Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196
15 February 1920, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Geistige und soziale Wandlungen in der Menschheitsentwickelung
Fünfzehnter Vortrag
Fünfzehnter Vortrag
[ 1 ] Gestern und vorgestern versuchte ich auszuführen, wie notwendig es ist, daß für die zukünftige Entwickelung der Menschheit die Menschen zu einer wirklichen Selbsterkenntnis, das heißt zu einer Erkenntnis des Menschentums kommen, wie es aber unmöglich ist, zu einer Erkenntnis des Menschentums zu kommen, ohne daß man wiederum die Verbindung finde der Menschenwesenheit mit den außerirdischen Welten. Von dem, was der Mensch in seiner Wesenheit durch seinen Lebensweg mit sich führt, ist ja die physische Organisation nur der kleinste Teil. Aber nur diese physische Organisation, so wie sie heute der Mensch an sich trägt, ist Ja im Grunde genommen Erdenprodukt. Dasjenige, was sonst zum Wesen des Menschen gehört, ist in dem Sinne nicht Erdenprodukt, wie ich es in diesen beiden Vorträgen wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus auseinandergesetzt habe.
[ 1 ] Gestern und vorgestern versuchte ich auszuführen, wie notwendig es ist, daß für die zukünftige Entwickelung der Menschheit die Menschen zu einer wirklichen Selbsterkenntnis, das heißt zu einer Erkenntnis des Menschentums kommen, wie es aber unmöglich ist, zu einer Erkenntnis des Menschentums zu kommen, ohne daß man wiederum die Verbindung finde der Menschenwesenheit mit den außerirdischen Welten. Von dem, was der Mensch in seiner Wesenheit durch seinen Lebensweg mit sich führt, ist ja die physische Organisation nur der kleinste Teil. Aber nur diese physische Organisation, so wie sie heute der Mensch an sich trägt, ist Ja im Grunde genommen Erdenprodukt. Dasjenige, was sonst zum Wesen des Menschen gehört, ist in dem Sinne nicht Erdenprodukt, wie ich es in diesen beiden Vorträgen wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus auseinandergesetzt habe.
[ 2 ] Nun deutet aber schon die gegenwärtige physische Menschenorganisation darauf hin, daß der Mensch als solcher ein Wesen ist, das über die unmittelbare Gegenwart hinausweist. Zwar deutet die physische Organisation durchaus auf Irdisches hin, allein im Irdischen wiederum weist uns des Menschen physische Organisation über den unmittelbar gegenwärtigen weltgeschichtlichen Augenblick in die Vergangenheit und in die Zukunft. Wir haben unter den Fähigkeiten des Menschen hervorzuheben gehabt erkenntnisartige Fähigkeiten: Sinnestätigkeit, Intelligenz, Erinnerungsfähigkeit, und wir haben hervorzuheben gehabt Fühlen, Begehren und Wollen: Fähigkeiten, die mehr begierdenartiger Natur sind.
[ 2 ] Nun deutet aber schon die gegenwärtige physische Menschenorganisation darauf hin, daß der Mensch als solcher ein Wesen ist, das über die unmittelbare Gegenwart hinausweist. Zwar deutet die physische Organisation durchaus auf Irdisches hin, allein im Irdischen wiederum weist uns des Menschen physische Organisation über den unmittelbar gegenwärtigen weltgeschichtlichen Augenblick in die Vergangenheit und in die Zukunft. Wir haben unter den Fähigkeiten des Menschen hervorzuheben gehabt erkenntnisartige Fähigkeiten: Sinnestätigkeit, Intelligenz, Erinnerungsfähigkeit, und wir haben hervorzuheben gehabt Fühlen, Begehren und Wollen: Fähigkeiten, die mehr begierdenartiger Natur sind.
[ 3 ] Nun müssen wir, wenn wir uns fragen: Was muß der Mensch haben in seiner physischen Organisation, damit er erkenntnisartige Fähigkeiten entwickeln könne? — unseren Blick richten auf die menschliche Hauptesorganisation und alles, was damit zusammenhängt. Es ist eben durchaus nur in der Art, wie ich es auseinandergesetzt habe gestern und vorgestern — aber doch eben in der Art —, die Hauptesorganisation notwendig, um für das Ich, für das irdische Menschenbewußtsein die erkennenden Fähigkeiten zu entwickeln. Es ist unrichtig, wenn man glaubt, daß das Auge durchaus der Hervorbringer der Sehempfindung ist; aber es ist richtig, wenn man weiß, daß das Auge der Vermittler der Sehempfindung für das Ich-Bewußtsein ist. Und das gilt ebenso für die andern, namentlich die höheren Sinne.
[ 3 ] Nun müssen wir, wenn wir uns fragen: Was muß der Mensch haben in seiner physischen Organisation, damit er erkenntnisartige Fähigkeiten entwickeln könne? — unseren Blick richten auf die menschliche Hauptesorganisation und alles, was damit zusammenhängt. Es ist eben durchaus nur in der Art, wie ich es auseinandergesetzt habe gestern und vorgestern — aber doch eben in der Art —, die Hauptesorganisation notwendig, um für das Ich, für das irdische Menschenbewußtsein die erkennenden Fähigkeiten zu entwickeln. Es ist unrichtig, wenn man glaubt, daß das Auge durchaus der Hervorbringer der Sehempfindung ist; aber es ist richtig, wenn man weiß, daß das Auge der Vermittler der Sehempfindung für das Ich-Bewußtsein ist. Und das gilt ebenso für die andern, namentlich die höheren Sinne.
[ 4 ] In dieser Art und mit mannigfaltigen Varianten ist die menschliche Leibesorganisation hinweisend auf Irdisches; aber sie weist zugleich über den gegenwärtigen Augenblick hinweg, so daß wir sagen können: Der Mensch, wie wir ihn vor uns haben nach seiner Hauptesorganisation, weist nach dem vorigen Erdenleben. — Wie unsere Intelligenz nach dem fernen, urfernen vergangenen Sonnenleben weist, so weist unsere gegenwärtige physische Hauptesorganisation mit der irdischen Artung der Erkenntnisfähigkeiten, das heißt für die Hinorganisierung der Erkenntnisfähigkeiten auf das Ich-Bewußtsein, zurück in unseren früheren Erdenlauf. Ich habe schon früher darauf aufmerksam gemacht, was das menschliche Haupt eigentlich ist. Schematisch können Sie sich folgendes sagen: Der Mensch besteht aus dem Haupte und aus der übrigen Organisation. — Sagen wir (siehe Zeichnung), das ist der jetzige Lebenslauf (Mitte), das ist der vorige Lebenslauf (links), das ist der folgende Lebenslauf (rechts). So können wir sagen: Das Haupt unseres gegenwärtigen Tafel 15 Lebenslaufes ist entstanden durch Metamorphose unserer übrigen Leibesorganisation im vorhergehenden Lebenslauf, und unseren Kopf vom vorigen Lebenslauf haben wir verloren. — Natürlich verstehe ich da nicht — das ist ja handgreiflich — die physische Organisation, sondern die Kräfte, die Formkräfte, die die physische Organisation wirklich hat. Dasjenige, was wir außer der Hauptesorganisation, der Trägerin der Erkenntnisfähigkeiten für das Ich, jetzt an uns tragen als übrige Menschenorganisation, Rumpf mit Gliedmaßen, das wird Hauptesorganisation unseres künftigen Erdenlebens.
[ 4 ] In dieser Art und mit mannigfaltigen Varianten ist die menschliche Leibesorganisation hinweisend auf Irdisches; aber sie weist zugleich über den gegenwärtigen Augenblick hinweg, so daß wir sagen können: Der Mensch, wie wir ihn vor uns haben nach seiner Hauptesorganisation, weist nach dem vorigen Erdenleben. — Wie unsere Intelligenz nach dem fernen, urfernen vergangenen Sonnenleben weist, so weist unsere gegenwärtige physische Hauptesorganisation mit der irdischen Artung der Erkenntnisfähigkeiten, das heißt für die Hinorganisierung der Erkenntnisfähigkeiten auf das Ich-Bewußtsein, zurück in unseren früheren Erdenlauf. Ich habe schon früher darauf aufmerksam gemacht, was das menschliche Haupt eigentlich ist. Schematisch können Sie sich folgendes sagen: Der Mensch besteht aus dem Haupte und aus der übrigen Organisation. — Sagen wir (siehe Zeichnung), das ist der jetzige Lebenslauf (Mitte), das ist der vorige Lebenslauf (links), das ist der folgende Lebenslauf (rechts). So können wir sagen: Das Haupt unseres gegenwärtigen Tafel 15 Lebenslaufes ist entstanden durch Metamorphose unserer übrigen Leibesorganisation im vorhergehenden Lebenslauf, und unseren Kopf vom vorigen Lebenslauf haben wir verloren. — Natürlich verstehe ich da nicht — das ist ja handgreiflich — die physische Organisation, sondern die Kräfte, die Formkräfte, die die physische Organisation wirklich hat. Dasjenige, was wir außer der Hauptesorganisation, der Trägerin der Erkenntnisfähigkeiten für das Ich, jetzt an uns tragen als übrige Menschenorganisation, Rumpf mit Gliedmaßen, das wird Hauptesorganisation unseres künftigen Erdenlebens.
[ 5 ] Sie alle tragen schon die Kräfte in sich, welche im Haupte konzentriert sein werden in Ihrem späteren Erdenleben. Was Sie heute mit Ihren Armen vollbringen, was Sie mit Ihren Beinen vollbringen, das wird eingehen in die innere Organisation des Hauptes in Ihrem nächsten Erdenleben.Und was an Kräften von Ihrem Haupte im nächsten Erdenleben ausströmt, das wird Ihr Karma, Ihr Schicksal für das nächste Erdenleben sein. Aber das, was da Ihr Schicksal im nächsten Erdenleben sein wird, das wandert auf dem Umwege durch Ihre übrige Organisation, durch die Sie sich hineinstellen ins Menschenleben heute, in Ihr künftiges Hauptesleben hinüber.
