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The Rudolf Steiner Archive

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Michael's Message
The True Mysteries of Human Natur
GA 194

22 November 1919, Dornach

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Zweiter Vortrag

2. The Michael Revelation. The Word Becomes Flesh and the Flesh Becomes Spirit

[ 1 ] Ich habe Ihnen gestern von jenem Irrtum gesprochen, der eingezogen ist in unser neuzeitliches Geistesleben und der heute noch von wenigen Menschen eigentlich in der richtigen Weise bemerkt wird. Sie haben wohl aus diesen Auseinandersetzungen herausgefühlt, daß wir gerade mit dem Hinweis auf diesen Irrtum an einer sehr wichtigen Stelle geisteswissenschaftlicher Betrachtungen stehen. Es wird durchaus notwendig sein für eine gedeihliche Entwickelung des geistigen Lebens der Menschheit, daß in diesem Punkte klar gesehen werde. Ich habe Sie hingewiesen auf solche Kulturerzeugnisse, die wie Miltons «Verlorenes Paradies» oder Klopstocks «Messias» so recht herausgeboren sind aus dem allgemeinen populären Denken der letzten Jahrhunderte. Ich habe Sie aber auch darauf hingewiesen, wie gerade an diesen, in bezug auf das Künstlerische, in bezug auf das allgemein Geistige hervorragenden Kulturerzeugnissen, bemerkbar ist, vor welchen Gefahren das menschliche Seelenleben steht, wenn nicht durchschaut wird, wie unmöglich der Mensch zu einem wahren, für ihn notwendigen Gottesbegriff und damit auch Christus-Begriff kommen kann, wenn er sich nur vorstellt, daß die Weltstruktur, das Geistige inbegriffen, im Sinnbilde einer Zweiheit zu begreifen ist. Gerade indem man gewissermaßen nur die Zweiheit unterschied, auf der einen Seite das Gute, auf der anderen Seite das Böse, verfiel man in den Fehler, zum Bösen alles hinzuzurechnen, was wir bezeichnen mußten im Laufe der Zeit als das Luziferische und als das Ahrimanische. Nur hat man nicht erkannt, daß man zusammengeworfen hat zwei Weltelemente in eines. Dadurch ist es gekommen, daß man auf der anderen Seite nach dem Guten hin in der Tat die luziferischen Elemente geschoben hat, daß man mit anderen Worten glaubte, Göttliches zu verehren, Göttliches zu erkennen, daß man vom Göttlichen mit Namen sprach, aber doch das luziferische Element in dieses Göttliche hineinmischte. Dadurch aber wird es auch unserer Zeit so schwer, zu einem reinen Begriff des Göttlichen und zu einem reinen Begriff des Christus-Impulses in der Menschheits- und Weltenentwickelung zu kommen. Wir sind gewohnt worden, aus der Kultur der Jahrhunderte heraus, wegen der Anerkennung dieser Zweiheit auf der einen Seite zu sprechen von dem Seelischen, auf der anderen Seite zu sprechen von dem Leiblichen oder Körperlichen. Und wir haben den Zusammenhang verloren zwischen jenen Vorstellungen, die uns das Seelisch-Geistige vermitteln, und denjenigen Vorstellungen, die uns das Leibliche vermitteln. Wir sprechen heute, und am meisten tut das unsere Schulpsychologie, wenn wir vom Denken, vom Wollen, vom Gemüte, vom Fühlen sprechen, kaum von etwas anderem als von Wortklängen. Wir kommen zu keinen wirklichen inneren inhaltsvollen Vorstellungen von diesem seelischen Elemente. Und wir sprechen auf der anderen Seite von einem entgeistigten Materiellen, von einem seelenlosen Materiellen, und wir klopfen gleichsam auf dieses äußere harte, steinhafte, seelenlose Materielle und können keine Brücke bauen von ihm zum Seelischen hinüber.

[ 1 ] I have spoken in the previous lecture of the error which has entered our modern spiritual life and which is very little noticed today. You will have realized from our discussions that by pointing to this error we have arrived at a very important point in our spiritual-scientific considerations. It is imperative for a sound development of the spiritual life of mankind that there be clarity in this matter. I have drawn your attention to such products of culture as Milton's Paradise Lost or Klopstock's Messiah, which have sprung from the general popular thinking of the last few centuries. But I have also drawn your attention to the fact that just through such artistically as well as spiritually outstanding products of culture we can see the dangers that are facing man's soul life if he fails to realize that it is impossible to arrive at a true and adequate concept of spirit, a true concept of Christ, as long as he imagines that the structure of the world and the spirit can be grasped through the symbol of the duad. By differentiating only according to the duad—on the one hand the good, on the other the evil—people committed the error of including on the side of evil all that we designate as the Luciferic and the Ahrimanic element. But they did not realize that they had jumbled up two cosmic elements. Thus it has come about that the Luciferic element was shifted to the side of the Good; in other words, people were of the opinion that they revered the Divine, recognized the Divine, spoke by name of the Divine, whereas, in reality, they intermixed the Luciferic with the Divine element. Hence the difficulty in our time of arriving at a pure concept of the Divine and a pure concept of the Christ impulse in human and world evolution. Through the culture of the centuries we have become accustomed, because of the acknowledgment of this duad, to speak, on the one hand, of the soul element, on the other, of the bodily or corporeal element, and we have lost the connection between the thoughts which relate us to the soul-spiritual element and the thoughts which relate us to the bodily element. Thinking, willing, feeling are little more than sounding words to people of the present day; and this is particularly true of modern psychology that is taught in our universities. It does not arrive at real inner conceptions of the soul element, filled with content. On the other hand, people speak of the de-spiritualized material element, devoid of soul, and they hammer, as it were, at this external, rigid, stony-hard, soulless material element and are unable to build a bridge from it to the soul.

[ 2 ] In zwei Elemente auseinandergefallen ist uns das Geistige, das überall, und das Leibliche, das zu gleicher Zeit ein Geistiges ist. Mit bloßen Theorien kommt man zu einer solchen Brücke zwischen dem Leiblichen und Geistigen nicht. Und da man nicht dazu kommt, hat vor allen Dingen unser ganzes wissenschaftliches Denken diesen Charakter eines Zwiespaltes zwischen Leiblichem und Geistigem oder Seelischem angenommen. Man möchte sagen: Auf der einen Seite sind die verschiedenen Glaubensbekenntnisse dahinein verfallen, auf ein Geistiges hinzuweisen, ohne in der Lage zu sein, darzulegen, wie dieses Geistige unmittelbar eingreift ins Leiblich-Körperliche, wie es schöpferisch tätig ist an dem Leiblich-Körperlichen, auf der anderen Seite aber betrachtet heute ein seelenloses Wissen, eine seelenlose Naturanschauung das Körperliche so, daß sie nirgends durch die leiblichen Vorgänge hindurchschauen kann auf das in diesen leiblichen Vorgängen waltende Geistig-Seelische. Wer von diesem Gesichtspunkte aus die naturwissenschaftliche Anschauung, wie sie sich entwickelt hat im Laufe des 19. Jahrhunderts und in das 20. Jahrhundert herein, überblickt, der wird sich sagen müssen: Alles dasjenige, was uns da auftritt, erscheint wie eine Folge dessen, was eben charakterisiert worden ist. Wir müssen aber vor allen Dingen das Richtige, das uns jetzt schon folgen kann aus mannigfachen Voraussetzungen, die wir ja hier auch hinlänglich besprochen haben, hinzusetzen, bevor wir den Irrwahn, der heute das Richtige zudeckt, voll einsehen können. Man spricht heute vom Menschen wie von einer einheitlichen Wesenheit, gleichgültig, ob man vom Seelischen spricht oder ob man vom Leiblichen spricht. Man spricht vom Seelischen als einer einheitlichen Wesenheit, man spricht vom Leiblichen als einer einheitlichen Wesenheit. Und dennoch, Sie werden aus unseren Betrachtungen gesehen haben, daß im Menschenwesen vor allen Dingen der Ihnen schon angedeutete große Gegensatz waltet zwischen all dem, was Hauptes- oder Kopfbildung ist, und all dem — wir wollen es jetzt nicht weiter gliedern, Sie wissen, es kann auch weiter gegliedert werden, aber wir wollen es jetzt in eins zusammenfassen —, was der Mensch an sich trägt außer seiner Hauptes- oder Kopfesbildung. (Es wurde der rechte Teil der Zeichnung, siehe $. 30, skizziert.) Man fragt nach der Entwickelung des Menschen. Man muß in ganz anderer Art fragen nach der Entwickelung des Menschen in bezug auf seine Hauptesbildung, Kopfbildung, und nach der Entwickelung des Menschen in bezug auf die übrige Leibesbildung.

