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Michael's Message
The True Mysteries of Human Natur
GA 194

21 November 1919, Dornach

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Ich möchte in diesen Tagen etwas sprechen über die Art und Weise, wie wir Menschen der Gegenwart in der Lage sind, uns zu stellen zu derjenigen geistigen Macht, von der wir sagen können, daß sie als die Macht des Michael eingreift in das geistige und damit auch in das übrige Geschehen der Erde. Es wird notwendig sein, daß wir dasjenige, was dabei in Betracht kommt, heute einmal vorbereiten. Denn es sind verschiedene Gesichtspunkte notwendig, welche die menschliche Verständigkeit befähigen, die verschiedenen Eingriffe der eben bezeichneten Macht aus den Symptomen, die wir ja immer in unserer Umgebung bemerken, wirklich wiederzugeben. Wir müssen ja festhalten, daß wir, wenn wir ernsthaft von der geistigen Welt sprechen wollen, immer blicken können auf dasjenige, was sich als Offenbarungen der geistigen Mächte hier in der physischen Welt zeigt. Man sucht gewissermaßen durch den Schleier der physischen Welt durchzudringen zu demjenigen, was in der geistigen Welt wirksam ist. Das, was in der physischen Welt vorhanden ist, kann ja beobachtet werden von jedem Menschen; das, was in der geistigen Welt wirksam ist, dient dann dazu, die Rätsel, welche die physische Welt gibt, aus der geistigen Welt heraus zu lösen. Man muß nur die Rätsel des physischen Lebens in der richtigen Weise empfinden. Es handelt sich gerade bei diesen wichtigen Dingen darum, daß manches, was gerade in der Zeit, die diesen Vorträgen vorangegangen ist, von mir hier gesagt worden ist, in vollem Ernste aufgefaßt werde. Man kann nun einmal nicht verbinden die persönlichsten Auffassungen der Welt mit einem wirklichen Verständnisse desjenigen, was durchgreifend nicht nur die ganze Menschheit, sondern geradezu die Welt angeht. Man muß sich frei machen von den bloß persönlichen Interessen. Man wird ja dasjenige, was die Persönlichkeit in der Welt zu tun hat und was sie von sich als ihren Wert zu begreifen hat, gerade am besten dann einsehen, wenn man sich von dem Persönlichen im engeren Sinne frei gemacht hat.

[ 1 ] In the coming days, I would like to speak a little about the way in which we, as people of the present, are able to relate to that spiritual power which we can say intervenes—as the power of Michael—in spiritual life and, consequently, in the rest of what happens on Earth. It will be necessary for us to lay the groundwork today for what is at stake here. For various perspectives are needed to enable human understanding to truly reflect the various interventions of the power just described, based on the signs we constantly observe in our surroundings. We must, after all, bear in mind that when we wish to speak seriously about the spiritual world, we can always look to what manifests here in the physical world as revelations of the spiritual powers. In a sense, we seek to penetrate the veil of the physical world to reach that which is at work in the spiritual world. What exists in the physical world can, of course, be observed by anyone; what is at work in the spiritual world then serves to solve the mysteries presented by the physical world from within the spiritual world. One need only perceive the mysteries of physical life in the right way. Precisely with regard to these important matters, it is essential that certain things I have said here—especially in the period leading up to these lectures—be taken in all seriousness. One simply cannot combine the most personal views of the world with a genuine understanding of that which profoundly concerns not only all of humanity, but the world itself. One must free oneself from merely personal interests. After all, one will best understand what the personality has to do in the world and what it must recognize as its own value precisely when one has freed oneself from the personal in the narrower sense.

[ 2 ] Nun wissen Sie, daß unserer Entwickelung, die wir als unsere Erdenentwickelung aufzufassen haben, vorangeht eine andere Entwickelung, daß wir also in einer vollen kosmischen Entwickelung drinnenstehen. Sie wissen aber erstens, daß diese Entwickelung weiterschreitet, daß diese Entwickelung an einem Punkt angelangt ist, über den sie hinausgehen wird zu weiteren, fortgeschritteneren Stufen. Sie wissen aber auch zweitens, daß wir es zu tun haben, wenn wir die Welt als solche betrachten, nicht nur mit denjenigen Wesen, die uns zunächst im irdischen Felde entgegentreten, also im mineralischen, im pflanzlichen, im tierischen Reiche, im menschlichen Reiche, sondern daß wir es zu tun haben mit Wesen, die diesen Reichen übergeordnet sind, und die wir zusammengefaßt haben als die Wesen der höheren Hierarchien. Wir müssen immer, wenn wir von der vollen Entwickelung sprechen, auch auf diese Wesen der höheren Hierarchien Rücksicht nehmen.

[ 2 ] Now you know that our evolution—which we must understand as our earthly evolution—is preceded by another evolution, and that we are therefore part of a comprehensive cosmic evolution. But you know, first of all, that this evolution is continuing, that it has reached a point beyond which it will move on to further, more advanced stages. Secondly, however, you also know that when we consider the world as such, we are dealing not only with those beings we initially encounter in the earthly realm—that is, in the mineral, plant, and animal kingdoms, as well as the human kingdom—but also with beings that are superior to these kingdoms, whom we have collectively referred to as the beings of the higher hierarchies. Whenever we speak of full development, we must always take these beings of the higher hierarchies into account as well.

[ 3 ] Diese Wesen machen ja ihrerseits auch eine Entwickelung durch, die wir verstehen können, wenn wir Analogien finden zu unserer eigenen menschlichen Entwickelung und zu derjenigen, die sonst in den verschiedenen Reichen der Erde vorhanden ist. Ich bitte Sie, nur das Folgende einmal zu berücksichtigen. Sie wissen, wir Menschen sind durchgedrungen durch eine Saturn-, Sonnen-, Mondenentwickelung und sind auf unserer Erde angekommen, so daß wir, wenn wir unsere kosmische Entwickelung ins Auge fassen, davon sprechen können, daß wir als Menschen, wie wir uns nun in der Erdenumgebung fühlen, auf der vierten Stufe unserer Entwickelung angelangt sind.

[ 3 ] These beings, for their part, are also undergoing a process of development that we can understand if we draw analogies to our own human development and to that which exists in the various kingdoms of the Earth. I ask you to simply consider the following. As you know, we humans have passed through a Saturn, Sun, and Moon phase of development and have arrived on Earth, so that when we consider our cosmic evolution, we can say that we, as humans—as we now experience ourselves in the earthly environment—have reached the fourth stage of our development.

[ 4 ] Betrachten wir einmal die unmittelbar über unserer Menschenstufe stehenden Wesen, die wir als die Angeloi bezeichnen. Wir können, wenn wir bloß die Analogie geltend machen, sagen: Diese Wesenheiten, wenn sie auch ganz andere Formen haben als die Form des Menschendaseins ist und zunächst für physische Menschensinne unsichtbar sind, sie haben die Entwickelungsstufe des Jupiter.

[ 4 ] Let us consider the beings that stand immediately above our human level, whom we refer to as the Angeloi. If we simply apply the analogy, we can say: These beings, even though they have forms entirely different from that of human existence and are initially invisible to the physical human senses, have reached the stage of development corresponding to Jupiter.

[ 5 ] Gehen wir dann zu den Archangeloi, so haben sie die Entwickelungsstufe, welche die Menschheit auf der Venus erlangt haben wird. Und gehen wir zu den Archai, zu den Zeitgeistern, also zu denjenigen Wesenheiten, die ganz besonders hereinragen in unsere irdische Entwickelung, so stehen diese bereits in der Vulkanentwickelung.

[ 5 ] If we then turn to the Archangels, they have reached the stage of development that humanity will have attained on Venus. And if we turn to the Archai, the spirits of the ages—that is, those beings who play a particularly significant role in our earthly evolution—they are already at the volcanic stage of development.

