Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196
30 January 1920, Dornach
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Spiritual and Social Transformations in Human Evolution, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Wir haben in unsere Betrachtungen in den letzten drei Stunden als Episode eingeschoben die Beschreibung unseres Baues hier, seiner Einrichtungen und dessen, was als Ziel mit ihm verbunden ist. Wir werden nunmehr heute gerade an diese Baubetrachtungen einiges anzuknüpfen haben, das ich im weitesten Sinne als Zeitbetrachtung ansehen möchte. Wir haben ja betonen müssen, daß dieser Bau als Repräsentant unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft zugleich eine Zeiterscheinung sein soll, gewissermaßen in seinen Formen, in seiner ganzen Gestaltung ausdrücken soll dasjenige, was sich hineinstellen will und hineinstellen muß in unsere Zeitentwickelung von der Gegenwart an in die nächste Zukunft hinein. Wenn wir in der Gegenwart sprechen von den großen Aufgaben der Zeit und insbesondere hinweisen müssen darauf, daß eine gewisse Geneigtheit, Geistiges entgegenzunehmen, bei einem größeren Teile der Menschheit auftreten müsse und daß dies eine besondere Forderung der Zeit sei, so ist zunächst eine solche Angabe unmittelbar hervorgehend aus alledem, was Initiationswissenschaft und Initiationsweisheit gegenwärtig aus der geistigen Welt heraus gewinnen kann. Allein man hat nicht nötig, unmittelbar gleich an die Aufforderungen der geistigen Welt selbst heranzutreten, wenn man sich überzeugen will von der Notwendigkeit eines geistigen Einschlages in unsere Zeit herein. Ich habe in einem der letzten Vorträge hier davon gesprochen, daß wir ja vor einer starken Umgestaltung der Welt stehen auch in ihren äußeren Erscheinungen. Es kann heute schon für jeden mehr oder weniger ersichtlich sein, daß durch die Zeitereignisse die äußere Weltherrschaft zufällt der englischsprechenden Bevölkerung. Wir wollen nicht über dieses Zufallen der Weltherrschaft sprechen, aber wir wollen sprechen und haben auch schon davon gesprochen, daß damit verknüpft ist ein gründliches Verantwortlichkeitsgefühl, ein Verantwortlichkeitsgefühl, das sich ganz klar darüber ist: Da, wo die Möglichkeit vorhanden ist, eine gewisse Herrschaft über die Welt auszuüben, da muß Platz greifen der Antrieb, zu durchdringen dasjenige, was man tun kann, mit dem gegenwärtig von der Menschheitsentwickelung geforderten spirituellen Impuls. Denn nicht durchdringen dasjenige, was man tun kann, oder es nicht durchdringen wollen heißt die Menschheitsentwickelung ihrem Niedergange entgegenführen.
[ 1 ] Over the past three hours, we have interspersed our reflections with a description of our building here, its facilities, and the goals associated with it. Today, we will now build upon these reflections on the building with some thoughts that I would like to regard, in the broadest sense, as a reflection on our times. We have, after all, had to emphasize that this building, as a representative of our anthroposophical spiritual science, is also meant to be a phenomenon of our time; in a sense, its forms and its entire design are meant to express that which seeks to—and must—be incorporated into the development of our time, from the present into the near future. When we speak today of the great tasks of our time and must point out in particular that a certain receptivity to the spiritual must arise in a large part of humanity—and that this is a special demand of our time—such a statement arises directly from all that initiatory science and initiatory wisdom can currently glean from the spiritual world. However, it is not necessary to turn directly to the calls of the spiritual world itself if one wishes to be convinced of the necessity of a spiritual influence entering our time. In one of my recent lectures here, I spoke of the fact that we are indeed facing a profound transformation of the world, even in its outward manifestations. It may already be more or less evident to everyone today that, as a result of current events, external world domination is falling to the English-speaking population. We do not wish to speak about this assumption of world domination, but we do wish to speak—and have already spoken—about the fact that linked to this is a profound sense of responsibility, a sense of responsibility that is quite clear about the following: Wherever the possibility exists to exercise a certain degree of dominion over the world, there must take hold the impulse to imbue whatever one can do with the spiritual impulse currently demanded by the development of humanity. For failing to imbue whatever one can do with this impulse—or refusing to do so—means leading the development of humanity toward its decline.
[ 2 ] Es ist Jetzt gerade in dieser Zeit wirklich nicht ohne Bedeutung, rückblickende Betrachtungen anzustellen, und aus der Fülle desjenigen, was aus solchen rückblickenden Betrachtungen hier vor Ihnen aufgerollt werden könnte, möchte ich eines vor Sie hinstellen. Ein merkwürdiger Zusammenklang der Erscheinungen brachte es mit sich, daß ein feinsinniger Mann 1870 in einer deutschen Stadt einen Vortrag hielt, gerade als die Schlacht bei Sedan geschlagen worden ist — was man aber noch nicht in der Stadt wußte —, wo dieser Mann, den ich einen feinsinnigen Mann nenne, seinen Vortrag hielt und darin schon hinweisen konnte auf gewisse Erfolge, welche Deutschland dazumal hatte. Dieser Hinweis auf diese Erfolge war aber zu gleicher Zeit bei diesem Manne begleitet von der Anforderung, daß Platz greifen müsse bei denjenigen, die den Erfolg haben, eine geistige Vertiefung. Und bald darauf, nachdem vollere Erfolge da waren, schrieb derselbe Mann einen Aufsatz über die Notwendigkeiten der Zeitentwickelung. In diesem Aufsatze, der also jetzt fast fünfzig Jahre hinter uns liegt, stehen merkwürdige Dinge, Dinge, die von einem Zweifachen zeugen. Erstens wird darin ausdrücklich gesagt, daß die dringende Notwendigkeit vorliege, zwei Einseitigkeiten zu vermeiden. Die eine Einseitigkeit bestehe darin, daß man sich nur nach dem abstrakt Geistigen wende, die andere darin, daß man sich nur nach der Betrachtung und Anbetung des Materiellen wende. Und was der betreffende Mann dazumal von seinen Zeitgenossen und deren Nachfahren weiter forderte, war etwas, was er «Ideal-Realismus» nannte.
[ 2 ] It is truly not without significance, especially at this time, to engage in retrospective reflection, and from the wealth of material that could be presented here before you as a result of such reflection, I would like to highlight one point. A remarkable coincidence of events led to a discerning man giving a lecture in a German city in 1870, just as the Battle of Sedan had been fought—though this was not yet known in the city—where this man, whom I call a discerning man, delivered his lecture and was already able to point to certain successes that Germany had achieved at that time. This reference to these successes, however, was accompanied at the same time by this man’s demand that those who had achieved success must cultivate a deeper spiritual understanding. And soon afterward, once more substantial successes had been achieved, the same man wrote an essay on the necessities of historical development. In this essay—which was written nearly fifty years ago—there are remarkable things, things that bear witness to a duality. First, it explicitly states that there is an urgent need to avoid two forms of one-sidedness. One form of one-sidedness consists in turning exclusively toward the abstract spiritual; the other in turning exclusively toward the contemplation and worship of the material. And what this man demanded at that time of his contemporaries and their descendants was something he called “ideal realism.”
