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Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196

31 January 1920, Dornach

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Spiritual and Social Transformations in Human Evolution, tr. SOL
  1. Geistige und soziale Wandlungen in der Menschheitsentwickelung

Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Ich möchte heute davon ausgehen, Sie auf etwas aufmerksam zu machen, das im Zusammenhange stehen kann mit der Beurteilung dessen, was jetzt sozial in Zusammenhang gebracht wird mit unserer anthroposophisch orientierten Geistesbewegung. Den inneren Zusammenhang kennen Sie, ich habe öfters davon gesprochen. Ich habe Sie auch darauf aufmerksam gemacht, wie wenig den Zeitaufgaben eine geistige Bewegung wirklich gewachsen wäre, die jetzt sich zurückziehen wollte von den großen Fragen, die die Menschheit beschäftigen müssen, die nichts zu sagen hätte über dasjenige, was als die bedeutsamsten Forderungen in der Gegenwart und der nächsten Zukunft auftritt.

[ 1 ] Today I would like to draw your attention to something that may be related to the assessment of what is currently being socially associated with our anthroposophically oriented spiritual movement. You are familiar with the inner connection; I have spoken of it often. I have also pointed out to you how ill-equipped a spiritual movement would truly be to meet the challenges of our time if it were now to withdraw from the great questions that must concern humanity—a movement that would have nothing to say about what are emerging as the most significant demands of the present and the near future.

[ 2 ] Nun habe ich ja gestern darauf aufmerksam gemacht, wie sich in das menschliche Denken hereinschleichen traumhafte Elemente, und ich habe auf die verschiedenen Wege oder wenigstens auf einzelne der verschiedenen Wege hingewiesen, wie sich traumhafte Elemente in das menschliche Denken hineinschleichen. Wir müssen auf solches Hereinschleichen besonders aufmerksam sein bei allem, was uns als fertige Urteile aus der Außenwelt gegenüberrritt. Es ist doch eigentlich ein großer Teil dessen, was wir denken, von uns so gedacht, daß es nicht erst geprüft wird, daß es nicht erst selbst in uns belebt wird, sondern daß es nachgesprochen, nachbeurteilt, nachgedacht wird. Sie brauchen ja bloß auf die zahlreichen Urteile Rücksicht zu nehmen, welche die Menschen der verschiedensten Nationen sich in den letzten vier bis fünf Jahren über die Schicksale der Welt gemacht haben, über den Wert der einzelnen Nationen, über die Ursachen des Krieges und so weiter, Sie werden nicht umhin können, sich zu sagen: Von all dem, was da geurteilt worden ist, selbst von Menschen, von denen man ein ganz anderes gerne hätte voraussetzen mögen, von alledem ist das wenigste wirklich geprüft worden; es ist nachgesprochen, nachgeurteilt, nachgedacht worden.

[ 2 ] Yesterday I pointed out how dreamlike elements creep into human thought, and I referred to the various ways—or at least to some of the various ways—in which dreamlike elements creep into human thought. We must be particularly attentive to this creeping in whenever we are confronted with what appears to us as ready-made judgments from the outside world. After all, a large part of what we think is thought by us in such a way that it is not first examined, that it is not first brought to life within us, but rather that it is merely repeated, re-judged, and re-thought. You need only consider the numerous judgments that people of the most diverse nations have made over the past four to five years regarding the fate of the world, the value of individual nations, the causes of war, and so on. You will not be able to help but say to yourself: Of all that has been judged—even by people from whom one might have liked to assume something quite different—of all of it, the very least has actually been examined; it has merely been parroted, rejudged, and rethought.

[ 3 ] Ich darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit auch daran erinnern, daß ich, wenn ich hier über Zeiterscheinungen gesprochen habe, niemals fertige Urteile gegeben habe, sondern immer Dinge charakterisiert habe, welche dazu haben dienen können, sich selber ein Urteil zu bilden. Das sollte überhaupt immer mehr und mehr Platz greifen, der Welt die Grundlagen für Urteilsbildung zu geben, nicht fertige Urteile. Aber der Mensch ist gerade in der gegenwärtigen Zeit gar sehr geneigt, wenn er da oder dort etwas hört, insbesondere wenn es mit starkem Selbstbewußtsein auftritt, wenn es durchzittert ist von einem vielleicht nicht ganz wahrnehmbaren Fanatismus, gerade dann solche Urteile nachzuurteilen, nachzudenken, nachzusprechen. Und insbesondere mit Rücksicht darauf, daß ja noch einige unserer englischen Freunde da sind, muß ich das Folgende berühren, das aber auch für die anderen hier sitzenden Freunde von da oder dorther von Wichtigkeit erscheinen kann.

[ 3 ] Perhaps I should take this opportunity to remind you that, whenever I have spoken here about contemporary phenomena, I have never offered ready-made judgments, but have always described aspects that could serve to help you form your own judgments. In general, we should increasingly focus on providing the world with the foundations for forming judgments, rather than ready-made judgments. But people today are particularly prone, when they hear something here or there—especially when it is presented with strong self-assurance, when it is permeated by a fanaticism that may not be entirely perceptible—to simply adopt such judgments, to think them over, and to parrot them. And especially in view of the fact that some of our English friends are still here, I must touch on the following, which may also seem important to the other friends sitting here from here and there.

[ 4 ] So wurde zum Beispiel von einer gewissen Seite jetzt geurteilt, diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, die ihren repräsentativen Sitz in Dornach hat, beschäftige sich jetzt mit Politik, und mit Politik solle sich eine solche Bewegung ja nicht beschäftigen. Unter anderem soll auch darauf hingewiesen worden sein, daß ja die Katholische Kirche in ihre Unheilszeiten dadurch hineingekommen sei, daß sie sich mit Dingen beschäftigt habe, die man gewöhnlich zur Politik rechnet.

[ 4 ] For example, a certain quarter has now claimed that this anthroposophically oriented spiritual science, which has its headquarters in Dornach, is now involved in politics—and that such a movement should not, after all, concern itself with politics. Among other things, it is said to have been pointed out that the Catholic Church entered its period of decline precisely because it had concerned itself with matters that are usually considered political.

[ 5 ] Wenn ein solches Urteil auftritt, so klingt es an an vielerlei, was man gewohnt ist zu meinen. Und wenn dann jemand ein solches Urteil hört, kommt ihm das doch etwas plausibel vor. Er sagt sich dann: Ja, da ist etwas daran, es ist vielleicht doch ein Unfug, wenn von einer geisteswissenschaftlichen Bewegung ausgeht eine Beschäftigung mit solchen Fragen, wie jetzt die Dreigliederung des sozialen Organismus eine ist.

[ 5 ] When such a judgment is made, it resonates with many things people are accustomed to thinking. And when someone hears such a judgment, it does seem somewhat plausible to them. They then say to themselves: Yes, there is something to that; perhaps it is nonsense after all when a movement in the humanities engages with questions such as the threefold structure of the social organism.

