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Contrasts in Human Development
GA 197

25 July 1920, Stuttgart

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Sechster Vortrag

Sechster Vortrag

[ 1 ] Durch die Betrachtungen, die auch von dieser Stelle hier in der letzten Zeit angestellt worden sind, ging ja ein Grundton. Immer wieder wurde ausgegangen von der Notwendigkeit, den Ernst der Zeit ins Auge zu fassen, wenn an die Aufgaben, an die Absichten, die mit unserer anthroposophischen Bewegung verbunden sind, gedacht werden soll. Diesem Grundton war dann in einer gewissen Weise angemessen, was in diesen Betrachtungen mitgeteilt worden ist und was auch eine Stütze sein soll, um diesen Grundton immer mehr und mehr in einer größeren Zahl unserer Mitglieder als Seelenempfindung zu entwickeln. In dieser Art wollen wir auch fortfahren, und da möchte ich vor allen Dingen heute auf etwas hinweisen, was uns gewissermaßen innerlich hineinstellen kann in die anthroposophisch orientierte geisteswissenschaftliche Bewegung,

[ 1 ] Durch die Betrachtungen, die auch von dieser Stelle hier in der letzten Zeit angestellt worden sind, ging ja ein Grundton. Immer wieder wurde ausgegangen von der Notwendigkeit, den Ernst der Zeit ins Auge zu fassen, wenn an die Aufgaben, an die Absichten, die mit unserer anthroposophischen Bewegung verbunden sind, gedacht werden soll. Diesem Grundton war dann in einer gewissen Weise angemessen, was in diesen Betrachtungen mitgeteilt worden ist und was auch eine Stütze sein soll, um diesen Grundton immer mehr und mehr in einer größeren Zahl unserer Mitglieder als Seelenempfindung zu entwickeln. In dieser Art wollen wir auch fortfahren, und da möchte ich vor allen Dingen heute auf etwas hinweisen, was uns gewissermaßen innerlich hineinstellen kann in die anthroposophisch orientierte geisteswissenschaftliche Bewegung,

[ 2 ] Wie faßt man denn gewöhnlich aus den ganzen Entwickelungsströmungen der abendländischen Kultur — der ja heute, wie Sie wissen, durch das Buch von Oswald Spengler sogar wissenschaftlich der Untergang bewiesen wird —, wie faßt man denn innerhalb dieser abendländischen Kultur, gleichgültig ob man es mehr oder weniger zugibt oder nicht, Erkenntnis auf? Gerade diejenigen, die sich einbilden, so recht praktisch im Leben drinnenzustehen, fassen ja heute Erkenntnis auf als Theorie und nicht als wirkliche Tat der Menschenseele. Und darauf kommt es heute gerade an, daß wir uns durchringen, Erkenntnis auffassen zu können als Tat der Menschenseele, so auffassen zu können, daß wir, indem wir erkennen, nicht irgendeine Theorie, eine Anschauung nur im Auge haben, sondern daß wir etwas im Auge haben, was willensdurchtränkte Tat im ganzen Zusammenhang der Erden- und Menschheitsentwickelung ist.

[ 2 ] Wie faßt man denn gewöhnlich aus den ganzen Entwickelungsströmungen der abendländischen Kultur — der ja heute, wie Sie wissen, durch das Buch von Oswald Spengler sogar wissenschaftlich der Untergang bewiesen wird —, wie faßt man denn innerhalb dieser abendländischen Kultur, gleichgültig ob man es mehr oder weniger zugibt oder nicht, Erkenntnis auf? Gerade diejenigen, die sich einbilden, so recht praktisch im Leben drinnenzustehen, fassen ja heute Erkenntnis auf als Theorie und nicht als wirkliche Tat der Menschenseele. Und darauf kommt es heute gerade an, daß wir uns durchringen, Erkenntnis auffassen zu können als Tat der Menschenseele, so auffassen zu können, daß wir, indem wir erkennen, nicht irgendeine Theorie, eine Anschauung nur im Auge haben, sondern daß wir etwas im Auge haben, was willensdurchtränkte Tat im ganzen Zusammenhang der Erden- und Menschheitsentwickelung ist.

[ 3 ] Ich möchte zunächst mehr methodisch an einer Tatsache der geistigen Welt klarmachen, was zu verstehen ist unter Erkenntnis als Tat. Ich habe ja öfter auf zwei entgegengesetzte Strömungen im Leben der menschlichen Seele hingewiesen. Die eine Strömung ist die abstrakt-mystische Strömung, die andere ist die abstrakt-materialistische Strömung. Die abstrakt-materialistische Strömung ist diejenige, welche heraufgezogen ist im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte aus der Entwickelung der Naturwissenschaft heraus und im Grunde alle diejenigen Kreise ergriffen hat, die heute für den Fortgang der Menschheitsentwickelung in Betracht kommen. Es kommen ja für den wirklichen Fortgang der Menschheitsentwickelung kaum die traditionellen Religionsbekenntnisse, so wie sie offiziell vertreten werden, heute noch in Betracht. Für die Förderung des weiteren Unterganges der abendländischen Kultur würden diese traditionellen Religionsbekenntnisse, so wie sie offiziell vertreten werden, allerdings in Betracht kommen.

[ 3 ] Ich möchte zunächst mehr methodisch an einer Tatsache der geistigen Welt klarmachen, was zu verstehen ist unter Erkenntnis als Tat. Ich habe ja öfter auf zwei entgegengesetzte Strömungen im Leben der menschlichen Seele hingewiesen. Die eine Strömung ist die abstrakt-mystische Strömung, die andere ist die abstrakt-materialistische Strömung. Die abstrakt-materialistische Strömung ist diejenige, welche heraufgezogen ist im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte aus der Entwickelung der Naturwissenschaft heraus und im Grunde alle diejenigen Kreise ergriffen hat, die heute für den Fortgang der Menschheitsentwickelung in Betracht kommen. Es kommen ja für den wirklichen Fortgang der Menschheitsentwickelung kaum die traditionellen Religionsbekenntnisse, so wie sie offiziell vertreten werden, heute noch in Betracht. Für die Förderung des weiteren Unterganges der abendländischen Kultur würden diese traditionellen Religionsbekenntnisse, so wie sie offiziell vertreten werden, allerdings in Betracht kommen.

[ 4 ] Also, wenn es sich zum Beispiel darum handeln würde, daß die Spenglersche Idee von dem Untergang des Abendlandes sich wirklich realisieren sollte, dann würden mitarbeiten können die traditionellen Religionsbekenntnisse, so wie sie offiziell vertreten werden von den Jesuiten, von den positiv Evangelischen und so weiter; nicht aber würden sie in Betracht kommen für dasjenige, was fortschreitet. Es ist, wie ich ja öfter bemerkt habe, selbst bei denjenigen, die es gar nicht wissen, die materialistische Strömung heute deutlich bemerkbar. Es ist das ja wohl das Charakteristische, und wir müssen uns immer daran erinnern, daß sogar die theosophische Weltanschauung, als sie unter diesem Namen «theosophische Weltanschauung» auftrat, in gewissen Kreisen von Materialismus befallen war. Denn was waren schließlich die Schilderungen vom Ätherleib und Astralleib des Menschen von seiten dieser Kreise, die immer wieder auf den Äther- und Astralleib als bloße Verdünnungen von Materie hinwiesen und die sich nur irgendwelchen Nebel darunter vorstellten, was waren sie denn anderes als maskierter, spirituell maskierter Materialismus? Am meisten spirituell maskierter Materialismus ist natürlich der Spiritismus, der zwar vom Geiste spricht, aber nichts anderes will, als den Geist in materieller Form beweisen, in materieller Form vorstellen. Alles das, was durch die populäre Literatur, vor allen Dingen durch unsere populären Bücher und Zeitungen, welche in allen möglichen Artikeln die Leute unterrichten von dem, was «richtig» ist, alles, was so unter die Menschen kommt, ganz gleichgültig ob von katholischer oder von evangelischer Seite, das ist vom Materialismus durchfressen. Dieser Materialismus ist etwas, das auf der einen Seite zusammenhängt mit der fortschreitenden Kultur. Man hat ihn daher zu berücksichtigen, indem man sich positiv damit beschäftigt. Was historisch traditionell ist wie die Religionsbekenntnisse, das muß natürlich, wenn es Angreifer des Neuen wird, dieses Neue in der intensivsten Weise bekämpfen; aber das ist nicht etwas, womit sich das Gegenwartsvorstellen ernsthaft zu befassen hat, denn es ist etwas, was sich in absteigender Richtung bewegt. Dagegen ist der Materialismus etwas, was — selbstverständlich in materialistischer Färbung, in materialistischer Interpretation — doch eben das hervorbringt, was man in der Gegenwart wissen muß. Man muß wissen, wenn man mitarbeiten will an den Fortschritten des geistigen Lebens, was die materialistische Anatomie, die materialistische Physiologie, die materialistische Biologie, was die Soziologie in der Gegenwart zutage fördert, man muß drinnenstehen in demjenigen, was auf diesem Weg gewußt werden kann, und man muß gerade aus diesem Wissen heraus die Kraft gewinnen, das materialistische Wissen, die materialistische Denk- und Vorstellungsweise umzuwandeln in ein spirituelles Wissen. Es ist also wertvoll innerhalb der heutigen Gegenwart, sich auseinanderzusetzen mit demjenigen, was der Materialismus als Inhalt enthält. Man kann heute nicht in dem Sinn, wie es sich manche denken, sagen wir, die katholische Philosophie des Mittelalters umwandeln. Nur so, wie ich es in Dornach gezeigt habe mit der Thomistik, kann man sie umwandeln, doch da wandelt sie sich selber um. Man kann aber den Materialismus metamorphosieren in spirituelles inneres Seelenleben. Daher ist es ganz unbegründet, wenn von Anthroposophen verachtet wird dasjenige, was der Materialismus hervorbringt. Mit dem muß gerechnet werden. Man kann nicht aus dem blauen Dunst heraus Anthroposophie entwickeln, sondern man muß sie entwickeln im lebendigen Drinnenstehen im gegenwärtigen Leben, und dieses Leben ist eben zunächst das materialistische Leben.

