Healing Factors for the Social Organism
GA 198
10 July 1920, Dornach
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Heilfaktoren für den sozialen Organismus
Dreizehnter Vortrag
Dreizehnter Vortrag
[ 1 ] Ich möchte Ihnen heute aus der ganzen Ideenfolge heraus, aus der die hier jetzt angestellten Betrachtungen gehalten werden, etwas mehr Spezielles vorbringen, um es dann morgen nach einem allgemeineren Gesichtspunkte hin zu erweitern. Sie haben ja entnommen aus den Betrachtungen, die wir hier schon seit längerer Zeit pflegen, daß es sich für die Auffrischung der niedergehenden Kultur des Abendlandes darum handelt, aus geisteswissenschaftlichen Grundlagen heraus eine wirkliche Menschenerkenntnis zu entwickeln. Diese Menschenerkenntnis ist ja durch lange Zeiten hindurch verhindert worden. In der Gestalt, wie sie für die zukünftige Entwickelung der Menschheit gebraucht werden wird, ist sie verhindert worden zunächst durch jene Art des Geisteslebens, welche heraufgekommen ist im 13., 14. mittelalterlichen Jahrhundert, dann wiederum durch die immer mehr nach dem Materialismus sich hinbewegende Geistesströmung der Zeit von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Wir haben auf der einen Seite sich entwickeln sehen eine abgezogene, weltfremde, religiös gefärbte Anschauungsart, welche das Geistige von der Welt abtrennte, es nicht herankommen ließ an den Menschen und daher den Menschen seinem Wesen nach unerklärt ließ. Man möchte sagen: In den letzten Jahrhunderten des vierten nachatlantischen Zeitraums, in den letzten Jahrhunderten der griechisch-lateinischen Entwickelung bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts gewöhnte sich die Menschheit immer mehr und mehr, zu einem ganz weltfremden Göttlich-Geistigen emporzuschauen, und verlor die Möglichkeit, das Menschliche hier selbst in seinem göttlichen Ursprunge kennenzulernen. Dann kam die Zeit, in der die Menschheit den Blick richtete auf das Untermenschliche, auf das, was Naturprinzipien sind, die aber nur alles dasjenige von der Welt erklärlich machten, was nicht Mensch ist, das Mineralische, das Pflanzliche, das Tierische, und auf diese Art wiederum den Menschen unerklärt ließ, so daß also gewissermaßen in einer älteren Zeit dastand ein Hinaufschauen nach einem fremden Geistigen, von der späteren Zeit bis in unsere Tage hinein ein Hinschauen nach einem untermenschlichen Materiellen. Der Mensch fiel zwischendrinnen durch. Den Menschen wiederum geistig-seelisch voll ins Auge zu fassen, das ist einmal die Aufgabe unserer Zeit, und dazu haben wir ja versucht, in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft immer mehr und mehr Elemente heranzutragen.
[ 1 ] Ich möchte Ihnen heute aus der ganzen Ideenfolge heraus, aus der die hier jetzt angestellten Betrachtungen gehalten werden, etwas mehr Spezielles vorbringen, um es dann morgen nach einem allgemeineren Gesichtspunkte hin zu erweitern. Sie haben ja entnommen aus den Betrachtungen, die wir hier schon seit längerer Zeit pflegen, daß es sich für die Auffrischung der niedergehenden Kultur des Abendlandes darum handelt, aus geisteswissenschaftlichen Grundlagen heraus eine wirkliche Menschenerkenntnis zu entwickeln. Diese Menschenerkenntnis ist ja durch lange Zeiten hindurch verhindert worden. In der Gestalt, wie sie für die zukünftige Entwickelung der Menschheit gebraucht werden wird, ist sie verhindert worden zunächst durch jene Art des Geisteslebens, welche heraufgekommen ist im 13., 14. mittelalterlichen Jahrhundert, dann wiederum durch die immer mehr nach dem Materialismus sich hinbewegende Geistesströmung der Zeit von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Wir haben auf der einen Seite sich entwickeln sehen eine abgezogene, weltfremde, religiös gefärbte Anschauungsart, welche das Geistige von der Welt abtrennte, es nicht herankommen ließ an den Menschen und daher den Menschen seinem Wesen nach unerklärt ließ. Man möchte sagen: In den letzten Jahrhunderten des vierten nachatlantischen Zeitraums, in den letzten Jahrhunderten der griechisch-lateinischen Entwickelung bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts gewöhnte sich die Menschheit immer mehr und mehr, zu einem ganz weltfremden Göttlich-Geistigen emporzuschauen, und verlor die Möglichkeit, das Menschliche hier selbst in seinem göttlichen Ursprunge kennenzulernen. Dann kam die Zeit, in der die Menschheit den Blick richtete auf das Untermenschliche, auf das, was Naturprinzipien sind, die aber nur alles dasjenige von der Welt erklärlich machten, was nicht Mensch ist, das Mineralische, das Pflanzliche, das Tierische, und auf diese Art wiederum den Menschen unerklärt ließ, so daß also gewissermaßen in einer älteren Zeit dastand ein Hinaufschauen nach einem fremden Geistigen, von der späteren Zeit bis in unsere Tage hinein ein Hinschauen nach einem untermenschlichen Materiellen. Der Mensch fiel zwischendrinnen durch. Den Menschen wiederum geistig-seelisch voll ins Auge zu fassen, das ist einmal die Aufgabe unserer Zeit, und dazu haben wir ja versucht, in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft immer mehr und mehr Elemente heranzutragen.
[ 2 ] Ich möchte heute davon sprechen, wie der Mensch sich zunächst in der Welt zwischen zwei Extreme in seinem inneren Erleben hineingestellt findet. Wir wollen uns heute zunächst bei dem innerlichen Erleben des Menschen aufhalten. Auf der einen Seite erlebt der Mensch die Ideenwelt, allein er erlebt sie so, daß gerade, je mehr er sich in diese Ideenwelt hineinlebt, sie ihm um so abstrakter, um so kälter erscheint. Der Mensch fühlt, wenn er sich zu den Ideen erhebt, wie er innerlich nicht warm werden kann. Er fühlt aber noch etwas ganz anderes. Er fühlt, daß er in diesen Ideen, die ja dann auch zu Naturgesetzen, zu Weltgesetzen erweitert werden, etwas hat, was als Idee nicht eine Realität einschließt, was als Idee im Grunde genommen bloß Bild ist. Daher fühlt sich der Mensch der Ideenwelt gegenüber nicht so, daß er, sagen wir, seine eigene Existenz irgendwie erkennend einpflanzen möchte in diese Ideenwelt. Der Mensch mag noch so viel bedenken und noch so gern bedenken, er bewahrt nach und nach auch bei der vollkommenst ausgesponnenen Philosophie das Gefühl, daß sich Beweise für sein reales Dasein im Weltenall aus der Ideenwelt nicht holen lassen. Die Ideen haben etwas gleichsam Wurzelloses, so wie sie erlebt werden im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod. Das ist das eine, gewissermaßen der eine Pol des äußeren Erlebens im gewöhnlichen Dasein: die abstrakten, die nüchternen, kalten Ideen, in denen man nicht verankern kann, auch nicht verankern möchte die Realität der eigentlichen menschlichen Wesenheit. Und schließlich ist die neuere Menschheit doch nicht warm geworden bei dem Satze des Cartesius: Ich denke, also bin ich — cogito, ergo sum —, weil, wenn noch so viel gedacht wird, der Mensch eben fühlt: Aus dem Denken läßt sich zunächst nicht herausholen irgendein Sein.
[ 2 ] Ich möchte heute davon sprechen, wie der Mensch sich zunächst in der Welt zwischen zwei Extreme in seinem inneren Erleben hineingestellt findet. Wir wollen uns heute zunächst bei dem innerlichen Erleben des Menschen aufhalten. Auf der einen Seite erlebt der Mensch die Ideenwelt, allein er erlebt sie so, daß gerade, je mehr er sich in diese Ideenwelt hineinlebt, sie ihm um so abstrakter, um so kälter erscheint. Der Mensch fühlt, wenn er sich zu den Ideen erhebt, wie er innerlich nicht warm werden kann. Er fühlt aber noch etwas ganz anderes. Er fühlt, daß er in diesen Ideen, die ja dann auch zu Naturgesetzen, zu Weltgesetzen erweitert werden, etwas hat, was als Idee nicht eine Realität einschließt, was als Idee im Grunde genommen bloß Bild ist. Daher fühlt sich der Mensch der Ideenwelt gegenüber nicht so, daß er, sagen wir, seine eigene Existenz irgendwie erkennend einpflanzen möchte in diese Ideenwelt. Der Mensch mag noch so viel bedenken und noch so gern bedenken, er bewahrt nach und nach auch bei der vollkommenst ausgesponnenen Philosophie das Gefühl, daß sich Beweise für sein reales Dasein im Weltenall aus der Ideenwelt nicht holen lassen. Die Ideen haben etwas gleichsam Wurzelloses, so wie sie erlebt werden im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod. Das ist das eine, gewissermaßen der eine Pol des äußeren Erlebens im gewöhnlichen Dasein: die abstrakten, die nüchternen, kalten Ideen, in denen man nicht verankern kann, auch nicht verankern möchte die Realität der eigentlichen menschlichen Wesenheit. Und schließlich ist die neuere Menschheit doch nicht warm geworden bei dem Satze des Cartesius: Ich denke, also bin ich — cogito, ergo sum —, weil, wenn noch so viel gedacht wird, der Mensch eben fühlt: Aus dem Denken läßt sich zunächst nicht herausholen irgendein Sein.
[ 3 ] Der andere Pol des inneren Erlebens sind die Erinnerungsvorstellungen. Wer nun wirklich Seelenkunde, Psychologie treibt, nicht jene Wortkunst, die man heute an den Universitäten oftmals als Psychologie betreibt, der weiß, daß diese Erinnerungsvorstellungen, die wir haben, substantiell genau dasselbe sind wie die Phantasievorstellungen, die wir uns gewissermaßen frei schaffend bilden, nur daß wir dieselbe Kraft, die wir in dem Weben der Phantasievorstellung anwenden, anders verwenden beim Erinnern. Indem wir uns erinnern, indem wir unser Gedächtnis pflegen, leben wir schließlich in demselben Elemente wie beim Phantasieschaffen, nur daß wir anknüpfen an dasjenige, was wir durch die Sinne oder überhaupt durch das Leben erfahren haben und so die «Phantasmen» in der Erinnerung gesetzmäßig gestalten, während wir sie in der Phantasie frei schweifen lassen. Das ist im inneren Erleben der andere Pol.
