Spiritual Scientific Insight into the
Fundamental Impulses of Social Organization
GA 199
18 September 1920, Dornach
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Geisteswissenschaft als Erkenntnis der Grundimpulse sozialer Gestaltung
Siebzehnter Vortrag
Siebzehnter Vortrag
[ 1 ] Unter denjenigen Vorstellungen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, die am fruchtbarsten, am intensivsten und auch am notwendigsten werden wirken müssen für die Entwickelung des Menschenseelenwesens gegen die Zukunft hin, wird diejenige sein von dem vorgeburtlichen menschlichen Dasein. Bedenken wir einmal, was nach dieser Richtung zu jenen Vorstellungen und Empfindungen, welche die abendländische Menschheit lange beherrscht haben, hinzukommen wird. Wenn heute der gläubige, der irgendeiner Konfession zugehörige Mensch von der Ewigkeit, von der Unsterblichkeit der Menschenseele spricht, so denkt er zunächst ja an nichts anderes als an das Lebendigbleiben, das Bestehenbleiben der Menschenseele nach dem Tode. Man wird in der Zukunft, wenn die Anschauung der Geisteswissenschaft eine genügend große Anzahl von Menschen wird ergriffen haben, vor allen Dingen von dem vorgeburtlichen Dasein der Menschenseele sprechen, von dem Aufenthalt der Menschenseele in geistigen Welten, bevor sie heruntersteigt zum physischen Erdendasein, von alldem, was der Geburt oder der Empfängnis vorausgeht, ebenso wie von dem, was für diese Menschenseele nach dem Tode folgt. Man stellt sich heute noch nicht genügend vor, welche Bedeutung ein solches Sprechen von dem vorgeburtlichen Dasein haben wird für das ganze menschliche Leben, nicht nur für das innere, sondern auch für das äußere Menschenleben.
[ 1 ] Unter denjenigen Vorstellungen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, die am fruchtbarsten, am intensivsten und auch am notwendigsten werden wirken müssen für die Entwickelung des Menschenseelenwesens gegen die Zukunft hin, wird diejenige sein von dem vorgeburtlichen menschlichen Dasein. Bedenken wir einmal, was nach dieser Richtung zu jenen Vorstellungen und Empfindungen, welche die abendländische Menschheit lange beherrscht haben, hinzukommen wird. Wenn heute der gläubige, der irgendeiner Konfession zugehörige Mensch von der Ewigkeit, von der Unsterblichkeit der Menschenseele spricht, so denkt er zunächst ja an nichts anderes als an das Lebendigbleiben, das Bestehenbleiben der Menschenseele nach dem Tode. Man wird in der Zukunft, wenn die Anschauung der Geisteswissenschaft eine genügend große Anzahl von Menschen wird ergriffen haben, vor allen Dingen von dem vorgeburtlichen Dasein der Menschenseele sprechen, von dem Aufenthalt der Menschenseele in geistigen Welten, bevor sie heruntersteigt zum physischen Erdendasein, von alldem, was der Geburt oder der Empfängnis vorausgeht, ebenso wie von dem, was für diese Menschenseele nach dem Tode folgt. Man stellt sich heute noch nicht genügend vor, welche Bedeutung ein solches Sprechen von dem vorgeburtlichen Dasein haben wird für das ganze menschliche Leben, nicht nur für das innere, sondern auch für das äußere Menschenleben.
[ 2 ] Bedenken wir nur einmal zunächst, was es heißt, wenn wir das werdende Kind anschauen, sehen, wie von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat die Physiognomie des Antlitzes von innen heraus sich gestaltet, wie diese oder jene Züge auftreten, sich glätten, zurückgehen und so weiter. Man macht sich noch nicht klar, in welche Geheimnisse des Daseins man eigentlich hineinblickt, wenn man solch ein werdendes Menschenwesen betrachtet. Mit welcher Innigkeit wird solch ein werdendes Menschenwesen angeschaut werden, wenn das Bewußtsein zugrunde liegt: bevor dieses Menschenwesen empfangen .oder geboren worden ist, war sein Seelisch-Geistiges oben in seelisch-geistigen Welten, hatte Erlebnisse durch seelisch-geistige Organe, wie während des physischen Daseins der Mensch Erlebnisse durch seine physischen Organe hat.
[ 2 ] Bedenken wir nur einmal zunächst, was es heißt, wenn wir das werdende Kind anschauen, sehen, wie von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat die Physiognomie des Antlitzes von innen heraus sich gestaltet, wie diese oder jene Züge auftreten, sich glätten, zurückgehen und so weiter. Man macht sich noch nicht klar, in welche Geheimnisse des Daseins man eigentlich hineinblickt, wenn man solch ein werdendes Menschenwesen betrachtet. Mit welcher Innigkeit wird solch ein werdendes Menschenwesen angeschaut werden, wenn das Bewußtsein zugrunde liegt: bevor dieses Menschenwesen empfangen .oder geboren worden ist, war sein Seelisch-Geistiges oben in seelisch-geistigen Welten, hatte Erlebnisse durch seelisch-geistige Organe, wie während des physischen Daseins der Mensch Erlebnisse durch seine physischen Organe hat.
[ 3 ] Wir können noch einen Schritt weiter nach dem Inneren der Menschenseele gehen, und dann auch von diesem Gesichtspunkte aus den Umschwung der Anschauungen in dieser Beziehung ermessen. Nehmen wir die verschiedenen Konfessionen, die heute aus ihren jahrhundertealten Traditionen heraus in Predigt und Lehre zu den Menschen sprechen von der Ewigkeit, von der Unsterblichkeit der Menschenseele. Man sollte über diese Dinge nicht von einem theoretischen Standpunkt aus sprechen, man sollte sprechen von dem Standpunkte des Lebens aus; man sollte verfolgen, aus welchen Empfindungsnuancen heraus Predigt und theologische Lehren in bezug auf die Ewigkeit der Menschenseele zumeist fließen. Ich sage jetzt nicht, dem Inhalt der Lehre nach, sondern mehr den Motiven, den Empfindungen, den Gefühlen nach, aus denen heraus gesprochen wird in Predigt und theologischer Lehre. Nicht wahr, der Mensch kann ja, ganz abgesehen von dem, was wahr ist, ein aus dem innersten Seelenegoismus heraus entspringendes Gefühl haben: Die Seele soll nicht zugrunde gehen, wenn der Leib zerfällt! Es ist schon etwas von einem inneren Seelenegoismus, was da wünscht, man möchte nicht zugrunde gehen. Man kann das Ereignis der Auflösung nicht ertragen, man dürstet nach dem Verbleiben der Menschenseele im Dasein nach dem Tode. Dieses Gefühl des Dürstens nach der Unsterblichkeit nach dem Tode, das ist es, an das zunächst Predigt und theologische Lehre appellieren. Das ist es, was die Untergründe abgibt, aus denen heraus über die Ewigkeit der Seele zu den Menschen aus den verschiedensten Konfessionen heraus gesprochen wird. Man findet Gläubige, indem man dem geheimen, dem inneren Seelenegoismus entgegenkommt. Man sagt ja im Grunde genommen den Menschen etwas, wonach sie dürsten, dessen Gegenteil sie durchaus nicht hören wollen. Indem man ihnen von dem Verbleiben im Dasein nach dem Tode spricht, findet man den Zugang zu dem menschlichen Glauben. Man würde sonst den Zugang zu dem Menschenglauben nicht finden, wenn die Menschenseele nicht aus Egoismus heraus dürstete nach der Unzerstörbarkeit der Seele nach dem Tode. Nun wissen wir aus der Geisteswissenschaft, daß diese Menschenseele gewiß nach dem Tode ihr Dasein behält, und wir konnten auch aus vielen Darstellungen, die gegeben worden sind im Laufe der Arbeit innerhalb dieser Bewegung, sehen, daß man aus der Initiationswissenschaft heraus mit Genauigkeit von den Erlebnissen nach dem Tode sprechen kann.
