Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196
16 January 1920, Dornach
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Spiritual and Social Transformations in Human Evolution, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Ich werde heute noch einmal das Gesetz der menschlichen Entwickelung in der nachatlantischen Zeit besprechen, aus dem Grunde, weil ich verschiedene Ausführungen an dieses Gesetz werde in den nächsten Tagen anzuknüpfen haben. Es wird ja das in unserer Zeit so notwendige Verständnis für die bedeutsamen Anforderungen der Gegenwart und der nächsten Zukunft im Bewußtsein der Menschen nicht Platz greifen können, wenn nicht ein eindringliches Verständnis vorliegt für die Art und Weise, wie die Menschen zu dem gegenwärtigen Standpunkte der Zivilisationsentwickelung gekommen sind. Eine nur vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus zu fassende Seelenentwickelung hat die Menschheit seit jener Zeit durchgemacht, die wir bezeichnen als die Zeit der großen atlantischen Katastrophe. Wir kommen da, wenn wir dieses Zeitalter der großen atlantischen Katastrophe ins Auge fassen, nicht so weit zurück, als vielfach die gegenwärtige wissenschaftliche Ausdeutung der Menschheitsentwickelung mit der Menschheit zurückgehen möchte, sondern wir kommen zurück etwa in die Zeiten, welche geologisch bezeichnet werden als das Eiszeitalter, in dem ja auch von der äußeren Wissenschaft große Umwälzungen angenommen werden für die Gegenden, die wir heute die Gegenden des zivilisierten Europa nennen. Wir kommen zurück etwa bis in das 8. oder 9. Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha und bezeichneten ja immer als das erste große Kulturzeitalter, das aufgegangen ist in der nachatlantischen Zivilisation nach dieser atlantischen Katastrophe, das urindische Kulturzeitalter. Wir haben nötig, unseren Blick namentlich darauf zu lenken, daß die Seelenbeschaffenheit der Menschen in jenen alten Zeiten eine wesentlich andere war als später, namentlich als in unserer Zeit. Es ist vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte aus bedeutsam, gerade auf die Seelenentwickelung der Menschen zu sehen. Die äußere leibliche Entwickelung und auch die Entwickelung der materiellen Kulturzusammenhänge kann ja erst verstanden werden, wenn man die Seelenentwicke lung wirklich durchdringt.
[ 1 ] Today I will once again discuss the law of human development in the post-Atlantean era, because I will need to build upon various explanations of this law in the coming days. After all, the understanding of the significant demands of the present and the near future—which is so necessary in our time—cannot take root in people’s consciousness unless there is a profound understanding of how humanity has arrived at the current stage of civilizational development. Humanity has undergone a development of the soul—one that can be grasped only from the perspective of spiritual science—since the time we refer to as the era of the great Atlantean catastrophe. When we consider this era of the great Atlantean catastrophe, not as far back as the current scientific interpretation of human development would often have us go, but rather to the times geologically designated as the Ice Age—a period in which even conventional science assumes major upheavals occurred in the regions we now call civilized Europe. We go back roughly to the 8th or 9th millennium before the Mystery of Golgotha, and we have always referred to the first great cultural age that arose in post-Atlantean civilization following this Atlantean catastrophe as the Proto-Indian cultural age. We need to focus our attention specifically on the fact that the nature of the human soul in those ancient times was fundamentally different from what it was later, particularly in our own time. From the perspective of spiritual science, it is significant to look specifically at the development of the human soul. After all, external physical development—as well as the development of material cultural contexts—can only be understood once one has truly penetrated the development of the soul.
[ 2 ] Wenn wir nun die zwei Jahrtausende in Betracht ziehen, die, im 8., 9. Jahrtausend beginnnend, dann weitergehend das urindische Zeitalter ausmachen, so treffen wir da auf eine Menschheit, die unter ganz, ganz andern Bedingungen sich entwickelte, als was überhaupt heute als Menschheitsentwickelung bekannt ist. Namentlich muß ins Auge gefaßt werden, wie ich schon öfters gesagt habe, daß ja der heutige Mensch eine Entwickelung so durchmacht, daß seine physisch-leibliche Entwickelung parallel geht der seelisch-geistigen Entwickelung, daß aber heute der Mensch eigentlich diese Entwickelung nur in den ersten Lebensjahrzehnten durchmacht. Im ersten Lebensjahrzehnt ist ja jener wichtige leibliche Übergang, den wir bezeichnen als den des Zahnwechsels um das siebente Jahr herum und den wir parallelisieren können mit wichtigen geistig-seelischen Vorgängen. Dann wiederum ist vorhanden für den gegenwärtigen Menschen ein tief Eingreifendes in seiner leiblichen Entwickelung, das wiederum übergreift auf die geistig-seelische Entwickelung, mit der Geschlechtsreife im vierzehnten, fünfzehnten Jahr. Dann ist, wie auch für den heutigen Menschen noch deutlich ersichtlich ist, bis in die Zwanzigerjahre hinein ein gewisser Zusammenhang da des Geistig-Seelischen mit der leiblichen Entwickelung. Er ist weniger schroff, weniger deutlich als in den Zeiten um das siebente, um das vierzehnte Jahr herum, aber für einen genaueren Beobachter doch deutlich wahrnehmbar.
[ 2 ] If we now consider the two millennia—beginning in the 8th and 9th millennia and continuing to constitute the primordial Indian era—we encounter a humanity that developed under conditions that were very, very different from anything known today as human development. In particular, as I have often said, we must bear in mind that modern human beings undergo a development in which their physical development proceeds in parallel with their soul-spiritual development; yet today, human beings actually undergo this development only during the first decades of life. The first decade of life is marked by that important physical transition we refer to as the change of teeth around the age of seven, which we can draw parallels to with significant spiritual and psychological processes. Then, for modern humans, there is another profoundly significant event in their physical development—one that in turn affects their spiritual and psychological development—namely, sexual maturity around the ages of fourteen or fifteen. Then, as is still clearly evident for people today, there is a certain connection between mental-emotional development and physical development that extends well into one’s twenties. It is less abrupt and less distinct than during the periods around the ages of seven and fourteen, but it is still clearly perceptible to a careful observer.
[ 3 ] In solcher Parallelität zwischen dem leiblichen Entwickeln und dem geistigen Entwickeln war die Menschheit der urindischen Zeit bis hinauf in die Zeiten der Fünfzigerjahre des Menschen, bis in das sechste Lebensjahrzehnt hinein. Man war so von dem, was im Leibe vorgeht, geistig-seelisch zugleich in dieser Weise abhängig. Man hat bis ins höchste Alter die Umschwünge so erlebt, wie man eben heute erlebt die Umschwünge beim Zahnwechsel, bei der Geschlechtsreife und so weiter. Also der Mensch lebte mit sein Leibesleben bis in die Zeit hinein, wo er sein sechstes Lebensjahrzehnt hatte, die Fünfzigerjahre. Und ich habe darauf aufmerksam gemacht, was das eigentlich bedeutet für das Leben des Menschen. Man wurde ein Mensch, sagen wir, von dreißig Jahren; man sagte sich als ein Mensch von dreißig Jahren: Ich werde auch einmal vierzig, fünfzig Jahre alt sein; dann werde ich rein durch meine leibliche Entwickelung in ganz anderer Weise reif sein vor der Welt als jetzt. — Man lebte so dem Altern entgegen auch noch in höheren Lebensjahrzehnten, wie man heute eigentlich nur als Kind dem Altern entgegenlebt. Man machte Wachstum, Reiferwerden mit bis in die höchsten Jahrzehnte des Lebens. Und man hatte das Bewußtsein: Je älter man wird, desto mehr Dinge der Welt werden einem klar, desto mehr tritt herein in das Seelenleben, man möchte sagen, aus unbekannten Tiefen des Weltendaseins. Man hatte solche Epochen in der Entwickelung eben noch im höchsten Alter, wie man jetzt den Zahnwechsel und die Geschlechtsreife hat.
