Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Michael's Message
The True Mysteries of Human Natur
GA 194

28 November 1919, Dornach

Translate the original German text into any language:

Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Im Anschlusse an manches, das ich in den Vorträgen der vorigen Woche hier vorgebracht habe, möchte ich heute gerade etwas Vorbereitendes sagen, das dann morgen und übermorgen weiter ausgebaut werden soll. Es wird sich darum handeln, Ihnen mancherlei auf eine andere Art, als das bisher geschehen ist, ins Gedächtnis zurückzurufen, mancherlei von dem, was wir brauchen werden, um unser ja bereits angeschlagenes Thema weiter zu verfolgen.

[ 1 ] Following up on some of the points I raised here in last week’s lectures, I would like to say a few introductory remarks today, which I will then expand upon tomorrow and the day after tomorrow. The aim will be to remind you of various things in a different way than we have done so far—various things we will need in order to continue exploring the topic we have already begun.

[ 2 ] Wenn wir uns klarmachen, wie der Verlauf der Erdenentwickelung war, so können wir dies am besten dadurch, daß wir immer, ich möchte sagen, die Ereignisse auf den Schwerpunkt der Erdenentwickelung hin betrachten, anordnen. Denn durch diese Anordnung kommt eine gewisse Struktur in all dasjenige hinein, in dem der Mensch durch die Entwickelung der Menschheit in seiner eigenen Entwickelung darinnensteht. Dieser Schwerpunkt ist ja, wie Sie wissen, das Mysterium von Golgatha, durch das alle übrige Erdenentwickelung erst ihren Sinn, ihren wahren inneren Gehalt erhalten hat.

[ 2 ] If we want to understand the course of Earth’s evolution, the best way to do so is by always—I would say—viewing and organizing events in relation to the focal point of Earth’s evolution. For this arrangement brings a certain structure to everything in which the individual is immersed in his or her own development through the evolution of humanity. This focal point is, as you know, the Mystery of Golgotha, through which all other earthly development has only now received its meaning, its true inner content.

[ 3 ] Wenn wir zurückgehen in der Entwickelung der abendländischen Menschheit, die ja den Impuls des Mysteriums von Golgatha wie einen Einschlag herein empfangen hat aus dem Orient, so müssen wir uns sagen: Etwa im 5. Jahrhundert vor dem Eintritte dieses Mysteriums von Golgatha beginnt, und zwar aus der griechischen Kultur heraus, eine Art von Vorbereitung für dieses Mysterium von Golgatha. Wir können sagen, es ist ein gewisser einheitlicher Zug in dem griechischen Denken, Empfinden und Wollen durch etwa viereinhalb Jahrhunderte vor dem Eintritte des Mysteriums von Golgatha. Und dieser einheitliche Zug leitet sich ein durch die Gestalt des Sokrates, setzt sich dann fort in aller griechischen Kultur, eigentlich auch im Künstlerischen ist derselbe Zug bemerklich, er setzt sich fort in der gewaltigen, überragenden Persönlichkeit des Plato und bekommt dann einen mehr, ich möchte sagen, gelehrt aussehenden Charakter in Aristoteles.

[ 3 ] If we look back at the development of Western humanity—which, after all, received the impulse of the Mystery of Golgotha as if struck by a bolt from the East—we must say to ourselves: Around the 5th century before the advent of the Mystery of Golgotha, a kind of preparation for this Mystery began, emerging from Greek culture. We can say that there is a certain unifying thread running through Greek thought, feeling, and will for about four and a half centuries prior to the advent of the Mystery of Golgotha. And this unifying thread begins with the figure of Socrates, continues throughout all of Greek culture—indeed, the same thread is also evident in the arts—and continues in the powerful, towering personality of Plato, before taking on a more, I would say, scholarly character in Aristotle.

[ 4 ] Sie wissen ja aus den verschiedenen Darstellungen, die ich gegeben habe, daß das Mittelalter, namentlich in der Zeit nach Augustinus, besonders bemüht war, die Anleitung, die man bekommen konnte aus der Denkweise des Aristoteles heraus, zu benützen, um alles das zu verstehen, was sich an das Mysterium von Golgatha, seine Vorbereitung und seinen Nachklang, anschließt. Dadurch ist gerade das griechische Denken so wichtig geworden, auch für die christliche Entwickelung des Abendlandes bis zum Ende des Mittelalters, daß eigentlich griechisches Denken dazu benützt worden ist, um zu durchdringen den Gehalt des Mysteriums von Golgatha. Wir tun gut, wenn wir uns klarmachen, was da eigentlich in diesen letzten Jahrhunderten vor dem Einschlag des Mysteriums von Golgatha in Griechenland geschehen ist.

[ 4 ] As you know from the various explanations I have given, the Middle Ages—particularly in the period following Augustine—made a special effort to use the guidance that could be derived from Aristotle’s way of thinking to understand everything connected with the Mystery of Golgotha, its preparation, and its aftermath. Consequently, Greek thought became so important—including for the Christian development of the West up to the end of the Middle Ages—that it was actually employed to penetrate the essence of the Mystery of Golgotha. We would do well to clarify for ourselves what actually took place in Greece during those last centuries before the Mystery of Golgotha made its impact there.

[ 5 ] Das, was da sich abgespielt hat im Denken, Empfinden, Wollen des griechischen Menschen, ist eigentlich der letzte Ausklang einer heute nicht mehr gewürdigten Urkultur der Menschheit. Mit unseren geschichtlichen Betrachtungen können wir ja diese Dinge wahrhaftig nicht in ihrem rechten Lichte sehen, denn unsere geschichtlichen Betrachtungen gehen nicht bis zu jenen Zeiten zurück, in denen eine über die damals zivilisierte Erde hin sich erstreckende Mysterienkultur alles menschliche Wollen und Empfinden im Grunde durchdrungen hat. Wir müssen schon in die Jahrtausende, in welche die Geschichte nicht mehr reicht, zurückgehen, mit den Methoden zurückgehen, die Sie ja wenigstens andeutungsweise finden in meinem Buche «Die Geheimwissenschaft im Umriß», um zu schauen, welcher Art diese menschliche Urkultur war. Sie hatte ihren Quell in den alten Mysterien, in jenen alten Mysterien, zu denen von großen führenden Persönlichkeiten zugelassen wurden diejenigen Menschen, die man objektiv zur unmittelbaren Einweihung geeignet finden mußte. Durch solche Eingeweihte wiederum strömte dasjenige, dessen diese Eingeweihten als Erkenntnis teilhaftig geworden waren in den Mysterien, zu den anderen Menschen hinaus. Und man kann im Grunde genommen die ganze alte Kultur nicht verstehen, wenn man nicht den Mutterboden der Mysterienkultur ins Auge faßt. Bei Äschylos sieht man, wenn man nur will, diesen Mutterboden der Mysterien noch ganz deutlich. In Platos Philosophie kann man ihn auch verspüren. Aber dasjenige, was eigentlich die Menschheit durch Mysterien an Offenbarungen über das Göttliche erhalten hat, das ist geschichtlich verloren gegangen. Das ist nur im primitivsten noch in dem enthalten, was geschichtlich nachweisbare Kultur geworden ist. Nun, was da eigentlich geschehen ist, das kann eben am besten dadurch beurteilt werden, daß man sich klarmacht, was denn eigentlich in der nachsokratischen Zeit des Griechentums noch zurückgeblieben ist von jener Urmysterienkultur, in der auch das Griechentum wurzelt. Es ist zurückgeblieben eine gewisse Art des Denkens, eine gewisse Art des Vorstellens.

[ 5 ] What took place in the thinking, feeling, and willing of the Greek people is, in fact, the final echo of a primordial culture of humanity that is no longer appreciated today. With our historical perspectives, we truly cannot see these things in their proper light, for our historical perspectives do not extend back to those times when a culture of mystery—spanning the then-civilized world—fundamentally permeated all human will and feeling. We must go back to the millennia beyond the reach of history, using the methods you will find—at least in outline—in my book An Outline of Esoteric Science, in order to see what kind of culture this primordial human culture was. It had its source in the ancient mysteries—those ancient mysteries to which great leading figures admitted only those people whom they objectively deemed suitable for direct initiation. Through such initiates, in turn, that which these initiates had come to share as knowledge within the mysteries flowed out to other people. And, fundamentally speaking, one cannot understand the entire ancient culture unless one takes into account the fertile soil of the mystery culture. In Aeschylus, if one is willing to look, one can still see this fertile soil of the mysteries quite clearly. One can also sense it in Plato’s philosophy. But what humanity actually received through the mysteries in the form of revelations about the divine has been lost to history. It remains only in the most primitive form within what has become historically verifiable culture. Now, what actually happened there can best be assessed by realizing what actually remained in the post-Socratic period of Greek civilization from that primordial mystery culture in which Greek civilization itself is rooted. What remained was a certain way of thinking, a certain way of imagining.

