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The Rudolf Steiner Archive

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Michael's Message
The True Mysteries of Human Natur
GA 194

29 November 1919, Dornach

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Der Mensch kann nur dadurch ein wirkliches, seine Seele tragendes Bewußtsein erlangen, daß er aufnimmt wenigstens die wichtigsten, die wesentlichsten Gesetze der menschlichen Entwickelung. Dasjenige, was sich zugetragen hat im Lauf der menschlichen Entwickelung, das müssen wir erkennen, in unser Seelenleben hereinbringen. So ist einmal die Aufgabe des gegenwärtigen Menschen. Nun handelt es sich darum, daß man — ich bemerkte das schon in diesen Tagen — völlig ernst nehme, daß die Entwickelung der Menschheit selbst eine Art lebendige, eine Art Wesensentwickelung ist. Wie in dem einzelnen menschlichen Individuum gesetzmäßiges Wachstum ist, so in der Entwickelung des ganzen Menschengeschlechtes. Und da in der Gegenwart einmal der Zeitpunkt ist, wo gewisse Dinge ins Bewußtsein herauf müssen und der Mensch ja in den wiederholten Erdenleben teilgenommen hat an den verschiedenen Gestaltungen der Menschheitsentwickelungsgeschichte, so ist auch notwendig, daß man Verständnis entwickele für die Verschiedenheiten der menschlichen Seelenstimmungen in den einzelnen Epochen der Menschheitsentwickelung. Ich habe schon öfter gesagt: Dasjenige, was wir heute Geschichte nennen, das ist eigentlich eine Fable convenue aus dem Grunde, weil bei dieser abstrakten Aufzählung von Ereignissen und bei diesem Suchen nach Ursache und Wirkung im äußerlichsten Sinne gegenüber den geschichtlichen Hergängen gar nicht Rücksicht genommen wird auf die Umwandlungen, auf die Metamorphosen des menschlichen Seelenlebens selber. Wenn man von diesem Gesichtspunkte aus Proben macht, so könnte man sich schon überzeugen, wie vorurteilsvoll es ist, wenn man glaubt, daß ungefähr so wie die Seelen der Menschen jetzt gestimmt sind, sie bis in jene Zeiten waren, in die noch die ersten Dokumente der Geschichte zurückreichen. Das ist nicht der Fall. Menschen, auch einfachste, primitivste Menschen des 9., 10. nachchristlichen Jahrhunderts, sie waren ganz anders in der Seele gestimmt als die Menschen nach der Mitte des 15. Jahrhunderts. Man kann das verfolgen bis in die Niederungen des Menschengeschlechtes hinein, kann es auch auf den Höhen verfolgen. Versuchen Sie zum Beispiel einmal, sich eine Kenntnis zu verschaffen des merkwürdigen Werkes von Dante über die «Monarchie». Wenn Sie so etwas lesen, aber nicht lesen wie eine Kuriosität, sondern lesen mit einem gewissen kulturhistorischen Spürsinn, dann wird Ihnen auffallen, wie in einem solchen Buche eines Repräsentanten seiner Zeit Dinge drinnenstehen, die unmöglich aus der Seele eines Gegenwartsmenschen heraus gesprochen sein könnten. Ich will nur eines erwähnen.

[ 1 ] Human beings can attain a true consciousness—one that sustains their soul—only by taking in at least the most important, the most essential laws of human development. We must recognize what has taken place in the course of human development and bring it into our inner life. This, then, is the task of the human being today. Now it is a matter of taking completely seriously—as I have already noted in recent days—that the development of humanity itself is a kind of living development, a kind of evolution of the human essence. Just as there is a lawful growth within the individual human being, so too is there in the development of the entire human race. And since the present is the moment when certain things must rise into consciousness—and since human beings have, through their repeated earthly lives, participated in the various forms of human history—it is also necessary to develop an understanding of the differences in human soul dispositions across the various epochs of human development. I have said many times before: What we call history today is actually a “fable convenue,” because in this abstract enumeration of events and in this search for cause and effect in the most superficial sense—as applied to historical processes—no account is taken at all of the transformations, the metamorphoses, of human soul life itself. If one conducts experiments from this perspective, one can readily see how prejudiced it is to believe that people’s souls were disposed in roughly the same way in those times—as far back as the earliest historical documents—as they are today. That is not the case. People—even the simplest, most primitive people of the 9th and 10th centuries A.D.—were disposed quite differently in their souls than people were after the middle of the 15th century. One can trace this all the way down to the lowest strata of the human race, and one can also trace it up to the highest. Try, for example, to familiarize yourself with Dante’s remarkable work on “Monarchy.” If you read something like this—not as a curiosity, but with a certain cultural-historical intuition—you will notice how a book by a representative of his time contains things that could never have been expressed by a person of our own time. I’ll mention just one example.

[ 2 ] Dante versucht in diesem Buche, das in seinem Sinne eine ernsthafte Abhandlung über die Rechtsgrundlage, über die politische Grundlage der Monarchie sein soll, darzulegen, daß die Römer das vorzüglichste Volk der Erde waren. Er versucht darzulegen, daß es ein Urrecht der Römer war, den ganzen Erdball, soweit er dazumal in Frage kam, zu erobern. Er versucht darzulegen, daß diese Eroberung des ganzen Erdballes durch die Römer ein größeres Recht sei als etwa das Selbständigkeitsrecht einzelner kleiner Völkerschaften, denn Gott habe es so gewollt, daß die Römer über einzelne kleine Völkerschaften herrschten, zum Wohle dieser einzelnen kleinen Völkerschaften. Viele Beweise ganz aus dem Geiste seiner Zeit heraus bringt Dante vor für diese Berechtigung des Römertums, den Erdkreis zu beherrschen. Einer dieser Beweise ist auch der folgende. Er sagt: Die Römer stammen doch ab von Äneas. Äneas hat dreimal geheiratet. Zuerst die Creusa. Dadurch aber, durch diese Heirat, habe er sich als der Stammvater das Recht erworben, Asien zu beherrschen. Zweitens habe er geheiratet die Dido. Dadurch habe er sich als Urvater der Römer das Recht erworben, Afrika zu beherrschen. Dann habe er geheiratet die Lavinia. Damit habe er sich das Recht erworben — das heißt für die Römer —, Europa zu beherrschen. Herman Grimm, der diese Sache einmal besprochen hat, macht dazu die, ich glaube nicht unzutreffende Bemerkung: Ein reines Glück, daß dazumal Amerika und Australien noch nicht entdeckt waren!

[ 2 ] In this book—which he intended to be a serious treatise on the legal and political foundations of monarchy—Dante seeks to demonstrate that the Romans were the most outstanding people on earth. He attempts to demonstrate that it was a natural right of the Romans to conquer the entire globe, as far as it was known at the time. He seeks to demonstrate that this conquest of the entire globe by the Romans constituted a greater right than, for example, the right to self-determination of individual small nations, for God had willed it so that the Romans should rule over these individual small nations, for the benefit of those very nations. Dante presents many arguments, entirely in the spirit of his time, to justify Roman dominance over the world. One of these arguments is the following. He says: The Romans are, after all, descended from Aeneas. Aeneas was married three times. First to Creusa. Through this marriage, however, as the progenitor, he acquired the right to rule Asia. Second, he married Dido. Through this marriage, as the progenitor of the Romans, he acquired the right to rule Africa. Then he married Lavinia. Through this marriage, he acquired the right—that is, for the Romans—to rule Europe. Herman Grimm, who once discussed this matter, makes the following remark, which I do not believe is inaccurate: “It was pure luck that America and Australia had not yet been discovered at that time!”

[ 3 ] Aber diese Schlußfolgerung war für einen erleuchteten Geist der Dante-Zeit, ja für den hervorragendsten Geist der Dante-Zeit etwas ganz selbstverständliches. So etwas war dazumal eine juristische Darlegung. Nun bitte ich Sie, sich vorzustellen, daß bei irgendeinem Juristen der Gegenwart eine solche Schlußfolgerung aufträte. Sie können sich es nicht vorstellen. Ebensowenig können Sie sich vorstellen, daß die Denkweise in bezug auf andere Gründe, die Dante vorbringt, aus der Seelenverfassung eines Gegenwartsmenschen herauskäme.

