Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196

30 January 1920, Dornach

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Geistige und soziale Wandlungen in der Menschheitsentwickelung
  1. Spiritual and Social Transformations in Human Evolution, tr. SOL

Siebenter Vortrag

Siebenter Vortrag

[ 1 ] Wir haben in unsere Betrachtungen in den letzten drei Stunden als Episode eingeschoben die Beschreibung unseres Baues hier, seiner Einrichtungen und dessen, was als Ziel mit ihm verbunden ist. Wir werden nunmehr heute gerade an diese Baubetrachtungen einiges anzuknüpfen haben, das ich im weitesten Sinne als Zeitbetrachtung ansehen möchte. Wir haben ja betonen müssen, daß dieser Bau als Repräsentant unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft zugleich eine Zeiterscheinung sein soll, gewissermaßen in seinen Formen, in seiner ganzen Gestaltung ausdrücken soll dasjenige, was sich hineinstellen will und hineinstellen muß in unsere Zeitentwickelung von der Gegenwart an in die nächste Zukunft hinein. Wenn wir in der Gegenwart sprechen von den großen Aufgaben der Zeit und insbesondere hinweisen müssen darauf, daß eine gewisse Geneigtheit, Geistiges entgegenzunehmen, bei einem größeren Teile der Menschheit auftreten müsse und daß dies eine besondere Forderung der Zeit sei, so ist zunächst eine solche Angabe unmittelbar hervorgehend aus alledem, was Initiationswissenschaft und Initiationsweisheit gegenwärtig aus der geistigen Welt heraus gewinnen kann. Allein man hat nicht nötig, unmittelbar gleich an die Aufforderungen der geistigen Welt selbst heranzutreten, wenn man sich überzeugen will von der Notwendigkeit eines geistigen Einschlages in unsere Zeit herein. Ich habe in einem der letzten Vorträge hier davon gesprochen, daß wir ja vor einer starken Umgestaltung der Welt stehen auch in ihren äußeren Erscheinungen. Es kann heute schon für jeden mehr oder weniger ersichtlich sein, daß durch die Zeitereignisse die äußere Weltherrschaft zufällt der englischsprechenden Bevölkerung. Wir wollen nicht über dieses Zufallen der Weltherrschaft sprechen, aber wir wollen sprechen und haben auch schon davon gesprochen, daß damit verknüpft ist ein gründliches Verantwortlichkeitsgefühl, ein Verantwortlichkeitsgefühl, das sich ganz klar darüber ist: Da, wo die Möglichkeit vorhanden ist, eine gewisse Herrschaft über die Welt auszuüben, da muß Platz greifen der Antrieb, zu durchdringen dasjenige, was man tun kann, mit dem gegenwärtig von der Menschheitsentwickelung geforderten spirituellen Impuls. Denn nicht durchdringen dasjenige, was man tun kann, oder es nicht durchdringen wollen heißt die Menschheitsentwickelung ihrem Niedergange entgegenführen.

[ 1 ] Wir haben in unsere Betrachtungen in den letzten drei Stunden als Episode eingeschoben die Beschreibung unseres Baues hier, seiner Einrichtungen und dessen, was als Ziel mit ihm verbunden ist. Wir werden nunmehr heute gerade an diese Baubetrachtungen einiges anzuknüpfen haben, das ich im weitesten Sinne als Zeitbetrachtung ansehen möchte. Wir haben ja betonen müssen, daß dieser Bau als Repräsentant unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft zugleich eine Zeiterscheinung sein soll, gewissermaßen in seinen Formen, in seiner ganzen Gestaltung ausdrücken soll dasjenige, was sich hineinstellen will und hineinstellen muß in unsere Zeitentwickelung von der Gegenwart an in die nächste Zukunft hinein. Wenn wir in der Gegenwart sprechen von den großen Aufgaben der Zeit und insbesondere hinweisen müssen darauf, daß eine gewisse Geneigtheit, Geistiges entgegenzunehmen, bei einem größeren Teile der Menschheit auftreten müsse und daß dies eine besondere Forderung der Zeit sei, so ist zunächst eine solche Angabe unmittelbar hervorgehend aus alledem, was Initiationswissenschaft und Initiationsweisheit gegenwärtig aus der geistigen Welt heraus gewinnen kann. Allein man hat nicht nötig, unmittelbar gleich an die Aufforderungen der geistigen Welt selbst heranzutreten, wenn man sich überzeugen will von der Notwendigkeit eines geistigen Einschlages in unsere Zeit herein. Ich habe in einem der letzten Vorträge hier davon gesprochen, daß wir ja vor einer starken Umgestaltung der Welt stehen auch in ihren äußeren Erscheinungen. Es kann heute schon für jeden mehr oder weniger ersichtlich sein, daß durch die Zeitereignisse die äußere Weltherrschaft zufällt der englischsprechenden Bevölkerung. Wir wollen nicht über dieses Zufallen der Weltherrschaft sprechen, aber wir wollen sprechen und haben auch schon davon gesprochen, daß damit verknüpft ist ein gründliches Verantwortlichkeitsgefühl, ein Verantwortlichkeitsgefühl, das sich ganz klar darüber ist: Da, wo die Möglichkeit vorhanden ist, eine gewisse Herrschaft über die Welt auszuüben, da muß Platz greifen der Antrieb, zu durchdringen dasjenige, was man tun kann, mit dem gegenwärtig von der Menschheitsentwickelung geforderten spirituellen Impuls. Denn nicht durchdringen dasjenige, was man tun kann, oder es nicht durchdringen wollen heißt die Menschheitsentwickelung ihrem Niedergange entgegenführen.

[ 2 ] Es ist Jetzt gerade in dieser Zeit wirklich nicht ohne Bedeutung, rückblickende Betrachtungen anzustellen, und aus der Fülle desjenigen, was aus solchen rückblickenden Betrachtungen hier vor Ihnen aufgerollt werden könnte, möchte ich eines vor Sie hinstellen. Ein merkwürdiger Zusammenklang der Erscheinungen brachte es mit sich, daß ein feinsinniger Mann 1870 in einer deutschen Stadt einen Vortrag hielt, gerade als die Schlacht bei Sedan geschlagen worden ist — was man aber noch nicht in der Stadt wußte —, wo dieser Mann, den ich einen feinsinnigen Mann nenne, seinen Vortrag hielt und darin schon hinweisen konnte auf gewisse Erfolge, welche Deutschland dazumal hatte. Dieser Hinweis auf diese Erfolge war aber zu gleicher Zeit bei diesem Manne begleitet von der Anforderung, daß Platz greifen müsse bei denjenigen, die den Erfolg haben, eine geistige Vertiefung. Und bald darauf, nachdem vollere Erfolge da waren, schrieb derselbe Mann einen Aufsatz über die Notwendigkeiten der Zeitentwickelung. In diesem Aufsatze, der also jetzt fast fünfzig Jahre hinter uns liegt, stehen merkwürdige Dinge, Dinge, die von einem Zweifachen zeugen. Erstens wird darin ausdrücklich gesagt, daß die dringende Notwendigkeit vorliege, zwei Einseitigkeiten zu vermeiden. Die eine Einseitigkeit bestehe darin, daß man sich nur nach dem abstrakt Geistigen wende, die andere darin, daß man sich nur nach der Betrachtung und Anbetung des Materiellen wende. Und was der betreffende Mann dazumal von seinen Zeitgenossen und deren Nachfahren weiter forderte, war etwas, was er «Ideal-Realismus» nannte.

[ 2 ] Es ist Jetzt gerade in dieser Zeit wirklich nicht ohne Bedeutung, rückblickende Betrachtungen anzustellen, und aus der Fülle desjenigen, was aus solchen rückblickenden Betrachtungen hier vor Ihnen aufgerollt werden könnte, möchte ich eines vor Sie hinstellen. Ein merkwürdiger Zusammenklang der Erscheinungen brachte es mit sich, daß ein feinsinniger Mann 1870 in einer deutschen Stadt einen Vortrag hielt, gerade als die Schlacht bei Sedan geschlagen worden ist — was man aber noch nicht in der Stadt wußte —, wo dieser Mann, den ich einen feinsinnigen Mann nenne, seinen Vortrag hielt und darin schon hinweisen konnte auf gewisse Erfolge, welche Deutschland dazumal hatte. Dieser Hinweis auf diese Erfolge war aber zu gleicher Zeit bei diesem Manne begleitet von der Anforderung, daß Platz greifen müsse bei denjenigen, die den Erfolg haben, eine geistige Vertiefung. Und bald darauf, nachdem vollere Erfolge da waren, schrieb derselbe Mann einen Aufsatz über die Notwendigkeiten der Zeitentwickelung. In diesem Aufsatze, der also jetzt fast fünfzig Jahre hinter uns liegt, stehen merkwürdige Dinge, Dinge, die von einem Zweifachen zeugen. Erstens wird darin ausdrücklich gesagt, daß die dringende Notwendigkeit vorliege, zwei Einseitigkeiten zu vermeiden. Die eine Einseitigkeit bestehe darin, daß man sich nur nach dem abstrakt Geistigen wende, die andere darin, daß man sich nur nach der Betrachtung und Anbetung des Materiellen wende. Und was der betreffende Mann dazumal von seinen Zeitgenossen und deren Nachfahren weiter forderte, war etwas, was er «Ideal-Realismus» nannte.