[ 5 ] Sie alle tragen schon die Kräfte in sich, welche im Haupte konzentriert sein werden in Ihrem späteren Erdenleben. Was Sie heute mit Ihren Armen vollbringen, was Sie mit Ihren Beinen vollbringen, das wird eingehen in die innere Organisation des Hauptes in Ihrem nächsten Erdenleben.Und was an Kräften von Ihrem Haupte im nächsten Erdenleben ausströmt, das wird Ihr Karma, Ihr Schicksal für das nächste Erdenleben sein. Aber das, was da Ihr Schicksal im nächsten Erdenleben sein wird, das wandert auf dem Umwege durch Ihre übrige Organisation, durch die Sie sich hineinstellen ins Menschenleben heute, in Ihr künftiges Hauptesleben hinüber.
[ 6 ] Wenn Sie heute, sagen wir, durch einen Erdengang liebevoll sich verhalten zu einem andern Menschen, so ist das etwas, was Ihr außerkopflicher Organismus ausgeführt hat. Das wird eine Kopfeskraft, die Ihr Schicksal bewirkt in Ihrem nächsten Erdenleben. So also weist unser Haupt mit seinen Fähigkeiten immer in den früheren Erdenlebenslauf hinüber, namentlich in die Gliedmaßenorganisation. Der Mensch unterliegt dieser großen Metamorphose. Sein Haupt ist ein metamorphosierter Organismus aus der vorhergehenden Inkarnation, und seine gegenwärtige Rumpfes- und namentlich Gliedmaßenorganisation liegt der Organisation des Hauptes in dem nächsten Erdenleben zugrunde.
[ 6 ] Wenn Sie heute, sagen wir, durch einen Erdengang liebevoll sich verhalten zu einem andern Menschen, so ist das etwas, was Ihr außerkopflicher Organismus ausgeführt hat. Das wird eine Kopfeskraft, die Ihr Schicksal bewirkt in Ihrem nächsten Erdenleben. So also weist unser Haupt mit seinen Fähigkeiten immer in den früheren Erdenlebenslauf hinüber, namentlich in die Gliedmaßenorganisation. Der Mensch unterliegt dieser großen Metamorphose. Sein Haupt ist ein metamorphosierter Organismus aus der vorhergehenden Inkarnation, und seine gegenwärtige Rumpfes- und namentlich Gliedmaßenorganisation liegt der Organisation des Hauptes in dem nächsten Erdenleben zugrunde.
[ 7 ] Das ist durchaus etwas, was in gewissem Sinne eine praktische Bedeutung im Zusammenleben der Menschen gewinnen muß. Denn wenn der Mensch sich so eingegliedert weiß in die Menschheitsentwickelung, dann fühlt er sich in der richtigen Weise erst in diesem Erdenleben drinnenstehend, und er wird manches begreifen, was sonst unverständlich ist. Wir leben jetzt, wie ich das oftmals auseinandergesetzt habe, im fünften nachatlantischen Zeitraume. Er hat begonnen in der Mitte des 15. Jahrhunderts, das heißt, in der Mitte des 15. Jahrhunderts waren für die europäische Zivilisation mit ihrem amerikanischen Anhange, soweit als er später entstanden ist, neue Bedingungen des Daseins gegeben. Aber es sind bis jetzt nicht die Folgen dieser neuen Bedingungen des Daseins eingetreten. Die Menschheit der zwvilisierten Länder lebt vielfach in Gewohnheiten, sogar in Gedankengewohnheiten, welchemehr dem früheren, dem vierten nachatlantischen Zeitraume entsprechen.Wir haben gerade unsere Intelligenz unterrichtet nicht in den Dingen, die der Gegenwart angehören, sondern wir haben sie Lateinisch und Griechisch lernen lassen und so weiter. Ein Grieche würde in dieser Beziehung andere Anschauungen gehabt haben. Er hätte für diejenige Zeit, in der die Blüte der griechischen Kultur aufgetreten ist, ein sonderbares Gesicht gemacht, wenn man seinen Knaben nicht Griechisch gelehrt hätte, sondern Ägyptisch oder Persisch oder dergleichen. Aber die Zeit ist vorüber, in welcher dies sein darf, in der wir noch hängen dürfen an den Überbleibseln der griechisch-lateinischen Zeit. Die Menschen nämlich, die nach der Mitte des 15. Jahrhunderts geboren sind, sind ja alle Wiedergeburten im wesentlichen derjenigen physischen Erdenmenschen, die im griechisch-lateinischen Zeitraume gelebt haben. Was haben sie sich da mitgebracht, diese Menschen? Die Köpfe derjenigen Leiber, die sie im griechisch-lateinischen Zeitraum gehabt haben. Wenn also jemand geboren worden ist, sagen wir im 16., 17. Jahrhundert, so kam er ja mit einem Kopfe auf die Welt, das heißt mit Erkenntnisfähigkeiten, insofern der Kopf der Vermittler der Erkenntnisfähigkeiten für das IchBewußtsein ist, der aus seinem Leibe entstanden ist aus der griechischlateinischen Zeit. Daher kam er noch mit Neigungen zur Welt, die aus dieser griechisch-lateinischen Zeit stammten. Aber das ist jetzt zum Teil schon erschöpft oder ist im Erschöpfen. Es werden sehr bald nicht mehr viele Menschen geboren mit Köpfen von dorther, sondern es werden immer mehr und mehr Menschen geboren, welche ihre frühere Verkörperung schon im fünften nachatlantischen Zeitraum hatten, nicht alle, aber viele, namentlich diejenigen, die tonangebend sind, oder wenigstens solche, die gegen Ende des vierten nachatlantischen Zeitraumes mit schon ganz andern Verrichtungen ihres Leibes lebten als diejenigen in der Blüte des vierten nachatlantischen Zeitraumes.
[ 7 ] Das ist durchaus etwas, was in gewissem Sinne eine praktische Bedeutung im Zusammenleben der Menschen gewinnen muß. Denn wenn der Mensch sich so eingegliedert weiß in die Menschheitsentwickelung, dann fühlt er sich in der richtigen Weise erst in diesem Erdenleben drinnenstehend, und er wird manches begreifen, was sonst unverständlich ist. Wir leben jetzt, wie ich das oftmals auseinandergesetzt habe, im fünften nachatlantischen Zeitraume. Er hat begonnen in der Mitte des 15. Jahrhunderts, das heißt, in der Mitte des 15. Jahrhunderts waren für die europäische Zivilisation mit ihrem amerikanischen Anhange, soweit als er später entstanden ist, neue Bedingungen des Daseins gegeben. Aber es sind bis jetzt nicht die Folgen dieser neuen Bedingungen des Daseins eingetreten. Die Menschheit der zwvilisierten Länder lebt vielfach in Gewohnheiten, sogar in Gedankengewohnheiten, welchemehr dem früheren, dem vierten nachatlantischen Zeitraume entsprechen.Wir haben gerade unsere Intelligenz unterrichtet nicht in den Dingen, die der Gegenwart angehören, sondern wir haben sie Lateinisch und Griechisch lernen lassen und so weiter. Ein Grieche würde in dieser Beziehung andere Anschauungen gehabt haben. Er hätte für diejenige Zeit, in der die Blüte der griechischen Kultur aufgetreten ist, ein sonderbares Gesicht gemacht, wenn man seinen Knaben nicht Griechisch gelehrt hätte, sondern Ägyptisch oder Persisch oder dergleichen. Aber die Zeit ist vorüber, in welcher dies sein darf, in der wir noch hängen dürfen an den Überbleibseln der griechisch-lateinischen Zeit. Die Menschen nämlich, die nach der Mitte des 15. Jahrhunderts geboren sind, sind ja alle Wiedergeburten im wesentlichen derjenigen physischen Erdenmenschen, die im griechisch-lateinischen Zeitraume gelebt haben. Was haben sie sich da mitgebracht, diese Menschen? Die Köpfe derjenigen Leiber, die sie im griechisch-lateinischen Zeitraum gehabt haben. Wenn also jemand geboren worden ist, sagen wir im 16., 17. Jahrhundert, so kam er ja mit einem Kopfe auf die Welt, das heißt mit Erkenntnisfähigkeiten, insofern der Kopf der Vermittler der Erkenntnisfähigkeiten für das IchBewußtsein ist, der aus seinem Leibe entstanden ist aus der griechischlateinischen Zeit. Daher kam er noch mit Neigungen zur Welt, die aus dieser griechisch-lateinischen Zeit stammten. Aber das ist jetzt zum Teil schon erschöpft oder ist im Erschöpfen. Es werden sehr bald nicht mehr viele Menschen geboren mit Köpfen von dorther, sondern es werden immer mehr und mehr Menschen geboren, welche ihre frühere Verkörperung schon im fünften nachatlantischen Zeitraum hatten, nicht alle, aber viele, namentlich diejenigen, die tonangebend sind, oder wenigstens solche, die gegen Ende des vierten nachatlantischen Zeitraumes mit schon ganz andern Verrichtungen ihres Leibes lebten als diejenigen in der Blüte des vierten nachatlantischen Zeitraumes.