[ 3 ] But this conclusion was something entirely self-evident to an enlightened mind of Dante’s time—indeed, to the most outstanding mind of Dante’s time. Such a thing was, back then, a legal argument. Now I ask you to imagine that such a conclusion might occur to any contemporary jurist. You cannot imagine it. Nor can you imagine that the way of thinking regarding other reasons Dante puts forward could stem from the state of mind of a contemporary person.

[ 4 ] So ergibt eine ganz naheliegende Tatsache, wie man hinsehen muß auf die Umwandlung der Seelenverfassungen der Menschen. Diese Dinge nicht zu verstehen, das ging in einer gewissen Weise an bis in unsere Zeit herein. Das geht in unserer Zeit nicht mehr an und wird insbesondere nicht gegen die Zukunft hin für die Menschheit angehen, aus dem einfachen Grunde, weil die Menschheit bis in unsere Zeiten herein oder wenigstens bis zum Ende des 18. Jahrhunderts — seit der Französischen Revolution ist es schon allmählich anders geworden, aber es blieben immer alte Reste der betreffenden Seelenverfassungen zurück —, weil die Menschheit bis in unsere Zeit herein — also mit der Einschränkung, die ich eben gemacht habe — gewisse Instinkte hatte. Und aus diesen Instinkten heraus konnte sie ein Bewußtsein entwickeln, das seelentragend war. So wie aber der sich fortwandelnde Organismus der Menschheit nunmehr geworden ist, sind diese Instinkte nicht mehr da, und der Mensch muß sich in bewußter Weise erwerben den Zusammenhang mit der ganzen Menschheit. Das ist ja schließlich die ganze Bedeutung, die tiefere Bedeutung der sozialen Frage in der Gegenwart. Dasjenige, was die Leute parteimäßig vielfach sagen, ist nur eine Formulierung obenhin. Dasjenige, was eigentlich in den Untergründen der Menschenseelen wogt, das spricht sich [nicht] aus in solchen Formeln. Aber das, was wogt, das ist eben, daß.die Menschheit fühlt, man müsse bewußt den Zusammenhang des einzelnen mit der ganzen Menschheit erringen, das heißt, einen sozialen Impuls sich aneignen.

[ 4 ] Thus, a very obvious fact emerges regarding how one must view the transformation of people’s states of mind. Failure to understand these things has, in a certain sense, persisted right up to our own time. This is no longer acceptable in our time and will certainly not be acceptable for humanity in the future, for the simple reason that up until our time—or at least until the end of the 18th century—things had gradually begun to change since the French Revolution, though remnants of those states of mind have always lingered—because humanity, right up to our own time—that is, with the qualification I just made—possessed certain instincts. And out of these instincts, it was able to develop a consciousness that sustained the soul. But given the way the ever-changing organism of humanity has now evolved, these instincts are no longer present, and human beings must consciously cultivate a connection with all of humanity. That, after all, is the entire significance—the deeper significance—of the social question in the present day. What people often say along party lines is merely a superficial formulation. What is actually stirring in the depths of people’s souls is not expressed in such formulas. But what is stirring is precisely this: humanity feels that one must consciously achieve the connection of the individual with all of humanity—that is, acquire a social impulse.

[ 5 ] Nun kann man das nicht, ohne daß man das Gesetz der Entwickelung wirklich ins Auge faßt. Tun wir das noch einmal, nachdem wir es für andere Fragen schon wiederholt getan haben. Nehmen wir zum Beispiel die Zeit vom 4. nachchristlichen Jahrhundert bis etwa ins 16. nachchristliche Jahrhundert herein. Da finden wir, wie das Christentum im zivilisierten Europa sich ausbreitet. Wir finden dieser Ausbreitung jenen Charakter aufgeprägt, von dem ich gestern und öfter gesprochen habe. Wir finden, daß in dieser Zeit noch alle Sorgfalt darauf verwendet wird, durch menschliche Vorstellungen und menschliche Begriffe, wie sie vom Griechentum übermittelt worden sind, die Geheimnisse von Golgatha zu verstehen. Dann beginnt aber eine veränderte Form der Entwickelung. Wir wissen, daß sie eigentlich schon früher einsetzt, um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Sichtbar, deutlich wird sie erst etwa im 16. Jahrhundert. Dann beginnt das naturwissenschaftlich orientierte Denken zuerst die obere Menschheit zu ergreifen, aber sich immer weiter und weiter auszudehnen.

[ 5 ] Now, one cannot do this without truly taking the law of development into account. Let us do this once more, as we have already done repeatedly for other issues. Let us take, for example, the period from the 4th century A.D. to around the 16th century A.D. There we see how Christianity spread throughout civilized Europe. We find that this spread bears the character I spoke of yesterday and on other occasions. We find that during this period, every effort was still being made to understand the mysteries of Golgotha through human ideas and concepts as transmitted by Greek culture. But then a new phase of development begins. We know that it actually began earlier, around the middle of the 15th century. It only became visible and clear around the 16th century. Then scientific thinking began to take hold first among the upper classes, but continued to spread farther and farther.

[ 6 ] Nun fassen wir einmal dieses naturwissenschaftlich orientierte Denken einer bestimmten Eigenschaft nach ins Auge. Es gibt viele solche Eigenschaften, die man erwähnen kann für das naturwissenschaftlich orientierte Denken, aber wir wollen heute wiederum eine besonders hervorheben. Das ist diese, daß, wenn man so recht handfester neuerer Denker im heutigen Sinne ist, man nicht zurechtkommt mit der Frage: Naturnotwendigkeit und menschliche Freiheit. Immer mehr drängte das Naturdenken der neueren Zeit dahin, den Menschen als ein Glied der übrigen Natur zu denken, die man auffaßt als einen Strom von fest einander bedingenden Ursachen und Wirkungen. Gewiß sind ja viele Menschen auch heute da, die sich klar darüber sind, daß Freiheit, das Erlebnis der Freiheit, eine Tatsache des menschlichen Bewußtseins ist. Aber dies hindert nicht, daß, wenn man sich so recht hineinfindet in die besondere Konfiguration des Naturdenkens, man da nicht zurechtkommt. Denkt man so, wie die heutige Naturwissenschaft das will, über die Wesenheit des Menschen, so kann man eben mit diesem Denken nicht vereinigen das Denken über die menschliche Freiheit. Manche machen sich es leicht mit der menschlichen Freiheit, mit dem menschlichen Verantwortlichkeitsgefühl. Ich kannte einen Strafrechtslehrer, der begann seine Vorlesungen über das Strafrecht jedesmal damit, daß er sagte: Meine Herren, ich habe Ihnen Strafrecht vorzutragen. Das beginnen wir damit, daß wir als Axiom annehmen, es gäbe eine menschliche Freiheit und Verantwortlichkeit. Denn gäbe es keine Freiheit und keine Verantwortlichkeit, so könnte es kein Strafrecht geben. Nun gibt es aber ein Strafrecht, denn ich muß es Ihnen vortragen, also gibt es auch eine Verantwortlichkeit und Freiheit. — Diese Argumentation ist etwas einfach, aber sie ist doch auch hinweisend darauf, wie schwer die Menschen heute noch zurechtkommen, wenn sie fragen sollen: Wie vereinigt Naturnotwendigkeit sich mit Freiheit? Das heißt aber mit anderen Worten nichts anderes als: Immer mehr und mehr ist der Mensch durch die Entwickelung der letzten Jahrhunderte gezwungen worden, eine gewisse Allmacht der Naturnotwendigkeit zu denken. Man sagt es sich nicht mit diesen Worten, aber dennoch, es wird gedacht eine gewisse Allmacht der Naturnotwendigkeit. Was ist diese Allmacht der Naturnotwendigkeit?