[ 2 ] The all-pervading spiritual and the corporeal which is at the same time spiritual have fallen apart into two elements. Mere theories will not build a bridge between the bodily and the spiritual. And since this is not possible, all scientific thinking has taken on the character of a schism between the bodily and the spirit or soul element. We might express it thus: on the one hand, the various creeds have resorted to pointing to the spiritual element without being in a position to show how this spiritual element takes hold of the bodily-corporeal element; on the other hand, a soulless knowledge, a soulless observation of the body is unable to look through the bodily processes and perceive the spirit-soul element governing them. Anyone who surveys from this point of view the natural-scientific world conception as it developed in the course of the nineteenth century and into the twentieth century will have to say to himself: all that pertains to this world conception is a result of that which has just been characterized. In order to understand fully the illusion which today covers up reality, we must first establish this reality. This we shall be able to do as a result of much that has been discussed here at length. Today the human being is considered a single undivided being, regardless whether we are speaking of soul or of body. From the soul aspect he is considered a uniform being; from the bodily aspect he is considered a uniform being. Yet you will have gathered from our discussions that in man there exists, above everything else, the great contrast between the head formation and the rest of the human organism. This latter part of the human body could be further divided, but for the moment let us consider it as a unity. If we make inquiry into the evolution of man, the inquiry in regard to the head formation must be different from that in regard to the rest of the body.

[ 3 ] Wenn wir die Kopfbildung des Menschen — fassen wir sie zunächst ganz körperlich auf — ins Auge fassen, insofern diese Kopfbildung den Organismus enthält für das sinnliche Wahrnehmen oder für das Denken oder Vorstellen, dann müssen wir allerdings weit zurückblicken in die kosmische Entwickelung des Menschen. Dann müssen wir uns sagen: Dasjenige, was heute seinen Ausdruck findet in der menschlichen Hauptesbildung, das hat sich nach und nach entwickelt und umgeformt. Es hat sich hindurchentwickelt durch die alte Saturnbildung, durch die alte Sonnenbildung, durch die alte Mondenbildung und ist dann weiterentwickelt worden während der Erdenzeit. Aber so ist es nicht mit dem, was die andere Leiblichkeit des Menschen ist. Es wäre ganz falsch, eine einheitliche Entwickelungsgeschichte zu suchen für den ganzen Menschen. Wir können sagen (es wird weitergezeichnet): Die Hauptesbildung, die weist zurück auf die vorhergehenden planetarischen Stufen unserer Erdenbildung: Mondenbildung, Sonnenbildung, Saturnbildung. Dasjenige, was zuletzt seinen unmittelbaren Abschluß gefunden hat in dem menschlichen Haupte, das geht auf eine weite Entwickelung zurück. Wenn wir aber dazufügen alles übrige, was : zum Menschen gehört, so dürfen wir nicht zurückgehen bis zu der Saturnbildung, sondern wir müssen sagen: Dasjenige, was der Mensch an sich trägt außer seinem Haupte, das können wir höchstens, insoweit es die Brustbildung ist, zurückverfolgen bis in die planetarische Mondenzeit (Zeichnung: senkrechter Trennungsstrich), dasjenige, was die Gliedmaßen sind, ist erst während der Erdenformation an den Men sehen herangekommen.

[ 3 ] If we focus our attention upon the head formation, from a purely bodily aspect, in as far as this head formation contains the organism for sense perception or for thinking, we have to look far back into the cosmic evolution of man. What finds its expression today in the human head formation has been gradually developed and transformed. Its development has gone on through ancient Saturn, Sun and Moon and has continued during the Earth evolution. But this is not the case with the rest of the human body. It would be entirely wrong to look for a uniform evolutionary history of the whole human being. We may say (Dr. Steiner draws a diagram): The head formation points back to the previous planetary stages of our Earth: Moon, Sun, Saturn evolution; the development which has found its conclusion in the human head reaches far back. But if we add to this all that belongs to the rest of man, we need not go back as far as the Saturn evolution. The chest formation may be traced back as far the Moon evolution; the limbs have been added to the human being only during the Earth evolution.

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[ 4 ] Wir betrachten den Menschen nur dann richtig, wenn wir etwa das Folgende vergleichsweise sagen. Aber bitte, fassen Sie das vergleichsweise auf. Sie können sich sehr leicht hypothetisch vorstellen: durch irgendwelche organischen Verhältnisse im Kosmos, durch irgendwelche Anpassungsverhältnisse, verbunden mit inneren Wachstumsverhältnissen, würde der Mensch irgendwelche neue Gliedmaßen ansetzen. Sie würden dann nicht zurück verfolgen die ganze Menschengestalt bis zur früheren Entwickelung, sondern Sie würden sagen: Der Mensch, insofern er sich entwickelt hat, muß zurückverfolgt werden; aber in einem gewissen Zeitpunkte hat sich erst dieses oder jenes Glied angesetzt. Daß wir versucht sind, nicht so zu denken mit Bezug auf das Haupt und den übrigen Menschen, das rührt nur davon her, weil, rein in bezug auf die äußere Raumesgröße, der übrige Mensch größer ist als sein Haupt. Die Wahrheit ist doch diese, daß die Hauptesbildung am weitesten zurückgeht und daß die andere Bildung erst spätere Ansätze darstellt. Spricht man überhaupt von einem Zusammenhang des Menschen mit der Tierwelt in bezug auf die Entwickelung, dann kann man nur sagen: Dasjenige, was im menschlichen Haupte ist, das geht zurück auf eine frühere Tierbildung. Das menschliche Haupt ist umgewandelte Tiergestalt, sehr stark umgewandelte Tiergestalt.

[ 4 ] We consider the human being in the right way only if we make the following comparative observation. But please, take it only as a comparison. You can easily imagine, hypothetically, that through some sort of organic conditions in the cosmos, through some conditions of adaptation connected with conditions of inner growth, the human being might put forth new limbs. You would not then trace back the entire human form to a previous evolution, but you would say: Man, as an evolving being, has to be traced back; but this or that limb has only been added at a certain point of time. The reason for our being tempted not to think in this way in regard to the head and the rest of the human organism is that with respect to the outer spatial size of man the rest of the human organism is larger than the head. The truth, however, is that the head formation reaches furthest back in evolution, while the rest of the human form was added later. If we wish to speak of a connection of man with the animal world in regard to evolution, we can only say: The human head can be traced back to an earlier animal formation.The human head is a transformed animal shape, a greatly transformed animal shape.

[ 5 ] Der Mensch hat äußerlich, allerdings in ganz anderen physikalischen Verhältnissen, eine Tierbildung gehabt, als es noch gar keine Tiere gab. Die Tiere haben sich später zum Menschen hinzugebildet. Dasjenige aber, was im Menschen Tierbildung gehabt hat, das ist heute menschliches Haupt, menschlicher Kopf geworden. Und dasjenige, was an den Kopf angesetzt ist als der übrige Organismus, das ist erst gleichzeitig mit der Entwickelung der Tiere an den Kopf angesetzt worden, das hat also nichts zu tun mit einer wirklichen Tierabstammung. So daß wir eigentlich sagen müssen: Das zunächst scheinbar edelste Glied des Menschen, sein Kopf, weist uns zurück auf die Tierheit; in bezug auf das hat der Mensch selbst früher eine Art Tiergestalt gehabt. Dasjenige aber, was wir sonst an uns tragen, das haben wir neben der Entwickelung der Tiere als gewissermaßen organischen Ansatz zum Kopfe in der kosmischen Entwickelung hinzu erhalten.

[ 5 ] At a time when animals did not yet exist, the human being, under completely different physical conditions, had an animal form. Animals have developed only later. That part of the human being, however, that had an animal form has become what is today the human head, and that which has been added to the head as the rest of the human organism has been added at a time when the simultaneous development of the animals occurred. Thus it has nothing to do with an actual descent from the animal. We must really state the following: The seemingly most noble part of the human being, his head, points us back to the animal; in regard to the head the human being himself had formerly a kind of animal form. But the rest of our organism we received as an organic addition to the head at a time of cosmic evolution in which the parallel development of the animals took place.

