Contrasts in Human Development
GA 197
22 November 1920, Stuttgart
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Gegensätze in der Menschheitsentwickelung
Elfter Vortrag
Elfter Vortrag
[ 1 ] Wir wollen uns heute an einiges uns längst Bekanntes erinnern, um daran wichtige Betrachtungen zu knüpfen, welche in einem gewissen Sinn das vor einigen Tagen hier Entwickelte fortsetzen können.
[ 1 ] Wir wollen uns heute an einiges uns längst Bekanntes erinnern, um daran wichtige Betrachtungen zu knüpfen, welche in einem gewissen Sinn das vor einigen Tagen hier Entwickelte fortsetzen können.
[ 2 ] Wir wissen, der Mensch ist ein viergliedriges Wesen, und wir charakterisieren ihn, indem wir sprechen von seinem physischen Leib, von seinem Lebensleibe, von seinem astralischen Leibe oder Empfindungsleibe und von seinem Ich. Wir wissen aber auch, daß wir den Menschen nur voll begreifen, wenn wir zu diesen Gliedern, die ja im wesentlichen dasjenige ausmachen, was jetzt am Menschen entwickelt ist, andere noch hinzufügen, die Ihnen ja bekannt sind als das Geistselbst, der Lebensgeist und der Geistesmensch. Wir wissen aber auch, daß diese letzteren drei Glieder der menschlichen Natur nicht solche sind, daß wir von ihnen als von in der gegenwärtigen Zeit fertig abgeschlossenen sprechen können. Wir können von ihnen nur sprechen als von etwas, was der Mensch gewissermaßen als seine Entwickelungsmöglichkeit in sich trägt und das er in der Zukunft entfalten wird.
[ 2 ] Wir wissen, der Mensch ist ein viergliedriges Wesen, und wir charakterisieren ihn, indem wir sprechen von seinem physischen Leib, von seinem Lebensleibe, von seinem astralischen Leibe oder Empfindungsleibe und von seinem Ich. Wir wissen aber auch, daß wir den Menschen nur voll begreifen, wenn wir zu diesen Gliedern, die ja im wesentlichen dasjenige ausmachen, was jetzt am Menschen entwickelt ist, andere noch hinzufügen, die Ihnen ja bekannt sind als das Geistselbst, der Lebensgeist und der Geistesmensch. Wir wissen aber auch, daß diese letzteren drei Glieder der menschlichen Natur nicht solche sind, daß wir von ihnen als von in der gegenwärtigen Zeit fertig abgeschlossenen sprechen können. Wir können von ihnen nur sprechen als von etwas, was der Mensch gewissermaßen als seine Entwickelungsmöglichkeit in sich trägt und das er in der Zukunft entfalten wird.
[ 3 ] Man kann sagen, ebenso wie wir an uns haben einen physischen Leib und so weiter bis hinauf zum Ich, so werden wir dereinst haben ein Geistselbst, einen Lebensgeist, einen Geistesmenschen. Wir wissen aus den Darstellungen, die ja längst in unserer Literatur vorliegen, wie dasjenige, was wir so als die Gliederung des Menschen betrachten, zusammenhängt mit dem ganzen Kosmos und seiner Entwickelung. Wir beziehen in einer gewissen Weise dasjenige, was als physischer Leib an uns ist, auf eine älteste Verkörperung unserer Erde, die wir den alten Saturn nennen. Wir beziehen den Lebensleib auf die alte Sonne, den Astralleib auf den alten Mond, und dasjenige, was wir als unser Ich bezeichnen, im wesentlichen auf unsere gegenwärtige Erde.
[ 3 ] Man kann sagen, ebenso wie wir an uns haben einen physischen Leib und so weiter bis hinauf zum Ich, so werden wir dereinst haben ein Geistselbst, einen Lebensgeist, einen Geistesmenschen. Wir wissen aus den Darstellungen, die ja längst in unserer Literatur vorliegen, wie dasjenige, was wir so als die Gliederung des Menschen betrachten, zusammenhängt mit dem ganzen Kosmos und seiner Entwickelung. Wir beziehen in einer gewissen Weise dasjenige, was als physischer Leib an uns ist, auf eine älteste Verkörperung unserer Erde, die wir den alten Saturn nennen. Wir beziehen den Lebensleib auf die alte Sonne, den Astralleib auf den alten Mond, und dasjenige, was wir als unser Ich bezeichnen, im wesentlichen auf unsere gegenwärtige Erde.
[ 4 ] Was heißt das eigentlich: Wir beziehen das Ich, das wir an uns tragen, auf unsere gegenwärtige Erde? Das heißt: In dem, was wir als Elemente der Erde, als Kräfte der Erde und so weiter erkennen oder auch nicht erkennen —, in dem liegt dasjenige, was in uns anregt das Ich. Unser Ich hängt innig zusammen mit den Kräften der Erde.
[ 4 ] Was heißt das eigentlich: Wir beziehen das Ich, das wir an uns tragen, auf unsere gegenwärtige Erde? Das heißt: In dem, was wir als Elemente der Erde, als Kräfte der Erde und so weiter erkennen oder auch nicht erkennen —, in dem liegt dasjenige, was in uns anregt das Ich. Unser Ich hängt innig zusammen mit den Kräften der Erde.
[ 5 ] Wenn Sie die ganze Evolution, diese ganze Entwickelung des Menschen betrachten, so werden Sie finden, daß unser heutiges Menschenwesen zum größten Teil in die Vergangenheit hineinweist, unser physischer Leib in eine längst verflossene Vorzeit, in die alte Saturnzeit, unser Lebensleib in die alte Sonnenzeit und so weiter, daß unser Ich zwar noch nicht voll entwickelt ist, aber daß es in seiner eigentlichen Wesenheit auf das Gegenwärtig-Irdische hinweist. Damit ist aber schon der Hinweis darauf gegeben, daß dasjenige, was wir als Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen bezeichnen, eigentlich in dem Irdischen selbst nicht begründet ist, daß, indem wir als Mensch die Entwickelungsmöglichkeit zum Geistesmenschen, zum Lebensgeist, zum Geistselbst in uns tragen, wir damit etwas in uns tragen, was wir über das Irdische hinausentwickeln müssen, was wir so entwickeln müssen, daß uns dazu das Irdische keine Anleitung gibt. Wir stehen gewissermaßen als Mensch auf der Erde und wir sollen auf dieser Erde zunächst unser Ich voll entwickeln, haben es schon bis zu einem gewissen Grade entwickelt. Indem wir es bis zu einem gewissen Grade entwickelt haben, haben uns die Kräfte, das Wesenhafte der Erde die Anleitung dazu gegeben. Was wir noch durch den Rest der Erdenentwickelung hier entfalten werden, eine gewisse Vertiefung, eine gewisse Verstärkung des Ich, das werden wir der Erde und ihren Kräften verdanken. Aber wir müssen uns auch sagen: Wenn wir bloß der Erde und ihren Kräften unser menschliches Wesen verdanken wollten, dann könnten wir niemals einen Geistesmenschen, einen Lebensgeist und ein Geistselbst entwickeln. Denn das kann die Erde nicht hergeben. Sie kann uns nur anregen zur Ich-Entwickelung. Wir müssen daher die Erde in bezug auf den Menschen als etwas betrachten, was uns von sich aus nicht zum Vollmenschen machen kann. Wir stehen auf der Erde und müssen über die Erde hinaus. Das ist ja auch angedeutet in unserer Literatur, indem darauf hingewiesen ist, wie die Erde abgelöst werden muß für unsere Entwickelung durch eine spätere Jupiter-‚Venus- und Vulkanzeit. Während dieser Zeiträume werden wir auch äußerlich voll zu entwickeln haben das Geistselbst, den Lebensgeist, den Geistesmenschen.
[ 5 ] Wenn Sie die ganze Evolution, diese ganze Entwickelung des Menschen betrachten, so werden Sie finden, daß unser heutiges Menschenwesen zum größten Teil in die Vergangenheit hineinweist, unser physischer Leib in eine längst verflossene Vorzeit, in die alte Saturnzeit, unser Lebensleib in die alte Sonnenzeit und so weiter, daß unser Ich zwar noch nicht voll entwickelt ist, aber daß es in seiner eigentlichen Wesenheit auf das Gegenwärtig-Irdische hinweist. Damit ist aber schon der Hinweis darauf gegeben, daß dasjenige, was wir als Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen bezeichnen, eigentlich in dem Irdischen selbst nicht begründet ist, daß, indem wir als Mensch die Entwickelungsmöglichkeit zum Geistesmenschen, zum Lebensgeist, zum Geistselbst in uns tragen, wir damit etwas in uns tragen, was wir über das Irdische hinausentwickeln müssen, was wir so entwickeln müssen, daß uns dazu das Irdische keine Anleitung gibt. Wir stehen gewissermaßen als Mensch auf der Erde und wir sollen auf dieser Erde zunächst unser Ich voll entwickeln, haben es schon bis zu einem gewissen Grade entwickelt. Indem wir es bis zu einem gewissen Grade entwickelt haben, haben uns die Kräfte, das Wesenhafte der Erde die Anleitung dazu gegeben. Was wir noch durch den Rest der Erdenentwickelung hier entfalten werden, eine gewisse Vertiefung, eine gewisse Verstärkung des Ich, das werden wir der Erde und ihren Kräften verdanken. Aber wir müssen uns auch sagen: Wenn wir bloß der Erde und ihren Kräften unser menschliches Wesen verdanken wollten, dann könnten wir niemals einen Geistesmenschen, einen Lebensgeist und ein Geistselbst entwickeln. Denn das kann die Erde nicht hergeben. Sie kann uns nur anregen zur Ich-Entwickelung. Wir müssen daher die Erde in bezug auf den Menschen als etwas betrachten, was uns von sich aus nicht zum Vollmenschen machen kann. Wir stehen auf der Erde und müssen über die Erde hinaus. Das ist ja auch angedeutet in unserer Literatur, indem darauf hingewiesen ist, wie die Erde abgelöst werden muß für unsere Entwickelung durch eine spätere Jupiter-‚Venus- und Vulkanzeit. Während dieser Zeiträume werden wir auch äußerlich voll zu entwickeln haben das Geistselbst, den Lebensgeist, den Geistesmenschen.
[ 6 ] Aber wir sind einmal mit unserem gegenwärtigen Dasein auf der Erde. Wir müssen uns auf der Erde entwickeln. Wir können nicht alles, was wir in uns entwickeln müssen, damit wir in die Zukunft hinüberkommen zum Geistselbst, zum Lebensgeist, zum Geistesmenschen, von der Erde nehmen. Würden wir alles, was wir in uns entfalten können, nur von der Erde nehmen müssen, dann müßten wir ja verzichten auf die Entfaltung des Geistselbst, des Lebensgeistes, des Geistesmenschen.
[ 6 ] Aber wir sind einmal mit unserem gegenwärtigen Dasein auf der Erde. Wir müssen uns auf der Erde entwickeln. Wir können nicht alles, was wir in uns entwickeln müssen, damit wir in die Zukunft hinüberkommen zum Geistselbst, zum Lebensgeist, zum Geistesmenschen, von der Erde nehmen. Würden wir alles, was wir in uns entfalten können, nur von der Erde nehmen müssen, dann müßten wir ja verzichten auf die Entfaltung des Geistselbst, des Lebensgeistes, des Geistesmenschen.
[ 7 ] Das ist theoretisch wiederum leicht ausgesprochen, aber solche Gedanken genügen nicht in ihrer bloß theoretischen Fassung. Sie ergreifen uns nur richtig als Menschen, wenn wir unseren ganzen Menschen von ihnen erfassen lassen, wenn wir gewissermaßen die ganze Schwere des Rätsels auf uns lasten fühlen, die darin besteht, daß wir uns sagen müssen: Wir Menschen stehen auf der Erde, wir blicken um uns. Aus dem, was uns die Erde geben kann mit ihren Schönheiten, auch mit ihren Häßlichkeiten, mit ihren Schmerzen und Leiden, mit alledem, was sie für uns als Schicksal zimmern kann, aus alledem können wir nicht dasjenige entnehmen, was uns zum Vollmenschen macht. Wir müssen eine Sehnsucht in uns tragen, die über dasjenige hinausreicht, was uns die Erde geben kann. Das muß gefühlt werden, das muß gewissermaßen alles, was wir nur an Idealen in uns tragen können, durchleuchten und durchwärmen können. Wir müssen uns ganz im Ernste und tief fragen können: Was machen wir als Menschen, da wir doch nur die Erde um uns herum haben und uns zu etwas entwickeln müssen, wozu uns die Erde selbst keine Anregung geben kann? Wir müssen die ganze Schwere dieser Frage empfinden können, erleben können. Wir müssen gewissermaßen uns schon sagen können, wie die Erde für uns ein Ungenügendes ist, wie wir genötigt sind, als Menschen über das Irdische hinauszuwachsen.
[ 7 ] Das ist theoretisch wiederum leicht ausgesprochen, aber solche Gedanken genügen nicht in ihrer bloß theoretischen Fassung. Sie ergreifen uns nur richtig als Menschen, wenn wir unseren ganzen Menschen von ihnen erfassen lassen, wenn wir gewissermaßen die ganze Schwere des Rätsels auf uns lasten fühlen, die darin besteht, daß wir uns sagen müssen: Wir Menschen stehen auf der Erde, wir blicken um uns. Aus dem, was uns die Erde geben kann mit ihren Schönheiten, auch mit ihren Häßlichkeiten, mit ihren Schmerzen und Leiden, mit alledem, was sie für uns als Schicksal zimmern kann, aus alledem können wir nicht dasjenige entnehmen, was uns zum Vollmenschen macht. Wir müssen eine Sehnsucht in uns tragen, die über dasjenige hinausreicht, was uns die Erde geben kann. Das muß gefühlt werden, das muß gewissermaßen alles, was wir nur an Idealen in uns tragen können, durchleuchten und durchwärmen können. Wir müssen uns ganz im Ernste und tief fragen können: Was machen wir als Menschen, da wir doch nur die Erde um uns herum haben und uns zu etwas entwickeln müssen, wozu uns die Erde selbst keine Anregung geben kann? Wir müssen die ganze Schwere dieser Frage empfinden können, erleben können. Wir müssen gewissermaßen uns schon sagen können, wie die Erde für uns ein Ungenügendes ist, wie wir genötigt sind, als Menschen über das Irdische hinauszuwachsen.
