Contrasts in Human Development
GA 197
9 March 1920, Stuttgart
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Gegensätze in der Menschheitsentwickelung
Dritter Vortrag
Dritter Vortrag
[ 1 ] Ich möchte die Betrachtungen, die wir in diesen Tagen hier angestellt haben, heute noch durch einiges ergänzen, das geeignet sein kann, in manche Begriffe, aus denen heraus in der Gegenwart gehandelt werden soll, Wirklichkeit einzufüllen, das, ich möchte sagen, geeignet sein kann, Begriffe zu finden, die weniger abstrakt sind als fast alle Begriffe, von denen sich die Menschheit heute beherrschen läßt. Solche Begriffe haben wir gar sehr notwendig, denn nur solche Begriffe gehen ein in die Empfindungswelt des Menschen und dadurch in das wirkliche Leben, nur solche Begriffe können auch befeuern das menschliche Wollen und Handeln.
[ 1 ] Ich möchte die Betrachtungen, die wir in diesen Tagen hier angestellt haben, heute noch durch einiges ergänzen, das geeignet sein kann, in manche Begriffe, aus denen heraus in der Gegenwart gehandelt werden soll, Wirklichkeit einzufüllen, das, ich möchte sagen, geeignet sein kann, Begriffe zu finden, die weniger abstrakt sind als fast alle Begriffe, von denen sich die Menschheit heute beherrschen läßt. Solche Begriffe haben wir gar sehr notwendig, denn nur solche Begriffe gehen ein in die Empfindungswelt des Menschen und dadurch in das wirkliche Leben, nur solche Begriffe können auch befeuern das menschliche Wollen und Handeln.
[ 2 ] Wir überblicken heute die Welt und sollten eigentlich als eigentümlichstes Kennzeichen des sozialen Lebens über die zivilisierte Welt hin das betrachten können, daß sich an die Stelle früherer kleinerer menschlicher Zusammenhänge größere menschliche Zusammenhänge gestellt haben. Wir brauchen ja nicht weit in der Menschheitsentwickelung zurückzugehen, um zu finden, daß soziale Zusammenhänge nur über ein geringes Territorium ausgebreitet waren. Wir finden, daß Städtegemeinschaften eine verhältnismäßige Einheit bildeten, und im Grunde genommen erst in der neuesten Zeit entstehen die großen imperialistischen Gemeinschaften, aus denen heraus sich das ergeben hat, was Ihnen ja auch schon öfter charakterisiert worden ist: das Imperium der englisch sprechenden Bevölkerung. Es sollte sich über die Folgen dieser Geschehnisse eigentlich gerade in Mitteleuropa heute kein Mensch irgendwelchen Illusionen hingeben. Aber ordentliche, wirklichkeitsgesättigte Begriffe über diese Dinge sind doch nur zu haben, wenn man geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte einnehmen will. Diese geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte führen uns in ältere Zustände der Menschheitsentwickelung zurück und zeigen uns, wie auch da gewisse Zusammenhänge sich offenbarten unter den Menschen, die man aber, wie ich auch schon öfter erwähnte, nicht «Staaten» nennen sollte, weil man dadurch ungeheure Konfusionen hervorruft, sondern die man mit irgendeinem andern, mehr gleichgültigen Worte belegen sollte: sagen wir, «Reiche» sind entstanden. Und solche Reiche wurden regiert von einzelnen Menschen, von einzelnen Menschengemeinschaften. Aus ihnen hat sich dann etwas ergeben, was im weiteren Fortgang zu Staatenbildungen führte, die man heute als etwas so Selbstverständliches ansieht, daß man an ihnen nicht rütteln will — wenigstens auf gewissen Gebieten will man nicht an ihnen rütteln —, und, was noch schlimmer ist, über die man, weil man sie als etwas Selbstverständliches ansieht, gar nicht einmal nachdenken will.
[ 2 ] Wir überblicken heute die Welt und sollten eigentlich als eigentümlichstes Kennzeichen des sozialen Lebens über die zivilisierte Welt hin das betrachten können, daß sich an die Stelle früherer kleinerer menschlicher Zusammenhänge größere menschliche Zusammenhänge gestellt haben. Wir brauchen ja nicht weit in der Menschheitsentwickelung zurückzugehen, um zu finden, daß soziale Zusammenhänge nur über ein geringes Territorium ausgebreitet waren. Wir finden, daß Städtegemeinschaften eine verhältnismäßige Einheit bildeten, und im Grunde genommen erst in der neuesten Zeit entstehen die großen imperialistischen Gemeinschaften, aus denen heraus sich das ergeben hat, was Ihnen ja auch schon öfter charakterisiert worden ist: das Imperium der englisch sprechenden Bevölkerung. Es sollte sich über die Folgen dieser Geschehnisse eigentlich gerade in Mitteleuropa heute kein Mensch irgendwelchen Illusionen hingeben. Aber ordentliche, wirklichkeitsgesättigte Begriffe über diese Dinge sind doch nur zu haben, wenn man geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte einnehmen will. Diese geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte führen uns in ältere Zustände der Menschheitsentwickelung zurück und zeigen uns, wie auch da gewisse Zusammenhänge sich offenbarten unter den Menschen, die man aber, wie ich auch schon öfter erwähnte, nicht «Staaten» nennen sollte, weil man dadurch ungeheure Konfusionen hervorruft, sondern die man mit irgendeinem andern, mehr gleichgültigen Worte belegen sollte: sagen wir, «Reiche» sind entstanden. Und solche Reiche wurden regiert von einzelnen Menschen, von einzelnen Menschengemeinschaften. Aus ihnen hat sich dann etwas ergeben, was im weiteren Fortgang zu Staatenbildungen führte, die man heute als etwas so Selbstverständliches ansieht, daß man an ihnen nicht rütteln will — wenigstens auf gewissen Gebieten will man nicht an ihnen rütteln —, und, was noch schlimmer ist, über die man, weil man sie als etwas Selbstverständliches ansieht, gar nicht einmal nachdenken will.
[ 3 ] Alledem liegt aber etwas zugrunde, was den Menschen verbindet, innerlich verbindet in seinem Seelenleben mit dem Geistig-Göttlichen, wie er es in den verschiedenen Zeiten der Erdenentwickelung genannt hat.
[ 3 ] Alledem liegt aber etwas zugrunde, was den Menschen verbindet, innerlich verbindet in seinem Seelenleben mit dem Geistig-Göttlichen, wie er es in den verschiedenen Zeiten der Erdenentwickelung genannt hat.
[ 4 ] Geht man in halb vorgeschichtliche Zeiten zurück, in Zeiten, die nur noch so hereinragen in das geschichtliche Leben, so findet man, daß in diesen vorgeschichtlichen Zeiten der Begriff eines Reichsregierers, sagen wir — denn all unsere Worte sind ja doch für diese älteren Begriffe nicht zutreffend —, ganz anders geformt war, als wir heute geneigt sind, ihn zu verstehen. Der Begriff eines Regierers eines irdischen Reiches größeren oder kleineren Kalibers wurde sehr nahe herangebracht an das, was der Mensch als seinen Gottesbegriff erkannte. Damit kommt man ja zu Dingen, die dem heutigen Menschen außerordentlich paradox vorkommen müssen. Das ist aber nur deshalb, weil dieser heutige Mensch so wenig geneigt ist, wirklich einzugehen auf dasjenige, was einmal da war in der Menschheitsentwickelung und was sich nicht deckt mit den seit drei bis vier Jahrhunderten gewohnt gewordenen Begriffen des Abendlandes oder seines Anhanges Amerika.
[ 4 ] Geht man in halb vorgeschichtliche Zeiten zurück, in Zeiten, die nur noch so hereinragen in das geschichtliche Leben, so findet man, daß in diesen vorgeschichtlichen Zeiten der Begriff eines Reichsregierers, sagen wir — denn all unsere Worte sind ja doch für diese älteren Begriffe nicht zutreffend —, ganz anders geformt war, als wir heute geneigt sind, ihn zu verstehen. Der Begriff eines Regierers eines irdischen Reiches größeren oder kleineren Kalibers wurde sehr nahe herangebracht an das, was der Mensch als seinen Gottesbegriff erkannte. Damit kommt man ja zu Dingen, die dem heutigen Menschen außerordentlich paradox vorkommen müssen. Das ist aber nur deshalb, weil dieser heutige Mensch so wenig geneigt ist, wirklich einzugehen auf dasjenige, was einmal da war in der Menschheitsentwickelung und was sich nicht deckt mit den seit drei bis vier Jahrhunderten gewohnt gewordenen Begriffen des Abendlandes oder seines Anhanges Amerika.
[ 5 ] Allerdings, in jenen älteren Zeiten, die halb vorhistorische sind, wurde auch, wenigstens in vielen Imperien, der Reichsregierer auf eine andere Art in sein Amt eingeführt, als das in späteren Zeiten geschehen ist. Wir brauchen nur in das alte Ägypten, aber in die älteren, die halb vorhistorischen Zeiten des alten Ägypten zurückzugehen, oder in das alte Chaldäa, so finden wir überall, daß es als eine Art Selbstverständlichkeit angesehen wird, daß die Vorläufer der heutigen Priesterschaft die Regenten für ihr Amt vorbereiteten. Man hatte ganz konkrete Vorstellungen über diese Art des Vorbereitens eines Regierers durch die Priesterschaft und ihre Einrichtungen. Man hatte die Vorstellung, daß durch diese Vorbereitung aus dem zur Regentschaft Berufenen wirklich etwas wird, was sich noch als letzte Andeutung erhalten hat in der chinesischen Benennung «Sohn des Himmels». Man hatte das Bewußtsein, man mußte eine Art «Sohn des Himmels» machen aus demjenigen, der zum Regierer irgendeines Gebietes berufen war oder berufen wurde. Aber bei diesen Dingen hatte man nicht die Vorstellung, die man heute einzig und allein eigentlich aufbringt, wenn von menschlicher Erziehung oder von der Vorbereitung des Menschen zu irgend etwas die Rede ist. Wenn man sich auch wiederum viel Mühe gibt, darauf hinzuweisen, daß man den Menschen nicht nur so erziehen sollte für das eine oder andere Amt in der Welt, daß man Intellektualistisches in sein Wesen, in seine Seele hineinpfropft, sondern daß man den ganzen Menschen entwickele, so haben doch fast alle unsere heutigen Begriffe von Entwickelung, von Erziehung und dergleichen etwas im höchsten Grade Abstraktes. Man hat die Vorstellung, daß eigentlich nur irgend etwas im Menschenwesen selbst im Sinne eines Fortschrittes geändert oder verwandelt werden soll beim Erziehen, beim Vorbereiten zu einem Amt. Man hat nicht die Vorstellung, daß bei einer solchen Entwickelung aus dem Menschen etwas ganz anderes werden soll, als er vorher war. Vor allen Dingen hat man nicht die Vorstellung, daß etwas Objektives in den Menschen einfließen soll, was vorher nicht in ihm war. Die Vorstellung hat man nicht, die ich etwa in der folgenden Art charakterisieren könnte: Ich rede mit einem Menschen, der nun einmal aus dem heutigen natürlichen und sozialen Leben heraus entstanden ist. Er sagt zu mir dies oder jenes, ich sage zu ihm dies oder jenes. Er spricht zu mir als der Träger eines Namens, der aus den gewöhnlichen staatlich-bürgerlichen Zusammenhängen stammt, aus denen der Mensch heute nun einmal herauswächst. Ich spreche zu ihm ebenso. — Es ist dieses ja fast die einzige Art, wie wir uns als Menschen heute zueinander verhalten und wie wir jeden Menschen unter uns ansehen.