[ 3 ] Der andere Pol des inneren Erlebens sind die Erinnerungsvorstellungen. Wer nun wirklich Seelenkunde, Psychologie treibt, nicht jene Wortkunst, die man heute an den Universitäten oftmals als Psychologie betreibt, der weiß, daß diese Erinnerungsvorstellungen, die wir haben, substantiell genau dasselbe sind wie die Phantasievorstellungen, die wir uns gewissermaßen frei schaffend bilden, nur daß wir dieselbe Kraft, die wir in dem Weben der Phantasievorstellung anwenden, anders verwenden beim Erinnern. Indem wir uns erinnern, indem wir unser Gedächtnis pflegen, leben wir schließlich in demselben Elemente wie beim Phantasieschaffen, nur daß wir anknüpfen an dasjenige, was wir durch die Sinne oder überhaupt durch das Leben erfahren haben und so die «Phantasmen» in der Erinnerung gesetzmäßig gestalten, während wir sie in der Phantasie frei schweifen lassen. Das ist im inneren Erleben der andere Pol.
[ 4 ] Bei der Ideenwelt, die wir dann auch zu den Naturgesetzen ausspinnen, da haben wir das entschiedene Bewußtsein, unser Wille kann in der Gestaltung der Ideenwelt nicht eigentlich etwas durch sich selbst bewirken; er muß sich fügen der inneren Logik, dem Wirklichkeitsgewebe der Ideen. Wir können nicht, wenn wir Wirklichkeit umfassen wollen, durch unseren Willen eine Idee an die andere reihen, wir müssen uns der inneren Gesetzmäßigkeit dieser nur bildhaften, kein Sein zunächst tragenden Ideenwelt anpassen. Wir erkennen beim anderen Pol, bei den Phantasmen, die auch in der Erinnerung, im Gedächtnis leben, sehr gut: Darinnen waltet unser Wille — und da ist unser Wille auch ganz gut angebracht, und wir merken in zweifacher Beziehung, daß diese Phantasmen, insofern sie erinnerungsgestaltend sind, sehr wohl etwas zu tun haben mit unserem Ich, mit unserer Persönlichkeit, mit dem, was unsere Realität ist. Wir mögen noch so zetern gegen die bloße Phantasie oder Phantastik; indem wir erfühlen, daß unser Ich dadrinnen wirkt nach seiner Willkür, fühlen wir doch zugleich, daß in diesen Phantasmen eben unser Ich, unsere Persönlichkeit enthalten ist. Das ist das eine.
[ 4 ] Bei der Ideenwelt, die wir dann auch zu den Naturgesetzen ausspinnen, da haben wir das entschiedene Bewußtsein, unser Wille kann in der Gestaltung der Ideenwelt nicht eigentlich etwas durch sich selbst bewirken; er muß sich fügen der inneren Logik, dem Wirklichkeitsgewebe der Ideen. Wir können nicht, wenn wir Wirklichkeit umfassen wollen, durch unseren Willen eine Idee an die andere reihen, wir müssen uns der inneren Gesetzmäßigkeit dieser nur bildhaften, kein Sein zunächst tragenden Ideenwelt anpassen. Wir erkennen beim anderen Pol, bei den Phantasmen, die auch in der Erinnerung, im Gedächtnis leben, sehr gut: Darinnen waltet unser Wille — und da ist unser Wille auch ganz gut angebracht, und wir merken in zweifacher Beziehung, daß diese Phantasmen, insofern sie erinnerungsgestaltend sind, sehr wohl etwas zu tun haben mit unserem Ich, mit unserer Persönlichkeit, mit dem, was unsere Realität ist. Wir mögen noch so zetern gegen die bloße Phantasie oder Phantastik; indem wir erfühlen, daß unser Ich dadrinnen wirkt nach seiner Willkür, fühlen wir doch zugleich, daß in diesen Phantasmen eben unser Ich, unsere Persönlichkeit enthalten ist. Das ist das eine.
[ 5 ] Das andere ist: In dem Augenblicke, wo durch irgendeine Erkrankung unsere Erinnerungskontinuität gestört ist, wo irgendwo der Faden unserer Erinnerung abreißt, so daß wir uns eines Stückes unseres Lebens nicht erinnern können, in diesem Augenblicke ist auch die wirkliche Gediegenheit unseres inneren Ich-Erlebens gestört. Also es hängt unser Ich-Erleben auf der einen Seite zunächst nicht zusammen mit unserer Ideenwelt. Auf der anderen Seite fühlen wir, daß dieses Ich-Erleben drinnen ist in dem, was wir unsere Phantasmenwelt nennen, trotzdem wir wiederum nicht bauen können auf diese Phantasmenwelt und in gewisser Weise nicht das wesenhafte Ich in dieser Phantasmenwelt suchen dürfen, trotzdem wir wissen, daß es dadrinnen tätig ist, ja, daß es gar nicht in der richtigen Weise in unserem Bewußtsein leben kann, wenn nicht diese Erinnerung in Kontakt damit ist.
[ 5 ] Das andere ist: In dem Augenblicke, wo durch irgendeine Erkrankung unsere Erinnerungskontinuität gestört ist, wo irgendwo der Faden unserer Erinnerung abreißt, so daß wir uns eines Stückes unseres Lebens nicht erinnern können, in diesem Augenblicke ist auch die wirkliche Gediegenheit unseres inneren Ich-Erlebens gestört. Also es hängt unser Ich-Erleben auf der einen Seite zunächst nicht zusammen mit unserer Ideenwelt. Auf der anderen Seite fühlen wir, daß dieses Ich-Erleben drinnen ist in dem, was wir unsere Phantasmenwelt nennen, trotzdem wir wiederum nicht bauen können auf diese Phantasmenwelt und in gewisser Weise nicht das wesenhafte Ich in dieser Phantasmenwelt suchen dürfen, trotzdem wir wissen, daß es dadrinnen tätig ist, ja, daß es gar nicht in der richtigen Weise in unserem Bewußtsein leben kann, wenn nicht diese Erinnerung in Kontakt damit ist.
[ 6 ] In dem, was ich Ihnen jetzt mehr oder weniger abstrakt auseinandergesetzt habe, bergen sich die tiefsten Lebensrätsel, und wir kommen an diese Lebensrätsel heran, indem wir verschiedenes von dem heute zusammennehmen, was zerstreut ist in unseren anthroposophischen Betrachtungen. Die Ideenwelt, abstrakt erscheint sie uns, bildhaft erscheint sie uns! Wo gebrauchen wir sie denn zunächst? Wir gebrauchen sie, wenn wir dasjenige, was von der Außenwelt auf unsere Sinne wirkt — Farben, Töne, Wärme und Kälte —, wenn wir das denkend durchdringen. Wir durchdringen unsere Wahrnehmungen denkend. Sie finden ja das Genauere ausgeführt in meinen Büchern «Wahrheit und Wissenschaft» und in der «Philosophie der Freiheit». Wenn wir die Wahrnehmungen denkend durchdringen, dann gebrauchen wir diese Ideenwelt, um sie gewissermaßen hineinzuprägen in unser geistig-seelisches Erleben, in dasjenige, was wir als Wahrnehmungswelt haben. Aber man muß doch etwas genauer auf das hinsehen, was da eigentlich geschieht. Und das kann man, wenn man durch die geisteswissenschaftlichen Methoden seine eigenen Seelenfähigkeiten zurechtlenkt, so wie das in meinen Büchern verschiedentlich beschrieben ist. Man kann nämlich die Frage aufwerfen: Wie wäre es denn mit den sinnlichen Wahrnehmungen, wenn sie nur von außen auf uns eindringen würden, wenn also nur dasjenige, was gewissermaßen aus dem Licht als Farbe in unser Auge dringt, was als Ton an unser Ohr dringt, was als Wärme in unseren Wärmesinn dringt und so weiter, wenn das nur auf uns einstürmte, was wäre denn dann mit uns?
[ 6 ] In dem, was ich Ihnen jetzt mehr oder weniger abstrakt auseinandergesetzt habe, bergen sich die tiefsten Lebensrätsel, und wir kommen an diese Lebensrätsel heran, indem wir verschiedenes von dem heute zusammennehmen, was zerstreut ist in unseren anthroposophischen Betrachtungen. Die Ideenwelt, abstrakt erscheint sie uns, bildhaft erscheint sie uns! Wo gebrauchen wir sie denn zunächst? Wir gebrauchen sie, wenn wir dasjenige, was von der Außenwelt auf unsere Sinne wirkt — Farben, Töne, Wärme und Kälte —, wenn wir das denkend durchdringen. Wir durchdringen unsere Wahrnehmungen denkend. Sie finden ja das Genauere ausgeführt in meinen Büchern «Wahrheit und Wissenschaft» und in der «Philosophie der Freiheit». Wenn wir die Wahrnehmungen denkend durchdringen, dann gebrauchen wir diese Ideenwelt, um sie gewissermaßen hineinzuprägen in unser geistig-seelisches Erleben, in dasjenige, was wir als Wahrnehmungswelt haben. Aber man muß doch etwas genauer auf das hinsehen, was da eigentlich geschieht. Und das kann man, wenn man durch die geisteswissenschaftlichen Methoden seine eigenen Seelenfähigkeiten zurechtlenkt, so wie das in meinen Büchern verschiedentlich beschrieben ist. Man kann nämlich die Frage aufwerfen: Wie wäre es denn mit den sinnlichen Wahrnehmungen, wenn sie nur von außen auf uns eindringen würden, wenn also nur dasjenige, was gewissermaßen aus dem Licht als Farbe in unser Auge dringt, was als Ton an unser Ohr dringt, was als Wärme in unseren Wärmesinn dringt und so weiter, wenn das nur auf uns einstürmte, was wäre denn dann mit uns?
