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Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196

11 January 1920, Dornach

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Spiritual and Social Transformations in Human Evolution, tr. SOL
  1. Geistige und soziale Wandlungen in der Menschheitsentwickelung

Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Was ich gestern hier vorgetragen habe, ist scheinbar etwas sehr Entlegenes. Dennoch, wer sich wirklich Vorstellungen machen will über das in unserer Zeit geistig und sozial Notwendige, der muß sich auch bekanntmachen mit solchen Vorstellungen. Es muß unser Denken und Empfinden, unser ganzes Menschenwesen durchdrungen werden von Gefühlen, die aus solchen Vorstellungen herrühren. Ich will kurz zusammenfassend das noch einmal sagen, was gewissermaßen gestern den Hauptklang der Auseinandersetzungen bildete. Es ist dasjenige, was uns ja von andern Gesichtspunkten aus mehr abstrakt schon bekannt war, daß der Mensch im wesentlichen eine zweifache Organisation hat; wir könnten auch sagen eine dreifache, aber wir wollen das dritte, das mittlere Glied heute weniger noch berücksichtigen.

[ 1 ] What I presented here yesterday seems to be something quite remote. Nevertheless, anyone who truly wants to form an understanding of what is intellectually and socially necessary in our time must also familiarize themselves with such ideas. Our thinking and feeling—our entire human being—must be permeated by feelings that arise from such ideas. I would like to briefly summarize once more what, in a sense, formed the main theme of yesterday’s discussions. It is what we already knew, albeit more abstractly from other perspectives: that human beings essentially have a twofold organization; we could also say a threefold one, but let us pay less attention to the third, the middle element, today.

[ 2 ] Zunächst liegt vor seine Hauptesorganisation, seine Nerven-Sinnesorganisation, und dann liegt vor die Organisation des übrigen Menschen. Für die nach Bequemlichkeit drängenden Gedanken der Gegenwart ist eine solche Sache deshalb schwer einzusehen, weil die Menschen heute alles hübsch, fast räumlich, abgeteilt wissen möchten. Wenn man spricht von Hauptesorganisation und von der Organisation des übrigen Menschen, dann stellen sich die Leute am liebsten vor: das Haupt bis hier zum Hals und dann der übrige Mensch. So sind die Dinge natürlich nicht gemeint, sondern es handelt sich darum, daß in einer gewissen Beziehung wiederum der ganze Mensch Haupt ist, nur kommt das Hauptsein, das Kopfsein, am Kopfe am deutlichsten zum Ausdrucke. Und der ganze Mensch ist auch Rumpf- und Gliedmaßenmensch, nur kommt das Rumpf- und Gliedmaßensein eben am Rumpf und an den Gliedmaßen am deutlichsten zum Vorschein. Die Sinne sind gewissermaßen über den ganzen Menschen verteilt; aber insofern sie über den ganzen Menschen verteilt sind, rechnen wir sie zur Hauptesorganisation, weil diejenigen Sinne, die im Haupte lokalisiert sind, die am weitesten fortgeschrittenen Sinne sind. |

[ 2 ] First comes the organization of the head—the nervous and sensory system—and then comes the organization of the rest of the human being. For the thoughts of the present, which are driven by a desire for convenience, such a concept is difficult to grasp because people today want everything neatly, almost spatially, compartmentalized. When one speaks of the organization of the head and the organization of the rest of the human being, people tend to imagine the head extending down to the neck and then the rest of the human being. Of course, this is not what is meant; rather, the point is that, in a certain sense, the whole human being is, in a sense, the head—only that this “headness,” this being the head, is most clearly expressed in the head itself. And the whole human being is also a being of torso and limbs—only that this “torso-and-limb-ness” is most clearly manifested in the torso and the limbs. The senses are, so to speak, distributed throughout the whole human being; but insofar as they are distributed throughout the whole human being, we count them as part of the head’s organization, because those senses that are localized in the head are the most highly developed senses. |

[ 3 ] Sie werden aus diesen Andeutungen verstehen, wie ich die angeführte Gliederung des Menschen eigentlich meine. Nun aber haben wir gesehen, daß nicht nur eine aus inneren Kräften und Vorgängen im Menschen herkommende Notwendigkeit zu dieser Gliederung vorliegt, sondern daß tatsächlich der Mensch in einer andern Weise dem Kosmos eingeordnet ist als Kopfesmensch und in einer andern Weise dem Kosmos eingegliedert ist als Rumpf- und Gliedmaßenmensch. Unser Haupt ist gewissermaßen das am weitesten Fortgeschrittene; aber es gehört eigentlich — und das zeigt nicht nur die okkulte Erkenntnis, sondern das zeigt auch die wirklich vernünftig betrachtete Embryologie — unsere Hauptesorganisation nicht der irdischen und Sonnensphäre an, sondern der Mondensphäre. Die Kräfte, die in unserer Hauptesorganisation innerlich tätig sind, das sind Mondenkräfte. Und in unserer übrigen Organisation sind die Erden- und Sonnenkräfte tätig.

[ 3 ] From these hints, you will understand what I actually mean by the aforementioned structure of the human being. But now we have seen that not only is there a necessity for this structure arising from inner forces and processes within the human being, but that the human being is in fact ordered within the cosmos in one way as a “head-human” and integrated into the cosmos in another way as a “trunk-and-limb-human.” Our head is, so to speak, the most highly developed part; but in reality—and this is shown not only by occult knowledge but also by embryology viewed from a truly rational perspective—our head organization does not belong to the Earth and Sun spheres, but to the Moon sphere. The forces that are inwardly active in our head organization are lunar forces. And in the rest of our organization, the Earth and Sun forces are at work.

[ 4 ] Mit dieser Wesenheit des Menschen hängt die ganze Erdenentwickelung der Menschheit zusammen. Und jetzt ist ein Zeitpunkt gekommen, in dem eingesehen werden muß, wie ein Schritt nach vorwärts zu tun ist, der davon abhängt, wie wir in die Lage kommen, unsere Menschheitsorganisation in Tätigkeit zu versetzen. In der menschlichen Erdenentwickelung liegt ja zunächst vor allem dasjenige, was sich abgespielt hat im menschlichen Geistes- und Seelenleben, sagen wir bis zu dem Mysterium von Golgatha. Das ist der große Einschnitt in die ganze menschliche Erdenentwickelung. Und wenn man von alledem ausnimmt, was sich bis zum Mysterium von Golgatha entwickelt hat, die althebräische, die altjüdische Entwickelung, so kann man sagen: Dasjenige, was sich bis dahin entwickelt hat, trägt. einen durchaus einheitlichen Charakter.

[ 4 ] The entire earthly evolution of humanity is connected to this essence of the human being. And now the time has come to recognize how to take a step forward—a step that depends on our ability to put our human organization into action. After all, human development on Earth consists primarily of what has taken place in human spiritual and soul life—let us say, up to the Mystery of Golgotha. That is the great turning point in the entire history of humanity on Earth. And if one excludes from all of this—that is, from what developed up to the Mystery of Golgotha—the ancient Hebrew and ancient Jewish development, one can say: What developed up to that point has a thoroughly unified character.

[ 5 ] Die alte heidnische Kultur, die in der verschiedensten Weise, wie ich es geschildert habe in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», von den Mysterien des Altertums ausgeht, trägt in einer gewissen Beziehung einen einheitlichen Charakter. Welches ist dieser einheitliche Charakter ? Dieser einheitliche Charakter besteht darin, daß eine Urweisheit der Menschheit vorliegt, daß tatsächlich eine Uroffenbarung über die ganze Erde hin stattgefunden hat. Diese Uroffenbarung, warum konnte sie denn stattfinden ? Sie konnte stattfinden aus dem Grunde, weil in den alten Zeiten der Erdenentwickelung das menschliche Haupt, der menschliche Kopf, wenn ich so sagen darf, noch nicht so weit vorgeschritten war, wie er es in unserer Zeit ist oder wie er es auch zur Zeit des Mysteriums von Golgatha schon war. Er war in dem Sinne, wie ich Ihnen das gestern auseinandergesetzt habe, noch lebendig. Er war noch erfüllt von der Möglichkeit, Träume zu haben, die nicht mit dem zusammenhingen, was allein die Erdenerfahrung und das Erdenerlebnis gibt. Er war in der Lage, in sich wieder hervorzurufen, was der Mensch in alten Traumerlebnissen — also bei einem herabgedämmerten Bewußtsein gegenüber dem unsrigen — zur alten Mondenzaeit hatte.

