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Healing Factors for the Social Organism
GA 198

11 July 1920, Dornach

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Heilfaktoren für den sozialen Organismus
  1. Healing Factors for the Social Organism, tr. SOL

Vierzehnter Vortrag

Vierzehnter Vortrag

[ 1 ] Ich möchte heute, anknüpfend an die gestrigen Betrachtungen, einiges sagen, was geeignet sein soll, manches zusammenzufassen, was im Laufe der Zeit vorgebracht worden ist, um daraus eine Art zusammenfassender Erklärung des Mysteriums von Golgatha zu geben. Selbstverständlich kann ja, wenn über diesen Mittelpunkt des menschlichen Lebens in der neueren Zeit gesprochen wird, nur immer die Rede davon sein, daß man etwas Aphoristisches, etwas Episodisches gibt, gewissermaßen einen Ausschnitt aus alledem, was von uns in reichlicher Überschau erarbeitet werden muß, um dieses Mysterium von Golgatha zu begreifen.

[ 1 ] Ich möchte heute, anknüpfend an die gestrigen Betrachtungen, einiges sagen, was geeignet sein soll, manches zusammenzufassen, was im Laufe der Zeit vorgebracht worden ist, um daraus eine Art zusammenfassender Erklärung des Mysteriums von Golgatha zu geben. Selbstverständlich kann ja, wenn über diesen Mittelpunkt des menschlichen Lebens in der neueren Zeit gesprochen wird, nur immer die Rede davon sein, daß man etwas Aphoristisches, etwas Episodisches gibt, gewissermaßen einen Ausschnitt aus alledem, was von uns in reichlicher Überschau erarbeitet werden muß, um dieses Mysterium von Golgatha zu begreifen.

[ 2 ] Wenn man das Mysterium von Golgatha richtig begreifen will, so muß man sich klar sein darüber, daß das ganze ältere Mysterienwesen, das dem Mysterium von Golgatha vorangegangen ist, das dann nach und nach ins Versiegen gekommen ist und das im Grunde genommen schon in einem sehr hohen Grade versiegt war, als die Zeit heranrückte, in der das Mysterium von Golgatha geschehen sollte, daß dieses alte Mysterienwesen durchaus seinem ganzen Wesen nach hinwies auf dieses zentrale Erdenereignis, auf dieses Mysterium von Golgatha. Wenn man richtig auf sich wirken läßt, was ich versuchte darzustellen in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», wird man finden, daß in der symbolisch-rituellen Darstellungsweise, die in den alten Mysterien gepflogen wurde, die verschiedensten Weltengeheimnisse sich mit dramatischer Kraft vor dem Neophyten, vor dem zu Initiierenden abspielten. Aber was im Mittelpunkt stand all der Riten, all der Symbolik, welche in den Mysterien zur Vertiefung der menschlichen Erkenntnis gepflogen wurden, das war das Geheimnis von dem innerhalb des Leibes sterbenden Menschen, der gewissermaßen den Tod vorausnimmt, der abstirbt alledem, dem er leben kann, wenn er nur auf die Sinneswelt hin sich orientiert, und der dann aus einer innerlichen seelischen Kraft heraus gerade durch dieses Hindurchgehen durch das Sterben, durch dieses Erleben des Sterbens, zu einem höheren Leben erwacht.

[ 2 ] Wenn man das Mysterium von Golgatha richtig begreifen will, so muß man sich klar sein darüber, daß das ganze ältere Mysterienwesen, das dem Mysterium von Golgatha vorangegangen ist, das dann nach und nach ins Versiegen gekommen ist und das im Grunde genommen schon in einem sehr hohen Grade versiegt war, als die Zeit heranrückte, in der das Mysterium von Golgatha geschehen sollte, daß dieses alte Mysterienwesen durchaus seinem ganzen Wesen nach hinwies auf dieses zentrale Erdenereignis, auf dieses Mysterium von Golgatha. Wenn man richtig auf sich wirken läßt, was ich versuchte darzustellen in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache», wird man finden, daß in der symbolisch-rituellen Darstellungsweise, die in den alten Mysterien gepflogen wurde, die verschiedensten Weltengeheimnisse sich mit dramatischer Kraft vor dem Neophyten, vor dem zu Initiierenden abspielten. Aber was im Mittelpunkt stand all der Riten, all der Symbolik, welche in den Mysterien zur Vertiefung der menschlichen Erkenntnis gepflogen wurden, das war das Geheimnis von dem innerhalb des Leibes sterbenden Menschen, der gewissermaßen den Tod vorausnimmt, der abstirbt alledem, dem er leben kann, wenn er nur auf die Sinneswelt hin sich orientiert, und der dann aus einer innerlichen seelischen Kraft heraus gerade durch dieses Hindurchgehen durch das Sterben, durch dieses Erleben des Sterbens, zu einem höheren Leben erwacht.

[ 3 ] Die Art und Weise, wie das dargestellt wurde in den Mysterien, um anzuregen das innere Erfahren der Menschen, das hatte eine große Ähnlichkeit mit dem, was sich dann später in Wirklichkeit zutrug in Palästina als das Mysterium von Golgatha. Und man könnte sagen: Da steht im Mittelpunkt der Erdenentwickelung das auf Golgatha erhöhte Kreuz. Da kann die Menschheit hinschauen im Bilde auf den durch den Tod gehenden Christus, aber in einem Bilde, das unmittelbar eine ewige Sprache gesprochen hat zu den Neophyten, zu den zu Initiierenden. Es wurde vorausgenommen dieses Mysterium von Golgatha in den alten Mysterien, so daß diese alten Mysterien in einem gewissen Sinne eine Vorbereitung waren für das Mysterium von Golgatha selbst. Es ist in gewissem Sinne kosmisch dasjenige, was sich im einzelnen Menschen individuell abspielen kann.

[ 3 ] Die Art und Weise, wie das dargestellt wurde in den Mysterien, um anzuregen das innere Erfahren der Menschen, das hatte eine große Ähnlichkeit mit dem, was sich dann später in Wirklichkeit zutrug in Palästina als das Mysterium von Golgatha. Und man könnte sagen: Da steht im Mittelpunkt der Erdenentwickelung das auf Golgatha erhöhte Kreuz. Da kann die Menschheit hinschauen im Bilde auf den durch den Tod gehenden Christus, aber in einem Bilde, das unmittelbar eine ewige Sprache gesprochen hat zu den Neophyten, zu den zu Initiierenden. Es wurde vorausgenommen dieses Mysterium von Golgatha in den alten Mysterien, so daß diese alten Mysterien in einem gewissen Sinne eine Vorbereitung waren für das Mysterium von Golgatha selbst. Es ist in gewissem Sinne kosmisch dasjenige, was sich im einzelnen Menschen individuell abspielen kann.

[ 4 ] Was spielt sich im einzelnen Menschen individuell ab, wenn er wirklich die Initiationserfahrung durchmacht? Dasjenige, was mit ihm geboren wird, was die vererbten Eigenschaften trägt, was im gewöhnlichen Sinne des Wortes heranerzogen werden kann durch die gewöhnliche Erziehung, das geht ins Unbewußte hinunter. Das stirbt ab, wird abgelähmt, und aus den Tiefen der Seele heraus aufersteht des Menschen höheres Ich, dasjenige Ich, das nicht angehört dieser physischen Welt, das aber berufen ist, eine Mission auszuüben in dieser physischen Welt. Das, was da im Inneren des Menschen vorgeht, das ist ein individueller Vorgang, ein Auferstehen des besseren, des höheren Selbstes des Menschen. Vorher hat er in seinem Bewußtsein dieses höhere Selbst nicht. Denken wir uns diesen Vorgang ausgedehnt auf die ganze Erde: Denken wir uns die ganzeErde als eine Art von Lebewesen, von bewußtem Lebewesen, wie es ja auch ist in Wirklichkeit, dann muß man sagen: Bis zu dem Mysterium von Golgatha im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit hatte diese Erde ihr höheres Selbst nicht, denn dieses höhere Selbst ist eben nicht mit dem, was aus der Erde heraus sich entwickelt hat, in die Erde eingezogen, lebte also auch nicht in der alten heidnischen Weisheit, auch nicht in der jüdischen Weisheit, lebte überhaupt nicht mit der Erde. In dem Menschen Jesus von Nazareth wohnte nun dieses höhere Selbst der Erde, zog ein, wie wir wissen, durch die Johannestaufe am Jordan und ist seit dem Vollzuge des Mysteriums von Golgatha wirksamer Impuls im Erdenleben. Das Erdenleben hat dadurch sein höheres Selbst bekommen. Man kann also sagen: Mikrokosmisch spielt sich ein gewisser innerer spezieller Vorgang in jedem Menschen ab, der ihn nur anstrebt und haben will; makrokosmisch ist derselbe Vorgang durch das Mysterium von Golgatha für die Erde gegeben. Was mikrokosmisch die Auferweckung des höheren Selbstes im Menschen ist, ist makrokosmisch das Mysterium von Golgatha. Damit ist aber schon verknüpft, daß das Christus-Wesen, welches in dem Menschen Jesus von Nazareth wohnte, früher nicht auf der Erde war, sondern herabstieg aus geistigen, aus kosmischen Höhen und sich mit der Erdenevolution verband.

[ 4 ] Was spielt sich im einzelnen Menschen individuell ab, wenn er wirklich die Initiationserfahrung durchmacht? Dasjenige, was mit ihm geboren wird, was die vererbten Eigenschaften trägt, was im gewöhnlichen Sinne des Wortes heranerzogen werden kann durch die gewöhnliche Erziehung, das geht ins Unbewußte hinunter. Das stirbt ab, wird abgelähmt, und aus den Tiefen der Seele heraus aufersteht des Menschen höheres Ich, dasjenige Ich, das nicht angehört dieser physischen Welt, das aber berufen ist, eine Mission auszuüben in dieser physischen Welt. Das, was da im Inneren des Menschen vorgeht, das ist ein individueller Vorgang, ein Auferstehen des besseren, des höheren Selbstes des Menschen. Vorher hat er in seinem Bewußtsein dieses höhere Selbst nicht. Denken wir uns diesen Vorgang ausgedehnt auf die ganze Erde: Denken wir uns die ganzeErde als eine Art von Lebewesen, von bewußtem Lebewesen, wie es ja auch ist in Wirklichkeit, dann muß man sagen: Bis zu dem Mysterium von Golgatha im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit hatte diese Erde ihr höheres Selbst nicht, denn dieses höhere Selbst ist eben nicht mit dem, was aus der Erde heraus sich entwickelt hat, in die Erde eingezogen, lebte also auch nicht in der alten heidnischen Weisheit, auch nicht in der jüdischen Weisheit, lebte überhaupt nicht mit der Erde. In dem Menschen Jesus von Nazareth wohnte nun dieses höhere Selbst der Erde, zog ein, wie wir wissen, durch die Johannestaufe am Jordan und ist seit dem Vollzuge des Mysteriums von Golgatha wirksamer Impuls im Erdenleben. Das Erdenleben hat dadurch sein höheres Selbst bekommen. Man kann also sagen: Mikrokosmisch spielt sich ein gewisser innerer spezieller Vorgang in jedem Menschen ab, der ihn nur anstrebt und haben will; makrokosmisch ist derselbe Vorgang durch das Mysterium von Golgatha für die Erde gegeben. Was mikrokosmisch die Auferweckung des höheren Selbstes im Menschen ist, ist makrokosmisch das Mysterium von Golgatha. Damit ist aber schon verknüpft, daß das Christus-Wesen, welches in dem Menschen Jesus von Nazareth wohnte, früher nicht auf der Erde war, sondern herabstieg aus geistigen, aus kosmischen Höhen und sich mit der Erdenevolution verband.

