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Healing Factors for the Social Organism
GA 198

6 June 1920, Dornach

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Achter Vortrag

Lecture III

[ 1 ] Aus allem, was so durch die Vorträge — ich kann fast sagen der Jahre gegangen ist, werden Sie gemerkt haben, daß für die Entwickelung der Menschheit sowohl in geistiger wie auch in sozialer Beziehung immer mehr nötig sein wird, daß innerhalb dieser Menschheit sich dasjenige verbreite, was wir im Sinne unserer Geisteswissenschaft die Ergebnisse der Initiationsforschung nennen. Sie wissen ja, daß man unter Initiation — einen alten Terminus, einen alten Ausdruck gebrauchend verstehen kann das Hineinschauen in die geistige Welt, in diejenige Welt, die von unserer physisch-sinnlichen Welt getrennt ist durch eine Art von Schleier, einen Schleier, der sehr leicht zu Illusionen führen kann. Dem Menschen ist zunächst gegeben die physisch-sinnliche Welt, und er befaßt sich mit dieser physisch-sinnlichen Welt entweder zu dem Zwecke des gewöhnlichen Lebens oder aber auch zu dem Zwecke dessen, was man heute Wissenschaft nennt. Er kombiniert das, was er in der sinnlichen Welt wahrnimmt, durch allerlei Begriffe, Ideen und so weiter. Das alles führt ihn nicht über diese sinnliche Welt hinaus. Man kann sagen, das einzige, wodurch im gewöhnlichen Leben der Mensch etwas über diese sinnliche Welt hinausblickt, ist der Traum. Aber der Traum ist doch so, wie er im gewöhnlichen Leben heute erfahren wird, nur ein schwacher Abklatsch desjenigen, was man Erleben der übersinnlichen Welt nennen kann. Die übersinnliche Welt muß nicht nur mit demselben Grade der Bewußtheit wahrgenommen werden, den man im gewöhnlichen Leben hat, und den man beim Traum nicht hat, sondern sie muß sogar mit einem höheren Grade von Bewußtheit wahrgenommen werden. Man muß gewissermaßen, um die überphysische Welt zu erleben, sein Bewußtsein steigern, zu einem Zustande kommen, der so ist, daß das gewöhnliche Leben, das gewöhnliche Bewußtsein sich dazu verhält wie der Schlaf zu diesem gewöhnlichen Bewußtsein oder wenigstens wie der Traum zu diesem gewöhnlichen Bewußtsein. Es muß also eine Art Erwachen aus dem gewöhnlichen Bewußtsein stattfinden. Daher ist der Traum selbstverständlich nur ein schwacher Abglanz desjenigen, was da erlebt wird. Aber im Grunde genommen unterscheidet sich der Traum von dem gewöhnlichen Denken viel weniger, als man glaubt.

[ 1 ] You will have noticed that all my lectures for years past have stressed the importance, both for the spiritual and social evolution of humanity, of the spread of what we spiritual scientists call the results of initiation research. You know also that by the word initiation, to use an ancient term, we understand a seeing into a spiritual world separated from our physical-sensible world by a kind of veil; a veil which may very easily lead to illusions. What is first given to man is the physical-sensible world, and he makes use of this either for the concerns of ordinary life or in pursuit of what today is called science. He combines his perceptions in the physical world with all kinds of concepts, ideas and so on; but all that does not lead him beyond the world of the senses; and we may say that the only means through which in ordinary life the human being can to a certain extent look beyond and above the sensible is in dreaming. The dream, as we experience it today in ordinary life, is only a poor imitation of what may be called experience in the super-sensible world. The super-sensible world has to be perceived not only with the same degree of consciousness that one has in ordinary life, a degree of consciousness which is not there in the dream condition, but with a consciousness of even higher degree. In order to experience the super-sensible world, one must enhance one’s consciousness, to come to a state which bears a similar relation to that of ordinary life, of ordinary consciousness, as that of ordinary consciousness bears to sleep consciousness, or at any rate to dream consciousness. Thus a kind of awakening out of the ordinary consciousness has to take place. Hence the dream is, of course, only a poor imitation of what is experienced in that other condition.

[ 2 ] Wenn Sie die Bilderwelt eines gewöhnlichen Traumes gewahr werden, so ist sie eigentlich ihrem Inhalte nach essentiell dasselbe wie das, was im Denken auch vorliegt, nur daß im Denken der Mensch durch seine Sinne in die Außenwelt tritt und daher dasjenige, was im Traum sich nach bloßen Analogien, nach sehr äußerlichen Zusammenhängen ordnet, sich ordnet beim Anschauen der äußeren Sinneswelt nach dem, was diese Sinneswelt uns sagt. Sie können gewissermaßen einen Beweis für das eben Angeführte darinnen sehen, daß Sie, wenn Sie sich hinsetzen und einmal die Augen schließen, oder überhaupt faul sind, die Gedanken schweifen lassen und dann sich besinnen, wie diese Gedanken da geschweift sind, daß Sie in diesen Gedanken, die Sie hinterher sich vor die Seele rufen, kaum viel anderen Zusammenhang finden als denjenigen, der auch im Traume stattfindet. Das gewöhnliche, sich selbst überlassene Vorstellen der Menschen ist in gewissem Sinne seiner inneren Gesetzmäßigkeit nach doch eine Art von Traum. Wir werden nur herausgerissen aus dem Träumen durch unsere Sinne. Und sobald wir die Sinne zum Schweigen bringen, träumen wir eigentlich. Diese Traumtätigkeit muß intensiv gemacht werden; sie muß so gemacht werden, daß sie mit einem höheren Bewußtsein durchdrungen wird als demjenigen, das uns unsere Sinne verleihen. Dann entsteht eben das imaginative Bewußtsein, und so stufenweise auch das inspirierte Bewußtsein, von dem ich gestern im hiesigen öffentlichen Vortrage gesagt habe, daß es vom Thomismus auch als eine berechtigte Quelle der Erkenntnis anerkannt wird.

[ 2 ] But really the dream differs far less from ordinary thinking than is believed to be the case. When you become aware of the picture world of an ordinary dream, it is actually in its content essentially the same as what underlies one’s thoughts, only that in thinking the human being enters into the outer world through his senses; and therefore what is arranged in the dream by mere analogy, is in thinking ordered in accordance with quite external relationships, is ordered by the perception of the outer sense world, in accordance with what this world says to us. You can have a kind of proof of this if you sit down and shut your eyes, or let us say if you are lazy and just allow your thoughts to wander, and then notice how they have wandered, notice that as you recall them in your mind you can hardly find between them any more connection than one finds in the events of a dream. The ordinary uncontrolled flow of man’s ideas is in a certain sense subject to the same law as that of the dream. It is only through our senses that we are torn out of our dreams. And as soon as we silence our senses, then we really begin to dream. This dream activity has to be intensified. It has to be so organized that it becomes permeated by a higher consciousness than that which our ordinary senses confer. Then imaginative consciousness arises, and then by degrees comes inspired consciousness, of which I told you yesterday in my public lecture, that it is recognized by Thomism as a justified source of cognition.

[ 3 ] Wir haben also in der Initiationswissenschaft die Ergebnisse eines solchen gesteigerten Bewußtseinszustandes. Was nun in der gegenwärtigen Entwickelung der Menschheit und in derjenigen der nächsten Zukunft Schwierigkeiten macht, das ist, daß diese Menschheit die Initiationswissenschaft unbedingt gebrauchen wird, daß sie ohne diese nicht wird auskommen können, weil einfach, wenn nur die materialistische Erkenntnis, wie sie sich heraufentwickelt hat im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte, durch die Menschheitsentwickelung weiterströmen würde, nichts anderes herauskommen könnte, als immer wieder und wiederum nur höchstens von kurzen Intervallen durchbrochene Zustände, wie wir sie in dem jetzigen sozialen Chaos der zivilisierten Welt haben. Was die Wissenschaft seit der Mitte des 15. Jahrhunderts den Menschen hat geben können, das reicht zwar aus, um technische Erfindungen zu machen, um die Erde zu überziehen mit einem Verkehrs- und kommerziellen Netz, aber es reicht nicht aus, wirkliche, den heutigen Menschheitsbewußtseinszuständen entsprechende soziale Ordnung zu schaffen. Das ist etwas, was nach und nach wird eingesehen werden müssen. Solange abgelehnt wird von dem, was anerkannte Universitätswissenschaft ist, was anerkannter öffentlicher Unterricht ist, solange abgewiesen wird die Initiationswissenschaft, solange nur anerkannt wird die äußere materialistische Wissenschaft, die heute eine anerkannte ist — so lange wird die Menschheit immer gefaßt sein müssen auf solche chaotische soziale Zustände, wie wir sie jetzt haben.