[ 6 ] Nun gehört sowohl das ursprüngliche Urteilen über diese Sache in der Richtung, wie ich es eben charakterisiert habe, wie auch das Nachsprechen in die Klasse der heute zahlreich auftretenden oberflächlichen Denkmethoden. Unsere Zeit glaubt ja sehr stark, daß man es im Denken namentlich außerordentlich weit gebracht habe. Ja, wir haben die Aufgabe, gerade das Denken bis zu einer gewissen Höhe zu bringen, wenn die Menschheit nicht in Unheil untergehen soll. Aber dem, was da als Forderung an die Menschheit herantritt mit Bezug auf ein klares, scharfes Denken, vor allen Dingen mit Bezug auf ein innerlich wahrhaftiges Denken — denn das Denken, das unklar ist, ist immer zugleich etwas verlogen —, dem, was da als Aufgabe der Menschheit vorgesetzt ist in bezug auf ein klares, scharfes, innerlich wahrhaftiges Denken, dem steht heute gegenüber der Trieb, unklar zu denken, unfertig zu denken, halb zu denken, nachzuurteilen, das wieder zu sagen, was man da oder dort hört, oder das wieder zu denken. Ich sage aber auch: Ursprünglich liegt eine außerordentliche Oberflächlichkeit dem Ausspruche zugrunde, daß die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in der Dreigliederungsfrage abgeirrt sei auf das Gebiet des Politischen, das ihr nicht zugehöre. Denn wer so urteilt, urteilt ganz abstrakt. Er nimmt einfach irgend etwas, was für die Katholische Kirche richtig sein mag, herüber auf etwas, was ganz andersartig ist. Das ist gerade so, als wenn jemand gelernt hat, irgend etwas ist gut für einen Schuh, den man anzieht an den Fuß, und dann das Urteil, das er sich von dem Schuh gebildet hat, auf den Handschuh überträgt; so gescheit ist solch ein Urteil. Warum ? Worauf geht denn die Dreigliederung ursprünglich hinaus? Sie geht darauf hinaus, in der sozialen Ordnung eine reinliche Gliederung zu schaffen zwischen dem Geistesleben, das seine eigene Verwaltung haben soll, dem Rechts- oder Staatsleben, das in der Mitte stehen soll zwischen den beiden anderen mit seiner vollen Selbständigkeit, und dem wirtschaftlichen Leben, das als drittes Glied reinlich von den beiden andern abgeschieden sein soll.

[ 6 ] Now, both the initial judgment on this matter, in the sense I have just characterized it, and the repetition of that judgment belong to the category of superficial methods of thinking that are so prevalent today. Our age is, after all, firmly convinced that we have made extraordinary progress in thinking. Yes, we have the task of raising thinking to a certain level if humanity is not to perish in disaster. But what is demanded of humanity in terms of clear, sharp thinking—and above all in terms of thinking that is inwardly truthful, for thinking that is unclear is always, at the same time, somewhat dishonest— what is set before humanity as a task with regard to clear, sharp, and inwardly truthful thinking—this is countered today by the impulse to think unclearly, to think incompletely, to think only halfway, to pass judgment after the fact, to repeat what one hears here or there, or to think it over again. But I also say: At its core, the assertion that anthroposophically oriented spiritual science has strayed into the realm of politics—which does not belong to it—in the question of the threefold social order is based on extraordinary superficiality. For whoever judges in this way is judging entirely in the abstract. They simply take something that may be true for the Catholic Church and apply it to something that is entirely different. It is just as if someone had learned that something is good for a shoe that one puts on one’s foot, and then applied the judgment they had formed about the shoe to a glove; that is how sensible such a judgment is. Why? What, after all, is the original purpose of the threefold social order? It is to create a clear division within the social order between the spiritual life, which is to have its own administration; the legal or political life, which is to stand in the middle between the other two with its full independence; and the economic life, which, as the third member, is to be clearly separated from the other two.

[ 7 ] Nun denken wir einmal nicht oberflächlich, wie jener denkt, der da sagt, Anthroposophie habe sich nicht mit Politik zu beschäftigen, sondern denken wir einmal die Sache wirklich objektiv klar durch: Was wird denn durch eine solche reinliche Scheidung angestrebt? — Nun, das Geistesleben soll ja selbständig dastehen, das Geistesleben soll sich auf seinem eigenen Grund und Boden entwickeln, das Geistesleben soll nur dasjenige zur Geltung bringen, was aus seinen eigenen Impulsen kommt. Es wird also angestrebt, daß das Geistesleben nicht mehr abhängt vom Staatsleben und nicht mehr abhängt vom Wirtschaftsleben, sondern gerade frei und unabhängig sein kann, gerade so sein kann, wie es die Katholische Kirche niemals war, die sich immer mit dem Staat und Wirtschaftsleben zusammen konfundiert hat. Also es handelt sich darum, gerade das zu schaffen, wodurch man im Geistesleben erst in der Lage ist, alle Impulse dieses Geisteslebens geltend zu machen. Denken Sie sich daher, wie frivol, wie oberflächlich es ist, wenn jemand sagt, Anthroposophie solle sich nicht auf das Gebiet der Politik versteigen, während sie gerade fordert, daß eine solche soziale Ordnung geschaffen werden soll, durch die das möglich ist, daß das Geistesleben sich nicht mehr mit Politik befasse. Es soll ja gerade eine Politik geschaffen werden, durch die das Geistesleben seine eigene Verwaltung, seine eigene innere Organisation hat. Und nicht mehr soll es nötig sein, daß man, wenn man eine Schule gründen will oder einen Lehrplan ausarbeiten will, sich an die politische Behörde oder an den staatlichen Lehrplan zu wenden hat; denn dadurch wird man ja gerade abhängig von der Politik. Sie sehen an diesem Beispiel, was klares, scharfes Denken bedeutet und wie diejenigen denken, die heute eben aus irgendwelchen Dingen, die ihnen angeflogen sind, ein Urteil fällen über das, was aus den Impulsen des geistigen Lebens heraus geschöpft ist. Denn der Dreigliederungsgedanke ist aus der Initiationswissenschaft heraus geschöpft. Und derjenige, der da sagt, es soll sich anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft nicht mit dem Dreigliederungsgedanken befassen, der versteht erstens nicht, klar zu denken, er denkt konfus; zweitens aber versteht er gar nichts von dem wirklichen Impuls der Geisteswissenschaft, denn er weiß nicht, daf} diese Sache im Zusammenhange mit den großen Forderungen unserer Zeit gerade aus dem Impulse der Geisteswissenschaft herausgeholt ist.

[ 7 ] Let us not think superficially, as does the person who says that anthroposophy should not concern itself with politics, but let us think the matter through clearly and objectively: What, after all, is the aim of such a strict separation? — Well, spiritual life is supposed to stand on its own; spiritual life is supposed to develop on its own ground; spiritual life is supposed to give expression only to what arises from its own impulses. The aim, then, is for spiritual life to no longer depend on political life or economic life, but rather to be free and independent—precisely as the Catholic Church never was, having always become conflated with the state and economic life. So the point is to create precisely the conditions that will enable spiritual life to give full expression to all its own impulses. Consider, then, how frivolous, how superficial it is when someone says that anthroposophy should not venture into the realm of politics, while it specifically calls for the creation of a social order that makes it possible for spiritual life to no longer concern itself with politics. The aim is precisely to create a political system through which spiritual life has its own administration, its own internal organization. And it should no longer be necessary, when one wants to found a school or develop a curriculum, to turn to the political authorities or the state curriculum; for that is precisely what makes one dependent on politics. You can see from this example what clear, sharp thinking means and how those who today pass judgment—based on whatever ideas have come their way—on what has been drawn from the impulses of spiritual life actually think. For the idea of threefolding is drawn from the science of initiation. And anyone who says that anthroposophically oriented spiritual science should not concern itself with the idea of threefold social order—first of all, does not understand how to think clearly; their thinking is confused; second, they understand nothing at all of the true impulse of spiritual science, for they do not realize that this concept has been drawn precisely from the impulse of spiritual science in connection with the great demands of our time.

[ 8 ] In solchen Selbstwidersprüchen bewegen sich heute aber zahlreiche Urteile, die öffentlich abgegeben werden und die von einer großen Anzahl von Menschen einfach nachgesprochen, nachgeurteilt, nachgedacht werden. Welche Aufgabe wir vor allen Dingen haben, das ist, daß wir versuchen, wirklich unabhängig auch von allen nationalen Chauvinismen zu einem reinlichen, geraden, innerlich wahrhaftigen Denken zu kommen. Man wird dazu nicht kommen, wenn man sich nicht erst gesteht, dafi die Gegenwart weit davon entfernt ist. Denn wenn man kein Gefühl davon hat, wie weit die Urteile, die heute herumschwirren und herumsausen, von Objektivität entfernt sind, dann wird man nicht einmal den Antrieb in sich erleben, zu einer Klarheit, zu einer innerlichen Wahrhaftigkeit des Denkens zu kommen.

