Healing Factors for the Social Organism
GA 198
30 May 1920, Dornach
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Heilfaktoren für den sozialen Organismus
Sechster Vortrag
Sechster Vortrag
[ 1 ] Für die Weiterführung unserer geistigen Anschauung wird immer mehr nötig sein, daß unsere Freunde Rücksicht nehmen auf gewisse historische Tatsachen. Es ist, man möchte sagen, in den vergangenen Jahrzehnten gewiß ein schönes Leben gewesen für unsere lieben Mitglieder, die sich darauf beschränkt haben, Kenntnis zu nehmen von dem, was an den verschiedenen Orten vorgetragen worden ist, was innerhalb dieser Vorträge sonst gesagt worden ist, und die in gewissem Sinne doch eine Art von Mauer ergaben, die nicht durchsichtig war für viele, eine Mauer, über die man nicht hinausschauen wollte auf dasjenige, was in der äußeren Welt vorgeht. Will.man aber in der richtigen Weise hinausschauen auf das, was in der äußeren Welt vorgeht, will man nicht eine Sekte begründen, sondern will man — was einzig und allein unsere Bewegung sein kann — eine historische Bewegung haben, dann ist es nötig, daß man auch weiß, aus welchen historischen Voraussetzungen dasjenige hervorgeht, was ringsherum in der Welt vorhanden ist. Und die Art und Weise, wie man uns, ohne daß wir auch nur im entferntesten irgend aggressiv vorgegangen sind, wie man uns insbesondere hier behandelt, die macht wohl im allereminentesten Sinne notwendig, daß über die Mauern wirklich hinausgeschaut werde und einiges von dem verstanden werde, was in der Welt vorgeht. Deshalb möchte ich einiges von dem, was ich in der nächsten Zeit zu sagen habe, an allerlei historische Bemerkungen anknüpfen, um auf gewisse historische Tatsachen hinzuweisen, ohne deren Kenntnis wir jetzt tatsächlich wohl nicht weiterkommen können.
[ 1 ] Für die Weiterführung unserer geistigen Anschauung wird immer mehr nötig sein, daß unsere Freunde Rücksicht nehmen auf gewisse historische Tatsachen. Es ist, man möchte sagen, in den vergangenen Jahrzehnten gewiß ein schönes Leben gewesen für unsere lieben Mitglieder, die sich darauf beschränkt haben, Kenntnis zu nehmen von dem, was an den verschiedenen Orten vorgetragen worden ist, was innerhalb dieser Vorträge sonst gesagt worden ist, und die in gewissem Sinne doch eine Art von Mauer ergaben, die nicht durchsichtig war für viele, eine Mauer, über die man nicht hinausschauen wollte auf dasjenige, was in der äußeren Welt vorgeht. Will.man aber in der richtigen Weise hinausschauen auf das, was in der äußeren Welt vorgeht, will man nicht eine Sekte begründen, sondern will man — was einzig und allein unsere Bewegung sein kann — eine historische Bewegung haben, dann ist es nötig, daß man auch weiß, aus welchen historischen Voraussetzungen dasjenige hervorgeht, was ringsherum in der Welt vorhanden ist. Und die Art und Weise, wie man uns, ohne daß wir auch nur im entferntesten irgend aggressiv vorgegangen sind, wie man uns insbesondere hier behandelt, die macht wohl im allereminentesten Sinne notwendig, daß über die Mauern wirklich hinausgeschaut werde und einiges von dem verstanden werde, was in der Welt vorgeht. Deshalb möchte ich einiges von dem, was ich in der nächsten Zeit zu sagen habe, an allerlei historische Bemerkungen anknüpfen, um auf gewisse historische Tatsachen hinzuweisen, ohne deren Kenntnis wir jetzt tatsächlich wohl nicht weiterkommen können.
[ 2 ] Ich möchte zunächst heute auf eines hinweisen. Sie wissen, daß so ungefähr zu Beginn des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts in den verschiedenen zivilisierten Staaten Europas und in Amerika so etwas Platz gegriffen hat, was man genannt hat eine Art realer Lebensauffassung, die sich im wesentlichen aufgebaut hat auf die Errungenschaften des 19. Jahrhunderts und auch auf die Errungenschaften, welche die Zivilisation dieses 19. Jahrhunderts vorbereitet haben. Man hat überall anders gesprochen, aus einem anderen Unterton heraus, zu Beginn des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, als dann in den späteren Jahrzehnten und insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Die Gedankenformen selbst, wie sie breiteste Kreise beherrschen, sind in dieser Zeit wesentlich andere geworden. Nun will ich heute nur eines hervorheben. Das, was dazumal im Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts eine Art Gemeingut der Gebildeten war, war der Glaube daran, daß der Mensch aus sich heraus, aus seinem Inneren heraus sich über die wichtigsten Angelegenheiten des Lebens eine Überzeugung bilden soll, und daß, trotzdem der Mensch aus diesem seinem Inneren heraus sich eine Überzeugung über die wichtigsten Angelegenheiten des Lebens bildet, nach dem, was ihm durch irgendwelche wissenschaftlichen Ergebnisse vorgelegt wird, daß trotzdem ein soziales Zusammenleben der Menschen innerhalb der zivilisierten Welt möglich sei. Es wurde gewissermaßen eine Art Dogma, aber ein Dogma, das man freiwillig in weitesten Kreisen anerkannte, ein Dogma, daß unter den Menschen, die einen gewissen Bildungsgrad erreicht haben, Gewissensfreiheit möglich sei. Man hat zwar in den folgenden Jahrzehnten niemals den Mut gehabt, gegen dieses Dogma geradezu aufzutreten; allein mehr oder weniger unbewußt machte man doch Front gegen dieses Dogma. Und in der heutigen Zeit, nach der großen Weltkatastrophe, ist dieses Dogma geradezu etwas, das in weitesten Kreisen, allerdings mehr oder weniger heuchlerisch, aber doch zurückgedrängt, vernichtet wird. Man möchte sagen, in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts war in weitesten Kreisen der Glaube herrschend, daß der Mensch eine gewisse Freiheit seines Gewissens haben müsse und auch eine gewisse Freiheit seines Kultus, alles desjenigen, was mit dem Kultus zusammenhängt. Dies hat man in gewissen Kreisen heraufkommen sehen, und es ist von mir schon des öfteren hervorgehoben worden, wie gegen dasjenige, was da heraufgekommen ist, am 8. Dezember 1864 von Rom aus Sturm gelaufen wurde, wie von Rom aus diese ganze Bewegung dazumal behandelt worden ist. Es ist von mir hervorgehoben worden, daß in der päpstlichen Enzyklika des Jahres 1864, die mit dem bekannten Syllabus zu gleicher Zeit erschien, ausdrücklich gesagt wird: Die Ansicht, daß die Freiheit des Gewissens und der Kulte in eines jeden Menschen eigenes Recht gegeben sei, sei ein Deliramentum, ein Wahnsinn. Als Europa die gewissermaßen vorläufige Hochflut dieser Anschauung von der Freiheit des Gewissens erlebte, wurde von Rom aus offiziell erklärt, diese Freiheit des Gewissens und die Freiheit des Kultus sei ein Wahnsinn.
[ 2 ] Ich möchte zunächst heute auf eines hinweisen. Sie wissen, daß so ungefähr zu Beginn des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts in den verschiedenen zivilisierten Staaten Europas und in Amerika so etwas Platz gegriffen hat, was man genannt hat eine Art realer Lebensauffassung, die sich im wesentlichen aufgebaut hat auf die Errungenschaften des 19. Jahrhunderts und auch auf die Errungenschaften, welche die Zivilisation dieses 19. Jahrhunderts vorbereitet haben. Man hat überall anders gesprochen, aus einem anderen Unterton heraus, zu Beginn des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, als dann in den späteren Jahrzehnten und insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Die Gedankenformen selbst, wie sie breiteste Kreise beherrschen, sind in dieser Zeit wesentlich andere geworden. Nun will ich heute nur eines hervorheben. Das, was dazumal im Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts eine Art Gemeingut der Gebildeten war, war der Glaube daran, daß der Mensch aus sich heraus, aus seinem Inneren heraus sich über die wichtigsten Angelegenheiten des Lebens eine Überzeugung bilden soll, und daß, trotzdem der Mensch aus diesem seinem Inneren heraus sich eine Überzeugung über die wichtigsten Angelegenheiten des Lebens bildet, nach dem, was ihm durch irgendwelche wissenschaftlichen Ergebnisse vorgelegt wird, daß trotzdem ein soziales Zusammenleben der Menschen innerhalb der zivilisierten Welt möglich sei. Es wurde gewissermaßen eine Art Dogma, aber ein Dogma, das man freiwillig in weitesten Kreisen anerkannte, ein Dogma, daß unter den Menschen, die einen gewissen Bildungsgrad erreicht haben, Gewissensfreiheit möglich sei. Man hat zwar in den folgenden Jahrzehnten niemals den Mut gehabt, gegen dieses Dogma geradezu aufzutreten; allein mehr oder weniger unbewußt machte man doch Front gegen dieses Dogma. Und in der heutigen Zeit, nach der großen Weltkatastrophe, ist dieses Dogma geradezu etwas, das in weitesten Kreisen, allerdings mehr oder weniger heuchlerisch, aber doch zurückgedrängt, vernichtet wird. Man möchte sagen, in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts war in weitesten Kreisen der Glaube herrschend, daß der Mensch eine gewisse Freiheit seines Gewissens haben müsse und auch eine gewisse Freiheit seines Kultus, alles desjenigen, was mit dem Kultus zusammenhängt. Dies hat man in gewissen Kreisen heraufkommen sehen, und es ist von mir schon des öfteren hervorgehoben worden, wie gegen dasjenige, was da heraufgekommen ist, am 8. Dezember 1864 von Rom aus Sturm gelaufen wurde, wie von Rom aus diese ganze Bewegung dazumal behandelt worden ist. Es ist von mir hervorgehoben worden, daß in der päpstlichen Enzyklika des Jahres 1864, die mit dem bekannten Syllabus zu gleicher Zeit erschien, ausdrücklich gesagt wird: Die Ansicht, daß die Freiheit des Gewissens und der Kulte in eines jeden Menschen eigenes Recht gegeben sei, sei ein Deliramentum, ein Wahnsinn. Als Europa die gewissermaßen vorläufige Hochflut dieser Anschauung von der Freiheit des Gewissens erlebte, wurde von Rom aus offiziell erklärt, diese Freiheit des Gewissens und die Freiheit des Kultus sei ein Wahnsinn.