[ 5 ] The ancient pagan culture, which—as I have described in my *Outline of Esoteric Science*—derives in various ways from the mysteries of antiquity, exhibits a unified character in a certain respect. What is this unified character? This unified character consists in the fact that there is a primordial wisdom of humanity, that a primordial revelation did indeed take place across the entire Earth. Why was this primordial revelation able to take place? It was able to take place because, in the early stages of Earth’s evolution, the human head—if I may put it that way—had not yet advanced as far as it has in our time, or as it already had at the time of the Mystery of Golgotha. It was still alive, in the sense I explained to you yesterday. It was still filled with the possibility of having dreams that were not connected solely to what earthly experience and earthly perception provide. It was capable of evoking within itself what human beings had in ancient dream experiences—that is, with a consciousness that was more subdued than our own—during the ancient Moon era.

[ 6 ] Das alles wurde benützt von den Offenbarern der alten Zeiten, um die Menschheit gewissermaßen hinzuleiten zu dem Punkte der Entwickelung, an dem sie sein sollte beim Einbruche des Mysteriums von Golgatha. Das, was da geoffenbart wurde und von der Menschheit durch die Ihnen eben charakterisierte Organisation hat empfangen werden können, das war so, daß gegenüber dem, was die heutige Menschheit weiß, ein umfassendes Weisheitsgut in Urzeiten da war, das immer mehr und mehr abnahm. Wir würden heute nicht zufrieden sein mit diesem Weisheitsgut, denn es war vielfach eben nur so, daß es zum Inhalt hatte alte atavistische Hellseher-Traumvorstellungen. Wir wollen heute richtige, klare Vorstellungen haben, aber wir sind in diesen lichten, klaren Vorstellungen eben noch nicht sehr weit.

[ 6 ] All of this was used by the revelators of ancient times to guide humanity, so to speak, to the point of development where it was meant to be at the dawn of the Mystery of Golgotha. What was revealed there—and what humanity was able to receive through the organization I have just described—was such that, compared to what humanity knows today, there existed in ancient times a vast store of wisdom that gradually diminished more and more. We would not be satisfied with that store of wisdom today, for in many cases it consisted merely of old, atavistic clairvoyant visions and dream images. Today we want to have accurate, clear ideas, but we have not yet progressed very far in these clear, lucid ideas.

[ 7 ] Eine alte Weisheit war über die Menschheit hin ergossen. Aus dieser Weisheit wurde vieles gesagt über die Wesen, die die Natur beherrschen, über die Kräfte, die die Natur beherrschen, aber sehr wenig von dem Menschen selbst. Der Mensch war ja noch nicht zu seinem irdischen Bewußtsein gekommen. Er war gewissermaßen noch ganz geleitet am Gängelbande höherer Mächte. Er konnte weise werden, aber das Selbstbewußstsein, das leuchtete noch nicht auf. Der apollinische Spruch: «Erkenne dich selbst» ist wie eine Sehnsucht in die Menschheit hineingestellt, wie etwas, was von den führenden Geistern Griechenlands in die Zukunft hineingerufen worden ist. Eine Weisheit war da, welche von der Natur, allerdings auch von der Natur des Kosmos handelte. In dieses Leben der Menschheit wurde hineingestellt die alte hebräische Offenbarung. Wenn Sie sich die alte hebräische Offenbarung vor die Seele rücken, so hat sie eine gewisse Eigentümlichkeit. Sie unterscheidet sich ganz und gar von den heidnischen Weisheitsoffenbarungen, die um sie herum sich ausbreiteten. Sie verschmähte es gewissermaßen, die Weisheiten über die Natur und das Weltenall in sich zu enthalten. Sie enthielt im Grunde genommen über die Natur und das Weltenall nur das eine: Gott hat sie erschaffen mit dem Menschen, und der Mensch hat in der Welt dem Gotte zu dienen. Die ganze althebräische Offenbarung ist auf das Ziel hin abgestellt, dem Menschen zu zeigen, wie er seinem Jahve-Gotte dienen könne. An was wird denn in dieser althebräischen Offenbarung appelliert? — Dasjenige, woran nicht appelliert wird, das hat die alte heidnische Offenbarung: die Hauptesorganisation, die noch in sich hervorrufen konnte Erinnerungen an die alte Mondenzeit. An die konnte bei der hebräischen Offenbarung nicht appelliert werden. Es mußte an die übrige Organisation des Menschen appelliert werden. Aber erinnern Sie sich, was ich gestern gesagt habe: Diese übrige Organisation des Menschen kann gerade verstehen und aufnehmen, weil sie sonnenhaft ist, das, was vom Monde kommt. Was vom Monde kommt, ist dasjenige, was im Extrem zu den Illusionen führt, zu dem führt, was im Innern des Menschen sich offenbaren kann. Das aber ist der Inhalt der althebräischen Offenbarung. Es ist zunächst ganz vom Menschen nur gehandelt. Der Mensch steht in dieser althebräischen Offenbarung ganz im Mittelpunkt.

[ 7 ] An ancient wisdom had been poured out upon humanity. From this wisdom, much was said about the beings that rule nature, about the forces that rule nature, but very little about human beings themselves. After all, human beings had not yet attained their earthly consciousness. In a sense, he was still entirely guided by the hand of higher powers. He could become wise, but self-consciousness had not yet dawned. The Apollonian maxim, “Know thyself,” is implanted in humanity like a longing, like something that was called forth into the future by the leading spirits of Greece. There was a wisdom that dealt with nature—and indeed with the nature of the cosmos. Into this life of humanity was placed the ancient Hebrew revelation. If you bring the ancient Hebrew revelation to mind, you will see that it has a certain peculiarity. It differs entirely from the pagan revelations of wisdom that spread around it. In a sense, it eschewed the idea of containing wisdom about nature and the universe within itself. Essentially, it contained only this one truth about nature and the universe: God created them together with humankind, and humankind is to serve God in the world. The entire ancient Hebrew revelation is directed toward the goal of showing humankind how to serve its God, Yahweh. To what, then, does this ancient Hebrew revelation appeal? — That to which it does not appeal is found in the ancient pagan revelation: the primary organization that could still evoke memories of the ancient lunar era. The Hebrew revelation could not appeal to that. It had to appeal to the rest of the human organism. But remember what I said yesterday: this rest of the human organism can understand and absorb—precisely because it is sun-like—that which comes from the moon. What comes from the moon is that which, taken to the extreme, leads to illusions—to what can reveal itself within the human being. But that is the content of the ancient Hebrew revelation. At first, it deals entirely with the human being. In this ancient Hebrew revelation, the human being stands entirely at the center.

[ 8 ] Aber man war in der Zeit vor dem Mysterium von Golgatha noch nicht durchgedrungen zur Selbsterfassung, zur Selbsterkenntnis des Menschen. Man mußte einen Weg suchen, der eigentlich ein Umweg war. Und der ging über das jüdische Volkstum. Daher ist die jüdische Religion zunächst nicht eine Menschheitsreligion. Sie wendet sich nicht an den einzelnen Menschen, sondern an das ganze hebräische Volk. Sie ist eine Volksreligion. Sie redet von dem Menschen, aber nur auf dem Umwege durch das Volk.

[ 8 ] But in the time before the Mystery of Golgotha, humanity had not yet attained self-awareness or self-knowledge. One had to seek a path that was, in fact, a detour. And that path led through the Jewish people. Therefore, the Jewish religion is not, at first, a religion of humanity. It does not address the individual human being, but rather the entire Hebrew people. It is a national religion. It speaks of the human being, but only indirectly through the people.

[ 9 ] Diese zwei Dinge waren da, als das Mysterium von Golgatha in die Erdenentwickelung eingriff: Verglimmende altheidnische Weltenweisheit und Menschheitsbewußtsein in Form von Volksbewußtsein. Da hinein wurde gestellt das Mysterium von Golgatha. Man konnte es nur begreifen mit dem, was da war. Man muß unterscheiden die Tatsache des Mysteriums von den Mitteln, es aufzufassen, es zu empfinden. Die Heiden konnten es nur begreifen mit den Resten ihrer Weltenweisheit. Die Juden konnten es nur begreifen mit dem, was geoffenbart war. Und so wurde es auch zunächst begriffen. Der Rest der alten Weisheit zeigte sich in der gnostischen Auffassung des Ereignisses von Golgatha. Dasjenige, was der jüdischen Offenbarung zu verdanken war, das wurde immer mehr und mehr der Inhalt des katholischen Erfassens, des römisch-katholischen Erfassens des Mysteriums von Golgatha. Und es mußte nun, um überhaupt etwas vom Mysterium von Golgatha zu erfassen, der Umweg gemacht werden durch diese zwei Weltenströmungen.