[ 6 ] Now let’s take a closer look at this scientifically oriented way of thinking in terms of a specific characteristic. There are many such characteristics that could be mentioned in connection with scientific thinking, but today we want to highlight one in particular. It is this: if one is a truly down-to-earth thinker of the modern sort, one cannot come to terms with the question of natural necessity and human freedom. Modern scientific thinking has increasingly tended to view human beings as a part of the rest of nature, which is understood as a stream of causes and effects that are firmly interdependent. Certainly, there are many people even today who are clearly aware that freedom—the experience of freedom—is a fact of human consciousness. But this does not prevent one from becoming confused when one truly immerses oneself in the specific framework of naturalistic thinking. If one thinks about the nature of humanity in the way that modern natural science demands, one simply cannot reconcile this way of thinking with the concept of human freedom. Some people take a simplistic view of human freedom and the sense of human responsibility. I knew a professor of criminal law who began his lectures on criminal law every time by saying: “Gentlemen, I am here to lecture you on criminal law. We will begin by accepting as an axiom that human freedom and responsibility exist. For if there were no freedom and no responsibility, there could be no criminal law.” But criminal law does exist—since I have to teach it to you—so responsibility and freedom must also exist.” —This line of reasoning is somewhat simplistic, but it does point to how difficult it still is for people today to come to terms with the question: How does natural necessity reconcile with freedom? In other words, this means nothing other than: Through the developments of the last few centuries, human beings have been increasingly compelled to conceive of a certain omnipotence of natural necessity. People do not express it in these exact words, but nevertheless, they do conceive of a certain omnipotence of natural necessity. What is this omnipotence of natural necessity?

[ 7 ] Wir werden uns am besten verstehen, wenn ich Sie an etwas erinnere, das ich schon öfters erwähnt habe. Die heutigen Denker glauben, sie handeln — oder denken vielmehr — vorurteilslos, bloß wissenschaftlich forschend, wenn sie behaupten, der Mensch bestünde aus Leib und Seele. Nicht wahr, bis zu dem angeblich großen, eigentlich nur von seines Verlegers Gnaden großen Philosophen Wilhelm Wundt behaupten die Leute, wenn man unbefangen denkt, so müsse man den Menschen gliedern in Leib und Seele, wenn überhaupt noch die Seele gelten gelassen wird. Und nur schüchtern wagt sich der Versuch der Wahrheit hervor, den Menschen zu gliedern in Leib, Seele und Geist. Die Philosophen, die heute glauben, vorurteilslos den Menschen in Leib und Seele zu gliedern, die wissen eben nicht, daß ihre Gliederung nur das Ergebnis eines historischen Vorganges ist, der seinen Ausgangspunkt genommen hat vom achten allgemeinen Konzil von Konstantinopel, wo die katholische Kirche den Geist abgeschafft hat, indem es zum Dogma erhoben worden ist, daß fortan der richtig gläubige Christ nur zu denken habe, der Mensch bestünde aus Leib und Seele, und die Seele habe auch einige geistige Eigenschaften. Das war Kirchengebot. Das lehren heute noch die Philosophen und wissen nicht, daß sie bloß dem Kirchengebote folgen, sie glauben vorurteilslose Wissenschaft zu treiben. So steht es tatsächlich heute um manches, was man «vorurteilslose Wissenschaft» nennt.

[ 7 ] We will understand each other best if I remind you of something I have mentioned many times before. Today’s thinkers believe they are acting—or rather, thinking—without prejudice, merely conducting scientific inquiry, when they claim that human beings consist of body and soul. Isn’t it true that, right up to the supposedly great philosopher Wilhelm Wundt—who is in fact great only by the grace of his publisher—people claim that, if one thinks impartially, one must divide human beings into body and soul, if the soul is even acknowledged at all. And only timidly does the attempt to arrive at the truth venture to divide human beings into body, soul, and spirit. The philosophers who today believe they are dividing human beings into body and soul without prejudice simply do not know that their division is merely the result of a historical process that took its starting point at the Eighth Ecumenical Council of Constantinople, where the Catholic Church abolished the spirit by elevating to dogma the notion that from then on, the true believer was to think only that that human beings consist of body and soul, and that the soul also possesses certain spiritual qualities. That was a church decree. Philosophers still teach this today, unaware that they are merely following the church’s decree; they believe they are engaging in unbiased science. Such is indeed the state of affairs today regarding much of what is called “unbiased science.”

[ 8 ] So ähnlich ist es auch mit der Naturnotwendigkeit. Diese ganze Entwickelung vom 4. Jahrhundert bis ins 16. Jahrhundert, die kristallisierte immer mehr einen ganz besonderen Gottesbegriff heraus. Wenn man auf die Feinheiten der geistigen Entwickelung dieser Jahrhunderte eingeht, so kommt man darauf, daß immer mehr und mehr ein ganz bestimmter Gottesbegriff aus dem menschlichen Denken herausgearbeitet wurde, der Gottesbegriff, der eigentlich gipfelt in dem Diktum: Gott, der Allmächtige. Es wissen die wenigsten Menschen, daß es zum Beispiel für den Menschen vor dem 4. nachchristlichen Jahrhundert keinen rechten Sinn gehabt hätte, von Gott dem Allmächtigen zu sprechen. Wir treiben keine Katechismus-Wahrheiten; da steht natürlich drinnen: Gott ist allmächtig, allweise und allgütig und so weiter. Das alles sind Dinge, die mit den Wirklichkeiten nichts zu tun haben. Vor dem 4. Jahrhundert würde niemand, der verständig war in diesen Dingen, der mit diesen Dingen wirklich mitgegangen ist, daran gedacht haben, die Allmacht als eine Grundeigenschaft des göttlichen Wesens zu betrachten, sondern da war noch die Nachwirkung der griechischen Begriffe. Und wenn man an das göttliche Wesen gedacht hat, so würde man in erster Linie nicht gesagt haben (an die Tafel schreibend:) Gott, der Allmächtige, sondern: Gott, der Allweise.

[ 8 ] The situation is similar with regard to natural necessity. This entire development from the 4th century through the 16th century increasingly crystallized a very specific concept of God. If one examines the subtleties of the spiritual development of these centuries, one comes to realize that a very specific concept of God was increasingly refined through human thought—a concept that actually culminates in the dictum: God the Almighty. Very few people realize that, for example, it would not have made much sense for people before the 4th century A.D. to speak of God the Almighty. We are not peddling catechism truths; of course, it says there: God is almighty, all-wise, and all-good, and so on. These are all things that have nothing to do with reality. Before the 4th century, no one who was knowledgeable about these matters—who had truly engaged with them—would have thought to regard omnipotence as a fundamental attribute of the divine being; rather, the influence of Greek concepts still persisted. And when one thought of the divine nature, one would not have said first and foremost (writing on the board:) “God the Almighty,” but rather: “God the All-Wise.”

[ 9 ] Die Weisheit war dasjenige, was man zunächst als die Grundeigenschaft dem göttlichen Wesen beigelegt hat. Und der Begriff der Allmächtigkeit, er ist erst vom 4. Jahrhundert an allmählich eingedrungen in die Idee von dem göttlichen Wesen. Das entwickelt sich weiter. Der Persönlichkeitsbegriff wird fallen gelassen, und übertragen wird das Prädikat auf die bloße, immer mehr und mehr sogar mechanisch vorgestellte Naturordnung. Und der Begriff der neueren Naturnotwendigkeit, dieser Allmacht der Natur, ist nichts anderes als das Ergebnis der Entwickelung des Gottesbegriffes vom (an die Tafel schreibend:) 4. Jahrhundert bis ins 16. Jahrhundert. Nur daß abgeworfen wurden die Persönlichkeitseigenschaften, und daß herübergenommen wurde in die Struktur des Naturdenkens dasjenige, was dazumal für den Gottesbegriff genommen worden ist.

[ 9 ] Wisdom was initially regarded as the fundamental attribute of the divine being. And the concept of omnipotence only gradually found its way into the idea of the divine being beginning in the 4th century. This continues to develop. The concept of personality is abandoned, and the attribute is transferred to the mere order of nature, which is conceived in an increasingly mechanical way. And the concept of modern natural necessity—this omnipotence of nature—is nothing other than the result of the development of the concept of God from (writing on the board:) the 4th century through the 16th century. The only difference is that the attributes of personality were discarded, and that what had once been taken to represent the concept of God was incorporated into the structure of natural philosophy.

