Spiritual and Social Transformations
in Human Evolution
GA 196
15 February 1920, Dornach
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Spiritual and Social Transformations in Human Evolution, tr. SOL
Fünfzehnter Vortrag
Fifteenth Lecture
[ 1 ] Gestern und vorgestern versuchte ich auszuführen, wie notwendig es ist, daß für die zukünftige Entwickelung der Menschheit die Menschen zu einer wirklichen Selbsterkenntnis, das heißt zu einer Erkenntnis des Menschentums kommen, wie es aber unmöglich ist, zu einer Erkenntnis des Menschentums zu kommen, ohne daß man wiederum die Verbindung finde der Menschenwesenheit mit den außerirdischen Welten. Von dem, was der Mensch in seiner Wesenheit durch seinen Lebensweg mit sich führt, ist ja die physische Organisation nur der kleinste Teil. Aber nur diese physische Organisation, so wie sie heute der Mensch an sich trägt, ist Ja im Grunde genommen Erdenprodukt. Dasjenige, was sonst zum Wesen des Menschen gehört, ist in dem Sinne nicht Erdenprodukt, wie ich es in diesen beiden Vorträgen wiederum von einem gewissen Gesichtspunkte aus auseinandergesetzt habe.
[ 1 ] Yesterday and the day before, I attempted to explain how necessary it is for the future development of humanity that people attain true self-knowledge—that is, an understanding of what it means to be human—and yet how impossible it is to attain such an understanding without, in turn, discovering the connection between the human being and the extraterrestrial worlds. Of all that a human being carries within their being throughout their life’s journey, the physical body is, after all, only the smallest part. But only this physical organization, as human beings possess it today, is, strictly speaking, a product of the Earth. That which otherwise belongs to the essence of the human being is not, in this sense, a product of the Earth, as I have again explained in these two lectures from a certain point of view.
[ 2 ] Nun deutet aber schon die gegenwärtige physische Menschenorganisation darauf hin, daß der Mensch als solcher ein Wesen ist, das über die unmittelbare Gegenwart hinausweist. Zwar deutet die physische Organisation durchaus auf Irdisches hin, allein im Irdischen wiederum weist uns des Menschen physische Organisation über den unmittelbar gegenwärtigen weltgeschichtlichen Augenblick in die Vergangenheit und in die Zukunft. Wir haben unter den Fähigkeiten des Menschen hervorzuheben gehabt erkenntnisartige Fähigkeiten: Sinnestätigkeit, Intelligenz, Erinnerungsfähigkeit, und wir haben hervorzuheben gehabt Fühlen, Begehren und Wollen: Fähigkeiten, die mehr begierdenartiger Natur sind.
[ 2 ] Yet even the current physical organization of humankind suggests that human beings, as such, are beings that point beyond the immediate present. Although the physical organization certainly points to the earthly realm, within that earthly realm, human physical organization in turn points us beyond the immediate present moment of world history—into the past and into the future. Among human faculties, we have had to emphasize those of a cognitive nature: sensory activity, intelligence, and the capacity for memory; and we have had to emphasize feeling, desire, and volition: faculties that are more of a desiring nature.
[ 3 ] Nun müssen wir, wenn wir uns fragen: Was muß der Mensch haben in seiner physischen Organisation, damit er erkenntnisartige Fähigkeiten entwickeln könne? — unseren Blick richten auf die menschliche Hauptesorganisation und alles, was damit zusammenhängt. Es ist eben durchaus nur in der Art, wie ich es auseinandergesetzt habe gestern und vorgestern — aber doch eben in der Art —, die Hauptesorganisation notwendig, um für das Ich, für das irdische Menschenbewußtsein die erkennenden Fähigkeiten zu entwickeln. Es ist unrichtig, wenn man glaubt, daß das Auge durchaus der Hervorbringer der Sehempfindung ist; aber es ist richtig, wenn man weiß, daß das Auge der Vermittler der Sehempfindung für das Ich-Bewußtsein ist. Und das gilt ebenso für die andern, namentlich die höheren Sinne.
[ 3 ] Now, when we ask ourselves: What must a human being possess in his physical constitution in order to develop cognitive abilities? — we must turn our attention to the human head structure and everything connected with it. It is precisely only in the way I explained it yesterday and the day before—but precisely in that way—that the organization of the head is necessary to develop the cognitive faculties for the “I,” for earthly human consciousness. It is incorrect to believe that the eye is the sole source of the sensation of sight; but it is correct to recognize that the eye serves as the mediator of the sensation of sight for the “I”-consciousness. And this applies equally to the other senses, particularly the higher ones.
[ 4 ] In dieser Art und mit mannigfaltigen Varianten ist die menschliche Leibesorganisation hinweisend auf Irdisches; aber sie weist zugleich über den gegenwärtigen Augenblick hinweg, so daß wir sagen können: Der Mensch, wie wir ihn vor uns haben nach seiner Hauptesorganisation, weist nach dem vorigen Erdenleben. — Wie unsere Intelligenz nach dem fernen, urfernen vergangenen Sonnenleben weist, so weist unsere gegenwärtige physische Hauptesorganisation mit der irdischen Artung der Erkenntnisfähigkeiten, das heißt für die Hinorganisierung der Erkenntnisfähigkeiten auf das Ich-Bewußtsein, zurück in unseren früheren Erdenlauf. Ich habe schon früher darauf aufmerksam gemacht, was das menschliche Haupt eigentlich ist. Schematisch können Sie sich folgendes sagen: Der Mensch besteht aus dem Haupte und aus der übrigen Organisation. — Sagen wir (siehe Zeichnung), das ist der jetzige Lebenslauf (Mitte), das ist der vorige Lebenslauf (links), das ist der folgende Lebenslauf (rechts). So können wir sagen: Das Haupt unseres gegenwärtigen Tafel 15 Lebenslaufes ist entstanden durch Metamorphose unserer übrigen Leibesorganisation im vorhergehenden Lebenslauf, und unseren Kopf vom vorigen Lebenslauf haben wir verloren. — Natürlich verstehe ich da nicht — das ist ja handgreiflich — die physische Organisation, sondern die Kräfte, die Formkräfte, die die physische Organisation wirklich hat. Dasjenige, was wir außer der Hauptesorganisation, der Trägerin der Erkenntnisfähigkeiten für das Ich, jetzt an uns tragen als übrige Menschenorganisation, Rumpf mit Gliedmaßen, das wird Hauptesorganisation unseres künftigen Erdenlebens.
[ 4 ] In this way, and with manifold variations, the human physical constitution points to the earthly realm; but at the same time, it points beyond the present moment, so that we can say: The human being, as we see him before us in terms of his physical constitution, points to his previous earthly life. — Just as our intelligence points to the distant, primeval past life in the Sun, so does our present physical head organization—with its earthly nature of cognitive faculties, that is, the organization of these faculties toward “I”-consciousness—point back to our earlier earthly existence. I have already drawn attention to what the human head actually is. Schematically, you can think of it this way: The human being consists of the head and the rest of the organism. — Let’s say (see drawing): this is the current life cycle (center), this is the previous life cycle (left), and this is the next life cycle (right). Thus we can say: The head of our present life cycle (Figure 15) arose through the metamorphosis of the rest of our physical body in the preceding life cycle, and we have lost the head from our previous life cycle. — Of course, I do not mean here—since that is self-evident—the physical body, but rather the forces, the formative forces, that the physical body actually possesses. That which we now carry within us—apart from the head organization, the bearer of the cognitive faculties for the “I”—as the rest of the human body, the torso with limbs, will become the head organization of our future earthly life.
