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Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196

8 February 1920, Dornach

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Geistige und soziale Wandlungen in der Menschheitsentwickelung
  1. Spiritual and Social Transformations in Human Evolution, tr. SOL

Zwölfter Vortrag

Zwölfter Vortrag

[ 1 ] Es ist vielleicht nicht allzu bekannt, wie im Laufe der Zeiten sich nicht nur die ganzen Seelenverfassungen der Menschen ändern, sondern wie auch dasjenige einer Verwandlung unterworfen ist, was man im sozialen Leben für den Menschen als notwendig hält. Ich habe solche Dinge in vorhergehenden Betrachtungen schon wiederholt eingeschoben. Ich habe zum Beispiel erwähnt, wie es im alten Römischen Reich durchaus nicht eine allgemeine Volksanforderung war, daß alle Menschen als Kinder das Einmaleins als Grundlage des Rechnens lernten, daß es dagegen ganz allgemein war, daß jedes Kind, das heranwuchs, die Zwölftafelgesetze kannte. Die Ansicht darüber, was so Allgemeinanschauung, Allgemeinkenntnis innerhalb der Menschheit sein soll, hat sich im Laufe der Zeiten sehr geändert. Diese Dinge hängen zusammen mit der ganzen Entwickelung der Menschheit. Um darüber das Nötige einzusehen, ist es doch erforderlich, sich die wahre Gestalt der Entwickelungsvorgänge der Menschheit einmal vor Augen zu führen.

[ 1 ] Es ist vielleicht nicht allzu bekannt, wie im Laufe der Zeiten sich nicht nur die ganzen Seelenverfassungen der Menschen ändern, sondern wie auch dasjenige einer Verwandlung unterworfen ist, was man im sozialen Leben für den Menschen als notwendig hält. Ich habe solche Dinge in vorhergehenden Betrachtungen schon wiederholt eingeschoben. Ich habe zum Beispiel erwähnt, wie es im alten Römischen Reich durchaus nicht eine allgemeine Volksanforderung war, daß alle Menschen als Kinder das Einmaleins als Grundlage des Rechnens lernten, daß es dagegen ganz allgemein war, daß jedes Kind, das heranwuchs, die Zwölftafelgesetze kannte. Die Ansicht darüber, was so Allgemeinanschauung, Allgemeinkenntnis innerhalb der Menschheit sein soll, hat sich im Laufe der Zeiten sehr geändert. Diese Dinge hängen zusammen mit der ganzen Entwickelung der Menschheit. Um darüber das Nötige einzusehen, ist es doch erforderlich, sich die wahre Gestalt der Entwickelungsvorgänge der Menschheit einmal vor Augen zu führen.

[ 2 ] Bevor es eine Bevölkerung, so wie wir sie jetzt kennen, in Europa, in Asien, in Afrika, auch in Amerika gab, war ein ausgedehnter Kontinent an der Stelle, wo jetzt der Atlantische Ozean ist. Im wesentlichen war also Erdoberfläche einmal die Gegend zwischen Europa, Afrika auf der einen Seite, Amerika auf der andern Seite, in einer Zeit, als der größte Teil von Europa, Afrika, Asien und Amerika unter Wasser stand.

[ 2 ] Bevor es eine Bevölkerung, so wie wir sie jetzt kennen, in Europa, in Asien, in Afrika, auch in Amerika gab, war ein ausgedehnter Kontinent an der Stelle, wo jetzt der Atlantische Ozean ist. Im wesentlichen war also Erdoberfläche einmal die Gegend zwischen Europa, Afrika auf der einen Seite, Amerika auf der andern Seite, in einer Zeit, als der größte Teil von Europa, Afrika, Asien und Amerika unter Wasser stand.

[ 3 ] Wir wissen, daß dieser atlantische Kontinent, so nennen wir ihn, untergegangen ist infolge einer bedeutungsvollen Katastrophe, und wir haben es ja auch schon öfters erwähnt, daß Wanderungen stattgefunden haben von diesem atlantischen Kontinente, der allmählich immer mehr und mehr unbewohnbar wurde, nach den sich allmählich hebenden Ländern, die heute Europa, Asien, Afrika ausmachen. Im wesentlichen besteht — Sie können das in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» nachlesen — die Bevölkerung von Europa, Asien, Afrika aus der Nachkommenschaft der alten Arlantier.

[ 3 ] Wir wissen, daß dieser atlantische Kontinent, so nennen wir ihn, untergegangen ist infolge einer bedeutungsvollen Katastrophe, und wir haben es ja auch schon öfters erwähnt, daß Wanderungen stattgefunden haben von diesem atlantischen Kontinente, der allmählich immer mehr und mehr unbewohnbar wurde, nach den sich allmählich hebenden Ländern, die heute Europa, Asien, Afrika ausmachen. Im wesentlichen besteht — Sie können das in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» nachlesen — die Bevölkerung von Europa, Asien, Afrika aus der Nachkommenschaft der alten Arlantier.

[ 4 ] Nun traten aber unter diesen Bevölkerungen bedeutungsvolle Unterscheidungen auf, und die Nachwirkungen dieser Unterscheidungen sind noch immer da. Die Nachwirkungen dieser Unterscheidungen kann man noch verstehen, wenn man sich folgendes sagt: Es gab gewisse Bevölkerungsteile, welche vom atlantischen Kontinente nach Osten wanderten. Wir wollen von Amerika jetzt absehen, das allerdings damals auch bevölkert wurde vom atlantischen Kontinent aus, aber wir wollen davon absehen. Es zogen also gewisse Bevölkerungsteile nach Osten. Eine Anzahl derselben zog weithin nach Asien, und es entstanden unter den Bevölkerungen, die auf diese Weise von Westen nach Osten gezogen waren, jene Kulturen, die wir bezeichnet haben als altindische Kultur, als altpersische Kultur, als altägyptisch-chaldäische Kultur, dann als die griechisch-lateinische Zeitkultur, und jetzt in Europa die fünfte nachatlantische Kultur, in der wir selber drinnen leben, welche um die Mitte des 15. Jahrhunderts begonnen hat. Aber diese Kulturen entstanden ja auf die folgende Art: Gewisse Bevölkerungsteile fanden sich durch ihre Seelen- und Körperkonstitution eben veranlaßt, am weitesten zu ziehen nach Asien hinüber, andere blieben zurück in Europa. Es haben später allerdings jene Wanderungen stattgefunden, von denen auch die äußere Geschichte redet, durch die wiederum gewisse Bevölkerungsteile Asiens herüber nach Europa gezogen sind. Aber das, was jetzt die europäische Bevölkerung bildet, ist zwar zum Teil, aber nicht etwa bloß die Nachkommenschaft von dem, was später wiederum aus Asien herübergezogen ist, sondern was heute Europa bevölkert, ist auch die Nachkommenschaft dessen, was früher ursprünglich zurückgeblieben ist bei der Wanderung von dem atlantischen Kontinente nach dem Osten. Und vieles von dem, was in europäischen Menschen lebt, führt zurück in Körper- und Seelenkonstitutionen, welche dadurch zu erklären sind, daß mit ihnen behaftet waren eben die Menschen, die zurückgeblieben waren in Europa, die nicht hinübergezogen waren nach Asien. In Europa haben wir es eben durchaus mit einem Zusammenfließen der allerverschiedensten Bevölkerungselemente zu tun. Daß aber gewisse Teile der Bevölkerung nach Asien hinübergezogen, andere in Europa zurückgeblieben sind, das bewirkte einen bedeutsamen Unterschied, eine bedeutsame Differenzierung der europäisch-astatischen Bevölkerung. Diejenigen Bevölkerungen, die ursprünglich im 8., 7., 6. Jahrtausend in Asien bereits eingewandert waren, waren so geartet, daß sie die menschliche Geisteskultur, die sich ausbreiten konnte, sehr stark in das seelische Element hereinnahmen. Jetzt noch kann man es an der Bevölkerung Asiens, die ja in gewisser Beziehung verkommen ist, bemerken, daß diese Bevölkerung das geistige, auch das verstandesmäßige Element ausgebildet hat wesentlich im seelischen Teil. Man kann sagen, und das ist nicht bildlich gesprochen, sondern ist eigentlich die volle Wahrheit: Diese östliche Bevölkerung, deren hervorragendstes Glied die asiatische Bevölkerung ist, hat den Körper wenig an ihrer Entwickelung teilnehmen lassen. Alles dasjenige, was ersonnen worden ist, was gelebt hat und bis zu einem gewissen Grade auch in der Dekadenz noch in der Kultur Asiens lebt, ist wenig von körperlichen Eigenschaften des Menschen abhängig, es ist stark von seelischen Eigenschaften abhängig. Daher konnte in diesem Asien jene heute durchaus nicht mehr so bestehende, aber auch, weil die historischen Dokumente nur weniges darüber aussagen, heute nicht gewürdigte geistige Kultur entstehen, die eigentlich nur derjenige bewundern kann, der sich so recht hineinzuversetzen vermag in jene ungeheuren geistigen Tiefblicke, welche einmal vor Jahrtausenden die asiatische Bevölkerung hat tun können.