[ 10 ] Die echten Naturwissenschafter von heute würden sich natürlich kräftig wehren, wenn man ihnen so etwas sagt. Geradeso wie manche Philosophen glauben, vorurteilslos über den Menschen zu denken, indem sie ihn nur aus Leib und Seele bestehen lassen, während sie in Wahrheit nur befolgen das achte allgemeine ökumenische Konzil von Konstantinopel von 869, geradeso wie diese Philosophen abhängig sind von einer historischen Strömung, so sind sie alle — die Haeckelianer, die Darwinisten, alle, alle bis zu den Physikern mit ihrer Naturordnung nichts anderes als Abhängige derjenigen theologischen Richtung, die sich ausgebildet hat in der Zeit von Augustinus bis Calvin. Diese Dinge müssen durchschaut werden. Denn das ist das Eigentümliche einer jeden Evolutionsströmung, daß sie eine gewisse Evolution in sich schließt, aber auch eine Involution oder Devolution. Und während sich entwickelte der Begriff «Gott der Allmächtige», war die Unterströmung in den unterbewußten Sphären des menschlichen Seelenlebens vorhanden, die dann die tonangebende Oberströmung wurde: die Naturnotwendigkeit (siehe Zeichnung, rot). Und seit dem 16. Jahrhundert ist wiederum eine neuerliche Unterströmung da, die gerade in unserer Zeit sich vorbereitet, Oberströmung zu werden (s. Zeichnung, weiß).

[ 10 ] Today’s true natural scientists would, of course, strongly object if someone were to say such a thing to them. Just as some philosophers believe they are thinking about human beings without prejudice by reducing them to nothing but body and soul, while in truth they are merely following the Eighth Ecumenical Council of Constantinople of 869—just as these philosophers are dependent on a historical current— so they are all—the Haeckelians, the Darwinists, all of them, right down to the physicists with their natural order—nothing other than followers of that theological tradition that developed in the period from Augustine to Calvin. These things must be understood. For this is the peculiarity of every evolutionary current: that it encompasses a certain evolution within itself, but also an involution or devolution. And while the concept of “God the Almighty” was developing, there was an undercurrent present in the subconscious spheres of human soul life that later became the dominant mainstream: natural necessity (see diagram, red). And since the 16th century, a new undercurrent has been present, one that is now, in our own time, preparing to become the dominant current (see diagram, white).

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[ 11 ] Das ist es, was wir als das Charakteristikon des Michael-Zeitalters anführen müssen, daß dasjenige, was sich vorbereitet hat in Form einer Unterströmung der Naturnotwendigkeit, von jetzt ab werden muß eine Oberströmung. Aber es muß verstanden werden der innere Geist der Erdenentwickelung, wenn man überhaupt zu irgendeinem möglichen Begriffe kommen will von dem, was sich eigentlich da vorbereitet.

[ 11 ] This is what we must cite as the defining characteristic of the Michael Age: that what has been preparing itself as an undercurrent of natural necessity must now become an overt current. But one must understand the inner spirit of Earth’s evolution if one is to arrive at any possible conception of what is actually being prepared there.

[ 12 ] Ich habe Sie neulich einmal darauf aufmerksam gemacht, daß eigentlich das, was von selbst geht in der irdischen Entwickelung und namentlich in der Menschheitsentwickelung, sich in absteigender Linie bewegt. Die Erdenmenschheit und die Erdenentwickelung selbst ist eigentlich in der Dekadenz. Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß das ja sogar heute schon eine geologische Wahrheit ist, daß ernsthaft zu nehmende Geologen zugeben, die Erdkruste sei bereits in einem Verfallsprozesse. Aber insbesondere ist in einem Verfallsprozesse durch die Kräfte, die eigentlich sinnlich-irdisch sind, die Menschheit selbst. Und der Menschheitsprozeß muß so weitergehen, daß die Menschheit aufnimmt geistige Impulse, die gegen die Dekadenz arbeiten. Daher muß bewußtes Geistesleben in die Menschheit eintreten. Wir müssen uns klar sein darüber: den Höhepunkt der Erdenentwickelung, den haben wir bereits überschritten. Damit die Erdenentwickelung weitergehen kann, muß Geistiges immer klarer und deutlicher aufgenommen werden.

[ 12 ] I recently pointed out to you that, in fact, the natural course of earthly evolution—and particularly the evolution of humanity—is moving in a downward trajectory. Humanity on Earth and earthly evolution itself are, in fact, in a state of decline. I have pointed out to you that this is already a geological truth today—that serious geologists admit the Earth’s crust is already in a process of decay. But humanity itself, in particular, is in a process of decay due to forces that are essentially sensory and earthly. And the process of humanity must continue in such a way that humanity absorbs spiritual impulses that work against this decline. Therefore, a conscious spiritual life must enter into humanity. We must be clear about this: we have already passed the peak of Earth’s development. For Earth’s development to continue, the spiritual must be absorbed ever more clearly and distinctly.

[ 13 ] Das scheint zunächst wie eine abstrakte Tatsache. Für den Geistesforscher ist das gar nicht eine abstrakte Tatsache. Sie wissen ja wohl, daß wir die Entwickelung desjenigen, was dann Erde geworden ist, verfolgen durch ein Saturn-, Sonnen- und Mondenstadium bis herein ins Erdenstadium. Diese Entwickelung können wir auch dadurch charakterisieren, daß wir sagen, im Grunde genommen ist, wenn wir von der heutigen Menschheit sprechen, dasjenige, was sich von dieser Menschheit durch Saturn-, Sonnen- und Mondenperiode entwickelt hat, Vorbereitung, Vorstadium gewesen. Auf der Erde selbst hat der Mensch eigentlich erst, als er sein Ich angenommen hat, die Menschenwesenheit in Wirklichkeit erreicht und wird in diese Wesenheit weiteres hineingießen durch die folgenden Entwickelungsstadien der Erde.

[ 13 ] At first glance, this seems like an abstract fact. For the spiritual researcher, however, it is by no means an abstract fact. You are surely aware that we trace the evolution of what later became the Earth through the Saturn, Sun, and Moon stages all the way to the Earth stage. We can also characterize this evolution by saying that, when we speak of present-day humanity, what developed from this humanity through the Saturn, Sun, and Moon periods was, in essence, a preparation, a preliminary stage. On Earth itself, it was only when human beings assumed their “I” that they truly attained human existence, and they will continue to infuse this existence with further substance through the Earth’s subsequent stages of development.

[ 14 ] Nun wissen Sie ja, daß auf derselben Entwickelungsstufe, wenn auch in ganz anderen Formen, bei ganz anderem äußerem Ansehen, die sogenannten Archai, die heutigen Geister der Persönlichkeit oder Zeitgeister, im Saturnstadium waren, in derselben Entwickelungsstufe, aber mit anderem Ansehen, wie heute der Mensch. So daß ich das in meinen Büchern ausgedrückt habe dadurch, daß ich sagte: Was wir heute als Archai, als Geister der Persönlichkeit ansehen, das war während der Saturnzeit Mensch, die Archangeloi waren während der Sonnenzeit Mensch, die Angeloi während der Mondenzeit Mensch. Während der Erdenzeit sind wir Menschen.

[ 14 ] Now you know that at the same stage of development—albeit in entirely different forms and with a completely different outward appearance—the so-called Archai, today’s spirits of personality or time spirits, existed during the Saturn stage; they were at the same stage of development but with a different appearance than that of human beings today. So I have expressed this in my books by saying: What we regard today as Archai, as spirits of personality, were human beings during the Saturn era; the Archangeloi were human beings during the Sun era; the Angeloi were human beings during the Moon era. During the Earth era, we are human beings.

[ 15 ] Nun haben wir uns ja natürlich immer vorbereitend mitentwickelt. Wenn wir nur zurückgehen bis zum Mondenstadium, so müssen wir sagen: da sind die Angeloi Menschen gewesen; nicht so aussehende Menschen wie wir, denn das alte Mondenstadium hat ganz andere Verhältnisse gehabt. Aber außer diesen Mondenmenschen, den Angeloi, entwickelten auch wir uns schon in einem Vorstadium dort, in dem Vorstadium der Erdenentwickelung, in sehr weit vorgeschrittenem Stadium, so daß wir dort eigentlich schon in Betracht kamen für die Angeloi. Namentlich als die Mondenentwickelung bereits im Abstiege war, kamen wir dort zuweilen in recht lästiger Weise für die Angeloi in Betracht. Geradeso aber geht es uns mit der absteigenden Erdenentwikkelung. Seit die Erdenentwickelung im Abstiege ist, kommen andere Wesenheiten nach. Das ist ein bedeutsames, ein wichtiges Ergebnis geisteswissenschaftlicher Forschung, das sehr, sehr ernst zu nehmen ist, daß wir bereits in dieses Stadium der Erdenentwickelung eingetreten sind, wo sich Wesen geltend machen, die auf dem Jupiter — das ist das nächste Stadium der Erdenentwickelung — aufgerückt sein werden zu zwar anderen Menschenformen, aber doch zu Formen, die sich mit dem Menschenwesen vergleichen lassen. Wir werden ja andere Wesen sein auf dem Jupiter. Aber diese gewissermaßen Jupitermenschen sind jetzt schon da, wie wir auf dem Monde waren. Sie sind da, natürlich nicht äußerlich sichtbar; aber ich habe ja neulich zu Ihnen gesprochen, was das bedeutet, äußerlich sichtbar zu sein, und daß der Mensch auch ein übersinnliches Wesen ist. Übersinnlich sind diese Wesenheiten gar sehr da.