[ 5 ] Sie alle tragen schon die Kräfte in sich, welche im Haupte konzentriert sein werden in Ihrem späteren Erdenleben. Was Sie heute mit Ihren Armen vollbringen, was Sie mit Ihren Beinen vollbringen, das wird eingehen in die innere Organisation des Hauptes in Ihrem nächsten Erdenleben.Und was an Kräften von Ihrem Haupte im nächsten Erdenleben ausströmt, das wird Ihr Karma, Ihr Schicksal für das nächste Erdenleben sein. Aber das, was da Ihr Schicksal im nächsten Erdenleben sein wird, das wandert auf dem Umwege durch Ihre übrige Organisation, durch die Sie sich hineinstellen ins Menschenleben heute, in Ihr künftiges Hauptesleben hinüber.
[ 5 ] You all already carry within you the forces that will be concentrated in your head during your next earthly life. What you accomplish today with your arms, what you accomplish with your legs—all of this will become part of the inner organization of your head in your next earthly life. And the forces that radiate from your head in your next earthly life will become your karma, your destiny for that next life. But what will be your destiny in your next earthly life travels, by a roundabout route, through the rest of your being—through which you enter human life today—and on into your future life centered in the head.
[ 6 ] Wenn Sie heute, sagen wir, durch einen Erdengang liebevoll sich verhalten zu einem andern Menschen, so ist das etwas, was Ihr außerkopflicher Organismus ausgeführt hat. Das wird eine Kopfeskraft, die Ihr Schicksal bewirkt in Ihrem nächsten Erdenleben. So also weist unser Haupt mit seinen Fähigkeiten immer in den früheren Erdenlebenslauf hinüber, namentlich in die Gliedmaßenorganisation. Der Mensch unterliegt dieser großen Metamorphose. Sein Haupt ist ein metamorphosierter Organismus aus der vorhergehenden Inkarnation, und seine gegenwärtige Rumpfes- und namentlich Gliedmaßenorganisation liegt der Organisation des Hauptes in dem nächsten Erdenleben zugrunde.
[ 6 ] If today, let’s say, you behave lovingly toward another person during an earthly life, that is something your non-mental organism has carried out. This becomes a mental force that shapes your destiny in your next earthly life. Thus, our head, with its faculties, always points back to the course of our previous earthly lives, particularly to the organization of the limbs. Human beings undergo this great metamorphosis. Their head is a metamorphosed organism from the previous incarnation, and their present torso—and especially their limb organization—forms the basis for the organization of the head in their next earthly life.
[ 7 ] Das ist durchaus etwas, was in gewissem Sinne eine praktische Bedeutung im Zusammenleben der Menschen gewinnen muß. Denn wenn der Mensch sich so eingegliedert weiß in die Menschheitsentwickelung, dann fühlt er sich in der richtigen Weise erst in diesem Erdenleben drinnenstehend, und er wird manches begreifen, was sonst unverständlich ist. Wir leben jetzt, wie ich das oftmals auseinandergesetzt habe, im fünften nachatlantischen Zeitraume. Er hat begonnen in der Mitte des 15. Jahrhunderts, das heißt, in der Mitte des 15. Jahrhunderts waren für die europäische Zivilisation mit ihrem amerikanischen Anhange, soweit als er später entstanden ist, neue Bedingungen des Daseins gegeben. Aber es sind bis jetzt nicht die Folgen dieser neuen Bedingungen des Daseins eingetreten. Die Menschheit der zwvilisierten Länder lebt vielfach in Gewohnheiten, sogar in Gedankengewohnheiten, welchemehr dem früheren, dem vierten nachatlantischen Zeitraume entsprechen.Wir haben gerade unsere Intelligenz unterrichtet nicht in den Dingen, die der Gegenwart angehören, sondern wir haben sie Lateinisch und Griechisch lernen lassen und so weiter. Ein Grieche würde in dieser Beziehung andere Anschauungen gehabt haben. Er hätte für diejenige Zeit, in der die Blüte der griechischen Kultur aufgetreten ist, ein sonderbares Gesicht gemacht, wenn man seinen Knaben nicht Griechisch gelehrt hätte, sondern Ägyptisch oder Persisch oder dergleichen. Aber die Zeit ist vorüber, in welcher dies sein darf, in der wir noch hängen dürfen an den Überbleibseln der griechisch-lateinischen Zeit. Die Menschen nämlich, die nach der Mitte des 15. Jahrhunderts geboren sind, sind ja alle Wiedergeburten im wesentlichen derjenigen physischen Erdenmenschen, die im griechisch-lateinischen Zeitraume gelebt haben. Was haben sie sich da mitgebracht, diese Menschen? Die Köpfe derjenigen Leiber, die sie im griechisch-lateinischen Zeitraum gehabt haben. Wenn also jemand geboren worden ist, sagen wir im 16., 17. Jahrhundert, so kam er ja mit einem Kopfe auf die Welt, das heißt mit Erkenntnisfähigkeiten, insofern der Kopf der Vermittler der Erkenntnisfähigkeiten für das IchBewußtsein ist, der aus seinem Leibe entstanden ist aus der griechischlateinischen Zeit. Daher kam er noch mit Neigungen zur Welt, die aus dieser griechisch-lateinischen Zeit stammten. Aber das ist jetzt zum Teil schon erschöpft oder ist im Erschöpfen. Es werden sehr bald nicht mehr viele Menschen geboren mit Köpfen von dorther, sondern es werden immer mehr und mehr Menschen geboren, welche ihre frühere Verkörperung schon im fünften nachatlantischen Zeitraum hatten, nicht alle, aber viele, namentlich diejenigen, die tonangebend sind, oder wenigstens solche, die gegen Ende des vierten nachatlantischen Zeitraumes mit schon ganz andern Verrichtungen ihres Leibes lebten als diejenigen in der Blüte des vierten nachatlantischen Zeitraumes.
[ 7 ] This is certainly something that, in a certain sense, must take on practical significance in human coexistence. For when a person knows that they are thus integrated into the development of humanity, only then do they feel truly at home in this earthly life, and they will come to understand many things that would otherwise be incomprehensible. As I have often explained, we are now living in the fifth post-Atlantean epoch. It began in the middle of the 15th century; that is to say, in the middle of the 15th century, new conditions of existence arose for European civilization and its American offshoot, insofar as the latter developed later. But the consequences of these new conditions of existence have not yet materialized. People in civilized countries often live according to habits—even habits of thought—that correspond more to the earlier, fourth post-Atlantean epoch. We have educated our intellectuals not in the matters pertaining to the present, but rather we have had them study Latin and Greek, and so on. A Greek would have held different views in this regard. He would have been quite taken aback, during the heyday of Greek culture, if his boys had been taught not Greek but Egyptian or Persian or the like. But the time has passed when this is permissible, when we may still cling to the remnants of the Greco-Latin era. For the people born after the middle of the 15th century are, in essence, all reincarnations of those physical earthly human beings who lived during the Greco-Latin period. What did these people bring with them from that time? The heads of the bodies they had during the Greco-Latin period. So if someone was born, say, in the 16th or 17th century, they came into the world with a head—that is, with cognitive faculties—insofar as the head is the mediator of cognitive faculties for the “I”-consciousness, which arose from their body during the Greco-Latin period. Therefore, they were still born with inclinations that originated from this Greco-Latin period. But this has now been partially exhausted or is in the process of being exhausted. Very soon, not many people will be born with heads from that period; instead, more and more people will be born who already had their previous incarnation in the fifth post-Atlantean epoch—not all of them, but many—namely those who set the tone, or at least those who, toward the end of the fourth post-Atlantean epoch, lived with bodily functions quite different from those in the prime of the fourth post-Atlantean epoch.