[ 6 ] Nun ist das Haupt in einem gewissen Sinne unser Denkorgan geworden. Unser Denkorgan ist also gerade dasjenige geworden, welches Tierabstammung hat, wenn wir so sagen dürfen. Nur hat es allerdings eine sonderbare Tierabstammung. Wenn Sie heute ein menschliches Haupt nehmen, so werden Sie ihm anatomisch vielleicht nicht gleich das ansehen, was zurück weist auf Tiergestalt. Genauer angesehen werden Sie aber doch erkennen, wenn Sie nur richtig zu deuten verstehen die Form der Organe des Hauptes, wie sie umgestaltete Organe der Tierheit sind.

[ 6 ] In a certain respect our head has become our organ of thinking. Our organ of thinking is that part of us which, if we may use the expression, has animal descent; a strange animal descent, to be sure. If you look at a human head today, you will not at once discover anatomically the traits that point back to the animal form. Yet upon closer investigation and with the proper interpretation of the forms of the head organs you will recognize them as transformed animal organs.

[ 7 ] Nun, wenn wir dieses ins Auge fassen, müssen wir allerdings zugleich erwähnen, daß die Umgestaltung aus der Tierheit heraus für das menschliche Haupt dadurch zustande gekommen ist, daß in dieses Haupt bereits eingezogen ist eine rückwärts gerichtete Entwickelung. Dasjenige, was voll lebendigen Lebens war in früheren Stadien der Entwickelung, ist im menschlichen Haupte bereits auf dem Wege des Absterbens, ist im menschlichen Haupte in einer rückwärts gerichteten Entwickelung. Ich habe einmal gesagt: Würden wir als Menschen nur Haupt sein, so könnten wir eigentlich niemals leben, so müßten wir im Grunde fortwährend sterben, denn der organische Zusammenhang des menschlichen Hauptes durch die Kräfte des Hauptes selbst ist nicht ein Lebensvorgang, sondern ein Sterbensvorgang. Das, was im Haupte ist, wird fortwährend neu belebt vom übrigen Organismus aus. Daß das Haupt auch teilnimmt am allgemeinen Leben des Organismus, das verdankt es dem übrigen Leben des Organismus. Würde sich das Haupt nur denjenigen Kräften überlassen können, für die es organisiert ist, den sinnlichen Wahrnehmungskräften und den Vorstellungskräften, so würde das Haupt fortwährend absterben. Das Haupt hat fortwährend die Tendenz zu sterben, es muß fortwährend belebt werden. Und wenn wir denken, wenn wir sinnlich wahrnehmen, so geht in unserem Haupte, in unserem Nervensystem überhaupt und seiner Verbindung mit den Sinnesorganen, nicht ein aufsteigender, dem Wachstum oder dergleichen angemessener Lebensprozeß vor sich, denn da würden wir nur schlafen können, in tiefen Schlaf versunken sein, da würden wir niemals hell denken können. Nur dadurch, daß fortwährend der Tod durch unser Haupt zieht, daß eine fortwährende Rückentwickelung da ist, daß die organischen Prozesse fortwährend zurückgenommen werden, dadurch greift in unserem Haupte das Denken und das sinnliche Wahrnehmen Platz.

[ 7 ] In considering all this, we must at the same time mention that the transformation of the head from the animal form to the human form came about through the fact that the human head had already entered a retrogressive evolution. That which in earlier states of evolution was full of vitality and life is, in the human head, already in the process of dying. I once stated the following: If we human beings were only head, we could never live, we would be continuously dying, for the organic processes that take place in the head through the forces of the head itself are not life processes but death processes. The human head is continually quickened to life by the rest of the organism. The head owes to the rest of the organism its participation in the general life of the organism. If the head were simply to rely upon those forces for which it is organized, namely the forces of sense perception and thinking, it would be continually dying. Its continuous tendency is to die; it has to be constantly revitalized. If we think, if we perceive with our senses, there takes place in our head, in our nervous system and its connection with the sense organs, a process that is the opposite of an ascending process of life and growth. For if such a life process took place there, we would fall into deep sleep, we would never be able to think clearly. Only through the fact that death constantly pervades our head, that a continuous retrogressive evolution is going on there and the organic processes are constantly cancelled, do thinking and sense perception take place in our head.

[ 8 ] Wer in materialistischer Weise aus Gehirnprozessen das Denken oder das Sinneswahrnehmen erklären will, der weiß eben gar nicht, welche Vorgänge im Haupte vor sich gehen, der glaubt, da gehen solche Prozesse vor sich, die sich mit dem organischen Wachstum oder dergleichen vergleichen lassen. Das ist nicht der Fall. Dasjenige, was parallel geht dem Sinneswahrnehmen und dem Vorstellen, das sind Absterbeprozesse, das sind Abtrageprozesse, Zerstörungsprozesse. Das Organische, das Materielle muß erst abgetragen, muß erst zerstört werden, dann erhebt sich über dem organischen Zerstörungsprozeß der Denkprozeß.

[ 8 ] Whoever in a materialistic fashion attempts to explain thinking and sense perception by means of the brain processes does not know at all what processes occur in the head; he believes the processes occurring there may be compared with the processes of organic growth. This is not the case. The processes that run parallel to sense perception and thinking are breaking down processes, processes of destruction. The organic, the material, must first be broken down, must first be destroyed; then above the organic process of destruction the thinking process arises.

[ 9 ] Diese Dinge werden heute von der Menschheit so aufgefaßt, daß man versucht, ihre Natur äußerlich zu erschließen. Der Mensch denkt, der Mensch nimmt sinnlich wahr, was aber da parallel in seinem Organismus vorgeht, davon weiß er nichts, das bleibt ihm ganz im Unbewußten sitzen. Nur durch diejenigen Vorgänge, die ich geschildert habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», kann man allmählich aufsteigen zu einer solchen Erkenntnis, die nicht bloß in dem lebt, was man fast nur mit seiner Wortbedeutung das Seelische nennt: im Sinneswahrnehmen und im Denken. Bei einer Entwickelung, die die Seele durchmacht in dieser Art, kann sie auf der einen Seite sich dem Denken, dem Sinneswahrnehmen hingeben und gleichzeitig wahrnehmen, was da im Gehirn geschieht. Da nimmt man nicht dasjenige wahr, was man sonst etwa als Wachstumsprozeß empfindet, da nimmt man wahr einen Abbauprozef, der stets wiederum ausgeglichen werden muß vom übrigen Organismus aus.

[ 9 ] You see, these matters are conceived of by humanity today in such a way that the attempt is made to explain their nature externally. The human being thinks, he perceives with his senses; but he knows nothing about that which takes place simultaneously in his organism; this remains completely in the unconscious. Only through the processes which I have described in my book, Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment {Anthroposophic Press, New York,) is it possible gradually to rise to a knowledge which does not merely live in what today is called, in a mere word-sense, the soul element, namely sense perception and thinking. If a soul undergoes the development described in my book, it can yield on the one hand to thinking, to sense perception, and simultaneously perceive what happens in the brain; it then does not perceive a growth process but a breaking down process which has continually to be compensated by the rest of the organism.

[ 10 ] Das ist die tragische Begleiterscheinung einer wirklichen Erkenntnis unserer Hauptestätigkeit. Der hellsichtige Mensch kann sich nicht erfreuen etwa an einem Aufblühen der organischen Prozesse des Hauptes, wenn er denkt, wenn er sinnlich wahrnimmt, sondern er muß sich bekanntmachen mit einem Zerstörungsprozeß. Er muß sich aber auch bekanntmachen damit, daß der materialistisch Gesinnte annimmt, solche Prozesse spielen sich im menschlichen Haupte ab, welche gerade ausgeschlossen sind, wenn der Mensch denkt oder wenn der Mensch sinnlich wahrnimmt. Gerade das Gegenteil von dem, was wirklich wahr ist, muß der Materialismus für sich annehmen.

[ 10 ] You see, this is the tragic phenomenon accompanying a real knowledge of the activity of the head: there is no unfolding of organic processes in the head to be enjoyed by the clairvoyant when he thinks, when he perceives with his senses; on the contrary, he has to familiarize himself with a process of destruction. He must also familiarize himself with the fact that the materialistically inclined person supposes such processes to take place in the human head which cannot possibly take place when man thinks or perceives with his senses. Materialism must suppose just the opposite of the truth.