[ 3 ] Man sieht daraus, daß eine solche Forderung dazumal aufgestellt worden ist, wie eine gewisse Sehnsucht vorhanden war nach einer Erneuerung des geistigen Lebens. Aber wenn man alles dasjenige verfolgt, was dazumal vorgebracht worden ist aus dieser Sehnsucht nach einer Erneuerung des geistigen Lebens heraus, dann sieht man die volle Ohnmacht, irgend etwas zu finden, was eine Verbindung des geistigen Strebens mit dem materiellen Streben darstellen konnte, was sich als eine Wirklichkeit für den Begriff des Ideal-Realismus ergeben konnte. Also eine wichtige Forderung, die aber aus einer bloß geahnten Sehnsucht heraus gesprochen war, trat auf aus einer tiefen Ohnmacht heraus, aus der Unmöglichkeit, einen realen Inhalt zu finden. Es war ein unbestimmtes Gefühl, weiter nichts. Aber verbunden war die Darlegung dieses Gefühles mit etwas anderem. Der betreffende Mann machte, und zwar im Einklange mit manchen andern, die dazumal etwas empfanden von einer Sehnsucht nach einer Erneuerung des geistigen Lebens, darauf aufmerksam, daß, wenn nicht ein neuer Geist käme, die breiten Massen Europas anstürmen und alles, was an Kultur bisher der Menschheit sich ergeben habe, zerstören würden. — Es hat damals auch ein Mann, der hier in der Schweiz viel gesprochen hat, Johannes Scherr — ich bitte Sie, zu berücksichtigen, daß das, was da gesprochen worden ist, vor fünfzig Jahren gesprochen worden ist! —, auf die große Gefahr hingewiesen, die darin bestehe, daß ihrer selbst bewußt werden in einem gewissen Sinne die breiten Massen der Menschheit, aber dies in einer Zeit, in der sich die Träger der Bildung von einer geistigen Weltanschauung abgewandt und sich materialistischen Begriffen und Ideen zugewendet haben. In scharfen, in ernsten Worten wurde dazumal von solchen Dingen gesprochen.

[ 3 ] Man sieht daraus, daß eine solche Forderung dazumal aufgestellt worden ist, wie eine gewisse Sehnsucht vorhanden war nach einer Erneuerung des geistigen Lebens. Aber wenn man alles dasjenige verfolgt, was dazumal vorgebracht worden ist aus dieser Sehnsucht nach einer Erneuerung des geistigen Lebens heraus, dann sieht man die volle Ohnmacht, irgend etwas zu finden, was eine Verbindung des geistigen Strebens mit dem materiellen Streben darstellen konnte, was sich als eine Wirklichkeit für den Begriff des Ideal-Realismus ergeben konnte. Also eine wichtige Forderung, die aber aus einer bloß geahnten Sehnsucht heraus gesprochen war, trat auf aus einer tiefen Ohnmacht heraus, aus der Unmöglichkeit, einen realen Inhalt zu finden. Es war ein unbestimmtes Gefühl, weiter nichts. Aber verbunden war die Darlegung dieses Gefühles mit etwas anderem. Der betreffende Mann machte, und zwar im Einklange mit manchen andern, die dazumal etwas empfanden von einer Sehnsucht nach einer Erneuerung des geistigen Lebens, darauf aufmerksam, daß, wenn nicht ein neuer Geist käme, die breiten Massen Europas anstürmen und alles, was an Kultur bisher der Menschheit sich ergeben habe, zerstören würden. — Es hat damals auch ein Mann, der hier in der Schweiz viel gesprochen hat, Johannes Scherr — ich bitte Sie, zu berücksichtigen, daß das, was da gesprochen worden ist, vor fünfzig Jahren gesprochen worden ist! —, auf die große Gefahr hingewiesen, die darin bestehe, daß ihrer selbst bewußt werden in einem gewissen Sinne die breiten Massen der Menschheit, aber dies in einer Zeit, in der sich die Träger der Bildung von einer geistigen Weltanschauung abgewandt und sich materialistischen Begriffen und Ideen zugewendet haben. In scharfen, in ernsten Worten wurde dazumal von solchen Dingen gesprochen.

[ 4 ] Was kam für eine Zeit? Es kam die Zeit, in der über ganz Europa die materialistische Welle hinwegging, die Zeit, in der man sich darin gut befand, sich hinwegzutäuschen über die großen Gefahren, die darin liegen, nichts wissen zu wollen von einem geistigen Einschlag. Nur ab und zu erhob sich der eine und der andere, der darauf aufmerksam machte, daß trotz des bewußten Verharrens im bequemen Alltagsleben in den unterbewußten Untergründen der Menschenseelen doch die Sehnsucht nach dem geistigen Leben mehr da sei als zu irgendeiner Zeit der weltgeschichtlichen Entwickelung.

[ 4 ] Was kam für eine Zeit? Es kam die Zeit, in der über ganz Europa die materialistische Welle hinwegging, die Zeit, in der man sich darin gut befand, sich hinwegzutäuschen über die großen Gefahren, die darin liegen, nichts wissen zu wollen von einem geistigen Einschlag. Nur ab und zu erhob sich der eine und der andere, der darauf aufmerksam machte, daß trotz des bewußten Verharrens im bequemen Alltagsleben in den unterbewußten Untergründen der Menschenseelen doch die Sehnsucht nach dem geistigen Leben mehr da sei als zu irgendeiner Zeit der weltgeschichtlichen Entwickelung.

[ 5 ] Doch solche Stimmen wurden alle als feuilletonistische Stimmen genommen. Solche Stimmen wurden nicht in ihrem ganzen Ernste gewürdigt. Und im Grunde genommen leben wir heute noch immer in dieser Zeit. Im Grunde genommen ist auch die Welle entsetzlichsten Unglückes der letzten fünf Jahre durch die meisten europäischen Seelen höchstens so durchgegangen, daß sie über die äußeren Folgen nachdenken und sie nachempfinden, nicht aber auf das eingehen wollen, auf das eingegangen werden muß, wenn überhaupt noch von einer Weiterentwickelung der Menschheit in der Zukunft in irgendeinem günstigen Sinne die Rede sein soll.

[ 5 ] Doch solche Stimmen wurden alle als feuilletonistische Stimmen genommen. Solche Stimmen wurden nicht in ihrem ganzen Ernste gewürdigt. Und im Grunde genommen leben wir heute noch immer in dieser Zeit. Im Grunde genommen ist auch die Welle entsetzlichsten Unglückes der letzten fünf Jahre durch die meisten europäischen Seelen höchstens so durchgegangen, daß sie über die äußeren Folgen nachdenken und sie nachempfinden, nicht aber auf das eingehen wollen, auf das eingegangen werden muß, wenn überhaupt noch von einer Weiterentwickelung der Menschheit in der Zukunft in irgendeinem günstigen Sinne die Rede sein soll.

[ 6 ] Was wir heute in Europa vor uns haben, hat sich durch Jahrzehnte vorbereitet. Aber die Seelen der Menschen haben sich nicht vorbereitet. Die Seelen der Menschen sind in ihrer Mehrzahl heute so unempfänglich wie möglich für das Hereinschlagen einer spirituellen Welle aus der geistigen Welt, die an die Tore des Lebens schlägt, die herein will und die man nicht aufnehmen will in die Seelen und in die Herzen der Menschen. Was notwendig ist, das ist, daß die Menschen sich hinwenden zu einer geistigen Weltbetrachtung, vor allen Dingen zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschen selber. Das Menschenwesen kann nicht erkannt werden, ohne daß man die geistige Welt erkennt, denn der Mensch lebt mit zwei Dritteln seines Wesens in der geistig-seelischen Welt, nur mit einem Drittel in der physisch-materiellen Welt. Und ohne daß gesucht wird eine Erkenntnis des geistigen Lebens, bleibt der Mensch ohne Erkenntnis seines eigenen Wesens. In einem viel umfänglicheren Sinne, als heute von den meisten auch nur geahnt wird, muß gefragt werden: Welchen Wesens ist denn eigentlich dasjenige Gebiet des menschlichen Seelenlebens, das wir umfassen mit dem Worte Denken? Was für einer Wesenheit ist dasjenige Gebiet des menschlichen Seelenwesens, das wir umfassen mit dem Worte Wollen oder Handeln? — Zwischen beiden liegt das Gemüt, das Gefühlsleben. Erkenntnis des Gefühls- oder Gemütslebens würde sich schon ergeben, wenn man nur die Aufmerksamkeit wenden wollte auf das Gedankenleben und auf das Leben in Handlungen, auf das Willensleben.

