Michael's Message
The True Mysteries of Human Natur
GA 194
21 November 1919, Dornach
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The Mission of the Archangel Michael, tr. Monges
Erster Vortrag
1. The Power and Mission of Michael, Necessity of the Revaluation of Many Values
[ 1 ] Ich möchte in diesen Tagen etwas sprechen über die Art und Weise, wie wir Menschen der Gegenwart in der Lage sind, uns zu stellen zu derjenigen geistigen Macht, von der wir sagen können, daß sie als die Macht des Michael eingreift in das geistige und damit auch in das übrige Geschehen der Erde. Es wird notwendig sein, daß wir dasjenige, was dabei in Betracht kommt, heute einmal vorbereiten. Denn es sind verschiedene Gesichtspunkte notwendig, welche die menschliche Verständigkeit befähigen, die verschiedenen Eingriffe der eben bezeichneten Macht aus den Symptomen, die wir ja immer in unserer Umgebung bemerken, wirklich wiederzugeben. Wir müssen ja festhalten, daß wir, wenn wir ernsthaft von der geistigen Welt sprechen wollen, immer blicken können auf dasjenige, was sich als Offenbarungen der geistigen Mächte hier in der physischen Welt zeigt. Man sucht gewissermaßen durch den Schleier der physischen Welt durchzudringen zu demjenigen, was in der geistigen Welt wirksam ist. Das, was in der physischen Welt vorhanden ist, kann ja beobachtet werden von jedem Menschen; das, was in der geistigen Welt wirksam ist, dient dann dazu, die Rätsel, welche die physische Welt gibt, aus der geistigen Welt heraus zu lösen. Man muß nur die Rätsel des physischen Lebens in der richtigen Weise empfinden. Es handelt sich gerade bei diesen wichtigen Dingen darum, daß manches, was gerade in der Zeit, die diesen Vorträgen vorangegangen ist, von mir hier gesagt worden ist, in vollem Ernste aufgefaßt werde. Man kann nun einmal nicht verbinden die persönlichsten Auffassungen der Welt mit einem wirklichen Verständnisse desjenigen, was durchgreifend nicht nur die ganze Menschheit, sondern geradezu die Welt angeht. Man muß sich frei machen von den bloß persönlichen Interessen. Man wird ja dasjenige, was die Persönlichkeit in der Welt zu tun hat und was sie von sich als ihren Wert zu begreifen hat, gerade am besten dann einsehen, wenn man sich von dem Persönlichen im engeren Sinne frei gemacht hat.
[ 1 ] In this course of lectures I should like to describe the relationship which we, human beings of the present day, may gain to that spiritual power which, as the power of Michael, intervenes in the spiritual and physical events of the earth. It will be necessary to prepare ourselves in today's lecture for this task. We shall need various points of view which will enable human intelligence really to present the various interferences with the just designated power on the background of the symptoms which we may observe in our surroundings. We must keep in mind, if we wish to speak seriously of the spiritual world, that we always may look upon the manifestations of the spiritual powers here in the physical world. We try to penetrate as it were, through the veil of the physical world to that which is active in the spiritual world. What exists in the physical world may be observed by everyone; what is active in the spiritual world serves to solve the riddles posed by the physical world. But we must sense the riddles of physical life in the right way. It is important, in connection with these weighty matters, to comprehend in full seriousness what I have said in recent lectures. {See Rudolf Steiner, Pneumatosophy: The Riddle of the Inner Human Being. Anthroposophic Press, New York.} It is impossible to link personal world views to a real understanding of that which so vitally concerns not only the whole of humanity, but the whole world. We must free ourselves from merely personal interests. Moreover, we will gain an understanding for the purpose and value of personality in the world if we have freed ourselves from the personal element in its narrower sense.
[ 2 ] Nun wissen Sie, daß unserer Entwickelung, die wir als unsere Erdenentwickelung aufzufassen haben, vorangeht eine andere Entwickelung, daß wir also in einer vollen kosmischen Entwickelung drinnenstehen. Sie wissen aber erstens, daß diese Entwickelung weiterschreitet, daß diese Entwickelung an einem Punkt angelangt ist, über den sie hinausgehen wird zu weiteren, fortgeschritteneren Stufen. Sie wissen aber auch zweitens, daß wir es zu tun haben, wenn wir die Welt als solche betrachten, nicht nur mit denjenigen Wesen, die uns zunächst im irdischen Felde entgegentreten, also im mineralischen, im pflanzlichen, im tierischen Reiche, im menschlichen Reiche, sondern daß wir es zu tun haben mit Wesen, die diesen Reichen übergeordnet sind, und die wir zusammengefaßt haben als die Wesen der höheren Hierarchien. Wir müssen immer, wenn wir von der vollen Entwickelung sprechen, auch auf diese Wesen der höheren Hierarchien Rücksicht nehmen.
[ 2 ] Now you know that our Earth evolution was preceded by another; that we stand within a cosmic evolution. First, you know that this evolution progresses, that it has arrived at a point beyond which it will pass to further, more advanced stages. Secondly, you know that if we consider the world as such, we have to deal not only with the beings which we meet in the earthly sphere, that is, in the mineral, plant, animal, and human kingdoms, but that we have to deal with beings belonging to higher realms which we have designated as the beings of the higher hierarchies. If we speak of evolution in its entirety, we have always to consider these beings of the higher hierarchies.
[ 3 ] Diese Wesen machen ja ihrerseits auch eine Entwickelung durch, die wir verstehen können, wenn wir Analogien finden zu unserer eigenen menschlichen Entwickelung und zu derjenigen, die sonst in den verschiedenen Reichen der Erde vorhanden ist. Ich bitte Sie, nur das Folgende einmal zu berücksichtigen. Sie wissen, wir Menschen sind durchgedrungen durch eine Saturn-, Sonnen-, Mondenentwickelung und sind auf unserer Erde angekommen, so daß wir, wenn wir unsere kosmische Entwickelung ins Auge fassen, davon sprechen können, daß wir als Menschen, wie wir uns nun in der Erdenumgebung fühlen, auf der vierten Stufe unserer Entwickelung angelangt sind.
[ 3 ] These beings, on their part, also pass through an evolution which we can understand if we find analogies to our own human evolution and to the one which exists in the various kingdoms of the earth. Consider, for example, the following: You know that we human beings have passed through a Saturn, Sun and Moon evolution, we may say that we as human beings who experience ourselves in earthly surroundings have arrived at the fourth stage of our evolution.
[ 4 ] Betrachten wir einmal die unmittelbar über unserer Menschenstufe stehenden Wesen, die wir als die Angeloi bezeichnen. Wir können, wenn wir bloß die Analogie geltend machen, sagen: Diese Wesenheiten, wenn sie auch ganz andere Formen haben als die Form des Menschendaseins ist und zunächst für physische Menschensinne unsichtbar sind, sie haben die Entwickelungsstufe des Jupiter.
[ 4 ] Let us now consider the beings directly above our human stage whom we call the Angeloi, the Angels. If we merely wish to show an analogy we may say: these beings, although their form is entirely different from the human, and although they are invisible to physical human senses, are at the evolutionary stage of Jupiter.
[ 5 ] Gehen wir dann zu den Archangeloi, so haben sie die Entwickelungsstufe, welche die Menschheit auf der Venus erlangt haben wird. Und gehen wir zu den Archai, zu den Zeitgeistern, also zu denjenigen Wesenheiten, die ganz besonders hereinragen in unsere irdische Entwickelung, so stehen diese bereits in der Vulkanentwickelung.