[ 11 ] Also wir haben es beim menschlichen Haupte zu tun mit einer Entwickelung zwar aus der Tierheit heraus, aber jetzt schon mit einer rückläufigen Entwickelung, mit einem Abbauprozeß. In aufsteigender Entwickelung ist unser anderer menschlicher Organismus. Von diesem anderen menschlichen Organismus dürfen wir nicht etwa glauben, daß er nun keinen Anteil hat an dem Seelisch-Geistigen und seinem Erleben im Menschen. Fortwährend wird nicht nur das Blut aus dem übrigen Organismus heraufgesendet in das Haupt, sondern fortwährend steigen auch auf in das Blut jene seelisch-geistigen Gedankengebilde, aus denen die Welt gewoben ist, aus denen auch unser Organismus gewoben ist. Diese seelisch-geistigen Gedankengebilde, die nimmt der Mensch heute in seinem normalen Zustande noch nicht wahr, aber es ist das Zeitalter eingetreten, in dem der Mensch beginnen muß, dasjenige wahrzunehmen, was aus seinem eigenen Wesen aufsteigt an Gedankengebilden. Sie wissen ja, wir schlafen nicht bloß vom Einschlafen bis zum Aufwachen, mit einem Teil unseres Wesens schlafen wir den ganzen Tag über. Wir sind eigentlich nur wach in bezug auf unser Denken, Vorstellen und Sinneswahrnehmen. Wir träumen in bezug auf unser Gefühlsleben, wir schlafen völlig in bezug auf unser Willensleben. Denn von dem, was wir wollen, wissen wir ja nur die Gedanken, die Ideen, nicht den Vorgang des Willens. Was der Wille eigentlich macht, das vollzieht sich für unser Bewußtsein so unbewußt wie das Schlafesleben vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Aber wenn wir fragen: Auf welchen Wegen kann allein das Wissen von dem wirklich Göttlichen an den Menschen herankommen? — dann können wir nicht verweisen auf den Weg durch das Haupt, auf den Weg durch die Sinneswahrnehmung und durch das Denken, sondern dann können wir nur verweisen auf den Weg, der durchgeht durch unseren übrigen Organismus. Und das große, gewaltige Geheimnis liegt vor, daß der Mensch sein Haupt entwickelt hat in einer langen Entwickelungsreihe, daß dann hinzugekommen ist dasjenige, was sein übriger Organismus ist, daß das Haupt bereits eine rückläufige Entwickelung angetreten hat, daß aber dasjenige, was der Mensch als sein Göttliches empfinden kann, durch den übrigen Organismus zu ihm sprechen muß, nicht durch das Haupt. Denn das ist wichtig, daß man sich klar ist darüber: Durch das Haupt sprachen zu Menschen zunächst nur die luziferischen Wesenheiten. Und wir können sagen: Dem Menschen wurde zu seinem Haupte hinzu erschaffen der übrige Organismus, damit zu ihm sprechen können seine Götter. Am Ausgangspunkt der Bibel steht nicht: Und Gott sandte dem Menschen den Lichtstrahl und er ward eine lebendige Seele — sondern: Gott blies dem Menschen den lebendigen Odem ein und er ward eine lebendige Seele. — Hier wird richtig erkannt, daß durch eine Nicht-Hauptestätigkeit zu dem Menschen der göttliche Impuls kam.

[ 11 ] Thus, in the human head we are concerned with an evolution out of the animal, but with an evolution already retrogressive; with a breaking down process. The rest of our human organism is in a progressive evolution, and we must not believe that it has no part in the soul-spiritual element and its experience in man. Not only is our blood constantly sent up from the rest of the organism into the head, but also there continually rise into the head those soul-spiritual thought forms from which the world and our organism are woven. These soul-spiritual thought forms are not yet perceived by the human being in his normal state, but the time has come when man has to begin to perceive what arises out of his own being as thought forms. As you know, we do not sleep only from the moment of falling asleep to the moment of waking up; with a part of our being we sleep the whole day through. We are awake only in regard to our thinking and sense perceiving, we dream in regard to our life of feeling; we are sound asleep in regard to our life of willing. For we know only of the thoughts and ideas of our volition; we know nothing of the process of willing. The activity of our will takes place just as unconsciously as our sleep life from the moment of falling asleep to the moment of waking up. But if we ask: By what path alone can knowledge of the Divine reach the human being? we cannot point to the path through the head, through sense perception and thinking, but only to the path that leads through the rest of our organism. We have to deal here with the great and mighty mystery that man's head has developed through long stages of evolution and that gradually the rest of his organism was added; that the head has already started on a retrogressive evolution and that man can only experience the Divine through the rest of his organism, not through the head. For you see, it is important to realize that through the head only the Luciferic beings spoke to man. We may say that man received the rest of his organism in addition to the head in order that the Gods might speak to him. At the beginning of the Bible we do not read: God sent a ray of light to man and he became a living soul, but we read: God breathed the living breath into man and he became a living soul. Here it is recognized that the divine impulse reached the human being through an activity that is not of the head.

[ 12 ] Daraus wird es Ihnen aber auch verständlich sein, daß zunächst dieser göttliche Impuls zum Menschen nur kommen konnte in einer Art unbewußten Hellsehens, oder wenigstens durch ein Verständnis desjenigen, was durch unbewußtes Hellsehen gegeben wurde. Wenn Sie von unserer Bibel das Alte Testament ansehen, so werden Sie es finden müssen — wir wissen das ja von anderen Betrachtungen aus — als ein Ergebnis eines unbewußten Hellsehens. Dessen waren sich auch diejenigen bewußt, die Mithilfe geleistet haben beim Zustandekommen des Alten Testaments. Ich kann Ihnen heute hier nicht das Zustandekommen des Alten Testaments schildern, aber ich möchte Sie doch hinweisen darauf, in wie vielen Betrachtungen wir über solche Dinge uns ergangen haben, wie Sie bei den Lehrern des alten hebräischen Volkes durchaus das Bewußtsein überall finden, daß ihr Gott zu ihnen gesprochen hat nicht durch die unmittelbaren Sinneswahrnehmungen, nicht durch das gewöhnliche Denken, nicht durch alles dasjenige also, wofür das Haupt der Vermittler ist, sondern daß ihr Gott zu ihnen gesprochen hat durch Träume — worunter sie nicht gewöhnliche Träume, sondern von Wirklichkeit durchtränkte Träume verstanden —, was da Gott zu ihnen gesprochen hat durch solche hellseherischen Momente wie zu Moses aus dem Dornbusch und ähnlichem. Und wenn man die Eingeweihten dieser alten Zeit gefragt hat, wie sie sich vorstellen, daß die göttlichen Rufe zu ihnen kommen, dann haben sie gesagt: Zu uns spricht der Herr, dessen Name unaussprechlich ist, aber er spricht durch sein Antlitz zu uns. — Und das Antlitz ihres Gottes nannten sie den Michael, jene geistige Macht, die wir zu der Hierarchie der Archangeloi rechnen. Ihren Gott empfanden sie als den unbekannt hinter den Erscheinungen auch des Hellsehers bleibenden. Wenn der Hellseher aber sich durch die innere Verfassung seiner Seele zu seinem Gotte erhob, so sprach zu ihm Michael. Aber dieser Michael sprach nur dann, wenn die Menschen sich versetzen konnten in einen anderen Zustand, als der gewöhnliche Bewußtseinszustand war, wenn die Menschen sich versetzen konnten in einen Zustand einer gewissen Hellsichtigkeit, durch den dasjenige ins Bewußtsein hereintrat, was sonst nur am Menschen schafft und lebt entweder vom Einschlafen bis zum Aufwachen, oder aber durch den unterbewußt bleibenden Willen, der eigentlich auch schläft, auch dann, wenn wir tagwachend sind.

