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Michael's Message
The True Mysteries of Human Natur
GA 194

15 December 1919, Dornach

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Zwölfter Vortrag

Twelfth Lecture

[ 1 ] Die Aufgaben, welche der Menschheit in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft gestellt sind, sind einschneidende, bedeutsame, große. Und es handelt sich darum, daß in der Tat ein starker seelischer Mut aufgebracht werden muß, um etwas zur Bewältigung dieser Aufgaben zu tun. Wer heute diese Aufgaben sich besieht und einen wirklichen Einblick sich zu verschaffen sucht in dasjenige, was der Menschheit not tut, der muß oftmals denken an die oberflächliche Leichtigkeit, mit der heute die öffentlichen, die sogenannten öffentlichen Angelegenheiten genommen werden. Man möchte sagen, die Menschen politisieren heute ins Blaue hinein. Aus ein paar Emotionen heraus, aus ein paar ganz egoistischen oder volksegoistischen Gesichtspunkten heraus bilden sich die Menschen ihre Anschauung über das Leben, während es dem Ernste der Gegenwart angemessen wäre, eine gewisse Sehnsucht danach zu haben, die tatsächlichen Untergründe für ein gesundes Urteil wirklich zu gewinnen. Ich habe im Laufe der letzten Monate und auch Jahre hier über die verschiedensten Gegenstände, auch der Zeitgeschichte und der Zeitforderungen Vorträge gehalten und Betrachtungen angestellt, immer zu dem Ziel, Tatsachen zu liefern, welche den Menschen in den Stand setzen können, sich ein Urteil zu bilden, nicht um das Urteil vor Sie fertig hinzustellen. Die Sehnsucht, die Tatsachen des Lebens kennenzulernen, gründlicher und immer gründlicher kennenzulernen, um eine wirkliche Unterlage für ein Urteil zu haben, darauf kommt es heute an. Ich muß dieses insbesondere deshalb sagen, weil die verschiedenen Äußerungen, die verschiedenen schriftstellerischen Darlegungen, die ich getan habe mit Bezug auf die sogenannte soziale Frage und mit Bezug auf die Dreigliederung des sozialen Organismus, wirklich, wie man deutlich sehen kann, viel zu leicht genommen werden, weil diesen Dingen gegenüber viel zu wenig die Fragen gestellt werden nach den schwerwiegenden tatsächlichen Grundlagen. Die Menschen der Gegenwart kommen so schwer zu diesen tatsächlichen Grundlagen, weil sie, trotzdem sie das nicht wahr haben wollen, eigentlich auf allen Gebieten des Lebens Theoretiker sind. Diejenigen, die sich heute am meisten einbilden, Praktiker zu sein, die sind die stärksten Theoretiker, aus dem Grund, weil sie sich gemeiniglich damit begnügen, ein paar Vorstellungen, wenige Vorstellungen über das Leben sich zu bilden und von diesen wenigen Vorstellungen über das Leben dieses Leben beurteilen wollen, während es heute nur einem wirklichen, universellen und umfassenden Eingehen auf das Leben möglich ist, ein sachgemäßes Urteil über dasjenige zu gewinnen, was notwendig ist. Man kann sagen, in gewissem Sinne ist es heute eine wenigstens intellektuelle Frivolität, wenn man ohne sachgemäße Grundlagen ins Blaue hinein politisiert oder lebensanschaulich phantasiert. Den Lebensernst möchte man auf dem Grunde der Seelen heute wünschen.

[ 1 ] The tasks facing humanity in the present and in the near future are far-reaching, significant, and immense. And the fact is that it truly requires great spiritual courage to do anything to meet these challenges. Anyone who looks at these challenges today and seeks to gain a true insight into what humanity needs must often reflect on the superficial lightness with which public—or so-called public—affairs are treated today. One might say that people today engage in politics without any real basis. People form their views on life based on a few emotions, on a few entirely selfish or nationalistically selfish perspectives, whereas the gravity of the present moment would call for a certain longing to truly grasp the actual foundations for sound judgment. Over the course of the last few months and even years, I have given lectures and offered reflections here on a wide variety of subjects, including contemporary history and the demands of our time, always with the aim of providing facts that can enable people to form their own judgments—not to present a ready-made judgment to you. The longing to get to know the facts of life—to know them more thoroughly and ever more thoroughly—in order to have a genuine foundation for judgment: that is what matters today. I must say this in particular because the various statements and written expositions I have made regarding the so-called social question and the threefold social order are, as one can clearly see, taken far too lightly; far too few questions are asked about the serious factual foundations underlying these matters. People today find it so difficult to get to these factual foundations because, even though they do not want to admit it, they are actually theorists in all areas of life. Those who imagine themselves to be to be practitioners are the strongest theorists, for the reason that they generally content themselves with forming a few ideas—very few ideas—about life and seek to judge life based on these few ideas, whereas today only a genuine, universal, and comprehensive engagement with life makes it possible to arrive at a proper judgment of what is necessary. One might say that, in a certain sense, it is today at least an intellectual frivolity to engage in politics or to fantasize about one’s outlook on life without a proper foundation. One would wish for a sense of the seriousness of life to reside at the very core of people’s souls today.

[ 2 ] Wenn gewissermaßen wie die andere Seite, auch die praktische Seite unseres geisteswissenschaftlichen Strebens in der neuesten Zeit vor die Welt hingestellt ist, die Dreigliederung des sozialen Organismus, so ist es so, daß schon der ganzen Art des Denkens und Vorstellens, die da waltet in der Ausarbeitung dieses dreigliedrigen sozialen Organismus, heute Vorurteile und namentlich Vorempfindungen entgegengebracht werden. Diese Vorurteile, namentlich Vorempfindungen, woher stammen sie? Ja, der Mensch bildet sich heute Vorstellungen über dasjenige, was die Wahrheit ist — ich rede jetzt immer vom sozialen Leben —, er bildet sich Vorstellungen von dem, was das Gute, was das Rechte ist, was das Nützliche ist und so weiter. Und wenn er sich dann gewisse Vorstellungen gebildet hat, dann ist er der Meinung, diese Vorstellungen haben nun ganz absolute Geltung für überall und für immer. Zum Beispiel, nehmen wir einen sozialistisch orientierten Menschen West- oder Mittel- oder Osteuropas. Er hat ganz bestimmte sozialistisch formulierte Ideale. Aber was hat er diesen sozialistisch formulierten Idealen gegenüber gewissermaßen für Untergrund vorstellungen? Er hat die Untergrundvorstellung: dasjenige, wovon er sich vorstellen muß, daß es ihn befriedigt, das müsse nun alle Menschen über die ganze Erde hin befriedigen, und das müsse gelten ohne Ende für das gesamte zukünftige Erdendasein. Daß alles dasjenige, was als Gedanke für das soziale Leben gelten soll, herausgeboren sein muß aus dem Grundcharakter der Zeit und des Ortes, dafür hat man heute wenig Empfindung. Daher kommt man auch nicht leicht darauf, wie notwendig es ist, daß, mit verschiedenen Nuancen, unserer heutigen europäischen Kultur mit ihrem amerikanischen Anhange die Dreigliederung des sozialen Organismus eingefügt werde. Wird sie eingefügt, so wird schon von selbst die Nuancierung in bezug auf den Raum, das heißt auf die verschiedenen Gebiete der Erdenvölker eintreten. Und außerdem: Nach derjenigen Zeit, nach welcher, der Menschheitsevolution wegen, die heute in den «Kernpunkten der sozialen Frage» von mir erwähnten Ideen und Gedanken nicht mehr gelten können, müssen eben andere wieder gefunden werden.

[ 2 ] If, so to speak, the other side—the practical side—of our recent spiritual scientific endeavors has been presented to the world in the form of the threefold social order, it is true that the very nature of the thinking and imagination that governs the development of this threefold social order is today met with prejudices and, in particular, preconceptions. Where do these prejudices—especially these preconceived notions—come from? Indeed, people today form ideas about what the truth is—I am speaking here always of social life—they form ideas about what is good, what is right, what is useful, and so on. And once they have formed certain ideas, they believe these ideas now hold absolute validity everywhere and forever. For example, let’s take a person of socialist orientation in Western, Central, or Eastern Europe. They have very specific, socialist-formulated ideals. But what, so to speak, are the underlying assumptions he holds regarding these socialist ideals? He has the underlying assumption that whatever he imagines will satisfy him must also satisfy all people across the entire earth, and that this must apply without end to all future human existence on earth. There is little appreciation today for the fact that everything intended to serve as a guiding principle for social life must spring from the fundamental character of the time and place. Consequently, it is not easily recognized how necessary it is that the threefold social order be integrated—with various nuances—into our present-day European culture and its American offshoot. If it is incorporated, the necessary nuances with regard to space—that is, to the various regions of the peoples of the Earth—will arise of their own accord. Furthermore: After the time has come when, due to the evolution of humanity, the ideas and thoughts I have mentioned today in The Key Points of the Social Question can no longer apply, new ones will simply have to be found.

[ 3 ] Es handelt sich nicht um absolute Gedanken, sondern es handelt sich um Gedanken für die Gegenwart und für die nächste Menschheitszukunft. Aber um das in seiner vollen Tragweite einzusehen, wie notwendig diese Dreigliederung des sozialen Organismus in ein selbständiges Geistesleben, in ein selbständiges Rechts- und Staatsleben, in ein selbständiges Wirtschaftsleben ist, muß man einmal einen unbefangenen Blick werfen auf die Art, wie in unserer europäisch-amerikanischen Zivilisation zustandegekommen ist das Ineinanderwirken von Geist, Staat und Wirtschaft. Dieses Ineinanderwirken der Fäden, des Geistesfadens, des Rechts- oder Staatsfadens und des Wirtschaftsfadens ist keineswegs etwas Leichtes. Unsere Kultur, unsere Zivilisation ist ein Knäuel, was aufgewickelt etwas ist, worinnen drei Fäden verwickelt sind, die ganz verschiedenen Ursprungs sind. Unser Geistesleben ist wesentlich anderen Ursprunges als unser Rechts- oder Staatsleben und wiederum ganz anderen Ursprunges als unser Wirtschaftsleben. Und diese drei Strömungen mit verschiedenem Ursprunge, sie sind chaotisch miteinander verwickelt. Ich kann heute natürlich nur skizzenhaft darstellen, weil ich in der Kürze — ich möchte sagen bis zum Urquell diese drei Strömungen verfolgen werde.