[ 3 ] Man sieht daraus, daß eine solche Forderung dazumal aufgestellt worden ist, wie eine gewisse Sehnsucht vorhanden war nach einer Erneuerung des geistigen Lebens. Aber wenn man alles dasjenige verfolgt, was dazumal vorgebracht worden ist aus dieser Sehnsucht nach einer Erneuerung des geistigen Lebens heraus, dann sieht man die volle Ohnmacht, irgend etwas zu finden, was eine Verbindung des geistigen Strebens mit dem materiellen Streben darstellen konnte, was sich als eine Wirklichkeit für den Begriff des Ideal-Realismus ergeben konnte. Also eine wichtige Forderung, die aber aus einer bloß geahnten Sehnsucht heraus gesprochen war, trat auf aus einer tiefen Ohnmacht heraus, aus der Unmöglichkeit, einen realen Inhalt zu finden. Es war ein unbestimmtes Gefühl, weiter nichts. Aber verbunden war die Darlegung dieses Gefühles mit etwas anderem. Der betreffende Mann machte, und zwar im Einklange mit manchen andern, die dazumal etwas empfanden von einer Sehnsucht nach einer Erneuerung des geistigen Lebens, darauf aufmerksam, daß, wenn nicht ein neuer Geist käme, die breiten Massen Europas anstürmen und alles, was an Kultur bisher der Menschheit sich ergeben habe, zerstören würden. — Es hat damals auch ein Mann, der hier in der Schweiz viel gesprochen hat, Johannes Scherr — ich bitte Sie, zu berücksichtigen, daß das, was da gesprochen worden ist, vor fünfzig Jahren gesprochen worden ist! —, auf die große Gefahr hingewiesen, die darin bestehe, daß ihrer selbst bewußt werden in einem gewissen Sinne die breiten Massen der Menschheit, aber dies in einer Zeit, in der sich die Träger der Bildung von einer geistigen Weltanschauung abgewandt und sich materialistischen Begriffen und Ideen zugewendet haben. In scharfen, in ernsten Worten wurde dazumal von solchen Dingen gesprochen.
[ 3 ] It is evident from this that such a demand was made at a time when there was a certain longing for a renewal of spiritual life. But if one traces everything that was put forward at that time out of this longing for a renewal of spiritual life, one sees the utter powerlessness to find anything that could represent a connection between spiritual striving and material striving—anything that could emerge as a reality for the concept of ideal realism. Thus, an important demand—one that was, however, voiced out of a merely intuited longing—arose from a profound powerlessness, from the impossibility of finding any real substance. It was an indefinite feeling, nothing more. But the expression of this feeling was linked to something else. The man in question—in harmony with many others who at that time felt a longing for a renewal of intellectual life—drew attention to the fact that, unless a new spirit emerged, the broad masses of Europe would surge forward and destroy everything that culture had hitherto offered to humanity. — There was also a man at that time who spoke extensively here in Switzerland, Johannes Scherr—I ask you to bear in mind that what was said then was said fifty years ago! —, who pointed out the great danger posed by the fact that the broad masses of humanity were becoming self-aware in a certain sense, but at a time when the bearers of education had turned away from a spiritual worldview and toward materialistic concepts and ideas. Such matters were discussed at that time in sharp, serious terms.
[ 4 ] Was kam für eine Zeit? Es kam die Zeit, in der über ganz Europa die materialistische Welle hinwegging, die Zeit, in der man sich darin gut befand, sich hinwegzutäuschen über die großen Gefahren, die darin liegen, nichts wissen zu wollen von einem geistigen Einschlag. Nur ab und zu erhob sich der eine und der andere, der darauf aufmerksam machte, daß trotz des bewußten Verharrens im bequemen Alltagsleben in den unterbewußten Untergründen der Menschenseelen doch die Sehnsucht nach dem geistigen Leben mehr da sei als zu irgendeiner Zeit der weltgeschichtlichen Entwickelung.
[ 4 ] What kind of era was that? It was the era when a wave of materialism swept across all of Europe, the era when people were content to delude themselves about the great dangers inherent in refusing to acknowledge any spiritual influence. Only now and then would one person or another speak up to point out that, despite the conscious persistence in a comfortable everyday life, the longing for spiritual life lay deeper in the subconscious recesses of the human soul than at any other time in the course of world history.
[ 5 ] Doch solche Stimmen wurden alle als feuilletonistische Stimmen genommen. Solche Stimmen wurden nicht in ihrem ganzen Ernste gewürdigt. Und im Grunde genommen leben wir heute noch immer in dieser Zeit. Im Grunde genommen ist auch die Welle entsetzlichsten Unglückes der letzten fünf Jahre durch die meisten europäischen Seelen höchstens so durchgegangen, daß sie über die äußeren Folgen nachdenken und sie nachempfinden, nicht aber auf das eingehen wollen, auf das eingegangen werden muß, wenn überhaupt noch von einer Weiterentwickelung der Menschheit in der Zukunft in irgendeinem günstigen Sinne die Rede sein soll.
[ 5 ] Yet such voices were all dismissed as mere “feuilletonistic” commentary. They were not taken seriously in their full gravity. And, when it comes down to it, we are still living in that era today. In essence, the wave of the most appalling misfortune of the last five years has, for the most part, merely caused most European souls to reflect on and empathize with its outward consequences—but they are unwilling to address what must be addressed if there is to be any talk at all of humanity’s future development in a positive sense.
[ 6 ] Was wir heute in Europa vor uns haben, hat sich durch Jahrzehnte vorbereitet. Aber die Seelen der Menschen haben sich nicht vorbereitet. Die Seelen der Menschen sind in ihrer Mehrzahl heute so unempfänglich wie möglich für das Hereinschlagen einer spirituellen Welle aus der geistigen Welt, die an die Tore des Lebens schlägt, die herein will und die man nicht aufnehmen will in die Seelen und in die Herzen der Menschen. Was notwendig ist, das ist, daß die Menschen sich hinwenden zu einer geistigen Weltbetrachtung, vor allen Dingen zu einer wirklichen Erkenntnis des Menschen selber. Das Menschenwesen kann nicht erkannt werden, ohne daß man die geistige Welt erkennt, denn der Mensch lebt mit zwei Dritteln seines Wesens in der geistig-seelischen Welt, nur mit einem Drittel in der physisch-materiellen Welt. Und ohne daß gesucht wird eine Erkenntnis des geistigen Lebens, bleibt der Mensch ohne Erkenntnis seines eigenen Wesens. In einem viel umfänglicheren Sinne, als heute von den meisten auch nur geahnt wird, muß gefragt werden: Welchen Wesens ist denn eigentlich dasjenige Gebiet des menschlichen Seelenlebens, das wir umfassen mit dem Worte Denken? Was für einer Wesenheit ist dasjenige Gebiet des menschlichen Seelenwesens, das wir umfassen mit dem Worte Wollen oder Handeln? — Zwischen beiden liegt das Gemüt, das Gefühlsleben. Erkenntnis des Gefühls- oder Gemütslebens würde sich schon ergeben, wenn man nur die Aufmerksamkeit wenden wollte auf das Gedankenleben und auf das Leben in Handlungen, auf das Willensleben.