[ 6 ] Sie wissen ja, in der äußeren Geschichte wird erzählt, wie Sokrates die Dialektik begründet hat, wie er eigentlich der große Lehrmeister des Denkens war, jenes Denkens, das dann Aristoteles mehr wissenschaftlich denkend ausgebildet hat. Aber dies, was so griechische Denkungs- und Vorstellungsweise war, das ist eigentlich nur der letzte Ausklang der Mysterienkultur, denn die Mysterienkultur war eine sehr inhaltsvolle. Man hat in die Gesamtanschauung des Menschen geistige Tatsachen, die grundlegende Ursachen für unsere Weltordnung sind, erkenntnismäßig aufgenommen. Die Inhalte, die gewaltigen, großen Inhalte sind allmählich verglommen. Aber die Art des Denkens, welche die Mysterienschüler ausgebildet haben, die Vorstellungsart, die Konfiguration des Denkens, die ist geblieben, und die ist eigentlich historisch geworden, historisch geworden zunächst im griechischen Denken, dann wiederum im mittelalterlichen Denken, im Denken der christlichen Theologen, die ja sich im wesentlichen für ihre Theologie angeeignet haben dieses griechische Denken, um aus der Denkschulung heraus mit den Gedankenformen, mit den Ideen und Begriffen, die im Grunde eine Fortsetzung des griechischen Denkens waren, das zu begreifen, was durch das Mysterium von Golgatha in die Welt geflossen ist. Was mittelalterliche Philosophie, sogenannte Scholastik ist, ist durchaus ein Zusammenfluß der geistigen Wahrheiten des Mysteriums von Golgatha mit griechischem Denken. Die Ausarbeitung, die gedankenmäßige Durcharbeitung der Golgatha-Mysterien, die ist durchaus — wenn ich mich des trivialen Ausdrucks bedienen darf — mit dem Handwerkszeug des griechischen Denkens, der griechischen Dialektik gemacht worden. Bis zum Mysterium von Golgatha verfließen ungefähr von dem Verlust des Inhaltes der Mysterien, von dem Auftreten des bloß Formalen, des bloß Gedankenmäßigen der alten Mysterien viereinhalb Jahrhunderte. Wir können approximativ sagen: viereinhalb Jahrhunderte. So daß wir also uns vorzustellen haben: In einer vorgeschichtlichen Zeit breitet sich über die damals zivilisierte Erde die Mysterienkultur aus. Die wird gleichsam so weiterentwickelt, daß nur ein Destillat zurückbleibt, die griechische Dialektik, das griechische Denken. Dann tritt das Mysterium von Golgatha ein. Das wird zunächst im Abendlande begriffen mit dieser griechischen Dialektik. Wer sich ganz einleben will etwa in die noch durchaus Theologie tragende Wissenschaft, sagen wir, selbst erst des 10., 11., 12., 13., 14. Jahrhunderts, der muß anders sein Denken einrichten, als heute die Menschheit aus der naturwissenschaftlichen Vorstellungsart heraus gewöhnt ist. Diejenigen Menschen, die heute gewöhnlich über die Scholastik urteilen, können ihr nicht gerecht werden, weil sie alle im Grunde nur naturwissenschaftlich geschult sind, und die Scholastik eine andere Gedankenschulung voraussetzt, als die heutige naturwissenschaftliche Schulung ist.

[ 6 ] As you know, conventional history tells how Socrates laid the foundations of dialectics, how he was, in fact, the great master of thought—that very thought which Aristotle later developed into a more scientific way of thinking. But this Greek way of thinking and conceiving—it is actually only the final echo of the culture of the Mysteries, for the culture of the Mysteries was a very rich one. Spiritual realities—which are the fundamental causes of our world order—were intellectually incorporated into the overall view of the human being. The contents—those immense, profound contents—have gradually faded away. But the mode of thinking cultivated by the mystery school students—the way of conceiving, the structure of thought—has remained, and it has in fact become part of history, first in Greek thought, then again in medieval thought, in the thought of Christian theologians, who essentially appropriated this Greek thought for their theology in order to comprehend—through their training in thought, using the thought forms, ideas, and concepts that were essentially a continuation of Greek thought—what had flowed into the world through the Mystery of Golgotha. What medieval philosophy—so-called Scholasticism—is, is indeed a convergence of the spiritual truths of the Mystery of Golgotha with Greek thought. The elaboration, the intellectual working through of the Golgotha Mysteries, was indeed—if I may use this trivial expression—carried out with the tools of Greek thought, of Greek dialectics. Approximately four and a half centuries elapsed from the loss of the content of the mysteries—from the emergence of the purely formal, the purely conceptual aspects of the ancient mysteries—up to the Mystery of Golgotha. We can say, approximately: four and a half centuries. So we must imagine the following: In prehistoric times, the culture of the mysteries spread across the then-civilized world. This culture was, as it were, further developed in such a way that only a distillate remained: Greek dialectics, Greek thought. Then the Mystery of Golgotha occurred. This was initially grasped in the West through this Greek dialectics. Anyone who wishes to fully immerse themselves, for example, in the scholarship—which was still thoroughly grounded in theology—of, say, the 10th, 11th, 12th, 13th, and 14th centuries must structure their thinking differently than humanity today is accustomed to, given our scientific way of thinking. Those who commonly pass judgment on Scholasticism today cannot do it justice, because they are all, at heart, trained only in the natural sciences, and Scholasticism presupposes a different kind of intellectual training than today’s scientific education.

[ 7 ] Nun leben wir heute in einem Zeitpunkte, in dem wiederum viereinhalb Jahrhunderte verflossen sind, seit diese andere Denkweise, die naturwissenschaftliche Denkweise die Menschheit ergriffen hat. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts beginnt das. Da fangen im Abendlande die Menschen an, so zu denken, wie wir es dann schon bis zu einem gewissen Grade hell ausgebildet finden bei Galilei etwa oder bei Giordano Bruno. Das wird dann heraufgetragen bis in unsere Zeiten. Ja, das ist scheinbar dieselbe Logik wie die griechische Logik, und dennoch eine ganz, ganz andere Logik. Das ist eine Logik, die ebenso abgelesen ist allmählich an den Naturvorgängen, wie abgelesen war die griechische Logik an dem, was die Mysterienschüler, was die Mysten schauten in den Mysterien.

[ 7 ] Today we live in an era in which another four and a half centuries have passed since this different way of thinking—the scientific way of thinking—took hold of humanity. It began around the middle of the 14th century. That is when people in the West began to think in the way we find clearly developed to a certain degree in the works of Galileo, for example, or Giordano Bruno. This line of thought has been carried forward right up to our own time. Yes, this is apparently the same logic as Greek logic, and yet a completely, completely different logic. It is a logic that has been gradually derived from natural phenomena, just as Greek logic was derived from what the initiates—the mystics—beheld in the mysteries.

[ 8 ] Und jetzt wollen wir uns einmal den Unterschied klarmachen, der da besteht zwischen den viereinhalb Jahrhunderten vor dem Auftreten des Mysteriums von Golgatha in der damals ja fast einzig zivilisierten Welt, der griechischen, und unseren viereinhalb Jahrhunderten, in denen die Menschheit erzogen wurde durch die naturwissenschaftliche Schulung. Am besten kann ich Ihnen dieses graphisch darstellen. (Es Tafel 6 wird zu zeichnen begonnen:)

[ 8 ] And now let us clarify the difference that exists between the four and a half centuries prior to the emergence of the Mystery of Golgotha in what was then virtually the only civilized world—the Greek world—and our own four and a half centuries, during which humanity has been educated through scientific training. The best way I can illustrate this is with a diagram. (He begins to draw on Board 6:)

[ 9 ] Denken Sie sich einmal die Mysterienkultur wie eine Art Chimborazo der menschlichen Geisteskultur in sehr alter Zeit (weiß). Diese Mysterienkultur wird dann in Griechenland — ich will das der Farbe nach beschreiben — Logik, bis zu dem Mysterium von Golgatha (roter Linienstrich bis zum ersten roten senkrechten Strich). Das wird dann im Mittelalter fortgesetzt durch die Scholastik (weiße Linie bis zum zweiten roten senkrechten Strich). Da (obere rote Klammer) haben wir diesen letzten Ausläufer, diesen Ausklang der alten Mysterienkultur durch viereinhalb Jahrhunderte (über die rote Klammer wird geschrieben: 4½ Jh.). Und nun, seit dem 15. Jahrhundert, beginnt eine neue Art der Vorstellungsweise, wir könnten sie die Galileische nennen. Wir sind ungefähr so weit entfernt von dem Ausgangspunkte (kleiner roter Kreis und dritter roter senkrechter Strich), wie die Zeit betrug, die man gebraucht hat von dem Auftreten dieser griechischen Denkweise bis zu dem Mysterium von Golgatha (untere rote Klammer vor dem ersten roten senkrechten Strich). Aber während das ein Ausklang ist (weißer Bogen unter der unteren roten Klammer), gewissermaßen eine Abendröte, haben wir es zu tun mit einem Vorklang (weißer Bogen zwischen dem zweiten und dritten roten Strich und 4½ Jh.), mit etwas, was herauf sich entwickeln muß, was wir hinaufbringen müssen zu einer gewissen Höhe. Die griechische Kultur stand an einem Ende. Wir stehen an einem Anfange.

[ 9 ] Imagine the mystery culture as a kind of Chimborazo of human spiritual culture in very ancient times (white). This mystery culture then developed in Greece—I’ll describe this using colors—into logic, up to the Mystery of Golgotha (red horizontal line up to the first red vertical line). This was then continued in the Middle Ages through Scholasticism (white line up to the second red vertical line). There (upper red bracket) we have this final offshoot, this culmination of the ancient mystery culture spanning four and a half centuries (written above the red bracket: 4½ centuries). And now, since the 15th century, a new way of thinking has begun; we could call it the Galilean way. We are roughly as far removed from the starting point (small red circle and third red vertical line) as the time it took from the emergence of this Greek way of thinking to the Mystery of Golgotha (lower red bracket before the first red vertical line). But while that is a closing phase (the white arc beneath the lower red bracket)—a kind of evening glow, so to speak—we are dealing with a foreshadowing (the white arc between the second and third red lines and 4½ centuries), with something that must develop upward, something we must raise to a certain height. Greek culture stood at one end. We stand at a beginning.

[ 10 ] Vollständig verstehen werden wir diese Zusammenstellung eines Endes und eines Anfanges nur, wenn wir geisteswissenschaftlich einmal auf die Entwickelung der Menschheit von einem gewissen Gesichtspunkte aus eingehen.

[ 10 ] We will only fully understand this combination of an end and a beginning if we approach the development of humanity from a certain perspective within the context of the humanities.