[ 15 ] Of course, we have always evolved alongside this process. If we go back even to the Moon stage, we must say: there were human beings there—the Angeloi; they did not look like us, for the ancient Moon stage had entirely different conditions. But apart from these lunar human beings, the Angeloi, we, too, were already developing there in a preliminary stage—the preliminary stage of Earth’s evolution—at a very advanced stage, so that we were actually already being considered as candidates for the Angeloi. Especially when the lunar evolution was already in decline, we were occasionally considered—in a rather troublesome way—as candidates for the Angeloi. But the same is true for us with regard to the declining phase of Earth’s evolution. Ever since Earth’s evolution has been in decline, other beings have been arriving. This is a significant, an important finding of spiritual scientific research that must be taken very, very seriously: that we have already entered this stage of Earth’s evolution where beings are making their presence felt who, on Jupiter—which is the next stage of Earth’s evolution—will have advanced to human forms, albeit different ones, but forms that can be compared to the human being. We will, of course, be different beings on Jupiter. But these so-called “Jupiter humans” are already here, just as we once were on the Moon. They are here, though not outwardly visible, of course; but I spoke to you recently about what it means to be outwardly visible, and that human beings are also supersensible beings. In a supersensible sense, these beings are very much present.

[ 16 ] Ich betone noch einmal: Das ist eine außerordentlich ernste Wahrheit, daß sich geltend machen gewisse Wesenheiten, welche tatsächlich um die Menschheit herum sind. Immer mehr und mehr machen sie sich geltend seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Diese Wesenheiten haben zunächst vorzugsweise ausgebildet den Impuls einer Kraft, die sehr ähnlich ist der menschlichen Willenskraft, jener Willenskraft, von der ich Ihnen gestern gesagt habe, wie sie unten ist in tieferen Schichten des menschlichen Bewußtseins. Mit dem, was da dem gewöhnlichen heutigen Bewußtsein unbewußt bleibt, mit dem verwandt sind diese unsichtbaren Wesenheiten, die sich aber schon sehr stark geltend machen in der Entwickelung der heutigen Menschheit.

[ 16 ] I emphasize once again: It is an extraordinarily serious truth that certain entities, which are indeed present around humanity, are making their presence felt. They have been making their presence felt more and more since the middle of the 15th century. These entities have, for the time being, primarily developed the impulse of a force that is very similar to human willpower—that willpower of which I spoke to you yesterday, as it lies deep within the lower strata of human consciousness. These invisible beings are related to what remains unconscious to ordinary modern consciousness, yet they are already making their presence felt very strongly in the development of humanity today.

[ 17 ] Für den, der die Geistesforschung konkret ernst nimmt, ist das ein Problem von gewaltiger Größe. Mir trat dieses Problem besonders stark entgegen — und ich habe es dazumal zu verschiedenen unserer Freunde in der einen oder in der anderen Form ausgesprochen —, mir trat dieses Problem besonders stark entgegen, ich möchte sagen, fordernd entgegen, als im Jahre 1914 diese Kriegskatastrophe ausbrach. Da mußte man sich fragen: Wie stürmte über die europäische Menschheit herein ein Ereignis, das etwa so auszumessen nach seinen Verursachungen, wie man das gewohnt ist gegenüber früheren geschichtlichen Ereignissen, tatsächlich unmöglich ist? Wer da weiß, daß bei den entscheidenden Dingen doch im Jahre 1914 kaum mehr als dreißig bis vierzig Menschen in Euröpa beteiligt waren, und wer da weiß, in welcher Seelenverfassung die meisten dieser Menschen waren, für den kommt das eigentlich bedeutsame Problem herauf: Denn die meisten dieser Menschen, so sonderbar das heute klingt, die meisten dieser Menschen waren von getrübtem Bewußtsein, von verdunkeltem Bewußtsein. Überhaupt hat sich in den letzten Jahren ungeheuer viel zugetragen von der Art, das verursacht ist von getrübtem menschlichem Bewußtsein. An den entscheidenden Stellen des Jahres 1914 sehen wir überall, wie geradezu aus Bewußtseinsverdüsterung heraus Ende Juli und Anfang August die wichtigsten Entschlüsse gefaßt wurden, und wiederum durch diese Jahre hindurch bis in unsere Gegenwart herein. Das ist ein Problem, furchtbar in seiner Art. Untersucht man es geisteswissenschaftlich, dann findet man, daß diese verdunkelten Bewußtseine die Tore waren, durch die gerade diese Willenswesen von dem Bewußtsein dieser Menschen Besitz ergriffen haben, von dem umdunkelten, umflorten Bewußtsein dieser Menschen Besitz ergriffen haben und gewirkt haben mit ihrem Bewußtsein. Und diese Wesen, die da Besitz ergriffen haben, die noch untermenschliche Wesen sind, was für Wesenheiten sind sie wiederum? Diese Frage müssen wir uns einmal ganz ernsthaftig vorlegen: Was sind das eigentlich für Wesenheiten?

[ 17 ] For anyone who takes spiritual research seriously, this is a problem of immense proportions. I was confronted with this problem particularly acutely—and I expressed it at the time to various friends of ours in one form or another—I was confronted with this problem particularly acutely, I would say, in a demanding way, when this catastrophe of war broke out in 1914. One had to ask oneself: How could an event have swept over the people of Europe that is, in fact, impossible to assess in terms of its causes in the way we are accustomed to doing with earlier historical events? Anyone who knows that, when it came to the decisive matters, hardly more than thirty to forty people in Europe were involved in 1914—and anyone who knows the state of mind in which most of these people found themselves—will see the truly significant problem emerge: For most of these people—as strange as that may sound today—most of them were in a state of clouded consciousness, of darkened consciousness. In general, an immense amount has taken place in recent years that has been caused by clouded human consciousness. At the decisive moments of 1914, we see everywhere how, at the very end of July and the beginning of August, the most important decisions were made precisely out of this darkening of consciousness—and again throughout these years right up to the present. This is a problem of a terrible nature. If one examines it from the perspective of spiritual science, one finds that these clouded consciousnesses were the gateways through which precisely these beings of will took possession of the consciousness of these people—took possession of their clouded, veiled consciousness—and acted through their consciousness. And these beings who have taken possession—who are still subhuman beings—what kind of entities are they, in turn? We must ask ourselves this question very seriously: What kind of entities are they, actually?

[ 18 ] Nun, wir haben gefragt nach dem Ursprung der menschlichen Intelligenz, nach dem Ursprung des menschlichen intelligenten Verhaltens, das, einfach gesprochen, zu seinem Werkzeug unsere Kopforganisation hat. Und wir haben gesehen, daß diese intelligente Verfassung unserer Seele herrührt von jener Tat Michaels, des Erzengels, die man gewöhnlich symbolisch darstellt als den Sturz, das Herabwerfen des Drachens. Das ist eigentlich ein sehr triviales Symbolum. Denn wenn man sich richtig vorstellt Michael mit dem Drachen, so hat man sich vorzustellen: das Michael-Wesen — und der Drache ist eigentlich alles das, was einzieht in unsere sogenannte Vernunft, in unsere Intelligenz. Nicht in eine Hölle stürzt Michael seine gegnerischen Scharen, sondern in die menschlichen Köpfe hinein. (Es wird gezeichnet.) Da lebt dieser luziferische Impuls weiter. Ich habe Ihnen ja charakterisiert die menschliche Intelligenz als einen eigentlich luziferischen Impuls. Wir können also sagen: Blicken wir zurück im Erdenwerden, so finden wir die Michael-Tat, und an diese Michael-Tat ist gebunden die Erleuchtung des Menschen mit seiner Vernunft.

