Contrasts in Human Development
GA 197
5 March 1920, Stuttgart
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Contrasts in Human Development, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Ich habe es öfter betont, wie notwendig es ist zum Hereinstellen des Menschen in die großen Aufgaben der Gegenwart, die heute eigentlich jedem Menschen zufallen, sich ein Bewußtsein zu verschaffen von dem Gang der Menschheitsentwickelung über die Erde hin. Dieser Gang der Menschheitsentwickelung kann ja nur verstanden werden, wenn man die tieferen Kräfte jener Wesenheiten sich vor die Seele führt, die in den ganzen Gang der Erdenentwickelung und auch in das Menschenleben als solches eingreifen.
[ 1 ] I have often emphasized how necessary it is—in order to prepare people for the great tasks of the present, which today actually fall to every human being—to gain an awareness of the course of human development on Earth. This course of human development can only be understood, after all, by bringing to mind the deeper forces of those beings who intervene in the entire course of Earth’s development and also in human life as such.
[ 2 ] Nun habe ich von den verschiedensten Gesichtspunkten aus gezeigt, wie wir Menschen drinnenleben in einer gewissermaßen normal fortlaufenden Entwickelung, und wie wir diese überblicken können gerade durch geisteswissenschaftliche Untersuchung über langandauernde Zeiträume hin. Ich habe Sie aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie in diese gewissermaßen normale menschliche Entwickelung eingreifen von der einen Seite gewisse Wesenheiten, die ein anderes Ziel mit den Menschen verfolgen als diejenigen Wesenheiten, welche den Menschen die normale Entwickelung durch die verschiedenen Verkörperungen der Erde geleiten möchten, Wesenheiten, die wir als luziferische haben auffassen müssen, und daß von der andern Seite her Wesenheiten eingreifen, die wir als ahrimanische bezeichnen. Über diese Dinge haben wir wiederholt gesprochen. Allein der Ernst, der heute dem Menschen so notwendig ist, kann eigentlich gar nicht in unser Gemüt einziehen, wenn wir nicht das unmittelbare Eingreifen dieser luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten in das Menschenleben ins Auge fassen.
[ 2 ] I have now shown, from a wide variety of perspectives, how we humans live within a development that proceeds, in a sense, normally, and how we can gain an overview of this development precisely through spiritual scientific investigation over long periods of time. But I have also drawn your attention to how, on the one hand, certain beings intervene in this, in a sense, normal human development—beings who pursue a different goal with humanity than those beings who wish to guide humanity through its normal development across the various incarnations on Earth, beings we must regard as Luciferic; and that, on the other hand, beings intervene whom we designate as Ahrimanic. We have spoken about these things repeatedly. Yet the seriousness that is so necessary for human beings today cannot truly take root in our hearts unless we confront the direct intervention of these Luciferic and Ahrimanic beings in human life.
[ 3 ] Wenn Sie sich erinnern, wie, scharf abgetrennt von dem, was früher geschehen ist, im 15. Jahrhundert ein neuer Zeitraum der Menschheitsentwickelung beginnt, so werden Sie veranlaßt werden, sich nach den verschiedensten Unterschieden im Menschenleben unseres jetzigen Zeitraumes, der eben mit dem 15. Jahrhundert begonnen hat, zu dem früheren, zu fragen. Wir können sagen, zu den mancherlei Eigentümlichkeiten des gegenwärtigen Zeitraumes gehört es, daß vor allen Dingen das Denken, der Intellektualismus seit der Mitte des 15. Jahrhunderts sich entwickelt hat. Die Menschheit mußte einmal in der großen Erziehung, die sie durchmacht durch die ganze Erdenentwickelung, auch durch diese Erziehung des Intellektualismus hindurchgehen. Sie mußte gewissermaßen probieren, wie sich das Menschenleben leben läßt, wenn vorzugsweise das intellektualistische Prinzip des Denkens ausgebildet wird. Zur wahren Freiheit hätte der Mensch niemals erzogen werden können ohne den Eintritt des intellektuellen Prinzips in sein Wesen. Man macht sich heute gar keine genaue Vorstellung darüber, wie verschieden von den Menschen der Gegenwart die Menschen vor der Mitte des 15. Jahrhunderts gerade in dieser Beziehung waren. Man nimmt ja dasjenige, was den Menschen einmal gegeben ist, wie etwas Selbstverständliches hin; man denkt nicht weiter darüber nach. Und so glaubt man heute auch, weil hauptsächlich die Menschen der zivilisierten Länder, mit denen wir es zu tun haben, im Intellektualistischen leben, es wäre immer so gewesen, die Menschen hätten immer so gedacht. Das ist aber nicht der Fall. Die Art des Denkens ist eine andere gewesen bei den Menschen vor der Mitte des 15. Jahrhunderts. Es ist gar nicht ein solch abstraktes Denken bei diesen Menschen vorhanden gewesen wie bei den heutigen Menschen. Ihr Denken war viel, viel mehr anschaulich mit den Dingen der Außenwelt selber verknüpft. Sie waren viel mehr verknüpft mit dem, was im Inneren des Menschen gefühlsmäßig und willensmäßig erlebt werden kann. Wir leben sehr stark in Gedanken, nur sind wir nicht genügend darauf aufmerksam. Wir sind nicht einmal aufmerksam darauf, woraus sich dieses Denken, dieser Intellektualismus, den wir heute als etwas Selbstverständliches hinnehmen, eigentlich entwickelt hat. Und wir müssen weit und immer weiter zurückgehen in der Menschheitsentwickelung, wenn wir so recht verstehen wollen, woraus sich dieses Denken, dieses Intellektualistische entwickelt hat. Wir müssen uns auch fragen: Gibt es heute noch irgendwelche Überreste derjenigen menschlichen Betätigung, aus der heraus sich das Denken ergeben hat?
[ 3 ] If you recall how, in sharp contrast to what had happened before, a new era of human development began in the 15th century, you will be led to ask about the various differences between human life in our present era—which began precisely in the 15th century—and that of earlier times. We can say that among the many peculiarities of the present era is the fact that, above all else, thinking—intellectualism—has developed since the middle of the 15th century. Humanity, in the great education it undergoes throughout the entire course of Earth’s development, had to pass through this education of intellectualism as well. It had to, so to speak, experiment with how human life can be lived when the intellectual principle of thinking is given priority. Humanity could never have been educated toward true freedom without the entry of the intellectual principle into its very being. Today, people have no clear idea of just how different people before the mid-15th century were from people of the present, particularly in this regard. After all, we take for granted whatever has been given to humanity; we do not give it further thought. And so today we also believe—because the people of the civilized countries with whom we deal primarily live according to intellectualism—that it has always been this way, that people have always thought this way. But that is not the case. The way of thinking was different among people before the mid-15th century. Such abstract thinking did not exist among these people to the same extent as it does among people today. Their thinking was much, much more vividly connected to the things of the external world itself. They were much more connected to what can be experienced within a person through feeling and will. We live very much in our thoughts, but we are not sufficiently aware of this. We are not even aware of where this way of thinking—this intellectualism—which we take for granted today, actually developed from. And we must go back far and ever farther in human evolution if we want to truly understand where this way of thinking, this intellectualism, developed from. We must also ask ourselves: Are there still any remnants today of the human activity from which thinking arose?
