritualität, bei einer alten Geistigkeit noch steht und diese alte Geistigkeit in einer gewissen Weise erneuert. Und wir stehen mitten darinnen und sind berufen, zwischen westlichem Materialismus und östlichem, aber für uns nicht zuträglichem Spiritualismus den rechten Weg zu finden. Und wir sollten uns in der Mitte Europas des großen Verantwortlichkeitsgefühles bewußt werden — und auch bewußt werden, wie sehr uns dieses Verantwortlichkeitsgefühl in den letzten Jahrzehnten abhanden gekommen ist. Das geistige Leben, was ist es denn geworden? Ein Anhängsel des Staatslebens, ein Anhängsel des Wirtschaftslebens. Der Staat als Verwalter des Geisteslebens, insbesondere des Schulwesens, hat uns das geistige Leben ruiniert. Das Wirtschaftsleben als der Brotherr hat es uns weiter ruiniert. Wir brauchen ein freies geistiges Leben, denn nur dem freien geistigen Leben können wir wirklich dasjenige einimpfen, was die geistige Welt der Menschheit offenbaren will. Diese Welle des geistigen Lebens, die muß herunter! Dem Staatsdiener, dem Staatsprofessor und dem, der im geistigen Leben der Kuli des Wirtschaftslebens ist, wird sie sich nimmermehr offenbaren; allein dem, der mit dem geistigen Leben täglich zu ringen hat, der im freien Geistesleben drinnensteht. Die Zeitentwicklung selber fordert die Befreiung des Geisteslebens aus Staats- und Wirtschaftsbanden.

[ 19 ] Wir blicken nach dem Westen und finden eine Kultur, welche sich vollständig vermaterialisieren will, eine Kultur, die allerdings eine gewisse innere Sicherheit des Instinktes hat und dadurch im Materialismus nicht ertrinken kann. Und wir blicken nach dem Osten und finden eine Kultur, die alles Westliche und auch uns verachtet, weil diese östliche Kultur bei einer alten Spiritualität, bei einer alten Geistigkeit noch steht und diese alte Geistigkeit in einer gewissen Weise erneuert. Und wir stehen mitten darinnen und sind berufen, zwischen westlichem Materialismus und östlichem, aber für uns nicht zuträglichem Spiritualismus den rechten Weg zu finden. Und wir sollten uns in der Mitte Europas des großen Verantwortlichkeitsgefühles bewußt werden — und auch bewußt werden, wie sehr uns dieses Verantwortlichkeitsgefühl in den letzten Jahrzehnten abhanden gekommen ist. Das geistige Leben, was ist es denn geworden? Ein Anhängsel des Staatslebens, ein Anhängsel des Wirtschaftslebens. Der Staat als Verwalter des Geisteslebens, insbesondere des Schulwesens, hat uns das geistige Leben ruiniert. Das Wirtschaftsleben als der Brotherr hat es uns weiter ruiniert. Wir brauchen ein freies geistiges Leben, denn nur dem freien geistigen Leben können wir wirklich dasjenige einimpfen, was die geistige Welt der Menschheit offenbaren will. Diese Welle des geistigen Lebens, die muß herunter! Dem Staatsdiener, dem Staatsprofessor und dem, der im geistigen Leben der Kuli des Wirtschaftslebens ist, wird sie sich nimmermehr offenbaren; allein dem, der mit dem geistigen Leben täglich zu ringen hat, der im freien Geistesleben drinnensteht. Die Zeitentwicklung selber fordert die Befreiung des Geisteslebens aus Staats- und Wirtschaftsbanden.