[ 3 ] Wir können noch einen Schritt weiter nach dem Inneren der Menschenseele gehen, und dann auch von diesem Gesichtspunkte aus den Umschwung der Anschauungen in dieser Beziehung ermessen. Nehmen wir die verschiedenen Konfessionen, die heute aus ihren jahrhundertealten Traditionen heraus in Predigt und Lehre zu den Menschen sprechen von der Ewigkeit, von der Unsterblichkeit der Menschenseele. Man sollte über diese Dinge nicht von einem theoretischen Standpunkt aus sprechen, man sollte sprechen von dem Standpunkte des Lebens aus; man sollte verfolgen, aus welchen Empfindungsnuancen heraus Predigt und theologische Lehren in bezug auf die Ewigkeit der Menschenseele zumeist fließen. Ich sage jetzt nicht, dem Inhalt der Lehre nach, sondern mehr den Motiven, den Empfindungen, den Gefühlen nach, aus denen heraus gesprochen wird in Predigt und theologischer Lehre. Nicht wahr, der Mensch kann ja, ganz abgesehen von dem, was wahr ist, ein aus dem innersten Seelenegoismus heraus entspringendes Gefühl haben: Die Seele soll nicht zugrunde gehen, wenn der Leib zerfällt! Es ist schon etwas von einem inneren Seelenegoismus, was da wünscht, man möchte nicht zugrunde gehen. Man kann das Ereignis der Auflösung nicht ertragen, man dürstet nach dem Verbleiben der Menschenseele im Dasein nach dem Tode. Dieses Gefühl des Dürstens nach der Unsterblichkeit nach dem Tode, das ist es, an das zunächst Predigt und theologische Lehre appellieren. Das ist es, was die Untergründe abgibt, aus denen heraus über die Ewigkeit der Seele zu den Menschen aus den verschiedensten Konfessionen heraus gesprochen wird. Man findet Gläubige, indem man dem geheimen, dem inneren Seelenegoismus entgegenkommt. Man sagt ja im Grunde genommen den Menschen etwas, wonach sie dürsten, dessen Gegenteil sie durchaus nicht hören wollen. Indem man ihnen von dem Verbleiben im Dasein nach dem Tode spricht, findet man den Zugang zu dem menschlichen Glauben. Man würde sonst den Zugang zu dem Menschenglauben nicht finden, wenn die Menschenseele nicht aus Egoismus heraus dürstete nach der Unzerstörbarkeit der Seele nach dem Tode. Nun wissen wir aus der Geisteswissenschaft, daß diese Menschenseele gewiß nach dem Tode ihr Dasein behält, und wir konnten auch aus vielen Darstellungen, die gegeben worden sind im Laufe der Arbeit innerhalb dieser Bewegung, sehen, daß man aus der Initiationswissenschaft heraus mit Genauigkeit von den Erlebnissen nach dem Tode sprechen kann.
[ 4 ] Nicht von dem, was da wirklich nach dem Tode liegt, soll zunächst gesprochen sein, sondern von den Motiven, aus denen heraus die Lehre von der Unsterblichkeit gepredigt wird. An diese Motive wird Geisteswissenschaft nicht appellieren können. Namentlich wird sie dann nicht appellieren können, wenn sie sprechen soll von dem Dasein der Menschenseele vor der Geburt oder vor der Empfängnis, denn im Grunde genommen kommt man da nicht dem Seelenegoismus entgegen. In der Regel denken die Menschen wenig daran, wie es mit ihnen war vor der Geburt oder vor der Empfängnis, wie es war mit ihren Erlebnissen, bevor sie herunterstiegen in einen irdischen Leib. Das ist ihnen mehr oder weniger gleichgültig, und nicht eine gleiche Sehnsucht geht dahin wie nach dem Leben nach dem Tode. Zustimmung für dieses Gebiet wird man nur finden bei denjenigen, bei welchen der Trieb rege ist, das menschliche Wesen überhaupt zu erkennen, bei welchen rege ist die Sehnsucht, jene Kraft in der menschlichen Seele aufzufinden, die als eine unsterbliche wirklich zugrunde liegt dem, was wir in der äußeren physischen Welt durch unseren Leib sind. In unserer abendländischen Zivilisation, die, wenn ihr nicht neue Kräfte eingefügt werden, dem Untergange verfallen ist, finden sich wenig Neigung und auch wenig Begriffe, an die man sich wenden kann, wenn von diesem Leben der Menschenseele vor der Geburt oder vor der Empfängnis die Rede sein soll. Sie wissen ja, die Kirchen betrachten diese Lehre als eine Ketzerei, und die Kirchen wissen nicht, daß sie im Grunde genommen damit nicht eigentlich Christentum lehren, sondern daß sie lehren aristotelische Philosophie. Denn als im Mittelalter die Philosophie des Aristoteles in die Kirchenphilosophie aufgenommen worden ist, da befestigte sich innerhalb der Kirchenphilosophie die Lehre von der Entstehung, von der Schöpfung jeder einzelnen Menschenseele mit der Geburt, respektive mit dem Werden des Menschenkeims im Leibe der Mutter. Und so wurde allmählich der Glaube erweckt, als ob dieses Leugnen der Präexistenz der Menschenseele zur wirklichen Kirchenlehre des Christentums gehörte. Es gehört nicht dazu. Zur wirklichen praktischen Lehre des Christentums gehört das Eindringen in die geistigen Welten. Das Eindringen in die geistigen Welten kann nicht sein ohne die Erkenntnis der Präexistenz der Menschenseele.
[ 4 ] Nicht von dem, was da wirklich nach dem Tode liegt, soll zunächst gesprochen sein, sondern von den Motiven, aus denen heraus die Lehre von der Unsterblichkeit gepredigt wird. An diese Motive wird Geisteswissenschaft nicht appellieren können. Namentlich wird sie dann nicht appellieren können, wenn sie sprechen soll von dem Dasein der Menschenseele vor der Geburt oder vor der Empfängnis, denn im Grunde genommen kommt man da nicht dem Seelenegoismus entgegen. In der Regel denken die Menschen wenig daran, wie es mit ihnen war vor der Geburt oder vor der Empfängnis, wie es war mit ihren Erlebnissen, bevor sie herunterstiegen in einen irdischen Leib. Das ist ihnen mehr oder weniger gleichgültig, und nicht eine gleiche Sehnsucht geht dahin wie nach dem Leben nach dem Tode. Zustimmung für dieses Gebiet wird man nur finden bei denjenigen, bei welchen der Trieb rege ist, das menschliche Wesen überhaupt zu erkennen, bei welchen rege ist die Sehnsucht, jene Kraft in der menschlichen Seele aufzufinden, die als eine unsterbliche wirklich zugrunde liegt dem, was wir in der äußeren physischen Welt durch unseren Leib sind. In unserer abendländischen Zivilisation, die, wenn ihr nicht neue Kräfte eingefügt werden, dem Untergange verfallen ist, finden sich wenig Neigung und auch wenig Begriffe, an die man sich wenden kann, wenn von diesem Leben der Menschenseele vor der Geburt oder vor der Empfängnis die Rede sein soll. Sie wissen ja, die Kirchen betrachten diese Lehre als eine Ketzerei, und die Kirchen wissen nicht, daß sie im Grunde genommen damit nicht eigentlich Christentum lehren, sondern daß sie lehren aristotelische Philosophie. Denn als im Mittelalter die Philosophie des Aristoteles in die Kirchenphilosophie aufgenommen worden ist, da befestigte sich innerhalb der Kirchenphilosophie die Lehre von der Entstehung, von der Schöpfung jeder einzelnen Menschenseele mit der Geburt, respektive mit dem Werden des Menschenkeims im Leibe der Mutter. Und so wurde allmählich der Glaube erweckt, als ob dieses Leugnen der Präexistenz der Menschenseele zur wirklichen Kirchenlehre des Christentums gehörte. Es gehört nicht dazu. Zur wirklichen praktischen Lehre des Christentums gehört das Eindringen in die geistigen Welten. Das Eindringen in die geistigen Welten kann nicht sein ohne die Erkenntnis der Präexistenz der Menschenseele.
[ 5 ] Aber die abendländische Zivilisation ist infiziert durch die Bekenntnisse; sie ist so weit gekommen, daß wir eigentlich nicht einmal in der Sprache ein Hilfsmittel haben, um das auszudrücken, was auf diesem Gebiete die Wahrheit ist. Wir sprechen, wenn wir noch innerhalb einer religiösen Weltanschauung stehen oder innerhalb irgendeiner vernünftigen philosophischen Weltanschauung, von der Unsterblichkeit der Menschenseele. Indem wir das Wort «Unsterblichkeit» der Menschenseele haben, deuten wir schon darauf hin, daß wir im Grunde genommen damit nur das Sterben negieren, nicht die Geburt, denn wo hätten wir ein gebräuchliches Wort, welches ebenso hinweisen würde auf die Präexistenz, wie das Wort Unsterblichkeit auf die Postexistenz hinweist. Wo hätten wir ein Wort wie «Ungeborenheit», das genau die gleiche Berechtigung hat vor wirklich geistiger Erkenntnis wie «Unsterblichkeit»? Das kann Ihnen der beste Beweis dafür sein, was verlorengegangen ist im Abendlande, gerade durch das Wirken der Konfessionen: die Wahrheit über das Wesen des Menschen, Bis in die Sprache hinein ist diese Wahrheit verlorengegangen. Denn wir müssen bis in die Sprache hinein das Bewußtsein dafür hervorrufen, daß die Menschenseele ewig ist, daß sie ebenso vor der Geburt da ist wie nach dem Tode. Wir brauchen ebenso ein Wort für Ungeborenheit, wie wir ein Wort haben für Unsterblichkeit. Dann aber fragen Sie eine gesunde Logik, wenn Sie an ein vorgeburtliches Dasein denken, eine Logik, die wirklich zu Ende denkt, ob Sie dann noch imstande sind, nicht von wiederholten Erdenleben zu sprechen. Sie können, wenn Sie nur von Unsterblichkeit reden, von einer Postexistenz, allerdings glauben: Dieses eine Erdenleben, und dann eine Ewigkeit ganz anderer Art! Sie werden das logischerweise nicht mehr können, wenn Sie von Präexistenz sprechen. Sonst müßten Sie sich fragen: Ja, wie kommt es, daß nun nicht doch mit der Geburt die Seele geschaffen wird? Warum sollte sie geschaffen werden irgendeine Strecke vor der Geburt? Kurz, Sie kommen unbedingt zu den wiederholten Erdenleben, wenn Sie von Präexistenz sprechen. Im Grunde genommen ist man noch niemals in der Erdenzivilisation zu der Anschauung der Präexistenz gekommen, ohne von den wiederholten Erdenleben zu sprechen.