[ 3 ] Dies möchte ich nur zunächst als eine historische Tatsache hingestellt haben. Ich möchte damit hinweisen, was stattgefunden hat in einer Zeit, in welcher für immerhin eine ganze Anzahl von Menschen die Frage aufgetaucht ist und von den Quellen des menschlichen Gewissens aus behandelt werden wollte: Wie kommen wir als Menschen religiös weiter? — Diese Frage bildete in tiefstem Ernste und wirklich so, daß sich zeigte, die Gewissen sind daran beteiligt, eine bedeutsame Zeitfrage. Ich möchte Ihnen nur ein Dokument als Beweis dafür zur Vorlesung bringen, daß diese Frage etwas bildete, was dazumal die gebildeten Menschen tief beschäftigte.
[ 3 ] Dies möchte ich nur zunächst als eine historische Tatsache hingestellt haben. Ich möchte damit hinweisen, was stattgefunden hat in einer Zeit, in welcher für immerhin eine ganze Anzahl von Menschen die Frage aufgetaucht ist und von den Quellen des menschlichen Gewissens aus behandelt werden wollte: Wie kommen wir als Menschen religiös weiter? — Diese Frage bildete in tiefstem Ernste und wirklich so, daß sich zeigte, die Gewissen sind daran beteiligt, eine bedeutsame Zeitfrage. Ich möchte Ihnen nur ein Dokument als Beweis dafür zur Vorlesung bringen, daß diese Frage etwas bildete, was dazumal die gebildeten Menschen tief beschäftigte.
[ 4 ] Es gibt Reden jenes Rümelin, von dem ich Ihnen neulich im Zusammenhange mit Julius Robert Mayer und im Zusammenhang mit dem Gesetz von der Erhaltung der Kraft gesprochen habe, Reden, die 1875, also in diesem Zeitraume erschienen sind, von dem ich Ihnen jetzt spreche. Da wird auch auseinandergesetzt, welche Schwierigkeiten die Menschheit gerade in bezug auf die Fortbildung der religiösen Fragen erlebt. Da wird auch darauf hingewiesen, wie notwendig es ist, mit klarer Einsicht diese Schwierigkeiten zu verfolgen. Wer nun genauer diesen Zeitpunkt kennt, von dem ich hier spreche, der weiß, daß die folgenden Worte Rümelins immerhin herausgesprochen sind aus dem Gewissen von Hunderten und aber Hunderten von Menschen. Wir haben gewiß keine Veranlassung, die besondere Form der Wissenschaft, die dazumal aufgetaucht war, zu protegieren. Wir sind, soweit wir Anthroposophen sind, dazu ausgerüstet, diese wissenschaftlichen Richtungen weiterzubilden und in ihren relativen Irrtümern gründlich zu durchschauen. Wir sind auch ausgerüstet, zu erkennen, wie man, wenn die Wissenschaft auf diesem Standpunkte bleibt, mit ihr durchaus nicht weiterkommen kann. Aber es sind an vielen Punkten eben in weitesten Kreisen gerade über die religiöse Frage Urteile aufgetaucht, an die man sich heute wiederum zurückerinnern sollte. Und so wird dasjenige, was viele dazumal dachten, zusammengefaßt von Rümelin 1875 in den folgenden Worten: «Es ist Ein Punkt, der zwar zu allen Zeiten Wissen und Glauben schied, aber niemals eine so unübersteigliche Kluft zwischen beiden bildete, als jetzt — der Wunderbegriff. So weit ist die Wissenschaft erstarkt, in sich sicher und übereinstimmend in allen Zweigen und Richtungen, Schulen und Parteien, daß sie dem Wunder in jeder Art und Gestalt unbedingt und ohne weiteres die Türe weist. Sie erkennt nur das Eine Wunder aller Wunder an, daß es überhaupt eine Welt gibt und gerade diese, aber innerhalb des Kosmos verwirft sie schlechthin jeden wie immer formulierten Anspruch, daß die Durchbrechung seiner Ordnungen und Gesetze etwas Denkbares oder gar etwas Vorzüglicheres sei als deren unwandelbare Geltung. Das Wunder ist in ganz gleicher Weise für alle Natur-, Geschichts- und philosophischen Wissenschaften in eben dem, was es sein und bedeuten will, ein begriffliches Unding, ein direktes Attentat auf alle Vernunft und die elementarsten Grundlagen aller menschlichen Wissenschaften. Wissenschaft und Wunder stehen einander gegenüber wie Vernunft und Unvernunft.»
[ 4 ] Es gibt Reden jenes Rümelin, von dem ich Ihnen neulich im Zusammenhange mit Julius Robert Mayer und im Zusammenhang mit dem Gesetz von der Erhaltung der Kraft gesprochen habe, Reden, die 1875, also in diesem Zeitraume erschienen sind, von dem ich Ihnen jetzt spreche. Da wird auch auseinandergesetzt, welche Schwierigkeiten die Menschheit gerade in bezug auf die Fortbildung der religiösen Fragen erlebt. Da wird auch darauf hingewiesen, wie notwendig es ist, mit klarer Einsicht diese Schwierigkeiten zu verfolgen. Wer nun genauer diesen Zeitpunkt kennt, von dem ich hier spreche, der weiß, daß die folgenden Worte Rümelins immerhin herausgesprochen sind aus dem Gewissen von Hunderten und aber Hunderten von Menschen. Wir haben gewiß keine Veranlassung, die besondere Form der Wissenschaft, die dazumal aufgetaucht war, zu protegieren. Wir sind, soweit wir Anthroposophen sind, dazu ausgerüstet, diese wissenschaftlichen Richtungen weiterzubilden und in ihren relativen Irrtümern gründlich zu durchschauen. Wir sind auch ausgerüstet, zu erkennen, wie man, wenn die Wissenschaft auf diesem Standpunkte bleibt, mit ihr durchaus nicht weiterkommen kann. Aber es sind an vielen Punkten eben in weitesten Kreisen gerade über die religiöse Frage Urteile aufgetaucht, an die man sich heute wiederum zurückerinnern sollte. Und so wird dasjenige, was viele dazumal dachten, zusammengefaßt von Rümelin 1875 in den folgenden Worten: «Es ist Ein Punkt, der zwar zu allen Zeiten Wissen und Glauben schied, aber niemals eine so unübersteigliche Kluft zwischen beiden bildete, als jetzt — der Wunderbegriff. So weit ist die Wissenschaft erstarkt, in sich sicher und übereinstimmend in allen Zweigen und Richtungen, Schulen und Parteien, daß sie dem Wunder in jeder Art und Gestalt unbedingt und ohne weiteres die Türe weist. Sie erkennt nur das Eine Wunder aller Wunder an, daß es überhaupt eine Welt gibt und gerade diese, aber innerhalb des Kosmos verwirft sie schlechthin jeden wie immer formulierten Anspruch, daß die Durchbrechung seiner Ordnungen und Gesetze etwas Denkbares oder gar etwas Vorzüglicheres sei als deren unwandelbare Geltung. Das Wunder ist in ganz gleicher Weise für alle Natur-, Geschichts- und philosophischen Wissenschaften in eben dem, was es sein und bedeuten will, ein begriffliches Unding, ein direktes Attentat auf alle Vernunft und die elementarsten Grundlagen aller menschlichen Wissenschaften. Wissenschaft und Wunder stehen einander gegenüber wie Vernunft und Unvernunft.»
[ 5 ] Als ich begann, um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert in öffentlichen Vorträgen gewisse anthroposophische Fragen zu berühren, da war noch ein letzter Nachklang von dieser Stimmung vorhanden. Und deshalb finden Sie — ich weiß nicht, ob jetzt viele hier versammelt sind, die noch diese ersten Vorträge verfolgt haben — in ziemlich vielen Vorträgen hingewiesen auf das Problem der wiederholten Erdenleben und das Problem von dem Schicksal des Menschen, das sich durch die wiederholten Erdenleben hindurchzieht. Sie finden bei diesem Problem stets darauf hingewiesen, immer am Schluß des Vortrages suchte ich darauf hinzuweisen, wie im Grunde genommen für jedes Leben — wenn man glaubt, daß die altaristotelische Vorstellung richtig sei: jedesmal, wenn ein Mensch geboren wird, werde eine neue Seele geschaffen, die eingepflanzt werde dem menschlichen Embryo —, für jedes einzelne Leben das Wunder statuiert sei, und daß lediglich dadurch im berechtigten Sinne der Wunderbegriff überwunden werde, daß man die wiederholten Erdenleben annehme, wodurch jedes einzelne Menschenleben ohne Wunder an die vorhergehenden Erdenleben angereiht werde. Ich erinnere mich noch ganz lebhaft, wie ich einen der Berliner Vorträge damit schloß: Das Wichtigste werden wir in einer richtigen Weise überwinden, den Wunderbegriff.
[ 5 ] Als ich begann, um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert in öffentlichen Vorträgen gewisse anthroposophische Fragen zu berühren, da war noch ein letzter Nachklang von dieser Stimmung vorhanden. Und deshalb finden Sie — ich weiß nicht, ob jetzt viele hier versammelt sind, die noch diese ersten Vorträge verfolgt haben — in ziemlich vielen Vorträgen hingewiesen auf das Problem der wiederholten Erdenleben und das Problem von dem Schicksal des Menschen, das sich durch die wiederholten Erdenleben hindurchzieht. Sie finden bei diesem Problem stets darauf hingewiesen, immer am Schluß des Vortrages suchte ich darauf hinzuweisen, wie im Grunde genommen für jedes Leben — wenn man glaubt, daß die altaristotelische Vorstellung richtig sei: jedesmal, wenn ein Mensch geboren wird, werde eine neue Seele geschaffen, die eingepflanzt werde dem menschlichen Embryo —, für jedes einzelne Leben das Wunder statuiert sei, und daß lediglich dadurch im berechtigten Sinne der Wunderbegriff überwunden werde, daß man die wiederholten Erdenleben annehme, wodurch jedes einzelne Menschenleben ohne Wunder an die vorhergehenden Erdenleben angereiht werde. Ich erinnere mich noch ganz lebhaft, wie ich einen der Berliner Vorträge damit schloß: Das Wichtigste werden wir in einer richtigen Weise überwinden, den Wunderbegriff.