[ 4 ] Nun traten aber unter diesen Bevölkerungen bedeutungsvolle Unterscheidungen auf, und die Nachwirkungen dieser Unterscheidungen sind noch immer da. Die Nachwirkungen dieser Unterscheidungen kann man noch verstehen, wenn man sich folgendes sagt: Es gab gewisse Bevölkerungsteile, welche vom atlantischen Kontinente nach Osten wanderten. Wir wollen von Amerika jetzt absehen, das allerdings damals auch bevölkert wurde vom atlantischen Kontinent aus, aber wir wollen davon absehen. Es zogen also gewisse Bevölkerungsteile nach Osten. Eine Anzahl derselben zog weithin nach Asien, und es entstanden unter den Bevölkerungen, die auf diese Weise von Westen nach Osten gezogen waren, jene Kulturen, die wir bezeichnet haben als altindische Kultur, als altpersische Kultur, als altägyptisch-chaldäische Kultur, dann als die griechisch-lateinische Zeitkultur, und jetzt in Europa die fünfte nachatlantische Kultur, in der wir selber drinnen leben, welche um die Mitte des 15. Jahrhunderts begonnen hat. Aber diese Kulturen entstanden ja auf die folgende Art: Gewisse Bevölkerungsteile fanden sich durch ihre Seelen- und Körperkonstitution eben veranlaßt, am weitesten zu ziehen nach Asien hinüber, andere blieben zurück in Europa. Es haben später allerdings jene Wanderungen stattgefunden, von denen auch die äußere Geschichte redet, durch die wiederum gewisse Bevölkerungsteile Asiens herüber nach Europa gezogen sind. Aber das, was jetzt die europäische Bevölkerung bildet, ist zwar zum Teil, aber nicht etwa bloß die Nachkommenschaft von dem, was später wiederum aus Asien herübergezogen ist, sondern was heute Europa bevölkert, ist auch die Nachkommenschaft dessen, was früher ursprünglich zurückgeblieben ist bei der Wanderung von dem atlantischen Kontinente nach dem Osten. Und vieles von dem, was in europäischen Menschen lebt, führt zurück in Körper- und Seelenkonstitutionen, welche dadurch zu erklären sind, daß mit ihnen behaftet waren eben die Menschen, die zurückgeblieben waren in Europa, die nicht hinübergezogen waren nach Asien. In Europa haben wir es eben durchaus mit einem Zusammenfließen der allerverschiedensten Bevölkerungselemente zu tun. Daß aber gewisse Teile der Bevölkerung nach Asien hinübergezogen, andere in Europa zurückgeblieben sind, das bewirkte einen bedeutsamen Unterschied, eine bedeutsame Differenzierung der europäisch-astatischen Bevölkerung. Diejenigen Bevölkerungen, die ursprünglich im 8., 7., 6. Jahrtausend in Asien bereits eingewandert waren, waren so geartet, daß sie die menschliche Geisteskultur, die sich ausbreiten konnte, sehr stark in das seelische Element hereinnahmen. Jetzt noch kann man es an der Bevölkerung Asiens, die ja in gewisser Beziehung verkommen ist, bemerken, daß diese Bevölkerung das geistige, auch das verstandesmäßige Element ausgebildet hat wesentlich im seelischen Teil. Man kann sagen, und das ist nicht bildlich gesprochen, sondern ist eigentlich die volle Wahrheit: Diese östliche Bevölkerung, deren hervorragendstes Glied die asiatische Bevölkerung ist, hat den Körper wenig an ihrer Entwickelung teilnehmen lassen. Alles dasjenige, was ersonnen worden ist, was gelebt hat und bis zu einem gewissen Grade auch in der Dekadenz noch in der Kultur Asiens lebt, ist wenig von körperlichen Eigenschaften des Menschen abhängig, es ist stark von seelischen Eigenschaften abhängig. Daher konnte in diesem Asien jene heute durchaus nicht mehr so bestehende, aber auch, weil die historischen Dokumente nur weniges darüber aussagen, heute nicht gewürdigte geistige Kultur entstehen, die eigentlich nur derjenige bewundern kann, der sich so recht hineinzuversetzen vermag in jene ungeheuren geistigen Tiefblicke, welche einmal vor Jahrtausenden die asiatische Bevölkerung hat tun können.

[ 5 ] Was historisch überliefert ist, was erkannt werden kann aus den historischen Urkunden, das gibt kein Bild von dem, was einstmals als eine Urweisheit der Menschen vorhanden war in diesem Asien. Was als chaldäische Sternenkunde, was als indische Brahmanenweisheit, was als ägyptische Weisheit heute ausgekramt wird durch diese oder jene Dokumente, durch diese oder jene Denkmäler, das ist alles schon ein Spätprodukt. Alle diese Dinge führen zurück auf eine wunderbare, großartige, gewaltige Einsicht in die geistige Welt, führen zurück auf einen großartigen, gewaltigen wissenschaftlichen Zusammenhang, den die Menschen durchschaut haben, zwischen der Erde und dem ganzen Kosmos, der ganzen Sternenwelt. Die Menschen in Europa sind heute gar nicht danach geartet, das auch nur nachträglich zu verstehen, was man in diesen alten Zeiten gewußt hat, würdigen das auch nicht, denn sie können gewissermaßen nichts damit anfangen. Sie haben keine Möglichkeit, sich nach diesen Dingen zu richten.

[ 5 ] Was historisch überliefert ist, was erkannt werden kann aus den historischen Urkunden, das gibt kein Bild von dem, was einstmals als eine Urweisheit der Menschen vorhanden war in diesem Asien. Was als chaldäische Sternenkunde, was als indische Brahmanenweisheit, was als ägyptische Weisheit heute ausgekramt wird durch diese oder jene Dokumente, durch diese oder jene Denkmäler, das ist alles schon ein Spätprodukt. Alle diese Dinge führen zurück auf eine wunderbare, großartige, gewaltige Einsicht in die geistige Welt, führen zurück auf einen großartigen, gewaltigen wissenschaftlichen Zusammenhang, den die Menschen durchschaut haben, zwischen der Erde und dem ganzen Kosmos, der ganzen Sternenwelt. Die Menschen in Europa sind heute gar nicht danach geartet, das auch nur nachträglich zu verstehen, was man in diesen alten Zeiten gewußt hat, würdigen das auch nicht, denn sie können gewissermaßen nichts damit anfangen. Sie haben keine Möglichkeit, sich nach diesen Dingen zu richten.

[ 6 ] Aber alles dasjenige, was so an einer wunderbaren Weisheit einstmals da drüben im Osten gelebt hat, es hat dadurch gelebt, daß diese Menschen das, was sie geistig empfingen, mit der reinen Seele aufnahmen, daß sich das Körperliche wenig daran beteiligte. Dann ist ja, wie Sie wissen — und Sie finden das Genauere darüber in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» —, aus all dem, was an so wunderbarer Weisheit der alte Orient besessen hatte, die Anschauung herausgekommen, die man über das Christentum gewonnen hat. Denn im wesentlichen ist ja das, was Anschauung ist über das Christentum, ein Vermächtnis des Orients. Aber zum Teil ist die orientalische Urweisheit selbst auf dem Wege durch das Griechentum, zum Teil in der Verwandlung, welche sie durch das Mysterium von Golgatha durchgemacht hat, nach Europa gekommen.

[ 6 ] Aber alles dasjenige, was so an einer wunderbaren Weisheit einstmals da drüben im Osten gelebt hat, es hat dadurch gelebt, daß diese Menschen das, was sie geistig empfingen, mit der reinen Seele aufnahmen, daß sich das Körperliche wenig daran beteiligte. Dann ist ja, wie Sie wissen — und Sie finden das Genauere darüber in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» —, aus all dem, was an so wunderbarer Weisheit der alte Orient besessen hatte, die Anschauung herausgekommen, die man über das Christentum gewonnen hat. Denn im wesentlichen ist ja das, was Anschauung ist über das Christentum, ein Vermächtnis des Orients. Aber zum Teil ist die orientalische Urweisheit selbst auf dem Wege durch das Griechentum, zum Teil in der Verwandlung, welche sie durch das Mysterium von Golgatha durchgemacht hat, nach Europa gekommen.

[ 7 ] Und jetzt beachten Sie dasjenige, was außerordentlich wichtig ist: Dasjenige, was im Seelischen ohne den Anteil körperlicher Organisation im Osten ausgebildet worden ist, das wandert über den Süden von Europa, über Afrika herein in das übrige Europa, trifft da auf jene Bevölkerung, die mit Ausnahme derjenigen, die wiederum zurückgezogen sind aus Asien, im wesentlichen die bei den Wanderungen von der Atlantis nach dem Osten zurückgebliebenen Menschen waren. Und die Frage muß unter uns entstehen: Welche besondere Konstitution hatten diese in Europa zurückgebliebenen Menschen dadurch, daß sie eben nicht mit hinübergezogen waren nach Asien, daß sie zurückgeblieben sind in Europa?

[ 7 ] Und jetzt beachten Sie dasjenige, was außerordentlich wichtig ist: Dasjenige, was im Seelischen ohne den Anteil körperlicher Organisation im Osten ausgebildet worden ist, das wandert über den Süden von Europa, über Afrika herein in das übrige Europa, trifft da auf jene Bevölkerung, die mit Ausnahme derjenigen, die wiederum zurückgezogen sind aus Asien, im wesentlichen die bei den Wanderungen von der Atlantis nach dem Osten zurückgebliebenen Menschen waren. Und die Frage muß unter uns entstehen: Welche besondere Konstitution hatten diese in Europa zurückgebliebenen Menschen dadurch, daß sie eben nicht mit hinübergezogen waren nach Asien, daß sie zurückgeblieben sind in Europa?

[ 8 ] Da kommen wir auf etwas ungeheuer Bedeutungsvolles. Wir kommen darauf, einzusehen oder einsehen zu müssen, daß diese bei der Wanderung von der Atlantis nach dem Osten in Europa zurückgebliebene Bevölkerung dasjenige, was sie empfing an äußeren und inneren Erkenntnissen, was sie empfing an Einsichten über die geistige Welt und an Einsichten über die soziale und ökonomische und kommerzielle Ordnung der Welt, daß sie das empfing durch die Funktion der physischen Organisation. Auf dem Grunde von Europas Bevölkerung ruht im wesentlichen das, daß die hauptsächlichsten dieser Europäer das, was sie aufnahmen, vor allem durch das Werkzeug ihres Körpers aufnahmen. Die weiter nach Osten hinübergewanderten Menschen, die waren so geartet, daß sie mehr mit der Seele aufnahmen; sie vernachlässigten, weil es ihnen gar nicht gegeben war, die körperliche Funktion auszubilden, alles das, was gerade von der Welt und von der menschlichen Ordnung begriffen werden soll durch das Körperliche. Die Europäer verwendeten zu dem, was sie als ihre Kultur begründen sollten, das _ physische Werkzeug ihres Gehirns, die physischen Werkzeuge der übrigen Körperlichkeit. Und so haben wir das merkwürdige Phänomen vor uns, daß dasjenige, was drüben in Asien auch als Christentum sich herausgebildet hat aus einer wunderbaren Urweisheit, nach Europa herüberwanderte und unter ganz andern Bedingungen aufgenommen wurde in Europa, als es in Asien ausgebildet wurde. In Asien wurde es nur ausgebildet vom Seelischen, in Europa wurde es aufgenommen vom Körperlichen. Warum konnte es da aufgenommen werden vom Körperlichen? Es konnte aufgenommen werden vom Körperlichen, weil tatsächlich die europäischen Körper so gebildet waren, daß sie richtige Werkzeuge des Geistigen werden konnten. Die Leiber, die Körper der Asiaten waren nicht so gebildet. Die Bevölkerung Europas war zurückgeblieben, um unter den klimatischen und sonstigen Kulturverhältnissen des alten Europa den Körper gewissermaßen empfänglich zu machen für die Aufnahme von Erkenntnissen, von Willensimpulsen und so weiter.