[ 8 ] Today, however, numerous judgments—which are publicly expressed and simply parroted, echoed, and reflected upon by a large number of people—are caught up in such self-contradictions. Our primary task is to strive—truly independent of all forms of national chauvinism—to arrive at clear, straightforward, and inwardly truthful thinking. One will not achieve this unless one first admits that the present is far removed from it. For if one has no sense of how far the judgments that are swirling and rushing about today are from objectivity, then one will not even experience the inner drive to attain clarity and inner truthfulness in one’s thinking.

[ 9 ] Ich wollte Ihnen an einem naheliegenden Beispiel von der Verkennung der Stellung der Dreigliederung zu dem eigentlichen geisteswissenschaftlichen Problem klarmachen, welche konfusen Urteile heute durch die Welt schwirren, und ich weiß sehr gut, daß solche Urteile blendend auf manche Menschen wirken, weil sie nicht nachdenken darüber, weil sie glauben, wenn der Betreffende sagt, die Anthroposophie solle sich nicht mit der Dreigliederung befassen, so habe das etwas für sich, denn es unterliege dem, daß eine geistige Bewegung nur dann gedeihen kann, wenn sie auf sich selbst gestellt ist. Aber das wird ja gerade angestrebt. Wer also so urteilt, wie ich es charakterisiert habe, der bleibt auf halbem Wege stehen.

[ 9 ] I wanted to use an obvious example to illustrate—by highlighting the misunderstanding of the relationship between the threefold social order and the actual problem of spiritual science—just how many confused opinions are circulating in the world today, and I know very well that such judgments have a dazzling effect on some people, because they do not reflect on them; because they believe that if the person in question says anthroposophy should not concern itself with the threefold social order, there must be some merit to it, since it follows that a spiritual movement can only flourish if it is left to its own devices. But that is precisely what is being strived for. So anyone who makes judgments as I have described them stops halfway.

[ 10 ] Aus solchen Voraussetzungen heraus möchte ich zur Selbstprüfung darüber anregen, wo überall im Gemüte unfertige Urteile sitzen, Urteile, zu denen die Unterlagen durchaus fehlen. Es ist nämlich — man kann das schon im allgemeinen sagen — so leicht, aus oberflächlichen Voraussetzungen heraus das oder jenes, was von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft gegeben wird, zu kritisieren. Wenn man die Tiefen nicht fühlt, aus denen heraus die Dinge geschöpft sind, dann kann man aus den alleroberflächlichsten Tagesstimmungen heraus über Anthroposophie urteilen. Daher erlebt man es ja auch so vielfach, daß Leute, die eigentlich kaum hereingerochen haben in das Gebiet der Anthroposophie, aus ihrer «Gescheitheit» heraus sogleich sagen: Damit kann ich übereinstimmen, damit kann ich nicht übereinstimmen — und so weiter. Die Aufgabe ist eigentlich für den, der richtig fühlen kann, immer diese, den Versuch zu machen, tiefer und tiefer erst in die Sache einzudringen, ein Gefühl dafür zu erhalten, wie Initiationswahrheiten eigentlich aus den Tiefen des Seins geschöpft sind. Denn wenn wir nun etwas tiefer das anfassen, was ich nun seiner Äußerlichkeit nach berührt habe, so kommt folgendes heraus.

[ 10 ] Based on these premises, I would like to encourage self-examination to identify where, throughout the mind, there are incomplete judgments—judgments for which the necessary background information is entirely lacking. For—and this can be said in general—it is so easy to criticize this or that aspect of anthroposophically oriented spiritual science based on superficial assumptions. If one does not sense the depths from which these things are drawn, then one can judge anthroposophy based on the most superficial of daily moods. That is why we so often see people who have barely even dipped their toes into the field of anthroposophy immediately declaring, out of their own “cleverness”: “I can agree with this,” “I cannot agree with that”—and so on. For those who can truly feel, the task is always to attempt to penetrate deeper and deeper into the matter, to gain a sense of how initiatory truths are actually drawn from the depths of being. For if we now explore a little more deeply what I have just touched upon in its outward form, the following emerges.

[ 11 ] Wir haben es in der neueren Geschichte erlebt, daß immer mehr und mehr im öffentlichen sozialen Organismus zusammengeflossen sind das Geistesleben, das Rechtsleben, das Wirtschaftsleben. Die modernen Parlamente streben danach, von sich aus die Entscheidungen zu treffen durch die Majoritätsbeschlüsse von Personen, die vielleicht gar nichts von den Sachen verstehen, über die man nur entscheiden kann, wenn man davon etwas versteht. Über alles mögliche, über Geistesleben, über Rechtsleben, über Wirtschaftsleben soll von den Einheitsparlamenten aus entschieden werden. In dem Augenblicke aber, wo das Geistesleben — nehmen wir dieses zuerst — abgetrennt wird von den beiden andern Gliedern, von dem rechtlich-staatlichen und von dem wirtschaftlichen Gebiete, wird das Geistesleben ganz an den Menschen selbst herangebracht. Das Geistesleben wird ein eigener Organismus. Das Geistesleben hat aus denselben Prinzipien heraus sich zu verwalten, aus denen es fortwährend geschöpft wird. Diejenigen Menschen, die dies oder jenes zu lehren haben, haben auch zu verwalten die Art und Weise, wie Lehrer angestellt, wie Schulen verwaltet werden. Das Geistesleben soll völlig frei auf sich selbst gestellt werden. Dadurch werden die individuellen menschlichen Fähigkeiten gerade auf dem Gebiet des Geisteslebens fortwährend aufgerufen. Dadurch wird fortwährend dasjenige, was auf dem Gebiet des Geisteslebens entschieden werden soll, abhängig gemacht von den Fähigkeiten der Menschen, von den Fähigkeiten derjenigen Menschen, die gerade in irgendeinem Zeitalter da sind. So soll es aber sein. Es sollen nicht diejenigen, die individuell zu diesem oder jenem fähig sind in irgendeinem Zeitalter, durch irgendwelche Staats- oder Parlamentsinstrumente verhindert werden können, ihre Fähigkeiten zur Geltung zu bringen. Dadurch wird das Geistesleben ganz und gar abhängig gemacht von dem Menschen. Dadurch aber, daß nichts anderes wirkt in der Entwickelung des Geisteslebens als die Menschen selber, wirkt das, was ich gestern charakterisiert habe, jenes Element des Geisteslebens, das sich fortentwickelt. Ich habe Raffael als ein Beispiel hervorragender, aber auch charakteristischer Art angeführt: Wenn seine Werke längst verlorengegangen sein werden, so wird das da sein in der Welt, daß er sich an den Werken entwickelt hat. Dieses innerliche Entwickelungsprinzip, das wird gemacht zu dem, was im Geistesleben wirkt, das heißt, es wird aus dem Geistesleben gerade durch die Abtrennung vorn Staate alles Luziferische ausgeschaltet. Und nur durch diese Abtrennung kann das Luziferische ausgeschaltet werden. Jedes von dem Staate abhängige Geistesleben ist mit luziferischen Impulsen durchsetzt. Es spielen in das Geistesleben dann Majoritätsbeschlüsse oder dergleichen hinein, die immer das verretuschieren, was von den menschlichen Individualitäten kommt, dadurch aber das scharfe Denken, das scharfe Wollen, das aus der menschlichen Individualität kommt, dann verwischen. Aber durch alles Verwischen dieser Schärfe entsteht eben gerade das luziferische Element im menschlichen Denken, im menschlichen Wollen. So daß wir sagen können: Alles Geistesleben, das mit dem Rechtsleben verknüpft ist, trägt den luziferischen Charakter. Und gerade um den luziferischen Charakter zu überwinden, der überwunden werden muß im öffentlichen Geistesleben, bedarf es der Lostrennung vom Rechtsleben. Der einzelne Mensch kann ihn nicht überwinden, denn traumhafte Elemente — ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht — müssen immer in sein Geistesleben hineinspielen. Aber die werden abgestoßen dadurch, daß der Mensch im sozialen Geistesleben drinnen ist, aber dieses Geistesleben abgetrennt ist vom Staate.

