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Healing Factors for the Social Organism
GA 198

10 July 1920, Dornach

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Healing Factors for the Social Organism, tr. SOL
  1. Heilfaktoren für den sozialen Organismus

Dreizehnter Vortrag

Thirteenth Lecture

[ 1 ] Ich möchte Ihnen heute aus der ganzen Ideenfolge heraus, aus der die hier jetzt angestellten Betrachtungen gehalten werden, etwas mehr Spezielles vorbringen, um es dann morgen nach einem allgemeineren Gesichtspunkte hin zu erweitern. Sie haben ja entnommen aus den Betrachtungen, die wir hier schon seit längerer Zeit pflegen, daß es sich für die Auffrischung der niedergehenden Kultur des Abendlandes darum handelt, aus geisteswissenschaftlichen Grundlagen heraus eine wirkliche Menschenerkenntnis zu entwickeln. Diese Menschenerkenntnis ist ja durch lange Zeiten hindurch verhindert worden. In der Gestalt, wie sie für die zukünftige Entwickelung der Menschheit gebraucht werden wird, ist sie verhindert worden zunächst durch jene Art des Geisteslebens, welche heraufgekommen ist im 13., 14. mittelalterlichen Jahrhundert, dann wiederum durch die immer mehr nach dem Materialismus sich hinbewegende Geistesströmung der Zeit von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Wir haben auf der einen Seite sich entwickeln sehen eine abgezogene, weltfremde, religiös gefärbte Anschauungsart, welche das Geistige von der Welt abtrennte, es nicht herankommen ließ an den Menschen und daher den Menschen seinem Wesen nach unerklärt ließ. Man möchte sagen: In den letzten Jahrhunderten des vierten nachatlantischen Zeitraums, in den letzten Jahrhunderten der griechisch-lateinischen Entwickelung bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts gewöhnte sich die Menschheit immer mehr und mehr, zu einem ganz weltfremden Göttlich-Geistigen emporzuschauen, und verlor die Möglichkeit, das Menschliche hier selbst in seinem göttlichen Ursprunge kennenzulernen. Dann kam die Zeit, in der die Menschheit den Blick richtete auf das Untermenschliche, auf das, was Naturprinzipien sind, die aber nur alles dasjenige von der Welt erklärlich machten, was nicht Mensch ist, das Mineralische, das Pflanzliche, das Tierische, und auf diese Art wiederum den Menschen unerklärt ließ, so daß also gewissermaßen in einer älteren Zeit dastand ein Hinaufschauen nach einem fremden Geistigen, von der späteren Zeit bis in unsere Tage hinein ein Hinschauen nach einem untermenschlichen Materiellen. Der Mensch fiel zwischendrinnen durch. Den Menschen wiederum geistig-seelisch voll ins Auge zu fassen, das ist einmal die Aufgabe unserer Zeit, und dazu haben wir ja versucht, in der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft immer mehr und mehr Elemente heranzutragen.

[ 1 ] Today, from the entire sequence of ideas that forms the basis for the reflections we are now presenting here, I would like to present something more specific, so that we can then expand upon it tomorrow from a more general perspective. You have surely gathered from the reflections we have been cultivating here for quite some time that, in order to revitalize the declining culture of the West, it is necessary to develop a genuine understanding of the human being based on the principles of spiritual science. This understanding of the human being has, after all, been hindered for a long time. In the form in which it will be needed for the future development of humanity, it has been hindered first by that kind of spiritual life that emerged in the 13th and 14th centuries of the Middle Ages, and then again by the spiritual current of the period from the mid-15th century to the present, which has been moving ever more toward materialism. On the one hand, we have seen the development of a detached, unworldly, religiously tinged worldview that separated the spiritual from the world, prevented it from reaching human beings, and thus left human nature unexplained. One might say: In the final centuries of the fourth post-Atlantean epoch—the final centuries of Greco-Latin development up to the mid-15th century—humanity became increasingly accustomed to looking up to a divine-spiritual realm that was entirely detached from the world, and lost the ability to recognize the human here and now in its divine origin. Then came the time when humanity turned its gaze to the subhuman realm—to the principles of nature—which, however, could explain only those aspects of the world that are not human: the mineral, the plant, and the animal, and in this way, in turn, left humanity unexplained, so that, in a sense, in an earlier era there was a looking upward toward an alien spiritual realm, while from later times up to the present day there has been a looking toward a subhuman material realm. Humanity fell through the cracks in between. To once again fully grasp human beings in their spiritual and soul aspects—that is, first and foremost, the task of our time, and to this end we have indeed sought to contribute more and more elements through anthroposophically oriented spiritual science.

[ 2 ] Ich möchte heute davon sprechen, wie der Mensch sich zunächst in der Welt zwischen zwei Extreme in seinem inneren Erleben hineingestellt findet. Wir wollen uns heute zunächst bei dem innerlichen Erleben des Menschen aufhalten. Auf der einen Seite erlebt der Mensch die Ideenwelt, allein er erlebt sie so, daß gerade, je mehr er sich in diese Ideenwelt hineinlebt, sie ihm um so abstrakter, um so kälter erscheint. Der Mensch fühlt, wenn er sich zu den Ideen erhebt, wie er innerlich nicht warm werden kann. Er fühlt aber noch etwas ganz anderes. Er fühlt, daß er in diesen Ideen, die ja dann auch zu Naturgesetzen, zu Weltgesetzen erweitert werden, etwas hat, was als Idee nicht eine Realität einschließt, was als Idee im Grunde genommen bloß Bild ist. Daher fühlt sich der Mensch der Ideenwelt gegenüber nicht so, daß er, sagen wir, seine eigene Existenz irgendwie erkennend einpflanzen möchte in diese Ideenwelt. Der Mensch mag noch so viel bedenken und noch so gern bedenken, er bewahrt nach und nach auch bei der vollkommenst ausgesponnenen Philosophie das Gefühl, daß sich Beweise für sein reales Dasein im Weltenall aus der Ideenwelt nicht holen lassen. Die Ideen haben etwas gleichsam Wurzelloses, so wie sie erlebt werden im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod. Das ist das eine, gewissermaßen der eine Pol des äußeren Erlebens im gewöhnlichen Dasein: die abstrakten, die nüchternen, kalten Ideen, in denen man nicht verankern kann, auch nicht verankern möchte die Realität der eigentlichen menschlichen Wesenheit. Und schließlich ist die neuere Menschheit doch nicht warm geworden bei dem Satze des Cartesius: Ich denke, also bin ich — cogito, ergo sum —, weil, wenn noch so viel gedacht wird, der Mensch eben fühlt: Aus dem Denken läßt sich zunächst nicht herausholen irgendein Sein.

[ 2 ] Today I would like to speak about how human beings initially find themselves positioned in the world between two extremes in their inner experience. Let us first focus today on human inner experience. On the one hand, human beings experience the world of ideas; yet they experience it in such a way that the more they immerse themselves in this world of ideas, the more abstract and cold it appears to them. When a person rises to the level of ideas, they feel that they cannot warm up inwardly. But they also feel something quite different. They feel that in these ideas—which are then extended to become laws of nature and laws of the world—there is something that, as an idea, does not encompass reality; that, as an idea, is essentially nothing more than an image. Consequently, a person does not feel, in relation to the world of ideas, that he would like, so to speak, to consciously implant his own existence into this world of ideas. No matter how much a person may reflect—and no matter how gladly he does so—he gradually retains, even within the most thoroughly developed philosophy, the feeling that proof of his real existence in the universe cannot be derived from the world of ideas. Ideas have something rootless about them, as they are experienced in ordinary life between birth and death. This is one aspect—in a sense, one pole—of external experience in ordinary existence: the abstract, sober, cold ideas in which one cannot, nor does one wish to, anchor the reality of actual human being. And finally, modern humanity has not warmed to Descartes’s maxim: “I think, therefore I am”—cogito, ergo sum—because, no matter how much one thinks, one simply feels: “No form of being can be derived from thought alone.”