[ 4 ] Sie wissen ja, es erhalten sich alte Entwickelungskräfte in spätere Zeiten hinein neben denen, die sich für spätere Zeiten normalerweise ergeben. Und so ist es doch auch bei unserem Denken. Wir erleben Reminiszenzen, Nachklänge des Denkens, eine dem Denken ähnliche Tätigkeit im Traum, in jener Bilderwelt, die auftaucht aus dem nächtlichen Schlaf. Wir lernen durch die Erfahrung unterscheiden, wie diese Denkwelt, die wir vom Aufwachen bis zum Einschlafen in uns entwickeln, sich verhält zu der Welt der ganz passiv erlebten Traumbilder. Wenn wir aber zurückgehen in der menschlichen Entwickelung, dann finden wir immer mehr und mehr, daß auch das wache Seelenleben sehr ähnlich war dem, wie heute der Mensch im Traum seine Seelentätigkeit erlebt. Das heutige Denken ist ein späteres Entwickelungsprodukt auf dem Wege, auf dessen früheren Stadien die menschliche Seele eine mehr traumhafte Tätigkeit entfaltete. Und wenn wir diese traumhafte Tätigkeit der menschlichen Seele ganz, ganz weit zurückverfolgen, dann kommen wir über all das hinaus, was Erdenentwickelung ist; dann kommen wir zu der vorhergehenden kosmischen Verkörperung der Erde, die wir gewohnt worden sind, die «alte Mondenentwickelung» zu nennen, innerhalb welcher der Mensch auch schon gelebt hat, aber in einer ganz andern Form als heute. Und während dieser Mondenentwickelung, also während der vorhergehenden Verkörperung unserer Erde, da hat jenes noch ganz ätherische Menschenwesen, das der wirkliche Vorfahr des gegenwärtigen Menschen ist, tatsächlich eine traumhafte, eine bildhaft-traumhafte Seelentätigkeit entwickelt. Diese bildhaft-traumhafte Seelentätigkeit hatte aber das Eigentümliche, daß sie in einer ganz andern Beziehung stand zur Außenwelt als unsere denkerische Seelentätigkeit. Ich möchte sagen, mit unserer denkerischen Seelentätigkeit stehen wir doch recht isoliert da in der Welt. Die Welt ist da draußen, sie hat ihre Vorgänge. Wir denken in unserem Inneren diese Vorgänge nach, aber wir fühlen uns gerade dann, wenn wir im allertiefsten vermeinen nachzudenken über die äußeren Vorgänge, doch gar nicht drinnen in diesen äußeren Vorgängen. Wir fühlen oftmals sogar, daß wir am besten über die äußeren Vorgänge denken können, wenn wir uns recht von ihnen isolieren, wenn wir uns ganz auf uns selbst zurückziehen. Solch ein Gefühl hatte der Menschenvorfahr, der noch, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, träumerisch dachte, nicht. Wenn er auf diese Art das in seinen Träumen entwickelte, was wir auf unsere Art seelisch in unserem Denken entwickeln, dann wußte er, daß er innig verbunden war in seinem Erleben mit dem Geschehen der Welt. Wir sehen die Wolken, wir denken über die Wolken, allein wir haben nicht das Gefühl, daß dieselben Kräfte, die in der Wolke walten, auch in unserem Denken walten. Das Gefühl aber, daß die gleichen Kräfte, die in der Wolke walten, auch in seinem traumhaften Denken walten, das hatte der Menschenvorfahr. Der Menschenvorfahr sagte — wenn ich in unsere Sprache übersetzen will, was er in seiner, gegen die unsere eigentlich stummen Sprache sagte: Die Kräfte, die draußen in der Wolke weben und leben, die bewirken in mir Bilder. — Er dachte sich ebensowenig isoliert von jenem Weltenall, in dem die Wolke ihr Wesen entfaltet, wie mein kleiner Finger sich isoliert denken kann von mir selbst. Schneide ich ihn ab, so verdorrt er, ist nicht mehr mein Finger. Der Menschenvorfahr fühlte, daß auch er nicht bestehen kann anders, denn als ein Glied des Weltenalls, das zu ihm gehört. Der kleine Finger müßte sagen: Das Blut, das im ganzen Körper pulsiert, das pulsiert in mir, und mein ganzes organisches Dasein ist von denselben Gesetzen beherrscht, von denen das organische Dasein des ganzen übrigen Körpers beherrscht ist. Der Menschenvorfahr sagte: Ich bin ein Glied des Weltenalls, und das, was in mir pulsiert, indem ich Bilder entwickle, das ist dasselbe wie dasjenige, worauf diese Bilder weisen, ist dieselbe Kraft, die in der Wolkenbildung webt und lebt. Also innig verwandt, intim verbunden fühlte sich dieser Menschenvorfahr mit der ganzen Welt.
[ 4 ] As you know, ancient forces of development persist into later times alongside those that normally arise in later times. And this is also true of our thinking. We experience reminiscences, echoes of thought—an activity similar to thinking—in dreams, in that world of images that emerges from our nightly sleep. Through experience, we learn to distinguish how this world of thought—which we develop within ourselves from the moment we wake until we fall asleep—relates to the world of dream images experienced entirely passively. But if we trace human evolution back, we find more and more that the waking life of the soul was also very similar to how people today experience their soul activity in dreams. Today’s thinking is a later product of evolution on a path whose earlier stages saw the human soul unfold a more dreamlike activity. And if we trace this dreamlike activity of the human soul very, very far back, we go beyond all that constitutes Earth’s evolution; we arrive at the Earth’s preceding cosmic incarnation, which we have come to call the “ancient lunar evolution,” within which human beings also lived, though in a form entirely different from today’s. And during this lunar evolution—that is, during the previous incarnation of our Earth—that still entirely ethereal human being, who is the true ancestor of present-day humanity, did indeed develop a dreamlike, a pictorial-dreamlike soul activity. This pictorial-dreamlike soul activity, however, had the peculiar characteristic that it stood in a completely different relationship to the external world than our thinking soul activity does. I would say that with our thinking soul activity, we stand quite isolated in the world. The world is out there; it has its own processes. We reflect on these processes within ourselves, but precisely when we believe we are thinking most deeply about external processes, we do not feel at all immersed in them. We often even feel that we can think about external processes best when we isolate ourselves from them, when we withdraw entirely into ourselves. Our human ancestors, who—if I may use the expression—still thought in a dreamlike way, did not have such a feeling. When he developed in his dreams what we develop in our own way, spiritually, in our thinking, he knew that he was intimately connected in his experience with the events of the world. We see the clouds; we think about the clouds; yet we do not have the feeling that the same forces that govern the clouds also govern our thinking. But the feeling that the same forces that govern the cloud also govern his dreamlike thinking—that is what the human ancestor had. The human ancestor said—if I am to translate into our language what he said in his own, a language that is actually silent compared to ours: “The forces that weave and live out there in the cloud bring images to life within me.” — He did not conceive of himself as any more isolated from that universe in which the cloud unfolds its being than my little finger can conceive of itself as isolated from me. If I cut it off, it withers and is no longer my finger. Our human ancestor felt that he, too, could not exist otherwise than as a part of the universe to which he belongs. The little finger would have to say: The blood that pulses throughout the entire body also pulses within me, and my entire organic existence is governed by the same laws that govern the organic existence of the rest of the body. The human ancestor said: “I am a part of the universe, and what pulses within me as I develop images is the same as that to which these images point; it is the same force that weaves and lives in the formation of clouds.” Thus, this human ancestor felt deeply related to and intimately connected with the entire world.
[ 5 ] Wir aber sind dadurch, daß wir in unserem Denken uns so isoliert fühlen müssen von dem äußeren Geschehen, gewissermaßen abgeschnürt von den wirklich wesenhaften Ursachen des Weltendaseins. Wir verspüren im gewöhnlichen Leben nicht, was eigentlich durch das Weltenall hindurchpulsiert. Unser Denken hat einen abstrakten Charakter angenommen. Unser Denken verrät gewissermaßen gar nichts von dem, was in ihm lebt und webt. Darauf beruht gerade die Möglichkeit, freie Menschen zu werden, daß wir in unseren Gedanken nicht fühlen: Etwas anderes denkt in uns —, sondern: Wir selber sind es, die denken. — Der Menschenvorfahr aber, der konnte sich nicht so isoliert vorstellen von dem Weltganzen. Der Menschenvorfahr wußte, da er sich verbunden fühlte mit dem Weltendasein, daß nicht allein abstrakte Naturkräfte draußen in diesem Weltendasein da sind, sondern daß waltend sind Wesenheiten, wenn auch Wesenheiten, die anders sind als der Mensch, Wesenheiten, die nicht einen physischen Leib haben wie der Mensch, mit denen sich aber der Mensch als in einem Weltbürgertum zusammen begriffen denken konnte. Er fühlte nicht etwas wie . «Naturkräfte», er fühlte Gemeinschaft mit Naturwesenheiten. Geradeso wie wir heute sagen: Dasjenige, was vorgeht in der Natur, in das wir selbst einbegriffen sind, vollzieht sich nach Naturgesetzen —, so war es naturgemäß für den Menschenvorfahren einer uralten Zeit, daß er sagte: Dasjenige, was draußen in der Natur vorgeht, das vollzieht sich nach den Willensimpulsen der Naturwesenheiten. — Wir sagen: Die Erde zieht die auf ihr befindlichen Körper an durch ihre Schwere gemäß einem Gesetz, wonach diese Schwerkraft mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, und nennen das den Spezialfall eines Naturgesetzes. — Wir beziehen uns, wenn wir von der Natur reden, auf eine solche Abstraktion. Der Menschenvorfahr war sich dessen bewußt, daß in dem, was wir heute abstrakt Schwerkraft nennen, Wesenhaftes enthalten war.