[ 11 ] Ich habe Ihnen ja früher schon einmal ausgeführt und bin wiederholt darauf zurückgekommen, daß in der Gegenwart nicht umsonst jene Selbsterkenntnis der Menschheit versucht wird, die geliefert werden soll durch die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Denn die weitaus größte Mehrzahl der Menschheit steht ja vor einer bedeutungsvollen Zukunftsmöglichkeit. Sehen Sie, es ist da notwendig, daß man ernst nehme die Tatsache, daß die sich fortentwickelnde Menschheit der Geschichte ein sich fortentwickelnder Organismus ist. Wie beim einzelnen Organismus die Geschlechtsreife eintritt, und auch später epochale Übergänge da sind, so sind schon einmal auch in der Geschichte der Menschheit epochale Übergänge da. Heute setzen die Menschen noch der Lehre von den wiederholten Erdenleben immer wieder und wieder den Einwand entgegen: ja, die Menschen erinnern sich nicht daran, die Menschen erinnern sich nicht an ihr früheres Erdenleben.

[ 11 ] As I have explained to you before—and have returned to this point repeatedly—it is not without reason that humanity is currently striving for that self-knowledge which is to be provided by anthroposophically oriented spiritual science. For the vast majority of humanity is, after all, facing a significant possibility for the future. You see, it is necessary to take seriously the fact that humanity, as it evolves through history, is an evolving organism. Just as sexual maturity occurs in an individual organism, and epochal transitions occur later on, so too have epochal transitions already occurred in the history of humanity. Today, people still repeatedly raise the same objection to the doctrine of repeated earthly lives: “Yes, but people don’t remember them; people don’t remember their previous earthly lives.”

[ 12 ] Wer die Entwickelungsgeschichte der Menschheit, wie ich gerade andeutete, als einen Organismus auffaßt, der sollte sich nicht wundern — wenn er diese Entwickelungsgeschichte wirklich sachgemäß ins Auge faßt —, daß die Menschen sich heute nicht an ihre früheren Erdenleben im gewöhnlichen Erkennen erinnern. Denn ich frage Sie: An was erinnert sich der Mensch im gewöhnlichen Leben denn eigentlich? An dasjenige, was er zuerst gedacht hat. Was er nicht gedacht hat, an das erinnert er sich ja nicht. Denken Sie, wie viele Ereignisse im Tage von Ihnen unbeachtet bleiben. Sie erinnern sich nicht daran, weil Sie sie nicht gedacht haben, trotzdem sie sich vielleicht in Ihrer Umgebung zugetragen haben. Sie können sich nur an dasjenige erinnern, was Sie gedacht haben.

[ 12 ] Anyone who, as I just suggested, views the history of human development as an organism should not be surprised—if they truly consider this history objectively—that people today do not remember their past earthly lives through ordinary cognition. For I ask you: What does a person actually remember in everyday life? That which they first thought about. They do not remember what they did not think about. Think about how many events go unnoticed by you throughout the day. You do not remember them because you did not think about them, even though they may have taken place in your surroundings. You can only remember what you have thought about.

[ 13 ] Nun ist die Entwickelung der Menschheit in den früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden nicht so gewesen, daß die Menschen sachgemäß sich wirklich das Wesen des Menschen klargemacht haben. Es gibt zwar seit dem griechischen Denken wie eine Sehnsucht das «Erkenne dich selbst», aber dieses «Erkenne dich selbst» soll erst erfüllt werden durch wirkliche Geisteserkenntnis. Erst dadurch, daß die Menschen einmal ein Leben anwenden — wozu die Menschheit erst in unserer Zeit reif geworden ist —, um in Gedanken zu erfassen das eigene Selbst, erst dadurch wird für das nächste Erdenleben vorbereitet das Erinnern. Denn man muß zuerst nachgedacht haben über dasjenige, woran man sich erinnern soll. Nur diejenigen, die in früheren Zeiten durch die Einweihung, die ja nicht immer in Mysterien erworben sein muß, wirklich sachgemäß hinschauen konnten auf das eigene Selbst, die können in der Gegenwart — und die Menschen sind ja nicht so selten, die es können — wirklich zurückblicken auf frühere Erdenleben. Aber die Sache liegt doch so, daß die Menschen auch in bezug auf ihre rein körperliche Entwickelung eine Umwandlung durchmachen. Diese Dinge lassen sich nicht physiologisch äußerlich, aber geisteswissenschaftlich beobachten. Die Menschheit ist heute nicht so, wie sie vor zwei Jahrtausenden war mit Bezug auf ihre körperliche Konstitution, und sie wird nach zwei Jahrtausenden wiederum nicht so sein wie heute. Über diese Sache habe ich ja öfter gesprochen. Die Menschen leben in eine Zeit, in eine Zukunftszeit hinein, in der — wenn ich mich banal ausdrücken möchte — die Gehirne anders konstruiert sein werden, als die Gehirne heute beim Menschen konstruiert sind in äußerer Beziehung. Das Gehirn wird die Möglichkeit der Rückerinnerung an frühere Erdenleben haben. Aber diejenigen, die heute nicht vorgesorgt haben werden durch Nachdenken über das eigene Selbst, die werden diese Fähigkeit, die doch in ihnen mechanisch sein wird, nur wie eine innere Nervosität — um den heutigen Ausdruck zu gebrauchen —, wie einen inneren Mangel empfinden. Sie werden nicht finden, was ihnen fehlt, weil die Menschheit mittlerweile mit Bezug auf ihre Körperlichkeit reif wird, zurückzuschauen auf ihre früheren Erdenleben. Aber wenn sie nicht vorbereitet hat diese Rückschau, so kann sie nicht zurückschauen. Dann empfindet sie die Fähigkeit nur als einen Mangel. Deshalb liegt es im richtigen Erkennen der gegenwärtigen Umwandlungskräfte der Menschheit selbst, daß durch anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft die Menschen zur Selbsterkenntnis gebracht werden. Nun kann man, und heute will ich das zunächst andeuten, nun kann man auch heute schon darauf hinweisen, wie das besondere Erlebnis sein wird, das den Menschen nahelegen wird, mit den früheren Erdenleben zu rechnen.

[ 13 ] The development of humanity in earlier centuries and millennia did not proceed in such a way that people truly came to understand the nature of the human being. Although there has been a kind of longing for “Know thyself” since the time of Greek thought, this “Know thyself” is to be fulfilled only through true spiritual knowledge. Only by devoting a lifetime—something for which humanity has only now, in our time, become ready—to grasp one’s own self in thought, only then is the memory for the next earthly life prepared. For one must first have reflected upon that which one is to remember. Only those who, in earlier times, were able to look truly and appropriately into their own self through initiation—which, after all, need not always be acquired through the mysteries—can, in the present—and there are, in fact, quite a few people who can do so—truly look back on previous earthly lives. But the fact is that human beings also undergo a transformation with regard to their purely physical development. These things cannot be observed physiologically from the outside, but they can be observed through spiritual science. Humanity today is not the same as it was two millennia ago in terms of its physical constitution, and in two millennia it will not be the same as it is today. I have, in fact, spoken about this matter on several occasions. Humanity is living into a future era in which—to put it simply—brains will be structured differently than they are today in terms of their external form. The brain will possess the ability to recall past lives on Earth. But those who have not prepared themselves today through reflection on their own selves will perceive this ability—which will nevertheless be inherent in them—only as an inner nervousness—to use today’s expression—or as an inner deficiency. They will not be able to identify what is missing, because humanity is now maturing, in terms of its physical nature, to the point of being able to look back on its past earthly lives. But if they have not prepared themselves for this looking back, they will not be able to do so. Then they will perceive this ability only as a deficiency. Therefore, it is essential to correctly recognize the present forces of transformation within humanity itself, so that through anthroposophically oriented spiritual science, people may be led to self-knowledge. Now, as I would like to suggest at the outset today, it is already possible to point out what the specific experience will be that will prompt people to take their past earthly lives into account.

[ 14 ] Heute leben wir noch in einem Zeitalter, wo jene Empfindungsnuancen eigentlich bei wenigen Menschen, aber doch schon bei wenigen Menschen angedeutet sind, die immer mehr und mehr vorhanden sein werden. Heute werden diese Empfindungsnuancen noch nicht recht beachtet. Ich will sie Ihnen schildern in der Weise, wie sie einmal auftreten werden. Die Menschen werden hineingeboren werden in die Welt und werden sich sagen: Ja, ich werde, indem ich mit den anderen Menschen zusammenlebe, entweder bewußt oder unbewußt erzogen für ein gewisses Denken. Es steigen mir Gedanken auf. Ich werde in eine gewisse Art des Vorstellens hineingeboren und erzogen. Aber zu gleicher Zeit sehe ich mir die äußere Umgebung an: mein Denken, mein Vorstellen paßt nicht recht zur äußeren umgebenden Welt. — Diese Empfindungsnuance ist heute schon bei einzelnen Menschen vorhanden. Sie müssen denken in einer Richtung, die ihnen so erscheint, als ob die äußere Natur etwas ganz anderes sagte, als ob die äußere Natur etwas ganz anderes verlangte von ihnen. Wo einmal solche Menschen aufgetreten sind, die diese Diskrepanz gefühlt haben zwischen dem, was sie denken müssen, und dem, was die äußere Natur sagt, da hat man sie ausgelacht. Hegel zum Beispiel ist ein klassisches Beispiel dafür. Er hat gewisse Gedanken — nicht alle Hegelschen Gedanken sind ja töricht — über die Natur geäußert, sie systematisch zusammengestellt. Dann sind die Spießer gekommen und haben gesagt: Ja, das sind deine Ideen über die Natur. Aber schaue dir einmal diesen oder jenen Vorgang in der Natur an, das ist ja nicht so. Da sagte Hegel: Um so schlimmer für die Natur.