[ 8 ] Anthroposophie wird eben durchaus nur dasjenige dem Menschen sein können, was sie sein soll, wenn er in der Lage ist, sich solche Fragen gefühlsmäßig als innere Schicksalsfragen zu stellen, wenn er die Schwere solcher Fragen empfinden kann. Und empfindet man diese Schwere, dann kann man in der rechten Weise zurückgelenkt werden auf dasjenige, was unsere beiden letzten Betrachtungen durchzogen hat. Man kann zurückgelenkt werden auf das Mysterium von Golgatha und man kann zurückgelenkt werden auf dasjenige, was sich wie eine Vergeistigung des Mysteriums von Golgatha in unserem Jahrhundert, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewissermaßen wiederholen soll. Denn wir mußten ja immer betonen, wenn wir eingingen auf das Mysterium von Golgatha, daß die Christus-Wesenheit nichts Irdisches ist, daß sie gewissermaßen im rechten Moment aus Außerirdischem in einen irdischen Leib hineingezogen ist, daß mit der Christus-Wesenheit sich etwas verbunden hat mit der Erde, was außerirdisch, überirdisch ist. Und mit diesem Außerirdischen, Überirdischen, mit dem wir unser eigenes Wesen verbinden können, haben wir, wenn wir den Christus richtig erleben, ein Kraftelement, ein Element der inneren Stärkung, der inneren Durchwärmung und Durchleuchtung, das uns hinausführt über das Irdische, weil es selbst nicht dem Irdischen entnommen ist, weil der Christus aus Außerirdischem in die Erde hereingekommen ist.
[ 8 ] Anthroposophie wird eben durchaus nur dasjenige dem Menschen sein können, was sie sein soll, wenn er in der Lage ist, sich solche Fragen gefühlsmäßig als innere Schicksalsfragen zu stellen, wenn er die Schwere solcher Fragen empfinden kann. Und empfindet man diese Schwere, dann kann man in der rechten Weise zurückgelenkt werden auf dasjenige, was unsere beiden letzten Betrachtungen durchzogen hat. Man kann zurückgelenkt werden auf das Mysterium von Golgatha und man kann zurückgelenkt werden auf dasjenige, was sich wie eine Vergeistigung des Mysteriums von Golgatha in unserem Jahrhundert, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewissermaßen wiederholen soll. Denn wir mußten ja immer betonen, wenn wir eingingen auf das Mysterium von Golgatha, daß die Christus-Wesenheit nichts Irdisches ist, daß sie gewissermaßen im rechten Moment aus Außerirdischem in einen irdischen Leib hineingezogen ist, daß mit der Christus-Wesenheit sich etwas verbunden hat mit der Erde, was außerirdisch, überirdisch ist. Und mit diesem Außerirdischen, Überirdischen, mit dem wir unser eigenes Wesen verbinden können, haben wir, wenn wir den Christus richtig erleben, ein Kraftelement, ein Element der inneren Stärkung, der inneren Durchwärmung und Durchleuchtung, das uns hinausführt über das Irdische, weil es selbst nicht dem Irdischen entnommen ist, weil der Christus aus Außerirdischem in die Erde hereingekommen ist.
[ 9 ] Wenn wir sehnsüchtig nach etwas Außerirdischem blicken, weil wir uns sagen müssen: Um Vollmensch zu werden, um alles dasjenige in uns zu entfalten, was wir als Geistselbst, als Lebensgeist, als Geistesmensch in der Zukunft entwickeln müssen, wenn wir also sehnsüchtig hinblicken über die Erde und uns sagen, da ist im Irdischen selbst alles dasjenige nicht, was uns zu diesem Überirdischen in unserer eigenen Wesenheit anregen könnte, dann müssen wir vom Irdischen hinweg zu dem blicken, was aus Außerirdischem in das Irdische hineingekommen ist. Da müssen wir zu dem Christus blicken und uns sagen: Der Christus hat uns diejenigen nichtirdischen Kräfte in die Erde hereingebracht, welche uns anregen können, das zu entwickeln, wozu uns die Erde selbst niemals anregen kann. Und wir müssen dasjenige, was uns zunächst mehr in Begriffen, in Ideen entgegentritt, mit unserem ganzen Menschen erfassen. Wir müssen damit den Christus erkennen lernen als den Retter unseres Menschentums. Wir müssen ihn erkennen lernen als diejenige Wesenheit, welche es möglich macht, daß wir nicht, so könnte man sagen, mit dem Irdischen vereinigt zu bleiben brauchen, daß wir nicht gewissermaßen auf der Erde für alle Ewigkeit begraben werden und das, was in uns sich entwickeln könnte über die Erde hinaus, unentwickelt bleiben müßte. Wenn wir so den Christus als den Retter unseres Menschenwesens betrachten können, wenn wir fühlen können aus der Beschaffenheit der Erde, daß wir innerhalb dieses Irdischen etwas haben müssen, das uns aus dem Irdischen hinausführt, wenn wir ihn als den Führer zu unserem vollen Menschentum fühlen, dann fühlen wir die Christus-Kraft in uns. Und wir sollen eigentlich erkennen, daß wir niemals im Ernste reden können von unserer Entwickelung zum Geistselbst, zum Lebensgeist, zum Geistesmenschen, ohne daß wir uns bewußt werden: Über diese Dinge zu reden hat nur einen Sinn, wenn wir an den Christus appellieren, weil der Christus dasjenige ist, was mehr in uns entwickeln kann, als die Erde uns geben kann.
[ 9 ] Wenn wir sehnsüchtig nach etwas Außerirdischem blicken, weil wir uns sagen müssen: Um Vollmensch zu werden, um alles dasjenige in uns zu entfalten, was wir als Geistselbst, als Lebensgeist, als Geistesmensch in der Zukunft entwickeln müssen, wenn wir also sehnsüchtig hinblicken über die Erde und uns sagen, da ist im Irdischen selbst alles dasjenige nicht, was uns zu diesem Überirdischen in unserer eigenen Wesenheit anregen könnte, dann müssen wir vom Irdischen hinweg zu dem blicken, was aus Außerirdischem in das Irdische hineingekommen ist. Da müssen wir zu dem Christus blicken und uns sagen: Der Christus hat uns diejenigen nichtirdischen Kräfte in die Erde hereingebracht, welche uns anregen können, das zu entwickeln, wozu uns die Erde selbst niemals anregen kann. Und wir müssen dasjenige, was uns zunächst mehr in Begriffen, in Ideen entgegentritt, mit unserem ganzen Menschen erfassen. Wir müssen damit den Christus erkennen lernen als den Retter unseres Menschentums. Wir müssen ihn erkennen lernen als diejenige Wesenheit, welche es möglich macht, daß wir nicht, so könnte man sagen, mit dem Irdischen vereinigt zu bleiben brauchen, daß wir nicht gewissermaßen auf der Erde für alle Ewigkeit begraben werden und das, was in uns sich entwickeln könnte über die Erde hinaus, unentwickelt bleiben müßte. Wenn wir so den Christus als den Retter unseres Menschenwesens betrachten können, wenn wir fühlen können aus der Beschaffenheit der Erde, daß wir innerhalb dieses Irdischen etwas haben müssen, das uns aus dem Irdischen hinausführt, wenn wir ihn als den Führer zu unserem vollen Menschentum fühlen, dann fühlen wir die Christus-Kraft in uns. Und wir sollen eigentlich erkennen, daß wir niemals im Ernste reden können von unserer Entwickelung zum Geistselbst, zum Lebensgeist, zum Geistesmenschen, ohne daß wir uns bewußt werden: Über diese Dinge zu reden hat nur einen Sinn, wenn wir an den Christus appellieren, weil der Christus dasjenige ist, was mehr in uns entwickeln kann, als die Erde uns geben kann.
[ 10 ] Das ist im Grunde genommen auch die große Frage der Gegenwart. Ein großer Teil gerade der zivilisierten Menschheit der Gegenwart möchte das Irdische gestalten in einer gewissen Weise; er möchte, daß alles dasjenige, was den Menschen werden kann, durch irgendwelche sozialen Konfigurationen des irdischen Lebens selbst erreicht werden könne. Das wird aber niemals sein können. Wir werden niemals ein solches Staats- oder Wirtschaftsleben oder selbst ein Geistesleben auf der Erde entwickeln können, das nur irdisch wäre und das uns zum Vollmenschen machen könnte. Wir leben eben in der Gegenwart noch in einem Zeitpunkte, wo die Menschen solches glauben können, wo sie solches versuchen, wo sie nicht einsehen, daß in uns etwas liegt, das nur durch ein Überirdisches entwickelt werden kann.
[ 10 ] Das ist im Grunde genommen auch die große Frage der Gegenwart. Ein großer Teil gerade der zivilisierten Menschheit der Gegenwart möchte das Irdische gestalten in einer gewissen Weise; er möchte, daß alles dasjenige, was den Menschen werden kann, durch irgendwelche sozialen Konfigurationen des irdischen Lebens selbst erreicht werden könne. Das wird aber niemals sein können. Wir werden niemals ein solches Staats- oder Wirtschaftsleben oder selbst ein Geistesleben auf der Erde entwickeln können, das nur irdisch wäre und das uns zum Vollmenschen machen könnte. Wir leben eben in der Gegenwart noch in einem Zeitpunkte, wo die Menschen solches glauben können, wo sie solches versuchen, wo sie nicht einsehen, daß in uns etwas liegt, das nur durch ein Überirdisches entwickelt werden kann.
[ 11 ] Zunächst erschien in der Zeit, die ich Ihnen ja ihrer inneren Wesenheit nach von den verschiedensten Gesichtspunkten aus bisher schon charakterisiert habe, der Christus Jesus in einem physischen Leibe. Jetzt stehen wir in dem Zeitalter, wo er gewissermaßen in übersinnlicher Gestalt dem Menschen wieder erscheinen soll, in der Gestalt, von der ich auch das letzte Mal wiederum gesprochen habe. Selbstverständlich können wir auch heute nicht das ganze erneuerte Mysterium von Golgatha erschöpfend behandeln, aber wir wollen von einem gewissen Gesichtspunkte aus auf dieses Mysterium von Golgatha wiederum hinweisen.
[ 11 ] Zunächst erschien in der Zeit, die ich Ihnen ja ihrer inneren Wesenheit nach von den verschiedensten Gesichtspunkten aus bisher schon charakterisiert habe, der Christus Jesus in einem physischen Leibe. Jetzt stehen wir in dem Zeitalter, wo er gewissermaßen in übersinnlicher Gestalt dem Menschen wieder erscheinen soll, in der Gestalt, von der ich auch das letzte Mal wiederum gesprochen habe. Selbstverständlich können wir auch heute nicht das ganze erneuerte Mysterium von Golgatha erschöpfend behandeln, aber wir wollen von einem gewissen Gesichtspunkte aus auf dieses Mysterium von Golgatha wiederum hinweisen.
[ 12 ] In den letzten Jahrhunderten, seit dem Beginn der fünften nachatlantischen Erdenperiode ist ganz besonders stark geworden unter den Menschen der neueren zivilisierten Welt das wissenschaftliche Element und alles dasjenige, was mit diesem wissenschaftlichen Element zusammenhängt, was ich neulich in einem öffentlichen Vortrage den «Wissenschaftsgeist des Westens» genannt habe. Dieser Wissenschaftsgeist des Westens ist zunächst heraufgezogen ganz ohne Beziehung zu der Christus-Wesenheit. Wer unbefangen und ehrlich diese neuere Wissenschaft durchschaut, der wird nicht finden können, daß in ihr eine eigentliche Beziehung zur Christus-Wesenheit ist. Der beste Beweis dafür ist ja das Folgende: Das Christentum hat sich zunächst, wie ich Ihnen auseinandergesetzt habe, in einer Zeit in die Erdenentwickelung hineinbegeben, in der noch Reste alten Hellsehens vorhanden waren, und es ist verstanden worden von den Menschen mit den Resten dieses alten Hellsehens. Es hat sich dann als Tradition erhalten. Es ist immer mehr und mehr zu Begriffen verdünnt worden, aber es hat sich als Tradition erhalten. Es ist sogar zuletzt bloß eine Wortweisheit geworden, aber eben, es hat sich als Tradition erhalten. Aber dann ist dazugetreten in den letzten drei bis vier Jahrhunderten der Geist der Wissenschaft. Dieser Geist der Wissenschaft trat nun auch heran zum Beispiel an die Evangelien. Die Evangelien wurden von zahlreichen Menschen und werden noch heute von zahlreichen Menschen als dasjenige verehrt, das ihnen die Geheimnisse von Golgatha vermittelt. Aber dasjenige, was Wissenschaftsgeist der neueren Zeit ist, das ist insbesondere im 19. Jahrhundert an diese Evangelien herangetreten und hat Widerspruch über Widerspruch in den Evangelien entdeckt, hat sie nicht verstehen können, hat sie in seiner Weise ausgelegt. Und jetzt ist im Grunde genommen durch diese wissenschaftliche Durchdringung der Evangelien das Christus-gemäße dieser Evangelien gerade für die modernste Theologie aufgelöst. Es ist nicht mehr da. Innerhalb dieser modernen Theologie kann nur davon gesprochen werden, daß die Evangelien irgend etwas über den Christus enthalten, wenn man nicht ganz ehrlich ist, wenn man nicht ganz wahr ist, oder wenn man allerlei einander widersprechenide Begriffe konstruiert. Man kann schon sagen: Der moderne Wissenschaftsgeist hat dasjenige zerstört, was der Geist des Christentums war, der noch aus den Resten alten Hellsehens bestanden hat, der sich auch in der Tradition durch die Reste alten Hellsehens fortgepflanzt hat. Denn dieser moderne Wissenschaftsgeist war zunächst nicht durchtränkt von dem Christus-Geist. Durchtränkt von dem Christus-Geist kann erst wiederum sein die Wissenschaft, die verlebendigt wird durch das Schauen, durch dasjenige, wonach die moderne Geisteswissenschaft strebt.