[ 6 ] Seither ist es allerdings fast in der ganzen zivilisierten Welt anders geworden. Das ist zunächst eine historische Tatsache, aber diese schließt etwas ein, was uns im eminentesten Sinne interessieren muß. Das ist, daß in demselben Maße, in dem der Mensch die Möglichkeit verliert, das Geistige in der Welt zu sehen, die Welt, die als Natur auch um ihn ist, geistig zu erklären, in demselben Maße muß er neben die Natur und die sonstige Welt eine besondere Welt hinstellen, die dann der Inhalt der Wunderwelt wird. Je mehr die Naturwissenschaft sich auf die bloße Kausalität berufen wird, desto mehr wird das menschliche Gemüt aus einer ganz selbstverständlichen Reaktion heraus den Wunderbegriff aufnehmen. Je mehr die Naturwissenschaft so fortwirtschaften wird, wie sie fortgewirtschaftet hat, desto zahlreicher werden die Menschen werden, die in Religionen, welche zum Wunder greifen, ihre Zuflucht suchen. Daher das zahlreiche Untertauchen moderner Menschen im Katholizismus, weil sie es gewissermaßen in der naturwissenschaftlichen Weltanschauung nicht aushalten.
[ 6 ] Seither ist es allerdings fast in der ganzen zivilisierten Welt anders geworden. Das ist zunächst eine historische Tatsache, aber diese schließt etwas ein, was uns im eminentesten Sinne interessieren muß. Das ist, daß in demselben Maße, in dem der Mensch die Möglichkeit verliert, das Geistige in der Welt zu sehen, die Welt, die als Natur auch um ihn ist, geistig zu erklären, in demselben Maße muß er neben die Natur und die sonstige Welt eine besondere Welt hinstellen, die dann der Inhalt der Wunderwelt wird. Je mehr die Naturwissenschaft sich auf die bloße Kausalität berufen wird, desto mehr wird das menschliche Gemüt aus einer ganz selbstverständlichen Reaktion heraus den Wunderbegriff aufnehmen. Je mehr die Naturwissenschaft so fortwirtschaften wird, wie sie fortgewirtschaftet hat, desto zahlreicher werden die Menschen werden, die in Religionen, welche zum Wunder greifen, ihre Zuflucht suchen. Daher das zahlreiche Untertauchen moderner Menschen im Katholizismus, weil sie es gewissermaßen in der naturwissenschaftlichen Weltanschauung nicht aushalten.
[ 7 ] Sie brauchen nur den Satz von Rümelin, den ich eben vorgelesen habe, zu vergleichen mit dem, was ich in den letzten Vorträgen hier besprochen habe, dann sehen Sie gleich, um was es sich handelt. In diesen Rümelinschen Ausführungen kommt vor: sie erkennen nur das eine Wunder aller Wunder an, daß es überhaupt eine Welt gibt und gerade diese, aber innerhalb des Kosmos verwerfen sie schlechthin jeden wie immer formulierten Anspruch, daß die Durchbrechung seiner Gesetze und Ordnungen etwas Denkbares oder gar etwas Vorzüglicheres sei als deren unwandelbare Geltung. — Man denkt sich also das Urwunder, daß der Kosmos überhaupt entstanden sei, dann aber innerhalb des Kosmos statuiert man das Gesetz von der Erhaltung des Stoffes und von der Erhaltung der Kraft; dann rollt alles wie fatalistisch nach einer gewissen Notwendigkeit ab.
[ 7 ] Sie brauchen nur den Satz von Rümelin, den ich eben vorgelesen habe, zu vergleichen mit dem, was ich in den letzten Vorträgen hier besprochen habe, dann sehen Sie gleich, um was es sich handelt. In diesen Rümelinschen Ausführungen kommt vor: sie erkennen nur das eine Wunder aller Wunder an, daß es überhaupt eine Welt gibt und gerade diese, aber innerhalb des Kosmos verwerfen sie schlechthin jeden wie immer formulierten Anspruch, daß die Durchbrechung seiner Gesetze und Ordnungen etwas Denkbares oder gar etwas Vorzüglicheres sei als deren unwandelbare Geltung. — Man denkt sich also das Urwunder, daß der Kosmos überhaupt entstanden sei, dann aber innerhalb des Kosmos statuiert man das Gesetz von der Erhaltung des Stoffes und von der Erhaltung der Kraft; dann rollt alles wie fatalistisch nach einer gewissen Notwendigkeit ab.
[ 8 ] Das ist eine Weltanschauung, die nicht haltbar ist, die aber erst überwunden werden kann durch jene Erkenntnisse, die ich mir erlaubte, vor Ihnen, in den letzten Vorträgen dieser Wochen, auseinanderzusetzen, wo ich Ihnen zeigte, wie das Gesetz von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft etwas Unrichtiges darstellt und dasjenige ist, was zunächst in unserer Zeit mit aller Energie überwunden werden muß. Wir haben es nicht nur zu tun mit einer fortwährenden Erhaltung des Kosmos, sondern mit einem fortwährenden Vergehen und Neuentstehen des Kosmos. Und legt man sich hinein in den Kosmos die Idee dieses fortwährenden Entstehens und Vergehens, dann ist man genötigt, weil man Mensch ist, eine besondere Welt neben dem Kosmos zu statuieren, welche Welt dann nichts zu tun hat mit den Naturgesetzen, die man einseitig darstellt, welche zum Wunder greifen muß. In demselben Maße wird allein der unberechtigte Wunderbegriff überwunden, in dem man verstehen lernt, daß alles dasjenige, was in der Welt ist, in einer geistigen Ordnung steht, in der man es nicht nur zu tun hat mit einer ehernen Naturnotwendigkeit, sondern mit weisheitsvoller Weltenführung.
[ 8 ] Das ist eine Weltanschauung, die nicht haltbar ist, die aber erst überwunden werden kann durch jene Erkenntnisse, die ich mir erlaubte, vor Ihnen, in den letzten Vorträgen dieser Wochen, auseinanderzusetzen, wo ich Ihnen zeigte, wie das Gesetz von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft etwas Unrichtiges darstellt und dasjenige ist, was zunächst in unserer Zeit mit aller Energie überwunden werden muß. Wir haben es nicht nur zu tun mit einer fortwährenden Erhaltung des Kosmos, sondern mit einem fortwährenden Vergehen und Neuentstehen des Kosmos. Und legt man sich hinein in den Kosmos die Idee dieses fortwährenden Entstehens und Vergehens, dann ist man genötigt, weil man Mensch ist, eine besondere Welt neben dem Kosmos zu statuieren, welche Welt dann nichts zu tun hat mit den Naturgesetzen, die man einseitig darstellt, welche zum Wunder greifen muß. In demselben Maße wird allein der unberechtigte Wunderbegriff überwunden, in dem man verstehen lernt, daß alles dasjenige, was in der Welt ist, in einer geistigen Ordnung steht, in der man es nicht nur zu tun hat mit einer ehernen Naturnotwendigkeit, sondern mit weisheitsvoller Weltenführung.
[ 9 ] Je mehr man die geistige Welt als solche ins Auge faßt, je mehr man das ins Auge faßt, was man durch die Geisteswissenschaft bekommt, desto mehr sieht man ein, daß alles dasjenige, was die Naturwissenschaft heute vorstellt, durchdrungen werden muß von diesen geistigen Erkenntnissen. Daher muß es immer mehr unsere Aufgabe werden, auf alle einzelnen Wissenschaften und alle einzelnen Zweige des Lebens hinzuweisen so, daß diese durchdrungen werden von dem, was nur Geisteswissenschaft sagen kann. Medizin und Jurisprudenz und Soziologie, alles das muß durchdrungen werden von dem, was durch Geisteswissenschaft erkannt und erschaut werden kann. Diese Geisteswissenschaft braucht nicht irgendeine den alten Kirchen ähnliche Organisation, denn sie appelliert an jeden einzelnen Menschen. Jeder einzelne Mensch kann aus seinem Gewissen heraus durch den gesunden Verstand dasjenige sich vergegenwärtigen, was die Geisteswissenschaft als Ergebnis liefert, und kann sich von diesem Gesichtspunkte aus zur Geisteswissenschaft bekennen. Damit stellt die Geisteswissenschaft etwas hin, was unmittelbar sich nur richtet an das Wahrheitssuchen jeder einzelnen menschlichen Individualität. Sie zieht in Wirklichkeit erst die Konsequenz dessen, was man wollte in jener heute entschwundenen Zeit, im Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, als man wollte: Wirkliche Freiheit des menschlichen Anschauens, des menschlichen Forschens, des menschlichen Meinens auch. Das ist gerade die Aufgabe der Geisteswissenschaft, die echten, die berechtigten Gewissensforderungen der neueren Menschheit zu berücksichtigen. Da gibt es für die Geisteswissenschaft nicht irgend etwas, was abgeschlossene Dogmen sind, sondern da gibt es eben nur wirkliches, durch nichts begrenztes Forschen, das aber weder vor der Grenze gegenüber der geistigen Welt, noch vor der Grenze gegenüber der natürlichen Welt zurückschreckt, sondern ein Forschen ist, das sich der menschlichen Erkenntniskräfte, die herauszuholen sind aus den Tiefen des menschlichen Gemütes, ebenso bedient, wie derjenigen Kräfte, die uns zukommen durch die gewöhnliche Vererbung und durch die gewöhnliche Erziehung.
[ 9 ] Je mehr man die geistige Welt als solche ins Auge faßt, je mehr man das ins Auge faßt, was man durch die Geisteswissenschaft bekommt, desto mehr sieht man ein, daß alles dasjenige, was die Naturwissenschaft heute vorstellt, durchdrungen werden muß von diesen geistigen Erkenntnissen. Daher muß es immer mehr unsere Aufgabe werden, auf alle einzelnen Wissenschaften und alle einzelnen Zweige des Lebens hinzuweisen so, daß diese durchdrungen werden von dem, was nur Geisteswissenschaft sagen kann. Medizin und Jurisprudenz und Soziologie, alles das muß durchdrungen werden von dem, was durch Geisteswissenschaft erkannt und erschaut werden kann. Diese Geisteswissenschaft braucht nicht irgendeine den alten Kirchen ähnliche Organisation, denn sie appelliert an jeden einzelnen Menschen. Jeder einzelne Mensch kann aus seinem Gewissen heraus durch den gesunden Verstand dasjenige sich vergegenwärtigen, was die Geisteswissenschaft als Ergebnis liefert, und kann sich von diesem Gesichtspunkte aus zur Geisteswissenschaft bekennen. Damit stellt die Geisteswissenschaft etwas hin, was unmittelbar sich nur richtet an das Wahrheitssuchen jeder einzelnen menschlichen Individualität. Sie zieht in Wirklichkeit erst die Konsequenz dessen, was man wollte in jener heute entschwundenen Zeit, im Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, als man wollte: Wirkliche Freiheit des menschlichen Anschauens, des menschlichen Forschens, des menschlichen Meinens auch. Das ist gerade die Aufgabe der Geisteswissenschaft, die echten, die berechtigten Gewissensforderungen der neueren Menschheit zu berücksichtigen. Da gibt es für die Geisteswissenschaft nicht irgend etwas, was abgeschlossene Dogmen sind, sondern da gibt es eben nur wirkliches, durch nichts begrenztes Forschen, das aber weder vor der Grenze gegenüber der geistigen Welt, noch vor der Grenze gegenüber der natürlichen Welt zurückschreckt, sondern ein Forschen ist, das sich der menschlichen Erkenntniskräfte, die herauszuholen sind aus den Tiefen des menschlichen Gemütes, ebenso bedient, wie derjenigen Kräfte, die uns zukommen durch die gewöhnliche Vererbung und durch die gewöhnliche Erziehung.