[ 5 ] Allerdings, in jenen älteren Zeiten, die halb vorhistorische sind, wurde auch, wenigstens in vielen Imperien, der Reichsregierer auf eine andere Art in sein Amt eingeführt, als das in späteren Zeiten geschehen ist. Wir brauchen nur in das alte Ägypten, aber in die älteren, die halb vorhistorischen Zeiten des alten Ägypten zurückzugehen, oder in das alte Chaldäa, so finden wir überall, daß es als eine Art Selbstverständlichkeit angesehen wird, daß die Vorläufer der heutigen Priesterschaft die Regenten für ihr Amt vorbereiteten. Man hatte ganz konkrete Vorstellungen über diese Art des Vorbereitens eines Regierers durch die Priesterschaft und ihre Einrichtungen. Man hatte die Vorstellung, daß durch diese Vorbereitung aus dem zur Regentschaft Berufenen wirklich etwas wird, was sich noch als letzte Andeutung erhalten hat in der chinesischen Benennung «Sohn des Himmels». Man hatte das Bewußtsein, man mußte eine Art «Sohn des Himmels» machen aus demjenigen, der zum Regierer irgendeines Gebietes berufen war oder berufen wurde. Aber bei diesen Dingen hatte man nicht die Vorstellung, die man heute einzig und allein eigentlich aufbringt, wenn von menschlicher Erziehung oder von der Vorbereitung des Menschen zu irgend etwas die Rede ist. Wenn man sich auch wiederum viel Mühe gibt, darauf hinzuweisen, daß man den Menschen nicht nur so erziehen sollte für das eine oder andere Amt in der Welt, daß man Intellektualistisches in sein Wesen, in seine Seele hineinpfropft, sondern daß man den ganzen Menschen entwickele, so haben doch fast alle unsere heutigen Begriffe von Entwickelung, von Erziehung und dergleichen etwas im höchsten Grade Abstraktes. Man hat die Vorstellung, daß eigentlich nur irgend etwas im Menschenwesen selbst im Sinne eines Fortschrittes geändert oder verwandelt werden soll beim Erziehen, beim Vorbereiten zu einem Amt. Man hat nicht die Vorstellung, daß bei einer solchen Entwickelung aus dem Menschen etwas ganz anderes werden soll, als er vorher war. Vor allen Dingen hat man nicht die Vorstellung, daß etwas Objektives in den Menschen einfließen soll, was vorher nicht in ihm war. Die Vorstellung hat man nicht, die ich etwa in der folgenden Art charakterisieren könnte: Ich rede mit einem Menschen, der nun einmal aus dem heutigen natürlichen und sozialen Leben heraus entstanden ist. Er sagt zu mir dies oder jenes, ich sage zu ihm dies oder jenes. Er spricht zu mir als der Träger eines Namens, der aus den gewöhnlichen staatlich-bürgerlichen Zusammenhängen stammt, aus denen der Mensch heute nun einmal herauswächst. Ich spreche zu ihm ebenso. — Es ist dieses ja fast die einzige Art, wie wir uns als Menschen heute zueinander verhalten und wie wir jeden Menschen unter uns ansehen.
[ 6 ] Dies war für die Zeiten, von denen ich hier sprach, im Grunde genommen etwas ganz Fremdes. Vor allen Dingen war es etwas Fremdes für die Menschen, die zu wichtigen Ämtern, zur Führung innerhalb der Menschheit selbst berufen waren. Da war der äußerliche Naturzusammenhang, Abstammung, Vater, Mutter, Großvater, Großmutter und dergleichen etwas nicht weiter in Betracht Kommendes, wenn die Betreffenden in der richtigen Weise für ihr Amt vorbereitet waren. Da war aber auch nicht dasjenige maßgebend, was wir heute in einem, auch zu den höchsten Sphären emporgehobenen Gegenwartsmenschen suchen und finden, sondern da war man sich bewußt: Spricht man mit einem in dieser Beziehung richtig erzogenen Menschen, so redet durch diesen Menschen gar nicht das gewöhnliche Ich, das da oder dort geboren ist, das durch diesen oder jenen bürgerlichen Zusammenhang abgestempelt ist, sondern es redet etwas, was durch die Vorbereitung, durch die Erziehung innerhalb der Mysterienkultur veranlaßt worden ist, herunterzukommen aus geistigen Höhen und Wohnung zu nehmen in dem betreffenden Menschen. Selbstverständlich spricht man mit solchen Dingen etwas für den heutigen Menschen ungeheuer Paradoxes aus. Aber es ist heute nötig, über solche Dinge sich nicht mehr konfusen, sondern wahrheitsgemäßen Begriffen hinzugeben.
[ 6 ] Dies war für die Zeiten, von denen ich hier sprach, im Grunde genommen etwas ganz Fremdes. Vor allen Dingen war es etwas Fremdes für die Menschen, die zu wichtigen Ämtern, zur Führung innerhalb der Menschheit selbst berufen waren. Da war der äußerliche Naturzusammenhang, Abstammung, Vater, Mutter, Großvater, Großmutter und dergleichen etwas nicht weiter in Betracht Kommendes, wenn die Betreffenden in der richtigen Weise für ihr Amt vorbereitet waren. Da war aber auch nicht dasjenige maßgebend, was wir heute in einem, auch zu den höchsten Sphären emporgehobenen Gegenwartsmenschen suchen und finden, sondern da war man sich bewußt: Spricht man mit einem in dieser Beziehung richtig erzogenen Menschen, so redet durch diesen Menschen gar nicht das gewöhnliche Ich, das da oder dort geboren ist, das durch diesen oder jenen bürgerlichen Zusammenhang abgestempelt ist, sondern es redet etwas, was durch die Vorbereitung, durch die Erziehung innerhalb der Mysterienkultur veranlaßt worden ist, herunterzukommen aus geistigen Höhen und Wohnung zu nehmen in dem betreffenden Menschen. Selbstverständlich spricht man mit solchen Dingen etwas für den heutigen Menschen ungeheuer Paradoxes aus. Aber es ist heute nötig, über solche Dinge sich nicht mehr konfusen, sondern wahrheitsgemäßen Begriffen hinzugeben.
[ 7 ] Man hatte eben die Vorstellung, die Erziehung müsse so sein — nicht jede Erziehung, sondern die Erziehung derjenigen, die zu wichtigen Ämtern berufen waren —, daß aus diesen Menschen fortan Wesen der höheren Hierarchien sprechen, die sich in ihnen nur ein Werkzeug schaffen. Man muß dieses Werkzeug durch die Erziehung zubereiten, dann kann es geeignet werden dazu, daß Wesen der höheren Hierarchien durch dieses Werkzeug sprechen.Und was so gepflogen wurde, ging in das allgemeine Bewußtsein über und machte sich in diesem insbesondere geltend, wenn beurteilt wurde durch das allgemeine Volksbewußtsein, wer der Herrschende, der Regierende ist. Es haben sich eben nur solche Überreste wie die Benennung des Regierers von China als «Sohn des Himmels» aus diesen Zeiten erhalten, in denen aber ein Menschheitsbewußtsein vorhanden war, wie es eben auffindbar ist für geisteswissenschaftliche Forschung in den ältesten ägyptischen und chaldäischen Zeiten. Da war für das allgemeine Volksbewußtsein der Herrscher der Gott. Und einen andern göttlichen Begriff hatte man im Grunde genommen nicht. Der Herrscher wurde so vorbereitet, daß die äußerliche menschliche Gestalt bei ihm nichts war, daß sie nur die Gelegenheit dazu gab, daß unter den Menschen sich ein Gott bewegte. Es war ganz selbstverständlich für die ältesten Bewohner des späteren ägyptischen Reiches, anzuerkennen mit ihrem Bewußtsein, daß sie von Göttern regiert werden, die in Menschengestalt auf der Erde wandeln. In diesem Sinne war das älteste soziale Bewußtsein der Menschen auf der einen Seite ein durchaus realistisches. Man erkannte nicht an irgendein besonderes Jenseits, eine besondere geistige Welt. Die geistige Welt war da, wo auch die Welt war, in der die irdischen Menschen wandelten; aber in dieser Welt, in der die irdischen Menschen wandelten, wandelten in Fleischesgestalt nicht nur gewöhnliche Menschen, sondern auch die Götter. Die göttliche Welt war mitten drinnen, aber absolut sichtbar unter den Verhältnissen, die man durch die Mysterienkultur zu schaffen gewohnt war. Wenn dieser Regierende etwas verfügte, etwas wollte, dann wollte es ein Gott. Und im Bewußtsein der ältesten Menschheit dieser halb vorhistorischen Epoche wäre es ein Unsinn gewesen, darüber zu diskutieren, ob nun das geschehen solle oder nicht, was durch den Regierenden gewollt wurde; denn es war ja ein «Gott», der da wollte.
[ 7 ] Man hatte eben die Vorstellung, die Erziehung müsse so sein — nicht jede Erziehung, sondern die Erziehung derjenigen, die zu wichtigen Ämtern berufen waren —, daß aus diesen Menschen fortan Wesen der höheren Hierarchien sprechen, die sich in ihnen nur ein Werkzeug schaffen. Man muß dieses Werkzeug durch die Erziehung zubereiten, dann kann es geeignet werden dazu, daß Wesen der höheren Hierarchien durch dieses Werkzeug sprechen.Und was so gepflogen wurde, ging in das allgemeine Bewußtsein über und machte sich in diesem insbesondere geltend, wenn beurteilt wurde durch das allgemeine Volksbewußtsein, wer der Herrschende, der Regierende ist. Es haben sich eben nur solche Überreste wie die Benennung des Regierers von China als «Sohn des Himmels» aus diesen Zeiten erhalten, in denen aber ein Menschheitsbewußtsein vorhanden war, wie es eben auffindbar ist für geisteswissenschaftliche Forschung in den ältesten ägyptischen und chaldäischen Zeiten. Da war für das allgemeine Volksbewußtsein der Herrscher der Gott. Und einen andern göttlichen Begriff hatte man im Grunde genommen nicht. Der Herrscher wurde so vorbereitet, daß die äußerliche menschliche Gestalt bei ihm nichts war, daß sie nur die Gelegenheit dazu gab, daß unter den Menschen sich ein Gott bewegte. Es war ganz selbstverständlich für die ältesten Bewohner des späteren ägyptischen Reiches, anzuerkennen mit ihrem Bewußtsein, daß sie von Göttern regiert werden, die in Menschengestalt auf der Erde wandeln. In diesem Sinne war das älteste soziale Bewußtsein der Menschen auf der einen Seite ein durchaus realistisches. Man erkannte nicht an irgendein besonderes Jenseits, eine besondere geistige Welt. Die geistige Welt war da, wo auch die Welt war, in der die irdischen Menschen wandelten; aber in dieser Welt, in der die irdischen Menschen wandelten, wandelten in Fleischesgestalt nicht nur gewöhnliche Menschen, sondern auch die Götter. Die göttliche Welt war mitten drinnen, aber absolut sichtbar unter den Verhältnissen, die man durch die Mysterienkultur zu schaffen gewohnt war. Wenn dieser Regierende etwas verfügte, etwas wollte, dann wollte es ein Gott. Und im Bewußtsein der ältesten Menschheit dieser halb vorhistorischen Epoche wäre es ein Unsinn gewesen, darüber zu diskutieren, ob nun das geschehen solle oder nicht, was durch den Regierenden gewollt wurde; denn es war ja ein «Gott», der da wollte.