[ 3 ] In our initiation science, then, we have the results of such an intensified condition of consciousness. The difficulty in the present evolution of humanity and in that of the near future is that humanity will most certainly need this science of initiation, and will not be able to get on without it, for if only the materialistic knowledge that has been developed in the last three to four centuries should continue to permeate human evolution, conditions such as we are now experiencing in the present social chaos of the civilized world will repeatedly recur, broken only by short intervals. What science has been able to give to humanity since the middle of the Fifteenth Century has certainly been sufficient for the making of technical discoveries; has been sufficient to spread over the earth a network of commerce and business intercourse, but it does not suffice for the creation of social arrangements really adapted to the consciousness of present-day humanity. That is something which has gradually to be realized. As long as the science of our universities, our recognized public education, rejects the science of initiation, as long as an external, material science is alone recognized, so long will humanity be perpetually in the grip of chaotic social conditions, such as we are now having.

[ 4 ] Vor solchen chaotischen sozialen Zuständen wird die Menschheit der Zukunft nur retten die Initiationswissenschaft. Diese Initiationswissenschaft wird ja — das habe ich schon öfters erwähnt — vor allen Dingen denjenigen Menschen, an die sie herankommen kann, ein Bewußtsein davon geben, daß dieses Leben hier auf der Erde, das wir durch unsere Geburt antreten, die Fortsetzung eines geistigen Lebens ist, das wir zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt in der übersinnlichen Welt durchgemacht haben. Sie wissen, daß von den gegenwärtigen Bekenntnissen der zivilisierten Welt von diesem geistigen Leben, das unserer Geburt, oder sagen wir unserer Empfängnis, vorangeht, gar nicht gesprochen wird. Es wird aus einem ganz bestimmten Grunde nicht gesprochen. Warum wird nicht gesprochen von einem Leben vor der Geburt? Es wird deshalb nicht gesprochen, weil in einem gewissen Zeitpunkte, der zusammenfällt mit der griechischen Entwickelung zwischen Plato und Aristoteles, weil in dieser Zeit der Menschheit das Bewußtsein verlorengegangen ist von diesem vorgeburtlichen geistigen Leben. Plato spricht ja deutlich davon. Aristoteles aber hat schon in einer ganz energischen Weise die Theorie verfochten, daß jedesmal, wenn ein Mensch geboren wird, er eine ganz neue Seele mit seinem physischen Leib vereinigt bekommt. Es entsteht gewissermaßen für jeden physisch zu gebärenden Menschen eine neue Seele; das ist aristotelische Lehre. Es beginnt also das eigentliche Seelische, auch das höchste seelische Leben, nach dem Aristoteles mit des Menschen Geburt.

[ 4 ] The science of initiation will alone be able to save humanity of the future from such chaotic social conditions. Above all, the science of initiation will be able to give those human beings who can approach it a consciousness of the fact that the life here on earth, which we enter through the gate of birth, is the continuation of a spiritual life which we have spent in the super-sensible world between the last death and this present birth. Now you know that this spiritual life which precedes our birth or conception is not spoken of in the churches of our modern civilized world. It is never spoken of, and for a quite definite reason. Because at a certain point of time, which coincides with that of the Greek evolution between Plato and Aristotle, all consciousness of a pre-natal spiritual life was lost. Plato speaks clearly of that life, but Aristotle vehemently defended the theory that every time a human being is born on the earth, a quite new soul unites with his physical body. The Aristotelian doctrine is that for each physically-born human being a new soul is created.

[ 5 ] Wenn man eine solche Anschauung hat, so kann man auch nicht anders, als selbstverständlich sagen, daß dasjenige Leben, welches mit dem Tode beginnt, welches der Mensch dadurch beginnt, daß er seinen physischen Leib abgeworfen hat, und von dem auch Aristoteles spricht, daß dieses Leben fortdauert, daß dieses Leben nicht wiederum zu einem Erdenleben herabsteigt. Denn wenn man nicht von einem vorgeburtlichen Leben spricht, so hat es ja selbstverständlich keine Berechtigung, zu glauben, daß der Mensch nicht ewig zu bleiben habe nach seinem Tode in einer geistigen Welt. Das aber hat schon Aristoteles dazu geführt, außerordentlich schwerwiegende Konsequenzen aus solchen Vorstellungen zu ziehen. So zum Beispiel hat er die Konsequenz gezogen, daß, wenn jemand hier auf der Erde zwischen der Geburt und dem Tode ein Leben geführt hat, welches Böses auf seine Seele geladen hat, er dann für alle Ewigkeit wird zurückschauen können, müssen auf dieses Böse, daß es nicht wiederum ausgelöscht werden kann, nicht wiederum überwunden werden kann. So daß vor Aristoteles die Perspektive stand, daß der Mensch, wenn er gestorben ist, ewig zurückzuschauen hat auf dieses eine Erdenleben, das er zu absolvieren hat. Diese Lehre des Aristoteles ist voll übernommen worden von der katholischen Kirche. Und in der Zeit, in der im Mittelalter die katholische Kirche sich eine Philosophie suchte, welche ihre Theologie tragen kann, da hat sie für das Leben der Seele diese aristotelische Seelenlehre angenommen, und man erkennt heute noch in der Ewigkeit der Höllenstrafe den Nachklang der aristotelischen Lehre.

[ 5 ] Now if one holds such a view, one cannot say otherwise than that the life which begins with death, which a man begins by throwing off his physical body—and of this Aristotle also speaks—continues to exist and does not again descend to earth. For, of course, unless one can speak of a prenatal existence, one has no justification for believing otherwise than that after his death man remains forever in a spiritual world. That had already led Aristotle to draw some very weighty conclusions. For instance, he argued that if anyone between birth and death here on earth has led a life which burdens his soul with evil, that human being is for all eternity forced to look back on that evil, which can never again be blotted out or overcome. So that according to Aristotle’s view, when the man dies, he has to look back eternally on the one earth life for which he has to pay. This doctrine of Aristotle was taken over in its entirety by the Catholic Church, and when in the Middle Ages the Church sought for a philosophy which could carry its theology, it took over, as regards the life of the soul, this Aristotelian doctrine, and one can still today recognize its echo in the idea of eternal punishment in hell.

[ 6 ] Nun, wie kann man sich vorstellen, daß die Menschen, nachdem Jahrtausende diese Lehre von der Entstehung der Seele mit dem Leibe auf sie gewirkt hat, wiederum herauskommen aus dieser Vorstellung, herauskommen zur Wahrheit? Nur dadurch, daß die Menschheit eben eine neue geistige Wissenschaft erhält. Ohne diese Erneuerung der geistigen Wissenschaft wird die Menschheit nicht wiederum ein Bewußtsein bekommen können von der Berechtigung der Annahme eines Lebens vor der Geburt, oder sagen wir vor der Konzeption. Man muß nur bedenken, was es für die ganze Entwickelung der Menschheit bedeutet, nicht zu sprechen von einem vorgeburtlichen Leben. Wenn in den gebräuchlichen Konfessionen nur gepredigt, gelehrt wird von dem nachtodlichen Leben, so weckt man nur die Instinkte der Menschen auf, die sich beziehen auf die egoistische Begierde, mit dem Tode nicht zu erlöschen.

[ 6 ] Now, after having for thousands of years had this doctrine of the origin of the soul with the body impressed upon them, how is it conceivable that people can free themselves from it again and arrive at the truth? They can only do so by receiving a new spiritual science. Without this renewal of spiritual science mankind will not be able to accept a life before birth as a justified belief or, rather, before conception. Just think what it signifies for the whole evolution of humanity not to speak of a prenatal life. When in the churches of today we are told only of a life after death, that simply arouses instincts connected with man’s egotistical desire not to be extinguished at death.

[ 7 ] Es ist schon einmal notwendig, eine recht ausführliche Studie anzustellen unter dem Titel: über die Pflege des menschlichen Egoismus durch die bestehenden Konfessionen. — Man müßte in dieser Studie durchgehen, welche Motive eigentlich ins Feld geführt werden in den Predigten, in den Lehren aller gebräuchlichen Konfessionen. Man würde überall finden, daß auf die egoistischen Instinkte, namentlich auf die Instinkte der Unsterblichkeit nach dem Tode, alles mögliche gebaut wird. Und diese Studie könnte man ausdehnen über eine Betrachtung, die schon über Jahrtausende gilt, und man würde sehen, daß die Konfessionen, indem sie unter aristotelischem Einflusse das Leben vor der Geburt gestrichen haben, in höchstem Maße den Egoismus gepflegt haben. Die Konfessionen als Pflege des innersten egoistischen Instinktes, das ist es, was wert ist, studiert zu werden.