[ 4 ] Also, wenn es sich zum Beispiel darum handeln würde, daß die Spenglersche Idee von dem Untergang des Abendlandes sich wirklich realisieren sollte, dann würden mitarbeiten können die traditionellen Religionsbekenntnisse, so wie sie offiziell vertreten werden von den Jesuiten, von den positiv Evangelischen und so weiter; nicht aber würden sie in Betracht kommen für dasjenige, was fortschreitet. Es ist, wie ich ja öfter bemerkt habe, selbst bei denjenigen, die es gar nicht wissen, die materialistische Strömung heute deutlich bemerkbar. Es ist das ja wohl das Charakteristische, und wir müssen uns immer daran erinnern, daß sogar die theosophische Weltanschauung, als sie unter diesem Namen «theosophische Weltanschauung» auftrat, in gewissen Kreisen von Materialismus befallen war. Denn was waren schließlich die Schilderungen vom Ätherleib und Astralleib des Menschen von seiten dieser Kreise, die immer wieder auf den Äther- und Astralleib als bloße Verdünnungen von Materie hinwiesen und die sich nur irgendwelchen Nebel darunter vorstellten, was waren sie denn anderes als maskierter, spirituell maskierter Materialismus? Am meisten spirituell maskierter Materialismus ist natürlich der Spiritismus, der zwar vom Geiste spricht, aber nichts anderes will, als den Geist in materieller Form beweisen, in materieller Form vorstellen. Alles das, was durch die populäre Literatur, vor allen Dingen durch unsere populären Bücher und Zeitungen, welche in allen möglichen Artikeln die Leute unterrichten von dem, was «richtig» ist, alles, was so unter die Menschen kommt, ganz gleichgültig ob von katholischer oder von evangelischer Seite, das ist vom Materialismus durchfressen. Dieser Materialismus ist etwas, das auf der einen Seite zusammenhängt mit der fortschreitenden Kultur. Man hat ihn daher zu berücksichtigen, indem man sich positiv damit beschäftigt. Was historisch traditionell ist wie die Religionsbekenntnisse, das muß natürlich, wenn es Angreifer des Neuen wird, dieses Neue in der intensivsten Weise bekämpfen; aber das ist nicht etwas, womit sich das Gegenwartsvorstellen ernsthaft zu befassen hat, denn es ist etwas, was sich in absteigender Richtung bewegt. Dagegen ist der Materialismus etwas, was — selbstverständlich in materialistischer Färbung, in materialistischer Interpretation — doch eben das hervorbringt, was man in der Gegenwart wissen muß. Man muß wissen, wenn man mitarbeiten will an den Fortschritten des geistigen Lebens, was die materialistische Anatomie, die materialistische Physiologie, die materialistische Biologie, was die Soziologie in der Gegenwart zutage fördert, man muß drinnenstehen in demjenigen, was auf diesem Weg gewußt werden kann, und man muß gerade aus diesem Wissen heraus die Kraft gewinnen, das materialistische Wissen, die materialistische Denk- und Vorstellungsweise umzuwandeln in ein spirituelles Wissen. Es ist also wertvoll innerhalb der heutigen Gegenwart, sich auseinanderzusetzen mit demjenigen, was der Materialismus als Inhalt enthält. Man kann heute nicht in dem Sinn, wie es sich manche denken, sagen wir, die katholische Philosophie des Mittelalters umwandeln. Nur so, wie ich es in Dornach gezeigt habe mit der Thomistik, kann man sie umwandeln, doch da wandelt sie sich selber um. Man kann aber den Materialismus metamorphosieren in spirituelles inneres Seelenleben. Daher ist es ganz unbegründet, wenn von Anthroposophen verachtet wird dasjenige, was der Materialismus hervorbringt. Mit dem muß gerechnet werden. Man kann nicht aus dem blauen Dunst heraus Anthroposophie entwickeln, sondern man muß sie entwickeln im lebendigen Drinnenstehen im gegenwärtigen Leben, und dieses Leben ist eben zunächst das materialistische Leben.

[ 5 ] Nun muß man in dem Augenblick, wo man im Sinn des wirklichen Menschheitsfortschrittes den Materialismus empfinden will, eine Grundempfindung in sich entwickeln, gerade jene Grundempfindung, welche weiteste Kreise in unserer Gegenwart, namentlich die gegenwärtigen Gelehrtenkreise, gar nicht entwickeln. Es ist die Empfindung, daß alles dasjenige, was uns zunächst in der Wahrnehmungswelt umgibt, was unsere Augen sehen, was unsere Ohren hören und so weiter, nicht eine Realität ist und daß darinnen gar nicht die Realität gesucht werden darf, daß es also grundfalsch ist, wenn man innerhalb dieser äußeren Wahrnehmungswelt Atome und Moleküle sucht als Realitäten, auch in dem Sinne, daß sie Denkmünzen sein sollen. Darauf sind ja manche Vertreter der Wissenschaft besonders stolz, daß sie sagen, sie nehmen gar nicht in den Atomen und Molekülen eine Realität an, sondern nur Gedankenformen, gewissermaßen Gedankenpunkte, die im Raume sind. Aber darauf kommt es nicht an, ob man materielle Punkte oder solche Gedankenpunkte in den Atomen annimmt, sondern darauf, ob man ausgeht von einem lebendigen Erfassen geistiger Wesenheiten, oder ob man dieses lebendige Erfassen perhorresziert und ausgeht von dem, was man nur in der materiellen Welt gewinnt. Und das gilt, auch als Punktkräfte, von den Atomen. Sobald man ausgeht von atomistischen Vorstellungen, steckt man schon in einem in den Untergang hineinführenden Materialismus darinnen. Zurecht kommt man mit der Wahrnehmungswelt nur, wenn man sie als Phänomen, als Erscheinungswelt auffaßt. Was uns durch die Sinne entgegentritt, ist etwas, worinnen die Materie gar nicht ist. Also die Empfindung müssen wir in uns entwickeln — und wir können sie entwickeln durch die Ergebnisse, die niedergelegt sind in unserer anthroposophischen Literatur —, daß wir, wenn wir hinausschauen durch unsere Augen und den gesamten Sternenhimmel erblicken, die Wolkenkonfiguration erblicken, die Inhalte der drei Reiche, des Mineralischen, Pflanzlichen und Tierischen, aber auch des vierten Reiches, des Menschenreiches erblicken, daß wir in alledem, was wir so wahrnehmungsgemäß an uns herantreten finden, nicht suchen dürfen irgend etwas von Materie. Dahinter steckt keine Materie! Das sind durchaus solche Erscheinungen, solche Phänomene, wie zum Beispiel der Regenbogen selbst, wenn sie auch sonst derber auftreten als dieser Regenbogen. So wie niemand den Regenbogen als irgendeine äußere Realität — als eine wirkliche Brücke meinetwegen, die da gespannt ist in sieben Farben — anschauen soll, sondern als ein Phänomen, als eine Erscheinung, so soll jeder dasjenige, was ihm äußerlich entgegentritt durch die Sinne, als ein Phänomen, als eine Erscheinung auffassen, wenn es auch noch so derb auftritt. Auch beim Quarzkristall, wenn wir ihn auch greifen können — beim Regenbogen würden wir ja durchgreifen —, wenn auch der Gefühlssinn dabei affiziert ist, so müssen wir doch auch beim Quarzkristall nur sprechen von einem Phänomen; wir dürfen nicht hineinphantasieren irgendeine materielle Realität, gleichgültig wie es sich auch die heute auf Abwegen wandelnde Naturanschauung vorstellt. Also was wir als «materielle» Erscheinungen vorfinden, sind gar keine materiellen Erscheinungen, ist gar keine Materie in Wirklichkeit. Das sind eben nur Erscheinungen; sie sind das, was kommt und geht aus einer andern Wirklichkeit heraus, die wir nicht fassen, wenn wir sie uns nicht geistig denken können. Das ist die eine Empfindung, die wir entwickeln müssen: nicht die Materie in der äußeren Welt zu suchen!

[ 5 ] Nun muß man in dem Augenblick, wo man im Sinn des wirklichen Menschheitsfortschrittes den Materialismus empfinden will, eine Grundempfindung in sich entwickeln, gerade jene Grundempfindung, welche weiteste Kreise in unserer Gegenwart, namentlich die gegenwärtigen Gelehrtenkreise, gar nicht entwickeln. Es ist die Empfindung, daß alles dasjenige, was uns zunächst in der Wahrnehmungswelt umgibt, was unsere Augen sehen, was unsere Ohren hören und so weiter, nicht eine Realität ist und daß darinnen gar nicht die Realität gesucht werden darf, daß es also grundfalsch ist, wenn man innerhalb dieser äußeren Wahrnehmungswelt Atome und Moleküle sucht als Realitäten, auch in dem Sinne, daß sie Denkmünzen sein sollen. Darauf sind ja manche Vertreter der Wissenschaft besonders stolz, daß sie sagen, sie nehmen gar nicht in den Atomen und Molekülen eine Realität an, sondern nur Gedankenformen, gewissermaßen Gedankenpunkte, die im Raume sind. Aber darauf kommt es nicht an, ob man materielle Punkte oder solche Gedankenpunkte in den Atomen annimmt, sondern darauf, ob man ausgeht von einem lebendigen Erfassen geistiger Wesenheiten, oder ob man dieses lebendige Erfassen perhorresziert und ausgeht von dem, was man nur in der materiellen Welt gewinnt. Und das gilt, auch als Punktkräfte, von den Atomen. Sobald man ausgeht von atomistischen Vorstellungen, steckt man schon in einem in den Untergang hineinführenden Materialismus darinnen. Zurecht kommt man mit der Wahrnehmungswelt nur, wenn man sie als Phänomen, als Erscheinungswelt auffaßt. Was uns durch die Sinne entgegentritt, ist etwas, worinnen die Materie gar nicht ist. Also die Empfindung müssen wir in uns entwickeln — und wir können sie entwickeln durch die Ergebnisse, die niedergelegt sind in unserer anthroposophischen Literatur —, daß wir, wenn wir hinausschauen durch unsere Augen und den gesamten Sternenhimmel erblicken, die Wolkenkonfiguration erblicken, die Inhalte der drei Reiche, des Mineralischen, Pflanzlichen und Tierischen, aber auch des vierten Reiches, des Menschenreiches erblicken, daß wir in alledem, was wir so wahrnehmungsgemäß an uns herantreten finden, nicht suchen dürfen irgend etwas von Materie. Dahinter steckt keine Materie! Das sind durchaus solche Erscheinungen, solche Phänomene, wie zum Beispiel der Regenbogen selbst, wenn sie auch sonst derber auftreten als dieser Regenbogen. So wie niemand den Regenbogen als irgendeine äußere Realität — als eine wirkliche Brücke meinetwegen, die da gespannt ist in sieben Farben — anschauen soll, sondern als ein Phänomen, als eine Erscheinung, so soll jeder dasjenige, was ihm äußerlich entgegentritt durch die Sinne, als ein Phänomen, als eine Erscheinung auffassen, wenn es auch noch so derb auftritt. Auch beim Quarzkristall, wenn wir ihn auch greifen können — beim Regenbogen würden wir ja durchgreifen —, wenn auch der Gefühlssinn dabei affiziert ist, so müssen wir doch auch beim Quarzkristall nur sprechen von einem Phänomen; wir dürfen nicht hineinphantasieren irgendeine materielle Realität, gleichgültig wie es sich auch die heute auf Abwegen wandelnde Naturanschauung vorstellt. Also was wir als «materielle» Erscheinungen vorfinden, sind gar keine materiellen Erscheinungen, ist gar keine Materie in Wirklichkeit. Das sind eben nur Erscheinungen; sie sind das, was kommt und geht aus einer andern Wirklichkeit heraus, die wir nicht fassen, wenn wir sie uns nicht geistig denken können. Das ist die eine Empfindung, die wir entwickeln müssen: nicht die Materie in der äußeren Welt zu suchen!

[ 6 ] Daher verfehlen das wirkliche Ziel anthroposophischer Entwickelung gerade diejenigen am allermeisten, die die äußere Materialität verachten, die sagen: Ach, das, was man äußerlich wahrnimmt, ist ja nur Materie, darüber muß man sich erheben! — Das ist eben gerade falsch. Gerade dasjenige, was wir äußerlich wahrnehmen, ist nicht materiell, darin können wir die Materie gar nicht suchen. Wir finden in der Welt, die auf uns Eindrücke macht durch unsere Sinne, eben gar nicht Materie. Das geht Ihnen aus dem hervor, wenn Sie in rechtem Geiste das lesen, was in unserer anthroposophisch orientierten Literatur niedergelegt ist.