[ 6 ] Was wir heute in Europa vor uns haben, hat sich durch Jahrzehnte vorbereitet. Aber die Seelen der Menschen haben sich nicht vorbereitet. Die Seelen der Menschen sind in ihrer Mehrzahl heute so unempfänglich wie möglich für das Hereinschlagen einer spirituellen Welle aus der geistigen Welt, die an die Tore des Lebens schlägt, die herein will und die man nicht aufnehmen will in die Seelen und in die Herzen der Menschen. Was notwendig ist, das ist, daß die Menschen sich hinwenden zu einer geistigen Weltbetrachtung, vor allen Dingen zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschen selber. Das Menschenwesen kann nicht erkannt werden, ohne daß man die geistige Welt erkennt, denn der Mensch lebt mit zwei Dritteln seines Wesens in der geistig-seelischen Welt, nur mit einem Drittel in der physisch-materiellen Welt. Und ohne daß gesucht wird eine Erkenntnis des geistigen Lebens, bleibt der Mensch ohne Erkenntnis seines eigenen Wesens. In einem viel umfänglicheren Sinne, als heute von den meisten auch nur geahnt wird, muß gefragt werden: Welchen Wesens ist denn eigentlich dasjenige Gebiet des menschlichen Seelenlebens, das wir umfassen mit dem Worte Denken? Was für einer Wesenheit ist dasjenige Gebiet des menschlichen Seelenwesens, das wir umfassen mit dem Worte Wollen oder Handeln? — Zwischen beiden liegt das Gemüt, das Gefühlsleben. Erkenntnis des Gefühls- oder Gemütslebens würde sich schon ergeben, wenn man nur die Aufmerksamkeit wenden wollte auf das Gedankenleben und auf das Leben in Handlungen, auf das Willensleben.

[ 7 ] Folgen Sie mir einmal für kurze Zeit in eine Betrachtung gerade desjenigen, was unser Denken ist. Der Mensch ist sich ja bewußt, daß er das Leben, das auf ihn von da- oder dorther Eindruck macht, mit seinem Denken innerlich begleitet. Dieses Denken — man lebt in ihm. Aber man sollte sich doch auch bewußt werden, daß der größte Teil des Lebens damit ausgefüllt ist, daß dieses Denken durchsetzt ist von allem möglichen Traumartigen. Die meisten Menschen werden sich dessen nicht bewußt, wie in ihr Denken dasjenige hereinspielt, was ein unwillkürliches Element ist. Alles unwillkürliche Element im Denken ist im Grunde genommen traumhafter Natur. Versuchen Sie nur einmal, in einer oberflächlichen Selbsterkenntnis sich klarzumachen, wie weit Sie Ihre Gedanken aus dem Zentrum Ihres Willens heraus im Alltagsleben dirigieren. Versuchen Sie, sich klarzumachen, wie weit Sie das Bestreben haben, die Gedanken innerlich zu lenken, die Gedanken selbst zu gestalten. Versuchen Sie, sich klarzumachen, in wie hohem Maße es der Fall ist, daß die Seele die Gedanken kommen läßt, sie hereinbrechen läßt. Sie leben sich aus, die Gedanken, einer spinnt sich mit dem andern zusammen, und der Mensch gibt sich diesem unwillkürlichen Gedankenspiel wohlbehaglich hin. Es ist kein großer Unterschied zwischen diesem alltäglichen Gedankenspiel und zwischen dem aus dem Schlafe heraus aufdämmernden Träumen.

[ 7 ] Folgen Sie mir einmal für kurze Zeit in eine Betrachtung gerade desjenigen, was unser Denken ist. Der Mensch ist sich ja bewußt, daß er das Leben, das auf ihn von da- oder dorther Eindruck macht, mit seinem Denken innerlich begleitet. Dieses Denken — man lebt in ihm. Aber man sollte sich doch auch bewußt werden, daß der größte Teil des Lebens damit ausgefüllt ist, daß dieses Denken durchsetzt ist von allem möglichen Traumartigen. Die meisten Menschen werden sich dessen nicht bewußt, wie in ihr Denken dasjenige hereinspielt, was ein unwillkürliches Element ist. Alles unwillkürliche Element im Denken ist im Grunde genommen traumhafter Natur. Versuchen Sie nur einmal, in einer oberflächlichen Selbsterkenntnis sich klarzumachen, wie weit Sie Ihre Gedanken aus dem Zentrum Ihres Willens heraus im Alltagsleben dirigieren. Versuchen Sie, sich klarzumachen, wie weit Sie das Bestreben haben, die Gedanken innerlich zu lenken, die Gedanken selbst zu gestalten. Versuchen Sie, sich klarzumachen, in wie hohem Maße es der Fall ist, daß die Seele die Gedanken kommen läßt, sie hereinbrechen läßt. Sie leben sich aus, die Gedanken, einer spinnt sich mit dem andern zusammen, und der Mensch gibt sich diesem unwillkürlichen Gedankenspiel wohlbehaglich hin. Es ist kein großer Unterschied zwischen diesem alltäglichen Gedankenspiel und zwischen dem aus dem Schlafe heraus aufdämmernden Träumen.

[ 8 ] Noch von andern Seiten her mischt sich dieses Traumartige in das menschliche Denken ein. Man nimmt heute teil an dem äußeren Leben. Wie nimmt man teil an diesem äußeren Leben? Man informiert sich über das, was in der Welt vorgeht; man informiert sich so, daß man sich gewissermaßen in sein Erleben hineintragen läßt, was durch diesen oder jenen Anstoß in das Leben hereinkommt. Man gibt sich irgendeiner populären Agitation hin. Man untersuche nur einmal, wieviel in diesem Hingeben an eine populäre Agitation dem eigenen Willen entsprießt und wieviel einfach darauf zurückzuführen ist, daß man mitgenommen wird von dem, was da anstürmt aus den Wogen des Lebens! Und vieles, vieles könnte ich Ihnen anführen von dem, was in das Denken hereinstürmt, das Denken beherrscht, ohne daß der Wille des Menschen selbst in dieses Denken unmittelbar hineinwirkt.

[ 8 ] Noch von andern Seiten her mischt sich dieses Traumartige in das menschliche Denken ein. Man nimmt heute teil an dem äußeren Leben. Wie nimmt man teil an diesem äußeren Leben? Man informiert sich über das, was in der Welt vorgeht; man informiert sich so, daß man sich gewissermaßen in sein Erleben hineintragen läßt, was durch diesen oder jenen Anstoß in das Leben hereinkommt. Man gibt sich irgendeiner populären Agitation hin. Man untersuche nur einmal, wieviel in diesem Hingeben an eine populäre Agitation dem eigenen Willen entsprießt und wieviel einfach darauf zurückzuführen ist, daß man mitgenommen wird von dem, was da anstürmt aus den Wogen des Lebens! Und vieles, vieles könnte ich Ihnen anführen von dem, was in das Denken hereinstürmt, das Denken beherrscht, ohne daß der Wille des Menschen selbst in dieses Denken unmittelbar hineinwirkt.

[ 9 ] Das war gerade die geschichtliche Aufgabe bei Abfassung meines Buches «Die Philosophie der Freiheit», darauf hinzuweisen, wie Freiheit des Menschen überhaupt nur möglich ist, wenn dieses unwillkürliche, träumerische Denken nicht da ist, sondern Impulse aus dem vollbewußten Willen heraus sich geltend machen. Dieses Denken — welcher Natur ist es denn ? Wann ist es wirkliches Denken? — Wenn es wirklich aus dem vollbewußten Willen kommt, wenn wir den Gedanken so fassen, daß wir selbst es sind, die den Gedanken fassen. In dem Augenblicke, wo der Gedanke uns faßt, sind wir nicht mehr frei. Nur wenn wir aus unserer Kraft, aus unserem Wesen heraus den Gedanken fassen können, sind wir frei. Dann kann aber der Gedanke nichts anderes sein als ein Bild. Wäre der Gedanke etwas anderes als ein Bild, wäre er eine Realität, dann könnte er uns nicht frei lassen. Alles, was eine Realität ist, spinnt uns in den Strom des Realen ein. Nur das, was Bild ist, läßt uns frei. Denken Sie sich, wie alles, was Sie in einem Zimmer sehen, im Grunde genommen real auf Sie wirkt. Einzig und allein ganz frei sind Sie nur den Bildern gegenüber, die Ihnen aus dem Spiegel heraus entgegensehen. Die können Ihnen von sich aus nichts tun, an diesen Bildern können Sie sich nicht stoßen. Wenn diese Bilder Sie irgendwie zu etwas veranlassen sollen, so müssen Sie es sein, der etwas unternimmt. Wenn sich eine Fliege auf Ihre Nase setzt — sie ist ja ein unbedeutendes Tier —, so sind Ste nicht frei, Sie führen eine Reflexbewegung aus. Und so ist es mit allem, was da ist. Frei sind Sie nur demgegenüber, was Sie als Bild empfinden können, das keine Realität ist, das ein Bild ist. Warum sind die Inhalte unseres Denkens Bilder? Nun, wir brauchen nur uns zu erinnern an mancherlei, was wir lesen können in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», wie der Mensch verbunden war mit einer vorhergehenden Verkörperung unseres Erdenplaneten, mit der Mondenentwickelung. Lesen Sie alles durch, was dort über die Mondenentwickelung auseinandergesetzt ist, so werden Sie sich sagen: Der Mensch war während dieser Mondenentwickelung mit ganz andern Wesenheiten und auch mit ganz andern Naturkräften in Verbindung, als er im Erdendasein ist. Dieses Mondendasein hat er durchgemacht. Die Nachwirkung davon ist in ihm. Er hat sich aus diesem Mondendasein zum Erdendasein fortentwickelt. Und wenn Sie genauer lesen, was ich dort auseinandergesetzt habe, so werden Sie sich sagen: Gedacht hat der Mensch während des Mondendaseins noch nicht in dem Sinne, wie er als Erdenmensch denkt. Er hat damals in unbewufßten Imaginationen gelebt, und diese unbewußten Imaginationen waren nicht in seiner Willkür, so wenig als heute die Traumbilder in seiner Willkür sind. — In der Willkür sind erst die Gedanken, zu denen wir uns als Menschen eigentlich erst nach und nach jetzt im fünften nachatlantischen Zeitraum entwickeln. Was wir heute als Denken haben, ist eine Fortentwickelung desjenigen, was wir als Bild-Erleben der Seele während unseres Mondendaseins hatten.