[ 8 ] Das also kommt in Betracht, wenn man sich mit vollem Bewußtsein hineinstellen will in die Menschheitsentwickelung, daß man weiß: Du hast deinen Kopf von deiner früheren Erdeninkarnation, und du hast deinen Leib, damit du dir einen späteren Kopf für die folgende Erdeninkarnation vorbereitest. — Und eine Zeit muß kommen, wo das mangelnde Bewußtsein dieses Zusammenhanges mit vorhergehender und nächstfolgender Inkarnation bei den Menschen ebenso ein Zeichen von Blödigkeit ist, wie es Blödigkeit wäre, wenn einer nicht wüßte, wie alt er wäre, wenn einer glaubte, er sei erst vorige Woche geboren worden, trotzdem er schon ein erwachsener Mensch ist, oder wenn er glaubte oder glauben gemacht würde, wenn er ein zehnjähriger Junge ist, er würde immer ein zehnjähriger Junge bleiben, er würde nicht einmal ein alter Mann werden. Heute lebt der Mensch nur egoistisch in seinem einen Erdenleben. Höchstens glaubt er, daß es eine Anzahl Erdenleben gibt, aber es wird Glaube, es wird nicht praktische Lebensweisheit, wie dieses Sich-hineingestellt-Fühlen zwischen den Inkarnationen sein muß; wie es praktische Lebensweisheit sein muß, wenn man vierzig Jahre alt geworden ist, daß man weiß, dieses Vierzigjährige ist die Fortsetzung der Kindheit und Jugendzeit und ist der Anfang des Alt- und Greisenhaftwerdens. Ausdehnen muß sich dasjenige, was das menschliche Bewußtsein umfaßt. Es wird sich nicht ausdehnen in lebendiger Art, wenn es nicht befruchtet wird durch Erkenntnisse aus der Geisteswissenschaft. Sonst bleibt es ein bloßer abstrakter Glaube, sonst bleibt es dabei, daß die Leute sagen: Ja, ich weiß, ich war schon unzählige Male auf der Erde, und ich werde unzählige Male wiederum auf die Erde kommen. — Aber dieser Glaube macht nichts aus; erst das lebendige Sichdrinnen-Fühlen in der Menschheitsentwickelung, das Fühlen: Mit deinem Haupte bist du eigentlich ein recht alter Kerl, denn das ist nur der ausgewachsene Leib der früheren Inkarnation, mit deiner übrigen Leibesorganisation bist du ein Baby, denn das wächst erst aus zum reifen Haupte in der nächsten Inkarnation, — dieses Fühlen des Menschen als eine wirkliche Zweiheit, die in die Zeit hineingestellt ist, das ist etwas, was ein Bestandteil des lebendigen Bewußtseins werden muß. Und so, wie man heute versucht, aus allerlei Schädelmessungen und ähnlichem interessantem Zeug festzustellen, wie sich die einzelnen Menschen, Menschenvölker, Menschenrassen auf der Erde unterscheiden, so wird man in der Zukunft nach seelisch-geistigen Erkenntnissen, die aber nicht gewonnen werden können ohne solche Grundlagen, wie wir sie in diesen Tagen entwickelt haben, die Menschen, die die Erde bewohnen, in ihrer Differenzierung erkennen müssen. Man wird namentlich fragen müssen nach den geistig-seelischen Eigentümlichkeiten der über die Erde zerstreuten Menschheit. Und nicht eher kann Heil kommen, bis namentlich unsere Universitätswissenschaften ganz und gar durchdrungen werden von einer solchen Gesinnung und Auffassung, wie wir sie in diesen Tagen kennengelernt haben. Unsere Universitäten werden die Menschheit in den Niedergang hineinreiten, wenn sie nicht befruchtet werden in allen ihren Teilen von jenem kosmischen Wissen, das allein heute durch die Geisteswissenschaft zu gewinnen ist. Ebenso müssen die religiösen Empfindungen der Menschen in der Zukunft getragen werden von dem, was der Mensch wissen kann über das Geistig-Seelische. Anders kommen wir nicht mehr weiter. Denn man wird sich angewöhnen, wenn man nur überhaupt den Blick richtet auf das GeistigSeelische, die Menschengruppen über die Erde hin zu charakterisieren nach den ihnen eigentümlichen seelisch-geistigen Eigenschaften, nicht bloß nach den physischen Eigenschaften, wie man es in der heutigen Anthropologie vielfach tut. Anthroposophie muß an die Stelle der bloßen Anthropologie treten. Aber die Sache hat ein sehr ernstes, praktisches Gesicht. Gewisse Dinge, die sich abspielen in der Gegenwart, die zugrunde liegen den ernsten Ereignissen dieser Gegenwart, sind gar nicht zu durchschauen, wenn man nicht die Möglichkeit hat, auf die geistigen Qualitäten der Glieder der Menschheit sein Augenmerk zu richten. Und da möchte ich auf etwas aufmerksam machen, auf das aufmerksam zu machen mir außerordentlich wichtig erscheint. Gutmeinende Menschen haben während dieser furchtbaren Kriegsereignisse öfter eines für Europa betont, und eigentlich hat dieses eine für Europa schon 1870 Ernest Renan, der französische Beschreiber des «Lebens Jesu» und der Apostel, betont; während dieser Kriegszeit ist es vielfach wiederholt worden. Renan hat gesagt, für das Heil Europas sei absolut notwendig, daß ein Zusammengehen eintrete, ein friedfertiges Zusammengehen zwischen der französischen Nation, dem englischen Staate und dem deutschen Volke. Insbesondere ist dieses oftmals während der Kriegszeit von Leuten, die sich nicht haben betören lassen durch dasjenige, was offiziell als Meinung befohlen war oder was durch für diese oder jene Sache interessierte Leute als Meinung verbreitet worden ist, von vielen wohlmeinenden und unbefangenen Menschen ist das betont worden. Nun kann man aber sagen: Die Entwickelung Europas war in den letzten Jahrzehnten so, daß sie durchaus widerstrebt dem, was einsichtige Menschen als eine Grundbedingung des Fortganges der Zivilisation in Europa ansehen mußten. Ohne dieses friedfertige Zusammenwirken — so sagten diese unbefangenen Menschen — könne es in Europa nicht weitergehen. Aber zu diesem friedfertigen Zusammenwirken ist es niemals in den letzten Jahren wirklich gekommen; höchstens ist ein Schein eines solchen friedfertigen Zusammenwirkens entstanden.
[ 8 ] So this is what one must take into account if one wishes to engage fully and consciously in human evolution: you know that you have your head from your previous earthly incarnation, and you have your body so that you can prepare a future head for your next earthly incarnation. — And a time must come when people’s lack of awareness of this connection with their previous and next incarnations will be just as much a sign of stupidity as it would be if someone did not know how old they were, if someone believed they had been born only last week, even though they are already an adult, or if they believed—or were led to believe—that, as a ten-year-old boy, they would always remain a ten-year-old boy and would never even become an old man. Today, people live only selfishly in their single earthly life. At most, they believe that there are a number of earthly lives, but this remains a belief; it does not become practical wisdom about life—such as the sense of how one must position oneself between incarnations; just as it must be practical wisdom, when one has reached the age of forty, to know that this fortieth year is the continuation of childhood and youth and marks the beginning of growing old and becoming senile. What human consciousness encompasses must expand. It will not expand in a living way unless it is enriched by insights from spiritual science. Otherwise, it remains a mere abstract belief; otherwise, people will simply say: “Yes, I know, I have been on Earth countless times, and I will come back to Earth countless times again.” — But this belief amounts to nothing; only the living sense of being immersed in human evolution, the feeling: With your head, you are actually quite an old fellow, for that is merely the fully developed body of a previous incarnation; with the rest of your physical constitution, you are a baby, for that will only grow into a mature head in the next incarnation—this sense of the human being as a true duality set within time is something that must become an integral part of living consciousness. And just as people today try to determine, through all sorts of skull measurements and similar interesting data, how individual human beings, peoples, and races differ on Earth, so in the future we will have to recognize the differentiation among the people inhabiting the Earth based on soul-spiritual insights—insights that, however, cannot be gained without the foundations we have developed in our time. In particular, we will have to inquire into the spiritual and psychological characteristics of humanity scattered across the Earth. And salvation cannot come until, in particular, our university sciences are thoroughly permeated by the very attitude and perspective that we have come to know in our time. Our universities will lead humanity into decline if they are not enriched in all their aspects by that cosmic knowledge which today can be gained only through spiritual science. Likewise, people’s religious feelings in the future must be sustained by what human beings can know about the spiritual and soul realms. Otherwise, we will make no further progress. For once we begin to direct our gaze toward the spiritual-soul realm at all, we will become accustomed to characterizing groups of people across the earth according to their distinctive spiritual-soul qualities, not merely according to their physical characteristics, as is often done in contemporary anthropology. Anthroposophy must take the place of mere anthropology. But the matter has a very serious, practical aspect. Certain things taking place in the present—which underlie the grave events of our time—cannot be fully understood at all unless one has the opportunity to focus one’s attention on the spiritual qualities of the members of humanity. And here I would like to draw attention to something that I consider extraordinarily important to highlight. Well-meaning people have frequently emphasized one thing for Europe during these terrible events of the war, and in fact, this one thing for Europe was already emphasized in 1870 by Ernest Renan, the French author of *The Life of Jesus* and *The Apostles*; during this time of war, it has been repeated many times. Renan said that for the salvation of Europe, it is absolutely necessary that a coming together take place—a peaceful coming together between the French nation, the English state, and the German people. In particular, this was often emphasized during the war by people who had not allowed themselves to be misled by what was officially prescribed as the prevailing opinion or by what was propagated as opinion by those with a vested interest in one cause or another—it was emphasized by many well-meaning and impartial people. Now, however, one might say: The development of Europe in recent decades has been such that it runs completely counter to what discerning people had to regard as a fundamental condition for the progress of civilization in Europe. Without this peaceful cooperation—so these impartial people said—Europe could not move forward. But this peaceful cooperation has never truly materialized in recent years; at most, a mere semblance of such peaceful cooperation has emerged.