[ 3 ] Humanity in the primordial Indian era experienced this parallelism between physical and spiritual development all the way up to the “fifties” of human life, extending into the sixth decade of life. People were thus spiritually and emotionally dependent on what was happening in their bodies in this way. People experienced these changes right up to a very advanced age, just as we experience them today during tooth replacement, puberty, and so on. Thus, human beings lived out their physical lives right up to the time when they reached their sixth decade—their fifties. And I have drawn attention to what this actually means for human life. One became an adult, let’s say, at the age of thirty; as a thirty-year-old, one would say to oneself: “I, too, will one day be forty or fifty years old; then, purely through my physical development, I will be mature in a completely different way before the world than I am now.” — One lived in this way, looking forward to growing older, even into the later decades of life, just as today one actually only looks forward to growing older as a child does. One continued to grow and mature right up into the highest decades of life. And one was aware that the older one became, the more things in the world became clear to one; the more entered into one’s inner life—one might say—from the unknown depths of worldly existence. One still experienced such stages of development even in old age, just as one now experiences the change of teeth and sexual maturity.
[ 4 ] Das änderte sich ja insofern, als dieser Parallelismus zwischen leiblicher und geistiger Entwickelung immer mehr und mehr herunterrückte. Beim nächsten Kulturzeitraum, beim urpersischen, wie ich ihn genannt habe in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», war das nur bis zu dem Beginn der Fünfzigerjahre oder gar bis zum Ende der Vierzigerjahre der Fall. Und im ägyptisch-chaldäischen Zeitraum, da war das nur der Fall bis zum Beginn der Vierzigerjahre; und in der Zeit, in der die heute noch für uns bedeutsame griechisch-lateinische Kultur sich ausbreitete, waren die Menschen entwickelungsfähig bis in die beginnenden Dreißigerjahre hinein. Der Mensch fühlte sich jung in Griechenland bis in die beginnenden Dreißigerjahre. Und er sagte sich, daß etwas heranwüchse mit ihm, wenn er die Dreißigerjahre erreicht haben werde. Heute sind wir bereits mit dem Beginn der Dreißigerjahre vertrocknete Mumien, wenn wir bloß auf unsere leiblich-physische Entwickelung sehen. Heute hören wir in einem viel früheren Zeitraum auf, einen Zusammenhang zu haben mit der leiblich-physischen Entwickelung.
[ 4 ] This changed insofar as this parallelism between physical and spiritual development receded more and more. In the next cultural epoch—the Proto-Persian one, as I have called it in my *Outline of Esoteric Science*—this was only the case until the beginning of the 1950s, or even until the end of the 1940s. And in the Egyptian-Chaldean period, this was only the case until the beginning of one’s forties; and during the time when the Greco-Latin culture—which is still significant for us today—was spreading, people were capable of further development well into their early thirties. In Greece, people felt young well into their early thirties. And they told themselves that something would mature within them once they reached their thirties. Today, by the time we reach our early thirties, we are already withered mummies—if we look solely at our physical development. Today, we cease to have a connection with physical development at a much earlier stage.
[ 5 ] Das alles aber hängt zusammen mit andern Dingen der Menschheitsentwickelung. Der erste Zeitraum nach der großen atlantischen Katastrophe, der urindische Zeitraum, hatte Menschen, welche im hohen Grade das ganze Leben des Universums mitmachten, welche namentlich mitmachten in ihren Hauptes-, in ihren Kopferlebnissen das Leben des Universums. Wir wissen ja vom Universum nur dasjenige, was erkundet wird auf den Sternwarten durch die Teleskope, was errechnet wird durch die Astronomen. Der Mensch des urindischen Zeitalters fühlte in seinem Kopfe den Gang der Sterne. Er erlebte mit nicht nur die irdische Natur in Frühling, Sommer, Herbst und Winter, sondern er erlebte mit die kosmischen Ereignisse, er erlebte mit das Zeitalter, sagen wir, einer bestimmten Siriuskonstellation, und so weiter. Dasjenige, was später kunstvoll astrologisch errechnet worden ist, das wurde miterlebt im Menschen, so wie heute erlebt wird die Gesättigtheit nach einer genossenen Mahlzeit oder der Hunger bei einer erwarteten Mahlzeit. Es wurde Sonnengang und Sternengang im eigenen Haupte also miterlebt.
[ 5 ] All of this, however, is connected to other aspects of human development. The first period following the great Atlantean catastrophe—the primordial Indian period—included people who participated to a high degree in the entire life of the universe, who experienced the life of the universe particularly through their mental, or head-level, experiences. After all, we know of the universe only what is observed in observatories through telescopes and what is calculated by astronomers. The human being of the primordial Indian age felt the movement of the stars in his mind. He experienced not only earthly nature in spring, summer, fall, and winter, but he also experienced cosmic events; he experienced, so to speak, the era of a particular Sirius constellation, and so on. What was later artfully calculated through astrology was experienced directly by people, just as today we experience the feeling of fullness after a meal or hunger in anticipation of a meal. The movement of the sun and the stars was thus experienced within their own minds.
[ 6 ] Das hatte zur Folge, daß der Mensch damals sich durchaus nicht eigentlich als Erdenbürger bloß fühlte, sondern daß er sich fühlte als Angehöriger einer überirdischen Welt, der bloß auf die Erde versetzt ist. Er fühlte sich als ein Wanderer während eines kurzen Wanderzuges über die Erde dahinpilgern. Er fühlte eine gewisse Verwandtschaft mit dem, was außerirdisch ist.
[ 6 ] As a result, people at that time did not really feel themselves to be merely citizens of the Earth, but rather members of a supernatural world who had merely been transferred to Earth. They felt like travelers on a brief pilgrimage across the Earth. They felt a certain kinship with that which is extraterrestrial.
[ 7 ] Das wurde schon im zweiten nachatlantischen Zeitraume anders. Da wurde es so, daß weniger das Leben des Universums gefühlt wurde, mehr aber alles dasjenige, was sich, ich möchte sagen, auf das Beleuchtungswesen, auf das Lichtwesen des Universums bezieht. Anders erlebte der Mensch des urpersischen Zeitraumes den Tag, anders die Nacht. Er fühlte sich wirklich noch anwesend im Universum in der Zeit zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Diese Zeit hatte für ihn einen realen Inhalt, während sie heute ja nur etwas wie ein Loch bedeutet im bewußten Menschenleben. Eine Art Miterleben des Universums war immerhin noch vorhanden. So daß wir sagen können: In demselben Maße, in dem die physisch-leibliche Entwickelungsfähigkeit des Menschen heruntergerückt wird aus den höheren Lebensjahrzehnten in die niedrigeren, in demselben Maße hört das Zusammenleben des Menschen mit dem Universum auf.
[ 7 ] This changed as early as the second post-Atlantean epoch. By then, people were less attuned to the life of the universe and more attuned to everything that relates, I would say, to the luminous nature, to the light-being of the universe. People in the Proto-Persian period experienced the day differently than they did the night. They truly still felt present in the universe during the time between falling asleep and waking up. This time had real substance for them, whereas today it amounts to little more than a void in conscious human life. A kind of shared experience of the universe was, after all, still present. So that we can say: To the same extent that human beings’ capacity for physical and bodily development shifts from the higher decades of life to the lower ones, to that same extent does humanity’s coexistence with the universe come to an end.
[ 8 ] Wir können also sagen (siehe die Übersicht): Im ersten nachatlantischen, urindischen Zeitraume haben wir ein Miterleben mit dem Physisch-Leiblichen bis in die Jahre vom achtundvierzigsten oder neunundvierzigsten bis sechsundfünfzigsten Lebensjahre und auch darüber hinaus. In dem zweiten, in dem urpersischen Zeitraume haben wir dann vom zweiundvierzigsten bis zum neunundvierzigsten Lebensjahre noch Entwickelungsmomente in der leiblich-physischen Entwickelung des Menschen, welche sich vergleichen lassen mit unserem Zahnwechsel oder mit der Geschlechtsreife und dergleichen. Im dritten Zeitraume, den wir gewöhnt sind, den ägyptisch-chaldäischen zu nennen, haben wir vom fünfunddreißigsten Jahre bis zum zweiundvierzigsten Jahre solche leiblichen Entwickelungsmomente. Und in dem, was wir gewöhnt sind, als den griechischen Zeitraum zu betrachten, in dem vierten nachatlantischen, griechisch-lateinischen, da geht diese Entwickelung vom achtundzwanzigsten bis zum fünfunddreißigsten Jahre hinauf.