[ 6 ] Daher verfehlen das wirkliche Ziel anthroposophischer Entwickelung gerade diejenigen am allermeisten, die die äußere Materialität verachten, die sagen: Ach, das, was man äußerlich wahrnimmt, ist ja nur Materie, darüber muß man sich erheben! — Das ist eben gerade falsch. Gerade dasjenige, was wir äußerlich wahrnehmen, ist nicht materiell, darin können wir die Materie gar nicht suchen. Wir finden in der Welt, die auf uns Eindrücke macht durch unsere Sinne, eben gar nicht Materie. Das geht Ihnen aus dem hervor, wenn Sie in rechtem Geiste das lesen, was in unserer anthroposophisch orientierten Literatur niedergelegt ist.

[ 7 ] Und dann müssen Sie diese Empfindung weiter ausbilden. Da kommt man dann auf Punkte, die dem gegenwärtigen Menschen recht unbequem sind, weil sie hart an das heranstreifen, was man die Erlebnisse beim Hüter der Schwelle nennt. Unbequeme Erlebnisse sind das; aber ohne daß man an sie herantritt, wird man nicht weiterkommen in der inneren Entwickelung. Man muß die Unbequemlichkeit auf sich nehmen, aus dem Theoretischen heraus- und ins Reale hineinzukommen. Erkenntnis muß gewissermaßen mit den Tatsachen rechnen. Wer die Anschauung hat, daß innerhalb der Welt, die wir die materielle nennen, Materie zu finden sei — mancher wird schon glauben, weil man sagt «Materie», so ist es Materie; mit solcher Wortweisheit geht man heute handeln —, wer also sagt, innerhalb der Wahrnehmungswelt sei Materie zu finden, der begeht nicht bloß einen theoretischen Irrtum. Und wer meint, damit sei alles getan, daß man sagt: Falsch ist es, innerhalb der Wahrnehmungswelt Materie zu suchen —, der steht auch noch nicht in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft darinnen; denn die bloße Korrektur einer theoretischen Anschauung ist noch nicht Geisteswissenschaft. Geisteswissenschaft muß die Erkenntnis als Tat nehmen, Geisteswissenschaft muß mit dem Willen durchdrungenes Erkennen sein, muß also in Realitäten hineingehen, schon wenn sie ihre Definitionen, ihre Erklärungen gibt. Und da wird die Sache unbequem.

[ 7 ] Und dann müssen Sie diese Empfindung weiter ausbilden. Da kommt man dann auf Punkte, die dem gegenwärtigen Menschen recht unbequem sind, weil sie hart an das heranstreifen, was man die Erlebnisse beim Hüter der Schwelle nennt. Unbequeme Erlebnisse sind das; aber ohne daß man an sie herantritt, wird man nicht weiterkommen in der inneren Entwickelung. Man muß die Unbequemlichkeit auf sich nehmen, aus dem Theoretischen heraus- und ins Reale hineinzukommen. Erkenntnis muß gewissermaßen mit den Tatsachen rechnen. Wer die Anschauung hat, daß innerhalb der Welt, die wir die materielle nennen, Materie zu finden sei — mancher wird schon glauben, weil man sagt «Materie», so ist es Materie; mit solcher Wortweisheit geht man heute handeln —, wer also sagt, innerhalb der Wahrnehmungswelt sei Materie zu finden, der begeht nicht bloß einen theoretischen Irrtum. Und wer meint, damit sei alles getan, daß man sagt: Falsch ist es, innerhalb der Wahrnehmungswelt Materie zu suchen —, der steht auch noch nicht in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft darinnen; denn die bloße Korrektur einer theoretischen Anschauung ist noch nicht Geisteswissenschaft. Geisteswissenschaft muß die Erkenntnis als Tat nehmen, Geisteswissenschaft muß mit dem Willen durchdrungenes Erkennen sein, muß also in Realitäten hineingehen, schon wenn sie ihre Definitionen, ihre Erklärungen gibt. Und da wird die Sache unbequem.

[ 8 ] Es ist leicht, wenn man sagt: Du hast die falsche Ansicht, daß innerhalb der äußeren Wahrnehmungswelt Materie zu finden sei; also korrigiere deine Ansicht! — Ja, das ist theoretisches Herumreden. Theorien annehmen, Theorien bekämpfen, sie richtigstellen, ist einfach theoretisches Herumreden, ist etwas, womit Geisteswissenschaft in Wirklichkeit nicht befriedigt sein darf; sondern es handelt sich darum, daß man in der Empfindung vorschreitet dazu, daß derjenige, der hängenbleibt an der materialistischen Vorstellung dem Materiellen gegenüber, in seinem ganzen Organismus ungesund ist. Man muß von der bloßen logischen Bezeichnung als unrichtig zu einer Bezeichnung übergehen, welche ins Wirkliche hineinfaßt, also in die Konstitution des Menschen hineinfaßt. Man muß überzeugt werden, daß es nicht bloß logisch unrichtig ist, zu sagen, in der Wahrnehmungswelt trete uns Materie entgegen, sondern daß derjenige, der in der Wahrnehmung Materie sieht, wirklich auf dem Weg zum konstitutionellen Schwachsinn ist, daß es also eine Krankheit ist, in dem angedeuteten Sinne Materialist zu sein.

[ 8 ] Es ist leicht, wenn man sagt: Du hast die falsche Ansicht, daß innerhalb der äußeren Wahrnehmungswelt Materie zu finden sei; also korrigiere deine Ansicht! — Ja, das ist theoretisches Herumreden. Theorien annehmen, Theorien bekämpfen, sie richtigstellen, ist einfach theoretisches Herumreden, ist etwas, womit Geisteswissenschaft in Wirklichkeit nicht befriedigt sein darf; sondern es handelt sich darum, daß man in der Empfindung vorschreitet dazu, daß derjenige, der hängenbleibt an der materialistischen Vorstellung dem Materiellen gegenüber, in seinem ganzen Organismus ungesund ist. Man muß von der bloßen logischen Bezeichnung als unrichtig zu einer Bezeichnung übergehen, welche ins Wirkliche hineinfaßt, also in die Konstitution des Menschen hineinfaßt. Man muß überzeugt werden, daß es nicht bloß logisch unrichtig ist, zu sagen, in der Wahrnehmungswelt trete uns Materie entgegen, sondern daß derjenige, der in der Wahrnehmung Materie sieht, wirklich auf dem Weg zum konstitutionellen Schwachsinn ist, daß es also eine Krankheit ist, in dem angedeuteten Sinne Materialist zu sein.

[ 9 ] Da will man mit seinem Vorstellen die Wirklichkeit erfassen. So lange man im Theoretischen bleibt, erfaßt man sie nicht. Und da setzt jeder voraus: Nun, man muß nur gut belehrt werden, dann kann man sich umstellen. — Geisteswissenschaft setzt aber überall die lebendige Entwickelung voraus, setzt voraus, daß man sich gesund macht, wenn man materialistisch in dem angedeuteten Sinn ist, weil das Abirren eine Krankheit ist, weil es der Weg ist zum Schwachsinn.

[ 9 ] Da will man mit seinem Vorstellen die Wirklichkeit erfassen. So lange man im Theoretischen bleibt, erfaßt man sie nicht. Und da setzt jeder voraus: Nun, man muß nur gut belehrt werden, dann kann man sich umstellen. — Geisteswissenschaft setzt aber überall die lebendige Entwickelung voraus, setzt voraus, daß man sich gesund macht, wenn man materialistisch in dem angedeuteten Sinn ist, weil das Abirren eine Krankheit ist, weil es der Weg ist zum Schwachsinn.

[ 10 ] Da werden die Dinge hart herangerückt an dasjenige, was man als Erkenntnisse bekommt in der Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Denn wenn man in dieser Begegnung mit dem Hüter der Schwelle eintritt in die Welten, die andere sind als die physische Welt, die dieser physischen Welt etwas Neues hinzufügen, da hört alles Theoretisieren auf, hört alles auf, was im Intellekt nebelt, da beginnt Realität, da wird jedes Wort durchtränkt von Realität. Da kann man nicht mehr davon sprechen: Du behauptest etwas Richtiges oder Unrichtiges —, sondern da muß man sagen: Du behauptest etwas aus krankem oder aus gesundem Geist heraus. — Da kommt man auf Realitäten. Da kann man auch nicht sagen: Du mußt deine Ansicht berichtigen —, sondern da muß man sagen: Du mußt dich, wenn du auf dem Wege zum Kranksein, zum Schwachsinn bist, wiederum zum gesunden Starksinn umentwickeln. — Sie sehen, es genügt nicht, daß man heute sogenannte Weltanschauungen, die herumnebeln, rektifiziert, korrigiert, sondern es handelt sich tatsächlich, wenn man Geisteswissenschafter werden will, darum, daß man an sich einen realen Prozeß vollzieht und sich nicht begnügt mit etwas Intellektuellem oder Verstandesmäßigem oder Theoretischem. Wir leben heute in einer so ernsten Zeit, daß uns das Krankhafte des verstandesmäßigen Weltbetrachtens ganz lebendig vor die Seele treten muß.

[ 10 ] Da werden die Dinge hart herangerückt an dasjenige, was man als Erkenntnisse bekommt in der Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Denn wenn man in dieser Begegnung mit dem Hüter der Schwelle eintritt in die Welten, die andere sind als die physische Welt, die dieser physischen Welt etwas Neues hinzufügen, da hört alles Theoretisieren auf, hört alles auf, was im Intellekt nebelt, da beginnt Realität, da wird jedes Wort durchtränkt von Realität. Da kann man nicht mehr davon sprechen: Du behauptest etwas Richtiges oder Unrichtiges —, sondern da muß man sagen: Du behauptest etwas aus krankem oder aus gesundem Geist heraus. — Da kommt man auf Realitäten. Da kann man auch nicht sagen: Du mußt deine Ansicht berichtigen —, sondern da muß man sagen: Du mußt dich, wenn du auf dem Wege zum Kranksein, zum Schwachsinn bist, wiederum zum gesunden Starksinn umentwickeln. — Sie sehen, es genügt nicht, daß man heute sogenannte Weltanschauungen, die herumnebeln, rektifiziert, korrigiert, sondern es handelt sich tatsächlich, wenn man Geisteswissenschafter werden will, darum, daß man an sich einen realen Prozeß vollzieht und sich nicht begnügt mit etwas Intellektuellem oder Verstandesmäßigem oder Theoretischem. Wir leben heute in einer so ernsten Zeit, daß uns das Krankhafte des verstandesmäßigen Weltbetrachtens ganz lebendig vor die Seele treten muß.