[ 9 ] Nun kann man ja schon, wenn man äußerlich — aber äußerlich auch mit einem Sinn, das Geistig-Seelische zu prüfen — die europäischen Verhältnisse ins Auge faßt, hinschauen auf dasjenige, worinnen sich diese drei Menschheitsglieder wesentlich differenzieren. Da müssen wir nicht vergessen, daß seit den Zeiten, seit sich gegen den Beginn der fünften nachatlantischen Periode und dann während des Ablaufes desjenigen Teiles der fünften Epoche, der eben schon abgelaufen ist, Europa entwickelte, sich die französische Nation immer mehr und mehr zu einer einheitlichen Nation gestaltete, deren Glieder sich als einheitliche Nation fühlten. Man möchte sagen: Alles Seelenleben der französischen Nation ging darauf hin, sich als einheitliche Nation zu fühlen, im Bewußtsein etwas zu tragen von dem: Ich bin ein Franzose. — Man kann studieren, wie das im Laufe der Jahrhunderte nach und nach geworden ist, was in die vier Worte zusammengefaßt wird: Ich bin ein Franzose. — Wenn man auf so etwas aufmerksam ist, wie sich das entwickelt: Ich bin ein Franzose! — so muß man hinschauen auf die Parallelerscheinung innerhalb der deutschen Entwickelung. Nicht in gleicher Weise hat sich zum Beispiel etwas entwickelt, was man innerhalb des jetzt zugrunde gegangenen Deutschen Reiches ausdrücken kann oder immer ausdrükken konnte mit: Ich bin ein Deutscher! — Mit voller Intensität auszusprechen: Ich bin ein Deutscher! — hat bis zum Jahre 1848 bedeutet, daß man eingesperrt worden ist, daß man eingekerkert worden ist. Es war das schlimmste politische Verbrechen. Die Leute haben es vergessen. Es war das schlimmste politische Verbrechen, sich als ein Deutscher zu fühlen. Denn in diesem Deutschland hat das Territorialfürstentum alles überflutet, und es war verboten, innerlich verboten als Gesinnung, das Territorium, das bewohnt ist von Deutschen, als eine Einheit aufzufassen. Erst im Jahre 1848 ist bei einigen Leuten die Idee entstanden, man könne diejenigen, die zum deutschen Volke gehören, irgendwie als eine Einheit betrachten. Aber da wurde es noch immer als etwas Ketzerisches, es wurde wie ketzerisch betrachtet. Und dann ist es so gewesen, daß eigentlich nur die Leute, die historisch mit der Entwickelung des deutschen Volkes verknüpft waren, es empfunden haben als etwas ganz Intimes, daß sie das als ihre Intimität angesehen haben. Lesen Sie nach, wie solche Menschen, die wahrhaftig über solche Dinge nachgedacht und auch gesprochen haben, wie Herman Grimm, zurückschauten auf ihre eigene Jugend, die noch hineinfiel in die Jahre vor den fünfziger Jahren, wie die es schildern, daß sie keine Möglichkeit hatten, irgendwie das Urteil des Gefühls, das Gemütsurteil zu äußern: Ich bin ein Deutscher. — Da liegt eine gewaltige Differenz vor. Aber betrachten Sie diese gewaltige Differenz innerlich. Betrachten Sie einmal die Tatsache, daß, trotzdem es ein politisches und ein Polizeiverbrechen war noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sich einen Deutschen zu nennen, damals schon längst die einheitliche geistige Kultur Deutschlands fertig war. Der Goetheanismus mit alledem, was zu ihm gehörte, war da; man las zwar Goethe nicht, aber er hatte gewirkt; man verstand zwar Goethe nicht, aber er hatte großartige Sachen gesagt für alle Deutschen. Aber diese «alle Deutschen» durften niemals für das äußere Leben gestehen, daß sie irgendwie zusammengehörten. Wenigstens durfte das kein auf Realität Anspruch machender Gedanke sein, das heißt, es lebte im deutschen Volke etwas wie in den Untergründen des Bewußtseins, was ja keine äußere politische Realität hatte. Das Franzosentum hat in seiner historischen Entwickelung durchgemacht, daß alles dasjenige, was es innerlich empfunden hat, was seine Einheit ausmachte, äußere Staatsrealität wurde. In Deutschland widersprach alles, was an äußeren Institutionen vorhanden war, demjenigen, was als innere Geistigkeit in diesem deutschen Volke gelebt hatte. Das ist eine ganz bedeutende Differenzierung, die es gibt zwischen Mitteleuropa und Westeuropa. Wenn Ste das nehmen und wenn man diese Dinge in den Einzelheiten schildern würde, dann würde man erst Geschichte des 19. Jahrhunderts bekommen. Und wenn diese Dinge in den Einzelheiten leben würden in den europäischen Gemütern, die doch auf Zusammenleben und Zusammenempfinden angewiesen sind, dann würden sehr bald jene Schreckensgefühle, die in den heutigen Niedergang hineingeführt haben, aufhören. Aber man wird solche Gefühle internationaler Art nicht entwickeln können, ohne daß man den Menschen in seiner Ganzheit als Wesen betrachtet und weiß, ihn anzusehen auch in bezug auf seine Erkenntnis und auf seine Begierdenfähigkeit; denn erst die Hinlenkung des menschlichen Bewußtseins auf diese Geheimnisse der Menschenwesenheit macht einen aufmerksam darauf, daß man solche Betrachtungen anstellen soll. Denn diese Betrachtungen, die wir jetzt angestellt haben, die lehren dann erst das Richtige, das, worauf es ankommt. Warum ist denn das französische Volk eine so kompakte Masse geworden, worinnen sich jeder als Franzose fühlt, wie es dem Deutschen verboten war, bis dann das Deutsche Reich Bismarckscher Färbung entstanden ist? Woran liegt denn das? Das liegt daran, daß eine Fortsetzung gefunden hat das alte lateinisch-romanische Wesen in Frankreich, dasjenige Wesen, das ich Ihnen hier vor Wochen geschildert habe als dasjenige, das vorzugsweise das juristisch-staatliche Wesen ist. Von Ägypten herauf über das Römertum ist ins Lateinische herein das staatlich-juristische Wesen gekommen. Das hat das französische Volk übernommen. Kein Volk der Erde versteht aus seinen Empfindungen heraus besser, was Juristentum ist, was Staatstum ist, als das französische Volk. Wird man aber einmal richtig die Wege finden, um durchzudringen durch jenes, man möchte sagen, Bedrückende, was die deutsche Entwickelung auch noch im 19. Jahrhundert hat, dieses Widersprechende der äußeren Staatsentwickelung, die notwendig machte, daß man eingesperrt wurde, wenn man sich als Deutscher fühlte und nicht als Preuße, nicht als Württemberger, nicht als Bayer oder als Österreicher, sieht man genau hin auf dasjenige, was alles damit zusammenhängt, und studiert man es konkret in den Einzelheiten, studiert man wirklich nicht so, wie die gewissenlose Schul-Tradition heute es dem Menschen einbleut, was von der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert deutsches Geistesleben geworden ist, studiert man, wie hineinfließt dasjenige, was Goetheanismus ist, in die großen Geister, die gar nicht mehr genannt werden, während die Geistesantipoden als Große gefeiert werden, studiert man, wie hineinfließt der Goetheanismus in Menschen wie Troxler, wie Schubert und so weiter, dann findet man heraus, daß gerade die Talentlosigkeit für das Staatswesen, die Schläfrigkeit für das Staatswesen, die Gefahr, eingesperrt zu werden, wenn man Staatsbürger deutscher Färbung sein wollte, nun das deutsche Volk prädestinierte, einmal ein gutes Verständnis zu entwickeln für das Spirituelle, für das Geistesleben. Es ist zunächst nur zurückgeschlagen durch die industrielle, kommerzielle Entwickelung seit den siebziger Jahren. Die hat in Deutschland gründlich mit dem deutschen Geiste aufgeräumt, die hat als Invasion von auswärts alles das, was an Geistigkeit da war, hinweggenommen. Goetheanismus ist vergessen worden. Daß ein Geist wie Leibniz zum Beispiel unter den Deutschen gelebt hat, das müßten die Gymnasiasten besser wissen, als daß sie wissen, was Cicero geschrieben hat, aber sie wissen kaum, daß Leibniz gelebt hat.