[ 7 ] My dear friends, an essay, a thorough-going study is needed—“On the Cultivation of Human Egotism by the Churches”—In such a study one would have to explore the real motives which are worked upon in the sermons and doctrines of all the usual religious denominations, and one would everywhere find that appeal is made to the egotistical instincts of man, especially to the instinct for immortality after death. One could extend this study to cover more than a thousand years, and one would see that these religious denominations, by eliminating the life before birth under Aristotelian influence, have fostered in the highest degree the egotism in human nature. Churches, as cultivators of the deepest egotistical instincts, is a subject well worthy of study.

[ 8 ] Der allergrößte Teil der Religiosität der gegenwärtigen zivilisierten Welt rechnet ja eigentlich mit dem Egoismus der Menschen. Man fühlt diesen Egoismus der Menschen ganz besonders aufblitzen in Enunziationen, die ich Ihnen zu Dutzenden zeigen könnte. Immer wieder und wiederum kommt es vor, daß namentlich von pastoraler Seite einem geschrieben wird, die Geisteswissenschaft beschäftige sich mit allen möglichen Erkenntnissen über die übersinnliche Welt. Das brauche man doch gar nicht. Man will nur haben das kindliche Bewußtsein seines Zusammenhanges mit dem Christus Jesus. Bei Pastoren und bei Gläubigen findet man das immer. Dieses kindliche Zusammensein mit dem Christus Jesus, es wird immer betont. Es wird mit einem ungeheuren Hochmut ausgespielt gegen das, was allerdings weniger bequem zu erlangen ist, gegen das Eintreten in die Konkretheiten der geistigen Welt. Und es wird immer wieder gepredigt, es wird immer wieder in dieser Weise der Mensch dahin geführt, daß er im Grunde genommen am christlichsten sein könnte, wenn er am allerwenigsten seine Seelenkräfte anstrengt, wenn er am allerwenigsten sich bemüht, etwas klarer zu denken, was er sein Christus-Bewußtsein nennt. DasChristus-Bewußtsein muß etwas sein, wozu der Mensch durch vollste Kindlichkeit nur gelangt, so sagen die Bequemlinge; und am liebsten ist es ihnen, wenn man ihnen sagt: Der Christus ist es, der die Sünden der Menschen auf sich genommen hat, der die Menschen erlöst hat durch seinen Opfertod, ohne daß sie etwas dazu zu tun brauchen. — All das tendiert dann darauf hin, durch den Opfertod Christi die Unsterblichkeit nach dem Tode zu sichern und den äußersten Egoismus der Menschen zu pflegen.

[ 8 ] By far the largest part of the religious life of the modern civilized world today panders to human egotism. This egotism can be felt in pronouncements which I could quote by the dozen. Again and again it is written, especially in pastoral letters, “that spiritual science busies itself with all kinds of knowledge about super-sensible worlds, but man does not need that. He only needs to have the childlike consciousness of his connection with Christ Jesus.” That is said both by pastors and by the faithful; this childlike connection with Christ Jesus is always emphasized. It is brought forward with immense pride against what is, of course, far less easy to attain—penetration into the concrete details of the spiritual world. It is preached over and over again. Again and again man is led to believe that he can be most Christian when he least exercises his soul forces, when he least strives to think something clear with what he calls his Christ consciousness. This Christ consciousness must be something which man attains by absolute childlikeness—so say these easy-going ones. And best of all they like to be told that Christ has taken all the sins of mankind on Himself, and has redeemed mankind through His sacrificial death, without men having to do anything themselves. All this points to the belief that through the sacrificial death of Christ, immortality is guaranteed after death; but that merely tends to nourish in humanity the most extreme egotism.

[ 9 ] Durch diese Pflege des Egoismus von seiten der Konfessionen haben wir endlich jenen Zustand herbeigeführt, der heute über die ganze zivilisierte Welt dämmert. Weil dieser Egoismus im weitesten Umfange gepflegt worden ist, deshalb ist die Menschheit so geworden, wie sie heute ist. Bedenken Sie einmal: Wenn der Mensch nicht bloß theoretisch mit einigen Ideen und Begriffen, sondern mit seinem ganzen inneren Leben die Wahrheit ergreift, daß sein Erdenleben, wie er es durch die Geburt antritt, ihm die Verpflichtung auferlegt, eine Sendung auszuführen, die er sich mitbringt aus seinem Leben vor der Geburt, bedenken Sie, wenn das unsere ganze Seele erfüllt, wenn dieses Erdenleben angesehen wird als eine Aufgabe, die erfüllt werden muß, weil sich dieses Erdenleben anschließt an ein überirdisches Leben, das wir vorher geführt haben, bedenken Sie, wie da der Egoismus schwinden muß! Dieser Egoismus wird durch jene Gefühle, die in uns erregt werden, wenn wir das Erdenleben als eine Fortsetzung eines überirdischen Lebens ansehen, ebenso bekämpft, wie er gezüchtet wird durch diejenigen Konfessionen, die bloß von dem nachtodlichen Leben sprechen. Das ist etwas, was wichtig ist, zur sozialen Gesundung in die gegenwärtige Menschheit und in die zukünftige Menschheit hineinzutragen. Wichtig ist es, die Präexistenz den Menschen wiederum zum Bewußtsein zu bringen. Von der Präexistenz ist selbstverständlich nicht ablösbar die Anschauung von den wiederholten Erdenleben.

[ 9 ] By this cultivation of egotism on the part of the churches, we have finally brought about what is dawning today over all the civilized world. Because this egotism has been so widely cultivated, mankind has become what it is today. Just think if the human being, not merely theoretically with ideas and concepts, but with the whole inner life of his soul were to grasp the truth that this earthly life as he enters it through birth lays upon him the obligation of fulfilling a mission which he has brought with him from a life before birth! Just think how egotism would vanish if that thought were to fill our whole souls, if this earthly life were regarded as a task which must be fulfilled because it is linked to an over-earthly life through which we have previously passed! Egotism is combated by the feeling that stirs in us when we look upon life on earth as a continuation of an over-earthly life, just as it is fostered by the religious denominations which speak only of life after death. That is what is important for man’s social well being, to restore the fact of his pre-existence to the consciousness of mankind of the present and of the future, and of course the idea of reincarnation is inseparable from that of the pre-existence of the human soul.

[ 10 ] So kann man sagen, daß zum Beispiel gerade die katholische Kirche eine aristotelische Lehre aufgenommen hat und sie zu ihrem Dogma gemacht hat, und daß dieses Dogma ersetzt werden muß durch die höhere Erkenntnis von den wiederholten Erdenleben, von der Präexistenz, von dieser zuerst eigentlich klar bei Aristoteles außer acht gelassenen Lehre der Präexistenz der menschlichen Seele. Wenn Sie ermessen, welche Bedeutung es für die Menschheit hat, ins innerste Seelenleben gewisse Elemente aufzunehmen, dann werden Sie sich sagen können, was das für das menschliche Gefühlsleben im weitesten Sinne bedeutet, denn der Mensch erhält über sich selbst ein ganz anderes Bewußtsein. Nehmen wir zu dem, was eben gesagt worden ist, das Paulinische Wort, daß dieses Menschenbewußtsein immer durchdrungen werden muß von dem: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Wenn man sich selbst für etwas anderes hält, so wird auch der Christus in einem etwas anderes sein. Wenn man sich bloß hält für dasjenige, was auch geistig-seelisch mit der Geburt entstanden ist, so wird der Christus selbstverständlich nur in dem sein können, was mit der Geburt diesmal entstanden ist, und er wird nur die Aufgabe haben, unsere Seele durch den Tod zu tragen und uns dann weiterzutragen durch alle Ewigkeit. Wenn wir wissen, daß wir ein vorgeburtliches Leben haben, so können wir auch wissen, daß gerade der Christus uns für dieses Erdenleben eine Sendung auferlegt, daß wir unsere Kräfte ausbilden müssen, daß wir ihn in unseren Kräften finden müssen, daß wir ihn suchen müssen als das Beste, was wir geistig-seelisch in uns haben.

[ 10 ] Thus we can say that the Catholic Church itself accepted the Aristotelian doctrine and made it into a dogma of her own; but this dogma must now be replaced by the higher knowledge of repeated earth lives, of pre-existence, which Aristotle was clearly the first to leave out of account. You see, if you can estimate what importance it has for mankind to absorb certain elements into its inmost life of soul, then you will recognize what it means for man’s life of feeling in its widest sense. It means that the human being gets quite another consciousness of himself. Now, my dear friends, let us add to what has just been said, the words of St. Paul, that this ordinary consciousness must become permeated more and more by the consciousness, “Not I, but Christ in me.” When we look upon ourselves as something different, Christ will also become different within us. If we look upon ourselves as something which, even as regards the soul-spiritual, has only originated at birth, then of course the Christ can only be in what has come into existence with this present birth, and will only have the task of carrying our souls through the gate of death and further through all eternity. But if we know that we have had a prenatal life, we can know also that it is the Christ Himself Who has laid on us a mission for this life on earth, that we have to develop our own forces, that we have to find Him in our forces, that we have to seek Him as the best we can have in us, the best in our spirit and soul.