[ 3 ] These are not absolute ideas, but rather ideas for the present and for humanity’s immediate future. But to fully grasp the significance of how necessary this threefold division of the social organism—into an independent spiritual life, an independent legal and political life, and an independent economic life—is, one must take an unbiased look at the way in which the interplay of spirit, state, and economy has come about in our European-American civilization. This interplay of threads—the spiritual thread, the legal or political thread, and the economic thread—is by no means a simple matter. Our culture, our civilization, is a tangled ball of thread; when unravelled, it reveals three threads of entirely different origins. Our spiritual life has a fundamentally different origin than our legal or political life, and in turn, a completely different origin than our economic life. And these three currents, with their different origins, are chaotically intertwined. Of course, I can only sketch this out today, because in this brief presentation—I would like to say—I will trace these three currents back to their very source.

[ 4 ] Unser Geistesleben, wie es sich zunächst darbietet für den, der die Dinge äußerlich wirklich nimmt, sinnenfällig wirklich nimmt, es wird dadurch von den Menschen angeeignet, daß die Menschen auf sich wirken lassen jene Fortsetzung des alten griechischen und lateinischen Kulturlebens, des griechisch-lateinischen Geisteslebens, wie es zunächst geflossen ist durch das, was dann später unsere Gymnasien geworden sind, durch das, was unsere Universitäten geworden sind. Denn unsere übrige sogenannte humanistische Bildung bis in die Volksschule herunter ist ja ganz abhängig von dem, was als eine Strömung, sagen wir, hereinfließt (es wird gezeichnet, gelb, siehe Seite 229) zunächst vom griechischen Elemente. Denn das, was wir als Geistesleben haben, als unser europäisches Geistesleben, ist zunächst doch griechischen Ursprungs, durch das Lateinische nur hindurchgegangen. Das Lateinische ist eine Durchgangsstation. Allerdings hat sich in der neuesten Zeit mit diesem von Griechenland her stammenden Geistesleben anderes vermischt, welches aus dem stammt, was wir die Technik der verschiedensten Gebiete nennen, die dem Griechen noch nicht zugänglich war: die Technik des mechanischen Wesens, die Technik des kaufmännischen Wesens und so weiter. Ich könnte sagen: Zu unseren Universitäten sind die technischen Hochschulen, die kommerziellen Hochschulen und so weiter getreten, die ein neuzeitlicheres Element hinzubringen zu dem, was durch unsere humanistischen, auf das Griechentum zurückgehenden Schulen in unsere Seelen hineinfließt; nicht etwa bloß in die Seelen irgendeiner sogenannten gebildeten Klasse hineinfließt, denn dasjenige, was heute sozialistische "Theorien sind, was in den Köpfen auch der Proletarier spukt, es ist nur eine Ableitung desjenigen, was vom griechischen Geistesleben eigentlich herstammt. Es ist nur durch verschiedene Metamorphosen durchgegangen. Dieses Geistesleben geht aber seinem weiteren Ursprunge nach durchaus zurück bis in den Orient hinein. Und dasjenige, was wir finden bei Plato, was wir finden bei Heraklit, bei Pythagoras, bei Empedokles, namentlich bei Anaxagoras, das alles geht zurück nach dem Orient. Dasjenige, was wir bei Äschylos, bei Sophokles, bei Euripides finden, es geht zurück nach dem Orient, was wir bei Phidias finden, es geht zurück nach dem Orient. Die griechische Kultur geht durchaus zurück nach dem Orient. Sie hat eine bedeutende Wandlung durchgemacht auf dem Wege vom Orient nach Griechenland. Im Orient drüben war diese Geisteskultur wesentlich spiritueller, als sie im alten Griechenland war, und sie war im Oriente ein Ausfluß desjenigen, was man nennen kann: die Mysterien des Geistes, ich kann auch sagen die Mysterien des Lichtes (es wird wieder gezeichnet, siehe Seite 229). Schon ein filtriertes, ein verdünntes Geistesleben war das griechische gegenüber jenem Geistesleben, von dem es seinen Ursprung genommen hat, dem orientalischen Geistesleben. Dieses beruhte auf ganz besonderen geistigen Erfahrungen. Wenn ich Ihnen diese geistigen Erfahrungen beschreiben soll, so müßte ich sie Ihnen in der folgenden Weise charakterisieren.

[ 4 ] Our spiritual life, as it first presents itself to those who take things as they are on the surface—as objectively real, as perceptibly real— is appropriated by people in that they allow themselves to be influenced by that continuation of the ancient Greek and Latin cultural life—the Greek-Latin spiritual life—as it initially flowed through what later became our high schools and through what became our universities. For the rest of our so-called humanistic education, all the way down to elementary school, is entirely dependent on what flows in—let us say—as a current (it is marked in yellow; see page 229), primarily from the Greek element. For what we have as spiritual life—our European spiritual life—is, after all, of Greek origin, having merely passed through Latin. Latin is a waystation. However, in recent times, this spiritual life originating in Greece has become mixed with other elements stemming from what we call the technology of various fields that were not yet accessible to the Greeks: the technology of the mechanical realm, the technology of the commercial realm, and so on. I could say: Technical universities, business schools, and so on have joined our universities, bringing a more modern element to what flows into our souls through our humanistic schools, which trace their roots back to Greek culture; it does not merely flow into the souls of some so-called educated class, for what are today’s socialist “theories”—what haunts even the minds of the proletariat—is merely a derivation of that which actually stems from Greek spiritual life. It has merely undergone various metamorphoses. But this spiritual life, tracing its further origins, goes all the way back to the Orient. And what we find in Plato, what we find in Heraclitus, in Pythagoras, in Empedocles, and especially in Anaxagoras—all of that goes back to the Orient. What we find in Aeschylus, Sophocles, and Euripides goes back to the Orient; what we find in Phidias goes back to the Orient. Greek culture definitely traces its roots back to the Orient. It underwent a significant transformation on its journey from the Orient to Greece. Over in the East, this spiritual culture was far more spiritual than it was in ancient Greece, and in the East it was an outflow of what one might call the mysteries of the spirit—or, I might also say, the mysteries of light (this is illustrated again; see page 229). Greek spiritual life was already a filtered, diluted form of the spiritual life from which it originated—the Eastern spiritual life. The latter was based on very special spiritual experiences. If I were to describe these spiritual experiences to you, I would have to characterize them in the following way.

[ 5 ] Natürlich müssen wir in vorhistorische Zeiten zurückgehen, denn die Mysterien des Lichtes oder die Mysterien des Geistes sind durchaus vorhistorische Erscheinungen. Wenn ich Ihnen darstellen soll den Charakter dieses Geisteslebens, wie es sich gebildet hat, so muß ich das Folgende sagen. Wir wissen ja, wenn wir sehr weit zurückgehen in der Menschheitsevolution, so finden wir immer mehr und mehr, daß die Menschen der alten Zeiten ein atavistisches Hellsehen, ein träumerisches Hellsehen hatten, durch das sich ihnen die Geheimnisse des Weltenalls enthüllten. Und wir sprechen durchaus richtig, wenn wir sagen, daß über die ganze, im dritten, vierten, fünften, sechsten, siebenten Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha zivilisierte asiatische Erde Menschen wohnten, denen sich für ihr durchaus naturgebundenes, an das Blut, an die leibliche Organisation gebundenes Hellsehen geistige Wahrheiten offenbarten. Das war gewissermaßen die im weiten Umkreis verbreitete Bevölkerung. Aber dieses atavistische Hellsehen, es war in absteigender Entwickelung, es kam immer mehr und mehr in die Dekadenz. Und dieses In-die-Dekadenz-Kommen des atavistischen Hellsehens ist nicht bloß eine kulturhistorische Erscheinung, es ist zugleich eine Erscheinung des sozialen Lebens der Menschheit.

[ 5 ] Of course, we must go back to prehistoric times, for the mysteries of light—or the mysteries of the spirit—are thoroughly prehistoric phenomena. If I am to describe to you the nature of this spiritual life and how it developed, I must say the following. We know, after all, that when we go very far back in human evolution, we find more and more that the people of ancient times possessed an atavistic clairvoyance, a dreamlike clairvoyance, through which the mysteries of the universe were revealed to them. And we are quite correct in saying that throughout the third, fourth, fifth, sixth, and seventh millennia before the Mystery of Golgotha, the civilized regions of Asia were inhabited by people to whom spiritual truths were revealed through their clairvoyance—a clairvoyance that was entirely bound to nature, to the blood, and to the physical constitution. This was, so to speak, the population spread over a wide area. But this atavistic clairvoyance was in a state of decline; it fell more and more into decadence. And this decline of atavistic clairvoyance is not merely a cultural-historical phenomenon; it is at the same time a phenomenon of the social life of humanity.

[ 6 ] Warum? Weil aus dieser weiten Masse der Erdenbevölkerung von verschiedenen Zentren her, hauptsächlich aber von einem Zentrum in Asien, gewissermaßen aufstand eine besondere Art von Menschen, eine Art von Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Diese Menschen hatten außer dem atavistischen Hellsehen, das ihnen in einer gewissen Beziehung noch geblieben war — es stieg noch aus ihrem inneren Seelenleben traumhaftes Erfassen der Geheimnisse der Welt auf —, außer diesem traumhaften Erfassen der Welt hatten sie aber noch dasjenige — und zwar als erste Menschen der Menschheitsentwickelung —, was wir die Denkkraft nennen. Sie hatten zuerst die aufdämmernde Intelligenz.

[ 6 ] Why? Because from this vast mass of the Earth’s population, originating from various centers—but mainly from one center in Asia—a special kind of people emerged, so to speak: a kind of people with special abilities. In addition to the atavistic clairvoyance that had, in a certain sense, remained with them—a dreamlike perception of the world’s mysteries still arose from their inner soul life—they also possessed, as the first human beings in the course of human evolution, what we call the power of thought. They were the first to possess the dawning intelligence.

[ 7 ] Das war eine bedeutsame soziale Erscheinung, daß jene alten Menschen, die nichts hatten als die traumhaft aufsteigenden Schauungen über die Geheimnisse der Welt, Einwanderer in ihre Territorien kommen sahen, die sie noch verstehen konnten, weil die auch Schauungen hatten, die aber etwas schon hatten, was sie selbst nicht hatten: die Denkkraft. Das war eine besondere Menschensorte. Die Inder sahen diejenige Kaste, die sie als die Brahmanen-Kaste bezeichneten, als die Nachkommen dieser Menschen an, die mit dem atavistischen Hellsehen die Denkkraft verbanden. Und als sie in die südlichen Gegenden von den höhergelegenen nördlichen Gegenden Asiens hinunterstiegen, da machte sich für sie geltend der Name Arier. Das ist die arische Bevölkerung. Ihr Urkennzeichen ist dieses, daß sie — wenn ich mich jetzt des späteren Ausdrucks bedienen darf — mit den plebejischen Fähigkeiten des atavistischen Hellsehens die Denkkraft verbanden.