[ 6 ] Nun entsteht die bedeutsame Frage: Es gibt ja nun auch die nächsthöherstehende Klasse von Wesenheiten, welche der Hierarchie der sogenannten Formgeister angehört. Wenn wir uns fragen, auf welcher Stufe stehen diese Formgeister, dann müssen wir uns sagen: Sie sind bereits hinausgerückt über dasjenige, was wir Menschen zunächst als unsere Zukunftsentwickelung, als die Vulkanentwickelung erblicken. Sie sind also auf einer Stufe angelangt, von der wir sagen müssen: Wenn wir unsere, für unsere Betrachtungen zunächst hinreichenden Stufen als sieben Stufen bezeichnen, so sind diese Wesenheiten, die wir die Formgeister nennen, auf der achten Stufe angelangt. Wir können also sagen: Wir Menschen stehen auf der vierten Stufe der Entwickelung, nehmen wir die achte Stufe, so finden wir da die Formgeister.

[ 6 ] This raises an important question: There is, after all, the next higher class of beings, which belongs to the hierarchy of the so-called Form Spirits. If we ask ourselves at what level these Form Spirits stand, we must conclude: They have already moved beyond what we humans initially perceive as our future development—the volcanic development. They have thus reached a level about which we must say: If we designate the levels that are initially sufficient for our considerations as seven levels, then these beings, whom we call the Form Spirits, have reached the eighth level. We can therefore say: We humans stand on the fourth level of development; if we take the eighth level, we find the Form Spirits there.

[ 7 ] Nun können wir aber nicht uns etwa diese Stufenfolge der Entwickelung nebeneinander denken, sondern wir müssen uns denken, daß das alles durcheinandergeschoben ist. So wie etwa der Luftkreis, der die Erde umgibt und durchdringt, so ist auch diese achte Entwickelungssphäre, welcher die Formgeister angehören, so, daß sie durchdringt die Sphäre, in der wir uns zunächst als Menschen befinden. Wir wollen zunächst diese zwei Stufen der Entwickelung streng ins Auge fassen.

[ 7 ] However, we cannot simply imagine this sequence of developmental stages as occurring one after the other; rather, we must imagine that all of this is intertwined. Just as the atmosphere surrounds and permeates the Earth, so too does this eighth sphere of development—to which the form spirits belong—permeate the sphere in which we initially find ourselves as human beings. Let us first take a close look at these two stages of development.

[ 8 ] Wir wollen uns sagen: Wir Menschen als solche, wir befinden uns in einer Sphäre, welche eine vierte Stufe der Entwickelung erlangt hat. Nun befinden wir uns aber außerdem, wenn wir zunächst von allem übrigen absehen, in dem Reiche, das die Formgeister um uns und durch uns als das ihrige zu betrachten haben. Nehmen wir nun konkret den Menschen in seiner Entwickelung. Wir haben ja öfter die Entwickelung dieses Menschen in seiner Gliederung unterschieden. Wir haben unterschieden die Hauptesentwickelung von der übrigen Entwickelung des Menschen. Wir teilen die übrige Entwickelung wiederum in zwei Glieder, in die Brustentwickelung und in die Gliedmaßenentwickelung. Davon wollen wir jetzt zunächst absehen. Wir wollen uns nur auf den Standpunkt stellen, daß wir im Menschen haben alles dasjenige, was zur Hauptesentwickelung gehört, und alles dasjenige, was dem übrigen Menschen zuerteilt ist.

[ 8 ] Let us say to ourselves: We humans, as such, find ourselves in a sphere that has reached a fourth stage of development. But now, if we set aside everything else for the moment, we also find ourselves in the realm that the spirits of form must regard as their own, around us and through us. Let us now consider the human being in his development specifically. We have, after all, often distinguished the stages of this human being’s development. We have distinguished the head development from the rest of the human being’s development. We, in turn, divide the rest of the development into two parts: the chest development and the limb development. Let us set these aside for now. Let us simply adopt the standpoint that in the human being we have everything that belongs to the development of the head, and everything that is assigned to the rest of the human being.

[ 9 ] Nun denken Sie sich einmal bildlich die Sache so (es wird gezeichnet), daß Sie sich etwa eine Meeresoberfläche denken, den Menschen wie im Meere watend, im Meere sich vorwärts bewegend, so daß nur sein Kopf herausragt, dann würden Sie durch dieses Bild — es ist selbstverständlich ein Bild — die Lage des gegenwärtigen Menschen haben. Alles dasjenige, worinnen der Kopf wurzelt, würden wir zu der vierten Stufe der Entwickelung zu rechnen haben, und dasjenige, worinnen der Mensch watet, worinnen er sich zwar gehend, oder wir können sagen, schwimmend vorwärts bewegt, würden wir zu bezeichnen haben als die achte Stufe der Entwickelung. Denn es ist das Eigentümliche, daß der Mensch in einer gewissen Weise entwachsen ist mit seinem Haupt demjenigen Elemente, in dem die Geister der Form ihr eigentümliches Wesen entfalten. Der Mensch ist gewissermaßen emanzipiert mit Bezug auf seine Hauptesbildung von demjenigen, was durchimprägniert wird von den Wesen der Geister der Form.

[ 9 ] Now try to visualize the situation like this (a drawing is provided): imagine the surface of the sea, with a person wading through it, moving forward in the water so that only his head is above the surface; through this image—which is, of course, just an image—you would have a picture of the condition of modern humanity. Everything in which the head is rooted we would have to count as the fourth stage of development, and that in which the human being wades—in which he moves forward by walking, or, we might say, by swimming—we would have to designate as the eighth stage of development. For it is a distinctive feature that human beings have, in a certain sense, outgrown—with their heads—the element in which the Spirits of Form unfold their distinctive nature. Human beings are, so to speak, emancipated—with regard to the formation of their heads—from that which is permeated by the beings of the Spirits of Form.

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[ 10 ] Nur dadurch, daß man dieses gründlich versteht, kann man wirklich zu einer Auffassung des Menschen kommen. Denn nur dadurch wird man die besondere Stellung, die der Mensch in der Welt hat, in der richtigen Weise erfassen. Man wird nämlich nur dadurch richtig erfassen, daß der Mensch, insofern er einen gewissen schöpferischen Einfluß auf sich zu verspüren hat von seiten der Geister der Form, diesen schöpferischen Einfluß nicht verspürt unmittelbar durch die Fähigkeiten seines Hauptes, sondern verspürt durch dasjenige, was von seinem übrigen Organismus als Wirkung auf das Haupt ausgeübt wird. Sie wissen ja, wir atmen, und das Atmen steht mit unserem Blutkreislauf im Zusammenhange, wenn wir äußerlich physiologisch sprechen. Das Blut wird aber auch in das Haupt getrieben. Dadurch ist das Haupt in einem organischen, in einem lebensvollen Zusammenhange mit dem übrigen Organismus. Es wird genährt, es wird belebt von dem übrigen Organismus.

[ 10 ] Only by thoroughly understanding this can one truly arrive at an understanding of the human being. For only in this way can one properly grasp the special place that the human being occupies in the world. For it is only through this that one will correctly grasp that, insofar as a human being feels a certain creative influence upon themselves from the spirits of form, they do not perceive this creative influence directly through the faculties of their head, but rather through what is exerted by the rest of their organism as an effect upon the head. As you know, we breathe, and breathing is connected to our blood circulation—if we speak in purely physiological terms. But blood is also pumped into the head. As a result, the head is in an organic, life-giving connection with the rest of the organism. It is nourished and enlivened by the rest of the organism.