[ 7 ] Machen wir uns klar: Wir lassen im wachenden Zustande niemals diese Welt nur in uns einströmen. Wenn wir auch ein nur wenig aktives Denken in Ideen entwickeln, so bringen wir doch gewissermaßen aus dem Inneren heraus diesen auf uns einstürmenden Tönen, Farben, Gerüchen, Geschmäcken, überhaupt allen Sinnesqualitäten, den aus unserem Inneren aufsteigenden Gegenstoß der Ideenwelt entgegen. Und wer nun wiederum nicht nach der abstrakten Wortpsychologie der Gegenwart denkt, sondern wer wirklich beobachten gelernt hat, der kann sich fragen: Wie begegnen sich in unseren Sinnesorganen die von außen einstürmenden Wahrnehmungsinhalte und der Gegenstoß von innen, die Ideenwelt? — Sehen Sie, wenn wir bloß hingegeben wären an die Welt der Wahrnehmungen, dann lebten wir eigentlich als Menschen in unserem ätherischen Leibe und mit dem ätherischen Leibe in einer ätherischen Welt. Sie brauchen sich nur vorzustellen, wie Sie, hingegeben durch die Augen an die Farbenwelt, in einer wogenden, ätherisch wogenden Farbenwelt leben würden, wie Sie, hingegeben durch Ihre Ohren an die tönende Welt, in einem wogenden Tonmeer leben würden, das allerdings nicht ätherisch zunächst ist, aber es würde ätherisch sein, wenn Sie nicht den Gegenstoß durch die Ideen liefern würden. Nämlich so, wie die Töne zunächst für uns Menschen sind, so sind sie das Ätherische. Wir schwimmen im Luftmeere und dadurch im verdichteten Ätherischen. Es ist also Atherisches, das nur bis zur Luft materiell verdichtet ist; die Töne sind nur der luftförmig-materielle Ausdruck wiederum vom Ätherischen. Und so ist es mit den Wärmequalitäten, mit den Geschmacks-, mit den Geruchsqualitäten, mit allen Sinnesqualitäten. Denken Sie sich also weg den Gegenstoß der Ideenwelt von innen, denken Sie sich, Sie lebten in einem ätherischen Meere als ätherische Wesenheit, Sie würden niemals zu jener menschlichen Konsistenz kommen, mit der Sie eigentlich zwischen Geburt und Tod in der Welt dastehen. Wodurch nur können Sie zu dieser Konsistenz kommen? Dadurch, daß Sie darauf hinorganisiert sind, dieses Ätherische abzutöten, abzulähmen. Und wodurch lähmen wir es ab? Wodurch töten wir es ab? Durch den Gegenstoß der Ideen! Es ist wirklich so: Es käme gewissermaßen von außen her — wenn ich schematisch zeichnen soll — die Welt des Wahrnehmungsinhaltes in lebendiger Ätherität (rot), und wir würden als ätherische Wesen schwimmen in lebendiger Ätherität, wenn wir nicht hineinsenden würden von innen den Gegenstoß der Ideenwelt (blau), die so, wie sie zwischen Geburt und Tod Ideenwelt ist, das Ätherische ertötet und uns die Welt als physische Welt erscheinen läßt. Wir hätten eine ätherische Welt um uns, wenn wir nicht durch die Ideenwelt ertöteten dieses Atherische, es herunterbrächten zur physischen Gestaltlichkeit. Die Ideenwelt, so wie wir sie als Mensch haben, sie verbindet sich in unseren Gesamtorganen mit den Sinnesqualitäten, lähmt diese Sinnesqualitäten ab und bringt sie herunter bis zu dem, was wir eben als physische Welt erleben.
[ 7 ] Machen wir uns klar: Wir lassen im wachenden Zustande niemals diese Welt nur in uns einströmen. Wenn wir auch ein nur wenig aktives Denken in Ideen entwickeln, so bringen wir doch gewissermaßen aus dem Inneren heraus diesen auf uns einstürmenden Tönen, Farben, Gerüchen, Geschmäcken, überhaupt allen Sinnesqualitäten, den aus unserem Inneren aufsteigenden Gegenstoß der Ideenwelt entgegen. Und wer nun wiederum nicht nach der abstrakten Wortpsychologie der Gegenwart denkt, sondern wer wirklich beobachten gelernt hat, der kann sich fragen: Wie begegnen sich in unseren Sinnesorganen die von außen einstürmenden Wahrnehmungsinhalte und der Gegenstoß von innen, die Ideenwelt? — Sehen Sie, wenn wir bloß hingegeben wären an die Welt der Wahrnehmungen, dann lebten wir eigentlich als Menschen in unserem ätherischen Leibe und mit dem ätherischen Leibe in einer ätherischen Welt. Sie brauchen sich nur vorzustellen, wie Sie, hingegeben durch die Augen an die Farbenwelt, in einer wogenden, ätherisch wogenden Farbenwelt leben würden, wie Sie, hingegeben durch Ihre Ohren an die tönende Welt, in einem wogenden Tonmeer leben würden, das allerdings nicht ätherisch zunächst ist, aber es würde ätherisch sein, wenn Sie nicht den Gegenstoß durch die Ideen liefern würden. Nämlich so, wie die Töne zunächst für uns Menschen sind, so sind sie das Ätherische. Wir schwimmen im Luftmeere und dadurch im verdichteten Ätherischen. Es ist also Atherisches, das nur bis zur Luft materiell verdichtet ist; die Töne sind nur der luftförmig-materielle Ausdruck wiederum vom Ätherischen. Und so ist es mit den Wärmequalitäten, mit den Geschmacks-, mit den Geruchsqualitäten, mit allen Sinnesqualitäten. Denken Sie sich also weg den Gegenstoß der Ideenwelt von innen, denken Sie sich, Sie lebten in einem ätherischen Meere als ätherische Wesenheit, Sie würden niemals zu jener menschlichen Konsistenz kommen, mit der Sie eigentlich zwischen Geburt und Tod in der Welt dastehen. Wodurch nur können Sie zu dieser Konsistenz kommen? Dadurch, daß Sie darauf hinorganisiert sind, dieses Ätherische abzutöten, abzulähmen. Und wodurch lähmen wir es ab? Wodurch töten wir es ab? Durch den Gegenstoß der Ideen! Es ist wirklich so: Es käme gewissermaßen von außen her — wenn ich schematisch zeichnen soll — die Welt des Wahrnehmungsinhaltes in lebendiger Ätherität (rot), und wir würden als ätherische Wesen schwimmen in lebendiger Ätherität, wenn wir nicht hineinsenden würden von innen den Gegenstoß der Ideenwelt (blau), die so, wie sie zwischen Geburt und Tod Ideenwelt ist, das Ätherische ertötet und uns die Welt als physische Welt erscheinen läßt. Wir hätten eine ätherische Welt um uns, wenn wir nicht durch die Ideenwelt ertöteten dieses Atherische, es herunterbrächten zur physischen Gestaltlichkeit. Die Ideenwelt, so wie wir sie als Mensch haben, sie verbindet sich in unseren Gesamtorganen mit den Sinnesqualitäten, lähmt diese Sinnesqualitäten ab und bringt sie herunter bis zu dem, was wir eben als physische Welt erleben.


[ 8 ] Das ist der Tatbestand. Sie können aus dem kleinen Schriftchen von Dr. Stein, aus seiner Dissertation, ersehen, wie nahe er da gekommen ist, durch eine geistvolle Interpretation dessen, was sich auf anthroposophischem Felde gewinnen läßt, diesem Charakter der Wahrnehmungswelt. Es ist tatsächlich in der gegenwärtigen physiologischen Literatur nichts so Gutes über die Sinnesphysiologie vorhanden wie dieses Büchelchen von Dr. Stein.
[ 8 ] Das ist der Tatbestand. Sie können aus dem kleinen Schriftchen von Dr. Stein, aus seiner Dissertation, ersehen, wie nahe er da gekommen ist, durch eine geistvolle Interpretation dessen, was sich auf anthroposophischem Felde gewinnen läßt, diesem Charakter der Wahrnehmungswelt. Es ist tatsächlich in der gegenwärtigen physiologischen Literatur nichts so Gutes über die Sinnesphysiologie vorhanden wie dieses Büchelchen von Dr. Stein.