[ 5 ] But because we feel so isolated in our thinking from external events—cut off, as it were, from the truly essential causes of existence in the world—we do not sense in our everyday lives what is actually pulsing through the universe. Our thinking has taken on an abstract character. Our thinking, in a sense, reveals nothing at all of what lives and weaves within it. The very possibility of becoming free human beings rests on the fact that in our thoughts we do not feel: “Something else is thinking within us”—but rather: “It is we ourselves who are thinking.”—Our human ancestors, however, could not imagine themselves as so isolated from the totality of the world. Our human ancestors knew—since they felt connected to the existence of the world—that there are not only abstract forces of nature out there in this worldly existence, but that beings reign there as well, even if these beings are different from human beings, beings that do not have a physical body like humans, yet with whom human beings could conceive of themselves as united in a kind of global citizenship. They did not perceive something like “forces of nature”; they felt a sense of community with natural beings. Just as we say today: “What takes place in nature, in which we ourselves are included, unfolds according to natural laws”—so it was only natural for the ancestors of humanity in ancient times to say: “What takes place out there in nature unfolds according to the impulses of will of the natural beings.” — We say: The Earth attracts the bodies on its surface through its gravity in accordance with a law whereby this gravitational force decreases with the square of the distance, and we call this the special case of a law of nature. — When we speak of nature, we are referring to such an abstraction. The ancestor of humankind was aware that what we today abstractly call gravity contained something essential.
[ 6 ] Aber diese Beziehung zum Menschen, die da entfaltet wurde von besonderen Wesenheiten, die gewissermaßen zur menschlichen Entwickelung gehörten, die hörte normalerweise auf in dem Moment, in dem eben für den Menschen die eigentliche Erdenentwickelung begann. Da wurde der Mensch gewissermaßen entlassen aus der Leitung jener übersinnlichen Wesenheiten, die er in seinem Bilderdenken während der alten Mondenzeit als etwas wie in ihn Hereinfließendes und Hereinschwebendes erfühlte. Und fragen müssen wir uns: Welches war denn eigentlich das Wirksame, das den Menschen abbrachte von der Leitung dieser Wesenheiten, mit denen er, wenn auch nur seinem dunklen Bewußtsein nach, zusammengehörte? —Es war die Eingliederung des mineralischen Reiches in die Menschenwesenheit. Denn in jenen alten Zeiten, von denen ich Ihnen eben gesprochen habe, trug der Mensch noch nicht das Mineralreich in sich. Er hatte eine Organisation, die allerdings nicht für die heutigen Sinnesorgane wahrnehmbar gewesen wäre, eine Organisation, die noch nicht mineralische Einschlüsse in sich enthielt. Will man dies verstehen, will man einer solchen Sache nicht mit Vorurteil begegnen, dann muß man schon ein wenig sich klarmachen, was das eigentlich heißt: Ein Wesen schließt das Mineralreich in sich ein. In dieser Beziehung denken ja die Menschen heute außerordentlich oberflächlich. Man sieht ein Mineral an, einen Stein, und betrachtet ihn mit Recht als dasjenige, als was er sich von außen her präsentiert. Aber man sieht eine Pflanze heute genau so an, wie man einen Stein ansieht, während das, was man sieht, in Wirklichkeit gar nicht die Pflanze ist. Die Pflanze ist in Wirklichkeit etwas ganz Übersinnliches. Man stelle sich vor eine Organisation von Kräften, die einen gewissen Bildcharakter hätte, und die zum Mineralreich in der Beziehung steht, daß sie sich, während sie sonst unsichtbar ist, vollsaugt mit dem Mineralreich und auch mit den Kräften, die zwischen den einzelnen Gliedern des Mineralreiches spielen. Ich habe die Pflanze vor mir: sie ist eine unsichtbare Struktur von Kräften, sie saugt sich nur aus dem Mineralreich voll. Dadurch steht in dem Raumteil, der eine unsichtbare Struktur von Kräften ist, vor meinen Augen auch das Mineralische. Dieses Mineralische schaue ich an, aber es ist nur dasjenige, wovon sich die übersinnliche Pflanze vollgesogen hat. Die übersinnliche Pflanze muß ich erst finden auf eine ganz andere Art, als die ist, auf der mir das erscheint, womit sie sich vollgesogen hat. Das ist schon bei der Pflanze der Fall. Wir reden überhaupt, wenn wir heute von Pflanzen reden, nur von dem mineralischen Einschluß der Pflanze, gar nicht von der Pflanze selbst.
[ 6 ] But this relationship with human beings—which had been established by special beings that, in a sense, were part of human evolution—normally came to an end at the very moment when human beings’ actual earthly evolution began. At that point, human beings were, so to speak, released from the guidance of those supersensible beings whom they had sensed in their pictorial thinking during the ancient Lunar Age as something flowing into them and floating within them. And we must ask ourselves: What was it, in fact, that caused human beings to be separated from the guidance of these beings, with whom they belonged—even if only in their unconscious awareness? —It was the incorporation of the mineral kingdom into the human being. For in those ancient times of which I have just spoken to you, human beings did not yet carry the mineral kingdom within themselves. He had an organization that, admittedly, would not have been perceptible to today’s sense organs—an organization that did not yet contain mineral inclusions within itself. If one wants to understand this, if one does not want to approach such a matter with prejudice, then one must at least try to grasp what it actually means for a being to encompass the mineral kingdom within itself. In this regard, people today think in an extraordinarily superficial way. One looks at a mineral, a stone, and rightly regards it as what it presents itself to be from the outside. But today people look at a plant in exactly the same way as they look at a stone, whereas what one sees is, in reality, not the plant at all. The plant is, in reality, something entirely supersensible. Imagine an organization of forces that has a certain pictorial character and that relates to the mineral kingdom in such a way that, while otherwise invisible, it imbibes the mineral kingdom and also the forces at work between the individual members of the mineral kingdom. I have the plant before me: it is an invisible structure of forces; it merely imbibes from the mineral kingdom. As a result, within that part of space—which is an invisible structure of forces—the mineral aspect also appears before my eyes. I look at this mineral aspect, but it is only that which the supersensible plant has imbibed. I must first find the supersensible plant in a completely different way than the way in which what it has absorbed appears to me. This is already the case with the plant. In fact, when we speak of plants today, we speak only of the plant’s mineral content, not at all of the plant itself.
[ 7 ] Worauf es ankommt, ist, daß wir bei der Pflanze das schon einsehen, was in noch höherem Maße bei Tier und Mensch der Fall ist. Der Mensch war also in der alten Mondenzeit ohne diesen mineralischen Einschluß. Er ist auf der Erde so gemacht worden, daß er ihn braucht, daß er sich gewissermaßen vollsog mit dem Mineralreich und seinen Kräften. Was hat er dadurch für sein gesamtes Menschenwesen bekommen? Er hat vor allen Dingen einen mineralischen Körper bekommen für sein früheres bildhaftes Vorstellen. Das ist in seiner weiteren Entwickelung dann durch den mineralischen Körper zu dem intellektualistischen Denken geworden, und zwar erst verhältnismäßig spät, seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, nachdem es sich lange vorbereitet hatte.
[ 7 ] What matters is that we recognize in plants what is true to an even greater extent in animals and humans. So in the ancient Lunar Age, human beings lacked this mineral component. They were created on Earth in such a way that they need it—that they, so to speak, imbibed the mineral kingdom and its forces. What did this give him for his entire human being? Above all, he received a mineral body for his former pictorial imagination. In his further development, this then evolved through the mineral body into intellectual thinking—and this happened relatively late, only since the middle of the 15th century, after a long period of preparation.