[ 11 ] Sie müssen zwei Dinge genau unterscheiden. Das eine ist, daß das Haupt in unmittelbarem Zusammenhange steht mit der Außenwelt. Wenn Sie eine Sache sehen, so nehmen Sie diese Sache durch Ihre Augen wahr. Da ist ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Außenwelt und Ihrem Haupte. Wenn Sie aber das Leben Ihres Hauptes betrachten, wie es unterhalten wird durch den Atmungs- und Blutkreislaufprozeß, dann haben Sie heraufschießend das Blut von dem übrigen Organismus in das Haupt, und Sie können sagen, da haben Sie keinen unmittelbaren Zusammenhang Ihres Hauptes mit der Umgebung, sondern einen mittelbaren.

[ 11 ] You must make a clear distinction between two things. The first is that the head is directly connected to the outside world. When you see something, you perceive it through your eyes. There is a direct connection between the external world and your head. But when you consider the life of your head—how it is sustained by the processes of respiration and blood circulation—you see blood rushing up from the rest of the organism into the head, and you can say that in this case there is no direct connection between your head and the environment, but rather an indirect one.

[ 12 ] Sie müssen natürlich nicht pedantisch unterscheiden, indem Sie sagen, nun ja, die Atemluft wird ja durch den Mund eingezogen, also gehört die Atmung auch zum Haupte. Ich habe deshalb gesagt, das ist nur ein Bild. Organisch gehört dasjenige, was durch den Mund eingezogen wird, nicht eigentlich zum Haupte, sondern es gehört zu dem übrigen Organismus.

[ 12 ] Of course, you don’t have to make a pedantic distinction by saying, “Well, since the air we breathe is drawn in through the mouth, breathing is therefore part of the head.” That is why I said this is just a metaphor. Organically speaking, what is drawn in through the mouth does not actually belong to the head, but rather to the rest of the organism.

[ 13 ] Wenn Sie einmal diese Grundbegriffe, die wir jetzt aufgenommen haben, zunächst ins Auge fassen wollen, wenn Sie festhalten wollen an der Idee, daß wir drinnenstehen in zwei Sphären, in derjenigen Sphäre, in die wir gebracht sind dadurch, daß wir Saturn-, Sonnen-, Mondenentwickelung durchgemacht haben und innerhalb der Erdenentwickelung stehen, daß wir also auf der vierten Stufe unserer Entwickelung stehen, wenn Sie ferner in Betracht ziehen, daß wir außerdem drinnenstehen in einem Leben, in einer Sphäre, welche so angehört den Formgeistern wie uns die Erde angehört, welche aber unsere Erde durchdringt und nur unser Haupt ausschließt, so daß wir mit unserem ganzen übrigen Organismus, mit alldem, was nicht Sinnesauffassung ist, stehen in dieser achten Sphäre: wenn Sie dies ins Auge fassen, so haben Sie eine gewisse Grundlage geschaffen für das Folgende.

[ 13 ] If you would first take a moment to consider these basic concepts we have just introduced, if you would hold fast to the idea that we are situated within two spheres—the sphere into which we have been brought by having undergone the Saturn, Sun, and Moon stages of development and now stand within the Earth’s development, meaning that we are thus at the fourth stage of our evolution— and if you further consider that we are also situated within a life, within a sphere that belongs to the Form Spirits just as the Earth belongs to us—a sphere that permeates our Earth but excludes only our head—so that with our entire remaining organism, with everything that is not sensory perception, we stand within this eighth sphere: if you bear this in mind, you have laid a certain foundation for what follows.

[ 14 ] Doch ich will noch durch andere Begriffe eine gewisse Grundlage schaffen. Wenn wir unser Leben unter solchen Einflüssen betrachten wollen, so können wir es nicht anders betrachten, als indem wir ins Auge fassen diejenigen an dem Weltengeschehen mitwirkenden Wesenheiten, die wir öfter schon erwähnt haben: die luziferischen und die ahrimanischen Wesenheiten. Fassen wir zunächst nur einmal, ich möchte sagen, das Alleräußerlichste an diesen Wesen, an den luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten ins Auge. Sie bewohnen ebenso wie wir Menschen die Sphären, in denen wir eben drinnenstehen. Wenn wir ihr Außerlichstes ins Auge fassen, so können wir sagen: Alle luziferischen Wesenheiten können wir uns vorstellen als Inhaber derjenigen Kräfte, die wir als Menschen dann verspüren, wenn wir phantastisch werden wollen, wenn wir einseitig uns der Phantasie hingeben, wenn wir einseitig uns der Schwärmerei hingeben, wenn wir — um mich bildlich auszudrücken — mit unserem Wesen über unseren Kopf hinaus wollen. Wenn wir als Mensch mit unserem Wesen über unseren Kopf hinaus wollen, so sind das Kräfte, welche in unserer Menschenorganisation eine gewisse Rolle spielen, die aber die universellen Kräfte derjenigen Wesen sind, die wir luziferische Wesen nennen. Denken Sie sich Wesen, ganz geformt aus dem, was in uns über unseren Kopf hinausstreben will, so haben Sie die luziferischen, die mit unserer Menschenwelt in einer gewissen Beziehung stehen. Denken Sie sich umgekehrt alles dasjenige, was uns auf die Erde drückt, alles dasjenige, was uns zu nüchternen Philistern macht, was uns dazu bringt, materialistische Gesinnungen zu entwickeln, was uns durchdringt mit dem, was wir nennen können trockenen Verstand und so weiter, so haben Sie die ahrimanischen Mächte.

[ 14 ] But I would like to lay a certain foundation using other concepts as well. If we wish to consider our lives in the light of such influences, we cannot do so without taking into account those beings involved in world events whom we have already mentioned on several occasions: the Luciferic and Ahrimanic beings. Let us first consider, so to speak, the very outermost aspect of these beings—the Luciferic and Ahrimanic entities. Just like us humans, they inhabit the spheres in which we ourselves are currently situated. If we consider their outermost aspect, we can say: We can imagine all Luciferic beings as possessing those forces that we, as human beings, experience when we want to become fantastical, when we give ourselves over one-sidedly to fantasy, when we give ourselves over one-sidedly to daydreaming, when we—to put it figuratively—want to take our being beyond our heads. When we, as human beings, seek to reach beyond our heads with our being, these are forces that play a certain role in our human constitution, but which are the universal forces of those beings we call Luciferic beings. Imagine beings formed entirely from that which within us strives to reach beyond our heads, and you have the Luciferic beings, who stand in a certain relationship to our human world. Conversely, imagine everything that presses us down to earth, everything that turns us into sober philistines, that leads us to develop materialistic attitudes, that permeates us with what we might call dry intellect, and so on—then you have the Ahrimanic forces.

[ 15 ] Man kann alles dasjenige, was ich jetzt eben mehr seelisch gesagt habe, auch mehr leiblich ausdrücken. Man kann sagen: Der Mensch ist eigentlich immer in einer Art Mittelpunktslage zwischen dem, was sein Blut mit ihm will, und dem, was seine Knochen mit ihm wollen. Die Knochen wollen uns fortwährend zum Erstarren bringen, die Knochen wollen uns mit anderen Worten auch leiblich ahrimanisch machen, verhärten. Das Blut möchte uns über uns selbst hinaustreiben. Pathologisch gesprochen: Das Blut kann fiebrig werden, dann wird der Mensch auch organisch in die Phantasterei hineingetrieben; die Knochen können ihr Wesen ausdehnen über den übrigen Organismus, dann verknöchert der Mensch, er wird sklerotisch, wie es fast jeder Mensch im Alter bis zu einem gewissen Grade wird. Dann trägt er das tötende Element in seinem Organismus in sich: Das ist das Ahrimanische. Man kann sagen: Alles dasjenige, was im Blute liegt, hat die Hinneigung zum Luziferischen, alles dasjenige, was in den Knochen liegt, hat die Hinneigung zum Ahrimanischen, und der Mensch ist die Gleichgewichtslage zwischen beiden, so wie er die Gleichgewichtslage sein muß in seelischer Beziehung zwischen der Schwärmerei und der nüchternen Philistrosität.