[ 5 ] Let us now turn to the Archangeloi, the Archangels. They are at the evolutionary stage which mankind will have reached upon Venus. And if we turn to the Archai, the time spirits, to the beings who especially influence our earthly evolution, we find that they have already attained the evolution of Vulcan.
[ 6 ] Nun entsteht die bedeutsame Frage: Es gibt ja nun auch die nächsthöherstehende Klasse von Wesenheiten, welche der Hierarchie der sogenannten Formgeister angehört. Wenn wir uns fragen, auf welcher Stufe stehen diese Formgeister, dann müssen wir uns sagen: Sie sind bereits hinausgerückt über dasjenige, was wir Menschen zunächst als unsere Zukunftsentwickelung, als die Vulkanentwickelung erblicken. Sie sind also auf einer Stufe angelangt, von der wir sagen müssen: Wenn wir unsere, für unsere Betrachtungen zunächst hinreichenden Stufen als sieben Stufen bezeichnen, so sind diese Wesenheiten, die wir die Formgeister nennen, auf der achten Stufe angelangt. Wir können also sagen: Wir Menschen stehen auf der vierten Stufe der Entwickelung, nehmen wir die achte Stufe, so finden wir da die Formgeister.
[ 6 ] Now the significant question arises: If we turn to the beings still higher in rank, to the hierarchy of the so-called Spirits of Form, on what stage do we find them? We must answer: They have already passed beyond the stages which we human beings conceive of as our evolutionary stages of the future. They have already passed beyond the Vulcan evolution. If we consider our own evolution as consisting of seven stages, which suffices for our present considerations, we must say that the Spiritsof Form have reached the eighth stage. We human beings are at the fourth stage of evolution; if we consider the eighth stage we find the Form Spirits.
[ 7 ] Nun können wir aber nicht uns etwa diese Stufenfolge der Entwickelung nebeneinander denken, sondern wir müssen uns denken, daß das alles durcheinandergeschoben ist. So wie etwa der Luftkreis, der die Erde umgibt und durchdringt, so ist auch diese achte Entwickelungssphäre, welcher die Formgeister angehören, so, daß sie durchdringt die Sphäre, in der wir uns zunächst als Menschen befinden. Wir wollen zunächst diese zwei Stufen der Entwickelung streng ins Auge fassen.
[ 7 ] Now we must not conceive of these successive stages of evolution as existing side by side, but we must conceive of them as interpenetrating one another. Just as the atmosphere surrounds and permeates the earth, so this eighth sphere of evolution to which the Form Spirits belong permeates the sphere in which we human beings live. Let us now carefully consider these two stages of evolution.
[ 8 ] Wir wollen uns sagen: Wir Menschen als solche, wir befinden uns in einer Sphäre, welche eine vierte Stufe der Entwickelung erlangt hat. Nun befinden wir uns aber außerdem, wenn wir zunächst von allem übrigen absehen, in dem Reiche, das die Formgeister um uns und durch uns als das ihrige zu betrachten haben. Nehmen wir nun konkret den Menschen in seiner Entwickelung. Wir haben ja öfter die Entwickelung dieses Menschen in seiner Gliederung unterschieden. Wir haben unterschieden die Hauptesentwickelung von der übrigen Entwickelung des Menschen. Wir teilen die übrige Entwickelung wiederum in zwei Glieder, in die Brustentwickelung und in die Gliedmaßenentwickelung. Davon wollen wir jetzt zunächst absehen. Wir wollen uns nur auf den Standpunkt stellen, daß wir im Menschen haben alles dasjenige, was zur Hauptesentwickelung gehört, und alles dasjenige, was dem übrigen Menschen zuerteilt ist.
[ 8 ] Let us repeat: We human beings exist in a sphere which has reached the fourth evolutionary stage. Yet we also exist, if we disregard everything else, in the realm which the Form Spirits, around us and through us, have to regard as theirs. Let us now consider human evolution concretely. We have often distinguished the development of the head from that of the human being. The latter we have again divided into two separate parts, the development of the breast and the development of the limbs. Let us disregard this latter differentiation and consider man as having, on the one hand, that which belongs to the development of the head and, on the other, everything that belongs to the rest of the human being.
[ 9 ] Nun denken Sie sich einmal bildlich die Sache so (es wird gezeichnet), daß Sie sich etwa eine Meeresoberfläche denken, den Menschen wie im Meere watend, im Meere sich vorwärts bewegend, so daß nur sein Kopf herausragt, dann würden Sie durch dieses Bild — es ist selbstverständlich ein Bild — die Lage des gegenwärtigen Menschen haben. Alles dasjenige, worinnen der Kopf wurzelt, würden wir zu der vierten Stufe der Entwickelung zu rechnen haben, und dasjenige, worinnen der Mensch watet, worinnen er sich zwar gehend, oder wir können sagen, schwimmend vorwärts bewegt, würden wir zu bezeichnen haben als die achte Stufe der Entwickelung. Denn es ist das Eigentümliche, daß der Mensch in einer gewissen Weise entwachsen ist mit seinem Haupt demjenigen Elemente, in dem die Geister der Form ihr eigentümliches Wesen entfalten. Der Mensch ist gewissermaßen emanzipiert mit Bezug auf seine Hauptesbildung von demjenigen, was durchimprägniert wird von den Wesen der Geister der Form.
[ 9 ] Now imagine the following: You have here the surface of the ocean, the human being wading in it, moving forward with only his head rising about the water. In this image—of course it is only an image—you have the position of the present-day human being. Everything in which the head is rooted we would have to consider as belonging to the fourth stage of evolution, and everything in which man moves forward, wading or swimming in it, as it were, we would have to designate as the eighth stage of evolution. For it is a peculiar fact that the human being has, in a certain way, outgrown as far as his head is concerned, the element in which the Spirits of Form unfold their particular being. In regard to his head, man has become emancipated, so to speak, from the sphere which is interpenetrated by the beings of the Spirits of Form.


[ 10 ] Nur dadurch, daß man dieses gründlich versteht, kann man wirklich zu einer Auffassung des Menschen kommen. Denn nur dadurch wird man die besondere Stellung, die der Mensch in der Welt hat, in der richtigen Weise erfassen. Man wird nämlich nur dadurch richtig erfassen, daß der Mensch, insofern er einen gewissen schöpferischen Einfluß auf sich zu verspüren hat von seiten der Geister der Form, diesen schöpferischen Einfluß nicht verspürt unmittelbar durch die Fähigkeiten seines Hauptes, sondern verspürt durch dasjenige, was von seinem übrigen Organismus als Wirkung auf das Haupt ausgeübt wird. Sie wissen ja, wir atmen, und das Atmen steht mit unserem Blutkreislauf im Zusammenhange, wenn wir äußerlich physiologisch sprechen. Das Blut wird aber auch in das Haupt getrieben. Dadurch ist das Haupt in einem organischen, in einem lebensvollen Zusammenhange mit dem übrigen Organismus. Es wird genährt, es wird belebt von dem übrigen Organismus.
[ 10 ] Only by thoroughly comprehending this can we arrive at a proper conception of the human being; only then can we understand the special position man has in the world; only then will it become clear to us that when the human being senses the Spirits of Form's creative influence upon him, he does not sense this directly through the faculties of his head, but indirectly through the effect of the rest of his body upon the head. You all know that breathing is connected with our blood-circulation, speaking in the sense of external physiology. But the blood is also driven into the head, creating an organic, vital connection of the head with the rest of the organism. The head is nourished and invigorated by the rest of the body.