[ 14 ] Today we still live in an age where those nuances of feeling are actually present—albeit only in a few people—but they will become increasingly common. Today, these nuances of feeling are not yet given much attention. I want to describe them to you in the way they will one day manifest. People will be born into the world and will say to themselves: Yes, as I live together with other people, I am—either consciously or unconsciously—being shaped toward a certain way of thinking. Thoughts arise within me. I am born into and raised with a certain way of imagining things. But at the same time, I look at my external surroundings: my thinking, my imagination, does not quite fit with the external world around me. — This nuance of perception is already present in some individuals today. They must think in a direction that makes it seem to them as if external nature were saying something entirely different, as if external nature were demanding something entirely different of them. Wherever such people have appeared—those who have sensed this discrepancy between what they must think and what external nature says—they have been ridiculed. Hegel, for example, is a classic example of this. He expressed certain thoughts—not all of Hegel’s thoughts are foolish, after all—about nature and systematically compiled them. Then the philistines came along and said: Yes, those are your ideas about nature. But take a look at this or that process in nature—that’s not how it is. To which Hegel replied: So much the worse for nature.

[ 15 ] Das erscheint natürlich ganz paradox, und dennoch, es liegt subjektiv durchaus Begründetes in dieser Empfindung darinnen. Es ist durchaus möglich, daß man ganz unbefangen sich auf der einen Seite dem eingeborenen Denken überläßt und sich sagt, es müßte eigentlich die Natur anders sich formen, wenn sie wirklich diesem Denken entsprechen würde. Dann kommt man allerdings nach einiger Zeit darauf, sich auch an das zu gewöhnen, was der Natur abgelauscht ist. Da merken die meisten Menschen dann nicht, daß sie eigentlich dann, wenn sie herangereift sind, das zu beobachten, was der Natur abgelauscht ist, im Grunde genommen etwas wie eine Doppelseele in sich haben, wirklich etwas wie zwei Wahrheiten. Diejenigen, die das schon richtig bemerken, können sehr darunter leiden, weil dadurch in die Seele eine Diskrepanz hineingebracht wird. Aber das, was ich Ihnen jetzt schildere, was heute bei wenigen Menschen, aber bei diesen schon vorhanden ist, obwohl sie es oftmals nicht sehen, das wird immer mehr und mehr überhandnehmen. Die Menschen werden immer mehr und mehr sich sagen: Ja, so wie ich geboren bin, so zwingt mich eigentlich mein Kopf dazu, über die Natur mir ein Bild zu machen. Es stimmt eigentlich nicht recht mit der Natur. Dann lebe ich mich in das Leben hinein, und im Laufe der Zeit eigne ich mir auch dasjenige an, was die Natur sagt. Dann muß ich einen Ausweg schaffen.

[ 15 ] This seems, of course, quite paradoxical, and yet there is a subjective, well-founded basis for this feeling. It is entirely possible to surrender oneself quite uninhibitedly to one’s innate way of thinking and to tell oneself that nature would actually have to be shaped differently if it truly corresponded to this way of thinking. Then, after some time, one does indeed come to get used to what has been gleaned from nature. At that point, most people do not realize that, once they have matured to the point of observing what has been gleaned from nature, they essentially possess something like a dual soul within themselves—truly something like two truths. Those who have already truly recognized this can suffer greatly because it introduces a discrepancy into the soul. But what I am describing to you now—which is already present in a few people today, though they often do not see it—will become increasingly prevalent. People will increasingly say to themselves: “Yes, just as I was born, my mind actually compels me to form a picture of nature. It doesn’t really align with nature. Then I immerse myself in life, and over time I also come to embrace what nature says. Then I must find a way out.”

[ 16 ] Diese zwiespältigen Empfindungen werden unsere Seelen ganz besonders haben, wenn sie wiederum auf die Erde zurückkommen werden. Da wird nämlich deutlich auftreten eine Art innerer Gedankenund Empfindungsquell, durch den man sich sagen wird: Ja, du empfindest, wie die Welt eigentlich sein sollte, aber sie ist nicht so, sie ist anders. — Dann wiederum wird man sich in diese Welt hineinleben, man wird eine zweite Art von Gesetzmäßigkeit kennenlernen und wird einen Ausgleich suchen müssen. Worauf wird das beruhen?

[ 16 ] Our souls will experience these conflicting feelings most acutely when they return to Earth. For then a kind of inner wellspring of thoughts and feelings will clearly emerge, through which one will say to oneself: Yes, you sense how the world should actually be, but it is not like that; it is different. — Then, in turn, one will adapt to this world, come to know a second kind of order, and have to seek a balance. What will this be based on?

AltNameAltName

[ 17 ] Nehmen Sie an (es wird zu zeichnen begonnen), der Mensch geht durch die Geburt ins physische Dasein. Er bringt sich mit dasjenige, was in seinem Denken und Empfinden das Ergebnis seines früheren Erdenlebens ist. Während er mit diesem Erdenleben nicht vereint war, hat sich tatsächlich das äußere Erdenleben in einer gewissen Weise verändert. Er empfindet eine Diskrepanz zwischen dem Denken, dessen Wirkungen er mitbringt aus dem früheren Erdenleben, das nicht mehr stimmt zu dem, wie die Dinge geworden sind in der Zeit, in der er abwesend war von der Erde. Und nun lebt er sich allmählich in sein neues Leben hinein und nimmt keineswegs in sein Bewußtsein dasjenige vollständig auf, was von ihm aus der Umgebung abgelauscht werden kann. Er nimmt es nur, ich möchte sagen, wie durch Schleier auf. Er verarbeitet es ja erst nach dem Tode, dann trägt er es in das nächste Leben wiederum hinein. Immer wird der Mensch in dieser Zweiheit seines Seelenlebens drinnenstehen. Immer wird der Mensch gewahr werden: Du bringst dir etwas mit, dem gegenüber die Welt neu ist, in die du als physischer Mensch durch die Geburt hineingewachsen bist. Aber durch deinen physischen Menschen nimmst du jetzt in dieser Welt etwas auf, was nicht gleich vollständig in deine Seele dringt, was du erst nach dem Tode wiederum zu verarbeiten hast.

[ 17 ] Suppose (as we begin to outline) that a human being enters physical existence through birth. He brings with him that which, in his thinking and feeling, is the result of his previous earthly life. While they were not united with this earthly life, the outer earthly life has in fact changed in a certain way. They sense a discrepancy between the thinking—the effects of which they bring with them from their previous earthly life—and how things have become during the time they were absent from Earth. And now he is gradually settling into his new life and by no means fully taking into his consciousness everything that can be perceived from his surroundings. He takes it in, I might say, as if through a veil. He processes it only after death, and then carries it over into the next life. Human beings will always find themselves within this duality of their soul life. Human beings will always become aware: You bring with you something in relation to which the world—into which you have grown as a physical human being through birth—is new. But through your physical human being, you now take in something in this world that does not immediately penetrate your soul completely, something that you must process again only after death.

[ 18 ] In diese Art, das Leben zu empfinden, müßte der gegenwärtige Mensch sehr intensiv eigentlich sich hineinleben. Denn nur dadurch, daß man sich in so etwas hineinlebt, wird man gewahr die Kräfte, die eigentlich durch unser Dasein pulsen, und die einem sonst ganz entgehen. Und wir sind eingesponnen in sie. Aber wenn wir nicht versuchen, sie mit dem Bewußtsein zu durchdringen, bleiben sie im Unterbewußten und machen uns bis zu einem gewissen Grade seelisch krank. Dieses Auseinanderfallen wird der Mensch immer mehr wahrnehmen: das Auseinanderfallen desjenigen, was ihm aus dem vorigen Lebenslauf bleibt, und desjenigen, was sich in diesem Lebenslauf für den nächsten Lebenslauf vorbereitet. Und weil der Mensch diese Zweiheit immer mehr empfinden wird, wird er eine innerliche Vermittlung brauchen, eine wirkliche innerliche Vermittlung. Und die große Frage wird immer brennender werden: Wie kommt der Mensch zu dieser innerlichen Vermittlung? Dieser Frage gegenüber können wir nur eine Antwort finden, wenn wir das Folgende überlegen.

[ 18 ] Modern people would actually have to immerse themselves very deeply in this way of experiencing life. For it is only by immersing oneself in something like this that one becomes aware of the forces that actually pulse through our existence—forces that would otherwise escape us entirely. And we are entangled in them. But if we do not try to penetrate them with our consciousness, they remain in the subconscious and, to a certain degree, make us spiritually ill. Human beings will increasingly perceive this disintegration: the disintegration of what remains to them from their previous life course and of what is being prepared in this life course for the next. And because human beings will increasingly sense this duality, they will need an inner mediation—a true inner mediation. And the great question will become ever more pressing: How does a person attain this inner mediation? We can find an answer to this question only if we consider the following.

[ 19 ] Ich habe Ihnen öfters ausgeführt: Wir sind als Menschen im gewöhnlichen Leben zwischen Aufwachen und Einschlafen eigentlich nur vollständig wach für unser Vorstellungsleben. (Im folgenden wird der obere Teil des Schemas auf Seite 74 an die Tafel geschrieben.) Das Vorstellungsleben, das bedeutet vollständig wachen. Nicht vollständig wachen tun wir, auch wenn wir sonst wachen, mit Bezug auf unser Gefühlsleben. Unsere Gefühle sind nämlich, auch wenn wir für unsere Vorstellungen und Gedanken voll wach sind, innerhalb unseres Bewußtseins von keiner anderen Daseinsstufe als sonst die Träume. Wer untersuchen kann in diesem Felde, der weiß es durch unmittelbare Anschauung, daß in unserem Bewußtsein die Gefühle nicht lebendiger sind, nur läßt die Vorstellung, durch die wir die Gefühle repräsentiert haben, das anders erscheinen. Aber das Gefühlsleben als solches kommt aus den Untergründen des Bewußtseins so herauf, daß das, was da heraufwogt, gleich ist einem Träumen. Und der Wille in seinem eigentlichen Leben bedeutet für uns erwas, was in uns schläft, auch wenn wir sonst wachen. In bezug auf den Willen schlafen wir. So daß wir also diese drei Bewußtseinszustände auch wachend in uns tragen. Wir gehen herum bei Tag wachend in unserem Vorstellungsleben, täuschen uns, daß wir auch im Willen wach sind, weil wir von dem, was unser Wille vollbringt, Vorstellungen haben. Aber was der Wille erlebt, das geht nicht in unser Bewußtsein herauf, sondern nur das Vorstellungsbild. Wir träumen unsere Gefühle, wir verbringen schlafend unsere Wollungen. Aber wenn man durch die imaginative Erkenntnis heraufholt dasjenige, was sonst in den Gefühlen träumt, es zu vollständiger, klarer Welterkenntnis bringt, dann merkt man: Nicht nur in unseren Vorstellungen und Gedanken ist Weisheit, wenn ich das jetzt so nennen darf — wir können es technisch so nennen, wenn es auch bei vielen Menschen Unweisheit ist —, Weisheit ist in unseren Gedanken, Weisheit ist aber auch in unseren Gefühlen, und Weisheit ist auch in unserem Willen. (Dabei wurde «Weisheit» an die Tafel geschrieben.)