[ 5 ] Aber die abendländische Zivilisation ist infiziert durch die Bekenntnisse; sie ist so weit gekommen, daß wir eigentlich nicht einmal in der Sprache ein Hilfsmittel haben, um das auszudrücken, was auf diesem Gebiete die Wahrheit ist. Wir sprechen, wenn wir noch innerhalb einer religiösen Weltanschauung stehen oder innerhalb irgendeiner vernünftigen philosophischen Weltanschauung, von der Unsterblichkeit der Menschenseele. Indem wir das Wort «Unsterblichkeit» der Menschenseele haben, deuten wir schon darauf hin, daß wir im Grunde genommen damit nur das Sterben negieren, nicht die Geburt, denn wo hätten wir ein gebräuchliches Wort, welches ebenso hinweisen würde auf die Präexistenz, wie das Wort Unsterblichkeit auf die Postexistenz hinweist. Wo hätten wir ein Wort wie «Ungeborenheit», das genau die gleiche Berechtigung hat vor wirklich geistiger Erkenntnis wie «Unsterblichkeit»? Das kann Ihnen der beste Beweis dafür sein, was verlorengegangen ist im Abendlande, gerade durch das Wirken der Konfessionen: die Wahrheit über das Wesen des Menschen, Bis in die Sprache hinein ist diese Wahrheit verlorengegangen. Denn wir müssen bis in die Sprache hinein das Bewußtsein dafür hervorrufen, daß die Menschenseele ewig ist, daß sie ebenso vor der Geburt da ist wie nach dem Tode. Wir brauchen ebenso ein Wort für Ungeborenheit, wie wir ein Wort haben für Unsterblichkeit. Dann aber fragen Sie eine gesunde Logik, wenn Sie an ein vorgeburtliches Dasein denken, eine Logik, die wirklich zu Ende denkt, ob Sie dann noch imstande sind, nicht von wiederholten Erdenleben zu sprechen. Sie können, wenn Sie nur von Unsterblichkeit reden, von einer Postexistenz, allerdings glauben: Dieses eine Erdenleben, und dann eine Ewigkeit ganz anderer Art! Sie werden das logischerweise nicht mehr können, wenn Sie von Präexistenz sprechen. Sonst müßten Sie sich fragen: Ja, wie kommt es, daß nun nicht doch mit der Geburt die Seele geschaffen wird? Warum sollte sie geschaffen werden irgendeine Strecke vor der Geburt? Kurz, Sie kommen unbedingt zu den wiederholten Erdenleben, wenn Sie von Präexistenz sprechen. Im Grunde genommen ist man noch niemals in der Erdenzivilisation zu der Anschauung der Präexistenz gekommen, ohne von den wiederholten Erdenleben zu sprechen.
[ 6 ] Aber bedenken Sie, wenn sich diese Lehre von der Präexistenz nun nicht bloß als eine Theorie kundgibt, wenn sich diese Anschauung in alles Gefühlsleben, und namentlich in das Willensleben der Menschen hineinfindet, wenn der Mensch sich fühlt als ein solches Wesen, das herabgestiegen ist aus geistigen Welten und sich im physischen Leib verkörpert hat, was das bedeutet für die ganze Auffassung dieses Erdendaseins! Sie sind sich dann bewußt, hier auf dieser Erde ein Sendbote der göttlich-geistigen Welt zu sein; Sie wissen, dieses Leben hier ist eine Fortsetzung eines geistigen Lebens. Alles dasjenige was wir an Pflichtgefühl, was wir an Fähigkeiten in uns tragen, wird durchleuchtet und durchkraftet von diesem Bewußtsein, denn wir wissen, daß uns die Götter heruntergeschickt haben in dieses physische Dasein. Dieses physische Dasein bekommt erst eine Aufgabe, die nicht von ihm selber gestellt ist, sondern die ihm gestellt ist von Himmelshöhen. Das ist ja das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, daß sie nicht bloß gegen den Intellekt spricht, sie muß auch zum Intellekt sprechen, denn die Dinge müssen begriffen werden. Aber indem wir die Vorstellungen aufnehmen, die aus der Initiationswissenschaft kommen, durchdringen sie unser ganzes Menschenwesen, durchdringen sie nicht bloß unsere Gedanken, durchdringen sie unser Gefühl, unsere Empfindungen, durchdringen sie unseren Willen, geben sie uns ein Bewußtsein vom Wesen unseres ganzen Menschen. Wie man sich in die Welt hineinstellt unter dem Bewußtsein der Präexistenz der Menschenseele, das wird besonders bedeutungsvoll sein für die Zivilisation der Zukunft. Das wird die Menschen durchleuchten und durchkraften mit etwas, was gebraucht wird, um wieder herauszukommen aus den Niedergangskräften, die sonst ganz zweifellos die abendländische Zivilisation im Beginn des dritten Jahrtausends in die Barbarei hineintreiben werden. Aber auch die einzelnen Zweige des Lebens, sie bekommen ein ganz besonderes Gepräge, wenn man solch eine Anschauung zugrunde legen kann.
[ 6 ] Aber bedenken Sie, wenn sich diese Lehre von der Präexistenz nun nicht bloß als eine Theorie kundgibt, wenn sich diese Anschauung in alles Gefühlsleben, und namentlich in das Willensleben der Menschen hineinfindet, wenn der Mensch sich fühlt als ein solches Wesen, das herabgestiegen ist aus geistigen Welten und sich im physischen Leib verkörpert hat, was das bedeutet für die ganze Auffassung dieses Erdendaseins! Sie sind sich dann bewußt, hier auf dieser Erde ein Sendbote der göttlich-geistigen Welt zu sein; Sie wissen, dieses Leben hier ist eine Fortsetzung eines geistigen Lebens. Alles dasjenige was wir an Pflichtgefühl, was wir an Fähigkeiten in uns tragen, wird durchleuchtet und durchkraftet von diesem Bewußtsein, denn wir wissen, daß uns die Götter heruntergeschickt haben in dieses physische Dasein. Dieses physische Dasein bekommt erst eine Aufgabe, die nicht von ihm selber gestellt ist, sondern die ihm gestellt ist von Himmelshöhen. Das ist ja das Eigentümliche der Geisteswissenschaft, daß sie nicht bloß gegen den Intellekt spricht, sie muß auch zum Intellekt sprechen, denn die Dinge müssen begriffen werden. Aber indem wir die Vorstellungen aufnehmen, die aus der Initiationswissenschaft kommen, durchdringen sie unser ganzes Menschenwesen, durchdringen sie nicht bloß unsere Gedanken, durchdringen sie unser Gefühl, unsere Empfindungen, durchdringen sie unseren Willen, geben sie uns ein Bewußtsein vom Wesen unseres ganzen Menschen. Wie man sich in die Welt hineinstellt unter dem Bewußtsein der Präexistenz der Menschenseele, das wird besonders bedeutungsvoll sein für die Zivilisation der Zukunft. Das wird die Menschen durchleuchten und durchkraften mit etwas, was gebraucht wird, um wieder herauszukommen aus den Niedergangskräften, die sonst ganz zweifellos die abendländische Zivilisation im Beginn des dritten Jahrtausends in die Barbarei hineintreiben werden. Aber auch die einzelnen Zweige des Lebens, sie bekommen ein ganz besonderes Gepräge, wenn man solch eine Anschauung zugrunde legen kann.
[ 7 ] Es ist auch hier wohl öfter zu Ihnen gesprochen worden von der in Stuttgart begründeten Waldorfschule. Sie soll in gewisser Weise in Unterricht und Erziehung praktisch machen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Etwas besonders Bedeutungsvolles in der Pädagogik der Waldorfschullehrer sind nicht etwa die abstrakten Grundsätze, die Sie sonst in pädagogischen Lehrbüchern oder in staatlich approbierten Lehrvorschriften finden können, sondern da wirken als ganz besonders wichtige Dinge zum Beispiel die Gefühle, mit denen der Lehrer die Klasse betritt. Eines derjenigen Gefühle, die da ganz besonders pädagogisch wirksam werden, von dem jeder Lehrer durchdrungen ist, weil er von dieser Seite aus in seinen Beruf eingeführt worden ist, das ist die Ehrfurcht vor jenem göttlichen Keim, der sich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat herausdrängt aus dem Inneren des Wesens, das heruntergestiegen ist aus der ewig geistigen Welt in diese physische Welt. Das Bewußtsein, daß der Lehrer durch das Tor des Menschenleibes etwas zu tun hat mit einem Wesen, das heruntergestiegen ist zu ihm aus geistigen Welten, das macht jene tiefe Ehrfurcht aus, die der Lehrer dann hat vor jenem Menschenwesen, das sich als ein Geistig-Seelisches im physischen Leib immer mehr und mehr herausgestaltet. Man mag es heute schon glauben oder nicht: Ein Lehrer, der diese Ehrfurcht vor dem werdenden Menschen hat, hat eine geheime Kraft in sich, durch die er ganz anders unterrichtet und erzieht, als ein Lehrer, der diese Ehrfurcht nicht hat, der glaubt, der Mensch wäre entstanden, indem er sich als physischer Leib losgelöst hat von dem Leib der Mutter. Denn man unterrichtet und erzieht nicht allein mit Begriffen und Ideen, man erzieht vor allen Dingen mit jenen geheimnisvollen Kräften und Mächten, welche als Imponderabilien übergehen von dem Lehrer auf das Kind.