[ 5 ] Damit ist aber noch etwas anderes gegeben. Damit ist gegeben, daß zum Begreifen des Mysteriums von Golgatha ein anderes Wissen, eine andere Erkenntnis gehört, als diejenige ist, welche der Mensch durch die Anschauung der äußeren Natur gewinnt, welche der Mensch erhält, indem er sich im gewöhnlichen Leben umschaut. Es ist eine Umwandelung des Menschen nötig. Und der umgewandelte Mensch kann dann eine Art von Wissen erlangen, durch das er das Mysterium von Golgatha begreift. Dieses Mysterium von Golgatha steht als eine Tatsache der Weltgeschichte da, aber man muß immer unterscheiden zwischen dieser Tatsache, die einmal dasteht im Verlaufe des geschichtlichen Werdens der Menschheit, und zwischen dem Begreifen dieser Tatsache, dem, was der Mensch aufbringen kann an Begriffen, um diese Tatsache, um dieses Mysterium von Golgatha zu verstehen. Als das Mysterium von Golgatha geschah, da war die alte Mysterienweisheit in gewissem Sinne schon verglommen. Reste von ihr waren aber noch vorhanden. Und diejenigen, die noch solche Reste besaßen, die noch Tradition oder auch noch innere Anschauung hatten und die Ergebnisse dieser inneren Anschauung anderen Menschen mitteilen konnten, diewaren dazu berufen, etwas zum Verständnis des Mysteriums von Golgatha beizutragen. Mit anderen Worten: Man hat die alte Mysterienweisheit dazu benützt, um das Mysterium von Golgatha zu begreifen. Auf der einen Seite also steht die Tatsache, das Mysterium von Golgatha, auf der anderen Seite steht dasjenige, was die Menschen versuchten aufzubringen, um dieses Mysterium von Golgatha zu begreifen.

[ 5 ] Damit ist aber noch etwas anderes gegeben. Damit ist gegeben, daß zum Begreifen des Mysteriums von Golgatha ein anderes Wissen, eine andere Erkenntnis gehört, als diejenige ist, welche der Mensch durch die Anschauung der äußeren Natur gewinnt, welche der Mensch erhält, indem er sich im gewöhnlichen Leben umschaut. Es ist eine Umwandelung des Menschen nötig. Und der umgewandelte Mensch kann dann eine Art von Wissen erlangen, durch das er das Mysterium von Golgatha begreift. Dieses Mysterium von Golgatha steht als eine Tatsache der Weltgeschichte da, aber man muß immer unterscheiden zwischen dieser Tatsache, die einmal dasteht im Verlaufe des geschichtlichen Werdens der Menschheit, und zwischen dem Begreifen dieser Tatsache, dem, was der Mensch aufbringen kann an Begriffen, um diese Tatsache, um dieses Mysterium von Golgatha zu verstehen. Als das Mysterium von Golgatha geschah, da war die alte Mysterienweisheit in gewissem Sinne schon verglommen. Reste von ihr waren aber noch vorhanden. Und diejenigen, die noch solche Reste besaßen, die noch Tradition oder auch noch innere Anschauung hatten und die Ergebnisse dieser inneren Anschauung anderen Menschen mitteilen konnten, diewaren dazu berufen, etwas zum Verständnis des Mysteriums von Golgatha beizutragen. Mit anderen Worten: Man hat die alte Mysterienweisheit dazu benützt, um das Mysterium von Golgatha zu begreifen. Auf der einen Seite also steht die Tatsache, das Mysterium von Golgatha, auf der anderen Seite steht dasjenige, was die Menschen versuchten aufzubringen, um dieses Mysterium von Golgatha zu begreifen.

[ 6 ] Damit ich nicht mißverstanden werde, möchte ich auch hier wieder einfügen: Es ist nicht notwendig, daß man zum Begreifen des Mysteriums von Golgatha ein Hellseher sei; aber es ist notwendig, daß man die durch Hellsichtigkeit gewonnenen Ergebnisse mit dem gesunden Menschenverstand auffaßt und dadurch in seine Seele Begriffe, Vorstellungen, Ideen hereinbekommt, welche nicht auf die Sinneswelt allein gehen, sondern welche die übersinnliche Welt mit umfassen. Geradeso wie man jetzt nicht selber ein Geistesforscher zu sein braucht, wenn man das Mysterium von Golgatha begreifen will, aber wie man nötig hat, dasjenige aufzunehmen, was aus der Geistesschau kommt, um mit Hilfe dieser Begriffe, die ja sinnlos sind gegenüber der bloßen sinnlichen Welt, das Mysterium von Golgatha zu verstehen, geradeso konnte aus der alten Mysterienweisheit ein Verständnis für das Mysterium von Golgatha aufgenommen werden. Dasjenige also, was ursprünglich Mysterienweisheit war, das wurde in den ersten Jahrhunderten des Christentums verwendet, um das Mysterium von Golgatha zu verstehen. Und schließlich ist auch in die Evangelien nichts anderes eingeflossen als das, was Mysterienweisheit war. Das habe ich gerade darzustellen versucht in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache». Die Evangelien waren also in gewissem Sinne die alte Mysterienweisheit, angewendet auf das Mysterium von Golgatha. Das Beste, was die Menschen hatten an Begriffen, an Ideen, an inneren Seelenerlebnissen, suchte man zusammenzutragen, um dieses Mysterium von Golgatha in der richtigen Weise zu verstehen.

[ 6 ] Damit ich nicht mißverstanden werde, möchte ich auch hier wieder einfügen: Es ist nicht notwendig, daß man zum Begreifen des Mysteriums von Golgatha ein Hellseher sei; aber es ist notwendig, daß man die durch Hellsichtigkeit gewonnenen Ergebnisse mit dem gesunden Menschenverstand auffaßt und dadurch in seine Seele Begriffe, Vorstellungen, Ideen hereinbekommt, welche nicht auf die Sinneswelt allein gehen, sondern welche die übersinnliche Welt mit umfassen. Geradeso wie man jetzt nicht selber ein Geistesforscher zu sein braucht, wenn man das Mysterium von Golgatha begreifen will, aber wie man nötig hat, dasjenige aufzunehmen, was aus der Geistesschau kommt, um mit Hilfe dieser Begriffe, die ja sinnlos sind gegenüber der bloßen sinnlichen Welt, das Mysterium von Golgatha zu verstehen, geradeso konnte aus der alten Mysterienweisheit ein Verständnis für das Mysterium von Golgatha aufgenommen werden. Dasjenige also, was ursprünglich Mysterienweisheit war, das wurde in den ersten Jahrhunderten des Christentums verwendet, um das Mysterium von Golgatha zu verstehen. Und schließlich ist auch in die Evangelien nichts anderes eingeflossen als das, was Mysterienweisheit war. Das habe ich gerade darzustellen versucht in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache». Die Evangelien waren also in gewissem Sinne die alte Mysterienweisheit, angewendet auf das Mysterium von Golgatha. Das Beste, was die Menschen hatten an Begriffen, an Ideen, an inneren Seelenerlebnissen, suchte man zusammenzutragen, um dieses Mysterium von Golgatha in der richtigen Weise zu verstehen.

[ 7 ] Das war in den ersten Jahrhunderten des Christentums. Aber diese Mysterienweisheit ist seitdem ganz verglommen. Wenn sie heute den Menschen der Gegenwart vorgeführt wird und man dabei an ihren gesunden Menschenverstand appelliert, können sie nichts mehr verstehen, nichts mehr begreifen von dieser Mysterienweisheit. Sie spricht in einer Sprache, die dem gegenwärtigen Menschen nicht mehr zugänglich ist. Man ringt sich erst allmählich wiederum durch zu dem Begreifen dessen, was erhalten ist an Traditionen aus der Mysterienweisheit, wenn man nun selbst durch neuere Geisteswissenschaft dasselbe Gebiet wieder erkennt, das in atavistischem Erkennen vorhanden war als alte Mysterienweisheit. Diese neuere Geisteswissenschaft ist heute für den gesunden Menschenverstand durchaus zu durchschauen, nicht aber die alte Mysterienweisheit, die erst durchschaut werden kann, wenn man sich heute hineingearbeitet hat in die Ergebnisse der neueren Geistesschau. Und so kam es denn, daß immer mehr und mehr den Menschen abhanden kam mit der alten Mysterienweisheit auch das Mittel, um das Mysterium von Golgatha zu begreifen. Die Mysterienweisheit versiegte, das Mysterium von Golgatha konnte nicht mehr begriffen werden.

[ 7 ] Das war in den ersten Jahrhunderten des Christentums. Aber diese Mysterienweisheit ist seitdem ganz verglommen. Wenn sie heute den Menschen der Gegenwart vorgeführt wird und man dabei an ihren gesunden Menschenverstand appelliert, können sie nichts mehr verstehen, nichts mehr begreifen von dieser Mysterienweisheit. Sie spricht in einer Sprache, die dem gegenwärtigen Menschen nicht mehr zugänglich ist. Man ringt sich erst allmählich wiederum durch zu dem Begreifen dessen, was erhalten ist an Traditionen aus der Mysterienweisheit, wenn man nun selbst durch neuere Geisteswissenschaft dasselbe Gebiet wieder erkennt, das in atavistischem Erkennen vorhanden war als alte Mysterienweisheit. Diese neuere Geisteswissenschaft ist heute für den gesunden Menschenverstand durchaus zu durchschauen, nicht aber die alte Mysterienweisheit, die erst durchschaut werden kann, wenn man sich heute hineingearbeitet hat in die Ergebnisse der neueren Geistesschau. Und so kam es denn, daß immer mehr und mehr den Menschen abhanden kam mit der alten Mysterienweisheit auch das Mittel, um das Mysterium von Golgatha zu begreifen. Die Mysterienweisheit versiegte, das Mysterium von Golgatha konnte nicht mehr begriffen werden.

[ 8 ] Wir sehen das ja an einem großen Teile der Theologie der Gegenwart. Diese Theologie der Gegenwart will aus demselben Wissensquell heraus, aus dem man heute etwa Naturwissenschaft aufbaut, auch das Mysterium von Golgatha begreifen. Wir haben es oftmals hier gesagt, daß man immer mehr und mehr nach dem Unmöglichen hindrängt, den Christus ganz zu verwischen und nur noch zu verstehen den Jesus von Nazareth, oder wie einer dieser Theologen sagt, den «schlichten Mann aus Nazareth». Der Christus ist der Theologie abhanden gekommen, weil einfach der Christus in dem Jesus von dem Gesichtspunkte äußerer sinnlicher Wissenschaft nicht verstanden werden kann. Die alte übersinnliche Wissenschaft, das Erbe der Mysterien, ist für die Menschen verlorengegangen. Sogar schon in den Jahrhunderten vor dem Mysterium von Golgatha sind die letzten großen Mysterien, die zum Beispiel in Frankreich waren, durch den eindringenden Romanismus, welcher ja überall die Verkörperung der Nüchternheit ist, zerstört worden. Im letzten Jahrhundert vor der Entstehung des Christentums wurden an einer bestimmten Stätte in Frankreich durch die römischen Truppen die alten Druidenmysterien zerstört. Hunderte und Hunderte von Initiierten wurden dazumal in wenigen Tagen vom Leben zum Tode befördert. Man kann sagen, es war das eine Inquisition weit vor der katholischen Inquisition. Und wenn einmal die Geschichte nicht eine Fable convenue sein würde, würde man zum Beispiel von dem römischen Cäsar noch andere Dinge zu erzählen wissen, als gewöhnlich erzählt werden, würde man zu erzählen wissen von seinen Verfolgungen gegenüber den alten Mysterienweisen, würde gerade in ihm sehen einen derjenigen, die sich zur Aufgabe gestellt haben, mit Stumpf und Stiel auszurotten, was an Mysterienerbschaft in die damalige Zeit hereingekommen ist. Dennoch erhielten sich aber immer, selbst bis in das Mittelalter herein, ja bis herauf in das 18. Jahrhundert, Nachklänge der alten Mysterienweisheit, und man konnte immer noch in einer gewissen Weise mit Hilfe dieser alten Mysterienweisheit das Mysterium von Golgatha verstehen. Die Unmöglichkeit, das Mysterium von Golgatha zu verstehen, ist eigentlich erst im 19. Jahrhundert heraufgestiegen. Und im 19. Jahrhundert sehen wir eigentlich die moderne "Theologie sich so entwickeln, daß immer mehr und mehr der Christus-Begriff verlorengeht, daß immer weniger die Menschen etwas verstehen von dem eigentlichen Wesen des Mysteriums von Golgatha, diejenigen Menschen nämlich, die sich bemühen, wirklich etwas zu verstehen, die nicht auf das Diktat einer äußeren Kirche hin die Dinge annehmen.