[ 11 ] We have seen in recent history that intellectual life, legal life, and economic life have increasingly converged within the public social organism. Modern parliaments strive to make decisions on their own through majority votes by people who may not understand anything about the matters at hand—matters that can only be decided upon if one has some understanding of them. Decisions on everything imaginable—intellectual life, legal life, and economic life—are to be made by these unified parliaments. But the moment spiritual life—let us take this first—is separated from the other two spheres, the legal-political and the economic, spiritual life is brought entirely to the individual himself. Spiritual life becomes an organism in its own right. Intellectual life must be administered according to the very same principles from which it is continually drawn. Those who are called upon to teach this or that must also manage the way in which teachers are hired and schools are administered. Spiritual life must be left entirely to its own devices. In this way, individual human abilities are continually called upon, particularly in the realm of spiritual life. Consequently, decisions regarding spiritual life are continually made dependent on human abilities—specifically, on the abilities of the people living in any given age. This is how it should be. Those who, as individuals, are capable of this or that in any given age should not be prevented by any state or parliamentary instruments from putting their abilities to use. In this way, spiritual life is made entirely dependent on human beings. But because nothing other than human beings themselves is at work in the development of spiritual life, what I characterized yesterday—that element of spiritual life which continues to develop—comes into play. I cited Raphael as an outstanding yet also characteristic example: even when his works have long since been lost, what will remain in the world is the fact that he developed himself through his works. This inner principle of development becomes the active force in spiritual life; that is to say, everything Luciferic is eliminated from spiritual life precisely through its separation from the state. And only through this separation can the Luciferic be eliminated. Any spiritual life dependent on the state is permeated with Luciferic impulses. Majority decisions or the like then come into play in spiritual life, which always gloss over what comes from human individualities, thereby blurring the sharp thinking and sharp willing that arise from human individuality. But it is precisely through this blurring of all sharpness that the Luciferic element arises in human thinking and human willing. So that we can say: All spiritual life linked to legal life bears a Luciferic character. And it is precisely in order to overcome this Luciferic character—which must be overcome in public spiritual life—that a separation from legal life is required. The individual cannot overcome it, for dreamlike elements—as I pointed out yesterday—will always find their way into his spiritual life. But these are repelled by the fact that the individual is immersed in social spiritual life, yet this spiritual life is separated from the state.

[ 12 ] Ebenso spielen in das Wirtschaftsleben, wenn es vom Staate verwaltet wird, ahrimanische Elemente hinein. Diese ahrimanischen Elemente, die in das Wirtschaftsleben, in die Verwaltung des Wirtschaftslebens, wenn der Staat beteiligt ist an diesem Wirtschaftsleben, hineinspielen, die werden einzig und allein dadurch beseitigt, daß das Wirtschaftsleben, wie ich hier oft betont habe, auf das Leben der Brüderlichkeit aufgebaut werde in Korporationen, Assoziationen und so weiter.

[ 12 ] Similarly, Ahrimanic elements come into play in economic life when it is administered by the state. These Ahrimanic elements, which come into play in economic life—in the administration of economic life—when the state is involved in that economic life, can be eliminated solely by building economic life, as I have often emphasized here, upon a spirit of brotherhood within corporations, associations, and so on.

[ 13 ] Sie sehen, es handelt sich darum, wirklich große Prinzipien geltend zu machen bei dieser Dreigliederung. In der Mitte bleibt dann das eigentliche Staatsgebilde, alles dasjenige nur, was sich auf das öffentliche Recht bezieht.

[ 13 ] As you can see, this threefold division is really about upholding fundamental principles. At the center remains the actual structure of the state—that is, everything related to public law.

[ 14 ] Nun erinnern Sie sich an etwas, was ich Ihnen hier schon auseinandergesetzt habe, was ich aber noch einmal für diejenigen, die das nicht gehört haben, wiederholen will. Der Mensch, indem er hier auf der Erde lebt zwischen Geburt und Tod, ist ja nicht bloß dieses Wesen, das hier zwischen Geburt. und Tod lebt, sondern er trägt in sich die Nachklänge desjenigen, was er durchlebt hat erstens in früheren Inkarnationen, aber namentlich desjenigen, was er durchlebt hat zwischen dem letzten Tode und der Geburt, die seinem jetzigen Leben vorangegangen ist. In dieser Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt haben wir in der geistigen Welt Erlebnisse durchgemacht, und diese Erlebnisse klingen nach in dem gegenwärtigen Leben. Und wie klingen sie nach im öffentlichen sozialen Leben? — So, daß alles, was die Menschen hineinbringen in das öffentliche Leben durch ihre Talente, durch ihre besonderen Begabungen, was also überhaupt das öffentliche Geistesleben ist, ja gar nicht von der Erde ist, sondern alles Nachklang ist aus dem vorirdischen Leben. Was Goethe als Goethe zwischen 1749 und 1832 geleistet hat, das ist alles influenziert von demjenigen, was er vor 1749 in der geistigen Welt erlebt hat; das hat er heruntergetragen. Und was hier auf der Erde an Kunst, Wissenschaft, an religiösen Impulsen bei den Menschen entwickelt wird, das heißt, was entwickelt wird als irdisches Geistesleben, das ist alles Nachklang des überirdischen Geisteslebens, wie es die Menschen durch die Pforte der Geburt hier hereinbringen. Wenn Sie die Literatur nehmen, wenn Sie die Kunst nehmen, all das, was da drinnen ist, ist heruntergeschickt aus den geistigen Welten. Wir haben also in diesem sozialen Leben hinsichtlich der Kräfte ein Element drinnenstecken, das uns einfach heruntergeschickt wird aus den geistigen Welten. Die Menschen bringen es herunter, indem sie durch die Pforte der Geburt hier eintreten in diese Welt zwischen der Geburt und dem Tode. Dasjenige aber, was im Wirtschaftsleben gewirkt wird durch Brüderlichkeit oder Unbrüderlichkeit, was die Menschen füreinander tun, wirtschaften, das hat, so sonderbar es klingt, nicht nur eine Bedeutung für dieses Leben zwischen Geburt und Tod, sondern gerade eine große Bedeutung für das Leben nach dem Tode. Da ist es zum Beispiel schon von Bedeutung, ob ich mein ganzes Leben hindurch als Neidhammel handle und mich so verhalte, daß der Neid mein Prinzip ist, oder ob ich aus Menschenliebe handle. Das Handeln, insofern es in das öffentliche Leben einfließt, insofern es die Menschen miteinander in Berührung bringt, dieses Handeln hat nicht nur eine Bedeutung hier für die Erde, sondern dieses Handeln wird in seinem Effekt durch die Pforte des Todes durchgetragen und hat eine Bedeutung durch das ganze Leben zwischen dem Tod, der uns trifft nach diesem Erdenleben, und dem nächsten Erdenleben. So daß wir sagen können: Dasjenige, was sich hier abspielt als wirtschaftliches Leben, das ist die Ursache, wie Menschen leben werden zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 14 ] Now, please recall something I have already explained to you here, but which I would like to repeat for those who did not hear it. The human being, living here on Earth between birth and death, is not merely this being who lives here between birth and death, but carries within themselves the echoes of what they have experienced—first, in earlier incarnations, but especially what they experienced between their last death and the birth that preceded their present life. During this time between death and a new birth, we have undergone experiences in the spiritual world, and these experiences resonate in our present life. And how do they resonate in public social life? — In such a way that everything people bring into public life through their talents and special gifts—in other words, the entire public spiritual life—does not originate from the Earth at all, but is entirely a resonance from pre-earthly life. What Goethe, as Goethe, accomplished between 1749 and 1832 is all influenced by what he experienced in the spiritual world before 1749; he brought that down with him. And what is developed here on Earth in terms of art, science, and religious impulses among human beings—that is, what is developed as earthly spiritual life—is all an echo of the super-earthly spiritual life, as people bring it in through the gateway of birth. If you take literature, if you take art, everything contained within them has been sent down from the spiritual worlds. So in this social life, with regard to the forces at work, we have an element embedded within us that is simply sent down to us from the spiritual worlds. People bring it down by entering this world through the gateway of birth, into the life between birth and death. But what is brought about in economic life through brotherhood or lack thereof—what people do for one another, how they conduct their economic affairs—has, strange as it may sound, significance not only for this life between birth and death, but also, and indeed, great significance for life after death. For example, it is significant whether I act out of envy my entire life and behave in such a way that envy is my guiding principle, or whether I act out of love for my fellow human beings. Action—insofar as it flows into public life, insofar as it brings people into contact with one another—this action is not only significant here on Earth, but its effect is carried through the gate of death and has significance throughout the entire life between the death that befalls us after this earthly life and the next earthly life. So we can say: What unfolds here as economic life is the cause of how people will live between death and a new birth.