[ 7 ] Es ist auch hier wohl öfter zu Ihnen gesprochen worden von der in Stuttgart begründeten Waldorfschule. Sie soll in gewisser Weise in Unterricht und Erziehung praktisch machen anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Etwas besonders Bedeutungsvolles in der Pädagogik der Waldorfschullehrer sind nicht etwa die abstrakten Grundsätze, die Sie sonst in pädagogischen Lehrbüchern oder in staatlich approbierten Lehrvorschriften finden können, sondern da wirken als ganz besonders wichtige Dinge zum Beispiel die Gefühle, mit denen der Lehrer die Klasse betritt. Eines derjenigen Gefühle, die da ganz besonders pädagogisch wirksam werden, von dem jeder Lehrer durchdrungen ist, weil er von dieser Seite aus in seinen Beruf eingeführt worden ist, das ist die Ehrfurcht vor jenem göttlichen Keim, der sich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat herausdrängt aus dem Inneren des Wesens, das heruntergestiegen ist aus der ewig geistigen Welt in diese physische Welt. Das Bewußtsein, daß der Lehrer durch das Tor des Menschenleibes etwas zu tun hat mit einem Wesen, das heruntergestiegen ist zu ihm aus geistigen Welten, das macht jene tiefe Ehrfurcht aus, die der Lehrer dann hat vor jenem Menschenwesen, das sich als ein Geistig-Seelisches im physischen Leib immer mehr und mehr herausgestaltet. Man mag es heute schon glauben oder nicht: Ein Lehrer, der diese Ehrfurcht vor dem werdenden Menschen hat, hat eine geheime Kraft in sich, durch die er ganz anders unterrichtet und erzieht, als ein Lehrer, der diese Ehrfurcht nicht hat, der glaubt, der Mensch wäre entstanden, indem er sich als physischer Leib losgelöst hat von dem Leib der Mutter. Denn man unterrichtet und erzieht nicht allein mit Begriffen und Ideen, man erzieht vor allen Dingen mit jenen geheimnisvollen Kräften und Mächten, welche als Imponderabilien übergehen von dem Lehrer auf das Kind.
[ 8 ] Dafür läßt sich ein Beispiel anführen, das als ein besonders wichtiges angeführt werden darf. Man kann als Lehrer nachdenken, wie man dem oder jenem Kinde die Idee der Unsterblichkeit beibringt. Nicht wahr, nach heutiger Auffassung ist der Lehrer der Gescheite und das Kind der Dumme, Der gescheite Lehrer denkt nach: Wie bringe ich dem dummen Kinde die Idee der Unsterblichkeit bei? — Da wird er etwa dem Kinde sagen: Sieh dir an die Schmetterlingspuppe! Da drinnen sitzt ein Schmetterling, er bricht aus, er entfaltet sich, nachdem die Puppe gesprengt ist. Genau so ist es mit deiner unsterblichen Seele in deinem Leibe: der Leib wird gesprengt. Die unsterbliche Seele ist nur nicht so sichtbar wie der Schmetterling, aber für eine übersinnliche Anschauung ist sie sichtbar, sie fliegt in geistige Welten. — Gewiß, man kann sich das ausdenken und durch einen solchen Vergleich dem Kinde die Unsterblichkeitsidee beibringen. Meines Erachtens wird das Kind nicht sehr gefördert, wenn ihm diese Unsterblichkeitsidee von dem sehr gescheiten Lehrer im Sinne der heutigen Zeit beigebracht wird, denn der glaubt selber nicht daran! Er hat es nur ausgedacht. Wenn aber irgendeiner von unseren Waldorfschullehrern dem Kinde auf diese Weise die Unsterblichkeit beibringt, so ist das ganz anders. Der glaubt nämlich selber an dieses Bild, der ist von der Wahrheit durchdrungen, daß die Schmetterlingspuppe und der auskriechende Schmetterling von den Göttern selber so angeordnet sind, daß sie das Bild der Unsterblichkeit der Menschenseele darstellen. Der ist davon durchdrungen: Da ist dieselbe Erscheinung: auf einer niedrigeren Stufe der auskriechende Schmetterling, und auf einer höheren Stufe die aus dem Leibe herauskommende Seele. Und dieses Bild hast nicht du gemacht, sondern es ist von göttlich-geistigen Mächten selber in die Natur hineingestellt worden. — Der glaubt daran mit derselben Inbrunst, wie das Kind daran glauben soll, und auf diesen Glauben kommt es an. Hat der Lehrer diesen Glauben, so wird er ihn auch in dem Kinde befestigen, hat er ihn nicht, hat er ihn nur als eine abstrakte Idee in sich, so wirkt er nicht fruchtbar. Denn es kommt auf die Gefühle an, die in das Klassenzimmer hineinströmen, auf die Gefühle kommt es an, die in unserer Seele entzündet werden aus dem Bewußtsein der Präexistenz.
[ 8 ] Dafür läßt sich ein Beispiel anführen, das als ein besonders wichtiges angeführt werden darf. Man kann als Lehrer nachdenken, wie man dem oder jenem Kinde die Idee der Unsterblichkeit beibringt. Nicht wahr, nach heutiger Auffassung ist der Lehrer der Gescheite und das Kind der Dumme, Der gescheite Lehrer denkt nach: Wie bringe ich dem dummen Kinde die Idee der Unsterblichkeit bei? — Da wird er etwa dem Kinde sagen: Sieh dir an die Schmetterlingspuppe! Da drinnen sitzt ein Schmetterling, er bricht aus, er entfaltet sich, nachdem die Puppe gesprengt ist. Genau so ist es mit deiner unsterblichen Seele in deinem Leibe: der Leib wird gesprengt. Die unsterbliche Seele ist nur nicht so sichtbar wie der Schmetterling, aber für eine übersinnliche Anschauung ist sie sichtbar, sie fliegt in geistige Welten. — Gewiß, man kann sich das ausdenken und durch einen solchen Vergleich dem Kinde die Unsterblichkeitsidee beibringen. Meines Erachtens wird das Kind nicht sehr gefördert, wenn ihm diese Unsterblichkeitsidee von dem sehr gescheiten Lehrer im Sinne der heutigen Zeit beigebracht wird, denn der glaubt selber nicht daran! Er hat es nur ausgedacht. Wenn aber irgendeiner von unseren Waldorfschullehrern dem Kinde auf diese Weise die Unsterblichkeit beibringt, so ist das ganz anders. Der glaubt nämlich selber an dieses Bild, der ist von der Wahrheit durchdrungen, daß die Schmetterlingspuppe und der auskriechende Schmetterling von den Göttern selber so angeordnet sind, daß sie das Bild der Unsterblichkeit der Menschenseele darstellen. Der ist davon durchdrungen: Da ist dieselbe Erscheinung: auf einer niedrigeren Stufe der auskriechende Schmetterling, und auf einer höheren Stufe die aus dem Leibe herauskommende Seele. Und dieses Bild hast nicht du gemacht, sondern es ist von göttlich-geistigen Mächten selber in die Natur hineingestellt worden. — Der glaubt daran mit derselben Inbrunst, wie das Kind daran glauben soll, und auf diesen Glauben kommt es an. Hat der Lehrer diesen Glauben, so wird er ihn auch in dem Kinde befestigen, hat er ihn nicht, hat er ihn nur als eine abstrakte Idee in sich, so wirkt er nicht fruchtbar. Denn es kommt auf die Gefühle an, die in das Klassenzimmer hineinströmen, auf die Gefühle kommt es an, die in unserer Seele entzündet werden aus dem Bewußtsein der Präexistenz.
[ 9 ] Nimmt man ernst all das, was aus dieser vorgeburtlichen Existenz folgt, dann erst bekommt man einen wirklichen Begriff von dem Zusammenhang der Menschenseele mit dem Menschenleibe. Wenn Sie heute irgendein Handbuch der Seelenkunde — Psychologie nennt man das — nehmen, so finden Sie alle möglichen Theorien, wie die Menschenseele auf den Menschenleib wirkt und so weiter. Sie würden nicht sehr gescheit werden durch diese Theorien, es sind abstrakte Gedankengespinste, und wenn Sie sie durchgenommen haben, wissen Sie nicht viel mehr, als Sie früher wußten; denn da werden bloß allerlei Hypothesen aufgestellt, wie die Seele auf den Leib wirkt.
[ 9 ] Nimmt man ernst all das, was aus dieser vorgeburtlichen Existenz folgt, dann erst bekommt man einen wirklichen Begriff von dem Zusammenhang der Menschenseele mit dem Menschenleibe. Wenn Sie heute irgendein Handbuch der Seelenkunde — Psychologie nennt man das — nehmen, so finden Sie alle möglichen Theorien, wie die Menschenseele auf den Menschenleib wirkt und so weiter. Sie würden nicht sehr gescheit werden durch diese Theorien, es sind abstrakte Gedankengespinste, und wenn Sie sie durchgenommen haben, wissen Sie nicht viel mehr, als Sie früher wußten; denn da werden bloß allerlei Hypothesen aufgestellt, wie die Seele auf den Leib wirkt.