[ 8 ] Wir sehen das ja an einem großen Teile der Theologie der Gegenwart. Diese Theologie der Gegenwart will aus demselben Wissensquell heraus, aus dem man heute etwa Naturwissenschaft aufbaut, auch das Mysterium von Golgatha begreifen. Wir haben es oftmals hier gesagt, daß man immer mehr und mehr nach dem Unmöglichen hindrängt, den Christus ganz zu verwischen und nur noch zu verstehen den Jesus von Nazareth, oder wie einer dieser Theologen sagt, den «schlichten Mann aus Nazareth». Der Christus ist der Theologie abhanden gekommen, weil einfach der Christus in dem Jesus von dem Gesichtspunkte äußerer sinnlicher Wissenschaft nicht verstanden werden kann. Die alte übersinnliche Wissenschaft, das Erbe der Mysterien, ist für die Menschen verlorengegangen. Sogar schon in den Jahrhunderten vor dem Mysterium von Golgatha sind die letzten großen Mysterien, die zum Beispiel in Frankreich waren, durch den eindringenden Romanismus, welcher ja überall die Verkörperung der Nüchternheit ist, zerstört worden. Im letzten Jahrhundert vor der Entstehung des Christentums wurden an einer bestimmten Stätte in Frankreich durch die römischen Truppen die alten Druidenmysterien zerstört. Hunderte und Hunderte von Initiierten wurden dazumal in wenigen Tagen vom Leben zum Tode befördert. Man kann sagen, es war das eine Inquisition weit vor der katholischen Inquisition. Und wenn einmal die Geschichte nicht eine Fable convenue sein würde, würde man zum Beispiel von dem römischen Cäsar noch andere Dinge zu erzählen wissen, als gewöhnlich erzählt werden, würde man zu erzählen wissen von seinen Verfolgungen gegenüber den alten Mysterienweisen, würde gerade in ihm sehen einen derjenigen, die sich zur Aufgabe gestellt haben, mit Stumpf und Stiel auszurotten, was an Mysterienerbschaft in die damalige Zeit hereingekommen ist. Dennoch erhielten sich aber immer, selbst bis in das Mittelalter herein, ja bis herauf in das 18. Jahrhundert, Nachklänge der alten Mysterienweisheit, und man konnte immer noch in einer gewissen Weise mit Hilfe dieser alten Mysterienweisheit das Mysterium von Golgatha verstehen. Die Unmöglichkeit, das Mysterium von Golgatha zu verstehen, ist eigentlich erst im 19. Jahrhundert heraufgestiegen. Und im 19. Jahrhundert sehen wir eigentlich die moderne "Theologie sich so entwickeln, daß immer mehr und mehr der Christus-Begriff verlorengeht, daß immer weniger die Menschen etwas verstehen von dem eigentlichen Wesen des Mysteriums von Golgatha, diejenigen Menschen nämlich, die sich bemühen, wirklich etwas zu verstehen, die nicht auf das Diktat einer äußeren Kirche hin die Dinge annehmen.

[ 9 ] Um was kann es sich denn eigentlich nur handeln, wenn wir die Initiationswissenschaft in der Gegenwart gegenüber dem Mysterium von Golgatha betrachten? Es kann sich nur darum handeln, daß wiederum Mysterienweisheit gefunden werde, daß durch diese neue Mysterienweisheit das Mysterium von Golgatha den Menschen wiederum verständlich werden könne. Es ist wirklich so: Wenn die Entwickelung in derselben Weise fortginge, wie sie geführt hat zur abendländischen Naturwissenschaft, zum Galileismus, zum Kopernikanismus, so würde aus dem sich immer mehr und mehr barbarisierenden Leben des Abendlandes das Mysterium von Golgatha vollständig verschwinden. Das ist schon das, was in der Gegenwart durchaus mit dem tiefsten Ernste genommen werden sollte. Wenn das Ideal von Wissen, das heute offiziell vertreten wird, sich allgemein ausbreitete, so würden wir Verhältnisse haben im Abendlande, verhältnismäßig bald eine — wenn man es dann noch so nennen könnte — Zivilisation haben — man müßte eigentlich sagen eine Barbarei —, die gar nichts mehr weiß, die gar nicht mehr spricht von dem Mysterium von Golgatha. Es könnte sein, daß sich innerhalb dieser Barbarei durch äußere Machtmittel der Kultus zum Beispiel der römisch-katholischen Kirche erhalten hätte. Aber diejenigen, die denken, würden keinen Sinn mehr verknüpfen mit den Handlungen, die sich da vollziehen. Sie würden sie als äußerliche Dinge empfinden, wie in einer gewissen Zeit als äußerliche Dinge empfunden worden sind die Zeremonien, welche die alten Germanen gegenüber ihrem Odin und so weiter vollzogen haben. Das würde der Erdenentwickelung ihren Sinn nehmen, denn diese Erdenentwickelung kann ihren Sinn nur haben durch die Wirkung des Mysteriums von Golgatha.

[ 9 ] Um was kann es sich denn eigentlich nur handeln, wenn wir die Initiationswissenschaft in der Gegenwart gegenüber dem Mysterium von Golgatha betrachten? Es kann sich nur darum handeln, daß wiederum Mysterienweisheit gefunden werde, daß durch diese neue Mysterienweisheit das Mysterium von Golgatha den Menschen wiederum verständlich werden könne. Es ist wirklich so: Wenn die Entwickelung in derselben Weise fortginge, wie sie geführt hat zur abendländischen Naturwissenschaft, zum Galileismus, zum Kopernikanismus, so würde aus dem sich immer mehr und mehr barbarisierenden Leben des Abendlandes das Mysterium von Golgatha vollständig verschwinden. Das ist schon das, was in der Gegenwart durchaus mit dem tiefsten Ernste genommen werden sollte. Wenn das Ideal von Wissen, das heute offiziell vertreten wird, sich allgemein ausbreitete, so würden wir Verhältnisse haben im Abendlande, verhältnismäßig bald eine — wenn man es dann noch so nennen könnte — Zivilisation haben — man müßte eigentlich sagen eine Barbarei —, die gar nichts mehr weiß, die gar nicht mehr spricht von dem Mysterium von Golgatha. Es könnte sein, daß sich innerhalb dieser Barbarei durch äußere Machtmittel der Kultus zum Beispiel der römisch-katholischen Kirche erhalten hätte. Aber diejenigen, die denken, würden keinen Sinn mehr verknüpfen mit den Handlungen, die sich da vollziehen. Sie würden sie als äußerliche Dinge empfinden, wie in einer gewissen Zeit als äußerliche Dinge empfunden worden sind die Zeremonien, welche die alten Germanen gegenüber ihrem Odin und so weiter vollzogen haben. Das würde der Erdenentwickelung ihren Sinn nehmen, denn diese Erdenentwickelung kann ihren Sinn nur haben durch die Wirkung des Mysteriums von Golgatha.

[ 10 ] Ich möchte das so aussprechen, wie ich es oftmals ausgesprochen habe. Nehmen wir an, hier auf diese Erde herunter käme ein Marsbewohner, der nichts von der Erde erfahren hätte, weil unter den Marsbewohnern ja nichts erlebt worden wäre von den Erdenverhältnissen, und er sähe alles dasjenige, was auf der Erde hier vorhanden ist. Er würde es ziemlich unverständlich finden. In dem Augenblick aber, wo er ein Nachbild sehen würde des Leonardoschen «Abendmahles» und betrachten würde, was da dargestellt worden ist, würde er mit dem Erdenleben einen Sinn verbinden können. Gerade dieses möchte ich oftmals erwähnen aus dem Grunde, weil in diesem Bilde in einer besonders ausdrucksvollen Darstellung alles dasjenige, was zum Mysterium von Golgatha gehört, tatsächlich von einer universellen Bedeutung ist, einer solchen Bedeutung, daß man durch das richtige Verständnis davon den Sinn des Erdenlebens erfaßt. Aber man braucht eben erst die Begriffe, die Ideen, um dasjenige, was Tatsache ist, zu verstehen. Diese Begriffe und Ideen fehlen der heutigen äußeren Bildung. Sie müssen wiederum gewußt werden. Sie müssen aus dem Inneren der Menschen wiederum heraus leben; und sie sind so verschwunden, daß wir heute nicht ersehnen sollen eine Renaissance alter Ideen. Das würde der heutigen Menschheit nicht helfen. Wir brauchen keine Renaissance, wir brauchen eine Naissance, wir brauchen eine völlige Neugeburt des geistigen Lebens, nicht ein Heraufheben des Alten, sondern ein Geborenwerden eines Neuen brauchen wir.

[ 10 ] Ich möchte das so aussprechen, wie ich es oftmals ausgesprochen habe. Nehmen wir an, hier auf diese Erde herunter käme ein Marsbewohner, der nichts von der Erde erfahren hätte, weil unter den Marsbewohnern ja nichts erlebt worden wäre von den Erdenverhältnissen, und er sähe alles dasjenige, was auf der Erde hier vorhanden ist. Er würde es ziemlich unverständlich finden. In dem Augenblick aber, wo er ein Nachbild sehen würde des Leonardoschen «Abendmahles» und betrachten würde, was da dargestellt worden ist, würde er mit dem Erdenleben einen Sinn verbinden können. Gerade dieses möchte ich oftmals erwähnen aus dem Grunde, weil in diesem Bilde in einer besonders ausdrucksvollen Darstellung alles dasjenige, was zum Mysterium von Golgatha gehört, tatsächlich von einer universellen Bedeutung ist, einer solchen Bedeutung, daß man durch das richtige Verständnis davon den Sinn des Erdenlebens erfaßt. Aber man braucht eben erst die Begriffe, die Ideen, um dasjenige, was Tatsache ist, zu verstehen. Diese Begriffe und Ideen fehlen der heutigen äußeren Bildung. Sie müssen wiederum gewußt werden. Sie müssen aus dem Inneren der Menschen wiederum heraus leben; und sie sind so verschwunden, daß wir heute nicht ersehnen sollen eine Renaissance alter Ideen. Das würde der heutigen Menschheit nicht helfen. Wir brauchen keine Renaissance, wir brauchen eine Naissance, wir brauchen eine völlige Neugeburt des geistigen Lebens, nicht ein Heraufheben des Alten, sondern ein Geborenwerden eines Neuen brauchen wir.