[ 19 ] I have often explained to you: In our everyday lives, between waking and falling asleep, we as human beings are actually fully awake only for our life of imagination. (In what follows, the upper part of the diagram on page 74 is written on the board.) The life of imagination—that is what it means to be fully awake. Even when we are otherwise awake, we are not fully awake with regard to our emotional life. For even when we are fully awake to our ideas and thoughts, our feelings exist within our consciousness on no other level of being than that of dreams. Anyone who can investigate this field knows through direct observation that feelings are no more alive in our consciousness; it is merely the idea through which we have represented the feelings that makes them appear otherwise. But emotional life as such rises from the depths of consciousness in such a way that what surges up there is akin to dreaming. And the will, in its true nature, represents for us something that lies dormant within us, even when we are otherwise awake. With regard to the will, we are asleep. Thus, we carry these three states of consciousness within us even while awake. We go about our days awake in our life of imagination, deluding ourselves that we are also awake in our will, because we have mental images of what our will accomplishes. But what the will experiences does not rise into our consciousness; only the mental image does. We dream our feelings; we spend our volitional acts in sleep. But when, through imaginative insight, one brings up what otherwise dreams within the feelings and raises it to a complete, clear understanding of the world, then one realizes: Wisdom is not found only in our ideas and thoughts—if I may call it that for now—we can technically call it that, even if for many people it is a lack of wisdom—wisdom is in our thoughts, but wisdom is also in our feelings, and wisdom is also in our will. (At this point, “wisdom” was written on the board.)

Vorstellungsleben: vollständig wachen: Weisheit
Gefühle: träumen : Weisheit
Wille: Schlafen : Weisheit

Imagination: Fully Awake: Wisdom
Emotions: Dreaming: Wisdom
Will: Sleeping: Wisdom

[ 20 ] Wir können mit Bezug auf das heutige Menschendasein eigentlich nur klar sprechen über dasjenige, was in unserem Vorstellungsleben ist. Was in der Gefühlswelt lebt, darüber hat die Menschheit heute im allgemeinen kaum andere Ideen als über das Traumleben, und dennoch ist Weisheit darinnen.

[ 20 ] When it comes to human existence today, we can really only speak clearly about what is present in our imagination. As for what lives in the world of feelings, humanity today generally has hardly any more ideas about it than it does about the world of dreams, and yet there is wisdom to be found there.

[ 21 ] Am ehesten ist es ja für denjenigen möglich, der ernsthaftig die Übungen auf die eigene Seele anwendet, die in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind, kennenzulernen ein gewisses inneres Seelenwogen, das gewissermaßen traumhaft verläuft, für die meisten Menschen nur traumhaft verläuft, nicht viel mehr Regelmäßigkeit hat als das gewöhnliche Träumen. Aber so viel Ordnung kann verhältnismäßig bald hereingebracht werden in dieses innere Erleben, daß man merkt: Zwar dieselbe Logik herrscht nicht in diesem innerlichen Erleben — manchmal herrscht eine sehr groteske Logik, und die verschiedensten Gedankenfetzen ordnen sich zusammen, spielen sich traumhaft ab, es herrscht manchmal eine merkwürdige Logik darinnen —, aber daß darinnen sich doch erwas abspielt, das kann, wie gesagt, als eine erste innere Erfahrung, die noch sehr primitiv ist, derjenige erkennen, der nur ein wenig auf das eigene Seelenleben das anwendet, was in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» geschildert ist. Da taucht ja, wenn der Mensch hinuntertaucht in dieses Gewoge wacher Träume, in der Tat eine neue Realität auf gegenüber der gewöhnlichen Realität des äußeren Lebens. Dann kann der Mensch verhältnismäßig bald bemerken, daß da eine neue Realität auftaucht. Er kann auch verhältnismäßig bald bemerken, daß in diesem Ganzen auch Weisheit darinnen ist, aber eine Weisheit, die er nicht fassen kann, für die er sich nicht reif genug fühlt, um sie ins Bewußtsein voll hereinzubringen. Es entschlüpft ihm immer wieder, und er weiß nicht, was das soll. Und so merkt denn der Mensch, kann es wenigstens merken, daß Weisheit nicht nur durchflutet die Oberschichte seines Bewußtseins, das ihn durchdringt im gewöhnlichen wachen Tagesleben, sondern daß darunter eine andere Schichte seines Bewußtseins liegt, die ihm nur unlogisch erscheint, weil er sie selber so nennt, weil er ihre Weisheit noch nicht erfassen kann. Man kann sagen: In dem Augenblicke, wo man sich vollständig das imaginative Erkennen angeeignet hat, da hören diese wachen Träume auf, so grotesk zu sein, wie sie im gewöhnlichen Leben erscheinen, dann. durchdringen sie sich mit einer Weisheit, die nur hinweist auf einen anderen Realitätsgehalt, auf eine andere Welt als die Sinneswelt ist, die wir mit der gewöhnlichen Weisheit überschauen.

[ 21 ] It is most likely for those who earnestly apply the exercises described in my book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds to their own souls to experience a certain inner stirring of the soul that unfolds in a dreamlike manner—for most people, it unfolds only in a dreamlike manner, with little more regularity than ordinary dreaming. But a certain degree of order can be brought into this inner experience relatively quickly, so that one notices: Although the same logic does not prevail in this inner experience—sometimes a very grotesque logic prevails, and the most diverse fragments of thought come together, playing out in a dreamlike manner, there is sometimes a strange logic at work within it—but that something is indeed taking place there can, as I said, be recognized as a first inner experience—one that is still very primitive—by anyone who applies just a little of what is described in my book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds to their own inner life. Indeed, when a person dives down into this maelstrom of waking dreams, a new reality does emerge in contrast to the ordinary reality of external life. Then the person can notice relatively quickly that a new reality is emerging. They may also realize relatively quickly that there is wisdom within this whole experience—but a wisdom they cannot grasp, for which they do not feel mature enough to fully bring into consciousness. It slips away from them time and again, and they do not know what to make of it. And so the person realizes—or at least can realize—that wisdom not only permeates the upper layer of their consciousness, which permeates them in ordinary waking daily life, but that beneath it lies another layer of their consciousness that seems illogical to them simply because they themselves call it that, because they cannot yet grasp its wisdom. One might say: At the moment when one has fully mastered imaginative cognition, these waking dreams cease to be as grotesque as they appear in ordinary life; then they become imbued with a wisdom that points only to a different reality, to a world other than the sensory world that we survey with ordinary wisdom.

[ 22 ] Im gewöhnlichen Leben wogt herauf in unser alltägliches Bewußtsein aus dieser Unterschichte des Bewußtseins nur die Gefühlswelt. Und aus einer tieferen Schichte, die noch darunterliegt, wogt herauf die Willenswelt, die aber auch von Weisheit durchzogen, die durchaus auch von Weisheit durchzogen ist. Mit dieser Weisheit sind wir auch verbunden, nur bekommen wir sie erst recht nicht in unser gewöhnliches Bewußtsein herauf. So daß wir sagen können: Wir sind eigentlich als Menschen beherrscht von drei Bewußtseinsschichten. Das erste ist unser Vorstellungsbewußtsein, in dem wir alle’Tage drinnen leben. Das zweite ist ein Imaginationsbewußtsein. Und das dritte ist ein inspiriertes Bewußtsein, das aber sehr tief unten bleibt, das zwar in uns wirkt, richtig wirkt, aber dessen Eigenart wir nicht im gewöhnlichen Leben erkennen. (Es wurde an die Tafel geschrieben:)

[ 22 ] In ordinary life, only the world of feelings wells up into our everyday consciousness from this lower layer of consciousness. And from a deeper layer, which lies even below that, the world of the will wells up—a world that is, however, thoroughly permeated by wisdom. We are also connected to this wisdom, but we certainly do not bring it up into our ordinary consciousness. So we can say: As human beings, we are actually governed by three layers of consciousness. The first is our conceptual consciousness, in which we live every day. The second is a consciousness of imagination. And the third is an inspired consciousness, which, however, remains very deep within; it does indeed work within us—and works effectively—but we do not recognize its nature in ordinary life. (It was written on the board:)

I. Vorstellungsbewußtsein
II. Imaginationsbewußtsein
III. Inspirationsbewußtsein

I. Consciousness of Representation
II. Consciousness of Imagination
III. Consciousness of Inspiration

[ 23 ] Wenn nur einigermaßen unsere Gegenwartsphilosophie nicht so begriffsstutzig wäre, wie sie ist, so würde dieser Gegenwartsphilosophie sehr stark auffallen — ich sage nicht demjenigen, der mit dieser Philosophie nichts zu tun hat, aber Philosophen sollten so etwas begreifen können, sie tun es aber heute nicht —, es sollte aber dieser Gegenwartsphilosophie sehr stark auffallen, in ganz anderer Intensität noch auffallen, was für ein großer Unterschied ist zwischen dem, was man an Wahrheiten rein auf Grundlage der äußeren Naturbeobachtung bemerkt, und demjenigen, was man in den Wissenschaften findet, zum Beispiel aus Mathematik und Geometrie heraus, mit denen man ja bestrebt ist, die äußere Natur zu verstehen.