[ 12 ] From this it will become clear to you that this divine impulse could at first come to man only in a kind of unconscious clairvoyance or, rather, through the comprehension of what was given through unconscious clairvoyance. If you consider the Old Testament you will find that it is the result of unconscious clairvoyance (we know this from former discussion). Those who helped in bringing about the Old Testament were conscious of this fact. I cannot describe to you today how the Old Testament came into existence, but I should like to point out to you that we have repeatedly dealt with these matters, and that the teachers of the ancient Hebrew people were conscious of the fact that their God had spoken to them not through direct sense perceptions, not through ordinary thinking, not through that of which the head is the mediator, but that their God had spoken to them through dreams, not ordinary dreams, but dreams permeated by reality. God spoke to them in moments of clairvoyance, as when he spoke to Moses out of the burning bush. And when the initiates of this ancient time were asked about the way in which they received the divine calls they answered: the Lord whose name is ineffable speaks to us; but he speaks to us through his countenance. And the countenance of their God they called Michael, that spiritual power who belongs to the hierarchy of the Archangeloi. They felt their God as remaining unknown even behind the experiences of the clairvoyant; but when the clairvoyant, through the inner strength of his soul, raised himself to his God, then Michael spoke to him. But this Michael spoke only to men if they were able to transport themselves into a state of consciousness different from the ordinary, if they were able to transport themselves into the state of a certain clairvoyance in which they became conscious of that which works and lives in the human being during the period between going to sleep and awaking, or through the will which remains subconscious and is in the sleep state even during waking day consciousness.

[ 13 ] Und so nannte man in der alten hebräischen Geheimlehre die JahveOffenbarung die Offenbarung der Nacht und empfand die JahveOffenbarung durch die Michael-Offenbarung als die Offenbarung der Nacht. Man sah auf der einen Seite hinein in die Welt nach dem, was sie einem geben konnte durch die Sinneswahrnehmung und durch das menschliche verständige Denken, und sagte sich: Auf diesem Wege kommen Erkenntnisse, kommt ein Wissen an den Menschen heran, das zunächst das Göttliche nicht enthält. Wenn aber der Mensch aus diesem Bewußtseinszustand heraus sich zu einem anderen Bewußtseinszustand entwickelt, dann spricht zu ihm Gottes Angesicht, der Michael, und offenbart ihm die eigentlichen Geheimnisse, die mit dem Menschenwesen zusammenhängen, offenbart ihm dasjenige, was ihm eine Brücke baut zwischen dem Menschen und jenen Mächten, die nicht wahrgenommen werden können in der äußeren Sinneswelt, die nicht erdacht werden können mit dem an das Gehirn gebundenen Verstand.

[ 13 ] Thus in ancient Hebrew occultism, the Yahve-revelation was called the revelation of the night; the Yahve-revelation, through the Michael-revelation, was felt as the revelation of the night. Thus, on the one hand, man looked into the world and saw what he could receive through sense perception and through human intelligent thinking, and he said to himself: the knowledge that comes to the human being on this path does not contain the Divine. If man, however, develops another state of consciousness, then the countenance of God, Michael, speaks to him and reveals the secrets that relate to the human being; his revelation builds a bridge between the human being and those powers which cannot be perceived in the external sense world, which cannot be thought out by the brain-bound intellect.

[ 14 ] So muß man sagen: Es lebten die Menschen in den vorchristlichen Zeiten so, daß sie hinschauen konnten auf der einen Seite auf die Sinneserkenntnis — die war da als Richtschnur für die Erdenverrichtungen — und hinschauten auf der anderen Seite nach jener Erkenntnis, die der Mensch nur haben würde — er hat sie nicht gehabt — für das gewöhnliche Bewußtsein, wenn dieses Bewußtsein wach bliebe, während es schläft zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Der Mensch ist in der Umgebung von geistigen Wesenheiten — das wußte man —, wenn er wacht. Und diese geistigen Wesenheiten sind nicht seine schöpferischen Wesenheiten — so dachte man im Alten Testament in der Zeit, aus der das Alte Testament stammt —, diese Wesenheiten sind die luziferischen Wesenheiten. Die Wesenheiten, die als die schöpferischgöttlichen gegenüber der Menschheit empfunden wurden, die wirkten an dem Menschenwesen vom Einschlafen bis zum Aufwachen, oder an denjenigen Teilen des Menschenwesens, die auch während des Tagwachens schlafen. Den Regierer der Nacht, so nannte man in der Zeit, aus der das Alte Testament stammt, den Gott Jahve, und den Diener des Regierers der Nacht, so nannte man, wie man sagte, das Antlitz Jahves, den Michael. Und an den Michael dachte man, wenn man all die prophetischen Eingebungen meinte, durch die man mehr begriff als dasjenige, was durch die Erkenntnis der Sinneswelt kommen würde.

[ 14 ] Thus we must say: The human beings of the pre-Christian age directed their gaze, on the one hand, toward sense knowledge which was their guide in their earthly undertakings and, on the other hand, toward that knowledge which the human being would only possess in ordinary consciousness—he did not possess it—if this consciousness were to remain awake also during the period of sleep. During these ancient times of the Old Testament people knew that the human being is in the environment of spiritual beings during his waking hours, but that these spiritual beings are not his creator beings, but the Luciferic beings. The beings which mankind felt to be the divine creator beings were active in man from the moment of falling asleep to awakening and also in that part of his nature which sleeps during the day. In the time in which the Old Testament originated Yahve was called the Ruler of the Night, and Michael, the countenance of Yahve, was called the Servant of the Ruler of the Night. And the people of that time referred to Michael when they referred to the prophetic inspirations through which they received knowledge which was greater than that of the sense world.

[ 15 ] Und welches Bewußtsein steckt denn hinter all dem? Hinter all dem steckt das Bewußtsein, das herausgewachsen ist aus jener Seinssphäre, in welcher die den Jahve mit umschließenden Mächte wesen, während die menschliche Hauptesbildung umgeben ist von luziferischer Wesenheit. Es war ein Geheimnis, das man durch alle alten Tempel trug, und mit dem man der Wahrheit wirklich recht nahestand, daß, indem aus dem Organismus des Menschen herausragt das menschliche Haupt, der Mensch sich durch sein Haupt zugewendet hat den luziferischen Wesenheiten. Man wußte gewissermaßen, indem das Haupt aus dem menschlichen Organismus herausragt, ragt Luzifer aus dem menschlichen Organismus heraus. Diejenige Macht, welche das menschliche Haupt aus der Tierheit heraus zu seiner jetzigen Gestalt geführt hat, ist eine luziferische Macht. Und diejenige Macht, die der Mensch als göttliche empfinden soll, die muß aus dem Nachtzustand des übrigen Organismus in das menschliche Haupt heraufströmen. So lag dasjenige, was der Mensch wissen konnte in den vorchristlichen Zeiten.

[ 15 ] Which consciousness is concealed behind all this? That consciousness which has grown out of the sphere of existence in which those powers which include Yahve have their being, whereas the human head formation is surrounded by Luciferic beings. The fact that the human being through his head, as it reaches above the organism, has turned to the Luciferic beings was a secret known in all ancient temples and it was a secret with which man came very close to the truth. It was known that, as the head rises above the human organism, Lucifer also rises above it. The power which brought the human head out of the animal form into its present shape is a Luciferic power; and the power which man must feel as Divine must stream up into his head from the night condition of the rest of his organism. This was the situation in regard to man's knowledge in pre-Christian times.