[ 9 ] Das war gerade die geschichtliche Aufgabe bei Abfassung meines Buches «Die Philosophie der Freiheit», darauf hinzuweisen, wie Freiheit des Menschen überhaupt nur möglich ist, wenn dieses unwillkürliche, träumerische Denken nicht da ist, sondern Impulse aus dem vollbewußten Willen heraus sich geltend machen. Dieses Denken — welcher Natur ist es denn ? Wann ist es wirkliches Denken? — Wenn es wirklich aus dem vollbewußten Willen kommt, wenn wir den Gedanken so fassen, daß wir selbst es sind, die den Gedanken fassen. In dem Augenblicke, wo der Gedanke uns faßt, sind wir nicht mehr frei. Nur wenn wir aus unserer Kraft, aus unserem Wesen heraus den Gedanken fassen können, sind wir frei. Dann kann aber der Gedanke nichts anderes sein als ein Bild. Wäre der Gedanke etwas anderes als ein Bild, wäre er eine Realität, dann könnte er uns nicht frei lassen. Alles, was eine Realität ist, spinnt uns in den Strom des Realen ein. Nur das, was Bild ist, läßt uns frei. Denken Sie sich, wie alles, was Sie in einem Zimmer sehen, im Grunde genommen real auf Sie wirkt. Einzig und allein ganz frei sind Sie nur den Bildern gegenüber, die Ihnen aus dem Spiegel heraus entgegensehen. Die können Ihnen von sich aus nichts tun, an diesen Bildern können Sie sich nicht stoßen. Wenn diese Bilder Sie irgendwie zu etwas veranlassen sollen, so müssen Sie es sein, der etwas unternimmt. Wenn sich eine Fliege auf Ihre Nase setzt — sie ist ja ein unbedeutendes Tier —, so sind Ste nicht frei, Sie führen eine Reflexbewegung aus. Und so ist es mit allem, was da ist. Frei sind Sie nur demgegenüber, was Sie als Bild empfinden können, das keine Realität ist, das ein Bild ist. Warum sind die Inhalte unseres Denkens Bilder? Nun, wir brauchen nur uns zu erinnern an mancherlei, was wir lesen können in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», wie der Mensch verbunden war mit einer vorhergehenden Verkörperung unseres Erdenplaneten, mit der Mondenentwickelung. Lesen Sie alles durch, was dort über die Mondenentwickelung auseinandergesetzt ist, so werden Sie sich sagen: Der Mensch war während dieser Mondenentwickelung mit ganz andern Wesenheiten und auch mit ganz andern Naturkräften in Verbindung, als er im Erdendasein ist. Dieses Mondendasein hat er durchgemacht. Die Nachwirkung davon ist in ihm. Er hat sich aus diesem Mondendasein zum Erdendasein fortentwickelt. Und wenn Sie genauer lesen, was ich dort auseinandergesetzt habe, so werden Sie sich sagen: Gedacht hat der Mensch während des Mondendaseins noch nicht in dem Sinne, wie er als Erdenmensch denkt. Er hat damals in unbewufßten Imaginationen gelebt, und diese unbewußten Imaginationen waren nicht in seiner Willkür, so wenig als heute die Traumbilder in seiner Willkür sind. — In der Willkür sind erst die Gedanken, zu denen wir uns als Menschen eigentlich erst nach und nach jetzt im fünften nachatlantischen Zeitraum entwickeln. Was wir heute als Denken haben, ist eine Fortentwickelung desjenigen, was wir als Bild-Erleben der Seele während unseres Mondendaseins hatten.

[ 10 ] Wenn Sie das ganz ordentlich fassen, dann werden Sie aber auch einsehen, daß alles, was sich in das Denken so hineinstiehlt, wie ich eben das Traumhafte des Denkens im alltäglichen Leben charakterisiert habe, ein Überbleibsel ist desjenigen, was der Mensch als Seelenleben hatte während des Mondendaseins. Überläßt sich heute der Mensch seinen aufschießenden Gedanken, schaltet er seinen Willen aus aus seinen Gedanken, läßt er hereinspielen in sein Denken, was traumartiger Natur ist, so spielen die Zustände des Mondendaseins irgendwie in sein Denken hinein.

[ 10 ] Wenn Sie das ganz ordentlich fassen, dann werden Sie aber auch einsehen, daß alles, was sich in das Denken so hineinstiehlt, wie ich eben das Traumhafte des Denkens im alltäglichen Leben charakterisiert habe, ein Überbleibsel ist desjenigen, was der Mensch als Seelenleben hatte während des Mondendaseins. Überläßt sich heute der Mensch seinen aufschießenden Gedanken, schaltet er seinen Willen aus aus seinen Gedanken, läßt er hereinspielen in sein Denken, was traumartiger Natur ist, so spielen die Zustände des Mondendaseins irgendwie in sein Denken hinein.

[ 11 ] Sie werden daraus ersehen, daß dieses Hereinspielen des Mondendaseins in unser alltägliches Denken einen weiten, einen sehr, sehr weiten Umfang hat. Überall kann man verspüren, wie sich in das Denken, in das Vorstellen hereinmischt das unwillkürliche Element des rein Aufsteigenden und Aufschießenden. Das ist ein Überbleibsel des Mondendaseins. Da haben Sie also zwei im Menschenwesen selbst einander entgegenwirkende Mächte. Die eine Art dieser Dinge zieht uns dahin, von unserem Willen unser Denken beherrschen zu lassen, frei zu werden in unserem Gedankenelement. Die andere Macht will immerfort in dieses freie Denken dasjenige hineinmischen, was Überbleibsel der alten Mondenkultur ist: ein luziferisches Element. Luziferisches Element mischt sich fortwährend in unser alltägliches Denken hinein. Wir können es nicht abweisen. Wir würden alles dasjenige abweisen müssen, was wir noch nicht mit dem bewußten freien Denken erreichen können, aber wir müssen Erkenntnis anstreben. Wir müssen uns darüber klar sein in unserem Bewußtsein, daß es so ist. Es ist lediglich eine Phrase, wenn jemand sagt, er wolle dem Luzifer entfliehen. Das ist ja Unsinn, denn das Luziferische spielt fortwährend in das alltägliche Dasein herein. Aber man muß heute, wenn man wirklich sich hineinstellen will in die Anforderungen der Menschheitsentwickelung der Gegenwart, den guten Willen haben, in sich zu wissen, daß diese beiden Mächte, die eigentlichen Erdenmächte und die luziferischen Mächte, in unserem Seelendasein ineinanderspielen. Nur dadurch erlangt man eine reale Erkenntnis desjenigen, was in der Menschenseele drinnen ist.

[ 11 ] Sie werden daraus ersehen, daß dieses Hereinspielen des Mondendaseins in unser alltägliches Denken einen weiten, einen sehr, sehr weiten Umfang hat. Überall kann man verspüren, wie sich in das Denken, in das Vorstellen hereinmischt das unwillkürliche Element des rein Aufsteigenden und Aufschießenden. Das ist ein Überbleibsel des Mondendaseins. Da haben Sie also zwei im Menschenwesen selbst einander entgegenwirkende Mächte. Die eine Art dieser Dinge zieht uns dahin, von unserem Willen unser Denken beherrschen zu lassen, frei zu werden in unserem Gedankenelement. Die andere Macht will immerfort in dieses freie Denken dasjenige hineinmischen, was Überbleibsel der alten Mondenkultur ist: ein luziferisches Element. Luziferisches Element mischt sich fortwährend in unser alltägliches Denken hinein. Wir können es nicht abweisen. Wir würden alles dasjenige abweisen müssen, was wir noch nicht mit dem bewußten freien Denken erreichen können, aber wir müssen Erkenntnis anstreben. Wir müssen uns darüber klar sein in unserem Bewußtsein, daß es so ist. Es ist lediglich eine Phrase, wenn jemand sagt, er wolle dem Luzifer entfliehen. Das ist ja Unsinn, denn das Luziferische spielt fortwährend in das alltägliche Dasein herein. Aber man muß heute, wenn man wirklich sich hineinstellen will in die Anforderungen der Menschheitsentwickelung der Gegenwart, den guten Willen haben, in sich zu wissen, daß diese beiden Mächte, die eigentlichen Erdenmächte und die luziferischen Mächte, in unserem Seelendasein ineinanderspielen. Nur dadurch erlangt man eine reale Erkenntnis desjenigen, was in der Menschenseele drinnen ist.