[ 8 ] So verband ältestes Menschheitsbewußtsein mit dem, was auf irdischem Boden geschah, die geistige hierarchische Ordnung. Die war da mitten unter den Menschen. Die war nicht etwas, zu dem man erst hinaufsteigt durch irgendwelche geistigen, innerlichen Mittel. Nein, sie war da in den Mysterien als gehandhabte Erziehung für diejenigen Leiber, die zu präparieren man geeignet fand, damit in ihnen die Wesen der höheren Hierarchien Wohnung nehmen und unter den Menschen wandeln und regieren können.
[ 8 ] So verband ältestes Menschheitsbewußtsein mit dem, was auf irdischem Boden geschah, die geistige hierarchische Ordnung. Die war da mitten unter den Menschen. Die war nicht etwas, zu dem man erst hinaufsteigt durch irgendwelche geistigen, innerlichen Mittel. Nein, sie war da in den Mysterien als gehandhabte Erziehung für diejenigen Leiber, die zu präparieren man geeignet fand, damit in ihnen die Wesen der höheren Hierarchien Wohnung nehmen und unter den Menschen wandeln und regieren können.
[ 9 ] So paradox das dem Gegenwartsmenschen erscheint, dieser Gegenwartsmensch muß endlich dazu kommen, aus seinen bornierten Begriffen, die nur drei bis vier Jahrhunderte alt sind, so wie er sie heute faßt, herauszukommen, und diese Begriffe zu erweitern. Denn man kann nicht mehr in die Zukunft hinüberdenkend sich entwickeln, wenn man nicht dasjenige, was heute zu dem Borniertsein geworden ist auf fast allen Gebieten des Lebens, erweitert dadurch, daß man den Zeithorizont, den die Menschheit überblickt, ausdehnt, daß man größere Entwickelungsspannen überblickt, als heute der Mensch gewohnt ist, geschichtlich zu überblicken.
[ 9 ] So paradox das dem Gegenwartsmenschen erscheint, dieser Gegenwartsmensch muß endlich dazu kommen, aus seinen bornierten Begriffen, die nur drei bis vier Jahrhunderte alt sind, so wie er sie heute faßt, herauszukommen, und diese Begriffe zu erweitern. Denn man kann nicht mehr in die Zukunft hinüberdenkend sich entwickeln, wenn man nicht dasjenige, was heute zu dem Borniertsein geworden ist auf fast allen Gebieten des Lebens, erweitert dadurch, daß man den Zeithorizont, den die Menschheit überblickt, ausdehnt, daß man größere Entwickelungsspannen überblickt, als heute der Mensch gewohnt ist, geschichtlich zu überblicken.
[ 10 ] Das, was einmal da war in ältesten Zeiten, in der historischen, in der vorhistorischen Entwickelung, das wird allerdings im weiteren Fortgang durch anderes ersetzt, aber es erhält sich auf gewissen Gebieten. Es erhält sich oftmals auch so, daß es sich veräußerlicht, sich fortträgt in äußerer Form und seinen inneren Sinn verliert. Dasjenige, was dem ältesten Imperialismus eigen ist: das Bewußtsein davon, daß der Herrschende der Gott ist, setzt sich in die Gegenwart herein da oder dort noch fort, nur daß es den Sinn nicht mehr hat, weil eine Menschheitsentwickelung und nicht ein Menschheitsstillstand stattfindet.
[ 10 ] Das, was einmal da war in ältesten Zeiten, in der historischen, in der vorhistorischen Entwickelung, das wird allerdings im weiteren Fortgang durch anderes ersetzt, aber es erhält sich auf gewissen Gebieten. Es erhält sich oftmals auch so, daß es sich veräußerlicht, sich fortträgt in äußerer Form und seinen inneren Sinn verliert. Dasjenige, was dem ältesten Imperialismus eigen ist: das Bewußtsein davon, daß der Herrschende der Gott ist, setzt sich in die Gegenwart herein da oder dort noch fort, nur daß es den Sinn nicht mehr hat, weil eine Menschheitsentwickelung und nicht ein Menschheitsstillstand stattfindet.
[ 11 ] Es ist noch nicht lange her, da erschien an einem gewissen Orte ein Hirtenbrief eines katholischen Bischofs. Der setzte nicht mehr und nicht weniger auseinander, als daß der katholische Priester in seinen Kultushandlungen mächtiger sei als der Christus Jesus. Denn indem der Priester auf dem Altar die heilige Handlung zelebriere, zwinge er den Christus Jesus, den Gott des Christentums, hereinzutreten in die irdische Welt, wenn der Priester die Transsubstantiation vollzieht. Der Gott mag wollen oder nicht, er muß durch die Transsubstantiation den Weg nehmen, den ihm der Priester vorschreibt. Auf diese Übermacht des irdischen «Priestergottes» über den aus kosmischen Höhen heruntersteigenden und im Fleische des Jesus auf der Erde wandelnden «Untergott» hat in jüngster Zeit noch ein Hirtenbrief durchaus hingewiesen. Solche Dinge stammen eben aus älteren Zeiten und sind in unseren Zeiten sinnlos geworden. Gewisse Vertreter gewisser Bekenntnisse wissen ganz gut, warum sie solche Dinge aber wiederum in die Menschheit hineinwerfen. Sie sind ebenso sinnlos geworden, wie wenn Herrscher jüngster Zeiten in Stammbücher hineingeschrieben haben: Des Königs Wille ist oberstes Gesetz. — Wir haben auch diese Dinge erlebt. Die schlafende Menschheit hat zu all diesen Dingen geschwiegen, wie sie auch jetzt wiederum schweigt zu den Dingen, die zum Unheil der Menschheit vorgehen, an die man sich gewöhnt, die man nicht sehen will — wie man überhaupt heute kaum irgend etwas von den wichtigeren Vorgängen innerhalb der Menschheitsentwickelung sehen will.
[ 11 ] Es ist noch nicht lange her, da erschien an einem gewissen Orte ein Hirtenbrief eines katholischen Bischofs. Der setzte nicht mehr und nicht weniger auseinander, als daß der katholische Priester in seinen Kultushandlungen mächtiger sei als der Christus Jesus. Denn indem der Priester auf dem Altar die heilige Handlung zelebriere, zwinge er den Christus Jesus, den Gott des Christentums, hereinzutreten in die irdische Welt, wenn der Priester die Transsubstantiation vollzieht. Der Gott mag wollen oder nicht, er muß durch die Transsubstantiation den Weg nehmen, den ihm der Priester vorschreibt. Auf diese Übermacht des irdischen «Priestergottes» über den aus kosmischen Höhen heruntersteigenden und im Fleische des Jesus auf der Erde wandelnden «Untergott» hat in jüngster Zeit noch ein Hirtenbrief durchaus hingewiesen. Solche Dinge stammen eben aus älteren Zeiten und sind in unseren Zeiten sinnlos geworden. Gewisse Vertreter gewisser Bekenntnisse wissen ganz gut, warum sie solche Dinge aber wiederum in die Menschheit hineinwerfen. Sie sind ebenso sinnlos geworden, wie wenn Herrscher jüngster Zeiten in Stammbücher hineingeschrieben haben: Des Königs Wille ist oberstes Gesetz. — Wir haben auch diese Dinge erlebt. Die schlafende Menschheit hat zu all diesen Dingen geschwiegen, wie sie auch jetzt wiederum schweigt zu den Dingen, die zum Unheil der Menschheit vorgehen, an die man sich gewöhnt, die man nicht sehen will — wie man überhaupt heute kaum irgend etwas von den wichtigeren Vorgängen innerhalb der Menschheitsentwickelung sehen will.
[ 12 ] Das ist eine erste Phase in der Entwickelung der irdischen Imperien, daß der Herrschende der Gott ist. In einer ziemlichen Lebendigkeit geht diese Anschauung noch hinein in das Römertum. Wenn man auch den Nero darstellen mag, ob man ihn darstellt als den Narren oder den Bluthund, für große Kreise des römischen Volkes bedeutete die furchtbare Tyrannis des Nero nichts anderes, als daß sie staunten darüber, daß ein Gott in solcher Gestalt auf der Erde herumwandeln kann. Einen Zweifel, daß das ein Gott sei, gab es für zahlreiche Bewohner des römischen Imperiums gegenüber der Gestalt des Nero nicht.
[ 12 ] Das ist eine erste Phase in der Entwickelung der irdischen Imperien, daß der Herrschende der Gott ist. In einer ziemlichen Lebendigkeit geht diese Anschauung noch hinein in das Römertum. Wenn man auch den Nero darstellen mag, ob man ihn darstellt als den Narren oder den Bluthund, für große Kreise des römischen Volkes bedeutete die furchtbare Tyrannis des Nero nichts anderes, als daß sie staunten darüber, daß ein Gott in solcher Gestalt auf der Erde herumwandeln kann. Einen Zweifel, daß das ein Gott sei, gab es für zahlreiche Bewohner des römischen Imperiums gegenüber der Gestalt des Nero nicht.
[ 13 ] Ein zweites Stadium in der Entwickelung der Imperien ist der Übergang der Gottwesenhaftigkeit des Herrschenden zu der Gottbegnadetheit des Herrschenden. Der Herrschende war der Gott in der ersten Zeit der Menschheitsentwickelung der zivilisierten Erde. Der Herrschende bedeutet den Gott; er ist nicht von der Wesenheit des Gottes durchdrungen, aber er ist inspiriert, begnadet von Gott. Was er tut, gedeiht dadurch, daß die göttliche Kraft, die jetzt schon nicht mehr in ihm ist, sondern in einem Reich, das neben dem irdischen Reich steht, in ihn hereinströmt, ihn inspiriert, ihn durchdringt, seine Handlungen dirigiert.
[ 13 ] Ein zweites Stadium in der Entwickelung der Imperien ist der Übergang der Gottwesenhaftigkeit des Herrschenden zu der Gottbegnadetheit des Herrschenden. Der Herrschende war der Gott in der ersten Zeit der Menschheitsentwickelung der zivilisierten Erde. Der Herrschende bedeutet den Gott; er ist nicht von der Wesenheit des Gottes durchdrungen, aber er ist inspiriert, begnadet von Gott. Was er tut, gedeiht dadurch, daß die göttliche Kraft, die jetzt schon nicht mehr in ihm ist, sondern in einem Reich, das neben dem irdischen Reich steht, in ihn hereinströmt, ihn inspiriert, ihn durchdringt, seine Handlungen dirigiert.