[ 20 ] Diese Dinge, die heute auch in einer anderen Form durch das Programm der «Dreigliederung des sozialen Organismus» verkündet werden, die sind heute das Christentum, die sind heute in äußerliche Formen gekleidete geistige Offenbarungen. Die sind das, was die Menschen brauchen, was einzig und allein die reale Grundlage und reale Möglichkeit bietet zum Umdenken und Umlernen, was der Menschheit so notwendig ist. Wir haben Krieg führen müssen mit einem Lande, das ein instinktives politisches Leben von hoher Vollendung hat und das seit langem viele Kolonien und seinen Industrialismus in Verbindung mit den Kolonien hat. Wir haben Krieg geführt als ein Land, welches einen erst aufstrebenden Industrialismus hatte, welches erst Kolonien haben wollte. Wir hätten zu diesem Streben Geist gebraucht, und niemand hat mehr die Sünde wider den Geist begangen als dasjenige, was führend im Wirtschaftsleben in den letzten drei Jahrzehnten in Deutschland war. Denn das Programm war da: die Ablehnung des geistigen Lebens, das SichÜberlassen dem bloßen Zufall, dem ungeistigen Zufall. Wie wenn der Weltengeist gerade dem deutschen Volke hätte die größte Lehre geben wollen durch die Auferlegung der größten Prüfung, so ist es. Diesem Volke sollte gezeigt werden, daß es ohne den Geist nicht geht. Und dieses Volk wird einsehen müssen, daß es ohne den Geist nicht geht. Aber es scheint, als ob es schwer dazu käme einzusehen, daß es ohne den Geist nicht geht, denn es ist noch immer geneigt, alles andere eher zu verurteilen, als das Nichtsichbewußtsein einer Verantwortung gegenüber dem Geist. Die Dinge, die sich in unseren Tagen auf diesem Gebiete so jammervoll abspielen, das Sich-Garnichtbewußtwerden, wie wenig geeignet die Menschen sind, das Schicksal des deutschen Volkes zu führen, die gegenwärtig es gegenüber dem Westen aufgetragen bekommen haben, wie unsinnig diese ganze Expedition durch die daran beteiligten Menschen ist, und der Wille, nicht zu prüfen, nicht hinzuschauen auf das, was geschieht, das ist noch immer ein Zeugnis für das Schlafen der Seelen, die sich längst hätten sagen müssen: Was da in Versailles aufgetreten ist, von uns hingeschickt, das ist ungeeignet, so ungeeignet als möglich, um den heutigen weltgeschichtlichen Augenblick zu begreifen. Aber solche Dinge wird man erst in der richtigen Weise beurteilen, wenn man sich der Verantwortung gegenüber dem Geiste bewußt wird, wenn man erkennen wird, daß man in dem allergrößten weltgeschichtlichen Augenblicke lebt und daß man die Verpflichtung hat, die Dinge nicht im allgemeinen Sinne leicht zu nehmen, sondern sie ernst zu nehmen. Aber es kann auf gewissen Gebieten heute geredet und geredet werden, es nützt nichts und es ist ja bequemer zu sagen, die, welche auf ihre Posten gestellt sind, werden es schon machen. Die mit den alten Gedanken heute auf ihre Posten gestellt werden, ob sie alte Aristokraten, dekadente Aristokraten oder marxistische Sozialisten sind, die von aller Welt nichts wissen, höchstens von Marx» «Kapital» etwas aufgenommen haben, ob sie das oder jenes sind: wenn sie nicht den Willen finden, jene große Umkehr der Seelen zu vollziehen zu neuen Gedanken, dann entsteht kein Heil. Die Revolution vom 9. November 1918 war keine Revolution. Denn das, was sich geändert hat, ist nur der äußere Stuck. Dasjenige, was sich geändert hat, tritt am stärksten hervor bei denjenigen, die den äußeren Stuck an der Stelle derjenigen, die ihn früher an sich getragen haben, nunmehr an sich tragen. Diese Dinge wollen in ihren Fundamenten gesehen werden. Aber dazu braucht man Gedanken. Zu diesen Gedanken muß man den guten Willen haben, und dieser gute Wille wird nur kommen, wenn man ihn trainiert an der Beschäftigung mit der geistigen Welt. Deshalb ist diese Beschäftigung mit der geistigen Welt das, was heute der einzig wirkliche Balsam ist, den die Menschheit braucht.