[ 12 ] In den letzten Jahrhunderten, seit dem Beginn der fünften nachatlantischen Erdenperiode ist ganz besonders stark geworden unter den Menschen der neueren zivilisierten Welt das wissenschaftliche Element und alles dasjenige, was mit diesem wissenschaftlichen Element zusammenhängt, was ich neulich in einem öffentlichen Vortrage den «Wissenschaftsgeist des Westens» genannt habe. Dieser Wissenschaftsgeist des Westens ist zunächst heraufgezogen ganz ohne Beziehung zu der Christus-Wesenheit. Wer unbefangen und ehrlich diese neuere Wissenschaft durchschaut, der wird nicht finden können, daß in ihr eine eigentliche Beziehung zur Christus-Wesenheit ist. Der beste Beweis dafür ist ja das Folgende: Das Christentum hat sich zunächst, wie ich Ihnen auseinandergesetzt habe, in einer Zeit in die Erdenentwickelung hineinbegeben, in der noch Reste alten Hellsehens vorhanden waren, und es ist verstanden worden von den Menschen mit den Resten dieses alten Hellsehens. Es hat sich dann als Tradition erhalten. Es ist immer mehr und mehr zu Begriffen verdünnt worden, aber es hat sich als Tradition erhalten. Es ist sogar zuletzt bloß eine Wortweisheit geworden, aber eben, es hat sich als Tradition erhalten. Aber dann ist dazugetreten in den letzten drei bis vier Jahrhunderten der Geist der Wissenschaft. Dieser Geist der Wissenschaft trat nun auch heran zum Beispiel an die Evangelien. Die Evangelien wurden von zahlreichen Menschen und werden noch heute von zahlreichen Menschen als dasjenige verehrt, das ihnen die Geheimnisse von Golgatha vermittelt. Aber dasjenige, was Wissenschaftsgeist der neueren Zeit ist, das ist insbesondere im 19. Jahrhundert an diese Evangelien herangetreten und hat Widerspruch über Widerspruch in den Evangelien entdeckt, hat sie nicht verstehen können, hat sie in seiner Weise ausgelegt. Und jetzt ist im Grunde genommen durch diese wissenschaftliche Durchdringung der Evangelien das Christus-gemäße dieser Evangelien gerade für die modernste Theologie aufgelöst. Es ist nicht mehr da. Innerhalb dieser modernen Theologie kann nur davon gesprochen werden, daß die Evangelien irgend etwas über den Christus enthalten, wenn man nicht ganz ehrlich ist, wenn man nicht ganz wahr ist, oder wenn man allerlei einander widersprechenide Begriffe konstruiert. Man kann schon sagen: Der moderne Wissenschaftsgeist hat dasjenige zerstört, was der Geist des Christentums war, der noch aus den Resten alten Hellsehens bestanden hat, der sich auch in der Tradition durch die Reste alten Hellsehens fortgepflanzt hat. Denn dieser moderne Wissenschaftsgeist war zunächst nicht durchtränkt von dem Christus-Geist. Durchtränkt von dem Christus-Geist kann erst wiederum sein die Wissenschaft, die verlebendigt wird durch das Schauen, durch dasjenige, wonach die moderne Geisteswissenschaft strebt.
[ 13 ] Diese moderne Geisteswissenschaft strebt ja danach, ebensoviel Wissenschaftsgeist zu haben wie nur irgendeine Wissenschaft sonst. Aber sie strebt danach, diese Wissenschaft nicht als etwas Totes zu haben, sondern sie innerlich zu erleben, so wie man die Lebenskraft des Menschen selber erlebt. Und dieser verlebendigten Wissenschaft wird es wiederum gelingen, zu dem Christus vorzudringen.
[ 13 ] Diese moderne Geisteswissenschaft strebt ja danach, ebensoviel Wissenschaftsgeist zu haben wie nur irgendeine Wissenschaft sonst. Aber sie strebt danach, diese Wissenschaft nicht als etwas Totes zu haben, sondern sie innerlich zu erleben, so wie man die Lebenskraft des Menschen selber erlebt. Und dieser verlebendigten Wissenschaft wird es wiederum gelingen, zu dem Christus vorzudringen.
[ 14 ] Welche Gestalt wird dann diese verlebendigte Wissenschaft annehmen? Vorbereitungen dazu sind ja schon da, aber diese Vorbereitungen werden leider heute noch sehr wenig beachtet. Ich möchte doch darauf hinweisen, daß ich bereits am Beginn der neunziger Jahre, eigentlich schon Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, auf einen gewissen Zusammenhang hingewiesen habe zwischen der Entwickelung Schillers und der Entwickelung Goethes. Ich habe darauf hingewiesen, wie Schiller in seinen Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» in seiner Art versuchte, das menschliche Entwickelungsrätsel zu lösen. Schiller ging aus von ganz abstrakten Begriffen. Er ging aus erstens von dem Begriff der Vernunftnotwendigkeit, der logischen Notwendigkeit. Er sagte sich: Diese logische Notwendigkeit ist etwas, was uns Menschen zwingt. Wir müssen logisch denken. Da gibt es keine Freiheit, wenn wir logisch irgend etwas uns zergliedern sollen, denn da sind wir unterworfen dem Gesetz der Logik. Da gibt es keine Freiheit. — Und auf der andern Seite stand vor Schillers Seele der Begriff der Naturnotdurft beim Menschen, der Begriff von alledem, was im Menschen instinktiv ist, was im Menschen aus dem sinnlichen Begehrungsvermögen entspringt. Auch darin ist der Mensch nicht frei, denn da tritt Notwendigkeit an ihn heran. In einer gewissen Weise ist also das höchste Geistige, zu dem zunächst der abstrakte Verstand dringt, die logische Notwendigkeit, etwas, was den Menschen versklavt. Auf der andern Seite ist die Naturnotdurft, das Beherrschtsein durch die Instinkte auch etwas, was den Menschen versklavt. Aber der Mensch kann eine Mitte finden zwischen dem logischen Denken und dem instinktiven Empfinden. Diesen mittleren Zustand sieht Schiller besonders beim künstlerischen Schaffen und ästhetischen Genießen verwirklicht. Wenn wir das Schöne anschauen oder das Schöne schaffen, so denken wir nicht logisch, aber wir denken doch im Geistigen. Wir verbinden Vorstellungen, aber nicht, indem wir uns einem logischen Zusammenhang hingeben, sondern indem wir uns dem ästhetischen Schein hingeben. Und auf der andern Seite strebt die Kunst danach, alles sinnlich-anschaulich zu machen, was sie zur Offenbarung bringt, so wie die Dinge der Notdurft, der Instinkte sinnlichanschaulich sind. Und so kommt man dazu, meint Schiller, einerseits in der Kunst und im ästhetischen Genießen dasjenige zu haben, was das Logische etwas herunterdrückt, so daß es uns nicht mehr versklavt, daß es gewissermaßen einzieht in dasjenige, was wir persönlich bezwingen, bewältigen, und andererseits dazu, daß das Instinktive heraufgeholt wird in die geistige Sphäre, mit andern Worten, daß das Instinktive zugleich als ein Geistiges empfunden wird, das Logische als ein Persönliches erlebt wird. Diesen Zustand, den Schiller verallgemeinern möchte für den Menschen, weil er sagt: Nur in diesem Zustand ist der Mensch weder von oben noch von unten versklavt, sondern frei —, diesen Zustand möchte Schiller auch zu der Kraft gestalten, welche die Gesellschaft, das soziale Leben durchdringt, wenn die Menschen sich gegenüberstehen: daß ihnen das Gute zugleich gefällt und daß sie sich ihren Instinkten hingeben können, weil sie diese Instinkte so geläutert und durchgeistigt haben, daß sie sie nicht mehr hinunterziehen. Dann werden sie auch im sozialen Leben so zusammensein, daß eine freie soziale Gesellschaft entsteht. Vor Schiller standen also die drei menschlichen Zustände, aber in einer abstrakten Form: der Zustand der gewöhnlichen Notdurft, der Zustand der Vernunftnotwendigkeit, der freie Zustand des ästhetischen Erlebens.
[ 14 ] Welche Gestalt wird dann diese verlebendigte Wissenschaft annehmen? Vorbereitungen dazu sind ja schon da, aber diese Vorbereitungen werden leider heute noch sehr wenig beachtet. Ich möchte doch darauf hinweisen, daß ich bereits am Beginn der neunziger Jahre, eigentlich schon Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, auf einen gewissen Zusammenhang hingewiesen habe zwischen der Entwickelung Schillers und der Entwickelung Goethes. Ich habe darauf hingewiesen, wie Schiller in seinen Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» in seiner Art versuchte, das menschliche Entwickelungsrätsel zu lösen. Schiller ging aus von ganz abstrakten Begriffen. Er ging aus erstens von dem Begriff der Vernunftnotwendigkeit, der logischen Notwendigkeit. Er sagte sich: Diese logische Notwendigkeit ist etwas, was uns Menschen zwingt. Wir müssen logisch denken. Da gibt es keine Freiheit, wenn wir logisch irgend etwas uns zergliedern sollen, denn da sind wir unterworfen dem Gesetz der Logik. Da gibt es keine Freiheit. — Und auf der andern Seite stand vor Schillers Seele der Begriff der Naturnotdurft beim Menschen, der Begriff von alledem, was im Menschen instinktiv ist, was im Menschen aus dem sinnlichen Begehrungsvermögen entspringt. Auch darin ist der Mensch nicht frei, denn da tritt Notwendigkeit an ihn heran. In einer gewissen Weise ist also das höchste Geistige, zu dem zunächst der abstrakte Verstand dringt, die logische Notwendigkeit, etwas, was den Menschen versklavt. Auf der andern Seite ist die Naturnotdurft, das Beherrschtsein durch die Instinkte auch etwas, was den Menschen versklavt. Aber der Mensch kann eine Mitte finden zwischen dem logischen Denken und dem instinktiven Empfinden. Diesen mittleren Zustand sieht Schiller besonders beim künstlerischen Schaffen und ästhetischen Genießen verwirklicht. Wenn wir das Schöne anschauen oder das Schöne schaffen, so denken wir nicht logisch, aber wir denken doch im Geistigen. Wir verbinden Vorstellungen, aber nicht, indem wir uns einem logischen Zusammenhang hingeben, sondern indem wir uns dem ästhetischen Schein hingeben. Und auf der andern Seite strebt die Kunst danach, alles sinnlich-anschaulich zu machen, was sie zur Offenbarung bringt, so wie die Dinge der Notdurft, der Instinkte sinnlichanschaulich sind. Und so kommt man dazu, meint Schiller, einerseits in der Kunst und im ästhetischen Genießen dasjenige zu haben, was das Logische etwas herunterdrückt, so daß es uns nicht mehr versklavt, daß es gewissermaßen einzieht in dasjenige, was wir persönlich bezwingen, bewältigen, und andererseits dazu, daß das Instinktive heraufgeholt wird in die geistige Sphäre, mit andern Worten, daß das Instinktive zugleich als ein Geistiges empfunden wird, das Logische als ein Persönliches erlebt wird. Diesen Zustand, den Schiller verallgemeinern möchte für den Menschen, weil er sagt: Nur in diesem Zustand ist der Mensch weder von oben noch von unten versklavt, sondern frei —, diesen Zustand möchte Schiller auch zu der Kraft gestalten, welche die Gesellschaft, das soziale Leben durchdringt, wenn die Menschen sich gegenüberstehen: daß ihnen das Gute zugleich gefällt und daß sie sich ihren Instinkten hingeben können, weil sie diese Instinkte so geläutert und durchgeistigt haben, daß sie sie nicht mehr hinunterziehen. Dann werden sie auch im sozialen Leben so zusammensein, daß eine freie soziale Gesellschaft entsteht. Vor Schiller standen also die drei menschlichen Zustände, aber in einer abstrakten Form: der Zustand der gewöhnlichen Notdurft, der Zustand der Vernunftnotwendigkeit, der freie Zustand des ästhetischen Erlebens.
[ 15 ] Schiller hat im Beginn der neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts diese Lebensanschauung sich ausgebildet, sie niedergeschrieben in seinen Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» und sie Goethe überreicht. Goethe, der in seiner menschlichen Wesenheit ganz anders war als Schiller, fühlte: Ja, dieser Schiller strebt damit nach der Auflösung eines gewissen Rätsels, des Rätsels der menschlichen Wesenheit, der menschlichen Entwickelung, der menschlichen Freiheit. — Aber so einfach lag für Goethe die Sache nicht, daß man aus drei Abstraktionen sich die ganze menschliche Entwickelungswesenheit zusammensetzen kann. Und da leuchtete in Goethes komplizierter und daher tieferer Natur das auf, was das «Märchen» von der grünen Schlange und der schönen Lilie ist, wo Goethe alles dasjenige, was in der menschlichen Seele liegt, in etwa zwanzig Gestalten darstellte und in den Beziehungen dieser Gestalten die menschliche Entwickelung verbildlichte. Was Schiller aus drei Abstraktionen zusammensetzen wollte, das wollte Goethe aus zwanzig Imaginationen sich verbildlichen. Die beiden verstanden sich in einer gewissen Weise in dieser Beziehung. Denn, was hatten sie eigentlich getan? Schiller ging wissenschaftlich vor,indem er die Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» schrieb. Eigentlich ging er ganz im Geiste jener Wissenschaftlichkeit vor, der dann der Wissenschaftsgeist des 19. Jahrhunderts geworden ist. Aber er ging nicht so weit wie dieser Wissenschaftsgeist des 19. Jahrhunderts. Er blieb gewissermaßen im Persönlichen stehen. Die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts ist ja ganz vom Persönlichen losgelöst, und sie betrachtet es als ihren Stolz, vom Persönlichen losgelöst zu sein. Je unpersönlicher man das Wissen ausgestalten kann, desto mehr glaubt man das Ideal dieses Wissens erfüllt. Im 19. Jahrhundert sagte man nur und sagt es bis heute: Man weiß über dieses oder jenes das oder das. Man weiß es so, daß es für jeden Menschen in gleicher Weise gelten kann, daß es ganz losgelöst ist vom Persönlichen. Es ist ja so losgelöst vom Persönlichen, daß eigentlich der moderne Mensch mit der Wissenschaft erst zufrieden ist, wenn sie in jene Gräber eingesargt ist, die wir als die Riesengräber des modernen Geisteslebens anerkennen müssen, nämlich in die Bibliotheken, diese Grabstätten des modernen Geistes, wo das tote Wissen aufgespeichert ist, wo man hineingeht, wenn man irgendeinen Knochen braucht, um ihn einer Dissertation oder einem Buche einzuverleiben. Diese Grabstätten, sie sind ja das eigentliche Ideal des modernen Wissenschaftsgeistes. Da wandelt der Mensch drinnen in diesem aufgespeicherten, ganz objektiven Wissen und ist mit seinem Persönlichen gar nicht drinnen, wirklich gar nicht drinnen.