[ 8 ] Das also kommt in Betracht, wenn man sich mit vollem Bewußtsein hineinstellen will in die Menschheitsentwickelung, daß man weiß: Du hast deinen Kopf von deiner früheren Erdeninkarnation, und du hast deinen Leib, damit du dir einen späteren Kopf für die folgende Erdeninkarnation vorbereitest. — Und eine Zeit muß kommen, wo das mangelnde Bewußtsein dieses Zusammenhanges mit vorhergehender und nächstfolgender Inkarnation bei den Menschen ebenso ein Zeichen von Blödigkeit ist, wie es Blödigkeit wäre, wenn einer nicht wüßte, wie alt er wäre, wenn einer glaubte, er sei erst vorige Woche geboren worden, trotzdem er schon ein erwachsener Mensch ist, oder wenn er glaubte oder glauben gemacht würde, wenn er ein zehnjähriger Junge ist, er würde immer ein zehnjähriger Junge bleiben, er würde nicht einmal ein alter Mann werden. Heute lebt der Mensch nur egoistisch in seinem einen Erdenleben. Höchstens glaubt er, daß es eine Anzahl Erdenleben gibt, aber es wird Glaube, es wird nicht praktische Lebensweisheit, wie dieses Sich-hineingestellt-Fühlen zwischen den Inkarnationen sein muß; wie es praktische Lebensweisheit sein muß, wenn man vierzig Jahre alt geworden ist, daß man weiß, dieses Vierzigjährige ist die Fortsetzung der Kindheit und Jugendzeit und ist der Anfang des Alt- und Greisenhaftwerdens. Ausdehnen muß sich dasjenige, was das menschliche Bewußtsein umfaßt. Es wird sich nicht ausdehnen in lebendiger Art, wenn es nicht befruchtet wird durch Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft. Sonst bleibt es ein bloßer abstrakter Glaube, sonst bleibt es dabei, daß die Leute sagen: Ja, ich weiß, ich war schon unzählige Male auf der Erde, und ich werde unzählige Male wiederum auf die Erde kommen. — Aber dieser Glaube macht nichts aus; erst das lebendige Sichdrinnen-Fühlen in der Menschheitsentwickelung, das Fühlen: Mit deinem Haupte bist du eigentlich ein recht alter Kerl, denn das ist nur der ausgewachsene Leib der früheren Inkarnation, mit deiner übrigen Leibesorganisation bist du ein Baby, denn das wächst erst aus zum reifen Haupte in der nächsten Inkarnation, — dieses Fühlen des Menschen als eine wirkliche Zweiheit, die in die Zeit hineingestellt ist, das ist etwas, was ein Bestandteil des lebendigen Bewußtseins werden muß. Und so, wie man heute versucht, aus allerlei Schädelmessungen und ähnlichem interessantem Zeug festzustellen, wie sich die einzelnen Menschen, Menschenvölker, Menschenrassen auf der Erde unterscheiden, so wird man in der Zukunft nach seelisch-geistigen Erkenntnissen, die aber nicht gewonnen werden können ohne solche Grundlagen, wie wir sie in diesen Tagen entwickelt haben, die Menschen, die die Erde bewohnen, in ihrer Differenzierung erkennen müssen. Man wird namentlich fragen müssen nach den geistig-seelischen Eigentümlichkeiten der über die Erde zerstreuten Menschheit. Und nicht eher kann Heil kommen, bis namentlich unsere Universitätswissenschaften ganz und gar durchdrungen werden von einer solchen Gesinnung und Auffassung, wie wir sie in diesen Tagen kennengelernt haben. Unsere Universitäten werden die Menschheit in den Niedergang hineinreiten, wenn sie nicht befruchtet werden in allen ihren Teilen von jenem kosmischen Wissen, das allein heute durch die Geisteswissenschaft zu gewinnen ist. Ebenso müssen die religiösen Empfindungen der Menschen in der Zukunft getragen werden von dem, was der Mensch wissen kann über das Geistig-Seelische. Anders kommen wir nicht mehr weiter. Denn man wird sich angewöhnen, wenn man nur überhaupt den Blick richtet auf das GeistigSeelische, die Menschengruppen über die Erde hin zu charakterisieren nach den ihnen eigentümlichen seelisch-geistigen Eigenschaften, nicht bloß nach den physischen Eigenschaften, wie man es in der heutigen Anthropologie vielfach tut. Anthroposophie muß an die Stelle der bloßen Anthropologie treten. Aber die Sache hat ein sehr ernstes, praktisches Gesicht. Gewisse Dinge, die sich abspielen in der Gegenwart, die zugrunde liegen den ernsten Ereignissen dieser Gegenwart, sind gar nicht zu durchschauen, wenn man nicht die Möglichkeit hat, auf die geistigen Qualitäten der Glieder der Menschheit sein Augenmerk zu richten. Und da möchte ich auf etwas aufmerksam machen, auf das aufmerksam zu machen mir außerordentlich wichtig erscheint. Gutmeinende Menschen haben während dieser furchtbaren Kriegsereignisse öfter eines für Europa betont, und eigentlich hat dieses eine für Europa schon 1870 Ernest Renan, der französische Beschreiber des «Lebens Jesu» und der Apostel, betont; während dieser Kriegszeit ist es vielfach wiederholt worden. Renan hat gesagt, für das Heil Europas sei absolut notwendig, daß ein Zusammengehen eintrete, ein friedfertiges Zusammengehen zwischen der französischen Nation, dem englischen Staate und dem deutschen Volke. Insbesondere ist dieses oftmals während der Kriegszeit von Leuten, die sich nicht haben betören lassen durch dasjenige, was offiziell als Meinung befohlen war oder was durch für diese oder jene Sache interessierte Leute als Meinung verbreitet worden ist, von vielen wohlmeinenden und unbefangenen Menschen ist das betont worden. Nun kann man aber sagen: Die Entwickelung Europas war in den letzten Jahrzehnten so, daß sie durchaus widerstrebt dem, was einsichtige Menschen als eine Grundbedingung des Fortganges der Zivilisation in Europa ansehen mußten. Ohne dieses friedfertige Zusammenwirken — so sagten diese unbefangenen Menschen — könne es in Europa nicht weitergehen. Aber zu diesem friedfertigen Zusammenwirken ist es niemals in den letzten Jahren wirklich gekommen; höchstens ist ein Schein eines solchen friedfertigen Zusammenwirkens entstanden.
[ 8 ] Das also kommt in Betracht, wenn man sich mit vollem Bewußtsein hineinstellen will in die Menschheitsentwickelung, daß man weiß: Du hast deinen Kopf von deiner früheren Erdeninkarnation, und du hast deinen Leib, damit du dir einen späteren Kopf für die folgende Erdeninkarnation vorbereitest. — Und eine Zeit muß kommen, wo das mangelnde Bewußtsein dieses Zusammenhanges mit vorhergehender und nächstfolgender Inkarnation bei den Menschen ebenso ein Zeichen von Blödigkeit ist, wie es Blödigkeit wäre, wenn einer nicht wüßte, wie alt er wäre, wenn einer glaubte, er sei erst vorige Woche geboren worden, trotzdem er schon ein erwachsener Mensch ist, oder wenn er glaubte oder glauben gemacht würde, wenn er ein zehnjähriger Junge ist, er würde immer ein zehnjähriger Junge bleiben, er würde nicht einmal ein alter Mann werden. Heute lebt der Mensch nur egoistisch in seinem einen Erdenleben. Höchstens glaubt er, daß es eine Anzahl Erdenleben gibt, aber es wird Glaube, es wird nicht praktische Lebensweisheit, wie dieses Sich-hineingestellt-Fühlen zwischen den Inkarnationen sein muß; wie es praktische Lebensweisheit sein muß, wenn man vierzig Jahre alt geworden ist, daß man weiß, dieses Vierzigjährige ist die Fortsetzung der Kindheit und Jugendzeit und ist der Anfang des Alt- und Greisenhaftwerdens. Ausdehnen muß sich dasjenige, was das menschliche Bewußtsein umfaßt. Es wird sich nicht ausdehnen in lebendiger Art, wenn es nicht befruchtet wird durch Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft. Sonst bleibt es ein bloßer abstrakter Glaube, sonst bleibt es dabei, daß die Leute sagen: Ja, ich weiß, ich war schon unzählige Male auf der Erde, und ich werde unzählige Male wiederum auf die Erde kommen. — Aber dieser Glaube macht nichts aus; erst das lebendige Sichdrinnen-Fühlen in der Menschheitsentwickelung, das Fühlen: Mit deinem Haupte bist du eigentlich ein recht alter Kerl, denn das ist nur der ausgewachsene Leib der früheren Inkarnation, mit deiner übrigen Leibesorganisation bist du ein Baby, denn das wächst erst aus zum reifen Haupte in der nächsten Inkarnation, — dieses Fühlen des Menschen als eine wirkliche Zweiheit, die in die Zeit hineingestellt ist, das ist etwas, was ein Bestandteil des lebendigen Bewußtseins werden muß. Und so, wie man heute versucht, aus allerlei Schädelmessungen und ähnlichem interessantem Zeug festzustellen, wie sich die einzelnen Menschen, Menschenvölker, Menschenrassen auf der Erde unterscheiden, so wird man in der Zukunft nach seelisch-geistigen Erkenntnissen, die aber nicht gewonnen werden können ohne solche Grundlagen, wie wir sie in diesen Tagen entwickelt haben, die Menschen, die die Erde bewohnen, in ihrer Differenzierung erkennen müssen. Man wird namentlich fragen müssen nach den geistig-seelischen Eigentümlichkeiten der über die Erde zerstreuten Menschheit. Und nicht eher kann Heil kommen, bis namentlich unsere Universitätswissenschaften ganz und gar durchdrungen werden von einer solchen Gesinnung und Auffassung, wie wir sie in diesen Tagen kennengelernt haben. Unsere Universitäten werden die Menschheit in den Niedergang hineinreiten, wenn sie nicht befruchtet werden in allen ihren Teilen von jenem kosmischen Wissen, das allein heute durch die Geisteswissenschaft zu gewinnen ist. Ebenso müssen die religiösen Empfindungen der Menschen in der Zukunft getragen werden von dem, was der Mensch wissen kann über das Geistig-Seelische. Anders kommen wir nicht mehr weiter. Denn man wird sich angewöhnen, wenn man nur überhaupt den Blick richtet auf das GeistigSeelische, die Menschengruppen über die Erde hin zu charakterisieren nach den ihnen eigentümlichen seelisch-geistigen Eigenschaften, nicht bloß nach den physischen Eigenschaften, wie man es in der heutigen Anthropologie vielfach tut. Anthroposophie muß an die Stelle der bloßen Anthropologie treten. Aber die Sache hat ein sehr ernstes, praktisches Gesicht. Gewisse Dinge, die sich abspielen in der Gegenwart, die zugrunde liegen den ernsten Ereignissen dieser Gegenwart, sind gar nicht zu durchschauen, wenn man nicht die Möglichkeit hat, auf die geistigen Qualitäten der Glieder der Menschheit sein Augenmerk zu richten. Und da möchte ich auf etwas aufmerksam machen, auf das aufmerksam zu machen mir außerordentlich wichtig erscheint. Gutmeinende Menschen haben während dieser furchtbaren Kriegsereignisse öfter eines für Europa betont, und eigentlich hat dieses eine für Europa schon 1870 Ernest Renan, der französische Beschreiber des «Lebens Jesu» und der Apostel, betont; während dieser Kriegszeit ist es vielfach wiederholt worden. Renan hat gesagt, für das Heil Europas sei absolut notwendig, daß ein Zusammengehen eintrete, ein friedfertiges Zusammengehen zwischen der französischen Nation, dem englischen Staate und dem deutschen Volke. Insbesondere ist dieses oftmals während der Kriegszeit von Leuten, die sich nicht haben betören lassen durch dasjenige, was offiziell als Meinung befohlen war oder was durch für diese oder jene Sache interessierte Leute als Meinung verbreitet worden ist, von vielen wohlmeinenden und unbefangenen Menschen ist das betont worden. Nun kann man aber sagen: Die Entwickelung Europas war in den letzten Jahrzehnten so, daß sie durchaus widerstrebt dem, was einsichtige Menschen als eine Grundbedingung des Fortganges der Zivilisation in Europa ansehen mußten. Ohne dieses friedfertige Zusammenwirken — so sagten diese unbefangenen Menschen — könne es in Europa nicht weitergehen. Aber zu diesem friedfertigen Zusammenwirken ist es niemals in den letzten Jahren wirklich gekommen; höchstens ist ein Schein eines solchen friedfertigen Zusammenwirkens entstanden.