[ 6 ] What we are facing in Europe today has been decades in the making. But people’s souls have not prepared themselves. The souls of most people today are as impervious as possible to the onslaught of a spiritual wave from the spiritual world, which is knocking at the gates of life, seeking to enter, yet which people refuse to welcome into their souls and hearts. What is necessary is for people to turn toward a spiritual view of the world—above all, toward a true understanding of the human being itself. Human nature cannot be understood without understanding the spiritual world, for two-thirds of a person’s being lives in the spiritual-soul world, and only one-third in the physical-material world. And unless one seeks an understanding of spiritual life, a person remains ignorant of their own nature. In a much broader sense than most people today even suspect, we must ask: What is the true nature of that realm of human soul life that we encompass with the word “thinking”? What kind of entity is that realm of the human soul that we encompass with the word “willing” or “acting”? — Between the two lies the emotional life, the life of feeling. An understanding of the life of feeling or emotion would already arise if one were only willing to turn one’s attention to the life of thought and to the life of action, to the life of the will.
[ 7 ] Folgen Sie mir einmal für kurze Zeit in eine Betrachtung gerade desjenigen, was unser Denken ist. Der Mensch ist sich ja bewußt, daß er das Leben, das auf ihn von da- oder dorther Eindruck macht, mit seinem Denken innerlich begleitet. Dieses Denken — man lebt in ihm. Aber man sollte sich doch auch bewußt werden, daß der größte Teil des Lebens damit ausgefüllt ist, daß dieses Denken durchsetzt ist von allem möglichen Traumartigen. Die meisten Menschen werden sich dessen nicht bewußt, wie in ihr Denken dasjenige hereinspielt, was ein unwillkürliches Element ist. Alles unwillkürliche Element im Denken ist im Grunde genommen traumhafter Natur. Versuchen Sie nur einmal, in einer oberflächlichen Selbsterkenntnis sich klarzumachen, wie weit Sie Ihre Gedanken aus dem Zentrum Ihres Willens heraus im Alltagsleben dirigieren. Versuchen Sie, sich klarzumachen, wie weit Sie das Bestreben haben, die Gedanken innerlich zu lenken, die Gedanken selbst zu gestalten. Versuchen Sie, sich klarzumachen, in wie hohem Maße es der Fall ist, daß die Seele die Gedanken kommen läßt, sie hereinbrechen läßt. Sie leben sich aus, die Gedanken, einer spinnt sich mit dem andern zusammen, und der Mensch gibt sich diesem unwillkürlichen Gedankenspiel wohlbehaglich hin. Es ist kein großer Unterschied zwischen diesem alltäglichen Gedankenspiel und zwischen dem aus dem Schlafe heraus aufdämmernden Träumen.
[ 7 ] Let me take you on a brief journey to consider precisely what our thinking is. Human beings are, after all, aware that they inwardly accompany with their thinking the life that makes an impression on them from here or there. This thinking—we live within it. But one should also become aware that the greatest part of life is filled with this thinking being permeated by all manner of dreamlike elements. Most people are not aware of how an involuntary element plays into their thinking. Every involuntary element in thinking is, at its core, dreamlike in nature. Just try, in a superficial self-examination, to realize to what extent you direct your thoughts from the center of your will in everyday life. Try to realize to what extent you strive to guide your thoughts inwardly, to shape the thoughts yourself. Try to realize to what great extent it is the case that the soul allows thoughts to arise, lets them break in. The thoughts run their course; one weaves itself together with another, and the person comfortably surrenders to this involuntary play of thoughts. There is no great difference between this everyday play of thoughts and the dreams that dawn from sleep.
[ 8 ] Noch von andern Seiten her mischt sich dieses Traumartige in das menschliche Denken ein. Man nimmt heute teil an dem äußeren Leben. Wie nimmt man teil an diesem äußeren Leben? Man informiert sich über das, was in der Welt vorgeht; man informiert sich so, daß man sich gewissermaßen in sein Erleben hineintragen läßt, was durch diesen oder jenen Anstoß in das Leben hereinkommt. Man gibt sich irgendeiner populären Agitation hin. Man untersuche nur einmal, wieviel in diesem Hingeben an eine populäre Agitation dem eigenen Willen entsprießt und wieviel einfach darauf zurückzuführen ist, daß man mitgenommen wird von dem, was da anstürmt aus den Wogen des Lebens! Und vieles, vieles könnte ich Ihnen anführen von dem, was in das Denken hereinstürmt, das Denken beherrscht, ohne daß der Wille des Menschen selbst in dieses Denken unmittelbar hineinwirkt.
[ 8 ] This dreamlike quality also intrudes into human thought from other directions. Today, people participate in external life. How do they participate in this external life? They keep themselves informed about what is happening in the world; they do so in such a way that they allow themselves, as it were, to be carried along by what enters their experience through this or that impulse. One surrenders to some form of popular agitation. One need only examine how much of this surrender to popular agitation springs from one’s own will, and how much is simply due to being swept along by what surges in from the waves of life! And I could cite many, many examples of what surges into thought and dominates it, without the person’s own will directly influencing that thought.
[ 9 ] Das war gerade die geschichtliche Aufgabe bei Abfassung meines Buches «Die Philosophie der Freiheit», darauf hinzuweisen, wie Freiheit des Menschen überhaupt nur möglich ist, wenn dieses unwillkürliche, träumerische Denken nicht da ist, sondern Impulse aus dem vollbewußten Willen heraus sich geltend machen. Dieses Denken — welcher Natur ist es denn ? Wann ist es wirkliches Denken? — Wenn es wirklich aus dem vollbewußten Willen kommt, wenn wir den Gedanken so fassen, daß wir selbst es sind, die den Gedanken fassen. In dem Augenblicke, wo der Gedanke uns faßt, sind wir nicht mehr frei. Nur wenn wir aus unserer Kraft, aus unserem Wesen heraus den Gedanken fassen können, sind wir frei. Dann kann aber der Gedanke nichts anderes sein als ein Bild. Wäre der Gedanke etwas anderes als ein Bild, wäre er eine Realität, dann könnte er uns nicht frei lassen. Alles, was eine Realität ist, spinnt uns in den Strom des Realen ein. Nur das, was Bild ist, läßt uns frei. Denken Sie sich, wie alles, was Sie in einem Zimmer sehen, im Grunde genommen real auf Sie wirkt. Einzig und allein ganz frei sind Sie nur den Bildern gegenüber, die Ihnen aus dem Spiegel heraus entgegensehen. Die können Ihnen von sich aus nichts tun, an diesen Bildern können Sie sich nicht stoßen. Wenn diese Bilder Sie irgendwie zu etwas veranlassen sollen, so müssen Sie es sein, der etwas unternimmt. Wenn sich eine Fliege auf Ihre Nase setzt — sie ist ja ein unbedeutendes Tier —, so sind Ste nicht frei, Sie führen eine Reflexbewegung aus. Und so ist es mit allem, was da ist. Frei sind Sie nur demgegenüber, was Sie als Bild empfinden können, das keine Realität ist, das ein Bild ist. Warum sind die Inhalte unseres Denkens Bilder? Nun, wir brauchen nur uns zu erinnern an mancherlei, was wir lesen können in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», wie der Mensch verbunden war mit einer vorhergehenden Verkörperung unseres Erdenplaneten, mit der Mondenentwickelung. Lesen Sie alles durch, was dort über die Mondenentwickelung auseinandergesetzt ist, so werden Sie sich sagen: Der Mensch war während dieser Mondenentwickelung mit ganz andern Wesenheiten und auch mit ganz andern Naturkräften in Verbindung, als er im Erdendasein ist. Dieses Mondendasein hat er durchgemacht. Die Nachwirkung davon ist in ihm. Er hat sich aus diesem Mondendasein zum Erdendasein fortentwickelt. Und wenn Sie genauer lesen, was ich dort auseinandergesetzt habe, so werden Sie sich sagen: Gedacht hat der Mensch während des Mondendaseins noch nicht in dem Sinne, wie er als Erdenmensch denkt. Er hat damals in unbewufßten Imaginationen gelebt, und diese unbewußten Imaginationen waren nicht in seiner Willkür, so wenig als heute die Traumbilder in seiner Willkür sind. — In der Willkür sind erst die Gedanken, zu denen wir uns als Menschen eigentlich erst nach und nach jetzt im fünften nachatlantischen Zeitraum entwickeln. Was wir heute als Denken haben, ist eine Fortentwickelung desjenigen, was wir als Bild-Erleben der Seele während unseres Mondendaseins hatten.