[ 15 ] Schiller hat im Beginn der neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts diese Lebensanschauung sich ausgebildet, sie niedergeschrieben in seinen Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» und sie Goethe überreicht. Goethe, der in seiner menschlichen Wesenheit ganz anders war als Schiller, fühlte: Ja, dieser Schiller strebt damit nach der Auflösung eines gewissen Rätsels, des Rätsels der menschlichen Wesenheit, der menschlichen Entwickelung, der menschlichen Freiheit. — Aber so einfach lag für Goethe die Sache nicht, daß man aus drei Abstraktionen sich die ganze menschliche Entwickelungswesenheit zusammensetzen kann. Und da leuchtete in Goethes komplizierter und daher tieferer Natur das auf, was das «Märchen» von der grünen Schlange und der schönen Lilie ist, wo Goethe alles dasjenige, was in der menschlichen Seele liegt, in etwa zwanzig Gestalten darstellte und in den Beziehungen dieser Gestalten die menschliche Entwickelung verbildlichte. Was Schiller aus drei Abstraktionen zusammensetzen wollte, das wollte Goethe aus zwanzig Imaginationen sich verbildlichen. Die beiden verstanden sich in einer gewissen Weise in dieser Beziehung. Denn, was hatten sie eigentlich getan? Schiller ging wissenschaftlich vor,indem er die Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» schrieb. Eigentlich ging er ganz im Geiste jener Wissenschaftlichkeit vor, der dann der Wissenschaftsgeist des 19. Jahrhunderts geworden ist. Aber er ging nicht so weit wie dieser Wissenschaftsgeist des 19. Jahrhunderts. Er blieb gewissermaßen im Persönlichen stehen. Die Wissenschaft des 19. Jahrhunderts ist ja ganz vom Persönlichen losgelöst, und sie betrachtet es als ihren Stolz, vom Persönlichen losgelöst zu sein. Je unpersönlicher man das Wissen ausgestalten kann, desto mehr glaubt man das Ideal dieses Wissens erfüllt. Im 19. Jahrhundert sagte man nur und sagt es bis heute: Man weiß über dieses oder jenes das oder das. Man weiß es so, daß es für jeden Menschen in gleicher Weise gelten kann, daß es ganz losgelöst ist vom Persönlichen. Es ist ja so losgelöst vom Persönlichen, daß eigentlich der moderne Mensch mit der Wissenschaft erst zufrieden ist, wenn sie in jene Gräber eingesargt ist, die wir als die Riesengräber des modernen Geisteslebens anerkennen müssen, nämlich in die Bibliotheken, diese Grabstätten des modernen Geistes, wo das tote Wissen aufgespeichert ist, wo man hineingeht, wenn man irgendeinen Knochen braucht, um ihn einer Dissertation oder einem Buche einzuverleiben. Diese Grabstätten, sie sind ja das eigentliche Ideal des modernen Wissenschaftsgeistes. Da wandelt der Mensch drinnen in diesem aufgespeicherten, ganz objektiven Wissen und ist mit seinem Persönlichen gar nicht drinnen, wirklich gar nicht drinnen.
[ 16 ] So weit ist Schiller nicht gegangen in seinen Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen», sondern er blieb innerhalb des Persönlichen stehen. Er wollte für jeden Begriff, den er entwickelte, persönlichen Enthusiasmus, persönliches Dabeisein. Das ist wichtig. Und die Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» sind zwar durchaus abstrakt, aber das Abstrakte atmet noch Persönlichkeitsgeist. Man fühlt noch das, was man weiß, als mit seiner Persönlichkeit verknüpft. Also die Abstraktion, der Begriff hat noch etwas Persönliches. Schiller entläßt den Begriff noch nicht in das ObjektivUnpersönliche, das Unmenschliche hinein. Aber immerhin, er schreitet bis zur Abstraktion vor. Für Goethe ist diese Abstraktion unmöglich. Er bleibt beim Bilde, aber er ist sehr vorsichtig. Denn er lebt noch nicht in dem Zeitalter, wo man eine Geisteswissenschaft begründen kann; er hat eine gewisse Scheu, diesen Bildern, die er hinstellt in dem «Märchen» von der grünen Schlange und der schönen Lilie, irgendwie scharf zu Leibe zu gehen. Er deutete an, daß er eigentlich etwas meinte wie einen Zukunftszustand des sozialen Lebens. Sie finden das gut ausgedrückt in dem Schlusse des «Märchens» von der grünen Schlange und der schönen Lilie, aber er möchte nicht durchbrechen bis zu einer scharfen Charakteristik. Er sagte nicht, das soziale Leben müsse dreigegliedert sein, so wie dreigegliedert sein muß dasjenige, was er darstellt durch den goldenen König, den König der Weisheit, den silbernen König, den König des äußeren Scheins, des Scheinlebens, des politischen Lebens, den ehernen König, des Lebens im Materiellen, im Wirtschaftlichen. Er stellt ja auch dar den Einheitsstaat in dem gemischten König, der in sich selber zusammensinkt; aber er bricht nicht durch zu dieser Charakteristik. Es war nicht die Zeit, in der man solche feinen Märchengestalten umsetzen konnte in derbe Charakteristiken des sozialen Lebens. Nicht wahr, man hat es bei Goethe zu tun mit feinen Märchengestalten, aber die Zeit war noch nicht da, um nun das, was da halb in der Phantasie, halb schon in der Imagination lebend vorhanden war, hinauszutragen in das Leben.
[ 16 ] So weit ist Schiller nicht gegangen in seinen Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen», sondern er blieb innerhalb des Persönlichen stehen. Er wollte für jeden Begriff, den er entwickelte, persönlichen Enthusiasmus, persönliches Dabeisein. Das ist wichtig. Und die Briefe «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» sind zwar durchaus abstrakt, aber das Abstrakte atmet noch Persönlichkeitsgeist. Man fühlt noch das, was man weiß, als mit seiner Persönlichkeit verknüpft. Also die Abstraktion, der Begriff hat noch etwas Persönliches. Schiller entläßt den Begriff noch nicht in das ObjektivUnpersönliche, das Unmenschliche hinein. Aber immerhin, er schreitet bis zur Abstraktion vor. Für Goethe ist diese Abstraktion unmöglich. Er bleibt beim Bilde, aber er ist sehr vorsichtig. Denn er lebt noch nicht in dem Zeitalter, wo man eine Geisteswissenschaft begründen kann; er hat eine gewisse Scheu, diesen Bildern, die er hinstellt in dem «Märchen» von der grünen Schlange und der schönen Lilie, irgendwie scharf zu Leibe zu gehen. Er deutete an, daß er eigentlich etwas meinte wie einen Zukunftszustand des sozialen Lebens. Sie finden das gut ausgedrückt in dem Schlusse des «Märchens» von der grünen Schlange und der schönen Lilie, aber er möchte nicht durchbrechen bis zu einer scharfen Charakteristik. Er sagte nicht, das soziale Leben müsse dreigegliedert sein, so wie dreigegliedert sein muß dasjenige, was er darstellt durch den goldenen König, den König der Weisheit, den silbernen König, den König des äußeren Scheins, des Scheinlebens, des politischen Lebens, den ehernen König, des Lebens im Materiellen, im Wirtschaftlichen. Er stellt ja auch dar den Einheitsstaat in dem gemischten König, der in sich selber zusammensinkt; aber er bricht nicht durch zu dieser Charakteristik. Es war nicht die Zeit, in der man solche feinen Märchengestalten umsetzen konnte in derbe Charakteristiken des sozialen Lebens. Nicht wahr, man hat es bei Goethe zu tun mit feinen Märchengestalten, aber die Zeit war noch nicht da, um nun das, was da halb in der Phantasie, halb schon in der Imagination lebend vorhanden war, hinauszutragen in das Leben.
[ 17 ] Als die Idee entstand vor Jahren, in München zu spielen, da ergab sich die Intention, dasjenige, was enthalten war an weltgestaltenden Wesenskräften in Goethes «Märchen» von der grünen Schlange und der schönen Lilie, auf die Bühne zu bringen. Es ging nicht. Man mußte es viel realer fassen. Und daraus entstand das Mysterium «Die Pforte der Einweihung». Es ist ja handgreiflich: es war zu Goethes Zeiten eben noch nicht das Zeitalter da, wo man überleiten konnte dasjenige, was in feinen Märchenbildern noch zu halten war, in die realen Gestalten, die in der «Pforte der Einweihung» sind. Aber als die «Pforte der Einweihung» geschrieben wurde, war auch schon die Zeit vorhanden, wo man mit diesen Dingen bald in das Leben hinausgehen konnte. Und so mußte man nicht bloß interpretieren den goldenen König, den silbernen König, den ehernen König und den gemischten König, sondern man mußte zeigen, wie das moderne soziale Leben, das unter dem Einheitsstaate alles umfassen will, zerschellen muß, wie gegliedert werden muß in ein reinliches Glied des geistigen Lebens — goldener König —, in ein reinliches Staatsglied — silberner König —, in ein reinliches Wirtschaftsglied — eherner König. Die «Kernpunkte der sozialen Frage» sind schon Goetheanismus, richtig verstanden, aber eben Goetheanismus im 20. Jahrhundert.
[ 17 ] Als die Idee entstand vor Jahren, in München zu spielen, da ergab sich die Intention, dasjenige, was enthalten war an weltgestaltenden Wesenskräften in Goethes «Märchen» von der grünen Schlange und der schönen Lilie, auf die Bühne zu bringen. Es ging nicht. Man mußte es viel realer fassen. Und daraus entstand das Mysterium «Die Pforte der Einweihung». Es ist ja handgreiflich: es war zu Goethes Zeiten eben noch nicht das Zeitalter da, wo man überleiten konnte dasjenige, was in feinen Märchenbildern noch zu halten war, in die realen Gestalten, die in der «Pforte der Einweihung» sind. Aber als die «Pforte der Einweihung» geschrieben wurde, war auch schon die Zeit vorhanden, wo man mit diesen Dingen bald in das Leben hinausgehen konnte. Und so mußte man nicht bloß interpretieren den goldenen König, den silbernen König, den ehernen König und den gemischten König, sondern man mußte zeigen, wie das moderne soziale Leben, das unter dem Einheitsstaate alles umfassen will, zerschellen muß, wie gegliedert werden muß in ein reinliches Glied des geistigen Lebens — goldener König —, in ein reinliches Staatsglied — silberner König —, in ein reinliches Wirtschaftsglied — eherner König. Die «Kernpunkte der sozialen Frage» sind schon Goetheanismus, richtig verstanden, aber eben Goetheanismus im 20. Jahrhundert.
[ 18 ] Also darum handelt es sich, daß Goethe und Schiller in ihrer Zeit bis zu einem gewissen Punkte kommen konnten, Schiller auf dem Gebiete der Begriffsabstraktionen mit seinen Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen», Goethe auf dem Gebiete der Bilder, wo er manchmal seiner Umgebung gegenüber sehr eklig wurde, weil sie diese Bilder auslegen wollte und weil er fühlte: Es ist noch nicht die Zeit gekommen, um das derb ins Leben überzuführen. — Das zeigt uns aber doch, daß zur Schiller-Goethe-Zeit gerade der Moment war, wo man noch nicht entlassen mußte den modernen Wissenschaftsgeist ins Unmenschlich-Objektive, sondern wo man ihn noch halten wollte im Persönlichen. Dazu muß man aber wieder zurück und man kann nicht anders zurück als durch die Geisteswissenschaft, indem man durch die Geisteswissenschaft dasjenige als Realität faßt, worauf Schiller mit seinen persönlich-abstrakten Begriffen in den Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» hindeutet, worauf Goethe, nach desselben Rätsels Lösung strebend, in seinem «Märchen» von der grünen Schlange und der schönen Lilie hindeutete.
[ 18 ] Also darum handelt es sich, daß Goethe und Schiller in ihrer Zeit bis zu einem gewissen Punkte kommen konnten, Schiller auf dem Gebiete der Begriffsabstraktionen mit seinen Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen», Goethe auf dem Gebiete der Bilder, wo er manchmal seiner Umgebung gegenüber sehr eklig wurde, weil sie diese Bilder auslegen wollte und weil er fühlte: Es ist noch nicht die Zeit gekommen, um das derb ins Leben überzuführen. — Das zeigt uns aber doch, daß zur Schiller-Goethe-Zeit gerade der Moment war, wo man noch nicht entlassen mußte den modernen Wissenschaftsgeist ins Unmenschlich-Objektive, sondern wo man ihn noch halten wollte im Persönlichen. Dazu muß man aber wieder zurück und man kann nicht anders zurück als durch die Geisteswissenschaft, indem man durch die Geisteswissenschaft dasjenige als Realität faßt, worauf Schiller mit seinen persönlich-abstrakten Begriffen in den Briefen «Über die ästhetische Erziehung des Menschen» hindeutet, worauf Goethe, nach desselben Rätsels Lösung strebend, in seinem «Märchen» von der grünen Schlange und der schönen Lilie hindeutete.