[ 9 ] Now, even if one considers European conditions from the outside—but with the intention of examining the spiritual-soul aspect—one can see what essentially distinguishes these three branches of humanity. We must not forget that ever since the time when Europe began to develop—around the start of the fifth post-Atlantean period and then throughout the course of that part of the fifth epoch which has just come to an end—the French nation has increasingly taken shape as a unified nation, whose members felt themselves to be part of a unified nation. One might say: The entire spiritual life of the French nation was directed toward feeling itself to be a unified nation, carrying within its consciousness the sense of “I am a Frenchman.” — One can study how, over the course of the centuries, what is summarized in those four words—“I am a Frenchman”—gradually came to be. — If one pays attention to how something like this develops—“I am a Frenchman!”—then one must look at the parallel phenomenon within German development. For example, something did not develop in the same way within the now-defunct German Empire that could be—or had always been able to be—expressed as: “I am a German!” — To declare with full intensity: “I am a German!” — meant, up until the year 1848, that one would be locked up, that one would be imprisoned. It was the worst political crime. People have forgotten that. It was the worst political crime to feel oneself a German. For in that Germany, the territorial principality had overwhelmed everything, and it was forbidden—forbidden in one’s heart as a conviction—to regard the territory inhabited by Germans as a single entity. It was not until 1848 that the idea arose among some people that those belonging to the German people could somehow be regarded as a single entity. But even then it was still regarded as something heretical; it was viewed as heretical. And so it was that, in fact, only those people who were historically linked to the development of the German people felt it as something deeply personal—they regarded it as part of their very being. Read about how such people—who truly reflected on and spoke about these matters, such as Herman Grimm—looked back on their own youth, which still fell within the years before the 1850s, and how they describe having no opportunity to express, in any way, the judgment of feeling, the emotional judgment: “I am a German.”—There is a tremendous difference here. But consider this enormous difference from within. Consider the fact that, even though calling oneself a German was still a political and a police offense in the first half of the 19th century, Germany’s unified spiritual culture had long since been established by then. Goetheanism, with all that it entailed, was there; people may not have read Goethe, but he had made his mark; people may not have understood Goethe, but he had spoken words of great significance for all Germans. Yet these “all Germans” were never allowed to admit in public life that they belonged together in any way. At the very least, such a thought could not claim to be a reality; that is to say, something lived within the German people, as if in the depths of their consciousness, which, of course, had no external political reality. In its historical development, French identity has experienced a process whereby everything it felt internally—everything that constituted its unity—became an external political reality. In Germany, everything that existed in the form of external institutions contradicted what had lived as an inner spirituality within the German people. This is a very significant distinction that exists between Central Europe and Western Europe. If one were to take this up and describe these matters in detail, only then would one truly grasp the history of the 19th century. And if these matters were to live in detail within the European minds—which are, after all, dependent on coexistence and shared sentiment—then those feelings of dread that have led to today’s decline would very soon cease. But one cannot develop such feelings of an international nature without viewing the human being in his entirety as a being—and knowing how to regard him also in terms of his capacity for knowledge and his capacity for desire; for it is only by directing human consciousness toward these mysteries of human existence that one becomes aware of the need to engage in such reflections. For these reflections we have now undertaken are what ultimately teach us what is right, what really matters. Why, then, has the French people become such a cohesive mass, within which everyone feels themselves to be French—something that was forbidden to the Germans until the German Empire of Bismarck’s stamp came into being? What is the reason for this? It is because the old Latin-Romanic essence has found a continuation in France—that very essence which I described to you here weeks ago as being, above all, the legal-statist essence. From Egypt, through Roman civilization, the legal-statist essence found its way into the Latin world. The French people have adopted this. No people on earth understands better, from the depths of their feelings, what the legal spirit is, what the spirit of the state is, than the French people. But once we find the right ways to penetrate through that— one might call the oppressive aspects of German development even in the 19th century—this contradiction with external state development, which made it necessary to be imprisoned if one felt German rather than Prussian, Württemberger, Bavarian, or Austrian—and if one looks closely at everything connected with it, and if one studies it concretely in detail—not in the way the unscrupulous school tradition today drills into people’s heads what German intellectual life became at the turn of the 18th to the 19th century—if one studies how Goetheanism flows into the great minds who are no longer even mentioned, while their spiritual antipodes are celebrated as great figures; if one studies how Goetheanism flows into people like Troxler, Schubert, and so on, then one discovers that it was precisely this lack of talent for statecraft, this apathy toward statecraft, and the danger of being imprisoned if one wished to be a citizen of the German persuasion that predestined the German people to eventually develop a deep understanding of the spiritual realm and of spiritual life. At first, it was merely set back by the industrial and commercial development since the 1770s. That development thoroughly swept away the German spirit in Germany; as an invasion from abroad, it swept away everything that existed there in terms of spirituality. Goetheanism has been forgotten. High school students should know better that a thinker like Leibniz, for example, lived among the Germans than they do what Cicero wrote, yet they hardly know that Leibniz ever lived.