[ 9 ] Also wir haben auf der einen Seite diesen Tatbestand, daß wir durch die Ideenwelt herabdämpfen das ätherische Gewoge der Sinnesqualitäten. Womit hängt das nun im weiteren zusammen? Es hängt im weiteren damit zusammen, daß unsere Ideenwelt, die wir als Mensch zwischen Geburt und Tod erleben als von innen aufsteigend, nicht in ihrer wahren Gestalt erscheint. Das können die Menschen nicht durchschauen, daß sie an den Ideen so, wie man sie erlebt als Mensch im physischen Leibe, nicht die wahre Gestalt dieser Ideen haben. Die Menschen sind noch so grob organisiert in der gegenwärtigen Zivilisation, daß sie gar nicht darauf kommen, sich zum Beispiel einmal zu sagen: Du fährst aus dem Schlafe auf, du hast einen ganzen Traum erlebt, der dir symbolisch ausgedrückt hat, was draußen auf der Straße «Feurio!» schreit. — Man erlebt symbolisch etwas, was draußen ganz anders ist. Was wir in den Ideen haben, ist eben sehr verschieden von dieser Ausbildung eines äußeren Ereignisses in der Traumphantasie; aber in der Ideenwelt haben wir dennoch auch etwas, was nichts anderes ist als das Hereinscheinen einer ganz anderen Welt. Und welche Welt ist es? Davon haben wir oftmals gesprochen. Es ist die Welt, die der Mensch durchgemacht hat vor der Geburt, oder sagen wir vor der Empfängnis. Das ist dasjenige, was hier im Leben abgeschattet ist bis zur abstrakten Ideenwelt, konkret erlebt. Zwischen dem Tod und einer neuen Geburt leben wir in der Realität dessen, was hier in der Ideenwelt nur in diesen Schattenbildern der Begriffe, der Vorstellungen, der Ideen vorhanden ist. So wie die äußere Welt in den Traum hereinscheint, so scheint die vorgeburtliche Welt herein in unsere Welt zwischen Geburt und Tod, indem sie nachwirkt in der Bildung von Ideen. Aber während alles lebt in dem, was die Ideen sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, während da das, was in der Ideenwelt real ist, unsere eigene Wesenheit berührt, während wir da, indem wir uns selber berühren, unser ideelles Substantielles berühren, so wie wir jetzt unseren physischen Leib berühren, schattet sich herein in dieses irdische Leben von dieser Substantialität der Ideenwelt nur dasjenige, wovon wir nicht einmal wissen, daß wir aus ihm im Irdischen die Realität des eigenen Ich schöpfen. Aber wir verwenden diesen Schatten unserer geistigen Existenz dazu, um uns gerade die Existenz auf Erden möglich zu machen. Was geben uns denn die Götter mit, indem sie durch die Geburt uns hereinsenden in diese Welt? Sie geben uns mit das Schattenbild jener Existenz, die wir haben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Dieses Schattenbild sind die Ideen, und diese Ideen dienen uns hier, um überhaupt physisch Mensch zu werden, sonst würden wir als ätherische Wesen im ätherischen Meer schwimmen. Wir töten ab das ätherische Leben mit den Schattenbildern unseres Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 9 ] Also wir haben auf der einen Seite diesen Tatbestand, daß wir durch die Ideenwelt herabdämpfen das ätherische Gewoge der Sinnesqualitäten. Womit hängt das nun im weiteren zusammen? Es hängt im weiteren damit zusammen, daß unsere Ideenwelt, die wir als Mensch zwischen Geburt und Tod erleben als von innen aufsteigend, nicht in ihrer wahren Gestalt erscheint. Das können die Menschen nicht durchschauen, daß sie an den Ideen so, wie man sie erlebt als Mensch im physischen Leibe, nicht die wahre Gestalt dieser Ideen haben. Die Menschen sind noch so grob organisiert in der gegenwärtigen Zivilisation, daß sie gar nicht darauf kommen, sich zum Beispiel einmal zu sagen: Du fährst aus dem Schlafe auf, du hast einen ganzen Traum erlebt, der dir symbolisch ausgedrückt hat, was draußen auf der Straße «Feurio!» schreit. — Man erlebt symbolisch etwas, was draußen ganz anders ist. Was wir in den Ideen haben, ist eben sehr verschieden von dieser Ausbildung eines äußeren Ereignisses in der Traumphantasie; aber in der Ideenwelt haben wir dennoch auch etwas, was nichts anderes ist als das Hereinscheinen einer ganz anderen Welt. Und welche Welt ist es? Davon haben wir oftmals gesprochen. Es ist die Welt, die der Mensch durchgemacht hat vor der Geburt, oder sagen wir vor der Empfängnis. Das ist dasjenige, was hier im Leben abgeschattet ist bis zur abstrakten Ideenwelt, konkret erlebt. Zwischen dem Tod und einer neuen Geburt leben wir in der Realität dessen, was hier in der Ideenwelt nur in diesen Schattenbildern der Begriffe, der Vorstellungen, der Ideen vorhanden ist. So wie die äußere Welt in den Traum hereinscheint, so scheint die vorgeburtliche Welt herein in unsere Welt zwischen Geburt und Tod, indem sie nachwirkt in der Bildung von Ideen. Aber während alles lebt in dem, was die Ideen sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, während da das, was in der Ideenwelt real ist, unsere eigene Wesenheit berührt, während wir da, indem wir uns selber berühren, unser ideelles Substantielles berühren, so wie wir jetzt unseren physischen Leib berühren, schattet sich herein in dieses irdische Leben von dieser Substantialität der Ideenwelt nur dasjenige, wovon wir nicht einmal wissen, daß wir aus ihm im Irdischen die Realität des eigenen Ich schöpfen. Aber wir verwenden diesen Schatten unserer geistigen Existenz dazu, um uns gerade die Existenz auf Erden möglich zu machen. Was geben uns denn die Götter mit, indem sie durch die Geburt uns hereinsenden in diese Welt? Sie geben uns mit das Schattenbild jener Existenz, die wir haben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Dieses Schattenbild sind die Ideen, und diese Ideen dienen uns hier, um überhaupt physisch Mensch zu werden, sonst würden wir als ätherische Wesen im ätherischen Meer schwimmen. Wir töten ab das ätherische Leben mit den Schattenbildern unseres Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 10 ] So stellen wir den Menschen hinein in das ganze Universum, in den Kosmos. Da ist wieder einer der Punkte, wo wir wirkliche Menschenerkenntnis gewinnen. Da knüpfen wir das, was wir im gegenwärtigen Erleben haben, an das ewige Erleben an. Da sagen wir: Wenn du denkst, wenn du durch deine Sinne die äußere Welt ansiehst und mit deinen Ideen ablähmst das ätherische Leben, das sich in deinen Augen, in deinen Ohren abspielt, so daß du es ertragen kannst und Mensch sein kannst, dann tust du das mit der Erbschaft, mit der Nachwirkung deiner ewigen menschlichen Wesenheit, wie du dir sie herangebildet hast zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 10 ] So stellen wir den Menschen hinein in das ganze Universum, in den Kosmos. Da ist wieder einer der Punkte, wo wir wirkliche Menschenerkenntnis gewinnen. Da knüpfen wir das, was wir im gegenwärtigen Erleben haben, an das ewige Erleben an. Da sagen wir: Wenn du denkst, wenn du durch deine Sinne die äußere Welt ansiehst und mit deinen Ideen ablähmst das ätherische Leben, das sich in deinen Augen, in deinen Ohren abspielt, so daß du es ertragen kannst und Mensch sein kannst, dann tust du das mit der Erbschaft, mit der Nachwirkung deiner ewigen menschlichen Wesenheit, wie du dir sie herangebildet hast zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 11 ] So erweitern das menschliche Bewußtsein, so hineingießen in die menschliche Wesenheit etwas von dem Wissen, das uns verbindet mit dem ganzen Universum — das ist ein Bedürfnis der Gegenwart. Und alle äußere Wissenschaft wird abdorren, alle äußere Kultur wird hineinführen in den Niedergang. Der Tod des Abendlandes wird erfolgen, wenn die Menschen sich nicht entschließen, eine solche Menschenerkenntnis sich anzueignen, die aus der Beobachtung der äußeren Lebensverhältnisse den Menschen wiederum anknüpft an den Kosmos und so den Menschen anknüpft an den Kosmos, daß der Mensch, indem er hier erlebt die Ideenwelt, sich bewußt wird des Ewigen. Gerade darum ist diese Ideenwelt etwas so Nüchternes, Abstraktes, weil sie nur das Schattenbild des Ewigen ist und weil sie im Grunde hier dazu bestimmt ist, abzutöten das uns sonst ätherisch überflutende Sinnesleben.
[ 11 ] So erweitern das menschliche Bewußtsein, so hineingießen in die menschliche Wesenheit etwas von dem Wissen, das uns verbindet mit dem ganzen Universum — das ist ein Bedürfnis der Gegenwart. Und alle äußere Wissenschaft wird abdorren, alle äußere Kultur wird hineinführen in den Niedergang. Der Tod des Abendlandes wird erfolgen, wenn die Menschen sich nicht entschließen, eine solche Menschenerkenntnis sich anzueignen, die aus der Beobachtung der äußeren Lebensverhältnisse den Menschen wiederum anknüpft an den Kosmos und so den Menschen anknüpft an den Kosmos, daß der Mensch, indem er hier erlebt die Ideenwelt, sich bewußt wird des Ewigen. Gerade darum ist diese Ideenwelt etwas so Nüchternes, Abstraktes, weil sie nur das Schattenbild des Ewigen ist und weil sie im Grunde hier dazu bestimmt ist, abzutöten das uns sonst ätherisch überflutende Sinnesleben.
[ 12 ] So hängen wir mit unserem Leben mit dem Vorgeburtlichen zusammen. Auf dieses Vorgeburtliche deuten die traditionellen Religionsbekenntnisse nicht gerne hin, ja sie lehnen es sogar entschieden ab. Ich habe das schon berührt, daß das gerade das Eigentümliche der gegenwärtigen traditionellen Religionsbekenntnisse ist, daß sie nur von dem Nachtodlichen sprechen, nicht von dem Vorgeburtlichen, von der Präexistenz. Sie wollen davon nicht sprechen, weil man dann nicht sich richten kann an den Egoismus des Menschen, an den man sich richtet, wenn man den Menschen predigt bloß von dem nachtodlichen Leben; denn das Wissen von dem nachtodlichen Leben wollen die Menschen genießen zwischen Geburt und Tod. Dasjenige, was ihnen auferlegt die Verpflichtungen für dieses Leben, weil die Götter sie aus der geistigen Welt entlassen haben, um ihre Mission zu erfüllen, das spricht nicht zum menschlichen Egoismus, das spricht zu der menschlichen Verantwortlichkeit und menschlichen Verpflichtung. Deshalb finder man wenig Zustimmung, wenn man von diesem vorgeburtlichen Leben spricht. Und so sehr haben es diese Religionsbekenntnisse zuwege gebracht, die Menschen schlafen zu lassen über dieses vorgeburtliche Leben, daß wir wohl ein Wort «Unsterblichkeit» haben, das heißt, wir negieren die Sterblichkeit, aber wir haben kein Wort «Ungeburtlichkeit», was ebenso berechtigt wäre. Denn ebensowenig, wie wir mit unserem Geistig-Seelischen sterben, ebensowenig werden wir mit unserem Geistig-Seelischen geboren. Wir müßten in der Sprache ein Wort haben, das das andeutet. Ja, es muß in die Sprache das Wort «ungeburtlich» ebenso hinein wie «unsterblich», denn der Mensch erkennt sich nur zur Hälfte, wenn er nur das Wort «unsterblich» achten kann, nicht auch das Wort «ungeburtlich». An dem Unvermögen der Sprache erkennt man das Unvermögen, sich zu den geistigen Höhen auf diesem Gebiete zu erheben.