[ 3 ] Der andere Pol des inneren Erlebens sind die Erinnerungsvorstellungen. Wer nun wirklich Seelenkunde, Psychologie treibt, nicht jene Wortkunst, die man heute an den Universitäten oftmals als Psychologie betreibt, der weiß, daß diese Erinnerungsvorstellungen, die wir haben, substantiell genau dasselbe sind wie die Phantasievorstellungen, die wir uns gewissermaßen frei schaffend bilden, nur daß wir dieselbe Kraft, die wir in dem Weben der Phantasievorstellung anwenden, anders verwenden beim Erinnern. Indem wir uns erinnern, indem wir unser Gedächtnis pflegen, leben wir schließlich in demselben Elemente wie beim Phantasieschaffen, nur daß wir anknüpfen an dasjenige, was wir durch die Sinne oder überhaupt durch das Leben erfahren haben und so die «Phantasmen» in der Erinnerung gesetzmäßig gestalten, während wir sie in der Phantasie frei schweifen lassen. Das ist im inneren Erleben der andere Pol.

[ 3 ] The other pole of inner experience is memory images. Anyone who truly practices the science of the soul—psychology—rather than that verbal art often passed off as psychology at universities today, knows that these mental images of memory we have are, in essence, exactly the same as the imaginative images we create, so to speak, freely—except that we use the same power we employ in weaving imaginative images differently when we remember. By remembering, by cultivating our memory, we ultimately live in the same realm as when we create imaginatively, except that we draw upon what we have experienced through the senses or through life in general, and thus shape the “phantasms” in memory according to certain laws, whereas in imagination we allow them to roam freely. This is the other pole in inner experience.

[ 4 ] Bei der Ideenwelt, die wir dann auch zu den Naturgesetzen ausspinnen, da haben wir das entschiedene Bewußtsein, unser Wille kann in der Gestaltung der Ideenwelt nicht eigentlich etwas durch sich selbst bewirken; er muß sich fügen der inneren Logik, dem Wirklichkeitsgewebe der Ideen. Wir können nicht, wenn wir Wirklichkeit umfassen wollen, durch unseren Willen eine Idee an die andere reihen, wir müssen uns der inneren Gesetzmäßigkeit dieser nur bildhaften, kein Sein zunächst tragenden Ideenwelt anpassen. Wir erkennen beim anderen Pol, bei den Phantasmen, die auch in der Erinnerung, im Gedächtnis leben, sehr gut: Darinnen waltet unser Wille — und da ist unser Wille auch ganz gut angebracht, und wir merken in zweifacher Beziehung, daß diese Phantasmen, insofern sie erinnerungsgestaltend sind, sehr wohl etwas zu tun haben mit unserem Ich, mit unserer Persönlichkeit, mit dem, was unsere Realität ist. Wir mögen noch so zetern gegen die bloße Phantasie oder Phantastik; indem wir erfühlen, daß unser Ich dadrinnen wirkt nach seiner Willkür, fühlen wir doch zugleich, daß in diesen Phantasmen eben unser Ich, unsere Persönlichkeit enthalten ist. Das ist das eine.

[ 4 ] In the world of ideas—which we then extend to include the laws of nature—we have the firm awareness that our will cannot, in and of itself, actually bring about anything in the shaping of that world; it must conform to the inner logic, the fabric of reality, of ideas. If we wish to grasp reality, we cannot use our will to string one idea after another; we must adapt to the inner regularity of this purely pictorial world of ideas, which initially bears no being. At the other extreme—in the case of phantasms, which also live in recollection and memory—we recognize very clearly: our will reigns there—and our will is quite appropriately placed there as well; and we observe in two respects that these phantasms, insofar as they shape memory, do indeed have a great deal to do with our “I,” with our personality, with what constitutes our reality. No matter how much we may rail against mere fantasy or the fantastical, as we sense that our “I” acts within them at will, we simultaneously feel that these phantasms contain precisely our “I,” our personality. That is one aspect.

[ 5 ] Das andere ist: In dem Augenblicke, wo durch irgendeine Erkrankung unsere Erinnerungskontinuität gestört ist, wo irgendwo der Faden unserer Erinnerung abreißt, so daß wir uns eines Stückes unseres Lebens nicht erinnern können, in diesem Augenblicke ist auch die wirkliche Gediegenheit unseres inneren Ich-Erlebens gestört. Also es hängt unser Ich-Erleben auf der einen Seite zunächst nicht zusammen mit unserer Ideenwelt. Auf der anderen Seite fühlen wir, daß dieses Ich-Erleben drinnen ist in dem, was wir unsere Phantasmenwelt nennen, trotzdem wir wiederum nicht bauen können auf diese Phantasmenwelt und in gewisser Weise nicht das wesenhafte Ich in dieser Phantasmenwelt suchen dürfen, trotzdem wir wissen, daß es dadrinnen tätig ist, ja, daß es gar nicht in der richtigen Weise in unserem Bewußtsein leben kann, wenn nicht diese Erinnerung in Kontakt damit ist.

[ 5 ] The other point is this: At the very moment when, due to some illness, the continuity of our memory is disrupted—when the thread of our memory breaks somewhere, so that we cannot recall a part of our life—at that very moment, the true solidity of our inner sense of self is also disrupted. So, on the one hand, our sense of self is not initially connected to our world of ideas. On the other hand, we feel that this sense of self is contained within what we call our world of phantasms, even though we cannot rely on this world of phantasms and, in a certain sense, must not seek the essential self within it—even though we know that it is active there, indeed, that it cannot truly live in our consciousness unless this memory is in contact with it.

[ 6 ] In dem, was ich Ihnen jetzt mehr oder weniger abstrakt auseinandergesetzt habe, bergen sich die tiefsten Lebensrätsel, und wir kommen an diese Lebensrätsel heran, indem wir verschiedenes von dem heute zusammennehmen, was zerstreut ist in unseren anthroposophischen Betrachtungen. Die Ideenwelt, abstrakt erscheint sie uns, bildhaft erscheint sie uns! Wo gebrauchen wir sie denn zunächst? Wir gebrauchen sie, wenn wir dasjenige, was von der Außenwelt auf unsere Sinne wirkt — Farben, Töne, Wärme und Kälte —, wenn wir das denkend durchdringen. Wir durchdringen unsere Wahrnehmungen denkend. Sie finden ja das Genauere ausgeführt in meinen Büchern «Wahrheit und Wissenschaft» und in der «Philosophie der Freiheit». Wenn wir die Wahrnehmungen denkend durchdringen, dann gebrauchen wir diese Ideenwelt, um sie gewissermaßen hineinzuprägen in unser geistig-seelisches Erleben, in dasjenige, was wir als Wahrnehmungswelt haben. Aber man muß doch etwas genauer auf das hinsehen, was da eigentlich geschieht. Und das kann man, wenn man durch die geisteswissenschaftlichen Methoden seine eigenen Seelenfähigkeiten zurechtlenkt, so wie das in meinen Büchern verschiedentlich beschrieben ist. Man kann nämlich die Frage aufwerfen: Wie wäre es denn mit den sinnlichen Wahrnehmungen, wenn sie nur von außen auf uns eindringen würden, wenn also nur dasjenige, was gewissermaßen aus dem Licht als Farbe in unser Auge dringt, was als Ton an unser Ohr dringt, was als Wärme in unseren Wärmesinn dringt und so weiter, wenn das nur auf uns einstürmte, was wäre denn dann mit uns?

[ 6 ] What I have now explained to you in more or less abstract terms contains the deepest mysteries of life, and we approach these mysteries by bringing together various elements today that are scattered throughout our anthroposophical reflections. The world of ideas—it appears abstract to us, it appears pictorial to us! Where, then, do we use it first and foremost? We use it when we penetrate with our thinking that which acts upon our senses from the external world—colors, sounds, warmth, and cold. We penetrate our perceptions through thinking. You will find this explained in greater detail in my books *Truth and Science* and *The Philosophy of Freedom*. When we penetrate our perceptions through thinking, we use this world of ideas to, so to speak, imprint it upon our spiritual and soul experience—upon what we experience as the world of perception. But we must look a little more closely at what is actually happening there. And we can do this by directing our own soul faculties through the methods of spiritual science, as described in various places in my books. For one might ask: What would happen to our sensory perceptions if they were to impinge upon us solely from the outside—that is, if only what, so to speak, enters our eye as color from the light, what reaches our ear as sound, what enters our sense of warmth as heat, and so on—if only these things were to rush in upon us, what would become of us then?