[ 9 ] That was precisely the historical task in writing my book *The Philosophy of Freedom*: to point out that human freedom is only possible at all if this involuntary, dreamlike thinking is absent, and instead impulses arising from the fully conscious will assert themselves. This thinking—what is its nature? When is it true thinking?—When it truly arises from the fully conscious will, when we grasp the thought in such a way that it is we ourselves who are grasping the thought. The moment the thought grasps us, we are no longer free. Only when we can grasp the thought out of our own strength, out of our own being, are we free. But then the thought can be nothing other than an image. If the thought were anything other than an image—if it were a reality—then it could not leave us free. Everything that is a reality entangles us in the current of the real. Only that which is an image leaves us free. Consider how everything you see in a room, in essence, has a real effect on you. You are completely free only in relation to the images that look back at you from the mirror. They cannot harm you on their own; you cannot take offense at these images. If these images are to prompt you to do something, it must be you who takes action. If a fly lands on your nose—it is, after all, an insignificant creature—you are not free; you perform a reflexive movement. And so it is with everything that exists. You are free only in relation to what you can perceive as an image—one that is not reality, but merely an image. Why are the contents of our thinking images? Well, we need only recall various things we can read in my *Outline of Esoteric Science*, such as how humanity was connected to a previous incarnation of our Earth planet—the lunar evolution. If you read through everything that is discussed there regarding the lunar evolution, you will say to yourself: During this lunar evolution, humanity was connected to entirely different beings and also to entirely different natural forces than it is in its earthly existence. It went through this lunar existence. The aftereffects of this remain within it. It evolved from this lunar existence to its earthly existence. And if you read more closely what I have explained there, you will say to yourself: During the Lunar existence, human beings did not yet think in the sense that they think as Earth beings. At that time, they lived in unconscious imaginations, and these unconscious imaginations were not under their control, any more than dream images are under their control today. — Only thoughts are within our control, and as human beings we are actually only now gradually developing this ability during the fifth post-Atlantean epoch. What we have today as thinking is a further development of what we experienced as visual imagery of the soul during our Lunar existence.
[ 10 ] Wenn Sie das ganz ordentlich fassen, dann werden Sie aber auch einsehen, daß alles, was sich in das Denken so hineinstiehlt, wie ich eben das Traumhafte des Denkens im alltäglichen Leben charakterisiert habe, ein Überbleibsel ist desjenigen, was der Mensch als Seelenleben hatte während des Mondendaseins. Überläßt sich heute der Mensch seinen aufschießenden Gedanken, schaltet er seinen Willen aus aus seinen Gedanken, läßt er hereinspielen in sein Denken, was traumartiger Natur ist, so spielen die Zustände des Mondendaseins irgendwie in sein Denken hinein.
[ 10 ] If you consider this carefully, you will also come to realize that everything that creeps into thought—as I have just characterized the dreamlike aspect of thinking in everyday life—is a remnant of what human beings had as a soul life during their lunar existence. If people today give in to their surging thoughts, if they shut their will out of their thoughts, and if they allow elements of a dreamlike nature to enter their thinking, then the states of lunar existence somehow play a role in their thinking.
[ 11 ] Sie werden daraus ersehen, daß dieses Hereinspielen des Mondendaseins in unser alltägliches Denken einen weiten, einen sehr, sehr weiten Umfang hat. Überall kann man verspüren, wie sich in das Denken, in das Vorstellen hereinmischt das unwillkürliche Element des rein Aufsteigenden und Aufschießenden. Das ist ein Überbleibsel des Mondendaseins. Da haben Sie also zwei im Menschenwesen selbst einander entgegenwirkende Mächte. Die eine Art dieser Dinge zieht uns dahin, von unserem Willen unser Denken beherrschen zu lassen, frei zu werden in unserem Gedankenelement. Die andere Macht will immerfort in dieses freie Denken dasjenige hineinmischen, was Überbleibsel der alten Mondenkultur ist: ein luziferisches Element. Luziferisches Element mischt sich fortwährend in unser alltägliches Denken hinein. Wir können es nicht abweisen. Wir würden alles dasjenige abweisen müssen, was wir noch nicht mit dem bewußten freien Denken erreichen können, aber wir müssen Erkenntnis anstreben. Wir müssen uns darüber klar sein in unserem Bewußtsein, daß es so ist. Es ist lediglich eine Phrase, wenn jemand sagt, er wolle dem Luzifer entfliehen. Das ist ja Unsinn, denn das Luziferische spielt fortwährend in das alltägliche Dasein herein. Aber man muß heute, wenn man wirklich sich hineinstellen will in die Anforderungen der Menschheitsentwickelung der Gegenwart, den guten Willen haben, in sich zu wissen, daß diese beiden Mächte, die eigentlichen Erdenmächte und die luziferischen Mächte, in unserem Seelendasein ineinanderspielen. Nur dadurch erlangt man eine reale Erkenntnis desjenigen, was in der Menschenseele drinnen ist.
[ 11 ] You will see from this that this interplay of the lunar existence with our everyday thinking has a broad—a very, very broad—scope. Everywhere one can sense how the involuntary element of what simply rises and shoots upward intermingles with thinking and imagination. This is a remnant of the lunar existence. So here you have two forces within the human being itself that counteract one another. One of these forces draws us toward allowing our will to govern our thinking, toward becoming free in our thought life. The other force constantly seeks to introduce into this free thinking what remains of the old lunar culture: a Luciferic element. The Luciferic element continually intermingles with our everyday thinking. We cannot reject it. We would have to reject everything we cannot yet attain through conscious, free thinking, but we must strive for knowledge. We must be clear in our consciousness that this is the case. It is merely a cliché when someone says they want to escape from Lucifer. That is nonsense, for the Luciferic element constantly plays a role in our everyday existence. But today, if one truly wishes to engage with the demands of humanity’s present-day development, one must have the good will to recognize within oneself that these two forces—the actual earthly forces and the Luciferic forces—interact within our soul life. Only in this way can one attain a real understanding of what lies within the human soul.