[ 7 ] It was a significant social phenomenon that those ancient people, who had nothing but dreamlike visions of the world’s mysteries, saw immigrants arriving in their territories whom they could still understand—because those immigrants, too, had visions—but who already possessed something they themselves lacked: the power of thought. This was a special kind of people. The Indians regarded the caste they called the Brahmin caste as the descendants of these people, who combined atavistic clairvoyance with the power of thought. And as they descended from the higher northern regions of Asia into the southern regions, the name “Aryans” came to be applied to them. This is the Aryan population. Their defining characteristic is that they—if I may now use the later term—combined the plebeian abilities of atavistic clairvoyance with the power of thought.

[ 8 ] Und diejenigen Mysterien, die man die Mysterien des Geistes oder namentlich die Mysterien des Lichtes nennt, wurden begründet von solchen Menschen, die das atavistische Hellsehen mit dem ersten Aufflammen der Intelligenz, dem inneren Lichte des Menschen verbanden. Und eine Dependenz desjenigen, was dazumal als ein erleuchtender Funke in die Menschheit kam, ist unsere Geistesbildung, aber eben durchaus eine Dependenz.

[ 8 ] And those mysteries that are called the mysteries of the spirit—or, more specifically, the mysteries of light—were founded by people who linked atavistic clairvoyance with the first spark of intelligence, the inner light of the human being. And our spiritual development is a consequence of what came into humanity at that time as an illuminating spark—but it is indeed nothing more than a consequence.

[ 9 ] Es hat sich in der Menschheit manches erhalten von dem, was da geoffenbart worden war. Aber man muß bedenken, daß schon die Griechen, gerade die gebildeteren Persönlichkeiten unter den Griechen, die alte atavistische Hellsehergabe hatten verglimmen, verlöschen sehen, und daß ihnen geblieben war die Denkkraft. Bei den Römern ist nur die Denkkraft geblieben. Bei den Griechen war noch das Bewußtsein vorhanden, daß auch die Denkkraft aus denselben Quellen heraufkommt, aus denen das alte atavistische Hellsehen kam. Daher sprach Sokrates noch durchaus etwas aus, was er als Erlebnis kannte, wenn er von seinem Dämon sprach, der ihm seine ja allerdings nur dialektischen, intelligenten Wahrheiten eingab.

[ 9 ] Much of what had been revealed has been preserved among humankind. But one must bear in mind that even the Greeks—especially the more educated among them—saw the ancient, atavistic gift of clairvoyance fade and die out, and that what remained to them was the power of thought. Among the Romans, only the power of thought remained. Among the Greeks, there was still an awareness that the power of thought, too, sprang from the same sources as the ancient atavistic clairvoyance. That is why Socrates still spoke of something he knew from personal experience when he spoke of his daemon, who inspired him with his truths—which were, admittedly, only dialectical and intellectual.

[ 10 ] Die Griechen haben auch künstlerisch bedeutsam hingestellt das Herausragen des Intelligenzmenschen, besser gesagt, das Herauswachsen des Intelligenzmenschen aus der anderen Menschheit: Denn die Griechen haben in ihrer Plastik — man studiere sie nur genau — drei stark voneinander verschiedene Typen. Sie haben den arischen Typus, den der Apollo-Kopf hat, der Pallas-Athene-Kopf, der Zeus-Kopf, der Hera-Kopf. Vergleichen Sie die Ohren des Apollo mit den Ohren eines Merkur-Kopfes, die Nase des Apollo mit der Nase eines MerkurKopfes, da werden Sie sehen, welch anderer Typus das ist. Der Grieche wollte hinweisen, wie im Merkur-Typus zusammengeflossen ist im Griechentum mit der Intelligenz dasjenige, was altes, vergangenes Hellsehen war, das noch als Aberglaube fortlebte, das niedere Bildung war, wie dieses auf dem Grunde der Kultur da war, und wie hinausragte der Arier, dessen künstlerische Repräsentanz der Zeus-Kopf, Pallas-AtheneKopf und so weiter war. Und die ganz unten stehenden, mit den trüben Überresten des alten Hellsehertums vorhandenen Rassen, die auch noch in Griechenland lebten, aber namentlich an der Peripherie von Griechenland von den Griechen wahrgenommen wurden, sind wiederum in einem anderen Typus plastisch erhalten: in dem Satyr-Typus, der wieder ganz anders ist als der Merkur-Typus. Vergleichen Sie die SatyrNase mit der Merkur-Nase, die Satyr-Ohren mit den Merkur-Ohren und so weiter. Der Grieche hat in seiner Kunst zusammenfließen lassen dasjenige, was er in seinem Bewußtsein über sein Werden trug.

[ 10 ] The Greeks also artistically emphasized the prominence of the intellectual—or, more precisely, the intellectual’s rise above the rest of humanity: For in their sculpture—one need only study it closely—the Greeks present three types that are markedly distinct from one another. They have the Aryan type, as seen in the head of Apollo, the head of Pallas Athena, the head of Zeus, and the head of Hera. Compare the ears of Apollo with those of a Mercury head, the nose of Apollo with that of a Mercury head, and you will see what a different type this is. The Greeks wanted to point out how, in the Mercury type, what had been ancient, bygone clairvoyance—which still lingered as superstition and constituted a lower form of culture—had merged with intelligence in Greek civilization, how this lay at the foundation of their culture, and how the Aryan stood out, whose artistic representation was the head of Zeus, the head of Pallas Athena, and so on. And the races at the very bottom, still clinging to the murky remnants of ancient clairvoyance—races that also lived in Greece but were perceived by the Greeks especially on the periphery of Greece—are in turn vividly preserved in yet another type: the satyr type, which is again quite different from the Mercury type. Compare the satyr’s nose with Mercury’s nose, the satyr’s ears with Mercury’s ears, and so on. In his art, the Greek brought together what he carried in his consciousness regarding his own becoming.

[ 11 ] Das, was dadurch die Mysterien des Geistes oder des Lichtes in allmählicher Filtrierung durch Griechenland dann auf die Neuzeit heraufkam, das hatte aber eine gewisse Eigentümlichkeit als Geisteskultur. Es war als Geisteskultur mit solcher inneren Stoßkraft versehen, daß es aus sich heraus zu gleicher Zeit das Rechtsleben der Menschen begründen konnte. Daher auf der einen Seite die Offenbarung der Götter in den Mysterien, die dem Menschen den Geist bringen, und die Einpflanzung dieses von den Göttern erworbenen Geistes in den äußeren sozialen Organismus, in die Theokratien. Alles geht zurück auf die Theokratien. Und diese Theokratien waren nicht nur imstande, aus dem Mysterienwesen selbst heraus sich mit dem Rechte zu durchdringen, mit dem politischen Wesen zu durchdringen, sondern auch das Wirtschaftsleben zu regeln aus dem Geiste heraus. Die Mysterienpriester der Mysterien des Lichtes waren zu gleicher Zeit die ökonomischen, die wirtschaftlichen Verwalter ihrer Gebiete. Sie wirtschafteten nach den Regeln der Mysterien. Sie bauten die Häuser, sie bauten die Kanäle, sie bauten die Brücken, sie sorgten auch für das Bebauen des Bodens und so weiter.

[ 11 ] What thus emerged—the mysteries of the Spirit or of Light, gradually filtered through Greece and then into the modern era—possessed, however, a certain distinctiveness as a spiritual culture. As a spiritual culture, it possessed such inner momentum that it was able, of its own accord, to establish the legal life of humankind at the same time. Hence, on the one hand, the revelation of the gods in the mysteries, which bring the spirit to humankind, and the implantation of this spirit—acquired from the gods—into the external social organism, into the theocracies. Everything goes back to the theocracies. And these theocracies were not only able, out of the very essence of the mysteries themselves, to permeate the legal system and the political order, but also to regulate economic life from within the spirit. The priests of the Mysteries of Light were at the same time the economic administrators of their territories. They managed their affairs according to the rules of the Mysteries. They built the houses, they built the canals, they built the bridges, they also ensured the cultivation of the land, and so on.

[ 12 ] Das war in der Urzeit eine Kultur durchaus aus dem Geistesleben heraus. Aber diese Kultur verabstrahierte. Aus geistigem Leben wurde sie immer mehr und mehr eine Summe von Ideen. Im Mittelalter ist sie schon Theologie, das heißt, eine Summe von Begriffen, statt des alten geistigen Lebens, oder sie ist angewiesen darauf, weil man mit dem geistigen Leben nicht mehr zusammenhing, abstrakt gehalten zu werden, kurial gehalten zu werden. Denn wenn wir nach den alten Theokratien zurückblicken, da finden wir, daß derjenige, der da herrscht, von den Göttern in den Mysterien dazu seinen Auftrag erhalten hat. Die letzte Dependenz ist der abendländische Herrscher. Man sieht ihm gar nicht mehr an, daß er die letzte Dependenz des aus den Mysterien von den Göttern mit seinem Auftrage hervorgegangenen Beherrschers der Theokratie ist. Alles, was geblieben ist, ist Krone und Krönungsmantel. Das sind die äußeren Insignien, die nun später mehr Orden wurden. Den Titeln merkt man manchmal noch an, wenn man solche Dinge versteht, wie sie zurückgehen auf die Mysterienzeit. Aber alles ist veräußerlicht.

[ 12 ] In prehistoric times, this was a culture that sprang entirely from spiritual life. But this culture became increasingly abstract. It transformed from spiritual life into more and more of a collection of ideas. By the Middle Ages, it had already become theology—that is, a collection of concepts—in place of the old spiritual life; or, because it was no longer connected to spiritual life, it was compelled to remain abstract and bureaucratic. For when we look back at the ancient theocracies, we find that the ruler received his mandate from the gods through the mysteries. The final link in this chain is the Western ruler. One can no longer tell by looking at him that he is the final link in the chain of the theocratic ruler who emerged from the mysteries with his mandate from the gods. All that remains is the crown and the coronation mantle. These are the outward insignia that later evolved into orders of knighthood. If one understands such matters, one can sometimes still tell from the titles how they trace back to the age of the Mysteries. But everything has become externalized.