[ 9 ] These two things were present when the Mystery of Golgotha intervened in the evolution of the Earth: the fading wisdom of the ancient pagan world and human consciousness in the form of collective consciousness. The Mystery of Golgotha was placed within this context. It could only be understood through what was already there. One must distinguish between the fact of the Mystery and the means of grasping and experiencing it. The pagans could only comprehend it through the remnants of their ancient world wisdom. The Jews could only comprehend it through what had been revealed. And that is how it was initially understood. The remnants of the ancient wisdom manifested themselves in the Gnostic interpretation of the event at Golgotha. That which was owed to Jewish revelation increasingly became the content of the Catholic understanding—the Roman Catholic understanding—of the Mystery of Golgotha. And in order to grasp anything at all of the Mystery of Golgotha, it was now necessary to take a detour through these two world currents.

[ 10 ] Dabei zeigte sich allerdings folgendes. Der alten heidnischen Weisheit ging, weil sie eine verglimmende war, weil ihr Ursprung weit zurücklag, immer mehr und mehr die Fähigkeit verloren, von den Menschen begriffen zu werden. Die Menschen wurden viel zu bequem, die in gnostischer Form auftretende Weisheit über das Mysterium von Golgatha weiter fortzupflanzen. Nur ganz dünne Reste des alten heidnischen Weltbegreifens blieben zurück. Das ist die eine Strömung.

[ 10 ] However, the following became apparent. Because it was a fading wisdom, and because its origins lay far in the past, the ancient pagan wisdom increasingly lost its ability to be understood by people. People became far too complacent to continue passing on the wisdom—which took Gnostic form—concerning the mystery of Golgotha. Only very faint remnants of the ancient pagan worldview remained. That is one current.

[ 11 ] Frischer, intensiver war die jüdische Verkündigung. Aber sie hatte keine Weltenweisheit. Sie sprach nur vom Menschen und von Geboten an den Menschen. Sie stellte ganz den Menschen in den Mittelpunkt der Weltanschauung. Sie pflanzte sich fort in den Kirchen des Abendlandes. Die letzten Reste der heidnischen Weisheit, deren Ursprung man nicht mehr erkannte, blieben zurück als Begriffe für dasjenige, was nun naturwissenschaftliche Erfahrung ist. Mit den letzten Resten alter heidnischer Weisheit begriffen Galilei, Giordano Bruno, Kopernikus dasjenige, was an neuen Weltenerfahrungen vorliegt. Kein Wunder, daß dies allmählich etwas sehr Unbefriedigendes werden mußte. Man hatte ja nur die letzten abstrakten Reste der altheidnischen Weisheit anzuwenden gewußt auf dasjenige, was man durch die neuen Mittel der Naturwissenschaft bekam. Und von dem, was man über den Menschen wußte aus der jüdischen Offenbarung, fand sich keine Brücke hinüber zu dieser Weisheit. Und so ging das fort, und so lebte es sich fort bis in unsere Tage herein. Wir haben auf der einen Seite eine Wissenschaft, die nur mit den allerletzten Brockenresten der alten heidnischen Weisheit arbeitet und die von sich aus keine Mittel findet, den Menschen zu begreifen, die deshalb im 19. Jahrhundert darin gipfelte, auf das Begreifen des eigentlichen Menschen zu verzichten und nur das zu begreifen, was sich scheinbar ergibt, wenn man den Menschen als die letzte Konsequenz der tierischen Reihe ansieht. Nicht den Menschen begreifen, sondern das höchste Tier begreifen und das den Menschen nennen, das wurde das Ideal dieser mit den letzten Brocken des Heidnischen arbeitenden Wissenschaft.

[ 11 ] The Jewish message was fresher and more intense. But it lacked worldly wisdom. It spoke only of human beings and of commandments for human beings. It placed human beings entirely at the center of its worldview. It took root in the churches of the West. The last remnants of pagan wisdom, whose origins were no longer recognized, remained as concepts for what is now scientific experience. Drawing on these last remnants of ancient pagan wisdom, Galileo, Giordano Bruno, and Copernicus grasped the new experiences of the world that were emerging. No wonder that this gradually had to become something very unsatisfying. After all, people had only known how to apply the last abstract remnants of ancient pagan wisdom to what was gained through the new methods of natural science. And from what was known about human beings through Jewish revelation, no bridge could be found leading to this wisdom. And so it continued, and life went on in this way right up to the present day. On the one hand, we have a science that works only with the very last crumbs of ancient pagan wisdom and that, on its own, finds no means to understand human beings; this culminated in the nineteenth century in the decision to forgo understanding the human being as such and to understand only what apparently follows when one regards the human being as the ultimate consequence of the animal kingdom. Not to understand human beings, but to understand the highest animal and call that “human”—that became the ideal of this science working with the last remnants of paganism.

[ 12 ] Dasjenige, was sich anschloß an die jüdische Offenbarung, das verlor allmählich die Möglichkeiten, von dem aus, was es über den Menschen zu sagen hatte, irgend etwas über die Natur zu sagen. Versuchen Sie einmal die Theologie, wie sie sich entwickelt hat, durchzunehmen, ob darin irgend etwas sich findet, was heute eine für das Zeitbewußtsein befriedigende Erklärung auch nur der einfachsten Naturvorgänge geben könnte. Gewiß, moralische Betrachtungen können angeknüpft werden aus dieser Tradition heraus an die Naturvorgänge. Aber mit der moralischen Betrachtung, daß Gott ein Erdbeben von Messina habe kommen lassen, um die Menschen zu bestrafen, ist das heutige Zeitbewußtsein nicht zufrieden, und die Brücke herüberzuschlagen von dem, was die Götter arbeiten, bis zu dem, was in der Natur sich ereignet und ausbricht, ist die Theologie allmählich unfähig geworden. Sie ist daher in vieler Beziehung Phrase, während unsere Naturwissenschaft in grandioser Weise Material über Material vor sich hat, das unendliche Geheimnisse einschließt, aber nichts damit anzufangen weiß, weil ihr die Begriffe fehlen, um die Dinge miteinander zu verbinden. Unter diesem Zwiespalt entwickelte sich das ganze neuere Bewußtsein, entwickelte sich so etwas wie zum Beispiel der Agnostizismus, dem es das Kennzeichen eines erleuchteten Geistes wurde, wenn er sich sagen konnte: Der Mensch ist außerstande, über das Wesen der Dinge etwas zu wissen. Er ist einfach nicht darauf hinorganisiert, über das Wesen der Dinge etwas zu wissen.

[ 12 ] What followed the Jewish revelation gradually lost the ability to say anything about nature based on what it had to say about human beings. Try to examine the history of theology as it has developed to see if there is anything in it that could provide an explanation—even for the simplest natural phenomena—that would satisfy our contemporary sense of time. Certainly, moral reflections can be drawn from this tradition in relation to natural phenomena. But today’s contemporary consciousness is not satisfied with the moral notion that God caused the Messina earthquake to punish people, and theology has gradually become incapable of bridging the gap between the workings of the gods and what occurs and erupts in nature. It has therefore become, in many respects, mere rhetoric, while our natural science has, on a grand scale, an abundance of material before it that holds infinite mysteries, yet knows not what to do with it because it lacks the concepts to connect the things with one another. It was amid this dichotomy that the entire modern consciousness developed, giving rise to movements such as agnosticism, for which it became a hallmark of an enlightened mind to be able to say: Human beings are incapable of knowing anything about the nature of things. They are simply not organized to know anything about the nature of things.

[ 13 ] Gegen eine solche Anschauung muß dasjenige, was in den Menschen tief als Sehnsucht vorhanden ist, ankämpfen. Es kämpft an in dem, was der Mensch wissen will über die Welt, es kämpft an in der äußeren sozialen Ordnung. Und einsehen wird man müssen, wie weitergekommen werden muß, weil wir in gewissen Dingen mit unseren Vorstellungen, mit unseren Ideen noch in weitaus alten Zeiten stehen. Was hat denn die jüdische Offenbarung aus sich hervorgetrieben? Das Kennzeichnendste von dem, was sie hervorgetrieben hat, das ist die nationaljüdische Politik. Diese nationaljüdische Politik, nachdem sie ihren Einfluß ausgeübt hat auf das Romanentum, hat ihren Weg genommen bis in die neueste Zeit herein. Und die beträchtlichsten Völker der Gegenwart, was streben sie denn an auf dem politischen Felde? — Nationale Politik zu treiben! Das aber ist althebräische Politik. Wir sind mit Bezug auf unser öffentliches Leben noch nicht bis zum Christentum vorgedrungen. Wir stehen noch im Alten Testamente. Und die Gegenwart hat die Aufgabe, im Gebiete des öffentlichen Lebens bis zum Christentum vorzudringen. Sie wird nicht vordringen, wenn sie nicht auf der andern Seite unterstützt wird durch das wissenschaftliche Vordringen zum Christentum. Dazu ist aber notwendig, daß man den Menschen wirklich kennenlernt.