[ 14 ] Wollen wir einen Begriff finden für dasjenige, was so der Herrscher der zweiten Stufe irdischer Imperien ist, so müssen wir sagen: der Herrschende ist ein Symbolum. Auf der ersten Stufe war der Herrschende ein göttliches Wesen, das auf der Erde wandelte. Auf der zweiten Stufe ist er dasjenige, was das Wesen bedeutet; er ist das Zeichen, das Bild, durch das sich das Wesen ausdrückt. Der Herrschende ist das Bild des Gottes.
[ 14 ] Wollen wir einen Begriff finden für dasjenige, was so der Herrscher der zweiten Stufe irdischer Imperien ist, so müssen wir sagen: der Herrschende ist ein Symbolum. Auf der ersten Stufe war der Herrschende ein göttliches Wesen, das auf der Erde wandelte. Auf der zweiten Stufe ist er dasjenige, was das Wesen bedeutet; er ist das Zeichen, das Bild, durch das sich das Wesen ausdrückt. Der Herrschende ist das Bild des Gottes.
[ 15 ] Was sich so in den äußeren sozialen Verhältnissen zur Geltung bringt, das drückt sich dann aber auch aus in den Einrichtungen, in den Institutionen. Während in den ältesten Zeiten die Imperien das Gefüge haben, daß eine Anzahl von Menschen dirigiert wird von einem göttlichen Wesen, das äußerlich ihnen gleich aussieht, innerlich aber von ihnen sehr verschieden ist, das ihr Gott ist, sehen wir auf der zweiten Stufe der Imperien, wie der Führende oder die Führenden den Gott oder die Götter bedeuten, deren Symbole sind.
[ 15 ] Was sich so in den äußeren sozialen Verhältnissen zur Geltung bringt, das drückt sich dann aber auch aus in den Einrichtungen, in den Institutionen. Während in den ältesten Zeiten die Imperien das Gefüge haben, daß eine Anzahl von Menschen dirigiert wird von einem göttlichen Wesen, das äußerlich ihnen gleich aussieht, innerlich aber von ihnen sehr verschieden ist, das ihr Gott ist, sehen wir auf der zweiten Stufe der Imperien, wie der Führende oder die Führenden den Gott oder die Götter bedeuten, deren Symbole sind.
[ 16 ] Wie auf der ersten Stufe menschlicher Imperien Diskussionen darüber, ob dasjenige, was der Herrschende, der Gott tut, berechtigt oder unberechtigt ist, ein Unsinn sind, beginnt auf der zweiten Stufe die Möglichkeit, darüber nachzudenken, ob irgend etwas von ihm Getanes recht oder unrecht ist. Auf der ersten Stufe der Imperien ist immer recht, was der Herrschende tut, was der Herrschende denkt, was der Herrschende spricht, denn er ist der Gott. Erst auf der zweiten Stufe wird neben dem, was als irdisches Reich den Gott in sich enthält, den Gottbegnadeten in sich enthält, noch irgend etwas Geistiges vermutet, das neben diesem irdischen Reiche besteht und aus dem in das irdische Reich die Kraft hereinströmt, die das irdische Reich dirigiert und orientiert. Und die Einrichtungen und menschlichen Wesenheiten dieses irdischen Reiches bilden dasjenige ab, was von dem Reiche der höheren Hierarchien hereinströmt.
[ 16 ] Wie auf der ersten Stufe menschlicher Imperien Diskussionen darüber, ob dasjenige, was der Herrschende, der Gott tut, berechtigt oder unberechtigt ist, ein Unsinn sind, beginnt auf der zweiten Stufe die Möglichkeit, darüber nachzudenken, ob irgend etwas von ihm Getanes recht oder unrecht ist. Auf der ersten Stufe der Imperien ist immer recht, was der Herrschende tut, was der Herrschende denkt, was der Herrschende spricht, denn er ist der Gott. Erst auf der zweiten Stufe wird neben dem, was als irdisches Reich den Gott in sich enthält, den Gottbegnadeten in sich enthält, noch irgend etwas Geistiges vermutet, das neben diesem irdischen Reiche besteht und aus dem in das irdische Reich die Kraft hereinströmt, die das irdische Reich dirigiert und orientiert. Und die Einrichtungen und menschlichen Wesenheiten dieses irdischen Reiches bilden dasjenige ab, was von dem Reiche der höheren Hierarchien hereinströmt.
[ 17 ] Es ist interessant zu verfolgen, wie zum Beispiel bei dem sogenannten Pseudo-Dionysios, bei Dionysios dem Areopagiten, der viel echter ist als die echte Wissenschaft sich träumen läßt, die richtige Theorie auftritt von dieser Art der Beherrschung menschlicher Imperien durch die göttlichen Imperien, so daß dasjenige, was unter den Menschen waltet und eingerichtet wird, Sinnbild, Symbol ist desjenigen, was im göttlichen Reich vorhanden ist. Wir sehen, wie Dionysios der Areopagite davon spricht, daß es himmlische Hierarchien gibt gewissermaßen hinter demjenigen, was hier auf der Erde als Menschenhierarchie herumwandelt. Dionysios der Areopagite macht ausdrücklich darauf aufmerksam: Das, was hier in der Priesterhierarchie von den Diakonen, den Archidiakonen bis hinauf zu den Bischöfen angeordnet ist, das muß eine solche Form haben in der sozialen Struktur, daß da sich ausdrückt: So wie der Diakon zum Archidiakon, so steht in der Ordnung der Engel zum Erzengel und so weiter. Die irdische Hierarchie ist ein getreues Abbild der himmlischen Hierarchie. Wir sehen da den Hinweis auf die zweite Stufe des Imperiums. Da konnte sich das entwickeln, was dann bis in gar nicht so weit zurückliegende Zeiten das menschliche Bewußtsein beherrschte. Denken Sie doch nur einmal, daß es bis zum Jahre 1806 in Mitteleuropa etwas gegeben hat, was diese «Zusammendenkung», möchte ich sagen, des Himmlischen und des Irdischen in dem Namen zum Ausdruck brachte: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Indem überhaupt dieser Name entstanden ist «das Heilige Römische Reich», dasjenige also, was in sich die Kraft des Himmels trägt, «Deutscher Nation», dasjenige, was aus dem Irdischen hervorging, indem dieser Name entstanden ist, zeigt sich, wie ein ganzes Reich sich gebildet hat so, daß es als Abdruck einer himmlischen Einrichtung gedacht sein sollte.
[ 17 ] Es ist interessant zu verfolgen, wie zum Beispiel bei dem sogenannten Pseudo-Dionysios, bei Dionysios dem Areopagiten, der viel echter ist als die echte Wissenschaft sich träumen läßt, die richtige Theorie auftritt von dieser Art der Beherrschung menschlicher Imperien durch die göttlichen Imperien, so daß dasjenige, was unter den Menschen waltet und eingerichtet wird, Sinnbild, Symbol ist desjenigen, was im göttlichen Reich vorhanden ist. Wir sehen, wie Dionysios der Areopagite davon spricht, daß es himmlische Hierarchien gibt gewissermaßen hinter demjenigen, was hier auf der Erde als Menschenhierarchie herumwandelt. Dionysios der Areopagite macht ausdrücklich darauf aufmerksam: Das, was hier in der Priesterhierarchie von den Diakonen, den Archidiakonen bis hinauf zu den Bischöfen angeordnet ist, das muß eine solche Form haben in der sozialen Struktur, daß da sich ausdrückt: So wie der Diakon zum Archidiakon, so steht in der Ordnung der Engel zum Erzengel und so weiter. Die irdische Hierarchie ist ein getreues Abbild der himmlischen Hierarchie. Wir sehen da den Hinweis auf die zweite Stufe des Imperiums. Da konnte sich das entwickeln, was dann bis in gar nicht so weit zurückliegende Zeiten das menschliche Bewußtsein beherrschte. Denken Sie doch nur einmal, daß es bis zum Jahre 1806 in Mitteleuropa etwas gegeben hat, was diese «Zusammendenkung», möchte ich sagen, des Himmlischen und des Irdischen in dem Namen zum Ausdruck brachte: Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Indem überhaupt dieser Name entstanden ist «das Heilige Römische Reich», dasjenige also, was in sich die Kraft des Himmels trägt, «Deutscher Nation», dasjenige, was aus dem Irdischen hervorging, indem dieser Name entstanden ist, zeigt sich, wie ein ganzes Reich sich gebildet hat so, daß es als Abdruck einer himmlischen Einrichtung gedacht sein sollte.
[ 18 ] Aus solchen Ideen ist auch hervorgegangen so etwas wie der «Gottesstaat» des heiligen Augustinus, ist hervorgegangen das Buch des Dante «Über die Monarchie». Würden die Menschen heute nur nicht so kurzdenkend sein, wie sie sind, so würden sie sich umsehen bei so etwas wie dieser Beschreibung der Monarchie von Dante, und sie würden dann sehen, daß Dante, den man doch selbstverständlich für einen großen Geist halten muß, noch im 13. und 14. Jahrhundert Begriffe hat, die radikal verschieden sind von den Begriffen, die der heutige Mensch hat. Und wenn man solche Dinge ernst nehmen würde in der geschichtlichen Entwickelung, würde man aufhören mit jenen bornierten Begriffen, die nicht einmal bis zu Dante zurückreichen, sondern nur ein paar Jahrhunderte alt sind, mit denen der heutige Mensch sich seine Illusionen in den Kopf setzt und, nur bis ins Griechentum zurückgehend, die Entwickelung begreifen will. Während er zum Beispiel für die älteren Zeiten des Ägyptertums die ganze Struktur nur begreifen kann, wenn er weiß: Für die alten Menschen wandelten die Götter auf der Erde herum; für die Zeiten, die darauf folgten, wandelten zwar nicht die Götter herum, aber es mußte dasjenige gebildet sein auf Erden, was ein Symbolum, ein Abbild der göttlichen Weltenordnung ist.
[ 18 ] Aus solchen Ideen ist auch hervorgegangen so etwas wie der «Gottesstaat» des heiligen Augustinus, ist hervorgegangen das Buch des Dante «Über die Monarchie». Würden die Menschen heute nur nicht so kurzdenkend sein, wie sie sind, so würden sie sich umsehen bei so etwas wie dieser Beschreibung der Monarchie von Dante, und sie würden dann sehen, daß Dante, den man doch selbstverständlich für einen großen Geist halten muß, noch im 13. und 14. Jahrhundert Begriffe hat, die radikal verschieden sind von den Begriffen, die der heutige Mensch hat. Und wenn man solche Dinge ernst nehmen würde in der geschichtlichen Entwickelung, würde man aufhören mit jenen bornierten Begriffen, die nicht einmal bis zu Dante zurückreichen, sondern nur ein paar Jahrhunderte alt sind, mit denen der heutige Mensch sich seine Illusionen in den Kopf setzt und, nur bis ins Griechentum zurückgehend, die Entwickelung begreifen will. Während er zum Beispiel für die älteren Zeiten des Ägyptertums die ganze Struktur nur begreifen kann, wenn er weiß: Für die alten Menschen wandelten die Götter auf der Erde herum; für die Zeiten, die darauf folgten, wandelten zwar nicht die Götter herum, aber es mußte dasjenige gebildet sein auf Erden, was ein Symbolum, ein Abbild der göttlichen Weltenordnung ist.