[ 13 ] Kaum weniger veräußerlicht ist dasjenige, was durch unsere Gymnasien und Universitäten wallt als Geisteskultur, als letzter Nachklang der göttlichen Botschaften der Mysterien. Es ist das Geistesleben in unser Leben eingeflossen, aber es ist ganz abstrakt geworden, es ist bloßes Vorstellungsleben geworden. Es ist das geworden, wovon endlich die sozialistisch orientierten Kreise sagen: es ist eine Ideologie geworden, das heißt, eine Summe von Gedanken, die nur Gedanken sind. Zu dem ist wirklich unser Geistesleben geworden.

[ 13 ] What flows through our high schools and universities as spiritual culture—as the final echo of the divine messages of the mysteries—is hardly any less alienated. Spiritual life has flowed into our lives, but it has become entirely abstract; it has become a mere life of the imagination. It has become what socialist-oriented circles ultimately call an ideology—that is, a collection of thoughts that are nothing more than thoughts. This is truly what our spiritual life has become.

[ 14 ] Unter diesem Geistesleben hat sich dasjenige heranentwickelt, was das heutige soziale Chaos ist, weil das Geistesleben, das so filtriert ist, das so verabstrahiert ist, alle Stoßkraft verloren hat. Und wir sind darauf angewiesen, das Geistesleben wiederum auf seine eigenen Grundlagen zu stellen, denn nur so kann es gedeihen. Wir müssen wiederum von dem bloß gedachten Geist zu dem schaffenden Geist den Weg finden. Das können wir nur, wenn wir aus dem staatlichen Geistesleben heraus das freie Geistesleben zu entwickeln suchen, das dann auch die Kraft haben wird, wiederum zum Leben eben zu erwachen. Denn weder ein von der Kirche gegängeltes, noch ein vom Staate bewahrtes und beschütztes Geistesleben, noch ein unter der Last des Wirtschaftens keuchendes Geistesleben kann für die Menschheit fruchtbar sein, sondern nur das auf sich selbst gestellte Geistesleben.

[ 14 ] It is within this spiritual life that what we now call social chaos has developed, because a spiritual life that has been so filtered and so abstracted has lost all its driving force. And we must restore the spiritual life to its own foundations, for only in this way can it flourish. We must once again find our way from the purely conceptual spirit to the creative spirit. We can do this only if we seek to develop a free spiritual life out of the state-controlled spiritual life—a life that will then have the power to awaken to life once more. For neither a spiritual life constrained by the church, nor one preserved and protected by the state, nor a spiritual life gasping under the burden of economic activity can be fruitful for humanity—only a spiritual life that stands on its own.

[ 15 ] Ja, heute ist es an der Zeit, daß wir den Mut in unseren Seelen aufbringen, frank und frei vor der Welt zu vertreten, daß das Geistesleben auf seinen eigenen Boden gestellt werden müsse. Viele Menschen fragen heute: Was sollen wir denn tun? Das Nächste, worauf es ankommt, das ist, daß wir die Menschen aufklären über das, was notwendig ist. Daß wir möglichst viele Menschen gewinnen, die einsehen, wie notwendig es ist, zum Beispiel das Geistesleben auf seinen eigenen Boden zu stellen, daß wir möglichst viele Menschen gewinnen, die es einsehen, daß dasjenige, was Pädagogik des 19. Jahrhunderts für Volks-, Mittel- und Hochschulen geworden ist, nicht weiter der Menschheit zum Heil gereichen kann, sondern daß neu gebaut werden müsse aus einem freien Geistesleben heraus. Es ist noch wenig der Mut in den Seelen vorhanden, wirklich in radikaler Weise diese Forderung zu stellen. Und man kann sie ja nur stellen, wenn man dahin arbeiter, daß möglichst viele Menschen die Einsicht in diese Verhältnisse gewinnen. Alle andere soziale Arbeit ist heute provisorisch. Das ist dasjenige, was das Wichtigste ist: zu sehen, zu arbeiten, daß immer mehr und mehr Menschen die Einsicht in die sozialen Notwendigkeiten, von denen die eben charakterisierte eine ist, gewinnen können. Aufklärung über diese Dinge verschaffen mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, das ist es, worauf es heute ankommt.

[ 15 ] Yes, today is the time for us to summon the courage within our souls to declare openly and freely before the world that spiritual life must be grounded in its own foundation. Many people ask today: What are we to do? The next crucial step is for us to enlighten people about what is necessary. That we win over as many people as possible who recognize how necessary it is, for example, to place spiritual life on its own foundation; that we win over as many people as possible who recognize that what 19th-century pedagogy has become for elementary, secondary, and higher education can no longer serve humanity’s good, but that a new foundation must be built out of a free spiritual life. There is still little courage in people’s souls to truly make this demand in a radical way. And one can only make it if one works toward ensuring that as many people as possible gain an understanding of these circumstances. All other social work today is provisional. This is what matters most: to see to it and to work toward ensuring that more and more people can gain an understanding of social necessities—of which the one just described is one example. Providing enlightenment about these matters by all means at our disposal—that is what matters today.

[ 16 ] Wir sind noch nicht produktiv geworden in bezug auf das Geistesleben, und wir werden erst produktiv werden in bezug auf das Geistesleben. Ansätze dazu sind vorhanden, ich werde gleich davon sprechen, aber wir sind noch nicht produktiv geworden in bezug auf das Geistesleben. Wir müssen produktiv werden durch die Verselbständigung des Geisteslebens.

[ 16 ] We have not yet become productive in terms of spiritual life, and we will only become productive in terms of spiritual life. There are signs of this, which I will discuss shortly, but we have not yet become productive in terms of spiritual life. We must become productive by making our spiritual life independent.

[ 17 ] Alles was auf der Erde entsteht, läßt Reste zurück. Die Mysterien des Lichtes sind in der heutigen orientalischen Kultur, im orientalischen Geistesleben weniger filtriert als im Abendlande, aber doch durchaus nicht mehr in der Gestalt, in der sie damals waren in der Zeit, die ich geschildert habe. Doch kann man, wenn man das studiert, was die Hindus heute noch haben, was die orientalischen Buddhisten haben, viel eher den Nachklang desjenigen vernehmen, wovon wir selber unser Geistesleben haben, nur ist es auf einer anderen Altersstufe in Asien stehengeblieben. Aber wir sind unproduktiv, wir sind in hohem Grade unproduktiv. Als sich im Abendlande dieKunde von dem Mysterium von Golgatha verbreitet hat — woher nahmen die griechischen, die lateinischen Gelehrten die Begriffe, um das Mysterium von Golgatha zu begreifen? Sie nahmen sie aus der orientalischen Weisheit. Das Abendland hat das Christentum nicht hervorgebracht, es ist aus dem Orient entnommen.

[ 17 ] Everything that comes into being on Earth leaves traces behind. The mysteries of light are less filtered in today’s Eastern culture and in Eastern spiritual life than in the West, but they are by no means still in the form they took back then, during the period I have described. Yet when one studies what the Hindus still have today, what the Eastern Buddhists have, one can much more readily discern the echoes of that from which our own spiritual life springs; it is simply that in Asia it has remained at a different stage of development. But we are unproductive; we are highly unproductive. When news of the Mystery of Golgotha spread throughout the West—where did the Greek and Latin scholars obtain the concepts needed to comprehend the Mystery of Golgotha? They drew them from Eastern wisdom. The West did not give birth to Christianity; it was taken from the East.

[ 18 ] Und ein anderes: Als man die geistige Kultur in englisch sprechenden Gegenden recht unfruchtbar fühlte und nach einer Befruchtung des Geisteslebens seufzte, da gingen die Theosophen zu den unterworfenen Indern und suchten dort ihre Quelle für ihre neuzeitliche Theosophie. Für dasjenige, was man suchte, um das spirituelle Leben zu verbessern, war keine fruchtbare Quelle im eigenen Leben da: man ging nach dem Orient. Und neben diesem Signifikanten könnten Sie viele Beweise für die Unfruchtbarkeit des Geisteslebens im Abendlande finden. Und jeder Beweis für die Unfruchtbarkeit des Geisteslebens im Abendlande ist zu gleicher Zeit ein Beweis für die Notwendigkeit der Verselbständigung des Geisteslebens im dreigliedrigen sozialen Organismus.

[ 18 ] And another example: When intellectual culture in English-speaking regions was felt to be quite barren and people longed for a revitalization of spiritual life, the Theosophists turned to the subjugated Indians and sought there the source for their modern Theosophy. There was no fruitful source within their own lives for what they sought to improve their spiritual life: they went to the East. And in addition to this example, you could find much evidence of the barrenness of spiritual life in the West. And every piece of evidence for the barrenness of spiritual life in the West is at the same time evidence for the necessity of the spiritual life becoming self-governing within the threefold social organism.

[ 19 ] Eine zweite Strömung in dem Knäuelwickel ist die Staats- oder Rechtsströmung. Da ist der Knüppel in unserer Kultur, die zweite Strömung. Wenn sie der Mensch heute äußerlich anschaut, wenn er sich äußerlich mit ihr bekannt macht, da sieht er sie, wenn unsere ehrwürdigen Richter auf ihren Richterstühlen mit den Geschworenen sitzen und über die Verbrechen oder Vergehen richten, oder wenn die Verwaltungsbeamten in ihrer Bürokratie walten über unsere zivilisierte Welt hin, zum Verzweifeln derjenigen, die so verwaltet werden. Alles dasjenige, was wir Jurisprudenz, was wir Staat nennen, und alles, was in Verbindung von Jurisprudenz und Staat als Politik entsteht, das ist diese Strömung (siehe Zeichnung S. 229, weiß). Es ist — wie ich das (orange) die Strömung des Geisteslebens nennen kann, so ist dieses die Strömung des Rechtes, des Staates (weiß).

[ 19 ] A second current within the tangled web is the state or legal current. There lies the crux of our culture—the second current. When people today look at it from the outside, when they become acquainted with it superficially, they see it when our venerable judges sit on their benches with the jurors and pass judgment on crimes or offenses, or when administrative officials rule over our civilized world from within their bureaucracy, much to the despair of those who are governed in this way. Everything we call jurisprudence, everything we call the state, and everything that arises in connection with jurisprudence and the state as politics—that is this current (see diagram on p. 229, white). Just as I can call that (orange) the current of spiritual life, so this is the current of law, of the state (white).