[ 8 ] Da kommen wir auf etwas ungeheuer Bedeutungsvolles. Wir kommen darauf, einzusehen oder einsehen zu müssen, daß diese bei der Wanderung von der Atlantis nach dem Osten in Europa zurückgebliebene Bevölkerung dasjenige, was sie empfing an äußeren und inneren Erkenntnissen, was sie empfing an Einsichten über die geistige Welt und an Einsichten über die soziale und ökonomische und kommerzielle Ordnung der Welt, daß sie das empfing durch die Funktion der physischen Organisation. Auf dem Grunde von Europas Bevölkerung ruht im wesentlichen das, daß die hauptsächlichsten dieser Europäer das, was sie aufnahmen, vor allem durch das Werkzeug ihres Körpers aufnahmen. Die weiter nach Osten hinübergewanderten Menschen, die waren so geartet, daß sie mehr mit der Seele aufnahmen; sie vernachlässigten, weil es ihnen gar nicht gegeben war, die körperliche Funktion auszubilden, alles das, was gerade von der Welt und von der menschlichen Ordnung begriffen werden soll durch das Körperliche. Die Europäer verwendeten zu dem, was sie als ihre Kultur begründen sollten, das _ physische Werkzeug ihres Gehirns, die physischen Werkzeuge der übrigen Körperlichkeit. Und so haben wir das merkwürdige Phänomen vor uns, daß dasjenige, was drüben in Asien auch als Christentum sich herausgebildet hat aus einer wunderbaren Urweisheit, nach Europa herüberwanderte und unter ganz andern Bedingungen aufgenommen wurde in Europa, als es in Asien ausgebildet wurde. In Asien wurde es nur ausgebildet vom Seelischen, in Europa wurde es aufgenommen vom Körperlichen. Warum konnte es da aufgenommen werden vom Körperlichen? Es konnte aufgenommen werden vom Körperlichen, weil tatsächlich die europäischen Körper so gebildet waren, daß sie richtige Werkzeuge des Geistigen werden konnten. Die Leiber, die Körper der Asiaten waren nicht so gebildet. Die Bevölkerung Europas war zurückgeblieben, um unter den klimatischen und sonstigen Kulturverhältnissen des alten Europa den Körper gewissermaßen empfänglich zu machen für die Aufnahme von Erkenntnissen, von Willensimpulsen und so weiter.

[ 9 ] Im ganzen Weltenzusammenhang muß man über das eine diese, über das andere jene Ansicht haben; aber es steht auch das minder Gute durchaus an seiner berechtigten Stelle. Das können manche Menschen nicht begreifen. Wir versuchen auch, die Schädlichkeit des Materialismus nachzuweisen; aber wir müssen auf der andern Seite wiederum erkennen, daß der Materialismus bis ins 19. Jahrhundert kommen mußte. Nur muß er jetzt überwunden werden. Manche Menschen möchten es sich in solchen Fragen sehr bequem machen, sie sagen: Der menschliche Körper ist halt das Werkzeug, in dem die Seele wohnt; die Seele ist himmlisch, der Körper ist irdisch, halten wir uns an das Seelische. — Das ist eine bequeme Lebensauffassung. Aber das ist das Verdienst, das dem Materialismus zukommt, daß er die Menschen gelehrt hat, daß auch das Körperliche am Geistigen Anteil hat, daß schon unter gewissen Elementen des menschlichen Geschlechts der Körper organisiert war gerade zur Aufnahme des Geistigen. Und die hervorragendsten Menschen waren diejenigen, auf die das Christentum aufgetroffen ist. Eben in den ersten Zeiten, als sich das Christentum in Europa verbreitet hatte, da waren die Leiber dieser europäischen Menschen gute Empfangsinstrumente für die Aufnahme des Christentums, da war gerade das physische Gehirn dadurch, daß es sich in einer gewissen Weise aus der geistigen Welt heraus gebildet hatte, ein gutes Empfangsorgan für das Christentum. Und während in Asien das Christentum hervorgetreten ist nach jahrhunderte-, jahrtausendelanger Entwickelung in einer Kultur, die nur für Seelen war, aber in Asien dieses Christentum auftraf auf eine dekadente, auf eine im Absterben begriffene Kultur, eine Seelenkultur, die gut war für alte Zeiten, die nicht mehr gut war für die Zeit, in der das Christentum Platz griff, stieß in Europa dieses Christentum auf empfängliche Menschen, die durch ihre Leiber organisiert waren, in dieses Christentum hineinzuwachsen, ihre Leiber zu Empfangsinstrumenten des Christentums zu machen; denn in diesen Leibern war noch viel Geist, kosmischer Geist, Naturgeist. Das ist gerade das Bedeutsame der europäischen Urbevölkerung der nachatlantischen Zeit, daß in den Leibern Geist war und daß mit diesem in den Leibern befindlichen Geiste das Christentum aufgenommen worden ist. Aber dieser Geist verrauchte allmählich, dieser Geist hörte auf. Dieser Geist blieb nicht bei den europäischen Leibern. Und das ist gerade das Wesentlichste jenes Überganges, der stattgefunden hat in der Mitte des 15. Jahrhunderts der nachchristlichen Zeit, daß im wesentlichen da jener Naturgeist, der in den menschlichen europäischen Leibern war, anfing zu verrauchen, daß die Leiber allmählich unfähig wurden, aus sich das zu verstehen, was sie erst mit frischer Kraft, weil mit Leibeskraft, als Christentum aufgenommen hatten. Dadurch versank allmählich seit dem 15. Jahrhundert das Verständnis für das Christentum. Es blieb nur die Tradition übrig. Die Verhältnisse, die da zugrunde liegen, sie verkennt man eigentlich, in der gewöhnlichen äußeren Wissenschaft verkennt man sie vollständig. Man glaubt nämlich, Mensch ist Mensch, und man glaubt, man könne diesen Menschen studieren, wenn man die Leichname in die Kliniken trägt und da anatomisiert. Da erfährt man das Allerwenigste vom Menschen, denn die feinste Konstitution dieser Menschen ändert sich fast von Jahrhundert zu Jahrhundert. Die Menschheit eines Jahrhunderts ist im Grunde in bezug auf die feine Konstitution etwas ganz anderes als die Menschheit des vorigen Jahrhunderts. Weil das nicht im Groben auftritt und nicht mit groben wissenschaftlichen Mitteln zu konstatieren ist, deshalb wollen die Menschen nichts davon wissen. Aber dieser Mensch ist eine sehr feine Organisation, und dasjenige, was sich im Laufe der Zeit nacheinander entwickelt, das bleibt nebeneinander bestehen. Für die grobe Anatomie herrscht der Glaube, aber es ist nur ein Glaube: Wenn man einem westlichen Menschen das Blut abzapft und einem östlichen Menschen das Blut abzapft, zapft man halt Blut ab; Blut ist Blut. — Aber diese Anschauung, Blut ist Blut, ist ein völliger Unsinn vor einer wirklichen tieferen Menschheitserkenntnis. Ich kann über diese Sache nur schematisch sprechen und kann heute auch nur, ich möchte sagen, die Ergebnisse ausgedehnter Forschung angeben. Aber diese Ergebnisse sind außerordentlich wichtig. Sollte ich eigentlich schematisch etwas zeichnen — was selbstverständlich, wenn es nicht schematisch, sondern real gezeichnet würde, etwas anderes wäre —, so müßte ich es in der folgenden Weise zeichnen. Würde ich also das Blutgerinnsel im lebendigen menschlichen Leibe bei einem westlichen Menschen zeichnen, so würde ich es so zeichnen (siehe Zeichnung a). Sollte ich das Blutgerinnsel in der Ader bei einem russischen Menschen zeichnen, so würde ich es so zeichnen müssen (siehe Zeichnung b).