[ 12 ] Damit habe ich Ihnen, ich möchte sagen, einen Pol menschlicher Seelenwesenheit skizzenhaft charakterisiert. Nehmen Sie den andern Pol, der mehr nach der Willensseite hin liegt. In das Denken spielt ja auch der Wille hinein; aber wir haben jetzt das vom Willen durchdrungene Denken betrachtet. Jetzt wollen wir das vom Denken durchdrungene Wollen betrachten. Wie spielt das Wollen, das ins Handeln übergeht, in das gewöhnliche alltägliche Leben des Menschen hinein? — Das können wir uns klarmachen, wenn wir den Zusammenhang unseres alltäglichen realen Handelns mit dem ganzen kosmischen Sein ins Auge fassen. Denken Sie doch nur einmal: Wenn Sie einen einzigen Schritt machen, wenn Sie von diesem Orte hier fortschreiten zu diesem Orte [nach vorne], so rufen Sie, wenn auch nur in sehr geringem Maße, einen andern Gleichgewichtszustand des ganzen Erdenwesens hervor. Wenn Sie hierher treten [Schritt nach rückwärts], treten Sie an einen andern Ort, als wenn Sie hierher treten [Schritt nach vorne]. Sie beeinflussen das Gleichgewicht der Erde in einer andern Weise, wenn Sie hierher treten [nach hinten], als wenn Sie hierher treten [nach vorne]. Aber wenn Sie das einmal richtig betrachten, daß Sie selbst durch Ihre Bewegungen fortwährend das Gleichgewicht der Erde beeinflussen, so werden Sie noch auf eine andere Art des Beeinflussens kommen. Denken Sie einmal, Sie nehmen irgend etwas, das rein von der Natur kommt. Wenn zum Beispiel an einem Baumstamm ein Baumast ist, so hat dieser Baumast, so wie er an diesem Baumstamm zunächst daran ist, ein gewisses Verhältnis zu der ganzen Erde. Er hat ein gewisses Gleichgewichtsverhältnis zu der ganzen Erde. Die ganze Erde bildet mit ihm zusammen ein Ganzes. In dem Augenblicke, wo Sie den Baumast abbrechen und ihn vielleicht daneben legen, haben Sie das ganze Gleichgewichtsverhältnis der Erde, wenn auch nur in geringem Maße, aber doch verändert. Der Baum wiegt weniger, und an einer andern Stelle wiegt der abgebrochene Ast. Sie verändern das Gleichgewicht in einem andern Maße, wenn Sie den Ast dahin legen oder wenn Sie ihn dorthin legen.

[ 12 ] Damit habe ich Ihnen, ich möchte sagen, einen Pol menschlicher Seelenwesenheit skizzenhaft charakterisiert. Nehmen Sie den andern Pol, der mehr nach der Willensseite hin liegt. In das Denken spielt ja auch der Wille hinein; aber wir haben jetzt das vom Willen durchdrungene Denken betrachtet. Jetzt wollen wir das vom Denken durchdrungene Wollen betrachten. Wie spielt das Wollen, das ins Handeln übergeht, in das gewöhnliche alltägliche Leben des Menschen hinein? — Das können wir uns klarmachen, wenn wir den Zusammenhang unseres alltäglichen realen Handelns mit dem ganzen kosmischen Sein ins Auge fassen. Denken Sie doch nur einmal: Wenn Sie einen einzigen Schritt machen, wenn Sie von diesem Orte hier fortschreiten zu diesem Orte [nach vorne], so rufen Sie, wenn auch nur in sehr geringem Maße, einen andern Gleichgewichtszustand des ganzen Erdenwesens hervor. Wenn Sie hierher treten [Schritt nach rückwärts], treten Sie an einen andern Ort, als wenn Sie hierher treten [Schritt nach vorne]. Sie beeinflussen das Gleichgewicht der Erde in einer andern Weise, wenn Sie hierher treten [nach hinten], als wenn Sie hierher treten [nach vorne]. Aber wenn Sie das einmal richtig betrachten, daß Sie selbst durch Ihre Bewegungen fortwährend das Gleichgewicht der Erde beeinflussen, so werden Sie noch auf eine andere Art des Beeinflussens kommen. Denken Sie einmal, Sie nehmen irgend etwas, das rein von der Natur kommt. Wenn zum Beispiel an einem Baumstamm ein Baumast ist, so hat dieser Baumast, so wie er an diesem Baumstamm zunächst daran ist, ein gewisses Verhältnis zu der ganzen Erde. Er hat ein gewisses Gleichgewichtsverhältnis zu der ganzen Erde. Die ganze Erde bildet mit ihm zusammen ein Ganzes. In dem Augenblicke, wo Sie den Baumast abbrechen und ihn vielleicht daneben legen, haben Sie das ganze Gleichgewichtsverhältnis der Erde, wenn auch nur in geringem Maße, aber doch verändert. Der Baum wiegt weniger, und an einer andern Stelle wiegt der abgebrochene Ast. Sie verändern das Gleichgewicht in einem andern Maße, wenn Sie den Ast dahin legen oder wenn Sie ihn dorthin legen.

[ 13 ] Das ist schon etwas, was Sie von sich aus hineinstellen in das ganze Erdendasein. Aber da bringen Sie wenigstens zunächst nur das Verhältnis Ihres Menschen zu der umliegenden Welt zur Geltung. Aber Sie können noch mehr tun. Sie können zum Beispiel aus diesem Baumast irgend etwas formen. Ich will sagen, Sie formen künstlich daraus so etwas, was ein Gegenstand zu irgendeinem Gebrauch ist. Da haben die Form ausgedacht, da haben Sie das andere, was nicht zu dieser Form gehört, weggeschnitzelt. Jetzt üben Sie einen ganz andern Einfluß mit Ihrem Gegenstand aus, nicht nur durch Abbrechen, nicht nur durch Weglegen, sondern dadurch, daß Sie dem, was Sie der Natur entnommen haben, eine gewisse Form geben. Denken Sie einmal, wieviel die Menschen auf technischem, auf künstlerischem Gebiete nach dieser Richtung hin tun, wie sie dasjenige, was sie der Natur entreißen, formen und wie sie dadurch das Irdische beeinflussen!

[ 13 ] Das ist schon etwas, was Sie von sich aus hineinstellen in das ganze Erdendasein. Aber da bringen Sie wenigstens zunächst nur das Verhältnis Ihres Menschen zu der umliegenden Welt zur Geltung. Aber Sie können noch mehr tun. Sie können zum Beispiel aus diesem Baumast irgend etwas formen. Ich will sagen, Sie formen künstlich daraus so etwas, was ein Gegenstand zu irgendeinem Gebrauch ist. Da haben die Form ausgedacht, da haben Sie das andere, was nicht zu dieser Form gehört, weggeschnitzelt. Jetzt üben Sie einen ganz andern Einfluß mit Ihrem Gegenstand aus, nicht nur durch Abbrechen, nicht nur durch Weglegen, sondern dadurch, daß Sie dem, was Sie der Natur entnommen haben, eine gewisse Form geben. Denken Sie einmal, wieviel die Menschen auf technischem, auf künstlerischem Gebiete nach dieser Richtung hin tun, wie sie dasjenige, was sie der Natur entreißen, formen und wie sie dadurch das Irdische beeinflussen!

[ 14 ] Und jetzt frage ich Sie: Wenn der Mensch das tut, wenn er die Natur verändert, wenn er das, was er der Natur wegnimmt, formt zu seinen Maschinen, zu seinen Kunstwerken, tut er das aus seinem Denken heraus? — Betrachten wir es, insofern er es aus seinem Denken heraus tut: Er tut es aus der Bildnatur des Denkens heraus. Es ist dem Irdischen schlechterdings gleichgültig, was da geschieht, geradeso, wie es auf die Gegenstände des Zimmers keinen sonderlichen Eindruck macht, was da für Bilder im Spiegel entstehen. Aber der Mensch gibt diesen Dingen Realität. Das ist die andere Seite, wenn sich der Mensch, nachdem er sich herausentwickelt hat aus dem Mondendasein, dem Denken ergibt: Wenn der Mensch irgend etwas formt und es hineinstellt in die Welt, so wie das Traumhafte hineinspielt in unser Denken und in dem Traumhaften der alte Mondenzustand, das Luziferische, so spielt in all unser Mechanisieren, in all unser die Weltdinge Umgestalten, Umformen, dasjenige hinein, was mit dem irdischen Dasein noch gar nicht zusammenhängt, was wir von uns aus in dieses irdische Dasein hineinstellen. Was ist denn das eigentlich ?

[ 14 ] Und jetzt frage ich Sie: Wenn der Mensch das tut, wenn er die Natur verändert, wenn er das, was er der Natur wegnimmt, formt zu seinen Maschinen, zu seinen Kunstwerken, tut er das aus seinem Denken heraus? — Betrachten wir es, insofern er es aus seinem Denken heraus tut: Er tut es aus der Bildnatur des Denkens heraus. Es ist dem Irdischen schlechterdings gleichgültig, was da geschieht, geradeso, wie es auf die Gegenstände des Zimmers keinen sonderlichen Eindruck macht, was da für Bilder im Spiegel entstehen. Aber der Mensch gibt diesen Dingen Realität. Das ist die andere Seite, wenn sich der Mensch, nachdem er sich herausentwickelt hat aus dem Mondendasein, dem Denken ergibt: Wenn der Mensch irgend etwas formt und es hineinstellt in die Welt, so wie das Traumhafte hineinspielt in unser Denken und in dem Traumhaften der alte Mondenzustand, das Luziferische, so spielt in all unser Mechanisieren, in all unser die Weltdinge Umgestalten, Umformen, dasjenige hinein, was mit dem irdischen Dasein noch gar nicht zusammenhängt, was wir von uns aus in dieses irdische Dasein hineinstellen. Was ist denn das eigentlich ?