[ 20 ] Woher kommt dies? Allerdings geht das auch auf Mysterienkultur zurück. Es geht zurück auf ägyptische Mysterienkultur, die durch die südlichen europäischen Gegenden gegangen ist, und die dann durchgegangen ist durch das nüchterne, phantasielose Wesen der Römer, sich verbunden hat im phantasielosen Wesen der Römer mit einem Seitenast des orientalischen Wesens und da das katholische Christentum beziehungsweise das katholische Kirchentum geworden ist (siehe Zeichnung). Dieses katholische Kirchentum, das ist im Grunde genommen, wenn auch etwas radikal gesprochen, auch eine Jurisprudenz. Denn von einzelnen Dogmen bis zu jenem gewaltigen, großen Gerichte, das immer als « Jüngstes Gericht» dargestellt wurde durch das ganze Mittelalter, wurde das ganz andersartige Geistesleben des Orients, da es den ägyptischen Einschlag hatte aus den Mysterien des Raumes, im Grunde genommen verwandelt in eine Gesellschaft von Weltenrichtern mit Weltenurteilen und Weltenbestrafungen und Sündern und Guten und Bösen: Es ist eine Jurisprudenz. Und das ist das zweite Element, das in unserem Geistesknäuel in der Verwirrung, die wir Zivilisation nennen, drinnen lebt und sich keineswegs organisch mit dem anderen verbunden hat. Daß es sich nicht verbunden hat, das kann jeder erfahren, der einmal an die Universität geht und meinetwillen nacheinander hört eine juristische Rede über Staatsrecht und nachher hört eine theologische Rede, meinetwillen über kanonisches Recht sogar. Das liegt nebeneinander. Aber diese Dinge sind menschengestaltend gewesen. Selbst in späteren Zeiten, wo man ihre Ursprünge vergessen hat, gestalten sie die Menschengemüter noch. Verabstrahierend wirkte das Rechtsleben auf das spätere Geistesleben, aber im äußeren Leben war es in den Menschensitten, Menschengewohnheiten, Menscheneinrichtungen schaffend. Und das, was in der dekadenten Geistesströmung des Orients der letzte soziale Ausläufer war, was ist es denn, wovon man nicht mehr den Ursprung erkennt? Das ist die Feudal-Aristokratie (siehe Zeichnung). Dem Adeligen könnten Sie nicht mehr ansehen, daß er seinen Ursprung hat aus dem orientalisch theokratischen Geistesleben, denn er hat alles abgestreift, es ist nur noch die soziale Konfiguration geblieben. Die Journalisten-Intelligenz, die bekommt manchmal so merkwürdige Alpdruckerscheinungen! Sie bekam solche Alpdruckerscheinung in der neueren Zeit und erfand ein kurioses Wort, auf das sie besonders stolz wurde: «Geistes-Aristokratie». Das konnte man ab und zu hören. Dasjenige, was durch die römische Kirchenverfassung durchgehend, durch die theokratisierende Jurisprudenz, die jurisprudenzende Theokratie hindurchgehend, sich dann verweltlicht im mittelalterlichen Städtewesen, sich völlig verweltlicht in der neueren Zeit, was ist das in der äußersten Dependenz? Das ist die Bourgeoisie (siehe Zeichnung). Und so sind getreulich unter den Menschen durcheinandergewürfelt diese geistigen Kräfte in ihren äußersten Dependenzen.

[ 20 ] Where does this come from? It actually traces back to the culture of the mysteries. It goes back to Egyptian mystery culture, which spread through the southern regions of Europe and then, passing through the sober, unimaginative nature of the Romans, merged within that unimaginative nature with a branch of the Eastern tradition, thereby becoming Catholic Christianity, or rather the Catholic Church (see illustration). This Catholic Church, to put it somewhat radically, is essentially a form of jurisprudence. For from individual dogmas all the way to that immense, grand judgment—which was always depicted as the “Last Judgment” throughout the Middle Ages—the entirely different spiritual life of the Orient, with its Egyptian influence stemming from the mysteries of space, was, in essence, transformed into a society of cosmic judges with cosmic judgments and cosmic punishments, and sinners, the good, and the evil: it is a form of jurisprudence. And this is the second element that lives within our tangled web of thought—in the confusion we call civilization—and has by no means organically connected with the other. Anyone can see that it has not connected simply by going to a university and, for my sake, listening first to a legal lecture on constitutional law and then to a theological lecture—on canon law, for my sake, even. They lie side by side. But these things have shaped humanity. Even in later times, when their origins have been forgotten, they still shape people’s minds. In an abstract sense, legal life influenced later spiritual life, but in outward life it was creative in human customs, habits, and institutions. And what was the final social offshoot in the decadent spiritual current of the Orient—what is it, the origin of which can no longer be recognized? It is the feudal aristocracy (see illustration). You could no longer tell by looking at a nobleman that he has his origins in the Oriental theocratic spiritual life, for he has shed everything; only the social configuration remains. The journalistic intelligentsia sometimes experiences such strange, nightmarish delusions! It experienced such a delusion in recent times and coined a curious term of which it became particularly proud: “intellectual aristocracy.” You could hear that from time to time. That which runs through the Roman ecclesiastical constitution, through the theocratizing jurisprudence, through the jurisprudential theocracy, then becomes secularized in medieval urban life, and is completely secularized in modern times—what is that in its ultimate form? That is the bourgeoisie (see illustration). And so these spiritual forces, in their most extreme forms of dependence, are faithfully jumbled together among human beings.

[ 21 ] Eine dritte Strömung verbindet sich schon auch noch damit. Wenn Sie sie heute von außen beobachten (Zeichnung, orange), wo zeigt sich diese dritte Strömung äußerlich sinnenfällig besonders charakteristisch? Ja, es gab für Mitteleuropa geradezu eine Methode, gewissen Leuten zu demonstrieren, wo sich diese äußersten Dependenzen eines auch ursprünglich anderen entfalteten. Das geschah, wenn der mitteleuropäische Mensch seinen Sohn ins Kontor nach London oder nach New York schickte, damit er dort die Usancen des Wirtschaftens lerne. In den Usancen des Wirtschaftslebens, deren Ursprung in Volksgewohnheiten der anglo-amerikanischen Welt liegen, da ist die letzte Konsequenz desjenigen zu sehen, was sich entwickelt hat in Dependenzen aus dem, was ich nennen möchte, die Mysterien der Erde, von denen zum Beispiel die Druiden-Mysterien nur eine besondere Abart waren. Die Mysterien der Erde enthielten in Urzeiten europäischer Bevölkerung noch eine eigentümliche Art des Weisheitslebens. Jener europäischen Bevölkerung, die nichts wußte, ganz barbarisch war gegenüber den Offenbarungen der orientalischen Weisheit, gegenüber den Mysterien des Raumes, gegenüber dem, was dann zum Katholizismus wurde, jener Bevölkerung, die entgegenkam dem sich ausbreitenden Christentum, ihr war eigen eine eigentümliche Art des Weisheitslebens, das ganz und gar physische Weisheit war. Man kann historisch davon höchstens noch die alleräußersten Gebräuche studieren, die in der Geschichte dieser Strömung aufgezeichnet sind: wie zusammenhingen die Festlichkeiten derjenigen Menschen, aus denen die Usancen, die Gewohnheiten Englands und Amerikas geworden sind. DieFestlichkeiten wurden hier in ganz andere Beziehungen gebracht als in Ägypten, wo die Ernte mit den Sternen zusammenhing. Hier war die festliche Gelegenheit die Ernte als solche, und mit anderen Dingen als dort, mit Dingen, die durchaus dem Wirtschaftsleben angehören, hingen die höchsten Festlichkeiten des Jahres zusammen. Wir haben hier durchaus etwas, was auf das Wirtschaftsleben zurückgeht. Und wollen wir den ganzen Geist dieser Sache erfassen, dann müssen wir uns sagen: Von Asien herüber und vom Süden herauf verpflanzen Menschen ein Geistes- und Rechtsleben, das sie von oben her empfangen haben und herunterführen zur Erde. Da, in der dritten Strömung, sprießt ein Wirtschaftsleben auf, das sich hinaufentwickeln muß, das sich hinaufranken muß, das ursprünglich eigentlich in seinen Rechtsusancen, in seinen geistigen Einrichtungen ganz und gar nur Wirtschaftsleben ist, so weit Wirtschaftsleben, daß zum Beispiel eines der besonderen Jahresfeste darinnen bestand, daß man die Befruchtung der Herden als besonderes Fest zu Ehren der Götter feierte. Und ähnliche Feste gab es: alles aus dem Wirtschaftsleben herausgedacht. Und wenn wir in die Gegenden Nordrußlands, Mittelrußlands, Schwedens, Norwegens gehen, oder in diejenigen Gegenden, die bis vor kurzer Zeit die Gegenden Deutschlands waren, nach Frankreich, wenigstens Nordfrankreich, und nach dem heutigen Großbritannien, wenn wir diese Gegenden durchgehen, überall finden wir ausgebreitet eine Bevölkerung, die durchaus vor der Ausbreitung des Christentums in alten Zeiten eine deutlich ausgesprochene Wirtschaftskultur hatten. Und das, was noch als die alten Sitten, als Rechtssittenfest, Götterfestes-Sitte gefunden werden kann, ist Nachklang dieser alten Wirtschaftskultur. (Die Zeichnung an der Tafel ist nun vollständig.)