[ 19 ] Der Wissenschaftsgeist muß wieder persönlich werden. Dazu gibt die Erde ihre Anregungen nicht mehr her. Dazu brauchen wir die Durchchristung der Wissenschaft selber. Und wenn wir die Wissenschaft durchchristen, dann legen wir die ersten Keime zur Entwickelung des Geistselbst.
[ 19 ] Der Wissenschaftsgeist muß wieder persönlich werden. Dazu gibt die Erde ihre Anregungen nicht mehr her. Dazu brauchen wir die Durchchristung der Wissenschaft selber. Und wenn wir die Wissenschaft durchchristen, dann legen wir die ersten Keime zur Entwickelung des Geistselbst.
[ 20 ] Seien wir uns doch klar: Diese Erde, die uns angeregt hat zur Entwickelung des Ich, die uns in ihrem Untergang noch anregen wird zu einer weiteren Erstarkung des Ich, diese Erde ist etwas, was wir für spätere Entwickelungsformen im Jupiter und so weiter verlassen müssen. Diese Erde ist also etwas, mit dem wir unser gesamtes Vollmenschentum nicht verbinden können. Wir müssen unseren Menschen gewissermaßen zurücknehmen von der Erde. Würden wir nur die Erdenwissenschaft entwickeln, zu der Goethe und Schiller nicht hinwollten — Schiller nicht, indem er die abstrakten Begriffe persönlich hielt, Goethe nicht, indem er bei Halbimaginationen stehenblieb —, würden wir uns nur von den Erdeningredienzien anregen lassen, so würden wir das Geistselbst niemals entwickeln können. Wir würden nur eine tote Wissenschaft entwickeln können. Wir würden immer mehr und mehr jenes Leichenfeld vergrößern, das in den Bibliotheken vorhanden ist, das in unseren Büchern vorhanden ist, das abgesondert vom Menschen ist. Und wir würden zwischen diesen Gedankenleichen hinwandeln, selber gewissermaßen verzaubert in ihnen und würden so das Ideal Ahrimans erfüllen. Denn unter andern Dingen, die uns Ahriman bescheren will, ist dieses: Recht viele Bibliotheken zu machen, recht viel totes Wissen um uns aufzuspeichern. Ahriman möchte, daß, so wie die alten Ägypter hingewandelt sind unter ihren Gräbern, wie noch die ersten Christen herumgewandelt sind und Leichen um sich gehabt haben, wir mit unserem menschlichen Wesen immer mehr und mehr in das bloße Instinktwesen, in das egoistische Instinktwesen zurücksinken und daß das, was wir an Gedanken aufbringen können, aufgespeichert wäre in unseren Bibliotheken. Man könnte sich vorstellen, daß eine Zeit heranrückt, wo irgendein junger Mann oder sogar eine junge Dame von etwa zwanzig bis dreiundzwanzig Jahren zunächst nicht wüßte, wodurch sie in der Welt des silbernen Königs weiterkäme — man nennt es äußerlich: sich den Doktor erwerben. Da unten aus dem Menschen steigt ja weniges herauf; denn wenn man das, was aus dem Menschen heraufsteigt, etwa in eine Doktordissertation schreiben würde — ich rede also davon, daß eine solche Zeit kommen könnte, wenn Ahriman siegt! —, so würde diese Doktordissertation zurückgewiesen werden, denn das wäre etwas Persönliches, etwas Subjektives. Also setzt man sich in Bibliotheken, nimmt ein Buch nach dem andern, möglichst bloß nach den Katalogen, in denen alles verzeichnet ist, was sich an dieses oder jenes Stichwort anknüpfen läßt — wenn wieder ein neues Stichwort kommt, nimmt man wieder ein neues Buch heraus —, und zimmert eine Schrift zusammen, die einen dann zum Doktor macht. Man ist eigentlich nur mit seiner äußeren physischen Persönlichkeit dabei. Man hat ein Pult vor sich, da liegen viele Bücher drauf. Mit seiner Persönlichkeit ist man insofern dabei, als man, wenn man ein paar Stunden dabei sitzt, hungrig wird und dann diesen Hunger als persönliches Schicksal fühlt. Vielleicht ist man auch dadurch mit seiner Persönlichkeit dabei, daß man menschliche Beziehungen hat, an die man sich erinnert, die man wiederum erfüllen muß nach den paar Stunden. Aber dann klappt man die Bücher zu und ist nicht mehr persönlich damit verbunden. Dasjenige, was man nunmehr zusammengezimmert hat aus den verschiedenen Büchern, wird wiederum ein kleines Buch oder ein dickes Buch und steht wiederum unter den Büchern und wartet, bis es ein andrer wieder benützt. Ich weiß nicht, ob ein solcher Zustand heute schon irgendwo existiert, aber es könnte, wenn Ahriman sein Ideal erreichte, durchaus einmal so werden, und das wären fürchterliche Zustände. Die menschliche Persönlichkeit würde verkümmern unter diesen fürchterlichen objektiven, außermenschlichen, unpersönlichen Zuständen.
[ 20 ] Seien wir uns doch klar: Diese Erde, die uns angeregt hat zur Entwickelung des Ich, die uns in ihrem Untergang noch anregen wird zu einer weiteren Erstarkung des Ich, diese Erde ist etwas, was wir für spätere Entwickelungsformen im Jupiter und so weiter verlassen müssen. Diese Erde ist also etwas, mit dem wir unser gesamtes Vollmenschentum nicht verbinden können. Wir müssen unseren Menschen gewissermaßen zurücknehmen von der Erde. Würden wir nur die Erdenwissenschaft entwickeln, zu der Goethe und Schiller nicht hinwollten — Schiller nicht, indem er die abstrakten Begriffe persönlich hielt, Goethe nicht, indem er bei Halbimaginationen stehenblieb —, würden wir uns nur von den Erdeningredienzien anregen lassen, so würden wir das Geistselbst niemals entwickeln können. Wir würden nur eine tote Wissenschaft entwickeln können. Wir würden immer mehr und mehr jenes Leichenfeld vergrößern, das in den Bibliotheken vorhanden ist, das in unseren Büchern vorhanden ist, das abgesondert vom Menschen ist. Und wir würden zwischen diesen Gedankenleichen hinwandeln, selber gewissermaßen verzaubert in ihnen und würden so das Ideal Ahrimans erfüllen. Denn unter andern Dingen, die uns Ahriman bescheren will, ist dieses: Recht viele Bibliotheken zu machen, recht viel totes Wissen um uns aufzuspeichern. Ahriman möchte, daß, so wie die alten Ägypter hingewandelt sind unter ihren Gräbern, wie noch die ersten Christen herumgewandelt sind und Leichen um sich gehabt haben, wir mit unserem menschlichen Wesen immer mehr und mehr in das bloße Instinktwesen, in das egoistische Instinktwesen zurücksinken und daß das, was wir an Gedanken aufbringen können, aufgespeichert wäre in unseren Bibliotheken. Man könnte sich vorstellen, daß eine Zeit heranrückt, wo irgendein junger Mann oder sogar eine junge Dame von etwa zwanzig bis dreiundzwanzig Jahren zunächst nicht wüßte, wodurch sie in der Welt des silbernen Königs weiterkäme — man nennt es äußerlich: sich den Doktor erwerben. Da unten aus dem Menschen steigt ja weniges herauf; denn wenn man das, was aus dem Menschen heraufsteigt, etwa in eine Doktordissertation schreiben würde — ich rede also davon, daß eine solche Zeit kommen könnte, wenn Ahriman siegt! —, so würde diese Doktordissertation zurückgewiesen werden, denn das wäre etwas Persönliches, etwas Subjektives. Also setzt man sich in Bibliotheken, nimmt ein Buch nach dem andern, möglichst bloß nach den Katalogen, in denen alles verzeichnet ist, was sich an dieses oder jenes Stichwort anknüpfen läßt — wenn wieder ein neues Stichwort kommt, nimmt man wieder ein neues Buch heraus —, und zimmert eine Schrift zusammen, die einen dann zum Doktor macht. Man ist eigentlich nur mit seiner äußeren physischen Persönlichkeit dabei. Man hat ein Pult vor sich, da liegen viele Bücher drauf. Mit seiner Persönlichkeit ist man insofern dabei, als man, wenn man ein paar Stunden dabei sitzt, hungrig wird und dann diesen Hunger als persönliches Schicksal fühlt. Vielleicht ist man auch dadurch mit seiner Persönlichkeit dabei, daß man menschliche Beziehungen hat, an die man sich erinnert, die man wiederum erfüllen muß nach den paar Stunden. Aber dann klappt man die Bücher zu und ist nicht mehr persönlich damit verbunden. Dasjenige, was man nunmehr zusammengezimmert hat aus den verschiedenen Büchern, wird wiederum ein kleines Buch oder ein dickes Buch und steht wiederum unter den Büchern und wartet, bis es ein andrer wieder benützt. Ich weiß nicht, ob ein solcher Zustand heute schon irgendwo existiert, aber es könnte, wenn Ahriman sein Ideal erreichte, durchaus einmal so werden, und das wären fürchterliche Zustände. Die menschliche Persönlichkeit würde verkümmern unter diesen fürchterlichen objektiven, außermenschlichen, unpersönlichen Zuständen.
[ 21 ] Demgegenüber muß dasjenige, was Wissen ist, eine persönliche Angelegenheit werden. Die Bibliotheken müssen womöglich schrumpfen und die Menschen müssen dasjenige, was in den Bibliotheken steht, mehr in ihren eigenen Seelen tragen. Geistselbst kann nur aus dieser Verpersönlichung des Wissens hervorgehen. Das wird nicht kommen, ohne daß die Menschen sich bekanntmachen mit dem, was nun nicht mehr irdisch ist. Denn die Erde ist über den Mittelpunkt ihrer Entwickelung hinüber. Das ist eben Absterben. In unseren Bibliotheken stirbt das Wissen. In unseren Büchern, diesen Särgen unseres Wissens, stirbt es ebenfalls. Wir müssen wiederum zurücknehmen in unsere Persönlichkeit dasjenige, was Wissen ist. Wir müssen es in uns tragen. Dazu wird uns vor allen Dingen die Wiedererneuerung des Mysteriums von Golgatha verhelfen. So wird sie den Wissenden helfen, so wird sie denjenigen helfen, die die Jünger des goldenen Königs sind.
[ 21 ] Demgegenüber muß dasjenige, was Wissen ist, eine persönliche Angelegenheit werden. Die Bibliotheken müssen womöglich schrumpfen und die Menschen müssen dasjenige, was in den Bibliotheken steht, mehr in ihren eigenen Seelen tragen. Geistselbst kann nur aus dieser Verpersönlichung des Wissens hervorgehen. Das wird nicht kommen, ohne daß die Menschen sich bekanntmachen mit dem, was nun nicht mehr irdisch ist. Denn die Erde ist über den Mittelpunkt ihrer Entwickelung hinüber. Das ist eben Absterben. In unseren Bibliotheken stirbt das Wissen. In unseren Büchern, diesen Särgen unseres Wissens, stirbt es ebenfalls. Wir müssen wiederum zurücknehmen in unsere Persönlichkeit dasjenige, was Wissen ist. Wir müssen es in uns tragen. Dazu wird uns vor allen Dingen die Wiedererneuerung des Mysteriums von Golgatha verhelfen. So wird sie den Wissenden helfen, so wird sie denjenigen helfen, die die Jünger des goldenen Königs sind.
[ 22 ] Eine ebensolche Verlebendigung muß auf einem andern Gebiet eintreten, auf dem Gebiet des Rechtswesens. Der Mensch hängt ja heute mit seinem Rechtswesen ebensowenig persönlich zusammen, wie er mit seinem Wissenswesen zusammenhängt. Ich habe neulich einen kleinen deutlichen Beweis dafür im öffentlichen Vortrage vorgebracht. Ich habe gesagt: Seit Jahrzehnten hatte das Deutsche Reich das allgemeine, geheime und gleiche Wahlrecht, das beste Wahlrecht, das man sich nur wünschen kann. Aber hing denn das Leben zusammen mit diesem Wahlrecht? Wählte man denn im Sinne dieses Wahlrechts? War denn dasjenige, was lebendig lebte in der Konfiguration des Deutschen Reiches, ein Ergebnis desjenigen, was durch dieses Wahlrecht gegeben war? Das war ja ganz und gar nicht der Fall. Dieses Wahlrecht stand ja nur in der Verfassung. Es lebte nicht in den Seelen der Menschen. Der Zustand muß eintreten, wo die Menschen es nicht nötig haben werden, in objektiven Verfassungen niederzulegen dasjenige, was zwischen Menschen sich abspielt, sondern wo in dem lebendigen Wechselverkehr unter gleichen Menschen das Recht sich auch als ein Lebendiges erweist. Was braucht es geschriebener Verfassungen, wenn die Menschen in der richtigen Weise ihr Verhältnis von Mensch zu Mensch fühlen, wenn das Verhältnis von Mensch zu Mensch eine persönliche Angelegenheit wird, so wie es eine unpersönliche geworden ist in den drei letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und geblieben ist unter der starken Vermaterialisierung im 20. Jahrhundert. Das Recht kann nur dadurch etwas Lebendiges werden, daß der Christus-Geist die Menschen durchdringt.
[ 22 ] Eine ebensolche Verlebendigung muß auf einem andern Gebiet eintreten, auf dem Gebiet des Rechtswesens. Der Mensch hängt ja heute mit seinem Rechtswesen ebensowenig persönlich zusammen, wie er mit seinem Wissenswesen zusammenhängt. Ich habe neulich einen kleinen deutlichen Beweis dafür im öffentlichen Vortrage vorgebracht. Ich habe gesagt: Seit Jahrzehnten hatte das Deutsche Reich das allgemeine, geheime und gleiche Wahlrecht, das beste Wahlrecht, das man sich nur wünschen kann. Aber hing denn das Leben zusammen mit diesem Wahlrecht? Wählte man denn im Sinne dieses Wahlrechts? War denn dasjenige, was lebendig lebte in der Konfiguration des Deutschen Reiches, ein Ergebnis desjenigen, was durch dieses Wahlrecht gegeben war? Das war ja ganz und gar nicht der Fall. Dieses Wahlrecht stand ja nur in der Verfassung. Es lebte nicht in den Seelen der Menschen. Der Zustand muß eintreten, wo die Menschen es nicht nötig haben werden, in objektiven Verfassungen niederzulegen dasjenige, was zwischen Menschen sich abspielt, sondern wo in dem lebendigen Wechselverkehr unter gleichen Menschen das Recht sich auch als ein Lebendiges erweist. Was braucht es geschriebener Verfassungen, wenn die Menschen in der richtigen Weise ihr Verhältnis von Mensch zu Mensch fühlen, wenn das Verhältnis von Mensch zu Mensch eine persönliche Angelegenheit wird, so wie es eine unpersönliche geworden ist in den drei letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und geblieben ist unter der starken Vermaterialisierung im 20. Jahrhundert. Das Recht kann nur dadurch etwas Lebendiges werden, daß der Christus-Geist die Menschen durchdringt.