[ 11 ] Wir haben versucht, die eine Seite zu skizzieren, haben versucht, vom Wirklichkeitsstandpunkt aus die eine Seite dessen zu charakterisieren, was heute im Kulturleben vorgeht: die materialistische Seite. Die andere Seite, die Polarität dazu, ist das Mystische. Zu diesem Mystischen flüchten ja heute viele Menschen, welche unbefriedigt sind im Materialismus. Sie finden, daß dieser Materialismus etwas ist, was unrichtig ist, also muß man sich zu einer andern Weltanschauung bekennen, muß man auf einem andern Wege suchen, als diejenigen Wege sind, die der Materialismus geht. Dann versuchen die Menschen sich auf dem Wege des Inneren zu entwickeln, vorzudringen zu einem Erfassen des Geistigen. Es ist ja oftmals hier Mystik als eine Geistesströmung geschildert worden, die in ihrer Einseitigkeit selbstverständlich ebenso berechtigt ist, wenn man diese Einseitigkeit durchschaut, wie der Materialismus berechtigt ist, wenn man ihn in seiner Einseitigkeit durchschaut. Es ist die Mystik geschildert worden als eine Art Reaktion gegen dasjenige, was in den letzten Jahrhunderten als Materialismus heraufgekommen ist in der amerikanischen und europäischen Zivilisation. Aber es muß das, was wiederholt erwähnt worden ist, erwähnt worden ist auch in dem Schriftchen: «Durch den Geist zur Wirklichkeits-Erkenntnis der Menschenrätsel», das während des Krieges erschienen und ja auch ins Feld hinausgeschickt worden ist —, es muß diese mystische Strömung genauer ins Auge gefaßt werden, wiederum indem man nicht bloß auf dieses Theoretisieren eingeht, das man gewöhnlich im Auge hat. Wenn von Mystik die Rede ist, meinen die Leute, sie ziehen sich von dem äußeren Leben zurück, vertiefen sich in ihr Inneres und kommen dadurch heran an das Fünklein, von dem Meister Eckhart sprach; da offenbart sich, meinen sie, das wahre Geistige, das nicht enthalten sein kann im äußeren Materiellen. Die Mystiker sind aber oft rechte Materialisten. Also auf dem umgekehrten Weg sind gerade die Mystiker zu allermeist schroffe, starke Materialisten. Sie fangen an zu schimpfen, sobald von der materiellen Welt die Rede ist, finden sich zu gut, sich mit ihr zu beschäftigen — das wurde ja oft gesagt —, fühlen sich erhaben über das Materielle. Aber es handelt sich darum, daß man sich nicht bloß theoretisch mit den Dingen befaßt, sondern daß man zur Realität vorschreitet; es handelt sich darum, daß man wiederum das Wirkliche hinter diesem mystischen Streben ins Auge faßt. Es kommt darauf an, einzusehen, was denn eigentlich das Tätige in uns ist, wenn wir Mystiker werden, was da in uns etwas tut, wenn wir Mystiker werden. Sie können das wiederum aus unserer anthroposophisch orientierten Literatur ersehen. Und da müssen wir sagen: Da ist gerade der Boden, auf dem wir die Materie finden! Wir finden das Materielle wirken in uns, wenn wir Mystiker werden. Selbst der hohe Mystiker, was bringt er denn für Erscheinungen in sich zur Geltung? Dasjenige bringt er in sich zur Geltung, was brodelt und kocht in seinem Stoffwechsel, wenn dieser auch noch so verfeinert ist. Innerhalb der menschlichen Haut entdecken wir die eigentliche Materie, nicht in der Außenwelt, die auf uns Eindrücke macht. Wir entdecken die Materie, wenn wir das, was entzündet wird im Stoffwechsel, in uns aufsteigen lassen. Wenn wir zum Beispiel uns bei Meister Eckhart informieren, wie er so innerlich Gott geschildert hat: da weist er darauf hin, wie er sich sorgfältig zum Bewußtsein gebracht hat, was in seinem Stoffwechsel brodelt und kocht, was ihm erschien als nach dem Herzzentrum wirkend und dort sich umwandelnd in das, was wahrnehmbar wird als Fünklein des göttlichen Selbstes im Menschen; dieses ist das Flämmchen, das entzündet wird durch den Stoffwechsel im Herzen.

[ 11 ] Wir haben versucht, die eine Seite zu skizzieren, haben versucht, vom Wirklichkeitsstandpunkt aus die eine Seite dessen zu charakterisieren, was heute im Kulturleben vorgeht: die materialistische Seite. Die andere Seite, die Polarität dazu, ist das Mystische. Zu diesem Mystischen flüchten ja heute viele Menschen, welche unbefriedigt sind im Materialismus. Sie finden, daß dieser Materialismus etwas ist, was unrichtig ist, also muß man sich zu einer andern Weltanschauung bekennen, muß man auf einem andern Wege suchen, als diejenigen Wege sind, die der Materialismus geht. Dann versuchen die Menschen sich auf dem Wege des Inneren zu entwickeln, vorzudringen zu einem Erfassen des Geistigen. Es ist ja oftmals hier Mystik als eine Geistesströmung geschildert worden, die in ihrer Einseitigkeit selbstverständlich ebenso berechtigt ist, wenn man diese Einseitigkeit durchschaut, wie der Materialismus berechtigt ist, wenn man ihn in seiner Einseitigkeit durchschaut. Es ist die Mystik geschildert worden als eine Art Reaktion gegen dasjenige, was in den letzten Jahrhunderten als Materialismus heraufgekommen ist in der amerikanischen und europäischen Zivilisation. Aber es muß das, was wiederholt erwähnt worden ist, erwähnt worden ist auch in dem Schriftchen: «Durch den Geist zur Wirklichkeits-Erkenntnis der Menschenrätsel», das während des Krieges erschienen und ja auch ins Feld hinausgeschickt worden ist —, es muß diese mystische Strömung genauer ins Auge gefaßt werden, wiederum indem man nicht bloß auf dieses Theoretisieren eingeht, das man gewöhnlich im Auge hat. Wenn von Mystik die Rede ist, meinen die Leute, sie ziehen sich von dem äußeren Leben zurück, vertiefen sich in ihr Inneres und kommen dadurch heran an das Fünklein, von dem Meister Eckhart sprach; da offenbart sich, meinen sie, das wahre Geistige, das nicht enthalten sein kann im äußeren Materiellen. Die Mystiker sind aber oft rechte Materialisten. Also auf dem umgekehrten Weg sind gerade die Mystiker zu allermeist schroffe, starke Materialisten. Sie fangen an zu schimpfen, sobald von der materiellen Welt die Rede ist, finden sich zu gut, sich mit ihr zu beschäftigen — das wurde ja oft gesagt —, fühlen sich erhaben über das Materielle. Aber es handelt sich darum, daß man sich nicht bloß theoretisch mit den Dingen befaßt, sondern daß man zur Realität vorschreitet; es handelt sich darum, daß man wiederum das Wirkliche hinter diesem mystischen Streben ins Auge faßt. Es kommt darauf an, einzusehen, was denn eigentlich das Tätige in uns ist, wenn wir Mystiker werden, was da in uns etwas tut, wenn wir Mystiker werden. Sie können das wiederum aus unserer anthroposophisch orientierten Literatur ersehen. Und da müssen wir sagen: Da ist gerade der Boden, auf dem wir die Materie finden! Wir finden das Materielle wirken in uns, wenn wir Mystiker werden. Selbst der hohe Mystiker, was bringt er denn für Erscheinungen in sich zur Geltung? Dasjenige bringt er in sich zur Geltung, was brodelt und kocht in seinem Stoffwechsel, wenn dieser auch noch so verfeinert ist. Innerhalb der menschlichen Haut entdecken wir die eigentliche Materie, nicht in der Außenwelt, die auf uns Eindrücke macht. Wir entdecken die Materie, wenn wir das, was entzündet wird im Stoffwechsel, in uns aufsteigen lassen. Wenn wir zum Beispiel uns bei Meister Eckhart informieren, wie er so innerlich Gott geschildert hat: da weist er darauf hin, wie er sich sorgfältig zum Bewußtsein gebracht hat, was in seinem Stoffwechsel brodelt und kocht, was ihm erschien als nach dem Herzzentrum wirkend und dort sich umwandelnd in das, was wahrnehmbar wird als Fünklein des göttlichen Selbstes im Menschen; dieses ist das Flämmchen, das entzündet wird durch den Stoffwechsel im Herzen.

[ 12 ] Da kommen wir auf das eigentliche Wesen des Materiellen, wenn wir Mystik treiben, und wir müssen, so wie man das echte Ergebnis des Goetheanismus in die höhere Weltanschauung erheben muß, so auch uns klar sein, daß die Ergebnisse der Mystik das sind, was man aufzusuchen hat in der Interpretation des materiellen Wirkens. Wir entdecken nicht im chemischen Laboratorium die materiellen Vorgänge. Nein, wenn der Chemiker in seinem Laboratorium arbeitet, dann ist dasjenige, was sich in der Retorte abspielt, nur eine äußere Erscheinung, wie der Regenbogen eine äußere Erscheinung ist. Auch das ist ein Phänomen, da ist nichts von einer wirklichen Materialität. Dasjenige, was wirklich Materialität ist, lernen wir kennen, wenn wir das Brodeln und Kochen unserer inneren, innerhalb der Haut gelegenen Vorgänge sich so entzünden sehen, wie sich die Stearinkerze zur Flamme entzündet. Da ist dasjenige, wohin gedeutet werden muß als auf die Materialität, und wir erfassen die Mystik nur richtig, wenn wir darauf kommen: Alles dasjenige, was die Mystik als solche als innere Erlebnisse hervorbringt in ihrer Einseitigkeit, ist materielle Wirkung, darinnen kann die echte Materialität gesucht werden. Wir sollen Materie nicht suchen, indem wir die chemischen Prozesse analysieren, wir sollen Materie suchen in jedem Gebilde, das innerhalb der menschlichen Haut seinen komplizierten Chemismus und seine komplizierte Physiologie vollzieht. Durch die Mystik lernen wir das materielle Rätsel lösen. Durch die Mystik lernen wir aber auch nur das materielle Rätsel lösen. Wir dürfen nicht umdeuten die innere Materialität der menschlichen Organisation so etwa in dem Stil, wie wenn wir sagen würden, wenn wir eine Flamme brennen sehen: die kann doch nicht das Ergebnis dessen sein, was in der Kerze ist, sondern in der Kerze steckt ein kleines Geistchen, das ruft die Flamme hervor. — Das ist natürlich Unsinn. Ebenso ist es Unsinn, wenn wir eine geistige Wirklichkeit suchen in dem, was der Mystiker erlebt.

[ 12 ] Da kommen wir auf das eigentliche Wesen des Materiellen, wenn wir Mystik treiben, und wir müssen, so wie man das echte Ergebnis des Goetheanismus in die höhere Weltanschauung erheben muß, so auch uns klar sein, daß die Ergebnisse der Mystik das sind, was man aufzusuchen hat in der Interpretation des materiellen Wirkens. Wir entdecken nicht im chemischen Laboratorium die materiellen Vorgänge. Nein, wenn der Chemiker in seinem Laboratorium arbeitet, dann ist dasjenige, was sich in der Retorte abspielt, nur eine äußere Erscheinung, wie der Regenbogen eine äußere Erscheinung ist. Auch das ist ein Phänomen, da ist nichts von einer wirklichen Materialität. Dasjenige, was wirklich Materialität ist, lernen wir kennen, wenn wir das Brodeln und Kochen unserer inneren, innerhalb der Haut gelegenen Vorgänge sich so entzünden sehen, wie sich die Stearinkerze zur Flamme entzündet. Da ist dasjenige, wohin gedeutet werden muß als auf die Materialität, und wir erfassen die Mystik nur richtig, wenn wir darauf kommen: Alles dasjenige, was die Mystik als solche als innere Erlebnisse hervorbringt in ihrer Einseitigkeit, ist materielle Wirkung, darinnen kann die echte Materialität gesucht werden. Wir sollen Materie nicht suchen, indem wir die chemischen Prozesse analysieren, wir sollen Materie suchen in jedem Gebilde, das innerhalb der menschlichen Haut seinen komplizierten Chemismus und seine komplizierte Physiologie vollzieht. Durch die Mystik lernen wir das materielle Rätsel lösen. Durch die Mystik lernen wir aber auch nur das materielle Rätsel lösen. Wir dürfen nicht umdeuten die innere Materialität der menschlichen Organisation so etwa in dem Stil, wie wenn wir sagen würden, wenn wir eine Flamme brennen sehen: die kann doch nicht das Ergebnis dessen sein, was in der Kerze ist, sondern in der Kerze steckt ein kleines Geistchen, das ruft die Flamme hervor. — Das ist natürlich Unsinn. Ebenso ist es Unsinn, wenn wir eine geistige Wirklichkeit suchen in dem, was der Mystiker erlebt.