[ 8 ] We can therefore say (see the overview): In the first post-Atlantean, proto-Indian period, we experience a connection with the physical-bodily realm from the age of forty-eight or forty-nine up to fifty-six, and even beyond. In the second, the primordial Persian period, we then have, from the age of forty-two to forty-nine, further stages of physical development in human beings that can be compared to our teething or to sexual maturity and the like. In the third period, which we are accustomed to calling the Egyptian-Chaldean period, we have such stages of physical development from the age of thirty-five to forty-two. And in what we are accustomed to regard as the Greek period—the fourth post-Atlantean, Greek-Latin period—this development extends from the age of twenty-eight to thirty-five.
| I. | Urindisch | 49 bis 56 | von 8167 bis 5567 vor Christus |
| II. | Urpersisch | 42 bis 49 | von 5567 bis 2907 vor Christus |
| III. | Ägyptisch-chaldäisch | 35 bis 42 | von 2907 bis 747 vor Christus |
| IV. | Griechisch-lateinisch | 28 bis 35 | von 747 v.Chr. bis 1413 n.Chr. |
| V. | Jetzt | 21 bis 28 | von 1413 bis ... |
| I. | Proto-Indian | 49 to 56 | from 8167 to 5567 BC |
| II. | Proto-Persian | 42 to 49 | from 5567 to 2907 BC |
| III. | Egyptian-Chaldean | 35 to 42 | from 2907 to 747 BC |
| IV. | Greek-Latin | 28 to 35 | from 747 BC to 1413 AD |
| V. | Present | 21 to 28 | from 1413 to ... |
[ 9 ] Wenn Sie dies beachten, so werden Sie sich sagen: Die Entwickelungsfähigkeit des Menschen rückt immer weiter und weiter herab. Und mit diesem Herabrücken der Entwickelungsfähigkeit des Menschen verschließen sich ihm gewissermaßen die Tore zum Miterleben der universellen Ereignisse. — Wenn Sie es sich merken wollen nicht notieren, aber merken —, so können wir sagen: Der erste Zeitraum reicht von 8167 bis 5567 vor Christus; der zweite von 5567 bis 2907, so ungefähr; der dritte von 2907 bis 747 vor Christus; der vierte, der griechische Zeitraum von 747 vor dem Mysterium von Golgatha bis 1413 nach dem Mysterium von Golgatha; und dann beginnt unser fünfter Zeitraum, die Zeit also, in der wir annähernd entwickelungsfähig bleiben nur noch vom einundzwanzigsten bis zum achtundzwanzigsten Lebensjahre. Das beginnt 1413, und darinnen leben wir. Und wenn wir genau sprechen wollen, so müssen wir sagen: Der gegenwärtige Mensch bleibt entwickelungsfähig bis in das siebenundzwanzigste Jahr hinein. Er fängt dann an, gewissermaßen sich in seinem SeelischGeistigen ganz zu emanzipieren von dem Physisch-Leiblichen. Emanzipieren von dem Physisch-Leiblichen ist also etwas, was immer mehr und mehr hereinrückt. Sie sehen daraus, daß einmal der Zeitpunkt kommen wird, wo die Menschen nur entwickelungsfähig sein werden bis zu ihrem vierzehnten Jahre, wo das Geschlechtsreifezeitalter aufhören wird, eine Bedeutung zu haben in der menschlichen Entwickelung,.
[ 9 ] If you consider this, you will say to yourself: Humanity’s capacity for development is declining further and further. And as this capacity for development declines, the gates to participating in universal events are, in a sense, closing to humanity. — If you want to remember this—not write it down, but remember it—we can say: The first period extends from 8167 to 5567 B.C.; the second from 5567 to 2907, roughly; the third from 2907 to 747 B.C.; the fourth, the Greek period, from 747 before the Mystery of Golgotha to 1413 after the Mystery of Golgotha; and then our fifth period begins—that is, the time during which we remain capable of development only from the twenty-first to the twenty-eighth year of life. This begins in 1413, and we are living within it. And if we want to be precise, we must say: The modern human being remains capable of development well into the twenty-seventh year. He then begins, so to speak, to emancipate himself completely in his soul-spiritual life from the physical-bodily. Emancipation from the physical-bodily realm is thus something that is increasingly coming to the fore. You can see from this that a time will come when people will only be capable of development up to the age of fourteen, when the age of sexual maturity will cease to have any significance in human development.
[ 10 ] Das ist ein Zeitraum, der ganz gewiß eintreten wird. Die Geologen mögen noch so lange Zeiträume berechnen für die Entwickelung des Menschtums auf der Erde, für die Entwickelung der physischen Menschheit der Erde; diese physische Menschheit auf der Erde wird sich nicht länger entwickeln als bis zu dem Moment, wo diese obere Altersgrenze bis in das vierzehnte, dreizehnte Lebensjahr heruntergerückt ist. Denn von diesem Zeitpunkte an wird sich die physische Menschheit auf der Erde nicht mehr entwickeln können. Die Frauen werden keine Kinder mehr gebären. Dann wird es mit der physischen Menschheit auf der Erde zu Ende gegangen sein. Ich habe einmal gesagt: Die Berechnungen, welche die landläufigen Geologen machen, beruhen alle auf einem gewissen Fehler. — Man kann heute nach der Art und Weise, wie Flußschlamm angeschwemmt wird oder wieviel Schlamm der Niagara absetzt und dergleichen, geologische Zeiträume berechnen und danach dann «feststellen», was da für eine Fauna, Flora vor soundso vielen Jahren auf der Erde geherrscht hat. Diese Berechnungen sind alle etwa so angestellt, wie wenn man heute berechnen würde, welche Veränderungen, sagen wir, im Magen vorgingen seit zehn Jahren, und dann ausrechnet, wie der Magen ausgeschaut hat vor hundertfünfzig Jahren. Ja man kann sogar ebenso, wie heute die Geologen, berechnen, wie die Erde nach Millionen von Jahren aussehen wird, ausrechnen, wie der Magen ausgesehen hat vor dreihundert Jahren. Nur wird die Erde nach Millionen von Jahren nicht mehr da sein, ebensowenig wie der physische Mensch da war vor dreihundert Jahren, als sein Magen in einer bestimmten Weise ausgesehen haben soll. Nach diesen physischen Gesetzen, welche zugrunde gelegt werden diesen wissenschaftlichen Werken, kann man selbstverständlich ganz richtig rechnen, aber was man ausrechnet, istebensowenig «richtig», wie man ausrechnen kann, wie ein menschlicher Magen vor dreihundert Jahren ausgesehen hat. Diese Dinge, die ich da anführe, die werden heute von der exakten Wissenschaft zurückgewiesen. Aber dasjenige, was wirklich ist, was das Tatsächliche ist, das kann ja von dieser exakten Wissenschaft eben durchaus nicht gefunden werden. Denn Sie können lange rechnen, wie die Erde aussehen wird nach hunderttausend Jahren, wie da die Menschen sein werden und dergleichen: Die Menschen werden nicht mehr existieren auf der Erde!
[ 10 ] This is a period that will most certainly come to pass. No matter how long a period geologists may calculate for the evolution of humanity on Earth, for the evolution of physical humanity on Earth; this physical humanity on Earth will not continue to develop beyond the moment when this upper age limit has been lowered to the thirteenth or fourteenth year of life. For from that point on, physical humanity on Earth will no longer be able to develop. Women will no longer give birth to children. Then physical humanity on Earth will have come to an end. I once said: The calculations made by conventional geologists are all based on a certain error. — Today, one can calculate geological time periods based on the way river silt is deposited or how much silt the Niagara River deposits and the like, and then “determine” what kind of fauna and flora prevailed on Earth so many years ago. These calculations are all conducted in much the same way as if one were to calculate today what changes, let’s say, have taken place in the stomach over the past ten years, and then deduce what the stomach looked like one hundred and fifty years ago. Yes, one can even—just as geologists do today—calculate what the Earth will look like in millions of years, and deduce what the stomach looked like three hundred years ago. But the Earth will no longer be here in millions of years, any more than the physical human being was here three hundred years ago, when his stomach is said to have looked a certain way. According to these physical laws, which form the basis of these scientific works, one can of course calculate quite correctly; but what one calculates is just as little “correct” as one can calculate what a human stomach looked like three hundred years ago. These things I am mentioning here are rejected today by exact science. But what really is, what is factual, cannot be discovered at all by this exact science. For you can spend a long time calculating what the Earth will look like in a hundred thousand years, what people will be like then, and the like: People will no longer exist on Earth!