[ 9 ] Nun kann man ja schon, wenn man äußerlich — aber äußerlich auch mit einem Sinn, das Geistig-Seelische zu prüfen — die europäischen Verhältnisse ins Auge faßt, hinschauen auf dasjenige, worinnen sich diese drei Menschheitsglieder wesentlich differenzieren. Da müssen wir nicht vergessen, daß seit den Zeiten, seit sich gegen den Beginn der fünften nachatlantischen Periode und dann während des Ablaufes desjenigen Teiles der fünften Epoche, der eben schon abgelaufen ist, Europa entwickelte, sich die französische Nation immer mehr und mehr zu einer einheitlichen Nation gestaltete, deren Glieder sich als einheitliche Nation fühlten. Man möchte sagen: Alles Seelenleben der französischen Nation ging darauf hin, sich als einheitliche Nation zu fühlen, im Bewußtsein etwas zu tragen von dem: Ich bin ein Franzose. — Man kann studieren, wie das im Laufe der Jahrhunderte nach und nach geworden ist, was in die vier Worte zusammengefaßt wird: Ich bin ein Franzose. — Wenn man auf so etwas aufmerksam ist, wie sich das entwickelt: Ich bin ein Franzose! — so muß man hinschauen auf die Parallelerscheinung innerhalb der deutschen Entwickelung. Nicht in gleicher Weise hat sich zum Beispiel etwas entwickelt, was man innerhalb des jetzt zugrunde gegangenen Deutschen Reiches ausdrücken kann oder immer ausdrükken konnte mit: Ich bin ein Deutscher! — Mit voller Intensität auszusprechen: Ich bin ein Deutscher! — hat bis zum Jahre 1848 bedeutet, daß man eingesperrt worden ist, daß man eingekerkert worden ist. Es war das schlimmste politische Verbrechen. Die Leute haben es vergessen. Es war das schlimmste politische Verbrechen, sich als ein Deutscher zu fühlen. Denn in diesem Deutschland hat das Territorialfürstentum alles überflutet, und es war verboten, innerlich verboten als Gesinnung, das Territorium, das bewohnt ist von Deutschen, als eine Einheit aufzufassen. Erst im Jahre 1848 ist bei einigen Leuten die Idee entstanden, man könne diejenigen, die zum deutschen Volke gehören, irgendwie als eine Einheit betrachten. Aber da wurde es noch immer als etwas Ketzerisches, es wurde wie ketzerisch betrachtet. Und dann ist es so gewesen, daß eigentlich nur die Leute, die historisch mit der Entwickelung des deutschen Volkes verknüpft waren, es empfunden haben als etwas ganz Intimes, daß sie das als ihre Intimität angesehen haben. Lesen Sie nach, wie solche Menschen, die wahrhaftig über solche Dinge nachgedacht und auch gesprochen haben, wie Herman Grimm, zurückschauten auf ihre eigene Jugend, die noch hineinfiel in die Jahre vor den fünfziger Jahren, wie die es schildern, daß sie keine Möglichkeit hatten, irgendwie das Urteil des Gefühls, das Gemütsurteil zu äußern: Ich bin ein Deutscher. — Da liegt eine gewaltige Differenz vor. Aber betrachten Sie diese gewaltige Differenz innerlich. Betrachten Sie einmal die Tatsache, daß, trotzdem es ein politisches und ein Polizeiverbrechen war noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sich einen Deutschen zu nennen, damals schon längst die einheitliche geistige Kultur Deutschlands fertig war. Der Goetheanismus mit alledem, was zu ihm gehörte, war da; man las zwar Goethe nicht, aber er hatte gewirkt; man verstand zwar Goethe nicht, aber er hatte großartige Sachen gesagt für alle Deutschen. Aber diese «alle Deutschen» durften niemals für das äußere Leben gestehen, daß sie irgendwie zusammengehörten. Wenigstens durfte das kein auf Realität Anspruch machender Gedanke sein, das heißt, es lebte im deutschen Volke etwas wie in den Untergründen des Bewußtseins, was ja keine äußere politische Realität hatte. Das Franzosentum hat in seiner historischen Entwickelung durchgemacht, daß alles dasjenige, was es innerlich empfunden hat, was seine Einheit ausmachte, äußere Staatsrealität wurde. In Deutschland widersprach alles, was an äußeren Institutionen vorhanden war, demjenigen, was als innere Geistigkeit in diesem deutschen Volke gelebt hatte. Das ist eine ganz bedeutende Differenzierung, die es gibt zwischen Mitteleuropa und Westeuropa. Wenn Ste das nehmen und wenn man diese Dinge in den Einzelheiten schildern würde, dann würde man erst Geschichte des 19. Jahrhunderts bekommen. Und wenn diese Dinge in den Einzelheiten leben würden in den europäischen Gemütern, die doch auf Zusammenleben und Zusammenempfinden angewiesen sind, dann würden sehr bald jene Schreckensgefühle, die in den heutigen Niedergang hineingeführt haben, aufhören. Aber man wird solche Gefühle internationaler Art nicht entwickeln können, ohne daß man den Menschen in seiner Ganzheit als Wesen betrachtet und weiß, ihn anzusehen auch in bezug auf seine Erkenntnis und auf seine Begierdenfähigkeit; denn erst die Hinlenkung des menschlichen Bewußtseins auf diese Geheimnisse der Menschenwesenheit macht einen aufmerksam darauf, daß man solche Betrachtungen anstellen soll. Denn diese Betrachtungen, die wir jetzt angestellt haben, die lehren dann erst das Richtige, das, worauf es ankommt. Warum ist denn das französische Volk eine so kompakte Masse geworden, worinnen sich jeder als Franzose fühlt, wie es dem Deutschen verboten war, bis dann das Deutsche Reich Bismarckscher Färbung entstanden ist? Woran liegt denn das? Das liegt daran, daß eine Fortsetzung gefunden hat das alte lateinisch-romanische Wesen in Frankreich, dasjenige Wesen, das ich Ihnen hier vor Wochen geschildert habe als dasjenige, das vorzugsweise das juristisch-staatliche Wesen ist. Von Ägypten herauf über das Römertum ist ins Lateinische herein das staatlich-juristische Wesen gekommen. Das hat das französische Volk übernommen. Kein Volk der Erde versteht aus seinen Empfindungen heraus besser, was Juristentum ist, was Staatstum ist, als das französische Volk. Wird man aber einmal richtig die Wege finden, um durchzudringen durch jenes, man möchte sagen, Bedrückende, was die deutsche Entwickelung auch noch im 19. Jahrhundert hat, dieses Widersprechende der äußeren Staatsentwickelung, die notwendig machte, daß man eingesperrt wurde, wenn man sich als Deutscher fühlte und nicht als Preuße, nicht als Württemberger, nicht als Bayer oder als Österreicher, sieht man genau hin auf dasjenige, was alles damit zusammenhängt, und studiert man es konkret in den Einzelheiten, studiert man wirklich nicht so, wie die gewissenlose Schul-Tradition heute es dem Menschen einbleut, was von der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert deutsches Geistesleben geworden ist, studiert man, wie hineinfließt dasjenige, was Goetheanismus ist, in die großen Geister, die gar nicht mehr genannt werden, während die Geistesantipoden als Große gefeiert werden, studiert man, wie hineinfließt der Goetheanismus in Menschen wie Troxler, wie Schubert und so weiter, dann findet man heraus, daß gerade die Talentlosigkeit für das Staatswesen, die Schläfrigkeit für das Staatswesen, die Gefahr, eingesperrt zu werden, wenn man Staatsbürger deutscher Färbung sein wollte, nun das deutsche Volk prädestinierte, einmal ein gutes Verständnis zu entwickeln für das Spirituelle, für das Geistesleben. Es ist zunächst nur zurückgeschlagen durch die industrielle, kommerzielle Entwickelung seit den siebziger Jahren. Die hat in Deutschland gründlich mit dem deutschen Geiste aufgeräumt, die hat als Invasion von auswärts alles das, was an Geistigkeit da war, hinweggenommen. Goetheanismus ist vergessen worden. Daß ein Geist wie Leibniz zum Beispiel unter den Deutschen gelebt hat, das müßten die Gymnasiasten besser wissen, als daß sie wissen, was Cicero geschrieben hat, aber sie wissen kaum, daß Leibniz gelebt hat.