[ 12 ] Damit habe ich Ihnen, ich möchte sagen, einen Pol menschlicher Seelenwesenheit skizzenhaft charakterisiert. Nehmen Sie den andern Pol, der mehr nach der Willensseite hin liegt. In das Denken spielt ja auch der Wille hinein; aber wir haben jetzt das vom Willen durchdrungene Denken betrachtet. Jetzt wollen wir das vom Denken durchdrungene Wollen betrachten. Wie spielt das Wollen, das ins Handeln übergeht, in das gewöhnliche alltägliche Leben des Menschen hinein? — Das können wir uns klarmachen, wenn wir den Zusammenhang unseres alltäglichen realen Handelns mit dem ganzen kosmischen Sein ins Auge fassen. Denken Sie doch nur einmal: Wenn Sie einen einzigen Schritt machen, wenn Sie von diesem Orte hier fortschreiten zu diesem Orte [nach vorne], so rufen Sie, wenn auch nur in sehr geringem Maße, einen andern Gleichgewichtszustand des ganzen Erdenwesens hervor. Wenn Sie hierher treten [Schritt nach rückwärts], treten Sie an einen andern Ort, als wenn Sie hierher treten [Schritt nach vorne]. Sie beeinflussen das Gleichgewicht der Erde in einer andern Weise, wenn Sie hierher treten [nach hinten], als wenn Sie hierher treten [nach vorne]. Aber wenn Sie das einmal richtig betrachten, daß Sie selbst durch Ihre Bewegungen fortwährend das Gleichgewicht der Erde beeinflussen, so werden Sie noch auf eine andere Art des Beeinflussens kommen. Denken Sie einmal, Sie nehmen irgend etwas, das rein von der Natur kommt. Wenn zum Beispiel an einem Baumstamm ein Baumast ist, so hat dieser Baumast, so wie er an diesem Baumstamm zunächst daran ist, ein gewisses Verhältnis zu der ganzen Erde. Er hat ein gewisses Gleichgewichtsverhältnis zu der ganzen Erde. Die ganze Erde bildet mit ihm zusammen ein Ganzes. In dem Augenblicke, wo Sie den Baumast abbrechen und ihn vielleicht daneben legen, haben Sie das ganze Gleichgewichtsverhältnis der Erde, wenn auch nur in geringem Maße, aber doch verändert. Der Baum wiegt weniger, und an einer andern Stelle wiegt der abgebrochene Ast. Sie verändern das Gleichgewicht in einem andern Maße, wenn Sie den Ast dahin legen oder wenn Sie ihn dorthin legen.
[ 12 ] With this, I have—so to speak—sketched out one pole of human soul-being. Consider the other pole, which lies more on the side of the will. Will, of course, also plays a role in thinking; but we have now considered thinking permeated by will. Now let us consider willing permeated by thinking. How does willing—which transitions into action—play a role in a person’s ordinary, everyday life? — We can understand this if we consider the connection between our everyday, real actions and the whole of cosmic existence. Just think about it for a moment: When you take a single step—when you move from this spot here to that spot [forward]—you bring about, even if only to a very small degree, a different state of equilibrium in the entire Earth. When you step here [step backward], you are standing in a different place than when you step here [step forward]. You influence the Earth’s balance in a different way when you step here [backward] than when you step here [forward]. But once you truly consider that you yourself are constantly influencing the Earth’s balance through your movements, you will come to realize yet another way in which you influence it. Just imagine taking something that comes purely from nature. For example, if there is a branch on a tree trunk, this branch—as it is initially attached to that tree trunk—has a certain relationship to the entire Earth. It has a certain balance in relation to the entire Earth. Together with it, the entire Earth forms a whole. The moment you break off the branch and perhaps set it aside, you have altered the Earth’s entire balance—albeit only to a small degree. The tree weighs less, and the broken branch adds weight elsewhere. You alter the balance to a different degree depending on where you place the branch.
[ 13 ] Das ist schon etwas, was Sie von sich aus hineinstellen in das ganze Erdendasein. Aber da bringen Sie wenigstens zunächst nur das Verhältnis Ihres Menschen zu der umliegenden Welt zur Geltung. Aber Sie können noch mehr tun. Sie können zum Beispiel aus diesem Baumast irgend etwas formen. Ich will sagen, Sie formen künstlich daraus so etwas, was ein Gegenstand zu irgendeinem Gebrauch ist. Da haben die Form ausgedacht, da haben Sie das andere, was nicht zu dieser Form gehört, weggeschnitzelt. Jetzt üben Sie einen ganz andern Einfluß mit Ihrem Gegenstand aus, nicht nur durch Abbrechen, nicht nur durch Weglegen, sondern dadurch, daß Sie dem, was Sie der Natur entnommen haben, eine gewisse Form geben. Denken Sie einmal, wieviel die Menschen auf technischem, auf künstlerischem Gebiete nach dieser Richtung hin tun, wie sie dasjenige, was sie der Natur entreißen, formen und wie sie dadurch das Irdische beeinflussen!
[ 13 ] That is indeed something you bring into your entire earthly existence of your own accord. But in doing so, you are, at least at first, merely highlighting the relationship between your human self and the surrounding world. Yet you can do even more. For example, you can shape something out of this tree branch. I mean, you artificially shape it into something that serves a specific purpose. You’ve conceived the form, and you’ve carved away the parts that don’t belong to that form. Now you exert a completely different influence with your object—not merely by breaking it off or setting it aside, but by giving a certain form to what you have taken from nature. Just think how much people do in the technical and artistic spheres along these lines—how they shape what they wrest from nature and how they thereby influence the earthly realm!
[ 14 ] Und jetzt frage ich Sie: Wenn der Mensch das tut, wenn er die Natur verändert, wenn er das, was er der Natur wegnimmt, formt zu seinen Maschinen, zu seinen Kunstwerken, tut er das aus seinem Denken heraus? — Betrachten wir es, insofern er es aus seinem Denken heraus tut: Er tut es aus der Bildnatur des Denkens heraus. Es ist dem Irdischen schlechterdings gleichgültig, was da geschieht, geradeso, wie es auf die Gegenstände des Zimmers keinen sonderlichen Eindruck macht, was da für Bilder im Spiegel entstehen. Aber der Mensch gibt diesen Dingen Realität. Das ist die andere Seite, wenn sich der Mensch, nachdem er sich herausentwickelt hat aus dem Mondendasein, dem Denken ergibt: Wenn der Mensch irgend etwas formt und es hineinstellt in die Welt, so wie das Traumhafte hineinspielt in unser Denken und in dem Traumhaften der alte Mondenzustand, das Luziferische, so spielt in all unser Mechanisieren, in all unser die Weltdinge Umgestalten, Umformen, dasjenige hinein, was mit dem irdischen Dasein noch gar nicht zusammenhängt, was wir von uns aus in dieses irdische Dasein hineinstellen. Was ist denn das eigentlich ?
[ 14 ] And now I ask you: When a person does this—when he alters nature, when he shapes what he takes from nature into his machines, into his works of art—does he do so out of his own thinking? — Let us consider it insofar as he does it through his thinking: He does it through the pictorial nature of thinking. It is utterly indifferent to the earthly realm what happens there, just as the images that appear in the mirror make no particular impression on the objects in the room. But human beings give these things reality. This is the other side of the matter: when human beings, having evolved out of the lunar state of existence, surrender to thinking. When human beings shape something and place it into the world—just as the dreamlike element plays a part in our thinking, and within that dreamlike element lies the old lunar state, the Luciferic—so too does this element play a part in all our mechanization, in all our reshaping of the things of the world, and reshaping of worldly things, that which is not yet connected to earthly existence at all—that which we ourselves introduce into this earthly existence. What, then, is that actually?