[ 15 ] Wenn zum Beispiel eine wirtschaftliche Ordnung bloß auf Egoismus aufgebaut ist, so bedeutet das, daß die Menschen im hohen Grade Einsiedler werden zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, daß sie die größten Schwierigkeiten haben, andere Menschenwesen zu finden, kurz, es hat eine riesige Bedeutung für das Leben zwischen dem Tod und der nächsten Geburt, wie der Mensch sich hier wirtschaftlich verhält.

[ 15 ] If, for example, an economic system is based solely on selfishness, this means that people become, to a high degree, recluses between death and a new birth; that they have the greatest difficulty finding other human beings; in short, the way people behave economically here has enormous significance for life between death and the next birth.

[ 16 ] Es bleibt daher einzig und allein als rein irdisch das Rechts- oder Staatsleben. Das hat weder eine Bedeutung für vorgeburtliches Leben noch für das nachtodliche Leben, das hat nur eine Bedeutung für das, was hier auf der Erde geschieht. Trennen wir reinlich ab dieses rechtsstaatliche Leben von den beiden andern Gebieten, so trennen wir das Irdische ab von allem Überirdischen, das hier auf die Erde hereinspielt. Es liegen also große Prinzipien auch in dieser Beziehung in der Dreigliederung des sozialen Organismus. Wir gliedern in drei Glieder aus dem Grunde, weil wir die verschiedensten Gebiete, die mit dem Übersinnlichen etwas zu tun haben, von demjenigen abtrennen müssen, was nur mit dem Sinnlichen zwischen der Geburt und dem Tode etwas zu tun hat. Was der Mensch auf dem Wege entscheiden kann, der allein Majoritätsbeschlüsse möglich macht, das kann nur hier für die Erde eine Bedeutung haben. Was der Mensch durch seine Talente, durch seine Fähigkeiten, die ihm, wie man sagt, angeboren sind, die aber auf die Weise erworben sind, wie ich es eben jetzt charakterisiert habe, leistet, das leistet er als Menschenindividualität. Und in dem Augenblicke regiert der «Fürst dieser Welt», um einen alten Ausdruck zu gebrauchen, wo man eben durch Majoritätsbeschlüsse irgendwie die Individualität beeinträchtigt. Majoritätsbeschlüsse können einzig und allein sich auf dasjenige beziehen, noch einmal sei es gesagt, was für die irdischen Verhältnisse eine Bedeutung hat; denn für dasjenige, was nach dem Tode Bedeutung hat, muß wiederum Menschenliebe, Humanität, Wohlwollen, was wiederum ganz individuell ist und nur individuell sein kann, seine Kraft entfalten.

[ 16 ] Therefore, legal and political life remains the only purely earthly realm. It has no significance for life before birth or for life after death; it has significance only for what happens here on Earth. If we clearly separate this life governed by the rule of law from the other two spheres, we separate the earthly from everything supernatural that influences life here on Earth. Thus, there are also great principles in this regard within the threefold structure of the social organism. We divide into three parts for the reason that we must separate the most diverse realms—which have something to do with the supersensible—from that which has to do only with the sensible realm between birth and death. What a person can decide through the process that alone makes majority decisions possible can only have significance here on Earth. What a human being accomplishes through his talents, through his abilities—which, as one says, are innate but are acquired in the manner I have just described—he accomplishes as a human individuality. And at the very moment when majority decisions somehow impair individuality, the “prince of this world,” to use an old expression, reigns. Majority decisions can relate solely—let me say this again—to what has significance for earthly circumstances; for that which has significance after death, love for humanity, humanity, and goodwill—which are, in turn, entirely individual and can only be individual—must unfold their power.

[ 17 ] Damit weise ich Sie hin auf dasjenige, was für die Bekräftigung der Dreigliederungsidee nur aus der Initiationswissenschaft heraus gewonnen werden kann. Worauf beruht denn aber eigentlich alles Hereinragen des Luziferischen und des Ahrimanischen in unsere Welt? Das Hereinragen alles Luziferischen und Ahrimanischen in unsere Welt beruht darauf, daß aus andern Graden des Bewußtseins irgend etwas in unsere Welt hereinfließt, als die normalen Grade des Bewußtseins sind. Wenn wir durch die Pforte der Geburt gehen, treten wir aus einem normalen Bewußtseinsstadium, das ganz anderer Art ist als das irdische hier, in dieses irdische Bewußtseinsstadium ein. Gerade jetzt, für unseren fünften nachatlantischen Zeitraum, ist das Traumesbewußtsein abnorm: das Tagesbewußtsein, das durchzogen ist von den Bildern des Traumes. Lassen wir Träume herein in unser Denken, so vermischen wir das, was wir bloß haben sollten durch unser vorgeburtliches Leben, mit dem, was zwischen Geburt und Tod sich abspielt. Und diese Mischung, die ist gerade für Luzifer ganz besonders geeignet, seine Ziele, nicht die normalen göttlichen Ziele der Erde, mit uns zu erreichen. Alles Hereinspielen des abnormalen Traumhaften in die gegenwärtige Bewußtseinsswelt kann daher nur zur Luziferisierung der Menschheit führen. Normal ist für unser Bewußtsein, wenn wir so lange träumerisch uns erziehen lassen, als unser Bewußtsein noch ein träumerisches ist, nämlich während der Kindheit. Wenn wir dieselbe Beziehung zur Welt, die während der Kindheit ganz gut ist, wo wir zum Beispiel sprechen lernen sollen, das wir wie im Traume lernen, fortsetzen über die Kindheit hinaus, was ein großer Teil der heutigen Menschheit tut, dann öffnen wir Luzifer die Türen und Tore und Fenster und alles, was wir nur öffnen können, in unser Bewußtsein herein. Wenn wir daher nicht tiefer begründet, als es begründet ist, wenn uns etwas träumt, öffentliche Urteile annehmen, dann öffnen wir dadurch Luzifer fortwährend die Tore. Wenn wir zum Beispiel von irgendwelcher Seite her befohlen bekommen, daß wir den oder jenen für einen «großen Staatsmann» oder einen «großen Fürsten» oder einen für «unschuldig am Kriege» oder für einen «großen Feldherrn» anzusehen haben, ohne daß wir das prüfen, so ist das, warum wiir ein solches Urteil bilden, gar nicht verschieden von den Gründen, warum wir irgend etwas träumen.