[ 11 ] Das sind Dinge, welche heute schon zwingen sollten, die Brücke zu bauen nach geisteswissenschaftlichen Betrachtungen hin. Denn dadurch allein können Einsichten kommen in die wirkliche Entwickelung der Menschen und Einsichten in gewisse Notwendigkeiten, die aufzunehmen sind in dieses menschliche Bewußtsein. Nun ist es Ihnen vielleicht nicht schwierig, einzusehen, daß der Mensch in älteren Zeiten gewissermaßen einfach dadurch, daß er ein leiblich-physischer Mensch war, gewisse Offenbarungen erlebte, Offenbarungen, die man eben nur erleben kann, wenn man physisch entwickelungsfähig bleibt bis über ein gewisses Zeitalter hinaus. Beim alten Perser, beim alten Inder gar, da war das Gehirn weich und biegsam und plastisch bis in die Fünfzigerjahre hinein, so plastisch, wie es heute nur in der ersten Jugend der Fall ist. Einfach durch dieses plastische Gehirn bekam man Offenbarungen, die man nicht bekommen kann, wenn man noch Kind ist, die man nur bekommen kann, wenn der Leib plastisch bleibt bis in das höchste Alter hinein. Unser mumifiziertes Gehirn, das schon mit dreißig Jahren ganz vertrocknet ist, das kann diese Offenbarungen auf jenem alten natürlichen Wege nicht erringen. Das ergibt eben die Notwendigkeit, auf einem andern, auf einem bloß geistigen Wege für das emanzipierte Geistig-Seelische einen Inhalt zu bekommen.
[ 11 ] These are things that should already be compelling us today to build a bridge toward spiritual scientific perspectives. For only through this can insights arise into the true development of humankind and into certain necessities that must be incorporated into human consciousness. Now, it may not be difficult for you to see that in earlier times, human beings—simply by virtue of being physical beings—experienced certain revelations, revelations that can only be experienced if one remains physically capable of development beyond a certain age. Among the ancient Persians, and even more so among the ancient Indians, the brain remained soft, supple, and malleable well into one’s fifties—as malleable as it is today only in early youth. Simply through this malleable brain, people received revelations that cannot be received while still a child, but only when the body remains malleable well into old age. Our mummified brain, which has already completely withered by the age of thirty, cannot attain these revelations through that ancient, natural path. This is precisely what gives rise to the necessity of finding content for the emancipated spiritual-soul aspect through another, purely spiritual path.
[ 12 ] Das ergibt Ihnen für unser Zeitalter zu gleicher Zeit die eminente Notwendigkeit, zum spirituellen Leben sich hinzuwenden. Denn mit fünfunddreißig Jahren hat man die Hälfte, die aufsteigende Hälfte des Lebens erreicht, von da geht es abwärts. Alles, was man erst in der absteigenden Hälfte erreichen kann, das erreicht ja der heutige Mensch von selbst gar nicht. Wenn er nichts dazu tut, um es auf andere Weise als durch seine leibliche Entwickelung zu erreichen, so kommt das gar nicht an ihn heran. Man sollte von solchen Einsichten aus begreifen, wie notwendig es für den heutigen Menschen ist, sich zur Geisteswissenschaft hinzuwenden.
[ 12 ] This presents you with the urgent necessity, in our age, to turn toward spiritual life. For at the age of thirty-five, one has reached the halfway point—the ascending half—of life; from there on, the path leads downward. Everything that can only be attained in the descending half of life is something that people today cannot achieve on their own. If they do nothing to attain it in any way other than through their physical development, it will not come to them at all. Based on such insights, one should understand how necessary it is for people today to turn to spiritual science.
[ 13 ] Was die Menschen bis jetzt auch an äußeren sozialen Gebilden hervorgebracht haben, ist durchaus noch unter dem Einfluß der alten plastischen Leiblichkeit entstanden. Aber jetzt ist das Zeitalter hereingebrochen, in dem diese alten Gebilde morsch werden und in dem Neues nur geschaffen werden kann, wenn man es aus dem Geiste heraus schafft. Dies ist heute schon offen daliegend, wenn man auch nur die äußeren Ereignisse verfolgt. Aber man versteht die äußeren Ereignisse nur, wenn man sie im Zusammenhange mit dem Geiste verfolgt. Ich will Sie auf ein von dem eben besprochenen Thema scheinbar recht ferne liegendes Gebiet hinweisen. Ich habe ja öfter erwähnt: Die abgetakelten Feldherren, Staatsmänner schreiben jetzt ihre Memoiren. Unter den Leuten, die da ihre Memoiren geschrieben haben, ist verhältnismäßig einer der Besten, der Interessantesten der Frivolling und Zyniker, der eine gewisse Zeit hindurch die österreichischen Geschikke geleitet hat, Czernin. Auch der hat ja seine Memoiren geschrieben. Ich überschätze ihn nicht, wenn ich sage, daß er einer der Besten ist, die Memoiren geschrieben haben; denn ich muß ihn zu gleicher Zeit einen Frivolling und Zyniker nennen, einen Oberflächling. Aber es sind seine Memoiren noch zu den interessantesten zu rechnen.
[ 13 ] Whatever external social structures human beings have produced up to now have arisen entirely under the influence of the old, plastic physicality. But now the age has dawned in which these old structures are decaying and in which the new can only be created if it is created out of the spirit. This is already plain to see today, even if one merely follows external events. But one can only understand external events if one traces them in connection with the spirit. I would like to draw your attention to a field that seems quite distant from the topic we have just discussed. As I have often mentioned, retired generals and statesmen are now writing their memoirs. Among those who have written their memoirs, one of the best and most interesting—a frivolous and cynical figure who guided Austrian affairs for a certain period—is Czernin. He, too, has written his memoirs. I am not overestimating him when I say that he is one of the best to have written memoirs; for I must at the same time call him a frivolous and cynical man, a superficial person. Yet his memoirs still rank among the most interesting.
[ 14 ] Darin ist eine interessante Stelle, da setzt sich Czernin damit auseinander, was hätte verhindern können oder herbeigeführt hat diese Weltkriegskatastrophe. Er setzt sich damit auseinander als Österreicher und sagt: Dieses Österreich, durch den Weltkrieg ist es zugrunde gegangen. Aber es wäre auch ohne den Weltkrieg zugrunde gegangen, denn es war reif, zugrunde zu gehen. Es konnte nicht mehr bestehen. Es war innerlich morsch. — Er drückt sich sogar etwas dramatisch aus, indem er sagt: Zugrunde gehen mußten wir ja doch, wir konnten uns bloß unsere Todesart wählen. Anderes konnten wir nicht wählen als die Todesart. Wir wählten uns die schlechteste. Nun ja, etwas Besseres ist nicht verstanden worden. Vielleicht wäre eine andere langsamer gewesen, weniger schmerzlich. — So drückt er sich aus.
[ 14 ] There is an interesting passage in it where Czernin examines what could have prevented—or what brought about—this catastrophe of the World War. He addresses the issue as an Austrian and says: “This Austria—it was ruined by the World War.” But it would have collapsed even without the World War, for it was ripe for collapse. It could no longer survive. It was rotten to the core. — He even expresses himself somewhat dramatically, saying: “We were bound to collapse anyway; we could only choose the manner of our death. We could choose nothing else but the manner of our death. We chose the worst one.” Well, a better option wasn’t considered. Perhaps another one would have been slower, less painful. — That’s how he puts it.
[ 15 ] Das ist im Grunde genommen ein ganz richtiges Apercu, denn dieses Österreich war ein Staatsgebilde, zusammengefügt nach den Vorstellungsintentionen, die noch aus einer alten Zeit stammten. Wenn sie auch nicht, ich möchte sagen, mehr wuchsen in den Gehirnen, so waren sie doch noch luziferisch da. Heute sehen die Leute, wie diese alten Gebilde anfangen morsch zu werden und abzusterben. Richtig würden die Leute nur sehen, wenn sie die inneren Gründe, die Zeitengründe für das Absterben dieser Gebilde sehen würden. Allein es sieht ja jeder erst etwas, wenn das betreffende Gebilde katastrophal zugrunde gegangen ist. Um was es sich heute für einen Menschen, der wirklich auf der Höhe seiner Zeit steht, handeln würde, das würde sein, nicht nur mit allerlei sozialen Ideen zu kommen und die alten Staatsgebilde zu nehmen, als ob man diese alten Staatsgebilde, diese alten Staatsrahmen überhaupt nehmen könnte. Das kann man nicht. Man muß sich bekanntmachen damit, daß der alte Staatsbegriff aufgehört hat, einen Sinn zu haben, daß etwas anderes an seine Stelle treten muß: der dreigeteilte soziale Organismus. Dieser dreigeteilte soziale Organismus wird sich schon selbst seine Staatsgrenzen schaffen; die alten haben ihre innere Zusammenhangsmöglichkeit verloren.