[ 9 ] Im ganzen Weltenzusammenhang muß man über das eine diese, über das andere jene Ansicht haben; aber es steht auch das minder Gute durchaus an seiner berechtigten Stelle. Das können manche Menschen nicht begreifen. Wir versuchen auch, die Schädlichkeit des Materialismus nachzuweisen; aber wir müssen auf der andern Seite wiederum erkennen, daß der Materialismus bis ins 19. Jahrhundert kommen mußte. Nur muß er jetzt überwunden werden. Manche Menschen möchten es sich in solchen Fragen sehr bequem machen, sie sagen: Der menschliche Körper ist halt das Werkzeug, in dem die Seele wohnt; die Seele ist himmlisch, der Körper ist irdisch, halten wir uns an das Seelische. — Das ist eine bequeme Lebensauffassung. Aber das ist das Verdienst, das dem Materialismus zukommt, daß er die Menschen gelehrt hat, daß auch das Körperliche am Geistigen Anteil hat, daß schon unter gewissen Elementen des menschlichen Geschlechts der Körper organisiert war gerade zur Aufnahme des Geistigen. Und die hervorragendsten Menschen waren diejenigen, auf die das Christentum aufgetroffen ist. Eben in den ersten Zeiten, als sich das Christentum in Europa verbreitet hatte, da waren die Leiber dieser europäischen Menschen gute Empfangsinstrumente für die Aufnahme des Christentums, da war gerade das physische Gehirn dadurch, daß es sich in einer gewissen Weise aus der geistigen Welt heraus gebildet hatte, ein gutes Empfangsorgan für das Christentum. Und während in Asien das Christentum hervorgetreten ist nach jahrhunderte-, jahrtausendelanger Entwickelung in einer Kultur, die nur für Seelen war, aber in Asien dieses Christentum auftraf auf eine dekadente, auf eine im Absterben begriffene Kultur, eine Seelenkultur, die gut war für alte Zeiten, die nicht mehr gut war für die Zeit, in der das Christentum Platz griff, stieß in Europa dieses Christentum auf empfängliche Menschen, die durch ihre Leiber organisiert waren, in dieses Christentum hineinzuwachsen, ihre Leiber zu Empfangsinstrumenten des Christentums zu machen; denn in diesen Leibern war noch viel Geist, kosmischer Geist, Naturgeist. Das ist gerade das Bedeutsame der europäischen Urbevölkerung der nachatlantischen Zeit, daß in den Leibern Geist war und daß mit diesem in den Leibern befindlichen Geiste das Christentum aufgenommen worden ist. Aber dieser Geist verrauchte allmählich, dieser Geist hörte auf. Dieser Geist blieb nicht bei den europäischen Leibern. Und das ist gerade das Wesentlichste jenes Überganges, der stattgefunden hat in der Mitte des 15. Jahrhunderts der nachchristlichen Zeit, daß im wesentlichen da jener Naturgeist, der in den menschlichen europäischen Leibern war, anfing zu verrauchen, daß die Leiber allmählich unfähig wurden, aus sich das zu verstehen, was sie erst mit frischer Kraft, weil mit Leibeskraft, als Christentum aufgenommen hatten. Dadurch versank allmählich seit dem 15. Jahrhundert das Verständnis für das Christentum. Es blieb nur die Tradition übrig. Die Verhältnisse, die da zugrunde liegen, sie verkennt man eigentlich, in der gewöhnlichen äußeren Wissenschaft verkennt man sie vollständig. Man glaubt nämlich, Mensch ist Mensch, und man glaubt, man könne diesen Menschen studieren, wenn man die Leichname in die Kliniken trägt und da anatomisiert. Da erfährt man das Allerwenigste vom Menschen, denn die feinste Konstitution dieser Menschen ändert sich fast von Jahrhundert zu Jahrhundert. Die Menschheit eines Jahrhunderts ist im Grunde in bezug auf die feine Konstitution etwas ganz anderes als die Menschheit des vorigen Jahrhunderts. Weil das nicht im Groben auftritt und nicht mit groben wissenschaftlichen Mitteln zu konstatieren ist, deshalb wollen die Menschen nichts davon wissen. Aber dieser Mensch ist eine sehr feine Organisation, und dasjenige, was sich im Laufe der Zeit nacheinander entwickelt, das bleibt nebeneinander bestehen. Für die grobe Anatomie herrscht der Glaube, aber es ist nur ein Glaube: Wenn man einem westlichen Menschen das Blut abzapft und einem östlichen Menschen das Blut abzapft, zapft man halt Blut ab; Blut ist Blut. — Aber diese Anschauung, Blut ist Blut, ist ein völliger Unsinn vor einer wirklichen tieferen Menschheitserkenntnis. Ich kann über diese Sache nur schematisch sprechen und kann heute auch nur, ich möchte sagen, die Ergebnisse ausgedehnter Forschung angeben. Aber diese Ergebnisse sind außerordentlich wichtig. Sollte ich eigentlich schematisch etwas zeichnen — was selbstverständlich, wenn es nicht schematisch, sondern real gezeichnet würde, etwas anderes wäre —, so müßte ich es in der folgenden Weise zeichnen. Würde ich also das Blutgerinnsel im lebendigen menschlichen Leibe bei einem westlichen Menschen zeichnen, so würde ich es so zeichnen (siehe Zeichnung a). Sollte ich das Blutgerinnsel in der Ader bei einem russischen Menschen zeichnen, so würde ich es so zeichnen müssen (siehe Zeichnung b).

[ 10 ] Wie sich die eine Linienform zu der andern Linienform verhält, so verhält sich der innere, auch materielle Charakter des Blutes bei der östlichen Bevölkerung zu dem Charakter des Blutes bei der westlichen Bevölkerung. Aber mit der Blutentwikkelung hängt dasjenige zusammen, was ich als körperliche Empfänglichkeit charakterisiert habe. Diese körperliche Empfänglichkeit, wie gesagt, ist verraucht, heute gibt wenigstens für die westliche europäische Bevölkerung und ihren amerikanischen Anhang das Körperliche nichts Geistiges mehr her. Daher muß das Geistige auf anderem Wege, auf dem Wege gesucht werden, den anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft angibt. Man kann sagen, grob gesprochen: Das aus der physisch-leiblichen Materialität hervorgegangene Geistige, welches im wesentlichen gedient hat, in den Jahrhunderten bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts hinein, Verständnis für das Christentum zu eröffnen, das ist vertrocknet. Man lebt heute gerade in der westlichen Kultur mit vertrockneten Leibern, und das, was sich geltend macht, ist eine bloße mechanistische Kultur, weil es aus den unlebendigen, vertrockneten Leibesorganisationen kommt. Diese Veränderung ist also nicht bloß eine solche, wie sie die heute abstrakten Historiker zeichnen, sie ist eine solche, daß sie bis tief in das Leibeswesen des Menschen hineingeht.

[ 10 ] Wie sich die eine Linienform zu der andern Linienform verhält, so verhält sich der innere, auch materielle Charakter des Blutes bei der östlichen Bevölkerung zu dem Charakter des Blutes bei der westlichen Bevölkerung. Aber mit der Blutentwikkelung hängt dasjenige zusammen, was ich als körperliche Empfänglichkeit charakterisiert habe. Diese körperliche Empfänglichkeit, wie gesagt, ist verraucht, heute gibt wenigstens für die westliche europäische Bevölkerung und ihren amerikanischen Anhang das Körperliche nichts Geistiges mehr her. Daher muß das Geistige auf anderem Wege, auf dem Wege gesucht werden, den anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft angibt. Man kann sagen, grob gesprochen: Das aus der physisch-leiblichen Materialität hervorgegangene Geistige, welches im wesentlichen gedient hat, in den Jahrhunderten bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts hinein, Verständnis für das Christentum zu eröffnen, das ist vertrocknet. Man lebt heute gerade in der westlichen Kultur mit vertrockneten Leibern, und das, was sich geltend macht, ist eine bloße mechanistische Kultur, weil es aus den unlebendigen, vertrockneten Leibesorganisationen kommt. Diese Veränderung ist also nicht bloß eine solche, wie sie die heute abstrakten Historiker zeichnen, sie ist eine solche, daß sie bis tief in das Leibeswesen des Menschen hineingeht.

[ 11 ] Vor dem, was ich Ihnen jetzt gesagt habe, verschließen sich die meisten Menschen der Gegenwart. Aber so wie die Römer die Zwölftafelgesetze gelernt haben, so wie es später Usus war, das Einmaleins als etwas für den Menschen Notwendiges zu betrachten, so wird eine gar nicht ferne Zukunft, auf die wir hinarbeiten müssen, zur allgemeinen Bildung rechnen müssen, solche elementaren Begriffe über die Menschheitsentwickelung zu haben. Sonst wird nach je fünfzehn Jahren eine solche Katastrophe über die Erdenentwickelung der zivilisierten Menschheit kommen, wie wir sie in den letzten fünf bis sechs Jahren gehabt haben. Denn daß sich die Menschen verschlossen haben gegenüber dem, was hereinbrechen will als eine Neubildung in die zivilisierte Menschheit, das ist der wahre Grund, warum jene Konfusion herausgekommen ist, die in den letzten fünf bis sechs Jahren da war. Und wollen die Menschen weiter aus ihrem vertrockneten materialisierten Leibe heraus leben, so werden sie ganz von selber aus diesem vertrockneten, materialisierten Leibe heraus Eigenschaften aushecken, welche alle fünfzehn bis zwanzig Jahre zu einer solchen Verwirrung führen, wie die Verwirrung, die wir 1914 in Europa gehabt haben. Es gibt heute nur zweierlei: Entweder man bequemt sich dazu, dieses Einfließen einer Neubildung in die Menschheit, damit auch das Einfließen eines neuen, durch die Geisteswissenschaft unterstützten Verständnisses des Christentums zuzulassen, oder damit zu rechnen, daß zerstörerische Elemente in einem furchtbaren Maße in das menschliche soziale Leben eintreten.

[ 11 ] Vor dem, was ich Ihnen jetzt gesagt habe, verschließen sich die meisten Menschen der Gegenwart. Aber so wie die Römer die Zwölftafelgesetze gelernt haben, so wie es später Usus war, das Einmaleins als etwas für den Menschen Notwendiges zu betrachten, so wird eine gar nicht ferne Zukunft, auf die wir hinarbeiten müssen, zur allgemeinen Bildung rechnen müssen, solche elementaren Begriffe über die Menschheitsentwickelung zu haben. Sonst wird nach je fünfzehn Jahren eine solche Katastrophe über die Erdenentwickelung der zivilisierten Menschheit kommen, wie wir sie in den letzten fünf bis sechs Jahren gehabt haben. Denn daß sich die Menschen verschlossen haben gegenüber dem, was hereinbrechen will als eine Neubildung in die zivilisierte Menschheit, das ist der wahre Grund, warum jene Konfusion herausgekommen ist, die in den letzten fünf bis sechs Jahren da war. Und wollen die Menschen weiter aus ihrem vertrockneten materialisierten Leibe heraus leben, so werden sie ganz von selber aus diesem vertrockneten, materialisierten Leibe heraus Eigenschaften aushecken, welche alle fünfzehn bis zwanzig Jahre zu einer solchen Verwirrung führen, wie die Verwirrung, die wir 1914 in Europa gehabt haben. Es gibt heute nur zweierlei: Entweder man bequemt sich dazu, dieses Einfließen einer Neubildung in die Menschheit, damit auch das Einfließen eines neuen, durch die Geisteswissenschaft unterstützten Verständnisses des Christentums zuzulassen, oder damit zu rechnen, daß zerstörerische Elemente in einem furchtbaren Maße in das menschliche soziale Leben eintreten.

[ 12 ] Unsere englischen Freunde werden jetzt einmal zurückgehen nach England — hoffentlich noch nicht so bald —, dann aber werden sie in England jenen Menschen treffen, den ich Ihnen einmal hier als Repräsentanten der gegenwärtigen Zeit in einer besonderen Art charakterisiert habe, weil er sein ganzes Leben hindurch, trotzdem er heute viel älter ist, nicht über die Entwickelungsstufe des Siebenundzwanzigjährigen hinausgekommen ist. Sie werden dort tonangebend, wahrscheinlich noch, Lloyd George treffen, jenen Menschen, der eben dadurch tonangebend werden konnte, daß er nur bis zum siebenundzwanzigsten Lebensjahre entwickelungsfähig blieb, dann ins Parlament gewählt wurde, selbstverständlich, und seither nicht mehr entwickelungsfähig ist, so daß er jetzt als alter Mann noch immer so denkt wie ein Siebenundzwanzigjähriger, das heißt unreif. Sie werden aus einem solchen Kopfe besondere Ideen hervorgehend finden, zum Beispiel: Bis jetzt haben wir uns auf die Seite der russischen Gegenrevolution gestellt, sie ist unterlegen; es ist nicht weiter profitabel, sich auf die Seite der russischen Gegenrevolution zu stellen, also versuchen wir uns einzurichten mit den Bolschewisten, versuchen wir mit denen zu einem leidlichen Frieden zu kommen.