[ 12 ] So hängen wir mit unserem Leben mit dem Vorgeburtlichen zusammen. Auf dieses Vorgeburtliche deuten die traditionellen Religionsbekenntnisse nicht gerne hin, ja sie lehnen es sogar entschieden ab. Ich habe das schon berührt, daß das gerade das Eigentümliche der gegenwärtigen traditionellen Religionsbekenntnisse ist, daß sie nur von dem Nachtodlichen sprechen, nicht von dem Vorgeburtlichen, von der Präexistenz. Sie wollen davon nicht sprechen, weil man dann nicht sich richten kann an den Egoismus des Menschen, an den man sich richtet, wenn man den Menschen predigt bloß von dem nachtodlichen Leben; denn das Wissen von dem nachtodlichen Leben wollen die Menschen genießen zwischen Geburt und Tod. Dasjenige, was ihnen auferlegt die Verpflichtungen für dieses Leben, weil die Götter sie aus der geistigen Welt entlassen haben, um ihre Mission zu erfüllen, das spricht nicht zum menschlichen Egoismus, das spricht zu der menschlichen Verantwortlichkeit und menschlichen Verpflichtung. Deshalb finder man wenig Zustimmung, wenn man von diesem vorgeburtlichen Leben spricht. Und so sehr haben es diese Religionsbekenntnisse zuwege gebracht, die Menschen schlafen zu lassen über dieses vorgeburtliche Leben, daß wir wohl ein Wort «Unsterblichkeit» haben, das heißt, wir negieren die Sterblichkeit, aber wir haben kein Wort «Ungeburtlichkeit», was ebenso berechtigt wäre. Denn ebensowenig, wie wir mit unserem Geistig-Seelischen sterben, ebensowenig werden wir mit unserem Geistig-Seelischen geboren. Wir müßten in der Sprache ein Wort haben, das das andeutet. Ja, es muß in die Sprache das Wort «ungeburtlich» ebenso hinein wie «unsterblich», denn der Mensch erkennt sich nur zur Hälfte, wenn er nur das Wort «unsterblich» achten kann, nicht auch das Wort «ungeburtlich». An dem Unvermögen der Sprache erkennt man das Unvermögen, sich zu den geistigen Höhen auf diesem Gebiete zu erheben.
[ 13 ] Sehen wir jetzt nach dem anderen Pol, sehen wir danach, wie der Mensch in den Phantasmen, aus denen er aber auch seine Erinnerungsvorstellungen formt, etwas hat, worinnen wallt und west sein Ich, aber wallt und west oftmals in chaotischer Weise. Trotzdem der Mensch weiß, sein Ich lebt dadrinnen, verläßt er sich nicht darauf, sich über das Wesen dieses Ich aus den Phantasmen heraus etwas sagen zu lassen. Durchschaut man wiederum den Tatbestand — und Sie können das entnehmen aus den verschiedensten Stellen unserer anthroposophischen Literatur —, so muß man sich fragen: Was ist denn das eigentlich, was sich da als die Summe unserer Erinnerungsvorstellungen, meinetwillen auch als die Summe unserer Phantasievorstellungen, aus unserem Inneren entwickelt? — Es ist nichts anderes als die Umbildung desjenigen, was, bevor es sich metamorphosiert zu der Kraft der Erinnerung, zu der Kraft der Phantasie, in uns lebt als Wachstumskraft. Was unten im Leibe lebt als Wachstumskraft, wenn es sich von dem Leiblichen emanzipiert, wird geistig-seelisch Erinnerungskraft. Sie wissen ja, bis zum siebenten Lebensjahre, wo der Zahnwechsel eintritt, erscheint im Menschen dieselbe Kraft, die später wohlkonturierte Erinnerungen ausbildet im seelischen Gedächtmis; die arbeitet an seinem Leibe gestaltend. Was zuletzt die Zähne heraustreibt, ist dasselbe, was in uns lebt als Erinnerungs-Vorstellungsvermögen. Kurz, wir haben in dem, was da als Phantasmen in uns lebt, dieselbe Kraft, die eigentlich uns wachsen macht, die unserem Organischwerden zugrunde liegt. Wir emanzipieren sie von dem Organismus. Was heißt das?
[ 13 ] Sehen wir jetzt nach dem anderen Pol, sehen wir danach, wie der Mensch in den Phantasmen, aus denen er aber auch seine Erinnerungsvorstellungen formt, etwas hat, worinnen wallt und west sein Ich, aber wallt und west oftmals in chaotischer Weise. Trotzdem der Mensch weiß, sein Ich lebt dadrinnen, verläßt er sich nicht darauf, sich über das Wesen dieses Ich aus den Phantasmen heraus etwas sagen zu lassen. Durchschaut man wiederum den Tatbestand — und Sie können das entnehmen aus den verschiedensten Stellen unserer anthroposophischen Literatur —, so muß man sich fragen: Was ist denn das eigentlich, was sich da als die Summe unserer Erinnerungsvorstellungen, meinetwillen auch als die Summe unserer Phantasievorstellungen, aus unserem Inneren entwickelt? — Es ist nichts anderes als die Umbildung desjenigen, was, bevor es sich metamorphosiert zu der Kraft der Erinnerung, zu der Kraft der Phantasie, in uns lebt als Wachstumskraft. Was unten im Leibe lebt als Wachstumskraft, wenn es sich von dem Leiblichen emanzipiert, wird geistig-seelisch Erinnerungskraft. Sie wissen ja, bis zum siebenten Lebensjahre, wo der Zahnwechsel eintritt, erscheint im Menschen dieselbe Kraft, die später wohlkonturierte Erinnerungen ausbildet im seelischen Gedächtmis; die arbeitet an seinem Leibe gestaltend. Was zuletzt die Zähne heraustreibt, ist dasselbe, was in uns lebt als Erinnerungs-Vorstellungsvermögen. Kurz, wir haben in dem, was da als Phantasmen in uns lebt, dieselbe Kraft, die eigentlich uns wachsen macht, die unserem Organischwerden zugrunde liegt. Wir emanzipieren sie von dem Organismus. Was heißt das?
[ 14 ] Es verbirgt sich da wiederum ein bedeutsames Lebensrätsel; es heißt: Wir reißen gewissermaßen diese phantasmenbildende Kraft heraus aus unserem Organismus. Denken wir, wir ließen sie drinnen, wie stünden wir dann da in der Welt? Denken Sie sich, alles das, was Sie gewissermaßen innerlich loslösen von Ihrem Organismus, sodaß Sie es mit Ihrem Ich, mit Ihrer Persönlichkeit willentlich beherrschen, alles das würde wallen in Ihrem Organismus. Sie würden nicht sagen: Ich will — sondern Sie würden verspüren das Wallen Ihres Blutes, das Sie zu Ihren Bewegungen treibt; Sie würden nicht sagen: Ich ergreife die Feder sondern Sie würden verspüren den Mechanismus Ihrer Armmuskeln. Sie würden sich drinnenfühlen sich verlierend in der Welt, wenn Sie nicht losreißen würden die Welt der Phantasmen von Ihrem Organismus. Ihre Selbständigkeit verschwände. Was sich in Ihnen bewegt, was in Ihnen lebt, wäre nur eine Fortsetzung innerhalb Ihrer Haut von dem, was draußen wäre. Der Mensch muß sich daher sagen: Da wächst das Gras aus gewissen Kräften heraus außerhalb meiner Haut, innerhalb meiner Haut wächst meine Milz, meine Leber; aber ich würde nicht einen Unterschied empfinden, wenn ich nicht losreißen könnte meine Phantasmen von dem, was in meinem Inneren organisierend wirkt. Da draußen reiße ich nicht etwas los, da nehme ich die Wesenheit in ihrer Totalität. Innerhalb meiner Haut reiße ich los die Welt meiner Phantasmen. Dadurch komme ich zu meiner Selbständigkeit. — Dadurch ist es überhaupt möglich, daß wir das Beet, den Untergrund für die Ichheit im Menschen finden. Das ist der andere Pol des inneren Erlebens.
[ 14 ] Es verbirgt sich da wiederum ein bedeutsames Lebensrätsel; es heißt: Wir reißen gewissermaßen diese phantasmenbildende Kraft heraus aus unserem Organismus. Denken wir, wir ließen sie drinnen, wie stünden wir dann da in der Welt? Denken Sie sich, alles das, was Sie gewissermaßen innerlich loslösen von Ihrem Organismus, sodaß Sie es mit Ihrem Ich, mit Ihrer Persönlichkeit willentlich beherrschen, alles das würde wallen in Ihrem Organismus. Sie würden nicht sagen: Ich will — sondern Sie würden verspüren das Wallen Ihres Blutes, das Sie zu Ihren Bewegungen treibt; Sie würden nicht sagen: Ich ergreife die Feder sondern Sie würden verspüren den Mechanismus Ihrer Armmuskeln. Sie würden sich drinnenfühlen sich verlierend in der Welt, wenn Sie nicht losreißen würden die Welt der Phantasmen von Ihrem Organismus. Ihre Selbständigkeit verschwände. Was sich in Ihnen bewegt, was in Ihnen lebt, wäre nur eine Fortsetzung innerhalb Ihrer Haut von dem, was draußen wäre. Der Mensch muß sich daher sagen: Da wächst das Gras aus gewissen Kräften heraus außerhalb meiner Haut, innerhalb meiner Haut wächst meine Milz, meine Leber; aber ich würde nicht einen Unterschied empfinden, wenn ich nicht losreißen könnte meine Phantasmen von dem, was in meinem Inneren organisierend wirkt. Da draußen reiße ich nicht etwas los, da nehme ich die Wesenheit in ihrer Totalität. Innerhalb meiner Haut reiße ich los die Welt meiner Phantasmen. Dadurch komme ich zu meiner Selbständigkeit. — Dadurch ist es überhaupt möglich, daß wir das Beet, den Untergrund für die Ichheit im Menschen finden. Das ist der andere Pol des inneren Erlebens.
[ 15 ] Während wir unser Sinneserleben abtöten müssen durch die Ideenwelt, damit wir uns hineinstellen können in die physische Welt, denn sonst würden wir als Spektren fluten im ätherischen Meere, müssen wir losreißen innerlich die Welt der Phantasmen von unserem organischen Geschehen, sonst würden wir einfach ein Glied der Natur sein wie der wachsende Baum. Wir würden nicht als eine Selbständigkeit emanzipiert von dem übrigen Weltengeschehen dastehen.
[ 15 ] Während wir unser Sinneserleben abtöten müssen durch die Ideenwelt, damit wir uns hineinstellen können in die physische Welt, denn sonst würden wir als Spektren fluten im ätherischen Meere, müssen wir losreißen innerlich die Welt der Phantasmen von unserem organischen Geschehen, sonst würden wir einfach ein Glied der Natur sein wie der wachsende Baum. Wir würden nicht als eine Selbständigkeit emanzipiert von dem übrigen Weltengeschehen dastehen.