[ 9 ] Nun kann man ja schon, wenn man äußerlich — aber äußerlich auch mit einem Sinn, das Geistig-Seelische zu prüfen — die europäischen Verhältnisse ins Auge faßt, hinschauen auf dasjenige, worinnen sich diese drei Menschheitsglieder wesentlich differenzieren. Da müssen wir nicht vergessen, daß seit den Zeiten, seit sich gegen den Beginn der fünften nachatlantischen Periode und dann während des Ablaufes desjenigen Teiles der fünften Epoche, der eben schon abgelaufen ist, Europa entwickelte, sich die französische Nation immer mehr und mehr zu einer einheitlichen Nation gestaltete, deren Glieder sich als einheitliche Nation fühlten. Man möchte sagen: Alles Seelenleben der französischen Nation ging darauf hin, sich als einheitliche Nation zu fühlen, im Bewußtsein etwas zu tragen von dem: Ich bin ein Franzose. — Man kann studieren, wie das im Laufe der Jahrhunderte nach und nach geworden ist, was in die vier Worte zusammengefaßt wird: Ich bin ein Franzose. — Wenn man auf so etwas aufmerksam ist, wie sich das entwickelt: Ich bin ein Franzose! — so muß man hinschauen auf die Parallelerscheinung innerhalb der deutschen Entwickelung. Nicht in gleicher Weise hat sich zum Beispiel etwas entwickelt, was man innerhalb des jetzt zugrunde gegangenen Deutschen Reiches ausdrücken kann oder immer ausdrükken konnte mit: Ich bin ein Deutscher! — Mit voller Intensität auszusprechen: Ich bin ein Deutscher! — hat bis zum Jahre 1848 bedeutet, daß man eingesperrt worden ist, daß man eingekerkert worden ist. Es war das schlimmste politische Verbrechen. Die Leute haben es vergessen. Es war das schlimmste politische Verbrechen, sich als ein Deutscher zu fühlen. Denn in diesem Deutschland hat das Territorialfürstentum alles überflutet, und es war verboten, innerlich verboten als Gesinnung, das Territorium, das bewohnt ist von Deutschen, als eine Einheit aufzufassen. Erst im Jahre 1848 ist bei einigen Leuten die Idee entstanden, man könne diejenigen, die zum deutschen Volke gehören, irgendwie als eine Einheit betrachten. Aber da wurde es noch immer als etwas Ketzerisches, es wurde wie ketzerisch betrachtet. Und dann ist es so gewesen, daß eigentlich nur die Leute, die historisch mit der Entwickelung des deutschen Volkes verknüpft waren, es empfunden haben als etwas ganz Intimes, daß sie das als ihre Intimität angesehen haben. Lesen Sie nach, wie solche Menschen, die wahrhaftig über solche Dinge nachgedacht und auch gesprochen haben, wie Herman Grimm, zurückschauten auf ihre eigene Jugend, die noch hineinfiel in die Jahre vor den fünfziger Jahren, wie die es schildern, daß sie keine Möglichkeit hatten, irgendwie das Urteil des Gefühls, das Gemütsurteil zu äußern: Ich bin ein Deutscher. — Da liegt eine gewaltige Differenz vor. Aber betrachten Sie diese gewaltige Differenz innerlich. Betrachten Sie einmal die Tatsache, daß, trotzdem es ein politisches und ein Polizeiverbrechen war noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sich einen Deutschen zu nennen, damals schon längst die einheitliche geistige Kultur Deutschlands fertig war. Der Goetheanismus mit alledem, was zu ihm gehörte, war da; man las zwar Goethe nicht, aber er hatte gewirkt; man verstand zwar Goethe nicht, aber er hatte großartige Sachen gesagt für alle Deutschen. Aber diese «alle Deutschen» durften niemals für das äußere Leben gestehen, daß sie irgendwie zusammengehörten. Wenigstens durfte das kein auf Realität Anspruch machender Gedanke sein, das heißt, es lebte im deutschen Volke etwas wie in den Untergründen des Bewußtseins, was ja keine äußere politische Realität hatte. Das Franzosentum hat in seiner historischen Entwickelung durchgemacht, daß alles dasjenige, was es innerlich empfunden hat, was seine Einheit ausmachte, äußere Staatsrealität wurde. In Deutschland widersprach alles, was an äußeren Institutionen vorhanden war, demjenigen, was als innere Geistigkeit in diesem deutschen Volke gelebt hatte. Das ist eine ganz bedeutende Differenzierung, die es gibt zwischen Mitteleuropa und Westeuropa. Wenn Ste das nehmen und wenn man diese Dinge in den Einzelheiten schildern würde, dann würde man erst Geschichte des 19. Jahrhunderts bekommen. Und wenn diese Dinge in den Einzelheiten leben würden in den europäischen Gemütern, die doch auf Zusammenleben und Zusammenempfinden angewiesen sind, dann würden sehr bald jene Schreckensgefühle, die in den heutigen Niedergang hineingeführt haben, aufhören. Aber man wird solche Gefühle internationaler Art nicht entwickeln können, ohne daß man den Menschen in seiner Ganzheit als Wesen betrachtet und weiß, ihn anzusehen auch in bezug auf seine Erkenntnis und auf seine Begierdenfähigkeit; denn erst die Hinlenkung des menschlichen Bewußtseins auf diese Geheimnisse der Menschenwesenheit macht einen aufmerksam darauf, daß man solche Betrachtungen anstellen soll. Denn diese Betrachtungen, die wir jetzt angestellt haben, die lehren dann erst das Richtige, das, worauf es ankommt. Warum ist denn das französische Volk eine so kompakte Masse geworden, worinnen sich jeder als Franzose fühlt, wie es dem Deutschen verboten war, bis dann das Deutsche Reich Bismarckscher Färbung entstanden ist? Woran liegt denn das? Das liegt daran, daß eine Fortsetzung gefunden hat das alte lateinisch-romanische Wesen in Frankreich, dasjenige Wesen, das ich Ihnen hier vor Wochen geschildert habe als dasjenige, das vorzugsweise das juristisch-staatliche Wesen ist. Von Ägypten herauf über das Römertum ist ins Lateinische herein das staatlich-juristische Wesen gekommen. Das hat das französische Volk übernommen. Kein Volk der Erde versteht aus seinen Empfindungen heraus besser, was Juristentum ist, was Staatstum ist, als das französische Volk. Wird man aber einmal richtig die Wege finden, um durchzudringen durch jenes, man möchte sagen, Bedrückende, was die deutsche Entwickelung auch noch im 19. Jahrhundert hat, dieses Widersprechende der äußeren Staatsentwickelung, die notwendig machte, daß man eingesperrt wurde, wenn man sich als Deutscher fühlte und nicht als Preuße, nicht als Württemberger, nicht als Bayer oder als Österreicher, sieht man genau hin auf dasjenige, was alles damit zusammenhängt, und studiert man es konkret in den Einzelheiten, studiert man wirklich nicht so, wie die gewissenlose Schul-Tradition heute es dem Menschen einbleut, was von der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert deutsches Geistesleben geworden ist, studiert man, wie hineinfließt dasjenige, was Goetheanismus ist, in die großen Geister, die gar nicht mehr genannt werden, während die Geistesantipoden als Große gefeiert werden, studiert man, wie hineinfließt der Goetheanismus in Menschen wie Troxler, wie Schubert und so weiter, dann findet man heraus, daß gerade die Talentlosigkeit für das Staatswesen, die Schläfrigkeit für das Staatswesen, die Gefahr, eingesperrt zu werden, wenn man Staatsbürger deutscher Färbung sein wollte, nun das deutsche Volk prädestinierte, einmal ein gutes Verständnis zu entwickeln für das Spirituelle, für das Geistesleben. Es ist zunächst nur zurückgeschlagen durch die industrielle, kommerzielle Entwickelung seit den siebziger Jahren. Die hat in Deutschland gründlich mit dem deutschen Geiste aufgeräumt, die hat als Invasion von auswärts alles das, was an Geistigkeit da war, hinweggenommen. Goetheanismus ist vergessen worden. Daß ein Geist wie Leibniz zum Beispiel unter den Deutschen gelebt hat, das müßten die Gymnasiasten besser wissen, als daß sie wissen, was Cicero geschrieben hat, aber sie wissen kaum, daß Leibniz gelebt hat.