[ 10 ] Das sind Dinge, die in Betracht kommen und die tiefer sitzen als alles dasjenige, was man heute anführt für die Differenzierung der europäischen Mitte von dem europäischen Westen. Und wenn man davon spricht, daß Friedensbestrebungen sein sollten zwischen der europäischen Mitte und dem europäischen Westen, so muß man sich klar darüber sein, daß die ganze geschichtliche Entwickelung zeigt, solch ein Frieden kann nur zustande kommen, wenn die Deutschen selber fühlen: Sie sind nicht veranlagt für das äußere juristische staatliche Leben, sie sind veranlagt, spirituelles Leben zu pflegen. — Aber man muß es ihnen möglich machen; heute ist es ihnen unmöglich gemacht, heute haben sie auch keine Verantwortung mehr dafür. Man muß wissen, daß das eigentliche Staatsvolk das französische Volk ist, weil es am besten versteht, wie sich der einzelne Mensch als Staatsbürger fühlt. So haben wir verteilt über die hauptsächlichste Zivilisation von Europa das geistige Leben und das Rechts- und Staatsleben. Diese Dinge sind zugleich, ich möchte sagen, unter die Völker als Gaben ausgeteilt. Und das Wirtschaftsleben, das eigentliche Gebiet der neueren Entwickelung der Menschheit, das ist an das englisch-amerikanische Volk gegeben. Alles dasjenige, was zum Verständnis des Wirtschaftslebens gehört, hat daher seinen besten Gedanken gefunden innerhalb Englands und Amerikas. Vom Wirtschaften verstehen die Franzosen nichts, sie sind besser Bankiers. Vom Wirtschaften haben die Deutschen von jeher nichts verstanden, sie haben auch kein Talent dazu. Und wenn sie versucht haben, in den letzten Jahrzehnten zu wirtschaften in der Art, daß sie immer von Aufschwung sprachen und vom «Platz an der Sonne» oder einer ähnlichen Phrase, dann bedeutete das, daß sie etwas sprachen, was gänzlich außerhalb ihrer Talente lag und wodurch sie gerade das deutsche Wesen in Grund und Boden schlugen. Denn selbst alles dasjenige, was auftauchte als wirtschaftlicher Parlamentarismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist von England ausgegangen. Bis nach Ungarn hinein sind diejenigen, die im wirtschaftlichen Sinne gute Parlamentarier waren, Schüler Englands. Wenn Sie sich ansehen, welche Leute es in den Parlamenten am besten zum «Parlamentarismus» gebracht haben, wie etwa eine Zeitlang im österreichischen Parlament, besonders lange aber im ungarischen Parlament, und wenn Sie sich anschauen, wo diese Leute gelernt haben, dann werden Sie sehen: In England haben sie gelernt den wirtschaftlichen Parlamentarismus. — Und wenn Sie fragen: Woher ist die deutsche Sozialdemokratie gekommen? — dann werden Sie finden: Marx und Engels haben erst müssen nach England gehen, um an den englischen wirtschaftlichen Verhältnissen das auszukochen, was dann theoretisiert ins deutsche Geistesleben aufgenommen, bis in die Konsequenzen durchgearbeitet worden ist. — Und wo sind die allerersten Wurzeln des Leninismus und Trotzkjjismus? Die sind bei den englischen Wirtschaftsgedanken; nur daß die Engländer sich hüten werden, diese ihre Wirtschaftsgedanken bis in die letzten Konsequenzen auszudenken.
[ 10 ] These are factors that must be taken into account and that run deeper than anything currently cited to distinguish Central Europe from Western Europe. And when one speaks of the need for peace efforts between Central Europe and Western Europe, one must be clear that the entire course of history shows that such a peace can only come about if the Germans themselves feel: They are not predisposed to external, legal, state-centered life; they are predisposed to cultivating spiritual life. — But one must make it possible for them; today it has been made impossible for them, and today they no longer bear any responsibility for it. One must realize that the true nation-state is the French people, because they best understand how the individual feels as a citizen. Thus, spiritual life and legal and political life are distributed across Europe’s most significant civilization. These things have, I might say, been distributed among the peoples as gifts. And economic life—the true domain of humanity’s recent development—has been entrusted to the Anglo-American people. Everything pertaining to the understanding of economic life has therefore found its finest expression within England and America. The French know nothing about business; they are better bankers. The Germans have never understood economics; they have no talent for it either. And when they have tried, in recent decades, to engage in economic activity by constantly speaking of an “economic upswing” and a “place in the sun” or similar phrases, this meant that they were speaking of something entirely beyond their talents—and thereby they utterly destroyed the very essence of the German spirit. For even everything that emerged as economic parliamentarism in the second half of the 19th century originated in England. All the way to Hungary, those who were good parliamentarians in an economic sense were disciples of England. If you look at which people achieved the greatest success in “parliamentarism” in the parliaments—as was the case for a time in the Austrian Parliament, but especially for a long time in the Hungarian Parliament—and if you look at where these people were educated, you will see: they learned economic parliamentarism in England. — And if you ask: Where did German social democracy come from? — then you will find: Marx and Engels first had to go to England to distill from English economic conditions what was then incorporated into German intellectual life as theory and worked through to its logical conclusions. — And where are the very earliest roots of Leninism and Trotskyism? They lie in English economic thought; except that the English will be careful not to think through their economic ideas to their ultimate consequences.
[ 11 ] So stehen diese drei Gebiete, von denen ich öfters schon gesagt habe, sie müssen sich miteinander vertragen, in dem Verhältnis einer Dreigliederung — deutsch: geistig; französisch: staatlich-juristisch; englisch: wirtschaftlich. Wie wird man eine Möglichkeit des internationalen Zusammenwirkens finden können? Dadurch, daß man die Dreigliederung über alle diese Gebiete ausgießt. Denn dann wird das, wozu der eine talentiert ist, auf den andern übergehen können, sonst auf keinem Wege. Das ist der geschichtliche Antrieb. So müßte eigentlich Geschichte vor allem des 19. Jahrhunderts studiert werden.
[ 11 ] Thus, these three spheres—which, as I have often said, must be in harmony with one another—are related in a threefold division: in German, the spiritual; in French, the political-legal; and in English, the economic. How can we find a way for international cooperation? By applying this threefold division across all these spheres. For only then can what one person is gifted for be passed on to another; there is no other way. This is the driving force of history. This is why the history of the 19th century, in particular, should be studied.
[ 12 ] Geschichte kann man nicht studieren, wenn man nur das gelehrt bekommt, was in den heutigen Schulen gelehrt wird. Diese Geschichte ist nur zum Vergessen da, denn man kann nichts mit ihr anfangen im Leben. Geschichtsunterricht hat nur einen Sinn, wenn man mit ihm im Leben etwas anfangen kann. Aber man wird einen solchen Geschichtsunterricht nur ausgestalten, wenn man das ganze Wesen des Menschen durchschaut. Und so ist es mit den andern Zweigen unserer heutigen höheren Bildung. Die Art und Weise, wie diese heute an den Universitäten gepflegt werden, führt in den Untergang hinein. Hinaufführen zu einem neuen Anfang kann nur die Befruchtung durch Geisteswissenschaft. Dasjenige, was heute geschehen soll, ist nämlich tatsächlich schon in den historischen Verhältnissen vorbereitet. Aber glauben Sie nicht, daß diese historischen Verhältnisse jemand richtig ansieht, der nicht zuerst so viel Anthroposophie kennt, daß er zum Beispiel so etwas wie diese drei «schönen» Figuren (Zeichnung S. 229) in ihrer gegenseitigen Beziehung kennenlernt oder dasjenige kennenlernt, was wir gestern und vorgestern hier entwickelt haben. Denn nur dadurch, daß man sich bis zu solchen Gedanken aufschwingt, betrachtet man dann das andere in seiner tieferen Wesenheit. Sonst hat man kein Interesse für dieses andere, sonst befriedigt man sich eben mit dem, was einem die Schulwissenschaft gibt. Und wenn man sich befriedigt mit dem, was einem die Schulwissenschaft gibt, dann ist man eben genötigt, bei denjenigen Dingen seine freie Zeit zu verwenden, bei denen die heutigen Leute ihre freie Zeit verwenden.