[ 17 ] I am thus drawing your attention to what can be derived solely from the science of initiation to support the idea of the threefold social order. But on what, in fact, does the entire intrusion of the Luciferic and the Ahrimanic into our world actually rest? The intrusion of all that is Luciferic and Ahrimanic into our world is based on the fact that something flows into our world from other levels of consciousness than the normal levels of consciousness. When we pass through the gateway of birth, we emerge from a normal stage of consciousness—which is of an entirely different nature than the earthly one here—and enter this earthly stage of consciousness. Precisely now, in our fifth post-Atlantean epoch, dream consciousness is abnormal: it is the waking consciousness that is permeated by the images of dreams. If we allow dreams to enter our thinking, we mix what we should have acquired solely through our pre-birth life with what takes place between birth and death. And this mixture is particularly well-suited for Lucifer to achieve his goals—not the normal divine goals of the Earth—through us. Any intrusion of the abnormal dreamlike into the present world of consciousness can therefore only lead to the Luciferization of humanity. It is normal for our consciousness to be shaped by dreamlike influences only as long as our consciousness is still dreamlike—namely, during childhood. If we continue beyond childhood the same relationship to the world—which is perfectly fine during childhood, when, for example, we are supposed to learn to speak as if in a dream—as a large part of humanity does today, then we open the doors, gates, windows, and everything else we can possibly open to let Lucifer into our consciousness. Therefore, if we accept public opinions without a deeper foundation than is actually there—when we are merely dreaming—we thereby continually open the gates to Lucifer. If, for example, we are ordered from some quarter to regard this or that person as a “great statesman” or a “great prince” or as “innocent of the war” or as a “great military leader,” without examining the matter, then the reason we form such a judgment is no different from the reasons why we dream anything at all.

[ 18 ] Ein großer Teil der gegenwärtigen Menschheit hat bis vor kurzem Woodrow Wilson für einen großen Mann gehalten, weil er den Unsinn der «Vierzehn Artikel» in die Welt geschickt hat. Fragen Sie, mit welcher inneren Bekräftigung die Menschen das getan haben, so finden Sie keinen Unterschied zwischen der Bekräftigung, die die Menschen gefühlt haben, Woodrow Wilson für einen großen Mann zu halten, und der Bekräftigung, die Sie fühlen, wenn Sie irgend etwas träumen. Der Traum kommt Ihnen mit derselben inneren Willkür oder Unwillkür, wie Ihnen das Urteil über Woodrow Wilson und seine «Vierzehn Unsinne» gekommen ist. Es ist kein Unterschied, ob man auf diese Weise voll bewußt träumt oder ob man schlafend träumt. Es ist kein Unterschied, ob man auf die Stimmen der Außenwelt hin Ludendorff für einen großen Feldherrn oder Clemenceau für einen großen Staatsmann hält oder ob man in der Nacht dieses oder jenes träumt. Aber auf diese Dinge muß die Menschheit aufmerksam werden. Denn bei dem Bemerken solcher Dinge tritt zu gleicher Zeit das Urteil in uns ein, wie wir vom Luziferischen in der Welt ergriffen werden. Denn wir werden vom Luziferischen in der Welt dadurch ergriffen, daß wir namentlich bewußt träumen. In bezug auf dieses öffentliche Urteilen ist ein großer Teil der Menschheit der Gegenwart wirklich recht kindisch gewesen und ist weiterhin kindisch.

[ 18 ] Until recently, a large portion of the world’s population considered Woodrow Wilson a great man because he put the nonsense of the “Fourteen Points” out into the world. If you ask with what inner conviction people did this, you will find no difference between the conviction people felt in regarding Woodrow Wilson as a great man and the conviction you feel when you dream anything. The dream comes to you with the same inner arbitrariness or involuntariness as the judgment you formed about Woodrow Wilson and his “Fourteen Nonsenses.” There is no difference between dreaming in this way while fully conscious and dreaming while asleep. It makes no difference whether, influenced by the voices of the outside world, one considers Ludendorff a great military leader or Clemenceau a great statesman, or whether one dreams of this or that at night. But humanity must become aware of these things. For when we notice such things, the judgment arises within us at the very moment we are seized by the Luciferic forces in the world. For we are seized by the Luciferic forces in the world precisely because we dream consciously. With regard to this public judgment, a large part of present-day humanity has truly been quite childish and continues to be so.

[ 19 ] Das sind Dinge, die heute ernster erwogen werden müssen, als wirklich mancher meint. Und auf der andern Seite handelt es sich darum, daß wir lernen vom Leben. Denn in bezug auf unseren Willen schlafen wir fortwährend, das habe ich ja oft gesagt. Ich habe Ihnen auseinandergesetzt: Sie haben zwar die Vorstellungen von dem, was Sie tun, aber nicht einmal, was die Hand innerlich ausführt, wenn sie sich bewegt; davon hat der Mensch gewöhnlich keine Vorstellung. Von diesem merkwürdigen Prozesse, der mit dem menschlichen Wollen zusammenhängt, hat der Mensch so wenig eine Vorstellung, wie er von dem eine Vorstellung hat, was er im tiefen Schlafe tut. Das Wollen ist ein waches Schlafen in der Regel. Dieses Wollen muß immer mehr und mehr zum Bewußtsein erhoben werden. Das wird noch ein langer Prozeß sein, wie das Wollen zum Bewußtsein erhoben wird im Verstehen der Erdenzeit. Partiell zum Bewußtsein erhoben wird es — auf einem kleinen Gebiete, bei andern Gebieten auch, aber ganz hervorragend auf einem Gebiete — zum Beispiel durch unsere Eurythmie. Da werden Bewegungen ausgeführt aus dem vollen Bewußtsein heraus. Da wird das Wollen wirklich vom vollen Bewußtsein durchsetzt. Daher habe ich öfter jetzt auseinandergesetzt in der Einleitung zur eurythmischen Vorstellung, daß es darauf ankommt, daß gerade die Eurythmisten alles schläfrige Wesen bekämpfen und gerade nach dem Gegenteil des Träumerischen hin arbeiten. Es ist ein großer Fehler, wenn Eurythmie nicht im vollsten überwachen Zustande ausgeführt wird, sondern wenn sie ausgeführt wird so, daß man glaubt, man kann auch in die Eurythmie hinein «mysteln». «Mysteln» kommt von Mystik. Es ist schon sehr schlimm, ins gewöhnliche Leben hinein zu mysteln, um so schlimmer, wenn etwas, was gewollt sein soll, was das Gegenbild des Traumes sein soll, durchmystelt wird. Das vom vollen Bewußtsein durchsetzte Wollen muß aber auch für das übrige Leben immer mehr und mehr angestrebt werden.

[ 19 ] These are matters that must be taken more seriously today than many people actually realize. And on the other hand, it is a matter of learning from life. For when it comes to our will, we are constantly asleep—as I have often said. I have explained to you: You do have an idea of what you are doing, but not even of what the hand is doing internally when it moves; people usually have no idea of that. People have as little idea of this remarkable process, which is connected to human volition, as they do of what they do in deep sleep. Volition is, as a rule, a waking sleep. This volition must be raised more and more to the level of consciousness. It will still be a long process—the process of raising volition to consciousness in the context of understanding the Earth period. It is raised to consciousness in part—in a small area, and in other areas as well, but most notably in one area—for example, through our eurythmy. There, movements are performed out of full consciousness. There, the will is truly permeated by full consciousness. That is why I have often emphasized in the introduction to the eurythmy performance that it is essential for eurythmists, in particular, to combat all sleepiness and to work toward the very opposite of dreaminess. It is a great mistake if eurythmy is not performed in a state of full wakefulness, but rather if it is performed in such a way that one believes one can “mystify” even within eurythmy. “Mysteln” comes from “mysticism.” It is bad enough to let mysticism creep into ordinary life; it is even worse when something that is meant to be intentional—something that is meant to be the antithesis of a dream—is allowed to become shrouded in mysticism. Yet the will, permeated by full consciousness, must also be increasingly sought after in the rest of life as well.