[ 13 ] Man muß sich da schon zu einer ganz bestimmten Vorstellung durchringen, zu einer Vorstellung, die eine Schwellenwahrheit ist. Mit dem, was in der Mystik erreicht wird, kommt man nicht sehr weit; denn wir stehen da in betäubenden Erscheinungen drinnen, hingegeben an unsere egoistischen Begierden, die sich nur ja nicht als materialistische Vorgänge der eigentlichen inneren Vorgänge schildern lassen möchten. Wir dringen nicht durch in der betäubenden Fülle der Erscheinungen, die uns in der Wahrnehmungswelt umgeben, bis zu der Erkenntnis, daß da eigentlich überall gar keine Materie darinnen ist. Aber überlegen wir uns, was wir eigentlich sehen, wenn wir zum Beispiel einen fernen Planeten oder einen Fixstern ansehen im Weltenraum draußen. Was sehen wir da eigentlich? Ja, was wir um uns herum auf der Erde sehen an grüner Pflanzendecke, an Wolkengebilden, an braungrauem Boden und so weiter, das sehen wir nicht, wenn wir in den Weltenraum hinausblicken und die Sterne sehen; dazu sind die Sterne, selbst der Mond, zu weit entfernt. Aber das, was da draußen ist, was da lebt auf diesen fremden Weltkörpern, das hat überall ein Inneres, hat umgewandelte stoffliche Vorgänge. Dieses, was da in den entsprechenden höchsten Wesen lebt als stoffliche Vorgänge, das sehen wir, wenn wir das Teleskop auf einen Stern richten. Ebenso, wenn der andere Stern, sagen wir der Mond, das Teleskop auf uns richten würde, sähe er dann unsere Pflanzen, Tiere und so weiter? Nein, dazu ist unsere Erde viel zu weit entfernt vom Monde. Aber wenn er sein Teleskop herunterrichtet auf die Erde, dann schaut er Ihnen in den Magen, in das Herz und so weiter. Das ist der Inhalt dessen, was hinausscheint in die Welt. Weil der Mensch unter den verschiedenen Reichen auf der Erde dem höchsten Reiche angehört, deshalb sieht man von auswärts dasjenige, was innerhalb der Menschenhäute vorgeht. Und dasjenige, was von den fernen Sternen aus gesehen werden kann, das wird, wenn es sich innerlich bewußt entzündet, von den Menschen als Mystik erlebt.

[ 13 ] Man muß sich da schon zu einer ganz bestimmten Vorstellung durchringen, zu einer Vorstellung, die eine Schwellenwahrheit ist. Mit dem, was in der Mystik erreicht wird, kommt man nicht sehr weit; denn wir stehen da in betäubenden Erscheinungen drinnen, hingegeben an unsere egoistischen Begierden, die sich nur ja nicht als materialistische Vorgänge der eigentlichen inneren Vorgänge schildern lassen möchten. Wir dringen nicht durch in der betäubenden Fülle der Erscheinungen, die uns in der Wahrnehmungswelt umgeben, bis zu der Erkenntnis, daß da eigentlich überall gar keine Materie darinnen ist. Aber überlegen wir uns, was wir eigentlich sehen, wenn wir zum Beispiel einen fernen Planeten oder einen Fixstern ansehen im Weltenraum draußen. Was sehen wir da eigentlich? Ja, was wir um uns herum auf der Erde sehen an grüner Pflanzendecke, an Wolkengebilden, an braungrauem Boden und so weiter, das sehen wir nicht, wenn wir in den Weltenraum hinausblicken und die Sterne sehen; dazu sind die Sterne, selbst der Mond, zu weit entfernt. Aber das, was da draußen ist, was da lebt auf diesen fremden Weltkörpern, das hat überall ein Inneres, hat umgewandelte stoffliche Vorgänge. Dieses, was da in den entsprechenden höchsten Wesen lebt als stoffliche Vorgänge, das sehen wir, wenn wir das Teleskop auf einen Stern richten. Ebenso, wenn der andere Stern, sagen wir der Mond, das Teleskop auf uns richten würde, sähe er dann unsere Pflanzen, Tiere und so weiter? Nein, dazu ist unsere Erde viel zu weit entfernt vom Monde. Aber wenn er sein Teleskop herunterrichtet auf die Erde, dann schaut er Ihnen in den Magen, in das Herz und so weiter. Das ist der Inhalt dessen, was hinausscheint in die Welt. Weil der Mensch unter den verschiedenen Reichen auf der Erde dem höchsten Reiche angehört, deshalb sieht man von auswärts dasjenige, was innerhalb der Menschenhäute vorgeht. Und dasjenige, was von den fernen Sternen aus gesehen werden kann, das wird, wenn es sich innerlich bewußt entzündet, von den Menschen als Mystik erlebt.

[ 14 ] Sie sehen also, es muß der ganz ernsthaft der anthroposophischen Weltanschauung Ergebene auch diese zweite ebenso unbequemeSchwellenwahrheit durchdringen: daß es gerade die Mystik ist, die uns die Erdenmaterie kennen lehrt. Wir lernen nicht die einfachste Erdenkraft kennen, wenn wir nur die Außenwelt schauen. Nehmen Sie ein Physikbuch zur Hand. Sie wissen, es wird da von der Gravitation, von der Erdenschwere gesprochen; aber es wird stets hinzugefügt, das Wesen der Schwerkraft kenne man natürlich nicht. Man ist sogar recht selbstgefällig, wenn man auseinandersetzt, das Wesen der Schwerkraft kenne man nicht.

[ 14 ] Sie sehen also, es muß der ganz ernsthaft der anthroposophischen Weltanschauung Ergebene auch diese zweite ebenso unbequemeSchwellenwahrheit durchdringen: daß es gerade die Mystik ist, die uns die Erdenmaterie kennen lehrt. Wir lernen nicht die einfachste Erdenkraft kennen, wenn wir nur die Außenwelt schauen. Nehmen Sie ein Physikbuch zur Hand. Sie wissen, es wird da von der Gravitation, von der Erdenschwere gesprochen; aber es wird stets hinzugefügt, das Wesen der Schwerkraft kenne man natürlich nicht. Man ist sogar recht selbstgefällig, wenn man auseinandersetzt, das Wesen der Schwerkraft kenne man nicht.

[ 15 ] Wie lernt man das Wesen derjenigen Kraft kennen, die die Kreide herunterfallen läßt, wenn man sie losläßt aus der Hand? Die Kraft, die man die Schwerkraft nennt, man lernt sie auf folgende Weise kennen. Man wird in einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens, vielleicht vom dreißigsten Lebensjahre an, vielleicht auch schon früher, das hängt von der liebevollen Führung durch das Schicksal ab, etwas erkennen, wenn man sich selbst im geisteswissenschaftlichen Sinne, nicht in der gewöhnlichen Weise beobachtet — durch die Methoden der Geisteswissenschaft wird man ja etwas eingeführt in die Methoden wahrer Selbstbeobachtung —, also man wird ungefähr mit dem zweiunddreißigsten Lebensjahre etwas kennenlernen. Man wird, wenn man sich nicht so beobachtet, wie es die abstrakten Mystiker tun, sondern wenn man wirkliche Selbstbeobachtung lernt, zu dieser wirklichen Selbstbeobachtung kommen zum Beispiel, daß wenn man, nun sagen wir, vom fünfunddreißigsten bis zum vierzigsten Jahre lebt, man merkt, daß man organisch ein anderer geworden ist. Manche bemerken es daran, daß ihre Haare grau geworden sind; heute kommt es auch vor, daß die Männer in dieser Zeit Glatzen kriegen. Also man ist anders geworden. Aber wenn man nicht die Fähigkeit errungen hat, sich selbst zu beobachten, dann erlebt man dieses Anderswerden nicht, dann erlebt man nicht im inneren Dasein, wie dieses Anderswerden sich abspielt. Man kann es erleben, wenn man das auf sich anwendet, was in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gesagt ist. Man kann es erfahren etwa vom zweiunddreißigsten Jahre an, wie das sich innerlich erlebt. Und dann lernt man erkennen an der Art und Weise, wie man immer seinen Körper anders tragen muß, wie der Körper schwerer wird. Dann erlebt man innerlich die Schwere, dasjenige, was man Gravitation nennt. Das muß man aber innerlich erleben.

[ 15 ] Wie lernt man das Wesen derjenigen Kraft kennen, die die Kreide herunterfallen läßt, wenn man sie losläßt aus der Hand? Die Kraft, die man die Schwerkraft nennt, man lernt sie auf folgende Weise kennen. Man wird in einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens, vielleicht vom dreißigsten Lebensjahre an, vielleicht auch schon früher, das hängt von der liebevollen Führung durch das Schicksal ab, etwas erkennen, wenn man sich selbst im geisteswissenschaftlichen Sinne, nicht in der gewöhnlichen Weise beobachtet — durch die Methoden der Geisteswissenschaft wird man ja etwas eingeführt in die Methoden wahrer Selbstbeobachtung —, also man wird ungefähr mit dem zweiunddreißigsten Lebensjahre etwas kennenlernen. Man wird, wenn man sich nicht so beobachtet, wie es die abstrakten Mystiker tun, sondern wenn man wirkliche Selbstbeobachtung lernt, zu dieser wirklichen Selbstbeobachtung kommen zum Beispiel, daß wenn man, nun sagen wir, vom fünfunddreißigsten bis zum vierzigsten Jahre lebt, man merkt, daß man organisch ein anderer geworden ist. Manche bemerken es daran, daß ihre Haare grau geworden sind; heute kommt es auch vor, daß die Männer in dieser Zeit Glatzen kriegen. Also man ist anders geworden. Aber wenn man nicht die Fähigkeit errungen hat, sich selbst zu beobachten, dann erlebt man dieses Anderswerden nicht, dann erlebt man nicht im inneren Dasein, wie dieses Anderswerden sich abspielt. Man kann es erleben, wenn man das auf sich anwendet, was in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gesagt ist. Man kann es erfahren etwa vom zweiunddreißigsten Jahre an, wie das sich innerlich erlebt. Und dann lernt man erkennen an der Art und Weise, wie man immer seinen Körper anders tragen muß, wie der Körper schwerer wird. Dann erlebt man innerlich die Schwere, dasjenige, was man Gravitation nennt. Das muß man aber innerlich erleben.