[ 10 ] Weiß man, wie das vorgeburtliche Menschenwesen sich verkörpert im Leib, dann verfolgt man den werdenden Menschen im Kinde ganz anders. Da haben wir zwei Etappen im werdenden Menschen. Die eine Etappe ist gegeben mit dem Zahnwechsel um das siebente Jahr herum. Was bedeutet dieser Zahnwechsel? Es ist eine viel stärkere Veränderung in dem ganzen menschlichen Organismus, als man gewöhnlich glaubt. Aber man beobachtet die Dinge heute nur äußerlich. Wenn man sich einmal gewöhnen wird, die Dinge seelisch zu betrachten, wie dieses aus der Geisteswissenschaft folgen kann, was wird man einsehen? Man wird sich sagen: Merkwürdig! Das Kind bis zum Zahnwechsel bildet sich nicht ganz gefestigte Begriffe, es erinnert sich zwar an manches, aber es legt die Erinnerung nicht in Begriffe fest; es tritt noch nicht eigentliche Intelligenz auf. Beobachten Sie nur ernstlich einmal ein Kind, wie da im Laufe des Zahnwechsels immer mehr und mehr die Fähigkeit für die eigentliche Intelligenz entsteht. Man hat ja heute gar kein Gefühl dafür, welcher Unterschied besteht zum Beispiel zwischen einem sieben- und fünfjährigen Kinde mit Bezug auf die Ausbildung der Intelligenz. Würde man nur beobachten — die Waldorfschullehrer müssen es beobachten, denn das liegt ihrem ganzen Unterricht und ihrer Erziehung zugrunde —, wie diese Seele nach und nach herauskommt nach dem siebenten Jahr, dann würde man gleich einsehen, wohin man zu blicken hat, wenn man die Frage beantworten will: Ja, wo war denn das alles, was da als Intelligenz herauskommt nach dem siebenten Jahr? Wo steckte denn das? Das steckte im Leibe unten, war tätig im Leibe. Dasselbe, was sich emanzipiert mit dem siebenten Jahr und Intelligenz wird, das war unten im Leibe, gestaltete den Leib und machte seinen Schlußpunkt in bezug auf dessen Gestaltung mit dem Herausdrängen der zweiten Zähne. Die Kraft, die in den zweiten Zähnen sich zum Dasein drängt, sie ist in dem ganzen Organismus tätig gewesen. Aber es ist eine Kraft, welche nur bis zum siebenten Jahr im Leibe tätig ist, dann hat sie im Leibe nichts mehr zu tun, dann wird sie Intelligenz; sie war früher auch schon Intelligenz, aber sie arbeitete im Leibe. Sehen Sie sich an, was im Leibe des Kindes bis zum siebenten Jahr geschieht, und sehen Sie nachher, was das Kind als Intelligenz hat nach dem siebenten Jahr, dann haben Sie dasselbe. Durch die Geburt ist die Intelligenz heruntergestiegen; zunächst war sie noch nicht als Intelligenz, als seelische Wesenheit tätig, das wird sie erst allmählich nach dem siebenten Jahr: da haben "Sie konkret das Zusammenwirken der Seele mit dem Leibe. Und jetzt können Sie, was da hauptsächlich bis zum siebenten Jahre im Menschenleibe arbeitete, Sie können es ja anschauen. Jetzt haben Sie nicht törichte, abstrakte Begriffe vom Zusammenwirken von Leib und Seele, die aus den Fingern gesogen sind, wie sie in unseren Lehr- und Handbüchern stehen, jetzt haben Sie konkrete Anschauungen von dem, was in Blut und Nerven, in Muskeln und Knochen sieben Jahre hindurch arbeitete und dann Intelligenz des Kindes wird.
[ 10 ] Weiß man, wie das vorgeburtliche Menschenwesen sich verkörpert im Leib, dann verfolgt man den werdenden Menschen im Kinde ganz anders. Da haben wir zwei Etappen im werdenden Menschen. Die eine Etappe ist gegeben mit dem Zahnwechsel um das siebente Jahr herum. Was bedeutet dieser Zahnwechsel? Es ist eine viel stärkere Veränderung in dem ganzen menschlichen Organismus, als man gewöhnlich glaubt. Aber man beobachtet die Dinge heute nur äußerlich. Wenn man sich einmal gewöhnen wird, die Dinge seelisch zu betrachten, wie dieses aus der Geisteswissenschaft folgen kann, was wird man einsehen? Man wird sich sagen: Merkwürdig! Das Kind bis zum Zahnwechsel bildet sich nicht ganz gefestigte Begriffe, es erinnert sich zwar an manches, aber es legt die Erinnerung nicht in Begriffe fest; es tritt noch nicht eigentliche Intelligenz auf. Beobachten Sie nur ernstlich einmal ein Kind, wie da im Laufe des Zahnwechsels immer mehr und mehr die Fähigkeit für die eigentliche Intelligenz entsteht. Man hat ja heute gar kein Gefühl dafür, welcher Unterschied besteht zum Beispiel zwischen einem sieben- und fünfjährigen Kinde mit Bezug auf die Ausbildung der Intelligenz. Würde man nur beobachten — die Waldorfschullehrer müssen es beobachten, denn das liegt ihrem ganzen Unterricht und ihrer Erziehung zugrunde —, wie diese Seele nach und nach herauskommt nach dem siebenten Jahr, dann würde man gleich einsehen, wohin man zu blicken hat, wenn man die Frage beantworten will: Ja, wo war denn das alles, was da als Intelligenz herauskommt nach dem siebenten Jahr? Wo steckte denn das? Das steckte im Leibe unten, war tätig im Leibe. Dasselbe, was sich emanzipiert mit dem siebenten Jahr und Intelligenz wird, das war unten im Leibe, gestaltete den Leib und machte seinen Schlußpunkt in bezug auf dessen Gestaltung mit dem Herausdrängen der zweiten Zähne. Die Kraft, die in den zweiten Zähnen sich zum Dasein drängt, sie ist in dem ganzen Organismus tätig gewesen. Aber es ist eine Kraft, welche nur bis zum siebenten Jahr im Leibe tätig ist, dann hat sie im Leibe nichts mehr zu tun, dann wird sie Intelligenz; sie war früher auch schon Intelligenz, aber sie arbeitete im Leibe. Sehen Sie sich an, was im Leibe des Kindes bis zum siebenten Jahr geschieht, und sehen Sie nachher, was das Kind als Intelligenz hat nach dem siebenten Jahr, dann haben Sie dasselbe. Durch die Geburt ist die Intelligenz heruntergestiegen; zunächst war sie noch nicht als Intelligenz, als seelische Wesenheit tätig, das wird sie erst allmählich nach dem siebenten Jahr: da haben "Sie konkret das Zusammenwirken der Seele mit dem Leibe. Und jetzt können Sie, was da hauptsächlich bis zum siebenten Jahre im Menschenleibe arbeitete, Sie können es ja anschauen. Jetzt haben Sie nicht törichte, abstrakte Begriffe vom Zusammenwirken von Leib und Seele, die aus den Fingern gesogen sind, wie sie in unseren Lehr- und Handbüchern stehen, jetzt haben Sie konkrete Anschauungen von dem, was in Blut und Nerven, in Muskeln und Knochen sieben Jahre hindurch arbeitete und dann Intelligenz des Kindes wird.
[ 11 ] So lernt man den Menschen in seiner ganzen Wesenheit, in seinem seelischen und seinem leiblichen Wesen kennen, wenn man allmählich eindringt in das, was Geisteswissenschaft zu geben vermag, jetzt steht der Mensch ganz anders vor uns. Es ist merkwürdig: die materialistische Wissenschaft wollte das Materielle erkennen und konnte doch nichts davon wissen, wie die Kräfte ausschauen, die zum Beispiel im kindlichen Menschenleibe bis zum siebenten Jahr wirken. Nun kommt Geisteswissenschaft und lehrt das Materielle wirklich kennen, sie dringt gerade ein in das Materielle. Das ist ja die Tragik des Materialismus: Er wird immer abstrakter und abstrakter und lehrt das Materielle überhaupt nicht mehr kennen. Was weiß denn der heutige Mediziner von Leber und Niere, von Magen und Lunge, das heißt von materiellen Gebilden? Wenn einmal dasjenige, was ich innerhalb des diesjährigen Frühjahrskurses in Dornach zu zeigen versuchte, was aus Geisteswissenschaft für Medizin und Naturwissenschaft überhaupt folgen kann, wenn einmal das etwas eindringen wird in unsere Wissenschaft, so wird man sehen, daß geistige Erkenntnis gerade dazu berufen ist, hineinzuleuchten in das materielle Wesen, während ein Materialist vor der ganzen Welt dasteht wie der Blinde vor der Farbe. Gerade das materielle Dasein lernt der Materialist nicht kennen.