[ 11 ] Demgegenüber darf die hier gemeinte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft auf ihre eigentlichen Grundlagen verweisen. Was ist denn die Grundlage dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft? Betrachten wir die Welt ringsherum. Wir sehen sie sich entwickeln im mineralischen, im pflanzlichen, im tierischen Reiche. Die Naturwissenschaft hat in der neueren Zeit manches hervorgebracht über das, was vorgeht bei der Entwickelung des tierischen, des pflanzlichen und des mineralischen Reiches. Sie wird auch weiterhin manches hervorbringen, was Aufklärung schafft über die Evolution des Mineralischen, des Pflanzlichen, des Tierischen. Über den Menschen hat diese Naturwissenschaft nichts Sonderliches hervorgebracht. Denn gehen Sie wirklich ein auf das, was die Naturwissenschaft über den Menschen aus einer Beschreibung seiner Anatomie, seiner Physiologie und so weiter hervorgebracht hat, so werden Sie finden, daß diese Naturwissenschaft eigentlich nur das vom Menschen betrachtet, was ihn als letztes Glied der Tierreihe erscheinen läßt. Sie tut als Naturwissenschaft ganz recht, aber sie betrachtet eben dadurch nur dasjenige, was ihn als höchstes Glied der Tierreihe, gewissermaßen als vollkommenstes Tier erscheinen läßt. Nichts aber betrachtet diese Naturwissenschaft, was uns den Menschen eigentlich als Menschen erscheinen läßt, was ihn heraushebt aus den anderen ihn umgebenden Reichen des Weltenalls. Unsere Geisteswissenschaft, sie beschäftigt sich wahrhaftig nicht in dilettantischer, sondern in gewissenhaft forschender Weise mit einer Vertiefung desjenigen, was die Naturwissenschaft über das Mineralische, über das Pflanzliche, über das Tierische zu sagen hat. Und würden die Menschen der Gegenwart nur etwas hinhorchen auf das, was Anthroposophie zu sagen hat, dann würden sie nicht meinen, daß diese Anthroposophie eine Sektensache sei, daß sie etwas sei, was durch die Vorliebe einiger «Tanten» gepflegt wird, sondern sie würden sehen, daß sie noch etwas ganz anderes ist, daß sie an Strenge der Wissenschaftlichkeit und des Forschens es voll aufnehmen kann mit den Methoden naturwissenschaftlicher Anschauung, und daß dasjenige, was sie hervorbringt, nur eben reicher ist als das, was die äußere Naturwissenschaft gibt.

[ 11 ] Demgegenüber darf die hier gemeinte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft auf ihre eigentlichen Grundlagen verweisen. Was ist denn die Grundlage dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft? Betrachten wir die Welt ringsherum. Wir sehen sie sich entwickeln im mineralischen, im pflanzlichen, im tierischen Reiche. Die Naturwissenschaft hat in der neueren Zeit manches hervorgebracht über das, was vorgeht bei der Entwickelung des tierischen, des pflanzlichen und des mineralischen Reiches. Sie wird auch weiterhin manches hervorbringen, was Aufklärung schafft über die Evolution des Mineralischen, des Pflanzlichen, des Tierischen. Über den Menschen hat diese Naturwissenschaft nichts Sonderliches hervorgebracht. Denn gehen Sie wirklich ein auf das, was die Naturwissenschaft über den Menschen aus einer Beschreibung seiner Anatomie, seiner Physiologie und so weiter hervorgebracht hat, so werden Sie finden, daß diese Naturwissenschaft eigentlich nur das vom Menschen betrachtet, was ihn als letztes Glied der Tierreihe erscheinen läßt. Sie tut als Naturwissenschaft ganz recht, aber sie betrachtet eben dadurch nur dasjenige, was ihn als höchstes Glied der Tierreihe, gewissermaßen als vollkommenstes Tier erscheinen läßt. Nichts aber betrachtet diese Naturwissenschaft, was uns den Menschen eigentlich als Menschen erscheinen läßt, was ihn heraushebt aus den anderen ihn umgebenden Reichen des Weltenalls. Unsere Geisteswissenschaft, sie beschäftigt sich wahrhaftig nicht in dilettantischer, sondern in gewissenhaft forschender Weise mit einer Vertiefung desjenigen, was die Naturwissenschaft über das Mineralische, über das Pflanzliche, über das Tierische zu sagen hat. Und würden die Menschen der Gegenwart nur etwas hinhorchen auf das, was Anthroposophie zu sagen hat, dann würden sie nicht meinen, daß diese Anthroposophie eine Sektensache sei, daß sie etwas sei, was durch die Vorliebe einiger «Tanten» gepflegt wird, sondern sie würden sehen, daß sie noch etwas ganz anderes ist, daß sie an Strenge der Wissenschaftlichkeit und des Forschens es voll aufnehmen kann mit den Methoden naturwissenschaftlicher Anschauung, und daß dasjenige, was sie hervorbringt, nur eben reicher ist als das, was die äußere Naturwissenschaft gibt.

[ 12 ] Ist es denn nicht eigentlich läppisch, wenn von seiten der Naturwissenschaft die Anthroposophie bekämpft wird? Die Anthroposophie nimmt ja der Naturwissenschaft gar nichts. Sie stellt sich vor diese Naturwissenschaft hin und sagt: Ja, Ihr habt recht auf dem Gebiete, das Ihr erforscht. — Sie fügt nur dasjenige hinzu, was sie dann erforscht über das mineralische, über das pflanzliche, über das tierische Reich. Und wer hat denn ein Recht, hinwegzuleugnen das, was er selbst noch nicht erforscht hat, wenn man ihm nicht bestreitet, was er erforscht hat! Man kann sich eigentlich keine stärkere Tyrannis denken als diejenige, die da ausgeübt wird gegenüber dem, was man selber nicht erforscht hat und nicht erforschen will. Aber wohin kommt denn anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, indem sie in ihrer Methode Mineralisches, Pflanzliches und Tierisches erforscht? Sie kommt dazu, einzusehen, daß das, was man durch die naturwissenschaftliche Methode, was man durch die Beobachtung der äußeren Sinneswelt finden kann, gewiß auf die Erkenntnis des Menschen auch angewendet werden kann, aber nur so, daß es uns dasjenige in Begriffen erklärt, was im Menschen abstirbt: wie der Mensch stirbt, wie er schon anfängt zu sterben, wenn er geboren wird, wie er in absteigender Entwickelung ist. Wollen Sie das begreifen, was bei der Geburt beginnt an Verdorren des Menschen, was beim Tode eben in einem Augenblick zu Ende geht, wollen Sie diese ganze absteigende Entwickelung studieren, dann schauen Sie in die Natur, dann erforschen Sie alle Naturgesetze. Und wenn Sie alle Naturgesetze erforscht haben und sie anwenden auf den Menschen, dann bekommen Sie die Sterbegesetze des Menschen, dann bekommen Sie dasjenige, was am Menschen abstirbt (weiß).

[ 12 ] Ist es denn nicht eigentlich läppisch, wenn von seiten der Naturwissenschaft die Anthroposophie bekämpft wird? Die Anthroposophie nimmt ja der Naturwissenschaft gar nichts. Sie stellt sich vor diese Naturwissenschaft hin und sagt: Ja, Ihr habt recht auf dem Gebiete, das Ihr erforscht. — Sie fügt nur dasjenige hinzu, was sie dann erforscht über das mineralische, über das pflanzliche, über das tierische Reich. Und wer hat denn ein Recht, hinwegzuleugnen das, was er selbst noch nicht erforscht hat, wenn man ihm nicht bestreitet, was er erforscht hat! Man kann sich eigentlich keine stärkere Tyrannis denken als diejenige, die da ausgeübt wird gegenüber dem, was man selber nicht erforscht hat und nicht erforschen will. Aber wohin kommt denn anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, indem sie in ihrer Methode Mineralisches, Pflanzliches und Tierisches erforscht? Sie kommt dazu, einzusehen, daß das, was man durch die naturwissenschaftliche Methode, was man durch die Beobachtung der äußeren Sinneswelt finden kann, gewiß auf die Erkenntnis des Menschen auch angewendet werden kann, aber nur so, daß es uns dasjenige in Begriffen erklärt, was im Menschen abstirbt: wie der Mensch stirbt, wie er schon anfängt zu sterben, wenn er geboren wird, wie er in absteigender Entwickelung ist. Wollen Sie das begreifen, was bei der Geburt beginnt an Verdorren des Menschen, was beim Tode eben in einem Augenblick zu Ende geht, wollen Sie diese ganze absteigende Entwickelung studieren, dann schauen Sie in die Natur, dann erforschen Sie alle Naturgesetze. Und wenn Sie alle Naturgesetze erforscht haben und sie anwenden auf den Menschen, dann bekommen Sie die Sterbegesetze des Menschen, dann bekommen Sie dasjenige, was am Menschen abstirbt (weiß).

Diagram 1Diagram 1

[ 13 ] Nun muß demgegenüber gesagt werden, daß in dem Augenblicke, wo das Geborenwerden stattfindet, nicht nur ein Absterben da ist, sondern auch ein Aufsteigen (rot). Diese aufsteigende Entwickelung können Sie nicht finden durch die heutige naturwissenschaftliche Betrachtung, wenn Sie diese auch noch so sehr zum Ideal hin gestaltet haben. Das, was da wiederum belebt wird im Menschen, was immerfort einfach neben diesem Absterben da ist, das läßt sich nicht begreifen aus dem Sinnlichen heraus, das läßt sich nur begreifen aus dem Übersinnlichen heraus. Anthroposophie muß die Erkenntnis des Übersinnlichen hinzufügen zu dem Sinnlichen, damit der Mensch überhaupt begriffen werden könne. Sie sehen daraus, daß, wenn man überhaupt den Menschen kennenlernen will, man notwendig hat zu appellieren an die Wissenschaft des Übersinnlichen. Man bekommt eigentlich den Menschen nur als sterbliches Wesen, wenn man auf das Sinnliche hinschaut. Die christlichen Religionsbekenntnisse, die sich niemals um wirkliche Erkenntnisse bekümmert haben, haben heraufkommen sehen die Naturwissenschaft, die sich mit dem sterblichen Menschen beschäftigt; also beschäftigen sie sich, wie ich gestern schon angedeutet habe, mit dem Unsterblichen, mit dem, was nicht stirbt, stellen es vor den Seelenegoismus des Menschen hin.

[ 13 ] Nun muß demgegenüber gesagt werden, daß in dem Augenblicke, wo das Geborenwerden stattfindet, nicht nur ein Absterben da ist, sondern auch ein Aufsteigen (rot). Diese aufsteigende Entwickelung können Sie nicht finden durch die heutige naturwissenschaftliche Betrachtung, wenn Sie diese auch noch so sehr zum Ideal hin gestaltet haben. Das, was da wiederum belebt wird im Menschen, was immerfort einfach neben diesem Absterben da ist, das läßt sich nicht begreifen aus dem Sinnlichen heraus, das läßt sich nur begreifen aus dem Übersinnlichen heraus. Anthroposophie muß die Erkenntnis des Übersinnlichen hinzufügen zu dem Sinnlichen, damit der Mensch überhaupt begriffen werden könne. Sie sehen daraus, daß, wenn man überhaupt den Menschen kennenlernen will, man notwendig hat zu appellieren an die Wissenschaft des Übersinnlichen. Man bekommt eigentlich den Menschen nur als sterbliches Wesen, wenn man auf das Sinnliche hinschaut. Die christlichen Religionsbekenntnisse, die sich niemals um wirkliche Erkenntnisse bekümmert haben, haben heraufkommen sehen die Naturwissenschaft, die sich mit dem sterblichen Menschen beschäftigt; also beschäftigen sie sich, wie ich gestern schon angedeutet habe, mit dem Unsterblichen, mit dem, was nicht stirbt, stellen es vor den Seelenegoismus des Menschen hin.

[ 14 ] Anders wird die Sache, wenn man sich mit dem, was ein Aufstieg, eine Evolution ist, befaßt, mit dem, was wird und wird und immer mehr und mehr wird von der Geburt des Menschen ab und was seinen Kulminationspunkt auf der Erde erlangt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Da muß man, weil man eben da appellieren muß nicht an das Gefühl, nicht an den Glauben, sondern an die Erkenntnis, von dem Nichtgeborenwerdenden sprechen, von dem Ungeburtlichen, ein Wort, von dem ich öfters gesagt habe, daß es in unseren Sprachschatz allmählich hineinkommen muß. Geradeso wie das Wort «unsterblich», so muß auch das Wort «ungeburtlich» in den Sprachschatz der neueren Menschen hineinkommen, denn wir werden in bezug auf unser höheres Wesen ebensowenig geboren, wie wir in bezug auf dieses höhere Wesen sterben. Aber die traditionellen Religionsbekenntnisse haben sich nur um das bekümmert, was Sinneswissenschaft ist. Das Sterben negieren sie durch ein bloßes Wort, durch bloße Hoffnungen und durch bloßen Glauben. Sie weisen nicht auf das hin, was spirituell erkannt werden kann; sie verpönen das, was spirituell, durch übersinnliche Methode und Forschungsweise erkannt werden kann.