[ 13 ] What lies deep within human beings as a longing must struggle against such a view. It struggles in what human beings seek to know about the world; it struggles in the external social order. And we will have to recognize how we must move forward, because in certain matters our conceptions and ideas are still stuck in a bygone era. What, then, did the Jewish revelation bring forth? The most distinctive feature of what it brought forth is Jewish national politics. This Jewish national policy, having exerted its influence on Roman civilization, has continued on its course right up to the present day. And what do the most significant nations of the present day strive for in the political arena? — To pursue national policy! But that is ancient Hebrew politics. With regard to our public life, we have not yet advanced as far as Christianity. We are still in the Old Testament. And the task of the present is to advance toward Christianity in the realm of public life. It will not advance unless it is supported, on the other hand, by scientific progress toward Christianity. For this, however, it is necessary to truly come to know human beings.

[ 14 ] Nehmen Sie — der Art der Betrachtung nach — meine «Geheimwissenschaft»; da wird viel über kosmische Entwickelung gesprochen, über Saturn-, Sonnen-, Mond-, Erdenentwickelung und so weiter, daß denjenigen Menschen, die heute die «ganz gescheiten» sind, entweder angst und bange wird oder sie zu einem Lächeln oder zum Ärger veranlaßt werden. Wenn Sie genauer ansehen, was da in meiner «Geheimwissenschaft» steht, so werden Sie finden: Was da als Welterkenntnis gegeben ist, das ist zugleich Menschenerkenntnis. Denn eigentlich ist in der ganzen Welterkenntnis überall der Mensch drinnen. Was vom Menschen zur Saturnzeit veranlagt, dann weiter ausgebildet worden ist, wie die andern Wesen sich angegliedert haben, das ist betrachtet. Sie können da gar nicht Welterkenntnis und Menschenerkenntnis auseinanderhalten.

[ 14 ] Take—in terms of its approach—my *Secret Science*; it discusses cosmic evolution at length—the evolution of Saturn, the Sun, the Moon, the Earth, and so on—to the extent that people who are considered “very clever” today are either filled with fear and anxiety or are moved to smile or become annoyed. If you look more closely at what is written in my “Secret Science,” you will find: What is presented there as knowledge of the world is at the same time knowledge of humanity. For in truth, humanity is present throughout all knowledge of the world. It examines what was predisposed in human beings during the Saturnic era and subsequently developed, as well as how other beings became connected to them. You cannot possibly distinguish between knowledge of the world and knowledge of humanity there.

[ 15 ] Das ist aber in der Gegenwart vom Wissensgebiete aus eine christliche Forderung. Ebenso ist es vom sozialen Gebiete aus eine christliche Forderung, daß wir von allen andern menschlichen Zusammenhängen absehen lernen und abzielen lernen lediglich auf den Menschen selbst. Vom Standpunkt der Phrase wird über diese Dinge schon seit langem phantasiert, vom Standpunkt der Wirklichkeit aus noch wenig. Denn vom Standpunkt der Wirklichkeit aus existieren noch immer als überwältigende Kräfte im politischen Leben der Welt die nationalen Zusammenhänge, in denen der Mensch zum großen Teil heute vollständig untergeht. Dasjenige, was an die Stelle dieser nationalen Zusammenhänge treten muß, ist ein Verhältnis, gebaut auf die Empfindung dessen, was der Mensch ist, von Mensch zu Mensch über die ganze zivilisierte Erde hin. Aber um ein solches Verhältnis zu begründen, dazu gehört eine gewisse innere Kraft des Geistes, eine gewisse innere Kraft der menschlichen Seele. Und wenn wir uns fragen: Ist denn der Mensch eigentlich in dem sogenannten gesegneten 19. Jahrhundert seelisch stärker geworden? — so findet man, wo immer man herumzusehen vermag, wenn man aufrichtig und ehrlich ist, überall: in bezug auf die Intensität der Begriffe und Ideale ist der Mensch nicht stärker, sondern schwächer geworden. Diejenigen, die mich kennen, werden wissen, wie so etwas gemeint ist.

[ 15 ] However, from the perspective of the realm of knowledge, this is a Christian demand. Likewise, from the social perspective, it is a Christian demand that we learn to set aside all other human contexts and focus solely on human beings themselves. From a rhetorical standpoint, these matters have long been the subject of speculation; from the standpoint of reality, however, they have received little attention. For from the standpoint of reality, national contexts still exist as overwhelming forces in the political life of the world—contexts in which human beings today are, for the most part, completely subsumed. What must take the place of these national contexts is a relationship built on a sense of what it means to be human, from person to person across the entire civilized world. But establishing such a relationship requires a certain inner strength of the spirit, a certain inner strength of the human soul. And when we ask ourselves: Has humanity actually become spiritually stronger in the so-called “blessed” 19th century? — then, wherever one looks, if one is sincere and honest, one finds everywhere that, in terms of the intensity of concepts and ideals, humanity has not become stronger, but weaker. Those who know me will understand what I mean by this.

[ 16 ] Ich darf hier eine persönliche Bemerkung einschalten. Es ist jetzt Jahrzehnte her, da war ich in Wien in einem Gespräche mit einem Mann, der seither sich als Historiker einen großen Namen gemacht hat. Wir sprachen über die deutsche Entwickelung. Der Mann war der abstrakten Anschauung, die er damals so äußerte: Nun ja, diese deutsche Entwickelung, die ist da und die geht halt in der Art weiter, wie sie da ist. — Ich sagte: Das ist eine Abstraktion, das ist nicht etwas, was aus der Wirklichkeit heraus geholt ist. Das kommt mir etwa so vor, wie wenn jemand sagt: Hier ist eine Pflanze, sie hat schon Frucht getrieben, nun werden wieder neue Blüten kommen, dann wieder Früchte, dann wieder Blüten, und das wächst so immer weiter. — Wenn bei der Pflanze die Blüten- und Fruchtbildung erreicht ist, kann man nicht sagen: Das geht so weiter, wie es da ist. — Es kann ja allerdings aus dem Samen, der von der Blüte entstand, etwas Neues, eine neue Pflanze entstehen; aber man darf sich nicht vorstellen, daß aus der Blüte die alte Pflanze in einer neuen Gestalt wieder heraustritt und das sich so fortsetzt, wie es da war. Ich sagte: Dasjenige, was die Substanz, die Essenz des deutschen Wesens ist, hat seine Blüte und Frucht erreicht zur Goethe-, Schiller-, Herder-, Hegel-Zeit. Das ist ein Höhepunkt. Das kann nicht einfach fortgesetzt werden. Seither stehen wir in der Dekadenz, seither sind wir in absteigender Bewegung. — Ich äußerte damals diese Ideen. Verständnis, wie Sie sich denken können, fand ich wenig; denn man war schon eingetreten in die Zeit, wo solche Ideen zu intensiv waren, als daß sie die menschliche Seele hätten ergreifen können, und ich mußte denken, wie es ganz anders war noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Da gab es zum Beispiel innerhalb der deutschen Entwickelung einen Mann, der eine Literaturgeschichte geschrieben hat, Gervinus. Man kann viel gegen ihn haben; in dem ganzen Schreiben dieser Literaturgeschichte liegt ein ungeheurer Radikalismus. Sie schließt nämlich mit dem Tode Goethes ab, und sie bestreitet den nachfolgenden Geschlechtern, im alten Stil immer weiter und weiter zu dichten, so, wie wenn neue Blüten herauswüchsen aus den Blättern der Pflanze. Damals war man noch radikal genug, zu sagen: Mit Goethe ist es aus; wollt ihr weiter euch entwickeln, so müßt ihr nach neuen Ansätzen suchen! — Die konnte Gervinus nicht geben; aber er schloß das Alte ab, er machte einen Strich darunter.