[ 11 ] Die katholische Kirche hat dafür gesorgt, daß die Menschen, die ihr untertan sind, niemals nachdenken mögen über dasjenige, was die wirkliche geistig-seelische Natur des Menschen ist, indem sie in dem achten allgemeinen ökumenischen Konzil in Konstantinopel im Jahre 869 den Geist abgeschafft hat, das heißt, erklärt hat, daß der Mensch nur aus Leib und Seele besteht, die Seele einige geistige Eigenschaften hat, aber daß es häretisch, ketzerisch ist, wenn der Mensch angesehen wird als bestehend aus Leib, Seele und Geist. Und als der Jesuit Zimmermann verschiedenes an der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft monierte, da zählte er als die schwerste Sünde dieser Geisteswissenschaft das auf, daß die Trichotomie durch diese Geisteswissenschaft wieder zur Geltung kommen soll, indem durch diese Geisteswissenschaft wiederum erklärt werde, der Mensch bestehe aus Leib, Seele und Geist. — Durch die Geisteswissenschaft muß unbedingt herauskommen dasjenige, was des Menschen wahre Wesenheit ist, und was eigentlich auch des Menschen Verhältnis zu dem Christus ist. Dasjenige aber, worum es sich der Kirche immer mehr und mehr gehandelt hat, das war, den Menschen ja nicht zur Aufklärung kommen zu lassen über sein wahres Wesen und über sein Verhältnis zum Christus. Man kann sagen, die Entwickelung der abendländischen Konfessionen bestand eigentlich darinnen, einen immer stärkeren Schleier zu ziehen über das eigentliche Geheimnis des Christus.

[ 11 ] The Catholic Church, by doing away with the spirit in the Eighth Ecumenical Council in Constantinople in the year 869 has always taken care that those belonging to it should never think about the real psycho-spiritual nature of man. The Church laid down in that Council that man consists only of body and soul, though the soul has a few spiritual attributes; but that to regard man as consisting of body, soul and spirit is heretical, and when the Jesuit Zimmerman brought forward certain reproaches against spiritual science, he reckoned as its deepest sin that it seeks to re-establish the validity of trichotomy, by declaring that man consists of body, soul and spirit. For thereby the true nature of man and also his real relationship to the Christ must inevitably come to light. But what the Church worked for more and more was that man should not come to a true understanding of his real relationship to Christ. We may say, my dear friends, that the development of the western churches consists really in drawing an ever denser and denser veil over the real secret of Christ.

[ 12 ] Mit allen Institutionen geht es im Grunde genommen so, die auf äußere Abstraktion gebaut sind. Wenn ein Staat jung ist, so hat er noch wenig Gesetze, und man ist verhältnismäßig noch ungebunden durch Gesetze. Je länger der Staat besteht, und namentlich je länger die Parteien der Staaten ihre gescheiten Betrachtungen anstellen, desto mehr Gesetze werden gemacht. Und zum Schluß sind diese so, daß man sich nicht mehr in ihnen auskennt, denn es gibt über alles nicht nur ein Gesetz, sondern alles ist in die Maschen sich verschlingender Gesetze gefangen, aus denen man außerordentlich schwer herauskommen kann. So geht es aber auch in den Kirchen. Wenn eine Kirche beginnt, ihren Gang durch die Welt zu machen, dann hat sie noch verhältnismäßig wenig Dogmen. Aber die Menschen müssen doch etwas zu tun haben, und so, wie die Staatsmänner immer Gesetze machen, so machen die Kirchenmänner immer mehr und mehr Dogmen, und so wird endlich alles zum Dogma. Das Dogma konsolidiert sich zuletzt. Diese Konsolidierung des Dogmawesens ist besonders stark zu beobachten innerhalb der zivilisierten Menschheit der neueren Zeit erst nach der Hochscholastik, die ich hier zu Pfingsten charakterisiert habe. Denn wer wirklich sinngemäß die Hochscholastik studiert, den Albertinismus, den Thomismus, der wird finden, daß da noch alles über das Dogma flüssig ist, diskutiert wird, daß da noch durchaus die Diskussion als etwas Selbstverständliches angesehen wird.

[ 12 ] You see, fundamentally, all institutions are built on external abstractions. When a state is young it has but few laws and people are relatively unfettered by them. The longer a state exists, and especially the longer the various parties in the state apply their clever arguments, the more laws are made until finally no one knows where he is, for there is no longer only one law, but everything is entangled in the meshes of intertwining laws from which one has the greatest difficulty in freeing oneself. That is the case also with the churches; when a church begins to make its way through the world, it has relatively few dogmas; but men must have something to do, and just as the statesman is always making laws, so do Churchmen create more and more dogmas, until finally everything becomes dogma, dogma becomes consolidated. It is only since the time when Scholasticism was at its height that this consolidation of dogma has been especially noticeable in modern civilization. Anyone who really studies thoughtfully the Scholasticism of Albertus Magnus and Thomas Aquinas will find that in their time everything to do with dogma was still fluid, still a matter for discussion, that discussion was still taken as a matter of course.

[ 13 ] Wir haben zur Zeit der Hochscholastik schon einen gewissen Gegensatz innerhalb der abendländischen Kirche, den Gegensatz zwischen dem Dominikanerorden und dem Franziskanerorden. Der Dominikanerorden, der seine Blüte eben in der Hochscholastik getrieben hat, der bildet die Erkenntnis aus durch Ideen im höchsten logischen Sinne. Der Franziskanerorden lehnt das ab. Der Franziskanerorden will alles nur durch das kindliche Gefühl erreichen. Ich will jetzt nicht eingehen auf die inhaltliche Beziehung der Lehren des Franziskanerordens und des Dominikanerordens, aber ich will Sie nur aufmerksam darauf machen, was das zum Beispiel heute wäre, wenn noch so intensiv Dominikaner und Franziskaner kämpfen würden miteinander um den Inhalt der Lehre, wie sie im Mittelalter gekämpft und die Dogmen frei diskutiert haben. Gewiß, der römische Bischof, er hat ja auch dazumal die Leute für Häretiker erklärt. Er hätte es lange tun können, wenn nicht die weltlichen Regierungen sich ihm zur Verfügung gestellt und die Leute verbrannt hätten, die er bloß verdammen wollte. Das muß man sagen: es fällt immer die größere Schuld auf die weltlichen Regierungen. Aber das alles hat nicht verhindert, daß dazumal eine freie Diskussion war. Diese freie Diskussion ist in der katholischen Kirche allmählich vollständig ausgeschlossen worden. Diese freie Diskussion, die konnte die katholische Kirche im Laufe der Zeit nicht vertragen. Und warum könnte sie das nicht? Sie konnte es nicht aus dem Grunde, weil ein ganz neues Menschheitsbewußtsein heraufkam.

[ 13 ] True, in the Scholastic period there was already a certain opposition within the western church. There was the opposition between the Dominicans and the Franciscans. The Dominican Order, of which Scholasticism was the flower, developed its knowledge through strictly logical ideas. The Franciscan Order declined to do that; the Franciscans wanted to achieve everything through a childlike feeling. I will not now enter into the relation between Dominican and Franciscan teaching, but I should like you to imagine what it would be like if people fought as vigorously today about the content of Dominican and Franciscan doctrine as they did in the Middle Ages, when they discussed dogma so freely. Of course, the Roman bishop even at that time declared people to be heretics; and he could have gone on doing so for a long while, had not the secular governments come to his assistance and burnt the people whom he merely wanted to condemn. In this matter one has to admit that greater blame falls on the secular rulers. All this did not prevent there being free discussion in the Catholic Church at that time. This free discussion has gradually been completely eliminated. Free discussion was something which the Catholic Church, as time went on, could not stand. And why not? Because a quite new consciousness was arising in humanity.

[ 14 ] Bedenken Sie doch nur, daß das so ist, was Umänderung des Menschheitsbewußtseins ist, wie ich es Ihnen öfters für jenen Umschwung in der Mitte des 15. Jahrhunderts gesagt habe. Das ist dasjenige, was die moderne Menschheit trifft, daß der Mensch immer mehr und mehr aus der Tiefe seiner Seele heraus zu einem eigenen Urteil kommen will. Das ist etwas, was im Mittelalter nicht da war. Im Mittelalter hatte der Mensch eine Art Gemeinschaftsbewußtsein, und herausragen konnten nur die einzelnen am meisten unterrichteten Leute, die eigentlichen Scholasten, diejenigen, die sich herausentwickelt haben aus dem allgemein gleichförmigen Volksbewußtsein dadurch, daß sie ihre Lehre innerhalb der scholastischen Bildung — höchstens für gewisse Bruchteile kann man sagen: innerhalb der rabbinischen Bildung oder dergleichen — erhalten haben. Aber im übrigen war dasjenige, was Bewußtsein der Menschen war, gleichförmig, Gemeinschaftsbewußtsein, Gattungsbewußtsein. Immer mehr und mehr bildete sich das Individualbewußtsein heraus.