[ 12 ] You cannot study history if you are taught only what is taught in today’s schools. That kind of history is meant only to be forgotten, because it has no practical use in life. History lessons only make sense if you can apply what you learn to your life. But such history instruction can only be developed if one understands the whole nature of the human being. And so it is with the other branches of our higher education today. The way these disciplines are currently taught at universities is leading to their downfall. Only the inspiration of spiritual science can lead us toward a new beginning. For what is to happen today has, in fact, already been prepared within historical circumstances. But do not believe that anyone can properly perceive these historical circumstances unless they first know enough about anthroposophy to, for example, understand the interrelationship of these three “beautiful” figures (drawing on p. 229) or to grasp what we discussed here yesterday and the day before. For it is only by rising to such thoughts that one can then perceive the other in its deeper essence. Otherwise, one has no interest in this other; otherwise, one is simply content with what conventional science provides. And if one is satisfied with what conventional science provides, then one is simply compelled to spend one’s free time on the very things that people today spend their free time on.
[ 13 ] Solche Dinge sollten heute wahrhaftig weit und breit bekannt werden, damit sich eine genügend große Anzahl von Menschen fände, welche Verständnis haben für diese Dinge. Denn heute kann es sich wirklich um nichts anderes handeln, als daß sich eben eine genügend große Anzahl von Menschen findet, die zunächst Verständnis haben für solche Dinge. Bevor sich nicht eine genügend große Anzahl von Menschen findet, die Verständnis haben für solche Dinge, kann ja mit diesen Dingen nichts angefangen werden. Man kann nicht gleich an Institutionen gehen, man kann nicht gleich neue Einrichtungen pflegen, sondern es handelt sich darum, daß möglichst viele Menschen sich finden, in deren Erkenntnisfähigkeiten diese Dinge drinnensitzen, dann wird man mit diesen Menschen Institutionen bilden können. Dann aber werden auch die entgegengesetzten Mächte nimmermehr widerstreben können.
[ 13 ] Such things should truly be made known far and wide today, so that a sufficiently large number of people may be found who understand these matters. For today, it really comes down to nothing other than finding a sufficiently large number of people who, to begin with, understand such things. Until a sufficiently large number of people can be found who understand such matters, nothing can be done with them. One cannot immediately turn to institutions; one cannot immediately establish new organizations. Rather, the point is to bring together as many people as possible whose cognitive faculties are attuned to these matters; then, with these people, one will be able to form institutions. But then, the opposing forces will never again be able to resist.
[ 14 ] Heute entdeckt man Merkwürdiges, wenn man auf das hinsieht, was sich die Menschen an Gedanken machen über das europäische Leben, über die Art und Weise, wie dieses europäische Leben von Mensch zu Mensch sich abspielen soll. Ich muß Ihnen immer die Einzelheiten desjenigen, was sich abspielt, ein bißchen mitteilen. Ich möchte Ihnen heute nur ein kleines Pröbchen einfügen wiederum in dasjenige, was wir als wichtige Angelegenheiten zu betrachten hatten. Monsieur Ferriere, von dem ich Ihnen erzählt habe, daß er die Verleumdung weitergetragen hat, ich wäre der Ratgeber gewesen des ehemaligen deutschen Kaisers, wäre sogar der «Rasputin» des deutschen Kaisers und dergleichen, dem ist von Dr. Boos heimgeleuchtet worden in einem «Offenen Brief», und ich habe in einem Einschiebsel in diesen Brief von Dr. Boos auch angeführt, was ich hier einmal über meine Beziehungen — eigentlich Nichtbeziehungen — zum deutschen Kaiser ausgeführt habe. Nun mußte der Mann gestehen, daß er gelogen hat. Aber er gesteht das auf eine höchst eigentümliche Weise, und diese Weise ist charakteristisch. Ich werde mich bemühen, möglichst deutlich die französischen Sätze im Deutschen wiederzugeben. Ich gebe sie eigentlich ganz gern in deutsch wieder, denn sie werden dadurch einen gewissen Charakter, den ich ihnen gern geben möchte, erst erhalten. Nach dem Brief von Dr. Boos steht also hier: .
[ 14 ] Today, one discovers some curious things when one looks at the ideas people have about European life, about the way this European life is supposed to unfold from person to person. I must always share with you a few details of what is happening. Today I would like to offer you just a small sample, once again, of what we had to consider as important matters. Monsieur Ferriere, about whom I have told you that he spread the slander— that I had been an advisor to the former German Emperor, or even the German Emperor’s “Rasputin” and the like—has been exposed by Dr. Boos in an “Open Letter,” and in a note appended to this letter from Dr. Boos, I also cited what I had previously stated here regarding my relations—or rather, lack thereof—with the German Emperor. Now the man had to admit that he had lied. But he admits it in a highly peculiar way, and this way is characteristic. I will endeavor to render the French sentences into German as clearly as possible. I actually quite like to render them in German, because only then do they acquire a certain character that I would like to give them. According to Dr. Boos’s letter, it reads as follows: .
[ 15 ] «Wir [die Schriftleitung] haben den obigen Brief von Dr. Roman Boos unserem Korrespondenten mitgeteilt» — das ist also der Herr Ferrière —, «der uns folgendes antwortet: ‹Das obige Dokument ist typisch für den Psychologen. Hier zeigt es sich, was die lateinische Ironie unter germanischen Augen wird. Wahrhaftig, diese Leute› — er meint diejenigen, die die germanischen Augen haben — ‹nehmen alles seriös. Aber meine Leser, sie, sie haben sich nicht beirren lassen! Mein Artikel enthält Spaßigkeiten — de la plaisanterie — aber keine Böswilligkeiten — méchancetés. — Und wenn ich schlecht unterrichtet war — ich erkläre dies als meine Schuld, in der Überzeugung, daß mein Gesprächspartner es mir nicht übelnehmen wird.› — Elegant — es wird vorausgesetzt, ‹daß er es mir nicht übelnehmen wird — ne m'en voudra pas›! — ‹Mit Gesprächspartner meine ich den Soziologen, von welchem ich als Soziologen gesprochen habe [Dr. Steiner], und nicht den Unterzeichner des obigen Briefes, dessen ich keine Erwähnung in meinem Artikel getan habe [Dr. Boos]. In der Tat — au fait —, was macht man aus dieser Affäre?›»
[ 15 ] “We [the editors] forwarded the above letter from Dr. Roman Boos to our correspondent”—that is, Mr. Ferrière—“who replied as follows: ‘The above document is typical of the psychologist. Here we see what Latin irony becomes in the eyes of the Germanic. Truly, these people”—he means those with Germanic eyes—“‘take everything seriously. But my readers—they, they have not been misled! My article contains jests—de la plaisanterie—but no malice—méchancetés. —And if I was misinformed—I admit this as my own fault, in the conviction that my interlocutor will not hold it against me.’ —Elegant—it is assumed ‘that he will not hold it against me—ne m’en voudra pas’! —“By ‘interlocutor’ I mean the sociologist of whom I spoke as a sociologist [Dr. Steiner], and not the author of the above letter, whom I did not mention in my article [Dr. Boos]. In fact—au fait—what is to be made of this affair?”»
[ 16 ] Also ein Mann ist imstande, mit einer solchen Nichtsnutzigkeit sich zu entschuldigen, nachdem er nicht bloß gelogen, sondern in der übelsten Weise verleumdet hat. Aber man setzt sich der Gefahr aus, daß man wieder «klobig» genommen wird, wenn man die Dinge so «seriös» nimmt, wenn man behauptet, daß Verleumden nicht eine «plaisanterie», sondern eine «méchanceté» ist.
[ 16 ] So a man is capable of excusing himself with such nonsense after he has not only lied but also slandered in the worst possible way. But one runs the risk of being taken as “clumsy” again if one takes things so “seriously,” if one claims that slander is not a “joke” but a “malicious act.”