[ 12 ] Unsere englischen Freunde werden jetzt einmal zurückgehen nach England — hoffentlich noch nicht so bald —, dann aber werden sie in England jenen Menschen treffen, den ich Ihnen einmal hier als Repräsentanten der gegenwärtigen Zeit in einer besonderen Art charakterisiert habe, weil er sein ganzes Leben hindurch, trotzdem er heute viel älter ist, nicht über die Entwickelungsstufe des Siebenundzwanzigjährigen hinausgekommen ist. Sie werden dort tonangebend, wahrscheinlich noch, Lloyd George treffen, jenen Menschen, der eben dadurch tonangebend werden konnte, daß er nur bis zum siebenundzwanzigsten Lebensjahre entwickelungsfähig blieb, dann ins Parlament gewählt wurde, selbstverständlich, und seither nicht mehr entwickelungsfähig ist, so daß er jetzt als alter Mann noch immer so denkt wie ein Siebenundzwanzigjähriger, das heißt unreif. Sie werden aus einem solchen Kopfe besondere Ideen hervorgehend finden, zum Beispiel: Bis jetzt haben wir uns auf die Seite der russischen Gegenrevolution gestellt, sie ist unterlegen; es ist nicht weiter profitabel, sich auf die Seite der russischen Gegenrevolution zu stellen, also versuchen wir uns einzurichten mit den Bolschewisten, versuchen wir mit denen zu einem leidlichen Frieden zu kommen.

[ 13 ] So denkt heute typisch ein Mensch, der aller Einsicht in die wirklichen Gesetze des Lebens ganz fernesteht, der keine Ahnung von dem hat, was in der Welt Wirklichkeit ist, und so denken andere sogenannte «Staatsmänner» — ich bemerke, daß ich «Staatsmänner» jetzt immer nur in Gänsefüßchen schreibe. Dabei darf man nicht vergessen, daß dieser «Staatsmann» immer noch turmhoch überragt den abstrakten Dilettanten Woodrow Wilson, von dem die ganze Welt in einem bestimmten Momente europäischer Entwickelung sich verführen ließ. Mit solchen Dingen war man ja insbesondere in gewissen Zeiten ein «Prediger in der Wüste». In den Zeiten, in denen die ganze Welt Woodrow Wilson angebetet hat, habe ich hier in der Schweiz immer wieder und wiederum genau dasselbe über Woodrow Wilson gesagt, was ich Ihnen heute sage. Jetzt fängt die Welt an, da es zu spät ist, ein wenig einzusehen, wie wirklichkeitsfremd das ist, was von Woodrow Wilson ausgeht. Und Leute, die mit ihm zusammengesessen haben bei der Versailler Konferenz, die waren erstaunt darüber, wie wenig dieser Mann selbst von dem allergeringsten Wirklichkeitsinstinkt aus Amerika nach Europa mitbrachte.

[ 13 ] So denkt heute typisch ein Mensch, der aller Einsicht in die wirklichen Gesetze des Lebens ganz fernesteht, der keine Ahnung von dem hat, was in der Welt Wirklichkeit ist, und so denken andere sogenannte «Staatsmänner» — ich bemerke, daß ich «Staatsmänner» jetzt immer nur in Gänsefüßchen schreibe. Dabei darf man nicht vergessen, daß dieser «Staatsmann» immer noch turmhoch überragt den abstrakten Dilettanten Woodrow Wilson, von dem die ganze Welt in einem bestimmten Momente europäischer Entwickelung sich verführen ließ. Mit solchen Dingen war man ja insbesondere in gewissen Zeiten ein «Prediger in der Wüste». In den Zeiten, in denen die ganze Welt Woodrow Wilson angebetet hat, habe ich hier in der Schweiz immer wieder und wiederum genau dasselbe über Woodrow Wilson gesagt, was ich Ihnen heute sage. Jetzt fängt die Welt an, da es zu spät ist, ein wenig einzusehen, wie wirklichkeitsfremd das ist, was von Woodrow Wilson ausgeht. Und Leute, die mit ihm zusammengesessen haben bei der Versailler Konferenz, die waren erstaunt darüber, wie wenig dieser Mann selbst von dem allergeringsten Wirklichkeitsinstinkt aus Amerika nach Europa mitbrachte.

[ 14 ] Die Dinge, in denen man heute lebt, müssen von Welthorizonten aus betrachtet werden, wenn man auch im Kleinsten über die Dinge mitsprechen will. Und man wird sie nicht betrachten können, wenn man es nicht zum Prinzip macht, daß eine gewisse Aufklärung über den Menschen ebenso in einer allernächsten Zukunft Allgemeinbildung werden muß, wie das Einmaleins in einer gewissen Zeit angefangen hat, Gegenstand der Allgemeinbildung zu werden.

[ 14 ] Die Dinge, in denen man heute lebt, müssen von Welthorizonten aus betrachtet werden, wenn man auch im Kleinsten über die Dinge mitsprechen will. Und man wird sie nicht betrachten können, wenn man es nicht zum Prinzip macht, daß eine gewisse Aufklärung über den Menschen ebenso in einer allernächsten Zukunft Allgemeinbildung werden muß, wie das Einmaleins in einer gewissen Zeit angefangen hat, Gegenstand der Allgemeinbildung zu werden.

[ 15 ] Ob soziale Forderungen auftreten oder nicht, darüber ist nicht zu diskutieren, ebensowenig wie darüber zu diskutieren ist, ob ein Erdbeben in irgendeiner Gegend eintreten wird oder nicht. Aber darüber ist zu diskutieren, wie man sich solchen Erscheinungen gegenüber verhält. Niemand wird eine entsprechende Stellung zu solchen Erscheinungen gewinnen können, der nicht in dem angedeuteten Sinne Menschenwissen hat. Das ist etwas, womit man sich ganz tief durchdringen muß. Und ob das Leben der zivilisierten europäischen Welt wird weitergehen können oder nicht, das wird davon abhängen, ob es eine genügend große Anzahl von Menschen geben wird, welche durchschauen die Unmöglichkeit eines weiteren Weltregimentes, das besonders beeinflußt wird von solchen wirklichkeitstremden Menschen, wie Lloyd George einer ist. Sie wissen alle, ich rede ja nicht von irgendeinem chauvinistischen Standpunkte, von irgendeiner bestimmten Seite her, sondern ich rede von einem rein sachlichen, aus der Beobachtung der objektiven Tatsachen fließenden Gesichtspunkt. Ich habe wahrhaftig niemals irgend etwas als Deutscher, als sogenannter Deutscher, gegen Woodrow Wilson oder Lloyd George gehabt. Verglichen mit andern Menschen heute, ist sogar Lloyd George ein «Prachtskerl». Aber er ist eben ein Siebenundzwanzigjährig-Bleibender als Mensch, der nicht imstande ist, dasjenige in sich aufzunehmen, was man erst aufnehmen kann, wenn die absteigende Entwickelung Platz greift, wenn man also über die Dreißigerjahre hinausgekommen ist. Denn die vertrockneten europäischen Leiber, die nicht sich hinwenden wollen zur Aufnahme von etwas Geistigem, verlieren die Entwickelungsmöglichkeit in den Dreißigerjahren. Sie können dann Parlamentarier sein, sogar so unendlich versierte, so außerordentlich gute Parlamentarier wie Lloyd George, der ja bekanntlich, als man ihn zum Minister machte, ganz bewundernswürdige Reformen durchführte. Nicht wahr, man macht das den Oppositionsmenschen gegenüber so: Man nimmt sie, damit sie draußen im Parlament nicht unbequem werden, ins Ministerium hinein. Im gegebenen Momente machte man in England auch Lloyd George zum Minister, zunächst aus dem Grunde, weil man ihn nicht zur Opposition haben wollte; aber zum Minister machte man ihn, indem man sagte: Man gibt ihm das Ressort, von dem er gar nichts versteht. Das ist ja die gewöhnliche Art, gefährliche Parlamentarier zu behandeln. Und siehe da, als man Lloyd George das Ressort gegeben hatte, von dem er gar nichts verstand, da entwickelte er eine fieberhafte Tätigkeit, führte Reformen ein, die wirklich bewundernswert sind, und die andern standen da mit langen Nasen.