[ 14 ] This was the transformation of consciousness in man, which took place, as I have often explained to you, in the middle of the Fifteenth Century. The human being wants ever more and more to form his own judgment from the depths of his own soul. In the Middle Ages that was not so. Man then had a kind of communal consciousness, and only a few learned people, the real scholars, could get beyond that. They were able to evolve out of this common uniform folk consciousness because they had been trained in Scholasticism. This also applies to a certain number who were trained in the Rabbinical teaching. In general, however, man’s consciousness was uniform. It was a community consciousness, a family consciousness. But the individual consciousness was developing more and more.

[ 15 ] Was die katholische Kirche immer gehabt hat, weil sie immer in ihrer Mitte hochgebildete Leute heranzog, das war, daß sie historische Voraussicht hatte. Die katholische Kirche weiß sehr gut, daß dasjenige, was ich jetzt sage, das Prinzip der neueren Entwickelung ist: das Individualbewußtsein der Menschen heraufzuziehen. Aber sie will es nicht heraufkommen lassen. Sie will das dumpfe Gemeinschaftsbewußtsein erhalten, aus dem nur herausragen diejenigen, die eine scholastische Bildung errungen haben. Es gibt ein gutes Mittel, dieses gemeinschaftliche, das dumpfe Bewußtsein zu erhalten — denn es ist immer ein dumpfes Bewußtsein —, und dieses Mittel besteht darin, daß man das gewöhnliche Bewußtsein, das der Mensch schon einmal hat, indem er sich seiner Sinne bedient, daß man dieses herabdämpft, richtig herabdämpft. So wie der Traum das gewöhnliche Bewußtsein herabdämpft, so dämpft man das Bewußtsein herab, damit es ein dumpfes Gemeinschaftsbewußtsein werde.

[ 15 ] Now, one thing that the Catholic Church had always had, because it had attracted highly educated people, was historical foresight. The Catholic Church knows quite well what I am now saying, that the principle of modern development is to foster the individual consciousness of man—but the Catholic Church is unwilling to let this individual consciousness arise. She wants to maintain that dull communal consciousness, from which only those will stand out who have received a scholastic education. Now, my dear friends, there is a very good way of maintaining this dull communal consciousness—it is always a dull one. And this is to damp down the ordinary consciousness which a person has whenever he makes use of his sense organs, to subdue it thoroughly. Just as the dream damps down the ordinary consciousness, similarly the consciousness is subdued for the purpose of making of it a dull communal consciousness.

[ 16 ] Nun frage ich Sie: Nicht wahr, es gibt viele Charakteristiken des Traumes, aber ein Charakteristikon des Traumes ist, daß man sagen kann, der Traum ist in vieler Beziehung auch ein Lügner! Wollen Sie leugnen, daß der Traum auch ein Lügner ist, daß er Ihnen Dinge vorgaukelt, die nicht wahr sind? Das gehört aber doch nicht zum Beruf des Traumes; das gehört zum Beruf des herabgedämpften Bewußtseins, daß man nicht kontrollieren kann, wenn man im Traume ist, was Wahrheit und was Unwahrheit ist. Daher gehört es auch zu der Anforderung des herabgedämpften Bewußtseins, dem Menschen die Möglichkeit zu nehmen, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Ist man bewandert in einer solchen Sache, was tut man? Wenn man bewandert ist in einer solchen Sache, dann erzählt man den Leuten unter Autorität Dinge, die unwahr sind. Man macht das systematisch. Dadurch dämpft man ihr Bewußtsein bis zu der Dumpfheit des Traumbewußtseins herunter. Dadurch erreicht man, daß man untergräbt dasjenige, was als Individualbewußtsein seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in den Menschenseelen herauf will. Und es ist eine grenzenlos grandiose Unternehmung, so zu wirken unter Autorität, daß man den Menschen — nun, ich will ohne Bild sprechen — solche Artikel schreibt, wie sie jetzt im «Katholischen Sonntagsblatt» erscheinen, denn dadurch erreicht man es, die Menschen nicht kommen zu lassen zu dem, wozu sie sich entwickeln sollen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Wenn man glauben wollte, daß dasjenige, was in einer solchen Richtung geschieht, wenn es auch der einzelne nicht weiß, aber es ist ja die ganze Hierarchie da, welche die Sache sehr wohl organisiert hat, wenn man glauben wollte, daß die Dinge aus bloßer Einfalt oder aus einer bloßen gewöhnlichen Ranküne entstehen, da würde man sich beträchtlich irren. Man muß selbstverständlich mit allen Mitteln, die einem zur Verfügung stehen, die Lüge und die Unwahrheit bekämpfen. Aber man soll nicht glauben, daß sie aus der Einfalt hervorgehe, oder etwa gar aus dem Glauben hervorgehe, daß dasjenige wahr sei, was man sagt. Wenn man die Wahrheit sagen wollte, würde man ja das nicht erreichen, was man erreichen will. Man will das Bewußtsein herabdämpfen, indem man den Menschen die Lüge beibringt. Es ist ein grandioses diabolisches Unternehmen.

[ 16 ] Now one of the many characteristics of the dream is that in many respects it is a liar. Or would you deny that the dream is a liar, that it represents things which are not true? It is, however, not due to the dream but to the subdued consciousness that when we dream we cannot test what is true and what is untrue. Hence it is one of the properties of this subdued consciousness that it takes away from human beings the possibility of distinguishing truth from untruth. Now if one is versed in these matters, what does one do? One relates to people under authority things which are not true, and one does this systematically. Thereby one subdues their consciousness to the dim state of the dream consciousness. Thereby one succeeds in undermining what since the middle of the Fifteenth Century has been seeking to emerge as individual consciousness in the souls of men. It is a fine undertaking so to work under authority as to write articles such as are now appearing in the “Katholischen Sonntagsblatt”; for thereby one succeeds in preventing men from developing in the way they should since the middle of the Fifteenth Century! Although the individual may not know it, the whole hierarchy is behind what happens in this respect, and has organized things extremely well. If one believes that these things happen out of mere naivety or purely from rancor, one is making a great mistake. Naturally, we must fight lying and untruth with all the means at our disposal, but we must not believe that these lies proceed out of simplicity or even out of the belief that what is said is the truth; for if these people spoke the truth, they would not attain what is their purpose to attain, which is to subdue consciousness by deliberately telling men lies, and that is a mighty and diabolical undertaking.

[ 17 ] Es muß auch das unverhohlen ausgesprochen werden: Nur auf der anderen Seite ist die Einfalt. Die Einfalt ist heute nicht auf seiten der katholischen Kirche, die Einfalt ist auf seiten ihrer Gegner. Diese glauben nicht, daß die katholische Kirche groß ist in einer solchen Richtung, wie ich sie charakterisiert habe; die glauben nicht, daß die katholische Kirche längst vorausgesehen hat, daß über Europa jener soziale Zustand kommt, der jetzt über Europa gekommen ist, und daß die katholische Kirche längst Vorsorge getroffen hat, in diesem sozialen Zustand sich geltend machen zu können. Dasjenige, was die katholische Kirche beabsichtigt, ist, die Verbindungsbrücke zu schaffen zwischen dem radikalsten Sozialismus, Kommunismus und ihrer Herrschaft. Diese grandiose Voraussicht, die muß man erkennen in alledem, was auf wirklichem geistigem Untergrunde basiert, auf einem solchen geistigen Untergrunde, der eben im wirklichen Geistesleben wurzelt, nicht in der bloßen Abstraktion. Sehen Sie, mit alldem, was neuere Aufklärung ist, kommt man zu nichts, was im Fortgange der Menschheitsentwickelung eine durchgreifende Bedeutung haben könnte. Jene Zeremonien, die im katholischen Meßopfer ausgeübt werden, sie haben eine weitaus größere Bedeutung als alle die Redereien des evangelischen Kanzeldienstes. Denn das sind Handlungen, die sich hier in der sinnlichen Welt vollziehen und die, indem sie sich in der sinnlichen Welt vollziehen, in ihrer Form zu gleicher Zeit das sind, was die geistige Welt in die sinnliche Welt hereinzaubert. Die katholische Kirche hat deshalb niemals die magischen Mittel, auf Menschen zu wirken, entbehren wollen. Diese sind vorhanden. Man sol! nur nicht glauben, daß gegen diese Dinge so ohne weiteres etwas anderes aufkommen kann, als ein Wiederum-Eintreten in die geistigen Welten vom Standpunkt wahrer innerster Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Und als, ich möchte sagen, äußeres Kennzeichen, daß in der katholischen Kirche immer vorhanden war der Zusammenhang mit der geistigen Welt, kann das zum Beispiel gelten, was ich einzelnen von Ihnen schon mitgeteilt habe.