[ 16 ] Dann schlug ein in die Erdenentwickelung das Mysterium von Golgatha. Und wir wissen ja, daß das Mysterium von Golgatha bedeutet eine Vereinigung eines überirdischen Wesens mit der menschlichen Erdenentwickelung durch den Leib des Jesus von Nazareth, eine solche Vereinigung, daß durch den Tod auf Golgatha diese Wesenheit, die wir die Christus-Wesenheit nennen, sich verbunden hat mit der menschlichen Erdenwesenheit. Was ist dadurch in der Erdenentwickelung geschehen? Ja, dadurch hat die Erdenentwickelung eigentlich erst ihren Sinn bekommen. Dann hätte die Erde nicht ihren Sinn, wenn der Mensch auf dieser Erde sich entwickeln würde, dastehen würde mit seinen Sinnen und mit seinem an das Haupt gebundenen Verstande, die zunächst einen luziferischen Ursprung haben, die äußere Erdenwelt, die auf die Erde strömende Lichteswelt der Sonne und der Sterne wahrnehmen würde, aber im Schlafeszustand verharren müßte, um das Göttliche wahrzunehmen. Nimmermehr würde dadurch die Erde ihren Sinn bekommen, denn der wachende Mensch gehört mit der Erde zusammen. Der schlafende Mensch ist sich seines Zusammenhanges mit dem Erdensein zunächst nicht bewußt. Dadurch, daß die ChristusWesenheit gewohnt hat in einem Menschenleib, der durch den Tod gegangen ist, dadurch hat sich innerhalb der Erdenentwickelung etwas wie ein Ruck vollzogen. Alles in dieser Erdenentwickelung hat einen neuen Sinn bekommen. Die Möglichkeit hat sich zunächst herausgebildet, daß der Mensch nach und nach fähig werde, seine schöpferischen göttlichen Mächte auch während des Tages, während des gewöhnlichen Wachens, das heißt im gewöhnlichen Bewußtseinszustande, zu erkennen. Darüber herrscht heute nur noch Irrtum aus dem Grunde, weil die seit dem Mysterium von Golgatha verflossene Zeit noch nicht hingereicht hat, den Menschen dazu zu führen, auch im Tagwachen nun hineinzuschauen in diejenige Welt, in die hineinschauen konnten die Propheten des Alten Testamentes in den Zeiten, die sie empfanden als durchdrungen von Offenbarungen ihres Regierers der Nacht, des Jahve, und seines Antlitzes, des Michael. Es bedurfte einer Durchgangszeit. Aber mit dem Ablauf des 19. Jahrhunderts — die ganze orientalische Weisheit weist hin, aber von einem völlig anderen Gesichtspunkte, auf die Wichtigkeit dieses Ablaufes des 19. Jahrhunderts — ist die Zeit eingetreten, wo die Menschen erkennen müssen, daß etwas erfüllt ist, was früher nicht erfüllt war, wo die Menschen erkennen müssen: Jetzt ist in ihnen die Fähigkeit latent, jetzt ist in ihnen die Fähigkeit zum Aufwecken reif, durch die Tagesoffenbarung hindurch zu sehen dasjenige, was früher nur in der Nachtoffenbarung durch Michael vermittelt worden ist.

[ 16 ] Then the Mystery of Golgotha entered Earth evolution, and we know that it signifies the union of a super-earthly Being with the Earth evolution of man through the body of Jesus of Nazareth. Through the Death on Golgotha the Being Whom we call the Christ has united Himself with the human earth being. What did this signify for Earth evolution? Through this event, Earth evolution first received its real meaning. The earth would not have its meaning if man were to develop on this earth with his senses and the intellect bound to the head which are of Luciferic origin, if he were to perceive the world of light streaming down from sun and stars upon the earth, but if he were obliged to remain in the sleep state in order to perceive the Divine. Under these conditions the earth would never have attained its meaning, for the waking human being and the earth belong together. The sleeping human being is not conscious of his connection with earthly existence. Through the fact that the Christ Being has lived in a human body which has passed through death, Earth evolution has taken a forward bound. The whole Earth evolution has acquired a new meaning. The possibility has arisen for the human being gradually to be able to know his divine creator powers also during the day, during ordinary waking life, that is, in his ordinary state of consciousness. That people are still in error today concerning this matter is caused by the fact that the time that has elapsed since the Mystery of Golgotha has not yet sufficed to lead man to a perception, during waking life, of that world which the prophets of the Old Testament were able to behold in those times which they experienced as permeated by revelations of Yahve, their Ruler of the Night, and of his countenance, Michael. A period of transition was needed. But with the close of the nineteenth century—all oriental wisdom points to the importance of this close of the nineteenth century, although from a completely different point of view—with the end of the nineteenth century the time has come when human beings must recognize that within them the latent faculty is ready to be awakened which is able to behold, through day-revelation, that which in earlier times was transmitted in night-revelation through Michael.

[ 17 ] Dem aber mußte noch ein großer Irrtum vorangehen, gewissermaßen eine Erkenntnisnacht vorangehen. Ich habe ja öfters gesagt, daß ich durchaus nicht übereinstimme mit denjenigen, die immer sagen, unsere Zeit ist eine Übergangsepoche. Ich weiß ganz gut, jede Zeit ist eine Übergangsepoche. Aber bei solchen formal abstrakten Bestimmungen will ich nicht stehenbleiben, denn es kommt darauf an, daß man angebe, worinnen der Übergang einer bestimmten Zeit besteht. Der Übergang in unserer Zeit besteht darinnen, daß die Menschen erkennen sollen: Durch die Tagerkenntnis hindurch muß kommen dasjenige, was früher nur Nachterkenntnis war. Mit anderen Worten: Michael war der Öffenbarer durch die Nacht und soll werden in unserer Zeit der Offenbarer während des Tages. Michael soll werden aus einem Nachtgeist ein Taggeist. Für ihn bedeutet das Mysterium von Golgatha die Umwandlung aus einem Nachtgeist in einen Taggeist.

[ 17 ] A time of great error, however, had to precede this, a night of cognition, as it were. I have often said that I do not agree with those who constantly maintain that our time is a period of transition. I know quite well that every time is a period of transition, but I do not want to stop short at such formal, abstract definitions, for the point is that one should indicate clearly of what the transition of a particular time consists. The transition in our time lies in man's need to recognize that what formerly was obtained in night-knowledge we must now obtain through day-knowledge. In other words: Michael was the revealer through the night and in our age he must become the revealer during the day. From being a spirit of night Michael must become a spirit of day. For him the Mystery of Golgotha signifies the transformation from a spirit of night into a spirit of day.

[ 18 ] Aber dieser Erkenntnis, die sich schneller als wir heute glauben, Bahn brechen sollte unter den Menschen, dieser Erkenntnis mußte ein noch größerer Irrtum vorangehen, der größtdenkbare Irrtum, der eigentlich in der Menschheitsentwickelung möglich war, trotzdem man ihn heute noch in vielen Kreisen als eine besonders wichtige und wesentliche Wahrheit ansieht. Völlig verhüllt hat sich der neueren Menschheit der Ursprung des menschlichen Hauptes, völlig verhüllt hat sich die mit dem menschlichen Haupte verbundene luziferische Geistigkeit. Der Mensch wurde, wie ich sagte, auch leiblich als eine Einheit genommen. Man fragte nach seiner Abstammung, und es wurde einem zur Antwort gegeben, der Mensch stamme von der Tierheit ab, während in Wahrheit nur dasjenige, was am Menschen das Luziferische ist, von der Tierheit abstammt. Dasjenige aber, durch das früher gesprochen haben zu ihm aus seinem Schlafeszustande heraus seine göttlichen Schöpfer, das ist erst entstanden — nachdem nebenher die Tiere entstanden sind — als Ansatz des menschlichen Hauptes. Man hat alles am Menschen zusammengeworfen und spricht von der Abstammung des Menschen von der Tierheit. Das ist etwas wie eine Erkenntnisstrafe, die in die Menschheit hereingekommen ist, wobei ich das Wort «Strafe» in einem etwas umgedeuteten Sinne meine.

[ 18 ] This knowledge which should make its way among human beings much faster than we believe today had to be preceded by a great error, in fact, by the greatest error imaginable in mankind's evolution, in spite of its being still considered an important and essential truth by many people today. The origin of the human head has become completely hidden from modern mankind; the Luciferic spirituality connected with the human head has become completely veiled. The human being, as I said, was considered a unity, also in a bodily respect. The question of his descent was raised, and the reply was given that man descended from the animal; while, in truth, only that which is Luciferic in man stems from the animal. That part of man, however, through which his divine creators spoke to him in earlier ages during his sleep state only came into existence as an appendage to the human head, while the animal came into existence side by side with it.

[ 19 ] Woher kann denn eigentlich diese Tendenz stammen, daß der Mensch die Dichtung erfand, er stamme von der Tierheit ab, während der wahre Vorgang der ist, den wir zunächst hingestellt haben bezüglich der Abstammung des Hauptes und des übrigen Organismus. Was hat dem Menschen eingegeben die Dichtung: der ganze Mensch stamme von der Tierheit ab?

[ 19 ] Everything was mixed together, as it were, and man was said to have descended from the animal. This is something like a “penalty” of knowledge which arose for mankind. One must give the word “penalty” a somewhat changed interpretation, to be sure.

[ 20 ] Sehen Sie, in der Zwischenzeit, die zwischen dem Mysterium von Golgatha und unseren Tagen verflossen ist, und die in gewissem Sinne eine Vorbereitung war für das Verständnis des Mysteriums von Golgatha, in dieser Zeit, in der zurückgetreten ist die alte heidnische Weisheit, durch die man ja zunächst auch das Christentum erfassen wollte, und in der noch nicht völlig reif war die neue Geist-Erkenntnis, in dieser Zeit stahl sich allmählich in die Menschheitsentwickelung herein das ahrimanische Element. Und indem man nicht erkannte das luziferische Element in dem menschlichen Haupte, konnte man auch nicht erkennen das ahrimanische Element, mit dem das Göttliche im Kampfe liegt, in der übrigen menschlichen Organisation. Und so entstand denn die rein ahrimanische Dichtung, der Mensch stamme ab aus der 'Tierreihe.