[ 23 ] If only our contemporary philosophy were not quite as slow on the uptake as it is, this would strike contemporary philosophy very strongly—I am not speaking of those who have nothing to do with this philosophy, but philosophers should be able to grasp such things; yet today they do not— but it should be very apparent to contemporary philosophy—and indeed, it should be apparent with even greater intensity—just how great a difference there is between the truths one perceives purely on the basis of external observation of nature and those one finds in the sciences, for example in mathematics and geometry, through which one strives to understand external nature.

[ 24 ] Man kann mit einem gewissen Recht sagen: Für die Wahrheiten, die sich der Mensch aneignet durch äußere Beobachtung — es ist ja das so oft wiederholt worden in der Philosophiegeschichte, daß es eigentlich für den Philosophen selber überflüssig sein sollte, diese Dinge besonders scharf auseinanderzusetzen —, für das, was äußerlich zu beobachten ist, können wir niemals eigentlich von einer Sicherheit sprechen. Kant oder Hume haben ja das ganz besonders deutlich ausgeführt, indem sie grotesk sogar behauptet haben: Wir beobachten zwar, daß die Sonne aufgeht, aber wir haben aus dem Beobachten heraus nicht ein Recht zu behaupten, daß die Sonne nun morgen auch aufgehen wird. Wir schließen nur daraus, daß bis jetzt die Sonne immer aufgegangen ist, daß sie auch morgen aufgehen wird. — So ist es mit den Wahrheiten, die wir äußerlich aus der Beobachtung entlehnen. Aber so ist es zum Beispiel nicht mit den mathematischen Wahrheiten. Haben wir sie einmal begriffen, dann wissen wir, die gelten auch für alle Zukunft. Wer da weiß, aus inneren Gründen beweisen kann, daß das Quadrat über der Hypotenuse gleich ist der Summe der Quadrate über den beiden Katheten, der weiß, daß niemals einer ein rechtwinkliges Dreieck wird zeichnen können, für welches das nicht gilt.

[ 24 ] One can say, with some justification: As for the truths that humans acquire through external observation—it has, after all, been repeated so often in the history of philosophy that it should actually be superfluous for philosophers themselves to analyze these matters with particular rigor—as for what can be observed externally, we can never truly speak of certainty. Kant and Hume, in fact, made this point particularly clear, even going so far as to claim—somewhat grotesquely—that although we observe the sun rising, we have no right, based on that observation alone, to assert that the sun will rise tomorrow as well. We merely infer from the fact that the sun has always risen up to now that it will rise tomorrow as well.—Such is the case with the truths we derive externally from observation. But this is not the case, for example, with mathematical truths. Once we have grasped them, we know that they will remain valid for all time. Anyone who knows—and can prove from internal reasons—that the square of the hypotenuse is equal to the sum of the squares of the two legs knows that no one will ever be able to draw a right triangle for which this is not true.

[ 25 ] Mit diesen mathematischen Wahrheiten ist es anders als mir den Wahrheiten, die man aus den äußeren Beobachtungen kennt. Diese Tatsache weiß man, aber man ist nicht in der Lage, mit den Mitteln des heutigen Forschens den Grund einzusehen. Der Grund liegt darinnen, daß die mathematischen Wahrheiten tief aus dem Inneren des Menschen herauskommen, daß die mathematische Wahrheit im dritten Bewußtsein, hier in der unteren Schichte des Bewußtseins entspringt, und ohne daß der Mensch etwas davon ahnt, in sein oberstes Bewußtsein heraufschießt, wo er sie dann innerlich sieht. Die mathematischen Wahrheiten haben wir daher, daß wir uns selbst mathematisch in der Welt verhalten. Wir gehen, stehen und so weiter, wir beschreiben da Linien. Durch dieses Willensverhältnis zur Außenwelt bekommen wir eigentlich die innere Anschauung von der Mathematik. Die Mathematik entsteht da unten im dritten Bewußtsein (siehe Schema S. 78) und schießt herauf.

[ 25 ] These mathematical truths are different from the truths we know from external observations. We are aware of this fact, but we are unable to understand the reason for it using the methods of modern research. The reason lies in the fact that mathematical truths arise from deep within the human being; that mathematical truth springs from the third level of consciousness—here, in the lower layer of consciousness—and, without the person having any inkling of it, shoots up into their highest level of consciousness, where they then perceive it inwardly. We possess mathematical truths because we behave mathematically in the world. We walk, stand, and so on; we describe lines in the process. It is through this relationship of the will to the external world that we actually gain the inner insight into mathematics. Mathematics arises down there in the third level of consciousness (see diagram, p. 78) and shoots upward.

[ 26 ] Wir haben also im Grunde genommen, wenn auch in diesem Fall der Ursprung dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht vorliegt, wenigstens von einem Teile dieses unterschichtigen Bewußtseins sehr klare Vorstellungen. Die mathematischen, die geometrischen Vorstellungen, die kommen uns da herauf. Traumhaft, verworren wird nur die mittlere Schichte. Die mittlere Schichte, die hat etwas von traumhaft Verworrenem. Da oben im Oberstübchen, da, wo das gewöhnliche Tagwachen im Vorstellungsleben stattfindet, da sind wir wieder klar. Und dann ist in uns das klar, was da heraufspielt aus der dritten Schichte des Bewußtseins. Was dazwischen ist, das erreicht die meisten Menschen nur wie ein verworrenes Wachträumen. Das ist sehr bedeutsam, daß wir diese Tatsache uns klarmachen. Denn mit diesem Bewußtsein waren insbesondere die Griechen in diesen viereinhalb Jahrhunderten verbunden. Dieses Bewußtsein I haben sie aufgenommen, dasjenige, was ihnen als Rest der Mysterienkultur zurückgeblieben ist. Und das ist ein rein luziferisches Element, ein rein luziferisches Element. Ich habe es Ihnen neulich beschrieben. Es ist die intellektualistische Kultur. In unserem Kopfe ist es sehr klar. Er ist von Weisheit durchdrungen, von einer allgemein gültigen Weisheit. Aber das ist ein luziferisches Element in uns. (Es wird «luziferisch» an die Tafel geschrieben.) Und wiederum, was da unten ist, was die heutigen Wissenschafter so sehr lieben, Kant schon sehr geliebt hat, so daß er gesagt hat: Es ist nur so viel Wissenschaft der Natur gegenüber vorhanden, als Mathematik drinnen ist —, das ist rein ahrimanisches Element, das da durch unser Menschenwesen heraufkommt. Das ist ahrimanisches Element. (Es wird «ahrimanisch» an die Tafel geschrieben. Das Schema ist nun vollständig.)

[ 26 ] So, basically, even though in this case the origin is not accessible to ordinary consciousness, we at least have very clear ideas about a part of this subconscious layer. Mathematical and geometric ideas come up from there. Only the middle layer becomes dreamlike and confused. The middle layer has something of a dreamlike, confused quality. Up there in the upper regions of the mind, where ordinary waking life takes place in our imaginative life, we are clear-headed again. And then what is clear within us is what emerges from the third layer of consciousness. What lies in between is experienced by most people only as a confused waking dream. It is very significant that we make this fact clear to ourselves. For the Greeks, in particular, were connected to this consciousness during those four and a half centuries. They took up this consciousness—the very thing that remained to them as a remnant of the mystery culture. And that is a purely Luciferic element, a purely Luciferic element. I described it to you recently. It is intellectualistic culture. In our minds, it is very clear. It is permeated by wisdom, by a universally valid wisdom. But this is a Luciferic element within us. (The word “Luciferic” is written on the board.) And again, what lies down there—what today’s scientists love so much, and what Kant already loved so much that he said: “There is only as much science in relation to nature as there is mathematics in it”—that is a purely Ahrimanic element that rises up through our human being. That is the Ahrimanic element. (“Ahrimanic” is written on the board. The diagram is now complete.)

[ 27 ] Es genügt nicht, daß wir von irgend etwas wissen, daß es richtig ist. Wir wissen, daß die Dinge, die wir intellektuell durch unseren Kopf begreifen, richtig sind, aber es ist eine Gabe des luziferischen Elementes. Und wir wissen, daß die Mathematik richtig ist, aber diese mächtige Richtigkeit der Mathematik, die verdanken wir dem Ahriman, der in uns sitzt. Und das unsicherste Element ist in der Mitte, Das sind scheinbar unlogisch wogende Träume.

[ 27 ] It is not enough for us to know that something is true. We know that the things we intellectually grasp in our minds are true, but this is a gift of the Luciferic element. And we know that mathematics is true, but we owe this powerful truth of mathematics to Ahriman, who dwells within us. And the most uncertain element lies in the middle—these are seemingly illogical, undulating dreams.

[ 28 ] Ich will Ihnen noch ein anderes Kennzeichen anführen, damit Sie die ganze Wichtigkeit dieser Sache begreifen. Im Grunde genommen rührt all das mathematische Durchdringen der Welt, wie es aufgekommen ist durch Galilei, Giordano Bruno, aus dieser tieferen Schichte des Bewußtseins her. Viereinhalb Jahrhunderte sind verflossen, seit wir uns das aneignen, viereinhalb Jahrhunderte, seit wir dieses ahrimanische Element bemüht sind in unser menschliches Denken und Empfinden einzuführen. Während in die hellste Klarheit des Bewußtseins hineinschien der letzte Nachklang der Mysterienkultur im griechischen Denken, istin den untersten, dunkelsten Schichten unseres Bewußtseins erst der Aufgang desjenigen, was seinen Chimborazo erst in der Zukunft erringen soll. Das muß da herauf.