[ 16 ] So erkennt man sich als Mensch in seiner Wesenheit drinnen in dem Menschen. Und sieht man weiter, so sagt man sich: Dieses persönliche Leben zwischen Geburt und Tod, das macht, daß wir hier eben zwischen Geburt und Tod das Ich erleben. Wir erleben aber nicht das ganze Organische in uns, nicht dasjenige, was innerhalb unserer Haut liegt; das bleibt ein Schatten wiederum desjenigen, was nach dem Tode unser Wesen ausmacht. Wie wir durch den einen Pol an dem Vorgeburtlichen hängen, durch den Ideenpol, hängen wir durch den Phantasmenpol, in dem der Wille lebt, an dem Nachtodlichen. An unserem Ungeburtlichen hängen wir durch unsere Ideenwelt, an unserem Unsterblichen hängen wir durch unsere Phantasmenwelt, die jetzt eine Phantasmenwelt ist, damit sie sich, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, gestaltet zu einem regelmäßigen Kosmos, in dem wir dann weben, leben und sind nach dem Tode.
[ 16 ] So erkennt man sich als Mensch in seiner Wesenheit drinnen in dem Menschen. Und sieht man weiter, so sagt man sich: Dieses persönliche Leben zwischen Geburt und Tod, das macht, daß wir hier eben zwischen Geburt und Tod das Ich erleben. Wir erleben aber nicht das ganze Organische in uns, nicht dasjenige, was innerhalb unserer Haut liegt; das bleibt ein Schatten wiederum desjenigen, was nach dem Tode unser Wesen ausmacht. Wie wir durch den einen Pol an dem Vorgeburtlichen hängen, durch den Ideenpol, hängen wir durch den Phantasmenpol, in dem der Wille lebt, an dem Nachtodlichen. An unserem Ungeburtlichen hängen wir durch unsere Ideenwelt, an unserem Unsterblichen hängen wir durch unsere Phantasmenwelt, die jetzt eine Phantasmenwelt ist, damit sie sich, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, gestaltet zu einem regelmäßigen Kosmos, in dem wir dann weben, leben und sind nach dem Tode.
[ 17 ] So wirkt eine wirkliche Menschenerkenntnis, ein spirituelles SichHineingestelltfinden in den Kosmos. Der Mensch weiß, woher er kommt, wo er steht, wohin er geht, indem er sich diese Fragen beantwortet nach dem, was er wirklich an sich selbst erkennt, nach dem, was hereingelangt ist aus dem Kosmos in unsere innere Wesenheit. Solch ein Wissen ist nicht wie das Wissen, das die Kultur des Abendlandes nach und nach zugrunde gerichtet hat. Ein solches Wissen hat eine andere Bedeutung. Diese Kultur des Abendlandes ist wirklich durch ihr Wissen zugrunde gerichtet worden. Sehen Sie zurück auf jenes Wissen, das die Menschen bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts gehabt haben. Die Menschen der Gegenwart spotten über dieses Wissen. Sie sehen es für das kindliche Wissen einer kindlichen Menschheit an. Sie sagen sich: Wir haben es so herrlich weit gebracht in der Gegenwart; erst jetzt haben wir eine richtige Chemie, eine richtige Physik, eine richtige Biologie und so weiter. — Aber es ist doch ein bedeutsamer Unterschied zwischen dem alten Wissen, wenn es nur richtig verstanden in seiner Wahrheit sich enthüllen kann, und dem wurzellosen Wissen der Gegenwart. Wenn Sie in das alte Wissen hineinschauen, wie es bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts vorhanden war, so werden Sie sehen: der Mensch nahm immer, indem er Wissenselemente aus der Welt sich aneignete, etwas mit, wodurch er mit der Welt zusammenhing. Bedenken Sie doch nur: Wenn Sie noch so gescheit nachdenken über einen Baum und noch so viel von Ideengehalt in Ihre Seele aufnehmen über den Baum, haben Sie doch das Bewußtsein, in dem Baume lebt noch mehr, als was Sie mit Ihren Ideen aufnehmen können; so in der Blume, so selbst im Kristall. Wenn Sie die moderne Welt ansehen, die allmählich ins Maschinenhafte übergegangen ist, da erst steht der Mensch, ich möchte sagen, vor dem ideell ganz durchsichtig gewordenen Objekte. Die Maschine, die wir aufbauen, der Mechanismus, den wir errichten, sie durchschauen wir. Wir wissen: Aus diesen Kräften, in dieser und jener Verbindung ist die Maschine aufgebaut. — Nach dem Muster dessen, was der Mensch in der Technik aufgebaut hat, hat er sich dann auch eine Weltanschauung geformt und er stellt sich ungefähr das Weltenall nun auch als eine große Maschinerie vor.
[ 17 ] So wirkt eine wirkliche Menschenerkenntnis, ein spirituelles SichHineingestelltfinden in den Kosmos. Der Mensch weiß, woher er kommt, wo er steht, wohin er geht, indem er sich diese Fragen beantwortet nach dem, was er wirklich an sich selbst erkennt, nach dem, was hereingelangt ist aus dem Kosmos in unsere innere Wesenheit. Solch ein Wissen ist nicht wie das Wissen, das die Kultur des Abendlandes nach und nach zugrunde gerichtet hat. Ein solches Wissen hat eine andere Bedeutung. Diese Kultur des Abendlandes ist wirklich durch ihr Wissen zugrunde gerichtet worden. Sehen Sie zurück auf jenes Wissen, das die Menschen bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts gehabt haben. Die Menschen der Gegenwart spotten über dieses Wissen. Sie sehen es für das kindliche Wissen einer kindlichen Menschheit an. Sie sagen sich: Wir haben es so herrlich weit gebracht in der Gegenwart; erst jetzt haben wir eine richtige Chemie, eine richtige Physik, eine richtige Biologie und so weiter. — Aber es ist doch ein bedeutsamer Unterschied zwischen dem alten Wissen, wenn es nur richtig verstanden in seiner Wahrheit sich enthüllen kann, und dem wurzellosen Wissen der Gegenwart. Wenn Sie in das alte Wissen hineinschauen, wie es bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts vorhanden war, so werden Sie sehen: der Mensch nahm immer, indem er Wissenselemente aus der Welt sich aneignete, etwas mit, wodurch er mit der Welt zusammenhing. Bedenken Sie doch nur: Wenn Sie noch so gescheit nachdenken über einen Baum und noch so viel von Ideengehalt in Ihre Seele aufnehmen über den Baum, haben Sie doch das Bewußtsein, in dem Baume lebt noch mehr, als was Sie mit Ihren Ideen aufnehmen können; so in der Blume, so selbst im Kristall. Wenn Sie die moderne Welt ansehen, die allmählich ins Maschinenhafte übergegangen ist, da erst steht der Mensch, ich möchte sagen, vor dem ideell ganz durchsichtig gewordenen Objekte. Die Maschine, die wir aufbauen, der Mechanismus, den wir errichten, sie durchschauen wir. Wir wissen: Aus diesen Kräften, in dieser und jener Verbindung ist die Maschine aufgebaut. — Nach dem Muster dessen, was der Mensch in der Technik aufgebaut hat, hat er sich dann auch eine Weltanschauung geformt und er stellt sich ungefähr das Weltenall nun auch als eine große Maschinerie vor.
[ 18 ] Weil wir in der mechanischen Kulturordnung die Ehrfurcht vor dem Rätsel verloren haben, weil die Maschine uns ideell durchsichtig geworden ist, brauchen wir gerade heute die Anknüpfung an den Menschen, damit wir die Geistigkeit wieder finden. Menschen, die die Geistigkeit noch suchen konnten, indem sie in den Naturobjekten zu gleicher Zeit das Spirituelle suchten, die brauchten nicht eine solche aus dem Menschen hervorgeholte Kenntnis, wie wir sie brauchen. Wir, die wir allmählich uns herausgerissen haben bis zum mechanischen Erfassen der Welt, bis zum Aufbau einer mechanisierten Technik, wir brauchen gegenüber der toten Technik, die auch hineinschlägt in unser Gedankenleben, die lebendige geistige Wissenschaft, welche in der Weise, wie wir es heute wiederum angedeutet haben, den Menschen anknüpft an das geistige Weltenall, an den geistigen Kosmos. Aber wir müssen dieses Anknüpfen dadurch erlangen in der Gegenwart, daß wir wirklich unser Inneres, bevor wir an die Außenwelt gehen, etwas umwandeln. Dieser Umwandlung trägt die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft überall Rechnung, wo sie praktisch auftritt.
[ 18 ] Weil wir in der mechanischen Kulturordnung die Ehrfurcht vor dem Rätsel verloren haben, weil die Maschine uns ideell durchsichtig geworden ist, brauchen wir gerade heute die Anknüpfung an den Menschen, damit wir die Geistigkeit wieder finden. Menschen, die die Geistigkeit noch suchen konnten, indem sie in den Naturobjekten zu gleicher Zeit das Spirituelle suchten, die brauchten nicht eine solche aus dem Menschen hervorgeholte Kenntnis, wie wir sie brauchen. Wir, die wir allmählich uns herausgerissen haben bis zum mechanischen Erfassen der Welt, bis zum Aufbau einer mechanisierten Technik, wir brauchen gegenüber der toten Technik, die auch hineinschlägt in unser Gedankenleben, die lebendige geistige Wissenschaft, welche in der Weise, wie wir es heute wiederum angedeutet haben, den Menschen anknüpft an das geistige Weltenall, an den geistigen Kosmos. Aber wir müssen dieses Anknüpfen dadurch erlangen in der Gegenwart, daß wir wirklich unser Inneres, bevor wir an die Außenwelt gehen, etwas umwandeln. Dieser Umwandlung trägt die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft überall Rechnung, wo sie praktisch auftritt.
[ 19 ] Wir haben in Stuttgart die Waldorfschule begründet. Nach und nach kommen die Menschen und wollen hospitieren in der Waldorfschule. Das machen ja die Menschen der modernen Zeit; wenn sie etwas da oder dort interessiert, so gehen sie hin, schauen es sich an, dann «kennen» sie es, dann können sie unter Umständen auch so etwas einrichten. So ist ja allmählich unser Leben geworden. Aber darum handelt es sich gar nicht bei der Waldorfschule, sondern da handelt es sich darum, daß man vor allen Dingen in das innere Leben, das in die Didaktik, die Pädagogik in der Waldorfschule eingeführt worden ist, sich vertiefen kann. Da handelt es sich darum, daß man in der Tat das Verhältnis des Menschen zur Welt in einer ganz neuen Weise erfaßt. In bezug auf die Ideenwelt sind ja die Menschen freigebig. Der Mensch will nicht gerne seine Ideenwelt für sich behalten. Er möchte gern, daß alle dieselben Ideen haben, das heißt, er möchte seine Ideen allen Menschen geben. Mit Bezug auf andere Güter ist der Mensch nicht so freigebig, die behält er schon lieber für sich. Von den Ideen gibt er gerne allen. Das macht eben gerade den radikalen Unterschied zwischen der Geisteswelt auf der einen Seite und der wirtschaftlichen Welt auf der anderen Seite aus. Dieser Unterschied ist schon radikal vorhanden, wenn man nur auf ihn hinsehen will, und im Grunde genommen, wenn jemand nach dem alten System die Tendenz hat, Lehrer zu sein, besteht das auch nur in der Freigebigkeit bezüglich der Ideenwelt. Denn die Kinder sind noch bessere Geschenkannehmer als die Erwachsenen, die einem mit Kritik und mit Widerständen entgegenkommen können. An die Kinder kann man die Geschenke des Wissens noch leichter austeilen.