[ 16 ] I’d like to interject a personal remark here. It’s been decades now since I was in Vienna having a conversation with a man who has since made a name for himself as a historian. We were talking about German development. The man held an abstract view, which he expressed at the time as follows: “Well, this German development—it’s there, and it’ll just continue the way it is.” — I said: “That’s an abstraction; it’s not something drawn from reality. It strikes me as similar to someone saying: ‘Here’s a plant; it’s already borne fruit. Now new blossoms will appear, then fruit again, then blossoms again, and it just keeps growing like that.’ — Once the plant has reached the stage of flowering and fruiting, you can’t say: “It will just continue as it is.” — Of course, something new—a new plant—can emerge from the seed produced by the flower; but you mustn’t imagine that the old plant will reemerge from the flower in a new form and that things will continue just as they were. I said: That which is the substance, the essence of the German spirit, reached its bloom and fruition in the time of Goethe, Schiller, Herder, and Hegel. That is a high point. It cannot simply be continued. Since then, we have been in a state of decadence; since then, we have been in a downward spiral. — I expressed these ideas at the time. As you can imagine, I found little understanding; for we had already entered an era in which such ideas were too intense to have gripped the human soul, and I had to reflect on how things had been quite different up until the middle of the 19th century. There was, for example, a man within the context of German development who wrote a history of literature: Gervinus. One may have much to object to in him; the entire work of this literary history is imbued with an immense radicalism. It concludes, in fact, with Goethe’s death, and it denies subsequent generations the right to continue writing poetry in the old style, as if new blossoms were sprouting from the leaves of the plant. Back then, people were still radical enough to say: “It’s over with Goethe; if you want to continue developing, you must seek new approaches!”—Gervinus could not provide those; but he drew a line under the old, he put an end to it.

[ 17 ] Gewiß, es ist ja seit jener Zeit manches Schöne auch gedichtet worden in der deutschen Sprache, aber es ist Epigonentum. Es fließt darin nicht die Essenz, die in Herder, Goethe, Schiller fließt, nicht die philosophische Essenz, die Hegel-Schelling-Essenz, die Fichte-Essenz. Einzig und allein, _ daß Hamerling im Punkte seiner Reife einen neuen Ton hineingebracht hat in seinem «Homunculus», der aber eine Satire geworden ist.

[ 17 ] Certainly, many fine works have been written in the German language since that time, but they are mere imitations. They lack the essence found in Herder, Goethe, and Schiller—the philosophical essence of Hegel and Schelling, the essence of Fichte. The only exception is _that Hamerling, at the height of his maturity, introduced a new tone in his *Homunculus*, which, however, turned out to be a satire.

[ 18 ] Die Forderungen standen schon dazumal vor der Türe, ein Neues zu ergreifen, wirklichen Sinn zu entwickeln für einen neuen Ansatz der ganzen neuen Zivilisation. Dieser Ruf nach einem neuen Ansatz, der sollte heute durch die ganze Welt gehen. Denn nur von da aus ist einiges Heil für die zukünftige Entwickelung der Menschheit zu erhoffen. Ausgelöscht müßte werden alles dasjenige, was nicht anknüpft an die Empfindung des einzelnen Menschen. Ein äußeres Zeichen dafür können Sie daraus ersehen, wie krampfhaft alte Vorstellungen heute wieder hervorgezogen werden. Um doch etwas zu sagen in der Gegenwart, werden alte Vorstellungen hervorgezogen. Bei einem der gegenwärtig führenden Geister Mitteleuropas findet man eine so recht aus diesem dekadenten Zeitbewußtsein heraus gesprochene Anschauung, die zeigt, woran sich die Menschheit heute nicht halten kann. Dieser Mann frägt: Wie kommen wir denn wiederum zu einem sittlichen Leben? — Er sieht ein,

[ 18 ] Even back then, the call was already at the door to embrace something new, to develop a true sense of a new approach to the entire new civilization. This call for a new approach should resound throughout the world today. For only from that starting point can any hope for the future development of humanity be found. Everything that does not connect with the individual’s inner experience must be eradicated. You can see an outward sign of this in how desperately old ideas are being trotted out again today. Just to have something to say in the present, old ideas are being brought back. In one of the leading minds of Central Europe today, one finds a view expressed precisely out of this decadent sense of the times, which shows what humanity cannot hold onto today. This man asks: How, then, do we return to a moral life? — He realizes,

[ 19 ] in den letzten fünf Jahren hat sich die Abgebrauchtheit der alten Moral gezeigt, die Lüge hat ihren Siegeszug durch alle Völker gehalten. Die althebräische Jahve-Politik hat so sehr alle Völker ergriffen, daß man glauben möchte, damals in Palästina gab es ein Judentum, und jetzt möchten alle Völker für sich jeweilen eine solche Politik treiben, wie die Juden sie in Palästina getrieben haben. Sie möchten alle so werden, sie möchten alle mit Ausschluß der Errungenschaften des Christentums Weltpolitik treiben. Der Inhalt fehlt. Daher greift man zu Dingen, die eigentlich keinen Inhalt haben. Statt nach neuen Quellen der Sittlichkeit aus geistigen, neuen, fruchtbaren Anschauungen heraus zu suchen, frägt man: Wo liegen die Quellen einer neuen Sittlichkeit? — und gibt folgende Antwort: Die Macht ist ein unentbehrliches Mittel, um das Gute zu schaffen. Darum soll man, falls man sie nicht schon besitzt, nach derjenigen Macht streben, die für das jeweilig zu verwirklichende Gute erforderlich ist. — Man möchte ein Gutes haben in der Welt und gibt den schönen Rat: Suche dir die Macht, um das Gute zu verwirklichen. — Als zweiter Grund der neuen Ethik figuriert: Mit der Macht, die man hat, kann man das Gute schaffen. Darum soll man auch die Macht überall zur Verwirklichung des Guten verwenden.

[ 19 ] Over the past five years, the obsolescence of the old morality has become apparent; lies have triumphed among all peoples. The ancient Hebrew “Yahweh” policy has taken such a firm hold on all nations that one might be tempted to believe that there was once a Judaism in Palestine, and that now all nations wish to pursue for themselves a policy similar to the one the Jews pursued in Palestine. They all want to become like that; they all want to conduct world politics while excluding the achievements of Christianity. Content is lacking. Therefore, people resort to things that actually have no substance. Instead of seeking new sources of morality from spiritual, new, and fruitful perspectives, they ask: Where are the sources of a new morality? — and give the following answer: Power is an indispensable means for creating the good. Therefore, if one does not already possess it, one should strive for the power necessary to bring about the good in question. — One wishes to see good in the world and offers this fine advice: Seek the power to bring about that good. — The second principle of the new ethics is: With the power one has, one can create the good. Therefore, one should also use that power everywhere to bring about the good.

[ 20 ] Aber man muß doch das Gute erst haben, man muß doch das Gute erst erkennen! So zu sprechen ist das Gegenteil von dem, was sich durch die hier gemeinte Geisteswissenschaft in der neueren Menschheitszivilisation verbreiten muß. Denn da handelt es sich nicht darum, irgend etwas auf Macht zu begründen. Auf Macht kann man nur etwas begründen, wenn man Menschengruppen zusammenfaßt. Wenn Mensch dem Menschen gegenüberstehen soll, kann man nichts auf Macht gründen, sondern nur auf dasjenige, was sich im Menschen entwickelt, so daß der Mensch einen Wert hat. Der Mensch hat sich zu erarbeiten einen Wert, durch den er Leistungen vollbringt für den Menschen, und er hat zu gleicher Zeit zu entwickeln eine Empfänglichkeit, solchen Menschenwert anzuerkennen.

[ 20 ] But one must first have the good; one must first recognize the good! To speak in this way is the opposite of what must spread throughout modern human civilization through the spiritual science referred to here. For the point is not to base anything on power. One can base something on power only when bringing groups of people together. When one human being is to face another, nothing can be based on power, but only on that which develops within the human being, so that the human being has value. The human being must work to attain a value through which he accomplishes deeds for the sake of humanity, and at the same time he must develop a receptivity to recognize such human value.

[ 21 ] Das ist die einzige mögliche Grundlage für jegliche Sittlichkeit der Zukunft: Menschenwert entwickeln und die Fähigkeit, Menschenwert anzuerkennen. Dies mit andern Worten ausgedrückt, bedeutet: Alle Sittlichkeit muß auf wirkliches Vertrauen aufgebaut werden! — Weil man nicht vordringen wollte zu solchen Anschauungen, konnte man jene Moralforderungen nicht begreifen, die in meiner «Philosophie der Freiheit» enthalten sind. Da wird begründet eine sogenannte individualistische Moral und es wird darauf gebaut, daß man, wenn in jedem einzelnen Menschen dasjenige entwickelt wird, was entwickelt werden kann, nicht die Gesetzgebungen braucht, sondern dann warten kann, was die Menschen tun werden in ihrem gegenseitigen Verkehr. Und ich mußte dazumal manchem Menschen sagen: Sieh einmal, wenn wir auf der Straße gehen, der eine hin, der andere her, brauchen wir da eine Gesetzgebung, daß wir einander ausweichen ? Daß der eine links geht, der andere rechts geht, das tut man aus den Anforderungen des Daseins heraus, die man vernünftigerweise einsieht. — So handelt man sittlich, wenn alle die Dinge, die im Menschenwesen liegen, wirklich zur Entwickelung kommen. Ohne das gibt es keine Moral der Zukunft.