[ 18 ] Well, we have asked about the origin of human intelligence, about the origin of human intelligent behavior, which, simply put, uses the organization of our brain as its tool. And we have seen that this intelligent constitution of our soul stems from that act of Michael, the archangel, which is usually symbolically represented as the fall, the casting down of the dragon. This is actually a very trivial symbol. For if one correctly imagines Michael with the dragon, one must imagine it this way: the Michael being—and the dragon is actually everything that enters into our so-called reason, into our intelligence. Michael does not cast his opposing hosts into hell, but into human minds. (A drawing is made.) There this Luciferic impulse lives on. I have, after all, characterized human intelligence as what is essentially a Luciferic impulse. We can therefore say: If we look back at the process of becoming human, we find the Michaelic deed, and bound up with this Michaelic deed is the enlightenment of the human being through reason.

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[ 19 ] Was jetzt eintritt, die untermenschlichen Wesenheiten, die in ihrem Hauptcharakter einen Impuls haben, der sehr stark übereinstimmt mit dem menschlichen Willen, mit der menschlichen Willenskraft, die kommen gewissermaßen von unten herauf, während jene von Michael gestürzten Scharen oder Kräfte von oben kamen. Und während diese Besitz ergriffen von dem menschlichen Vorstellungsvermögen, ergreifen jene Besitz von der menschlichen Willenskraft, vereinigen sich mit ihr und sind Wesen, die aus dem Reich des Ahriman erzeugt werden.

[ 19 ] What is now taking place is that the subhuman beings—whose primary characteristic is an impulse that very strongly corresponds to the human will, to human volition—are, so to speak, coming up from below, whereas those hosts or forces cast down by Michael came from above. And while the former take possession of the human imagination, the latter take possession of the human will, unite with it, and are beings generated from the realm of Ahriman.

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[ 20 ] Ahrimanische Einflüsse waren es, die durch diese umdunkelten Bewußtseine wirkten. Ja, so lange man nicht wird diese Kräfte ebenso behandeln als objektiv in der Welt vorhandene Kräfte wie dasjenige, was man heute Magnetismus, Elektrizität und so weiter nennt, solange wird man keine Einsicht gewinnen in diejenige Natur, die nach Goethes Dichtung, Goethes Prosahymnus auch den Menschen mit umfaßt. Denn die Natur, die sich die heutige Naturforschung vorstellt, in der ist der Mensch nicht drinnen, sondern nur das menschliche physische Gehäuse.

[ 20 ] It was Ahrimanic influences that were at work through these clouded consciousnesses. Indeed, as long as one does not treat these forces in the same way as forces objectively present in the world—such as what we today call magnetism, electricity, and so on—one will not gain insight into the nature that, according to Goethe’s poetry and his prose hymn, also encompasses human beings. For in the nature as conceived by modern natural science, human beings are not included—only the human physical body.

[ 21 ] Diese Wesenheiten, die also ebenso einen Aufstieg ahrimanischen Wesens vorstellen, wie das, was im Beginne des Erdenwerdens das Herabfallen des luziferischen Wesens ist, diese Wesen, die ebenso eine Influenzierung der menschlichen Willenskraft darstellen, wie die anderen Wesen eine Influenzierung der luziferischen Vorstellungskraft, diese Wesenheiten müssen wir in ihrer Ankunft innerhalb der Menschheitsentwickelung erkennen. Wir müssen uns klar sein, daß diese Wesen ankommen und daß wir rechnen müssen mit einer Naturauffassung, die zunächst sich allerdings nur auf den Menschen erstreckt. Denn das Tierreich wird erst später in der Erdenzeit einbezogen, auf das Tier haben sie noch keinen Einfluß. Das Menschengeschlecht aber wird man nicht verstehen, ohne daß man auf diese Wesen Rücksicht nehmen wird. Und diese Wesen, die, ich möchte sagen, von hinten geschoben werden — denn hinter ihnen steht eigentlich das Ahrimanische, das ihnen ihre starke Willenskraft gibt, das ihnen eingießt ihre Richtungskräfte und so weiter —, diese Wesenheiten, die für sich untermenschliche Wesenheiten sind, sind aber in ihrer Masse beherrscht von höheren ahrimanischen Geistern und haben dadurch etwas in sich, was weit hinausgeht über ihre eigene Natur und Wesenheit. Dadurch zeigen sie in ihrem Auftreten etwas, was sogar, wenn es den Menschen gefangen nimmt, stärker wirkt, wesentlich stärker als dasjenige, worüber der schwache Mensch, wenn er es nicht durch den Geist stärkt, heute Herr sein kann. Worauf geht diese Schar aus? Sehen Sie, so wie die Scharen, die Michael herabgestoßen hat, diese luziferischen Scharen, ausgegangen sind auf menschliche Erleuchtung, auf menschliche Durchvernünftigung, so gehen diese Scharen aus auf eine gewisse Durchdringung des menschlichen Willens. Und was wollen sie? Sie wühlen gewissermaßen in der tiefsten Schichte des Bewußtseins, wo der Mensch heute auch noch wachend schläft. Der Mensch merkt nicht, wie sie in sein Seelenwesen, wie auch in sein Leibeswesen hereinkommen. Da aber ziehen sie mit ihren Anziehungskräften an alledem, was luziferisch geblieben ist, was nicht durchchristet geworden ist. Das können sie auch erreichen, dessen können sie sich bemächtigen.

[ 21 ] These beings, who thus represent an ascent of the Ahrimanic nature just as the descent of the Luciferic being did at the beginning of Earth’s evolution; these beings, who exert an influence on the human will just as the other beings exert an influence on the Luciferic imagination—we must recognize these beings as they enter the course of human evolution. We must be clear that these beings are arriving and that we must reckon with a view of nature that, at first, extends only to human beings. For the animal kingdom will not be included until later in Earth’s history; they have no influence on animals yet. But the human race cannot be understood without taking these beings into account. And these beings, who, I would say, are being driven from behind—for behind them actually stands the Ahrimanic, which gives them their strong willpower, instills in them their driving forces, and so on—these beings, who in themselves are subhuman entities, are nevertheless, as a mass, dominated by higher Ahrimanic spirits and thereby possess something within them that far transcends their own nature and being. As a result, they reveal in their conduct something that, even when it captivates people, has a stronger effect—far stronger than what the weak human being, unless strengthened by the spirit, can master today. What is the aim of this host? You see, just as the hosts that Michael cast down—these Luciferic hosts—set out toward human enlightenment and human rationalization, so these hosts set out toward a certain permeation of the human will. And what do they want? They delve, as it were, into the deepest layer of consciousness, where human beings today still sleep even while awake. Human beings do not notice how these forces enter into their soul nature, as well as into their physical nature. But there they draw, with their forces of attraction, upon everything that has remained Luciferic, everything that has not been permeated by Christ. They can achieve this; they can take possession of it.

[ 22 ] Diese Dinge sind sehr aktuell! Ich habe schon eine Erscheinung erwähnt, die ganz im höheren Sinne kulturhistorisch bedeutsam ist. Wir lesen ja heute sogenannte Rechtfertigungsschriften. Alle möglichen Leute, von Theobald Bethmann angefangen bis zu Jagow, alles, alles schreibt; Clemenceau und Wilson werden ja später auch drankommen, sie werden auch schreiben: alles schreibt. Nun, man braucht nur Einzelnes herauszugreifen, zum Beispiel die zwei dicken Bände von Tirpitz und von Ludendorff. Es ist höchst interessant für einen Menschen, der denkt, der denkt mit dem Geiste seiner Zeit, die Art und Weise zu verfolgen, in der solche Menschen wie Tirpitz und Ludendorff schreiben. Inhaltlich sind sie sehr voneinander verschieden, denn sie konnten einander nicht leiden, sie hatten ganz verschiedene Ansichten. Aber von den Ansichten wollen wir hier nicht reden, sondern von der Geisteskonfiguration wollen wir reden. Die Bücher sind ja im heutigen Deutsch geschrieben, wenigstens annähernd im heutigen Deutsch geschrieben, aber die Gedankenformen, die sind tatsächlich — man muß Verständnis haben für so etwas, sonst bemerkt man es nicht, sonst versetzt man ein solches Buch, weil die Jahreszahl 1919 drauf steht, in die Gegenwart — in den Vorstellungsarten so geschrieben, daß man sich fragt: Ja, was ist denn das eigentlich für eine Formung des Denkens? Ich habe mir diese Frage ganz ernsthaftig vorgelegt, gerade die beiden genannten Bücher daraufhin untersucht, denn es ist eine vollständige Unwahrheit, reale Unwahrheit, daß diese Bücher deutsch geschrieben sind. Äußerlich sind sie deutsch geschrieben, aber eigentlich ist es nur eine Übersetzung, denn die Gedankenformen sind diejenigen der Cäsarenzeit. Ganz genau dieselbe Art des Denkens, wie sie bei Cäsar vorhanden war, ist bei diesen Leuten vorhanden.