[ 15 ] This is, in essence, a very accurate insight, for this Austria was a state structure cobbled together according to ideas that still stemmed from an older era. Even if they no longer, I might say, took root in people’s minds, they were still present there in a Luciferic sense. Today, people see how these old structures are beginning to rot and die off. People would only truly see if they could perceive the inner reasons—the reasons of the times—behind the demise of these structures. But of course, no one really sees anything until the structure in question has catastrophically collapsed. For a person today who is truly in step with the times, the task would not be merely to come up with all sorts of social ideas and take the old state structures as if one could actually take these old state structures, these old state frameworks, at all. That is not possible. One must come to terms with the fact that the old concept of the state has ceased to make sense, that something else must take its place: the threefold social organism. This threefold social organism will create its own state boundaries; the old ones have lost their internal coherence.
[ 16 ] Aber die Leute sind heute eben Schläfer. Sie machen das mit, was sich katastrophal abspielt. Aber hinzusehen auf die inneren Bewegkräfte des Daseins, dazu wollen sich die Menschen nicht entschließen. Sie werden sich nur entschließen, wenn sie aus geisteswissenschaftlichen Unterlagen heraus die Dinge wirklich begreifen lernen. Dann wird durch wirklich geistiges Erfassen des Daseins auch die Brücke gebaut zwischen dem Erfassen des rein Natürlichen und des Sozialen. Denn zuletzt haben doch beide Gebiete Gesetze, die miteinander etwas zu tun haben. Nur wenn man von diesem Gesichtspunkte aus die Zeit betrachtet, dann wird man zu der nötigen Einsicht in das kommen, was heute wirklich vorgeht. Man wird sich entschließen müssen, zu sagen: Der Mensch darf sich heute nicht zufriedengeben, wenn er etwas tun will für die aufsteigende Menschheitsentwickelung, mit dem, was ihm von außen anfliegt, denn es fliegt ihm nur bis zu seinem siebenundzwanzigsten Jahre etwas an. Nachher mumifiziert er; nachher muß das Geistig-Seelische aus der geistigen Welt heraus seine Kräfte holen.
[ 16 ] But people today are simply asleep. They go along with what is unfolding in a catastrophic way. Yet they are unwilling to turn their attention to the inner driving forces of existence. They will only do so when they learn to truly understand these things through spiritual scientific insights. Then, through a truly spiritual grasp of existence, a bridge will also be built between an understanding of the purely natural and the social. For ultimately, both realms have laws that are interconnected. Only by viewing the times from this perspective will one arrive at the necessary insight into what is truly happening today. One will have to resolve to say: Today, if a person wants to do something for the upward development of humanity, they must not be content with what comes to them from the outside, for such things only come to them until the age of twenty-seven. After that, they become mummified; after that, the spiritual-soul aspect must draw its strength from the spiritual world.
[ 17 ] Ein Mensch, der heute nur sich aus dem heraus entwickelt, was die Außenwelt an ihn heranbringt, ist überhaupt nur bis zu seinem siebenundzwanzigsten Jahr entwickelungsfähig. Sie können folgenden Gedanken als einen eminent richtigen fassen: Wenn heute die meisten Menschen, die in sogenannte höhere Stellungen aufrücken, noch allerlei Gymnasial- oder ähnliche Bildungen durchmachen, so wird diese siebenundzwanzigjährige Grenze etwas verschoben, weil aus alten Überlieferungen in den Menschen etwas hereinkommt, was sie daraus aufnehmen. Wenn aber aus unserem gegenwärtigen Leben einer herauswächst, so recht als Selfmademan, und dann siebenundzwanzig Jahre alt wird, ohne daß er dieses Selfmademan-Wesen durchtränkt hat mit Gymnasialbildung im gewöhnlichen Sinne und dergleichen, so kann er mit siebenundzwanzig Jahren so weit sein, daß er gerade in all dem drinnensteckt, was heute nur für die Gegenwart der Erde gilt, was keine Entwickelungsmöglichkeit nach der Zukunft gibt, was seinen Abschluß finden muß in der Gegenwart. Denn wenn jemand etwas in seiner Seele haben soll, was eine Entwickelungskraft nach der Zukunft gibt, dann muß er das aus dem Geiste heraus haben. Wenn also heute jemand siebenundzwanzig Jahre alt wird, gewissermaßen nur durch die Menschheit erzogen wird, durch das, was von selber an einen heranfliegt durch die leiblich-physische Entwickelung, so kann er sich mit siebenundzwanzig Jahren ins Parlament wählen lassen. Er wird gerade die Gegenwart verstehen, die Gegenwart wird ihn verstehen; aber für das, was er versteht, für das, was man von ihm versteht, könnte eigentlich die Entwickelung sich so abspielen, daß sie morgen durch eine riesige Erdenkatastrophe zugrunde geht; denn weitere Fermente für eine Weiterentwickelung wird er nicht in seiner Seele enthalten. Gerade solch ein Mann, der Selfmademan wäre, der angeflogen bekommen hätte, was man von außen heute bekommt, der dann mit siebenundzwanzig Jahren abgeschlossen hätte und meinetwillen Parlamentarier geworden wäre, dann bald Minister und so weiter, wäre der charakteristischste Ausdruck für die Gegenwart.
[ 17 ] A person who today develops solely on the basis of what the outside world offers him is capable of development only up to the age of twenty-seven. You can regard the following thought as eminently true: If most people today who rise to so-called higher positions still undergo all sorts of high school or similar education, then this twenty-seven-year limit is shifted somewhat, because something from ancient traditions enters into people, which they absorb from it. But if someone grows out of our present-day life—truly as a self-made man—and then reaches the age of twenty-seven without having imbued this self-made nature with a high school education in the usual sense or the like, then by the age of twenty-seven he may be at a point where he is completely immersed in everything that applies only to the Earth’s present moment—things that offer no possibility of development toward the future and must find their conclusion in the present. For if someone is to have something in his soul that provides a force for development toward the future, then he must draw it from the spirit. So if someone today reaches the age of twenty-seven, having been educated, so to speak, solely by humanity—through what naturally comes to one through physical development—then at the age of twenty-seven he can be elected to parliament. He will understand the present, and the present will understand him; but as for what he understands, and what is understood of him, development could actually unfold in such a way that it is destroyed tomorrow by a massive global catastrophe; for he will contain no further catalysts for further development within his soul. Precisely such a man—a self-made man who has had everything handed to him from the outside as is customary today, who would then have reached completion by the age of twenty-seven and, for all I care, become a member of Parliament, then soon a minister, and so on—would be the most characteristic expression of the present.
[ 18 ] Der charakteristische Mensch dafür ist Lloyd George. Er ist geradezu der absoluteste Ausdruck der Gegenwart. Wenn Sie seine Biographie ins Auge fassen, so werden Sie finden: Er ist der Mensch, der alles das in sich enthält, was heute ein Mensch durch seine leiblich-geistige Entwickelung aus sich machen kann bis zu seinem siebenundzwanzigsten Jahre. Aber da er alles abweist, was nicht von selbst anfliegt, was aus der geistigen Welt heraus gewonnen wird, so kann er nie älter werden als siebenundzwanzig Jahre. Er ist ja gewiß heute schon an gezählten Jahren viel älter, in Wirklichkeit aber siebenundzwanzig Jahre alt. Und so sind heute viele unter uns, die bleiben bei diesen siebenundzwanzig Jahren stehen, weil sie nichts aus der geistigen Welt heraus aufnehmen. Daß man graue Haare bekommt, daß man andere Alterserscheinungen zeigt, das macht es dabei nicht aus. Man kann heute eben siebenundzwanzig Jahre sein, auch wenn man ein siebzigjähriger Greis ist den gezählten Jahren nach, und kann französischer Ministerpräsident sein und Clemenceau heißen. Das ist das Geheimnis der Menschheitsentwickelung, daß das Altwerden nicht mit der Erinnerung der Jahre zusammenhängt, sondern daß heute derjenige, der wirklich alt werden will, dieses dadurch werden muß, daß er Geistiges in seine Seelenentwickelung hereinbekommt. Es ist deshalb kein Zufall, daß gerade in den entscheidenden Ereignissen Lloyd George den Weltenton angegeben hat. Denn den Weltenton für das heutige Zeitalter, das ganz urmaternalistisch ist, mußte ein Mensch angeben, der in der charakteristischsten, in der typischsten Weise siebenundzwanzig Jahre alt geworden ist und nicht über diese siebenundzwanzig Jahre hinausgelangt ist. Er ist ja auch gerade just mit diesem Alter Parlamentarier geworden und hat alle diese Dinge mit einer großen Genialität entwickelt. Man lernt heute die Welt nicht kennen, wenn man sie bloß so ansieht, wie es die Vorstellungen ergeben, die heute an der Oberfläche der sogenannten Zivilisation schwimmen. Man lernt die Welt nur kennen, wenn man sie in der eben angedeuteten Weise von innen heraus wirklich ansieht.