[ 19 ] Und dasjenige, was dann entstehen konnte, die Möglichkeit zum Beispiel über so etwas nachzudenken wie über das Recht, nachzudenken darüber, daß man durch menschlichen Verstand etwas herausfinden kann wie ein Urteil über das Rechte und Unrechte, das wurde ja erst möglich in der zweiten Phase der Imperienentwickelung. In der ältesten Phase war es ein Unsinn, nachzudenken darüber, was recht oder unrecht sein konnte. Man hatte hinzuschauen auf dasjenige, was der Herrschende sagte, denn in ihm lebte der Gott, das heißt, er war der Gott. Jetzt, in der zweiten Phase, handelte es sich darum, daß man durch menschliches Urteil feststellen konnte: In dem angrenzenden geistigen Reiche ist etwas, was man nicht durch seinen physischen Menschen erreicht, sondern durch den seelisch-geistigen Menschen. Man glaubte jetzt nicht mehr, wie man in den älteren Zeiten geglaubt hat, daß das Göttliche sich mit dem ganzen physischen Menschen vereinigen könne, daß der Mensch selber ein Gott werden könne; man glaubte höchstens — wenn man dasjenige, was in den öffentlichen Einrichtungen lebte, mystisch ausdrückt —, daß das Seelische des Menschen sich mit dem Gotte vereinigen könne.
[ 19 ] Und dasjenige, was dann entstehen konnte, die Möglichkeit zum Beispiel über so etwas nachzudenken wie über das Recht, nachzudenken darüber, daß man durch menschlichen Verstand etwas herausfinden kann wie ein Urteil über das Rechte und Unrechte, das wurde ja erst möglich in der zweiten Phase der Imperienentwickelung. In der ältesten Phase war es ein Unsinn, nachzudenken darüber, was recht oder unrecht sein konnte. Man hatte hinzuschauen auf dasjenige, was der Herrschende sagte, denn in ihm lebte der Gott, das heißt, er war der Gott. Jetzt, in der zweiten Phase, handelte es sich darum, daß man durch menschliches Urteil feststellen konnte: In dem angrenzenden geistigen Reiche ist etwas, was man nicht durch seinen physischen Menschen erreicht, sondern durch den seelisch-geistigen Menschen. Man glaubte jetzt nicht mehr, wie man in den älteren Zeiten geglaubt hat, daß das Göttliche sich mit dem ganzen physischen Menschen vereinigen könne, daß der Mensch selber ein Gott werden könne; man glaubte höchstens — wenn man dasjenige, was in den öffentlichen Einrichtungen lebte, mystisch ausdrückt —, daß das Seelische des Menschen sich mit dem Gotte vereinigen könne.
[ 20 ] Im Grunde genommen versteht heute niemand die Ausdrucksweise der Schriften, die noch im 13., 14. Jahrhundert geschrieben und veröffentlicht wurden, der nicht weiß, wie da in den Menschen in ganz anderer Weise, als das heute der Fall sein kann, das Bewußtsein lebte: In gewissen Menschen, die zu einem Amt berufen und erzogen werden, lebt wirklich etwas von göttlicher Inspiration. — Es ist ja die Eigentümlichkeit, daß Dinge, die oftmals auf etwas sehr Ernstes zurückgehen, später, wenn die Entwickelung der Menschheit weitergegangen ist und andere Formen angenommen hat, zum Spottausdruck werden. Wenn heute zum Beispiel einer sagt: Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Verstand —, so sagt er es im Grunde genommen nur mit einem etwas humoristischen Gefühl. Aber dasjenige, was heute mit einem humoristischen Gefühl durchtränkt wird, das war in den Zeiten der zweiten Stufe der Imperienentwickelung durchaus etwas Wahres, etwas Richtiges, war etwas das Bewußtsein der Menschen Erfüllendes. Und dasjenige, was vom Menschen galt, galt auch von dem, was innerhalb gewisser Grenzen getan wurde. Die Kultushandlungen wurden so ausgestaltet, daß das, was durch sie geschah, Bilder darstellte von dem, was in den geistigen Reichen geschah. Kultushandlungen, die vollzogen wurden, waren geistiges Geschehen, das hineinragte in physisch-irdisches Geschehen. Man dachte sich durchaus, daß das geistige Reich neben dem irdischen sei, aber man dachte sich, daß es hineinragte in das irdische Reich, daß im irdischen Reiche das Symbolum zu finden sei, das Zeichen für das geistige Reich.
[ 20 ] Im Grunde genommen versteht heute niemand die Ausdrucksweise der Schriften, die noch im 13., 14. Jahrhundert geschrieben und veröffentlicht wurden, der nicht weiß, wie da in den Menschen in ganz anderer Weise, als das heute der Fall sein kann, das Bewußtsein lebte: In gewissen Menschen, die zu einem Amt berufen und erzogen werden, lebt wirklich etwas von göttlicher Inspiration. — Es ist ja die Eigentümlichkeit, daß Dinge, die oftmals auf etwas sehr Ernstes zurückgehen, später, wenn die Entwickelung der Menschheit weitergegangen ist und andere Formen angenommen hat, zum Spottausdruck werden. Wenn heute zum Beispiel einer sagt: Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den Verstand —, so sagt er es im Grunde genommen nur mit einem etwas humoristischen Gefühl. Aber dasjenige, was heute mit einem humoristischen Gefühl durchtränkt wird, das war in den Zeiten der zweiten Stufe der Imperienentwickelung durchaus etwas Wahres, etwas Richtiges, war etwas das Bewußtsein der Menschen Erfüllendes. Und dasjenige, was vom Menschen galt, galt auch von dem, was innerhalb gewisser Grenzen getan wurde. Die Kultushandlungen wurden so ausgestaltet, daß das, was durch sie geschah, Bilder darstellte von dem, was in den geistigen Reichen geschah. Kultushandlungen, die vollzogen wurden, waren geistiges Geschehen, das hineinragte in physisch-irdisches Geschehen. Man dachte sich durchaus, daß das geistige Reich neben dem irdischen sei, aber man dachte sich, daß es hineinragte in das irdische Reich, daß im irdischen Reiche das Symbolum zu finden sei, das Zeichen für das geistige Reich.
[ 21 ] Erst nach und nach hörte man auf, das als etwas Gültiges im Bewußtsein zu haben. Und wir sehen ein Zeitalter heraufkommen, in dem hinschwindet dieses Bewußtsein des Zusammenhanges des Irdischen mit dem Geistigen. Zu Wiclifs, zu Hus’ Zeiten beginnen die Menschen über etwas zu streiten, über das zu streiten früher ein Unding gewesen wäre: über die Bedeutung der Transsubstantiation, das heißt über den Zusammenhang dieser Kultushandlung mit etwas, was in geistigen Welten sich abspielt. In Zeitaltern, in denen man über solche Dinge zu streiten beginnt, hören die alten Bewußtseinsinhalte auf; man weiß nicht mehr, wie man die Sachen aufzufassen hat, die man durch Jahrhunderte oder Jahrtausende aufzufassen wußte. Immer bleiben gewisse Dinge, die in einem gewissen Zeitalter die normalen sind, in spätere Zeitalter hinein wirksam. Da werden sie das Deplazierte, da werden sie das Anachronistische, das Luziferische. Und so sind geblieben die großen, weittragenden Symbole, die hinweisen in ein gewisses Zeitalter, auf den Zusammenhang der irdischen Kultushandlungen oder ähnlicher Dinge mit dem göttlich-geistigen Geschehen der Welt. Diese Symbole haben sich verpflanzt in spätere Zeiten, wurden luziferisch konserviert von gewissen Geheimgesellschaften. Namentlich konservierten solche alten Symbole westliche Geheimgesellschaften. Sie sind da traditionell, diese Symbole, aber sie haben ihren Inhalt verloren. Und so sehen wir auf der einen Seite in gewissen Geheimgesellschaften, deren Ausläufer zum Beispiel die Freimaurergemeinschaften, die Jesuitengemeinschaften, die Bekenntnisgemeinschaften sind, in gewisser Weise die Symbole bewahrt, aber es ist das etwas, was einen Sinn eben nur für ein voriges Zeitalter hatte. Wir sehen aber auch in den Worten im Grunde genommen nur luziferisch bewahrt dasjenige, was für ältere Zeitalter eine Bedeutung hatte. Auch in den Worten, die man im öffentlichen Leben anwendet, verliert sich der alte substantielle Gehalt, verliert sich auch das Bewußtsein, daß diese Worte Zeichen sind für ein Geistiges. Denn das Geistige entschwindet allmählich, das Wort wird zum leeren Symbol, zum leeren Zeichen.
[ 21 ] Erst nach und nach hörte man auf, das als etwas Gültiges im Bewußtsein zu haben. Und wir sehen ein Zeitalter heraufkommen, in dem hinschwindet dieses Bewußtsein des Zusammenhanges des Irdischen mit dem Geistigen. Zu Wiclifs, zu Hus’ Zeiten beginnen die Menschen über etwas zu streiten, über das zu streiten früher ein Unding gewesen wäre: über die Bedeutung der Transsubstantiation, das heißt über den Zusammenhang dieser Kultushandlung mit etwas, was in geistigen Welten sich abspielt. In Zeitaltern, in denen man über solche Dinge zu streiten beginnt, hören die alten Bewußtseinsinhalte auf; man weiß nicht mehr, wie man die Sachen aufzufassen hat, die man durch Jahrhunderte oder Jahrtausende aufzufassen wußte. Immer bleiben gewisse Dinge, die in einem gewissen Zeitalter die normalen sind, in spätere Zeitalter hinein wirksam. Da werden sie das Deplazierte, da werden sie das Anachronistische, das Luziferische. Und so sind geblieben die großen, weittragenden Symbole, die hinweisen in ein gewisses Zeitalter, auf den Zusammenhang der irdischen Kultushandlungen oder ähnlicher Dinge mit dem göttlich-geistigen Geschehen der Welt. Diese Symbole haben sich verpflanzt in spätere Zeiten, wurden luziferisch konserviert von gewissen Geheimgesellschaften. Namentlich konservierten solche alten Symbole westliche Geheimgesellschaften. Sie sind da traditionell, diese Symbole, aber sie haben ihren Inhalt verloren. Und so sehen wir auf der einen Seite in gewissen Geheimgesellschaften, deren Ausläufer zum Beispiel die Freimaurergemeinschaften, die Jesuitengemeinschaften, die Bekenntnisgemeinschaften sind, in gewisser Weise die Symbole bewahrt, aber es ist das etwas, was einen Sinn eben nur für ein voriges Zeitalter hatte. Wir sehen aber auch in den Worten im Grunde genommen nur luziferisch bewahrt dasjenige, was für ältere Zeitalter eine Bedeutung hatte. Auch in den Worten, die man im öffentlichen Leben anwendet, verliert sich der alte substantielle Gehalt, verliert sich auch das Bewußtsein, daß diese Worte Zeichen sind für ein Geistiges. Denn das Geistige entschwindet allmählich, das Wort wird zum leeren Symbol, zum leeren Zeichen.