[ 15 ] Was wir da aus unserem freien Seelenleben heraus in das irdische Dasein hineinstellen, das folgt nicht aus dem alten Mondendaseiin, das wird zu dem gegenwärtigen Erdendasein hinzugetan. Das wird erst eine volle Bedeutung haben, wenn etwas anderes eingetreten ist, als das Erdendasein ist. So wie das Kind, das im Leibe der Mutter getragen wird, oder vielleicht noch nicht getragen wird, sondern erst in der geistigen Welt auf seine Verleiblichung wartet, noch ein Zukünftiges ist, so ist all das, was der Mensch also formt, eigentlich für die Zukunft bestimmt, ist in der Gegenwart noch embryonal. Und wir betrachten es nur wahrheitsgemäß, wenn wir es in seiner Embryonalität, in seiner Zukunftsbedeutung betrachten. Formen wir irgend etwas heute im Leben, nehmen wir nicht die Natur, wie sie ist, sondern ändern sie aus unseren Gedanken heraus, so schaffen wir für die Zukunft. Schauen wir aber das, was wir für die Zukunft schaffen, als in die Gegenwart hereingehörig an, nistet es sich in unser Leben so ein, daß wir es bloß nach seiner Nützlichkeit für die Gegenwart betrachten, dann nistet sich das Zukünftige in unser Handeln ein, wie sich im traumhaften Denken das Vergangene in unser Denken einnistet; dann ergreift das Ahrimanische unser Handeln.

[ 15 ] Was wir da aus unserem freien Seelenleben heraus in das irdische Dasein hineinstellen, das folgt nicht aus dem alten Mondendaseiin, das wird zu dem gegenwärtigen Erdendasein hinzugetan. Das wird erst eine volle Bedeutung haben, wenn etwas anderes eingetreten ist, als das Erdendasein ist. So wie das Kind, das im Leibe der Mutter getragen wird, oder vielleicht noch nicht getragen wird, sondern erst in der geistigen Welt auf seine Verleiblichung wartet, noch ein Zukünftiges ist, so ist all das, was der Mensch also formt, eigentlich für die Zukunft bestimmt, ist in der Gegenwart noch embryonal. Und wir betrachten es nur wahrheitsgemäß, wenn wir es in seiner Embryonalität, in seiner Zukunftsbedeutung betrachten. Formen wir irgend etwas heute im Leben, nehmen wir nicht die Natur, wie sie ist, sondern ändern sie aus unseren Gedanken heraus, so schaffen wir für die Zukunft. Schauen wir aber das, was wir für die Zukunft schaffen, als in die Gegenwart hereingehörig an, nistet es sich in unser Leben so ein, daß wir es bloß nach seiner Nützlichkeit für die Gegenwart betrachten, dann nistet sich das Zukünftige in unser Handeln ein, wie sich im traumhaften Denken das Vergangene in unser Denken einnistet; dann ergreift das Ahrimanische unser Handeln.

[ 16 ] Im menschlichen Leben wird allein das Kind, das ja auch, indem es spielt, die Gegenstände formt, aber sie zwecklos formt, nicht Nützlichkeit anstrebt, in seiner Unbewußtheit davor bewahrt, das, was es im Leben macht, für die Gegenwart zu nehmen und nicht in Vorbereitung für die Zukunft. Was wir an Maschinen hervorbringen, was wir an Kunstwerken hervorbringen, von dem allem sollen wir das Bewußtsein in uns tragen, daß wir es für das nächste Dasein, für das Jupiterdasein formen, daß das Erdendasein erst abgestreift sein muß und ein künftiges Dasein erst Sinn geben wird unserem Handeln.

[ 16 ] Im menschlichen Leben wird allein das Kind, das ja auch, indem es spielt, die Gegenstände formt, aber sie zwecklos formt, nicht Nützlichkeit anstrebt, in seiner Unbewußtheit davor bewahrt, das, was es im Leben macht, für die Gegenwart zu nehmen und nicht in Vorbereitung für die Zukunft. Was wir an Maschinen hervorbringen, was wir an Kunstwerken hervorbringen, von dem allem sollen wir das Bewußtsein in uns tragen, daß wir es für das nächste Dasein, für das Jupiterdasein formen, daß das Erdendasein erst abgestreift sein muß und ein künftiges Dasein erst Sinn geben wird unserem Handeln.

[ 17 ] Das ist der große Irrtum der neueren Zeit, daß die Menschen das, was sie an Mechanischem, an Künstlerischem hervorbringen, unmittelbar in ihren gegenwärtigen Erdennutzen stellen und sich nicht bewußt sein wollen, daß wir für das künftige Erdendasein zu arbeiten haben. In das Wollen kann sich also das Ahrimanische dadurch hereinschleichen, daß wir den bloßen Nützlichkeitsstandpunkt anlegen an das, was wir mechanisch oder künstlerisch oder sonst im Leben ausführen.

[ 17 ] Das ist der große Irrtum der neueren Zeit, daß die Menschen das, was sie an Mechanischem, an Künstlerischem hervorbringen, unmittelbar in ihren gegenwärtigen Erdennutzen stellen und sich nicht bewußt sein wollen, daß wir für das künftige Erdendasein zu arbeiten haben. In das Wollen kann sich also das Ahrimanische dadurch hereinschleichen, daß wir den bloßen Nützlichkeitsstandpunkt anlegen an das, was wir mechanisch oder künstlerisch oder sonst im Leben ausführen.

[ 18 ] Da müssen wir uns aber die Frage vorlegen: War dieser Nützlichkeitsstandpunkt immer da ? — Dieser Nützlichkeitsstandpunkt war zum Beispiel in der älteren Zeit der griechischen Kultur nicht als solcher da, noch weniger in den älteren Kulturen. Da war, wenn auch aus atavistischem Hellsehen heraus, ein Bewußtsein davon vorhanden, daß der Mensch über das irdische Dasein hinaus schafft. Insbesondere seit dem 15. Jahrhundert ist das Streben stark geworden nach der bloßen Nützlichkeit für dasjenige, was der Mensch hervorbringt. Und heute werden bereits Weltprogramme gemacht aus den bloßen Nützlichkeitsgesichtspunkten heraus.

[ 18 ] Da müssen wir uns aber die Frage vorlegen: War dieser Nützlichkeitsstandpunkt immer da ? — Dieser Nützlichkeitsstandpunkt war zum Beispiel in der älteren Zeit der griechischen Kultur nicht als solcher da, noch weniger in den älteren Kulturen. Da war, wenn auch aus atavistischem Hellsehen heraus, ein Bewußtsein davon vorhanden, daß der Mensch über das irdische Dasein hinaus schafft. Insbesondere seit dem 15. Jahrhundert ist das Streben stark geworden nach der bloßen Nützlichkeit für dasjenige, was der Mensch hervorbringt. Und heute werden bereits Weltprogramme gemacht aus den bloßen Nützlichkeitsgesichtspunkten heraus.

[ 19 ] Ebenso wie es zunächst unmöglich ist, das traumhafte Denken aus unserem Denken auszuschalten, ebenso unmöglich ist es, den Nützlichkeitsstandpunkt auszuschalten. Deshalb sollte niemand das gedankenlose Wort sprechen, er wolle Ahriman entfliehen. Das ist Unsinn. Er kann es nicht. Es spielt Ahriman in unser ganzes Handeln herein, mit Ausnahme unseres Kinderspieles, bei dem wir keinen Zweck, keinen Nutzen anstreben, das um des Handelns selber willen getan wird. Bei allem andern Handeln können wir nur eine Art Ideal anstreben. Wie aber ? Wir müssen uns klar darüber sein, wie hier wiederum zwei Kräfte hineinspielen in unser menschliches Dasein. Welche Kräfte? Die eine Kraft ist die, die uns handeln läßt aus Nützlichkeitsgründen, die andere aber ist diese: Wenn wir irgend etwas im Leben betreiben, wo wir uns nicht bloß wie Puppen von dem Leben tragen lassen, wenn wir irgend etwas treiben im Leben, ohne ein solches Puppendasein zu führen, dann geht immer mit uns selbst etwas vor sich: Wir werden geschickter, wir werden weiser, wir können danach die Sachen besser. Das ist die andere Kraft. Die meisten Menschen geben heute gar nicht darauf acht, besonders wenn sie über das achtzehnte Lebensjahr hinausgekommen sind, wo sie schon «ganz weise» und «ganz gescheit» sind für ihre heutige Lebensauffassung, daß man sein ganzes Leben immer geschickter und geschickter werden kann in dem, was man tut. Das eine ist Nützlichkeitssinn, das andere ist eine fortwährende Selbstzucht, auf das, was man tut, so achtzugeben, daß man beobachtet, wie man sein menschliches Dasein dadurch erhöht, daß man dies oder jenes tut, dies oder jenes erfährt. Was so in unser menschliches Dasein hereinspielt, hat eine ganz andere Bedeutung als der bloße äußere Nützlichkeits- und Augenblicksstandpunkt. Nehmen Sie es einmal in einem, ich möchte sagen, erhabeneren Fall, nehmen wir die Bildnisse Raffaels. Raffael hat, wenn auch ein kurzes Leben hindurch, gearbeitet an seinen Bildern. Ganz gewiß wird eine Zeit kommen, in der von diesen Bildern Raffaels nichts mehr da sein wird — vielleicht Nachbilder, die aber mit Raffael nichts unmittelbar zu tun haben. Ganz gewiß wird eine Zeit der Erde kommen, in der von diesen Bildern Raffaels nichts mehr da sein wird, in der keines dann verkörperten irdischen Menschen Blick auf die Bilder Raffaels fallen kann. Aber Raffael wird doch da sein, und dasjenige wird auch da sein, was Raffael dadurch geworden ist, daß er diese Bilder gemacht hat. Dadurch, daß Raffael diese Bilder gemacht hat, ist er in einer entsprechenden Inkarnation weitergebracht worden. Das hat er durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchgetragen, erschien in einer neuen Erdeninkarnation, hat da wiederum etwas gemacht, das trägt er durch das Leben, das bleibt, auch wenn die Erde im Kosmos zugrunde geht. Das, was Raffael geworden ist durch seine Bilder, das ist das Bleibende. Man kann sogar den Nützlichkeitsstandpunkt so fein fassen, daß man die Tatsache, daß Bilder da sind, zu diesem Nützlichkeitsstandpunkt dazurechnet. Sie werden, wenn Sie dies nachdenken, nicht viel Unterschied finden zwischen grobem Nutzen und jenem Nutzen, der dadurch gestiftet ist, daß Bilder von Raffael da sind. Aber etwas anderes ist es, was Raffaels Individualität und Seele geworden ist dadurch, daß er seine Bilder gemacht hat. Das wird von dem Erdendasein in das Jupiterdasein hinübergetragen. Das ist dasjenige, was sich entwickelt.