[ 11 ] So lernt man den Menschen in seiner ganzen Wesenheit, in seinem seelischen und seinem leiblichen Wesen kennen, wenn man allmählich eindringt in das, was Geisteswissenschaft zu geben vermag, jetzt steht der Mensch ganz anders vor uns. Es ist merkwürdig: die materialistische Wissenschaft wollte das Materielle erkennen und konnte doch nichts davon wissen, wie die Kräfte ausschauen, die zum Beispiel im kindlichen Menschenleibe bis zum siebenten Jahr wirken. Nun kommt Geisteswissenschaft und lehrt das Materielle wirklich kennen, sie dringt gerade ein in das Materielle. Das ist ja die Tragik des Materialismus: Er wird immer abstrakter und abstrakter und lehrt das Materielle überhaupt nicht mehr kennen. Was weiß denn der heutige Mediziner von Leber und Niere, von Magen und Lunge, das heißt von materiellen Gebilden? Wenn einmal dasjenige, was ich innerhalb des diesjährigen Frühjahrskurses in Dornach zu zeigen versuchte, was aus Geisteswissenschaft für Medizin und Naturwissenschaft überhaupt folgen kann, wenn einmal das etwas eindringen wird in unsere Wissenschaft, so wird man sehen, daß geistige Erkenntnis gerade dazu berufen ist, hineinzuleuchten in das materielle Wesen, während ein Materialist vor der ganzen Welt dasteht wie der Blinde vor der Farbe. Gerade das materielle Dasein lernt der Materialist nicht kennen.
[ 12 ] Eine zweite Etappe im Leben des Menschen ist die geschlechtliche Reife, die beim männlichen Geschlecht besonders durch den Stimmwechsel in die Erscheinung tritt und auch beim weiblichen Geschlecht in körperlichen Veränderungen besteht; nur daß diese mehr über den ganzen Körper verbreitet sind und nicht in einem Organ so klar hervortreten wie beim Stimmwechsel des Mannes; in beiden Fällen um das vierzehnte Jahr herum. Wiederum eine wesentliche Veränderung im Organismus. Was geht da eigentlich vor? Ja, was wird denn anders nach der Geschlechtsreife? Es wird anders das ganze Willensleben des Menschen! Versuchen Sie zu vergleichen den neunzehnjährigen mit dem dreizehnjährigen Menschen und den Blick hinzuwenden auf das konkrete Willensleben. Das ganze Willensleben wird anders, es könnte ja sonst nicht das Liebegefühl in das Willensleben hineinkommen. Wiederum solch ein Umschwung im seelischen Leben! Wenn wir geisteswissenschaftlich erforschen, um was es sich handelt, kommen wir auf das Folgende: Wir wachsen immer mehr mit der Außenwelt zusammen, insbesondere in der Zeit vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife; wir ergreifen immer mehr von dieser Außenwelt, unser Wille wird immer orientierter und orientierter, wir lernen unseren Willen in Übereinstimmung bringen mit den Dingen und Vorgängen der Außenwelt. Wenn man den ganzen Komplex, der hier vorliegt, wirklich studiert, dann findet man, daß in dieser Zeit der Mensch sich aneignet, und zwar durch seinen Verkehr mit der äußeren Welt, nicht von innen heraus, das Willenselement. Es war eine tiefe Intuition, als der Dichter sagte: «Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt.» Das Talent sproßt von innen heraus auf, der Charakter, das heißt das Willenselement, bildet sich im Strom der Welt, im Austausch der inneren Kräfte mit äußeren Kräften. Aber der Mensch muß sich wehren gegen das, was ihm von der äußeren Welt kommt; das Innere muß reagieren, das Innere muß dasjenige stauen, was von der Außenwelt kommt. Diesem willensbildenden Element, das von dem Wechselverkehr mit der äußeren Welt an den Menschen herantritt, dem tritt eine innere Kraft entgegen: das staut sich beim Mann im Kehlkopf, beim Weibe in andern Organen, und dieses Stauen, dieses Zusammenprallen des äußeren Willenselementes mit dem inneren Willenselement, das drückt sich aus in der Umwandlung des Kehlkopfes oder ähnlicher Organe. Da sehen Sie auch das Geistige der Außenwelt an dem Menschen arbeiten.
[ 12 ] Eine zweite Etappe im Leben des Menschen ist die geschlechtliche Reife, die beim männlichen Geschlecht besonders durch den Stimmwechsel in die Erscheinung tritt und auch beim weiblichen Geschlecht in körperlichen Veränderungen besteht; nur daß diese mehr über den ganzen Körper verbreitet sind und nicht in einem Organ so klar hervortreten wie beim Stimmwechsel des Mannes; in beiden Fällen um das vierzehnte Jahr herum. Wiederum eine wesentliche Veränderung im Organismus. Was geht da eigentlich vor? Ja, was wird denn anders nach der Geschlechtsreife? Es wird anders das ganze Willensleben des Menschen! Versuchen Sie zu vergleichen den neunzehnjährigen mit dem dreizehnjährigen Menschen und den Blick hinzuwenden auf das konkrete Willensleben. Das ganze Willensleben wird anders, es könnte ja sonst nicht das Liebegefühl in das Willensleben hineinkommen. Wiederum solch ein Umschwung im seelischen Leben! Wenn wir geisteswissenschaftlich erforschen, um was es sich handelt, kommen wir auf das Folgende: Wir wachsen immer mehr mit der Außenwelt zusammen, insbesondere in der Zeit vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife; wir ergreifen immer mehr von dieser Außenwelt, unser Wille wird immer orientierter und orientierter, wir lernen unseren Willen in Übereinstimmung bringen mit den Dingen und Vorgängen der Außenwelt. Wenn man den ganzen Komplex, der hier vorliegt, wirklich studiert, dann findet man, daß in dieser Zeit der Mensch sich aneignet, und zwar durch seinen Verkehr mit der äußeren Welt, nicht von innen heraus, das Willenselement. Es war eine tiefe Intuition, als der Dichter sagte: «Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt.» Das Talent sproßt von innen heraus auf, der Charakter, das heißt das Willenselement, bildet sich im Strom der Welt, im Austausch der inneren Kräfte mit äußeren Kräften. Aber der Mensch muß sich wehren gegen das, was ihm von der äußeren Welt kommt; das Innere muß reagieren, das Innere muß dasjenige stauen, was von der Außenwelt kommt. Diesem willensbildenden Element, das von dem Wechselverkehr mit der äußeren Welt an den Menschen herantritt, dem tritt eine innere Kraft entgegen: das staut sich beim Mann im Kehlkopf, beim Weibe in andern Organen, und dieses Stauen, dieses Zusammenprallen des äußeren Willenselementes mit dem inneren Willenselement, das drückt sich aus in der Umwandlung des Kehlkopfes oder ähnlicher Organe. Da sehen Sie auch das Geistige der Außenwelt an dem Menschen arbeiten.
[ 13 ] Jetzt bringen Sie das zusammen mit den Anschauungen der Geisteswissenschaft, die Sie bereits kennen. Wir wissen, wir steigen herunter aus der geistig-seelischen Welt durch Empfängnis oder Geburt in das Physische. Wir wissen auf der andern Seite, daß wir in bezug auf unseren Astralleib und unser Ich jedesmal beim Einschlafen in eine geistige Welt kommen. Die geistige Welt, die uns unsere Seele gibt, sie arbeitete an unserer Gestaltung bis zum siebenten Jahr und wird von da ab unsere Intelligenz. Dieser Intelligenz tritt entgegen — allerdings schon von der Geburt an, aber mit der Geschlechtsreife ganz besonders stark, weil dann der Austausch mit der freigewordenen Intelligenz stattfindet —, tritt entgegen das Willenselement. Und dieser Kampf zwischen äußerem Willenselement und innerem Intelligenzelement, zwischen derjenigen Geistigkeit, die wir durchschlafen, die wir durchmachen vom Einschlafen bis zum Aufwachen, und derjenigen geistigen Welt, die wir durchgemacht haben vor unserer Geburt beziehungsweise Empfängnis, der Kampf zwischen dem, was wir mitgebracht haben, und dem, was wir jede Nacht durchschlafen, er drückt sich aus in dem Werden unseres Kehlkopfes, in dem Werden desjenigen, was bei der Geschlechtsreife im Organismus ist. Geistiges wirkt mit Geistigem zusammen. Wir durchwandern eine geistige Welt vom Einschlafen bis zum Aufwachen; in dieser geistigen Welt ist der Wille verborgen, der uns mitgeteilt wird; in unserem Organismus ist die Intelligenz verborgen, die wir durch die Geburt in das physische Dasein mitbringen. Wir können so den Menschenleib verstehen, wenn wir ihn als äußerliche Offenbarung desjenigen empfinden, was sich aus dem Geistigen heraus vollzieht,
[ 13 ] Jetzt bringen Sie das zusammen mit den Anschauungen der Geisteswissenschaft, die Sie bereits kennen. Wir wissen, wir steigen herunter aus der geistig-seelischen Welt durch Empfängnis oder Geburt in das Physische. Wir wissen auf der andern Seite, daß wir in bezug auf unseren Astralleib und unser Ich jedesmal beim Einschlafen in eine geistige Welt kommen. Die geistige Welt, die uns unsere Seele gibt, sie arbeitete an unserer Gestaltung bis zum siebenten Jahr und wird von da ab unsere Intelligenz. Dieser Intelligenz tritt entgegen — allerdings schon von der Geburt an, aber mit der Geschlechtsreife ganz besonders stark, weil dann der Austausch mit der freigewordenen Intelligenz stattfindet —, tritt entgegen das Willenselement. Und dieser Kampf zwischen äußerem Willenselement und innerem Intelligenzelement, zwischen derjenigen Geistigkeit, die wir durchschlafen, die wir durchmachen vom Einschlafen bis zum Aufwachen, und derjenigen geistigen Welt, die wir durchgemacht haben vor unserer Geburt beziehungsweise Empfängnis, der Kampf zwischen dem, was wir mitgebracht haben, und dem, was wir jede Nacht durchschlafen, er drückt sich aus in dem Werden unseres Kehlkopfes, in dem Werden desjenigen, was bei der Geschlechtsreife im Organismus ist. Geistiges wirkt mit Geistigem zusammen. Wir durchwandern eine geistige Welt vom Einschlafen bis zum Aufwachen; in dieser geistigen Welt ist der Wille verborgen, der uns mitgeteilt wird; in unserem Organismus ist die Intelligenz verborgen, die wir durch die Geburt in das physische Dasein mitbringen. Wir können so den Menschenleib verstehen, wenn wir ihn als äußerliche Offenbarung desjenigen empfinden, was sich aus dem Geistigen heraus vollzieht,
[ 14 ] Überall wo wir hinblicken, insbesondere dann, wenn wir den Menschen ins Auge fassen, finden wir, daß der Welt geistige Kräfte zugrunde liegen, und wir verstehen den Menschen erst dann, wenn wir die Wechselwirkung dieser geistigen Kräfte wirklich ins Auge fassen. Das wird diese Menschheit gegen die Zukunft hin aufnehmen. Dann wird sie nicht begreifen können, wie einmal ein Zeitalter hat dazu kommen können, zu sagen: Da breitet sich eine Sinneswelt aus, in dieser Sinneswelt wirken Atome, wirken Moleküle, kleine Körperchen, deren Aneinanderstoßen durch gewisse Bewegungen des Lichtes oder der Elektrizität hervorgerufen werden sollen. — Nein, da wirken nicht Atome und Moleküle, da wirken geistige Kräfte! Hinter dem, was sinnlich ist, wirkt der Geist. Das wird der große Umschwung sein, daß der Mensch nicht mehr glauben wird, er ginge durch eine Nebelwolke von Atomen und Molekülen, sondern daß er sich bewußt sein wird, er geht mit jedem Schritt durch geistige Welten, und geistige Welten sind es, die in ihm leben, geistige Welten sind es, die ihn aufbauen, die ihn umgestalten. Gerade so, wie uns der materialistische Glaube, wie uns die bloße Post-mortemLehre hineingeführt hat als letzte Konsequenz in das, was jetzt im Osten Europas vorgeht, so wird uns hineinführen die Geistlehre in ein wirklich menschenwürdiges zukünfliges Dasein. Aber nur diese, einzig und allein diese kann zu einem wirklichen sozialen Aufbau führen. Aus dem Geist heraus muß der soziale Aufbau kommen, und ehe die Menschheit dieses nicht einsieht, eher kann es nicht besser werden, muß es immer schlechter und schlechter werden.