[ 22 ] Im dritten Zeitalter, auf der dritten Stufe der Imperienbildung, hörte nun auch auf das Bewußtsein von der Gottbegnadetheit eines Menschen, von der Durchdringung irdischen Geschehens, irdischen Sprechens mit dem Göttlichen. Es wird das geistige Reich völlig in ein Jenseits verwiesen. Das Gegenbild tritt ein von dem, was auf der ersten Stufe der Imperienbildung vorhanden war: Der Gott lebte auf der Erde auf der ersten Stufe, er ging in Menschengestalt herum; der Gott ist nur zu denken in der unsichtbaren, übersinnlichen Welt auf der dritten Stufe. Und alles dasjenige, was die Menschen einmal gehabt haben, um ihre Beziehungen vom Göttlich-Geistigen auszudrücken, verliert den Sinn. Man spricht weiterhin aus das Wort «Gott». Wenn man das Wort «Gott» vor Zeiten ausgesprochen hat, so suchte man etwas, was äußerlich die Menschengestalt hatte, was unter den physischen Menschen wandelte. Nicht als ob die ältesten Menschen Materialisten gewesen wären. Materialisten konnten erst entstehen, nachdem man die geistige Welt ins Übersinnliche abgeschoben hatte. In der ältesten Periode menschlicher Entwickelung war die geistige Welt mitten unter den Menschen. Für einen Bewohner des ältesten Ägypten hätte man nicht erst zu sagen gebraucht: Das Reich des Göttlichen ist mitten unter uns —, denn das war ihnen eine Selbstverständlichkeit. Für das Zeitalter, in dem der Christus Jesus unter den Menschen erschien, mußte man den Menschen erst sagen: Das Reich der Götter kommt nicht mit äußeren Gebärden, es ist mitten unter uns.
[ 22 ] Im dritten Zeitalter, auf der dritten Stufe der Imperienbildung, hörte nun auch auf das Bewußtsein von der Gottbegnadetheit eines Menschen, von der Durchdringung irdischen Geschehens, irdischen Sprechens mit dem Göttlichen. Es wird das geistige Reich völlig in ein Jenseits verwiesen. Das Gegenbild tritt ein von dem, was auf der ersten Stufe der Imperienbildung vorhanden war: Der Gott lebte auf der Erde auf der ersten Stufe, er ging in Menschengestalt herum; der Gott ist nur zu denken in der unsichtbaren, übersinnlichen Welt auf der dritten Stufe. Und alles dasjenige, was die Menschen einmal gehabt haben, um ihre Beziehungen vom Göttlich-Geistigen auszudrücken, verliert den Sinn. Man spricht weiterhin aus das Wort «Gott». Wenn man das Wort «Gott» vor Zeiten ausgesprochen hat, so suchte man etwas, was äußerlich die Menschengestalt hatte, was unter den physischen Menschen wandelte. Nicht als ob die ältesten Menschen Materialisten gewesen wären. Materialisten konnten erst entstehen, nachdem man die geistige Welt ins Übersinnliche abgeschoben hatte. In der ältesten Periode menschlicher Entwickelung war die geistige Welt mitten unter den Menschen. Für einen Bewohner des ältesten Ägypten hätte man nicht erst zu sagen gebraucht: Das Reich des Göttlichen ist mitten unter uns —, denn das war ihnen eine Selbstverständlichkeit. Für das Zeitalter, in dem der Christus Jesus unter den Menschen erschien, mußte man den Menschen erst sagen: Das Reich der Götter kommt nicht mit äußeren Gebärden, es ist mitten unter uns.
[ 23 ] Und jetzt leben wir in einem Zeitalter, in dem es unsinnig geworden ist, in einem Menschen irgend etwas anderes zu suchen als die geradlinige, auf Ursache und Wirkung gebaute Fortentwickelung seines Kindheitswesens. Wir leben in einem Zeitalter, in dem es ein Wahnsinn ist, wenn sich der Mensch für etwas anderes hält als für das, was die geradlinige Fortentwickelung desjenigen ist, was auch seine Kindschaft umschließt. Was eine Selbstverständlichkeit war vor, sagen wir achttausend Jahren, was dazumal lebte als allgemeines Bewußtsein, heute behauptet, ist es ein Symptom dafür, daß der Mensch, der es behauptet, ein Verrückter ist. Und nur indem man dasjenige, was in den älteren Zeiten das Wirkliche war, nach dem Muster des gegenwärtigen Denkens uminterpretiert in diese Fable convenue, die wir «Geschichte» nennen, nur dadurch breitet man sich einen Schleier über diese radikale Metamorphose, die man finden kann, wenn man wirklich der Wahrheit gemäß die menschliche Entwickelung betrachtet. Dasjenige, was wir heute vielfach aussprechen, was wir heute zeigen im äußeren Leben, ist dadurch entstanden, daß es sich einmal bezog auf etwas, was als Wirklichkeit angeschaut worden ist. Wir sprechen heute noch Worte, wie zum Beispiel «von Gottes Gnaden» — in den letzten Jahren haben sich die Menschen das mehr oder weniger abzugewöhnen versucht, es ist ihnen aber schlecht gelungen —, aber wir wissen nicht, oder wir beachten nicht, daß das einmal für das Bewußtsein der Menschheit eine volle Realität, eine Selbstverständlichkeit bedeutete.
[ 23 ] Und jetzt leben wir in einem Zeitalter, in dem es unsinnig geworden ist, in einem Menschen irgend etwas anderes zu suchen als die geradlinige, auf Ursache und Wirkung gebaute Fortentwickelung seines Kindheitswesens. Wir leben in einem Zeitalter, in dem es ein Wahnsinn ist, wenn sich der Mensch für etwas anderes hält als für das, was die geradlinige Fortentwickelung desjenigen ist, was auch seine Kindschaft umschließt. Was eine Selbstverständlichkeit war vor, sagen wir achttausend Jahren, was dazumal lebte als allgemeines Bewußtsein, heute behauptet, ist es ein Symptom dafür, daß der Mensch, der es behauptet, ein Verrückter ist. Und nur indem man dasjenige, was in den älteren Zeiten das Wirkliche war, nach dem Muster des gegenwärtigen Denkens uminterpretiert in diese Fable convenue, die wir «Geschichte» nennen, nur dadurch breitet man sich einen Schleier über diese radikale Metamorphose, die man finden kann, wenn man wirklich der Wahrheit gemäß die menschliche Entwickelung betrachtet. Dasjenige, was wir heute vielfach aussprechen, was wir heute zeigen im äußeren Leben, ist dadurch entstanden, daß es sich einmal bezog auf etwas, was als Wirklichkeit angeschaut worden ist. Wir sprechen heute noch Worte, wie zum Beispiel «von Gottes Gnaden» — in den letzten Jahren haben sich die Menschen das mehr oder weniger abzugewöhnen versucht, es ist ihnen aber schlecht gelungen —, aber wir wissen nicht, oder wir beachten nicht, daß das einmal für das Bewußtsein der Menschheit eine volle Realität, eine Selbstverständlichkeit bedeutete.
[ 24 ] Damit deute ich Ihnen aber auf diejenigen Tatsachen hin, welche unserem Öffentlichen Leben den Charakter des Phrasenhaften, des Konventionellen geben. Denn dasjenige, was wir durch unsere Sprache, unsere Sitten, sogar durch unser Urteil im öffentlichen Leben geltend machen, das alles weist zurück auf Zeiten, in denen man diese Worte, auch wenn sie erst in der späteren Sprache entstanden sind — sie sind der ursprünglichen Sprache nachgebildet worden —, in einem ganz andern Sinne bildete und gebrauchte. Ausgepreßt sind heute die Worte, die wir für das öffentliche Leben verwenden. Manchen Worten und Zeichen sieht man es an, manchen hat man es lange nicht angesehen. Daß dasjenige, was einstmals, durch magische Handlungen zu einem wichtigen magischen Teil des auf der Erde wandelnden Gottes umgewandelt, ein dem menschlichen Leibe umgehängtes Zeichen war, zu der Nichtigkeit des modernen Ordens wurde, das ist eine Geschichte, die wenig verfolgt wird von der Menschheit. Nicht bloß dasjenige, was sich im Worte ausdrückt, kann Phrase werden, wie unsere wichtigsten, auf das öffentliche Leben bezüglichen Worte Phrasen sind, sondern auch das, was in Gegenständen an den Menschen angehängt ist, kann einen ähnlichen Charakter tragen mit Bezug auf sein Verhältnis zur Wirklichkeit, wie das Wort, das heute leer ist und das einstmals einen geheiligten, substantiellen Inhalt hatte.
[ 24 ] Damit deute ich Ihnen aber auf diejenigen Tatsachen hin, welche unserem Öffentlichen Leben den Charakter des Phrasenhaften, des Konventionellen geben. Denn dasjenige, was wir durch unsere Sprache, unsere Sitten, sogar durch unser Urteil im öffentlichen Leben geltend machen, das alles weist zurück auf Zeiten, in denen man diese Worte, auch wenn sie erst in der späteren Sprache entstanden sind — sie sind der ursprünglichen Sprache nachgebildet worden —, in einem ganz andern Sinne bildete und gebrauchte. Ausgepreßt sind heute die Worte, die wir für das öffentliche Leben verwenden. Manchen Worten und Zeichen sieht man es an, manchen hat man es lange nicht angesehen. Daß dasjenige, was einstmals, durch magische Handlungen zu einem wichtigen magischen Teil des auf der Erde wandelnden Gottes umgewandelt, ein dem menschlichen Leibe umgehängtes Zeichen war, zu der Nichtigkeit des modernen Ordens wurde, das ist eine Geschichte, die wenig verfolgt wird von der Menschheit. Nicht bloß dasjenige, was sich im Worte ausdrückt, kann Phrase werden, wie unsere wichtigsten, auf das öffentliche Leben bezüglichen Worte Phrasen sind, sondern auch das, was in Gegenständen an den Menschen angehängt ist, kann einen ähnlichen Charakter tragen mit Bezug auf sein Verhältnis zur Wirklichkeit, wie das Wort, das heute leer ist und das einstmals einen geheiligten, substantiellen Inhalt hatte.