[ 8 ] Daß der Mensch heute intellektualistisch denkt, das beruht darauf, daß er einen mineralischen Körper als Einschluß bekommen hat. Wir brauchen als Mensch diesen mineralischen Körper zu nichts notwendiger als zu unserem Denken. Aber gerade durch die Aufgabe des Mineralreiches im Irdischen hat sich das alte bildhafte Denken, das sich nicht durch das Mineralreich, sondern durch das Reich, das man das dritte Elementarreich nennt, ausgebildet hatte, umgewandelt. Dadurch hat sich umgewandelt dieses vorirdische Vorstellen in das irdische, denkerische Vorstellen. Dadurch aber sind im Weltenzusammenhange gewissermaßen auch diejenigen Wesen abgesetzt, mit denen sich der Mensch verbunden denken mußte für sein bildhaftes Vorstellen in jener alten Vorzeit, von der ich gesprochen habe. Aber diese Wesenheiten müssen wir uns doch etwas anders vorstellen, als wir gewohnt sind, uns außermenschliche Wesenheiten vorzustellen. Da werden ja die Menschen, sobald sie überhaupt anfangen, noch aus gutem Willen ein Übersinnliches zuzugeben, vielleicht zu sehr anthropomorphisierend. Der Anthropomorphismus ergreift dann das Menschenwesen, wenn die Menschen sich alles, was über ihrer Sphäre liegt, in ihrem Sinn vorstellen. Dann ist es leicht, Feuerbach und Büchner Anthropomorphismus vorzuwerfen. Wir haben ja wahrhaftig vieles von dieser Art erlebt. Wir haben erlebt, daß sich im Abendlande die juristische Denkweise ausgebildet hat, nach der irdische Vergehen und Verbrechen von irdischen Richtern beurteilt und mit Strafen belegt werden und so weiter. Es ist nach und nach das überirdische, im Sinne eines unvollkommenen Christentums gedachte Belohnen und Bestrafen der Sünde, gar sehr nach dem Muster eines irdischen Gerichtshofes gedacht worden. Wir haben in unseren religiösen Vorstellungen des Abendlandes viel menschliche Juristerei drinnen. Wir lassen die Götter solche Strafen vollziehen, wie wir sie von irdischen Gerichtshöfen gewohnt sind. Aber wir müssen uns entschließen, wenn wir wirklich über das Menschliche hinauskommen wollen, nicht bloß anthropomorphistisch vorzustellen, sondern, was ja gerade im Menschenleben das Wesentliche ist, tatsächlich dann auch wirklich über das Anthropomorphistische hinauszudenken. So etwas müssen wir schon anwenden, wenn wir uns klarwerden wollen, daß diejenigen Wesenheiten, die in der alten Mondenzeit auf das menschliche Bilddenken Einfluß gewonnen haben, im normalen Fortgang der Menschheitsentwickelung abgesetzt worden sind, aber das nicht guten Willens hinnehmen. Man könnte ja sagen: Warum fügen sie sich nicht dem Willen der normal führenden Götter? — Sie tun es nicht — das muß man als Tatsache hinnehmen. Sie waren eigentlich bestimmt, im Menschenzusammenhang nur einen Einfluß zu haben auf das Träumen und auf alles dasjenige, was mit dem Traum verwandt ist. Wir nennen diese Wesenheiten in unserem Zusammenhang luziferische Wesenheiten. Ihr Gebiet wäre erstens alles dasjenige, was Traum ist, und zweitens das, was mit dem Traum verwandt ist. Aber sie begnügen sich nicht damit. Sie treiben ihr Wesen in dasjenige hinein, was sich aus ihrem Gebiet herausentwickelt hat: in das an das Mineralische gebundene menschliche Denken. Und in demselben Maße, in dem wir Eingang gewähren in unserem Denken alledem, was sonst nur unseren Traum, unser Phantasieren beherrschen sollte, in dem Maße verfallen wir in unserem Denken dem luziferischen Wesen, dem Einfluß derjenigen Wesenheiten, die nur während der Menschenvorfahrenzeit einwirken sollten in das alte bildhafte menschliche Denken, die aber zurückgehalten haben ihre Macht und die jetzt, während sie nur sich beschränken sollten auf unser Träumen, unser Phantasieren, unser Kunstschaffen, fortwährend Einfluß suchen auf unsere Gedanken, und diese Gedanken abhängig machen von ähnlichen Impulsen, wie sie vorhanden waren in der menschlichen Vorzeit. Es fließt vieles noch ein in unser Denken, das von dieser Seite herkommt, von dieser luziferischen Seite.
[ 8 ] The fact that human beings today think in an intellectualistic way is due to the fact that they have received a mineral body as an inclusion. As human beings, we need this mineral body for nothing more than for our thinking. But it is precisely through the role of the mineral kingdom in the earthly realm that the old pictorial thinking—which had developed not through the mineral kingdom but through the realm known as the third elemental kingdom—has been transformed. As a result, this pre-earthly imagination has been transformed into earthly, intellectual imagination. Consequently, however, in the context of the cosmos, those beings with whom human beings had to imagine themselves connected for their pictorial imagination in that ancient time of which I have spoken have, in a sense, been set aside. Yet we must conceive of these beings somewhat differently than we are accustomed to conceiving of non-human beings. For as soon as people begin—even out of good will—to acknowledge a supersensible realm, they may become too anthropomorphic. Anthropomorphism takes hold of human beings when they conceive of everything beyond their own sphere in human terms. Then it is easy to accuse Feuerbach and Büchner of anthropomorphism. We have indeed experienced much of this kind. We have seen that in the West, a legal way of thinking has developed according to which earthly offenses and crimes are judged by earthly judges and punished, and so on. Gradually, the supernatural—conceived in the sense of an imperfect Christianity as the rewarding and punishing of sin—has come to be thought of very much along the lines of an earthly court of law. Our religious conceptions in the West contain a great deal of human legalism. We have the gods carry out punishments just as we are accustomed to seeing in earthly courts. But if we truly wish to transcend the human realm, we must resolve not merely to imagine things in anthropomorphic terms, but—which is precisely what is essential in human life—to actually think beyond the anthropomorphic. We must apply this kind of thinking if we are to realize that those entities which gained influence over human imagery during the ancient Lunar Age have been superseded in the normal course of human development, yet do not accept this of their own free will. One might well ask: Why do they not submit to the will of the gods who normally guide humanity? — They do not — and this must be accepted as a fact. They were actually destined to exert influence in the human context only on dreaming and on everything related to dreaming. In our context, we call these beings Luciferic beings. Their domain would be, first, everything that is a dream, and second, everything related to dreaming. But they are not content with that. They drive their nature into that which has developed out of their domain: into human thinking bound to the mineral realm. And to the same extent that we allow into our thinking all that which should otherwise govern only our dreams and our fantasies, to that extent we fall prey in our thinking to the Luciferic being—to the influence of those entities that were meant to act only during the time of human ancestors upon the old, pictorial human thinking, but which held back their power and which now, while they should be limiting themselves to our dreaming, our fantasizing, and our artistic creation, continually seek to influence our thoughts and make these thoughts dependent on impulses similar to those that existed in prehistoric times. Much still flows into our thinking that comes from this side, from this Luciferic side.
[ 9 ] Daher ist gerade gegenüber der Menschheitsentwickelung die ernste Frage berechtigt: Aus welchen Kräften kommen denn diese Einflüsse in unser Denken? — Ja, sie kommen aus dem Gebiete her, in dem wir Menschen heute noch mit Recht träumen und mit Recht schlafen vor allen Dingen; sie kommen aus dem Gebiet des Fühlens, des Empfindens, aus dem Gebiet der Emotionen. Wir erleben ja unsere Gefühle nur so, wie wir sonst die Träume erleben, und wir erleben unseren Willen, wie wir sonst das Schlafen erleben. Da sind wir mit Recht noch eingesponnen in die Welt, die in dem Augenblick, wo sie für unser Denken sich entwickelt, die luziferische Welt ist. Daher kommen wir mit unserer menschlichen Entwickelung nicht zurecht, wenn wir nicht uns anhalten dazu, auch solche Gedanken zu entwickeln, welche unabhängig und immer unabhängiger werden von unseren bloßen Gefühlen, unseren bloßen Emotionen, von dem, was gewissermaßen innerlich aufsteigt aus dem traumhaften inneren Erleben auch des wachen Tageslebens. Das kann man nicht durch theoretische Grundsätze und Prinzipien erreichen, sondern nur durch das Leben selbst. Aber da sieht man, wie die Seelengewohnheiten der gegenwärtigen Menschheit einer auf diesem Gebiet notwendigen Seelenkultur gerade recht widerstreben, so daß man hier auf dieses Widerstreben sehr aufmerksam sein muß. Wir erleben es gerade in unserer Zeit, daß die Menschen sich nicht gewöhnen wollen, hinzuhören auf dasjenige, was nicht aus ihren inneren Vorurteilen, aus ihrem Vorempfinden, ihrer inneren Vorliebe herauskommt, sondern was gewissermaßen unabhängig vom Menschen entschieden wird, so daß sich der Mensch ihm nur zu fügen hat. Ein _ kleines Beispiel möchte ich anführen, durch das ich einmal jemandem klarzumachen versuchte, wie in bezug auf das, was der Mensch denkt, ein wichtiger Unterschied waltet.