[ 7 ] Machen wir uns klar: Wir lassen im wachenden Zustande niemals diese Welt nur in uns einströmen. Wenn wir auch ein nur wenig aktives Denken in Ideen entwickeln, so bringen wir doch gewissermaßen aus dem Inneren heraus diesen auf uns einstürmenden Tönen, Farben, Gerüchen, Geschmäcken, überhaupt allen Sinnesqualitäten, den aus unserem Inneren aufsteigenden Gegenstoß der Ideenwelt entgegen. Und wer nun wiederum nicht nach der abstrakten Wortpsychologie der Gegenwart denkt, sondern wer wirklich beobachten gelernt hat, der kann sich fragen: Wie begegnen sich in unseren Sinnesorganen die von außen einstürmenden Wahrnehmungsinhalte und der Gegenstoß von innen, die Ideenwelt? — Sehen Sie, wenn wir bloß hingegeben wären an die Welt der Wahrnehmungen, dann lebten wir eigentlich als Menschen in unserem ätherischen Leibe und mit dem ätherischen Leibe in einer ätherischen Welt. Sie brauchen sich nur vorzustellen, wie Sie, hingegeben durch die Augen an die Farbenwelt, in einer wogenden, ätherisch wogenden Farbenwelt leben würden, wie Sie, hingegeben durch Ihre Ohren an die tönende Welt, in einem wogenden Tonmeer leben würden, das allerdings nicht ätherisch zunächst ist, aber es würde ätherisch sein, wenn Sie nicht den Gegenstoß durch die Ideen liefern würden. Nämlich so, wie die Töne zunächst für uns Menschen sind, so sind sie das Ätherische. Wir schwimmen im Luftmeere und dadurch im verdichteten Ätherischen. Es ist also Atherisches, das nur bis zur Luft materiell verdichtet ist; die Töne sind nur der luftförmig-materielle Ausdruck wiederum vom Ätherischen. Und so ist es mit den Wärmequalitäten, mit den Geschmacks-, mit den Geruchsqualitäten, mit allen Sinnesqualitäten. Denken Sie sich also weg den Gegenstoß der Ideenwelt von innen, denken Sie sich, Sie lebten in einem ätherischen Meere als ätherische Wesenheit, Sie würden niemals zu jener menschlichen Konsistenz kommen, mit der Sie eigentlich zwischen Geburt und Tod in der Welt dastehen. Wodurch nur können Sie zu dieser Konsistenz kommen? Dadurch, daß Sie darauf hinorganisiert sind, dieses Ätherische abzutöten, abzulähmen. Und wodurch lähmen wir es ab? Wodurch töten wir es ab? Durch den Gegenstoß der Ideen! Es ist wirklich so: Es käme gewissermaßen von außen her — wenn ich schematisch zeichnen soll — die Welt des Wahrnehmungsinhaltes in lebendiger Ätherität (rot), und wir würden als ätherische Wesen schwimmen in lebendiger Ätherität, wenn wir nicht hineinsenden würden von innen den Gegenstoß der Ideenwelt (blau), die so, wie sie zwischen Geburt und Tod Ideenwelt ist, das Ätherische ertötet und uns die Welt als physische Welt erscheinen läßt. Wir hätten eine ätherische Welt um uns, wenn wir nicht durch die Ideenwelt ertöteten dieses Atherische, es herunterbrächten zur physischen Gestaltlichkeit. Die Ideenwelt, so wie wir sie als Mensch haben, sie verbindet sich in unseren Gesamtorganen mit den Sinnesqualitäten, lähmt diese Sinnesqualitäten ab und bringt sie herunter bis zu dem, was wir eben als physische Welt erleben.

[ 7 ] Let’s be clear: When we are awake, we never simply allow this world to flow into us. Even if we develop only a little active thinking in ideas, we still, in a sense, bring forth from within—in response to the sounds, colors, smells, tastes, and indeed all sensory qualities rushing toward us—the counterforce of the world of ideas rising up from within us. And anyone who does not think in terms of the abstract, verbal psychology of the present, but who has truly learned to observe, may ask: How do the contents of perception rushing in from the outside and the counterforce from within—the world of ideas—meet within our sense organs? — You see, if we were merely surrendered to the world of perceptions, then we would actually be living as human beings in our etheric body and, with that etheric body, in an etheric world. You need only imagine how, if you were surrendered through your eyes to the world of colors, you would live in a surging, ethereally surging world of colors; how, if you were surrendered through your ears to the world of sound, you would live in a surging sea of sound—which, admittedly, is not ethereal at first, but would become ethereal if you did not provide the counterforce through ideas. For just as sounds are to us humans at first, so are they to the ethereal. We swim in the sea of air and thereby in the condensed ethereal. It is, therefore, the ethereal that is condensed into matter only up to the level of air; sounds are, in turn, merely the air-like, material expression of the ethereal. And so it is with the qualities of warmth, with those of taste, with those of smell, with all sensory qualities. So imagine, for a moment, the absence of the counterforce from the world of ideas coming from within; imagine that you were living in an etheric sea as an etheric being—you would never attain that human consistency with which you actually exist in the world between birth and death. How, then, can you attain this consistency? By being organized to kill off, to numb, this etheric element. And how do we paralyze it? How do we kill it off? Through the counterforce of ideas! It is truly the case that—if I were to sketch it schematically—the world of perceptual content in living ethericity (red) would, so to speak, come from the outside, and we would be swimming as ethereal beings in living ethereality, were it not for the counterforce we send in from within—the world of ideas (blue)—which, as it is the world of ideas between birth and death, kills off the ethereal and causes the world to appear to us as a physical world. We would have an ethereal world around us if we did not, through the world of ideas, kill off this ethereal quality, bringing it down to physical form. The world of ideas, as we experience it as human beings, connects in our entire organism with the qualities of the senses, dampens these sensory qualities, and brings them down to what we experience as the physical world.

Diagram 1Diagram 1

[ 8 ] Das ist der Tatbestand. Sie können aus dem kleinen Schriftchen von Dr. Stein, aus seiner Dissertation, ersehen, wie nahe er da gekommen ist, durch eine geistvolle Interpretation dessen, was sich auf anthroposophischem Felde gewinnen läßt, diesem Charakter der Wahrnehmungswelt. Es ist tatsächlich in der gegenwärtigen physiologischen Literatur nichts so Gutes über die Sinnesphysiologie vorhanden wie dieses Büchelchen von Dr. Stein.

[ 8 ] That is the state of affairs. You can see from Dr. Stein’s short booklet—his dissertation—how close he came, through a brilliant interpretation of what can be gained in the field of anthroposophy, to this character of the world of perception. In fact, there is nothing in current physiological literature on sensory physiology as good as this little book by Dr. Stein.