[ 11 ] Sie müssen zwei Dinge genau unterscheiden. Das eine ist, daß das Haupt in unmittelbarem Zusammenhange steht mit der Außenwelt. Wenn Sie eine Sache sehen, so nehmen Sie diese Sache durch Ihre Augen wahr. Da ist ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Außenwelt und Ihrem Haupte. Wenn Sie aber das Leben Ihres Hauptes betrachten, wie es unterhalten wird durch den Atmungs- und Blutkreislaufprozeß, dann haben Sie heraufschießend das Blut von dem übrigen Organismus in das Haupt, und Sie können sagen, da haben Sie keinen unmittelbaren Zusammenhang Ihres Hauptes mit der Umgebung, sondern einen mittelbaren.
[ 11 ] We must carefully discriminate between two things. The first is the fact that the head is in direct connection with the external world. If you see an object, you perceive it through your eyes; there is a direct connection between the outer world and your head. If you, however, observe the life of your head as it is sustained by the processes of breathing and blood circulation, you will see the blood shooting up from the rest of the organism into the head and you may say there is not a direct, but only an indirect connection between your head and the surrounding world.
[ 12 ] Sie müssen natürlich nicht pedantisch unterscheiden, indem Sie sagen, nun ja, die Atemluft wird ja durch den Mund eingezogen, also gehört die Atmung auch zum Haupte. Ich habe deshalb gesagt, das ist nur ein Bild. Organisch gehört dasjenige, was durch den Mund eingezogen wird, nicht eigentlich zum Haupte, sondern es gehört zu dem übrigen Organismus.
[ 12 ] Naturally, you must not say, pedantically: well, the breath is inhaled through the mouth, therefore breathing also belongs to the head. I have stated above that we have here only an image. Organically, what is inhaled through the mouth does not actually belong to the head, but to the rest of the organism.
[ 13 ] Wenn Sie einmal diese Grundbegriffe, die wir jetzt aufgenommen haben, zunächst ins Auge fassen wollen, wenn Sie festhalten wollen an der Idee, daß wir drinnenstehen in zwei Sphären, in derjenigen Sphäre, in die wir gebracht sind dadurch, daß wir Saturn-, Sonnen-, Mondenentwickelung durchgemacht haben und innerhalb der Erdenentwickelung stehen, daß wir also auf der vierten Stufe unserer Entwickelung stehen, wenn Sie ferner in Betracht ziehen, daß wir außerdem drinnenstehen in einem Leben, in einer Sphäre, welche so angehört den Formgeistern wie uns die Erde angehört, welche aber unsere Erde durchdringt und nur unser Haupt ausschließt, so daß wir mit unserem ganzen übrigen Organismus, mit alldem, was nicht Sinnesauffassung ist, stehen in dieser achten Sphäre: wenn Sie dies ins Auge fassen, so haben Sie eine gewisse Grundlage geschaffen für das Folgende.
[ 13 ] Focus your attention upon these two fundamental concepts which we have just gained; focus your attention upon the idea that we stand within two spheres: the sphere which we entered by passing through the Saturn, Sun and Moon evolution and being now within the Earth evolution which is the fourth evolutionary stage; then consider the fact that we live within a sphere which belongs to the Form Spirits just as our earth belongs to us, but which, as the eighth sphere, permeates our earth and our organism with the exception of our head and all that is sense activity. If we focus our attention upon these facts we have created a basis for what is to follow.
[ 14 ] Doch ich will noch durch andere Begriffe eine gewisse Grundlage schaffen. Wenn wir unser Leben unter solchen Einflüssen betrachten wollen, so können wir es nicht anders betrachten, als indem wir ins Auge fassen diejenigen an dem Weltengeschehen mitwirkenden Wesenheiten, die wir öfter schon erwähnt haben: die luziferischen und die ahrimanischen Wesenheiten. Fassen wir zunächst nur einmal, ich möchte sagen, das Alleräußerlichste an diesen Wesen, an den luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten ins Auge. Sie bewohnen ebenso wie wir Menschen die Sphären, in denen wir eben drinnenstehen. Wenn wir ihr Außerlichstes ins Auge fassen, so können wir sagen: Alle luziferischen Wesenheiten können wir uns vorstellen als Inhaber derjenigen Kräfte, die wir als Menschen dann verspüren, wenn wir phantastisch werden wollen, wenn wir einseitig uns der Phantasie hingeben, wenn wir einseitig uns der Schwärmerei hingeben, wenn wir — um mich bildlich auszudrücken — mit unserem Wesen über unseren Kopf hinaus wollen. Wenn wir als Mensch mit unserem Wesen über unseren Kopf hinaus wollen, so sind das Kräfte, welche in unserer Menschenorganisation eine gewisse Rolle spielen, die aber die universellen Kräfte derjenigen Wesen sind, die wir luziferische Wesen nennen. Denken Sie sich Wesen, ganz geformt aus dem, was in uns über unseren Kopf hinausstreben will, so haben Sie die luziferischen, die mit unserer Menschenwelt in einer gewissen Beziehung stehen. Denken Sie sich umgekehrt alles dasjenige, was uns auf die Erde drückt, alles dasjenige, was uns zu nüchternen Philistern macht, was uns dazu bringt, materialistische Gesinnungen zu entwickeln, was uns durchdringt mit dem, was wir nennen können trockenen Verstand und so weiter, so haben Sie die ahrimanischen Mächte.
[ 14 ] Yet let me first build a still firmer basis through certain other concepts. If we wish to consider our life under such influences, we must take into account the beings we have often mentioned as cooperating in world events: the Luciferic and Ahrimanic beings. Let us, at the outset, fix our attention upon the most external aspect of these beings. They dwell in the same spheres in which we human beings live. Considering their most external aspect, we may think of all Luciferic beings as possessing those forces which we feel when there arises in us the tendency to become fantastic, when we yield one-sidedly to fancy and over-enthusiasm, when we—if I may express it pictorially—tend to go out with our being beyond our head. If we tend to go out beyond our head, we employ forces which play a certain role in our human organism but which are the universal forces of the beings we call Luciferic. Think of beings formed entirely of those forces within us which strive to pass beyond our head and you have the Luciferic beings which have a certain relation to our human world. Conversely, think of all that presses us down upon the earth, all that makes us sober philistines, makes us bourgeois, which leads us to develop materialistic attitudes, think of all that exists in us as dry intellect, and you have the Ahrimanic powers.
[ 15 ] Man kann alles dasjenige, was ich jetzt eben mehr seelisch gesagt habe, auch mehr leiblich ausdrücken. Man kann sagen: Der Mensch ist eigentlich immer in einer Art Mittelpunktslage zwischen dem, was sein Blut mit ihm will, und dem, was seine Knochen mit ihm wollen. Die Knochen wollen uns fortwährend zum Erstarren bringen, die Knochen wollen uns mit anderen Worten auch leiblich ahrimanisch machen, verhärten. Das Blut möchte uns über uns selbst hinaustreiben. Pathologisch gesprochen: Das Blut kann fiebrig werden, dann wird der Mensch auch organisch in die Phantasterei hineingetrieben; die Knochen können ihr Wesen ausdehnen über den übrigen Organismus, dann verknöchert der Mensch, er wird sklerotisch, wie es fast jeder Mensch im Alter bis zu einem gewissen Grade wird. Dann trägt er das tötende Element in seinem Organismus in sich: Das ist das Ahrimanische. Man kann sagen: Alles dasjenige, was im Blute liegt, hat die Hinneigung zum Luziferischen, alles dasjenige, was in den Knochen liegt, hat die Hinneigung zum Ahrimanischen, und der Mensch ist die Gleichgewichtslage zwischen beiden, so wie er die Gleichgewichtslage sein muß in seelischer Beziehung zwischen der Schwärmerei und der nüchternen Philistrosität.