[ 9 ] Therefore, particularly with regard to human development, the serious question is justified: From what forces do these influences enter our thinking? — Yes, they come from the realm in which we humans still, quite rightly, dream and sleep above all else; they come from the realm of feeling, of sensation, from the realm of emotions. After all, we experience our feelings only in the same way we otherwise experience dreams, and we experience our will as we otherwise experience sleep. There we are, quite rightly, still entangled in the world that, at the very moment it unfolds for our thinking, is the Luciferic world. That is why we cannot cope with our human development unless we make a point of cultivating thoughts that are independent—and increasingly so—of our mere feelings, our mere emotions, and of what, so to speak, rises inwardly from the dreamlike inner experience even of waking daily life. This cannot be achieved through theoretical principles, but only through life itself. But here we see how the soul habits of present-day humanity are in direct opposition to the spiritual cultivation necessary in this area, so that we must be very attentive to this resistance. We are experiencing this very thing in our own time: people do not want to accustom themselves to listening to that which does not arise from their inner prejudices, their preconceptions, or their inner preferences, but rather to that which is, so to speak, determined independently of the human being, so that the human being has no choice but to submit to it. I would like to cite a _small example_ with which I once tried to make it clear to someone how an important distinction applies with regard to what a person thinks.
[ 10 ] Ich habe einmal vor vielen Jahren in einer süddeutschen Stadt, die heute keine süddeutsche Stadt mehr ist, einen Vortrag gehalten über die Weisheitslehren des Christentums. Sie wissen, daß jeder Vortrag sein begrenztes Thema haben muß und man im Sinne dieses Themas zu reden hat. So macht, wenn jemand nur einen einzigen Vortrag hört, ein solch einziger Vortrag, gerade wenn er sachlich gehalten ist, manchmal auf den einen diesen, auf den andern jenen Eindruck. Jedenfalls kann niemand eigentlich aus einem einzigen Vortrag irgend etwas entnehmen über die ganze Weltanschauung, aus der dieser Vortrag hervorgeht. Denn selbstverständlich wird man nicht, wenn man zum Beispiel über die Weisheitslehren des Christentums zu sprechen hat, aus dem Inhalt des Vortrages schließen können, wie der Mensch, der den Vortrag hält, nun denkt über, sagen wir, die Beziehungen des Lichtes zur Elektrizität, so daß also auch der Fall eintreten könnte, der damals eingetreten ist. Ich habe also über die Weisheitslehren des Christentums gesprochen, und zwei katholische Pfarrer waren dort. Die kamen nachher zu mir und sagten: Es ist eigentlich nichts einzuwenden gegen das, was Sie heute gesagt haben — es ist aber jetzt schon viele Jahre her —, aber wir müssen doch sagen, wenn wir auch dasselbe sagen, so sagen wir es doch auf die Art, daß es jeder verstehen kann. Sie sagen es auf die Art, daß es nur für vorbereitete Menschen gelten kann. — Ich sagte dazumal: Ja, Hochwürden, die Sache ist doch so: Ob Sie oder ich aus innerlichem Gefühl heraus empfinden, daß wir für alle Menschen reden, darauf kommt es nicht an, denn das entspringt aus einem subjektiven Gefühl. Es ist doch ganz natürlich: Wenn wir bloß nach unserem Gefühl uns richten, so muß ich ja auch denken, ich rede für alle Menschen, gerade wie Sie es denken; das ist ja selbstverständlich, sonst würden wir es ja anders machen. Aber wir leben heute in einer Zeit, wo es auf das, was wir glauben, daß es berechtigt sei, nicht ankommt. Wir müssen uns erziehen an der Sprache der Tatsachen. Wir müssen lernen, die Tatsachen zu befragen. Also nach Ihrem subjektiven Gefühl denken Sie, Sie reden für alle Leute. Aber ich frage Sie jetzt nach einer Tatsache: Gehen heute noch alle Leute zu Ihnen in die Kirche? Daran würde sich dann zeigen, ob Sie für alle Leute reden. Nun, sehen Sie, für diejenigen, die nicht in die Kirche gehen, wenn Sie reden, für die rede ich! Für diejenigen, die auch ein Recht haben, über die Weisheitslehren des Christentums etwas zu hören, für die rede eben ich. — Das ist Gefolgschaft leisten der Sprache der Tatsachen.
[ 10 ] Many years ago, I once gave a lecture in a city in southern Germany—which is no longer a city in southern Germany—on the wisdom teachings of Christianity. As you know, every lecture must have a specific topic, and one must speak within the context of that topic. Thus, if someone hears only a single lecture, that single lecture—especially if it is presented objectively—sometimes makes one impression on one person and another on someone else. In any case, no one can really glean anything from a single lecture about the entire worldview from which that lecture stems. For, of course, when one is speaking, for example, about the wisdom teachings of Christianity, one cannot infer from the content of the lecture how the person giving the lecture actually thinks about, say, the relationship between light and electricity; thus, the situation that occurred back then could happen again. So I spoke about the wisdom teachings of Christianity, and two Catholic priests were there. They came up to me afterward and said: There is actually nothing to object to in what you said today—though it has been many years now—but we must say that even if we say the same thing, we say it in a way that everyone can understand. You express it in a way that can only apply to people who are already prepared.” — I said at the time: “Yes, Reverend, the matter is this: Whether you or I feel, out of an inner sense, that we are speaking for all people—that is not the point, for that arises from a subjective feeling.” It’s only natural: If we rely solely on our feelings, then I must also think that I’m speaking for all people, just as you do; that goes without saying—otherwise we’d do things differently. But we live in an age today where what we believe to be justified doesn’t matter. We must train ourselves to speak the language of facts. We must learn to question the facts. So, based on your subjective feeling, you think you’re speaking for everyone. But let me ask you a factual question: Do all people still go to church with you today? That would show whether you’re speaking for everyone. Well, you see, for those who don’t go to church when you speak—that’s who I’m speaking for! For those who also have a right to hear about the wisdom teachings of Christianity—that’s exactly who I’m speaking for. — That is what it means to follow the language of facts.
[ 11 ] Es ist notwendig, daß wir uns losreißen von den subjektiven Gefühlen, denn wenn wir das nicht tun, dann kommt gerade das Luziferische in unser Denken herein. Wir würden den ganzen furchtbaren Feldzug der Unwahrhaftigkeit, der in den letzten fünf Jahren durch die Welt gegangen ist, als äußerste Konsequenz von etwas, was sich lange vorbereitet hat, nicht haben erleben können, wenn die Menschen gelernt hätten, in einem nötigen Ausmaß sich nach der Sprache der 'Tatsachen zu richten, und nicht nach der Sprache der Emotionen, wobei die Nationalisten die furchtbarsten Anreger von solchen Emotionen sind.
[ 11 ] It is necessary for us to break free from subjective feelings, for if we do not, then the Luciferic element will creep into our thinking. We would not have been able to experience the entire terrible campaign of untruth that has swept through the world over the past five years—as the ultimate consequence of something that has long been in the making—if people had learned to guide themselves, to the necessary extent, by the language of “facts” rather than by the language of emotions, with nationalists being the most terrible instigators of such emotions.
[ 12 ] Auf der einen Seite steht heute die unbedingte Notwendigkeit, daß wir uns in unserem Denken erziehen so, daß wir uns fügen auch dem, was nicht in uns selber liegt. Und auf der andern Seite liegt die Abneigung der Menschen vor dieser Wahrhaftigkeit, die an den Tatsachen ihre Richtschnur sucht.
[ 12 ] On the one hand, there is today an absolute necessity for us to train our minds to accept even that which does not lie within ourselves. And on the other hand, there is people’s aversion to this truthfulness, which seeks its guiding principle in the facts.