[ 16 ] All das Wischiwaschi, das in der Mystik zum Ausdruck kommt, ist nicht so wichtig wie solch eine konkrete Tatsache, wie man selber innerlich in dieser Zeit das Schwererwerden erleben kann. Das Schwererwerden können Sie nicht erleben lernen, wenn Sie hier einen Menschen haben und der nun einen Stein fallen läßt. Nicht an dem Fallen des Steines beobachten Sie die Schwere, denn der Stein enthält die wirkliche Materialität nicht. Das müssen Sie in sich selbst beobachten, indem Sie jetzt nicht auf den Raum schauen, sondern auf die Zeit, das heißt auf das, was Sie nacheinander erleben. Man muß übergehen vom räumlichen Erleben zum zeitlichen Erleben. Man muß erst die Selbstbeobachtung machen können. Man muß dasjenige, was in der äußeren Wahrnehmungswelt nimmermehr zu finden ist, durch innerliche Erlebnisse finden. Und diese sind das zweite Element der Wirklichkeit.

[ 16 ] All das Wischiwaschi, das in der Mystik zum Ausdruck kommt, ist nicht so wichtig wie solch eine konkrete Tatsache, wie man selber innerlich in dieser Zeit das Schwererwerden erleben kann. Das Schwererwerden können Sie nicht erleben lernen, wenn Sie hier einen Menschen haben und der nun einen Stein fallen läßt. Nicht an dem Fallen des Steines beobachten Sie die Schwere, denn der Stein enthält die wirkliche Materialität nicht. Das müssen Sie in sich selbst beobachten, indem Sie jetzt nicht auf den Raum schauen, sondern auf die Zeit, das heißt auf das, was Sie nacheinander erleben. Man muß übergehen vom räumlichen Erleben zum zeitlichen Erleben. Man muß erst die Selbstbeobachtung machen können. Man muß dasjenige, was in der äußeren Wahrnehmungswelt nimmermehr zu finden ist, durch innerliche Erlebnisse finden. Und diese sind das zweite Element der Wirklichkeit.

[ 17 ] Derjenige, der die äußere Wahrnehmungswelt erlebt, was hat er? Er hat bloß Wahrheit, aber keine Wissenschaft. Derjenige, der innerlich erlebt, abstrakt-mystisch erlebt, der hat bloß Wissenschaft, aber keine Wahrheit; denn er täuscht sich selbst über das Grundphänomen des Inneren, weil das innere Erleben die Flammen materieller Vorgänge sind. Derjenige, der in der Außenwelt bloß Materialitäten sucht, interpretiert die Welt im ahrimanischen Sinne; der andere, der bloß die Wahrheit in abstrakt-mystischer Weise in seinem Inneren sucht, interpretiert sie in luziferischer Weise. Dasjenige, was gesucht werden muß als wahre anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, ist das Gleichgewicht von beiden, ist das Durcheinanderweben von Wahrheit und Wissenschaft. Wir müssen die Wahrheit nach dem einen Pol und die Wissenschaft nach dem andern suchen und uns bewußt werden, wie die lebendigen Wirklichkeiten sich polarisieren, indem wir Wahrheit mit Wissenschaft und Wissenschaft mit Wahrheit durchdringen. Da wird Erkenntnis zu einer Tat, da geht etwas vor. Da wird nicht nur irgend etwas logisch definiert oder berichtigt, sondern da geht etwas vor, wenn der Mensch anstrebt, die Wissenschaft innerlich zu erleben und die Wahrheit äußerlich zu erfassen, und anstrebt, beide gegenseitig zu durchdringen.

[ 17 ] Derjenige, der die äußere Wahrnehmungswelt erlebt, was hat er? Er hat bloß Wahrheit, aber keine Wissenschaft. Derjenige, der innerlich erlebt, abstrakt-mystisch erlebt, der hat bloß Wissenschaft, aber keine Wahrheit; denn er täuscht sich selbst über das Grundphänomen des Inneren, weil das innere Erleben die Flammen materieller Vorgänge sind. Derjenige, der in der Außenwelt bloß Materialitäten sucht, interpretiert die Welt im ahrimanischen Sinne; der andere, der bloß die Wahrheit in abstrakt-mystischer Weise in seinem Inneren sucht, interpretiert sie in luziferischer Weise. Dasjenige, was gesucht werden muß als wahre anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, ist das Gleichgewicht von beiden, ist das Durcheinanderweben von Wahrheit und Wissenschaft. Wir müssen die Wahrheit nach dem einen Pol und die Wissenschaft nach dem andern suchen und uns bewußt werden, wie die lebendigen Wirklichkeiten sich polarisieren, indem wir Wahrheit mit Wissenschaft und Wissenschaft mit Wahrheit durchdringen. Da wird Erkenntnis zu einer Tat, da geht etwas vor. Da wird nicht nur irgend etwas logisch definiert oder berichtigt, sondern da geht etwas vor, wenn der Mensch anstrebt, die Wissenschaft innerlich zu erleben und die Wahrheit äußerlich zu erfassen, und anstrebt, beide gegenseitig zu durchdringen.

[ 18 ] Das ist dasjenige, was die Gegenwart begreifen muß. Die Gegenwart muß begreifen, daß der Mensch im Aquilibrium stehen muß zwischen den beiden Extremen, dem ahrimanischen und dem luziferischen. Der Mensch strebt immer nach einer Seite. Deshalb ist jene Trinitätsgruppe in Dornach so, daß das Luziferische oben, das Ahrimanische unten dargestellt ist, und der Christus in der Mitte, das Gleichgewicht haltend. Man kann diese Sachen in Ideen darstellen, kann sie bringen bis zum Destillat der Ideen, dann wird es Wahrheit und Wissenschaft. Man kann diese Dinge aber auch künstlerisch darstellen, dann muß man von allen bloßen Ideen absehen, dann muß man in der Linie, in der Form, in der Gestalt suchen, dann wird es eben zum Beispiel die Gruppe der Trinität in Dornach. Aber das Ganze ist von dem Geist durchdrungen.

[ 18 ] Das ist dasjenige, was die Gegenwart begreifen muß. Die Gegenwart muß begreifen, daß der Mensch im Aquilibrium stehen muß zwischen den beiden Extremen, dem ahrimanischen und dem luziferischen. Der Mensch strebt immer nach einer Seite. Deshalb ist jene Trinitätsgruppe in Dornach so, daß das Luziferische oben, das Ahrimanische unten dargestellt ist, und der Christus in der Mitte, das Gleichgewicht haltend. Man kann diese Sachen in Ideen darstellen, kann sie bringen bis zum Destillat der Ideen, dann wird es Wahrheit und Wissenschaft. Man kann diese Dinge aber auch künstlerisch darstellen, dann muß man von allen bloßen Ideen absehen, dann muß man in der Linie, in der Form, in der Gestalt suchen, dann wird es eben zum Beispiel die Gruppe der Trinität in Dornach. Aber das Ganze ist von dem Geist durchdrungen.

[ 19 ] Einseitig ist die Mystik und einseitig ist auch der Materialismus. Und wissen muß man, daß man beide ineinanderweben muß in lebendigem Tun und daß in diesem lebendigen Tun die tatsächliche Innerlichkeit des Menschen gesucht werden muß. Unsere Zeit will dagegen einseitig mit dem Materialismus sich befreunden und ist dadurch tatsächlich auf dem Wege zum Schwachsinn. Ich habe gezeigt, daß man nicht beim Theoretisieren stehenbleiben darf, sondern daß man wissen muß im Realen, im Wirklichen: Sobald du dem Hüter der Schwelle begegnest, zeigt sich dir, was der Materialismus ist — ein Weg zum Schwachsinnigwerden! Man muß sich gesund machen, muß nicht bloß widerlegen, um zu etwas anderem zu kommen. Das andere Extrem ist die abstrakte Mystik. Von ihr muß man die Empfindung bekommen können: Sie ist in Wirklichkeit der Weg zum Infantilismus, zur — wenn wir es deutsch sagen wollen, es gibt kein anderes deutsches Wort dafür — Kindsköpfigkeit, zum Auffassen der Welt in dem Sinne, wie es nur angemessen ist dem ganz jungen Kinde — Infantilismus! Also das noch nicht von der Welt berührte, rein in der physischen Materialität, in den physischen organischen Vorgängen lebende Kind stellt uns den Typus des Mystikers dar, nur wird man als Mystiker später dieselben Erlebnisse haben wie das Kind. Sie nehmen sich natürlich anders aus, diese Erlebnisse, aber das Kind empfindet auch dieses Sich-Konzentrieren der organischen Tätigkeit im Herzen, und wenn es dieses Konzentrieren empfindet, dann strampelt es, dann sehen wir, wie das peripherische Strampeln, das Bewegen nach außen das Gegenteil darstellt von dem Sich-Konzentrieren im Herzen. Wenn der Mensch sein ganzes Leben hindurch kindsköpfig bleibt, wenn er zu bequem ist, sich zu durchdringen mit demjenigen, was nur der Materialismus geben kann, dann lehnt er ab die äußere Materie; sie ist für ihn nichts, ist für ihn das Niedrige, über das er noch hinausstreben muß. Dann aber strampelt er auch, und indem er strampelt, bringt er seine Mystik hervor. Das ist die Schwellenwahrheit, die unbequeme Schwellenwahrheit. Aber alles abstrakt Mystische, was, so wie die Leute es heute treiben, wie Wollust berührt, so daß sie sich die Finger ablecken, wenn Dinge hingedruckt werden, die eigentlich nur ein Strampeln in Gedanken sind, das ist Infantilismus. Und man muß sich klar sein darüber: Wie der Materialismus zum Schwachsinn führt, so führt die abstrakte Mystik in die Krankheit des Infantilismus, der Kindsköpfigkeit. Aber das wahre Leben besteht darin, daß wir das Gleichgewicht, das Äquilibrium finden zwischen dem Materialismus und der Mystik.

[ 19 ] Einseitig ist die Mystik und einseitig ist auch der Materialismus. Und wissen muß man, daß man beide ineinanderweben muß in lebendigem Tun und daß in diesem lebendigen Tun die tatsächliche Innerlichkeit des Menschen gesucht werden muß. Unsere Zeit will dagegen einseitig mit dem Materialismus sich befreunden und ist dadurch tatsächlich auf dem Wege zum Schwachsinn. Ich habe gezeigt, daß man nicht beim Theoretisieren stehenbleiben darf, sondern daß man wissen muß im Realen, im Wirklichen: Sobald du dem Hüter der Schwelle begegnest, zeigt sich dir, was der Materialismus ist — ein Weg zum Schwachsinnigwerden! Man muß sich gesund machen, muß nicht bloß widerlegen, um zu etwas anderem zu kommen. Das andere Extrem ist die abstrakte Mystik. Von ihr muß man die Empfindung bekommen können: Sie ist in Wirklichkeit der Weg zum Infantilismus, zur — wenn wir es deutsch sagen wollen, es gibt kein anderes deutsches Wort dafür — Kindsköpfigkeit, zum Auffassen der Welt in dem Sinne, wie es nur angemessen ist dem ganz jungen Kinde — Infantilismus! Also das noch nicht von der Welt berührte, rein in der physischen Materialität, in den physischen organischen Vorgängen lebende Kind stellt uns den Typus des Mystikers dar, nur wird man als Mystiker später dieselben Erlebnisse haben wie das Kind. Sie nehmen sich natürlich anders aus, diese Erlebnisse, aber das Kind empfindet auch dieses Sich-Konzentrieren der organischen Tätigkeit im Herzen, und wenn es dieses Konzentrieren empfindet, dann strampelt es, dann sehen wir, wie das peripherische Strampeln, das Bewegen nach außen das Gegenteil darstellt von dem Sich-Konzentrieren im Herzen. Wenn der Mensch sein ganzes Leben hindurch kindsköpfig bleibt, wenn er zu bequem ist, sich zu durchdringen mit demjenigen, was nur der Materialismus geben kann, dann lehnt er ab die äußere Materie; sie ist für ihn nichts, ist für ihn das Niedrige, über das er noch hinausstreben muß. Dann aber strampelt er auch, und indem er strampelt, bringt er seine Mystik hervor. Das ist die Schwellenwahrheit, die unbequeme Schwellenwahrheit. Aber alles abstrakt Mystische, was, so wie die Leute es heute treiben, wie Wollust berührt, so daß sie sich die Finger ablecken, wenn Dinge hingedruckt werden, die eigentlich nur ein Strampeln in Gedanken sind, das ist Infantilismus. Und man muß sich klar sein darüber: Wie der Materialismus zum Schwachsinn führt, so führt die abstrakte Mystik in die Krankheit des Infantilismus, der Kindsköpfigkeit. Aber das wahre Leben besteht darin, daß wir das Gleichgewicht, das Äquilibrium finden zwischen dem Materialismus und der Mystik.