[ 14 ] Anders wird die Sache, wenn man sich mit dem, was ein Aufstieg, eine Evolution ist, befaßt, mit dem, was wird und wird und immer mehr und mehr wird von der Geburt des Menschen ab und was seinen Kulminationspunkt auf der Erde erlangt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Da muß man, weil man eben da appellieren muß nicht an das Gefühl, nicht an den Glauben, sondern an die Erkenntnis, von dem Nichtgeborenwerdenden sprechen, von dem Ungeburtlichen, ein Wort, von dem ich öfters gesagt habe, daß es in unseren Sprachschatz allmählich hineinkommen muß. Geradeso wie das Wort «unsterblich», so muß auch das Wort «ungeburtlich» in den Sprachschatz der neueren Menschen hineinkommen, denn wir werden in bezug auf unser höheres Wesen ebensowenig geboren, wie wir in bezug auf dieses höhere Wesen sterben. Aber die traditionellen Religionsbekenntnisse haben sich nur um das bekümmert, was Sinneswissenschaft ist. Das Sterben negieren sie durch ein bloßes Wort, durch bloße Hoffnungen und durch bloßen Glauben. Sie weisen nicht auf das hin, was spirituell erkannt werden kann; sie verpönen das, was spirituell, durch übersinnliche Methode und Forschungsweise erkannt werden kann.

[ 15 ] Das ist im wesentlichen eine Charakteristik desjenigen, was wir hier nennen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Sie ist im wesentlichen darauf angewiesen, hinaufzusteigen zu dem Übersinnlichen. Indem sie aber wiederum hinaufsteigt zu dem Übersinnlichen, bringt sie der Menschheit etwas, was wesensverwandt ist mit der alten Mysterienweisheit, was daher wieder führen kann zu einem Verständnis auch des Mysteriums von Golgatha. Daher sind wir aus dem ganzen Gang der Entwickelung der Gegenwart heraus darauf angewiesen, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zu suchen, um die Anschauungen des Mysteriums von Golgatha nicht überhaupt verschwinden zu lassen.

[ 15 ] Das ist im wesentlichen eine Charakteristik desjenigen, was wir hier nennen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Sie ist im wesentlichen darauf angewiesen, hinaufzusteigen zu dem Übersinnlichen. Indem sie aber wiederum hinaufsteigt zu dem Übersinnlichen, bringt sie der Menschheit etwas, was wesensverwandt ist mit der alten Mysterienweisheit, was daher wieder führen kann zu einem Verständnis auch des Mysteriums von Golgatha. Daher sind wir aus dem ganzen Gang der Entwickelung der Gegenwart heraus darauf angewiesen, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zu suchen, um die Anschauungen des Mysteriums von Golgatha nicht überhaupt verschwinden zu lassen.

[ 16 ] Lassen Sie dasjenige, was heute an unseren Universitäten als Naturwissenschaft betrieben wird, noch so sehr seinen Idealen sich nähern, das kann das Verschwinden des Mysteriums von Golgatha nicht aufhalten. Lassen Sie dasjenige, was sich als Geschichte entwickelt, noch so sehr sein Ideal erreichen, das kann nicht aufhalten das Verschwinden des Mysteriums von Golgatha. Und man kann eigentlich sagen, für denjenigen, der hineinschaut in das, was heute in unserer öffentlichen Bildung waltet, für den zeigt sich ganz klar: Alles tendiert darauf hin, das Verständnis für das Mysterium von Golgatha verschwinden zu machen. Die traditionellen Religionsbekenntnisse werden dieses Verschwinden niemals aufhalten können, denn sie bewahren ja nur die Worthülsen desjenigen, was ehemals einen Sinn gehabt hat, was aber heute für den Menschenverstand keinen Sinn mehr haben kann, wenn es nicht neuerlich gefunden wird durch eine bewußt angewendete geistige Forschung. Daraus aber ersehen Sie, wie innig verbunden ist der Weiterlauf des Verständnisses des Mysteriums von Golgatha mit der Entwickelung einer wahren geistigen Erkenntnis. Man würde solche Dinge nicht sagen, wenn sie sich nicht aufdrängten als etwas, das notwendig von der Gegenwart begriffen werden muß. Würde man nur, ich möchte sagen, aus irgendeiner subjektiven Wißbegierde nach dem Übersinnlichen hin diese Geisteswissenschaft ausbilden, man käme sich viel zu unbescheiden vor, wenn man sagen möchte, daß von der Belebung dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft abhängt der Fortgang, das Verständnis des Christentums. Nur weil sich diese Tatsache so unbedingt aufdrängt, weil man ihr nicht entkommen kann, wenn man einen wirklichen Sinn hat für das, was geschieht, deshalb spricht man es aus und scheut sich nicht davor, von denjenigen Menschen, die nicht auf den Ernst der Zeit hinschauen möchten, unbescheiden und vielleicht phantastisch gescholten zu werden.

[ 16 ] Lassen Sie dasjenige, was heute an unseren Universitäten als Naturwissenschaft betrieben wird, noch so sehr seinen Idealen sich nähern, das kann das Verschwinden des Mysteriums von Golgatha nicht aufhalten. Lassen Sie dasjenige, was sich als Geschichte entwickelt, noch so sehr sein Ideal erreichen, das kann nicht aufhalten das Verschwinden des Mysteriums von Golgatha. Und man kann eigentlich sagen, für denjenigen, der hineinschaut in das, was heute in unserer öffentlichen Bildung waltet, für den zeigt sich ganz klar: Alles tendiert darauf hin, das Verständnis für das Mysterium von Golgatha verschwinden zu machen. Die traditionellen Religionsbekenntnisse werden dieses Verschwinden niemals aufhalten können, denn sie bewahren ja nur die Worthülsen desjenigen, was ehemals einen Sinn gehabt hat, was aber heute für den Menschenverstand keinen Sinn mehr haben kann, wenn es nicht neuerlich gefunden wird durch eine bewußt angewendete geistige Forschung. Daraus aber ersehen Sie, wie innig verbunden ist der Weiterlauf des Verständnisses des Mysteriums von Golgatha mit der Entwickelung einer wahren geistigen Erkenntnis. Man würde solche Dinge nicht sagen, wenn sie sich nicht aufdrängten als etwas, das notwendig von der Gegenwart begriffen werden muß. Würde man nur, ich möchte sagen, aus irgendeiner subjektiven Wißbegierde nach dem Übersinnlichen hin diese Geisteswissenschaft ausbilden, man käme sich viel zu unbescheiden vor, wenn man sagen möchte, daß von der Belebung dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft abhängt der Fortgang, das Verständnis des Christentums. Nur weil sich diese Tatsache so unbedingt aufdrängt, weil man ihr nicht entkommen kann, wenn man einen wirklichen Sinn hat für das, was geschieht, deshalb spricht man es aus und scheut sich nicht davor, von denjenigen Menschen, die nicht auf den Ernst der Zeit hinschauen möchten, unbescheiden und vielleicht phantastisch gescholten zu werden.

[ 17 ] Die Zeiten sind heute so ernst, daß man nicht anders kann, als an das Tor tiefster Wahrheit zu klopfen, hinter dem liegen diejenigen Wahrheiten, die die Menschheit heute braucht. Die Menschheit des Abendlandes mit ihrem amerikanischen Anhang wird verkommen in Barbarei, wenn das Christus-Verständnis nicht erhalten bleibt. So aber, wie es diese Menschheit gemacht hat, und so, wie sie heute noch gesonnen ist, es fortzumachen, wird das Christus- Verständnis verschwinden. Einzig und allein bei denen, die heute einsehen, daß es notwendig ist, zu einem neuen Geistverständnis zu kommen, zu einem neuen Weg in der Erkenntnis des übersinnlichen Menschen, nur bei denen ist ein wahrer, ein ernster, ein starker Wille vorhanden, das Verständnis des Christus-Mysteriums für die Menschheit zu erhalten. Es wird aber kein soziales Leben geben, so wie es heute aus dumpfen, oftmals perversen Instinkten heraus verstanden wird, wenn das Christus-Verständnis völlig verlorengeht. Denn dieses soziale Leben wird sich doch nur dadurch entwickeln, daß in den Menschengemütern ein Gemeinsames wird leben können. Was kann dieses Gemeinsame nur sein? Dieses Gemeinsame kann nur das sein, was schon Paulus bezeichnet durch das Wort: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» — So viele Menschen werden sagen können: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», so viele Menschen werden sich als Glieder einer Menschheit über die ganze Erde hin ohne Unterschied von Nationalität und anderen Differenzierungen zusammenfinden können in der Begründung des neuen sozialen Lebens.

[ 17 ] Die Zeiten sind heute so ernst, daß man nicht anders kann, als an das Tor tiefster Wahrheit zu klopfen, hinter dem liegen diejenigen Wahrheiten, die die Menschheit heute braucht. Die Menschheit des Abendlandes mit ihrem amerikanischen Anhang wird verkommen in Barbarei, wenn das Christus-Verständnis nicht erhalten bleibt. So aber, wie es diese Menschheit gemacht hat, und so, wie sie heute noch gesonnen ist, es fortzumachen, wird das Christus- Verständnis verschwinden. Einzig und allein bei denen, die heute einsehen, daß es notwendig ist, zu einem neuen Geistverständnis zu kommen, zu einem neuen Weg in der Erkenntnis des übersinnlichen Menschen, nur bei denen ist ein wahrer, ein ernster, ein starker Wille vorhanden, das Verständnis des Christus-Mysteriums für die Menschheit zu erhalten. Es wird aber kein soziales Leben geben, so wie es heute aus dumpfen, oftmals perversen Instinkten heraus verstanden wird, wenn das Christus-Verständnis völlig verlorengeht. Denn dieses soziale Leben wird sich doch nur dadurch entwickeln, daß in den Menschengemütern ein Gemeinsames wird leben können. Was kann dieses Gemeinsame nur sein? Dieses Gemeinsame kann nur das sein, was schon Paulus bezeichnet durch das Wort: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» — So viele Menschen werden sagen können: «Nicht ich, sondern der Christus in mir», so viele Menschen werden sich als Glieder einer Menschheit über die ganze Erde hin ohne Unterschied von Nationalität und anderen Differenzierungen zusammenfinden können in der Begründung des neuen sozialen Lebens.

[ 18 ] Dem sehen wir ja heute vielfach entgegenstreben. Wir sehen die einzelnen Nationen wiederum gewissermaßen die Fahne der Nationalität entfalten. Was ist das Wesen solcher Entfaltung? Ich habe es auch hier schon von gewissen Gesichtspunkten aus charakterisiert. Das Wesen ist die alte Jahve-Religion. Sie bestand darin, daß Jahve der Führer des Volkes war, und zwar der eine Jahve ein Führer des jüdischen Volkes. Heute, indem die Nationen ihre Nationalität voranstellen, kommen sie alle nur bis zu dem Jahve, nur hat jeder seine eigene Gestalt des Jahve. Es kann also nicht der wahre Jahve sein, sondern nur ein Spiegelbild. Eine Gestalt kann sich vielmals spiegeln. Eigentlich ist es doch so, daß die Menschen in der Gegenwart, weil sie verloren haben die alte Mysterienweisheit, die hinweisen konnte auf das Mysterium von Golgatha, alle mehr oder weniger angenommen haben die Jahve-Religion unter der Führung des liberal-weltlichen «Oberrabbiners» Wilson! Er, der vom Trugbilde des «Völkerbundes» gesprochen hat, also von einer Abstraktion an der Stelle des konkreten, durch die Menschengemüter gehenden Christus-Impulses, er hat Glauben gefunden, bis er ihn durch sein eigenes Verhalten, allerdings sehr bald, bei denjenigen, die noch ein wenig denken können, zerstört hat.