[ 18 ] The quintessential example of this is Lloyd George. He is, in fact, the most absolute expression of the present. If you take a look at his biography, you will find that he is the kind of person who embodies everything a human being can achieve today through his physical and spiritual development up to the age of twenty-seven. But since he rejects everything that does not come to him of its own accord—that is, everything gained from the spiritual world—he can never grow older than twenty-seven. He is, of course, much older today in terms of chronological age, but in reality he is twenty-seven years old. And so there are many among us today who remain stuck at twenty-seven years of age because they do not absorb anything from the spiritual world. The fact that one gets gray hair or shows other signs of aging makes no difference in this regard. One can be twenty-seven years old today, even if one is a seventy-year-old man by chronological age, and can be the French Prime Minister named Clemenceau. This is the secret of human development: that growing old is not connected to the passage of years, but that today, whoever truly wishes to grow old must do so by incorporating the spiritual into their soul’s development. It is therefore no coincidence that, precisely during these decisive events, Lloyd George set the tone for the world. For the tone of today’s age—which is entirely primal-maternalistic—had to be set by a person who, in the most characteristic and typical way, had become twenty-seven years old and had not progressed beyond those twenty-seven years. After all, it was precisely at this age that he became a member of Parliament and developed all these ideas with great genius. One does not come to know the world today by merely viewing it as reflected in the ideas that float on the surface of so-called civilization. One comes to know the world only by truly looking at it from within, in the manner just described.
[ 19 ] Uns Menschen wird für unsere Entwickelung zweierlei gegeben, ich möchte sagen, das Hüllenmäßige und der Inhalt. Den alten Leuten des ersten, zweiten, dritten Zeitraumes wurde mit den Hüllen, mit der leiblichen Entwickelung auch noch das Geistige mitgegeben. In den leiblichen Hüllen lebten noch die Mitglieder der höheren Hierarchien. Wir entwickeln unsere Leiber nur so, daß wir haben: in unseren Menschenformen die Kräfte der Geister der Form, in unserem Ätherleib den Zeitgeist, in unserem Astralleib Erzengelwesen, in unserem Ich Engelwesen. Aber weiter kommt es nicht, denn wir müssen willkürlich und bewußt zu dem aufsteigen, was dem Menschen alter Zeiten einfach mit seiner Leibesentwickelung angeflogen ist. Und man lernt die moralische Entwickelung der Menschheit nicht kennen, ohne daß man auf solche Dinge wirklich Rücksicht nimmt. Die Leute schreiben heute Geschichte genau ebenso, wie die Blinden von der Farbe schreiben würden. Sie schreiben nur äußerliche Phrasen, die keinen Inhalt haben. Aus diesen äußerlichen Phrasen, die keinen Inhalt haben, entstehen dann Parteiprogramme, Gesellschaftsprogramme, entstehen jene sogenannten Ideale, nach denen man dies oder jenes Soziale bewirken will. Man kann heute nichts sozial bewirken, ohne daß man aus den treibenden Kräften der Menschheitsentwickelung heraus schafft. Zeitverständnis ist heute notwendig. Aber es kann nur aus geistigen Untergründen herausgeholt werden.
[ 19 ] We humans are given two things for our development: I would say, the physical form and the content. The people of the first, second, and third periods were given not only their physical forms—their physical development—but also the spiritual aspect. Members of the higher hierarchies still lived within these physical forms. We develop our bodies in such a way that we possess: in our human forms, the powers of the spirits of form; in our etheric body, the spirit of the age; in our astral body, archangelic beings; and in our “I,” angelic beings. But it does not go any further than that, for we must deliberately and consciously ascend to what simply came to the people of ancient times as a natural consequence of their physical development. And one cannot understand the moral development of humanity without truly taking such things into account. People today write history in exactly the same way that blind people would write about color. They write only superficial phrases that have no substance. From these superficial phrases, which have no substance, party platforms and social programs then arise, as do those so-called ideals according to which one seeks to bring about this or that social change. Today, one cannot bring about any social change without drawing upon the driving forces of human development. An understanding of the times is necessary today. But it can only be drawn from spiritual foundations.
[ 20 ] Wie merkwürdig solches Zeitverständnis oftmals aufgefaßt wird, das kann man ja aus äußeren Dingen sehen. Wenn die Menschen über das Alltägliche heute hinauskommen wollen, dann machen sie oftmals allerlei Sachen. So konnte man zum Beispiel vernehmen, wie vor einiger Zeit, als vor der Kriegskatastrophe die Leute schon gar nicht mehr wußten, was für Kinkerlitzchen der Zivilisation sie anfangen sollten, allerlei «Olympische Spiele» aufgeführt werden sollten. Ja, Olympische Spiele waren für die Griechen da. Unser Zeitalter ist soundso viele Jahrhunderte über die Griechen hinausgegangen. Wir haben nicht mehr die Seelen- und Leibesverfassung, die die Griechen hatten. Wir müssen dasjenige finden, was unserer Seelen- und Leibesverfassung angemessen ist. Wir zeigen nur die Impotenz unseres Geistes, die völlige Leerheit von Seeleninhalten, wenn wir Altes unbedingt wieder und wiederum käuen wollen. Olympische Spiele waren möglich bei denjenigen Menschen, die bis in das dreiunddreißigste Jahr hinein ihre Entwickelungsfähigkeit hatten. So ohne weiteres Dinge erneuern, die einmal für die Menschheit da waren, das heißt nichts anderes, als wenn jemand, der fünfunddreißig Jahre alt geworden ist, plötzlich beschließt, er will sich nun benehmen wie ein fünfzehnjähriger Bube. So ungefähr war es, als das Ideal der Olympischen Spiele auftauchte.
[ 20 ] Just how strange this understanding of time is often perceived can be seen from external signs. When people want to transcend everyday life today, they often do all sorts of things. For example, one heard some time ago—when, even before the catastrophe of war, people no longer knew what little trinkets of civilization they were supposed to engage in—that all sorts of “Olympic Games” were to be staged. Yes, the Olympic Games were for the Greeks. Our age has moved on by so many centuries beyond the Greeks. We no longer have the same spiritual and physical constitution that the Greeks had. We must find what is appropriate to our state of mind and body. We merely reveal the impotence of our spirit, the utter emptiness of our inner life, when we insist on endlessly rehashing the past. The Olympic Games were possible for people who retained their capacity for development well into their thirty-third year. To simply revive things that once existed for humanity is no different from someone who has reached the age of thirty-five suddenly deciding to behave like a fifteen-year-old boy. That is roughly how it was when the ideal of the Olympic Games emerged.
[ 21 ] Dieses innere Verständnissuchen aus den geistigen Grundlagen der Entwickelung heraus, das ist es, was unbedingt angestrebt werden muß von unserer Gegenwart an. Denn eben die alten Zusammenhänge, aus denen die Menschen bisher gearbeitet haben, sind morsch und brüchig geworden. Ein Schneckenhaus hält sich ja auch noch eine Zeitlang, wenn die Schnecke schon tot ist. So hielten sich die alten Staaten, die aus ganz andern Schnecken, aus ganz andern Vorstellungen hervorgegangen sind. Aber notwendig ist es, daß heute neue soziale Gebilde aus dem erneuerten Vorstellungsleben der Menschen heraus sich wirklich entwickeln. Das große Sterben der alten sozialen Gebilde, das im Osten begonnen und Mitteleuropa ergriffen hat, das wird sich schon fortsetzen! Aber gut wäre es, wenn es verstanden würde und wenn die Leute weniger daran denken würden, die alten Reiche aufzurichten, sondern daran denken würden, die realen Verhältnisse der Gegenwart ins Auge zu fassen und aus diesen realen Verhältnissen der Gegenwart heraus entsprechende neue soziale Gebilde zu gestalten.