[ 19 ] Ebenso wie es zunächst unmöglich ist, das traumhafte Denken aus unserem Denken auszuschalten, ebenso unmöglich ist es, den Nützlichkeitsstandpunkt auszuschalten. Deshalb sollte niemand das gedankenlose Wort sprechen, er wolle Ahriman entfliehen. Das ist Unsinn. Er kann es nicht. Es spielt Ahriman in unser ganzes Handeln herein, mit Ausnahme unseres Kinderspieles, bei dem wir keinen Zweck, keinen Nutzen anstreben, das um des Handelns selber willen getan wird. Bei allem andern Handeln können wir nur eine Art Ideal anstreben. Wie aber ? Wir müssen uns klar darüber sein, wie hier wiederum zwei Kräfte hineinspielen in unser menschliches Dasein. Welche Kräfte? Die eine Kraft ist die, die uns handeln läßt aus Nützlichkeitsgründen, die andere aber ist diese: Wenn wir irgend etwas im Leben betreiben, wo wir uns nicht bloß wie Puppen von dem Leben tragen lassen, wenn wir irgend etwas treiben im Leben, ohne ein solches Puppendasein zu führen, dann geht immer mit uns selbst etwas vor sich: Wir werden geschickter, wir werden weiser, wir können danach die Sachen besser. Das ist die andere Kraft. Die meisten Menschen geben heute gar nicht darauf acht, besonders wenn sie über das achtzehnte Lebensjahr hinausgekommen sind, wo sie schon «ganz weise» und «ganz gescheit» sind für ihre heutige Lebensauffassung, daß man sein ganzes Leben immer geschickter und geschickter werden kann in dem, was man tut. Das eine ist Nützlichkeitssinn, das andere ist eine fortwährende Selbstzucht, auf das, was man tut, so achtzugeben, daß man beobachtet, wie man sein menschliches Dasein dadurch erhöht, daß man dies oder jenes tut, dies oder jenes erfährt. Was so in unser menschliches Dasein hereinspielt, hat eine ganz andere Bedeutung als der bloße äußere Nützlichkeits- und Augenblicksstandpunkt. Nehmen Sie es einmal in einem, ich möchte sagen, erhabeneren Fall, nehmen wir die Bildnisse Raffaels. Raffael hat, wenn auch ein kurzes Leben hindurch, gearbeitet an seinen Bildern. Ganz gewiß wird eine Zeit kommen, in der von diesen Bildern Raffaels nichts mehr da sein wird — vielleicht Nachbilder, die aber mit Raffael nichts unmittelbar zu tun haben. Ganz gewiß wird eine Zeit der Erde kommen, in der von diesen Bildern Raffaels nichts mehr da sein wird, in der keines dann verkörperten irdischen Menschen Blick auf die Bilder Raffaels fallen kann. Aber Raffael wird doch da sein, und dasjenige wird auch da sein, was Raffael dadurch geworden ist, daß er diese Bilder gemacht hat. Dadurch, daß Raffael diese Bilder gemacht hat, ist er in einer entsprechenden Inkarnation weitergebracht worden. Das hat er durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchgetragen, erschien in einer neuen Erdeninkarnation, hat da wiederum etwas gemacht, das trägt er durch das Leben, das bleibt, auch wenn die Erde im Kosmos zugrunde geht. Das, was Raffael geworden ist durch seine Bilder, das ist das Bleibende. Man kann sogar den Nützlichkeitsstandpunkt so fein fassen, daß man die Tatsache, daß Bilder da sind, zu diesem Nützlichkeitsstandpunkt dazurechnet. Sie werden, wenn Sie dies nachdenken, nicht viel Unterschied finden zwischen grobem Nutzen und jenem Nutzen, der dadurch gestiftet ist, daß Bilder von Raffael da sind. Aber etwas anderes ist es, was Raffaels Individualität und Seele geworden ist dadurch, daß er seine Bilder gemacht hat. Das wird von dem Erdendasein in das Jupiterdasein hinübergetragen. Das ist dasjenige, was sich entwickelt.

[ 20 ] Da haben wir, ich möchte sagen, an einem erhabeneren Beispiel, dasjenige, was aus den Menschenseelen wird, was man unterscheiden kann von der äußeren Handlung. Diese Unterscheidung muß man sich in einem umfänglichen Sinn vor die Seele führen. Man muß sich klar darüber sein, daß ja die Erde einmal im Kosmos zerschellen wird, daß nichts bleiben wird als die Menschenseelen. Wenn dann nichts geblieben ist als die Menschenseelen, wird die Ernte der Entwickelung der Menschenseelen dasjenige sein, was dieses Erdendasein an seinem Ende unterscheidet von dem Erdendasein an seinem Anfange. Bei diesem Gesichtspunkt beginnt dasjenige, was man nennen kann eine Verpflichtung, sich selber weiterzubringen in der Erdenentwickelung. Da beginnt die Verpflichtung, aus sich etwas zu machen, damit man dem Kosmos etwas sein könne. Und da beginnt der Gedanke: Die Erde wird zerschellen, die Erde wird zersplittern, die Menschenseelen werden allein da sein!

[ 20 ] Da haben wir, ich möchte sagen, an einem erhabeneren Beispiel, dasjenige, was aus den Menschenseelen wird, was man unterscheiden kann von der äußeren Handlung. Diese Unterscheidung muß man sich in einem umfänglichen Sinn vor die Seele führen. Man muß sich klar darüber sein, daß ja die Erde einmal im Kosmos zerschellen wird, daß nichts bleiben wird als die Menschenseelen. Wenn dann nichts geblieben ist als die Menschenseelen, wird die Ernte der Entwickelung der Menschenseelen dasjenige sein, was dieses Erdendasein an seinem Ende unterscheidet von dem Erdendasein an seinem Anfange. Bei diesem Gesichtspunkt beginnt dasjenige, was man nennen kann eine Verpflichtung, sich selber weiterzubringen in der Erdenentwickelung. Da beginnt die Verpflichtung, aus sich etwas zu machen, damit man dem Kosmos etwas sein könne. Und da beginnt der Gedanke: Die Erde wird zerschellen, die Erde wird zersplittern, die Menschenseelen werden allein da sein!

[ 21 ] Die Kraft, die nötig ist, um diesen Gedanken, ich möchte selbst sagen, zu ertragen, ihn in aller Schärfe zu fassen, diese Kraft wird den Menschen ganz verlorengehen. Und damit wird überhaupt die Erdenentwickelung aufhören, ihren Sinn zu haben, wenn die Menschen nicht sich dazu bequemen, das Mysterium von Golgatha geistig zu fassen. Denn im Grunde genommen liegt in dem Mysterium von Golgatha, richtig verstanden, der Keim zu solchen, aus einer richtigen, heute zeitgemäßen spirituellen Weltanschauung zu erfassenden Gedanken. Bedenken Sie nur einen ganz bestimmten populären Ausspruch, den die Evangelien dem Christus Jesus zuschreiben: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Dasjenige, was er den Menschenseelen gibt, das wird bleiben, das wird da sein, auch wenn die Erde zersplittert, zerschellt ist in dem Kosmos.

[ 21 ] Die Kraft, die nötig ist, um diesen Gedanken, ich möchte selbst sagen, zu ertragen, ihn in aller Schärfe zu fassen, diese Kraft wird den Menschen ganz verlorengehen. Und damit wird überhaupt die Erdenentwickelung aufhören, ihren Sinn zu haben, wenn die Menschen nicht sich dazu bequemen, das Mysterium von Golgatha geistig zu fassen. Denn im Grunde genommen liegt in dem Mysterium von Golgatha, richtig verstanden, der Keim zu solchen, aus einer richtigen, heute zeitgemäßen spirituellen Weltanschauung zu erfassenden Gedanken. Bedenken Sie nur einen ganz bestimmten populären Ausspruch, den die Evangelien dem Christus Jesus zuschreiben: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Dasjenige, was er den Menschenseelen gibt, das wird bleiben, das wird da sein, auch wenn die Erde zersplittert, zerschellt ist in dem Kosmos.