[ 9 ] Also wir haben auf der einen Seite diesen Tatbestand, daß wir durch die Ideenwelt herabdämpfen das ätherische Gewoge der Sinnesqualitäten. Womit hängt das nun im weiteren zusammen? Es hängt im weiteren damit zusammen, daß unsere Ideenwelt, die wir als Mensch zwischen Geburt und Tod erleben als von innen aufsteigend, nicht in ihrer wahren Gestalt erscheint. Das können die Menschen nicht durchschauen, daß sie an den Ideen so, wie man sie erlebt als Mensch im physischen Leibe, nicht die wahre Gestalt dieser Ideen haben. Die Menschen sind noch so grob organisiert in der gegenwärtigen Zivilisation, daß sie gar nicht darauf kommen, sich zum Beispiel einmal zu sagen: Du fährst aus dem Schlafe auf, du hast einen ganzen Traum erlebt, der dir symbolisch ausgedrückt hat, was draußen auf der Straße «Feurio!» schreit. — Man erlebt symbolisch etwas, was draußen ganz anders ist. Was wir in den Ideen haben, ist eben sehr verschieden von dieser Ausbildung eines äußeren Ereignisses in der Traumphantasie; aber in der Ideenwelt haben wir dennoch auch etwas, was nichts anderes ist als das Hereinscheinen einer ganz anderen Welt. Und welche Welt ist es? Davon haben wir oftmals gesprochen. Es ist die Welt, die der Mensch durchgemacht hat vor der Geburt, oder sagen wir vor der Empfängnis. Das ist dasjenige, was hier im Leben abgeschattet ist bis zur abstrakten Ideenwelt, konkret erlebt. Zwischen dem Tod und einer neuen Geburt leben wir in der Realität dessen, was hier in der Ideenwelt nur in diesen Schattenbildern der Begriffe, der Vorstellungen, der Ideen vorhanden ist. So wie die äußere Welt in den Traum hereinscheint, so scheint die vorgeburtliche Welt herein in unsere Welt zwischen Geburt und Tod, indem sie nachwirkt in der Bildung von Ideen. Aber während alles lebt in dem, was die Ideen sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, während da das, was in der Ideenwelt real ist, unsere eigene Wesenheit berührt, während wir da, indem wir uns selber berühren, unser ideelles Substantielles berühren, so wie wir jetzt unseren physischen Leib berühren, schattet sich herein in dieses irdische Leben von dieser Substantialität der Ideenwelt nur dasjenige, wovon wir nicht einmal wissen, daß wir aus ihm im Irdischen die Realität des eigenen Ich schöpfen. Aber wir verwenden diesen Schatten unserer geistigen Existenz dazu, um uns gerade die Existenz auf Erden möglich zu machen. Was geben uns denn die Götter mit, indem sie durch die Geburt uns hereinsenden in diese Welt? Sie geben uns mit das Schattenbild jener Existenz, die wir haben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Dieses Schattenbild sind die Ideen, und diese Ideen dienen uns hier, um überhaupt physisch Mensch zu werden, sonst würden wir als ätherische Wesen im ätherischen Meer schwimmen. Wir töten ab das ätherische Leben mit den Schattenbildern unseres Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 9 ] So, on the one hand, we have the fact that, through the world of ideas, we dampen the ethereal surging of the sensory qualities. How does this relate to what follows? It relates to the fact that our world of ideas—which we, as human beings, experience between birth and death as rising from within—does not appear in its true form. People cannot see through this—that the ideas, as experienced by a human being in a physical body, do not possess the true form of these ideas. People are still so crudely organized in our present civilization that it never even occurs to them to say to themselves, for example: You wake up from sleep; you have experienced an entire dream that symbolically expressed to you what is being shouted out on the street: “Feurio!” — You experience something symbolically that is quite different from what is happening outside. What we have in the world of ideas is very different from this formation of an external event in the dream fantasy; but in the world of ideas we nevertheless also have something that is nothing other than the shining in of a completely different world. And what world is it? We have spoken of this many times. It is the world that the human being passed through before birth, or let us say before conception. That is what is concretely experienced here in life, cast as a shadow all the way down to the abstract world of ideas. Between death and a new birth, we live in the reality of what exists here in the world of ideas only in these shadow images of concepts, representations, and ideas. Just as the external world shines into the dream, so the prenatal world shines into our world between birth and death by continuing to influence the formation of ideas. But while everything lives in what the ideas are between death and a new birth, while what is real in the world of ideas touches our own being, while we there—by touching ourselves—touch our ideal substance, just as we now touch our physical body, only that aspect of the substantiality of the world of ideas is cast as a shadow into this earthly life—the very aspect of which we do not even know that we draw from it, in the earthly realm, the reality of our own “I.” Yet we use this shadow of our spiritual existence precisely to make our existence on earth possible. What, then, do the gods bestow upon us when, through birth, they send us into this world? They give us the shadow image of that existence we have between death and a new birth. This shadow image consists of ideas, and these ideas serve us here so that we may become human beings in the physical sense at all; otherwise, we would float as ethereal beings in the ethereal sea. We put an end to ethereal life with the shadow images of our life between death and a new birth.

[ 10 ] So stellen wir den Menschen hinein in das ganze Universum, in den Kosmos. Da ist wieder einer der Punkte, wo wir wirkliche Menschenerkenntnis gewinnen. Da knüpfen wir das, was wir im gegenwärtigen Erleben haben, an das ewige Erleben an. Da sagen wir: Wenn du denkst, wenn du durch deine Sinne die äußere Welt ansiehst und mit deinen Ideen ablähmst das ätherische Leben, das sich in deinen Augen, in deinen Ohren abspielt, so daß du es ertragen kannst und Mensch sein kannst, dann tust du das mit der Erbschaft, mit der Nachwirkung deiner ewigen menschlichen Wesenheit, wie du dir sie herangebildet hast zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 10 ] This is how we place the human being within the entire universe, within the cosmos. Here again is one of the points where we gain true insight into human nature. Here we connect what we experience in the present moment to eternal experience. Here we say: If you think that by looking at the outer world through your senses and using your ideas to dull the ethereal life unfolding before your eyes and in your ears—so that you can endure it and be human—then you are doing so with the legacy, with the aftereffect of your eternal human being, as you have shaped it for yourself between death and a new birth.

[ 11 ] So erweitern das menschliche Bewußtsein, so hineingießen in die menschliche Wesenheit etwas von dem Wissen, das uns verbindet mit dem ganzen Universum — das ist ein Bedürfnis der Gegenwart. Und alle äußere Wissenschaft wird abdorren, alle äußere Kultur wird hineinführen in den Niedergang. Der Tod des Abendlandes wird erfolgen, wenn die Menschen sich nicht entschließen, eine solche Menschenerkenntnis sich anzueignen, die aus der Beobachtung der äußeren Lebensverhältnisse den Menschen wiederum anknüpft an den Kosmos und so den Menschen anknüpft an den Kosmos, daß der Mensch, indem er hier erlebt die Ideenwelt, sich bewußt wird des Ewigen. Gerade darum ist diese Ideenwelt etwas so Nüchternes, Abstraktes, weil sie nur das Schattenbild des Ewigen ist und weil sie im Grunde hier dazu bestimmt ist, abzutöten das uns sonst ätherisch überflutende Sinnesleben.

[ 11 ] To expand human consciousness in this way, to infuse the human being with some of the knowledge that connects us to the entire universe—that is a need of our time. And all external science will wither away; all external culture will lead to decline. The death of the West will come about if people do not resolve to acquire a understanding of humanity that, through the observation of external living conditions, reconnects humanity to the cosmos—and does so in such a way that, by experiencing the world of ideas here, humanity becomes conscious of the eternal. Precisely for this reason, this world of ideas is something so sober and abstract: because it is only the shadow of the eternal, and because, fundamentally, it is destined here to subdue the sensory life that would otherwise flood us in an ethereal way.

[ 12 ] So hängen wir mit unserem Leben mit dem Vorgeburtlichen zusammen. Auf dieses Vorgeburtliche deuten die traditionellen Religionsbekenntnisse nicht gerne hin, ja sie lehnen es sogar entschieden ab. Ich habe das schon berührt, daß das gerade das Eigentümliche der gegenwärtigen traditionellen Religionsbekenntnisse ist, daß sie nur von dem Nachtodlichen sprechen, nicht von dem Vorgeburtlichen, von der Präexistenz. Sie wollen davon nicht sprechen, weil man dann nicht sich richten kann an den Egoismus des Menschen, an den man sich richtet, wenn man den Menschen predigt bloß von dem nachtodlichen Leben; denn das Wissen von dem nachtodlichen Leben wollen die Menschen genießen zwischen Geburt und Tod. Dasjenige, was ihnen auferlegt die Verpflichtungen für dieses Leben, weil die Götter sie aus der geistigen Welt entlassen haben, um ihre Mission zu erfüllen, das spricht nicht zum menschlichen Egoismus, das spricht zu der menschlichen Verantwortlichkeit und menschlichen Verpflichtung. Deshalb finder man wenig Zustimmung, wenn man von diesem vorgeburtlichen Leben spricht. Und so sehr haben es diese Religionsbekenntnisse zuwege gebracht, die Menschen schlafen zu lassen über dieses vorgeburtliche Leben, daß wir wohl ein Wort «Unsterblichkeit» haben, das heißt, wir negieren die Sterblichkeit, aber wir haben kein Wort «Ungeburtlichkeit», was ebenso berechtigt wäre. Denn ebensowenig, wie wir mit unserem Geistig-Seelischen sterben, ebensowenig werden wir mit unserem Geistig-Seelischen geboren. Wir müßten in der Sprache ein Wort haben, das das andeutet. Ja, es muß in die Sprache das Wort «ungeburtlich» ebenso hinein wie «unsterblich», denn der Mensch erkennt sich nur zur Hälfte, wenn er nur das Wort «unsterblich» achten kann, nicht auch das Wort «ungeburtlich». An dem Unvermögen der Sprache erkennt man das Unvermögen, sich zu den geistigen Höhen auf diesem Gebiete zu erheben.