[ 13 ] Nur derjenige kann in die höheren Welten mit ihren Erkenntnissen aufsteigen, der sich streng erzieht an der äußeren Tatsachenwelt. Wer ein bißchen sich gewöhnt hat, die Darstellung nach den Tatsachen lieb zu gewinnen, der leidet oftmals furchtbare Qualen, wenn ihm die Menschen der Gegenwart etwas mitteilen wollen. Denn er hört sehr häufig Dinge von der Art, daß jemand ihm sagt: Es hat einer etwas gesagt, das war furchtbar, das war entsetzlich! — Ja, wie war es denn eigentlich? Daß es so entsetzlich war, zeigt mir ja nur an, wie Sie es empfunden haben. Ich möchte aber gern hören, was es denn eigentlich war. — Ja, es war eben etwas Schreckliches, das da gekommen ist... — Und so verstehen einen die Leute gar nicht, wenn sie immerfort subjektiv schildern ihre Empfindungen über eine Sache, während man doch eine objektive Darstellung desjenigen hören möchte, was sie äußerlich gesehen haben. Insbesondere, wenn einem die Leute etwas mitteilen, was ihnen jemand gesagt hat, dann kann man heute meistens nicht unterscheiden, ob es sich um etwas handelt, was sie einfach weitersagen, oder ob sie geprüft haben, was sie einem mitteilen. Auf diesem Gebiet muß schon immer wiederum darauf hingewiesen werden, daß man Wahrhaftigkeit im Übersinnlichen für die Erkenntnis nur erzielen kann, wenn man sich erzieht, hier in der gewöhnlichen Sinneswelt möglichst nur dasjenige darzustellen, was unmittelbare Tatsache ist. Und nur auf diesem Wege, indem er sich zur Tatsachenanschauung erzieht, kann der Mensch die luziferischen Einflüsse überwinden, die in sein Denken hereinfließen.
[ 13 ] Only those who rigorously discipline themselves through the external world of facts can ascend to the higher worlds and their insights. Anyone who has become even slightly accustomed to appreciating a factual account often suffers terrible torment when people in the present try to tell them something. For they very often hear things like this: Someone tells them, “Someone said something—it was terrible, it was horrifying!” — “Yes, but what actually happened? The fact that it was so horrifying only shows me how you felt about it. But I’d like to hear what actually happened.” — “Well, it was just something terrible that happened...” — And that’s why people don’t understand you at all when they constantly describe their feelings about a matter subjectively, whereas you’d like to hear an objective account of what they actually observed. Especially when people tell you something that someone else has told them, it’s usually impossible today to tell whether they’re simply passing it on or whether they’ve verified what they’re telling you. In this area, it must be emphasized time and again that truthfulness in the supersensible realm can only be attained for the sake of knowledge if one trains oneself, here in the ordinary sensory world, to represent as far as possible only what is an immediate fact. And only in this way—by training oneself to perceive facts—can a person overcome the Luciferic influences that flow into their thinking.
[ 14 ] Diese luziferischen Einflüsse sind dasjenige, dem die Menschheit der Gegenwart auf der einen Seite ausgesetzt ist. Auf der andern Seite sind die ahrimanischen Einflüsse. Wir haben ja sagen müssen: Dieses Erdendenken hat sich eigentlich aus früheren Stadien des menschlichen Seelenlebens nur herausentwickelt dadurch, daß der Mensch gewissermaßen sich vollgesogen hat mit einem mineralischen Körper. Dieser mineralische Körper ist schon das Organ des Erdendenkens. Aber dadurch ist er vornehmlich in das Gebiet derjenigen Wesen geraten, die man die ahrimanischen nennt.
[ 14 ] These Luciferic influences are what humanity today is exposed to on the one hand. On the other hand are the Ahrimanic influences. As we have had to say: This earthly thinking has actually developed out of earlier stages of human soul life solely through the fact that human beings have, so to speak, become imbued with a mineral body. This mineral body is already the organ of earthly thinking. But through this, it has primarily entered the realm of those beings who are called Ahrimanic.
[ 15 ] Der Mensch kann ja allerdings sich bewußt werden, daß er sich zu erziehen hat an jener 'Tatsachenwelt, die ihm abgewöhnt, sich bloß nach seinen subjektiven Emotionen zu richten. Aber er sollte nicht verfallen demjenigen Denken, das nun weiter nichts ist als eine innere menschliche Tätigkeit, wie sie nun wiederum aus dem mineralischen Leibe hervorgeht. Auf diesem Gebiete liegt eine für viele Menschen höchst unangenehme Wahrheit.
[ 15 ] Human beings can, of course, become aware that they must educate themselves in that “world of facts” that weans them from relying solely on their subjective emotions. But they should not succumb to that kind of thinking, which is nothing more than an inner human activity arising, in turn, from the mineral body. In this realm lies a truth that is highly unpleasant for many people.
[ 16 ] Nicht wahr, die einen sind Idealisten oder Spiritualisten, die andern sind Materialisten. In der Welt wird viel gestritten darüber, ob nun der Spiritualismus oder der Materialismus das richtige ist. All dieses Streiten hat für gewisse Gebiete der menschlichen Organisation gar nicht den geringsten Wert. Denn der Mensch kann in der Tat zweierlei entfalten. Er kann seinen mineralischen Körper, mit dem er sich vollgesogen hat, als das Instrument benutzen zu seinem Denken, wie er es muß als Erdenmensch, sonst würde er ja nur träumen. Aber er kann sich dann dazu erheben, mit seinen Gedanken über das Instrument wieder hinauszukommen, er kann sich zu einer geistigen Auffassung, zu einer Geistesschau erheben. Tut er das letztere, so hat er zwar mit der materiellen Organisation gedacht, aber er hat sie benutzt, um zu einer weiteren Entwickelungsstufe der Menschheit zu kommen, indem er mit dem Resultat hinaufgeht in die geistige Welt. Er kann aber auch dabei stehenbleiben als Erdenmensch, seinen mineralischen Körper denken zu lassen; denn der kann denken! Das ist gerade das Gefährliche, daß der Materialismus nicht unrecht hat, gerade gegenüber dem Denken nicht. Dieser mineralische Körper ist nicht eine bloße Photographie. Er ist etwas, was für sich denken kann, nur bleibt er mit seinem Denken im Bereich des irdischen Lebens. Der Mensch muß das, was er mit seinem mineralischen Körper erlebt, erst erheben in die Reiche des Übersinnlichen.
[ 16 ] Isn’t it true that some are idealists or spiritualists, while others are materialists? There is much debate in the world over whether spiritualism or materialism is the correct view. All this debate has absolutely no value whatsoever for certain areas of human organization. For human beings can, in fact, develop in two ways. They can use their mineral body—with which they have imbued themselves—as an instrument for their thinking, as they must as earthly beings; otherwise, they would merely be dreaming. But they can then rise above this, using their thoughts to transcend the instrument; they can ascend to a spiritual perception, to a spiritual vision. If he does the latter, he has indeed thought with his material organization, but he has used it to reach a further stage of human development by ascending with the result into the spiritual world. He can, however, also remain at this stage as an earthly human being, allowing his mineral body to think; for it can think! That is precisely the danger: that materialism is not wrong—especially not when it comes to thinking. This mineral body is not merely a photograph. It is something that can think for itself; it simply remains, with its thinking, within the realm of earthly life. Human beings must first elevate what they experience with their mineral body into the realms of the supersensible.
[ 17 ] So daß man sagen kann: Gewiß, es könnte richtig sein, daß dasjenige, was menschliche Gedanken sind, nur eine Ausschwitzung der menschlichen mineralischen Organisation ist. Das könnte richtig sein, nur muß es der Mensch erst richtig machen. Der Mensch kann aus seiner eigenen Freiheit heraus auf der Erde sich so entwickeln, daß er nur das Produkt der Materie ist. Die Tiere können das nicht; sie kommen nicht so weit, daß sie durch mineralischen Einschluß das Denken entwickeln. Dem Tier steht es nicht frei, die materialistische Anschauung zu bewahrheiten. Dem Menschen steht es frei, die materialistische Ansicht zu bewahrheiten; er braucht nur aus materialistischer Gesinnung heraus zu wollen.
[ 17 ] So one can say: Certainly, it could be true that what human thoughts are is merely an outgrowth of the human mineral organization. That could be true, but human beings must first achieve it properly. Human beings can, out of their own free will, develop on Earth in such a way that they are merely the product of matter. Animals cannot do this; they do not progress to the point of developing thought through mineral inclusion. Animals are not free to validate the materialist view. Human beings are free to validate the materialist view; they need only will it out of a materialist mindset.
[ 18 ] Es ist so mit der menschlichen Freiheit beschaffen, daß es sogar dem Menschen frei steht, den Materialismus zu verwirklichen für das Menschenreich, das heißt, diesen Erdenmenschen so zu gestalten, daß er in der Materie aufgeht. Es ist daher im Grunde genommen eine Sache des Beliebens, Materialist zu sein. Wenn man stark genug ist, das auch zu verwirklichen, was man dem Menschen vorsagt als materialistische Gesinnung, dann wird diese Gesinnung durch die Menschen erst wahr.
[ 18 ] The nature of human freedom is such that humans are even free to bring materialism to fruition for the human realm—that is, to shape this earthly human being in such a way that he is absorbed into matter. It is therefore, in essence, a matter of choice to be a materialist. If one is strong enough to actually bring to life what one preaches to humanity as a materialistic mindset, then this mindset only becomes a reality through human beings.