[ 15 ] Everything I have just described in more spiritual terms can also be expressed in more physical terms. One could say: Human beings are actually always in a kind of central position between what their blood wants them to do and what their bones want them to do. The bones constantly seek to make us stiffen; in other words, the bones also seek to make us physically Ahrimanic, to harden us. The blood seeks to drive us beyond ourselves. Pathologically speaking: The blood can become feverish, and then the human being is driven into fantasy even on an organic level; the bones can extend their nature over the rest of the organism, and then the human being ossifies, becoming sclerotic—as almost every person does to a certain degree in old age. Then they carry the killing element within their organism: that is the Ahrimanic. One can say: Everything that lies in the blood has a tendency toward the Luciferic; everything that lies in the bones has a tendency toward the Ahrimanic; and the human being is the point of balance between the two, just as he must be the point of balance, in a psychological sense, between fanaticism and sober philistinism.

[ 16 ] Wir können aber auch in einer gewissen Weise tiefer diese beiden Wesenheiten charakterisieren. Wir können einmal uns die luziferischen Wesenheiten anschauen, was sie gewissermaßen im kosmischen Dasein für Interessen haben. Und da findet man, daß die Juziferischen Wesenheiten vor allen Dingen das Interesse haben im Kosmos, die Welt, namentlich die Menschenwelt, abtrünnig zu machen von denjenigen geistigen Wesenheiten, die wir als die eigentlichen menschenschöpferischen Wesenheiten auffassen müssen. Die luziferischen Wesenheiten möchten nichts anderes, als die Welt, man könnte sagen, von den göttlichen Wesenheiten abtrünnig machen. Nicht so sehr, daß luziferische Wesenheiten in erster Linie die Absicht hätten, sich selber die Welt anzueignen. Sie werden aus Verschiedenem, was ich schon gesagt habe über die luziferischen Wesenheiten, entnehmen können, daß das nicht die Hauptsache ist bei den luziferischen Wesenheiten, sondern die Hauptsache ist: von dem, was der Mensch empfinden kann als seine eigentlichen göttlichen Wesenheiten, abtrünnig zu machen die Welt, frei zu machen die Welt davon.

[ 16 ] But we can also, in a certain sense, characterize these two entities more deeply. Let us first consider the Luciferic beings and what, so to speak, their interests are within cosmic existence. And there we find that the Luciferic beings are primarily interested in causing the cosmos—the world, specifically the human world—to turn away from those spiritual beings whom we must regard as the actual creators of humanity. The Luciferic entities desire nothing more than to turn the world—one might say—away from the divine entities. It is not so much that the Luciferic entities primarily intend to appropriate the world for themselves. From various things I have already said about the Luciferic beings, you will be able to gather that this is not the main concern of the Luciferic beings; rather, their main concern is to turn the world away from what human beings can perceive as their true divine beings—to free the world from them.

[ 17 ] Die ahrimanischen Wesenheiten haben eine andere Absicht. Sie haben die entschiedene Absicht, namentlich das Menschenreich, aber damit die übrige Erde, in ihre Machtsphäre zu bekommen, von sich abhängig zu machen, namentlich zunächst die Menschen als solche zu beherrschen. Während also die luziferischen Wesenheiten darauf hinarbeiten zunächst und immer hingearbeitet haben, die Menschen abtrünnig zu machen von dem, was die Menschheit als ihr Göttliches empfinden kann, haben die ahrimanischen Wesenheiten die Tendenz, die Menschheit und alles, was dazu gehört, in ihre Machtsphäre allmählich einzubeziehen.

[ 17 ] The Ahrimanic beings have a different intention. They are determined to bring the human realm—and with it, the rest of the Earth—into their sphere of influence, to make it dependent on them, and, first and foremost, to dominate human beings as such. Thus, while the Luciferic beings have always worked—and continue to work—toward turning human beings away from what humanity can perceive as its divine essence, the Ahrimanic beings tend to gradually draw humanity and everything associated with it into their sphere of influence.

[ 18 ] So ist eigentlich in unserem Kosmos, in den wir hineinverwoben sind als Menschen, ein Kampf vorhanden zwischen den fortwährend nach Freiheit, nach universeller Freiheit strebenden luziferischen Wesenheiten, und den nach einer immerwährenden Macht und Kraft strebenden ahrimanischen Wesenheiten. Dieser Kampf, in dem wir drinnenstehen, durchdringt alles. Das bitte ich Sie als die zweite für unsere weitere Betrachtung wichtige Idee festzuhalten. Die Welt, in der wir drinnenstehen, ist durchdrungen von luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten, und es besteht dieser gewaltige Gegensatz zwischen der befreienden Tendenz der luziferischen Wesenheiten und der nach Macht strebenden Tendenz der ahrimanischen Wesenheiten.

[ 18 ] Thus, in our cosmos—into which we are woven as human beings—there is actually a struggle between the Luciferic beings, who are constantly striving for freedom, for universal freedom, and the Ahrimanic beings, who are striving for everlasting power and strength. This struggle, in which we are immersed, permeates everything. I ask you to keep this in mind as the second key idea for our further consideration. The world in which we live is permeated by Luciferic and Ahrimanic beings, and there is this tremendous contrast between the liberating tendency of the Luciferic beings and the power-seeking tendency of the Ahrimanic beings.

[ 19 ] Wenn Sie diese ganze Sache ins Auge fassen, dann werden Sie sich sagen: Verstehen kann ich die Welt eigentlich nur, wenn ich sie mit Bezug auf die Dreizahl ins Auge fasse. Denn wir haben auf der einen Seite alles dasjenige, was luziferisch ist, auf der anderen Seite alles dasjenige, was ahrimanisch ist, mitten hineingestellt den Menschen, der als ein Drittes, wie im Gleichgewichtszustande zwischen beiden, sein Göttliches empfinden muß. Nur dadurch kommt man mit dem Weltverständnis zurecht, daß man diese Dreiheit zugrunde legt, daß man sich klar darüber ist: Es ist dieses menschliche Leben wie ein Waagebalken (siehe Zeichnung S. 19). Hier das Hypomochlion, da eine Waagschale, das Luziferische, das aber in Wirklichkeit hinaufzieht. Auf der anderen Seite das Ahrimanische, das in Wirklichkeit hinunterzieht. Den Waagebalken im Gleichgewicht zu erhalten, das ist das Wesen des Menschen. Es haben diejenigen, die eingeweiht waren in solche Geheimnisse, immer betont in der geistigen Menschheitsentwickelung, daß man das Weltendasein, in das der Mensch hineingestellt ist, nur im Sinne der Dreizahl verstehen kann, daß man nicht verstehen kann die Welt, wenn man sie gewissermaßen auffassen will in ihrer Grundstruktur im Sinne der anderen Zahlen als im Sinne der Dreizahl. So daß wir sagen dürfen, in unserer Sprache sprechend: Wir haben es zu tun im Weltendasein mit dem Luziferischen, das die eine Waagschale, dem Ahrimanischen, das die andere Waagschale darstellt, und dem Gleichgewichtszustande, der uns darstellt den Christus-Impuls.

[ 19 ] When you consider this whole matter, you will say to yourself: I can really only understand the world if I view it in relation to the number three. For on the one hand we have everything that is Luciferic, on the other hand everything that is Ahrimanic, and placed right in the middle is the human being, who, as a third element—as if in a state of balance between the two—must perceive his or her divine nature. The only way to come to terms with an understanding of the world is to take this triad as the foundation, to be clear about the fact that: This human life is like a balance beam (see drawing on p. 19). Here is the hypomochlion; there is one pan of the scale—the Luciferic—which, in reality, pulls upward. On the other side is the Ahrimanic, which, in reality, pulls downward. To keep the balance beam in equilibrium—that is the essence of the human being. Those who were initiated into such mysteries have always emphasized in the spiritual development of humanity that one can understand the world existence in which the human being is placed only in terms of the number three; that one cannot understand the world if one seeks, so to speak, to grasp its fundamental structure in terms of numbers other than three. So we may say, in our own language: In our existence in the world, we are dealing with the Luciferic, which represents one side of the scales; the Ahrimanic, which represents the other side; and the state of balance, which represents the Christ impulse.