[ 15 ] Was wir da aus unserem freien Seelenleben heraus in das irdische Dasein hineinstellen, das folgt nicht aus dem alten Mondendaseiin, das wird zu dem gegenwärtigen Erdendasein hinzugetan. Das wird erst eine volle Bedeutung haben, wenn etwas anderes eingetreten ist, als das Erdendasein ist. So wie das Kind, das im Leibe der Mutter getragen wird, oder vielleicht noch nicht getragen wird, sondern erst in der geistigen Welt auf seine Verleiblichung wartet, noch ein Zukünftiges ist, so ist all das, was der Mensch also formt, eigentlich für die Zukunft bestimmt, ist in der Gegenwart noch embryonal. Und wir betrachten es nur wahrheitsgemäß, wenn wir es in seiner Embryonalität, in seiner Zukunftsbedeutung betrachten. Formen wir irgend etwas heute im Leben, nehmen wir nicht die Natur, wie sie ist, sondern ändern sie aus unseren Gedanken heraus, so schaffen wir für die Zukunft. Schauen wir aber das, was wir für die Zukunft schaffen, als in die Gegenwart hereingehörig an, nistet es sich in unser Leben so ein, daß wir es bloß nach seiner Nützlichkeit für die Gegenwart betrachten, dann nistet sich das Zukünftige in unser Handeln ein, wie sich im traumhaften Denken das Vergangene in unser Denken einnistet; dann ergreift das Ahrimanische unser Handeln.
[ 15 ] What we bring into earthly existence from our free spiritual life does not stem from the old lunar existence; rather, it is added to our present earthly existence. This will only take on its full meaning when something other than earthly existence has come into being. Just as the child carried in the mother’s womb—or perhaps not yet carried, but still waiting in the spiritual world for its incarnation—is still a future being, so too is everything that the human being shapes actually destined for the future; in the present, it is still embryonic. And we view it truthfully only when we consider it in its embryonic state, in its significance for the future. When we shape anything in life today—not taking nature as it is, but transforming it through our thoughts—we are creating for the future. But if we regard what we create for the future as belonging to the present—if it takes root in our lives in such a way that we view it solely in terms of its usefulness for the present—then the future takes root in our actions just as the past takes root in our thinking in dreamlike states; then the Ahrimanic principle seizes our actions.
[ 16 ] Im menschlichen Leben wird allein das Kind, das ja auch, indem es spielt, die Gegenstände formt, aber sie zwecklos formt, nicht Nützlichkeit anstrebt, in seiner Unbewußtheit davor bewahrt, das, was es im Leben macht, für die Gegenwart zu nehmen und nicht in Vorbereitung für die Zukunft. Was wir an Maschinen hervorbringen, was wir an Kunstwerken hervorbringen, von dem allem sollen wir das Bewußtsein in uns tragen, daß wir es für das nächste Dasein, für das Jupiterdasein formen, daß das Erdendasein erst abgestreift sein muß und ein künftiges Dasein erst Sinn geben wird unserem Handeln.
[ 16 ] In human life, only the child—who, while playing, shapes objects but does so without purpose, without seeking utility—is, in his unconsciousness, spared from viewing what he does in life as intended for the present rather than as preparation for the future. Whatever we produce in the form of machines, whatever we produce in the form of works of art—in all of this we should carry within us the awareness that we are shaping it for the next existence, for the Jupiter existence; that earthly existence must first be shed, and only a future existence will give meaning to our actions.
[ 17 ] Das ist der große Irrtum der neueren Zeit, daß die Menschen das, was sie an Mechanischem, an Künstlerischem hervorbringen, unmittelbar in ihren gegenwärtigen Erdennutzen stellen und sich nicht bewußt sein wollen, daß wir für das künftige Erdendasein zu arbeiten haben. In das Wollen kann sich also das Ahrimanische dadurch hereinschleichen, daß wir den bloßen Nützlichkeitsstandpunkt anlegen an das, was wir mechanisch oder künstlerisch oder sonst im Leben ausführen.
[ 17 ] This is the great error of modern times: that people place what they produce—whether mechanical or artistic—directly in the context of their present earthly utility and refuse to acknowledge that we must work for future earthly existence. Thus, the Ahrimanic can creep into our will by our applying a purely utilitarian perspective to what we accomplish mechanically, artistically, or in any other way in life.
[ 18 ] Da müssen wir uns aber die Frage vorlegen: War dieser Nützlichkeitsstandpunkt immer da ? — Dieser Nützlichkeitsstandpunkt war zum Beispiel in der älteren Zeit der griechischen Kultur nicht als solcher da, noch weniger in den älteren Kulturen. Da war, wenn auch aus atavistischem Hellsehen heraus, ein Bewußtsein davon vorhanden, daß der Mensch über das irdische Dasein hinaus schafft. Insbesondere seit dem 15. Jahrhundert ist das Streben stark geworden nach der bloßen Nützlichkeit für dasjenige, was der Mensch hervorbringt. Und heute werden bereits Weltprogramme gemacht aus den bloßen Nützlichkeitsgesichtspunkten heraus.
[ 18 ] But we must ask ourselves: Has this utilitarian perspective always existed? — This utilitarian perspective, for example, did not exist as such in the early period of Greek culture, and even less so in earlier cultures. Back then, even if it stemmed from atavistic clairvoyance, there was an awareness that human beings create beyond earthly existence. Especially since the 15th century, the pursuit of mere utility for what human beings produce has grown strong. And today, global programs are already being devised based solely on considerations of utility.
[ 19 ] Ebenso wie es zunächst unmöglich ist, das traumhafte Denken aus unserem Denken auszuschalten, ebenso unmöglich ist es, den Nützlichkeitsstandpunkt auszuschalten. Deshalb sollte niemand das gedankenlose Wort sprechen, er wolle Ahriman entfliehen. Das ist Unsinn. Er kann es nicht. Es spielt Ahriman in unser ganzes Handeln herein, mit Ausnahme unseres Kinderspieles, bei dem wir keinen Zweck, keinen Nutzen anstreben, das um des Handelns selber willen getan wird. Bei allem andern Handeln können wir nur eine Art Ideal anstreben. Wie aber ? Wir müssen uns klar darüber sein, wie hier wiederum zwei Kräfte hineinspielen in unser menschliches Dasein. Welche Kräfte? Die eine Kraft ist die, die uns handeln läßt aus Nützlichkeitsgründen, die andere aber ist diese: Wenn wir irgend etwas im Leben betreiben, wo wir uns nicht bloß wie Puppen von dem Leben tragen lassen, wenn wir irgend etwas treiben im Leben, ohne ein solches Puppendasein zu führen, dann geht immer mit uns selbst etwas vor sich: Wir werden geschickter, wir werden weiser, wir können danach die Sachen besser. Das ist die andere Kraft. Die meisten Menschen geben heute gar nicht darauf acht, besonders wenn sie über das achtzehnte Lebensjahr hinausgekommen sind, wo sie schon «ganz weise» und «ganz gescheit» sind für ihre heutige Lebensauffassung, daß man sein ganzes Leben immer geschickter und geschickter werden kann in dem, was man tut. Das eine ist Nützlichkeitssinn, das andere ist eine fortwährende Selbstzucht, auf das, was man tut, so achtzugeben, daß man beobachtet, wie man sein menschliches Dasein dadurch erhöht, daß man dies oder jenes tut, dies oder jenes erfährt. Was so in unser menschliches Dasein hereinspielt, hat eine ganz andere Bedeutung als der bloße äußere Nützlichkeits- und Augenblicksstandpunkt. Nehmen Sie es einmal in einem, ich möchte sagen, erhabeneren Fall, nehmen wir die Bildnisse Raffaels. Raffael hat, wenn auch ein kurzes Leben hindurch, gearbeitet an seinen Bildern. Ganz gewiß wird eine Zeit kommen, in der von diesen Bildern Raffaels nichts mehr da sein wird — vielleicht Nachbilder, die aber mit Raffael nichts unmittelbar zu tun haben. Ganz gewiß wird eine Zeit der Erde kommen, in der von diesen Bildern Raffaels nichts mehr da sein wird, in der keines dann verkörperten irdischen Menschen Blick auf die Bilder Raffaels fallen kann. Aber Raffael wird doch da sein, und dasjenige wird auch da sein, was Raffael dadurch geworden ist, daß er diese Bilder gemacht hat. Dadurch, daß Raffael diese Bilder gemacht hat, ist er in einer entsprechenden Inkarnation weitergebracht worden. Das hat er durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchgetragen, erschien in einer neuen Erdeninkarnation, hat da wiederum etwas gemacht, das trägt er durch das Leben, das bleibt, auch wenn die Erde im Kosmos zugrunde geht. Das, was Raffael geworden ist durch seine Bilder, das ist das Bleibende. Man kann sogar den Nützlichkeitsstandpunkt so fein fassen, daß man die Tatsache, daß Bilder da sind, zu diesem Nützlichkeitsstandpunkt dazurechnet. Sie werden, wenn Sie dies nachdenken, nicht viel Unterschied finden zwischen grobem Nutzen und jenem Nutzen, der dadurch gestiftet ist, daß Bilder von Raffael da sind. Aber etwas anderes ist es, was Raffaels Individualität und Seele geworden ist dadurch, daß er seine Bilder gemacht hat. Das wird von dem Erdendasein in das Jupiterdasein hinübergetragen. Das ist dasjenige, was sich entwickelt.