[ 12 ] Thus, our lives are connected to the pre-birth realm. Traditional religious creeds are reluctant to point to this pre-birth realm; indeed, they even reject it outright. I have already touched on the fact that this is precisely what is distinctive about contemporary traditional religious creeds: that they speak only of the afterlife, not of the pre-birth realm, of pre-existence. They do not want to speak of it because then one cannot appeal to human egoism—the very thing one appeals to when preaching to people solely about life after death; for people want to enjoy the knowledge of life after death between birth and death. That which imposes obligations on them for this life—because the gods have sent them from the spiritual world to fulfill their mission—does not appeal to human selfishness; it appeals to human responsibility and human obligation. That is why one finds little approval when speaking of this pre-birth life. And these religious creeds have been so successful in lulling people into oblivion regarding this pre-birth life that, while we do have a word for “immortality”—that is, we negate mortality—we have no word for “pre-birthness,” which would be just as justified. For just as we do not die with our spiritual-soul aspect, neither are we born with it. We should have a word in our language that conveys this. Yes, the word “unborn” must be incorporated into language just as much as “immortal,” for human beings only recognize half of themselves if they can only appreciate the word “immortal” and not also the word “unborn.” The inability of language reveals the inability to rise to the spiritual heights in this realm.

[ 13 ] Sehen wir jetzt nach dem anderen Pol, sehen wir danach, wie der Mensch in den Phantasmen, aus denen er aber auch seine Erinnerungsvorstellungen formt, etwas hat, worinnen wallt und west sein Ich, aber wallt und west oftmals in chaotischer Weise. Trotzdem der Mensch weiß, sein Ich lebt dadrinnen, verläßt er sich nicht darauf, sich über das Wesen dieses Ich aus den Phantasmen heraus etwas sagen zu lassen. Durchschaut man wiederum den Tatbestand — und Sie können das entnehmen aus den verschiedensten Stellen unserer anthroposophischen Literatur —, so muß man sich fragen: Was ist denn das eigentlich, was sich da als die Summe unserer Erinnerungsvorstellungen, meinetwillen auch als die Summe unserer Phantasievorstellungen, aus unserem Inneren entwickelt? — Es ist nichts anderes als die Umbildung desjenigen, was, bevor es sich metamorphosiert zu der Kraft der Erinnerung, zu der Kraft der Phantasie, in uns lebt als Wachstumskraft. Was unten im Leibe lebt als Wachstumskraft, wenn es sich von dem Leiblichen emanzipiert, wird geistig-seelisch Erinnerungskraft. Sie wissen ja, bis zum siebenten Lebensjahre, wo der Zahnwechsel eintritt, erscheint im Menschen dieselbe Kraft, die später wohlkonturierte Erinnerungen ausbildet im seelischen Gedächtmis; die arbeitet an seinem Leibe gestaltend. Was zuletzt die Zähne heraustreibt, ist dasselbe, was in uns lebt als Erinnerungs-Vorstellungsvermögen. Kurz, wir haben in dem, was da als Phantasmen in uns lebt, dieselbe Kraft, die eigentlich uns wachsen macht, die unserem Organischwerden zugrunde liegt. Wir emanzipieren sie von dem Organismus. Was heißt das?

[ 13 ] Let us now turn to the other pole and examine how, within the phantasms—from which, however, a person also forms his or her memories—there is something in which the “I” surges and flows, though often in a chaotic manner. Although the human being knows that his “I” lives within this, he does not rely on the phantasms to reveal anything about the nature of this “I.” If, on the other hand, one examines the facts—and you can glean this from various passages in our anthroposophical literature—one must ask: What, then, is actually that which develops from within us as the sum of our memory images—or, for my part, as the sum of our imaginative images? — It is nothing other than the transformation of that which, before it metamorphoses into the power of memory or the power of imagination, lives within us as a growth force. What lives down in the body as a growth force, when it emancipates itself from the physical, becomes a spiritual-psychic power of memory. As you know, up until the age of seven, when the teeth begin to change, the same force appears in human beings that later forms well-defined memories in the psychic memory; this force works to shape the body. What ultimately drives the teeth out is the same force that lives within us as the capacity for memory and imagination. In short, what lives within us as phantasms is the very same force that actually causes us to grow—the force that underlies our organic development. We emancipate it from the organism. What does that mean?

[ 14 ] Es verbirgt sich da wiederum ein bedeutsames Lebensrätsel; es heißt: Wir reißen gewissermaßen diese phantasmenbildende Kraft heraus aus unserem Organismus. Denken wir, wir ließen sie drinnen, wie stünden wir dann da in der Welt? Denken Sie sich, alles das, was Sie gewissermaßen innerlich loslösen von Ihrem Organismus, sodaß Sie es mit Ihrem Ich, mit Ihrer Persönlichkeit willentlich beherrschen, alles das würde wallen in Ihrem Organismus. Sie würden nicht sagen: Ich will — sondern Sie würden verspüren das Wallen Ihres Blutes, das Sie zu Ihren Bewegungen treibt; Sie würden nicht sagen: Ich ergreife die Feder sondern Sie würden verspüren den Mechanismus Ihrer Armmuskeln. Sie würden sich drinnenfühlen sich verlierend in der Welt, wenn Sie nicht losreißen würden die Welt der Phantasmen von Ihrem Organismus. Ihre Selbständigkeit verschwände. Was sich in Ihnen bewegt, was in Ihnen lebt, wäre nur eine Fortsetzung innerhalb Ihrer Haut von dem, was draußen wäre. Der Mensch muß sich daher sagen: Da wächst das Gras aus gewissen Kräften heraus außerhalb meiner Haut, innerhalb meiner Haut wächst meine Milz, meine Leber; aber ich würde nicht einen Unterschied empfinden, wenn ich nicht losreißen könnte meine Phantasmen von dem, was in meinem Inneren organisierend wirkt. Da draußen reiße ich nicht etwas los, da nehme ich die Wesenheit in ihrer Totalität. Innerhalb meiner Haut reiße ich los die Welt meiner Phantasmen. Dadurch komme ich zu meiner Selbständigkeit. — Dadurch ist es überhaupt möglich, daß wir das Beet, den Untergrund für die Ichheit im Menschen finden. Das ist der andere Pol des inneren Erlebens.

[ 14 ] Here, too, lies a significant mystery of life; it goes like this: We, so to speak, tear this phantasm-forming force out of our organism. If we were to leave it inside, how would we then stand in the world? Imagine that everything you, so to speak, detach inwardly from your organism—so that you can consciously control it with your “I,” with your personality—all of that would be surging within your organism. You would not say, “I will”—but rather you would feel the surging of your blood driving your movements; you would not say, “I take up the pen”—but you would feel the mechanism of your arm muscles. You would feel yourself losing yourself within the world if you did not detach the world of phantasms from your organism. Your independence would vanish. What moves within you, what lives within you, would be merely a continuation within your skin of what lies outside. Human beings must therefore tell themselves: The grass grows from certain forces outside my skin; inside my skin, my spleen and my liver grow; but I would not perceive a difference if I could not tear my phantasms away from what acts to organize my inner being. Out there, I do not tear anything away; there, I take the essence in its totality. Inside my skin, I detach the world of my phantasms. Through this, I attain my independence. — This is what makes it possible at all for us to find the bed, the foundation for the “I” within the human being. This is the other pole of inner experience.

[ 15 ] Während wir unser Sinneserleben abtöten müssen durch die Ideenwelt, damit wir uns hineinstellen können in die physische Welt, denn sonst würden wir als Spektren fluten im ätherischen Meere, müssen wir losreißen innerlich die Welt der Phantasmen von unserem organischen Geschehen, sonst würden wir einfach ein Glied der Natur sein wie der wachsende Baum. Wir würden nicht als eine Selbständigkeit emanzipiert von dem übrigen Weltengeschehen dastehen.

[ 15 ] While we must suppress our sensory experiences through the world of ideas so that we can place ourselves within the physical world—for otherwise we would float like spectres in the etheric sea—we must also inwardly sever the world of phantasms from our organic processes; otherwise, we would simply be a part of nature, like a growing tree. We would not stand as an independent entity, emancipated from the rest of world events.

[ 16 ] So erkennt man sich als Mensch in seiner Wesenheit drinnen in dem Menschen. Und sieht man weiter, so sagt man sich: Dieses persönliche Leben zwischen Geburt und Tod, das macht, daß wir hier eben zwischen Geburt und Tod das Ich erleben. Wir erleben aber nicht das ganze Organische in uns, nicht dasjenige, was innerhalb unserer Haut liegt; das bleibt ein Schatten wiederum desjenigen, was nach dem Tode unser Wesen ausmacht. Wie wir durch den einen Pol an dem Vorgeburtlichen hängen, durch den Ideenpol, hängen wir durch den Phantasmenpol, in dem der Wille lebt, an dem Nachtodlichen. An unserem Ungeburtlichen hängen wir durch unsere Ideenwelt, an unserem Unsterblichen hängen wir durch unsere Phantasmenwelt, die jetzt eine Phantasmenwelt ist, damit sie sich, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen, gestaltet zu einem regelmäßigen Kosmos, in dem wir dann weben, leben und sind nach dem Tode.