[ 18 ] Dem sehen wir ja heute vielfach entgegenstreben. Wir sehen die einzelnen Nationen wiederum gewissermaßen die Fahne der Nationalität entfalten. Was ist das Wesen solcher Entfaltung? Ich habe es auch hier schon von gewissen Gesichtspunkten aus charakterisiert. Das Wesen ist die alte Jahve-Religion. Sie bestand darin, daß Jahve der Führer des Volkes war, und zwar der eine Jahve ein Führer des jüdischen Volkes. Heute, indem die Nationen ihre Nationalität voranstellen, kommen sie alle nur bis zu dem Jahve, nur hat jeder seine eigene Gestalt des Jahve. Es kann also nicht der wahre Jahve sein, sondern nur ein Spiegelbild. Eine Gestalt kann sich vielmals spiegeln. Eigentlich ist es doch so, daß die Menschen in der Gegenwart, weil sie verloren haben die alte Mysterienweisheit, die hinweisen konnte auf das Mysterium von Golgatha, alle mehr oder weniger angenommen haben die Jahve-Religion unter der Führung des liberal-weltlichen «Oberrabbiners» Wilson! Er, der vom Trugbilde des «Völkerbundes» gesprochen hat, also von einer Abstraktion an der Stelle des konkreten, durch die Menschengemüter gehenden Christus-Impulses, er hat Glauben gefunden, bis er ihn durch sein eigenes Verhalten, allerdings sehr bald, bei denjenigen, die noch ein wenig denken können, zerstört hat.

[ 19 ] Auf was es ankommt, ist, daß die Menschen wieder den Weg finden, aus dem jahvetischen Nationalismus heraus zu dem universellen Christus-Erfassen zu kommen, zu demjenigen, was den Menschen nur als Menschen erscheinen läßt, aber ihn dadurch nicht verarmt gegenüber dem Nationalen, sondern ihn gerade bereichert. Das ist nicht anders möglich, als wenn wir uns zunächst den Weg bahnen zu einem Verständnis des Übersinnlichen. Nur wenn wir die Ideen, die Begriffe haben, die ins Übersinnliche hineinführen, können wir auch das Mysterium von Golgatha verstehen, das eben ein Ereignis ist, das mit der übersinnlichen, nicht mit der sinnlichen Welt zu tun hat. Was sich in der sinnlichen Welt zugetragen hat vom Mysterium von Golgatha, ist nur der äußere Abglanz. Was sich wirklich zugetragen hat, begreift keiner, der nur den äußeren Abglanz begreift; das begreift nur der, der seine Gedanken, seine Vorstellungen in die übersinnliche Welt erheben kann. Was begreift man denn, wenn man sich nicht in der neueren Weise zum Übersinnlichen erheben will?

[ 19 ] Auf was es ankommt, ist, daß die Menschen wieder den Weg finden, aus dem jahvetischen Nationalismus heraus zu dem universellen Christus-Erfassen zu kommen, zu demjenigen, was den Menschen nur als Menschen erscheinen läßt, aber ihn dadurch nicht verarmt gegenüber dem Nationalen, sondern ihn gerade bereichert. Das ist nicht anders möglich, als wenn wir uns zunächst den Weg bahnen zu einem Verständnis des Übersinnlichen. Nur wenn wir die Ideen, die Begriffe haben, die ins Übersinnliche hineinführen, können wir auch das Mysterium von Golgatha verstehen, das eben ein Ereignis ist, das mit der übersinnlichen, nicht mit der sinnlichen Welt zu tun hat. Was sich in der sinnlichen Welt zugetragen hat vom Mysterium von Golgatha, ist nur der äußere Abglanz. Was sich wirklich zugetragen hat, begreift keiner, der nur den äußeren Abglanz begreift; das begreift nur der, der seine Gedanken, seine Vorstellungen in die übersinnliche Welt erheben kann. Was begreift man denn, wenn man sich nicht in der neueren Weise zum Übersinnlichen erheben will?

Diagram 2Diagram 2

[ 20 ] Wenn wir uns hier den Erdenanfang denken (siehe Zeichnung), dann begreift man, wenn man sich nur zu dem erhebt, was heute naturwissenschaftlicher Inhalt ist, dasjenige, was erst alte Mysterienweisheit war, dann im Abstieg ist, und was auf seinem Nullpunkt angelangt sein wird im 3. Jahrtausend (O). Wenn wir noch so viel Naturwissenschaft treiben, wir sind im Abendland Barbaren und auch in Amerika Barbaren im 3. Jahrtausend. Wir erfassen dann nur dasjenige, was im Erdenleben stirbt, und wir leben dar nur das, was im Erdenleben stirbt. Wir versuchen dann alles der Beobachtung des Irdischen zu entnehmen, aber wir kommen nur zum Sterblichen. Wir haben nötig, den Punkt zu ergreifen, da das Kreuz auf Golgatha erhöht wird, und zu erfassen dasjenige, was da geschah, was zunächst begriffen wurde noch durch die Reste der alten Mysterienweisheit, das aber schwand nach und nach, das jetzt schon dunkel ist, das neuerdings erhellt werden muß (blau) durch dasjenige, was sich auf dem neuen, auf dem anthroposophischen Weg ergibt als Bahn ins Übersinnliche. Eng hängt gewissermaßen zusammen die Rettung, das Verständnis des Ereignisses von Golgatha mit der anthroposophischen Vertiefung der Menschheit, mit einer neuerlichen wirklichen Erkenntnis des Wesens des Menschen. Deshalb der Name Anthroposophie, das heißt: Weisheit, die entspringt, wenn der Mensch sich in seinem höheren Selbst findet.

[ 20 ] Wenn wir uns hier den Erdenanfang denken (siehe Zeichnung), dann begreift man, wenn man sich nur zu dem erhebt, was heute naturwissenschaftlicher Inhalt ist, dasjenige, was erst alte Mysterienweisheit war, dann im Abstieg ist, und was auf seinem Nullpunkt angelangt sein wird im 3. Jahrtausend (O). Wenn wir noch so viel Naturwissenschaft treiben, wir sind im Abendland Barbaren und auch in Amerika Barbaren im 3. Jahrtausend. Wir erfassen dann nur dasjenige, was im Erdenleben stirbt, und wir leben dar nur das, was im Erdenleben stirbt. Wir versuchen dann alles der Beobachtung des Irdischen zu entnehmen, aber wir kommen nur zum Sterblichen. Wir haben nötig, den Punkt zu ergreifen, da das Kreuz auf Golgatha erhöht wird, und zu erfassen dasjenige, was da geschah, was zunächst begriffen wurde noch durch die Reste der alten Mysterienweisheit, das aber schwand nach und nach, das jetzt schon dunkel ist, das neuerdings erhellt werden muß (blau) durch dasjenige, was sich auf dem neuen, auf dem anthroposophischen Weg ergibt als Bahn ins Übersinnliche. Eng hängt gewissermaßen zusammen die Rettung, das Verständnis des Ereignisses von Golgatha mit der anthroposophischen Vertiefung der Menschheit, mit einer neuerlichen wirklichen Erkenntnis des Wesens des Menschen. Deshalb der Name Anthroposophie, das heißt: Weisheit, die entspringt, wenn der Mensch sich in seinem höheren Selbst findet.

[ 21 ] Man kann eigentlich keinen prägnanteren Namen finden als «Anthroposophie», wenn man dasjenige Wissen bezeichnen will, welches nicht vom Menschen handelt wie die gewöhnliche Geschichte, wie die Anthropologie oder ähnliches. Wenn man aber hinweisen will auf das, was im Menschen weiß: wenn der Mensch nicht durch seine Augen schaut, durch seine Ohren hört, sondern durch sein Seelisch-Geistiges erkennen will, wenn man hinweisen will auf dasjenige, was der höhere Mensch wissen kann, dann muß das nicht als «Wissenschaft vom Menschen», sondern als «Menschenwissenschaft», als Wissenschaft des höheren Menschen, als Anthroposophie bezeichnet werden. Und Anthroposophie ins Makrokosmische umgesetzt, ist Christologie! Was mit dem einzelnen Menschen vorgeht, wenn er sich geeignet erweist, anthroposophische Erkenntnis aufzunehmen, das geht mit der universellen Menschheit vor, wenn sie sich immer mehr dazu entschließt, das Ereignis von Golgatha in seiner wahren spirituellen Wesenheit zu erfassen. Ist es demgegenüber nicht etwas höchst Eigentümliches, daß gerade diejenigen am meisten Sturm laufen gegen dieses klare Bekenntnis zum Mysterium von Golgatha, die vorgeben, von Amts wegen das Mysterium von Golgatha für die Menschen zu interpretieren? — Aber diese Tatsache ist einmal vorhanden und diese Tatsache muß ins Auge gefaßt werden. Man muß hinsehen auf sie, man muß nicht die Augen davor verschließen, sondern man muß gerade, indem man ihr gegenüber die Augen öffnet, Vorstellungen darüber bekommen, wie man sich zu stellen hat zu einem wahrhaft ehrlich gemeinten Fortschritt des Christentums. Mir tönen allerdings noch jene Worte in den Ohren, die einstmals ein berühmter Kirchenfürst, der Kardinal Rauscher, in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gesprochen hat im österreichischen Herrenhaus, indem er sagte: Die Kirche kennt keinen Fortschritt! — Damit ist im Grunde genommen das Programm der Kirche angegeben jenes Programm, von dem ich Ihnen auch gestern eine gewisse Vorstellung geben konnte. Ich glaube, daß auf seiten derjenigen, welche sich mit solchen Dingen wie Heraufkommen von neuen geistigen Ideen befassen, selbst auf seiten derjenigen, die sich mit der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft befassen, viel zu wenig berücksichtigt wird, was es eigentlich heißt, daß die traditionellen religiösen Bekenntnisse Sturm laufen gegen etwas, was einzig den Fortschritt des Christentums fundieren kann. Man weiß eben leider viel zu wenig, daß zum Beispiel ein Verfasser für jedes solches katholische Buch, selbst wenn es über Philosophie und Logik handelt, das Imprimatur des Erzbischofs sich holen muß! Und wenn man es weiß, nimmt man es als eine zufällig aufgelesene Tatsache hin und wird sich der Tragweite davon gar nicht bewußt. Daher beurteilt man auch nicht in der richtigen Weise, was jetzt Sturm läuft gegen die von hier aus inaugurierte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Und deshalb bin ich schon genötigt, Sie immer wieder hinzuweisen auf dasjenige, was von den Feinden der Wahrheit, von den Feinden der heute anzustrebenden Wahrheit immer wieder und wiederum vorgebracht wird.