[ 15 ] All that I have described here from the aspect of the soul can also be described from the aspect of the body. One can say, man is always in a midway position between the intentions of his blood and the intentions of his bones. The bones constantly tend to ossify us; in other words, to “ahrimanize” our bodies, to harden us. The blood would like to drive us out beyond ourselves. Expressed in pathological terms, the blood may become feverish. Then the human being is organically driven into phantasms. The bones may spread their nature over the rest of the organism. Then the human being becomes ossified, becomes sclerotic, as nearly everyone does to a certain degree in old age. Then he carries the death-dealing element in his organism, namely, the Ahrimanic element. We may say that everything that lives in the blood tends toward the Luciferic, everything that lives in the bones has the tendency toward the Ahrimanic. The human being is the equilibrium between the two, as he, from the aspect of the soul, has to be the equilibrium between over-enthusiastic and sober philistinism.
[ 16 ] Wir können aber auch in einer gewissen Weise tiefer diese beiden Wesenheiten charakterisieren. Wir können einmal uns die luziferischen Wesenheiten anschauen, was sie gewissermaßen im kosmischen Dasein für Interessen haben. Und da findet man, daß die Juziferischen Wesenheiten vor allen Dingen das Interesse haben im Kosmos, die Welt, namentlich die Menschenwelt, abtrünnig zu machen von denjenigen geistigen Wesenheiten, die wir als die eigentlichen menschenschöpferischen Wesenheiten auffassen müssen. Die luziferischen Wesenheiten möchten nichts anderes, als die Welt, man könnte sagen, von den göttlichen Wesenheiten abtrünnig machen. Nicht so sehr, daß luziferische Wesenheiten in erster Linie die Absicht hätten, sich selber die Welt anzueignen. Sie werden aus Verschiedenem, was ich schon gesagt habe über die luziferischen Wesenheiten, entnehmen können, daß das nicht die Hauptsache ist bei den luziferischen Wesenheiten, sondern die Hauptsache ist: von dem, was der Mensch empfinden kann als seine eigentlichen göttlichen Wesenheiten, abtrünnig zu machen die Welt, frei zu machen die Welt davon.
[ 16 ] Now we may characterize these two kinds of beings from a more profound point of view. Let us observe the Luciferic beings and see what interests they have in cosmic existence. We shall find that their chief interest is to make the world, and above all the human world, desert the spiritual beings whom man must regard as his true creators. The Luciferic beings wish nothing more than to make the world desert the divine beings. Do not misunderstand me: it is not the prime intention of the Luciferic beings to appropriate the world to themselves. From various things I have said about them you can gather that this is not their chief intention; their chief aim is to make the human being forsake his own divine creator-beings, to liberate the world from these beings.
[ 17 ] Die ahrimanischen Wesenheiten haben eine andere Absicht. Sie haben die entschiedene Absicht, namentlich das Menschenreich, aber damit die übrige Erde, in ihre Machtsphäre zu bekommen, von sich abhängig zu machen, namentlich zunächst die Menschen als solche zu beherrschen. Während also die luziferischen Wesenheiten darauf hinarbeiten zunächst und immer hingearbeitet haben, die Menschen abtrünnig zu machen von dem, was die Menschheit als ihr Göttliches empfinden kann, haben die ahrimanischen Wesenheiten die Tendenz, die Menschheit und alles, was dazu gehört, in ihre Machtsphäre allmählich einzubeziehen.
[ 17 ] The Ahrimanic beings have a different aim. They have the decided intention to make the kingdom of man and the rest of the earth, subject to their sphere of power, to make mankind dependent upon them, to get control over human beings. While it always has been—and is now—the endeavor of the Luciferic beings to make human beings desert what they can feel as the Divine in themselves, the Ahrimanic beings have the tendency gradually to include mankind and everything connected with it in their sphere of power.
[ 18 ] So ist eigentlich in unserem Kosmos, in den wir hineinverwoben sind als Menschen, ein Kampf vorhanden zwischen den fortwährend nach Freiheit, nach universeller Freiheit strebenden luziferischen Wesenheiten, und den nach einer immerwährenden Macht und Kraft strebenden ahrimanischen Wesenheiten. Dieser Kampf, in dem wir drinnenstehen, durchdringt alles. Das bitte ich Sie als die zweite für unsere weitere Betrachtung wichtige Idee festzuhalten. Die Welt, in der wir drinnenstehen, ist durchdrungen von luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten, und es besteht dieser gewaltige Gegensatz zwischen der befreienden Tendenz der luziferischen Wesenheiten und der nach Macht strebenden Tendenz der ahrimanischen Wesenheiten.
[ 18 ] Thus, within our cosmos, into which we human beings are interwoven, there exists a battle between the Luciferic beings, constantly striving for freedom, universal freedom, and the Ahrimanic beings, constantly striving for everlasting power and might. This battle permeates everything in which we live. Please hold this fact in mind as the second idea, important to our further considerations. The world in which we live is permeated by Luciferic and Ahrimanic beings, and there exists this tremendous contrast between the liberating tendency of the Luciferic beings and the power tendency of the Ahrimanic beings.
[ 19 ] Wenn Sie diese ganze Sache ins Auge fassen, dann werden Sie sich sagen: Verstehen kann ich die Welt eigentlich nur, wenn ich sie mit Bezug auf die Dreizahl ins Auge fasse. Denn wir haben auf der einen Seite alles dasjenige, was luziferisch ist, auf der anderen Seite alles dasjenige, was ahrimanisch ist, mitten hineingestellt den Menschen, der als ein Drittes, wie im Gleichgewichtszustande zwischen beiden, sein Göttliches empfinden muß. Nur dadurch kommt man mit dem Weltverständnis zurecht, daß man diese Dreiheit zugrunde legt, daß man sich klar darüber ist: Es ist dieses menschliche Leben wie ein Waagebalken (siehe Zeichnung S. 19). Hier das Hypomochlion, da eine Waagschale, das Luziferische, das aber in Wirklichkeit hinaufzieht. Auf der anderen Seite das Ahrimanische, das in Wirklichkeit hinunterzieht. Den Waagebalken im Gleichgewicht zu erhalten, das ist das Wesen des Menschen. Es haben diejenigen, die eingeweiht waren in solche Geheimnisse, immer betont in der geistigen Menschheitsentwickelung, daß man das Weltendasein, in das der Mensch hineingestellt ist, nur im Sinne der Dreizahl verstehen kann, daß man nicht verstehen kann die Welt, wenn man sie gewissermaßen auffassen will in ihrer Grundstruktur im Sinne der anderen Zahlen als im Sinne der Dreizahl. So daß wir sagen dürfen, in unserer Sprache sprechend: Wir haben es zu tun im Weltendasein mit dem Luziferischen, das die eine Waagschale, dem Ahrimanischen, das die andere Waagschale darstellt, und dem Gleichgewichtszustande, der uns darstellt den Christus-Impuls.
[ 19 ] If you consider this whole matter you will have to say to yourselves: I am only able to understand the world if I conceive of it in connection with the number three, the triad. For we have on the one hand the Luciferic, and on the other the Ahrimanic element, and in the middle the human being who, as the third element, in the state of equilibrium between the two, must feel his divine essence. We shall only arrive at an understanding of the world if we base it on this triad and become clear about the fact that human life is the scale-beam. Here the fulcrum; on the one side the scale pan with the Luciferic element, pulling upward; on the other side the scale pan with the Ahrimanic element, pulling downward. To keep the scales in perfect balance signifies the essential being of man. Those who were initiated into such secrets of the spiritual evolution of mankind have always emphasized the fact that it is only possible to understand cosmic existence into which man is placed if it is conceived of in the sense of the triad; that it cannot be understood if it is considered on the basis of any other number. Thus we may say, employing our own terminology: we have to deal with three main factors in cosmic existence, namely: the Luciferic element, representing the one scale of the balance, the Ahrimanic element, representing the other scale of the balance, and the state of equilibrium which represents the Christ Impulse.