[ 23 ] Und so wie im Rechtsleben die Menschen Jünger des silbernen Königs werden müssen, so müssen sie im Wirtschaftsleben Jünger werden des ehernen Königs. Das heißt aber nichts anderes als: Dasjenige, was als abstraktes Ideal hinstellt die Brüderlichkeit, muß Realität werden. Wie wird die Brüderlichkeit Realität? Indem man sich assoziiert, indem man wirklich, der eine mit dem andern, sich verbindet, indem man nicht in den Interessengegensätzen sich bekämpft, sondern die Interessengegensätze miteinander verbindet. Die Assoziationen sind die lebendige Verkörperung der Brüderlichkeit. Wie im Recht leben soll der Lebensgeist, so lebt durch die Durchchristung des Wirtschaftslebens der Geistesmensch in der ersten Anlage in den Assoziationen. Aber das alles gibt die Erde nicht her. Das alles kann den Menschen nur werden, wenn sie sich mit dem herannahenden, ätherisch ihnen erscheinenden Christus durchdringen.
[ 23 ] Und so wie im Rechtsleben die Menschen Jünger des silbernen Königs werden müssen, so müssen sie im Wirtschaftsleben Jünger werden des ehernen Königs. Das heißt aber nichts anderes als: Dasjenige, was als abstraktes Ideal hinstellt die Brüderlichkeit, muß Realität werden. Wie wird die Brüderlichkeit Realität? Indem man sich assoziiert, indem man wirklich, der eine mit dem andern, sich verbindet, indem man nicht in den Interessengegensätzen sich bekämpft, sondern die Interessengegensätze miteinander verbindet. Die Assoziationen sind die lebendige Verkörperung der Brüderlichkeit. Wie im Recht leben soll der Lebensgeist, so lebt durch die Durchchristung des Wirtschaftslebens der Geistesmensch in der ersten Anlage in den Assoziationen. Aber das alles gibt die Erde nicht her. Das alles kann den Menschen nur werden, wenn sie sich mit dem herannahenden, ätherisch ihnen erscheinenden Christus durchdringen.
[ 24 ] Sie sehen, dasjenige, was man nennen kann die geistige Wiedererneuerung des Mysteriums von Golgatha, hängt schon zusammen mit demjenigen, was wir auch aus der anthroposophischen Kosmologie heraus erkennen, was wir erkennen dadurch, daß wir uns sagen, wir tragen die Entwickelungsmöglichkeiten von Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch in uns. Wir sind aber so abstrakt geworden, daß es heute dem Menschen eigentlich als etwas furchtbar Nüchternes, Prosaisches erscheint, wenn ihm gesagt wird, etwas Hochgeistiges wie der Geistesmensch müsse in den Assoziationen des Wirtschaftslebens, des «niederen» Wirtschaftslebens, des materiellen Wirtschaftslebens zuerst sich ankündigen. Das Wirtschaftsleben ist doch nicht etwas, worauf, ohne daß er sich «entehrt», ein Geistesforscher hinweisen darf. Denn ein Geistesforscher muß die Menschen in Konventikeln vereinigen, wo nichts gesprochen wird von dem, was zusammenhängt mit irgend etwas Eßbarem oder Trinkbarem, wo man nur im «Geiste», in Wirklichkeit aber in Abstraktionen lebt.
[ 24 ] Sie sehen, dasjenige, was man nennen kann die geistige Wiedererneuerung des Mysteriums von Golgatha, hängt schon zusammen mit demjenigen, was wir auch aus der anthroposophischen Kosmologie heraus erkennen, was wir erkennen dadurch, daß wir uns sagen, wir tragen die Entwickelungsmöglichkeiten von Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch in uns. Wir sind aber so abstrakt geworden, daß es heute dem Menschen eigentlich als etwas furchtbar Nüchternes, Prosaisches erscheint, wenn ihm gesagt wird, etwas Hochgeistiges wie der Geistesmensch müsse in den Assoziationen des Wirtschaftslebens, des «niederen» Wirtschaftslebens, des materiellen Wirtschaftslebens zuerst sich ankündigen. Das Wirtschaftsleben ist doch nicht etwas, worauf, ohne daß er sich «entehrt», ein Geistesforscher hinweisen darf. Denn ein Geistesforscher muß die Menschen in Konventikeln vereinigen, wo nichts gesprochen wird von dem, was zusammenhängt mit irgend etwas Eßbarem oder Trinkbarem, wo man nur im «Geiste», in Wirklichkeit aber in Abstraktionen lebt.
[ 25 ] Allerdings, was dann dabei herauskommt, ist, daß wenn die Leute lange genug in Konventikeln als Sekten sich innerlich wohlgetan haben, sie schließlich dann doch wiederum herausgehen und ja dann doch auch wiederum Brot und — ich will, um nicht gar zu sehr anzustoßen, sagen — Wasser brauchen. Aber dann nehmen sie in der Regel furchtbar wenig von den Grundsätzen, die sie zu ihren seelischen Wollüsten in den Konventikeln entwickelt haben, in diese Außenwelt mit.
[ 25 ] Allerdings, was dann dabei herauskommt, ist, daß wenn die Leute lange genug in Konventikeln als Sekten sich innerlich wohlgetan haben, sie schließlich dann doch wiederum herausgehen und ja dann doch auch wiederum Brot und — ich will, um nicht gar zu sehr anzustoßen, sagen — Wasser brauchen. Aber dann nehmen sie in der Regel furchtbar wenig von den Grundsätzen, die sie zu ihren seelischen Wollüsten in den Konventikeln entwickelt haben, in diese Außenwelt mit.
[ 26 ] Das wirkliche Geistesleben lebt nur da, wo es stark genug ist, das materielle Leben zu besiegen, nicht es neben sich liegen zu lassen als etwas, was einen versklavt und bezwingt. Das ist dasjenige, was einmal eingesehen werden muß.
[ 26 ] Das wirkliche Geistesleben lebt nur da, wo es stark genug ist, das materielle Leben zu besiegen, nicht es neben sich liegen zu lassen als etwas, was einen versklavt und bezwingt. Das ist dasjenige, was einmal eingesehen werden muß.
[ 27 ] Ich glaube, wenn man eine solche Betrachtung anstellt wie diejenige, die wir jetzt angestellt haben, dann sieht man, daß das Leben in der Gegenwart Ernst braucht, daß dieser Ernst aber eigentlich nur kommen kann, wenn man sich so vertieft, wie diese Vertiefung durch die Geisteswissenschaft eben geschehen kann. Denn Sie sehen ja, ein Heranbringen des Geistigen an die menschliche Persönlichkeit ist nur möglich durch die Geisteswissenschaft. Schiller und Goethe waren gewissermaßen die letzten, die noch aus einem Alten, einem Herüberragen aus alten Zeiten beim Persönlichen geblieben sind, Schiller, indem er die Abstraktionen nicht bis zur Eiseskälte der Modernen werden ließ, und Goethe, indem er die Imaginationen im Persönlichen gehalten hat und sie nicht ganz durchbrechen ließ bis zum äußeren Leben.
[ 27 ] Ich glaube, wenn man eine solche Betrachtung anstellt wie diejenige, die wir jetzt angestellt haben, dann sieht man, daß das Leben in der Gegenwart Ernst braucht, daß dieser Ernst aber eigentlich nur kommen kann, wenn man sich so vertieft, wie diese Vertiefung durch die Geisteswissenschaft eben geschehen kann. Denn Sie sehen ja, ein Heranbringen des Geistigen an die menschliche Persönlichkeit ist nur möglich durch die Geisteswissenschaft. Schiller und Goethe waren gewissermaßen die letzten, die noch aus einem Alten, einem Herüberragen aus alten Zeiten beim Persönlichen geblieben sind, Schiller, indem er die Abstraktionen nicht bis zur Eiseskälte der Modernen werden ließ, und Goethe, indem er die Imaginationen im Persönlichen gehalten hat und sie nicht ganz durchbrechen ließ bis zum äußeren Leben.
[ 28 ] Heute darf man nicht dabei stehenbleiben. Gegenüber unserer derben Wirklichkeit heute kann man weder mit «Ästhetischen Briefen» — höchstens bei ästhetischen Tees — noch mit «Märchen» unmittelbar etwas anfangen, als vielleicht im Salon eine sehr schöne Unterhaltung darüber pflegen, auch in jenen Karikaturen von Salons, die sich zu den alten Lehrkanzeln hinzugesellt haben als Lehrsäle für moderne Literaturgeschichte. Aber was wir heute brauchen, das ist, daß wir mit dem, was Goethe und Schiller im Persönlichen gehalten haben, durchbrechen ins Leben. Dazu brauchen wir starke Begriffe und auf der andern Seite starke Imaginationen, dazu brauchen wir den Aufgang eines wirklichen geistigen Verständnisses der äußeren Welt. Aber dazu brauchen wir die Durchdringung mit dem Christus-Geist. Dazu brauchen wir all den Glauben an den Christus-Geist in seinem wahren Sinne, den Glauben, daß die Christus-Wesenheit etwas ist, was wir verbinden müssen mit dem in uns als Mensch, was uns über die Erde hinausführt, was uns zum Vollmenschen macht, indem es uns hilft, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen zu entwickeln.
[ 28 ] Heute darf man nicht dabei stehenbleiben. Gegenüber unserer derben Wirklichkeit heute kann man weder mit «Ästhetischen Briefen» — höchstens bei ästhetischen Tees — noch mit «Märchen» unmittelbar etwas anfangen, als vielleicht im Salon eine sehr schöne Unterhaltung darüber pflegen, auch in jenen Karikaturen von Salons, die sich zu den alten Lehrkanzeln hinzugesellt haben als Lehrsäle für moderne Literaturgeschichte. Aber was wir heute brauchen, das ist, daß wir mit dem, was Goethe und Schiller im Persönlichen gehalten haben, durchbrechen ins Leben. Dazu brauchen wir starke Begriffe und auf der andern Seite starke Imaginationen, dazu brauchen wir den Aufgang eines wirklichen geistigen Verständnisses der äußeren Welt. Aber dazu brauchen wir die Durchdringung mit dem Christus-Geist. Dazu brauchen wir all den Glauben an den Christus-Geist in seinem wahren Sinne, den Glauben, daß die Christus-Wesenheit etwas ist, was wir verbinden müssen mit dem in uns als Mensch, was uns über die Erde hinausführt, was uns zum Vollmenschen macht, indem es uns hilft, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen zu entwickeln.
[ 29 ] Alle Dinge hängen innerlich zusammen, die uns auf dem Boden der Geisteswissenschaft entgegentreten. Und durchschaut man dieses innerliche Zusammenhängen, dann wird man schon auch im rechten Lichte sehen können, wie Geisteswissenschaft in die Gegenwart hineingehört und wie Geisteswissenschaft in der Gegenwart berufen ist, in alle einzelnen Gebiete auch des praktischen Lebens wirklich hineinzuwirken.
[ 29 ] Alle Dinge hängen innerlich zusammen, die uns auf dem Boden der Geisteswissenschaft entgegentreten. Und durchschaut man dieses innerliche Zusammenhängen, dann wird man schon auch im rechten Lichte sehen können, wie Geisteswissenschaft in die Gegenwart hineingehört und wie Geisteswissenschaft in der Gegenwart berufen ist, in alle einzelnen Gebiete auch des praktischen Lebens wirklich hineinzuwirken.
[ 30 ] Es ist aber dann Geisteswissenschaft genötigt, dem Leben gegenüber wirklich den größten Ernst zu entfalten. Denn es würde dem wahren Geisteswissenschafter als eine innerliche Frivolität vorkommen, wenn er nicht den größten Ernst entfaltete, wenn er stehenbliebe dabei, schöne abstrakte Begriffe zu drechseln, welche der Seele wohltun, welche aber nicht geeignet sind, ins Leben durchzubrechen.
[ 30 ] Es ist aber dann Geisteswissenschaft genötigt, dem Leben gegenüber wirklich den größten Ernst zu entfalten. Denn es würde dem wahren Geisteswissenschafter als eine innerliche Frivolität vorkommen, wenn er nicht den größten Ernst entfaltete, wenn er stehenbliebe dabei, schöne abstrakte Begriffe zu drechseln, welche der Seele wohltun, welche aber nicht geeignet sind, ins Leben durchzubrechen.
[ 31 ] Das ist dasjenige, was gerade auf der Geisteswissenschaft seit mehr als einem Jahr schwer lastet, auf uns hier lastet, die wir in Stuttgart wirken, denn dieses Stuttgarter Wirken hat uns einmal die Verantwortlichkeit auferlegt, Geisteswissenschaft hineinzutragen in das unmittelbar praktische Leben auf allen Gebieten, um das, was bei Goethe noch auftritt in den Märchenbildern des goldenen, silbernen, ehernen und des gemischten Königs, der in sich zusammenbricht, hineinzutragen in das Leben als Dreigliederung des sozialen Organismus. Erinnern Sie sich an das Märchen, wie der gemischte König in sich zusammenbricht und wie dann die Leute kommen und das Gold herauslecken. — Wer aufmerksam die Welt um sich heute anblickt, der kann das Phänomen sehen. Seit dem November 1918 ist dieser gemischte König für Mitteleuropa zusammengebrochen und die verschiedenen Minister, die seit jener Zeit aufgetreten sind, die verschiedenen Volksführer, lecken sie nicht alle das Gold heraus, bis sie es ganz herausgeleckt haben werden? Dann wird die ganze Schablone des gemischten Königs zum Schrecken der Menschen zusammensinken. Dann aber müßte schon Ernst gemacht werden, jetzt nicht mit Märchenbildern, einem goldenen, silbernen und ehernen König, sondern mit einem ehernen Verständnis für die drei Glieder des sozialen Organismus: dem geistigen Glied, dem staatlich-politischen Glied und dem Wirtschaftsglied.