[ 20 ] Whence comes the notion of man's descent from the animals, whereas the truth consists of the facts we have stated in regard to the descent of the head and the rest of the human organism? Who inspired the human being with the fictitious belief that the whole of man descended from the animal?

[ 21 ] Daß der Mensch von der Tierreihe abstamme, ist eine ahrimanische Eingebung. Diese Wissenschaft hat rein ahrimanischen Charakter. Der Verdunkelung jener Weisheit, welche uns darauf hinweist, wie im menschlichen Haupte luziferische Bildung ist, verdankt man den Irrwahn, der Mensch stamme ab von der Tierreihe. Indem man das eine in bezug auf die Abstammung des menschlichen Hauptes nicht mehr in der richtigen Weise durchschauen konnte, lernte man auch das andere nicht in der richtigen Weise durchschauen. Und so schlich sich herein in das menschliche Anschauen die Meinung von der Verwandtheit des Menschen als ganzen Wesens mit der Tierheit. Und so schlich sich in die Auffassung des menschlichen Wesens dasjenige auch ein, was im Grunde genommen in der neueren Zivilisationsentwickelung eine ganze Weltanschauung durchdrungen hat: das menschliche Haupt wurde zum Edelsten gemacht, das andere ihm entgegengestellt, so wie man entgegenstellt Gutes und Böses in der Welt, den Himmel und die Hölle, eine Zweiheit statt der Dreiheit. In Wahrheit hätte man wissen sollen, daß der Mensch zunächst dasjenige, was er durch sein Haupt in der Welt erringt, zwar der Weisheit der Welt verdankt, aber der luziferischen Weisheit, und daß diese luziferische Weisheit erst nach und nach durchdrungen werden muß von anderen Elementen.

[ 21 ] The theory of man's descent from the animal is an Ahrimanic inspiration; it is of purely Ahrimanic character. To the obscuring of the wisdom which points to the human head as a Luciferic formation, we owe the delusion that man descends from the animal. In failing to comprehend the descent of the human head in the right way man also failed to grasp the other facts in the right manner. Thus the opinion crept into human thinking that man, as a totality, is related to the animal. The world conception of our modern civilization became permeated by the erroneous idea that the human head is the noblest part of man, and it was contrasted by the rest of his organism, just as the good in the world is contrasted by evil—heaven by hell—a duad instead of a triad. The truth is that what man accomplishes in the world by means of his head he owes to the wisdom of the universe, but to the Luciferic wisdom, and that this Luciferic wisdom must gradually be permeated by other elements.

[ 22 ] Diejenige geistige Macht, welche — nachdem die Menschheitsentwikkelung durchgegangen war durch Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung und die Erdenentwickelung begonnen hatte — das luziferische Wesen in die menschliche Hauptesbildung einorganisiert hat, das ist die Michael-Macht. «Und er stieß seine gegnerischen Geister herunter auf die Erde», das heißt: Durch dieses Herunterwerfen der dem Michael gegnerischen luziferischen Geister wurde der Mensch zunächst durchdrungen mit seiner Vernunft, mit dem, was dem menschlichen Haupte entsprießt.

[ 22 ] After mankind's evolution had passed through the Saturn, Sun and Moon states and the Earth evolution had begun, that spiritual power which we call the Michael power organized the Luciferic nature into the human head formation. “And he cast his opposing spirits down upon the earth,” that is, through this casting down of the Luciferic spirits, opposing Michael, man became permeated by this reason, by that which springs from his head.

[ 23 ] So ist es Michael, der seine Gegner dem Menschen gesandt hat, damit der Mensch durch die Aufnahme dieses gegnerischen, dieses luziferischen Elementes zunächst seine Vernunft erhalten hat. Dann trat in der Menschheitsentwickelung das Mysterium von Golgatha ein. Die Christus-Wesenheit ging durch den Tod des Jesus von Nazareth. Die Christus-Wesenheit verband sich mit der Menschheitsentwickelung.

[ 23 ] Thus it is Michael who sent his opponents to man in order that, by receiving this opposing Luciferic element, man might receive his reason. Then the Mystery of Golgotha entered human evolution. The Christ Being passed through the death of Jesus of Nazareth and united Himself with the evolution of mankind.

[ 24 ] Die Vorbereitungszeit ist verflossen. Michael selber hat in übersinnlichen Welten an den Ergebnissen des Mysteriums von Golgatha teilgenommen. Michael hat seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine ganz besondere Stellung innerhalb der Menschheitsentwickelung. Das erste, was eintreten muß durch eine richtige Erkenntnis dieser Stellung des Menschen zu dem Michael, muß sein, daß man hineinsieht in solche Geheimnisse, wie wir sie zum Beispiel mit Bezug auf das menschliche Haupt und den übrigen menschlichen Organismus heute versuchen hinzustellen.

[ 24 ] The time of preparation has passed. Michael himself, in the super-sensible worlds, has participated in the results of the Mystery of Golgotha. Since the last third of the nineteenth century Michael occupies a unique position in the evolution of humanity. The first thing that must occur through the right understanding of man's relation to Michael is the fathoming of such secrets as the one we have endeavored to present today concerning the human head and the rest of the human organism.

[ 25 ] Das Wesentliche muß sein, daß den Menschen klar werde: Weil sie nicht erkannt haben den wirklichen Ursprung des menschlichen Hauptes, konnten sie nur in einen Irrwahn verfallen mit Bezug auf den Ursprung des ganzen Menschen. Weil sie sich nicht vorstellen wollten, daß die luziferische Bildung zunächst Platz gegriffen hat im menschlichen Haupte, verfielen die Menschen in den Wahn, daß dasjenige, was mit dem menschlichen Haupte zusammenhängt, zurückzuführen sei auf gleichen Ursprung mit dem ganzen übrigen Menschen. Diese Geheimnisse muß die Menschheit durchschauen. Die Menschheit muß zu der Möglichkeit kommen, kühn und tapfer sich gegenüberzustellen der Erkenntnis, daß sie an sich von innen aus durch das Ergreifen neuer göttlicher Geheimnisse etwas zu verbessern habe an alledem, was ihr gegeben werden kann durch die bloße Einsicht des Hauptes, durch die bloße menschliche irdische Weisheit oder Gescheitheit. Und zuerst muß Korrektur geübt werden können an dem großen Irrtum, der der Umkehr hat vorausgehen müssen, an dem Irrtum, der da liegt in der materialistischen Ausdeutung der Entwickelungslehre von dem Ursprung des ganzen Menschen aus der Tierreihe heraus.

[ 25 ] The essential thing is for human beings to see that since they did not recognize the true origin of the head they were certain to fall into delusion about the origin of the whole human being. Because they refused to conceive of the Luciferic formative activity that took place in the human head, they fell a prey to the delusion that the human head had the same origin as the rest of the human being. Mankind must penetrate these mysteries. It must, boldly and courageously, face the knowledge that through taking hold of new divine mysteries it must in its inner life improve all that is given to it through mere insight of the head, through mere human, earthly wisdom or cleverness. And first of all, the great error must be corrected which has preceded the turning point, the error which lies in the materialistic interpretation of the evolutionary theory of the descent of the whole human being from the animal.

[ 26 ] Nur das wird der Weg sein, um wiederum zur Möglichkeit zu kommen, überhaupt in diesem Menschen, wie er vor uns steht, nicht auf der einen Seite ein bloß Geistig-Seelisches, das nur in einem Leibe wohnt, zu sehen, und auf der anderen Seite ein seelenloses Leibliches, sondern zu schauen das Konkret-Geistige, das da arbeitet, wenn auch in einer luziferischen Weise, an dem menschlichen Haupte, das Konkret-Göttlich-Geistige, das an dem ganzen Menschen arbeitet, das einen Gegner allerdings bekommt in der außer dem Haupte befindlichen Organisation in der ahrimanischen Natur.