[ 20 ] Nun können Sie sich denken, daß es durchaus im Interesse der ahrimanischen und der luziferischen Mächte liegt, dieses Geheimnis der Dreizahl zu verhüllen. Denn die richtige Durchdringung dieses Geheimnisses der Dreizahl befähigt ja die Menschheit, den Gleichgewichtszustand zwischen ahrimanischen und luziferischen Mächten herzustellen. Das heißt auf der einen Seite, alle Tendenz nach Freiheit, das Luziferische, zu benützen zu einem gedeihlichen Weltenziele, auf der anderen Seite das gleiche zu tun mit dem Ahrimanischen. Des Menschen normalster Geisteszustand besteht darin, in der richtigen Weise sich hineinzuversetzen in diese Trinität der Welt, in diese Struktur der Welt, insofern ihr die Dreizahl zugrunde liegt.
[ 20 ] Now you may well imagine that it is entirely in the interest of the Ahrimanic and Luciferic powers to conceal this secret of the triad. For the proper comprehension of this secret enables mankind to bring about the state of equilibrium between the Ahrimanic and Luciferic powers; that means, on the one hand, to use the Luciferic tendency toward freedom for the achievement of a wholesome cosmic aim, and on the other hand, to strive to achieve the same with the Ahrimanic element. The human being's normal spiritual condition consists in relating himself in the proper way to this trinity, this triune structure of the world.
[ 21 ] Es bestand nun und besteht — wir werden die Quellen dieses Bestehens schon noch genauer morgen und übermorgen zu besprechen haben — einmal in dem, was auf das menschliche Geistes- und Kulturleben Einfluß hat, eine starke Tendenz, den Menschen zu verwirren in bezug auf diese Bedeutung der Dreizahl. Eine starke Tendenz besteht, den Menschen mit Bezug auf diese, wir dürfen sagen, heilige Dreizahl zu verwirren. Und wir können in der neueren Menschheitskultur sehr deutlich sehen, wie fast ganz zugedeckt wird diese Gliederung nach der Dreizahl durch eine Gliederung nach der Zweizahl. Bedenken Sie nur einmal, daß man ja sogar, um den Goetheschen «Faust» richtig zu verstehen, wie ich das öfter hier auseinandergesetzt habe, wissen muß, daß bis in dieses gewaltige Weltengedicht hinein die Verwirrung mit Bezug auf diese Dreizahl spielt. Hätte Goethe zu seiner Zeit schon ganz durchschauen können, wie es sich eigentlich mit diesen Dingen verhält, dann hätte er nicht bloß dargestellt als den Gegner des Faust, als denjenigen, der Faust herabzieht, die mephistophelische Macht, sondern er hätte dieser mephistophelischen Macht, von der wir ja wissen, daß sie identisch ist mit der ahrimanischen Macht, gegenübergestellt die luziferische Macht, und es würden Luzifer und Mephistopheles als zwei Parteien im «Faust» auftreten. Das habe ich ja schon wiederholt hier ausgeführt. Man kann auch, wenn man die Goethesche Mephistopheles-Figur studiert, genau sehen, wie Goethe überall durcheinandergebracht hat in der Charakteristik des Mephistopheles das luziferische und das ahrimanische Element. Die Figur des Mephistopheles ist bei Goethe gewissermaßen aus zwei Elementen gemischt. Es ist keine einheitliche Gestalt. Es ist bunt durcheinandergeworfen das luziferische und das ahrimanische Element. Ich habe das in meinem kleinen Büchelchen «Goethes Geistesart» ausführlicher auseinandergesetzt.
[ 21 ] For, the influences upon human spiritual and cultural life do have a strong tendency to confuse man in regard to the significance of the triad. We can observe very clearly in modern culture that the conception of this structure according to the triad is almost completely eclipsed by the conception of a structure according to the duad. If we wish to understand Goethe's Faust, we must realize, as I have often pointed out, that this confusion in regard to the triad influences even this great cosmic poem. If Goethe, in his day, had had a clear view of these matters, he would not have presented the Mephistophelean power as the only opponent of Faust who drags Faust down, but he would have contrasted this Mephistophelean power—of whom we know that it is identical with the Ahrimanic power—with the Luciferic power, and Lucifer and Mephistopheles would appear in Faust as two opposing forces. I have spoken of this here repeatedly. If we study the figure of Goethe's Mephistopheles, we can see clearly that Goethe in his characterization of Mephistopheles constantly confused the Luciferic and Ahrimanic elements. Goethe's Mephistopheles is a figure mixed as it were, of two elements. There is no uniformity in it. The Luciferic and Ahrimanic elements are intermingled at random. I have dealt with this more explicitly in my brochure, Goethe's Standard of the Soul.
[ 22 ] Diese Verwirrung, die also bis in den Goetheschen «Faust» hineinspielt, ist durchaus darauf begründet, daß nach einer gewissen Richtung hin — in älterer Zeit war es anders — in der neueren Menschheitsentwikkelung sich der Wahn geltend gemacht hat, an die Stelle der Dreizahl, wenn man auf die Weltstruktur sieht, die Zweizahl zu setzen: das gute Prinzip auf der einen Seite, das böse Prinzip auf der anderen Seite, Gott und den Teufel.
[ 22 ] This confusion which thus plays even into Goethe's Faust is based upon the misconception which has arisen in the evolution of modern mankind—in former times it was different—of putting the duad in the place of the triad when considering the structure of the world; that is, one sees the good principle on the one side, the bad principle on the other: God and the Devil.
[ 23 ] Denken Sie nur, daß wir also festzustellen haben: Will jemand sachgemäß in die Weltenstruktur hineinblicken, dann muß er die Dreizahl anerkennen, muß anerkennen, daß sich gegenüberstehen das luziferische und das ahrimanische Element, und daß das Göttliche besteht in dem Gleichgewichthalten zwischen beiden. Dem haben wir gegenüberzustellen den Irrwahn, der eingezogen ist in die Geistesentwickelung der Menschheit mit der Zweiheit, mit Gott und dem Teufel, mit den geistig-göttlichen Mächten oben und den teuflischen Mächten unten. Es ist so, wie wenn man den Menschen gewissermaßen hinausbringen, hinausquetschen würde aus der Gleichgewichtslage, wenn man ihm verhehlt, daß das eigentliche Heil des Weltenverständnisses in dem richtigen Auffassen der Dreizahl besteht, und wenn man ihm vormacht, daß irgendwie die Weltenstruktur bedingt sei durch eine Zweizahl. Dennoch ist bestes menschliches Streben diesem Irrtum verfallen.
[ 23 ] Thus we must emphasize the fact that if a person wishes to conceive of the structure of the world in a factual manner, he must acknowledge the triad, the two opposing elements of the Luciferic and Ahrimanic and the Divine element which holds the balance between the two. This has to be contrasted with the illusion which has arisen in mankind's spiritual evolution through the erroneous concept of the duad, of God and the Devil, of the divine-spiritual forces above and the diabolical forces below. It is as though we were to force man out of his position of equilibrium if we conceal from him the fact that a sound comprehension of the world can only result from the proper conception of the triad and if one makes him believe that the world structure is in some way determined by the duad. Yet, the highest human endeavors have fallen prey to this error.