[ 28 ] I would like to cite another characteristic so that you may grasp the full importance of this matter. Essentially, the entire mathematical penetration of the world—as it emerged through Galileo and Giordano Bruno—stems from this deeper layer of consciousness. Four and a half centuries have passed since we began to assimilate this, four and a half centuries since we have been striving to introduce this Ahrimanic element into our human thinking and feeling. While the last echoes of the mystery culture shone into the brightest clarity of consciousness in Greek thought, in the lowest, darkest layers of our consciousness there is only the dawn of that which is to reach its Chimborazo only in the future. That must rise up from there.

AltNameAltName

[ 29 ] Wir Menschen stehen mit unserem Seelenleben wirklich so, daß dieses Seelenleben wie ein Waagebalken ist, der das Gleichgewicht zunächst suchen muß zwischen dem luziferischen Element auf der einen Seite, dem ahrimanischen Element auf der anderen Seite. Nur daß das luziferische Element in unserem hellen Kopfe liegt, das ahrimanische Element unten liegt in der Weisheit, die unseren Willen durchzieht. Dazwischen müssen wir das Gleichgewicht suchen in etwas, was eigentlich zunächst uns nicht als von etwas durchzogen erscheint.

[ 29 ] We human beings are truly in such a state with our soul life that this soul life is like a balance beam that must first seek equilibrium between the Luciferic element on one side and the Ahrimanic element on the other. Except that the Luciferic element lies in our bright mind, while the Ahrimanic element lies below, in the wisdom that permeates our will. Between these two, we must seek balance in something that, at first, does not appear to us as being permeated by anything.

AltNameAltName

[ 30 ] Wie kommt Weisheit in diesen mittleren Teil des Menschen hinein? So wie der Mensch zunächst in der Welt steht, wird er seinem Kopfe nach von Luzifer gehalten, wird er seiner Stoffwechsel-Weisheit nach, der Gliedmaßen-Weisheit nach von Ahriman gehalten. Aber dem Herzen nach — denn dasjenige, was da als der mittlere Zustand des Bewußtseins geschildert ist, das ist ebenso abhängig von unserer Herzorganisation mit dem menschlichen Rhythmus, lesen Sie darüber nach in meinem Buche «Von Seelenrätseln», wie unsere Intellektualität mit dem Kopfe zusammenhängt —, in diese Sphäre unseres Daseins muß nach und nach eine ebenso große Ordnung hineinkommen, wie sie in die Kopfweisheit durch die Kopflogik hineingekommen ist, wie sie in alles dasjenige, was wir auf ahrimanische Weise wissen, durch die Mathematik, Geometrie, überhaupt durch diese äußerlich rationelle Naturbeobachtung kommt. Wodurch kommt in diesen mittleren Teil unseres Menschenwesens die innere Logik, die innere Weisheit, Orientierungsfähigkeit hinein? Durch den Christus-Impuls, durch dasjenige, was in die Erdenkultur übergegangen ist durch das Mysterium von Golgatha.

[ 30 ] How does wisdom enter this middle part of the human being? As the human being first stands in the world, he is held by Lucifer in terms of his head, and by Ahriman in terms of his metabolic wisdom and the wisdom of his limbs. But as for the heart—for what is described here as the middle state of consciousness is just as dependent on our heart’s organization and the human rhythm; read more about this in my book Mysteries of the Soul, and how our intellectuality is connected to the head—into this sphere of our existence, an order just as great as that which has entered head wisdom through head logic must gradually come; just as it enters into everything we know in an Ahrimanic way through mathematics, geometry, and, in general, through this outwardly rational observation of nature. How does inner logic, inner wisdom, and the ability to orient ourselves enter this middle part of our human being? Through the Christ impulse, through that which has passed into earthly culture through the Mystery of Golgotha.

[ 31 ] Es gibt eine geisteswissenschaftliche Anatomie, die uns zeigt, was Kopfkultur ist, die uns zeigt, was Stoffwechselkultur ist, die uns auch zeigt, was diejenige Organisationssphäre ist, die zwischen beiden darinnenliegt, und was diese braucht. Es gehört zu unserem Menschenwesen die Durchdringung mit dem Christus-Impuls.

[ 31 ] There is an anatomy of the humanities that shows us what “culture of the mind” is, that shows us what “culture of metabolism” is, and that also shows us what the sphere of organization is that lies between the two, and what that sphere requires. Being permeated by the Christ impulse is part of our human nature.

[ 32 ] So daß wir uns sagen können: Nehmen wir einen Augenblick hypothetisch an, das Mysterium von Golgatha wäre nicht in die Erdenentwickelung hereingekommen, dann würde der Mensch die Kopfweisheit auch haben. Er würde auch dasjenige haben, was seit dem 15. Jahrhunderte heraufgekommen ist. Aber er würde mit Bezug auf seine Mittelpunktswesenheit leer und öde sein. Er würde immer mehr und mehr bloß den Zwiespalt empfinden zwischen den beiden angeführten inneren Sphären. Er würde nicht den Gleichgewichtszustand herbeiführen können. Diesen Gleichgewichtszustand können wir nur herbeiführen dadurch, daß wir uns immer mehr und mehr durchdringen mit dem Christus-Impuls, der den Gleichgewichtszustand hervorruft zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Elemente.

[ 32 ] So we can say to ourselves: Let us hypothetically assume for a moment that the Mystery of Golgotha had not entered into Earth’s evolution; then human beings would still possess intellectual wisdom. They would also possess what has emerged since the 15th century. But with regard to his central being, he would be empty and desolate. He would increasingly feel only the conflict between the two inner spheres mentioned. He would not be able to bring about a state of balance. We can bring about this state of balance only by allowing ourselves to be increasingly permeated by the Christ impulse, which brings about a state of balance between the Luciferic and the Ahrimanic elements.

[ 33 ] Daraus ersehen Sie, daß wir sagen können: In diesen vorchristlichen viereinhalb Jahrhunderten ist dem Menschen beschert worden wie eine Vorbereitung zum Mysterium von Golgatha der letzte Ausläufer der alten Mysterienkultur, der sich festgesetzt hat wie eine Kopfeserinnerung an diese alte Mysterienkultur. Und in der neueren Zeit, durch viereinhalb Jahrhunderte, ist durch das Menschenwesen gegangen die Vorbereitung für eine neue Geistesrichtung, für eine neue Art von Mysterienkultur. Aber daß diese beiden auch in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit verbunden werden können, dazu mußte das Mysterium von Golgatha objektiv in die Menschheitsentwickelung hineingestellt werden. Von außen betrachtet verläuft die Menschheitsentwickelung so, daß das Mysterium von Golgatha als eine objektive Tatsache hineingestellt wird. Innerlich aber verläuft die Menschheitsentwickelung so, daß die Menschen mittlerweile heranwachsen, bis sie vom 15. Jahrhundert ab jenen neuen Einschlag bekommen, den ich Ihnen eben charakterisiert habe als einen Ahriman-Einschlag, und durch den sie erst recht empfinden werden: sie brauchen die Möglichkeit, eine Brücke zu bauen zwischen dem einen und dem anderen.

[ 33 ] From this you can see that we can say: During these four and a half centuries before Christ, humanity was granted—as a kind of preparation for the Mystery of Golgotha—the final remnant of the ancient mystery culture, which took root as a memory preserved in the mind of that ancient mystery culture. And in more recent times, over the course of four and a half centuries, the human being has undergone a preparation for a new spiritual orientation, for a new kind of mystery culture. But for these two to be linked even in the historical development of humanity, the Mystery of Golgotha had to be objectively placed within the course of human development. Viewed from the outside, human development proceeds in such a way that the Mystery of Golgotha is inserted as an objective fact. Inwardly, however, the course of human development is such that people gradually mature until, beginning in the fifteenth century, they receive that new impulse which I have just characterized for you as an Ahrimanic impulse, and through which they will feel all the more keenly that they need the possibility of building a bridge between the one and the other.

[ 34 ] So können wir innerlich den dreigliedrigen Menschen begreifen. Und wir werden ihn noch genauer begreifen, wenn wir mit dem, was ich Ihnen heute gesagt habe, etwas verbinden, was ich schon wiederholt erwähnt habe. Dem alten Griechen mit seinen letzten Resten aus der alten Mysterienkultur wäre es gar nicht möglich gewesen — außer daß es aufgetreten ist bei einigen Entarteten, aber auch nicht in dem Grade, wie in unserer Zeit, es wäre ihm gar nicht möglich gewesen, atheistisch zu sein. Der Atheismus ist im Grunde genommen erst ein neueres Gebilde, wenigstens in seinen radikalen Ausgestaltungen. Denn der Grieche, der wirklich Dialektik innehatte, der fühlte noch im Denken, sogar im inhaltslosen Denken das Walten des Göttlichen.

[ 34 ] In this way, we can gain an inner understanding of the threefold human being. And we will understand it even more precisely if we connect what I have told you today with something I have mentioned repeatedly. It would not have been possible at all for the ancient Greeks, with their last remnants of the ancient mystery culture—except that it did occur among a few degenerates, but not to the same degree as in our time—it would not have been possible for them to be atheists. Atheism is, in essence, a relatively recent phenomenon, at least in its radical forms. For the Greek who truly grasped dialectics still sensed, even in thought—even in thought devoid of content—the workings of the divine.

[ 35 ] Wenn man dies weiß und dann auf das Auftreten des Atheismus sieht, auf die völlige Leugnung des Göttlichen, dann kommt man darauf, worauf eigentlich dieser Atheismus beruht. Atheisten — man braucht natürlich geisteswissenschaftliche Methoden, um das zu erkennen —, Atheisten sind nur diejenigen Menschen, bei denen — es kann ja das in sehr feinen Strukturverhältnissen sein, aber es ist so — etwas nicht in der Ordnung ist organisch. Der Atheismus ist in Wirklichkeit eine Krankheit.