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[ 20 ] Nun können Sie sich denken, daß es durchaus im Interesse der ahrimanischen und der luziferischen Mächte liegt, dieses Geheimnis der Dreizahl zu verhüllen. Denn die richtige Durchdringung dieses Geheimnisses der Dreizahl befähigt ja die Menschheit, den Gleichgewichtszustand zwischen ahrimanischen und luziferischen Mächten herzustellen. Das heißt auf der einen Seite, alle Tendenz nach Freiheit, das Luziferische, zu benützen zu einem gedeihlichen Weltenziele, auf der anderen Seite das gleiche zu tun mit dem Ahrimanischen. Des Menschen normalster Geisteszustand besteht darin, in der richtigen Weise sich hineinzuversetzen in diese Trinität der Welt, in diese Struktur der Welt, insofern ihr die Dreizahl zugrunde liegt.

[ 20 ] Now you can imagine that it is very much in the interest of the Ahrimanic and Luciferic forces to conceal this mystery of the number three. For a proper understanding of this mystery of the number three enables humanity to establish a state of balance between the Ahrimanic and Luciferic forces. This means, on the one hand, using every tendency toward freedom—the Luciferic—to achieve a beneficial world goal, and on the other hand, doing the same with the Ahrimanic. The most normal state of mind for a human being consists in properly immersing oneself in this trinity of the world, in this structure of the world, insofar as it is based on the number three.

[ 21 ] Es bestand nun und besteht — wir werden die Quellen dieses Bestehens schon noch genauer morgen und übermorgen zu besprechen haben — einmal in dem, was auf das menschliche Geistes- und Kulturleben Einfluß hat, eine starke Tendenz, den Menschen zu verwirren in bezug auf diese Bedeutung der Dreizahl. Eine starke Tendenz besteht, den Menschen mit Bezug auf diese, wir dürfen sagen, heilige Dreizahl zu verwirren. Und wir können in der neueren Menschheitskultur sehr deutlich sehen, wie fast ganz zugedeckt wird diese Gliederung nach der Dreizahl durch eine Gliederung nach der Zweizahl. Bedenken Sie nur einmal, daß man ja sogar, um den Goetheschen «Faust» richtig zu verstehen, wie ich das öfter hier auseinandergesetzt habe, wissen muß, daß bis in dieses gewaltige Weltengedicht hinein die Verwirrung mit Bezug auf diese Dreizahl spielt. Hätte Goethe zu seiner Zeit schon ganz durchschauen können, wie es sich eigentlich mit diesen Dingen verhält, dann hätte er nicht bloß dargestellt als den Gegner des Faust, als denjenigen, der Faust herabzieht, die mephistophelische Macht, sondern er hätte dieser mephistophelischen Macht, von der wir ja wissen, daß sie identisch ist mit der ahrimanischen Macht, gegenübergestellt die luziferische Macht, und es würden Luzifer und Mephistopheles als zwei Parteien im «Faust» auftreten. Das habe ich ja schon wiederholt hier ausgeführt. Man kann auch, wenn man die Goethesche Mephistopheles-Figur studiert, genau sehen, wie Goethe überall durcheinandergebracht hat in der Charakteristik des Mephistopheles das luziferische und das ahrimanische Element. Die Figur des Mephistopheles ist bei Goethe gewissermaßen aus zwei Elementen gemischt. Es ist keine einheitliche Gestalt. Es ist bunt durcheinandergeworfen das luziferische und das ahrimanische Element. Ich habe das in meinem kleinen Büchelchen «Goethes Geistesart» ausführlicher auseinandergesetzt.

[ 21 ] There has been—and still is—a strong tendency, as we will discuss in greater detail tomorrow and the day after tomorrow, to confuse people regarding the significance of the number three in relation to human spiritual and cultural life. There is a strong tendency to confuse people with regard to this—we may say—sacred number three. And we can see very clearly in modern human culture how this structure based on the number three is almost entirely obscured by a structure based on the number two. Just consider for a moment that, as I have often explained here, in order to properly understand Goethe’s Faust, one must realize that confusion regarding this number three plays a role even within this monumental epic. Had Goethe been able to fully grasp the true nature of these things in his own time, he would not have merely portrayed the Mephistophelean power—which we know to be identical with the Ahrimanic power—as Faust’s adversary, as the force that drags Faust down; rather, he would have set the Luciferic power against this Mephistophelean power, and Lucifer and Mephistopheles would appear as two opposing forces in Faust. I have already explained this repeatedly here. One can also see clearly, when studying Goethe’s character of Mephistopheles, how Goethe has thoroughly mixed up the Luciferic and Ahrimanic elements in Mephistopheles’s characterization. In Goethe’s work, the figure of Mephistopheles is, in a sense, a mixture of two elements. It is not a unified figure. The Luciferic and Ahrimanic elements are jumbled together in a colorful mix. I have discussed this in more detail in my little book Goethe’s Spirit.

[ 22 ] Diese Verwirrung, die also bis in den Goetheschen «Faust» hineinspielt, ist durchaus darauf begründet, daß nach einer gewissen Richtung hin — in älterer Zeit war es anders — in der neueren Menschheitsentwikkelung sich der Wahn geltend gemacht hat, an die Stelle der Dreizahl, wenn man auf die Weltstruktur sieht, die Zweizahl zu setzen: das gute Prinzip auf der einen Seite, das böse Prinzip auf der anderen Seite, Gott und den Teufel.

[ 22 ] This confusion, which thus finds its way even into Goethe’s Faust, is entirely based on the fact that, in a certain direction—though it was different in earlier times—in the more recent development of humanity, the delusion has taken hold that, when looking at the structure of the world, the number two should be substituted for the number three: the good principle on one side, the evil principle on the other, God and the Devil.

[ 23 ] Denken Sie nur, daß wir also festzustellen haben: Will jemand sachgemäß in die Weltenstruktur hineinblicken, dann muß er die Dreizahl anerkennen, muß anerkennen, daß sich gegenüberstehen das luziferische und das ahrimanische Element, und daß das Göttliche besteht in dem Gleichgewichthalten zwischen beiden. Dem haben wir gegenüberzustellen den Irrwahn, der eingezogen ist in die Geistesentwickelung der Menschheit mit der Zweiheit, mit Gott und dem Teufel, mit den geistig-göttlichen Mächten oben und den teuflischen Mächten unten. Es ist so, wie wenn man den Menschen gewissermaßen hinausbringen, hinausquetschen würde aus der Gleichgewichtslage, wenn man ihm verhehlt, daß das eigentliche Heil des Weltenverständnisses in dem richtigen Auffassen der Dreizahl besteht, und wenn man ihm vormacht, daß irgendwie die Weltenstruktur bedingt sei durch eine Zweizahl. Dennoch ist bestes menschliches Streben diesem Irrtum verfallen.

[ 23 ] Just consider that we must therefore conclude: If anyone wishes to gain a proper insight into the structure of the world, they must recognize the triad; they must recognize that the Luciferic and the Ahrimanic elements stand in opposition to one another, and that the Divine consists in maintaining the balance between the two. We must contrast this with the delusion that has crept into humanity’s spiritual development through dualism—with God and the Devil, with the spiritual-divine powers above and the devilish powers below. It is as if one were, so to speak, to push or squeeze a person out of this state of equilibrium by concealing from them that the true salvation of our understanding of the world lies in the correct grasp of the number three, and by leading them to believe that the structure of the world is somehow determined by the number two. Yet even the finest human endeavors have fallen prey to this error.