[ 24 ] Will man auf diesen Punkt eingehen, dann muß man das gar sehr ohne alles Vorurteil tun, dann muß man wirklich einmal sich hinausversetzen in eine vorurteilslose Sphäre. Dann muß man gar sehr unterscheiden zwischen den Sachen und den Namen. Dann muß man sich nicht verführen lassen zu der Meinung: dadurch, daß man einer Wesenheit einen bestimmten Namen gibt, sei diese Wesenheit auch schon in der richtigen Weise vom Menschen empfunden.
[ 24 ] If we wish to deal with this question, we must do it without prejudice, we must enter an unbiased sphere of thinking. We must carefully distinguish between object and name. We must not allow ourselves to be deceived into thinking that by giving a certain name to a being we have at any time experienced and felt this being in the right way.
[ 25 ] Fassen wir einmal den Begriff derjenigen Wesenheiten, die der Mensch als seine göttlichen Wesenheiten empfinden soll, dann müssen wir uns sagen: Der Mensch kann richtig diese Wesenheiten nur empfinden, wenn er sie sich denkt als das Gleichgewicht bewirkend zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Prinzip. Er kann dasjenige, was er als sein Göttliches empfinden soll, niemals als Richtiges empfinden, wenn er auf diese Dreigliederung nicht eingeht. Betrachten Sie von diesem Gesichtspunkte aus einmal eine Dichtung wie «Das verlorene Paradies» von Milton, oder betrachten Sie eine Dichtung wie Klopstocks Messiade, die unter dem Einflusse des «Verlorenen Paradieses» von Milton entstanden ist. Da haben Sie im Grunde nichts von einem wirklichen Verständnis einer dreigliedrigen Weltstruktur, da haben Sie einen Kampf zwischen vermeintlich Gutem und vermeintlich Bösem, den Kampf zwischen dem Himmel und der Hölle. Da haben Sie so recht in die menschliche Geistesentwickelung den Irrwahn der Zweiheit hineingetragen. Da haben Sie dasjenige, was vielfach im populären Bewußtsein wurzelt als der wahnvolle Gegensatz zwischen Himmel und Hölle, in zwei neuere Weltgedichte hineingetragen.
[ 25 ] If we think of those beings which man regards as his own divine beings, we must say: we can feel and sense them in the right way only if we conceive of them as effecting the equilibrium between the Luciferic and the Ahrimanic principles. We can never feel in the right way what we should feel as the Divine if we do not enter upon this threefold order. Consider from this point of view Milton's Paradise Lost, or Klopstock's Messiah which came into existence under the influence of Paradise Lost. Here you have nothing of a real comprehension of a threefold world structure, you have instead a battle between the supposedly good and the supposedly evil, the battle between heaven and hell. You have the mistaken idea of the duad brought into man's spiritual evolution; you have what is rooted in popular consciousness as the illusory contrast between heaven and hell, introduced into two cosmic poems of modern times.
[ 26 ] Es nützt nichts, wenn Milton oder Klopstock die Wesen des Himmels als göttliche Wesen bezeichnen. Göttliche Wesen, wie sie der Mensch empfinden soll, wären sie nur, wenn zugrunde läge die dreigliedrige Struktur des Weltendaseins. Dann würde man sagen können: Da findet ein Kampf statt zwischen dem guten Prinzip und dem bösen Prinzip. So aber, wie die Sache liegt, wird eine Zweiheit angenommen, dem einen Glied dieser Zweiheit das Gute beigelegt, Namen gefunden, die den Wesen beigelegt werden, die eigentlich vom Göttlichen hergenommen sind, und auf die andere Seite das teuflische, das antigöttliche Element gestellt. Was ist damit eigentlich in Wirklichkeit getan? Damit ist in Wirklichkeit nichts Geringeres getan, als daß das wirklich Göttliche aus dem Bewußtsein herausgerückt ist, und daß das Luziferische mit dem göttlichen Namen belegt wird, daß wir in Wahrheit vorliegen haben einen Kampf zwischen Luzifer und Ahriman, und daß nur dem Ahriman luziferische Eigenschaften beigelegt werden, und dem Reiche des Luzifer werden die göttlichen Eigenschaften beigelegt.
[ 26 ] It is of no avail that Milton and Klopstock call the heavenly entities divine beings. They would only be so for man if they were conceived of on the basis of the threefold structure of world existence. Then it would be possible to say that a battle takes place between the good and the evil principles. But as the matter stands, a duad is assumed, the one member of which has the attributes of the good and receives a name derived from the divine, while the other member represents the diabolical, the anti-divine element. What does this really signify? Nothing less than the removal of the divine from consciousness and the usurping of the divine name by the Luciferic principle; so that in reality we have a battle between Lucifer and Ahriman; only, Ahriman is endowed with Luciferic attributes, and the realm of Lucifer is endowed with divine attributes.
[ 27 ] Sie sehen, von welch ungeheurer Tragweite eine solche Betrachtung eigentlich ist. Während die Menschen glauben, mit einer solchen Gegenüberstellung, wie man sie findet in Miltons «Verlorenem Paradies» oder in Klopstocks «Messias», habe man es zu tun mit den göttlichen und den höllischen Elementen, hat man es in Wahrheit zu tun mit dem luziferischen und dem ahrimanischen Elemente. Vom wirklich göttlichen Elemente liegt kein Bewußtsein vor, dagegen werden dem luziferischen Elemente die göttlichen Namen beigelegt.
[ 27 ] You see the far-reaching consequences revealed by such a consideration. While human beings believe they are dealing with the divine and the diabolical elements when contemplating the contrasts described in Milton's Paradise Lost or Klopstock's Messiah, they are, in reality, dealing with the Luciferic and Ahrimanic elements. There is no consciousness present of the truly divine element; instead, the Luciferic element is endowed with divine names.
[ 28 ] Nun sind Miltons «Verlorenes Paradies» und Klopstocks «Messias» eben nur die Geistesschöpfungen, die herausragen aus dem neueren Bewußtsein der Menschheit. Denn dasjenige, was sich in diesen Dichtungen auslebt, ist allgemeines Bewußtsein der Menschheit. Es ist ja eingezogen in dieses neuere Bewußtsein der Menschheit der Irrwahn der Zweizahl, und es ist hintangehalten worden die Wahrheit von der Dreizahl. Tiefstes, das die Menschheit in der neueren Zeit hervorgebracht hat, zu dem sie von einem gewissen Gesichtspunkte aus mit Recht hinschaut als zu den größten Hervorbringungen der neueren Zeit, ist eine Kulturmaja, ist eine große Täuschung und entsprungen aus der großen Täuschung der neueren Menschheit. Das alles, was in diesem Irrwahn wirkt, das ist im Grunde genommen Schöpfung der ahrimanischen Einflüsse, jener Einflüsse, die sich einstmals konzentrieren werden in der Inkarnation des Ahriman, von der ich Ihnen schon gesprochen habe. Denn dieser Irrwahn, in dem wir drinnenstehen, ist nichts anderes als das Ergebnis jener falschen Weltbetrachtung, die für die Menschen der neueren Kultur, der neueren Zivilisation überall hervorsprießt aus der Welt, indem sie entgegensetzen Himmel und Hölle. Der Himmel wird als Göttliches angesehen, so wie sie ihn schildern, und die Hölle wird als das Teuflische angesehen, während in Wahrheit man es zu tun hat auf der einen Seite mit dem himmlisch genannten Luziferischen und auf der anderen Seite mit dem höllisch genannten Ahrimanischen.