[ 19 ] Just as it is impossible at first to eliminate dreamlike thinking from our thinking, so too is it impossible to eliminate the utilitarian point of view. Therefore, no one should thoughtlessly say that they wish to escape Ahriman. That is nonsense. They cannot do so. Ahriman plays a role in all our actions, with the exception of our child’s play, in which we pursue no purpose, no utility—it is done for the sake of the action itself. In all other actions, we can only strive for a kind of ideal. But how? We must be clear about how, here again, two forces come into play in our human existence. Which forces? One force is that which causes us to act for reasons of utility; the other, however, is this: Whenever we engage in anything in life where we do not merely let ourselves be carried along by life like puppets—whenever we do anything in life without leading such a puppet-like existence—then something is always happening within us: We become more skilled, we become wiser, and we are better able to do things afterward. That is the other force. Most people today pay no attention to this at all, especially once they have passed the age of eighteen, when they are already “quite wise” and “quite clever” according to their current view of life—that one can become more and more skilled throughout one’s entire life in whatever one does. One is a sense of utility; the other is a continuous discipline of the self—paying such close attention to what one does that one observes how one elevates one’s human existence by doing this or that, by experiencing this or that. What plays such a role in our human existence has a completely different significance than the mere external, utilitarian, and momentary point of view. Consider, for example, a—I would say—more sublime case: let us take Raphael’s portraits. Raphael worked on his paintings, albeit throughout a short life. A time will certainly come when nothing of these paintings by Raphael will remain—perhaps reproductions, but ones that have no direct connection to Raphael himself. There will certainly come a time on Earth when nothing of Raphael’s paintings will remain, when no incarnated human being will be able to gaze upon them. But Raphael will still be there, and what Raphael became through the act of creating these paintings will also be there. By creating these paintings, Raphael was advanced in a corresponding incarnation. He carried this through the life between death and a new birth, appeared in a new earthly incarnation, and there again created something; he carries this through life, and it remains, even if the Earth perishes in the cosmos. What Raphael has become through his paintings—that is what endures. One can even define the concept of utility so precisely that one includes the very fact that these paintings exist within that definition of utility. If you reflect on this, you will find little difference between gross utility and the utility that arises from the existence of Raphael’s paintings. But it is something else entirely—what Raphael’s individuality and soul have become through his creation of these paintings. This is carried over from earthly existence into Jupiter existence. That is what develops.
[ 20 ] Da haben wir, ich möchte sagen, an einem erhabeneren Beispiel, dasjenige, was aus den Menschenseelen wird, was man unterscheiden kann von der äußeren Handlung. Diese Unterscheidung muß man sich in einem umfänglichen Sinn vor die Seele führen. Man muß sich klar darüber sein, daß ja die Erde einmal im Kosmos zerschellen wird, daß nichts bleiben wird als die Menschenseelen. Wenn dann nichts geblieben ist als die Menschenseelen, wird die Ernte der Entwickelung der Menschenseelen dasjenige sein, was dieses Erdendasein an seinem Ende unterscheidet von dem Erdendasein an seinem Anfange. Bei diesem Gesichtspunkt beginnt dasjenige, was man nennen kann eine Verpflichtung, sich selber weiterzubringen in der Erdenentwickelung. Da beginnt die Verpflichtung, aus sich etwas zu machen, damit man dem Kosmos etwas sein könne. Und da beginnt der Gedanke: Die Erde wird zerschellen, die Erde wird zersplittern, die Menschenseelen werden allein da sein!
[ 20 ] Here we have, I would say, a more sublime example of what becomes of human souls—something that can be distinguished from outward action. One must keep this distinction in mind in a comprehensive sense when considering the soul. One must be clear about the fact that the Earth will one day be shattered in the cosmos, that nothing will remain but human souls. When nothing remains but human souls, the harvest of their development will be what distinguishes this earthly existence at its end from earthly existence at its beginning. From this perspective arises what might be called an obligation to advance oneself in earthly evolution. This is where the obligation begins to make something of oneself, so that one may be something to the cosmos. And this is where the thought arises: The Earth will shatter, the Earth will crumble, and only human souls will remain!
[ 21 ] Die Kraft, die nötig ist, um diesen Gedanken, ich möchte selbst sagen, zu ertragen, ihn in aller Schärfe zu fassen, diese Kraft wird den Menschen ganz verlorengehen. Und damit wird überhaupt die Erdenentwickelung aufhören, ihren Sinn zu haben, wenn die Menschen nicht sich dazu bequemen, das Mysterium von Golgatha geistig zu fassen. Denn im Grunde genommen liegt in dem Mysterium von Golgatha, richtig verstanden, der Keim zu solchen, aus einer richtigen, heute zeitgemäßen spirituellen Weltanschauung zu erfassenden Gedanken. Bedenken Sie nur einen ganz bestimmten populären Ausspruch, den die Evangelien dem Christus Jesus zuschreiben: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Dasjenige, was er den Menschenseelen gibt, das wird bleiben, das wird da sein, auch wenn die Erde zersplittert, zerschellt ist in dem Kosmos.
[ 21 ] The strength required to—I would even say—endure this thought, to grasp it in all its sharpness—that strength will be completely lost to humanity. And with that, the development of the Earth will cease to have any meaning at all if people do not bring themselves to grasp the Mystery of Golgotha spiritually. For, fundamentally speaking, the Mystery of Golgotha—properly understood—contains the seed of such thoughts, which can be grasped through a correct, contemporary spiritual worldview. Just consider a very specific popular saying that the Gospels attribute to Christ Jesus: “Heaven and earth will pass away, but my words will not pass away.” That which he gives to human souls will remain; it will be there, even if the Earth is shattered and scattered throughout the cosmos.