[ 26 ] This will be the only way of arriving at a perception of man which does not see, on the one hand, merely the spirit-soul element, living in a body, as it were, and a soulless body, on the other hand; but which beholds the concrete-spiritual which works, although in a Luciferic manner, in the human head, the concrete-spiritual which works in the whole human being, opposed, however, by the Ahrimanic nature in the organism apart from the head.

[ 27 ] In Imaginationen gesprochen, können wir zurückweisen darauf, wie das Luziferische dem Menschen einverleibt worden ist durch den Michael-Impuls; durch dasjenige, was der Michael geworden ist, muß ihm nun wiederum das Ahrimanische genommen werden. Vor unserer äußeren Wissenschaft steht heute unserem Bewußtsein gegenüber der Mensch so, als wäre das die Wahrheit, was wir durch Anatomie, Physiologie und so weiter erkennen, oder was wir in der äußeren Sinnesbeobachtung an dem Menschen vor uns haben. Wir müssen fähig werden, den Menschen so anzusehen, daß wir in jeder seiner Fibern das Geistige, das konkret-geistige Wesen mit dem Leiblichen schauen. Wir müssen uns bewußt sein: Im lebendigen Menschen rinnendes Blut ist nicht dasjenige, was wir abtropfen lassen, sondern dieses im lebendigen Menschen rinnende Blut ist durchgeistigt in einer besonderen Art. Aber wir müssen den Geist kennenlernen, der durch das Blut pulst. Wir müssen den Geist kennenlernen, der durch das Nervensystem dann pulsiert, wenn das Nervensystem gerade in einer Absterbephase ist und so weiter. Wir müssen in allen einzelnen Lebensäußerungen das geistige Element mit sehen können.

[ 27 ] Speaking in imaginations, we may point back to the fact that the Luciferic element was incorporated in man through the Michael impulse. Through that which Michael has become, the Ahrimanic element must now, in turn, be taken from man. Seen from the aspect of outer science, the truth about man appears to consist of anatomical and physiological knowledge, or that which confronts us as outer sense observation. We must become capable of looking at the human being in such a way that we can see in his every fiber the concrete-spiritual being together with the bodily element. We must become aware that the blood which flows in the living human being is not the same as the blood we draw off, but that the blood flowing in the living human being is permeated by spirit in a special way. We must learn to know the spirit that pulses through the blood. We must learn to know the spirit that pulses through the nervous system just when the latter passes through a phase of breaking down, and so forth. We must become able to see the spiritual element in every single expression of life.

[ 28 ] Michael ist der Geist der Stärke. Er muß befähigen, indem er in die Menschheitsentwickelung einzieht, nicht die abstrakte Geistigkeit auf der einen Seite zu haben, und auf der anderen die Materialität, die wir beklopfen, die wir durchschneiden, und von der wir keine Ahnung haben, daß sie im Grunde genommen nur eine äußere Offenbarungsform auch des Geistigen ist, Michael muß uns durchdringen als die starke Kraft, die das Materielle durchschauen kann, indem sie im Materiellen zu gleicher Zeit das Geistige sieht, indem im Materiellen überall der Geist gesehen wird. Auf eine alte Stufe des Menschheitsbewußtseins wurde hingewiesen, da wurde gesagt: Es lebte in dieser alten Zeit das Wort in geistiger Weise, aber das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet — so drückt es der Evangelist aus. Es hat sich vereinigt mit dem Fleische das Wort, und die MichaelOffenbarung ist dem vorangegangen. Das alles sind Vorgänge im menschlichen Bewußtsein, auf die da hingedeutet wird. Der umgekehrte Prozeß muß beginnen, dieser umgekehrte Prozeß, der darinnen besteht, daß man zu dem Worte des Evangelisten ein anderes hinzuzufügen hat. In unserem Bewußtsein muß die Kraft sich ansetzen, zu sehen, wie der Mensch aufnimmt dasjenige, was aus geistigen Welten durch den Christus-Impuls sich mit der Erde vereinigt hat und mit der Menschheit sich verbinden muß, damit die Menschheit nicht mit der Erde zugleich zugrunde gehe. Gesehen muß werden, wie der Mensch nicht nur in sein Haupt herein, sondern in seinen ganzen Menschen aufnimmt das Geistige, wie er sich ganz durchdringt mit dem Geistigen. Dazu kann nur der Christus-Impuls helfen. Dazu muß aber auch die Interpretation des Christus-Impulses durch den Michael-Impuls helfen. Dann wird hinzugefügt werden können zu den Worten des Evangelisten: Und die Zeit muß kommen, da das Fleisch wiederum zum Worte wird und lernet im Reich des Wortes zu wohnen.

[ 28 ] Michael is the spirit of strength. As he enters human evolution he must bring it about that we do not consider on the one hand abstract spirituality and on the other materiality which we listen to with the stethoscope, which we cut up, and of which we have not the slightest inkling that it is only an externally manifesting form of the spiritual; Michael must permeate us as the strong power which can look through the material and see the spiritual in matter. The Evangelist pointed to an ancient stage of human consciousness and he said: In this ancient time the Word lived in a spiritual way; but the Word became flesh and dwelt among us. The Word united with the flesh and the Michael revelation preceded this event. It is processes in human consciousness that are indicated here. The reverse process must now begin which consists in adding another word to the word of the evangelist. We must acquire the power in our consciousness to see how the human being receives that which out of the spiritual worlds has united itself with the earth through the Christ impulse and which must unite itself with mankind in order that mankind shall not perish with the earth. We must make sure that man takes the spiritual not only into his head but into his whole being, that he permeates himself with the spiritual. Only the Christ impulse can help us with this, the Christ impulse in the interpretation of the Michael impulse. Then to the Evangelist's words these may be added: “And the time must come when the flesh will again become the Word and learn to dwell in the realm of the Word.”

[ 29 ] Es ist nicht eine Erfindung irgendeines späteren Hinzuschreibers, wenn am Schluß der Evangelien steht, daß manches ausgelassen ist. Mit diesem ist zugleich hingewiesen auf dasjenige, was erst nach und nach sich der Menschheit enthüllen kann. Der versteht die Evangelien schlecht, der sie so betrachtet, als ob sie zu bleiben haben, wie sie sind, und nicht angetastet werden dürfen. Sie müssen ausgelegt werden nach dem Worte des Christus Jesus, das sagte ich immer zu Ihnen: Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Erdenzeiten. — Das heißt aber: Ich habe mich euch nicht nur geoffenbart in den Tagen, in denen die Evangelien geschrieben sind, ich werde durch meinen Taggeist Michael hereinsprechen zu euch immerdar, wenn ihr den Weg zu mir sucht. Ihr werdet hinzufügen dürfen durch die fortlaufende Christus-Offenbarung zu den Evangelien, was zwar nicht im Evangelium des ersten Jahrtausends, wohl aber im Evangelium des zweiten Jahrtausends gewußt werden kann, und zu dem immer Neues hinzugefügt werden kann in den folgenden Jahrtausenden. — Denn so wahr es ist, was in dem Evangelium steht: Im Urbeginne war das Wort, und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet — ebenso wahr ist es, daß wir hinzufügen müssen der Offenbarung: und das Menschenfleisch muß wiederum durchgeistigt werden, damit es fähig werde, im Reiche des Wortes zu wohnen, um zu schauen die göttlichen Geheimnisse. — Die Fleischwerdung des Wortes ist die erste Michael-Offenbarung, die Geistwerdung des Fleisches muß die zweite Michael-Offenbarung sein.

[ 29 ] It is not an invention by a later writer when, added at the conclusion of the Gospel, we read that much has been left unsaid. By this means attention is drawn to that which can only gradually be revealed to mankind. Those who maintain that the Gospels must remain as they are and must not be touched understand them very little. They must be interpreted according to the words of the Christ Jesus—I have mentioned this repeatedly—: “I am with you every day even to the end of the earth cycles.” That means: “I have revealed Myself to you not only during the days in which the Gospels were written, I will speak to you always through My day spirit, Michael, if you seek the way to Me. Through the continuous Christ revelation you may add to the Gospels that which was not known in the Gospel of the first millennium but which can be known in the Gospel of the second; and new things may be added during the millennia to come.” What is written in the Gospel is true: “In the beginning was the Word, and the Word became flesh and dwelt among us.” It is, however, just as true that we must add the revelation: “And the flesh of man must again become spiritualized that it may be able to dwell in the kingdom of the Word in order to behold the divine mysteries.” The Word becoming flesh is the first Michael revelation; the flesh becoming Spirit must be the second Michael revelation.