[ 10 ] Diese Grundtendenz der Geisteswissenschaft ist selbstverständlich ein Dorn im Auge denjenigen, welche genötigt sind, nach einem bestimmten, dogmatisch umschriebenen Ziele hin zu lehren. Und da stehen wir, soweit es unsere Geisteswissenschaft interessieren muß und soweit es zu den erklärenden Umständen gehört, die den jetzigen so unwahren Kampf gegen uns möglich machen, da stehen wir vor jener Tatsache, die aber nur ein Ergebnis dessen ist, was schon 1864 mit der damaligen Enzyklika und mit dem Syllabus begann, wir stehen vor der Tatsache, daß der gesamte katholische Klerus, namentlich der lehrende Klerus, durch jenen in das moderne Leben so bedeutsam einschneidenden päpstlichen Erlaß vom 1. September 1910 und durch die Enzyklika «Pascendi dominici gregis» veranlaßt wurde, den sogenannten Antimodernisteneid zu schwören. Dieser Eid besteht darin, daß jeder, der kanzelmäßig oder kathedermäßig als katholischer Priester oder Theologe lehrt, anerkennen muß, daß keine wie immer geartete Wissenschaft dem, nach seiner Ansicht, widersprechen kann, was von der römischen Kirche als Lehrgut dogmatisch festgestellt ist. Das heißt, man hat es heute bei jedem Lehrenden oder kanzelmäßig redenden katholischen Priester zu tun mit jemandem, der den Eid geschworen hat, daß alle Wahrheit, die jemals in der Menschheit Platz greifen kann, übereinstimmen müsse mit dem, was als Wahrheit von Rom aus geltend gemacht wird. Es war eine mächtige Bewegung, die damals, als diese Enzyklika erschien, auch durch den katholischen Klerus ging. Denn es war in der ganzen zivilisierten Welt auch der Klerus in einer gewissen Weise ergriffen worden von der Stimmung, die ich Ihnen für den Beginn des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts charakterisiert habe. Es gab immerhin Kleriker, welche nach einer gewissen Freiheit des Katholizismus hinarbeiteten.
[ 10 ] Diese Grundtendenz der Geisteswissenschaft ist selbstverständlich ein Dorn im Auge denjenigen, welche genötigt sind, nach einem bestimmten, dogmatisch umschriebenen Ziele hin zu lehren. Und da stehen wir, soweit es unsere Geisteswissenschaft interessieren muß und soweit es zu den erklärenden Umständen gehört, die den jetzigen so unwahren Kampf gegen uns möglich machen, da stehen wir vor jener Tatsache, die aber nur ein Ergebnis dessen ist, was schon 1864 mit der damaligen Enzyklika und mit dem Syllabus begann, wir stehen vor der Tatsache, daß der gesamte katholische Klerus, namentlich der lehrende Klerus, durch jenen in das moderne Leben so bedeutsam einschneidenden päpstlichen Erlaß vom 1. September 1910 und durch die Enzyklika «Pascendi dominici gregis» veranlaßt wurde, den sogenannten Antimodernisteneid zu schwören. Dieser Eid besteht darin, daß jeder, der kanzelmäßig oder kathedermäßig als katholischer Priester oder Theologe lehrt, anerkennen muß, daß keine wie immer geartete Wissenschaft dem, nach seiner Ansicht, widersprechen kann, was von der römischen Kirche als Lehrgut dogmatisch festgestellt ist. Das heißt, man hat es heute bei jedem Lehrenden oder kanzelmäßig redenden katholischen Priester zu tun mit jemandem, der den Eid geschworen hat, daß alle Wahrheit, die jemals in der Menschheit Platz greifen kann, übereinstimmen müsse mit dem, was als Wahrheit von Rom aus geltend gemacht wird. Es war eine mächtige Bewegung, die damals, als diese Enzyklika erschien, auch durch den katholischen Klerus ging. Denn es war in der ganzen zivilisierten Welt auch der Klerus in einer gewissen Weise ergriffen worden von der Stimmung, die ich Ihnen für den Beginn des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts charakterisiert habe. Es gab immerhin Kleriker, welche nach einer gewissen Freiheit des Katholizismus hinarbeiteten.
[ 11 ] Nun, ich sage es ganz unverhohlen, daß in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts bei einer großen Anzahl katholisierender Kleriker Keime vorhanden gewesen sind zu einer Fortbildung des katholischen Prinzips, die, wenn sie in eine freie Wissenschaft ausgelaufen wäre, im höchsten Maße zu einer Befreiung der modernen Menschheit hätte führen können. Die schönsten Keime lagen gerade in dem, was dazumal von katholischer Klerikerseite auf den verschiedensten Gebieten versucht worden ist. Alles das muß einmal hier unter uns noch ausführlicher besprochen werden, muß mit Einzelheiten belegt werden. Ich mache Sie zunächst einleitend darauf aufmerksam, und gerade gegen diese innerkatholische Bestrebung machte sich ja das geltend, was 1864 als die damalige Enzyklika und der Syllabus erschien. Dazumal begann jener Kampf, der seinen vorläufigen Abschluß im Antimodernisteneid gefunden hat. Und es war, ich möchte sagen, im Unterbewußten mancher Leute, die innerhalb des katholischen Klerus standen, auch noch 1910 etwas von einer inneren Auflehnung. Aber in der katholischen Kirche gibt es keine Auflehnung. Da handelt es sich darum, daß eben der Grundsatz: Was als Lehrgut von Rom diktiert ist, das muß anerkannt werden —, daß dieser Grundsatz restlos durchgeführt werde. Und es handelt sich dann darum, daß diejenigen, die nun weiter lehren mußten, daß die sich abfinden mußten mit dem, was sie abzuleugnen nicht den Mut hatten, die Freiheit der Wissenschaft. Freiheit der Wissenschaft war eben unter dem Einflusse desjenigen, was da im Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts aufgetreten ist, ein Schlagwort geworden, das selbstverständlich auch in liberalen Kreisen vielfach nur Schlagwort geblieben war; aber es war doch ein Schlagwort, und selbst katholische Gelehrte hatten nicht den Mut, zu sagen, sie brechen mit der Freiheit der Wissenschaft, sie wollen nichts wissen von der Freiheit der Wissenschaft. Sie hatten also die Aufgabe, den Beweis zu liefern, daß man nur dasjenige lehren dürfe — man hatte es zu beeidigen, zu beschwören —, was von Rom als richtiges Lehrgut anerkannt wird, und daß darin die Freiheit der Wissenschaft bestehen könne.
[ 11 ] Nun, ich sage es ganz unverhohlen, daß in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts bei einer großen Anzahl katholisierender Kleriker Keime vorhanden gewesen sind zu einer Fortbildung des katholischen Prinzips, die, wenn sie in eine freie Wissenschaft ausgelaufen wäre, im höchsten Maße zu einer Befreiung der modernen Menschheit hätte führen können. Die schönsten Keime lagen gerade in dem, was dazumal von katholischer Klerikerseite auf den verschiedensten Gebieten versucht worden ist. Alles das muß einmal hier unter uns noch ausführlicher besprochen werden, muß mit Einzelheiten belegt werden. Ich mache Sie zunächst einleitend darauf aufmerksam, und gerade gegen diese innerkatholische Bestrebung machte sich ja das geltend, was 1864 als die damalige Enzyklika und der Syllabus erschien. Dazumal begann jener Kampf, der seinen vorläufigen Abschluß im Antimodernisteneid gefunden hat. Und es war, ich möchte sagen, im Unterbewußten mancher Leute, die innerhalb des katholischen Klerus standen, auch noch 1910 etwas von einer inneren Auflehnung. Aber in der katholischen Kirche gibt es keine Auflehnung. Da handelt es sich darum, daß eben der Grundsatz: Was als Lehrgut von Rom diktiert ist, das muß anerkannt werden —, daß dieser Grundsatz restlos durchgeführt werde. Und es handelt sich dann darum, daß diejenigen, die nun weiter lehren mußten, daß die sich abfinden mußten mit dem, was sie abzuleugnen nicht den Mut hatten, die Freiheit der Wissenschaft. Freiheit der Wissenschaft war eben unter dem Einflusse desjenigen, was da im Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts aufgetreten ist, ein Schlagwort geworden, das selbstverständlich auch in liberalen Kreisen vielfach nur Schlagwort geblieben war; aber es war doch ein Schlagwort, und selbst katholische Gelehrte hatten nicht den Mut, zu sagen, sie brechen mit der Freiheit der Wissenschaft, sie wollen nichts wissen von der Freiheit der Wissenschaft. Sie hatten also die Aufgabe, den Beweis zu liefern, daß man nur dasjenige lehren dürfe — man hatte es zu beeidigen, zu beschwören —, was von Rom als richtiges Lehrgut anerkannt wird, und daß darin die Freiheit der Wissenschaft bestehen könne.