[ 21 ] A third current is also connected to this. If you observe it today from the outside (drawing, orange), where does this third current manifest itself in a particularly characteristic and immediately apparent way? Yes, in Central Europe there was, in a sense, a method for demonstrating to certain people where these extreme dependencies—which had originally developed differently—manifested themselves. This happened when a Central European sent his son to a trading office in London or New York so that he could learn the customs of business there. In the customs of economic life, whose origins lie in the folk traditions of the Anglo-American world, one can see the ultimate consequence of what has developed into dependencies stemming from what I would like to call the mysteries of the Earth—of which, for example, the Druidic mysteries were only a particular variant. In the early days of European civilization, the Mysteries of the Earth still contained a unique form of the life of wisdom. That European population, which knew nothing and was entirely barbaric in the face of the revelations of Eastern wisdom, the mysteries of space, and what later became Catholicism—that population, which stood in opposition to the spreading Christianity—possessed a unique form of wisdom that was entirely physical in nature. Historically, one can at most study the most extreme customs recorded in the history of this movement: how the festivities of those people were connected to the customs and traditions that later became those of England and America. Here, the festivals took on entirely different meanings than in Egypt, where the harvest was linked to the stars. Here, the festive occasion was the harvest itself, and the year’s most important festivals were connected to things other than those in Egypt—things that were entirely part of economic life. Here we certainly have something that goes back to economic life. And if we want to grasp the whole spirit of this matter, then we must say to ourselves: From Asia and from the south, people transplant a spiritual and legal life that they have received from above and bring down to earth. There, in the third current, an economic life springs up that must develop upward, that must climb upward—a life that, in its legal customs and spiritual institutions, was originally nothing but economic life, so thoroughly economic that, for example, one of the special annual festivals consisted of celebrating the breeding of the herds as a special festival in honor of the gods. And there were similar festivals: all conceived out of economic life. And when we travel to the regions of northern Russia, central Russia, Sweden, Norway, or to those regions that until recently were part of Germany, to France—at least northern France—and to what is now Great Britain, when we travel through these regions, everywhere we find a widespread population that, long before the spread of Christianity in ancient times, possessed a distinctly pronounced economic culture. And what can still be found in the form of ancient customs—legal customs, customs associated with festivals of the gods—is an echo of this ancient economic culture. (The drawing on the blackboard is now complete.)

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[ 22 ] Diese Wirtschaftskultur begegnet sich mit dem, was von der anderen Seite kommt. Zunächst hat es diese Wirtschaftskultur nicht dazu gebracht, ein selbständiges Rechts- und Geistesleben zu entwickeln. Die ursprünglichen Rechtsusancen sind abgeworfen worden, weil das römische Recht eingeflossen ist, die ursprünglichen Geistesusancen sind abgeworfen worden, weil das griechische Geistesleben eingeflossen ist. Zunächst wird dieses Wirtschaftsleben steril, und arbeitet nach und nach sich wiederum heraus, kann sich aber nur herausarbeiten, wenn es die Chaotisierung mit dem von fremd her angenommenen Geistesleben und Rechtsleben überwindet. Nehmen Sie das heutige anglo-amerikanische Geistesleben. In diesem englisch-amerikanischen Geistesleben haben Sie zwei sehr stark voneinander unterschiedene Dinge. Erstens haben Sie überall mehr als sonstwo auf der Erde im anglo-amerikanischen Geistesleben die sogenannten Geheimgesellschaften, die ziemlich starken Einfluß haben, viel mehr als die Leute wissen. Sie sind durchaus die Bewahrer alten Geisteslebens, und sie sind stolz darauf, die Bewahrer ägyptischen oder orientalischen Geisteslebens zu sein, das ganz und gar filtriert, bis ins Symbol verflüchtigt ist; bis ins Symbol, das man nicht mehr versteht, verflüchtigt ist, aber bei den Oberen eine gewisse große Macht hat. Das ist aber altes Geistesleben, nicht auf eigenem Boden erwachsenes Geistesleben. Daneben ist ein Geistesleben da, das auf dem Wirtschaftsboden durchaus wächst, aber so kleine Blümchen erst treibt, ganz als kleineBlümchen wuchert am Wirtschaftsboden.

[ 22 ] This economic culture comes into contact with what comes from the other side. At first, this economic culture did not lead to the development of an independent legal and intellectual life. The original legal customs were cast aside because Roman law was incorporated; the original intellectual customs were cast aside because Greek intellectual life was incorporated. Initially, this economic life becomes sterile, and gradually works its way out again, but it can only do so if it overcomes the chaos caused by the intellectual and legal life adopted from outside. Take today’s Anglo-American intellectual life. In this Anglo-American intellectual life, you have two things that are very distinct from one another. First, you have—more so than anywhere else on earth—the so-called secret societies in Anglo-American intellectual life, which exert quite a strong influence, far more than people realize. They are indeed the guardians of an ancient spiritual life, and they take pride in being the guardians of Egyptian or Oriental spiritual life—a spiritual life that has been completely filtered, distilled down to symbols; distilled down to symbols that are no longer understood, yet still wield a certain great power among the leaders. But this is an ancient spiritual life, not one that has grown from its own soil. Alongside this, there is a spiritual life that is certainly growing on the soil of the economy, but is only just sprouting tiny little flowers—properly sprouting as tiny little flowers on the soil of the economy.

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[ 23 ] Wer solche Dinge studiert und verstehen kann, der weiß gut, daß Locke, Hume, Mill, Spencer, Darwin und andere durchaus diese Blümchen sind aus dem Wirtschaftsleben heraus. Man kann ganz genau die Gedanken eines Mill, die Gedanken eines Spencer aus dem Wirtschaftsleben heraus gewinnen. Die Sozialdemokratie hat das dann zur Theorie erhoben und betrachtet das Geistesleben als eine Dependenz des Wirtschaftslebens. Das ist da zunächst vorhanden, alles herausgeholt aus dem sogenannten Praktischen, eigentlich aus der Lebensroutine heraus, nicht aus der wirklichen Lebenspraxis. So daß da nebeneinandergehen solche Dinge wie der Darwinismus, Spencerismus, Millismus, Humeismus und die filtrierten Mysterienlehren, die dann ihre Fortsetzungen finden in den verschiedenen sektiererischen Evolutionen, die Theosophische Gesellschaft, die Quäker und so weiter. Das Wirtschaftsleben, das herauf will, hat erst die kleinen Blümchen getrieben, ist noch gar nicht weit. Dasjenige, was Geistesleben ist, dasjenige, was Rechtsleben ist: fremde Pflanzen! Und am allermeisten fremde Pflanzen — das bitte ich wohl zu beachten —, fremde Pflanzen um so mehr, je mehr wir in der europäischen Zivilisation nach dem Westen gehen.

[ 23 ] Anyone who studies and understands such things knows full well that Locke, Hume, Mill, Spencer, Darwin, and others are indeed these “little flowers” that have sprung from economic life. One can derive the ideas of Mill and the ideas of Spencer quite precisely from economic life. Social democracy then elevated this to a theory and regards intellectual life as a subsidiary of economic life. This is what is initially present—all drawn from what is called the “practical,” actually from the routine of daily life, not from the actual practice of life. Thus, things like Darwinism, Spencerism, Millism, Humeism, and the filtered mystery teachings coexist, finding their continuation in the various sectarian evolutionary movements, the Theosophical Society, the Quakers, and so on. The economic life that is striving to emerge has only just put forth its first little blossoms; it has not yet come very far. That which is spiritual life, that which is legal life: foreign plants! And above all, foreign plants—I ask you to take note of this—foreign plants all the more so the further west we go within European civilization.

[ 24 ] Denn in Mitteleuropa, da hat es immer etwas gegeben, was, ich möchte sagen, wie ein Sich-Wehren war, ein Ankämpfen war gegen das griechische Geistesleben auf der einen Seite und das römisch-katholische Rechtsleben auf der anderen Seite. Ein Sich-Aufbäumen hat es da immer gegeben. Ein Beispiel für dieses Aufbäumen ist die mitteleuropäische Philosophie. In England weiß man in Wirklichkeit eigentlich nichts von dieser mitteleuropäischen Philosophie. Man kann in Wirklichkeit den Hegel nicht übersetzen in die englische Sprache, es ist nicht möglich. Man weiß nichts von ihm. Deutsche Philosophie nennt man ja in England Germanismus und meint damit etwas, womit sich ein vernünftiger Mensch nicht befassen kann. Aber gerade in dieser deutschen Philosophie, mit Ausnahme einer Episode — wo nämlich Kant durch Hume gründlich’ verdorben worden ist, und dieses scheußlicheKantischHumesche Element in die deutsche Philosophie hineingebracht worden ist, das wirklich in den Köpfen der mitteleuropäischen Menschheit so heilloses Unheil angerichtet hat —, mit Ausnahme dieser Episode haben wir immerhin nachher die Nachblüte dieses Aufbäumens gerade in Fichte, Schelling, Hegel. Und wir haben das Suchen nach einem freien Geistesleben schon in Goethe, der nichts mehr wissen will von dem letzten Nachklang der römisch-katholischen Jurisprudenz in dem, was man Naturgesetz nennt. Fühlen Sie ebenso, wie in dem schäbig gewordenen Talar und in den sonderbaren Mützen, die noch die Richter aus der alten Zeit haben — heute machen sie Petitionen, daß sie das ablegen können —, fühlen Sie ebenso in der Naturwissenschaft, in dem Naturgesetze, «Gesetz», das Juristische noch drinnen! Denn der ganze Ausdruck «Naturgesetz» hat zum Beispiel der Goetheschen Naturwissenschaft gegenüber, die nur mit dem Urphänomen, die nur mit der Urtatsache arbeitet, keinen Sinn. Da ist zum ersten Mal radikal angekämpft — aber natürlich ist das alles in dem Beginn geblieben —, das war der erste Vorstoß nach dem freien Geistesleben: die Goethesche Naturwissenschaft. Und in diesem Mitteleuropa gibt es sogar schon den ersten Anstoß zu dem selbständigen Rechts- oder Staatsleben. Lesen Sie solch eine Schrift wie die Wilhelms von Humboldt. Der Mann ist sogar preußischer Unterrichtsminister gewesen. Lesen Sie die Schrift von Wilhelm von Humboldt. Sie hat früher — ich weiß nicht, wie viel sie jetzt kostet — in der Reclamschen Universal-Bibliothek bloß zwanzig Pfennige gekostet. Lesen Sie diese Schrift: «Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen», dann werden Sie sehen den ersten Ansatz, das selbständige Rechts- oder Staatsleben, die Selbständigkeit des eigentlichen politischen Gebietes zu konstruieren. Allerdings ist es eben niemals weiter als zu Ansätzen gekommen. Diese Ansätze liegen zurück bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, sogar bis in das Ende des 18. Jahrhunderts. Aber man muß nur bedenken, daß immerhin doch in diesem Mitteleuropa gerade nach dieser Richtung hin wichtige Impulse da sind, Impulse, an die angeknüpft werden kann, die nicht unberücksichtigt gelassen werden sollen, die einmünden können in den Impuls vom dreigliedrigen sozialen Organismus.