[ 31 ] Das ist dasjenige, was gerade auf der Geisteswissenschaft seit mehr als einem Jahr schwer lastet, auf uns hier lastet, die wir in Stuttgart wirken, denn dieses Stuttgarter Wirken hat uns einmal die Verantwortlichkeit auferlegt, Geisteswissenschaft hineinzutragen in das unmittelbar praktische Leben auf allen Gebieten, um das, was bei Goethe noch auftritt in den Märchenbildern des goldenen, silbernen, ehernen und des gemischten Königs, der in sich zusammenbricht, hineinzutragen in das Leben als Dreigliederung des sozialen Organismus. Erinnern Sie sich an das Märchen, wie der gemischte König in sich zusammenbricht und wie dann die Leute kommen und das Gold herauslecken. — Wer aufmerksam die Welt um sich heute anblickt, der kann das Phänomen sehen. Seit dem November 1918 ist dieser gemischte König für Mitteleuropa zusammengebrochen und die verschiedenen Minister, die seit jener Zeit aufgetreten sind, die verschiedenen Volksführer, lecken sie nicht alle das Gold heraus, bis sie es ganz herausgeleckt haben werden? Dann wird die ganze Schablone des gemischten Königs zum Schrecken der Menschen zusammensinken. Dann aber müßte schon Ernst gemacht werden, jetzt nicht mit Märchenbildern, einem goldenen, silbernen und ehernen König, sondern mit einem ehernen Verständnis für die drei Glieder des sozialen Organismus: dem geistigen Glied, dem staatlich-politischen Glied und dem Wirtschaftsglied.
[ 32 ] Allerdings, wenn man von diesen Dingen spricht, so kommen einem zwei Gedanken zunächst in die Seele. Den einen Gedanken möchte ich heute erwähnen, weil es ja, je länger wir so arbeiten müssen in Stuttgart, immer ersichtlicher wird, daß für die Freunde, die aus früheren Jahren gewöhnt sind, wegen diesem oder jenem an mich heranzukommen und sich zu beraten, jetzt eben vorläufig einfach keine Zeit gefunden werden kann. Denn alles dasjenige, was früher hätte persönlich besprochen werden können, mußte nun schon seit langer Zeit immer wieder auf spätere Zeiten vertröstet werden, und alles dasjenige, was hier getan werden kann, trotz immer längerer Anwesenheiten, muß der großen Aufgabe gewidmet sein. Und ich muß schon auch sagen, gerade diesmal war es ganz unmöglich, persönliche Wünsche irgendwie zu berücksichtigen. Das kann niemandem schmerzlicher sein als mir selber, weil ich weiß, daß es nicht auf die Dauer so bleiben kann, weil sonst der anthroposophischen Bewegung der Boden entzogen würde. Wir würden dann allerdings auf einem losen Boden bauen.
[ 32 ] Allerdings, wenn man von diesen Dingen spricht, so kommen einem zwei Gedanken zunächst in die Seele. Den einen Gedanken möchte ich heute erwähnen, weil es ja, je länger wir so arbeiten müssen in Stuttgart, immer ersichtlicher wird, daß für die Freunde, die aus früheren Jahren gewöhnt sind, wegen diesem oder jenem an mich heranzukommen und sich zu beraten, jetzt eben vorläufig einfach keine Zeit gefunden werden kann. Denn alles dasjenige, was früher hätte persönlich besprochen werden können, mußte nun schon seit langer Zeit immer wieder auf spätere Zeiten vertröstet werden, und alles dasjenige, was hier getan werden kann, trotz immer längerer Anwesenheiten, muß der großen Aufgabe gewidmet sein. Und ich muß schon auch sagen, gerade diesmal war es ganz unmöglich, persönliche Wünsche irgendwie zu berücksichtigen. Das kann niemandem schmerzlicher sein als mir selber, weil ich weiß, daß es nicht auf die Dauer so bleiben kann, weil sonst der anthroposophischen Bewegung der Boden entzogen würde. Wir würden dann allerdings auf einem losen Boden bauen.
[ 33 ] Aber auf der andern Seite muß auch eingesehen werden, daß die Menschen immer hängend waren am alten. Aber das ist ein sehr Neues, was ich nennen möchte das Ernstmachen mit dem goldenen, dem silbernen und. dem ehernen König. Das ist etwas sehr, sehr Ernstes. Und darauf kann sich die Geisteswissenschaft nicht verstehen, herauszulecken das Gold aus dem gemischten König, indem der sich setzt und zusammensinkt. Das wird einem dann von gewissen Seiten übelgenommen. Ich weiß, daß ich in ein Wespennest steche, aber ich werde in mancher Beziehung jetzt in ein Wespennest stechen müssen, wenn ich ganz objektiv charakterisiere zum Beispiel einen solchen Menschen wie den Hermann Keyserling, der einfach die Unwahrheit sagt, der lügt.
[ 33 ] Aber auf der andern Seite muß auch eingesehen werden, daß die Menschen immer hängend waren am alten. Aber das ist ein sehr Neues, was ich nennen möchte das Ernstmachen mit dem goldenen, dem silbernen und. dem ehernen König. Das ist etwas sehr, sehr Ernstes. Und darauf kann sich die Geisteswissenschaft nicht verstehen, herauszulecken das Gold aus dem gemischten König, indem der sich setzt und zusammensinkt. Das wird einem dann von gewissen Seiten übelgenommen. Ich weiß, daß ich in ein Wespennest steche, aber ich werde in mancher Beziehung jetzt in ein Wespennest stechen müssen, wenn ich ganz objektiv charakterisiere zum Beispiel einen solchen Menschen wie den Hermann Keyserling, der einfach die Unwahrheit sagt, der lügt.
[ 34 ] Es gibt Menschen, die sagen, es würde heute innerhalb der anthroposophischen Bewegung so viel Kritik geübt. Ich muß immer wieder und wiederum das wiederholen, was ich schon öfter gesagt habe: Auf solchen Seiten sieht man, was wir tun müssen, wenn wir uns wehren müssen — und man tadelt es. Man tadelt es oftmals sogar bei denjenigen, die hiersitzen und die Dinge mit anhören, die hier gesagt werden. Und man findet kein Wort der Abweisung — sonst würde man ja selber polemisch — gegen dasjenige, was uns mit Schmutz bewirft von außen. Man findet es lieblos, einen Menschen einen Lügner zu nennen, wenn diese Wahrheit von der anthroposophischen Seite herkommt. Aber man gestattet jedem, der lügen will über die anthroposophische Bewegung, jede beliebige Lüge, die uns entgegengeschleudert wird. Unsere Dreigliederungszeitung wird oftmals zu polemisch gefunden: Man wende sich an diejenigen, gegen die notgedrungen diese Polemik gerichtet werden muß; man habe den Mut, dorthin seine Worte zu richten, nicht an uns, die wir von Notwehr getrieben sind. Aber das ist eine alte Unsitte und sie zeigt, wie sehr man die wollüstige Anthroposophie will und nicht die ernste Anthroposophie, die mit den großen Problemen der Zeit rechnet.
[ 34 ] Es gibt Menschen, die sagen, es würde heute innerhalb der anthroposophischen Bewegung so viel Kritik geübt. Ich muß immer wieder und wiederum das wiederholen, was ich schon öfter gesagt habe: Auf solchen Seiten sieht man, was wir tun müssen, wenn wir uns wehren müssen — und man tadelt es. Man tadelt es oftmals sogar bei denjenigen, die hiersitzen und die Dinge mit anhören, die hier gesagt werden. Und man findet kein Wort der Abweisung — sonst würde man ja selber polemisch — gegen dasjenige, was uns mit Schmutz bewirft von außen. Man findet es lieblos, einen Menschen einen Lügner zu nennen, wenn diese Wahrheit von der anthroposophischen Seite herkommt. Aber man gestattet jedem, der lügen will über die anthroposophische Bewegung, jede beliebige Lüge, die uns entgegengeschleudert wird. Unsere Dreigliederungszeitung wird oftmals zu polemisch gefunden: Man wende sich an diejenigen, gegen die notgedrungen diese Polemik gerichtet werden muß; man habe den Mut, dorthin seine Worte zu richten, nicht an uns, die wir von Notwehr getrieben sind. Aber das ist eine alte Unsitte und sie zeigt, wie sehr man die wollüstige Anthroposophie will und nicht die ernste Anthroposophie, die mit den großen Problemen der Zeit rechnet.
[ 35 ] Es ist schon notwendig, daß über solche Dinge zuweilen ein ganz ernstes Wort gesprochen wird. Denn solche Dinge, wie ich sie zum Beispiel im öffentlichen Vortrage in bezug auf den Grafen Hermann Keyserling gesagt habe, die beziehen sich nicht etwa bloß auf dasjenige, was von jener Seite über Anthroposophie gesagt wird, die beziehen sich auf die ganze innere Unwahrhaftigkeit dieses Geisteslebens. Lesen Sie solche Dinge wie «Was uns not tut. Was ich will», lesen Sie dieses Kapitel des jüngsten «Unbuches» «Philosophie als Kunst». Es steht da nichts über Anthroposophie drinnen, aber all jener substanzlose Begriffsschematismus ist da drinnen, der leer ist und von dem die leeren Zöpfe sagen, daß er ihnen außerordentlich viel gibt. Das ist aber das Übel der Zeit, daß man zurück weisen will dasjenige, das Substanz hat, was aus dem Geiste, dem lebendigen Geiste heraus schöpft, und daß man die leeren Worte will, die bloßen Worthülsen.
[ 35 ] Es ist schon notwendig, daß über solche Dinge zuweilen ein ganz ernstes Wort gesprochen wird. Denn solche Dinge, wie ich sie zum Beispiel im öffentlichen Vortrage in bezug auf den Grafen Hermann Keyserling gesagt habe, die beziehen sich nicht etwa bloß auf dasjenige, was von jener Seite über Anthroposophie gesagt wird, die beziehen sich auf die ganze innere Unwahrhaftigkeit dieses Geisteslebens. Lesen Sie solche Dinge wie «Was uns not tut. Was ich will», lesen Sie dieses Kapitel des jüngsten «Unbuches» «Philosophie als Kunst». Es steht da nichts über Anthroposophie drinnen, aber all jener substanzlose Begriffsschematismus ist da drinnen, der leer ist und von dem die leeren Zöpfe sagen, daß er ihnen außerordentlich viel gibt. Das ist aber das Übel der Zeit, daß man zurück weisen will dasjenige, das Substanz hat, was aus dem Geiste, dem lebendigen Geiste heraus schöpft, und daß man die leeren Worte will, die bloßen Worthülsen.
[ 36 ] Wenn man weiter dergleichen wollen wird, so wird man die Menschheit damit zugrunde richten. Denn mit diesen Hohlheiten, die von jener Seite kommen — wenn sie sich auch «Tagebücher eines Philosophen» nennen —, höhlt man die ganze Kultur der Menschheit aus. Was sind sie, diese Hohlheiten? Diejenigen Worte sind es, die man prägt, wenn man an dem gemischten König leckt. Ob man nun ein wenig brutaler leckt, wie mancher der heutigen sozialistischen Führer, oder eleganter, in Lackstiefeln leckt, wie der Graf Hermann Keyserling, das macht schon keinen besonderen Unterschied mehr.
[ 36 ] Wenn man weiter dergleichen wollen wird, so wird man die Menschheit damit zugrunde richten. Denn mit diesen Hohlheiten, die von jener Seite kommen — wenn sie sich auch «Tagebücher eines Philosophen» nennen —, höhlt man die ganze Kultur der Menschheit aus. Was sind sie, diese Hohlheiten? Diejenigen Worte sind es, die man prägt, wenn man an dem gemischten König leckt. Ob man nun ein wenig brutaler leckt, wie mancher der heutigen sozialistischen Führer, oder eleganter, in Lackstiefeln leckt, wie der Graf Hermann Keyserling, das macht schon keinen besonderen Unterschied mehr.
[ 37 ] Diese Dinge brauchen nicht so aufgenommen zu werden, als ob sie mit irgendeinem Affekt gesprochen würden, wenn sie scharf gesprochen werden. Sie werden scharf gesprochen, weil es leider eben durchaus so ist, daß sich manche zur Anthroposophie zählen möchten, die eigentlich innerlich doch nicht dabei sind, weil sie nicht den nötigen Ernst entfalten können, weil sie nicht den nötigen Ernst entfalten wollen, weil sie nicht ganz dabei sein wollen. Lieblos ist man nicht, wenn man die Wahrheit, wo es nötig ist, wirklich ausspricht. Aber ich möchte doch fragen, ob es, wenn man selbst sich zu uns rechnet, sehr liebevoll ist, wenn man uns mit Unrat bewerfen läßt und es dann Lieblosigkeit nennt, wenn wir uns aus Notwehr wehren müssen? Man mag es bedauerlich finden, daß wir uns mit scharfen Worten wehren müssen, aber man sollte gerade deshalb für diese scharfen Worte eintreten und sollte dann nicht aus Gefühlen oder dergleichen das Literatengewäsch von der Lieblosigkeit der unberechtigten Polemik irgendwie vorbringen.