[ 24 ] Will man auf diesen Punkt eingehen, dann muß man das gar sehr ohne alles Vorurteil tun, dann muß man wirklich einmal sich hinausversetzen in eine vorurteilslose Sphäre. Dann muß man gar sehr unterscheiden zwischen den Sachen und den Namen. Dann muß man sich nicht verführen lassen zu der Meinung: dadurch, daß man einer Wesenheit einen bestimmten Namen gibt, sei diese Wesenheit auch schon in der richtigen Weise vom Menschen empfunden.

[ 24 ] If one wishes to address this point, one must do so entirely without prejudice; one must truly place oneself in a sphere free of prejudice. Then one must make a very clear distinction between things and names. Then one must not be led to believe that simply by giving an entity a certain name, that entity is already perceived by humans in the correct way.

[ 25 ] Fassen wir einmal den Begriff derjenigen Wesenheiten, die der Mensch als seine göttlichen Wesenheiten empfinden soll, dann müssen wir uns sagen: Der Mensch kann richtig diese Wesenheiten nur empfinden, wenn er sie sich denkt als das Gleichgewicht bewirkend zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Prinzip. Er kann dasjenige, was er als sein Göttliches empfinden soll, niemals als Richtiges empfinden, wenn er auf diese Dreigliederung nicht eingeht. Betrachten Sie von diesem Gesichtspunkte aus einmal eine Dichtung wie «Das verlorene Paradies» von Milton, oder betrachten Sie eine Dichtung wie Klopstocks Messiade, die unter dem Einflusse des «Verlorenen Paradieses» von Milton entstanden ist. Da haben Sie im Grunde nichts von einem wirklichen Verständnis einer dreigliedrigen Weltstruktur, da haben Sie einen Kampf zwischen vermeintlich Gutem und vermeintlich Bösem, den Kampf zwischen dem Himmel und der Hölle. Da haben Sie so recht in die menschliche Geistesentwickelung den Irrwahn der Zweiheit hineingetragen. Da haben Sie dasjenige, was vielfach im populären Bewußtsein wurzelt als der wahnvolle Gegensatz zwischen Himmel und Hölle, in zwei neuere Weltgedichte hineingetragen.

[ 25 ] If we consider the concept of those entities that human beings are meant to perceive as their divine entities, we must acknowledge that human beings can only perceive these entities correctly if they conceive of them as bringing about a balance between the Luciferic and the Ahrimanic principles. He can never perceive what he is meant to perceive as his divine nature correctly if he does not take this threefold division into account. From this perspective, consider a work of poetry such as Milton’s Paradise Lost, or consider a work such as Klopstock’s Messiah, which was written under the influence of Milton’s Paradise Lost. There, you essentially find no real understanding of a threefold world structure; instead, you find a struggle between what is supposedly good and what is supposedly evil—the struggle between heaven and hell. There, the delusion of duality has been carried right into the development of the human spirit. There, what is often rooted in popular consciousness as the delusional opposition between heaven and hell has been carried into two more recent world epics.

[ 26 ] Es nützt nichts, wenn Milton oder Klopstock die Wesen des Himmels als göttliche Wesen bezeichnen. Göttliche Wesen, wie sie der Mensch empfinden soll, wären sie nur, wenn zugrunde läge die dreigliedrige Struktur des Weltendaseins. Dann würde man sagen können: Da findet ein Kampf statt zwischen dem guten Prinzip und dem bösen Prinzip. So aber, wie die Sache liegt, wird eine Zweiheit angenommen, dem einen Glied dieser Zweiheit das Gute beigelegt, Namen gefunden, die den Wesen beigelegt werden, die eigentlich vom Göttlichen hergenommen sind, und auf die andere Seite das teuflische, das antigöttliche Element gestellt. Was ist damit eigentlich in Wirklichkeit getan? Damit ist in Wirklichkeit nichts Geringeres getan, als daß das wirklich Göttliche aus dem Bewußtsein herausgerückt ist, und daß das Luziferische mit dem göttlichen Namen belegt wird, daß wir in Wahrheit vorliegen haben einen Kampf zwischen Luzifer und Ahriman, und daß nur dem Ahriman luziferische Eigenschaften beigelegt werden, und dem Reiche des Luzifer werden die göttlichen Eigenschaften beigelegt.

[ 26 ] It is of no use for Milton or Klopstock to describe the beings of heaven as divine beings. They would only be divine beings—as humans are meant to perceive them—if they were based on the threefold structure of worldly existence. Then one could say: A struggle is taking place there between the good principle and the evil principle. But as things stand, a duality is assumed; the good is attributed to one pole of this duality, names are assigned to the beings—names that are actually derived from the divine—and on the other side, the diabolical, the anti-divine element is placed. What has actually been accomplished by this? In reality, nothing less has been done than to remove the truly divine from consciousness, to bestow the divine name upon the Luciferic, to present us in truth with a struggle between Lucifer and Ahriman, and to ascribe Luciferic qualities only to Ahriman, while the divine qualities are ascribed to the realm of Lucifer.

[ 27 ] Sie sehen, von welch ungeheurer Tragweite eine solche Betrachtung eigentlich ist. Während die Menschen glauben, mit einer solchen Gegenüberstellung, wie man sie findet in Miltons «Verlorenem Paradies» oder in Klopstocks «Messias», habe man es zu tun mit den göttlichen und den höllischen Elementen, hat man es in Wahrheit zu tun mit dem luziferischen und dem ahrimanischen Elemente. Vom wirklich göttlichen Elemente liegt kein Bewußtsein vor, dagegen werden dem luziferischen Elemente die göttlichen Namen beigelegt.

[ 27 ] You can see just how immense the implications of such a perspective actually are. While people believe that a juxtaposition such as that found in Milton’s Paradise Lost or Klopstock’s Messiah deals with the divine and hellish elements, in truth it deals with the Luciferic and Ahrimanic elements. There is no awareness of the truly divine element, whereas divine names are attributed to the Luciferic element.

[ 28 ] Nun sind Miltons «Verlorenes Paradies» und Klopstocks «Messias» eben nur die Geistesschöpfungen, die herausragen aus dem neueren Bewußtsein der Menschheit. Denn dasjenige, was sich in diesen Dichtungen auslebt, ist allgemeines Bewußtsein der Menschheit. Es ist ja eingezogen in dieses neuere Bewußtsein der Menschheit der Irrwahn der Zweizahl, und es ist hintangehalten worden die Wahrheit von der Dreizahl. Tiefstes, das die Menschheit in der neueren Zeit hervorgebracht hat, zu dem sie von einem gewissen Gesichtspunkte aus mit Recht hinschaut als zu den größten Hervorbringungen der neueren Zeit, ist eine Kulturmaja, ist eine große Täuschung und entsprungen aus der großen Täuschung der neueren Menschheit. Das alles, was in diesem Irrwahn wirkt, das ist im Grunde genommen Schöpfung der ahrimanischen Einflüsse, jener Einflüsse, die sich einstmals konzentrieren werden in der Inkarnation des Ahriman, von der ich Ihnen schon gesprochen habe. Denn dieser Irrwahn, in dem wir drinnenstehen, ist nichts anderes als das Ergebnis jener falschen Weltbetrachtung, die für die Menschen der neueren Kultur, der neueren Zivilisation überall hervorsprießt aus der Welt, indem sie entgegensetzen Himmel und Hölle. Der Himmel wird als Göttliches angesehen, so wie sie ihn schildern, und die Hölle wird als das Teuflische angesehen, während in Wahrheit man es zu tun hat auf der einen Seite mit dem himmlisch genannten Luziferischen und auf der anderen Seite mit dem höllisch genannten Ahrimanischen.