[ 16 ] This is how one recognizes oneself as a human being in one’s very essence within the human being. And if one looks further, one says to oneself: This personal life between birth and death is what causes us to experience the “I” here, precisely between birth and death. But we do not experience the whole organic being within us, not that which lies within our skin; that, in turn, remains a shadow of what constitutes our being after death. Just as we are connected to the pre-birth realm through one pole—the pole of ideas—so too are we connected to the post-death realm through the pole of phantasms, in which the will lives. We are connected to our pre-birth self through our world of ideas, and to our immortal self through our world of phantasms—which is now a world of phantasms so that, when we pass through the gate of death, it may take shape as a regular cosmos in which we then weave, live, and exist after death.

[ 17 ] So wirkt eine wirkliche Menschenerkenntnis, ein spirituelles SichHineingestelltfinden in den Kosmos. Der Mensch weiß, woher er kommt, wo er steht, wohin er geht, indem er sich diese Fragen beantwortet nach dem, was er wirklich an sich selbst erkennt, nach dem, was hereingelangt ist aus dem Kosmos in unsere innere Wesenheit. Solch ein Wissen ist nicht wie das Wissen, das die Kultur des Abendlandes nach und nach zugrunde gerichtet hat. Ein solches Wissen hat eine andere Bedeutung. Diese Kultur des Abendlandes ist wirklich durch ihr Wissen zugrunde gerichtet worden. Sehen Sie zurück auf jenes Wissen, das die Menschen bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts gehabt haben. Die Menschen der Gegenwart spotten über dieses Wissen. Sie sehen es für das kindliche Wissen einer kindlichen Menschheit an. Sie sagen sich: Wir haben es so herrlich weit gebracht in der Gegenwart; erst jetzt haben wir eine richtige Chemie, eine richtige Physik, eine richtige Biologie und so weiter. — Aber es ist doch ein bedeutsamer Unterschied zwischen dem alten Wissen, wenn es nur richtig verstanden in seiner Wahrheit sich enthüllen kann, und dem wurzellosen Wissen der Gegenwart. Wenn Sie in das alte Wissen hineinschauen, wie es bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts vorhanden war, so werden Sie sehen: der Mensch nahm immer, indem er Wissenselemente aus der Welt sich aneignete, etwas mit, wodurch er mit der Welt zusammenhing. Bedenken Sie doch nur: Wenn Sie noch so gescheit nachdenken über einen Baum und noch so viel von Ideengehalt in Ihre Seele aufnehmen über den Baum, haben Sie doch das Bewußtsein, in dem Baume lebt noch mehr, als was Sie mit Ihren Ideen aufnehmen können; so in der Blume, so selbst im Kristall. Wenn Sie die moderne Welt ansehen, die allmählich ins Maschinenhafte übergegangen ist, da erst steht der Mensch, ich möchte sagen, vor dem ideell ganz durchsichtig gewordenen Objekte. Die Maschine, die wir aufbauen, der Mechanismus, den wir errichten, sie durchschauen wir. Wir wissen: Aus diesen Kräften, in dieser und jener Verbindung ist die Maschine aufgebaut. — Nach dem Muster dessen, was der Mensch in der Technik aufgebaut hat, hat er sich dann auch eine Weltanschauung geformt und er stellt sich ungefähr das Weltenall nun auch als eine große Maschinerie vor.

[ 17 ] This is how true self-knowledge—a spiritual attunement to the cosmos—works. Human beings know where they come from, where they stand, and where they are going by answering these questions based on what they truly recognize within themselves, based on what has flowed in from the cosmos into our inner being. Such knowledge is not like the knowledge that Western culture has gradually destroyed. Such knowledge has a different significance. Western culture has truly been ruined by its own knowledge. Look back at the knowledge that people possessed up until the middle of the 15th century. People today scoff at this knowledge. They regard it as the childish knowledge of a childish humanity. They say to themselves: We have come so wonderfully far in the present; only now do we have true chemistry, true physics, true biology, and so on. — But there is indeed a significant difference between the ancient knowledge—when it can reveal itself in its truth, if only properly understood—and the rootless knowledge of the present. If you look into the ancient knowledge as it existed up until the mid-15th century, you will see: whenever a person appropriated elements of knowledge from the world, they always took with them something that connected them to the world. Just consider this: No matter how intelligently you reflect on a tree, and no matter how much conceptual content you take into your soul regarding the tree, you are still aware that there is far more life within the tree than you can grasp with your ideas; the same is true of a flower, and even of a crystal. When you look at the modern world, which has gradually become mechanized, it is only then that human beings stand, I would say, before objects that have become completely transparent in an ideal sense. We see right through the machines we build and the mechanisms we construct. We know: the machine is constructed from these forces, in this or that combination. — Following the model of what humanity has built in technology, it has also formed a worldview for itself, and now imagines the universe itself as a great machine.

[ 18 ] Weil wir in der mechanischen Kulturordnung die Ehrfurcht vor dem Rätsel verloren haben, weil die Maschine uns ideell durchsichtig geworden ist, brauchen wir gerade heute die Anknüpfung an den Menschen, damit wir die Geistigkeit wieder finden. Menschen, die die Geistigkeit noch suchen konnten, indem sie in den Naturobjekten zu gleicher Zeit das Spirituelle suchten, die brauchten nicht eine solche aus dem Menschen hervorgeholte Kenntnis, wie wir sie brauchen. Wir, die wir allmählich uns herausgerissen haben bis zum mechanischen Erfassen der Welt, bis zum Aufbau einer mechanisierten Technik, wir brauchen gegenüber der toten Technik, die auch hineinschlägt in unser Gedankenleben, die lebendige geistige Wissenschaft, welche in der Weise, wie wir es heute wiederum angedeutet haben, den Menschen anknüpft an das geistige Weltenall, an den geistigen Kosmos. Aber wir müssen dieses Anknüpfen dadurch erlangen in der Gegenwart, daß wir wirklich unser Inneres, bevor wir an die Außenwelt gehen, etwas umwandeln. Dieser Umwandlung trägt die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft überall Rechnung, wo sie praktisch auftritt.

[ 18 ] Because we have lost our reverence for the mystery in our mechanized cultural order, and because the machine has become intellectually transparent to us, we need—especially today—to reconnect with humanity so that we may rediscover spirituality. People who were still able to seek spirituality by seeking the spiritual in natural objects at the same time did not need the kind of knowledge extracted from human beings that we need. We, who have gradually torn ourselves away to the point of mechanically grasping the world, to the point of building a mechanized technology—we need, in the face of dead technology that also intrudes into our life of thought, a living spiritual science which, in the way we have again indicated today, connects human beings to the spiritual universe, to the spiritual cosmos. But we must achieve this connection in the present by truly transforming our inner selves to some extent before we turn to the outer world. Anthroposophically oriented spiritual science takes this transformation into account wherever it is applied in practice.

[ 19 ] Wir haben in Stuttgart die Waldorfschule begründet. Nach und nach kommen die Menschen und wollen hospitieren in der Waldorfschule. Das machen ja die Menschen der modernen Zeit; wenn sie etwas da oder dort interessiert, so gehen sie hin, schauen es sich an, dann «kennen» sie es, dann können sie unter Umständen auch so etwas einrichten. So ist ja allmählich unser Leben geworden. Aber darum handelt es sich gar nicht bei der Waldorfschule, sondern da handelt es sich darum, daß man vor allen Dingen in das innere Leben, das in die Didaktik, die Pädagogik in der Waldorfschule eingeführt worden ist, sich vertiefen kann. Da handelt es sich darum, daß man in der Tat das Verhältnis des Menschen zur Welt in einer ganz neuen Weise erfaßt. In bezug auf die Ideenwelt sind ja die Menschen freigebig. Der Mensch will nicht gerne seine Ideenwelt für sich behalten. Er möchte gern, daß alle dieselben Ideen haben, das heißt, er möchte seine Ideen allen Menschen geben. Mit Bezug auf andere Güter ist der Mensch nicht so freigebig, die behält er schon lieber für sich. Von den Ideen gibt er gerne allen. Das macht eben gerade den radikalen Unterschied zwischen der Geisteswelt auf der einen Seite und der wirtschaftlichen Welt auf der anderen Seite aus. Dieser Unterschied ist schon radikal vorhanden, wenn man nur auf ihn hinsehen will, und im Grunde genommen, wenn jemand nach dem alten System die Tendenz hat, Lehrer zu sein, besteht das auch nur in der Freigebigkeit bezüglich der Ideenwelt. Denn die Kinder sind noch bessere Geschenkannehmer als die Erwachsenen, die einem mit Kritik und mit Widerständen entgegenkommen können. An die Kinder kann man die Geschenke des Wissens noch leichter austeilen.