[ 37 ] Diese Dinge brauchen nicht so aufgenommen zu werden, als ob sie mit irgendeinem Affekt gesprochen würden, wenn sie scharf gesprochen werden. Sie werden scharf gesprochen, weil es leider eben durchaus so ist, daß sich manche zur Anthroposophie zählen möchten, die eigentlich innerlich doch nicht dabei sind, weil sie nicht den nötigen Ernst entfalten können, weil sie nicht den nötigen Ernst entfalten wollen, weil sie nicht ganz dabei sein wollen. Lieblos ist man nicht, wenn man die Wahrheit, wo es nötig ist, wirklich ausspricht. Aber ich möchte doch fragen, ob es, wenn man selbst sich zu uns rechnet, sehr liebevoll ist, wenn man uns mit Unrat bewerfen läßt und es dann Lieblosigkeit nennt, wenn wir uns aus Notwehr wehren müssen? Man mag es bedauerlich finden, daß wir uns mit scharfen Worten wehren müssen, aber man sollte gerade deshalb für diese scharfen Worte eintreten und sollte dann nicht aus Gefühlen oder dergleichen das Literatengewäsch von der Lieblosigkeit der unberechtigten Polemik irgendwie vorbringen.
[ 38 ] Das ist ja das Schwierige innerhalb der Bewegung, die hier als die anthroposophische entfaltet werden soll, daß jene Persönlichkeiten, die mit ihrem ganzen Wesen für die Sache eintreten, in so geringer Zahl heute zu finden sind. Wenn man nötig hat, so etwas zu bewirken, wie es bewirkt werden sollte durch die anthroposophische Bewegung, so braucht man heute schon vieles gerade an Persönlichkeiten. Nun, wir haben hingebungsvolle Persönlichkeiten auf den verschiedensten Gebieten gefunden, vor allen Dingen auf dem pädagogischen Gebiet in unseren Waldorfschul-Lehrern. Wir haben auch auf manchem andern Gebiet hingebende Persönlichkeiten gefunden — aber alles viel zu wenig. Und die Zahl derjenigen, die durchaus nicht Ernst machen wollen, die durchaus nicht mit ihrer ganzen Persönlichkeit eintreten wollen, wie es nötig wäre für unsere Sache, die Zahl derer ist selbst in unseren Reihen außerordentlich groß. Und deshalb kommen wir so schwer vorwärts. Wir haben es ja im Laufe der Zeit immer wieder und wiederum erleben müssen, wie im Grunde genommen eine große Anzahl derjenigen, die sich, damit sie die Dinge hören können, die bei uns verkündet werden, einschreiben lassen, sich äußerlich eben doch in einem gewissen Grade schämen, sich offen zu uns zu bekennen. Wir haben es ja immer wieder hören müssen, daß es besser sei, nicht mit dem Namen Anthroposophie in der Öffentlichkeit aufzutreten, sondern den Namen auszulassen und «etwas einfließen zu lassen», wie die angenehme Redensart der Leute, die auf anthroposophischem Gebiete nicht Ernst machen wollen, lautet. Da will wieder einer oder namentlich eine da und dort etwas «einfließen» lassen von Anthroposophie, weil sie sich schämt oder er sich schämt, von Anthroposophie offen zu reden. Da läßt man «etwas einfließen»! Dazu braucht man weniger wacker zu sein, damit kann man auch weniger mißfallen — man läßt «einfließen».
[ 38 ] Das ist ja das Schwierige innerhalb der Bewegung, die hier als die anthroposophische entfaltet werden soll, daß jene Persönlichkeiten, die mit ihrem ganzen Wesen für die Sache eintreten, in so geringer Zahl heute zu finden sind. Wenn man nötig hat, so etwas zu bewirken, wie es bewirkt werden sollte durch die anthroposophische Bewegung, so braucht man heute schon vieles gerade an Persönlichkeiten. Nun, wir haben hingebungsvolle Persönlichkeiten auf den verschiedensten Gebieten gefunden, vor allen Dingen auf dem pädagogischen Gebiet in unseren Waldorfschul-Lehrern. Wir haben auch auf manchem andern Gebiet hingebende Persönlichkeiten gefunden — aber alles viel zu wenig. Und die Zahl derjenigen, die durchaus nicht Ernst machen wollen, die durchaus nicht mit ihrer ganzen Persönlichkeit eintreten wollen, wie es nötig wäre für unsere Sache, die Zahl derer ist selbst in unseren Reihen außerordentlich groß. Und deshalb kommen wir so schwer vorwärts. Wir haben es ja im Laufe der Zeit immer wieder und wiederum erleben müssen, wie im Grunde genommen eine große Anzahl derjenigen, die sich, damit sie die Dinge hören können, die bei uns verkündet werden, einschreiben lassen, sich äußerlich eben doch in einem gewissen Grade schämen, sich offen zu uns zu bekennen. Wir haben es ja immer wieder hören müssen, daß es besser sei, nicht mit dem Namen Anthroposophie in der Öffentlichkeit aufzutreten, sondern den Namen auszulassen und «etwas einfließen zu lassen», wie die angenehme Redensart der Leute, die auf anthroposophischem Gebiete nicht Ernst machen wollen, lautet. Da will wieder einer oder namentlich eine da und dort etwas «einfließen» lassen von Anthroposophie, weil sie sich schämt oder er sich schämt, von Anthroposophie offen zu reden. Da läßt man «etwas einfließen»! Dazu braucht man weniger wacker zu sein, damit kann man auch weniger mißfallen — man läßt «einfließen».
[ 39 ] Aber heute ist nicht die Zeit zum Einfließenlassen, sondern zum ehrlichen Bekennen und zum Aussprechen derjenigen Worte, welche die Dinge in ihrer Wahrheit bezeichnen. Denn diejenigen, die wider uns sind, die lassen nichts in uns einfließen, die reden in derben Worten. Und es sollte eigentlich gefühlt werden durch all unsere Reihen hin als etwas Empörendes, wenn ein Hermann Keyserling sich erfrecht, davon zu reden, daß diese Geisteswissenschaft hier eine Vermaterialisierung des Geisteslebens ist, eine Naturwissenschaft des Geistes. Man kann nicht anders sagen, als daß der Mann, der sich bemüht hat, bei einer ganzen Anzahl Personen, denn das wissen wir, sich die Zyklen zu erschleichen, um ihren Inhalt kennenzulernen, wenn er heute dieses schreibt, ganz bewußt die Unwahrheit hinschreibt — und dies nennt man lügen. Und wer dawider etwas hat, daß man das sagt, der liebt die Lüge. Und wer sagt, wir polemisierten zuviel, wenn wir die Wahrheit richtig bezeichnen, der hat keinen Sinn für Wahrheit und liebt die Lüge. Und die Lüge lieben, das sollte nicht unser Geschäft sein innerhalb der anthroposophischen Bewegung, sondern wir müssen die Wahrheit lieben. Gefühlt muß werden das ganze Gewicht dieser Worte: die Wahrheit lieben und nicht die Lüge lieben um der Konvention willen, um des angenehmen gesellschaftlichen Lebens willen. Denn nachsichtig sein mit der Lüge, ist gerade so viel schon, wie die Lüge lieben. Die Welt aber wird in der nächsten Zeit nicht durch das frivole Gleichgültigsein gegenüber der Unwahrheit, sondern allein durch das freie und frische Sich-Bekennen zur Wahrheit weiterkommen. Anthroposophie muß mit ernsten und höchsten geistigen Angelegenheiten sich beschäftigen und daran haben wir es niemals fehlen lassen. Und wer da sagt, es wäre ein Materialismus des Geistes, wenn wir von Saturn, Sonne und Mond reden, wenn er jeden Tag Gelegenheit hat, sich anzuschauen, was in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» steht über Saturn, Sonne und Mond, der lügt. Denn dort steht nichts von der Vermaterialisierung des Geistes. Man fühlt nicht den ganzen Ernst der Lage, wenn man jetzt will, daß wir uns in unwahrhaftigen Salonausdrücken gegen unsere Gegner wenden, die uns mit Dreck bewerfen. Diese Dinge gehören gerade zur rechten Liebe. Denn zur rechten Liebe gehört ja Enthusiasmus für die Wahrheit. Und weiterkommen wird die Welt nur durch diesen Enthusiasmus für die Wahrheit.
[ 39 ] Aber heute ist nicht die Zeit zum Einfließenlassen, sondern zum ehrlichen Bekennen und zum Aussprechen derjenigen Worte, welche die Dinge in ihrer Wahrheit bezeichnen. Denn diejenigen, die wider uns sind, die lassen nichts in uns einfließen, die reden in derben Worten. Und es sollte eigentlich gefühlt werden durch all unsere Reihen hin als etwas Empörendes, wenn ein Hermann Keyserling sich erfrecht, davon zu reden, daß diese Geisteswissenschaft hier eine Vermaterialisierung des Geisteslebens ist, eine Naturwissenschaft des Geistes. Man kann nicht anders sagen, als daß der Mann, der sich bemüht hat, bei einer ganzen Anzahl Personen, denn das wissen wir, sich die Zyklen zu erschleichen, um ihren Inhalt kennenzulernen, wenn er heute dieses schreibt, ganz bewußt die Unwahrheit hinschreibt — und dies nennt man lügen. Und wer dawider etwas hat, daß man das sagt, der liebt die Lüge. Und wer sagt, wir polemisierten zuviel, wenn wir die Wahrheit richtig bezeichnen, der hat keinen Sinn für Wahrheit und liebt die Lüge. Und die Lüge lieben, das sollte nicht unser Geschäft sein innerhalb der anthroposophischen Bewegung, sondern wir müssen die Wahrheit lieben. Gefühlt muß werden das ganze Gewicht dieser Worte: die Wahrheit lieben und nicht die Lüge lieben um der Konvention willen, um des angenehmen gesellschaftlichen Lebens willen. Denn nachsichtig sein mit der Lüge, ist gerade so viel schon, wie die Lüge lieben. Die Welt aber wird in der nächsten Zeit nicht durch das frivole Gleichgültigsein gegenüber der Unwahrheit, sondern allein durch das freie und frische Sich-Bekennen zur Wahrheit weiterkommen. Anthroposophie muß mit ernsten und höchsten geistigen Angelegenheiten sich beschäftigen und daran haben wir es niemals fehlen lassen. Und wer da sagt, es wäre ein Materialismus des Geistes, wenn wir von Saturn, Sonne und Mond reden, wenn er jeden Tag Gelegenheit hat, sich anzuschauen, was in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» steht über Saturn, Sonne und Mond, der lügt. Denn dort steht nichts von der Vermaterialisierung des Geistes. Man fühlt nicht den ganzen Ernst der Lage, wenn man jetzt will, daß wir uns in unwahrhaftigen Salonausdrücken gegen unsere Gegner wenden, die uns mit Dreck bewerfen. Diese Dinge gehören gerade zur rechten Liebe. Denn zur rechten Liebe gehört ja Enthusiasmus für die Wahrheit. Und weiterkommen wird die Welt nur durch diesen Enthusiasmus für die Wahrheit.
[ 40 ] Es war wirklich aus geistigen Untergründen heraus meine Aufgabe, dies heute noch auszusprechen, bevor ich wiederum für eine Weile von Ihnen Abschied nehmen muß. Und so leid es mir tut, daß ich mit einzelnen jetzt gar nicht sprechen kann, weil eben einfach die Zeit nicht ausreicht — gestern sind die Freunde unserer Dreigliederungsbewegung und des Kommenden Tages hier wiederum zu einer Sitzung bis drei Uhr morgens zusammen gewesen, und so geht es jetzt fast von Tag zu Tag —, so leid es mir tut, daß viele Dinge jetzt unterbleiben müssen, welche von manchen geliebt werden, so muß auf der andern Seite gesagt werden: Vielleicht kann man doch hoffen, daß durch die Anstrengungen, die gemacht werden im großen, die anthroposophische Bewegung sich noch jenes Recht in der Welt erwirbt, welches sie sich erwerben muß, weil sie die Kraft und den Willen enthält, um durch die Wahrheit weiterzukommen. Wenn in der Wahrheit gearbeitet werden soll, dann kann man heute schon nicht anders, als die Unwahrheit, wenn sie sich in einer so furchtbar aufdringlichen Weise geltend macht, auch in das rechte Licht zu stellen.
[ 40 ] Es war wirklich aus geistigen Untergründen heraus meine Aufgabe, dies heute noch auszusprechen, bevor ich wiederum für eine Weile von Ihnen Abschied nehmen muß. Und so leid es mir tut, daß ich mit einzelnen jetzt gar nicht sprechen kann, weil eben einfach die Zeit nicht ausreicht — gestern sind die Freunde unserer Dreigliederungsbewegung und des Kommenden Tages hier wiederum zu einer Sitzung bis drei Uhr morgens zusammen gewesen, und so geht es jetzt fast von Tag zu Tag —, so leid es mir tut, daß viele Dinge jetzt unterbleiben müssen, welche von manchen geliebt werden, so muß auf der andern Seite gesagt werden: Vielleicht kann man doch hoffen, daß durch die Anstrengungen, die gemacht werden im großen, die anthroposophische Bewegung sich noch jenes Recht in der Welt erwirbt, welches sie sich erwerben muß, weil sie die Kraft und den Willen enthält, um durch die Wahrheit weiterzukommen. Wenn in der Wahrheit gearbeitet werden soll, dann kann man heute schon nicht anders, als die Unwahrheit, wenn sie sich in einer so furchtbar aufdringlichen Weise geltend macht, auch in das rechte Licht zu stellen.
[ 41 ] Auf die Verpflichtung gegenüber der Wahrheit mußte diesmal hingewiesen werden, denn es wäre sehr notwendig, meine lieben Freunde, daß wir uns alle, alle durchdringen mit diesem Geiste der Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit. Denn wenn es überhaupt noch menschenmöglich ist: Allein durch diesen Geist der Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit kann die Barbarei, die sonst hereinbrechen muß über die Menschheit, vermieden werden, kann man in einer neuen, vergeistigten Zivilisation vorwärtskommen.
[ 41 ] Auf die Verpflichtung gegenüber der Wahrheit mußte diesmal hingewiesen werden, denn es wäre sehr notwendig, meine lieben Freunde, daß wir uns alle, alle durchdringen mit diesem Geiste der Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit. Denn wenn es überhaupt noch menschenmöglich ist: Allein durch diesen Geist der Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit kann die Barbarei, die sonst hereinbrechen muß über die Menschheit, vermieden werden, kann man in einer neuen, vergeistigten Zivilisation vorwärtskommen.