[ 15 ] Ob soziale Forderungen auftreten oder nicht, darüber ist nicht zu diskutieren, ebensowenig wie darüber zu diskutieren ist, ob ein Erdbeben in irgendeiner Gegend eintreten wird oder nicht. Aber darüber ist zu diskutieren, wie man sich solchen Erscheinungen gegenüber verhält. Niemand wird eine entsprechende Stellung zu solchen Erscheinungen gewinnen können, der nicht in dem angedeuteten Sinne Menschenwissen hat. Das ist etwas, womit man sich ganz tief durchdringen muß. Und ob das Leben der zivilisierten europäischen Welt wird weitergehen können oder nicht, das wird davon abhängen, ob es eine genügend große Anzahl von Menschen geben wird, welche durchschauen die Unmöglichkeit eines weiteren Weltregimentes, das besonders beeinflußt wird von solchen wirklichkeitstremden Menschen, wie Lloyd George einer ist. Sie wissen alle, ich rede ja nicht von irgendeinem chauvinistischen Standpunkte, von irgendeiner bestimmten Seite her, sondern ich rede von einem rein sachlichen, aus der Beobachtung der objektiven Tatsachen fließenden Gesichtspunkt. Ich habe wahrhaftig niemals irgend etwas als Deutscher, als sogenannter Deutscher, gegen Woodrow Wilson oder Lloyd George gehabt. Verglichen mit andern Menschen heute, ist sogar Lloyd George ein «Prachtskerl». Aber er ist eben ein Siebenundzwanzigjährig-Bleibender als Mensch, der nicht imstande ist, dasjenige in sich aufzunehmen, was man erst aufnehmen kann, wenn die absteigende Entwickelung Platz greift, wenn man also über die Dreißigerjahre hinausgekommen ist. Denn die vertrockneten europäischen Leiber, die nicht sich hinwenden wollen zur Aufnahme von etwas Geistigem, verlieren die Entwickelungsmöglichkeit in den Dreißigerjahren. Sie können dann Parlamentarier sein, sogar so unendlich versierte, so außerordentlich gute Parlamentarier wie Lloyd George, der ja bekanntlich, als man ihn zum Minister machte, ganz bewundernswürdige Reformen durchführte. Nicht wahr, man macht das den Oppositionsmenschen gegenüber so: Man nimmt sie, damit sie draußen im Parlament nicht unbequem werden, ins Ministerium hinein. Im gegebenen Momente machte man in England auch Lloyd George zum Minister, zunächst aus dem Grunde, weil man ihn nicht zur Opposition haben wollte; aber zum Minister machte man ihn, indem man sagte: Man gibt ihm das Ressort, von dem er gar nichts versteht. Das ist ja die gewöhnliche Art, gefährliche Parlamentarier zu behandeln. Und siehe da, als man Lloyd George das Ressort gegeben hatte, von dem er gar nichts verstand, da entwickelte er eine fieberhafte Tätigkeit, führte Reformen ein, die wirklich bewundernswert sind, und die andern standen da mit langen Nasen.

[ 16 ] Alle diese Erscheinungen muß man heute beurteilen können vom Standpunkte der Gesetze der Menschheitsentwickelung. Es ist im allgemeinen nichts Angenehmes, die Menschheit nach ihren Eigentümlichkeiten zu beurteilen, und es liegt vor allen Dingen heute nicht in der Gewohnheit der Menschen, auf den andern Menschen einzugehen. Daher nimmt man die Menschen heute gern nach ihrer Abstempelung. Man hat nicht die Neigung, sich die Unbequemlichkeit zu machen, durch Begegnung mit einem Menschen zu erfahren, ob er Fähigkeiten hat, ob etwas in seiner Seele lebt, was Wirkungsmöglichkeiten hat. Man will sich auch gar nicht darauf einlassen, in dieser Weise durch den unmittelbaren aus dem Leben stammenden Eindruck den Menschen zu beurteilen. Man braucht andere Möglichkeiten. Es ist einer graduiert, er ist im Besitze eines Doktordiploms — also ist er ein weiser Mann. Da braucht man ihn nicht erst kennenzulernen, man braucht bloß zu wissen: Er hat einmal Prüfungen gemacht, oder er ist — ich weiß nicht, ob man nicht sagen soll: er war — Regierungsrat. Schön, da ist er etwas, was man zu respektieren hat, man braucht sich nicht weiter darum zu kümmern, ob er irgendwelche Wirkungsmöglichkeiten in seiner Seele hat. Eine Regierung hat einen zum Rat gemacht, mit t geschrieben, nicht zum fünften Rad am Wagen, mit weichem d geschrieben. Also man braucht von außen kommende Möglichkeiten. In der Zukunft wird man ein wirklich unmittelbares Verhältnis von Mensch zu Mensch brauchen. Niemand wird sich das erwerben, der nicht seine menschlichen Geisteskräfte in entsprechender Weise ausbildet. Diese entsprechende Weise ist die durch die Geisteswissenschaft. Wenn Sie zum Beispiel meine «Geheimwissenschaft» lesen, so können Sie das lesen, was darinnensteht, Sie können das, was darinnensteht, dem Inhalte nach aufnehmen. Wenn Sie das dem Inhalte nach aufnehmen, so daß Sie es dann gedächtnismäßig ganz gut hersagen können, dann fände ich es fast nützlicher, Sie lesen ein Kochbuch, oder wenn Sie nicht gerade zufällig Frauen sind, irgendeine Abhandlung über Tarifverträge oder dergleichen; es wird nützlicher sein, als wenn Sie meine «Geheimwissenschaft» lesen. Diese «Geheimwissenschaft» hat nur dann bei der Lektüre ihre Bedeutung, wenn durch die besondere Formung der Gedanken — welche die Menschen so ärgert, daß sie es ablehnen, sich mit dem, was sie «schlecht stilisiert» nennen, zu befassen — diese Art zu schreiben und zu denken erzieherisch wirkt auf die ganze Seelenverfassung, wenn das Wie, nicht das Was die Seele gestaltet. Wer so die «Geheimwissenschaft» — es kann natürlich auch ein anderes Buch sein — auf sich wirken läßt, dann ins Leben geht, der wird sehen, daß er tatsächlich sein innerliches Schauen verstärkt hat, so daß ihm Menschenkenntnis daraus wird. Es wird etwas ganz anderes aus den Dingen als ein bloßes schulmäßiges In-sich-aufgenommen-Haben der Sache! Heute hat man, wenn man ein Buch gelesen hat, die Vorstellung, man habe das Nötige getan, wenn man den Inhalt in sich hat, das heißt, ihn so in sich hat, daß man eventuell ein Examen ablegen kann. So sind geisteswissenschaftliche Bücher niemals gemeint. Da ist das Wesentlichste nicht dann getan, wenn man den Inhalt an den Fingern herzählen kann, sondern da ist das Nötige erst getan, wenn die Dinge übergegangen sind in die ganze Seelenkonstitution, in die ganze Seelenverfassung, wenn man sich dadurch für das Leben geeignete Seelenkräfte herangebildet hat.

[ 16 ] Alle diese Erscheinungen muß man heute beurteilen können vom Standpunkte der Gesetze der Menschheitsentwickelung. Es ist im allgemeinen nichts Angenehmes, die Menschheit nach ihren Eigentümlichkeiten zu beurteilen, und es liegt vor allen Dingen heute nicht in der Gewohnheit der Menschen, auf den andern Menschen einzugehen. Daher nimmt man die Menschen heute gern nach ihrer Abstempelung. Man hat nicht die Neigung, sich die Unbequemlichkeit zu machen, durch Begegnung mit einem Menschen zu erfahren, ob er Fähigkeiten hat, ob etwas in seiner Seele lebt, was Wirkungsmöglichkeiten hat. Man will sich auch gar nicht darauf einlassen, in dieser Weise durch den unmittelbaren aus dem Leben stammenden Eindruck den Menschen zu beurteilen. Man braucht andere Möglichkeiten. Es ist einer graduiert, er ist im Besitze eines Doktordiploms — also ist er ein weiser Mann. Da braucht man ihn nicht erst kennenzulernen, man braucht bloß zu wissen: Er hat einmal Prüfungen gemacht, oder er ist — ich weiß nicht, ob man nicht sagen soll: er war — Regierungsrat. Schön, da ist er etwas, was man zu respektieren hat, man braucht sich nicht weiter darum zu kümmern, ob er irgendwelche Wirkungsmöglichkeiten in seiner Seele hat. Eine Regierung hat einen zum Rat gemacht, mit t geschrieben, nicht zum fünften Rad am Wagen, mit weichem d geschrieben. Also man braucht von außen kommende Möglichkeiten. In der Zukunft wird man ein wirklich unmittelbares Verhältnis von Mensch zu Mensch brauchen. Niemand wird sich das erwerben, der nicht seine menschlichen Geisteskräfte in entsprechender Weise ausbildet. Diese entsprechende Weise ist die durch die Geisteswissenschaft. Wenn Sie zum Beispiel meine «Geheimwissenschaft» lesen, so können Sie das lesen, was darinnensteht, Sie können das, was darinnensteht, dem Inhalte nach aufnehmen. Wenn Sie das dem Inhalte nach aufnehmen, so daß Sie es dann gedächtnismäßig ganz gut hersagen können, dann fände ich es fast nützlicher, Sie lesen ein Kochbuch, oder wenn Sie nicht gerade zufällig Frauen sind, irgendeine Abhandlung über Tarifverträge oder dergleichen; es wird nützlicher sein, als wenn Sie meine «Geheimwissenschaft» lesen. Diese «Geheimwissenschaft» hat nur dann bei der Lektüre ihre Bedeutung, wenn durch die besondere Formung der Gedanken — welche die Menschen so ärgert, daß sie es ablehnen, sich mit dem, was sie «schlecht stilisiert» nennen, zu befassen — diese Art zu schreiben und zu denken erzieherisch wirkt auf die ganze Seelenverfassung, wenn das Wie, nicht das Was die Seele gestaltet. Wer so die «Geheimwissenschaft» — es kann natürlich auch ein anderes Buch sein — auf sich wirken läßt, dann ins Leben geht, der wird sehen, daß er tatsächlich sein innerliches Schauen verstärkt hat, so daß ihm Menschenkenntnis daraus wird. Es wird etwas ganz anderes aus den Dingen als ein bloßes schulmäßiges In-sich-aufgenommen-Haben der Sache! Heute hat man, wenn man ein Buch gelesen hat, die Vorstellung, man habe das Nötige getan, wenn man den Inhalt in sich hat, das heißt, ihn so in sich hat, daß man eventuell ein Examen ablegen kann. So sind geisteswissenschaftliche Bücher niemals gemeint. Da ist das Wesentlichste nicht dann getan, wenn man den Inhalt an den Fingern herzählen kann, sondern da ist das Nötige erst getan, wenn die Dinge übergegangen sind in die ganze Seelenkonstitution, in die ganze Seelenverfassung, wenn man sich dadurch für das Leben geeignete Seelenkräfte herangebildet hat.