[ 10 ] Das sind Dinge, die in Betracht kommen und die tiefer sitzen als alles dasjenige, was man heute anführt für die Differenzierung der europäischen Mitte von dem europäischen Westen. Und wenn man davon spricht, daß Friedensbestrebungen sein sollten zwischen der europäischen Mitte und dem europäischen Westen, so muß man sich klar darüber sein, daß die ganze geschichtliche Entwickelung zeigt, solch ein Frieden kann nur zustande kommen, wenn die Deutschen selber fühlen: Sie sind nicht veranlagt für das äußere juristische staatliche Leben, sie sind veranlagt, spirituelles Leben zu pflegen. — Aber man muß es ihnen möglich machen; heute ist es ihnen unmöglich gemacht, heute haben sie auch keine Verantwortung mehr dafür. Man muß wissen, daß das eigentliche Staatsvolk das französische Volk ist, weil es am besten versteht, wie sich der einzelne Mensch als Staatsbürger fühlt. So haben wir verteilt über die hauptsächlichste Zivilisation von Europa das geistige Leben und das Rechts- und Staatsleben. Diese Dinge sind zugleich, ich möchte sagen, unter die Völker als Gaben ausgeteilt. Und das Wirtschaftsleben, das eigentliche Gebiet der neueren Entwickelung der Menschheit, das ist an das englisch-amerikanische Volk gegeben. Alles dasjenige, was zum Verständnis des Wirtschaftslebens gehört, hat daher seinen besten Gedanken gefunden innerhalb Englands und Amerikas. Vom Wirtschaften verstehen die Franzosen nichts, sie sind besser Bankiers. Vom Wirtschaften haben die Deutschen von jeher nichts verstanden, sie haben auch kein Talent dazu. Und wenn sie versucht haben, in den letzten Jahrzehnten zu wirtschaften in der Art, daß sie immer von Aufschwung sprachen und vom «Platz an der Sonne» oder einer ähnlichen Phrase, dann bedeutete das, daß sie etwas sprachen, was gänzlich außerhalb ihrer Talente lag und wodurch sie gerade das deutsche Wesen in Grund und Boden schlugen. Denn selbst alles dasjenige, was auftauchte als wirtschaftlicher Parlamentarismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist von England ausgegangen. Bis nach Ungarn hinein sind diejenigen, die im wirtschaftlichen Sinne gute Parlamentarier waren, Schüler Englands. Wenn Sie sich ansehen, welche Leute es in den Parlamenten am besten zum «Parlamentarismus» gebracht haben, wie etwa eine Zeitlang im österreichischen Parlament, besonders lange aber im ungarischen Parlament, und wenn Sie sich anschauen, wo diese Leute gelernt haben, dann werden Sie sehen: In England haben sie gelernt den wirtschaftlichen Parlamentarismus. — Und wenn Sie fragen: Woher ist die deutsche Sozialdemokratie gekommen? — dann werden Sie finden: Marx und Engels haben erst müssen nach England gehen, um an den englischen wirtschaftlichen Verhältnissen das auszukochen, was dann theoretisiert ins deutsche Geistesleben aufgenommen, bis in die Konsequenzen durchgearbeitet worden ist. — Und wo sind die allerersten Wurzeln des Leninismus und Trotzkjjismus? Die sind bei den englischen Wirtschaftsgedanken; nur daß die Engländer sich hüten werden, diese ihre Wirtschaftsgedanken bis in die letzten Konsequenzen auszudenken.
[ 10 ] Das sind Dinge, die in Betracht kommen und die tiefer sitzen als alles dasjenige, was man heute anführt für die Differenzierung der europäischen Mitte von dem europäischen Westen. Und wenn man davon spricht, daß Friedensbestrebungen sein sollten zwischen der europäischen Mitte und dem europäischen Westen, so muß man sich klar darüber sein, daß die ganze geschichtliche Entwickelung zeigt, solch ein Frieden kann nur zustande kommen, wenn die Deutschen selber fühlen: Sie sind nicht veranlagt für das äußere juristische staatliche Leben, sie sind veranlagt, spirituelles Leben zu pflegen. — Aber man muß es ihnen möglich machen; heute ist es ihnen unmöglich gemacht, heute haben sie auch keine Verantwortung mehr dafür. Man muß wissen, daß das eigentliche Staatsvolk das französische Volk ist, weil es am besten versteht, wie sich der einzelne Mensch als Staatsbürger fühlt. So haben wir verteilt über die hauptsächlichste Zivilisation von Europa das geistige Leben und das Rechts- und Staatsleben. Diese Dinge sind zugleich, ich möchte sagen, unter die Völker als Gaben ausgeteilt. Und das Wirtschaftsleben, das eigentliche Gebiet der neueren Entwickelung der Menschheit, das ist an das englisch-amerikanische Volk gegeben. Alles dasjenige, was zum Verständnis des Wirtschaftslebens gehört, hat daher seinen besten Gedanken gefunden innerhalb Englands und Amerikas. Vom Wirtschaften verstehen die Franzosen nichts, sie sind besser Bankiers. Vom Wirtschaften haben die Deutschen von jeher nichts verstanden, sie haben auch kein Talent dazu. Und wenn sie versucht haben, in den letzten Jahrzehnten zu wirtschaften in der Art, daß sie immer von Aufschwung sprachen und vom «Platz an der Sonne» oder einer ähnlichen Phrase, dann bedeutete das, daß sie etwas sprachen, was gänzlich außerhalb ihrer Talente lag und wodurch sie gerade das deutsche Wesen in Grund und Boden schlugen. Denn selbst alles dasjenige, was auftauchte als wirtschaftlicher Parlamentarismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist von England ausgegangen. Bis nach Ungarn hinein sind diejenigen, die im wirtschaftlichen Sinne gute Parlamentarier waren, Schüler Englands. Wenn Sie sich ansehen, welche Leute es in den Parlamenten am besten zum «Parlamentarismus» gebracht haben, wie etwa eine Zeitlang im österreichischen Parlament, besonders lange aber im ungarischen Parlament, und wenn Sie sich anschauen, wo diese Leute gelernt haben, dann werden Sie sehen: In England haben sie gelernt den wirtschaftlichen Parlamentarismus. — Und wenn Sie fragen: Woher ist die deutsche Sozialdemokratie gekommen? — dann werden Sie finden: Marx und Engels haben erst müssen nach England gehen, um an den englischen wirtschaftlichen Verhältnissen das auszukochen, was dann theoretisiert ins deutsche Geistesleben aufgenommen, bis in die Konsequenzen durchgearbeitet worden ist. — Und wo sind die allerersten Wurzeln des Leninismus und Trotzkjjismus? Die sind bei den englischen Wirtschaftsgedanken; nur daß die Engländer sich hüten werden, diese ihre Wirtschaftsgedanken bis in die letzten Konsequenzen auszudenken.
[ 11 ] So stehen diese drei Gebiete, von denen ich öfters schon gesagt habe, sie müssen sich miteinander vertragen, in dem Verhältnis einer Dreigliederung — deutsch: geistig; französisch: staatlich-juristisch; englisch: wirtschaftlich. Wie wird man eine Möglichkeit des internationalen Zusammenwirkens finden können? Dadurch, daß man die Dreigliederung über alle diese Gebiete ausgießt. Denn dann wird das, wozu der eine talentiert ist, auf den andern übergehen können, sonst auf keinem Wege. Das ist der geschichtliche Antrieb. So müßte eigentlich Geschichte vor allem des 19. Jahrhunderts studiert werden.
[ 11 ] So stehen diese drei Gebiete, von denen ich öfters schon gesagt habe, sie müssen sich miteinander vertragen, in dem Verhältnis einer Dreigliederung — deutsch: geistig; französisch: staatlich-juristisch; englisch: wirtschaftlich. Wie wird man eine Möglichkeit des internationalen Zusammenwirkens finden können? Dadurch, daß man die Dreigliederung über alle diese Gebiete ausgießt. Denn dann wird das, wozu der eine talentiert ist, auf den andern übergehen können, sonst auf keinem Wege. Das ist der geschichtliche Antrieb. So müßte eigentlich Geschichte vor allem des 19. Jahrhunderts studiert werden.
[ 12 ] Geschichte kann man nicht studieren, wenn man nur das gelehrt bekommt, was in den heutigen Schulen gelehrt wird. Diese Geschichte ist nur zum Vergessen da, denn man kann nichts mit ihr anfangen im Leben. Geschichtsunterricht hat nur einen Sinn, wenn man mit ihm im Leben etwas anfangen kann. Aber man wird einen solchen Geschichtsunterricht nur ausgestalten, wenn man das ganze Wesen des Menschen durchschaut. Und so ist es mit den andern Zweigen unserer heutigen höheren Bildung. Die Art und Weise, wie diese heute an den Universitäten gepflegt werden, führt in den Untergang hinein. Hinaufführen zu einem neuen Anfang kann nur die Befruchtung durch Geisteswissenschaft. Dasjenige, was heute geschehen soll, ist nämlich tatsächlich schon in den historischen Verhältnissen vorbereitet. Aber glauben Sie nicht, daß diese historischen Verhältnisse jemand richtig ansieht, der nicht zuerst so viel Anthroposophie kennt, daß er zum Beispiel so etwas wie diese drei «schönen» Figuren (Zeichnung S. 229) in ihrer gegenseitigen Beziehung kennenlernt oder dasjenige kennenlernt, was wir gestern und vorgestern hier entwickelt haben. Denn nur dadurch, daß man sich bis zu solchen Gedanken aufschwingt, betrachtet man dann das andere in seiner tieferen Wesenheit. Sonst hat man kein Interesse für dieses andere, sonst befriedigt man sich eben mit dem, was einem die Schulwissenschaft gibt. Und wenn man sich befriedigt mit dem, was einem die Schulwissenschaft gibt, dann ist man eben genötigt, bei denjenigen Dingen seine freie Zeit zu verwenden, bei denen die heutigen Leute ihre freie Zeit verwenden.
[ 12 ] Geschichte kann man nicht studieren, wenn man nur das gelehrt bekommt, was in den heutigen Schulen gelehrt wird. Diese Geschichte ist nur zum Vergessen da, denn man kann nichts mit ihr anfangen im Leben. Geschichtsunterricht hat nur einen Sinn, wenn man mit ihm im Leben etwas anfangen kann. Aber man wird einen solchen Geschichtsunterricht nur ausgestalten, wenn man das ganze Wesen des Menschen durchschaut. Und so ist es mit den andern Zweigen unserer heutigen höheren Bildung. Die Art und Weise, wie diese heute an den Universitäten gepflegt werden, führt in den Untergang hinein. Hinaufführen zu einem neuen Anfang kann nur die Befruchtung durch Geisteswissenschaft. Dasjenige, was heute geschehen soll, ist nämlich tatsächlich schon in den historischen Verhältnissen vorbereitet. Aber glauben Sie nicht, daß diese historischen Verhältnisse jemand richtig ansieht, der nicht zuerst so viel Anthroposophie kennt, daß er zum Beispiel so etwas wie diese drei «schönen» Figuren (Zeichnung S. 229) in ihrer gegenseitigen Beziehung kennenlernt oder dasjenige kennenlernt, was wir gestern und vorgestern hier entwickelt haben. Denn nur dadurch, daß man sich bis zu solchen Gedanken aufschwingt, betrachtet man dann das andere in seiner tieferen Wesenheit. Sonst hat man kein Interesse für dieses andere, sonst befriedigt man sich eben mit dem, was einem die Schulwissenschaft gibt. Und wenn man sich befriedigt mit dem, was einem die Schulwissenschaft gibt, dann ist man eben genötigt, bei denjenigen Dingen seine freie Zeit zu verwenden, bei denen die heutigen Leute ihre freie Zeit verwenden.