[ 14 ] Überall wo wir hinblicken, insbesondere dann, wenn wir den Menschen ins Auge fassen, finden wir, daß der Welt geistige Kräfte zugrunde liegen, und wir verstehen den Menschen erst dann, wenn wir die Wechselwirkung dieser geistigen Kräfte wirklich ins Auge fassen. Das wird diese Menschheit gegen die Zukunft hin aufnehmen. Dann wird sie nicht begreifen können, wie einmal ein Zeitalter hat dazu kommen können, zu sagen: Da breitet sich eine Sinneswelt aus, in dieser Sinneswelt wirken Atome, wirken Moleküle, kleine Körperchen, deren Aneinanderstoßen durch gewisse Bewegungen des Lichtes oder der Elektrizität hervorgerufen werden sollen. — Nein, da wirken nicht Atome und Moleküle, da wirken geistige Kräfte! Hinter dem, was sinnlich ist, wirkt der Geist. Das wird der große Umschwung sein, daß der Mensch nicht mehr glauben wird, er ginge durch eine Nebelwolke von Atomen und Molekülen, sondern daß er sich bewußt sein wird, er geht mit jedem Schritt durch geistige Welten, und geistige Welten sind es, die in ihm leben, geistige Welten sind es, die ihn aufbauen, die ihn umgestalten. Gerade so, wie uns der materialistische Glaube, wie uns die bloße Post-mortemLehre hineingeführt hat als letzte Konsequenz in das, was jetzt im Osten Europas vorgeht, so wird uns hineinführen die Geistlehre in ein wirklich menschenwürdiges zukünfliges Dasein. Aber nur diese, einzig und allein diese kann zu einem wirklichen sozialen Aufbau führen. Aus dem Geist heraus muß der soziale Aufbau kommen, und ehe die Menschheit dieses nicht einsieht, eher kann es nicht besser werden, muß es immer schlechter und schlechter werden.
[ 15 ] Sie werden gewiß alle ein Christus-Wort aus dem Evangelium öfters durch Ihre Seele haben ziehen lassen: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Was bedeutet dieses Christus-Wort? Es hat keinen Sinn für denjenigen Menschen, der an Atome und Moleküle glaubt, denn dieser nimmt an: Es gab einmal vor diesem Erdendasein mit Tieren, Pflanzen und Menschen ein Nebelgebilde, aus dem sich allmählich die Sonne herausballte, aus dem sich die Planeten herausballten, und durch das Zusammenballen und Durcheinanderwirbeln sind Pflanzen, Tiere und Menschen entstanden. Gesund empfinden die Menschen, die, wie zum Beispiel der bekannte Kulturhistoriker Herman Grimm, sagen: Künftige Zeitalter werden Mühe haben, diesen Wahnsinn der Kant-Laplaceschen Theorie überhaupt nur zu erklären, denn ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund seine Kreise zieht, ist ein appetitlicherer Anblick als diese Theorie! — Das sagt ein gesund empfindender Mensch. Denn, indem wir hinausblicken in die Welt der Sinne, was ist denn hinter den Farben, was ist denn hinter den Tönen? Nicht Atome und Moleküle, sondern geistige Kräfte, die stoßen mit unseren geistigen Kräften zusammen und bilden so diesen Farben- und diesen Tonteppich, der um uns her ausgebreitet ist, oder auch diesen Wärmeteppich. Wenn also in Wahrheit das vorhanden ist, was ich schon in den achtziger Jahren in meiner Einleitung zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften gekennzeichnet habe: Die sich metamorphosierenden Empfindungen, und hinter diesen eine geistige Welt, dann werden wir dasjenige empfinden, was man sehen würde, wenn man jetzt von der Erde nach einem andern Stern fahren und von diesem Stern aus die Erde ansehen könnte. Da würde man nicht dasjenige sehen, was in unserer Umgebung ist an Bäumen, an Wolken, an Pflanzen und Tieren, da würde man nur wahrnehmen dasjenige, was innerhalb der menschlichen Haut ist; und das, was Sie in dem Stern sehen, ist nicht dasjenige, was die Wesen dieser andern Sterne sehen, denn das hat keine Bedeutung für einen fremden Stern. Das Licht, das Ihnen von andern Sternen entgegenstrahlt, ist nicht ein Vorgang in der äußeren Welt, das ist ein Vorgang in den Wesen, die diese Sterne bewohnen; geradeso wie das, was innerhalb Ihrer Haut ist, allein für das Schauen auf einem andern Stern von der Erde sichtbar ist. Wenn Sie das begreifen, dann werden Sie nicht mehr sagen: Die Erde ist aus einem Atomhaufen entstanden, der sich zusammengeballt hat. — Da bildet man sich Ideale, was soll aus solchen Idealen werden, wenn die Erde wieder übergeht in einen Atomhaufen? Verklungen, vergessen, vernichtet wäre die ganze moralische Welt, wäre alles, was jemals aus ethischen, sittlichen, religiösen Idealen aufgetaucht ist, wenn nur der Stoff, nur die Kraft ewig wären. Kraft und Stoff lösen sich auf in Empfindungen. Ewig ist der Geist, den wir in uns selbst tragen, und dieser Geist erscheint auch physisch auf einem fremden Weltkörper. Das, was außerhalb der Menschenhaut ist, ist gar nicht da für einen andern Weltkörper. Daher können wir sagen: Uns umgibt eine Natur; wir werden immer wieder und wieder geboren; die Natur wird nicht mehr da sein, die Natur wird einer andern Platz gemacht haben. Was von allem, das jetzt da ist, da sein wird, ist nur dasjenige, was innerhalb der menschlichen Haut lebt. Aus einer tief intuitiven Erkenntnis heraus sagte daher Christus Jesus: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen!» Alles das, was du außen siehst, wird vergehen, aber meine Worte, die aus meinem Mund herauskommen, werden nicht vergehen, die werden bestehen!