[ 20 ] Da ist die Sache wiederum etwas schwierig, denn da wird sie erst recht unbequem. Aber wenn Sie bei der Waage das Gleichgewicht suchen, dürfen Sie auch nicht dasjenige, was auf der einen Seite liegt, verachten, weil, wenn es zuviel ist, es wieder das Gleichgewicht stört, sondern Sie müssen versuchen, auf den beiden Waagschalen das Sich-das-Gleichgewicht-Haltende wirklich aufzulegen. So ist es nötig, daß Sie das nicht verachten, was in die Materie hineinführt und sich nicht nur sagen, das führt ja zum Schwachsinn. Im Gegenteil, derjenige, der eindringen will in die Sache, muß kühn in die Wirklichkeit vorrücken, muß sich sagen: Ich muß allerdings den Weg gehen, der, wenn er einseitig gegangen wird, zum Schwachsinn führt, aber ich bin gewappnet dagegen. Ich bin auch gewappnet dagegen, daß ich auf dem andern Wege stehenbleibe; ich bewahre mir das Nötige aus der Kindheit, bleibe aber nicht bei der Kindheitszeit stehen. — Also man muß das Gleichgewicht finden zwischen dem Materialismus und der Mystik: das ist echter Lebenssinn. Der Lebenssinn ist das Gleichgewicht zwischen Schwachsinn und Kindsköpfigkeit. Und wenn es einem nicht paßt, diese Sache zu durchschauen, so ist man eben unfähig, in die Wirklichkeit einzudringen. Menschen werden nur schwachsinnig, wenn sie nicht beachten, daß der normale Mensch Tag für Tag, Stunde für Stunde den Schwachsinn überwinden muß, der ihm immer droht, und daß er bloß Mensch bleibt, wenn er kindsköpfig, das heißt, genial bleibt. Denn wenn man im richtigen Äquilibrium die Kindsköpfigkeit bewahrt, dann ist man Genie. Man ist nur so viel Genie, als man in die Dreißigerjahre hinein die Kindsköpfigkeit bewahrt hat; aber sie muß im richtigen Äquilibrium drinnenstehen. So daß man eben sagen muß: In jedem liegt die Gefahr — ja, wie soll ich es jetzt sagen —, ein Genie zu werden oder ein Kindskopf zu bleiben. Man kann eigentlich beides sagen. Sobald man an Schwellenwahrheiten herandringt, gilt ja auch die gewöhnliche Ausdrucksweise nicht mehr; da weben die Dinge ineinander, die sonst gesondert sind. Alle Worte bekommen eine andere Bedeutung und man kann sagen, es wäre durchaus recht humorvoll, das Bild auch malerisch oder plastisch hinzustellen: Da ist die Schwelle zur geistigen Welt, hier steht der eine, und dadrüben steht der andere; der eine webt im Geistigen und der andere im Materiellen, und sie schreien sich an. Der eine aus der geistigen Welt schreit: Kindsköpfigkeit! — und der andere aus der materiellen schreit hinein: Genialität! Geradeso wie der Baum von der einen Seite anders aussieht als von der andern, so sehen die Dinge verschieden aus, je nachdem man sie ansieht vom geistigen Gesichtspunkt aus oder vom materiellen. Vom geistigen Gesichtspunkt aus muß man sprechen von Genialität, weil man sich bewahrt hat die Art des Kindes, des spielhaften Vorstellens, von Kindsköpfigkeit, weil man sieht auf das, was eben Kindsköpfigkeit ist, wenn man auf der geistigen Seite steht. Denn da sieht man die Kindsköpfigkeit anders an. Da weiß man, daß der Mensch herunterkommt von der geistigen Welt, daß er sich einlebt in einen physischen Leib, da sieht man, wie das Kind noch ungeschickt ist, wie aber in dem, was noch unentwickelt ist, schon darinnen lebt die höchste Geistigkeit.

[ 20 ] Da ist die Sache wiederum etwas schwierig, denn da wird sie erst recht unbequem. Aber wenn Sie bei der Waage das Gleichgewicht suchen, dürfen Sie auch nicht dasjenige, was auf der einen Seite liegt, verachten, weil, wenn es zuviel ist, es wieder das Gleichgewicht stört, sondern Sie müssen versuchen, auf den beiden Waagschalen das Sich-das-Gleichgewicht-Haltende wirklich aufzulegen. So ist es nötig, daß Sie das nicht verachten, was in die Materie hineinführt und sich nicht nur sagen, das führt ja zum Schwachsinn. Im Gegenteil, derjenige, der eindringen will in die Sache, muß kühn in die Wirklichkeit vorrücken, muß sich sagen: Ich muß allerdings den Weg gehen, der, wenn er einseitig gegangen wird, zum Schwachsinn führt, aber ich bin gewappnet dagegen. Ich bin auch gewappnet dagegen, daß ich auf dem andern Wege stehenbleibe; ich bewahre mir das Nötige aus der Kindheit, bleibe aber nicht bei der Kindheitszeit stehen. — Also man muß das Gleichgewicht finden zwischen dem Materialismus und der Mystik: das ist echter Lebenssinn. Der Lebenssinn ist das Gleichgewicht zwischen Schwachsinn und Kindsköpfigkeit. Und wenn es einem nicht paßt, diese Sache zu durchschauen, so ist man eben unfähig, in die Wirklichkeit einzudringen. Menschen werden nur schwachsinnig, wenn sie nicht beachten, daß der normale Mensch Tag für Tag, Stunde für Stunde den Schwachsinn überwinden muß, der ihm immer droht, und daß er bloß Mensch bleibt, wenn er kindsköpfig, das heißt, genial bleibt. Denn wenn man im richtigen Äquilibrium die Kindsköpfigkeit bewahrt, dann ist man Genie. Man ist nur so viel Genie, als man in die Dreißigerjahre hinein die Kindsköpfigkeit bewahrt hat; aber sie muß im richtigen Äquilibrium drinnenstehen. So daß man eben sagen muß: In jedem liegt die Gefahr — ja, wie soll ich es jetzt sagen —, ein Genie zu werden oder ein Kindskopf zu bleiben. Man kann eigentlich beides sagen. Sobald man an Schwellenwahrheiten herandringt, gilt ja auch die gewöhnliche Ausdrucksweise nicht mehr; da weben die Dinge ineinander, die sonst gesondert sind. Alle Worte bekommen eine andere Bedeutung und man kann sagen, es wäre durchaus recht humorvoll, das Bild auch malerisch oder plastisch hinzustellen: Da ist die Schwelle zur geistigen Welt, hier steht der eine, und dadrüben steht der andere; der eine webt im Geistigen und der andere im Materiellen, und sie schreien sich an. Der eine aus der geistigen Welt schreit: Kindsköpfigkeit! — und der andere aus der materiellen schreit hinein: Genialität! Geradeso wie der Baum von der einen Seite anders aussieht als von der andern, so sehen die Dinge verschieden aus, je nachdem man sie ansieht vom geistigen Gesichtspunkt aus oder vom materiellen. Vom geistigen Gesichtspunkt aus muß man sprechen von Genialität, weil man sich bewahrt hat die Art des Kindes, des spielhaften Vorstellens, von Kindsköpfigkeit, weil man sieht auf das, was eben Kindsköpfigkeit ist, wenn man auf der geistigen Seite steht. Denn da sieht man die Kindsköpfigkeit anders an. Da weiß man, daß der Mensch herunterkommt von der geistigen Welt, daß er sich einlebt in einen physischen Leib, da sieht man, wie das Kind noch ungeschickt ist, wie aber in dem, was noch unentwickelt ist, schon darinnen lebt die höchste Geistigkeit.

[ 21 ] Es hat ja einige Leute, wie zum Beispiel den Tropf Dessoir besonders geärgert, wie ich in meinem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» dargestellt habe, daß die Weisheit, die an der Ausgestaltung des Gehirns im Kinde arbeitet, viel gescheiter ist als die Weisheit, die der Mensch später in seinem Leben zum Ausdruck bringt. Das können Tröpfe wie Dessoir nicht begreifen; denn für sie ist der Umfang der Weisheit der, den sie zum Ausdruck bringen, wenn sie ihre Bücher schreiben. Aber die Dinge stehen so, daß wenn man von der geistigen Seite herüber sagt: Kindsköpfigkeit —, so sieht man, wie heruntergestiegen ist als Strahl der göttlichen Wesenheit der Menschengeist, in sich innerlich voll entwickelt. Der hat sich hineinbegeben in einen noch unentwickelten Menschenleib; den hat er ergriffen, den arbeitet er durch, so daß schon nach wenigen Monaten das Gehirn etwas anderes ist, als es war, daß der ganze Leib etwas anderes wird im siebenten, im vierzehnten Jahre und so weiter. Man spricht also von Kindsköpfigkeit nicht so, daß es ein Schimpfwort ist, sondern man spricht so, daß man die Kindsköpfigkeit als das bezeichnet, was sich darstellt als Heruntersteigen des Geistes in die physische Welt, als das erste Ergreifen des Leibes, das Noch-Kindsein, das Noch-in-einer-Menschenverfassung-Sein, wo der Mensch durch die Entwickelung des übrigen Leibes, der sich ja am schnellsten entwickelt, während der Kopf am meisten Geist enthält, im Kopf noch nicht gesäubert ist vom Geist. So sieht es aus, wenn man von der übersinnlichen Seite von Kindsköpfigkeit spricht. Denn in dem kindlichen Kopf ist viel Geist und — das ist eine unbequeme Wahrheit — mit zunehmendem Alter wird der Geist immer weniger, wir werden immer petrifizierter und petrifizierter in unserem Kopf. Das Kind hat noch viel Geist. Der verdunstet allmählich. Ich darf das Wort «verdunsten» so gebrauchen, daß der Geist vom Kopf heraus verdunstet in den übrigen Organismus hinunter. Sie sehen daraus, daß es der Ausdruck eines Höchsten ist, wenn ich von Kindsköpfigkeit spreche, von jenseits der Schwelle aus gesehen, und daß es der Ausdruck eines Stehenbleibens ist, wenn ich von Kindsköpfigkeit vom irdischen Standpunkt aus spreche, Allein die Sprache der Erde und die des Himmels sind eben einmal voneinander verschieden, und das ist die Tragik unserer Zeit, daß man gar nicht die Sprache des Himmels verstehen will. Seit es üblich geworden ist zu verlangen, daß auf den Kanzeln so irdisch als möglich geredet werde, haben die Leute die Möglichkeit verloren, die Sprache vom Jenseits zu verstehen. Und dann liegt es nahe, daß, wenn man einmal in einem Zusammenhang etwas vorzubringen hat, was man selbstverständlich aus dem Zusammenhang heraus ausdrückt und sagt, nachdem man vorbereitet hat zum Beispiel das Wort vom Jenseits der Schwelle: Die Wesenheiten der geistigen Welt verdunsten nach unten —, daß dann folgendes heute vorkommen kann, Ich will etwas, was da tatsächlich vorgekommen ist, im Bilde erwähnen. Dann kann es also vorkommen, daß irgend jemand aufschreibt: Der Steiner hat gesagt, die Dinge verdunsten nicht nach oben, sondern nach unten. — Dann eignet sich das so ein Professor der Anatomie an und liest es seinem Auditorium vor, das er sich selbst präpariert hat, indem er es auffordert, mit Kindertrompeten und Ratschen zu erscheinen, wenn wirkliche Anthroposophie von einem Redner vorgetragen werden soll! Dann wird Anthroposophie vorgetragen. Nachher spricht der Professor und liest so etwas, was er sich angeeignet hat, vor, und dann fangen die Studenten an mit ihren Trompeten und mit ihren Kinderratschen, die sie sich mitgenommen haben, die wissenschaftlichen Argumente anzuwenden, die man heute in solchen Kreisen gebraucht. Das ist ein Vorgang, der sich ja wirklich in Göttingen in diesen Tagen zugetragen hat. Lesen Sie das Beiblatt, das eben gedruckt worden ist zu der neuen Nummer unserer Dreigliederungszeitung. Da werden Sie es finden.