[ 17 ] Now, my dear friends, this, too, must be said quite frankly. The simplicity is entirely on the other side. Simplicity today is not on the side of the Catholic Church but on the side of their opponents. They do not believe that the Catholic Church is great in the direction I have described; they do not believe that the Catholic Church long ago foresaw that the social condition which has now come over Europe would some day come about, and that the Catholic Church took her own measures to make her influence felt in those social conditions. What the Catholic Church intends is to create a bridge between the most radical socialism, Communism, and its own domination. You see, this magnificent foresight is something one has to recognize in everything which has a real spiritual basis, a spiritual foundation that is rooted in a real spiritual life, and not in mere abstraction. You see, with all this modern enlightenment one arrives at nothing which can have a far-reaching significance in the course of human evolution. But the ceremonies practiced in the Catholic Mass are of far greater significance than all the sermons from evangelical pulpits, because they are deeds accomplished in the sensible world, and in their form they are at the same time something which enchants the spiritual world into the sensible world. For that reason the Catholic Church has never been willing to deprive herself of magical means of working on human beings. These magical means do exist. And we must not believe that anything other than re-entry into the spiritual world in all true inner sincerity and uprightness can be effective against these things. And as what one might call an external sign that the Catholic Church has always had a connection with the spiritual world, you can take something which I have already told a few of you.

[ 18 ] Es gab im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts eine päpstliche Enzyklika, welche verschiedene Dinge für ketzerisch erklärte. Die päpstlichen Enzykliken sprechen ja so, daß sie immer die betreffende Lehre anführen und dann sagen: Der ist verdammt, der das glaubt. — Also man führt, nicht wahr, irgendeine Lehre an, die Haeckel oder ein anderer verbreitet hat, schreibt sie aus einem Haeckelschen Buche ab und sagt: Wer das glaubt, ist verdammt. — Man sagt nicht das Richtige, sondern man sagt: Wer das glaubt, ist verdammt. — Die Initiationswissenschaft gibt ja immer die Möglichkeit, solchen Dingen nachzuforschen, und ich stellte mir zur Aufgabe, über diese Enzyklika gewisse Forschungen anzustellen. Da muß ich sagen, wie in so manchen anderen Dingen: Dasjenige, was dazumal vom Papste ex cathedra verkünder worden ist, war ein wirkliches Ergebnis aus der geistigen Welt, das heißt, dasjenige, was in jene Enzyklika eingeflossen ist, kam aus der geistigen Welt herunter, nur war es merkwürdigerweise umgekehrt. Es war überall dasjenige, was als «Ja» bezeichnet werden sollte, als «Nein» bezeichnet, und umgekehrt: Das ist etwas, was in gewisser Beziehung — ich könnte viele andere Beispiele anführen — zeigen kann, daß auf jener Seite wirklich heute ein Zusammenhang mit der geistigen Welt vorhanden ist, aber ein für die Menschheit außerordentlich verderblicher Zusammenhang. Man braucht sich deshalb nicht zu wundern, daß gerade die katholische Kirche in dem Heraufkommen der neueren Geisteswissenschaft etwas sieht, was sie unter allen Umständen aus der Welt schaffen will. Denn, was wird durch diese neuere Geisteswissenschaft bewirkt? Durch diese neuere Geisteswissenschaft wird bewirkt, daß die Menschheit ein Bewußtsein erhalten soll von dem vorgeburtlichen Leben, von der Präexistenz. Das darf nicht sein. Das darf unter keinen Umständen geschehen. Also muß die Geisteswissenschaft verdammt werden. Durch die Geisteswissenschaft wird der Mensch aufmerksam auf sein eigenes Wesen, wie er besteht aus Leib, Seele und Geist. Das darf unter keinen Umständen sein. Also muß diese Geisteswissenschaft verdammt werden. Durch diese Geisteswissenschaft wird die wahre Natur und Wesenheit des Christus Jesus der Menschheit kund. Das darf unter keinen Umständen geschehen, daher muß diese Geisteswissenschaft verdammt werden.

[ 18 ] In the first decade of the Twentieth Century a Papal Encyclical was issued which declared various things to be heretical. Papal Encyclicals speak in such a way that they always adduce the doctrine in question and then say: “Whoever believes that is anathema.” Thus it quotes some doctrine taken from one of the books of Haeckel or someone, and then says: “Whoever believes that is anathema.” It does not state what is true, but says: “Whoever believes that is anathema.” Now, you see, the science of initiation makes it always possible to investigate such things, and I set myself the task of making certain investigations concerning this Encyclical. I am bound to say that here, as in so many other things, what was promulgated by the Pope “ex cathedra” at that time was really drawn from out of the spiritual world. I mean that what has flowed into that Encyclical did come down from the spiritual world. But in an extraordinary way it was completely reversed! Everywhere where there should have been a ‘yes’ there was a ‘no’, and vice-versa. That is something—and I could give other instances—which shows that the Roman Church has today some sort of real connection with the spiritual world but one that is extraordinarily harmful for mankind. Therefore, we need not be surprised that it sees in the rise of modern spiritual science something which it wishes at all costs to get rid of, for, my dear friends, what is the effect of this new spiritual science? It brings about a consciousness of a prenatal life, of pre-existence. That may not be! Under no circumstances shall that happen! So spiritual science must be condemned; for spiritual science calls man’s attention to his own being, makes him aware that he consists of body, soul, and spirit. Under no circumstances may that be; therefore spiritual science must be condemned.

[ 19 ] Man würde ja zum Beispiel einsehen, daß das Dogma von den ewigen Höllenstrafen, von der Schöpfung der Seele mit der physischen Geburt ein aristotelisches Ergebnis ist. Nun stelle man sich vor, daß ein katholischer Theologe heute den Zusammenhang studiert zwischen Aristoteles und der Hochscholastik und einsieht, wie die Hochscholastiker zur Beweisführung über die Entstehung der Seele mit dem physischen Leben gekommen sind aus der Philosophie des Aristoteles heraus. Man würde gewissermaßen der Dogmenentstehung hinter die Kulissen sehen. Was tut man dagegen? Man läßt den Theologen den Antimodernisteneid schwören. Man läßt ihn schwören, daß sein Bekenntnis ist, daß er niemals auf ein historisches Ergebnis kommen könne, welches den Dogmen, die von Rom ausgehen, widerspricht. Und das, daß er geschworen hat, diese Tatsache, daß er einen Eid abgelegt hat, diese Tatsache soll so stark in seinem Gemüte wirken, daß er verwirrt wird beim nüchternen Forschen, daß er nicht darauf kommen kann, wie der Zusammenhang des Dogmas mit der historischen Entwickelung der Menschheit ist. All das kann nicht so bleiben, wenn die Initiationswissenschaft heraufkommt. Daher muß diese Initiationswissenschaft unter allen Umständen verdammt werden.

[ 19 ] People would see, for example, that the dogma of eternal damnation in hell is an Aristotelian consequence of the creation of the soul at physical birth. Suppose a Catholic theologian today studies the connection between Aristotle and Scholasticism, and perceives that the Scholastics derived their proof of the origin of the soul together with the physical body from the philosophy of Aristotle! He would see behind the scenes of the origin of dogma. What is done to prevent this? The theologian is made to take the oath against Modernism. He is made to swear that it is part of his creed that he can never come to a historical conclusion contrary to dogmas which are given out from Rome. The fact that he has taken this oath works so strongly on his feelings that he is confused in his sober research and can never come to see that dogma is bound up with the historical evolution of humanity. Now things cannot remain in this state if the science of initiation arises, and therefore this science of initiation must under all circumstances be condemned.