[ 28 ] Milton's Paradise Lost and Klopstock's Messiah are spiritual creations which rise out of modern man's consciousness. That which manifests in them lives in the general consciousness of mankind; for the delusion of the duad has entered this modern consciousness, and the truth of the triad has been withheld. The most profound productions of the modern age which are, from a certain point of view, considered among the greatest creations of mankind, and rightly so, are a cultural maya and have sprung from the great delusion of modern mankind. Everything that is active in this illusory conception is the creation of the Ahrimanic influence, of that influence which in the future will concentrate in the incarnation of Ahriman of which I have already spoken. For this illusory conception in which we live today is nothing but the result of the false world view which springs up everywhere in modern civilization when human beings contrast heaven and hell. Heaven is considered to be the divine element, and hell the diabolical element, while, in truth, we have to do with the Luciferic element called heavenly and the Ahrimanic element called infernal.
[ 29 ] Wir müssen nur bedenken, welche Interessen da in der neueren Geistesgeschichte walten. Sogar die Dreigliederung des menschlichen Organismus oder des Menschenwesens im Ganzen ist ja in einer gewissen Beziehung, wie ich es Ihnen öfters erwähnt habe, für die abendländische Zivilisation durch das achte ökumenische Konzil von Konstantinopel im Jahre 869 aus der Welt geschafft worden. Es ist zum Dogma erhoben, daß der Christ nicht zu glauben habe an eine dreigliedrige Menschenwesenheit, sondern nur an eine zweigliedrige Menschenwesenheit. An Leib, Seele und Geist zu glauben gilt als verpönt, und die mittelalterlichen Theologen und Philosophen, die noch viel wußten von der Wahrheit, die hatten eine große Mühe, sich um diese Wahrheit herumzudrücken, denn die sogenannte Trichotomie, die Gliederung des Menschen in Leib, Seele und Geist, war für ketzerisch erklärt worden. Sie mußten die Zweiheit lehren: der Mensch bestehe aus Leib und Seele, nicht aus Leib, Seele und Geist. Und das ist ja dasjenige, wovon gewisse Wesen, wovon gewisse Menschen gut wissen, was es für eine ungeheure Bedeutung hat für das menschliche Geistesleben, die Zweigliederung an die Stelle der Dreigliederung zu setzen.
[ 29 ] You must realize what interests rule in modern spiritual history. Even the concept of the threefold nature of the human organism or the human being in its entirety has in a certain respect been abolished for occidental civilization by the eighth Œcumenical Council of Constantinople in the year 869. I have often mentioned this. The dogma was then established that the Christian does not have to believe in the threefold human being but only in a twofold human being. The belief in body, soul and spirit was tabooed, and medieval theologians and philosophers who still knew a great deal about the true facts had a hard time to circumvent this truth, for the so-called trichotomy, the “membering” of the human being into body, soul, and spirit had been declared a heresy. They were compelled to teach the duality, namely, that man consists of body and soul, and not of body, soul and spirit. And certain beings, certain men know very well that it is of tremendous significance for human spiritual life if the threefoldness is replaced by twofoldness.
[ 30 ] Auf solche Tiefen muß hingeblickt werden, wenn man richtig verstehen will, warum in der Novembernummer der «Stimmen der Zeit» von dem Jesuitenpater Zimmermann darauf hingewiesen wird, daß eines der neueren Dekrete des heiligen Offiziums von Rom den Katholiken bei Strafe, nicht die Absolution in der Beichte zu erlangen, verbietet, theosophische Schriften zu lesen oder zu haben oder sich an irgend etwas Theosophischem zu beteiligen. Das interpretiert der Jesuitenpater Zimmermann in den «Stimmen der Zeit», die früher «Stimmen aus Maria-Laach» geheißen haben, so, daß es vor allen Dingen anzuwenden sei auf meine Anthroposophie, daß also vor allen Dingen darauf gesehen werden müsse, daß diejenigen Katholiken, welche als echte Katholiken von Rom angesehen werden wollen, sich nicht zu beschäftigen haben mit anthroposophischer Literatur. Als einer der Hauptgründe wurde da angeführt, daß unterschieden werde die menschliche Wesenheit in Leib, Seele und Geist, daß also ein Ketzerisches gelehrt werde gegenüber dem Rechtgläubigen, das darin bestehe, den Menschen zu unterscheiden in Leib und Seele.
[ 30 ] We must consider such profound aspects if we wish to understand correctly why in the August number of Stimmen der Zeit (Voices of the Age) the Jesuit priest Zimmermann draws attention to the fact that one of the recent decrees of the Holy Office in Rome prohibits Roman Catholics from obtaining absolution if they read or possess theosophical writings or participate in anything theosophical. The Jesuit priest Zimmermann interprets this decree in his article in Die Stimmen der Zeit by stating that it applies, above everything else, to my Anthroposophy, and that those who wish to be considered true Roman Catholics must not occupy themselves with anthroposophical literature. He quotes one of the main reasons for this, namely, that Anthroposophy differentiates between body, soul and spirit, and thus teaches a heresy opposed to the orthodox belief that man consists of body and soul.
[ 31 ] Ich habe Ihnen ja auch erwähnt, daß diese Unterscheidung in Leib und Seele, ohne daß sie es wissen, auf die modernen Philosophen übergegangen ist, die glauben, vorurteilslose, voraussetzungslose Wissenschaft zu betreiben, die glauben, wirklich zu beobachten, um dadurch zu der Einsicht zu kommen, daß der Mensch bestehe aus Leib und Seele. In Wahrheit befolgen auch sie nur dasjenige, was durch jenes Dogma in die neuere Geistesentwickelung hineingekommen ist. Was heute als Wissenschaft angesehen wird, ist im Grunde genommen ganz abhängig von solchen Dingen, wie sie im Laufe der neueren Menschheitsentwikkelung in die Welt hineinversetzt worden sind. Glauben Sie nicht, daß Sie durch irgendwelche guten Worte, die Sie oftmals meinen, Leuten geben zu müssen, welche aus solchen Ecken heraus Anthroposophie verketzern, diese Leute bekehren können, oder daß Sie sie zu einem gewissen Wohlwollen bekehren können gegenüber der Anthroposophie. Anthroposophie muß sich durch sich selbst in der Welt Eingang verschaffen, nicht durch die Protektion irgendwelcher, und wären sie auch als noch so christlich angesehene Mächte. Durch innere Kraft allein kann Anthroposophie dasjenige erreichen, was sie in der Welt erreichen soll.
[ 31 ] I have mentioned to you before that modern philosophers have adopted this differentiation of body and soul without being aware of it. They believe that they carry on unbiased, objective science; they believe they practice real observation which leads them to the conviction that man consists of body and soul. In truth, however, they are following in the footsteps of this dogma which has found its way into modern spiritual development. What is considered science today is actually completely dependent on such things as have been put into the world in the course of modern human evolution. Do not believe that you will be able with kind words to convert such people who from these quarters slander Anthroposophy; do not believe that you will prevail upon them and call forth their good will toward Anthroposophy. Anthroposophy must make its way in the world through its own force, and not through the protection of any power, be it ever so Christian in appearance. Through inner strength alone can Anthroposophy achieve what it must achieve in the world.
[ 32 ] Bedenken Sie, der Christus-Impuls ist nur zu begreifen, wenn man ihn als den Gleichgewichtsimpuls ansieht zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen, wenn man ihn in die Trinität richtig hineinzustellen weiß. Was muß man tun — so kann man die Frage aufwerfen —, wenn man die Menschen irreführen will über den eigentlichen Christus-Impuls? Man muß die Menschen ablenken von der wahren Weltengliederung nach der Dreizahl und muß sie hinführen zu dem Irrwahn der Zweizahl, die nur da ihre Berechtigung hat, wo es sich um das Offenbare handelt, nicht da, wo es sich darum handelt, auch hinter dasjenige zu kommen, was hinter dem Offenbaren steht, was in der Sphäre des Wahren liegt.