[ 13 ] Solche Dinge sollten heute wahrhaftig weit und breit bekannt werden, damit sich eine genügend große Anzahl von Menschen fände, welche Verständnis haben für diese Dinge. Denn heute kann es sich wirklich um nichts anderes handeln, als daß sich eben eine genügend große Anzahl von Menschen findet, die zunächst Verständnis haben für solche Dinge. Bevor sich nicht eine genügend große Anzahl von Menschen findet, die Verständnis haben für solche Dinge, kann ja mit diesen Dingen nichts angefangen werden. Man kann nicht gleich an Institutionen gehen, man kann nicht gleich neue Einrichtungen pflegen, sondern es handelt sich darum, daß möglichst viele Menschen sich finden, in deren Erkenntnisfähigkeiten diese Dinge drinnensitzen, dann wird man mit diesen Menschen Institutionen bilden können. Dann aber werden auch die entgegengesetzten Mächte nimmermehr widerstreben können.
[ 13 ] Solche Dinge sollten heute wahrhaftig weit und breit bekannt werden, damit sich eine genügend große Anzahl von Menschen fände, welche Verständnis haben für diese Dinge. Denn heute kann es sich wirklich um nichts anderes handeln, als daß sich eben eine genügend große Anzahl von Menschen findet, die zunächst Verständnis haben für solche Dinge. Bevor sich nicht eine genügend große Anzahl von Menschen findet, die Verständnis haben für solche Dinge, kann ja mit diesen Dingen nichts angefangen werden. Man kann nicht gleich an Institutionen gehen, man kann nicht gleich neue Einrichtungen pflegen, sondern es handelt sich darum, daß möglichst viele Menschen sich finden, in deren Erkenntnisfähigkeiten diese Dinge drinnensitzen, dann wird man mit diesen Menschen Institutionen bilden können. Dann aber werden auch die entgegengesetzten Mächte nimmermehr widerstreben können.
[ 14 ] Heute entdeckt man Merkwürdiges, wenn man auf das hinsieht, was sich die Menschen an Gedanken machen über das europäische Leben, über die Art und Weise, wie dieses europäische Leben von Mensch zu Mensch sich abspielen soll. Ich muß Ihnen immer die Einzelheiten desjenigen, was sich abspielt, ein bißchen mitteilen. Ich möchte Ihnen heute nur ein kleines Pröbchen einfügen wiederum in dasjenige, was wir als wichtige Angelegenheiten zu betrachten hatten. Monsieur Ferriere, von dem ich Ihnen erzählt habe, daß er die Verleumdung weitergetragen hat, ich wäre der Ratgeber gewesen des ehemaligen deutschen Kaisers, wäre sogar der «Rasputin» des deutschen Kaisers und dergleichen, dem ist von Dr. Boos heimgeleuchtet worden in einem «Offenen Brief», und ich habe in einem Einschiebsel in diesen Brief von Dr. Boos auch angeführt, was ich hier einmal über meine Beziehungen — eigentlich Nichtbeziehungen — zum deutschen Kaiser ausgeführt habe. Nun mußte der Mann gestehen, daß er gelogen hat. Aber er gesteht das auf eine höchst eigentümliche Weise, und diese Weise ist charakteristisch. Ich werde mich bemühen, möglichst deutlich die französischen Sätze im Deutschen wiederzugeben. Ich gebe sie eigentlich ganz gern in deutsch wieder, denn sie werden dadurch einen gewissen Charakter, den ich ihnen gern geben möchte, erst erhalten. Nach dem Brief von Dr. Boos steht also hier: .
[ 14 ] Heute entdeckt man Merkwürdiges, wenn man auf das hinsieht, was sich die Menschen an Gedanken machen über das europäische Leben, über die Art und Weise, wie dieses europäische Leben von Mensch zu Mensch sich abspielen soll. Ich muß Ihnen immer die Einzelheiten desjenigen, was sich abspielt, ein bißchen mitteilen. Ich möchte Ihnen heute nur ein kleines Pröbchen einfügen wiederum in dasjenige, was wir als wichtige Angelegenheiten zu betrachten hatten. Monsieur Ferriere, von dem ich Ihnen erzählt habe, daß er die Verleumdung weitergetragen hat, ich wäre der Ratgeber gewesen des ehemaligen deutschen Kaisers, wäre sogar der «Rasputin» des deutschen Kaisers und dergleichen, dem ist von Dr. Boos heimgeleuchtet worden in einem «Offenen Brief», und ich habe in einem Einschiebsel in diesen Brief von Dr. Boos auch angeführt, was ich hier einmal über meine Beziehungen — eigentlich Nichtbeziehungen — zum deutschen Kaiser ausgeführt habe. Nun mußte der Mann gestehen, daß er gelogen hat. Aber er gesteht das auf eine höchst eigentümliche Weise, und diese Weise ist charakteristisch. Ich werde mich bemühen, möglichst deutlich die französischen Sätze im Deutschen wiederzugeben. Ich gebe sie eigentlich ganz gern in deutsch wieder, denn sie werden dadurch einen gewissen Charakter, den ich ihnen gern geben möchte, erst erhalten. Nach dem Brief von Dr. Boos steht also hier: .
[ 15 ] «Wir [die Schriftleitung] haben den obigen Brief von Dr. Roman Boos unserem Korrespondenten mitgeteilt» — das ist also der Herr Ferrière —, «der uns folgendes antwortet: ‹Das obige Dokument ist typisch für den Psychologen. Hier zeigt es sich, was die lateinische Ironie unter germanischen Augen wird. Wahrhaftig, diese Leute› — er meint diejenigen, die die germanischen Augen haben — ‹nehmen alles seriös. Aber meine Leser, sie, sie haben sich nicht beirren lassen! Mein Artikel enthält Spaßigkeiten — de la plaisanterie — aber keine Böswilligkeiten — méchancetés. — Und wenn ich schlecht unterrichtet war — ich erkläre dies als meine Schuld, in der Überzeugung, daß mein Gesprächspartner es mir nicht übelnehmen wird.› — Elegant — es wird vorausgesetzt, ‹daß er es mir nicht übelnehmen wird — ne m'en voudra pas›! — ‹Mit Gesprächspartner meine ich den Soziologen, von welchem ich als Soziologen gesprochen habe [Dr. Steiner], und nicht den Unterzeichner des obigen Briefes, dessen ich keine Erwähnung in meinem Artikel getan habe [Dr. Boos]. In der Tat — au fait —, was macht man aus dieser Affäre?›»
[ 15 ] «Wir [die Schriftleitung] haben den obigen Brief von Dr. Roman Boos unserem Korrespondenten mitgeteilt» — das ist also der Herr Ferrière —, «der uns folgendes antwortet: ‹Das obige Dokument ist typisch für den Psychologen. Hier zeigt es sich, was die lateinische Ironie unter germanischen Augen wird. Wahrhaftig, diese Leute› — er meint diejenigen, die die germanischen Augen haben — ‹nehmen alles seriös. Aber meine Leser, sie, sie haben sich nicht beirren lassen! Mein Artikel enthält Spaßigkeiten — de la plaisanterie — aber keine Böswilligkeiten — méchancetés. — Und wenn ich schlecht unterrichtet war — ich erkläre dies als meine Schuld, in der Überzeugung, daß mein Gesprächspartner es mir nicht übelnehmen wird.› — Elegant — es wird vorausgesetzt, ‹daß er es mir nicht übelnehmen wird — ne m'en voudra pas›! — ‹Mit Gesprächspartner meine ich den Soziologen, von welchem ich als Soziologen gesprochen habe [Dr. Steiner], und nicht den Unterzeichner des obigen Briefes, dessen ich keine Erwähnung in meinem Artikel getan habe [Dr. Boos]. In der Tat — au fait —, was macht man aus dieser Affäre?›»
[ 16 ] Also ein Mann ist imstande, mit einer solchen Nichtsnutzigkeit sich zu entschuldigen, nachdem er nicht bloß gelogen, sondern in der übelsten Weise verleumdet hat. Aber man setzt sich der Gefahr aus, daß man wieder «klobig» genommen wird, wenn man die Dinge so «seriös» nimmt, wenn man behauptet, daß Verleumden nicht eine «plaisanterie», sondern eine «méchanceté» ist.
[ 16 ] Also ein Mann ist imstande, mit einer solchen Nichtsnutzigkeit sich zu entschuldigen, nachdem er nicht bloß gelogen, sondern in der übelsten Weise verleumdet hat. Aber man setzt sich der Gefahr aus, daß man wieder «klobig» genommen wird, wenn man die Dinge so «seriös» nimmt, wenn man behauptet, daß Verleumden nicht eine «plaisanterie», sondern eine «méchanceté» ist.