[ 28 ] Now, Milton’s Paradise Lost and Klopstock’s Messiah are merely the intellectual creations that stand out from humanity’s more recent consciousness. For what finds expression in these works is the general consciousness of humanity. The delusion of the number two has indeed taken root in this newer consciousness of humanity, and the truth of the number three has been held back. The deepest thing that humanity has produced in modern times—which, from a certain point of view, it rightly regards as one of the greatest achievements of modern times—is a cultural illusion, a great delusion, and has sprung from the great delusion of modern humanity. Everything that is at work in this delusion is, in essence, the creation of Ahrimanic influences—those influences that will one day be concentrated in the incarnation of Ahriman, of which I have already spoken to you. For this delusion in which we find ourselves is nothing other than the result of that false worldview which, for people of modern culture and civilization, springs up everywhere from the world by setting heaven and hell in opposition to one another. Heaven is regarded as divine, just as they describe it, and hell is regarded as diabolical, whereas in truth we are dealing, on the one hand, with what is called the heavenly Luciferic and, on the other hand, with what is called the hellish Ahrimanic.

[ 29 ] Wir müssen nur bedenken, welche Interessen da in der neueren Geistesgeschichte walten. Sogar die Dreigliederung des menschlichen Organismus oder des Menschenwesens im Ganzen ist ja in einer gewissen Beziehung, wie ich es Ihnen öfters erwähnt habe, für die abendländische Zivilisation durch das achte ökumenische Konzil von Konstantinopel im Jahre 869 aus der Welt geschafft worden. Es ist zum Dogma erhoben, daß der Christ nicht zu glauben habe an eine dreigliedrige Menschenwesenheit, sondern nur an eine zweigliedrige Menschenwesenheit. An Leib, Seele und Geist zu glauben gilt als verpönt, und die mittelalterlichen Theologen und Philosophen, die noch viel wußten von der Wahrheit, die hatten eine große Mühe, sich um diese Wahrheit herumzudrücken, denn die sogenannte Trichotomie, die Gliederung des Menschen in Leib, Seele und Geist, war für ketzerisch erklärt worden. Sie mußten die Zweiheit lehren: der Mensch bestehe aus Leib und Seele, nicht aus Leib, Seele und Geist. Und das ist ja dasjenige, wovon gewisse Wesen, wovon gewisse Menschen gut wissen, was es für eine ungeheure Bedeutung hat für das menschliche Geistesleben, die Zweigliederung an die Stelle der Dreigliederung zu setzen.

[ 29 ] We need only consider what interests are at work in recent intellectual history. Even the threefold division of the human organism—or of the human being as a whole—has, in a certain sense, as I have often mentioned to you, been eliminated for Western civilization by the Eighth Ecumenical Council of Constantinople in the year 869. It has been elevated to dogma that a Christian is not to believe in a threefold human being, but only in a twofold human being. Believing in body, soul, and spirit is considered frowned upon, and the medieval theologians and philosophers—who still knew much of the truth—had great difficulty circumventing this truth, for the so-called trichotomy—the division of the human being into body, soul, and spirit—had been declared heretical. They had to teach the duality: that human beings consist of body and soul, not of body, soul, and spirit. And this is precisely what certain beings—certain people—know very well: what an immense significance it has for human spiritual life to replace the threefold division with a twofold one.

[ 30 ] Auf solche Tiefen muß hingeblickt werden, wenn man richtig verstehen will, warum in der Novembernummer der «Stimmen der Zeit» von dem Jesuitenpater Zimmermann darauf hingewiesen wird, daß eines der neueren Dekrete des heiligen Offiziums von Rom den Katholiken bei Strafe, nicht die Absolution in der Beichte zu erlangen, verbietet, theosophische Schriften zu lesen oder zu haben oder sich an irgend etwas Theosophischem zu beteiligen. Das interpretiert der Jesuitenpater Zimmermann in den «Stimmen der Zeit», die früher «Stimmen aus Maria-Laach» geheißen haben, so, daß es vor allen Dingen anzuwenden sei auf meine Anthroposophie, daß also vor allen Dingen darauf gesehen werden müsse, daß diejenigen Katholiken, welche als echte Katholiken von Rom angesehen werden wollen, sich nicht zu beschäftigen haben mit anthroposophischer Literatur. Als einer der Hauptgründe wurde da angeführt, daß unterschieden werde die menschliche Wesenheit in Leib, Seele und Geist, daß also ein Ketzerisches gelehrt werde gegenüber dem Rechtgläubigen, das darin bestehe, den Menschen zu unterscheiden in Leib und Seele.

[ 30 ] One must look to such depths if one wishes to understand correctly why, in the November issue of “Stimmen der Zeit,” Jesuit Father Zimmermann points out that one of the more recent decrees of the Holy Office in Rome forbids Catholics, on pain of not receiving absolution in confession, from reading or possessing theosophical writings or participating in anything theosophical. Jesuit Father Zimmermann interprets this in Stimmen der Zeit—formerly known as Stimmen aus Maria-Laach—to mean that it applies above all to my anthroposophy; that is, he argues, it is essential to ensure that those Catholics who wish to be regarded by Rome as true Catholics do not engage with anthroposophical literature. One of the main reasons cited was that the human being is distinguished into body, soul, and spirit; thus, a heretical doctrine is taught in contrast to the orthodox belief, which consists in distinguishing the human being into body and soul.

[ 31 ] Ich habe Ihnen ja auch erwähnt, daß diese Unterscheidung in Leib und Seele, ohne daß sie es wissen, auf die modernen Philosophen übergegangen ist, die glauben, vorurteilslose, voraussetzungslose Wissenschaft zu betreiben, die glauben, wirklich zu beobachten, um dadurch zu der Einsicht zu kommen, daß der Mensch bestehe aus Leib und Seele. In Wahrheit befolgen auch sie nur dasjenige, was durch jenes Dogma in die neuere Geistesentwickelung hineingekommen ist. Was heute als Wissenschaft angesehen wird, ist im Grunde genommen ganz abhängig von solchen Dingen, wie sie im Laufe der neueren Menschheitsentwikkelung in die Welt hineinversetzt worden sind. Glauben Sie nicht, daß Sie durch irgendwelche guten Worte, die Sie oftmals meinen, Leuten geben zu müssen, welche aus solchen Ecken heraus Anthroposophie verketzern, diese Leute bekehren können, oder daß Sie sie zu einem gewissen Wohlwollen bekehren können gegenüber der Anthroposophie. Anthroposophie muß sich durch sich selbst in der Welt Eingang verschaffen, nicht durch die Protektion irgendwelcher, und wären sie auch als noch so christlich angesehene Mächte. Durch innere Kraft allein kann Anthroposophie dasjenige erreichen, was sie in der Welt erreichen soll.

[ 31 ] I have also mentioned to you that this distinction between body and soul has, without their realizing it, been adopted by modern philosophers, who believe they are practicing unbiased, presupposition-free science, who believe they are truly observing in order to arrive at the insight that human beings consist of body and soul. In truth, they, too, are merely following what has entered into recent intellectual development through that dogma. What is regarded as science today is, in essence, entirely dependent on such things as have been introduced into the world in the course of recent human development. Do not believe that by uttering any fine words—which you often feel compelled to offer to people who denounce anthroposophy from such quarters—you can convert these people, or that you can win them over to a certain degree of goodwill toward anthroposophy. Anthroposophy must gain a foothold in the world through its own merits, not through the patronage of any powers—no matter how Christian they may be regarded. Only through its own inner strength can anthroposophy achieve what it is meant to achieve in the world.

[ 32 ] Bedenken Sie, der Christus-Impuls ist nur zu begreifen, wenn man ihn als den Gleichgewichtsimpuls ansieht zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen, wenn man ihn in die Trinität richtig hineinzustellen weiß. Was muß man tun — so kann man die Frage aufwerfen —, wenn man die Menschen irreführen will über den eigentlichen Christus-Impuls? Man muß die Menschen ablenken von der wahren Weltengliederung nach der Dreizahl und muß sie hinführen zu dem Irrwahn der Zweizahl, die nur da ihre Berechtigung hat, wo es sich um das Offenbare handelt, nicht da, wo es sich darum handelt, auch hinter dasjenige zu kommen, was hinter dem Offenbaren steht, was in der Sphäre des Wahren liegt.