[ 21 ] Man kann eigentlich keinen prägnanteren Namen finden als «Anthroposophie», wenn man dasjenige Wissen bezeichnen will, welches nicht vom Menschen handelt wie die gewöhnliche Geschichte, wie die Anthropologie oder ähnliches. Wenn man aber hinweisen will auf das, was im Menschen weiß: wenn der Mensch nicht durch seine Augen schaut, durch seine Ohren hört, sondern durch sein Seelisch-Geistiges erkennen will, wenn man hinweisen will auf dasjenige, was der höhere Mensch wissen kann, dann muß das nicht als «Wissenschaft vom Menschen», sondern als «Menschenwissenschaft», als Wissenschaft des höheren Menschen, als Anthroposophie bezeichnet werden. Und Anthroposophie ins Makrokosmische umgesetzt, ist Christologie! Was mit dem einzelnen Menschen vorgeht, wenn er sich geeignet erweist, anthroposophische Erkenntnis aufzunehmen, das geht mit der universellen Menschheit vor, wenn sie sich immer mehr dazu entschließt, das Ereignis von Golgatha in seiner wahren spirituellen Wesenheit zu erfassen. Ist es demgegenüber nicht etwas höchst Eigentümliches, daß gerade diejenigen am meisten Sturm laufen gegen dieses klare Bekenntnis zum Mysterium von Golgatha, die vorgeben, von Amts wegen das Mysterium von Golgatha für die Menschen zu interpretieren? — Aber diese Tatsache ist einmal vorhanden und diese Tatsache muß ins Auge gefaßt werden. Man muß hinsehen auf sie, man muß nicht die Augen davor verschließen, sondern man muß gerade, indem man ihr gegenüber die Augen öffnet, Vorstellungen darüber bekommen, wie man sich zu stellen hat zu einem wahrhaft ehrlich gemeinten Fortschritt des Christentums. Mir tönen allerdings noch jene Worte in den Ohren, die einstmals ein berühmter Kirchenfürst, der Kardinal Rauscher, in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gesprochen hat im österreichischen Herrenhaus, indem er sagte: Die Kirche kennt keinen Fortschritt! — Damit ist im Grunde genommen das Programm der Kirche angegeben jenes Programm, von dem ich Ihnen auch gestern eine gewisse Vorstellung geben konnte. Ich glaube, daß auf seiten derjenigen, welche sich mit solchen Dingen wie Heraufkommen von neuen geistigen Ideen befassen, selbst auf seiten derjenigen, die sich mit der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft befassen, viel zu wenig berücksichtigt wird, was es eigentlich heißt, daß die traditionellen religiösen Bekenntnisse Sturm laufen gegen etwas, was einzig den Fortschritt des Christentums fundieren kann. Man weiß eben leider viel zu wenig, daß zum Beispiel ein Verfasser für jedes solches katholische Buch, selbst wenn es über Philosophie und Logik handelt, das Imprimatur des Erzbischofs sich holen muß! Und wenn man es weiß, nimmt man es als eine zufällig aufgelesene Tatsache hin und wird sich der Tragweite davon gar nicht bewußt. Daher beurteilt man auch nicht in der richtigen Weise, was jetzt Sturm läuft gegen die von hier aus inaugurierte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Und deshalb bin ich schon genötigt, Sie immer wieder hinzuweisen auf dasjenige, was von den Feinden der Wahrheit, von den Feinden der heute anzustrebenden Wahrheit immer wieder und wiederum vorgebracht wird.

[ 22 ] Heute brauche ich Ihnen ja nur ein kleines Pröbchen vorzulesen, aber Sie werden von diesem kleinen Pröbchen wiederum genug haben können, wenn Sie einen Sinn dafür haben, was da eigentlich geschieht, wenn Sie sich auf der einen Seite vorhalten in Ihrem Herzen, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gegenüber dem Christentum ehrlich will, und auf der anderen Seite hinschauen, wie diejenigen, die sich Christen nennen, dieser Geisteswissenschaft begegnen. Hier ist eine Ankündigung der Schrift — sie ist in violettem Umschlag erschienen —, die eine Zusammenfassung der «Spektator»-Artikel ist:

[ 22 ] Heute brauche ich Ihnen ja nur ein kleines Pröbchen vorzulesen, aber Sie werden von diesem kleinen Pröbchen wiederum genug haben können, wenn Sie einen Sinn dafür haben, was da eigentlich geschieht, wenn Sie sich auf der einen Seite vorhalten in Ihrem Herzen, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gegenüber dem Christentum ehrlich will, und auf der anderen Seite hinschauen, wie diejenigen, die sich Christen nennen, dieser Geisteswissenschaft begegnen. Hier ist eine Ankündigung der Schrift — sie ist in violettem Umschlag erschienen —, die eine Zusammenfassung der «Spektator»-Artikel ist:

[ 23 ] (Eingesandt.) «Das Geheimnis von Dornach.» «‹Das Geheimnis von Dornach› wird nun doch endlich nach sechsjähriger Existenz immer gründlicher aufgedeckt durch eine Reihe von katholischen Zeitungen, frühzeitig durch das basellandschaftliche Sonntagsblatt, vor kurzem auch durch das evangelische Schulblatt und die katholische Schweizerschule und mit heute auch noch durch eine Artikelserie des ‹Schweizerischen Protestantenblatt› unter dem Titel: ‹Theo- und Anthroposophie›. So erklärt esu.a.:...». Man kann wirklich das nicht mehr alles lesen, man kann es gar nicht mehr alles bekommen, was da von der Gegenseite aufgefahren wird! «Erst vor wenigen Jahren, 1914, hat sich in Basel von dieser theosophischen Gesellschaft ein anthroposophischer Zweig losgelöst, dessen Haupt und Vertreter Dr. Rudolf Steiner ist, der in Dornach für mehrere Millionen eine theosophische Kultusstätte und eine theosophische, bzw. anthroposophische Hochschule für Mystik und Adepten — so heißt man die Eingeweihten — erbaut hat. Es heißt diese neue Gründung «geheimer Orden des Sternes im Osten», auch Goetheanum, früher Johanneum. Dr. Steiner hat zahlreiche Schriften herausgegeben über diese Sekte, und in Basel hält er von Zeit zu Zeit Propagandavorträge mit (bisher) gutem Zulauf, ebenso in verschiedenen Städten der Schweiz, Deutschlands, Rußlands und Österreichs.»

[ 23 ] (Eingesandt.) «Das Geheimnis von Dornach.» «‹Das Geheimnis von Dornach› wird nun doch endlich nach sechsjähriger Existenz immer gründlicher aufgedeckt durch eine Reihe von katholischen Zeitungen, frühzeitig durch das basellandschaftliche Sonntagsblatt, vor kurzem auch durch das evangelische Schulblatt und die katholische Schweizerschule und mit heute auch noch durch eine Artikelserie des ‹Schweizerischen Protestantenblatt› unter dem Titel: ‹Theo- und Anthroposophie›. So erklärt esu.a.:...». Man kann wirklich das nicht mehr alles lesen, man kann es gar nicht mehr alles bekommen, was da von der Gegenseite aufgefahren wird! «Erst vor wenigen Jahren, 1914, hat sich in Basel von dieser theosophischen Gesellschaft ein anthroposophischer Zweig losgelöst, dessen Haupt und Vertreter Dr. Rudolf Steiner ist, der in Dornach für mehrere Millionen eine theosophische Kultusstätte und eine theosophische, bzw. anthroposophische Hochschule für Mystik und Adepten — so heißt man die Eingeweihten — erbaut hat. Es heißt diese neue Gründung «geheimer Orden des Sternes im Osten», auch Goetheanum, früher Johanneum. Dr. Steiner hat zahlreiche Schriften herausgegeben über diese Sekte, und in Basel hält er von Zeit zu Zeit Propagandavorträge mit (bisher) gutem Zulauf, ebenso in verschiedenen Städten der Schweiz, Deutschlands, Rußlands und Österreichs.»

[ 24 ] Dieses Pröbchen ist wiederum aus einer streng katholischen Zeitung, dem «Basler Volksblatt»! Sie sehen, da werden Dinge in die Welt gesandt, die in so frivoler Weise lügen, daß sie imstande sind, dasjenige, was von Anfang an von mir bekämpft worden ist — der «Stern des Ostens» —, das nun als die Signatur von Dornach hinzustellen. Also es wird in der frivolsten Weise gelogen, indem wir mit dem Namen desjenigen belegt werden, was vom Anfange an als ein Unsinn, als eine Frivolität von uns bekämpft worden ist. Das ist «katholische Wahrhaftigkeit» hier in der Umgebung, denn es scheint schon, daß man es als katholische Wahrhaftigkeit auffaßt, denn gleichzeitig finden Sie eine Mitteilung über die Schildwehr Dorneck-Thierstein. Da heißt es:

[ 24 ] Dieses Pröbchen ist wiederum aus einer streng katholischen Zeitung, dem «Basler Volksblatt»! Sie sehen, da werden Dinge in die Welt gesandt, die in so frivoler Weise lügen, daß sie imstande sind, dasjenige, was von Anfang an von mir bekämpft worden ist — der «Stern des Ostens» —, das nun als die Signatur von Dornach hinzustellen. Also es wird in der frivolsten Weise gelogen, indem wir mit dem Namen desjenigen belegt werden, was vom Anfange an als ein Unsinn, als eine Frivolität von uns bekämpft worden ist. Das ist «katholische Wahrhaftigkeit» hier in der Umgebung, denn es scheint schon, daß man es als katholische Wahrhaftigkeit auffaßt, denn gleichzeitig finden Sie eine Mitteilung über die Schildwehr Dorneck-Thierstein. Da heißt es:

[ 25 ] «Aus der Umgebung. Schildwehr Dorneck-Thierstein (Eing.) Die am 27. Juni 1920 in Grellingen tagende Generalversammlung der Schildwehr Dorneck-Thierstein hatte nun bewiesen, daß alle die ihr früher entgegengehaltenen pessimistischen «Aber und Wenn: bei uns im Schwarzbubenlande noch nicht am Platze sind. Welch freudige Überraschung ging durch den Saal, als Hochw. Herr Pfarrer und Redaktor M. Arnet...». Dr. Boos hat ihn hier einen Lügner und geistigen Giftmischer genannt. Ich weiß nicht, ob auf diese Aussage des Herrn Dr. Boos — von hier, von dieser Stelle aus —, die schon vor einiger Zeit geschah, von jener Seite etwas unternommen worden ist. Ist etwas erfolgt? [Einwurf Dr. Boos: Nein, nichts!] Es ist also noch nichts erfolgt, obschon der Pfarrer Arnet von Reinach hier von dieser Stelle aus ein Lügner und geistiger Giftmischer genannt worden ist. — Und nun also weiter: «Welch freudige Überraschung ging durch den Saal, als Hochw. Herr Pfarrer und Redaktor M. Arnet aus Reinach und Hochw. Hr. Pfarrer Hauß aus Münchenstein miteinem Fähnlein von Schildwächtern in unsere Mitte traten. Noch größer war die Begeisterung, als Hochw. Herr Superior aus dem Kloster Mariastein P. Gallus Jecker im schlichten Benediktinergewande erschien», und so weiter, nun kommt das Folgende: «Hochw. Hr. Pfarrer Arnet aus Reinach erhielt das Wort zu seinem Referate. In kurzen und markigen Sätzen, als echter Schildwächter, schilderte er uns in Hauptzügen die Stürme, die die kathol. Kirche durch alle Jahrhunderte hindurch zu bestehen hatte. Aber immer und immer traten wieder Männer auf, vom hl. Geiste erleuchtet und gestärkt, die den Kampf gegen Unwahrheit und Unglaube aufnahmen, so daß die kathol. Kirche schließlich immer wieder den Endsieg errang.»

[ 25 ] «Aus der Umgebung. Schildwehr Dorneck-Thierstein (Eing.) Die am 27. Juni 1920 in Grellingen tagende Generalversammlung der Schildwehr Dorneck-Thierstein hatte nun bewiesen, daß alle die ihr früher entgegengehaltenen pessimistischen «Aber und Wenn: bei uns im Schwarzbubenlande noch nicht am Platze sind. Welch freudige Überraschung ging durch den Saal, als Hochw. Herr Pfarrer und Redaktor M. Arnet...». Dr. Boos hat ihn hier einen Lügner und geistigen Giftmischer genannt. Ich weiß nicht, ob auf diese Aussage des Herrn Dr. Boos — von hier, von dieser Stelle aus —, die schon vor einiger Zeit geschah, von jener Seite etwas unternommen worden ist. Ist etwas erfolgt? [Einwurf Dr. Boos: Nein, nichts!] Es ist also noch nichts erfolgt, obschon der Pfarrer Arnet von Reinach hier von dieser Stelle aus ein Lügner und geistiger Giftmischer genannt worden ist. — Und nun also weiter: «Welch freudige Überraschung ging durch den Saal, als Hochw. Herr Pfarrer und Redaktor M. Arnet aus Reinach und Hochw. Hr. Pfarrer Hauß aus Münchenstein miteinem Fähnlein von Schildwächtern in unsere Mitte traten. Noch größer war die Begeisterung, als Hochw. Herr Superior aus dem Kloster Mariastein P. Gallus Jecker im schlichten Benediktinergewande erschien», und so weiter, nun kommt das Folgende: «Hochw. Hr. Pfarrer Arnet aus Reinach erhielt das Wort zu seinem Referate. In kurzen und markigen Sätzen, als echter Schildwächter, schilderte er uns in Hauptzügen die Stürme, die die kathol. Kirche durch alle Jahrhunderte hindurch zu bestehen hatte. Aber immer und immer traten wieder Männer auf, vom hl. Geiste erleuchtet und gestärkt, die den Kampf gegen Unwahrheit und Unglaube aufnahmen, so daß die kathol. Kirche schließlich immer wieder den Endsieg errang.»