[ 21 ] This inner search for understanding, rooted in the spiritual foundations of development—that is what we must absolutely strive for from this moment onward. For the very old frameworks within which people have operated until now have become rotten and brittle. After all, a snail shell can still hold together for a while even after the snail is dead. In the same way, the old states—which emerged from entirely different “snails,” from entirely different ideas—have persisted. But it is essential that new social structures truly develop today out of people’s renewed imaginative life. The great demise of the old social structures—which began in the East and has swept through Central Europe—will certainly continue! But it would be good if people understood this and focused less on restoring the old empires, and instead focused on facing the real conditions of the present and shaping new social structures appropriate to these real conditions.
[ 22 ] Im ganzen muß man doch sagen: Geisteswissenschaft stellt an die Menschen die Anforderung, etwas weniger Bequemlichkeit zu entwickeln mit Bezug auf ihre Seelenwesenheit, als die Menschen heute zu haben geneigt sind. Die Menschen sind heute schon so, daß sie gar nicht sich bewußt sind der treibenden Kräfte der Entwickelung, in denen sie drinnenstecken. Es war mir interessant zu sehen, wie ein Mitglied unserer Gesellschaft in der letzten Dreigliederungszeitung über den Stil der «Kernpunkte der sozialen Frage» geschrieben hat. Über diesen Stil der «Kernpunkte der sozialen Frage» haben ja viele allerlei Zeug geschwätzt: Schwer verständlich, Schachtelsätze — und dergleichen. Es ist ganz gut, daß jemand es einmal ausgesprochen hat, daß ja schließlich dieses Buch dazu da ist, um ein Aufruf zu sein an die Menschheitserneuerung, daß es nicht ein Schlafpulver sein soll für diejenigen, die eine angenehme Lektüre haben wollen.
[ 22 ] All in all, one must say: Spiritual science requires people to develop a little less complacency regarding their spiritual nature than people today tend to have. People today are already in such a state that they are completely unaware of the driving forces of evolution in which they are immersed. I found it interesting to see how a member of our Society wrote in the latest issue of the *Dreigliederungszeitung* about the style of *The Core Points of the Social Question*. Many people have, of course, chattered on about all sorts of things regarding the style of *The Core Points of the Social Question*: hard to understand, convoluted sentences—and the like. It’s quite good that someone has finally pointed out that, after all, this book is meant to be a call for the renewal of humanity; it is not meant to be a sleeping pill for those who want a pleasant read.
[ 23 ] Heute vereinigen die Menschen, indem sie konsequent sein wollen, das Diskrepanteste. Sie können heute unter das sogenannte Volk gehen, das wird eine populäre Darstellung verlangen. Vielleicht die populärste Darstellung werden diejenigen verlangen, die sich am freigeistigsten fühlen. Sie werden einen geschlossenen Stil langweilig finden, diese Leute. Woher kommt denn dieses Streben nach sogenannter populärer Darstellung ?— Wenn die Leute es nur einmal bedenken würden, würden sie von solchen Urteilen, wie man sie oftmals hört, leichter zurückkommen. Denn dasjenige, was heute auch viele kirchenfeindliche Leute als Popularität im Stil fordern, das ist nichts anderes als ein Ergebnis jener Darstellung, welche gewisse Vertreter der Bekenntnisse suchten, um die Leute möglichst dumm zu erhalten. Sie gaben ihnen in den Sonntagnachmittagspredigten möglichst dasjenige, was «wasserklar» ist, was auch für diejenigen wasserklar war, die wachend schlafen wollten bei den Predigten. Die äußerste Grenze des Predigtanhörens ist ja das alte Mütterchen, das immer geschlafen hat bei der Predigt und das man zur Rede gestellt hat. Da sagte sie: Nun, was hat denn der Mensch auf der Welt, wenn er nicht mehr das bißchen Kirchenschlaf hat! — Der Unterschied des Niveaus von diesem Schläfrigkeitszustand bis zur populären Darstellung ist ja nicht sehr groß. Sie ist im wesentlichen dadurch entstanden, daß man die Leute nicht zu einer gewissen freien lebendigen Entwickelung des Denkens kommen lassen wollte. Was sich die Leute angewöhnt haben beim Anhören der Predigten, das fordern heute die kirchenfeindlichen Sozialdemokraten als populäre Darstellung. So sind die Zusammenhänge. Die Leute finden heute den Stil der «Kernpunkte» schwer, die es weit zurückweisen würden, Bekenntnisleute zu sein; aber den Stil schwer finden, das rührt davon her, daß diese Leute erzogen worden sind durch die «Wasserklarheiten» des SonntagnachmittagsPredigtdienstes. Das ist auch etwas, was sich die Menschen durch Geisteswissenschaft aneignen müssen: unbefangen auf die Ereignisse hinzublicken. Über die Entwickelungsgesetze möchten sich ja die Menschen am liebsten täuschen.
[ 23 ] Today, in their desire to be consistent, people bring together the most disparate elements. If they go out among the so-called “people” today, they will be expected to adopt a popular style. Perhaps those who feel the most free-spirited will demand the most “popular” presentation. These people will find a restrained style boring. Where does this pursuit of so-called “popular” presentation come from?—If people would just stop and think about it for a moment, they would more easily reconsider such judgments as are often heard. For what even many people hostile to the church demand today as “popularity” in style is nothing other than the result of the very style of presentation that certain representatives of the denominations sought in order to keep the people as ignorant as possible. In their Sunday afternoon sermons, they gave them, as much as possible, what was “crystal clear”—something that was crystal clear even to those who wanted to doze off during the sermons. The ultimate example of listening to a sermon is, after all, the old lady who always slept through the sermon and was called to account. She said: “Well, what does a person have in this world if they no longer have that little bit of church sleep!”—The difference in level between this state of drowsiness and popular presentation is not very great. It arose essentially because people were not allowed to develop their thinking in a certain free and lively way. What people have grown accustomed to while listening to sermons is what the anti-church Social Democrats now demand as a “popular presentation.” That is how the connections work. People today find the style of the “key points”—which would strongly reject the idea of being confessional believers—difficult; but the reason they find the style difficult is that these people have been raised on the “crystal-clear” Sunday afternoon sermons. This is also something people must learn through spiritual science: to look at events with an open mind. After all, people would prefer to delude themselves about the laws of development.
[ 24 ] Vor allen Dingen Energie im Seelenleben, das ist es, was für die Zukunft der Menschheitsentwickelung im eminentesten Sinne gebraucht wird. Und gerade mit Bezug darauf leben wir ja heute in einer außerordentlich schwierigen Zeit. Ich habe letzten Sonntag hier, während «ägyptische Finsternis» im Saal geherrscht hat, auf mancherlei Bestrebungen, die sich gerade gegen unsere Geisteswissenschaft geltend machen, hingewiesen. Es ist aber gar nicht so selten, daß gerade in unseren Reihen ein entschiedenes, dezidiertes Denken darüber übelgenommen wird, könnte man sagen. Das muß scharf ausgesprochen werden aus dem Grunde, weil ja jene Art von Verleumdungsfeldzügen, die gegen die authroposophisch orientierte Geisteswissenschaft und was sie sozial als Konsequenz nach sich zieht, erst im Anfange sind. Wie tritt doch immer wieder und wiederum aus unseren Reihen einem das Verderbliche entgegen, daß verlangt wird, man solle, wenn jemand verleumdet, den alten Herrn oder wer es ist, manchmal auch einen jungen Herrn, eine alte Frau, manchmal auch eine junge, möglichst schonend behandeln. Da wird gesagt: Wer verleumdet, soll vor allen Dingen in unseren Reihen auch möglichst schonend behandelt werden; man soll sich mit Leuten, die Verleumdungen in die Welt setzen, erst anfreunden! — Darauf kommt es nicht an heute! Wer die Zeit versteht, sollte das einsehen. Es kommt heute nicht darauf an, daß man sich auseinandersetzt mit den Menschen, die Verleumdungen über die Welt streuen, sondern darauf kommt es an, daß man bei andern Menschen diese Menschen charakterisiert, daß man sich mit ihnen nichts zu schaffen macht, daß man sie als Menschen, die man an sich nicht herankommen lassen will, behandelt und die andern Menschen in entsprechender Weise aufklärt, was das für Individuen sind, die da in der Welt stehen. Das ist es, worauf es ankommt heute! — Denn heute stehen wir vor ernsten Entwikkelungsmomenten, und heute ist das Durch-die-Finger-Schauen das allerschlimmste, was gerade in Menschheitsdiensten geschehen kann. Bequemer ist es, das Durch-die-Finger-Schauen, als das scharfe Erfassen desjenigen, um was es sich hier handelt.