[ 17 ] Dann heißt es weiter, und nun kommt etwas ganz besonders Schönes:
[ 17 ] Then it goes on to say—and now comes something especially beautiful:
[ 18 ] «In der Zeit, wo ich meinen Artikel schrieb, kannte ich Herrn Rudolf Steiner nur aus seinen gedruckten Werken. Seit jener Zeit habe ich ihn kennengelernt durch Personen, welche ihn nahe kennen. Meine Meinung hat sich vollständig geändert, und ich hatte einen Artikel vorbereitet, in welchem ich meine Achtung für die moralische Bedeutung seines persönlichen Werkes zum Ausdruck bringe. Ich gestehe, daß der Brief von M. R. Boos meinen Eifer etwas erkaltet.»»
[ 18 ] “At the time I wrote my article, I knew Mr. Rudolf Steiner only through his published works. Since then, I have come to know him through people who are close to him. My opinion has completely changed, and I had prepared an article in which I express my respect for the moral significance of his personal work. I admit that the letter from M. R. Boos has somewhat dampened my enthusiasm.”»
[ 19 ] Niedlich, nicht wahr? — sehr niedlich! Er hätte den schönsten Artikel geschrieben, zum Lob, wenn man ihm nicht heimgeleuchtet hätte! Aber ich kann mich trotzdem nicht zu der Meinung aufschwingen, daß das just die Eigenschaft der lateinischen Rasse ist (vergleiche oben «germanisch»), denn es würde doch etwas beleidigend sein, wenn man Lüge und Verleumdung in der lateinischen Rasse als etwas elegant Löbliches, was nur «plaisanterie» ist, auffassen würde. Eigentümlichkeit der Lateinischen Rasse kann das doch nicht sein ... Nun sagt der Herr weiter:
[ 19 ] Cute, isn't it? — very cute! He would have written the most wonderful article, full of praise, if he hadn't been ratted out! But I still can’t bring myself to believe that this is precisely the characteristic of the Latin race (compare “Germanic” above), for it would be somewhat offensive if one were to regard lies and slander among the Latin race as something elegantly praiseworthy, merely a “plaisanterie.” That surely cannot be a characteristic of the Latin race... Now the gentleman goes on to say:
[ 20 ] «Ich könnte antworten eine Menge von Dingen auf diesen Brief, aber wozu wäre das gut? — à quoi bon? — Eine der lateinischen Qualitäten ist, kurz zu sein. Ich habe unrecht gehabt, ich anerkenne es, zu verlassen das Terrain der kontrollierbaren Tatsachen. Ich ziehe meine irrtümlichen Behauptungen zurück und ich schließe daraus, daß die Gerüchte, welche umlaufen, auch wenn sie aus mehreren verschiedenen Milieus kommen und von Leuten, von welchen man das Recht hat zu glauben, daß sie gut informiert sind, falsch sein können. Ich nehme Akt davon.»
[ 20 ] “I could respond with a lot of things to this letter, but what good would that do? — à quoi bon? — One of the virtues of Latin is brevity. I was wrong—I admit it—to stray from the realm of verifiable facts. I retract my erroneous assertions and conclude that the rumors circulating, even if they come from various circles and from people whom one has reason to believe are well-informed, may be false. I take note of this.”
[ 21 ] Also erstens ist der Mann so naiv, daß er glaubt, er müsse alle Gerüchte glauben, die so herumlaufen, denn er nimmt jetzt erst Akt davon, zweitens aber — ja, man setzt sich wiederum der Gefahr aus, daß man «klobig» ist in seiner Auffassung oder, wie Ferriere sagt, «germanisch»: Versucht man solche «eleganten» Gedanken einmal durchzudenken — es geht nicht, denn, nicht wahr, man darf es ja offenbar nicht, sonst gehört man zu denjenigen Leuten, von denen hier gesagt wird: «Vraiment, ces gens-là prennent tout au sérieux.» Aber man kann halt nicht anders, man frägt sich doch: der Mann nimmt also Akt davon, daß man nicht glauben solle alle Gerüchte, die so umlaufen; aber wenn die Leute so sind, wie er, dann sind sie ja gerade diejenigen, welche am allermeisten in die verschiedensten Milieus die Gerüchte hineinbringen. Nur, man darf nicht hinter den Worten gleich den Gedanken suchen bei solchen Leuten.
[ 21 ] So, first of all, the man is so naive that he believes he must accept all the rumors going around, since he is only now taking note of them; but secondly—well, one again runs the risk of being “clumsy” in one’s thinking or, as Ferriere says, “Germanic”: If one tries to think such “elegant” thoughts through—it doesn’t work, because, after all, one obviously isn’t allowed to, otherwise one belongs to the kind of people about whom it is said here: “Vraiment, ces gens-là prennent tout au sérieux.” But one simply can’t help it; one does ask oneself: so the man takes note that one shouldn’t believe all the rumors that are circulating; but if people are like him, then they are precisely the ones who spread the rumors most of all in the most diverse circles. It’s just that with such people, one mustn’t immediately look for the thought behind the words.
[ 22 ] Sie sehen gerade aus solch einem Dokument, daß es sich wahrlich nicht darum handeln kann, solchen Leuten Räson beizubringen. Man hat nur das andere Publikum darauf aufmerksam zu machen, was für schmähliche Menschen herumlaufen in der Welt und Artikel schreiben und verleumden. Denn es handelt sich gar nicht darum, diese Leute zu widerlegen, sondern lediglich sie unschädlich zu machen, denn daß diese Menschen existieren, das ist der Schaden.
[ 22 ] As you can see from a document like this, it is truly impossible to reason with such people. One need only draw the attention of the general public to the kind of despicable people who are out there in the world, writing articles and spreading slander. For the point is not at all to refute these people, but merely to render them harmless, because the very fact that these people exist is the harm.
[ 23 ] Wir gehen immer mehr und mehr, wenn nichts von seiten spiritueller Weisheit geschieht, in rasender Eile derjenigen Zeit entgegen, in der solche Gesinnung sich immer mehr und mehr ausbreitet. Denn schließlich werden die Materialisten aller Färbungen und aller Milieus immer mehr und mehr sagen von denjenigen, die die Dinge geistig nehmen: Ach, diese Leute, ja wahrhaftig, sie nehmen alles so seriös! — Es wird schon bald seriös sein, überhaupt noch vom Geiste zu sprechen. Seriös ist es ja auch; aber seriös soll man ja nicht sein! Solange solche Gesinnung sich ausbreitet — und sie breitet sich aus —, so lange wird kein Boden sein für eine Besserung in Europa. Das sind die Menschen, die Europa so zugerichtet haben. Aber arbeiten müssen wir, daß eine genügend große Anzahl von Menschen Verständnis gewinnt dafür, daß es anders werde. Das sollte heute schon wirklich wenigstens denjenigen einleuchten, die irgendwie geisteswissenschaftlichen Bestrebungen nahegekommen sind.
[ 23 ] Unless something happens on the part of spiritual wisdom, we are moving ever more rapidly toward a time when such a mindset will spread more and more. For eventually, materialists of all stripes and from all walks of life will say more and more about those who take things spiritually: “Oh, these people—truly, they take everything so seriously!”—It will soon be considered serious to even speak of the spirit at all. It is serious, of course; but one isn’t supposed to be serious! As long as this mindset spreads—and it is spreading—there will be no ground for improvement in Europe. These are the people who have brought Europe to this state. But we must work to ensure that a sufficiently large number of people come to understand that things must change. That should really be obvious today, at least to those who have in some way come into contact with spiritual scientific endeavors.
[ 24 ] Nächsten Freitag werde ich insbesondere über die Entwickelung des Imperialismus in der Welt sprechen, also einen episodischen Vortrag halten, eine geschichtliche Betrachtung über die Entwickelung des Imperialismus von den ältesten Zeiten, vom ägyptischen Imperialismus bis herauf zu den heutigen Imperialismen. Ich möchte einmal einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwickelung des Imperialismus geben.
[ 24 ] Next Friday, I will speak specifically about the development of imperialism in the world—that is, I will give a lecture in the form of a historical overview of the development of imperialism from the earliest times, from Egyptian imperialism up to the imperialisms of today. I would like to provide a brief overview of the historical development of imperialism.