[ 32 ] Bear in mind that the Christ impulse can only be understood if one regards it as the balancing impulse between the Ahrimanic and the Luciferic, if one knows how to place it correctly within the Trinity. What must one do—one might ask—if one wishes to mislead people about the true Christ impulse? One must distract people from the true threefold structure of the world and lead them into the delusion of the duality, which is justified only when dealing with the manifest, not when it comes to going beyond the manifest to what lies in the sphere of the True.

[ 33 ] Wir müssen uns klar sein darüber, daß wir in solchen Dingen durchaus über bloße Namen hinauskommen müssen. Dadurch, daß man irgend etwas Christus nennt, hat man den Christus nicht getroffen. Und man kann verhindern, daß der Christus getroffen werde mit dem Christus-Namen, wenn man an die Stelle der Dreizahl die Zweizahl stellt. Wollte irgend jemand den Menschen sicher davon abbringen, einen richtigen Begriff von dem Christus zu erringen, dann hätte er nur nötig, an die Stelle der Dreizahl die Zweizahl zu setzen. Und soll dann auf den Christus-Impuls in einem wahrhaftigen Sinne wiederum hingedeutet werden, dann ist es notwendig, daß der Zweizahl die Dreizahl entgegengesetzt werde. Man braucht nicht auch ein Ketzererklärer zu werden neben Ketzererklärern. Sie brauchen von heute ab nicht Miltons «Verlorenes Paradies» oder Klopstocks «Messias» für verdammte Teufelsschriften zu erklären, Sie können sich an der Schönheit und Größe selbstverständlich weiter erfreuen. Aber Sie sollen sich klarwerden darüber, daß in solchen Schriften, insofern sie die Blüten gerade der populären neueren Menschheitszivilisation sind, von Christus überhaupt nicht die Rede ist, sondern daß solche Schriften hervorgehen aus dem Irrwahn, daß man alles dasjenige, was nicht der Menschheitsentwickelung zugehört, auf der einen Seite nach dem Teuflischen hin rechnen darf, und daß man auf der anderen Seite das Göttliche bekommt. Nein, man bekommt bloß das Luziferische. Und schreibt man dann ein «Verlorenes Paradies», dann beschreibt man in Wirklichkeit die Austreibung der Menschen aus dem Reiche des Luzifer in das Reich des Ahriman, und man schildert die Sehnsucht der Menschen nicht nach dem Göttlichen, man schildert die Sehnsucht der Menschen nach dem verlorenen Paradiese, das heißt aber nach dem Reiche des Luzifer. Schöne Beschreibungen der menschlichen Sehnsucht nach dem luziferischen Reiche mögen Sie sehen in Miltons «Verlorenem Paradies», mögen Sie sehen in Klopstocks «Messias»; aber eben das sollen Sie darinnen sehen, denn das sind sie.

[ 33 ] We must be clear that in such matters we must go far beyond mere names. Simply calling something “Christ” does not mean one has grasped the Christ. And one can prevent the Christ from being grasped through the name “Christ” by substituting the number two for the number three. If anyone wanted to reliably prevent people from gaining a true understanding of the Christ, all they would need to do is replace the number three with the number two. And if one is to point back to the Christ impulse in a true sense, then it is necessary to set the number three in opposition to the number two. There is no need to become another heresy-hunter alongside the heresy-hunters. From now on, you need not declare Milton’s Paradise Lost or Klopstock’s Messiah to be accursed devilish writings; you can, of course, continue to delight in their beauty and grandeur. But you must realize that in such writings—insofar as they are the very blossoms of modern popular human civilization—there is no mention of Christ at all; rather, such writings arise from the delusion that everything which does not belong to human development may, on the one hand, be counted among the devilish, and that, on the other hand, one obtains the divine. No, one merely ends up with the Luciferic. And when one then writes a “Paradise Lost,” one is in reality describing the expulsion of human beings from the realm of Lucifer into the realm of Ahriman; and one is not depicting humanity’s longing for the Divine, but rather humanity’s longing for the lost paradise—that is to say, for the realm of Lucifer. You may find beautiful descriptions of humanity’s longing for the Luciferic realm in Milton’s Paradise Lost or in Klopstock’s Messiah; but that is precisely what you should see in them, for that is what they are.

[ 34 ] Gar sehr sind gewisse Vorstellungen, die in die neuere Menschheit eingezogen sind, zu revidieren. Wir stehen heute, indem wir im Ernste uns anschicken, anthroposophisch zu denken und zu empfinden, nicht vor kleinen Entscheidungen, wir stehen vor großen Entscheidungen. Wir stehen davor, ein Wort, das Nietzsche oftmals gebraucht hat, sehr ernst zu nehmen. Das Wort von der Umwertung gewisser Werte, es muß sehr, sehr ernst genommen werden. Die Menschheitsleistungen der neueren Zeit müssen gar sehr umgewertet werden.

[ 34 ] Certain ideas that have taken root in modern humanity really do need to be reevaluated. Today, as we earnestly set out to think and feel in an anthroposophical way, we are not faced with minor decisions; we are faced with major decisions. We are faced with the task of taking a phrase that Nietzsche often used very seriously. The phrase about the “revaluation” of certain values must be taken very, very seriously. The achievements of humanity in modern times must indeed be thoroughly reevaluated.

[ 35 ] Man braucht deshalb durchaus nicht auch ein Ketzerverdammer zu werden. Wir führen fortwährend Szenen aus dem Goetheschen «Faust» auf, und ich habe Jahrzehnte dem Studium Goethes gewidmet. Aber aus meiner kleinen Schrift «Goethes Geistesart» können Sie entnehmen, daß mich das nicht blind gemacht hat gegen die falsche Charakteristik, die in der Goetheschen Mephistopheles-Figur lebt. Es wäre durchaus philiströs, zu sagen: Goethes Mephistopheles ist falsch, also weg damit. Da würde man es ja machen wie gewisse Ketzerrichter. In diese Lage dürfen wir uns als moderne Menschen nicht bringen. Aber wir dürfen uns auch nicht in bequemer Weise bei dem befriedigen, was den breitesten Menschenmassen aus dem neueren Geistesleben wie in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ungeheuer viel wird die Menschheit lernen müssen. In bezug auf vieles wird sie Umwertungen vornehmen müssen.

[ 35 ] That is no reason to become a condemner of heretics. We continually perform scenes from Goethe’s Faust, and I have devoted decades to the study of Goethe. But as you can see from my short essay “Goethe’s Spirit,” this has not blinded me to the false characterization embodied in Goethe’s figure of Mephistopheles. It would be thoroughly philistine to say: Goethe’s Mephistopheles is false, so let’s do away with him. That would be acting just like certain inquisitors. As modern people, we must not put ourselves in that position. But neither should we complacently settle for what has become second nature to the broadest masses of people in recent intellectual life. Humanity will have to learn an immense amount. In many respects, it will have to reevaluate its views.

[ 36 ] Alles das hängt zusammen mit der Sendung des Michael gegenüber denjenigen Wesen der höheren Hierarchien, mit denen er wiederum in Verbindung steht. Und wie wir dazu kommen können, diejenigen Impulse, die von der Michael-Wesenheit in unser irdisches Menschendasein hereinstrahlen, zu verstehen, davon wollen wir dann morgen und übermorgen sprechen.

[ 36 ] All of this is connected to Michael’s mission toward those beings of the higher hierarchies with whom he, in turn, is connected. And tomorrow and the day after tomorrow, we will discuss how we can come to understand the impulses that radiate from the Michael Being into our earthly human existence.