[ 20 ] Wiederum haben wir hier einen Fall, wo ein großer Teil der Menschheit nach dem Gegenteil hin arbeitet, nach dem Gegenteil dessen, was gerade als eine Grundforderung unserer Zeit uns vor Augen stehen sollte. Eine Grundforderung unserer Zeit ist diese, das Leben mit Bewußtsein zu durchdringen, nicht nur mit Verstand. Verstand ist etwas sehr Einseitiges. Die Menschen glauben heute gar, übersinnliche Wahrheiten auf mystischem Wege zu gewinnen, indem sie Medien dazu benützen, das heißt das Bewußtsein soviel wie möglich herabstimmen. Es gibt keinen luziferisch-ahrimanischeren Weg zur geistigen Welt als den spiritistischen. Das führt durchaus auf der einen Seite, beim Medium, in die Nähe zu Luzifer, auf der andern Seite, bei denen, die sich vom Medium ihre «Wahrheiten» sagen lassen, zum Ahrimanismus. Und der Inhalt solcher Wahrheiten, dieser sogenannten Wahrheiten, ist auch danach. Denn, was das Medium zu sagen hat über Außersinnliches, das ist nicht etwa etwas Höheres als das Sinnliche. Das Sinnliche hat eine gewisse Bedeutung durch die ganze Erdenzeit hindurch. Was Medien zu sagen haben, hat nur durch einen ganz kurzen Zeitraum eine Bedeutung, wenn es auf Wahrheit beruht, selbstverständlich. Es hat nur eine Bedeutung für gewisse elementare geistige Wirkungen einen kurzen Zeitraum hindurch, so daßß? man immer noch Höheres erfährt, wenn man sein ganzes Leben nichts anderes tut, als durch seine gesunden Augen schauen, durch seine gesunden Ohren hören, als wenn man sich durch Medien etwas über das Außersinnliche sagen läßt.

[ 20 ] Once again, we have a case here where a large part of humanity is working toward the opposite—the opposite of what should be before our eyes as a fundamental requirement of our time. A fundamental requirement of our time is to permeate life with consciousness, not merely with the intellect. The intellect is something very one-sided. People today even believe they can attain supersensible truths through mystical means by using mediums—that is, by tuning their consciousness down as much as possible. There is no path to the spiritual world more Luciferic and Ahrimanic than the spiritualist one. On the one hand, this leads the medium into the vicinity of Lucifer; on the other hand, it leads those who have the medium tell them their “truths” toward Ahrimanism. And the content of such “truths”—these so-called truths—is consistent with this. For what the medium has to say about the supersensible is not, by any means, something higher than the sensible. The sensible has a certain significance throughout the entire earthly era. What mediums have to say has significance only for a very brief period of time—provided, of course, that it is based on truth. It has significance only for certain elementary spiritual effects over a brief period of time, so that… one still experiences something higher if one spends one’s entire life doing nothing but seeing through one’s healthy eyes and hearing through one’s healthy ears, than if one allows mediums to tell one something about the supersensible.

[ 21 ] Aus diesen und ähnlichen Dingen können Sie entnehmen, daß auf der einen Seite in unserer Zeit große Forderungen nach der Erneuerung des Geisteslebens da sind, daß aber auch das da ist, was man nennen kann ein scharfes Entgegenarbeiten gegen die wirklichen, unserer Zeit gewachsenen Quellen des Geisteslebens. Die Menschen sträuben sich heute gegen das Hereindrängen des Geistigen in die physisch-sinnliche Welt. Dieses Sich-Sträuben, das ist es, was Ihnen ja auf allen möglichen Gebieten entgegentreten kann und was Sie herauserkennen sollen aus den verschiedenen Bekämpfungen derjenigen Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist. Diese Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, ist sich klar darüber, daß auch dasjenige, was in das öffentliche soziale Leben hineinkommen soll, in der Zukunft durchaus aus den Initiationsquellen heraus fließen muß. Was da geltend gemacht wird, wie zum Beispiel die Dreigliederung, das mag ja gewissen Leuten heute nicht gefallen. Es gibt Menschen, die da sagen: Mir gefällt dies oder jenes nicht daran. — Diese Menschen sollten wiederum begreifen lernen, was ganzes Denken ist. Es kommt ja im Leben nicht auf das an, was uns gefällt oder nicht gefällt. Ich kannte einmal eine Dame — ich habe es schon öfter erzählt —, die ließ sich mancherlei erzählen über Geisteswissenschaft. Dann sagte sie: Ja, aber die Wiederverkörperung, die wiederholten Erdenleben, das ist etwas, das mir nicht gefällt; ich will nicht wieder auf die Erde kommen. — Man konnte ihr nach und nach begreiflich machen, daß es nicht darauf ankäme, ob sie will oder nicht, namentlich, daß es nicht darauf ankäme, ob sie in diesem Leben will oder nicht, denn sie wisse ja noch nicht, was sie wollen werde zwischen dem Tode und einer neuen Geburt; da werde sie schon wollen wiederkommen. — Nun schien sie das nach und nach zu begreifen und ging auch weg, indem sie sagte, Jetzt begreife sie es. Es war das in Berlin. Von Stettin aus schrieb sie dann eine Karte, sie glaube doch nicht daran; es gefiele ihr doch nicht, wiederum auf die Erde zu kommen. — Da reißt das Denken dynamisch ab; es kann auch mechanisch abreißen. Auch davon haben wir auf unserem Boden selbst schon ein Beispiel erlebt. Das Beispiel ist sehr einleuchtend; aber daß es anwendbar ist auf vieles, was die Menschen denken, das ist weniger einleuchtend. Ich hatte einmal bei einer Versammlung auseinanderzusetzen, wie die Menschenwesen in der Reinkarnation wiederkommen, mit ihren individuellen Menschenseelen wieder erscheinen. Tiere, mußte ich sagen, haben eine Gruppenseele; und während beim Menschen es so ist, daß er eine individuelle Seele hat, diese individuelle Seele bewahrt für die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, mit seiner individuellen Seele wiederum erscheint und so weiter, ist es beim Tier, das die Gruppenseele hat, so, daß es beim Tode in die ganze Gruppe hineingenommen wird, daß jedes einzelne Tier dann wieder herausgegliedert wird bei der Geburt und gleichsam wie durch einen Fangarm wieder eingezogen wird in die Gruppenseele nach dem Tode. Da fing eine Dame an zu polemisieren: Ja, das sehe sie ein für alle Tiere, nur nicht für ihren Hund — den sie ganz besonders gern hatte; denn den hat sie so erzogen, daß er so stark eine individuelle Seele hat, daß er als Individualität wieder erscheinen wird! — Nachher hatte ich ein Gespräch mit einer anderen Dame, die sagte: Wie dumm ist doch die Dame gewesen, zu glauben, daß ihr Hund, der doch nur eine Gruppenseele hat, als Individualität wiederkehrt. Ich habe das gleich eingesehen, daß das nicht sein kann. Aber mein Papagei, der kehrt sicher als Individualität wieder, das ist etwas anderes!