[ 17 ] Dann heißt es weiter, und nun kommt etwas ganz besonders Schönes:
[ 17 ] Dann heißt es weiter, und nun kommt etwas ganz besonders Schönes:
[ 18 ] «In der Zeit, wo ich meinen Artikel schrieb, kannte ich Herrn Rudolf Steiner nur aus seinen gedruckten Werken. Seit jener Zeit habe ich ihn kennengelernt durch Personen, welche ihn nahe kennen. Meine Meinung hat sich vollständig geändert, und ich hatte einen Artikel vorbereitet, in welchem ich meine Achtung für die moralische Bedeutung seines persönlichen Werkes zum Ausdruck bringe. Ich gestehe, daß der Brief von M. R. Boos meinen Eifer etwas erkaltet.»»
[ 18 ] «In der Zeit, wo ich meinen Artikel schrieb, kannte ich Herrn Rudolf Steiner nur aus seinen gedruckten Werken. Seit jener Zeit habe ich ihn kennengelernt durch Personen, welche ihn nahe kennen. Meine Meinung hat sich vollständig geändert, und ich hatte einen Artikel vorbereitet, in welchem ich meine Achtung für die moralische Bedeutung seines persönlichen Werkes zum Ausdruck bringe. Ich gestehe, daß der Brief von M. R. Boos meinen Eifer etwas erkaltet.»»
[ 19 ] Niedlich, nicht wahr? — sehr niedlich! Er hätte den schönsten Artikel geschrieben, zum Lob, wenn man ihm nicht heimgeleuchtet hätte! Aber ich kann mich trotzdem nicht zu der Meinung aufschwingen, daß das just die Eigenschaft der lateinischen Rasse ist (vergleiche oben «germanisch»), denn es würde doch etwas beleidigend sein, wenn man Lüge und Verleumdung in der lateinischen Rasse als etwas elegant Löbliches, was nur «plaisanterie» ist, auffassen würde. Eigentümlichkeit der Lateinischen Rasse kann das doch nicht sein ... Nun sagt der Herr weiter:
[ 19 ] Niedlich, nicht wahr? — sehr niedlich! Er hätte den schönsten Artikel geschrieben, zum Lob, wenn man ihm nicht heimgeleuchtet hätte! Aber ich kann mich trotzdem nicht zu der Meinung aufschwingen, daß das just die Eigenschaft der lateinischen Rasse ist (vergleiche oben «germanisch»), denn es würde doch etwas beleidigend sein, wenn man Lüge und Verleumdung in der lateinischen Rasse als etwas elegant Löbliches, was nur «plaisanterie» ist, auffassen würde. Eigentümlichkeit der Lateinischen Rasse kann das doch nicht sein ... Nun sagt der Herr weiter:
[ 20 ] «Ich könnte antworten eine Menge von Dingen auf diesen Brief, aber wozu wäre das gut? — à quoi bon? — Eine der lateinischen Qualitäten ist, kurz zu sein. Ich habe unrecht gehabt, ich anerkenne es, zu verlassen das Terrain der kontrollierbaren Tatsachen. Ich ziehe meine irrtümlichen Behauptungen zurück und ich schließe daraus, daß die Gerüchte, welche umlaufen, auch wenn sie aus mehreren verschiedenen Milieus kommen und von Leuten, von welchen man das Recht hat zu glauben, daß sie gut informiert sind, falsch sein können. Ich nehme Akt davon.»
[ 20 ] «Ich könnte antworten eine Menge von Dingen auf diesen Brief, aber wozu wäre das gut? — à quoi bon? — Eine der lateinischen Qualitäten ist, kurz zu sein. Ich habe unrecht gehabt, ich anerkenne es, zu verlassen das Terrain der kontrollierbaren Tatsachen. Ich ziehe meine irrtümlichen Behauptungen zurück und ich schließe daraus, daß die Gerüchte, welche umlaufen, auch wenn sie aus mehreren verschiedenen Milieus kommen und von Leuten, von welchen man das Recht hat zu glauben, daß sie gut informiert sind, falsch sein können. Ich nehme Akt davon.»
[ 21 ] Also erstens ist der Mann so naiv, daß er glaubt, er müsse alle Gerüchte glauben, die so herumlaufen, denn er nimmt jetzt erst Akt davon, zweitens aber — ja, man setzt sich wiederum der Gefahr aus, daß man «klobig» ist in seiner Auffassung oder, wie Ferriere sagt, «germanisch»: Versucht man solche «eleganten» Gedanken einmal durchzudenken — es geht nicht, denn, nicht wahr, man darf es ja offenbar nicht, sonst gehört man zu denjenigen Leuten, von denen hier gesagt wird: «Vraiment, ces gens-là prennent tout au sérieux.» Aber man kann halt nicht anders, man frägt sich doch: der Mann nimmt also Akt davon, daß man nicht glauben solle alle Gerüchte, die so umlaufen; aber wenn die Leute so sind, wie er, dann sind sie ja gerade diejenigen, welche am allermeisten in die verschiedensten Milieus die Gerüchte hineinbringen. Nur, man darf nicht hinter den Worten gleich den Gedanken suchen bei solchen Leuten.
[ 21 ] Also erstens ist der Mann so naiv, daß er glaubt, er müsse alle Gerüchte glauben, die so herumlaufen, denn er nimmt jetzt erst Akt davon, zweitens aber — ja, man setzt sich wiederum der Gefahr aus, daß man «klobig» ist in seiner Auffassung oder, wie Ferriere sagt, «germanisch»: Versucht man solche «eleganten» Gedanken einmal durchzudenken — es geht nicht, denn, nicht wahr, man darf es ja offenbar nicht, sonst gehört man zu denjenigen Leuten, von denen hier gesagt wird: «Vraiment, ces gens-là prennent tout au sérieux.» Aber man kann halt nicht anders, man frägt sich doch: der Mann nimmt also Akt davon, daß man nicht glauben solle alle Gerüchte, die so umlaufen; aber wenn die Leute so sind, wie er, dann sind sie ja gerade diejenigen, welche am allermeisten in die verschiedensten Milieus die Gerüchte hineinbringen. Nur, man darf nicht hinter den Worten gleich den Gedanken suchen bei solchen Leuten.
[ 22 ] Sie sehen gerade aus solch einem Dokument, daß es sich wahrlich nicht darum handeln kann, solchen Leuten Räson beizubringen. Man hat nur das andere Publikum darauf aufmerksam zu machen, was für schmähliche Menschen herumlaufen in der Welt und Artikel schreiben und verleumden. Denn es handelt sich gar nicht darum, diese Leute zu widerlegen, sondern lediglich sie unschädlich zu machen, denn daß diese Menschen existieren, das ist der Schaden.
[ 22 ] Sie sehen gerade aus solch einem Dokument, daß es sich wahrlich nicht darum handeln kann, solchen Leuten Räson beizubringen. Man hat nur das andere Publikum darauf aufmerksam zu machen, was für schmähliche Menschen herumlaufen in der Welt und Artikel schreiben und verleumden. Denn es handelt sich gar nicht darum, diese Leute zu widerlegen, sondern lediglich sie unschädlich zu machen, denn daß diese Menschen existieren, das ist der Schaden.
[ 23 ] Wir gehen immer mehr und mehr, wenn nichts von seiten spiritueller Weisheit geschieht, in rasender Eile derjenigen Zeit entgegen, in der solche Gesinnung sich immer mehr und mehr ausbreitet. Denn schließlich werden die Materialisten aller Färbungen und aller Milieus immer mehr und mehr sagen von denjenigen, die die Dinge geistig nehmen: Ach, diese Leute, ja wahrhaftig, sie nehmen alles so seriös! — Es wird schon bald seriös sein, überhaupt noch vom Geiste zu sprechen. Seriös ist es ja auch; aber seriös soll man ja nicht sein! Solange solche Gesinnung sich ausbreitet — und sie breitet sich aus —, so lange wird kein Boden sein für eine Besserung in Europa. Das sind die Menschen, die Europa so zugerichtet haben. Aber arbeiten müssen wir, daß eine genügend große Anzahl von Menschen Verständnis gewinnt dafür, daß es anders werde. Das sollte heute schon wirklich wenigstens denjenigen einleuchten, die irgendwie geisteswissenschaftlichen Bestrebungen nahegekommen sind.
[ 23 ] Wir gehen immer mehr und mehr, wenn nichts von seiten spiritueller Weisheit geschieht, in rasender Eile derjenigen Zeit entgegen, in der solche Gesinnung sich immer mehr und mehr ausbreitet. Denn schließlich werden die Materialisten aller Färbungen und aller Milieus immer mehr und mehr sagen von denjenigen, die die Dinge geistig nehmen: Ach, diese Leute, ja wahrhaftig, sie nehmen alles so seriös! — Es wird schon bald seriös sein, überhaupt noch vom Geiste zu sprechen. Seriös ist es ja auch; aber seriös soll man ja nicht sein! Solange solche Gesinnung sich ausbreitet — und sie breitet sich aus —, so lange wird kein Boden sein für eine Besserung in Europa. Das sind die Menschen, die Europa so zugerichtet haben. Aber arbeiten müssen wir, daß eine genügend große Anzahl von Menschen Verständnis gewinnt dafür, daß es anders werde. Das sollte heute schon wirklich wenigstens denjenigen einleuchten, die irgendwie geisteswissenschaftlichen Bestrebungen nahegekommen sind.
[ 24 ] Nächsten Freitag werde ich insbesondere über die Entwickelung des Imperialismus in der Welt sprechen, also einen episodischen Vortrag halten, eine geschichtliche Betrachtung über die Entwickelung des Imperialismus von den ältesten Zeiten, vom ägyptischen Imperialismus bis herauf zu den heutigen Imperialismen. Ich möchte einmal einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwickelung des Imperialismus geben.
[ 24 ] Nächsten Freitag werde ich insbesondere über die Entwickelung des Imperialismus in der Welt sprechen, also einen episodischen Vortrag halten, eine geschichtliche Betrachtung über die Entwickelung des Imperialismus von den ältesten Zeiten, vom ägyptischen Imperialismus bis herauf zu den heutigen Imperialismen. Ich möchte einmal einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwickelung des Imperialismus geben.