[ 20 ] Warum sage ich Ihnen das alles? Ich sage Ihnen das, damit Sie die Dinge, um die es sich hier handelt, nicht allzuleicht nehmen. Denn bei unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft handelt es sich wahrhaftig nicht um solche Dinge, um die es sich zum Beispiel bei der Theosophischen Gesellschaft handelt. Daß es sich bei der Theosophischen Gesellschaft nicht um etwas Ernstes gehandelt hat, das geht Ihnen ja daraus hervor, daß sie eines Tages in ihrer Majorität dazu gekommen ist, die ganze Farce von Krishnamurti als dem wiedergeborenen Jesus Christus von Nazareth mitzumachen. Dasjenige, was einlaufen kann in eine solche Komödie, das beruht von vornherein selbstverständlich nur auf Heuchelei, wenn auch diese Heuchelei von vielen ernst genommen worden ist. Was wachsen soll auf dem Boden anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft, das soll in allen Fasern ehrliches Wahrheitssuchen sein. Das ist daher dasjenige, von dem die unterrichtete katholische Kirche ganz gut weiß, daß es hinter die Kulissen kommt, daß es hinter das kommt, was nicht aufgedeckt werden darf, wenn die katholische Kirche diejenige Herrschaft, diejenige Macht fortführen will, die sie eben in der Welt beansprucht. Ich sage das, was ich jetzt sage, aus dem Grunde, weil Sie daraus ersehen sollen, daß die Dinge wahrhaftig nicht leichtsinnig genommen werden dürfen. Denn das muß gesagt werden: Auf jener Seite wird mit großer Voraussicht gearbeitet, wenn auch der eine dem Hammel nachläuft und nur die Devise, die Befehle ausführt, die ihm aufgetragen werden, wenn er auch nicht weiß, welche Bedeutung das systematische Lügen, die aber von einer großen Anzahl von Menschen geglaubt werden, für die ganze Entwickelung der Menschheit hat. Wenn das auch der einzelne nicht weiß und es unwissentlich nachmacht, im ganzen System ist es wohl begründet.

[ 20 ] Why am I telling you these things, my dear friends? So that you may not take the matter too lightly. For in our anthroposophical spiritual science it is verily not a question of the sort of things which go on, for instance in the Theosophical Society. That the Theosophical Society is not to be taken seriously is clearly to be seen from the fact that one day it came to accept by a majority the whole farce of Krishnamurti as the reborn Jesus Christ of Nazareth. Such a comedy is only based on hypocrisy, even though this hypocrisy be taken seriously by many. But what should grow on the soil of Anthroposophy, of spiritual science, should be a search for truth, sincere through and through. It is therefore something which, as the Catholic Church is well aware, penetrates behind the scenes, to what must not be discovered if that church is to maintain the dominion in the world to which she lays claim. All that I am now saying is simply to show you that these things may not be taken lightly. For it must be recognized that the Catholic Church has shown great foresight. Though the individual sheep follows the lead and merely obeys orders, though he may be ignorant of what this systematic lying means for the whole evolution of mankind—though the individual knows nothing and does as he is told, the whole system is thoroughly well established, for the lying will be believed by large numbers.

[ 21 ] Auf der anderen Seite steht jene Einfalt, welche glaubt, daß dieses ganze äußere Gespinst von Naturgesetzen, das heute den Gegenstand unseres Hochschulstudiums bildet, etwas sein könne, was für die Weiterentwickelung der Menschheit eine Bedeutung haben könne, daß all das Blech von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft etwas sein könne, was der Weiterentwickelung der Menschheit heilsam sein könne. Diese Menschheit sieht heute nicht mehr ohne Vorurteile auf den Schnee hin, der sich jeden Winter vor ihr ausbreitet, wenn sie in gemäßigten Zonen lebt. Denn indem die Kräfte des Wachstums überdeckt werden mit der Schneekruste, geht ein Teil der Erdoberfläche durch eine völlige Neugestaltung hindurch. Das Volksbewußtsein, das von der Reinheit des Schnees spricht, weiß viel mehr als die moderne Wissenschaft, welche von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft redet. Was ich jetzt sage, darf ich selbstverständlich nur sagen, nachdem ich durch viele Wochen hindurch Ihnen gezeigt habe, wie unbegründet dieses neuere Gesetz von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft ist, wie in der Tat in jedem Menschenwesen Stoff zugrunde geht, Kraft zugrunde geht, indem nach dem Kopfe herauf gewirkt wird, und wie neuer Stoff, neue Kraft in der Menschenwesenheit entsteht. Alle diese Dinge müssen selbstverständlich von einer gewissen Seite bis aufs Messer bekämpft werden. Und was dagegen helfen kann, ist nur das, daß eine möglichst große Anzahl von Menschen sich bewußt werde, welches eben die Aufgabe der gegenwärtigen Menschheit ist: daß das Individualbewußtsein unbedingt die Welt ergreifen muß.

[ 21 ] On the other side there is the naïve belief that all the external fabrication of natural laws which today forms the subject of our university education can be of significance for the further development of humanity, that all that nonsense about the conservation of matter and energy can be of significance for the further development of mankind! Today people cannot even look with an unprejudiced eye upon the snow which is spread before them every winter (if they are living in the temperate zone), yet through the covering of the forces of growth by the snow crust one part of the earth goes through a complete transformation; and folk consciousness which speaks of the purity of the snow knows far more than our modern science which talks of the conservation of matter and energy. Of course I can only say what I am now saying because I have spent many weeks in showing you how ill-founded are the modern laws of the conservation of matter and energy, how in fact in every human being matter and energy are destroyed, as they work up towards the head, and new matter and new energy arise. All these things are bound to be fiercely contested in some quarters, and the only thing which can help is for as many people as possible to become conscious of the present task of mankind—to be aware that the individual consciousness must lay hold of the world.

[ 22 ] Dieses Individualbewußtsein, es wird die Welt ergreifen, aber es kann entweder die Weisheit der Welt ergreifen, oder die blinden Instinkte ergreifen. Wenn es die blinden Instinkte ergreift, so kommt ein vollständig antisozialer Zustand heraus, so ungefähr, wie er sich jetzt in Rußland vorbereitet. Das wird allmählich einen antisozialen Zustand hervorrufen, gegen den weder die englische, noch die nordamerikanische, gar nicht zu reden von der französischen oder einer sonstigen Regierung ein Mittel ersinnen wird. Nein, es wird naiv sein, zu glauben, daß so etwas wie das englische Parlament fertig werden könne mit dem, was da die Menschheit ergreifen wird, wenn das Individualbewußtsein bloß in den Instinkten wirkt. Aber eine Macht kann fertig werden damit: das ist die Macht Roms. Nur handelt es sich eben darum, wie sie fertig werden kann. Rom kann eine Herrschaft aufpflanzen, denn Rom hat die nötigen Machtmittel dazu. Nur das ist die Frage. Nicht die Frage ist, ob Bolschewismus oder angelsächsische Bourgeoisie, sondern die Frage ist, ob antisoziales Chaos, römische Herrschaft — oder der Entschluß der Menschheit, sich mit dem Geiste zu erfüllen, der 869 auf dem achten allgemeinen ökumenischen Konzil in Konstantinopel als zu erkennen, als zu erforschen für ketzerisch erklärt worden ist von der abendländischen Kirche.

[ 22 ] It will do so, but it can either lay hold of the wisdom of the world or of the blind instincts. If it seizes hold of the blind instincts there will come about a completely antisocial condition, such as is now being prepared in Russia. That, my dear friends, will gradually evoke an antisocial condition against which the English or North American governments, not to speak of the French or any other, will be absolutely defenseless. It would be childish to believe that the English Parliament will be able to deal with what will then lay hold of humanity if the individual consciousness works merely by instinct. But there is one power which will be ready to deal with it, and that is the power of Rome. It is only a question of how it will be done. Rome can establish a dominion; it has the necessary means for this. Thus the only real question is not whether Bolshevism or the Anglo-Saxon bourgeoisie will get the upper hand; the question is whether there will be antisocial chaos, Roman domination, or the resolve on the part of mankind to fill itself with that spirit which in 869 at the Council of Constantinople the western Church declared it heretical to recognize.

[ 23 ] Es geht nicht anders, als daß sich die Menschheit entschließt, die Dinge ernst zu nehmen, nicht bloß so hinzuleben, wie es selbstverständlich geschieht unter den materialistischen Weltgedanken. Wie lebt da die Menschheit? Sie erwirbt nach dem Barometer des Geldpreises, denn ein anderes Barometer gibt es nicht für die soziale Ordnung; und dann hat man vielleicht noch so einen gewissen Luxus, eine Weltanschauung, aber nur als Luxus. Und diejenigen, die besonders «tief» veranlagt sind, die sagen dann: Man muß sich erheben in die geistigen Welten, man muß hinter sich zurücklassen die sinnlich-materielle schlechte Welt; mit der gibt sich ein wirklich tiefer Mensch nicht ab. Man muß nichts verstehen von der ganzen materiellen Welt. Man muß Mystiker werden, in den höheren Welten leben. — Aber auch diese «Tiefen» und die «weniger Tiefen», sie alle bekommen Kinder, haben den Gedanken, daß die Kinder auch erwerben müssen, daß es doch sehr schlimm wäre, wenn die Kinder daher nicht in jene Schulen geschickt würden, in denen man dressiert wird auf das gegenwärtige Erwerben. Und damit haben sie sich schon abgefunden mit dem, wie die Sachen jetzt sind, und damit haben sie den Materialismus auch für die nächste Generation vererbt.