[ 25 ] Ehe man aber nicht einsieht, daß unsere Entwickelung zunächst eine solche gewesen ist, daß ein älteres Bewußtsein seine Substanz verloren hat, phrasenhaft und konventionell geworden ist, kann ein wirklicher . Aufbau unseres heute zerstörten öffentlichen sozialen Lebens nicht stattfinden. Wir müssen uns nach neuen Quellen umsehen, welche wiederum Inhalt bringen in dieses unser öffentliches Leben. Für unser Bewußtsein wandeln die Götter nicht in Menschengestalt herum. Deshalb müssen wir uns die Fähigkeit erwerben, das zu erkennen, was nicht Menschengestalt hat, sondern was diejenige Gestalt hat, die man nur anschauen kann, wenn man sich zur Geistesschau erhebt. Da für unser Bewußtsein die Götter nicht mehr heruntersteigen auf die physischen Throne, müssen wir uns die spirituellen Fähigkeiten erwerben, um zu denjenigen Thronen schauend hinaufzusteigen, auf denen die Götter, die nur im Geistigen für uns leben können, vorhanden sind. Wir müssen fähig werden, unsere phrasenhaften Abstraktionen zu durchtränken mit einem erlebten geistigen Inhalt. Wir müssen fähig werden, diesen Wahrheiten, die für den, der sie richtig erfaßt, erschütternd sind, ins Antlitz zu schauen. Wir müssen fähig werden, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Das tun wir manchmal nicht einmal über eine Zeitspanne von Jahrzehnten hin. Wir glauben, wir leben innerhalb der europäischen Zivilisation, wenn wir Mitteleuropäer sind. Wir sollten uns fragen: Was machte denn eigentlich unser inneres seelisches Leben zu einem so zwiespältigen in den letzten fünfzig Jahren oder noch etwas länger?
[ 25 ] Ehe man aber nicht einsieht, daß unsere Entwickelung zunächst eine solche gewesen ist, daß ein älteres Bewußtsein seine Substanz verloren hat, phrasenhaft und konventionell geworden ist, kann ein wirklicher . Aufbau unseres heute zerstörten öffentlichen sozialen Lebens nicht stattfinden. Wir müssen uns nach neuen Quellen umsehen, welche wiederum Inhalt bringen in dieses unser öffentliches Leben. Für unser Bewußtsein wandeln die Götter nicht in Menschengestalt herum. Deshalb müssen wir uns die Fähigkeit erwerben, das zu erkennen, was nicht Menschengestalt hat, sondern was diejenige Gestalt hat, die man nur anschauen kann, wenn man sich zur Geistesschau erhebt. Da für unser Bewußtsein die Götter nicht mehr heruntersteigen auf die physischen Throne, müssen wir uns die spirituellen Fähigkeiten erwerben, um zu denjenigen Thronen schauend hinaufzusteigen, auf denen die Götter, die nur im Geistigen für uns leben können, vorhanden sind. Wir müssen fähig werden, unsere phrasenhaften Abstraktionen zu durchtränken mit einem erlebten geistigen Inhalt. Wir müssen fähig werden, diesen Wahrheiten, die für den, der sie richtig erfaßt, erschütternd sind, ins Antlitz zu schauen. Wir müssen fähig werden, die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Das tun wir manchmal nicht einmal über eine Zeitspanne von Jahrzehnten hin. Wir glauben, wir leben innerhalb der europäischen Zivilisation, wenn wir Mitteleuropäer sind. Wir sollten uns fragen: Was machte denn eigentlich unser inneres seelisches Leben zu einem so zwiespältigen in den letzten fünfzig Jahren oder noch etwas länger?
[ 26 ] Nun, ich möchte nur auf eines hinweisen: Wenn Sie nach Westen sehen, so sehen Sie zunächst — vom übrigen wollen wir nicht sprechen ein in der Dekadenz befindliches Volk, das französische Volk. Aber eines hat innerhalb dieses französischen Volkes eine Bedeutung. Wenn der Angehörige des französischen Volkes sagte: Ich bin ein Franzose — er hat sich das durch Jahrhunderte gesagt —, so hat er damit etwas ausgesprochen, was mit den äußeren Tatsachen übereinstimmend war und ein erlaubtes, wahrhaftiges Bekenntnis gegenüber dem äußeren Leben war. Diejenigen unter uns, die noch gesprochen haben mit Menschen, die ihre Jugend in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Deutsche erlebt haben, die könnten mir das Folgende bestätigen: Herman Grimm zum Beispiel hat es wiederholt charakterisiert, was es eigentlich bedeutet hat für die Menschen, die in seiner Jugend eben auch noch jung waren innerhalb Deutschlands, daß dazumal derjenige, der hätte gestehen wollen im äußeren Leben: Ich bin ein Deutscher, ich bekenne mich dazu — nicht als Phrase, sondern als Realität —, ein Staatsverbrecher war. Man war Bayer, Württemberger, Preuße, aber man war ein Verbrecher, wenn man sagte: Ich bin ein Deutscher. — Es hatte einen Inhalt im Westen, zu sagen: Ich bin Franzose —, denn man durfte es sein im äußeren Leben. Es hatte einen Inhalt, durch den man ins Gefängnis kam oder sonst unmöglich gemacht wurde, wenn man sich hätte beifallen lassen zu sagen, man sei ein Deutscher, man gehöre also einer zusammengehörigen Nation an. Die heutige Menschheit hat das vergessen; aber diese Dinge sind ja Realitäten. Und es kommt darauf an, daß man diesen Dingen ins Antlitz schaut. Aber man wird nicht den nötigen Enthusiasmus für solche Dinge aufbringen, wenn man nicht sein inneres Leben befruchtet an den großen, richtig gesehenen Erscheinungen der Weltgeschichte, nicht jener Fable convenue, die in unseren heutigen Handbüchern steht, die auf unseren Schulen gelehrt wird, sondern jener wirklichen Weltgeschichte, die durch eine geistige Betrachtung gewonnen werden kann.
[ 26 ] Nun, ich möchte nur auf eines hinweisen: Wenn Sie nach Westen sehen, so sehen Sie zunächst — vom übrigen wollen wir nicht sprechen ein in der Dekadenz befindliches Volk, das französische Volk. Aber eines hat innerhalb dieses französischen Volkes eine Bedeutung. Wenn der Angehörige des französischen Volkes sagte: Ich bin ein Franzose — er hat sich das durch Jahrhunderte gesagt —, so hat er damit etwas ausgesprochen, was mit den äußeren Tatsachen übereinstimmend war und ein erlaubtes, wahrhaftiges Bekenntnis gegenüber dem äußeren Leben war. Diejenigen unter uns, die noch gesprochen haben mit Menschen, die ihre Jugend in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Deutsche erlebt haben, die könnten mir das Folgende bestätigen: Herman Grimm zum Beispiel hat es wiederholt charakterisiert, was es eigentlich bedeutet hat für die Menschen, die in seiner Jugend eben auch noch jung waren innerhalb Deutschlands, daß dazumal derjenige, der hätte gestehen wollen im äußeren Leben: Ich bin ein Deutscher, ich bekenne mich dazu — nicht als Phrase, sondern als Realität —, ein Staatsverbrecher war. Man war Bayer, Württemberger, Preuße, aber man war ein Verbrecher, wenn man sagte: Ich bin ein Deutscher. — Es hatte einen Inhalt im Westen, zu sagen: Ich bin Franzose —, denn man durfte es sein im äußeren Leben. Es hatte einen Inhalt, durch den man ins Gefängnis kam oder sonst unmöglich gemacht wurde, wenn man sich hätte beifallen lassen zu sagen, man sei ein Deutscher, man gehöre also einer zusammengehörigen Nation an. Die heutige Menschheit hat das vergessen; aber diese Dinge sind ja Realitäten. Und es kommt darauf an, daß man diesen Dingen ins Antlitz schaut. Aber man wird nicht den nötigen Enthusiasmus für solche Dinge aufbringen, wenn man nicht sein inneres Leben befruchtet an den großen, richtig gesehenen Erscheinungen der Weltgeschichte, nicht jener Fable convenue, die in unseren heutigen Handbüchern steht, die auf unseren Schulen gelehrt wird, sondern jener wirklichen Weltgeschichte, die durch eine geistige Betrachtung gewonnen werden kann.
[ 27 ] Für einen heutigen normalen Evangelischen ist es ganz undenkbar, daß es einmal für Menschen einen Sinn gehabt haben könnte, zu sagen, «der Gott wandelte auf der Erde und der Herrscher war der Gott» und «es gibt nicht irgendein sinnliches Reich, wo noch Götter sind, denn diejenigen Vorgänge, durch die man zum Gotte wird, die sind in dem Reiche, wo das Übersinnliche seine Wohnung hat, innerhalb des Mysteriums». Das Mysterium war noch in den ersten Zeiten der halb vorhistorischen ägyptischen Geschichte ein wirklich Übersinnliches, und erst als die Mysterien zu Kirchen umgestaltet wurden, wurde die Kirche zum Symbol des Übersinnlichen.
[ 27 ] Für einen heutigen normalen Evangelischen ist es ganz undenkbar, daß es einmal für Menschen einen Sinn gehabt haben könnte, zu sagen, «der Gott wandelte auf der Erde und der Herrscher war der Gott» und «es gibt nicht irgendein sinnliches Reich, wo noch Götter sind, denn diejenigen Vorgänge, durch die man zum Gotte wird, die sind in dem Reiche, wo das Übersinnliche seine Wohnung hat, innerhalb des Mysteriums». Das Mysterium war noch in den ersten Zeiten der halb vorhistorischen ägyptischen Geschichte ein wirklich Übersinnliches, und erst als die Mysterien zu Kirchen umgestaltet wurden, wurde die Kirche zum Symbol des Übersinnlichen.
[ 28 ] Eine Menschheit wie die heutige, die nicht hinschauen will zu den Ausgangspunkten ihrer historischen Entwickelung, die lebt ihr Leben so wie ein Mensch, der fünfundvierzig Jahre alt geworden ist und vergessen hat, was er in seiner Knaben- oder Mädchenzeit erlebt hat, wie ein Mensch, der fünfundvierzig Jahre alt geworden ist und sich höchstens bis zum fünfundzwanzigsten Jahr zurückerinnert. Malen Sie sich einmal aus, was es für das innere Seelenleben eines Menschen für eine Folge hätte, wenn er fünfundvierzigjährig nichts wüßte von alledem, was dem fünfundzwanzigsten Jahr vorangegangen ist. Das ist aber die Geistesverfassung der gegenwärtigen Menschheit und aus dieser Geistesverfassung heraus entstehen heute diejenigen, die Menschheitsführer sein wollen. Aus dieser Geistesverfassung wird heute dasjenige versucht, was einer sozialen Struktur eingefügt werden soll als richtende Kraft. Was vor allen Dingen notwendig ist, das ist, daß der Mensch die Menschheit kennenlerne als einen lebendigen Organismus, in dem ein Gedächtnis vorhanden ist, das nicht totgetreten werden darf, das zurückblickt auf Dinge, die noch in die Gegenwart hereinwirken, aber durch die Art, wie sie wirken, geradezu herausfordern, daß sich etwas Neues in sie ergieße.
[ 28 ] Eine Menschheit wie die heutige, die nicht hinschauen will zu den Ausgangspunkten ihrer historischen Entwickelung, die lebt ihr Leben so wie ein Mensch, der fünfundvierzig Jahre alt geworden ist und vergessen hat, was er in seiner Knaben- oder Mädchenzeit erlebt hat, wie ein Mensch, der fünfundvierzig Jahre alt geworden ist und sich höchstens bis zum fünfundzwanzigsten Jahr zurückerinnert. Malen Sie sich einmal aus, was es für das innere Seelenleben eines Menschen für eine Folge hätte, wenn er fünfundvierzigjährig nichts wüßte von alledem, was dem fünfundzwanzigsten Jahr vorangegangen ist. Das ist aber die Geistesverfassung der gegenwärtigen Menschheit und aus dieser Geistesverfassung heraus entstehen heute diejenigen, die Menschheitsführer sein wollen. Aus dieser Geistesverfassung wird heute dasjenige versucht, was einer sozialen Struktur eingefügt werden soll als richtende Kraft. Was vor allen Dingen notwendig ist, das ist, daß der Mensch die Menschheit kennenlerne als einen lebendigen Organismus, in dem ein Gedächtnis vorhanden ist, das nicht totgetreten werden darf, das zurückblickt auf Dinge, die noch in die Gegenwart hereinwirken, aber durch die Art, wie sie wirken, geradezu herausfordern, daß sich etwas Neues in sie ergieße.