[ 20 ] Diese Dinge, die heute auch in einer anderen Form durch das Programm der «Dreigliederung des sozialen Organismus» verkündet werden, die sind heute das Christentum, die sind heute in äußerliche Formen gekleidete geistige Offenbarungen. Die sind das, was die Menschen brauchen, was einzig und allein die reale Grundlage und reale Möglichkeit bietet zum Umdenken und Umlernen, was der Menschheit so notwendig ist. Wir haben Krieg führen müssen mit einem Lande, das ein instinktives politisches Leben von hoher Vollendung hat und das seit langem viele Kolonien und seinen Industrialismus in Verbindung mit den Kolonien hat. Wir haben Krieg geführt als ein Land, welches einen erst aufstrebenden Industrialismus hatte, welches erst Kolonien haben wollte. Wir hätten zu diesem Streben Geist gebraucht, und niemand hat mehr die Sünde wider den Geist begangen als dasjenige, was führend im Wirtschaftsleben in den letzten drei Jahrzehnten in Deutschland war. Denn das Programm war da: die Ablehnung des geistigen Lebens, das SichÜberlassen dem bloßen Zufall, dem ungeistigen Zufall. Wie wenn der Weltengeist gerade dem deutschen Volke hätte die größte Lehre geben wollen durch die Auferlegung der größten Prüfung, so ist es. Diesem Volke sollte gezeigt werden, daß es ohne den Geist nicht geht. Und dieses Volk wird einsehen müssen, daß es ohne den Geist nicht geht. Aber es scheint, als ob es schwer dazu käme einzusehen, daß es ohne den Geist nicht geht, denn es ist noch immer geneigt, alles andere eher zu verurteilen, als das Nichtsichbewußtsein einer Verantwortung gegenüber dem Geist. Die Dinge, die sich in unseren Tagen auf diesem Gebiete so jammervoll abspielen, das Sich-Garnichtbewußtwerden, wie wenig geeignet die Menschen sind, das Schicksal des deutschen Volkes zu führen, die gegenwärtig es gegenüber dem Westen aufgetragen bekommen haben, wie unsinnig diese ganze Expedition durch die daran beteiligten Menschen ist, und der Wille, nicht zu prüfen, nicht hinzuschauen auf das, was geschieht, das ist noch immer ein Zeugnis für das Schlafen der Seelen, die sich längst hätten sagen müssen: Was da in Versailles aufgetreten ist, von uns hingeschickt, das ist ungeeignet, so ungeeignet als möglich, um den heutigen weltgeschichtlichen Augenblick zu begreifen. Aber solche Dinge wird man erst in der richtigen Weise beurteilen, wenn man sich der Verantwortung gegenüber dem Geiste bewußt wird, wenn man erkennen wird, daß man in dem allergrößten weltgeschichtlichen Augenblicke lebt und daß man die Verpflichtung hat, die Dinge nicht im allgemeinen Sinne leicht zu nehmen, sondern sie ernst zu nehmen. Aber es kann auf gewissen Gebieten heute geredet und geredet werden, es nützt nichts und es ist ja bequemer zu sagen, die, welche auf ihre Posten gestellt sind, werden es schon machen. Die mit den alten Gedanken heute auf ihre Posten gestellt werden, ob sie alte Aristokraten, dekadente Aristokraten oder marxistische Sozialisten sind, die von aller Welt nichts wissen, höchstens von Marx» «Kapital» etwas aufgenommen haben, ob sie das oder jenes sind: wenn sie nicht den Willen finden, jene große Umkehr der Seelen zu vollziehen zu neuen Gedanken, dann entsteht kein Heil. Die Revolution vom 9. November 1918 war keine Revolution. Denn das, was sich geändert hat, ist nur der äußere Stuck. Dasjenige, was sich geändert hat, tritt am stärksten hervor bei denjenigen, die den äußeren Stuck an der Stelle derjenigen, die ihn früher an sich getragen haben, nunmehr an sich tragen. Diese Dinge wollen in ihren Fundamenten gesehen werden. Aber dazu braucht man Gedanken. Zu diesen Gedanken muß man den guten Willen haben, und dieser gute Wille wird nur kommen, wenn man ihn trainiert an der Beschäftigung mit der geistigen Welt. Deshalb ist diese Beschäftigung mit der geistigen Welt das, was heute der einzig wirkliche Balsam ist, den die Menschheit braucht.

[ 21 ] Dies wollte ich einmal, nachdem uns die Möglichkeit dafür gegeben war, hier wiederum miteinander zu sprechen, in der Gestalt, in welcher es einem heute gegenüber den Ereignissen der Zeit erscheinen muß, vor Ihnen entwickeln, in Ihre Seelen bringen, damit innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung immer mehr und mehr und in immer weiteren und weiteren Kreisen jenes Streben entsteht, das nicht nur dem einzelnen ein innerliches Seelenwohlbehagen geben kann, sondern das dem Kulturleben der ganzen Menschheit Früchte tragen kann.

[ 21 ] Dies wollte ich einmal, nachdem uns die Möglichkeit dafür gegeben war, hier wiederum miteinander zu sprechen, in der Gestalt, in welcher es einem heute gegenüber den Ereignissen der Zeit erscheinen muß, vor Ihnen entwickeln, in Ihre Seelen bringen, damit innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung immer mehr und mehr und in immer weiteren und weiteren Kreisen jenes Streben entsteht, das nicht nur dem einzelnen ein innerliches Seelenwohlbehagen geben kann, sondern das dem Kulturleben der ganzen Menschheit Früchte tragen kann.

[ 22 ] Zu meiner innersten Befriedigung sehe ich, wieviel mehr Freunde unserer anthroposophischen Bewegung hier sitzen als vor Jahresfrist. Möge es der in der heutigen Welt- und Menschheitsentwicklung vibrierende Geist dahin bringen, daß in jedem Jahre wenigstens ein ebenso großer oder ein viel größerer Zustrom geschehe. Denn in je mehr Menschenseelen dieser Geist die Überzeugung legt von dem neuen Denken, Empfinden und Wollen und von dem neuen Verantwortlichkeitsgefühl, desto besser wird es sein.

[ 22 ] Zu meiner innersten Befriedigung sehe ich, wieviel mehr Freunde unserer anthroposophischen Bewegung hier sitzen als vor Jahresfrist. Möge es der in der heutigen Welt- und Menschheitsentwicklung vibrierende Geist dahin bringen, daß in jedem Jahre wenigstens ein ebenso großer oder ein viel größerer Zustrom geschehe. Denn in je mehr Menschenseelen dieser Geist die Überzeugung legt von dem neuen Denken, Empfinden und Wollen und von dem neuen Verantwortlichkeitsgefühl, desto besser wird es sein.