[ 19 ] Wir haben in Stuttgart die Waldorfschule begründet. Nach und nach kommen die Menschen und wollen hospitieren in der Waldorfschule. Das machen ja die Menschen der modernen Zeit; wenn sie etwas da oder dort interessiert, so gehen sie hin, schauen es sich an, dann «kennen» sie es, dann können sie unter Umständen auch so etwas einrichten. So ist ja allmählich unser Leben geworden. Aber darum handelt es sich gar nicht bei der Waldorfschule, sondern da handelt es sich darum, daß man vor allen Dingen in das innere Leben, das in die Didaktik, die Pädagogik in der Waldorfschule eingeführt worden ist, sich vertiefen kann. Da handelt es sich darum, daß man in der Tat das Verhältnis des Menschen zur Welt in einer ganz neuen Weise erfaßt. In bezug auf die Ideenwelt sind ja die Menschen freigebig. Der Mensch will nicht gerne seine Ideenwelt für sich behalten. Er möchte gern, daß alle dieselben Ideen haben, das heißt, er möchte seine Ideen allen Menschen geben. Mit Bezug auf andere Güter ist der Mensch nicht so freigebig, die behält er schon lieber für sich. Von den Ideen gibt er gerne allen. Das macht eben gerade den radikalen Unterschied zwischen der Geisteswelt auf der einen Seite und der wirtschaftlichen Welt auf der anderen Seite aus. Dieser Unterschied ist schon radikal vorhanden, wenn man nur auf ihn hinsehen will, und im Grunde genommen, wenn jemand nach dem alten System die Tendenz hat, Lehrer zu sein, besteht das auch nur in der Freigebigkeit bezüglich der Ideenwelt. Denn die Kinder sind noch bessere Geschenkannehmer als die Erwachsenen, die einem mit Kritik und mit Widerständen entgegenkommen können. An die Kinder kann man die Geschenke des Wissens noch leichter austeilen.
[ 20 ] Nun, selbstverständlich müssen diese Instinkte auch bei der Waldorfschule, bei den Waldorflehrern berücksichtigt werden. Aber ein neues Element tritt da ein, das nur aus dem Geiste anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft herauskommen kann. Das ist, daß zu dem, was bei den früheren Bekenntnissen immer traditionell war, zu dem Nachtodlichen, der entschiedene Hinblick zu dem Vorgeburtlichen hinzutritt, daß wir uns klar sind, daß in dem Kinde, das heranwächst, sich nach und nach dasjenige enthüllt, was aus den geistigen Welten herunterkommt. Wir sind zu einer bestimmten Zeit aus den geistigen Welten heruntergekommen. Die Götter haben uns in diese Welt gesandt, und wir führen dasjenige aus, was die Götter in uns gelegt haben. Die Kinder kommen später herunter, sie waren länger in der geistigen Welt drinnen. Wir schauen hin auf dasjenige, was aus den Kinderseelen herausleuchtet. Botschaft aus den geistigen Welten, in denen sie länger waren als wir, tragen sie uns zu. Ein Gefühl dafür, daß aus der geistigen Welt etwas in die Gegenwart herunterkommt, das in die Kinder hineinfällt, das der Lehrer zunächst zu enträtseln hat, daß zu dem Schenken, das man so gerne tut, ein Nehmen hinzutritt — das kann nur kommen aus dem Geiste wahrer Geisteswissenschaft, wenn zu der Postexistenzidee die Präexistenzidee im lebendigen Erfühlen hinzutrritt.
[ 20 ] Nun, selbstverständlich müssen diese Instinkte auch bei der Waldorfschule, bei den Waldorflehrern berücksichtigt werden. Aber ein neues Element tritt da ein, das nur aus dem Geiste anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft herauskommen kann. Das ist, daß zu dem, was bei den früheren Bekenntnissen immer traditionell war, zu dem Nachtodlichen, der entschiedene Hinblick zu dem Vorgeburtlichen hinzutritt, daß wir uns klar sind, daß in dem Kinde, das heranwächst, sich nach und nach dasjenige enthüllt, was aus den geistigen Welten herunterkommt. Wir sind zu einer bestimmten Zeit aus den geistigen Welten heruntergekommen. Die Götter haben uns in diese Welt gesandt, und wir führen dasjenige aus, was die Götter in uns gelegt haben. Die Kinder kommen später herunter, sie waren länger in der geistigen Welt drinnen. Wir schauen hin auf dasjenige, was aus den Kinderseelen herausleuchtet. Botschaft aus den geistigen Welten, in denen sie länger waren als wir, tragen sie uns zu. Ein Gefühl dafür, daß aus der geistigen Welt etwas in die Gegenwart herunterkommt, das in die Kinder hineinfällt, das der Lehrer zunächst zu enträtseln hat, daß zu dem Schenken, das man so gerne tut, ein Nehmen hinzutritt — das kann nur kommen aus dem Geiste wahrer Geisteswissenschaft, wenn zu der Postexistenzidee die Präexistenzidee im lebendigen Erfühlen hinzutrritt.
[ 21 ] Auf dieses Neue, das der Pädagogik und Didaktik der Waldorfschule eingegossen worden ist, kommt es an; das heißt, im Grunde genommen kann die Waldorfschule doch nur der verstehen, der anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in sein eigenes Herz, in seine eigene Seele aufgenommen hat. Und da erst sollte er zunächst hospitieren, sonst wird er aus den paar Stunden, in denen er hospitiert hat an der Waldorfschule, nichts anderes sehen, als daß man auf die Tafel schreibt oder zu den Kindern spricht und so weiter. Aber es wird dem Menschen in der Gegenwart so unbequem, sich nun wirklich in die Geistigkeit hineinzufinden. Im Grunde genommen — warum denn? — Wollen wir davon die Ursache suchen, da können wir solche Werke, die so recht herausgeboren sind, auch aus einer Strömung des Alten, einmal in die Hand nehmen, können da anfragen: Was wird da über das Aneignen der Geistigkeit durch den Menschen gedacht?
[ 21 ] Auf dieses Neue, das der Pädagogik und Didaktik der Waldorfschule eingegossen worden ist, kommt es an; das heißt, im Grunde genommen kann die Waldorfschule doch nur der verstehen, der anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in sein eigenes Herz, in seine eigene Seele aufgenommen hat. Und da erst sollte er zunächst hospitieren, sonst wird er aus den paar Stunden, in denen er hospitiert hat an der Waldorfschule, nichts anderes sehen, als daß man auf die Tafel schreibt oder zu den Kindern spricht und so weiter. Aber es wird dem Menschen in der Gegenwart so unbequem, sich nun wirklich in die Geistigkeit hineinzufinden. Im Grunde genommen — warum denn? — Wollen wir davon die Ursache suchen, da können wir solche Werke, die so recht herausgeboren sind, auch aus einer Strömung des Alten, einmal in die Hand nehmen, können da anfragen: Was wird da über das Aneignen der Geistigkeit durch den Menschen gedacht?
[ 22 ] Ich habe vor mich hingelegt das «Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage zum Gebrauch an höheren Lehranstalten und zum Selbstunterricht» von Alfons Lehmen, Jesuitenpater, vierte vermehrte und verbesserte Auflage, herausgegeben von Peter Beck, Jesuitenpater. Das Werk ist zum ersten Male erschienen 1899 und ist in vierter Auflage verlegt 1917. Ich möchte Ihnen das, was auf Seite 8 in der Einleitung steht über den Geist dieser Philosophie, die also echt katholische Philosophie ist, vorlesen. Daß wir es zu tun haben mit der echten katholischen Philosophie, das werden wir ja gleich nachher sehen. Da steht:
[ 22 ] Ich habe vor mich hingelegt das «Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage zum Gebrauch an höheren Lehranstalten und zum Selbstunterricht» von Alfons Lehmen, Jesuitenpater, vierte vermehrte und verbesserte Auflage, herausgegeben von Peter Beck, Jesuitenpater. Das Werk ist zum ersten Male erschienen 1899 und ist in vierter Auflage verlegt 1917. Ich möchte Ihnen das, was auf Seite 8 in der Einleitung steht über den Geist dieser Philosophie, die also echt katholische Philosophie ist, vorlesen. Daß wir es zu tun haben mit der echten katholischen Philosophie, das werden wir ja gleich nachher sehen. Da steht:
[ 23 ] «Aus dem Gesagten läßt sich unschwer ersehen, was von dem Prinzip der «absoluten Freiheit der Wissenschaft: zu halten ist. Dieses Prinzip spricht jedem Einzelnen das Recht zu, jede beliebige Meinung aufzustellen und zu vertreten, ohne daß er von irgendwelcher Lehrmacht einen Einspruch zu befürchten habe. Allein Freiheit ist keine Schrankenlosigkeit. Das kirchliche Lehramt hat das Recht, eine philosophische Meinung zu verurteilen, falls diese im Widerspruch mit einer geoffenbarten Lehre steht oder zu einem solchen Widerspruch folgerichtig hinführt. Wir setzen hier als bewiesen voraus, daß ein kirchliches Lehramt von Gott eingesetzt sei mit dem Auftrag, die göttliche Offenbarung zu schützen und auszulegen. Mit diesem Auftrag ist das fragliche Recht unmittelbar gegeben. Denn zur Ausführung des ihm gewordenen Auftrages muß das Lehramt der Kirche instand gesetzt sein, den wahren Sinn des Wortes Gottes zu erklären und falsche Auslegungen als falsch zu bezeichnen. Wenn also die Meinung eines Philosophen oder einer philosophischen Schule den wahren Sinn des Offenbarungsinhaltes direkt oder indirekt anficht, so besitzt das Lehramt der Kirche die Macht, den Irrtum als solchen zu beurteilen, und die Befugnis, ihn vor der Öffentlichkeit zu verurteilen.»