[ 24 ] For in Central Europe, there has always been something that, I would say, was a form of resistance, a struggle against Greek intellectual life on the one hand and Roman Catholic legal life on the other. There has always been a rebellion there. An example of this rebellion is Central European philosophy. In England, people actually know next to nothing about this Central European philosophy. In reality, one cannot translate Hegel into English—it is simply not possible. People know nothing about him. In England, German philosophy is called “Germanism,” and by that they mean something a reasonable person cannot concern themselves with. But precisely in this German philosophy—with the exception of one episode—namely, when Kant was thoroughly “corrupted” by Hume, and this hideous Kantian-Humean element was introduced into German philosophy, which truly wreaked such irreparable havoc in the minds of Central European humanity— with the exception of this episode, we nevertheless saw the subsequent resurgence of this rebellion precisely in Fichte, Schelling, and Hegel. And we already find the search for a free spiritual life in Goethe, who wants nothing more to do with the last echoes of Roman Catholic jurisprudence in what is called natural law. Do you sense, just as you do in the shabby robes and strange caps that judges from the old days still wear—today they’re petitioning to be allowed to do away with them—do you sense, in the natural sciences, in the “natural law,” that the legal concept is still lurking within! For the entire term “natural law,” for example, makes no sense in the context of Goethean natural science, which works only with the primordial phenomenon, only with the primordial fact. There, for the first time, a radical challenge was mounted—though, of course, it all remained in its infancy—and that was the first foray toward a free intellectual life: Goethean natural science. And in this Central Europe, there is even already the first impetus toward an independent legal or political life. Read a work such as that by Wilhelm von Humboldt. The man was even Prussian Minister of Education. Read Wilhelm von Humboldt’s work. It used to cost—I don’t know how much it costs now—just twenty pfennigs in the Reclam Universal Library. Read this work: “Ideas for an Attempt to Determine the Limits of the State’s Authority,” and you will see the first steps toward constructing an independent legal or political life—the autonomy of the political sphere itself. Admittedly, it has never progressed beyond these initial steps. These steps date back to the first half of the 19th century, and even to the end of the 18th century. But one need only consider that, after all, there are important impulses in this direction right here in Central Europe—impulses that can be built upon, that should not be ignored, and that can flow into the impulse for the threefold social organism.

[ 25 ] Nietzsche hat in eines seiner ersten Bücher dasjenige Wort geschrieben, das ich wieder zitiert habe in meinem Nietzsche-Buch gleich auf den ersten Seiten, und mit dem geahnt wird etwas wie die Tragik des deutschen Geisteslebens. Nietzsche versuchte dazumal in seiner Schrift «David Strauß, der Bekenner und Schriftsteller» die Ereignisse von 1870/71, die Begründung des Deutschen Reiches zu charakterisieren mit dem Wort: «Exstirpation des deutschen Geistes zu Gunsten des deutschen Reiches». Seither ist dieser Kehlkopfschnitt des deutschen Geistes gründlich durchgeführt worden. Und als in den letzten fünf bis sechs Jahren drei Viertel der Welt über dieses ehemalige Deutschland sich hermachten — ich will nicht über die Ursachen und über die Schuldigen sprechen, sondern eben nur die Konfiguration, die Weltlage angeben —, da war es im Grunde genommen schon der Leichnam des deutschen Geisteslebens. Aber wenn man so spricht, wie ich gestern gesprochen habe, unbefangen die Tatsachen charakterisierend, so sollte man nicht heraushören, daß nicht vieles noch drinnenliegt in diesem deutschen Geistesleben, was trotz der zukünftigen Zigeunerhaftigkeit herauskommen muß, was beachtet werden muß, was beachtet sein will. Denn woran sind im Grunde genommen die Deutschen zugrunde gegangen? Man muß sich auch diese Frage unbefangen einmal beantworten. Die Deutschen sind daran zugrunde gegangen, daß sie es auch mitmachen wollten mit dem Materialismus, und weil sie kein Talent haben zum Materialismus. Die anderen haben gute Talente für den Materialismus. Die Deutschen haben überhaupt jene Eigentümlichkeit, die einmal Herman Grimm ausgezeichnet charakterisiert hat, indem er sagte: Die Deutschen weichen in der Regel dann zurück, wenn es ihnen heilsam wäre, kühn vorzuschreiten, und sie stürmen furchtbar stark vor, wenn es ihnen heilsam wäre, sich zurückzuhalten. — Es ist das ein sehr gutes Wort für eine innere Charaktereigenschaft gerade des deutschen Volkes. Denn die Deutschen haben Stoßkraft durch die Jahrhunderte gehabt, aber nicht die Fähigkeit, die Stoßkraft durchzuhalten. Goethe konnte das Urphänomen hinstellen, aber es nicht bis zu den Anfängen der Geisteswissenschaft bringen. Er konnte eine Geistigkeit entwickeln, wie zum Beispiel in seinem «Faust» oder in seinem «Wilhelm Meister», welche die Welt hätte revolutionieren können, wenn die rechten Wege gefunden worden wären. Dagegen brachte es die äußere Persönlichkeit dieses genialen Menschen nur so weit, daß er in Weimar Fett ansetzte und ein Doppelkinn hatte, ein dicker Geheimrat wurde, der ungemein fleißig war auch als Minister, aber der doch genötigt war, fünfte grad sein zu lassen, wie man sagt, gerade im politischen Leben.

[ 25 ] In one of his earliest books, Nietzsche wrote the very words that I quoted again in my book on Nietzsche right on the first few pages—words that foreshadow something like the tragedy of German intellectual life. In his essay “David Strauss, the Confessor and Writer,” Nietzsche attempted at that time to characterize the events of 1870–71—the founding of the German Empire—with the phrase: “the extirpation of the German spirit in favor of the German Empire.” Since then, this decapitation of the German spirit has been thoroughly carried out. And when, over the past five to six years, three-quarters of the world turned against this former Germany—I do not wish to speak of the causes or the culprits, but merely to describe the configuration, the state of the world—it was, in essence, already the corpse of German intellectual life. But when one speaks as I did yesterday, objectively characterizing the facts, one should not infer that there is not still much within this German intellectual life that, despite its future vagabond-like nature, must come to the fore—that must be taken into account, that demands to be taken into account. For what, fundamentally speaking, has brought the Germans to ruin? One must also answer this question objectively at some point. The Germans have come to ruin because they wanted to go along with materialism, and because they have no talent for materialism. The others have a natural aptitude for materialism. The Germans, in general, possess that peculiarity that Herman Grimm once so aptly characterized when he said: “The Germans, as a rule, retreat when it would be beneficial for them to advance boldly, and they charge forward with tremendous force when it would be beneficial for them to hold back.”—This is a very apt description of an inner character trait specific to the German people. For the Germans have possessed driving force throughout the centuries, but not the ability to sustain that driving force. Goethe was able to present the primordial phenomenon, but he could not carry it through to the beginnings of spiritual science. He was able to develop a spirituality—as, for example, in his Faust or in his Wilhelm Meister—that could have revolutionized the world if the right paths had been found. In contrast, the outer personality of this brilliant man led him only so far that he put on weight in Weimar and developed a double chin, becoming a portly privy councilor who was immensely diligent even as a minister, but who was nevertheless compelled to “let things slide,” as they say, especially in political life.

[ 26 ] Das sollte in der Welt eingesehen werden, daß solche Erscheinungen wie Goethe und Humboldt überall die Ansätze darstellen, und daß die Welt wahrhaftig zu ihrem Schaden, nicht zu ihrem Nutzen, unberücksichtigt lassen könnte dasjenige, was innerhalb der deutschen Evolution lebt, und was durchaus noch nicht ausgebaut ist, was herauskommen muß. Denn die Deutschen haben schließlich auch nicht die Anlage, welche die anderen so großartig haben, je weiter wir nach Westen gehen: überall bis zu den letzten Abstraktionen aufzusteigen. Man nennt nur dasjenige, was die Deutschen in ihrem Geistesleben haben, «Abstraktionen», weil man es nicht erleben kann; und weil man das Leben selbst auspreßt, so glaubt man, die anderen haben es auch nicht drinnen. Aber die Deutschen haben nicht die Gabe, bis zu den äußersten Abstraktionen vorzudringen. Das zeigte sich insbesondere in ihrem Staatsleben, in diesem unglückseligsten aller Staatsleben. Hätten die Deutschen von jeher das große Talent für den Monarchismus gehabt, das sich die Franzosen bis zum heutigen Tage so glänzend bewahrt haben, so würden sie dem «Wilhelminismus» niemals verfallen sein. Sie hätten nicht diese sonderbare, karikaturhafte Gestalt eines Monarchen dastehen zu lassen oder hinzustellen brauchen. Die Franzosen nennen sich zwar Republikaner, aber sie haben unter sich einen heimlichen Monarchen, der das Staatsgefüge fest zusammenhält, der die Gemüter furchtbar im Zaume hält: denn im Grunde genommen ist überall noch der Geist Ludwigs XIV. da. Es ist nur noch in der Dekadenz natürlich, aber es ist da. Es ist schon ein heimlicher Monarch in dem französischen Volke enthalten, das geht im Grunde genommen aus jeder seiner Kulturäußerungen hervor. Und jenes Talent zur Abstraktion, das in Woodrow Wilson zutage getreten ist, das ist eben auf äußerem, politischem Gebiete das äußerste Talent zur Abstraktion. Jene Vierzehn Punkte des Weltenschulmeisters, die in jedem ihrer Worte das Gepräge des Unpraktischen und Undurchführbaren tragen, die konnten nur entspringen aus dem Geiste heraus, der ganz für das Abstrakte gebaut ist, der gar keinen Sinn hat für wahre Wirklichkeiten.

[ 26 ] The world should recognize that figures such as Goethe and Humboldt represent the beginnings of this trend everywhere, and that the world would truly be acting to its own detriment—not to its benefit—if it were to ignore what is alive within German evolution, what is by no means yet fully developed, and what is bound to emerge. For the Germans, after all, do not possess the capacity—which others possess so magnificently the farther west we go—to ascend to the highest levels of abstraction. People call what the Germans have in their intellectual life “abstractions” simply because they cannot experience it; and because they squeeze the very life out of it, they believe that others do not possess it either. But the Germans do not possess the gift of penetrating to the utmost abstractions. This was particularly evident in their political life—the most unfortunate of all political lives. Had the Germans always possessed the great talent for monarchism that the French have so brilliantly preserved to this day, they would never have fallen prey to “Wilhelminism.” They would not have needed to let this strange, caricature-like figure of a monarch stand there or put him on display. The French may call themselves Republicans, but they have a secret monarch among them who holds the state structure firmly together, who keeps tempers terribly in check: for, deep down, the spirit of Louis XIV is still present everywhere. It is only natural in a state of decadence, but it is there. There is indeed a secret monarch within the French people; this is evident, in essence, in every expression of their culture. And that talent for abstraction that came to light in Woodrow Wilson is, in the external, political sphere, the ultimate talent for abstraction. Those Fourteen Points of the “world’s schoolmaster,” which bear the stamp of impracticality and unworkability in every word, could only have sprung from a mind entirely built for the abstract, one that has absolutely no sense of true realities.