[ 23 ] There is no other alternative than that mankind determine not to go on living in the way which is natural when there are only materialistic thoughts about the world. How does mankind live in a materialistic world? People earn their living in accordance with the fluctuations of the market; there is no other measurement for the social order. After that they may perhaps have a philosophy of life, as a sort of luxury, but only as a luxury. Those supposed to be still more profound say that one must raise oneself into the spiritual world and leave the evil material world behind; a really profound nature can have nothing to do with the material world; he must understand nothing about the material world, but become a mystic and live in the higher world! But even these profound natures as well as the less profound have children and have the notion that these children must “earn,” that it would be very, very wrong if the children were not sent to schools where they would be trained in present-day methods of earning a living. Thereby they have already come to terms with the existing state of things; thereby they hand on this materialism to the next generation.

[ 24 ] Ja, wenn einer einmal das sagt, so ist er ein unbequemer Mensch, und am besten ist es, man verlästert ihn dann. Denn für die meisten Menschen ist das zu hören, was jetzt eben ausgesprochen ist, eigentlich ebenso schlimm, als wenn einige der Wanzen oder Läuse sie fortwährend bearbeiten würden. Aber man läßt sich nicht gern von seelischen Wanzen und Läusen bearbeiten. Daher zieht man sich eine dicke Haut an, die darin besteht, daß man sich blind und taub macht gegen das, was als Charakteristik unserer gegenwärtigen Zeitbildung von der Geisteswissenschaft ausgehen muß. Auf dieser Seite ist dann die Einfalt. Als die katholische Kirche sah, daß die Menschen so einseitig werden, da sorgte sie dafür, daß es ganz besonders geschulte Leute gäbe, aber sie sorgte dafür wirklich auf dem Umwege durch geistige Impulse. Es gehört ja im Grunde genommen zu den allerbedeutsamsten Geschehnissen auch der Metahistorie, wie durch Ignatius von Loyola — der Jesuitenorden begründet worden ist aus gründlichen Einflüssen der geistigen Welt heraus, und da hat man es zu tun in der Tat mit einer starken geistigen Wirksamkeit.

[ 24 ] Now when someone talks like this he is an inconvenient person, and it is best simply to revile him, for to hear what I have just been telling you is for most people as if they were being irritated by vermin. Now people do not like being irritated in this way by psychic vermin and so they cover themselves with a thick skin which makes them impervious to what spiritual science has to say about our present culture. It is on this side then that the naivety lies; and when the Catholic Church saw that people were becoming so one-sided, they took care to have people specially trained, and in this they really were indirectly guided by spiritual impulses. And the foundation of the Jesuit Order by Ignatius Loyola as a result of fundamental influences from the spiritual world is one of the most significant events of metahistory, and in it one has to do with a strong spiritual efficacy.

[ 25 ] Nun muß selbstverständlich in ehrlicher Weise innerhalb unserer Gemeinschaft besprochen werden dasjenige, was ist, und daher war ich genötigt, auch in jenem Karlsruher Zyklus — den jetzt ich weiß nicht was für eine Seele hier irgendeinem Unsinn- und Unratschmierer ausgeliefert hat — von der großartigen aber bedenklichen Schulung der Jesuiten zu sprechen. Bekanntlich ist im Karlsruher Zyklus die ganze Schulung der Jesuiten aus dem Fundament heraus besprochen. Ich will folgendes sagen: Was hat es denn überhaupt innerhalb unserer Kreise für eine Bedeutung, auf jeden Zyklus draufzuschreiben, daß er als Manuskript nur für die Mitglieder gedruckt wird, wenn Unratschmierer diese Zyklen in der Hand haben, aus denen heraus sie alles mögliche zusammenlügen können? Es ist ja ganz selbstverständlich, daß sich dadurch in einer ganz bedeutsamen Weise bewahrheitet, was ich öfter schon erwähnt habe: Es wird die Zeit kommen, wo man eben nicht mehr darauf rechnen kann, daß diese Zyklen nur für einen kleinen Kreis berechnet sind, denn die Menschheit ist gegenwärtig nicht so, daß man ihr etwas anvertrauen kann. Selbstverständlich ist alles dasjenige, was von diesen Unratschmierern geschrieben ist, Unsinn und unwahr, aber es ist auf Grundlage nicht etwa der öffentlichen Schriften geschrieben, sondern es wurde dadurch geschrieben, daß Zyklen einfach hinausgegeben worden sind. Und ich habe allen Grund, anzunehmen, daß einer der ersten Zyklen, der in die Hände der katholischen Geistlichkeit geliefert worden ist, jener Karlsruher Zyklus über die Jesuiten war. Denn auf jener Seite besteht die Tendenz, ja nicht die wahre Schulung der Jesuiten irgendwie bekanntwerden zu lassen. Die Welt soll nicht wissen, wie die Jesuiten geschult werden, sie soll nichts wissen von ihrer grandiosen Schulung.

[ 25 ] Now, my dear friends, we must, of course, among ourselves be able to speak frankly; hence I have been obliged to speak of the grand but questionable training of the Jesuits. I also dealt with this theme in the cycle From Jesus to Christ, which some misguided member has now delivered into the hands of a mudslinger and fabricator of nonsense. You know that in the Karlsruhe cycle I discussed the fundamental basis of Jesuit training. What, may I ask, is the use of stating in each cycle that it is printed as a manuscript for members only, when mudslingers have the cycle at their disposal and can use it for the preparation of all sorts of lies? This incident bears out in a remarkable way what I have already often said, that the time would come when one could no longer count on these cycles being restricted to a small circle, for mankind is not at present fit to be entrusted with anything. Of course, everything written in that quarter is rubbish and untrue, but it is written not on the basis of my public writings, but of private cycles which have been passed on, and I have good reason to believe that one of the first cycles given into the hands of the Catholic clergy was that very Karlsruhe cycle on the Jesuits. For they on their part are not inclined to let the truth about Jesuit training be known. The world must know nothing of how Jesuits are trained; the world must know nothing of their powerful discipline.

[ 26 ] In jenem Orden, um den es sich da handelt, sind unzählige Menschen von einer solchen geistigen Kapazität drinnen, daß, wenn sie zerstreut wären in der äußeren Welt und sich nicht beschäftigten mit dem, womit man sich dort beschäftigt, sondern mit äußerer Wissenschaft oder Dichtung oder Malerei, so würden sie da als einzelne individuelle Menschen wie Genies in der Menschheit verehrt. Man würde sie da als die großen Geister der Menschheit anerkennen. Innerhalb des jesuitischen Ordens sind unzählige Menschen vorhanden, die Lichter wären, wenn sie als einzelne Menschen auftreten und sich mit etwas anderem befassen würden, mit alldem, was zum Beispiel materialistische Wissenschaft ist. Diese Leute löschen ihre Namen aus, gehen auf in ihrem Orden und setzen außerdem als Bedingung ihrer Stärke dieses, daß die Welt von alledem nichts weiß, daß die Welt nicht weiß, wie ein solcher Kopf gebildet wird, der in der schwarzen Kutte und im Jesuitenhütlein dahergeht.

[ 26 ] Modern mankind in its simplicity is merely retarding its own consciousness. On the subject of the Jesuits there are absolutely no true ideas. There are numerous men within that Order of such spiritual capacity that if they were scattered about the world and did not spend their time in the way they do but were working at external science or painting or poetry, they would be honored as individual geniuses; they would be recognized as the great minds of mankind. Within the Jesuit Order there are countless men who would be great lights if they were to appear as individuals and were busy with something different—with, for instance, materialistic science. But these men suppress their very names; they submerge themselves in their Order, and one of the conditions of their strength is that the world should know nothing of the way in which many a head, clothed in black cassock and Jesuit cap, has been trained.

[ 27 ] Diese Dinge sind eben durchaus geeignet, darauf hinzuweisen, wie grundverschieden in verschiedenen Menschenkategorien die ganze Konfiguration des Bewußtseins ist. Aber man will solche Dinge nicht ernst nehmen unter jenen Einfältigen, die sich moderne Aufgeklärte nennen. Und das ist es, was immer wieder und wiederum betont werden muß, das ist es, worüber ich heute zu Ihnen sprechen mußte.

[ 27 ] These things are intended to show you how fundamentally different the whole form of consciousness is in different categories of human beings. But our modern simpletons, who consider themselves enlightened, will not take these things seriously. That must be emphasized again and again, and that, my dear friends, is what I had to speak to you about today.