[ 23 ] «Aus dem Gesagten läßt sich unschwer ersehen, was von dem Prinzip der «absoluten Freiheit der Wissenschaft: zu halten ist. Dieses Prinzip spricht jedem Einzelnen das Recht zu, jede beliebige Meinung aufzustellen und zu vertreten, ohne daß er von irgendwelcher Lehrmacht einen Einspruch zu befürchten habe. Allein Freiheit ist keine Schrankenlosigkeit. Das kirchliche Lehramt hat das Recht, eine philosophische Meinung zu verurteilen, falls diese im Widerspruch mit einer geoffenbarten Lehre steht oder zu einem solchen Widerspruch folgerichtig hinführt. Wir setzen hier als bewiesen voraus, daß ein kirchliches Lehramt von Gott eingesetzt sei mit dem Auftrag, die göttliche Offenbarung zu schützen und auszulegen. Mit diesem Auftrag ist das fragliche Recht unmittelbar gegeben. Denn zur Ausführung des ihm gewordenen Auftrages muß das Lehramt der Kirche instand gesetzt sein, den wahren Sinn des Wortes Gottes zu erklären und falsche Auslegungen als falsch zu bezeichnen. Wenn also die Meinung eines Philosophen oder einer philosophischen Schule den wahren Sinn des Offenbarungsinhaltes direkt oder indirekt anficht, so besitzt das Lehramt der Kirche die Macht, den Irrtum als solchen zu beurteilen, und die Befugnis, ihn vor der Öffentlichkeit zu verurteilen.»
[ 24 ] Das als eine Einleitung eines Lehrbuches der Philosophie! Nun, wenn Sie den ganzen Geist einer solchen Auseinandersetzung nehmen, wie auch die heute wieder gepflogene ist, was gibt er wieder? Er gibt wieder den ganzen christlichen Geist, den Paulus meinte, als er das Wort sprach: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Indem der Christus in uns lebt, weckt er auf das geistige Element in uns, und wir werden gerade durch die Durchchristung fähig, den Menschen anzuknüpfen an den geistigen Kosmos. Über diese Bedeutung des Mysteriums von Golgatha haben wir ja oftmals gesprochen und wir wollen morgen nochmals genauer darüber sprechen. Aber eines mußte der Christus den Menschen klarmachen, um den Menschen zu zeigen, wie der Mensch seine Wahrheit aus dem Geiste, aus dem göttlichen Geiste heraus zu gewinnen hat. Man braucht nur an ein anderes Wort des Christus Jesus zu erinnern, und alles nach dieser Richtung ist gegeben: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt»; das heißt, dasjenige Reich, das der Christus in dem Menschen entzünden will, darf nicht in dieser Welt errichtet werden. Das muß dadurch errichtet werden, daß der Mensch von dieser sinnlichen Welt in die übersinnliche Welt hinein den Weg findet.
[ 24 ] Das als eine Einleitung eines Lehrbuches der Philosophie! Nun, wenn Sie den ganzen Geist einer solchen Auseinandersetzung nehmen, wie auch die heute wieder gepflogene ist, was gibt er wieder? Er gibt wieder den ganzen christlichen Geist, den Paulus meinte, als er das Wort sprach: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Indem der Christus in uns lebt, weckt er auf das geistige Element in uns, und wir werden gerade durch die Durchchristung fähig, den Menschen anzuknüpfen an den geistigen Kosmos. Über diese Bedeutung des Mysteriums von Golgatha haben wir ja oftmals gesprochen und wir wollen morgen nochmals genauer darüber sprechen. Aber eines mußte der Christus den Menschen klarmachen, um den Menschen zu zeigen, wie der Mensch seine Wahrheit aus dem Geiste, aus dem göttlichen Geiste heraus zu gewinnen hat. Man braucht nur an ein anderes Wort des Christus Jesus zu erinnern, und alles nach dieser Richtung ist gegeben: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt»; das heißt, dasjenige Reich, das der Christus in dem Menschen entzünden will, darf nicht in dieser Welt errichtet werden. Das muß dadurch errichtet werden, daß der Mensch von dieser sinnlichen Welt in die übersinnliche Welt hinein den Weg findet.
[ 25 ] Mein Reich ist von jener anderen Welt, die nicht diese sinnliche Welt ist —, wer hat am meisten gesündigt wider dieses Christus-Wort? Derjenige, der behauptet, ein Reich, das auf diese Welt gegründet ist, ein Reich, das in Rom, im physischen Rom seinen Mittelpunkt hat, ein Reich, das mit physischen Ratschlägen und Ratschlüssen wirkt, ein solches physisches Reich, das ganz von dieser Welt ist, das sei das Reich, das die christliche Wahrheit irgendwie verbreiten kann. — Da nun das Christus-Reich nicht von dieser Welt ist, ist es ganz gewiß auch nicht von Rom. Damit deuten wir darauf hin, daß in der Gegenwart den Menschen begreiflich werden muß als das eigentlich Widerchristliche all dasjenige, was von dieser Welt ist, was selbst die Wahrheit so stark von dieser Welt prägen will, daß es sagt: «Das kirchliche Lehramt hat das Recht, eine philosophische Meinung zu verurteilen, falls diese im Widerspruch mit einer geoffenbarten Lehre steht oder zu einem solchen Widerspruch folgerichtig hinführt», das heißt, insofern dieses von der Kirche so verfügt wird! Daher erscheinen solche Bücher nicht so, wie Bücher zum Beispiel von Anthroposophen erscheinen müssen, daß man mit seiner ganzen Persönlichkeit und nur mit dieser eintritt und sagt: Was ich zu vertreten habe, vertrete ich aus meiner Verbindung mit dem Geiste der Wahrheit heraus —, sondern hier ist der Titel: «Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage», von Alfons Lehmen S. J., vierte Auflage 1917. Blättert man um, so steht da: Imprimatur Freiburg, Thomas, Erzbischof. Das heißt, hier vertritt nicht eine Persönlichkeit dasjenige, was sie als Persönlichkeit zu vertreten hat, sondern eine weltliche Körperschaft, bei der jeder sich das Imprimatur holen muß, der etwas veröffentlichen will, was anerkannt werden soll, hier vertritt eine Körperschaft, welche von dieser Welt ist und von dieser Welt die Wahrheit prägt, dasjenige, was als Wahrheit aufgestellt wird!
[ 25 ] Mein Reich ist von jener anderen Welt, die nicht diese sinnliche Welt ist —, wer hat am meisten gesündigt wider dieses Christus-Wort? Derjenige, der behauptet, ein Reich, das auf diese Welt gegründet ist, ein Reich, das in Rom, im physischen Rom seinen Mittelpunkt hat, ein Reich, das mit physischen Ratschlägen und Ratschlüssen wirkt, ein solches physisches Reich, das ganz von dieser Welt ist, das sei das Reich, das die christliche Wahrheit irgendwie verbreiten kann. — Da nun das Christus-Reich nicht von dieser Welt ist, ist es ganz gewiß auch nicht von Rom. Damit deuten wir darauf hin, daß in der Gegenwart den Menschen begreiflich werden muß als das eigentlich Widerchristliche all dasjenige, was von dieser Welt ist, was selbst die Wahrheit so stark von dieser Welt prägen will, daß es sagt: «Das kirchliche Lehramt hat das Recht, eine philosophische Meinung zu verurteilen, falls diese im Widerspruch mit einer geoffenbarten Lehre steht oder zu einem solchen Widerspruch folgerichtig hinführt», das heißt, insofern dieses von der Kirche so verfügt wird! Daher erscheinen solche Bücher nicht so, wie Bücher zum Beispiel von Anthroposophen erscheinen müssen, daß man mit seiner ganzen Persönlichkeit und nur mit dieser eintritt und sagt: Was ich zu vertreten habe, vertrete ich aus meiner Verbindung mit dem Geiste der Wahrheit heraus —, sondern hier ist der Titel: «Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage», von Alfons Lehmen S. J., vierte Auflage 1917. Blättert man um, so steht da: Imprimatur Freiburg, Thomas, Erzbischof. Das heißt, hier vertritt nicht eine Persönlichkeit dasjenige, was sie als Persönlichkeit zu vertreten hat, sondern eine weltliche Körperschaft, bei der jeder sich das Imprimatur holen muß, der etwas veröffentlichen will, was anerkannt werden soll, hier vertritt eine Körperschaft, welche von dieser Welt ist und von dieser Welt die Wahrheit prägt, dasjenige, was als Wahrheit aufgestellt wird!
[ 26 ] Man muß heute nicht feige sein, sondern mutig hinblicken auf das, was wahres Christentum ist und was angebliches Christentum ist. Wir leben eben in der Zeit, die, weil die Menschen schon feige genug gewesen sind, nicht das äußerlich darzuleben, was sie innerlich doch mehr oder weniger erkannt haben, in diese Katastrophe hineingeführt hat. Unsere Katastrophe ist in ihrem Ursprung eine geistige Katastrophe — wie wir oftmals gesagt haben —, und wir kommen nicht aus dieser Katastrophe eher heraus, als bis wir uns zu dem Geiste der Wahrheit wenden, der in der Geistesschau dasjenige sucht an Kraft, was ihm das «Imprimatur» gibt, nicht eine von einer weltlichen Organisation eingesetzte Oberkirchenbehörde.
[ 26 ] Man muß heute nicht feige sein, sondern mutig hinblicken auf das, was wahres Christentum ist und was angebliches Christentum ist. Wir leben eben in der Zeit, die, weil die Menschen schon feige genug gewesen sind, nicht das äußerlich darzuleben, was sie innerlich doch mehr oder weniger erkannt haben, in diese Katastrophe hineingeführt hat. Unsere Katastrophe ist in ihrem Ursprung eine geistige Katastrophe — wie wir oftmals gesagt haben —, und wir kommen nicht aus dieser Katastrophe eher heraus, als bis wir uns zu dem Geiste der Wahrheit wenden, der in der Geistesschau dasjenige sucht an Kraft, was ihm das «Imprimatur» gibt, nicht eine von einer weltlichen Organisation eingesetzte Oberkirchenbehörde.