[ 19 ] We founded the Waldorf School in Stuttgart. Little by little, people are coming and wanting to observe classes at the Waldorf School. That’s what people do these days; if something interests them here or there, they go there, take a look, and then they “know” it—and under certain circumstances, they might even set up something like that themselves. That’s how our life has gradually come to be. But that is not what the Waldorf School is really about; rather, it is about being able to immerse oneself, above all, in the inner life that has been introduced into the didactics and pedagogy of the Waldorf School. It is about truly grasping the relationship between the human being and the world in a completely new way. When it comes to the world of ideas, people are, of course, generous. People do not like to keep their world of ideas to themselves. They would like everyone to have the same ideas; that is, they would like to share their ideas with everyone. When it comes to other goods, people are not so generous; they prefer to keep those for themselves. But when it comes to ideas, they are happy to share them with everyone. This is precisely what constitutes the radical difference between the spiritual world on the one hand and the economic world on the other. This difference is already radically present if one is only willing to look for it, and fundamentally, if someone under the old system has a tendency to be a teacher, this consists solely of generosity with regard to the world of ideas. For children are even better recipients of gifts than adults, who may meet one with criticism and resistance. It is even easier to bestow the gifts of knowledge upon children.

[ 20 ] Nun, selbstverständlich müssen diese Instinkte auch bei der Waldorfschule, bei den Waldorflehrern berücksichtigt werden. Aber ein neues Element tritt da ein, das nur aus dem Geiste anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft herauskommen kann. Das ist, daß zu dem, was bei den früheren Bekenntnissen immer traditionell war, zu dem Nachtodlichen, der entschiedene Hinblick zu dem Vorgeburtlichen hinzutritt, daß wir uns klar sind, daß in dem Kinde, das heranwächst, sich nach und nach dasjenige enthüllt, was aus den geistigen Welten herunterkommt. Wir sind zu einer bestimmten Zeit aus den geistigen Welten heruntergekommen. Die Götter haben uns in diese Welt gesandt, und wir führen dasjenige aus, was die Götter in uns gelegt haben. Die Kinder kommen später herunter, sie waren länger in der geistigen Welt drinnen. Wir schauen hin auf dasjenige, was aus den Kinderseelen herausleuchtet. Botschaft aus den geistigen Welten, in denen sie länger waren als wir, tragen sie uns zu. Ein Gefühl dafür, daß aus der geistigen Welt etwas in die Gegenwart herunterkommt, das in die Kinder hineinfällt, das der Lehrer zunächst zu enträtseln hat, daß zu dem Schenken, das man so gerne tut, ein Nehmen hinzutritt — das kann nur kommen aus dem Geiste wahrer Geisteswissenschaft, wenn zu der Postexistenzidee die Präexistenzidee im lebendigen Erfühlen hinzutrritt.

[ 20 ] Well, of course these instincts must also be taken into account at Waldorf schools and by Waldorf teachers. But a new element comes into play here, one that can only arise from the spirit of anthroposophically oriented spiritual science. This is that, in addition to what has always been traditional in earlier creeds—the focus on the afterlife—there is now a decisive focus on the pre-birth period, so that we are clear that in the child as it grows up, what descends from the spiritual worlds is gradually revealed. We came down from the spiritual worlds at a specific time. The gods sent us into this world, and we carry out what the gods have placed within us. The children come down later; they spent more time in the spiritual world. We look upon what shines forth from the children’s souls. They bring us messages from the spiritual worlds, where they have been longer than we have. A sense that something from the spiritual world descends into the present, that it enters the children—something the teacher must first unravel—and that alongside the giving we so gladly do, there is also a receiving—this can only come from the spirit of true spiritual science, when the idea of pre-existence is joined to the idea of post-existence in a living sense of feeling.

[ 21 ] Auf dieses Neue, das der Pädagogik und Didaktik der Waldorfschule eingegossen worden ist, kommt es an; das heißt, im Grunde genommen kann die Waldorfschule doch nur der verstehen, der anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft in sein eigenes Herz, in seine eigene Seele aufgenommen hat. Und da erst sollte er zunächst hospitieren, sonst wird er aus den paar Stunden, in denen er hospitiert hat an der Waldorfschule, nichts anderes sehen, als daß man auf die Tafel schreibt oder zu den Kindern spricht und so weiter. Aber es wird dem Menschen in der Gegenwart so unbequem, sich nun wirklich in die Geistigkeit hineinzufinden. Im Grunde genommen — warum denn? — Wollen wir davon die Ursache suchen, da können wir solche Werke, die so recht herausgeboren sind, auch aus einer Strömung des Alten, einmal in die Hand nehmen, können da anfragen: Was wird da über das Aneignen der Geistigkeit durch den Menschen gedacht?

[ 21 ] What matters is this new element that has been infused into the pedagogy and didactics of the Waldorf School; that is to say, fundamentally, the Waldorf School can only be understood by those who have taken anthroposophically oriented spiritual science into their own hearts and souls. And only then should they begin observing classes; otherwise, from the few hours they spend observing at a Waldorf school, they will see nothing more than someone writing on the blackboard or speaking to the children, and so on. But it has become so uncomfortable for people today to truly immerse themselves in spirituality. When you get right down to it—why is that?—if we want to seek the cause of this, we can pick up works that have truly emerged from a current of the ancient past and ask: What do they say about how human beings appropriate spirituality?

[ 22 ] Ich habe vor mich hingelegt das «Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage zum Gebrauch an höheren Lehranstalten und zum Selbstunterricht» von Alfons Lehmen, Jesuitenpater, vierte vermehrte und verbesserte Auflage, herausgegeben von Peter Beck, Jesuitenpater. Das Werk ist zum ersten Male erschienen 1899 und ist in vierter Auflage verlegt 1917. Ich möchte Ihnen das, was auf Seite 8 in der Einleitung steht über den Geist dieser Philosophie, die also echt katholische Philosophie ist, vorlesen. Daß wir es zu tun haben mit der echten katholischen Philosophie, das werden wir ja gleich nachher sehen. Da steht:

[ 22 ] I have laid out before me the *Textbook of Philosophy on an Aristotelian-Scholastic Basis for Use in Higher Educational Institutions and for Self-Study* by Alfons Lehmen, S.J., fourth expanded and revised edition, edited by Peter Beck, S.J. The work was first published in 1899, and the fourth edition was published in 1917. I would like to read to you what is written on page 8 of the introduction regarding the spirit of this philosophy, which is, in fact, genuine Catholic philosophy. We will see shortly that we are indeed dealing with genuine Catholic philosophy. It reads:

[ 23 ] «Aus dem Gesagten läßt sich unschwer ersehen, was von dem Prinzip der «absoluten Freiheit der Wissenschaft: zu halten ist. Dieses Prinzip spricht jedem Einzelnen das Recht zu, jede beliebige Meinung aufzustellen und zu vertreten, ohne daß er von irgendwelcher Lehrmacht einen Einspruch zu befürchten habe. Allein Freiheit ist keine Schrankenlosigkeit. Das kirchliche Lehramt hat das Recht, eine philosophische Meinung zu verurteilen, falls diese im Widerspruch mit einer geoffenbarten Lehre steht oder zu einem solchen Widerspruch folgerichtig hinführt. Wir setzen hier als bewiesen voraus, daß ein kirchliches Lehramt von Gott eingesetzt sei mit dem Auftrag, die göttliche Offenbarung zu schützen und auszulegen. Mit diesem Auftrag ist das fragliche Recht unmittelbar gegeben. Denn zur Ausführung des ihm gewordenen Auftrages muß das Lehramt der Kirche instand gesetzt sein, den wahren Sinn des Wortes Gottes zu erklären und falsche Auslegungen als falsch zu bezeichnen. Wenn also die Meinung eines Philosophen oder einer philosophischen Schule den wahren Sinn des Offenbarungsinhaltes direkt oder indirekt anficht, so besitzt das Lehramt der Kirche die Macht, den Irrtum als solchen zu beurteilen, und die Befugnis, ihn vor der Öffentlichkeit zu verurteilen.»