[ 21 ] From these and similar examples, you can see that, on the one hand, there are great demands in our time for a renewal of spiritual life, but that there is also what one might call a fierce opposition to the genuine sources of spiritual life that have grown out of our time. People today resist the influx of the spiritual into the physical-sensory world. This resistance is what you may encounter in all sorts of areas, and it is what you should recognize in the various forms of opposition to spiritual science as it is understood here. This spiritual science, as it is meant here, is clearly aware that even what is to enter public social life must, in the future, flow entirely from the sources of initiation. What is asserted here—such as the threefold social order—may not please certain people today. There are people who say: “I don’t like this or that about it.” — These people, in turn, should learn to understand what integral thinking is. After all, life does not depend on what we like or dislike. I once knew a lady—I have told this story many times before—who listened to all sorts of things being said about spiritual science. Then she said: “Yes, but reincarnation, repeated earthly lives—that is something I do not like; I don’t want to come back to Earth.” — Little by little, it was possible to help her understand that it didn’t depend on whether she wanted to or not—specifically, that it didn’t depend on whether she wanted to in this life, because she didn’t yet know what she would want between death and a new birth; by then, she would certainly want to come back. — Now she seemed to grasp this little by little and went on her way, saying, “Now I understand.” That was in Berlin. From Stettin she then wrote a postcard saying she didn’t believe it after all; she wouldn’t like to return to Earth again. — That’s when thinking comes to an abrupt halt; it can also come to a mechanical halt. We’ve even experienced an example of this ourselves right here. The example is very illuminating; but the fact that it applies to much of what people think is less so. I once had to explain at a gathering how human beings return in reincarnation, reappearing with their individual human souls. Animals, I had to say, have a group soul; and while it is the case with humans that they have an individual soul—which they preserve for the time between death and a new birth, reappearing with their individual soul, and so on— with animals, which have a group soul, it is the case that upon death they are absorbed into the entire group, that each individual animal is then separated out again at birth and, as it were, drawn back into the group soul after death as if by a tentacle. At that point, a lady began to argue: “Yes, I can see that for all animals, just not for my dog—whom I was particularly fond of; for I raised him in such a way that he has such a strong individual soul that he will reappear as an individual!” — Later, I had a conversation with another lady who said: “How foolish that lady was to believe that her dog, who after all has only a group soul, would return as an individual.” I realized right away that that couldn’t be true. But my parrot—he’ll surely return as an individual; that’s something else entirely!

[ 22 ] Gewißs, über diese Dinge läßt sich lachen; aber an diesen Dingen bemerkt man es eben, wenn man die Denkfehler macht. An dem, was ich Ihnen gesagt habe bezüglich der angeblichen Konfundierung von Dreigliederung mit Geisteswissenschaft, merkt man sein kurzes Denken nicht! Ich habe es erlebt, wie in diesen letzten fünf Jahren zahlreiche Urteile ganz nach dem Muster dieses Papageienurteils gefällt worden sind, wie die Menschen in einem Landesgebiete begriffen haben, wie es überall sonst beschaffen ist, aber bei ihnen war es immer etwas anderes, ganz nach dem Muster des Papagei-Wiederkehrens. Es handelt sich darum, daß wir diese Dinge wirklich in der Gegenwart ernst nehmen und daß wir einsehen können: Es muß auch in das soziale Leben die Initiationswissenschaft hereinfließen können, daß wir uns keiner Täuschung hingeben über den Unterschied zwischen dem, was wir denken möchten, und dem, was real ist. Es kann deshalb heute vielen Menschen unangenehm sein, die Dreigliederung zu propagieren. Aber es gibt heute in der Welt zwei Dinge, und derjenige, der ehrlich und aufrichtig die Welt ansieht, der sich keinen Illusionen hingibt, der sieht es, daß es diese zwei Dinge gibt: entweder Bolschewismus über die ganze Welt oder Dreigliederung! Sie mögen ja vielleicht die Dreigliederung nicht mögen; dann entscheiden Sie sich eben für eine alte Weltenordnung! — Aber bedenken Sie doch nur einmal, was übriggeblieben ist von einem großen Teil von Europa in den letzten vier bis fünf Jahren! Nehmen Sie die einzelnen Teile. Da haben Sie zum Beispiel Deutsch-Österreich; so wie es — von einzelnen Persönlichkeiten, die ich in meinem Buche «Vom Menschenrätsel» herausgehoben habe, abgesehen — in seiner Gesamtsubstanz ist, rührt diese Gesamtsubstanz aus dem katholischen Prinzip des 8. und 9. nachchristlichen Jahrhunderts her. Das lebte noch da, das konnte künstlich erhalten werden unter dem erst naturgemäßen Zusammenhaltungsprinzip des sogenannten Habsburger Hauses, dann des ganzen unnatürlichen Zusammenhaltungsprinzips der ÖsterreichischUngarischen Monarchie. Oder nehmen Sie das, was zum Beispiel die ehemaligen Länder der heiligen Stephanskrone sind, Ungarn: es ist seiner ganzen Konstitution nach das, was es geworden ist im Jahre 1000! Und so könnten wir von allen einzelnen Gebieten angeben, worauf eigentlich das Wesentliche dieser Gesamtsubstanz beruht. Es ist sogar gar nicht bequem, diese Dinge in der Gegenwart den Menschen zu sagen, denn die Menschen wollen nicht unbefangen auf solche Verhältnisse hinblicken. Wie soll man aber glauben, daß einfach, indem man diese Trümmer, die alt und morsch geworden sind, denn sie stammen in ihrer Gesamtsubstanz aus dem 8., 9. Jahrhundert oder aus dem Jahre 1000 und so weiter, zusammenfügt, sie sich heute zu haltbaren Gebilden zusammenschweißen lassen! Nein, da nützt nur ein wirkliches Erneuern des seelischen Lebens. Das aber muß ja tatsächlich ergriffen werden. Deshalb muß man sich immer wiederum an das Verantwortlichkeitsgefühl der Menschen wenden, dieses Seelenleben sich einmal anzuschauen. Wird es angeschaut, dann wird man sich ihm auch zuwenden.

[ 22 ] Certainly, these things are laughable; but it is precisely in these things that one notices when one makes errors in thinking. In what I have told you regarding the alleged confusion of the threefold social order with spiritual science, one does not notice his shallow thinking! I have witnessed how, over the past five years, numerous judgments have been made entirely along the lines of this “parrot-like” judgment—how people in one region have assumed that things are the same everywhere else, but for them it was always something different, exactly following the pattern of parrot-like repetition. The point is that we must take these matters seriously in the present and recognize that the science of initiation must also be able to flow into social life, so that we do not delude ourselves about the difference between what we would like to think and what is real. That is why it may be uncomfortable for many people today to advocate for the threefold social order. But there are two things in the world today, and anyone who looks at the world honestly and sincerely, who does not succumb to illusions, can see that these two things exist: either Bolshevism over the whole world or the threefold social order! You may not like the threefold social order; in that case, you are simply opting for the old world order! — But just consider for a moment what has become of a large part of Europe over the last four to five years! Take the individual parts. There is, for example, German-Austria; as it is—apart from certain individuals whom I have highlighted in my book *The Riddle of Man*—in its overall substance, this substance stems from the Catholic principle of the 8th and 9th centuries A.D. That essence was still alive there; it could be artificially preserved first under the naturally based principle of cohesion of the so-called House of Habsburg, and then under the entirely unnatural principle of cohesion of the Austro-Hungarian Monarchy. Or take, for example, the former lands of the Holy Crown of St. Stephen—Hungary: in its entire constitution, it is exactly what it had become by the year 1000! And so we could point out, for each individual region, what the very essence of this overall substance actually rests upon. It is, in fact, quite uncomfortable to tell people these things today, for people do not wish to view such circumstances with an open mind. But how can one believe that simply by piecing together these ruins—which have grown old and rotten, since their entire substance dates back to the 8th, 9th centuries, or the year 1000, and so on—they can be fused into durable structures today! No, the only thing that helps is a genuine renewal of spiritual life. But this must actually be taken to heart. That is why we must repeatedly appeal to people’s sense of responsibility to take a look at this inner life. If they look at it, then they will also turn toward it.

[ 23 ] Über diese Verhältnisse und namentlich über den Bezug dessen, was ich heute gesagt habe, zu der besonderen Auffassung des ChristusPrinzipes, werde ich dann morgen weitersprechen.

[ 23 ] I will continue speaking tomorrow about these circumstances and, in particular, about how what I have said today relates to the specific understanding of the Christ Principle.