[ 17 ] In den verschiedensten Formen habe ich das seit Jahrzehnten immer wieder und wiederum gesagt. Es wird aber deshalb doch über weite Kreise für die Hauptsache gehalten, daß man nun weiß: Der Mensch besteht aus dem und dem, es gibt wiederholte Erdenleben und so weiter. — Das ist aber nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist, daß durch diese ganze Art zu denken im Menschen etwas erfaßt wird, was durch nichts anderes im Menschen erfaßt werden kann. Und das, was so vom Menschen erfaßt wird, das muß da sein. Wird es nicht da sein, dann werden alle die gutmeinenden Leute, die zum Beispiel sagen: Ein Christentum muß es immer geben —, die werden nichts erreichen. Denn ebensowenig wie Sie aus einem nichtmagnetischen Stück Eisen Magnetismus herausgewinnen können, ebensowenig können Sie, wenn nichts anderes eintritt, aus dem, was aus den Europäern wird, ein Christentum herausschlagen. Das kann traditionell bleiben eine Zeitlang; aber die Leute werden aus Unwahrhaftigkeit die Tradition annehmen. Worum es sich handelt, ist, daß etwas in den Seelen ergriffen werden muß, was zu einem neuen Verständnis des Mysteriums von Golgatha führt, und damit zu einem neuen Verständnis des ganzen Christentums. Es hat im Altertum der vorchristlichen Zeit, wie ich heute auch schon erwähnt habe, eine ausgebreitete, großartige, bewundernswürdige Urweisheit gegeben, und wer die heidnische Weisheit bewundern will, der tut recht, und wer die heidnische Weisheit auch in den Zeiten bewundern will, in denen sie bereits anklingt an das Christliche, der tut noch mehr recht. Die ersten christlichen Kirchenväter waren eigentlich gescheiter, viel gescheiter als ihre jetzigen Nachfolger. Ihre jetzigen Nachfolger verbieten das Lesen der anthroposophischen Schriften. Wie Sie wissen, ist es den Katholiken verboten durch die Verfügung der Kongregation des Heiligen Offiziums in Rom seit dem 18. Juli 1919. Die ersten christlichen Kirchenväter aber haben gesagt: Das, was man jetzt Christentum nennt, war immer da, nur in anderer Form, und Heraklit und Sokrates und Plato waren vor dem Mysterium von Golgatha in ihrer Art Christen. — Das ist natürlich für die heutigen Mitglieder der römischen Index-Kongregation eine außerordentlich ketzerische Bemerkung, trotzdem sie von echten Kirchenvätern herrührt, sehr ketzerisch! Und dennoch muß man sagen: Es entscheidet sich etwas. Diese Verfügung der römischen Index-Kongregation, das Lesen der anthroposophischen Bücher sei für die Katholiken zu verbieten, ist eigentlich die richtige Konsequenz der römisch-katholischen Entwickelung, der Entwickelung der römisch-katholischen Kirche, und man muß einsehen, daß eben eine neue Geistesströmung kommen muß, die das Christentum neu begreift.

[ 17 ] In den verschiedensten Formen habe ich das seit Jahrzehnten immer wieder und wiederum gesagt. Es wird aber deshalb doch über weite Kreise für die Hauptsache gehalten, daß man nun weiß: Der Mensch besteht aus dem und dem, es gibt wiederholte Erdenleben und so weiter. — Das ist aber nicht die Hauptsache. Die Hauptsache ist, daß durch diese ganze Art zu denken im Menschen etwas erfaßt wird, was durch nichts anderes im Menschen erfaßt werden kann. Und das, was so vom Menschen erfaßt wird, das muß da sein. Wird es nicht da sein, dann werden alle die gutmeinenden Leute, die zum Beispiel sagen: Ein Christentum muß es immer geben —, die werden nichts erreichen. Denn ebensowenig wie Sie aus einem nichtmagnetischen Stück Eisen Magnetismus herausgewinnen können, ebensowenig können Sie, wenn nichts anderes eintritt, aus dem, was aus den Europäern wird, ein Christentum herausschlagen. Das kann traditionell bleiben eine Zeitlang; aber die Leute werden aus Unwahrhaftigkeit die Tradition annehmen. Worum es sich handelt, ist, daß etwas in den Seelen ergriffen werden muß, was zu einem neuen Verständnis des Mysteriums von Golgatha führt, und damit zu einem neuen Verständnis des ganzen Christentums. Es hat im Altertum der vorchristlichen Zeit, wie ich heute auch schon erwähnt habe, eine ausgebreitete, großartige, bewundernswürdige Urweisheit gegeben, und wer die heidnische Weisheit bewundern will, der tut recht, und wer die heidnische Weisheit auch in den Zeiten bewundern will, in denen sie bereits anklingt an das Christliche, der tut noch mehr recht. Die ersten christlichen Kirchenväter waren eigentlich gescheiter, viel gescheiter als ihre jetzigen Nachfolger. Ihre jetzigen Nachfolger verbieten das Lesen der anthroposophischen Schriften. Wie Sie wissen, ist es den Katholiken verboten durch die Verfügung der Kongregation des Heiligen Offiziums in Rom seit dem 18. Juli 1919. Die ersten christlichen Kirchenväter aber haben gesagt: Das, was man jetzt Christentum nennt, war immer da, nur in anderer Form, und Heraklit und Sokrates und Plato waren vor dem Mysterium von Golgatha in ihrer Art Christen. — Das ist natürlich für die heutigen Mitglieder der römischen Index-Kongregation eine außerordentlich ketzerische Bemerkung, trotzdem sie von echten Kirchenvätern herrührt, sehr ketzerisch! Und dennoch muß man sagen: Es entscheidet sich etwas. Diese Verfügung der römischen Index-Kongregation, das Lesen der anthroposophischen Bücher sei für die Katholiken zu verbieten, ist eigentlich die richtige Konsequenz der römisch-katholischen Entwickelung, der Entwickelung der römisch-katholischen Kirche, und man muß einsehen, daß eben eine neue Geistesströmung kommen muß, die das Christentum neu begreift.

[ 18 ] Wie gesagt, die vorchristliche Weltanschauung, sie ist in einer gewissen Weise bewundernswürdig. Aber sie hat sich nicht erstreckt auf gewisse Dinge, welche irdischer Natur sind. Und da berühre ich etwas, was einzusehen für die Erdenentwickelung von außerordentlicher Wichtigkeit ist. Mit Bezug auf alles dasjenige, was der Mensch als physischer Mensch an sich trägt, war eigentlich die menschliche Entwickelung gegeben. Etwa im 15. vorchristlichen Jahrtausend, noch in der alten Atlantis drüben, hat der Mensch bis zu einem gewissen fertigen Zustande in sich alle diejenigen Eigenschaften seiner physischen Konstitution ausgebildet, die dann mehr oder weniger langsam verhärtet sind. Aber in bezug auf die Hauptesentwickelung, auf die Erkenntnisentwickelung war das anders. Da blieb etwas zurück wie eine große Menschheitserscheinung, ein Wissen der Menschheit, vermittelt durch die Führer der Mysterien bis zum Ereignis von Golgatha. Was die alten heidnischen Weisen in sich hatten, das war gewissermaßen das Spiegelbild einer noch älteren Weisheit, jedoch einer solchen Weisheit, die noch geistig beobachten konnte; aber es war alles Spiegelbild. Da trat das Mysterium von Golgatha ein, das heißt nichts Geringeres als etwas Außerirdisches: das Christus-Wesen. Etwas, das aus Sphären, die durchaus außerirdisch sind, auf die Erde herabdrang, verband sich mit einem menschlichen physischen Leibe, dem Leibe des Jesus von Nazareth. Damit trat etwas ein in die irdische Menschheitsentwickelung, was die ganze frühere Erdenentwickelung hindurch nicht eingetreten ist: daß etwas Kosmisches in die Menschheit hereingekommen ist. Die Menschen haben im wesentlichen mit ihrer physischen Konstitution seit dem 15. Jahrtausend bis zum Mysterium von Golgatha durch ihre seelische Kopfkonstitution von alter Erbschaft gelebt. Jetzt trat etwas ein, was in gewisser Beziehung den Himmel mit der Erde verband. Ein außerirdisches Wesen verband sich mit einem Menschenleibe.

[ 18 ] Wie gesagt, die vorchristliche Weltanschauung, sie ist in einer gewissen Weise bewundernswürdig. Aber sie hat sich nicht erstreckt auf gewisse Dinge, welche irdischer Natur sind. Und da berühre ich etwas, was einzusehen für die Erdenentwickelung von außerordentlicher Wichtigkeit ist. Mit Bezug auf alles dasjenige, was der Mensch als physischer Mensch an sich trägt, war eigentlich die menschliche Entwickelung gegeben. Etwa im 15. vorchristlichen Jahrtausend, noch in der alten Atlantis drüben, hat der Mensch bis zu einem gewissen fertigen Zustande in sich alle diejenigen Eigenschaften seiner physischen Konstitution ausgebildet, die dann mehr oder weniger langsam verhärtet sind. Aber in bezug auf die Hauptesentwickelung, auf die Erkenntnisentwickelung war das anders. Da blieb etwas zurück wie eine große Menschheitserscheinung, ein Wissen der Menschheit, vermittelt durch die Führer der Mysterien bis zum Ereignis von Golgatha. Was die alten heidnischen Weisen in sich hatten, das war gewissermaßen das Spiegelbild einer noch älteren Weisheit, jedoch einer solchen Weisheit, die noch geistig beobachten konnte; aber es war alles Spiegelbild. Da trat das Mysterium von Golgatha ein, das heißt nichts Geringeres als etwas Außerirdisches: das Christus-Wesen. Etwas, das aus Sphären, die durchaus außerirdisch sind, auf die Erde herabdrang, verband sich mit einem menschlichen physischen Leibe, dem Leibe des Jesus von Nazareth. Damit trat etwas ein in die irdische Menschheitsentwickelung, was die ganze frühere Erdenentwickelung hindurch nicht eingetreten ist: daß etwas Kosmisches in die Menschheit hereingekommen ist. Die Menschen haben im wesentlichen mit ihrer physischen Konstitution seit dem 15. Jahrtausend bis zum Mysterium von Golgatha durch ihre seelische Kopfkonstitution von alter Erbschaft gelebt. Jetzt trat etwas ein, was in gewisser Beziehung den Himmel mit der Erde verband. Ein außerirdisches Wesen verband sich mit einem Menschenleibe.

[ 19 ] Solch ein Mysterium zu verstehen war noch möglich den zurückgebliebensten Menschen, die ja in Europa sitzengeblieben waren, die noch im Leibe gewisse naturgeistige Eigenschaften hatten. Den fortgebildeten Asiaten war es nicht möglich, das zu begreifen. Es war gewissermaßen noch ein Gottesgeschenk für diese europäische Bevölkerung, Leiber zu haben, die für das Christentum durch die leibliche Konstitution empfänglich waren. Seit dem 15. Jahrhundert hörte das auf, und daher muß ein geistiges Wissen eintreten, um neuerdings das Mysterium von Golgatha zu begreifen. Ohne das Durchschauen dieser Entwickelungsvorgänge der Menschheit geht die menschliche Natur nicht weiter und müßte ihrem Untergang entgegengehen, denn es müßte das, was durch das Mysterium von Golgatha in die Erdenentwickelung hereingekommen ist, einfach verschwinden. Ohne daß wiederum geistig begriffen werde der Zusammenhang der Erde mit der außerirdischen Welt, kann das Mysterium von Golgatha nicht weiterleben.