[ 23 ] “From what has been said, it is not difficult to see what is to be made of the principle of ‘absolute freedom of science.’ This principle grants every individual the right to formulate and defend any opinion whatsoever without having to fear objection from any teaching authority. However, freedom does not mean the absence of limits. The Church’s Magisterium has the right to condemn a philosophical opinion if it contradicts a revealed teaching or logically leads to such a contradiction. We take it as proven here that the Church’s Magisterium was established by God with the mission to protect and interpret divine revelation. This mission directly confers the right in question. For in order to carry out the mission entrusted to it, the Church’s Magisterium must be empowered to explain the true meaning of the Word of God and to identify false interpretations as such. Therefore, if the opinion of a philosopher or a philosophical school directly or indirectly challenges the true meaning of the content of revelation, the Church’s Magisterium possesses the power to judge the error as such and the authority to condemn it publicly.”

[ 24 ] Das als eine Einleitung eines Lehrbuches der Philosophie! Nun, wenn Sie den ganzen Geist einer solchen Auseinandersetzung nehmen, wie auch die heute wieder gepflogene ist, was gibt er wieder? Er gibt wieder den ganzen christlichen Geist, den Paulus meinte, als er das Wort sprach: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Indem der Christus in uns lebt, weckt er auf das geistige Element in uns, und wir werden gerade durch die Durchchristung fähig, den Menschen anzuknüpfen an den geistigen Kosmos. Über diese Bedeutung des Mysteriums von Golgatha haben wir ja oftmals gesprochen und wir wollen morgen nochmals genauer darüber sprechen. Aber eines mußte der Christus den Menschen klarmachen, um den Menschen zu zeigen, wie der Mensch seine Wahrheit aus dem Geiste, aus dem göttlichen Geiste heraus zu gewinnen hat. Man braucht nur an ein anderes Wort des Christus Jesus zu erinnern, und alles nach dieser Richtung ist gegeben: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt»; das heißt, dasjenige Reich, das der Christus in dem Menschen entzünden will, darf nicht in dieser Welt errichtet werden. Das muß dadurch errichtet werden, daß der Mensch von dieser sinnlichen Welt in die übersinnliche Welt hinein den Weg findet.

[ 24 ] And this as the introduction to a philosophy textbook! Well, if you take the whole spirit of such a discussion—such as the one being engaged in again today—what does it reveal? It reveals the entire Christian spirit that Paul meant when he said, “Not I, but Christ in me.” As Christ lives within us, He awakens the spiritual element within us, and it is precisely through this “Christification” that we become capable of connecting human beings to the spiritual cosmos. We have, of course, often spoken about this significance of the Mystery of Golgotha, and we will discuss it in greater detail again tomorrow. But there was one thing Christ had to make clear to humanity in order to show people how they must draw their truth from the Spirit, from the divine Spirit. One need only recall another saying of Christ Jesus, and everything in this regard is made clear: “My kingdom is not of this world”; that is to say, the kingdom that Christ seeks to kindle within the human being must not be established in this world. It must be established by the human being finding the path from this sensory world into the supersensory world.

[ 25 ] Mein Reich ist von jener anderen Welt, die nicht diese sinnliche Welt ist —, wer hat am meisten gesündigt wider dieses Christus-Wort? Derjenige, der behauptet, ein Reich, das auf diese Welt gegründet ist, ein Reich, das in Rom, im physischen Rom seinen Mittelpunkt hat, ein Reich, das mit physischen Ratschlägen und Ratschlüssen wirkt, ein solches physisches Reich, das ganz von dieser Welt ist, das sei das Reich, das die christliche Wahrheit irgendwie verbreiten kann. — Da nun das Christus-Reich nicht von dieser Welt ist, ist es ganz gewiß auch nicht von Rom. Damit deuten wir darauf hin, daß in der Gegenwart den Menschen begreiflich werden muß als das eigentlich Widerchristliche all dasjenige, was von dieser Welt ist, was selbst die Wahrheit so stark von dieser Welt prägen will, daß es sagt: «Das kirchliche Lehramt hat das Recht, eine philosophische Meinung zu verurteilen, falls diese im Widerspruch mit einer geoffenbarten Lehre steht oder zu einem solchen Widerspruch folgerichtig hinführt», das heißt, insofern dieses von der Kirche so verfügt wird! Daher erscheinen solche Bücher nicht so, wie Bücher zum Beispiel von Anthroposophen erscheinen müssen, daß man mit seiner ganzen Persönlichkeit und nur mit dieser eintritt und sagt: Was ich zu vertreten habe, vertrete ich aus meiner Verbindung mit dem Geiste der Wahrheit heraus —, sondern hier ist der Titel: «Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage», von Alfons Lehmen S. J., vierte Auflage 1917. Blättert man um, so steht da: Imprimatur Freiburg, Thomas, Erzbischof. Das heißt, hier vertritt nicht eine Persönlichkeit dasjenige, was sie als Persönlichkeit zu vertreten hat, sondern eine weltliche Körperschaft, bei der jeder sich das Imprimatur holen muß, der etwas veröffentlichen will, was anerkannt werden soll, hier vertritt eine Körperschaft, welche von dieser Welt ist und von dieser Welt die Wahrheit prägt, dasjenige, was als Wahrheit aufgestellt wird!

[ 25 ] My kingdom is of that other world, which is not this sensory world—who has sinned most against this word of Christ? The one who claims that a kingdom founded on this world—a kingdom centered in Rome, in physical Rome; a kingdom that acts through physical counsel and decisions; such a physical kingdom, which is entirely of this world—is the kingdom that can somehow spread Christian truth. — Since the Kingdom of Christ is not of this world, it is most certainly not of Rome either. By this we point out that, in the present, people must come to understand as truly anti-Christian everything that is of this world—everything that seeks to shape even the truth so strongly in the image of this world that it says: “The Church’s Magisterium has the right to condemn a philosophical opinion if it contradicts a revealed doctrine or logically leads to such a contradiction”—that is, insofar as this is decreed by the Church! Therefore, such books do not appear as books by anthroposophists, for example, must appear—where one enters with one’s entire personality and only with that, and says: “What I have to represent, I represent out of my connection with the Spirit of Truth”—but here the title is: “Textbook of Philosophy on an Aristotelian-Scholastic Foundation,” by Alfons Lehmen, S.J., fourth edition, 1917. If one turns the pages, it reads: Imprimatur Freiburg, Thomas, Archbishop. This means that here it is not an individual who advocates what he, as an individual, is called upon to advocate, but a secular body from which anyone who wishes to publish something that is to be recognized must obtain the imprimatur; here, a body that is of this world and shapes the truth of this world advocates what is presented as truth!

[ 26 ] Man muß heute nicht feige sein, sondern mutig hinblicken auf das, was wahres Christentum ist und was angebliches Christentum ist. Wir leben eben in der Zeit, die, weil die Menschen schon feige genug gewesen sind, nicht das äußerlich darzuleben, was sie innerlich doch mehr oder weniger erkannt haben, in diese Katastrophe hineingeführt hat. Unsere Katastrophe ist in ihrem Ursprung eine geistige Katastrophe — wie wir oftmals gesagt haben —, und wir kommen nicht aus dieser Katastrophe eher heraus, als bis wir uns zu dem Geiste der Wahrheit wenden, der in der Geistesschau dasjenige sucht an Kraft, was ihm das «Imprimatur» gibt, nicht eine von einer weltlichen Organisation eingesetzte Oberkirchenbehörde.

[ 26 ] Today, we must not be cowards, but must look courageously at what true Christianity is and what so-called Christianity is. We are living in a time that—precisely because people have been cowardly enough not to live out outwardly what they have more or less recognized inwardly—has led us into this catastrophe. Our catastrophe is, at its root, a spiritual catastrophe—as we have often said—and we will not emerge from this catastrophe until we turn to the Spirit of Truth, who seeks in spiritual vision the power that grants him the “Imprimatur,” not a supreme ecclesiastical authority appointed by a worldly organization.