[ 19 ] Was in dieser Form auf den Menschen wirkt, das kommt durch die ahrimanischen Wesen. Die wollen alles dasjenige, was Erdenentwickelung ist, auf der Stufe erhalten, die erst durch die Erdenentwickelung an den Menschen herangekommen ist: bei der mineralischen Organisation. Sie wollen den Menschen vollkommen machen, aber nur als mineralische Organisation, während die luziferischen Wesen den Menschen, auch nachdem er die mineralische Organisation in sein Wesen hereinbekommen hat, doch auf der früheren Stufe, die angemessen war dem Zustand, bevor er die mineralische Organisation bekommen hat, erhalten wollen. Das ist dieses An-zwei-Strängen-Ziehen des luziferischen und des ahrimanischen Wesens. Die luziferischen Wesen möchten den Menschen so entwickeln, daß er zuletzt seinen mineralischen Körper abwirft und eine Entwickelung durchmacht, für die das Irdische uneigentlich bleibt, für die das Irdische gewissermaßen nur eine episodische Erfahrung war. Die luziferischen Wesen haben die Absicht, das Irdische allmählich auszustreichen aus der ganzen Entwickelung der Menschheit. Die ahrimanischen Wesen haben die Absicht, dieses irdische, mineralische Wesen des Menschen so recht zu ergreifen, es dann herauszureißen aus der fortgehenden Entwickelung und es isoliert für sich hinzustellen. Auf diese Weise ziehen die luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten an verschiedenen Strängen.
[ 19 ] What affects human beings in this form comes through the Ahrimanic beings. They want to keep everything that constitutes Earth’s evolution at the stage that was first reached by human beings through Earth’s evolution: the mineral organization. They want to perfect human beings, but only as mineral organisms, whereas the Luciferic beings want to keep human beings—even after they have incorporated the mineral organization into their being—at the earlier stage that was appropriate to their condition before they acquired the mineral organization. This is the tug-of-war between the Luciferic and the Ahrimanic beings. The Luciferic beings wish to develop human beings in such a way that they ultimately shed their mineral body and undergo a development for which the earthly remains, so to speak, secondary—for which the earthly was, in a sense, merely an episodic experience. The Luciferic beings intend to gradually eliminate the earthly from the entire development of humanity. The Ahrimanic beings intend to truly seize hold of this earthly, mineral nature of the human being, then tear it away from the ongoing development and set it apart on its own. In this way, the Luciferic and Ahrimanic beings pull in different directions.
[ 20 ] Aber es kommt nun sehr darauf an, daß wir das, was wir so im Großen charakterisieren können, anwenden lernen auf das alleralltäglichste Leben, daß wir wirklich, geradeso wie wir ein halbkreisförmig gebogenes Eisen nicht als ein gewöhnliches Hufeisen ansehen, wenn es doch ein Magnet ist, daß wir das menschliche Leben nicht so ansehen, als ob es nur nach seiner Außenseite zu charakterisieren wäre. Derjenige, der Pferdehufe beschlägt mit Magneten, der berücksichtigt nicht, daß im Magneten etwas anderes lebt als im Hufeisen. Derjenige, der das Menschenleben so charakterisiert, wie es heute oftmals geschieht, der handelt aber ganz genau so wie der, der sein Pferd beschlägt mit Magneten anstatt mit Hufeisen. Man geniert sich nicht, von positiver und negativer Elektrizität zu sprechen, wenn man vom Unorganischen spricht, oder von positivem und negativem Magnetismus, aber man geniert sich, vom Luziferischen und Ahrimanischen zu sprechen für das Menschenleben, trotzdem dieses im Menschenleben auf einer höheren Stufe ebenso wirksame Kräfte sind wie positiver und negativer Magnetismus auf dem Gebiete des Leblosen. Nur sind positiver und negativer Magnetismus einfachere Begriffe. Man braucht sich nicht so viel Mühe zu geben, zu ihnen aufzurücken, wie man braucht, wenn man aufrücken will zum Luziferischen und Ahrimanischen. Daher wird man auch nur zurechtkommen in bezug auf dasjenige, was sich heute als Phrase geltend macht und aus der Phrase heraus zur Lüge wird, wenn man weiß: Da wirkt das luziferische Wesen. — Und man wird nur zurechtkommen mit alledem, was als materialistische Gesinnung da und dort auftritt, wenn man weiß: Da wirkt das ahrimanische Wesen. — Denn mit der bloß äußeren Charakteristik wird man für das Verständnis des Menschenlebens in der Zukunft nichts mehr gewinnen können; man wird nur herumreden und die größten Torheiten begehen, wenn man sie dann auf die Wirklichkeit anwenden will; aber man wird das menschliche Leben nicht so verstehen, daß man auch für menschliche Einrichtungen, für menschliche Institutionen aus seinen Erkenntnissen heraus soziale Impulse gewinnen kann. Das ist etwas, was innig zusammenhängt mit dem ganzen Ernste, der einen überkommen muß, wenn man alles dasjenige ansieht, was heute in der Entwickelungstendenz der Menschheit liegt. Wir können heute nicht zu einem Verständnis des Lebens, in dem wir drinnenstehen, kommen, wenn wir nicht den Blick aufwärts werfen vom Irdischen zum Außerirdischen. Da liegt etwas Eigentümliches vor.
[ 20 ] But it is now very important that we learn to apply what we can characterize in such broad terms to the most everyday aspects of life—that we truly, just as we do not regard a semicircular piece of iron as an ordinary horseshoe when it is in fact a magnet, do not view human life as if it could be characterized solely by its outward appearance. Someone who shoes a horse’s hooves with magnets fails to take into account that something different lives within the magnet than within the horseshoe. Anyone who characterizes human life in the way it is often done today, however, acts exactly like someone who shoes their horse with magnets instead of horseshoes. People have no qualms about speaking of positive and negative electricity when referring to the inorganic world, or of positive and negative magnetism, but they hesitate to speak of the Luciferic and the Ahrimanic in relation to human life—even though these are forces that are just as active in human life on a higher plane as positive and negative magnetism is in the realm of the inanimate. It is simply that positive and negative magnetism are simpler concepts. One does not need to exert as much effort to grasp them as one does when seeking to understand the Luciferic and the Ahrimanic. Therefore, one can only come to terms with what today passes for a cliché—and turns into a lie through that very cliché—if one knows: the Luciferic being is at work here. — And one can only cope with all that appears here and there as a materialistic mindset if one knows: the Ahrimanic being is at work there. — For with merely external characteristics, one will no longer be able to gain anything for the understanding of human life in the future; one will merely talk in circles and commit the greatest follies when attempting to apply them to reality; but one will not understand human life in such a way as to be able to derive social impulses from one’s insights for human institutions and organizations. This is something that is intimately connected with the profound seriousness that must overcome one when one considers all that lies in the current trend of human development. We cannot today arrive at an understanding of the life in which we are immersed unless we lift our gaze upward from the earthly to the extraterrestrial. There is something peculiar at work here.