[ 22 ] Nun frage ich Sie — und jetzt komme ich auf meine Zeitbetrachtung zurück —: Kann dasjenige, was Religionsbekenntnisse und Theologie aus dem Mysterium von Golgatha nach und nach gemacht haben, dem Menschen diesen Hinblick noch geben? — Nein, das ist unmöglich! Auch Theologie und Religionsbekenntnisse sind vermaterialisiert. Aber ein materialisiertes Mysterium von Golgatha reicht in seiner Bedeutung über das Erdendaseiin nicht hinaus. Wer es heute ernst meint mit dem Christentum — ich habe das von andern Gesichtspunkten aus Ihnen dargelegt, Sie haben es heute von einem erneuten Gesichtspunkte aus wiederum gehört —, der kann gar nicht anders, als ein spirituelles Verständnis zu suchen für dieses Mysterium von Golgatha.
[ 22 ] Now I ask you—and here I return to my reflection on time—: Can what religious creeds and theology have gradually made of the Mystery of Golgotha still give human beings this perspective? — No, that is impossible! Theology and religious creeds, too, have become materialized. But a materialized Mystery of Golgotha does not extend in its significance beyond earthly existence. Anyone who takes Christianity seriously today—I have explained this to you from other perspectives, and you have heard it again today from yet another perspective—cannot help but seek a spiritual understanding of this Mystery of Golgotha.
[ 23 ] Das heißt aber mit andern Worten: Geisteswissenschaft, wirkliche Erkenntnis des Geistes ist heute der Menschheit notwendig. Ohnmächtig waren die Leute vor fünfzig Jahren, so habe ich am Anfang meiner heutigen Betrachtung gesagt, ihren Ideal-Realismus mit irgend etwas auszufüllen, das Wirklichkeit gehabt hätte. Daher das Hineinsegeln in das europäische Unglück. Aber heute entsteht die Frage: Wollen diejenigen, die ein neues Unglück abwenden können, da wo Geisteswissenschaft heute spricht, wiederum so weiterleben, wie diejenigen, zu denen Geisteswissenschaft noch nicht gesprochen hat, vor fünfzig Jahren leben mußten ? — Dann allerdings werden Erdenkatastrophen kommen, gegen die das, was jetzt geschehen ist, eine Kleinigkeit ist. Es geht heute nicht an, anderes als dieses sich zu sagen. Wenn die Menschen vor fünfzig Jahren ein neues Geistesleben gefordert haben, so haben sie es nicht schaffen können, weil dazumal noch nicht die Zeit dazu gekommen war. Heute ist die Zeit dazu gekommen. Heute heißt, sich nicht hinwenden zu wollen zu diesem Geistesleben: es nicht ehrlich meinen mit der Menschheitsentwickelung! — Das ist die Verantwortlichkeit, von der ich sprechen muß, von der heute gesprochen werden muß, namentlich nach denjenigen Seiten hin, die heute diese Verantwortung übernehmen können aus den schon angeführten Gründen. Der Mensch muß heute auf den Horizont der weltgeschichtlichen Betrachtung hinschauen. Er kann nicht sein Dasein zurückschrauben. Denken Sie sich, Sie haben einen Schrank. Der Schrank bricht auseinander. Sie haben seine Stücke vor sich, Sie schauen sich das an. Durch irgendein Elementarereignis ist der Schrank auseinandergebrochen, Sie haben seine Stücke vor sich. Was machen Sie? Sie nehmen die Stücke, nehmen Nägel, fügen die Stücke zusammen, damit daraus wieder der alte Schrank entstehe. Der wird aber sehr bald wiederum auseinanderfallen, wenn die Stücke morsch sind, wenn die Nägel nicht mehr halten können oder wenn die Stücke an andern Stellen zerrissen sind. Europa ist auseinandergefallen wie ein alter Schrank: Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Serbien, DeutschÖsterreich, das ehemalige Deutschland, das ehemalige Rußland, die Ukraine — das sind die Stücke, die Trümmer des Schrankes. Und die Westmächte bemühen sich, diese morsch gewordenen Trümmer des Schrankes wiederum zusammenzuschlagen mit Nägeln, die nicht halten werden. Die Menschen sehen nicht ein, daß sie es mit morsch gewordenen Stücken zu tun haben. Da soll das Alte geleimt werden, während es sich darum handelt, ganz neue Substanz in die Menschheitsentwickelung hineinzubringen. Das ist der Gedanke, um den es sich handelt. Auf diesen Gedanken kann uns heute nur Geisteswissenschaft in durchdringender Weise aufmerksam machen. Und die Frage ist: Soll denn die Welt, nachdem das, was heute Europa ergriffen hat, was sehr bald Asien und über Europa hinaus Amerika ergreifen wird, bloß aus ihren alten morschen Stücken zusammengeleimt und zusammengenagelt werden um der Bequemlichkeit der Menschheit willen, oder soll der Zusammenhang gesucht werden zu einer Erneuerung des ganzen Menschenwesens aus dem Geistigen heraus? — Davon wollen wir dann morgen weiter sprechen.
[ 23 ] But in other words, this means: Spiritual science—true knowledge of the spirit—is necessary for humanity today. As I said at the beginning of my reflection today, fifty years ago people were powerless to fill their “ideal realism” with anything that had any basis in reality. Hence the drift into Europe’s misfortune. But today the question arises: Do those who are able to avert a new misfortune—where spiritual science speaks today—wish to continue living as those to whom spiritual science had not yet spoken were forced to live fifty years ago? — If so, however, earthly catastrophes will come that will make what has happened so far seem like a trifle. Today, it is no longer possible to say anything other than this. When people fifty years ago called for a new spiritual life, they were unable to achieve it because the time for it had not yet come. Today, the time has come. Today, to refuse to turn toward this spiritual life means not being sincere about human development! — That is the responsibility I must speak of, that must be spoken of today, particularly to those who can assume this responsibility today for the reasons already mentioned. People today must look toward the horizon of world-historical perspective. They cannot scale back their existence. Imagine you have a cabinet. The cabinet has fallen apart. You have its pieces in front of you; you look at them. Some kind of natural disaster has caused the cabinet to break apart; you have its pieces in front of you. What do you do? You take the pieces, grab some nails, and put the pieces back together so that the old cabinet is restored. But it will fall apart again very soon if the pieces are rotten, if the nails can no longer hold, or if the pieces are torn in other places. Europe has fallen apart like an old cabinet: Czechoslovakia, Hungary, Romania, Serbia, German Austria, the former Germany, the former Russia, Ukraine—these are the pieces, the ruins of the cabinet. And the Western powers are striving to hammer these rotten ruins of the cabinet back together with nails that will not hold. People do not realize that they are dealing with rotten pieces. They want to glue the old back together, whereas what is needed is to bring entirely new substance into the development of humanity. That is the idea at stake. Today, only spiritual science can draw our attention to this idea in a penetrating way. And the question is: Now that what has gripped Europe today—and what will very soon grip Asia and, beyond Europe, America—should the world simply be glued and nailed back together from its old, rotten pieces for the sake of humanity’s convenience, or should we seek a connection to a renewal of the entire human being from the spiritual realm? — We will speak further about this tomorrow.