[ 21 ] This is the only possible foundation for any morality of the future: developing human dignity and the ability to recognize human dignity. Put another way, this means: All morality must be built on genuine trust! — Because people were unwilling to embrace such views, they could not grasp the moral demands contained in my *Philosophy of Freedom*. There, a so-called individualistic morality is established, based on the premise that if what can be developed in each individual is developed, there is no need for legislation; instead, we can simply wait to see what people will do in their interactions with one another. And at that time I had to say to many people: Look, when we walk down the street—one person this way, another that way—do we need a law to make us avoid each other? That one person walks on the left and another on the right—this is done out of the demands of existence, which one reasonably recognizes. — That is how one acts morally when all the qualities inherent in human nature are truly allowed to develop. Without that, there can be no morality of the future.

[ 22 ] Dies ist aber die einzige Moral, die wirklich auf eine neuerfaßte Christlichkeit aufgebaut sein wird. Darauf muß sie aufgebaut sein: Alles, das ihr irgendeinem als dem Menschen tut, das habt ihr mir getan. — Der Christus ist in die Menschheit gekommen, auf daß jeder einzelne Mensch den andern Menschen seinem Werte nach erkennt. Und wenn die Menschen einander so behandeln in der Welt, dann ist die Grundlage für dasjenige gegeben, was eine neue Sittlichkeit ist. Dann ist aber auch erst von unserem gegenwärtigen Gesichtspunkt aus das Mysterrum von Golgatha neu begriffen. Dieses Mysterium von Golgatha ist eine Tatsache. Begriffen werden muß es von jedem Weltenzeitalter in einer neuen Form. Nicht die Lehren, die da sind, sind das Maßgebende; die müssen sich von Zeitalter zu Zeitalter ändern. Das Maßgebende ist, daß einmal das Mysterium von Golgatha geschehen ist. Für die Bekenntnisse der Gegenwart stellt es sich immer mehr und mehr heraus, daß ihnen das Mysterium von Golgatha immer gleichgültiger und gleichgültiger wird. Sie legen keinen Wert darauf, daß es aus dem Zeitbewußtsein heraus begriffen werde; sie legen nur den einen Wert darauf, daß ihre Lehren sich fortpflanzen. Aber diese Lehren werden unfähig sein, das Mysterium von Golgatha zu begreifen. Und so haben wir heute schon eine Abart der Theologie, welche von dem Christus gar nicht mehr spricht, sondern nur von dem Menschen Jesus von Nazareth, dem «schlichten Mann», der in Palästina gewandelt hat, so eine Art Sokrates. Und man kann dann nicht begreifen, warum eigentlich diejenigen, die von diesem Christus reden, von ihm reden als vom Mittelpunkt der Menschheitsentwickelung. So ernst liegen schon die Fragen, die dem heutigen Zeitalter auferlegt sind. Und gerade dieser Ernst wird eingesehen werden müssen. Aber es wird im Einklang gearbeitet werden müssen auf der einen Seite mit dem wissenschaftlichen Gebiete, auf der andern Seite mit dem sozialen Gebiete. Die Dinge laufen ja doch durchaus ineinander. Ich glaube, daß es heute den orthodox ausgebildeten Akademiker sonderbar anmuten wird, wenn man ihm zum Beispiel die Zumutung stellt, die Botanik müsse «christlich» werden. Aber sie muß christlich werden, das heißt, der Geist, der durch das Gemüt die Menschheit ergriffen hat, muß auch bis in die Botanik hinein wirken. Und ein wenig reden ja sozialistisch gesinnte Menschen, aber nur wenig, nur einzelne Teile dieser sozualistisch gesinnten Masse, davon, daß christliche Gesinnung — urchristliche Gesinnung sagt man dann wohl — Platz greifen müsse im gegenseitigen Sich-Verhalten der Menschen. Einen besonderen Wert legt man trotzdem nicht darauf, die sozialen Ideen mit dem christlichen Prinzip zu durchdringen.

[ 22 ] But this is the only morality that will truly be built upon a renewed Christianity. It must be built upon this: “Whatever you do for anyone as a human being, you have done for me.” — Christ came into humanity so that every single person might recognize the value of other human beings. And when people treat one another in this way in the world, then the foundation is laid for what constitutes a new morality. Only then, however, will the Mystery of Golgotha be understood anew from our present perspective. This Mystery of Golgotha is a fact. It must be understood in a new form by every age of the world. It is not the existing teachings that are decisive; those must change from age to age. What is decisive is that the Mystery of Golgotha took place once and for all. For the religious denominations of the present, it is becoming increasingly clear that the Mystery of Golgotha is of ever-decreasing importance to them. They attach no value to its being understood from within the consciousness of the times; they care only that their teachings be perpetuated. But these teachings will be incapable of grasping the Mystery of Golgotha. And so we already have today a form of theology that no longer speaks of the Christ at all, but only of the man Jesus of Nazareth, the “simple man” who walked in Palestine—a sort of Socrates. And one cannot then understand why those who speak of this Christ actually speak of him as the center of human development. The questions facing our age are already that serious. And it is precisely this seriousness that will have to be recognized. But work will have to be carried out in harmony, on the one hand, with the scientific realm, and on the other, with the social realm. After all, these things are thoroughly intertwined. I believe that it will seem strange to an academically trained scholar today if, for example, one were to make the demand that botany must become “Christian.” But it must become Christian—that is, the spirit that has taken hold of humanity through the soul must also take effect within botany. And socialist-minded people do speak a little—but only a little, and only certain segments of this socialist-minded mass—about the fact that a Christian attitude—an “early Christian” attitude, as one might say—must take root in the way people relate to one another. Nevertheless, no particular emphasis is placed on infusing social ideas with Christian principles.

[ 23 ] Es ist ja allerdings auch eine dritte Abart vorhanden; aber es handelt sich darum, daß wir lernen, auf der einen Seite in der Welt den Christus zu finden, daß wir lernen, auf der andern Seite in uns die Fähigkeiten zu entzünden, diesen Christus zu verstehen. Was zusammenwirken muß im Großen wie im Einzelnen im sozialen Leben, ist Entwickelung eines gewissen Menschenwertes und Entwickelung der Fähigkeit, diesen Menschenwert vertrauensvoll zu erkennen und sich danach im Verhältnis von Mensch zu Mensch auch wirklich zu verhalten!

[ 23 ] There is, of course, a third aspect as well; but it involves, on the one hand, learning to find Christ in the world, and on the other hand, learning to awaken within ourselves the abilities to understand this Christ. What must work together—on a large scale as well as in the details of social life—is the development of a certain sense of human dignity and the development of the ability to recognize this human dignity with confidence and to actually act in accordance with it in our relationships with one another!