[ 21 ] Es hat ja einige Leute, wie zum Beispiel den Tropf Dessoir besonders geärgert, wie ich in meinem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» dargestellt habe, daß die Weisheit, die an der Ausgestaltung des Gehirns im Kinde arbeitet, viel gescheiter ist als die Weisheit, die der Mensch später in seinem Leben zum Ausdruck bringt. Das können Tröpfe wie Dessoir nicht begreifen; denn für sie ist der Umfang der Weisheit der, den sie zum Ausdruck bringen, wenn sie ihre Bücher schreiben. Aber die Dinge stehen so, daß wenn man von der geistigen Seite herüber sagt: Kindsköpfigkeit —, so sieht man, wie heruntergestiegen ist als Strahl der göttlichen Wesenheit der Menschengeist, in sich innerlich voll entwickelt. Der hat sich hineinbegeben in einen noch unentwickelten Menschenleib; den hat er ergriffen, den arbeitet er durch, so daß schon nach wenigen Monaten das Gehirn etwas anderes ist, als es war, daß der ganze Leib etwas anderes wird im siebenten, im vierzehnten Jahre und so weiter. Man spricht also von Kindsköpfigkeit nicht so, daß es ein Schimpfwort ist, sondern man spricht so, daß man die Kindsköpfigkeit als das bezeichnet, was sich darstellt als Heruntersteigen des Geistes in die physische Welt, als das erste Ergreifen des Leibes, das Noch-Kindsein, das Noch-in-einer-Menschenverfassung-Sein, wo der Mensch durch die Entwickelung des übrigen Leibes, der sich ja am schnellsten entwickelt, während der Kopf am meisten Geist enthält, im Kopf noch nicht gesäubert ist vom Geist. So sieht es aus, wenn man von der übersinnlichen Seite von Kindsköpfigkeit spricht. Denn in dem kindlichen Kopf ist viel Geist und — das ist eine unbequeme Wahrheit — mit zunehmendem Alter wird der Geist immer weniger, wir werden immer petrifizierter und petrifizierter in unserem Kopf. Das Kind hat noch viel Geist. Der verdunstet allmählich. Ich darf das Wort «verdunsten» so gebrauchen, daß der Geist vom Kopf heraus verdunstet in den übrigen Organismus hinunter. Sie sehen daraus, daß es der Ausdruck eines Höchsten ist, wenn ich von Kindsköpfigkeit spreche, von jenseits der Schwelle aus gesehen, und daß es der Ausdruck eines Stehenbleibens ist, wenn ich von Kindsköpfigkeit vom irdischen Standpunkt aus spreche, Allein die Sprache der Erde und die des Himmels sind eben einmal voneinander verschieden, und das ist die Tragik unserer Zeit, daß man gar nicht die Sprache des Himmels verstehen will. Seit es üblich geworden ist zu verlangen, daß auf den Kanzeln so irdisch als möglich geredet werde, haben die Leute die Möglichkeit verloren, die Sprache vom Jenseits zu verstehen. Und dann liegt es nahe, daß, wenn man einmal in einem Zusammenhang etwas vorzubringen hat, was man selbstverständlich aus dem Zusammenhang heraus ausdrückt und sagt, nachdem man vorbereitet hat zum Beispiel das Wort vom Jenseits der Schwelle: Die Wesenheiten der geistigen Welt verdunsten nach unten —, daß dann folgendes heute vorkommen kann, Ich will etwas, was da tatsächlich vorgekommen ist, im Bilde erwähnen. Dann kann es also vorkommen, daß irgend jemand aufschreibt: Der Steiner hat gesagt, die Dinge verdunsten nicht nach oben, sondern nach unten. — Dann eignet sich das so ein Professor der Anatomie an und liest es seinem Auditorium vor, das er sich selbst präpariert hat, indem er es auffordert, mit Kindertrompeten und Ratschen zu erscheinen, wenn wirkliche Anthroposophie von einem Redner vorgetragen werden soll! Dann wird Anthroposophie vorgetragen. Nachher spricht der Professor und liest so etwas, was er sich angeeignet hat, vor, und dann fangen die Studenten an mit ihren Trompeten und mit ihren Kinderratschen, die sie sich mitgenommen haben, die wissenschaftlichen Argumente anzuwenden, die man heute in solchen Kreisen gebraucht. Das ist ein Vorgang, der sich ja wirklich in Göttingen in diesen Tagen zugetragen hat. Lesen Sie das Beiblatt, das eben gedruckt worden ist zu der neuen Nummer unserer Dreigliederungszeitung. Da werden Sie es finden.

[ 22 ] Wir leben durchaus in einer ernsten Zeit, und deshalb möchte ich das, was ich heute an Tönen angeschlagen habe, indem ich Ihnen charakterisiert habe, wie der Materialismus auf der einen Seite und die Mystik auf der andern Seite in Wahrheit erscheinen, am Freitag fortsetzen, indem ich Ihnen zeigen werde, was unsere Aufgaben sind. Denn heute sind eben unsere Aufgaben nicht, uns zusammenzusetzen in sektiererischen Kreisen, sondern lebendig einzugreifen in die Vorgänge des Lebens und einzuführen dasjenige, was anthroposophische Impulse sind, in das ganze Kulturleben der Gegenwart. Heute dürfen wir nicht, wenn wir unsere Zeitaufgabe verstehen, einseitig Materialisten oder Mystiker bleiben, wir müssen den Weg zur Wirklichkeit antreten, wie ich ihn zu charakterisieren versuchte in dem kleinen Schriftchen, das durch die Bemühungen des Herrn Molt gedruckt worden ist für diejenigen, die draußen im Felde etwas erfahren sollten vom anthroposophischen Geist. Das muß man sich immer vor Augen führen, daß wir heute in einer ernsten Zeit drinnenstehen und daß wir uns ihr nur gewachsen fühlen, wenn wir an uns herankommen lassen dasjenige, was nicht einmal mehr berechtigt genannt werden kann in den alten Sprachformen, sondern was uns in die Notwendigkeit versetzt, selbst neue Sprachformen zu finden, wenn es zu heutiger Wahrheit kommen soll. Die Erkenntnis darf nicht stehenbleiben beim Spintisieren, die Erkenntnis muß zur Tat werden. Dann werden wir als Menschheit nicht in den Untergang des Abendlandes hineinsegeln, sondern wir werden wiederum einen Aufgang finden. Aber solange sich der Materialismus der Symbole der Kindsköpfigkeit — der Trommeln und Ratschen bedient, um die Anthroposophie zu widerlegen, also solange sich der Materialismus der Kindsköpfigkeit und die Mystik sich des Materialismus bedient, indem man möglichst materielle Vorgänge als Geistiges auffrisieren will, so lange wird man in den Untergang des Abendlandes mit aller Macht hineinsegeln. Es handelt sich hier nicht um eine spintisierende Frage, sondern um eine wirkliche Tatfrage.

[ 22 ] Wir leben durchaus in einer ernsten Zeit, und deshalb möchte ich das, was ich heute an Tönen angeschlagen habe, indem ich Ihnen charakterisiert habe, wie der Materialismus auf der einen Seite und die Mystik auf der andern Seite in Wahrheit erscheinen, am Freitag fortsetzen, indem ich Ihnen zeigen werde, was unsere Aufgaben sind. Denn heute sind eben unsere Aufgaben nicht, uns zusammenzusetzen in sektiererischen Kreisen, sondern lebendig einzugreifen in die Vorgänge des Lebens und einzuführen dasjenige, was anthroposophische Impulse sind, in das ganze Kulturleben der Gegenwart. Heute dürfen wir nicht, wenn wir unsere Zeitaufgabe verstehen, einseitig Materialisten oder Mystiker bleiben, wir müssen den Weg zur Wirklichkeit antreten, wie ich ihn zu charakterisieren versuchte in dem kleinen Schriftchen, das durch die Bemühungen des Herrn Molt gedruckt worden ist für diejenigen, die draußen im Felde etwas erfahren sollten vom anthroposophischen Geist. Das muß man sich immer vor Augen führen, daß wir heute in einer ernsten Zeit drinnenstehen und daß wir uns ihr nur gewachsen fühlen, wenn wir an uns herankommen lassen dasjenige, was nicht einmal mehr berechtigt genannt werden kann in den alten Sprachformen, sondern was uns in die Notwendigkeit versetzt, selbst neue Sprachformen zu finden, wenn es zu heutiger Wahrheit kommen soll. Die Erkenntnis darf nicht stehenbleiben beim Spintisieren, die Erkenntnis muß zur Tat werden. Dann werden wir als Menschheit nicht in den Untergang des Abendlandes hineinsegeln, sondern wir werden wiederum einen Aufgang finden. Aber solange sich der Materialismus der Symbole der Kindsköpfigkeit — der Trommeln und Ratschen bedient, um die Anthroposophie zu widerlegen, also solange sich der Materialismus der Kindsköpfigkeit und die Mystik sich des Materialismus bedient, indem man möglichst materielle Vorgänge als Geistiges auffrisieren will, so lange wird man in den Untergang des Abendlandes mit aller Macht hineinsegeln. Es handelt sich hier nicht um eine spintisierende Frage, sondern um eine wirkliche Tatfrage.