[ 35 ] When one knows this and then considers the phenomenon of atheism—the complete denial of the divine—one comes to understand what this atheism is actually based on. Atheists—and of course one needs methods from the humanities to recognize this—are simply those people in whom—it may be a matter of very subtle structural relationships, but this is the case—something is not in order organically. Atheism is, in reality, an illness.

[ 36 ] Das ist dasjenige, was wir zuerst festhalten müssen: Der Atheismus ist eine Krankheit. Denn wenn unser Organismus vollständig gesund ist, so kann er in seinen einzelnen Gliederungen nicht anders zusammenwirken, als daß wir unseren Ursprung aus dem Göttlichen — ex deo nascimur — selber empfinden.

[ 36 ] This is what we must first establish: Atheism is a disease. For when our organism is completely healthy, its individual parts cannot interact in any other way than to make us ourselves feel that we have our origin in the Divine—ex deo nascimur.

[ 37 ] Das zweite ist allerdings etwas anderes. Der Mensch kann das Göttliche empfinden, aber keine Möglichkeit haben, den Christus zu empfinden. Man macht in dieser Beziehung heute nicht sehr feine Unterschiede. Man begnügt sich heute zu sehr mit Worten, auch auf anderen Gebieten. Wenn man nämlich heute den eigentlichen geistigen Gehalt recht vieler abendländischer Menschen prüft und sich nicht nach den Worten richtet — sie sagen, sie glauben an eine Freiheit des Willens und so weiter —, zeigt es sich, wie die ganze Konfiguration des Denkens widerspricht diesem, was sie damit ausdrücken. Nur im Zusammenhang der Kultur sind sie gewohnt worden, von Christus zu sprechen, von Freiheit und so weiter. In Wirklichkeit ist eine große Anzahl unter uns lebender Menschen nichts weiter als Türken; denn ihr Glaubensinhalt ist genau derselbe fatalistische — wenn auch dieser Fatalismus oftmals als Naturnotwendigkeit geschildert ist —, wie der Glaubensinhalt der Mohammedaner ist. Der Mohammedanismus ist viel verbreiteter, als man denkt. Wenn man eben nicht auf die Worte geht, sondern auf den geistig-seelischen Inhalt, dann sind manche Christen eigentlich Türken, viele Christen sind Türken. Und so nennen sich die Leute auch Christen, wenn sie auch nicht den Übergang finden können zwischen dem Gott, den sie empfinden und dem Christus.

[ 37 ] The second point, however, is somewhat different. A person can sense the divine, but may have no way of sensing Christ. Today, people do not make very subtle distinctions in this regard. People today are too content with words, even in other areas. For if one examines the actual spiritual content of quite a few Western people today—and does not go by their words alone (they say they believe in free will and so on)—it becomes clear how the entire structure of their thinking contradicts what they claim to express. It is only within the context of Western culture that they have become accustomed to speaking of Christ, of freedom, and so on. In reality, a large number of people living among us are nothing more than Turks; for the content of their faith is exactly the same fatalistic belief—even if this fatalism is often described as a natural necessity—as that of the Muslims. Islam is much more widespread than one might think. If one looks not at the words but at the spiritual and psychological content, then some Christians are actually Turks; many Christians are Turks. And so people call themselves Christians even though they cannot find the bridge between the God they feel and Christ.

[ 38 ] Ich brauche Sie nur hinzuweisen auf das klassische Beispiel eines modernen 'Theologen, Adolf Harnack, der das «Wesen des Christentums» schrieb. Bitte, machen Sie die Probe, streichen Sie im «Wesen des Christentums» überall den Christus-Namen aus und schreiben Sie bloß den Gottes-Namen hin, es ändert gar nichts an dem Inhalt dieses Buches. Es besteht gar keine Notwendigkeit, daß der Mann das, was er aussagt, von dem Christus aussagt. Er braucht es nur auszusagen von dem allgemeinen, von dem der Welt zugrunde liegenden Vater-Gotte. Es ist gar keine Nötigung, daß er dasjenige, was er aussagt, auf den Christus bezieht. Wo er etwas beweist, ist es äußerlich und innerlich unwahr, indem er eben aus den Evangelien die einzelnen Mitteilungen entlehnt; aber in der Art, wie er sie verarbeitet, ist keine Veranlassung, sie an den Christus anzulehnen. Man muß die Möglichkeit gewinnen, den Christus nicht so aufzufassen, daß man ihn identifiziert mit dem Vater-Gotte. Das können schon ganz besonders sehr viele neuere evangelische 'Theologen nicht mehr: einen Unterschied machen zwischen dem allgemeinen Gottes-Begriff und dem Christus-Begriff. Christus nicht zu finden im Leben ist etwas anderes, als Gott nicht zu finden, den Vater-Gott nämlich. Daß es sich hier nicht darum handelt, irgendwie die Göttlichkeit des Christus zu bezweifeln, wissen Sie. Es handelt sich nur darum, daß man innerhalb der Sphäre des Göttlichen genau unterscheiden muß zwischen dem Vater-Gott und dem Christus-Gott. Aber das drückt sich auch aus in dem Seelenleben des Menschen. Gott-Vater nicht zu finden, ist eine Krankheit; den Christus nicht zu finden, ist ein Unglück. Denn mit dem Christus ist der Mensch so verbunden, daß er innerlich darauf angewiesen ist. Aber er ist angewiesen auf etwas, das als ein historisches Ereignis sich abgespielt hat. Er muß im äußeren Leben hier auf der Erde einen Zusammenhang finden mit dem Christus. Findet er ihn nicht, so ist das ein Unglück. Es ist eine Krankheit, Atheist zu sein, den Vater-Gott nicht zu finden. Es ist ein Unglück, den Sohnes-Gott nicht zu finden, den Christus.

[ 38 ] I need only point out to you the classic example of a modern “theologian,” Adolf Harnack, who wrote The Essence of Christianity. Please try this experiment: strike out the name “Christ” everywhere in The Essence of Christianity and simply write in the name “God”—it changes absolutely nothing about the content of this book. There is no necessity whatsoever for this man to attribute what he says to Christ. He need only attribute it to the universal Father-God who underlies the world. There is absolutely no requirement that he relate what he says to Christ. Where he proves something, it is outwardly and inwardly untrue, precisely because he borrows individual accounts from the Gospels; but in the way he processes them, there is no reason to attribute them to Christ. One must gain the ability to conceive of Christ in such a way that one does not identify him with the Father-God. This is something that, in particular, many modern Protestant “theologians” are no longer capable of: distinguishing between the general concept of God and the concept of Christ. Failing to find Christ in life is different from failing to find God—namely, God the Father. You know that this is not a matter of doubting the divinity of Christ in any way. It is simply a matter of making a precise distinction within the sphere of the divine between God the Father and God the Christ. But this is also reflected in the inner life of the human being. Not finding God the Father is an illness; not finding Christ is a misfortune. For human beings are so connected to Christ that they are inwardly dependent on him. But they are dependent on something that took place as a historical event. They must find a connection with Christ in their outer life here on earth. If they do not find it, that is a misfortune. It is a sickness to be an atheist, to fail to find God the Father. It is a misfortune to fail to find God the Son, the Christ.

[ 39 ] Und was ist das, den Geist nicht zu finden? Nicht die Möglichkeit zu haben, die eigene Geistigkeit zu erfassen, um den Zusammenhang der eigenen Geistigkeit mit der Geistigkeit der Welt zu finden, das ist eine Schwachgeistigkeit; ein seelischer Schwachsinn ist es, den Geist nicht anzuerkennen.

[ 39 ] And what does it mean not to find the Spirit? Not to have the ability to grasp one’s own spirituality in order to discover the connection between one’s own spirituality and the spirituality of the world—that is a weakness of the spirit; it is a spiritual idiocy not to acknowledge the Spirit.

[ 40 ] An diese drei Mängel der menschlichen Seelenverfassung bitte ich Sie, sich noch einmal zu erinnern — dann werden wir in der richtigen Weise in dieser Betrachtung morgen fortfahren können —, sich zu erinnern an dasjenige, was ich Ihnen heute von einem anderen Gesichtspunkte aus wieder über die drei Bewußtseine gesagt habe, und sich zu erinnern daran: Atheist zu sein, den Gott, aus dem wir geboren sind — den wir finden müssen bei einer vollständig gesunden Organisation — nicht zu finden, ist eine Krankheit, und den Christus nicht zu finden, ist ein Unglück, den Geist nicht zu finden, ist ein seelischer Schwachsinn.

[ 40 ] I ask you to recall once more these three shortcomings of the human soul—so that we may continue this reflection properly tomorrow—to recall what I have told you today about the three states of consciousness from a different perspective, and to remember this: To be an atheist—to fail to find the God from whom we are born—whom we must find in a completely healthy constitution—is an illness; to fail to find Christ is a misfortune; and to fail to find the Spirit is a form of spiritual insanity.

[ 41 ] In dieser Weise unterscheiden sich auch die Wege des Menschen zur Trinität voneinander. Und das wird für die Menschheit immer mehr und mehr notwendig, auf diese konkreten Dinge des Seelenlebens einzugehen, nicht immer in allgemeinen, verschwommenen, nebulosen Dingen stecken zu bleiben. Und zu dieser Nebulosität hat man heute eine ganz besondere Neigung. Zu ersetzen diese Neigung durch die Neigung, ins Konkrete des Seelenlebens wiederum einzutreten, das ist eine wesentliche Aufgabe der Zeit.

[ 41 ] In this way, the paths that human beings take toward the Trinity also differ from one another. And it is becoming more and more necessary for humanity to engage with these concrete aspects of the life of the soul, rather than always getting stuck in general, vague, nebulous concepts. And today there is a very particular tendency toward this vagueness. Replacing this tendency with a tendency to re-enter the concrete realities of the life of the soul is an essential task of our time.