[ 24 ] Als man im 19. Jahrhundert am wenigsten begriff, wie da herein wollte ein neuer Geist, um das Mysterium von Golgatha neu zu begreifen, da sprach man von praktischem Christentum, weil man in bezug auf das Christentum so unpraktisch wie möglich geworden war. Jetzt, nachdem die Ereignisse der letzten Jahre in der Menschheitsentwickelung vorübergezogen sind, wäre es allerdings notwendig, daß möglichst viele Menschen sich aufraffen, einzusehen, wie in der Tat eine neue Geistoffenbarung in die Menschheitsentwickelung herein will und wie sie erfaßt werden muß von den Menschen. Solange wir unser ganzes geistiges Leben an die äußeren Mächte verpfändet halten, an Staatsmächte, oder wie man sie sonst hat in der Welt, so lange wird für dieses Geistesleben keine Möglichkeit bestehen, das, was herein will an spiritueller Offenbarung in die Menschheit, wirklich aufzunehmen. Dazu ist notwendig, daß das Geistesleben wirklich, wie es in unserer Dreigliederungsidee gefordert wird, auf eigene Füße gestellt werde, daß es sich aus seinen eigenen Impulsen heraus entwickelt. Aus diesen eigenen Impulsen heraus wird die Wissenschaft mit geistigen Methoden durchtränkt werden, und an den geistigen Methoden, die man für die Wissenschaft entwickelt, wird sich die Kraft entzünden, auch das soziale Leben moralisch zu durchdringen mit dem, was Geist ist. Wir müssen im sozialen Wirken, im sozialen Leben der Menschen lernen, Geistiges zu realisieren, zu aktualisieren. Dazu aber ist es notwendig, hinauszukommen über dasjenige, was wir heute Worthülsen nennen müssen. Wir leben ja ein Geistesleben in Worthülsen, in Phrasen. Man kann heute die Erfahrung machen, daß jemand schöne Dinge sagt, die einem dem Inhalt nach gefallen können; wenn man ihm näherrückt, findet man seine Seele leer von geistigem Inhalt. Warum ? — Weil man ja heute überall die Phrasen zusammenklauben kann. Man braucht ja heute nicht verbunden zu sein mit dem, was herumschwirrt an Worthülsen im menschlichen Leben. Es gibt keinen andern Weg, um wiederum die Verbindung mit dem Geiste zu finden, als zunächst den Führer zu suchen, damit die Menschenseele wirklich von sich aus zum Geiste hingelangen kann, den Führer, der sich aber nicht anders finden läßt als dadurch, daß man ihn sucht in der Überzeugung, der Mensch könne das, was er heute werden soll, in der Welt nur dadurch werden, daß er nicht bloß bei dem bleibt, was in ihm vorhanden ist an Vererbtem, an Blutskräften, sondern dadurch, daß er etwas in sich entwickelt, das hinausgeht über das bloß Vererbte, über das bloß aus der äußeren Welt Aufzunehmende. Wir werden heute in eine Welt hereingeboren mit bestimmten Anlagen; diese Anlagen werden uns in der Schule entwickelt, aber so, daß als Antrieb bei dieser Entwickelung nur die Traditionen figurieren, die überkommen sind. Wir müssen dahin kommen, zu wissen, daß in jedem Menschen ein verborgener Keim steckt, der nicht da ist durch die bloße Vererbung, auch nicht da ist durch das, was heute an Antrieben in der Erziehung drinnensteckt. Wir müssen den Glauben haben, in jedem Menschen liege heute etwas darinnen, das nur durch Geisteskräfte und durch die Überzeugung von dem Dasein der Geisteskräfte aus ihm heraus erweckt werden könne. Aus dem, wonach heute erzogen und gelebt wird, kann bloß das Jahve-Bewußtsein erlebt werden. Das ChristusBewußtsein kann nur erweckt werden, wenn man nicht nur den Glauben hat an die Entwickelung des Menschen, sondern an die Umwandlung des Menschen, wenn man den Glauben daran hat, daß aus dem Menschen etwas wird, was nicht in ihm veranlagt ist dadurch, daß er einen Leib geerbt hat von seinen Vorfahren, sondern was in ihm sitzt dadurch, daß er frühere Erdenleben durchgemacht hat in früheren menschlichen Weltenläufen. Damals prädominierte allerdings das Vererbungsprinzip und überglänzte in der menschlichen Wesenheit das, was aus den wiederholten vorigen Erdenleben herüberkam. Jetzt sind die vererbten Eigenschaften schwach geworden, und diejenigen Eigenschatten im Menschen werden immer stärker, welche aus den früheren Inkarnationen nicht mit dem Blute, sondern mit der Seele herüberkommen.

[ 24 ] In the 19th century, when people understood the least about how a new spirit was seeking to enter in order to grasp the mystery of Golgotha anew, they spoke of “practical Christianity,” because they had become as impractical as possible with regard to Christianity. Now that the events of recent years in human development have passed, it would indeed be necessary for as many people as possible to rouse themselves to realize how a new spiritual revelation is indeed seeking to enter into human development—and how it must be grasped by human beings. As long as we keep our entire spiritual life bound to external powers—to state powers, or whatever forms they may take in the world—there will be no possibility for this spiritual life to truly receive what is seeking to enter humanity as spiritual revelation. For this to happen, it is necessary that spiritual life be truly set on its own feet, as called for in our threefold social order, so that it develops out of its own impulses. Out of these inner impulses, science will be imbued with spiritual methods, and the spiritual methods developed for science will kindle the power to morally permeate social life with that which is spirit. In our social activities, in the social life of human beings, we must learn to realize and actualize the spiritual. To do this, however, it is necessary to move beyond what we today must call empty phrases. After all, we live a spiritual life in empty phrases, in clichés. One can experience today that someone says beautiful things whose content may appeal to us; but when one gets closer to them, one finds their soul empty of spiritual content. Why? — Because today one can pick up clichés everywhere. After all, one need not be connected today to the empty phrases that swirl about in human life. There is no other way to regain the connection with the Spirit than first to seek the Guide, so that the human soul can truly reach the Spirit of its own accord—the Guide who, however, can be found only by seeking him in the conviction that that a human being can become what he is meant to be in the world today only by not merely remaining with what is present within him in terms of heredity and vital forces, but by developing within himself something that goes beyond what is merely inherited, beyond what is merely absorbed from the external world. Today we are born into a world with certain predispositions; these predispositions are developed in us at school, but in such a way that the only driving force behind this development is the traditions that have been handed down. We must come to realize that within every human being lies a hidden seed that is not there merely through heredity, nor is it there through the impulses inherent in education today. We must have faith that within every human being today lies something that can be awakened only through spiritual forces and through the conviction of the existence of those spiritual forces. Based on the way people are educated and live today, only the Yahweh consciousness can be experienced. Christ-consciousness can only be awakened if one has faith not only in human development but also in human transformation—if one believes that a person can become something that is not predisposed within them simply because they have inherited a body from their ancestors, but rather something that resides within them because they have lived through previous earthly lives in earlier human world cycles. At that time, however, the principle of heredity predominated and overshadowed within the human being that which had come over from repeated previous earthly lives. Now the inherited traits have grown weak, and those shadow aspects within the human being are growing ever stronger—those that come over from earlier incarnations not through the blood, but through the soul.

[ 25 ] Das kann ins Bewußtsein übernommen werden. Und wenn es im Bewußtsein lebt des einen Menschen, so begegnet dieser dem andern Menschen mit ganz andern Empfindungen, als sie die Menschen gemeiniglich heute haben.

[ 25 ] This can be brought into consciousness. And when it lives in one person’s consciousness, that person encounters another person with feelings quite different from those people generally have today.

[ 26 ] Damit habe ich Ihnen, wenn auch, weil es sich um ein wirklich weitgehendes Thema handelt, in einer vielleicht stammelnden Weise etwas von dem dargelegt, was mit Urnotwendigkeit hereinziehen muß in unsere menschheitliche Entwickelung. Wenn diese Forderung im Leben auftritt, so stößt sie heute noch an an die allerschwersten Vorurteile, die im Leben vorhanden sind. Sie wird bekämpft. Und ich habe Ihnen von manchem Bekämpfen dessen, was gerade mit der hier gemeinten anthroposophisch orientierten Weltanschauung angestrebt wird, in der letzten Zeit erzählen müssen. Ich möchte heute nur noch zweierlei anführen in dieser Richtung. Ich habe Ihnen neulich einmal den Brief unseres Freundes Dr. Stein vorgelesen, der in herzerfrischender Weise zeigte, wie da einem Kirchenmann entgegengetreten werden mußte, dessen Helfer, als ihm aus Bibelstellen etwas anthroposophisch Klingendes nachgewiesen werden sollte, sich sogar aufschwang zu dem Bekenntnis: Dann irrt eben Christus —, nach seiner Ansicht! Also nicht er, der Kirchenmann irrt, sondern Christus! — Als ich nach Stuttgart gekommen bin, wurde mir mitgeteilt, daß aus unseren Kreisen heraus allerlei Urteile registriert worden sind darüber, wie es doch scharf sei, einem alten Herrn, der ja sogar Schriften von mir gelesen hat, in einer solchen Weise entgegenzutreten. Man müsse doch Rücksicht nehmen auf erstens — zweitens — drittens ... Das ist leider auch in unseren Reihen noch vielfach verbreitet, daß einem gerade dann, wenn es sich darum handelt, an irgendeinem Punkte Ernst zu entwickeln, von denjenigen Menschen, die unsere Bewegung am liebsten auf dem sektiererischen Gesichtspunkte erhalten möchten, in den Rücken gefallen wird. Das ist das eine, was ich erwähnen muß.

[ 26 ] With this, I have—albeit in a perhaps stammering manner, given that this is a truly far-reaching topic—set forth for you something of what must inevitably come into play in our human development. When this demand arises in life, it still encounters today the most severe prejudices that exist in the world. It is met with opposition. And I have recently had to tell you of some of the opposition directed against precisely what is sought by the anthroposophically oriented worldview referred to here. Today I would like to mention just two more points in this regard. I recently read to you a letter from our friend Dr. Stein, which showed in a heartening way how one had to confront a churchman whose assistant, when asked to point out passages in the Bible that sounded somewhat anthroposophical, even went so far as to declare: “Then Christ is simply mistaken”—in his opinion! So it is not he, the churchman, who is mistaken, but Christ! — When I arrived in Stuttgart, I was informed that all sorts of judgments had been voiced within our circles about how harsh it was to confront an elderly gentleman—who had even read some of my writings—in such a manner. One must, after all, show consideration for, first—second—third... Unfortunately, this is still widespread even within our own ranks: that precisely when it comes to taking a serious stand on any given point, one is stabbed in the back by those people who would most like to preserve our movement from a sectarian perspective. That is the one thing I must mention.