[ 26 ] So wird hier der «Kampf gegen Unwahrheit aufgenommen», daß in der frivolsten Weise das Gegenteil von dem gelogen wird, was Tatsache ist! Dann redet man in solchen Phrasen: «Nachdem der Referent die Theosophenfrage kurz besprochen hatte, wies er hauptsächlich darauf hin, daß unser kathol. Volk mehr katholische Lektüre statt Romane aller Art studieren sollte.» Dann geht es noch weiter: «Hochw. Hr. Pfarrer Hauß sprach mit überzeugender Schärfe anhand von Beispielen über die Notwendigkeit der Schildwehrgruppen. Warm und ideal begrüßte Hochw. Hr. P. Gallus O. S. B. das Erwachen des kathol. Jungvolkes. Jedes Dorf sollte einen Bannwald begeisterter Katholiken, Jung und Alt, besitzen, um das Dorf, die Gemeinde vor diesen fürchterlichen Lawinen des Unglaubens zu schützen. In Sachen Theosophie wies Rumpel auf die Katholikentagung der Nordwestschweiz in Dornach hin. Er war der Ansicht, daß dieser Tag geradezu geeignet wäre, um die antitheosophische Bewegung, die nicht nur auf katholischer, sondern auch auf protestantischer Seite im Werden ist, zu fundamentieren, damit recht bald das ganze christlich denkende Schweizervolk wirksam beeinflußt werden kann. Die Agitationszentrale Dornach muß unter allen Umständen bekämpft werden. Vom Jahresprogramm der Schildwehr Dorneck-Thierstein seien kurz die Hauptpunkte erwähnt: Förderung der katholischen Presse» — dieser katholischen Presse, die solche Pröbchen liefert! — «durch Einzelarbeit in den Gemeinden, hauptsächlich am Quartalwechsel. Kräftige Unterstützung des Kampfes gegen die Steinersche 'Theosophie, Kampf dem Materialismus, der Verjudung von Presse und Literatur, dem Sozialismus und Liberalismus. Beförderung des Missionswesens. Unterstützung der katholischen Schulfrage (Wahl kath. Lehrer usw.). Kampf gegen den staatsbürgerlichen Unterricht. Beseitigung der Feuerwehrproben an Sonntagen» und so weiter.

[ 26 ] So wird hier der «Kampf gegen Unwahrheit aufgenommen», daß in der frivolsten Weise das Gegenteil von dem gelogen wird, was Tatsache ist! Dann redet man in solchen Phrasen: «Nachdem der Referent die Theosophenfrage kurz besprochen hatte, wies er hauptsächlich darauf hin, daß unser kathol. Volk mehr katholische Lektüre statt Romane aller Art studieren sollte.» Dann geht es noch weiter: «Hochw. Hr. Pfarrer Hauß sprach mit überzeugender Schärfe anhand von Beispielen über die Notwendigkeit der Schildwehrgruppen. Warm und ideal begrüßte Hochw. Hr. P. Gallus O. S. B. das Erwachen des kathol. Jungvolkes. Jedes Dorf sollte einen Bannwald begeisterter Katholiken, Jung und Alt, besitzen, um das Dorf, die Gemeinde vor diesen fürchterlichen Lawinen des Unglaubens zu schützen. In Sachen Theosophie wies Rumpel auf die Katholikentagung der Nordwestschweiz in Dornach hin. Er war der Ansicht, daß dieser Tag geradezu geeignet wäre, um die antitheosophische Bewegung, die nicht nur auf katholischer, sondern auch auf protestantischer Seite im Werden ist, zu fundamentieren, damit recht bald das ganze christlich denkende Schweizervolk wirksam beeinflußt werden kann. Die Agitationszentrale Dornach muß unter allen Umständen bekämpft werden. Vom Jahresprogramm der Schildwehr Dorneck-Thierstein seien kurz die Hauptpunkte erwähnt: Förderung der katholischen Presse» — dieser katholischen Presse, die solche Pröbchen liefert! — «durch Einzelarbeit in den Gemeinden, hauptsächlich am Quartalwechsel. Kräftige Unterstützung des Kampfes gegen die Steinersche 'Theosophie, Kampf dem Materialismus, der Verjudung von Presse und Literatur, dem Sozialismus und Liberalismus. Beförderung des Missionswesens. Unterstützung der katholischen Schulfrage (Wahl kath. Lehrer usw.). Kampf gegen den staatsbürgerlichen Unterricht. Beseitigung der Feuerwehrproben an Sonntagen» und so weiter.

[ 27 ] Sie sehen, was hier «Wahrheit» genannt wird! — Aber die Sache versteckt sich ja in allerlei Masken. Sie finden gleichzeitig hier einen Bericht aus Arlesheim von irgendeiner Versammlung, wo es heißt: «Auch kann es [das Schul- und Gemeindehaus] in anderer Art fortfahren, Kulturzwecken zu dienen, indem es Arlesheims beide größten Volksbibliotheken, diejenige des Verkehrsvereins und des katholischen Volksvereins, beherbergen soll. Endlich will es auch noch der Wohnungsnot etwas steuern helfen und ein Logis mehr als bisher bieten. Ob es sich wohl träumte, daß es mit der Logisvermehrung einst einer «geheimnisvollen» ausländischen Überfremdung vom Dornacher Hügel her nachgeben sollte. Bürger und Einwohner von Arlesheim werden drum auch in der kommenden Gemeindeversammlung zum Rechten sehen, wie einst bei Verweigerung einer gewissen Bausubvention an die Anthroposophen» und so weiter.

[ 27 ] Sie sehen, was hier «Wahrheit» genannt wird! — Aber die Sache versteckt sich ja in allerlei Masken. Sie finden gleichzeitig hier einen Bericht aus Arlesheim von irgendeiner Versammlung, wo es heißt: «Auch kann es [das Schul- und Gemeindehaus] in anderer Art fortfahren, Kulturzwecken zu dienen, indem es Arlesheims beide größten Volksbibliotheken, diejenige des Verkehrsvereins und des katholischen Volksvereins, beherbergen soll. Endlich will es auch noch der Wohnungsnot etwas steuern helfen und ein Logis mehr als bisher bieten. Ob es sich wohl träumte, daß es mit der Logisvermehrung einst einer «geheimnisvollen» ausländischen Überfremdung vom Dornacher Hügel her nachgeben sollte. Bürger und Einwohner von Arlesheim werden drum auch in der kommenden Gemeindeversammlung zum Rechten sehen, wie einst bei Verweigerung einer gewissen Bausubvention an die Anthroposophen» und so weiter.

[ 28 ] Nun, im Grunde genommen schildert man, indem man solche Beispiele anführt, doch nur die «Wahrhaftigkeit» eines größten Teiles der gegenwärtigen Menschheit, denn schließlich sind das die Führer, und um gar so viel besser als die Führer sind manchmal die Geführten auch nicht. Sie sind ja meistens doch, wenn die Führer so sind, erheblich besser. Aber da sie eben doch geführt sein wollen, so kann, selbst wenn sie besser sind, nichts Besonderes dabei herauskommen.

[ 28 ] Nun, im Grunde genommen schildert man, indem man solche Beispiele anführt, doch nur die «Wahrhaftigkeit» eines größten Teiles der gegenwärtigen Menschheit, denn schließlich sind das die Führer, und um gar so viel besser als die Führer sind manchmal die Geführten auch nicht. Sie sind ja meistens doch, wenn die Führer so sind, erheblich besser. Aber da sie eben doch geführt sein wollen, so kann, selbst wenn sie besser sind, nichts Besonderes dabei herauskommen.

[ 29 ] Leider muß es ja immer wiederum gegen den eigenen Willen sein, daß man solche Sachen hier erwähnt. Aber es muß schon immer wieder auf der einen Seite hingestellt werden, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gerade dem Mysterium von Golgatha gegenüber will und soll, und was auf der anderen Seite Sturm läuft gegen sie. Denn es läuft vieles Sturm, und was davon hier angeführt werden kann, das ist ja nur etwas, was zu der übelsten Sorte desjenigen gehört, was eben Sturm läuft. Um so mehr müssen wir das, was wir erfaßt haben von anthroposophischen Impulsen, in unsere Herzen, in unseren Willen aufnehmen. Denn davon, daß die Menschen sich entschließen, den Weg zum Geiste wiederum zu suchen, hängt es ab, ob es möglich sein wird, daß es in der Zukunft noch ein Christentum gebe oder nicht. Das Christentum muß doch ruhen auf dem Jesus-Worte: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.»

[ 29 ] Leider muß es ja immer wiederum gegen den eigenen Willen sein, daß man solche Sachen hier erwähnt. Aber es muß schon immer wieder auf der einen Seite hingestellt werden, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft gerade dem Mysterium von Golgatha gegenüber will und soll, und was auf der anderen Seite Sturm läuft gegen sie. Denn es läuft vieles Sturm, und was davon hier angeführt werden kann, das ist ja nur etwas, was zu der übelsten Sorte desjenigen gehört, was eben Sturm läuft. Um so mehr müssen wir das, was wir erfaßt haben von anthroposophischen Impulsen, in unsere Herzen, in unseren Willen aufnehmen. Denn davon, daß die Menschen sich entschließen, den Weg zum Geiste wiederum zu suchen, hängt es ab, ob es möglich sein wird, daß es in der Zukunft noch ein Christentum gebe oder nicht. Das Christentum muß doch ruhen auf dem Jesus-Worte: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.»

[ 30 ] Nur in der Wahrheit findet man die Weisheit — so ist das Motto gewesen, das wir geschrieben haben, als wir versuchten, «Grundsätze» drucken zu lassen für die Anthroposophische Gesellschaft. Aber, können Zeitgenossen, die in einer solchen Weise die Unwahrheit sagen, irgendwie sich auf den Christus Jesus berufen, der doch ganz gewiß nicht war der Irrweg, die Unwahrheit und der Tod! Wir wollen in der rechten Weise verstehen, was das Christus-Wort ist: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.» Darum — nehmen wir auf den Sinn für die Wahrheit in unsere Herzen, in unsere Gemüter. Denn nur dadurch werden wir finden die Möglichkeit, eine rechte Fortentwickelung des Christentums zu fördern und zu pflegen. Die Unwahrheit wird das ganz gewiß nicht können.

[ 30 ] Nur in der Wahrheit findet man die Weisheit — so ist das Motto gewesen, das wir geschrieben haben, als wir versuchten, «Grundsätze» drucken zu lassen für die Anthroposophische Gesellschaft. Aber, können Zeitgenossen, die in einer solchen Weise die Unwahrheit sagen, irgendwie sich auf den Christus Jesus berufen, der doch ganz gewiß nicht war der Irrweg, die Unwahrheit und der Tod! Wir wollen in der rechten Weise verstehen, was das Christus-Wort ist: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.» Darum — nehmen wir auf den Sinn für die Wahrheit in unsere Herzen, in unsere Gemüter. Denn nur dadurch werden wir finden die Möglichkeit, eine rechte Fortentwickelung des Christentums zu fördern und zu pflegen. Die Unwahrheit wird das ganz gewiß nicht können.