[ 22 ] Nun frage ich Sie — und jetzt komme ich auf meine Zeitbetrachtung zurück —: Kann dasjenige, was Religionsbekenntnisse und Theologie aus dem Mysterium von Golgatha nach und nach gemacht haben, dem Menschen diesen Hinblick noch geben? — Nein, das ist unmöglich! Auch Theologie und Religionsbekenntnisse sind vermaterialisiert. Aber ein materialisiertes Mysterium von Golgatha reicht in seiner Bedeutung über das Erdendaseiin nicht hinaus. Wer es heute ernst meint mit dem Christentum — ich habe das von andern Gesichtspunkten aus Ihnen dargelegt, Sie haben es heute von einem erneuten Gesichtspunkte aus wiederum gehört —, der kann gar nicht anders, als ein spirituelles Verständnis zu suchen für dieses Mysterium von Golgatha.

[ 22 ] Nun frage ich Sie — und jetzt komme ich auf meine Zeitbetrachtung zurück —: Kann dasjenige, was Religionsbekenntnisse und Theologie aus dem Mysterium von Golgatha nach und nach gemacht haben, dem Menschen diesen Hinblick noch geben? — Nein, das ist unmöglich! Auch Theologie und Religionsbekenntnisse sind vermaterialisiert. Aber ein materialisiertes Mysterium von Golgatha reicht in seiner Bedeutung über das Erdendaseiin nicht hinaus. Wer es heute ernst meint mit dem Christentum — ich habe das von andern Gesichtspunkten aus Ihnen dargelegt, Sie haben es heute von einem erneuten Gesichtspunkte aus wiederum gehört —, der kann gar nicht anders, als ein spirituelles Verständnis zu suchen für dieses Mysterium von Golgatha.

[ 23 ] Das heißt aber mit andern Worten: Geisteswissenschaft, wirkliche Erkenntnis des Geistes ist heute der Menschheit notwendig. Ohnmächtig waren die Leute vor fünfzig Jahren, so habe ich am Anfang meiner heutigen Betrachtung gesagt, ihren Ideal-Realismus mit irgend etwas auszufüllen, das Wirklichkeit gehabt hätte. Daher das Hineinsegeln in das europäische Unglück. Aber heute entsteht die Frage: Wollen diejenigen, die ein neues Unglück abwenden können, da wo Geisteswissenschaft heute spricht, wiederum so weiterleben, wie diejenigen, zu denen Geisteswissenschaft noch nicht gesprochen hat, vor fünfzig Jahren leben mußten ? — Dann allerdings werden Erdenkatastrophen kommen, gegen die das, was jetzt geschehen ist, eine Kleinigkeit ist. Es geht heute nicht an, anderes als dieses sich zu sagen. Wenn die Menschen vor fünfzig Jahren ein neues Geistesleben gefordert haben, so haben sie es nicht schaffen können, weil dazumal noch nicht die Zeit dazu gekommen war. Heute ist die Zeit dazu gekommen. Heute heißt, sich nicht hinwenden zu wollen zu diesem Geistesleben: es nicht ehrlich meinen mit der Menschheitsentwickelung! — Das ist die Verantwortlichkeit, von der ich sprechen muß, von der heute gesprochen werden muß, namentlich nach denjenigen Seiten hin, die heute diese Verantwortung übernehmen können aus den schon angeführten Gründen. Der Mensch muß heute auf den Horizont der weltgeschichtlichen Betrachtung hinschauen. Er kann nicht sein Dasein zurückschrauben. Denken Sie sich, Sie haben einen Schrank. Der Schrank bricht auseinander. Sie haben seine Stücke vor sich, Sie schauen sich das an. Durch irgendein Elementarereignis ist der Schrank auseinandergebrochen, Sie haben seine Stücke vor sich. Was machen Sie? Sie nehmen die Stücke, nehmen Nägel, fügen die Stücke zusammen, damit daraus wieder der alte Schrank entstehe. Der wird aber sehr bald wiederum auseinanderfallen, wenn die Stücke morsch sind, wenn die Nägel nicht mehr halten können oder wenn die Stücke an andern Stellen zerrissen sind. Europa ist auseinandergefallen wie ein alter Schrank: Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Serbien, DeutschÖsterreich, das ehemalige Deutschland, das ehemalige Rußland, die Ukraine — das sind die Stücke, die Trümmer des Schrankes. Und die Westmächte bemühen sich, diese morsch gewordenen Trümmer des Schrankes wiederum zusammenzuschlagen mit Nägeln, die nicht halten werden. Die Menschen sehen nicht ein, daß sie es mit morsch gewordenen Stücken zu tun haben. Da soll das Alte geleimt werden, während es sich darum handelt, ganz neue Substanz in die Menschheitsentwickelung hineinzubringen. Das ist der Gedanke, um den es sich handelt. Auf diesen Gedanken kann uns heute nur Geisteswissenschaft in durchdringender Weise aufmerksam machen. Und die Frage ist: Soll denn die Welt, nachdem das, was heute Europa ergriffen hat, was sehr bald Asien und über Europa hinaus Amerika ergreifen wird, bloß aus ihren alten morschen Stücken zusammengeleimt und zusammengenagelt werden um der Bequemlichkeit der Menschheit willen, oder soll der Zusammenhang gesucht werden zu einer Erneuerung des ganzen Menschenwesens aus dem Geistigen heraus? — Davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.

[ 23 ] Das heißt aber mit andern Worten: Geisteswissenschaft, wirkliche Erkenntnis des Geistes ist heute der Menschheit notwendig. Ohnmächtig waren die Leute vor fünfzig Jahren, so habe ich am Anfang meiner heutigen Betrachtung gesagt, ihren Ideal-Realismus mit irgend etwas auszufüllen, das Wirklichkeit gehabt hätte. Daher das Hineinsegeln in das europäische Unglück. Aber heute entsteht die Frage: Wollen diejenigen, die ein neues Unglück abwenden können, da wo Geisteswissenschaft heute spricht, wiederum so weiterleben, wie diejenigen, zu denen Geisteswissenschaft noch nicht gesprochen hat, vor fünfzig Jahren leben mußten ? — Dann allerdings werden Erdenkatastrophen kommen, gegen die das, was jetzt geschehen ist, eine Kleinigkeit ist. Es geht heute nicht an, anderes als dieses sich zu sagen. Wenn die Menschen vor fünfzig Jahren ein neues Geistesleben gefordert haben, so haben sie es nicht schaffen können, weil dazumal noch nicht die Zeit dazu gekommen war. Heute ist die Zeit dazu gekommen. Heute heißt, sich nicht hinwenden zu wollen zu diesem Geistesleben: es nicht ehrlich meinen mit der Menschheitsentwickelung! — Das ist die Verantwortlichkeit, von der ich sprechen muß, von der heute gesprochen werden muß, namentlich nach denjenigen Seiten hin, die heute diese Verantwortung übernehmen können aus den schon angeführten Gründen. Der Mensch muß heute auf den Horizont der weltgeschichtlichen Betrachtung hinschauen. Er kann nicht sein Dasein zurückschrauben. Denken Sie sich, Sie haben einen Schrank. Der Schrank bricht auseinander. Sie haben seine Stücke vor sich, Sie schauen sich das an. Durch irgendein Elementarereignis ist der Schrank auseinandergebrochen, Sie haben seine Stücke vor sich. Was machen Sie? Sie nehmen die Stücke, nehmen Nägel, fügen die Stücke zusammen, damit daraus wieder der alte Schrank entstehe. Der wird aber sehr bald wiederum auseinanderfallen, wenn die Stücke morsch sind, wenn die Nägel nicht mehr halten können oder wenn die Stücke an andern Stellen zerrissen sind. Europa ist auseinandergefallen wie ein alter Schrank: Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Serbien, DeutschÖsterreich, das ehemalige Deutschland, das ehemalige Rußland, die Ukraine — das sind die Stücke, die Trümmer des Schrankes. Und die Westmächte bemühen sich, diese morsch gewordenen Trümmer des Schrankes wiederum zusammenzuschlagen mit Nägeln, die nicht halten werden. Die Menschen sehen nicht ein, daß sie es mit morsch gewordenen Stücken zu tun haben. Da soll das Alte geleimt werden, während es sich darum handelt, ganz neue Substanz in die Menschheitsentwickelung hineinzubringen. Das ist der Gedanke, um den es sich handelt. Auf diesen Gedanken kann uns heute nur Geisteswissenschaft in durchdringender Weise aufmerksam machen. Und die Frage ist: Soll denn die Welt, nachdem das, was heute Europa ergriffen hat, was sehr bald Asien und über Europa hinaus Amerika ergreifen wird, bloß aus ihren alten morschen Stücken zusammengeleimt und zusammengenagelt werden um der Bequemlichkeit der Menschheit willen, oder soll der Zusammenhang gesucht werden zu einer Erneuerung des ganzen Menschenwesens aus dem Geistigen heraus? — Davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.