[ 22 ] These issues are very timely! I have already mentioned a phenomenon that is culturally and historically significant in the highest sense. After all, we are reading so-called “justifications” today. All sorts of people, from Theobald Bethmann on down to Jagow—everyone, absolutely everyone, is writing; Clemenceau and Wilson will also have their turn later—they, too, will write: everyone is writing. Well, one need only pick out a few examples, such as the two thick volumes by Tirpitz and Ludendorff. It is highly interesting for a person who thinks—who thinks in the spirit of their time—to trace the manner in which people like Tirpitz and Ludendorff write. In terms of content, they are very different from one another, for they could not stand each other; they held entirely different views. But we don’t want to talk about their views here; rather, we want to talk about the configuration of their minds. The books are, of course, written in modern German—or at least roughly in modern German—but the forms of thought—and one must have an understanding of such things, otherwise one won’t notice it; otherwise, one would simply place such a book in the present because it bears the date 1919—are written in such a way that one asks oneself: “What kind of thought structure is this, actually?” I have asked myself this question quite seriously and examined the two books mentioned specifically in this light, for it is a complete untruth—a real untruth—that these books are written in German. Outwardly, they are written in German, but in reality they are merely a translation, for the thought forms are those of the time of Caesar. Exactly the same kind of thinking that existed in Caesar’s time exists in these people.

[ 23 ] Gerade dann, wenn man sich für die Metamorphose der Menschheit, wie ich sie vorhin geschildert habe, ein Verständnis erworben hat, merkt man das, wie zurückgeblieben solche Seelen sind, denn die haben eigentlich die Metamorphose nicht mitgemacht. Die Tirpitz-Memoiren und die Ludendorff-Memoiren, die handeln nur zufällig von heutigen Ereignissen; die könnten ebensogut dieKriegszüge des Cäsar behandeln. Das ist exakt zu beweisen für den, der die Methode hat, so etwas zu beweisen. Das heißt aber mit anderen Worten: An diesen Menschen ist das Christentum überhaupt vorbeigegangen, die haben nichts Christliches in sich. Worte gewiß — sie haben ja vielleicht in ihrer Jugend auch gebetet in christlichen Kirchen, vielleicht, ich weiß nicht, von Tirpitz glaube ich es nicht, von Ludendorff auch nicht recht, aber das würde ja auch nichts weiter besagen —, aber den wirklichen Christus-Impuls, den haben sie nicht in ihrem Herzen, in ihrer Seele. Sie sind stehengeblieben auf einer früheren Entwickelungsstufe der Menschheit. An solche Art von Vorstellungskonfiguration können die Geister heran, von denen ich gesprochen habe; derer können sie sich bemächtigen, die ziehen sie zu sich heran. Dadurch wollen sie ihre Herrschaft begründen. Dadurch aber kommt ein fremdes Element, ein Element aus einer geistigen Welt, die sich jetzt geltend macht, in die Entschlüsse dieser Menschen herein. Bei Ludendorff ist es ja direkt historisch nachweisbar, obwohl man heute noch keine Historio-Psychopathologie betreibt — man wird sie in nicht gar zu ferner Zeit betreiben —, bei Ludendorff ist es direkt nachweisbar. Es war am 6. August, Einnahme von Lüttich. In einer der Straßen staut sich der ganze Heereskörper, Ludendorff mitten darinnen, damals als Oberst noch. Auf ihn fiel alle Entschließungskraft. Nur durch seinen raschen Entschluß ist das zustande gekommen, was in Lüttich zustandegekommen ist. Dabei aber ging das Normale seines Bewußtseins verloren. Das brachte zu jener Verfassung, die noch die Cäsar-Verfassung des Seelenlebens ist, die Umdunklung des Bewußtseins hinzu, die Tor ist für die ahrimanische Welt.

[ 23 ] It is precisely when one has gained an understanding of the metamorphosis of humanity, as I described it earlier, that one realizes how backward such souls are, for they have not actually undergone the metamorphosis. The Tirpitz memoirs and the Ludendorff memoirs merely happen to deal with events of today; they might just as well be about Caesar’s military campaigns. This can be proven precisely by anyone who possesses the method to prove such a thing. But to put it another way: Christianity has passed these people by entirely; they have nothing Christian within them. Words, certainly—they may well have prayed in Christian churches in their youth, perhaps; I don’t know—I don’t believe it of Tirpitz, nor really of Ludendorff either, but that wouldn’t mean anything anyway—but the true Christ impulse, that they do not have in their hearts, in their souls. They have remained stuck at an earlier stage of human development. The spirits I have spoken of can approach this kind of mental configuration; they can take possession of it, and it draws them to itself. Through this, they seek to establish their dominion. But through this, a foreign element—an element from a spiritual world that is now asserting itself—enters into these people’s decisions. In Ludendorff’s case, this is directly verifiable historically, even though historical psychopathology is not yet practiced today—though it will be practiced in the not-too-distant future—in Ludendorff’s case, it is directly verifiable. It was on August 6, during the capture of Liège. The entire army corps was backed up in one of the streets, with Ludendorff right in the middle of it, still a colonel at the time. All decision-making power rested upon him. It was only through his swift decision that what took place in Liège came to pass. In the process, however, the normal functioning of his consciousness was lost. This led to that state of mind—which is still the “Caesar-state” of the soul’s life—the darkening of consciousness that serves as a gateway to the Ahrimanic world.

[ 24 ] Die Zeit stellt uns heute diese Probleme. Wir dürfen als Menschen nicht mehr vorübergehen an diesen Dingen. Bequem sind sie nicht. Denn bequem ist es geworden, über die Menschen anders zu denken, das heißt, gar nicht über die Menschen zu denken, ihnen überhaupt nicht nahezutreten. Und ungefährlich ist es auch nicht in der Gegenwart, wo die Menschheit in vielen ihrer Individuen gar nicht den Wahrheitssinn liebt, über diese Dinge in voller Wahrheit zu reden. Abgesehen davon, daß mißverstandene Sentimentalität diese Dinge seelisch grausam finden könnte.

[ 24 ] Our times present us with these problems today. As human beings, we can no longer ignore these issues. They are not comfortable to deal with. For it has become comfortable to think differently about people—that is, not to think about them at all, to avoid engaging with them entirely. And it is not without risk in the present day—when so many individuals do not cherish a sense of truth—to speak about these matters in their full truth. Not to mention that misguided sentimentality might find these matters emotionally cruel.

[ 25 ] Aber dasjenige, was resultieren wird aus einer solchen Auffassung, ist eine gründliche Erkenntnis von der Notwendigkeit des ChristusImpulses. Man muß erkennen, wo überall der Christus-Impuls nicht da ist. Denn, wie wir gestern gezeigt haben, daß in der Mittelschichte des Bewußtseins der Christus-Impuls Platz greifen muß, so können wir heute hinzufügen: Wenn in der Mittelschichte des Bewußtseins dieser Christus-Impuls Platz greift, wenn der Mensch wirklich sich durchchristet, dann können diese ahrimanischen Kräfte durch die Mittelschichte nicht durch, nicht hinauf, und können mit ihren geistigen Kräften nicht herunterziehen die intellektuellen Kräfte. Darauf kommt alles an.

[ 25 ] But what will result from such a view is a profound understanding of the necessity of the Christ impulse. One must recognize where the Christ impulse is absent. For just as we showed yesterday that the Christ impulse must take hold in the middle layer of consciousness, so we can add today: If this Christ impulse takes hold in the middle layer of consciousness, if a person truly becomes Christ-imbued, then these Ahrimanic forces cannot pass through the middle layer, cannot ascend through it, and cannot use their spiritual forces to drag down the intellectual forces. That is what everything depends on.