[ 32 ] You must realize that the Christ impulse can only be comprehended if one sees in it the impulse of equilibrium between the Ahrimanic and the Luciferic principles, if one gives it the right place within the trinity. We may ask: What must one do if one tries to deceive people in regard to the true Christ impulse? One must divert their attention from the true threefold ordering of the world and direct it toward the delusion of the duad which is justified only when we are concerned with the manifest and not when we are concerned with what lies behind the manifest in the sphere of truth.
[ 33 ] Wir müssen uns klar sein darüber, daß wir in solchen Dingen durchaus über bloße Namen hinauskommen müssen. Dadurch, daß man irgend etwas Christus nennt, hat man den Christus nicht getroffen. Und man kann verhindern, daß der Christus getroffen werde mit dem Christus-Namen, wenn man an die Stelle der Dreizahl die Zweizahl stellt. Wollte irgend jemand den Menschen sicher davon abbringen, einen richtigen Begriff von dem Christus zu erringen, dann hätte er nur nötig, an die Stelle der Dreizahl die Zweizahl zu setzen. Und soll dann auf den Christus-Impuls in einem wahrhaftigen Sinne wiederum hingedeutet werden, dann ist es notwendig, daß der Zweizahl die Dreizahl entgegengesetzt werde. Man braucht nicht auch ein Ketzererklärer zu werden neben Ketzererklärern. Sie brauchen von heute ab nicht Miltons «Verlorenes Paradies» oder Klopstocks «Messias» für verdammte Teufelsschriften zu erklären, Sie können sich an der Schönheit und Größe selbstverständlich weiter erfreuen. Aber Sie sollen sich klarwerden darüber, daß in solchen Schriften, insofern sie die Blüten gerade der populären neueren Menschheitszivilisation sind, von Christus überhaupt nicht die Rede ist, sondern daß solche Schriften hervorgehen aus dem Irrwahn, daß man alles dasjenige, was nicht der Menschheitsentwickelung zugehört, auf der einen Seite nach dem Teuflischen hin rechnen darf, und daß man auf der anderen Seite das Göttliche bekommt. Nein, man bekommt bloß das Luziferische. Und schreibt man dann ein «Verlorenes Paradies», dann beschreibt man in Wirklichkeit die Austreibung der Menschen aus dem Reiche des Luzifer in das Reich des Ahriman, und man schildert die Sehnsucht der Menschen nicht nach dem Göttlichen, man schildert die Sehnsucht der Menschen nach dem verlorenen Paradiese, das heißt aber nach dem Reiche des Luzifer. Schöne Beschreibungen der menschlichen Sehnsucht nach dem luziferischen Reiche mögen Sie sehen in Miltons «Verlorenem Paradies», mögen Sie sehen in Klopstocks «Messias»; aber eben das sollen Sie darinnen sehen, denn das sind sie.
[ 33 ] In such matters we must go beyond mere names. Calling some being or other Christ does not mean that it is the Christ. If one wishes to prevent another human being from acquiring a true concept of Christ, one need only put the duad in the place of the triad; but if one wishes to point to the Christ impulse in its true meaning, it is necessary that the duad be supplanted by the triad. We need not join the group of people who declare others to be heretics; we need not declare Milton's Paradise Lost or Klopstock's Messiah to be damnable works of the devil; we may continue to enjoy their beauty and grandeur. But we must realize that such works, in as much as they are the blossoms of popular modern civilization, do not speak of Christ at all but originate from the delusion that everything that is not part of human evolution may be considered as belonging, on the one hand, to the realm of the devil and, on the other, to the realm of the Divine. But in reality, instead of dealing with the realm of the Divine we are dealing with the realm of Lucifer. Paradise Lost describes the expulsion of man from Lucifer's realm into the realm of Ahriman; it describes the longing of man not for the realm of the Divine, but for the paradise that has been lost, that means, the longing for the realm of Lucifer. You may regard Milton's Paradise Lost and Klopstock's Messiah as beautiful descriptions of human longing for the realm of Lucifer; this is what you should consider them to be, for this is what they are.
[ 34 ] Gar sehr sind gewisse Vorstellungen, die in die neuere Menschheit eingezogen sind, zu revidieren. Wir stehen heute, indem wir im Ernste uns anschicken, anthroposophisch zu denken und zu empfinden, nicht vor kleinen Entscheidungen, wir stehen vor großen Entscheidungen. Wir stehen davor, ein Wort, das Nietzsche oftmals gebraucht hat, sehr ernst zu nehmen. Das Wort von der Umwertung gewisser Werte, es muß sehr, sehr ernst genommen werden. Die Menschheitsleistungen der neueren Zeit müssen gar sehr umgewertet werden.
[ 34 ] You see how necessary it is to revise certain conceptions which prevail today. If we are serious in our anthroposophical thinking and feeling we are faced, not with insignificant, but with important decisions. We are faced with the necessity of taking very seriously an expression which Nietzsche has often employed, namely the expression: “the revaluation of values.” We have to take this very seriously. The achievements of modern man are in great need of revaluation.
[ 35 ] Man braucht deshalb durchaus nicht auch ein Ketzerverdammer zu werden. Wir führen fortwährend Szenen aus dem Goetheschen «Faust» auf, und ich habe Jahrzehnte dem Studium Goethes gewidmet. Aber aus meiner kleinen Schrift «Goethes Geistesart» können Sie entnehmen, daß mich das nicht blind gemacht hat gegen die falsche Charakteristik, die in der Goetheschen Mephistopheles-Figur lebt. Es wäre durchaus philiströs, zu sagen: Goethes Mephistopheles ist falsch, also weg damit. Da würde man es ja machen wie gewisse Ketzerrichter. In diese Lage dürfen wir uns als moderne Menschen nicht bringen. Aber wir dürfen uns auch nicht in bequemer Weise bei dem befriedigen, was den breitesten Menschenmassen aus dem neueren Geistesleben wie in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ungeheuer viel wird die Menschheit lernen müssen. In bezug auf vieles wird sie Umwertungen vornehmen müssen.
[ 35 ] This does not mean that we ourselves have to become denouncers of heresy. We constantly perform here scenes from Goethe's Faust, and I have, as you know, devoted decades of my life to the study of Goethe. But from my little book, Goethe's Standard of the Soul, you can see that this has not blinded me to the false characterization drawn by Goethe in his Mephistopheles. It would be a philistine standpoint, were we to say: Goethe's Mephistopheles is a false conception; let's get rid of him. We should then be behaving like inquisitors. As modern men we must not place ourselves in such a position. On the other hand, we must not be indolently satisfied with the ideas that have entered, as it were, into the flesh and bones of the great masses of people today. Mankind will have to learn a great deal. It will have to transvalue many values.
[ 36 ] Alles das hängt zusammen mit der Sendung des Michael gegenüber denjenigen Wesen der höheren Hierarchien, mit denen er wiederum in Verbindung steht. Und wie wir dazu kommen können, diejenigen Impulse, die von der Michael-Wesenheit in unser irdisches Menschendasein hereinstrahlen, zu verstehen, davon wollen wir dann morgen und übermorgen sprechen.
[ 36 ] All this is connected with the mission of Michael in relation to those beings of the higher hierarchies with whom he is connected. In the subsequent lectures we shall show how we may arrive at an understanding of those impulses which radiate from the Michael being into our earthly human existence.