[ 29 ] Wenn man nur einmal ein paar solcher Töne anschlägt, dann sieht man, daß für die Gegenwart etwas notwendig ist, dem gegenüber all das Phrasengedresche, das heute von vielen Seiten aufflackert, eine Nichtigkeit ist. Und man möchte schon, daß einmal eine genügend große Anzahl von Menschen den Ernst der gegenwärtigen Zeit einsähe und die Kraft fände, aus diesem Ernst heraus nun wirklich zu einem Neuen zu kommen. Das ist ja das recht Betrübliche, daß die Menschen der Gegenwart große Aufgaben haben und am liebsten diese großen Aufgaben verschlafen möchten. Das war im Grunde genommen seit Jahrzehnten die Aufgabe, die gerade durch die anthroposophische Bewegung gestellt werden sollte: die schläfrige Menschheit aufzurütteln, hinzuweisen darauf, daß der Menschheit heute etwas gegeben werden muß, was wirklich die Seelenverfassung gegenüber derjenigen, die jetzt besteht, so umgestaltet, wie sich am Morgen beim Aufwachen die träumende Seelenverfassung in die des vollwachen Tageslebens umgestaltet.
[ 29 ] Wenn man nur einmal ein paar solcher Töne anschlägt, dann sieht man, daß für die Gegenwart etwas notwendig ist, dem gegenüber all das Phrasengedresche, das heute von vielen Seiten aufflackert, eine Nichtigkeit ist. Und man möchte schon, daß einmal eine genügend große Anzahl von Menschen den Ernst der gegenwärtigen Zeit einsähe und die Kraft fände, aus diesem Ernst heraus nun wirklich zu einem Neuen zu kommen. Das ist ja das recht Betrübliche, daß die Menschen der Gegenwart große Aufgaben haben und am liebsten diese großen Aufgaben verschlafen möchten. Das war im Grunde genommen seit Jahrzehnten die Aufgabe, die gerade durch die anthroposophische Bewegung gestellt werden sollte: die schläfrige Menschheit aufzurütteln, hinzuweisen darauf, daß der Menschheit heute etwas gegeben werden muß, was wirklich die Seelenverfassung gegenüber derjenigen, die jetzt besteht, so umgestaltet, wie sich am Morgen beim Aufwachen die träumende Seelenverfassung in die des vollwachen Tageslebens umgestaltet.
[ 30 ] Das ist dasjenige, wodurch ich die beiden geisteswissenschaftlichen historischen Betrachtungen, die ich während meiner diesmaligen Anwesenheit vor Ihnen angestellt habe, heute abschließen wollte. Wenn doch von dem, was anthroposophische Bewegung ist, ausgehen könnte das, was unsere sozialen Anregungen wirklich befeuern, durchwärmen, durchkraften müßte! Daß die Menschheit soziale Impulse braucht in der Gegenwart, das tritt ja so stark hervor für die Betrachtung der Erscheinungen, daß es wirklich nicht wieder verkannt werden dürfte. Daß diesen sozialen Impulsen nur entsprochen werden kann, wenn neuer Geist in die Menschheitsentwickelung gegossen wird, das sollten gerade diejenigen einsehen, die sich von irgendeiner Seite her zur anthroposophischen Bewegung bekennen. Dazu ist aber auf dem Boden dieser anthroposophischen Bewegung eben Wahrhaftigkeit und Wachsamkeit notwendig, wirkliche Wachsamkeit. An das Schlafen im öffentlichen Leben hat sich die neuere Kulturmenschheit gewöhnt. Und heute ist dieses Schlafen so stark, daß man manchmal, wenn man eben nicht im geistigen Leben drinnenstehen und den Gang der geistigen Angelegenheiten hinter diesem Physischen sehen würde, aus dem äußeren Gang, dem sich die Menschen hingeben in der Verfolgung ihrer Angelegenheiten, recht sehr in Zweifel versetzt werden könnte. Dieser äußere Gang, dem sich die Menschen hingeben in der Verfolgung ihrer Ereignisse, er spricht es ja förmlich aus, daß die Menschen es scheuen, an der Ergreifung des Wahrhaftigen in den Erscheinungen irgendwie noch teilzunehmen. Man ist so froh, wenn man nicht hinzuschauen braucht auf die Vorgänge, die geschehen! Man sieht es heute, wie die Menschen sich sagen lassen: Da und dort geschieht das und das! — Sie stehen da auf ihren Beinen, ohne sich irgendwie etwas davon merken zu lassen, daß sie von Dingen gehört haben, die eine tiefe Bedeutung haben für den Weitergang der Ereignisse. Die Menschen hören heute von den bedeutsamsten Dingen, die in die Zerstörung, in den Niedergang hineinführen müssen, und sie können nicht einmal entrüstet sein darüber. Jetzt wiederum gehen Dinge durch die Welt, Absichten gehen durch deutsche Gegenden, über die die Menschen entsetzt sein sollten — und sie sind es nicht! Wer aber über diese Dinge nicht entsetzt sein kann, der hat auch nicht die Kraft, den Sinn für die Wahrheit zu entwickeln.
[ 30 ] Das ist dasjenige, wodurch ich die beiden geisteswissenschaftlichen historischen Betrachtungen, die ich während meiner diesmaligen Anwesenheit vor Ihnen angestellt habe, heute abschließen wollte. Wenn doch von dem, was anthroposophische Bewegung ist, ausgehen könnte das, was unsere sozialen Anregungen wirklich befeuern, durchwärmen, durchkraften müßte! Daß die Menschheit soziale Impulse braucht in der Gegenwart, das tritt ja so stark hervor für die Betrachtung der Erscheinungen, daß es wirklich nicht wieder verkannt werden dürfte. Daß diesen sozialen Impulsen nur entsprochen werden kann, wenn neuer Geist in die Menschheitsentwickelung gegossen wird, das sollten gerade diejenigen einsehen, die sich von irgendeiner Seite her zur anthroposophischen Bewegung bekennen. Dazu ist aber auf dem Boden dieser anthroposophischen Bewegung eben Wahrhaftigkeit und Wachsamkeit notwendig, wirkliche Wachsamkeit. An das Schlafen im öffentlichen Leben hat sich die neuere Kulturmenschheit gewöhnt. Und heute ist dieses Schlafen so stark, daß man manchmal, wenn man eben nicht im geistigen Leben drinnenstehen und den Gang der geistigen Angelegenheiten hinter diesem Physischen sehen würde, aus dem äußeren Gang, dem sich die Menschen hingeben in der Verfolgung ihrer Angelegenheiten, recht sehr in Zweifel versetzt werden könnte. Dieser äußere Gang, dem sich die Menschen hingeben in der Verfolgung ihrer Ereignisse, er spricht es ja förmlich aus, daß die Menschen es scheuen, an der Ergreifung des Wahrhaftigen in den Erscheinungen irgendwie noch teilzunehmen. Man ist so froh, wenn man nicht hinzuschauen braucht auf die Vorgänge, die geschehen! Man sieht es heute, wie die Menschen sich sagen lassen: Da und dort geschieht das und das! — Sie stehen da auf ihren Beinen, ohne sich irgendwie etwas davon merken zu lassen, daß sie von Dingen gehört haben, die eine tiefe Bedeutung haben für den Weitergang der Ereignisse. Die Menschen hören heute von den bedeutsamsten Dingen, die in die Zerstörung, in den Niedergang hineinführen müssen, und sie können nicht einmal entrüstet sein darüber. Jetzt wiederum gehen Dinge durch die Welt, Absichten gehen durch deutsche Gegenden, über die die Menschen entsetzt sein sollten — und sie sind es nicht! Wer aber über diese Dinge nicht entsetzt sein kann, der hat auch nicht die Kraft, den Sinn für die Wahrheit zu entwickeln.
[ 31 ] Das ist dasjenige, worauf heute hingewiesen werden muß, daß eine gesunde Entrüstung über dasUngesunde der Quellpunkt sein muß für die Begeisterung, für die neuen notwendigen Wahrheiten. Es ist heute sogar weniger notwendig, daß man den Menschen Wahrheiten überliefert, als es notwendig ist, daß man in diese lethargischen Nervensysteme Feuerkraft hineinbringt. Denn Feuerkraft ist heute dem Menschen notwendig, nicht mystische Schläferei. Nicht Sehnsucht nach mystischer Ruhe, sondern Dienen dem Geistigen, das ist es, um was es sich heute handelt. Die Verbindung mit dem Göttlichen muß heute in der Aktivität, nicht in der mystischen Faulheit und Bequemlichkeit gesucht werden.
[ 31 ] Das ist dasjenige, worauf heute hingewiesen werden muß, daß eine gesunde Entrüstung über dasUngesunde der Quellpunkt sein muß für die Begeisterung, für die neuen notwendigen Wahrheiten. Es ist heute sogar weniger notwendig, daß man den Menschen Wahrheiten überliefert, als es notwendig ist, daß man in diese lethargischen Nervensysteme Feuerkraft hineinbringt. Denn Feuerkraft ist heute dem Menschen notwendig, nicht mystische Schläferei. Nicht Sehnsucht nach mystischer Ruhe, sondern Dienen dem Geistigen, das ist es, um was es sich heute handelt. Die Verbindung mit dem Göttlichen muß heute in der Aktivität, nicht in der mystischen Faulheit und Bequemlichkeit gesucht werden.
[ 32 ] Das sind die Dinge, auf die einmal hingewiesen werden muß. Denn heute muß gesucht werden, wie wir in unser Bewußtsein die Möglichkeit hineinbringen, ein Göttliches wiederum mit dem Äußerlich-Wirklichen zu verbinden. Und wir können das nur, wenn wir ohne Vorurteil hinschauen, wie in den Imperien der ersten Art die Menschen die auf Erden wandelnden Götter gefunden haben. Wir müssen die Möglichkeit finden, als Menschenseelen spirituell wandeln zu können in geistigen Welten, damit wir wieder Götter finden!
[ 32 ] Das sind die Dinge, auf die einmal hingewiesen werden muß. Denn heute muß gesucht werden, wie wir in unser Bewußtsein die Möglichkeit hineinbringen, ein Göttliches wiederum mit dem Äußerlich-Wirklichen zu verbinden. Und wir können das nur, wenn wir ohne Vorurteil hinschauen, wie in den Imperien der ersten Art die Menschen die auf Erden wandelnden Götter gefunden haben. Wir müssen die Möglichkeit finden, als Menschenseelen spirituell wandeln zu können in geistigen Welten, damit wir wieder Götter finden!