[ 12 ] Ich möchte Ihnen vorläufig nur eine kleine Probe solcher Beweisführung mit ein paar Sätzen vorlesen, die der katholische Theologe Weber in Freiburg im Breisgau seinem Buche «Theologie als freie Wissenschaft und die wahren Feinde wissenschaftlicher Freiheit» einverleibt hat. Da versuchte er ganz ausdrücklich zu beweisen, daß man zwar verpflichtet sein kann durch Beschwörungsformeln, nur vollinhaltlich dasjenige zu lehren, was einem von Rom aus zu lehren aufgetragen wird, daß man aber dabei trotzdem ein freier Wissenschafter bleiben könne. Nachdem er lange auseinandergesetzt hat, daß ja auch die Mathematik etwas Gegebenes sei und man deshalb die Freiheit der Wissenschaft nicht aufhebe, weil man an die Wahrheit der Mathematik gebunden sei, wenn man lehre, so geht er dazu über, zu beweisen, daß man die Freiheit nicht aufgebe, wenn man dasjenige, was von Rom gegeben werde, eben gezwungen sei, der Wahrheit gemäß zu lehren. Einer der Sätze ist der folgende: «Damit, daß der Gelehrte eidlich an den Glaubensinhalt gebunden ist, ist er nicht gebunden an bestimmte Erklärungsweisen und Begründungsversuche, so wenig als die eidliche Pflicht, zur bestimmten Zeit sich bei seinem Regiment einzufinden, dem Soldaten auch die Freiheit nimmt, ob er zu Fuß oder zu Wagen, mit Personenzug oder mit Schnellzug sein Ziel erreichen will. Also bleibt der Gelehrte trotz des Eides in seiner wissenschaftlichen Aufgabe frei.» Das heißt, man ist gezwungen, einen bestimmten Lehrinhalt zu lehren. Man ist gezwungen, gerade diesen Inhalt zu beweisen. Wie man das tut, darinnen ist man frei. Man ist so frei wie ein Soldat, der geschworen hat, in einem bestimmten Zeitpunkt bei seinem Regiment zu erscheinen, der dann zu Fuß oder zu Wagen, in dem Personenzug oder mit dem Schnellzug fahren kann. Man soll sich nun denken, wie dieses zu Fuß oder zu Wagen, im Personenzug oder Schnellzug aussehen muß. Es muß unter allen Umständen so aussehen, daß man beim Regiment ankommt. Ich polemisiere nicht, ich spreche nur eine historische Tatsache aus.
[ 12 ] Ich möchte Ihnen vorläufig nur eine kleine Probe solcher Beweisführung mit ein paar Sätzen vorlesen, die der katholische Theologe Weber in Freiburg im Breisgau seinem Buche «Theologie als freie Wissenschaft und die wahren Feinde wissenschaftlicher Freiheit» einverleibt hat. Da versuchte er ganz ausdrücklich zu beweisen, daß man zwar verpflichtet sein kann durch Beschwörungsformeln, nur vollinhaltlich dasjenige zu lehren, was einem von Rom aus zu lehren aufgetragen wird, daß man aber dabei trotzdem ein freier Wissenschafter bleiben könne. Nachdem er lange auseinandergesetzt hat, daß ja auch die Mathematik etwas Gegebenes sei und man deshalb die Freiheit der Wissenschaft nicht aufhebe, weil man an die Wahrheit der Mathematik gebunden sei, wenn man lehre, so geht er dazu über, zu beweisen, daß man die Freiheit nicht aufgebe, wenn man dasjenige, was von Rom gegeben werde, eben gezwungen sei, der Wahrheit gemäß zu lehren. Einer der Sätze ist der folgende: «Damit, daß der Gelehrte eidlich an den Glaubensinhalt gebunden ist, ist er nicht gebunden an bestimmte Erklärungsweisen und Begründungsversuche, so wenig als die eidliche Pflicht, zur bestimmten Zeit sich bei seinem Regiment einzufinden, dem Soldaten auch die Freiheit nimmt, ob er zu Fuß oder zu Wagen, mit Personenzug oder mit Schnellzug sein Ziel erreichen will. Also bleibt der Gelehrte trotz des Eides in seiner wissenschaftlichen Aufgabe frei.» Das heißt, man ist gezwungen, einen bestimmten Lehrinhalt zu lehren. Man ist gezwungen, gerade diesen Inhalt zu beweisen. Wie man das tut, darinnen ist man frei. Man ist so frei wie ein Soldat, der geschworen hat, in einem bestimmten Zeitpunkt bei seinem Regiment zu erscheinen, der dann zu Fuß oder zu Wagen, in dem Personenzug oder mit dem Schnellzug fahren kann. Man soll sich nun denken, wie dieses zu Fuß oder zu Wagen, im Personenzug oder Schnellzug aussehen muß. Es muß unter allen Umständen so aussehen, daß man beim Regiment ankommt. Ich polemisiere nicht, ich spreche nur eine historische Tatsache aus.
[ 13 ] Dieser ganzen historischen Entwickelung liegt etwas ganz Bestimmtes zugrunde: daß ja im Laufe der letzten Jahrhunderte sich dasjenige langsam vorbereitet hat, was ich charakterisiert habe für diesen Zeitpunkt vom Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, daß das, was da als Stimmung weitere Kreise der gebildeten Welt ergriffen hat und so verheißungsvoll war, jetzt eingeschlafen ist, daß die Seelen darüber schlafen. Es liegt das vor, daß diejenigen Menschen, die dazumal noch diese Stimmung mitgemacht haben, jetzt zu den Ältesten gehören, zu den alten abgetakelten Liberalen, daß namentlich die Jugend in den letzten Jahrzehnten so gehalten worden ist, daß sie die wichtigsten Anforderungen der Menschheit verschlafen hat. Daher muß gerade heute der Appell an die Jugend gerichtet werden, daß sie es anders machen muß, wenn der Niedergang nicht weiter heraufziehen soll, als es diejenigen gemacht haben, die aufgewachsen sind in den letzten Jahrzehnten. Liberal werden konnte das Geschlecht von den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts, liberal erziehen konnte es nicht. Dazu gehört ein ganz anderes Überwinden des Wunderbegriffes, als die Naturwissenschaft es geliefert hat. Dazu gehört die Überwindung durch den Geist und nicht durch die mechanische Naturordnung. Aber während im Grunde genommen, ich möchte sagen, wie ein Traum diese Stimmung über die neuere Menschheit gekommen ist, wachten diejenigen, die dieser Stimmung entgegenarbeiten wollten, und aus wachendem Bewußtsein heraus ist so etwas geboren wie die Enzyklika und der Syllabus vom Jahre 1864 mit seinen achtzig «Irrtümern», die aufgezählt werden, an die alle ein Katholik nicht glauben dürfe. In diesen achtzig «Irrtümern» ist so ziemlich alles darinnen, was moderne Weltanschauung bedeutet. Und wiederum die notwendige und aus vollem Wachbewußtsein heraus geborene neueste Leistung ist die Enzyklika vom Jahre 1907, die dann zu dem Antimodernisteneid geführt hat. Man war nicht nur seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wach, man war seit viel längerer Zeit wach. Man hat gründlich und energisch und intensiv gearbeitet und die Arbeit, die geleistet worden ist, möchte ich bezeichnen als die Konzentrierung alles Katholischen auf Rom hin: Die Unterdrückung innerhalb des Katholizismus, alles desjenigen, was der freiesten Kirche — denn ihrem Wesen nach kann die katholische Kirche die freieste sein — die Freiheit nehmen mußte.
[ 13 ] Dieser ganzen historischen Entwickelung liegt etwas ganz Bestimmtes zugrunde: daß ja im Laufe der letzten Jahrhunderte sich dasjenige langsam vorbereitet hat, was ich charakterisiert habe für diesen Zeitpunkt vom Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts, daß das, was da als Stimmung weitere Kreise der gebildeten Welt ergriffen hat und so verheißungsvoll war, jetzt eingeschlafen ist, daß die Seelen darüber schlafen. Es liegt das vor, daß diejenigen Menschen, die dazumal noch diese Stimmung mitgemacht haben, jetzt zu den Ältesten gehören, zu den alten abgetakelten Liberalen, daß namentlich die Jugend in den letzten Jahrzehnten so gehalten worden ist, daß sie die wichtigsten Anforderungen der Menschheit verschlafen hat. Daher muß gerade heute der Appell an die Jugend gerichtet werden, daß sie es anders machen muß, wenn der Niedergang nicht weiter heraufziehen soll, als es diejenigen gemacht haben, die aufgewachsen sind in den letzten Jahrzehnten. Liberal werden konnte das Geschlecht von den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts, liberal erziehen konnte es nicht. Dazu gehört ein ganz anderes Überwinden des Wunderbegriffes, als die Naturwissenschaft es geliefert hat. Dazu gehört die Überwindung durch den Geist und nicht durch die mechanische Naturordnung. Aber während im Grunde genommen, ich möchte sagen, wie ein Traum diese Stimmung über die neuere Menschheit gekommen ist, wachten diejenigen, die dieser Stimmung entgegenarbeiten wollten, und aus wachendem Bewußtsein heraus ist so etwas geboren wie die Enzyklika und der Syllabus vom Jahre 1864 mit seinen achtzig «Irrtümern», die aufgezählt werden, an die alle ein Katholik nicht glauben dürfe. In diesen achtzig «Irrtümern» ist so ziemlich alles darinnen, was moderne Weltanschauung bedeutet. Und wiederum die notwendige und aus vollem Wachbewußtsein heraus geborene neueste Leistung ist die Enzyklika vom Jahre 1907, die dann zu dem Antimodernisteneid geführt hat. Man war nicht nur seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wach, man war seit viel längerer Zeit wach. Man hat gründlich und energisch und intensiv gearbeitet und die Arbeit, die geleistet worden ist, möchte ich bezeichnen als die Konzentrierung alles Katholischen auf Rom hin: Die Unterdrückung innerhalb des Katholizismus, alles desjenigen, was der freiesten Kirche — denn ihrem Wesen nach kann die katholische Kirche die freieste sein — die Freiheit nehmen mußte.
[ 14 ] Sie werden vielleicht verwundert sein, daß ich sage, die katholische Kirche könne die freieste sein. Nun, gehen wir ein wenig von unserer aufgeklärten Autoritätsfreiheit in das 13. Jahrhundert zurück, von dem wir uns neulich in öffentlichen Vorträgen unterhalten haben. Da möchte ich Ihnen doch aus diesem 13. Jahrhundert, wo der Katholizismus in Europa in voller Blüte stand, ein Dokument zu Gemüte führen. Da handelte es sich darum, daß der eine der Begründer der Hochscholastik, Albertus Magnus, von Rom aus zum Bischof von Regensburg ernannt werden sollte. Man kann sich heute innerhalb der katholischen Kirche selbstverständlich nichts anderes vorstellen, als daß das für einen Dominikaner, der bis dahin seinen Ruhm begründet hatte nur durch zahlreiche bedeutsame gelehrte Schriften und durch ein innerhalb seines Ordens sich vollziehendes rechtes Leben, eine ungemeine Erhöhung seiner Würde sei, zum Bischof eines der ersten Bistümer ernannt zu werden. Denn heute ist die katholische Kirche ein kompakter Organismus. Das ist er geworden, indem er im absolutistischen Sinne umgestaltet worden ist. — Der Ordensgeneral richtete also an Albertus Magnus einen Brief, als Albertus Magnus zum Bischof von Regensburg ernannt werden sollte, und dieser Brief hat etwa den folgenden Inhalt: Der Ordensgeneral beschwört Albertus Magnus, das Bistum nicht anzunehmen, nicht diesen Makel seinem Ruhme und dem seines Ordens zuzuführen. Er solle nicht auf das Verlangen des römischen Hofes eingehen, wo man die Dinge nicht so ernst nehme. Aller Nutzen, den er bisher durch sein frommes Leben und seine Schriften gestiftet, sei in Frage gestellt, wenn er Bischof werde und in die Verstrickung derjenigen Geschäfte geriete, die er als Bischof zu besorgen habe. Er solle seinen Orden nicht in tiefe Trauer versetzen.