[ 24 ] Above all, energy in the life of the soul—that is what is needed in the most profound sense for the future of human development. And it is precisely in this regard that we are living in extraordinarily difficult times today. Last Sunday, while “Egyptian darkness” reigned in this hall, I pointed out various efforts that are currently directed against our spiritual science. But it is not at all uncommon for decisive, uncompromising thinking on this very subject to be resented, so to speak, even within our own ranks. This must be stated clearly because the kind of smear campaigns directed against anthroposophically oriented spiritual science—and the social consequences it entails—are only just beginning. Time and again, one encounters within our own ranks the pernicious notion that, when someone slanders—be it an elderly gentleman, or whoever it may be, sometimes a young man, an elderly woman, or even a young one—one should treat them as gently as possible. It is said: “Whoever slanders should, above all, be treated as gently as possible within our ranks; one should first make friends with people who spread slander!” — That is not what matters today! Anyone who understands the times should realize this. What matters today is not that we engage with the people who spread slander throughout the world; what matters is that we describe these people to others, that we have nothing to do with them, that we treat them as individuals we do not want to let get close to us, and that we inform others accordingly about what kind of people they are out there in the world. That is what matters today! — For today we face serious turning points in our development, and today turning a blind eye is the very worst thing that can happen, especially in the service of humanity. It is easier to turn a blind eye than to grasp clearly what is at stake here.
[ 25 ] Vor allen Dingen müssen wir uns darüber klar sein, daß ein wirkliches Verständnis der sozialen Aufgabe der Gegenwart nur möglich ist vom Geiste aus. Aber dazu ist natürlich vieles andere erst herbeizuschaffen, möchte ich sagen. Da ist auf der einen Seite unsere Wissenschaft, die einer völligen Erneuerung bedarf. Wir können mit der alten Wissenschaft nichts mehr anfangen. Wir müssen die Möglichkeit haben, in den Geist der Natur wirklich einzudringen. Wir müssen die Möglichkeit haben, die Naturwissenschaft, die Medizin, die Biologie im allgemeinen wirklich geistig zu erfassen, dann können wir mit der Erziehung, die durchgemacht wird auf diese Weise, wirklich auch fruchtbare Gedanken entwickeln für das soziale Denken. Sonst werden wir fortfahren, mit den alten Schlagworten Neues schaffen zu wollen. Das aber ist es gerade, was uns so stark in den Abgrund hinunterführt. Aufwärtskommen muß die Menschheit; aber sie muß es aus einer geistigen Erneuerung heraus. Und wer sich nicht entschließen wird, auf das Alte so hinzuschauen, daß es wirklich von ihm als Altes angesehen wird, der wird eben nicht mitarbeiten können am Fortschritt der Menschheit.
[ 25 ] Above all, we must be clear that a true understanding of the social task of our time is possible only from the spiritual perspective. But to achieve this, of course, many other things must first be brought about, I would say. On the one hand, there is our science, which is in need of a complete renewal. We can no longer make sense of things with the old science. We must have the opportunity to truly penetrate the spirit of nature. We must have the opportunity to truly grasp natural science, medicine, and biology in general from a spiritual perspective; only then can we, through the education we undergo in this way, truly develop fruitful ideas for social thought. Otherwise, we will continue to try to create something new using the old catchphrases. But that is precisely what is leading us so rapidly into the abyss. Humanity must rise; but it must do so through spiritual renewal. And anyone who is not willing to view the old in such a way that they truly regard it as old will simply not be able to contribute to the progress of humanity.
[ 26 ] Ich habe ja in den verschiedensten Varianten dieses vor Ihnen entwickelt. Ich wollte heute darauf hinweisen, wie eigentlich die Menschheit — was ich ja auch schon öfter auseinandergesetzt habe — in bezug auf ihr Lebensalter immer jünger und jünger wird. Die urindischen Menschen waren bis über die Fünfzigerjahre alt geworden, dann die persischen Menschen bis in die Vierzigerjahre, die ägyptisch—chaldäischen bis zum Ende der Dreißigerjahre, die griechischen Menschen bis in die Dreißigerjahre hinein. Wir werden nicht in dieser Weise alt. Wir trotten noch fort, wenn wir nicht uns geistig innerlich beleben, aber alt werden wir nicht. Denn alt werden hieß in alten Zeitaltern zu gleicher Zeit durch dasjenige, was der Mensch leiblich-physisch heranentwickelte, weiser werden. Die heutigen Menschen werden, indem sie alt werden, bloß alt, werden nicht weiser, sie werden Mumien. Sie werden weiser nur dann, wenn sie die Mumien mit irgend etwas innerlich ausfüllen. Die Ägypter mumifizierten ihre Toten. Die Gegenwartsmenschen haben gar nicht nötig, Mumien erst zu werden, denn sie wandeln schon als Mumien herum und sind nur dann keine Mumien, wenn erfaßt wird in lebendiger, unmittelbarer Gegenwart das Geistige; dann wird die Mumie belebt. Das aber ist für die Menschheit der Gegenwart notwendig, daß die Mumien belebt werden. Sonst haben wir weiter jene Weltenvereinigungen, in denen allerlei Töne aus mumifizierten Menschen kommen. Man nennt diese Vereinigungen «Parteien». Aber das, was von den mumifizierten Menschen gekommen ist, das wurde allmählich zu rein ahrimanischen Stimmen, und die haben die Katastrophe der letzten Jahre herbeigeführt. Das ist die Kehrseite der Sache, das ist das ganz Ernste der Sache. Wenn der Mensch von der Gegenwart an nicht anfängt, seine Mumie mit geistigem Inhalt zu erfüllen, so erfüllt sie sich durch die Einflüsterungen des Ahriman. Dann gehen die Menschenmumien herum, aber aus ihnen sprechen die ahrimanischen Dämonen. Die können nur verhindert werden, die Erde zu bevölkern, wenn die Menschen sich dazu entschließen, ihren lebendigen Zusammenhang mit der Geisteswelt zu suchen. Ja, die Sache hat ihre sehr, sehr ernste Seite. Geisteswissenschaft heute zu treiben ist zu gleicher Zeit ein Austreiben des ahrimanischen Geistes aus der Menschheit, ist ein Verhindern dessen, daß die Menschheit von Ahrimanisch-Geistigem besessen werde.
[ 26 ] I have, after all, explored this topic with you in a wide variety of ways. Today I wanted to point out how humanity—as I have discussed on numerous occasions—is actually becoming younger and younger in terms of life expectancy. The ancient Indian people lived to be over fifty; the Persian people, into their forties; the Egyptian-Chaldean people, into their late thirties; and the Greek people, into their thirties. We do not grow old in this way. We simply plod along if we do not revitalize ourselves spiritually from within, but we do not actually grow old. For in ancient times, growing old meant simultaneously becoming wiser through the physical development that a person underwent. Today’s people, as they grow old, merely grow old; they do not become wiser—they become mummies. They become wiser only when they fill those mummies with something from within. The Egyptians mummified their dead. People today do not even need to become mummies first, for they are already walking around as mummies and are only not mummies when the spiritual is grasped in living, immediate presence; then the mummy is brought to life. But it is necessary for humanity today that the mummies be brought to life. Otherwise, we continue to have those world-unions in which all manner of sounds emanate from mummified human beings. These unions are called “parties.” But what came from the mummified human beings gradually became purely Ahrimanic voices, and these have brought about the catastrophe of recent years. That is the flip side of the matter; that is the very gravity of the situation. If, from now on, human beings do not begin to fill their mummies with spiritual content, they will be filled by the whisperings of Ahriman. Then the human mummies will walk about, but it will be the Ahrimanic demons speaking through them. They can only be prevented from populating the Earth if human beings resolve to seek their living connection with the spiritual world. Yes, there is a very, very serious side to this matter. Practicing spiritual science today is at the same time a process of driving the Ahrimanic spirit out of humanity; it is a means of preventing humanity from becoming possessed by the Ahrimanic spirit.