[ 21 ] Wenn wir zurückblicken in ältere, jetzt weniger alte als die früher charakterisierten Zeiten der Menschheitsentwickelung, so urteilen ja die heutigen Menschen zumeist nur nach äußeren geschichtlichen Dokumenten. Es gibt sogar Historiker mit ganz berühmten Namen, die sagen: Die Geschichte der Menschheit hat alles dasjenige zum Inhalt, was man aus dem Geschriebenen entnehmen kann. Wenn man die Geschichte von vornherein so wie Ranke definiert, so ist es ja selbstverständlich, daß man dann zu einer sonderbaren Geschichtsdarstellung kommt. Aber das Schreiben gehört ja selbst der Geschichte an, es entwickelte sich erst wiederum aus etwas anderem heraus, und man kann mit solchen Definitionen eigentlich in Wirklichkeit doch nichts anfangen. Aber geht man zurück nur bis in die chaldäisch-babylonische, in die ägyptische Zeit, so sieht man, daß innerhalb dieser Entwickelungsepoche der Menschheit die ganze Stellung des Menschen auch noch zum Kosmos eine andere war. Man versteht ja heute gar nicht, was eigentlich gemeint war, wenn der Mensch in dieser Zeit sein Leben anknüpfte an den Gang der Sterne, der Planeten, oder deren Verhältnis zu den Fixsternen, zum Tierkreis; das alles ist ja heute die leerste Abstraktion geworden. Glauben Sie denn, daß der Astrologe, der heute die alten astrologischen Werke durchstöbert — und es ist noch gut, wenn er sie durchsucht und keine neuen macht, denn die neuen sind schrecklich —, und da die Horoskope zusammenstellt, daß er in seiner Abstraktion, in seiner abstrakten Denkweise noch eine Ahnung hat von jenem lebendigen Zusammenhang, in dem sich noch der alte Ägypter und Chaldäer wußte als Mensch mit dem äußeren irdischen Gang, der Stellung der Sterne? Es ist ja alles anders geworden heute. Man muß sagen: Etwas Wichtiges in der Menschheitsentwickelung seit jenen Zeiten besteht gerade darin, daß dieses ganze Menschenbewußtsein eingeengt worden ist auf das Physische. Wieviel hat solch ein Ägypter von der Erde gewußt? Sie war für ihn ein Stück Land. Vom Himmel hat er mehr gewußt. Ins Senkrechte hinauf ging seine Erfahrung. Der Grieche hatte auch noch nicht eine horizontale Erkenntnis; ins Senkrechte ging auch noch seine Erfahrung. Diese senkrechte Erfahrung schränkte sich ein in dem Maße, als sich die horizontale ausdehnte, und das Maximum der Einschränkung der menschlichen Erkenntnis vom Himmel ist die Ausbreitung der menschlichen Erkenntnis von der Erde, als man lernte, die Erde zu umschiffen, um sich zu überzeugen: Wenn man nach Westen fährt, kommt man vom Osten wieder zurück. Aber dieses Verfinstern der menschlichen Erkenntnis in vertikaler Richtung mußte eintreten. Der Mensch mußte einmal abgeschnürt werden vom Weltenall, um in sich die Kraft zu suchen, die ihn allein zu seiner menschlichen Freiheit führen konnte. Denn aus dieser menschlichen Freiheit kann nun wiederum das Moralische hervorgehen.
[ 21 ] When we look back at earlier periods of human development—periods that are now less ancient than those described earlier—people today tend to judge them solely on the basis of external historical documents. There are even historians with very famous names who say: The history of humanity consists of everything that can be gleaned from written sources. If one defines history from the outset in the manner Ranke did, it goes without saying that one will arrive at a peculiar account of history. But writing itself is part of history; it, in turn, developed from something else, and such definitions are actually of little use in reality. Yet if one goes back even as far as the Chaldean-Babylonian or Egyptian periods, one sees that within this epoch of human development, humanity’s entire relationship to the cosmos was also different. Today, people simply do not understand what was actually meant when, in those times, human beings linked their lives to the movements of the stars and planets, or to their relationship to the fixed stars and the zodiac; all of that has become the emptiest of abstractions today. Do you believe, then, that the astrologer who today pores over the ancient astrological works—and it is still a good thing if he merely studies them and does not create new ones, for the new ones are terrible— and compiles horoscopes—that, in his abstraction, in his abstract way of thinking, he still has a sense of that living connection in which the ancient Egyptians and Chaldeans still saw themselves as human beings in relation to the outer earthly course and the positions of the stars? Everything has changed today. One must say: Something important in the development of humanity since those times consists precisely in the fact that this entire human consciousness has been narrowed down to the physical. How much did such an Egyptian know about the earth? To him, it was a piece of land. He knew more about the heavens. His experience extended upward into the vertical. The Greeks, too, did not yet possess horizontal knowledge; their experience, too, extended upward into the vertical. This vertical experience became increasingly restricted as the horizontal expanded, and the maximum limitation of human knowledge of the heavens coincided with the expansion of human knowledge of the Earth—when people learned to sail around the globe to convince themselves: If one sails westward, one returns from the east. But this narrowing of human knowledge in the vertical direction was bound to occur. Humanity had to be cut off from the universe at some point in order to seek within itself the power that alone could lead it to its human freedom. For from this human freedom, morality can now emerge in turn.
[ 22 ] Nun müssen wir, nachdem die Menschen aufgehört haben, so wie die Griechen oder die Chaldäer in vertikaler Hinsicht im Außerirdischen Erfahrungen zu haben, nachdem wir die Erziehung genossen haben, die wir eben haben können durch die bloß horizontale Fläche, wir müssen wiederum auf moralisch-ethischem Gebiet aufsteigen und kennenlernen das Menschenleben, wie es beeinflußt ist von denjenigen Kräften, die nicht im Verlaufe des äußeren Daseins zu bemerken sind. Solche sind eben die luziferischen und ahrimanischen Kräfte.
[ 22 ] Now that people have ceased to have experiences in the extraterrestrial realm in a vertical sense, as the Greeks or the Chaldeans did, and now that we have received the education that we can only obtain through the purely horizontal plane, we must once again ascend into the moral-ethical realm and come to understand human life as it is influenced by those forces that are not perceptible in the course of external existence. These are precisely the Luciferic and Ahrimanic forces.
[ 23 ] Die Menschen machen sich allerdings heute mit andern Dingen zu schaffen, und ich habe ihnen manchmal auch etwas mitzuteilen von unserer anthroposophisch orientierten Geistesbewegung, die gerade sich zur Aufgabe macht, ihre Arbeit aus diesem ganzen Ernst der Zeit zu leisten, und die Sprache zu hören, die gewissermaßen vom außerirdischen Kosmos gesprochen wird, die uns sagt, daß wir wieder erkennen lernen müssen den Zusammenhang des Menschen mit dem ganzen Kosmos. Dahinein tönen dann immer — verzeihen Sie den schroffen Übergang — die Dinge, die heute schon auf die merkwürdigsten Gesichtspunkte hinweisen, von denen aus die Gegnerschaften gegen solchen gewollten Menschheitsfortschritt sich geltend machen. Da kann ich Ihnen eine Stelle aus einem Briefe vorlesen, die recht charakteristisch ist. Wie gesagt, verzeihen Sie den schroffen Übergang, aber wir haben schon die Verpflichtung, Sie bekanntzumachen mit allerlei, was in der Gegenwart geschieht, um zu untergraben, zu vernichten diese Bewegung, die gerade die' Aufgabe der Zeit zu erfassen bestrebt ist.
[ 23 ] People today, however, are preoccupied with other matters, and I sometimes have something to share with them about our anthroposophically oriented spiritual movement, which has made it its mission to carry out its work in light of the gravity of our times and to listen to the language spoken, as it were, by the extraterrestrial cosmos—a language that tells us we must learn once again to recognize the connection between the human being and the entire cosmos. Into this context, then—forgive the abrupt transition—resound the things that already point to the most peculiar perspectives from which opposition to such deliberate human progress asserts itself. I can read you a passage from a letter that is quite characteristic. As I said, please forgive the abrupt transition, but we do have an obligation to acquaint you with all manner of things happening in the present that seek to undermine and destroy this movement, which is striving precisely to grasp the task of our time.
[ 24 ] In Norwegen macht sich ein Mensch geltend, der sich die Aufgabe gesetzt hat, unsere Bewegung zu vernichten. Dieser Mann schreibt, um sich zu vergewissern, daß er dazu das Recht hat, an Autoritäten — wie man das so heute macht —; er wendet sich an dasjenige, was sich nennt: «Politisch-anthropologische Monatsschrift.» Von dieser Monatsschrift wurde ihm nun die folgende Auskunft gegeben: «Dr. Steiner ist Jude reinsten Wassers. Er ist mit den Zionisten verbunden, eigentlich an sie geknüpft, und steht im Dienste der Entente.» Und der Redakteur fügt hinzu, «daß sie» — nämlich die Leute dieser Art — «schon lange ihre Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet halten».
[ 24 ] In Norway, a man is making his presence felt who has set himself the task of destroying our movement. To assure himself that he has the right to do so—as is customary today—this man writes to the authorities; he turns to the publication known as the “Political-Anthropological Monthly.” This monthly journal has now provided him with the following information: “Dr. Steiner is a Jew through and through. He is connected to the Zionists—in fact, tied to them—and is in the service of the Entente.” And the editor adds, “that they”—namely, people of this sort—“have long kept their attention focused on him.”
[ 25 ] Ich wollte Ihnen das nur am Schlusse erzählen, wiederum als einen Fall, wie sie sich jetzt so mehren, daß man fast jeden Tag einen zu Gesicht bekommt. So also verhalten sich die Anthropologen heute zu dem, was von anthroposophischer Seite angestrebt wird.
[ 25 ] I just wanted to mention this at the end, as yet another example of a trend that is becoming increasingly common—one that we encounter almost every day. This, then, is how anthropologists today view the goals pursued by the anthroposophical movement.