[ 14 ] Sie werden vielleicht verwundert sein, daß ich sage, die katholische Kirche könne die freieste sein. Nun, gehen wir ein wenig von unserer aufgeklärten Autoritätsfreiheit in das 13. Jahrhundert zurück, von dem wir uns neulich in öffentlichen Vorträgen unterhalten haben. Da möchte ich Ihnen doch aus diesem 13. Jahrhundert, wo der Katholizismus in Europa in voller Blüte stand, ein Dokument zu Gemüte führen. Da handelte es sich darum, daß der eine der Begründer der Hochscholastik, Albertus Magnus, von Rom aus zum Bischof von Regensburg ernannt werden sollte. Man kann sich heute innerhalb der katholischen Kirche selbstverständlich nichts anderes vorstellen, als daß das für einen Dominikaner, der bis dahin seinen Ruhm begründet hatte nur durch zahlreiche bedeutsame gelehrte Schriften und durch ein innerhalb seines Ordens sich vollziehendes rechtes Leben, eine ungemeine Erhöhung seiner Würde sei, zum Bischof eines der ersten Bistümer ernannt zu werden. Denn heute ist die katholische Kirche ein kompakter Organismus. Das ist er geworden, indem er im absolutistischen Sinne umgestaltet worden ist. — Der Ordensgeneral richtete also an Albertus Magnus einen Brief, als Albertus Magnus zum Bischof von Regensburg ernannt werden sollte, und dieser Brief hat etwa den folgenden Inhalt: Der Ordensgeneral beschwört Albertus Magnus, das Bistum nicht anzunehmen, nicht diesen Makel seinem Ruhme und dem seines Ordens zuzuführen. Er solle nicht auf das Verlangen des römischen Hofes eingehen, wo man die Dinge nicht so ernst nehme. Aller Nutzen, den er bisher durch sein frommes Leben und seine Schriften gestiftet, sei in Frage gestellt, wenn er Bischof werde und in die Verstrickung derjenigen Geschäfte geriete, die er als Bischof zu besorgen habe. Er solle seinen Orden nicht in tiefe Trauer versetzen.
[ 15 ] Damals gab es Stimmen innerhalb der Kirche, die so sprachen. Damals war die katholische Kirche keine kompakte Masse. Damals gab es innerhalb der Kirche die Möglichkeit, in tiefe Trauer versetzt zu werden, wenn jemand zu einem Amte auserkoren wurde, von dem er wußte, daß bei dessen Besetzung Rom es nicht besonders ernst nimmt. In Biographien des Thomas von Aguino finden Sie immer wiederum angeführt, daß er die Kardinalswürde ausgeschlagen hat. Ich führe Ihnen heute etwas von den wahren Gründen an, warum das also ist. Denn Sie lesen immer in den Biographien nur den Satz, daß er die Kardinalswürde ausgeschlagen hat. Es ist auch nicht leicht, die Gründe anzuführen, wenn man zugleich den Thomas von Aquino zum offiziellen Philosophen der Kirche macht.
[ 15 ] Damals gab es Stimmen innerhalb der Kirche, die so sprachen. Damals war die katholische Kirche keine kompakte Masse. Damals gab es innerhalb der Kirche die Möglichkeit, in tiefe Trauer versetzt zu werden, wenn jemand zu einem Amte auserkoren wurde, von dem er wußte, daß bei dessen Besetzung Rom es nicht besonders ernst nimmt. In Biographien des Thomas von Aguino finden Sie immer wiederum angeführt, daß er die Kardinalswürde ausgeschlagen hat. Ich führe Ihnen heute etwas von den wahren Gründen an, warum das also ist. Denn Sie lesen immer in den Biographien nur den Satz, daß er die Kardinalswürde ausgeschlagen hat. Es ist auch nicht leicht, die Gründe anzuführen, wenn man zugleich den Thomas von Aquino zum offiziellen Philosophen der Kirche macht.
[ 16 ] Einen Satz aus jenem Schreiben des Ordensgenerals der Dominikaner an Albertus Magnus möchte ich Ihnen doch wörtlich übersetzt vorlesen: «Möchte ich lieber hören, daß mein lieber Sohn im Grabe ist, als auf dem bischöflichen Stuhle von Regensburg.» Es genügt nicht, daß man bloß vom finsteren Mittelalter spricht und von den Zeiten, in denen wir leben und in denen man es so herrlich weit gebracht hat, sondern es handelt sich darum, daß man, wenn man die Dinge beurteilen will, innerhalb welcher wir leben, einige historische Tatsachen kennt und weiß, wie die Dinge sich in der Zeit entwickelt haben. Sie wissen ja, daß im Hintergrunde bei unseren Angreifern vielfach der Jesuitismus steht. Nicht wahr, von jesuitischer Seite kamen zuerst die knüppeldicksten Lügen, wie zum Beispiel diejenige, daß ich selber einmal Priester gewesen sei und aus dem Priesterstande entsprungen sei — worauf dann der Betreffende, der dies gelogen hat, nichts anderes nach einigen Jahren zu sagen wußte als: Diese Hypothese läßt sich weiter nicht halten. — Im österreichischen Parlament hat einmal der Abgeordnete Walterskirchen einem Minister ins Angesicht gerufen: Demjenigen, der einmal gelogen hat, dem glaubt man nicht, auch wenn er nachher die Wahrheit sagt. — Aber Jesuitismus steht hinter diesen Dingen. Man kann auf mancherlei hinweisen, was auf dem Boden des Jesuitismus wächst. Aber auch hier möchte ich heute nur einleitungsweise auf eine historische Tatsache hinweisen.
[ 16 ] Einen Satz aus jenem Schreiben des Ordensgenerals der Dominikaner an Albertus Magnus möchte ich Ihnen doch wörtlich übersetzt vorlesen: «Möchte ich lieber hören, daß mein lieber Sohn im Grabe ist, als auf dem bischöflichen Stuhle von Regensburg.» Es genügt nicht, daß man bloß vom finsteren Mittelalter spricht und von den Zeiten, in denen wir leben und in denen man es so herrlich weit gebracht hat, sondern es handelt sich darum, daß man, wenn man die Dinge beurteilen will, innerhalb welcher wir leben, einige historische Tatsachen kennt und weiß, wie die Dinge sich in der Zeit entwickelt haben. Sie wissen ja, daß im Hintergrunde bei unseren Angreifern vielfach der Jesuitismus steht. Nicht wahr, von jesuitischer Seite kamen zuerst die knüppeldicksten Lügen, wie zum Beispiel diejenige, daß ich selber einmal Priester gewesen sei und aus dem Priesterstande entsprungen sei — worauf dann der Betreffende, der dies gelogen hat, nichts anderes nach einigen Jahren zu sagen wußte als: Diese Hypothese läßt sich weiter nicht halten. — Im österreichischen Parlament hat einmal der Abgeordnete Walterskirchen einem Minister ins Angesicht gerufen: Demjenigen, der einmal gelogen hat, dem glaubt man nicht, auch wenn er nachher die Wahrheit sagt. — Aber Jesuitismus steht hinter diesen Dingen. Man kann auf mancherlei hinweisen, was auf dem Boden des Jesuitismus wächst. Aber auch hier möchte ich heute nur einleitungsweise auf eine historische Tatsache hinweisen.
[ 17 ] Ein jesuitischer Grundsatz ist es, dem Papst unbedingten Gehorsam zu leisten. Nun gab es im 18. Jahrhundert einen Papst, der für ewige Zeiten — ausdrücklich für ewige Zeiten — unwiderruflich den Jesuitenorden aufgehoben hat. Wären die Jesuiten ihrem Grundsatz, dem Papste Treue und Gehorsam zu erweisen, eben treu geblieben, dann wären sie nicht wiederum selbstverständlich auf der Bildfläche erschienen. Diese Treue haben sie nicht erwiesen, sondern sie haben sich geflüchtet zu denjenigen in die Länder, wo Herrscher waren, welche Rom dazumal weniger geneigt waren und die gemeint haben, dadurch, daß sie die Jesuiten konservieren, für die Zukunft nicht der Menschheit, aber sich selbst etwas Gutes zu tun, sich selbst und ihrer Nachfolgerschaft. Denn gerettet ist der Jesuitenorden worden durch zwei Herrscher, nämlich von Friedrich II. von Preußen und durch Katharina von Rußland. In allen römisch-katholischen Ländern war er als nicht zu Recht bestehend anerkannt. Die Jesuiten verdanken es heute Friedrich II. von Preußen und Katharina von Rußland, daß sie überhaupt dazumal über die Zeit hinüber, wo sie von Rom aus verfolgt worden sind, existieren konnten. Ich polemisiere nicht, ich erzähle nur historische Tatsachen. Aber diese historischen Tatsachen sind weitesten Kreisen ja nicht bekannt, und es ist notwendig, daß diese historischen Tatsachen ins Auge gefaßt werden, denn es kann sich nicht ferner darum handeln, daß wir sektiererisch sind und eine Mauer um uns aufrichten, sondern es kann sich nur einzig und allein darum handeln, daß wir hineinschauen in dasjenige, wovon wir umgeben sind, und es verstehen lernen. Das ist wirklich dann unsere Pflicht, wenn wir es ehrlich und ernst meinen mit derjenigen Bewegung, in der wir vorgeben, darinnenzustehen.