[ 19 ] Solch ein Mysterium zu verstehen war noch möglich den zurückgebliebensten Menschen, die ja in Europa sitzengeblieben waren, die noch im Leibe gewisse naturgeistige Eigenschaften hatten. Den fortgebildeten Asiaten war es nicht möglich, das zu begreifen. Es war gewissermaßen noch ein Gottesgeschenk für diese europäische Bevölkerung, Leiber zu haben, die für das Christentum durch die leibliche Konstitution empfänglich waren. Seit dem 15. Jahrhundert hörte das auf, und daher muß ein geistiges Wissen eintreten, um neuerdings das Mysterium von Golgatha zu begreifen. Ohne das Durchschauen dieser Entwickelungsvorgänge der Menschheit geht die menschliche Natur nicht weiter und müßte ihrem Untergang entgegengehen, denn es müßte das, was durch das Mysterium von Golgatha in die Erdenentwickelung hereingekommen ist, einfach verschwinden. Ohne daß wiederum geistig begriffen werde der Zusammenhang der Erde mit der außerirdischen Welt, kann das Mysterium von Golgatha nicht weiterleben.

[ 20 ] Da diese Tatsache besteht, wenden sich diejenigen, die heute im Traditionell-Alten verbleiben wollen — und Sie wissen, wie zahlreich sie sind, denn ich habe Ihnen immer von Zeit zu Zeit die häßlichen Angriffe, die von jener Seite kommen, mitgeteilt —, mit besonderer Giftigkeit gegen die Wahrheit, die aus der Geisteswissenschaft heraus verkündet wird, daß man es zu tun habe mit einem kosmischen Christus, mit einem Christus, der nicht bloß irdisch, sondern kosmisch ist. Es ist ja sonderbar, aber es ist trotzdem so, daß es zum Beispiel die römisch-katholische Klerisei und den Jesuitismus am allermeisten ärgert, daß Geisteswissenschaft von einem kosmischen Christus spricht. Es ist einmal so, daß eine Scheidung der Geister heute eintritt. Und demgegenüber sollte man nicht die Augen verschließen; demgegenüber sollte man gerade die Augen öffnen. Um alles dasjenige, was für die Menschheit einzurichten ist, miteinrichten zu können an dem kleinsten Platze, auf dem man steht, ist es heute notwendig, daß man Einsicht hat in die großen Verhältnisse des Lebens.

[ 20 ] Da diese Tatsache besteht, wenden sich diejenigen, die heute im Traditionell-Alten verbleiben wollen — und Sie wissen, wie zahlreich sie sind, denn ich habe Ihnen immer von Zeit zu Zeit die häßlichen Angriffe, die von jener Seite kommen, mitgeteilt —, mit besonderer Giftigkeit gegen die Wahrheit, die aus der Geisteswissenschaft heraus verkündet wird, daß man es zu tun habe mit einem kosmischen Christus, mit einem Christus, der nicht bloß irdisch, sondern kosmisch ist. Es ist ja sonderbar, aber es ist trotzdem so, daß es zum Beispiel die römisch-katholische Klerisei und den Jesuitismus am allermeisten ärgert, daß Geisteswissenschaft von einem kosmischen Christus spricht. Es ist einmal so, daß eine Scheidung der Geister heute eintritt. Und demgegenüber sollte man nicht die Augen verschließen; demgegenüber sollte man gerade die Augen öffnen. Um alles dasjenige, was für die Menschheit einzurichten ist, miteinrichten zu können an dem kleinsten Platze, auf dem man steht, ist es heute notwendig, daß man Einsicht hat in die großen Verhältnisse des Lebens.

[ 21 ] Sagen Sie wirklich nicht: Dazu ist nicht Zeit. — Es ist nämlich auch etwas, was man hören kann, daß gesagt wird: Der Mensch ist heute so beschäftigt, so unendlich beschäftigt, daß er ja nicht Zeit hat, aufzublicken zu diesen geistigen Wahrheiten. — Ich möchte Ihnen zusammenrechnen, wieviel Schwatz abläuft bei «Five o’clock teas», bei «Jausen», bei «Nachmittagstees», bei «Frühschoppen», in gewissen Gegenden beim «Dämmerschoppen» — solche gibt es ja auch —, beim «Skatklopfen» und andern Dingen, und Sie würden sehen, daß eine erkleckliche Summe von Zeit herauskommt, in der die Menschen Gelegenheit haben würden, wenn sie wollten, sich bekanntzumachen mit dem, was der Menschheitsentwickelung ungeheuer notwendig ist für die Zukunft. Es liegt nicht an der Zeit, es liegt an der Lässigkeit der Menschen, an der Schläfrigkeit der Menschen. Die Encephalitis lethargica tritt jetzt äußerlich in einzelnen Fällen auf; die Seelen sind längst von ihr befallen im weiten Umkreise der Menschheit. Die Schlafkrankheit der Seelen ist eine sehr verbreitete Epidemie. Denn dasjenige, um was es sich zuletzt handelt, ist, den Willen zu haben, seine geistigen Kräfte in Bewegung zu setzen. Wenn man heute an der Universität studiert — mit geringen Ausnahmen, die an den Fingern herzuzählen sind —, braucht man sein Denken eigentlich wirklich nicht anzustrengen. Es wird einem eine gewisse Summe von zum großen Teile Experimentalergebnissen vermittelt, man kann das aufnehmen. Die Denkkraft braucht man dabei nicht in Bewegung zu setzen. An die Stelle dieser Bildung muß aber treten, daß die Denkkraft wiederum beweglich wird, daß die ganzen Seelenkräfte beweglich werden, daß Emsigkeit des inneren Seelenlebens an die Stelle von Lässigkeit und Schläfrigkeit trete. Man kann sehr tätig sein im äußeren Leben und ungeheuer schläfrig sein in seinem Seelenleben. Aber das muß in der Menschheitsentwickelung aufhören. Daß es aufhört, das ist eine wirklich tief, tiefgehende Notwendigkeit. Heute sagen Leute: Zunächst muß die Menschheit Brot haben. — Gewiß muß sie Brot haben. Aber wenn nicht daran gedacht wird, die Einrichtung aus dem Geistigen heraus so zu treffen, daß dieses Brot auch morgen erzeugt werden kann, dann wird man eben nur dasjenige essen, was die Erde noch vorherhergibt, und man wird morgen und übermorgen kein Brot haben. Daß man heute noch Brot hat, das geht noch eine Weile mit den alten Gedanken. Aber man wird übermorgen — bildlich gesprochen selbstverständlich — kein Brot haben, wenn man nicht die Institutionen der Erde aus einer neuen Geistigkeit heraus treiben wird.

[ 21 ] Sagen Sie wirklich nicht: Dazu ist nicht Zeit. — Es ist nämlich auch etwas, was man hören kann, daß gesagt wird: Der Mensch ist heute so beschäftigt, so unendlich beschäftigt, daß er ja nicht Zeit hat, aufzublicken zu diesen geistigen Wahrheiten. — Ich möchte Ihnen zusammenrechnen, wieviel Schwatz abläuft bei «Five o’clock teas», bei «Jausen», bei «Nachmittagstees», bei «Frühschoppen», in gewissen Gegenden beim «Dämmerschoppen» — solche gibt es ja auch —, beim «Skatklopfen» und andern Dingen, und Sie würden sehen, daß eine erkleckliche Summe von Zeit herauskommt, in der die Menschen Gelegenheit haben würden, wenn sie wollten, sich bekanntzumachen mit dem, was der Menschheitsentwickelung ungeheuer notwendig ist für die Zukunft. Es liegt nicht an der Zeit, es liegt an der Lässigkeit der Menschen, an der Schläfrigkeit der Menschen. Die Encephalitis lethargica tritt jetzt äußerlich in einzelnen Fällen auf; die Seelen sind längst von ihr befallen im weiten Umkreise der Menschheit. Die Schlafkrankheit der Seelen ist eine sehr verbreitete Epidemie. Denn dasjenige, um was es sich zuletzt handelt, ist, den Willen zu haben, seine geistigen Kräfte in Bewegung zu setzen. Wenn man heute an der Universität studiert — mit geringen Ausnahmen, die an den Fingern herzuzählen sind —, braucht man sein Denken eigentlich wirklich nicht anzustrengen. Es wird einem eine gewisse Summe von zum großen Teile Experimentalergebnissen vermittelt, man kann das aufnehmen. Die Denkkraft braucht man dabei nicht in Bewegung zu setzen. An die Stelle dieser Bildung muß aber treten, daß die Denkkraft wiederum beweglich wird, daß die ganzen Seelenkräfte beweglich werden, daß Emsigkeit des inneren Seelenlebens an die Stelle von Lässigkeit und Schläfrigkeit trete. Man kann sehr tätig sein im äußeren Leben und ungeheuer schläfrig sein in seinem Seelenleben. Aber das muß in der Menschheitsentwickelung aufhören. Daß es aufhört, das ist eine wirklich tief, tiefgehende Notwendigkeit. Heute sagen Leute: Zunächst muß die Menschheit Brot haben. — Gewiß muß sie Brot haben. Aber wenn nicht daran gedacht wird, die Einrichtung aus dem Geistigen heraus so zu treffen, daß dieses Brot auch morgen erzeugt werden kann, dann wird man eben nur dasjenige essen, was die Erde noch vorherhergibt, und man wird morgen und übermorgen kein Brot haben. Daß man heute noch Brot hat, das geht noch eine Weile mit den alten Gedanken. Aber man wird übermorgen — bildlich gesprochen selbstverständlich — kein Brot haben, wenn man nicht die Institutionen der Erde aus einer neuen Geistigkeit heraus treiben wird.

[ 22 ] Denken Sie über diese Sache nach, denn es handelt sich um ernste Angelegenheiten.

[ 22 ] Denken Sie über diese Sache nach, denn es handelt sich um ernste Angelegenheiten.