[ 26 ] Es ist durchaus notwendig, daß man heute erkennt, wie ebenso wichtig, als manche Einflüsse, die nur in der Menschenwelt wurzeln, die Einflüsse sind, die uns von außermenschlichen, untermenschlichen Wesen kommen, auf die aber wiederum andere Wesen ihren Einfluß haben. Ich habe Ihnen vor acht Tagen vom Michael-Einfluß gesprochen. Ich habe Ihnen diesen Michael-Einfluß charakterisiert. Er ist ein sehr notwendiger. Denn ebenso wahr, als es ist, daß durch den MichaelEinfluß die luziferische Influenzierung der menschlichen Intelligenz gekommen ist, ebenso wahr ist es, daß jetzt der Gegenpol kommt, das Heraufsteigen gewisser ahrimanischer Wesenheiten. Und nur durch die fortgesetzte Tätigkeit des Michael wird der Mensch gewappnet sein gegen dasjenige, was da heraufsteigt. Es ist heute schon durchaus auch physiologisch gefährlich, bloß an der Naturnotwendigkeit zu hängen, an jener Art von Fatalismus, der sich in der Naturnotwendigkeit ausspricht. Denn dasErzogenwerden durch dieSchule und Erzogenwerden durch das Leben in den Vorstellungen, die bloß auf Naturnotwendigkeit, auf Allmacht der Naturnotwendigkeit fußen, das schwächt das menschliche Haupt, und die Menschen werden dadurch so stark passiv mit Bezug auf ihr Bewußtsein, daß andere Kräfte in dieses Bewußtsein herein können und daß jene Stärke eben ausbleibt, die notwendig ist, wenn der Christus-Impuls in seiner heutigen Gestalt herein will in die menschliche Seelenverfassung.

[ 26 ] It is absolutely necessary today to recognize that just as important as certain influences rooted solely in the human world are those influences that come to us from non-human, subhuman beings—upon whom, in turn, other beings exert their influence. Eight days ago, I spoke to you about the Michael influence. I described this Michael influence to you. It is a very necessary one. For just as it is true that the Luciferic influence on human intelligence came about through the Michael influence, so too is it true that the counterpole is now emerging—the rise of certain Ahrimanic beings. And only through Michael’s continued activity will human beings be equipped to withstand what is now rising. It is already quite dangerous today—even from a physiological standpoint—to cling solely to natural necessity, to that kind of fatalism that finds expression in natural necessity. For being educated by school and by life through concepts based solely on natural necessity—on the omnipotence of natural necessity—weakens the human mind, and people thereby become so passive in regard to their consciousness that other forces can enter into this consciousness, and that very strength is lacking which is necessary if the Christ impulse, in its present form, is to enter into the human soul’s constitution.

[ 27 ] Ich bin gewissermaßen verpflichtet, in dieser Zeit zu sprechen von dem, wovon ich heute begonnen habe zu sprechen — ich werde es morgen fortsetzen —, von dem Hereinwandern bestimmter ahrimanischer Wesenheiten, mit denen wir rechnen müssen. Von diesem Hereinwandern wissen die verschiedensten Menschen auf unserer Erde heute schon. Aber sie interpretieren es falsch. Sie interpretieren es aus dem Grunde falsch, weil sie ja von der wirklichen Trinität Christus-LuziferAhriman nichts wissen oder nichts wissen wollen, sondern Ahriman und Luzifer zusammenwerfen. Dann kann man nicht mehr unterscheiden, dann kann man den wahren Grundcharakter dieser ahrimanischen Wesenheiten, die jetzt heraufkommen, nicht mehr ordentlich erkennen. Nur wenn man das Ahrimanische rein herausarbeitet und seinen Gegensatz gegenüber dem Luziferischen kennt, dann weiß man, welcher Art die übersinnlichen Einflüsse sind, die, ich möchte sagen, als das Gegenstück des Sturzes des Drachens durch Michael jetzt heraufziehen. Es ist wie ein Heraufheben aus ahrimanischen Tiefen, wie ein Heraufheben von gewissen Wesenheiten. Und besondere Angriffspunkte in dem Menschen finden sich für diese Wesen, wenn die Menschen sich ungezügelten instinktiven Impulsen überlassen, nicht danach streben, sich über ihre Impulse klar zu werden.

[ 27 ] I am, so to speak, obliged to speak at this time about what I began to discuss today—I will continue tomorrow—namely, the influx of certain Ahrimanic beings that we must reckon with. A wide variety of people on our Earth are already aware of this influx today. But they misinterpret it. They misinterpret it because they know nothing—or want to know nothing—about the true Trinity of Christ-Lucifer-Ahriman, but instead lump Ahriman and Lucifer together. Then one can no longer distinguish between them; then one can no longer properly recognize the true fundamental character of these Ahrimanic beings that are now emerging. Only when one clearly distinguishes the Ahrimanic and understands its contrast to the Luciferic can one know the nature of the supersensible influences that—I would say—are now rising as the counterpart to Michael’s defeat of the dragon. It is like a rising from Ahrimanic depths, like the emergence of certain beings. And these beings find particular points of attack in human beings when people give in to unbridled instinctive impulses and do not strive to gain clarity about their impulses.

[ 28 ] Nun aber gibt es heute geradezu eine Methode, ich könnte auch sagen eine Antimethode, das Instinktive zu verhüllen, indem man gewissermaßen einen Begriff hinpfahlt und einen anderen darüberschiebt, so daß man das, was da ist, nicht in der richtigen Weise beurteilen kann. Denken Sie nur einmal an den Schlachtruf des Proletariats der neueren Zeit. Hinter diesem Schlachtruf stehen — ich habe ja das oft genug ausgeführt — sehr berechtigte Forderungen der Menschheit. Aber an diese Forderungen wird zunächst nicht appelliert. — In unserer Dreigliederungsidee wird zum erstenmal daran appelliert. — Appelliert wird an etwas wesentlich anderes: Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Was heißt das? Pflegt jenes Antigefühl gegen die anderen Klassen, das euch als Proletariern eigen ist, pflegt etwas, was dem Haß ähnlich ist, als einzelne Individuen, und vereinigt euch, das heißt liebet einander, vereinigt eure Haßgefühle, suchet die Liebe einer Klasse, suchet die Liebe der Genossen einer Klasse untereinander aus dem Haß heraus. Liebet einander aus Haß oder auf Grund des Hasses. — Da haben Sie zwei entgegengesetzte Polbegriffe hingepfahlt. Das macht die Auffassung des Menschen so nebulos, daß Instinkte zurückgedrängt werden und man nicht weiß, mit was man es in sich selbst zu tun hat. Es ist geradezu eine Art Antimethode, wenn ich mich des paradoxen Ausdrucks bedienen darf, vorhanden, um durch das gegenwärtige menschliche Denken zu verschleiern das Walten eines instinktiven Lebens, das besonders starke Angriffspunkte für die geschilderten ahrimanischen Wesenheiten gibt.

[ 28 ] But today there is, in fact, a method—I might even call it an “anti-method”—for obscuring the instinctive by, so to speak, driving one concept into the ground and sliding another over it, so that one cannot properly assess what is actually there. Just think for a moment of the battle cry of the proletariat in modern times. Behind this battle cry lie—as I have often enough explained—very legitimate demands of humanity. But these demands are not the ones being appealed to at first. — In our threefold social order, they are appealed to for the first time. — The appeal is to something fundamentally different: “Workers of the world, unite!” What does that mean? Cultivate that feeling of hostility toward the other classes that is characteristic of you as proletarians; cultivate something akin to hatred as individual human beings; and unite—that is, love one another; unite your feelings of hatred; seek the love of a class; seek the love of comrades within a class for one another out of hatred. Love one another out of hatred or on the basis of hatred. — You have set up two opposing polar concepts here. This makes the conception of the human being so nebulous that instincts are suppressed and one does not know what one is dealing with within oneself. It is, if I may use the paradoxical expression, a kind of “anti-method” designed to use current human thinking to veil the workings of an instinctive life that provides particularly strong points of attack for the Ahrimanic entities described.