[ 17 ] Ein jesuitischer Grundsatz ist es, dem Papst unbedingten Gehorsam zu leisten. Nun gab es im 18. Jahrhundert einen Papst, der für ewige Zeiten — ausdrücklich für ewige Zeiten — unwiderruflich den Jesuitenorden aufgehoben hat. Wären die Jesuiten ihrem Grundsatz, dem Papste Treue und Gehorsam zu erweisen, eben treu geblieben, dann wären sie nicht wiederum selbstverständlich auf der Bildfläche erschienen. Diese Treue haben sie nicht erwiesen, sondern sie haben sich geflüchtet zu denjenigen in die Länder, wo Herrscher waren, welche Rom dazumal weniger geneigt waren und die gemeint haben, dadurch, daß sie die Jesuiten konservieren, für die Zukunft nicht der Menschheit, aber sich selbst etwas Gutes zu tun, sich selbst und ihrer Nachfolgerschaft. Denn gerettet ist der Jesuitenorden worden durch zwei Herrscher, nämlich von Friedrich II. von Preußen und durch Katharina von Rußland. In allen römisch-katholischen Ländern war er als nicht zu Recht bestehend anerkannt. Die Jesuiten verdanken es heute Friedrich II. von Preußen und Katharina von Rußland, daß sie überhaupt dazumal über die Zeit hinüber, wo sie von Rom aus verfolgt worden sind, existieren konnten. Ich polemisiere nicht, ich erzähle nur historische Tatsachen. Aber diese historischen Tatsachen sind weitesten Kreisen ja nicht bekannt, und es ist notwendig, daß diese historischen Tatsachen ins Auge gefaßt werden, denn es kann sich nicht ferner darum handeln, daß wir sektiererisch sind und eine Mauer um uns aufrichten, sondern es kann sich nur einzig und allein darum handeln, daß wir hineinschauen in dasjenige, wovon wir umgeben sind, und es verstehen lernen. Das ist wirklich dann unsere Pflicht, wenn wir es ehrlich und ernst meinen mit derjenigen Bewegung, in der wir vorgeben, darinnenzustehen.
[ 18 ] Das ist das Schlimmste, das Schädlichste in unserer Zeit, daß man sich so wenig um die Tatsachen kümmert, daß man nicht eingehen will auf die Art und Weise der Hergänge, aus denen dasjenige entstanden ist, was jetzt namentlich gegen uns aufsteht, von dem das gespeist wird, was jetzt gegen uns aufsteht. Es ist immer stiller geworden in bezug auf solche Urteile, wie sie gefällt worden sind aus jener Stimmung heraus, die ich charakterisiert habe als die vom Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts. Gegenwärtig ist die Zeit dadurch zu charakterisieren, daß man sagen kann: Es ist erstaunlich, wie wenig die Menschen eigentlich wissen, was in der Welt vorgeht. Denn es ist im Grunde genommen vollständig verschlafen worden die Enzyklika «Pascendi dominici gregis» vom 8. September 1907, wodurch eben von den Klerikern der Antimodernisteneid abgefordert worden ist. Stimmen etwa, wie sie ganz gewiß ausgegangen wären von einem solchen Menschen, wie jener Dominikanergeneral war, der seinen lieben Sohn lieber im Grabe sehen möchte als auf dem Bischofsstuhl von Regensburg, Stimmen solcher Art machten sich nicht geltend; dafür aber diejenigen, welche erklärten, man könne noch ein freier Wissenschafter sein, wenn man schwöre, dasjenige, was man lehre, könne man durch alle Mittel beweisen, gleichgültig, ob durch Schnellzug oder Personenzug oder zu Wagen oder zu Fuß. Was die Logik für Sprünge machen muß, wenn solche Beweise geführt werden müssen — man braucht es sich nicht auszumalen. Man kann auch das beweisen, belegen, hinlänglich belegen. Aber die meisten Menschen machen sich keine Vorstellungen davon, welche Macht doch in dem steckt, was jetzt insbesondere im Kampf gegen uns, die wir niemanden angegriffen haben, auftritt, und von welcher Gesinnung dieses ist. Es genügt nicht, daß man sagt, die Dinge seien zu blöde, um darauf einzugehen. Denn immerhin, innerhalb desjenigen, was da um uns herum behauptet wird, finden sich zwei Dinge, die strikteweg gesagt werden. Ich will nur darauf hinweisen, daß sich der betreffende «Spektator» auf den Vorwurf: das, wovon er sprach, sei aus einem Buche, nämlich aus der AkashaChronik geschöpft, und es sei eine wissentliche Unwahrheit, denn er müsse wissen, daß er die Akasha-Chronik nicht in seiner Bibliothek haben könne, in folgender Weise heraus windet: «Zunächst eine Vorbemerkung. In unserem zweiten Artikel hat sich ein Druckfehler eingeschlichen: Akaska-Chronik statt Akasha-Chronik, was Dr. Boos schmunzelnd registriert. Er scheint «Mücken zu seihen und Kamele zu verschlucken». An gleicher Stelle ist noch ein Satzfehler: für Apollinaris soll natürlich Apollonius von Tyana stehen, was Dr. Boos übersehen hat — vielleicht aus Absicht.»
[ 18 ] Das ist das Schlimmste, das Schädlichste in unserer Zeit, daß man sich so wenig um die Tatsachen kümmert, daß man nicht eingehen will auf die Art und Weise der Hergänge, aus denen dasjenige entstanden ist, was jetzt namentlich gegen uns aufsteht, von dem das gespeist wird, was jetzt gegen uns aufsteht. Es ist immer stiller geworden in bezug auf solche Urteile, wie sie gefällt worden sind aus jener Stimmung heraus, die ich charakterisiert habe als die vom Beginne des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts. Gegenwärtig ist die Zeit dadurch zu charakterisieren, daß man sagen kann: Es ist erstaunlich, wie wenig die Menschen eigentlich wissen, was in der Welt vorgeht. Denn es ist im Grunde genommen vollständig verschlafen worden die Enzyklika «Pascendi dominici gregis» vom 8. September 1907, wodurch eben von den Klerikern der Antimodernisteneid abgefordert worden ist. Stimmen etwa, wie sie ganz gewiß ausgegangen wären von einem solchen Menschen, wie jener Dominikanergeneral war, der seinen lieben Sohn lieber im Grabe sehen möchte als auf dem Bischofsstuhl von Regensburg, Stimmen solcher Art machten sich nicht geltend; dafür aber diejenigen, welche erklärten, man könne noch ein freier Wissenschafter sein, wenn man schwöre, dasjenige, was man lehre, könne man durch alle Mittel beweisen, gleichgültig, ob durch Schnellzug oder Personenzug oder zu Wagen oder zu Fuß. Was die Logik für Sprünge machen muß, wenn solche Beweise geführt werden müssen — man braucht es sich nicht auszumalen. Man kann auch das beweisen, belegen, hinlänglich belegen. Aber die meisten Menschen machen sich keine Vorstellungen davon, welche Macht doch in dem steckt, was jetzt insbesondere im Kampf gegen uns, die wir niemanden angegriffen haben, auftritt, und von welcher Gesinnung dieses ist. Es genügt nicht, daß man sagt, die Dinge seien zu blöde, um darauf einzugehen. Denn immerhin, innerhalb desjenigen, was da um uns herum behauptet wird, finden sich zwei Dinge, die strikteweg gesagt werden. Ich will nur darauf hinweisen, daß sich der betreffende «Spektator» auf den Vorwurf: das, wovon er sprach, sei aus einem Buche, nämlich aus der AkashaChronik geschöpft, und es sei eine wissentliche Unwahrheit, denn er müsse wissen, daß er die Akasha-Chronik nicht in seiner Bibliothek haben könne, in folgender Weise heraus windet: «Zunächst eine Vorbemerkung. In unserem zweiten Artikel hat sich ein Druckfehler eingeschlichen: Akaska-Chronik statt Akasha-Chronik, was Dr. Boos schmunzelnd registriert. Er scheint «Mücken zu seihen und Kamele zu verschlucken». An gleicher Stelle ist noch ein Satzfehler: für Apollinaris soll natürlich Apollonius von Tyana stehen, was Dr. Boos übersehen hat — vielleicht aus Absicht.»
[ 19 ] Nun, daß der Setzer «Akaska-Chronik» stehengelassen hat, das habe ich wahrhaftig nicht moniert, denn das kann ein Druckfehler sein; und sogar das will ich hinnehmen, daß ein Mensch, der auf jenem geistigen Niveau steht, von dem diese Artikel hier zeugen, statt Apollonius «Apollinaris» schreibt. Ich nehme ihm das nicht einmal übel, daß er unter den Quellen, aus denen wir schöpfen, auch diejenige, die mit dem Namen Apollinaris belegt ist, anführt. Aber das muß als eine wirkliche Unwahrheit hingestellt werden, wenn jemand behauptet, die Akasha-Chronik sei dasjenige, aus dem die Anthroposophie unberechtigterweise als aus einem alten Buche geschöpft werde. Aber wodurch windet sich der Herr denn aus diesem heraus? Er sagt gar nicht einmal, daß ihm das vorgeworfen werden konnte. Er sagt: «Sie ist eine sagenhafte Geheimschrift» — die Akasha-Chronik —, «welche die unvergänglichen Spuren (?) aller Urweisheit enthält und eine ähnliche Rolle spielt, wie das obskure Buch Dzyan, das Madame Blavatsky in einer Höhle von Tibet gefunden haben will» und so weiter.
[ 19 ] Nun, daß der Setzer «Akaska-Chronik» stehengelassen hat, das habe ich wahrhaftig nicht moniert, denn das kann ein Druckfehler sein; und sogar das will ich hinnehmen, daß ein Mensch, der auf jenem geistigen Niveau steht, von dem diese Artikel hier zeugen, statt Apollonius «Apollinaris» schreibt. Ich nehme ihm das nicht einmal übel, daß er unter den Quellen, aus denen wir schöpfen, auch diejenige, die mit dem Namen Apollinaris belegt ist, anführt. Aber das muß als eine wirkliche Unwahrheit hingestellt werden, wenn jemand behauptet, die Akasha-Chronik sei dasjenige, aus dem die Anthroposophie unberechtigterweise als aus einem alten Buche geschöpft werde. Aber wodurch windet sich der Herr denn aus diesem heraus? Er sagt gar nicht einmal, daß ihm das vorgeworfen werden konnte. Er sagt: «Sie ist eine sagenhafte Geheimschrift» — die Akasha-Chronik —, «welche die unvergänglichen Spuren (?) aller Urweisheit enthält und eine ähnliche Rolle spielt, wie das obskure Buch Dzyan, das Madame Blavatsky in einer Höhle von Tibet gefunden haben will» und so weiter.
[ 20 ] Er macht also seinen Schäfchen klar, daß er von dieser AkashaChronik doch als von irgend etwas einmal Geschriebenem sprechen könne. Selbstverständlich glauben ihm seine Leser das. Aber auf zwei Dinge will ich hinweisen. Das eine ist dieses: «Steiner rechnet sich als großes Verdienst an, daß er den Buddhismus verjüngt und dadurch bereichert habe, daß er ihm die Lehre von der Reinkarnation (Wiederverkörperung des Menschen) und Karma als Spezialitäten Steiners einverleibt habe.»