[ 27 ] Das andere ist, daß ich Sie schon bekanntmachen muß mit dem Anwurf, der jetzt durch die deutsche Presse gegangen ist, dessen trübe Quellen — das erwähne ich ausdrücklich hier — mir sehr gut bekannt sind, und bei dem es ziemlich gleichgültig ist, was darinnensteht; denn bei den Leuten, die so etwas verbreiten, handelt es sich nicht darum, den Glauben an diese Dinge, die sie verbreiten, zu erwecken, sondern überhaupt nur irgend etwas zu fabrizieren, was eine unbequeme Persönlichkeit oder Zeitströmung herabsetzen kann. So will ich trotz des ja nicht sehr erleuchteten Saales diese «unerleuchteten» Auslassungen, die jetzt durch einen Teil der Presse gehen, vorlesen:

[ 27 ] The other point is that I must inform you of the accusation that has now been circulating in the German press, whose dubious sources—and I mention this explicitly here—are very well known to me, and in which it is quite irrelevant what the content actually says; because for the people who spread such things, the point is not to inspire belief in the claims they are making, but simply to fabricate anything at all that might disparage an inconvenient figure or current of thought. So, despite the fact that this audience is not particularly enlightened, I will read aloud these “unenlightened” remarks that are now circulating in part of the press:

[ 28 ] «Der Theosoph Steiner als Handlanger der Entente. — Dem «Mannheimer Generalanzeiger wird aus Berlin berichtet: Theosoph Dr. Rudolf Steiner, der eine Anhängerschaft von mehreren Millionen Männern und Frauen beeinflußt» — ich bemerke ausdrücklich: dieser Satz, der wird für den, der irgendwie hineinschaut in das Gemache der Gegenwart, außerordentlich beweisend sein, und man wird in der Zeit, die da kommt, in der sich solche Angriffe wesentlich verstärken werden, sehen, warum solche Angriffe gesagt werden, neben andern erlogenen Dingen —, «hat im Frühjahr 1919 in Stuttgart den Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus begründet, der ursprünglich nur eine religiöskommunistische Gemeinschaft sein sollte, dann aber in politische Berührung mit den Bolschewisten und Kommunisten geraten ist und Jetzt eine seltsame und widerwärtige politische Agitation ausübt. Die erfährt aus Dresden das Folgende: Aus zuverlässigen Nachrichten geht einwandfrei hervor», — ich bitte, den Ton zu berücksichtigen — «daß der Bund für Dreigliederung die Namen aller angeblich im reaktionären Sinne tätigen Offiziere feststellt und gegen diese Material über völkerrechtswidrige Handlungen an der Hand von Zeugenaussagen sammelt, das dann der Entente zwecks Auslieferung zugestellt werden soll. Die Richtigkeit derartiger Beschuldigungen ist Herrn Steiner und Genossen vollkommen gleichgültig, und daß sie sogar vor bewußt falschen Angaben nicht zurückschrecken, beweist die Stelle eines Briefes, in dem es heißt: Beschuldigungen von Diebstählen sind zu unterlassen, da die Unwahrheit hier leichter nachzuweisen ist. Ebenso darf man keine allzu unglaublichen Beschuldigungen wie Verstümmelungen von Kindern, erheben.»

[ 28 ] “Theosophist Steiner as an Accomplice of the Entente. — The *Mannheimer Generalanzeiger* reports from Berlin: ‘Theosophist Dr. Rudolf Steiner, who influences a following of several million men and women’ — I would like to expressly note: this sentence will be extraordinarily revealing to anyone who takes even a cursory look into the inner workings of the present, and in the time to come, when such attacks will intensify significantly, people will see why such attacks are made, alongside other fabrications —, “founded the League for the Threefold Social Order in Stuttgart in the spring of 1919, which was originally intended to be merely a religious-communist community, but then came into political contact with the Bolsheviks and Communists and is now engaging in a strange and repugnant political agitation. The has learned the following from Dresden: ‘Reliable reports clearly indicate’—please note the tone—‘that the League for the Threefold Social Order is compiling a list of the names of all officers allegedly acting in a reactionary manner and is gathering evidence, based on witness testimony, of their actions in violation of international law, which is then to be forwarded to the Entente for the purpose of extradition. Mr. Steiner and his comrades are completely indifferent to the accuracy of such accusations, and the fact that they do not even shy away from deliberately false statements is proven by a passage in a letter that reads: ‘Accusations of theft are to be avoided, since falsehoods are easier to prove in this case.’ Likewise, one must not make accusations that are too implausible, such as the mutilation of children.”

[ 29 ] Nun, daß jeder Satz, jedes Wort — verzeihen Sie, wenn ich in diesem Zusammenhange den Ausdruch gebrauche — eine «erstunkene» Lüge ist, das ist ja ganz selbstverständlich. Aber diese Dinge werden in der Gegenwart fabriziert. Sie beweisen, daß man dasjenige, was von der Geistesströmung kommt, die hier vertreten wird, genug ernst nimmt, um diese bösartigen Mittel überhaupt für notwendig zu halten. Sie können überzeugt sein: kleine sektiererische Bewegungen, das heißt solche, die in der Anzahl kleine Bewegungen sein sollen, die bombardiert man nicht mit derlei Dingen. Wünschen möchte man nur — ich habe das auch in dem vorgestern abgesendeten Artikel für unsere zweitnächste «Dreigliederungs»-Nummer ausgesprochen —, daß die Zahl der naiven Leute immer geringer und geringer würde, die noch immer glauben, daß es, wenn man solche Dinge widerlegt, den Leuten etwas hülfe, die heute aus den trüben Quellen heraus, um die es sich hier handelt, arbeiten. Die interessieren Widerlegungen außerordentlich wenig; denn ihnen geht es nicht darum, die Wahrheit irgendwie auch nur zu berühren, sondern sie kämpfen gegen alles dasjenige, was als ein neuer Geist in die Menschheit einziehen soll, mit jedem Mittel. Sie folgen den Kräften, von denen sie besessen sind.

[ 29 ] Well, it goes without saying that every sentence, every word—forgive me for using this expression in this context—is a “fabricated” lie. But these things are being fabricated right now. They prove that what comes from the spiritual current represented here is taken seriously enough to deem such malicious means necessary in the first place. You can be certain: small sectarian movements—that is, those that are supposed to be small in number—are not bombarded with such things. One can only hope—as I also expressed in the article sent the day before yesterday for our second-to-last issue of *Dreigliederung*—that the number of naive people would grow smaller and smaller, those who still believe that refuting such things would help the people who are working today out of the murky sources in question here. They have very little interest in such refutations; for their concern is not to even touch upon the truth in any way, but rather to fight by any means against everything that is meant to enter humanity as a new spirit. They follow the forces that possess them.

[ 30 ] Ich mußte Ihnen auch dieses Beispiel vorführen aus dem Grunde, damit nach und nach doch ein Gefühl von dem Ernste hervorgerufen werde, der eigentlich walten sollte bei all denjenigen, die sich irgendwie ernsthaftig zugeneigt finden zu dem, was hier als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft angegeben wird. Man möchte ja wirklich Worte finden, wie sie unsere heutige abgebrauchte Sprache kaum hat, um diesen Ernst in den Seelen zu erwecken. Denn notwendig ist er! Aber die Seelen sind oftmals wie gelähmt. In sie dringt nicht mehr dasjenige ein, was notwendig in sie dringen muß, wenn die Zeit nicht in die vollständige Dekadenz hineinführen soll. Man kann nicht in der alten Weise fortwirtschaften. Man sollte auch nicht mehr «Ideale» nennen, was man aus den alten Strömungen heraus nimmt. Man sollte sich schon immer mehr und mehr bewußt werden, daß ein völliger Neubau in der Menschheitsentwickelung notwendig ist.

[ 30 ] I also had to present this example to you so that, little by little, a sense of the seriousness that should actually prevail might be evoked in all those who, in one way or another, find themselves seriously drawn to what is described here as an anthroposophically oriented spiritual science. One would truly like to find words—words that our worn-out language of today scarcely possesses—to awaken this seriousness in people’s souls. For it is necessary! But people’s souls are often as if paralyzed. What must necessarily penetrate them no longer does so, if the times are not to lead into complete decadence. We cannot continue in the old way. Nor should we any longer call “ideals” what we draw from the old currents. We should become more and more aware that a complete reconstruction of human development is necessary.