[ 27 ] Es wird einmal wohl zwei Dinge geben, die die Kulturgeschichte der Zukunft schwer begreifen wird. Das eine habe ich öfter mit den Worten Herman Grimms vor Ihnen charakterisiert: es ist die Kant-Laplacesche Theorie, an die manche Leute heute noch glauben. Herman Grimm sagt in seinem «Goethe» so schön: man wird einmal jene Krankheit, von den Leuten heute Wissenschaft genannt, schwer begreifen können, die sich in der Kant-Laplaceschen Theorie zum Vorschein bringt, wonach aus einem allgemeinen Weltnebel durch Zusammenballung alles das entstanden ist, was wir heute um uns herum haben. Und das soll so weiter gehen, bis das ganze Zeug wiederum in die Sonne zurückfällt! Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund seine Kreise zieht, ist ein appetitlicheres Stück, als diese Phantasievorstellungen, diese phantastische Vorstellung von der Weltentwickelung. — So meint Herman Grimm. Natürlich wird es einmal große Schwierigkeiten haben, aus dem wissenschaftlichen Wahnsinn des 19. und 20. Jahrhunderts diese KantLaplacesche Theorie zu erklären.

[ 27 ] There will one day likely be two things that the cultural history of the future will find difficult to comprehend. I have often described one of them to you in the words of Herman Grimm: it is the Kant-Laplace theory, which some people still believe in today. Herman Grimm puts it so beautifully in his Goethe: one day, people will find it difficult to comprehend that affliction—which people today call “science”—that manifests itself in the Kant-Laplace theory, according to which everything we see around us today arose from a general cosmic nebula through condensation. And this is supposed to continue until all that stuff falls back into the sun! A scrap of meat around which a hungry dog circles is a more appetizing morsel than these fanciful notions, this fantastical conception of the world’s development.—So says Herman Grimm. Of course, it will one day be very difficult to explain this Kant-Laplacean theory in light of the scientific madness of the 19th and 20th centuries.

[ 28 ] Das zweite Stück wird sein die Erklärung der unglaublichen Tatsache, daß es jemals eine große Anzahl Menschen geben konnte, welche den Humbug der Vierzehn Punkte von Woodrow Wilson ernst nahmen, in einem Zeitalter, das sozial so ernst ist.

[ 28 ] The second part will be an explanation of the incredible fact that there could ever have been a large number of people who took Woodrow Wilson’s “Fourteen Points” seriously, in an era that is so socially serious.

[ 29 ] Studieren wir dasjenige, was in der Welt nebeneinander steht, dann finden wir, wie in einer eigentümlichen Weise sich durcheinanderknäueln Wirtschaftsleben, politisches Rechtsleben, Geistesleben. Wollen wir nicht zugrunde gehen unter dem in die alleräußerste Degeneration gekommenen Geistes- und Rechtsleben, dann müssen wir uns hinwenden zu dem dreigliedrigen sozialen Organismus, der aus den selbständigen Wurzeln heraus baut das Wirtschaftsleben, das emporkommen will, das aber nicht emporkommen kann, wenn ihm kein Rechtsleben und kein Geistesleben aus der Freiheit entgegenkommen. Die Dinge haben in der ganzen Menschheitsevolution und im menschlichen Zusammenleben ihre tiefen Wurzeln. Diese Wurzeln, sie müssen aufgesucht werden. Den Menschen muß heute verständlich gemacht werden, wie da unten, ich möchte sagen, ganz am Boden kriecht das Wirtschaftsleben, eingefädelt von anglo-amerikanischen Denkgewohnheiten, wie es sich nur hinaufranken wird können, wenn es im Zusammenklang mit der ganzen Welt arbeitet, mit dem, wofür andere auch befähigt, andere auch begabt sind. Sonst wird ihm das Erringen der Weltherrschaft zum Verhängnis werden.

[ 29 ] If we study the things that exist side by side in the world, we find that economic life, political and legal life, and spiritual life are entangled in a peculiar way. If we do not wish to perish under spiritual and legal life that has degenerated to the very extreme, then we must turn to the threefold social organism, which builds economic life from its own independent roots—a life that seeks to rise but cannot do so unless legal life and spiritual life meet it from a place of freedom. These matters have deep roots in the entire evolution of humanity and in human coexistence. These roots must be sought out. People today must be made to understand how, down there—I would say, crawling right at the very bottom—economic life, shaped by Anglo-American ways of thinking, will only be able to rise if it works in harmony with the whole world, with that for which others are also capable and gifted. Otherwise, its quest for world domination will be its undoing.

[ 30 ] Geht der Gang der Welt so fort, wie er gegangen ist mit dem sich degenerierenden, vom Oriente her kommenden Geistesleben, dann saust dieses Geistesleben, während es an einem Ende die erhabenste Wahrheit war, am andern Ende in die furchtbarste Lüge hinein. Nietzsche hat schildern müssen, wie schon die Griechen sich vor der Lebenslüge haben bewahren müssen durch ihre Kunst. Und im Grunde genommen ist die Kunst das Götterkind, das die Menschen bewahrt vor dem Versinken in die Lüge. Wenn diesem ersten Zweige der Kultur nur einseitig nachgegangen wird, so mündet diese Strömung hinein in die Lüge. In den letzten fünf bis sechs Jahren ist von allen weltgeschichtlichen Jahren am allermeisten innerhalb der zivilisierten Menschheit gelogen worden. Es ist fast überhaupt nicht die Wahrheit gesagt worden im öffentlichen Lebens, es war fast kein Wort, das durch die Welt gegangen ist, wahr. Während diese Strömung hineinmündet in die Lüge (siehe Zeichnung $. 229), mündet die mittlere Strömung hinein in die Selbstsucht. Und ein Wirtschaftsleben wie das anglo-amerikanische, das in die Weltherrschaft ausmünden sollte: wenn es sich nicht bequemt, sich durchdringen zu lassen von dem selbständigen Geistesleben und selbständigen Staatsleben, mündet ein in den dritten der Abgründe des Menschenlebens, in den dritten jener drei. Der erste Abgrund ist die Lüge, die Entartung der Menschheit durch Ahriman. Der zweite ist die Selbstsucht, die Entartung der Menschheit durch Luzifer. Der dritte ist auf physischem Gebiete Krankheit und Tod, auf Kulturgebieten: Kulturkrankheit, Kulturtod.

[ 30 ] If the course of the world continues as it has, with the degenerating spiritual life coming from the East, then this spiritual life—which was the most sublime truth at one end—will plunge into the most terrible lie at the other. Nietzsche had to describe how even the Greeks had to protect themselves from the lie of life through their art. And fundamentally, art is the child of the gods that protects humanity from sinking into lies. If this first branch of culture is pursued only one-sidedly, this current flows into lies. In the last five to six years, more lies have been told within civilized humanity than in any other period of world history. The truth has hardly been spoken at all in public life; almost no word that has gone out into the world has been true. While this current flows into falsehood (see diagram $229), the middle current flows into selfishness. And an economic system like the Anglo-American one, which was meant to lead to world domination: if it does not deign to allow itself to be permeated by an independent spiritual life and an independent political life, it flows into the third of the abysses of human life—the third of those three. The first abyss is the lie, the degeneration of humanity through Ahriman. The second is selfishness, the degeneration of humanity through Lucifer. The third is, in the physical realm, illness and death; in the realm of culture: cultural illness, cultural death.

[ 31 ] Die anglo-amerikanische Welt mag die Weltherrschaft erringen: ohne die Dreigliederung wird sie durch diese Weltherrschaft über die Welt den Kulturtod und die Kulturkrankheit ergießen, denn diese sind ebenso eine Gabe der Asuras, wie die Lüge eine Gabe des Ahriman, wie die Selbstsucht eine Gabe des Luzifer ist. So ist das dritte, sich würdig den anderen an die Seite Stellende, eine Gabe der asurischen Mächte!

[ 31 ] The Anglo-American world may achieve world domination: without the threefold social order, it will use this world domination to unleash cultural death and cultural disease upon the world, for these are just as much a gift of the Asuras as the lie is a gift of Ahriman, and as selfishness is a gift of Lucifer. Thus, the third—which stands worthily alongside the others—is a gift of the Asuric powers!

[ 32 ] Man muß aus diesen Dingen den Enthusiasmus nehmen, der einen befeuern soll, nun wirklich zu suchen die Wege, möglichst viele Menschen aufzuklären. Heute ist die Aufgabe des Einsichtigen: die Aufklärung der Menschheit. Wir müssen so viel als möglich dazu tun, gegen jene Torheit, die sich Weisheit dünkt und die da glaubt, daß sie es so herrlich weit gebracht hat, gegen jene Torheit dasjenige hinzustellen, was wir gewinnen können aus dem praktischen Aspekt der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft.

[ 32 ] We must draw from these things the enthusiasm that will inspire us to truly seek ways to enlighten as many people as possible. Today, the task of the discerning is the enlightenment of humanity. We must do as much as possible to counter that folly which fancies itself wisdom and believes it has come so wonderfully far; we must set against that folly what we can gain from the practical aspect of anthroposophically oriented spiritual science.

[ 33 ] Habe ich noch mit diesen Worten ein wenig das Gefühl in Ihnen erwecken können, welch tiefer Ernst in diesen Dingen heute stecken muß, dann habe ich vielleicht etwas von dem erreicht, was ich gern gerade mit diesen Worten erreicht haben möchte. Wenn wir uns dann nach ein paar Wochen wieder sehen, wollen wir von ähnlichen Dingen weiter reden. Heute habe ich nur ein Gefühl in Ihnen hervorrufen wollen davon, daß es gegenwärtig wirklich die wichtigste soziale Arbeit ist, die Menschen im weitesten Umkreise aufzuklären.

[ 33 ] If, with these words, I have been able to awaken in you even a little sense of the profound seriousness these matters must hold today, then perhaps I have achieved something of what I specifically hoped to achieve with these words. When we meet again in a few weeks, let’s continue talking about similar topics. Today, I simply wanted to convey to you the sense that, at present, the most important social work is to educate people as widely as possible.