[ 20 ] Er macht also seinen Schäfchen klar, daß er von dieser AkashaChronik doch als von irgend etwas einmal Geschriebenem sprechen könne. Selbstverständlich glauben ihm seine Leser das. Aber auf zwei Dinge will ich hinweisen. Das eine ist dieses: «Steiner rechnet sich als großes Verdienst an, daß er den Buddhismus verjüngt und dadurch bereichert habe, daß er ihm die Lehre von der Reinkarnation (Wiederverkörperung des Menschen) und Karma als Spezialitäten Steiners einverleibt habe.»
[ 21 ] Selbstverständlich ist niemals etwas von dem geschehen, und es ist kein einziger Satz an dem wahr, was veröffentlicht worden ist, außer höchstens das einzige, was vielleicht denen immer etwas Kopfschmerzen verursacht, die aus dieser Stimmung heraus schreiben; nämlich er sagt: «Die Gnostiker haben auch eine esoterische Glaubenslehre aufgestellt und die Menschen unterschieden zwischen Hyliker (die gewöhnlichen Menschen, die große Masse) und Pneumatiker (Theosophen), in denen die Fülle des Geistes und daher eine höhere Erkenntnis (Einweihung) herrsche. Sie enthielten sich des Fleisches und des Weines.»
[ 21 ] Selbstverständlich ist niemals etwas von dem geschehen, und es ist kein einziger Satz an dem wahr, was veröffentlicht worden ist, außer höchstens das einzige, was vielleicht denen immer etwas Kopfschmerzen verursacht, die aus dieser Stimmung heraus schreiben; nämlich er sagt: «Die Gnostiker haben auch eine esoterische Glaubenslehre aufgestellt und die Menschen unterschieden zwischen Hyliker (die gewöhnlichen Menschen, die große Masse) und Pneumatiker (Theosophen), in denen die Fülle des Geistes und daher eine höhere Erkenntnis (Einweihung) herrsche. Sie enthielten sich des Fleisches und des Weines.»
[ 22 ] Dieses «enthielten sich des Fleisches und des Weines», das ist das einzige, was man so, wie es hier steht, strikteweg nehmen kann, und das ist ja manchem Menschen etwas Unangenehmes, nicht wahr. Aber dieser selbe Herr sagte also dann weiter: «Das ist aber nicht wahr.» Was weiß ich, was nicht wahr ist? «Der Buddhismus redet von Seelenwanderung, Steiner von Reinkarnation. Beides ist das Gleiche. Nach dieser Theorie ist Christus nichts anderes als ein re-inkarnierter Buddha oder wiedererschienener Buddha. Ob man sagt: Der und der verkörpert sich wieder oder das Erdenleben von dem und dem wiederholt sich — das kommt auf’s gleiche heraus. Die ganze lange Argumentation offenbart die Steinersche Sophisterei und seine angebliche [ 22 ] Dieses «enthielten sich des Fleisches und des Weines», das ist das einzige, was man so, wie es hier steht, strikteweg nehmen kann, und das ist ja manchem Menschen etwas Unangenehmes, nicht wahr. Aber dieser selbe Herr sagte also dann weiter: «Das ist aber nicht wahr.» Was weiß ich, was nicht wahr ist? «Der Buddhismus redet von Seelenwanderung, Steiner von Reinkarnation. Beides ist das Gleiche. Nach dieser Theorie ist Christus nichts anderes als ein re-inkarnierter Buddha oder wiedererschienener Buddha. Ob man sagt: Der und der verkörpert sich wieder oder das Erdenleben von dem und dem wiederholt sich — das kommt auf’s gleiche heraus. Die ganze lange Argumentation offenbart die Steinersche Sophisterei und seine angebliche [ 23 ] Ich bitte doch, darauf zu sehen, daß hier in dieser biederen Form wirklich das Ärgste an Unwahrheit geleistet wird, was nur geleistet werden kann, und daß für diejenigen, die das lesen, jede Möglichkeit hinweggeräumt wird, irgendwie sich von dem zu überzeugen, was die Wahrheit ist. Bis jetzt ist in allen diesen langen Artikeln auf die dreiundzwanzig Lügen, von denen Dr. Boos in seiner Erwiderung auf den ersten Angriff gesprochen hat, noch nicht eingegangen worden. [ 23 ] Ich bitte doch, darauf zu sehen, daß hier in dieser biederen Form wirklich das Ärgste an Unwahrheit geleistet wird, was nur geleistet werden kann, und daß für diejenigen, die das lesen, jede Möglichkeit hinweggeräumt wird, irgendwie sich von dem zu überzeugen, was die Wahrheit ist. Bis jetzt ist in allen diesen langen Artikeln auf die dreiundzwanzig Lügen, von denen Dr. Boos in seiner Erwiderung auf den ersten Angriff gesprochen hat, noch nicht eingegangen worden. [ 24 ] Das andere ist folgender Satz: «Dieser Weg ist aber nicht falsch, sondern richtig.» Dieser «Spektator» redet vorher einen vollständigen Unsinn vom Willen und dann sagt er: «Dieser Weg ist aber nicht falsch, sondern richtig; denn Christi Forderungen gehen auf den Willen. Christus selber sagt ja: «Deshalb bin ich in die Welt gekommen, um den Willen meines Vaters zu tun..» Deshalb ist es also nicht mehr erlaubt, zu sagen, daß es ankommt auf Geistinitiative oder so irgend etwas. Dann sagt «Spektator» weiter: «Dieses kleine Beispiel zeigt, wie weit Steiner vom wahren Christusimpuls entfernt ist, beweist, daß ihm Christus kein göttlicher Gebieter (der Weg, die Wahrheit und das Leben), sondern nur der «Weise von Nazareth» oder in theosophischer Sprache: ein Jeschu ben Pandira, oder ein Gautama Buddha, auf deutsch ein wiederverkörperter Buddha ist.» [ 24 ] Das andere ist folgender Satz: «Dieser Weg ist aber nicht falsch, sondern richtig.» Dieser «Spektator» redet vorher einen vollständigen Unsinn vom Willen und dann sagt er: «Dieser Weg ist aber nicht falsch, sondern richtig; denn Christi Forderungen gehen auf den Willen. Christus selber sagt ja: «Deshalb bin ich in die Welt gekommen, um den Willen meines Vaters zu tun..» Deshalb ist es also nicht mehr erlaubt, zu sagen, daß es ankommt auf Geistinitiative oder so irgend etwas. Dann sagt «Spektator» weiter: «Dieses kleine Beispiel zeigt, wie weit Steiner vom wahren Christusimpuls entfernt ist, beweist, daß ihm Christus kein göttlicher Gebieter (der Weg, die Wahrheit und das Leben), sondern nur der «Weise von Nazareth» oder in theosophischer Sprache: ein Jeschu ben Pandira, oder ein Gautama Buddha, auf deutsch ein wiederverkörperter Buddha ist.» [ 25 ] Vergleichen Sie alles dasjenige, was hier zur Bekräftigung desjenigen vorgebracht worden ist, was von modernen Theologen über die Theorie, die hier immer wieder und wiederum als ein Unsinn bezeichnet worden ist — daß man zu sehen habe in dem Christus Jesus nur den «Weisen von Nazareth» — bedenken Sie alles das, was von dieser Stelle aus gegen diese materialistische "Theorie gesagt worden ist — und hier in der unmittelbarsten Nähe wird man verleumdet und dasjenige, gegen das ich immer wieder aufgetreten bin, als das Bekenntnis hier ausgebreitet. Ich frage Sie: Gibt es noch die Möglichkeit, die Lügen zu erhöhen? Gibt es noch einen verlogeneren Weg als diesen? Es genügt nicht, daß man bloß die Blödigkeiten dessen ansieht, denn Sie werden die realen Wirkungen dieser Taktik immer mehr und mehr verspüren. Daher ist es notwendig, daß die Dinge hier wahrhaftig nicht verschlafen werden, sondern daß die Dinge ernsthaft ins Auge gefaßt werden, denn es handelt sich heute wirklich nicht um die Fragen einer kleinen Gemeinschaft, sondern es handelt sich um eine große Menschheitsfrage, und diese große Menschheitsfrage muß ins Auge gefaßt werden. Es handelt sich um die Frage der Wahrheit und um die Frage der Lüge. In diesen Dingen muß Ernst gemacht werden. [ 25 ] Vergleichen Sie alles dasjenige, was hier zur Bekräftigung desjenigen vorgebracht worden ist, was von modernen Theologen über die Theorie, die hier immer wieder und wiederum als ein Unsinn bezeichnet worden ist — daß man zu sehen habe in dem Christus Jesus nur den «Weisen von Nazareth» — bedenken Sie alles das, was von dieser Stelle aus gegen diese materialistische "Theorie gesagt worden ist — und hier in der unmittelbarsten Nähe wird man verleumdet und dasjenige, gegen das ich immer wieder aufgetreten bin, als das Bekenntnis hier ausgebreitet. Ich frage Sie: Gibt es noch die Möglichkeit, die Lügen zu erhöhen? Gibt es noch einen verlogeneren Weg als diesen? Es genügt nicht, daß man bloß die Blödigkeiten dessen ansieht, denn Sie werden die realen Wirkungen dieser Taktik immer mehr und mehr verspüren. Daher ist es notwendig, daß die Dinge hier wahrhaftig nicht verschlafen werden, sondern daß die Dinge ernsthaft ins Auge gefaßt werden, denn es handelt sich heute wirklich nicht um die Fragen einer kleinen Gemeinschaft, sondern es handelt sich um eine große Menschheitsfrage, und diese große Menschheitsfrage muß ins Auge gefaßt werden. Es handelt sich um die Frage der Wahrheit und um die Frage der Lüge. In diesen Dingen muß Ernst gemacht werden. [ 26 ] Am nächsten Samstag werde ich von dieser Stelle aus einen öffentlichen Vortrag halten, ohne Polemik, bloß historisch, nur den historischen Tatbestand darstellend von alledem, was vorangegangen ist und Folge geworden ist dem päpstlichen Rundschreiben vom September 1907, der Enzyklika «Pascendi dominici gregis». [ 26 ] Am nächsten Samstag werde ich von dieser Stelle aus einen öffentlichen Vortrag halten, ohne Polemik, bloß historisch, nur den historischen Tatbestand darstellend von alledem, was vorangegangen ist und Folge geworden ist dem päpstlichen Rundschreiben vom September 1907, der Enzyklika «Pascendi dominici gregis».