[ 15 ] Sie werden gewiß alle ein Christus-Wort aus dem Evangelium öfters durch Ihre Seele haben ziehen lassen: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Was bedeutet dieses Christus-Wort? Es hat keinen Sinn für denjenigen Menschen, der an Atome und Moleküle glaubt, denn dieser nimmt an: Es gab einmal vor diesem Erdendasein mit Tieren, Pflanzen und Menschen ein Nebelgebilde, aus dem sich allmählich die Sonne herausballte, aus dem sich die Planeten herausballten, und durch das Zusammenballen und Durcheinanderwirbeln sind Pflanzen, Tiere und Menschen entstanden. Gesund empfinden die Menschen, die, wie zum Beispiel der bekannte Kulturhistoriker Herman Grimm, sagen: Künftige Zeitalter werden Mühe haben, diesen Wahnsinn der Kant-Laplaceschen Theorie überhaupt nur zu erklären, denn ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund seine Kreise zieht, ist ein appetitlicherer Anblick als diese Theorie! — Das sagt ein gesund empfindender Mensch. Denn, indem wir hinausblicken in die Welt der Sinne, was ist denn hinter den Farben, was ist denn hinter den Tönen? Nicht Atome und Moleküle, sondern geistige Kräfte, die stoßen mit unseren geistigen Kräften zusammen und bilden so diesen Farben- und diesen Tonteppich, der um uns her ausgebreitet ist, oder auch diesen Wärmeteppich. Wenn also in Wahrheit das vorhanden ist, was ich schon in den achtziger Jahren in meiner Einleitung zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften gekennzeichnet habe: Die sich metamorphosierenden Empfindungen, und hinter diesen eine geistige Welt, dann werden wir dasjenige empfinden, was man sehen würde, wenn man jetzt von der Erde nach einem andern Stern fahren und von diesem Stern aus die Erde ansehen könnte. Da würde man nicht dasjenige sehen, was in unserer Umgebung ist an Bäumen, an Wolken, an Pflanzen und Tieren, da würde man nur wahrnehmen dasjenige, was innerhalb der menschlichen Haut ist; und das, was Sie in dem Stern sehen, ist nicht dasjenige, was die Wesen dieser andern Sterne sehen, denn das hat keine Bedeutung für einen fremden Stern. Das Licht, das Ihnen von andern Sternen entgegenstrahlt, ist nicht ein Vorgang in der äußeren Welt, das ist ein Vorgang in den Wesen, die diese Sterne bewohnen; geradeso wie das, was innerhalb Ihrer Haut ist, allein für das Schauen auf einem andern Stern von der Erde sichtbar ist. Wenn Sie das begreifen, dann werden Sie nicht mehr sagen: Die Erde ist aus einem Atomhaufen entstanden, der sich zusammengeballt hat. — Da bildet man sich Ideale, was soll aus solchen Idealen werden, wenn die Erde wieder übergeht in einen Atomhaufen? Verklungen, vergessen, vernichtet wäre die ganze moralische Welt, wäre alles, was jemals aus ethischen, sittlichen, religiösen Idealen aufgetaucht ist, wenn nur der Stoff, nur die Kraft ewig wären. Kraft und Stoff lösen sich auf in Empfindungen. Ewig ist der Geist, den wir in uns selbst tragen, und dieser Geist erscheint auch physisch auf einem fremden Weltkörper. Das, was außerhalb der Menschenhaut ist, ist gar nicht da für einen andern Weltkörper. Daher können wir sagen: Uns umgibt eine Natur; wir werden immer wieder und wieder geboren; die Natur wird nicht mehr da sein, die Natur wird einer andern Platz gemacht haben. Was von allem, das jetzt da ist, da sein wird, ist nur dasjenige, was innerhalb der menschlichen Haut lebt. Aus einer tief intuitiven Erkenntnis heraus sagte daher Christus Jesus: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen!» Alles das, was du außen siehst, wird vergehen, aber meine Worte, die aus meinem Mund herauskommen, werden nicht vergehen, die werden bestehen!
[ 16 ] Und nun blicken wir von diesem Gesichtspunkt aus auf die heutige Weltlüge hin! Da hören wir von den Kanzeln herab verkündigen, die Menschenseele sei unsterblich, da hören wir auf den Universitäten verkündigen, der Stoff und die Kraft seien ewig, und dann kommen die feigen Kompromißmenschen und wollen die beiden Dinge zusammenleimen. Ehrlich wäre nur, wenn diejenigen, die an die Ewigkeit des Stoffes glauben, sagen würden: Es gibt keine Ewigkeit der Seele — und diejenigen, die an die Ewigkeit der Seele glauben, die müssen die Ewigkeit des Materiellen leugnen, die müssen sich zu dem wahrhaft christlichen Wort bekennen: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte, das heißt der Inhalt meiner Seele, werden nicht vergehen! — Beide Dinge sind miteinander unvereinbar. Würde man mutig sein, so würden die materialistischen Universitätslehrer sagen, das Christentum gilt für uns nicht. Und diejenigen, die das Christentum zu verkündigen haben, würden um des Christentums willen den Materialismus der Universitäten bekämpfen müssen. Daß man es nicht tut, daß man die Dinge zusammenleimen will, das ist die große Lebenslüge unserer Zeit. Und wo die Gesinnung der Lügenhaftigkeit herrscht, da dehnt sich die Saat, da dehnt sich der Keim des Lügens aus, da schleicht er in die andern Lebensverhältnisse hinein. Das hat er genügend getan im Laufe der Zeit, weil man nicht neben der Postexistenz an Erkenntnis appellieren wollte, die unbedingt zur Präexistenz, zum vorgeburtlichen Leben hinweist. Weil man bloß von Postexistenz reden wollte, was nur an den Seelenegoismus, nicht an die Erkenntnis appelliert, daraus entspringt alle Unwahrhaftigkeit des Lebens, die heute auf so vielen Gebieten herrscht, weil sich der Geist des Unwahren nicht aufhalten läßt, wenn er unser Bestes, unsere innerste Überzeugung ergreift.
[ 16 ] Und nun blicken wir von diesem Gesichtspunkt aus auf die heutige Weltlüge hin! Da hören wir von den Kanzeln herab verkündigen, die Menschenseele sei unsterblich, da hören wir auf den Universitäten verkündigen, der Stoff und die Kraft seien ewig, und dann kommen die feigen Kompromißmenschen und wollen die beiden Dinge zusammenleimen. Ehrlich wäre nur, wenn diejenigen, die an die Ewigkeit des Stoffes glauben, sagen würden: Es gibt keine Ewigkeit der Seele — und diejenigen, die an die Ewigkeit der Seele glauben, die müssen die Ewigkeit des Materiellen leugnen, die müssen sich zu dem wahrhaft christlichen Wort bekennen: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte, das heißt der Inhalt meiner Seele, werden nicht vergehen! — Beide Dinge sind miteinander unvereinbar. Würde man mutig sein, so würden die materialistischen Universitätslehrer sagen, das Christentum gilt für uns nicht. Und diejenigen, die das Christentum zu verkündigen haben, würden um des Christentums willen den Materialismus der Universitäten bekämpfen müssen. Daß man es nicht tut, daß man die Dinge zusammenleimen will, das ist die große Lebenslüge unserer Zeit. Und wo die Gesinnung der Lügenhaftigkeit herrscht, da dehnt sich die Saat, da dehnt sich der Keim des Lügens aus, da schleicht er in die andern Lebensverhältnisse hinein. Das hat er genügend getan im Laufe der Zeit, weil man nicht neben der Postexistenz an Erkenntnis appellieren wollte, die unbedingt zur Präexistenz, zum vorgeburtlichen Leben hinweist. Weil man bloß von Postexistenz reden wollte, was nur an den Seelenegoismus, nicht an die Erkenntnis appelliert, daraus entspringt alle Unwahrhaftigkeit des Lebens, die heute auf so vielen Gebieten herrscht, weil sich der Geist des Unwahren nicht aufhalten läßt, wenn er unser Bestes, unsere innerste Überzeugung ergreift.
[ 17 ] Aber nur im Zusammenhang mit dem ganzen Menschenleben können diese Dinge richtig und voll gewürdigt werden. Das ganze Mittelalter und einen großen Teil der neueren Zeit hindurch sprach man von «tichtig» und «unrichtig». Jeder Mensch glaubte selbstverständlich, er habe das Richtige, und was nicht damit übereinstimmte, sei das Unrichtige, und wenn die Menschen über das Richtige und Unrichtige sprachen, dann redeten sie vom Gesichtspunkte der Logik. Logik war der große Stolz der Menschheit. Heute ist es schon fast nicht mehr so. Von Amerika herüber ist eine Lehre gekommen, die bereits die Philosophie ergriffen und in Deutschland eine besonders groteske Form angenommen hat. Das ist nun nicht mehr die logische Lehre von Wahr und Falsch, das ist der sogenannte Pragmatismus, die Lehre vom Nützlichen. Man glaubt an eine Sache als wahr nicht deshalb, weil man sie logisch durchschaut hat, sondern Leute wie James und andere sagen: Ach was, wahr oder falsch ist nur ein anderer Ausdruck für das, was nützlich oder schädlich ist! — Wir merken, irgend etwas ist uns nützlich, deshalb sagen wir, es sei wahr; wir merken, irgend etwas sei uns schädlich, deshalb sagen wir, es sei falsch! In Deutschland hat sich dieses als die Philosophie des «Als Ob» geltend gemacht, und es gibt wirklich ein dickes Buch darüber. von einem gewissen Universitätsprofessor Vaihinger, der lange in Halle Philosophie gelehrt hat. Die Philosophie des «Als Ob» bedeutet ungefähr: Man weiß nicht, ob es Moleküle oder Atome gibt, aber es ist nützlich, die Welt so zu erklären, als ob es Atome gäbe; man weiß nicht, ob das Gute irgendeine ewige Bedeutung hat, aber es ist nützlich, die Welt so zu erklären; man weiß nicht, ob es einen Gott gibt, aber es ist ‚nützlich für den Menschen, nützlicher als das Entgegengesetzte, die Welt so anzuschauen, als ob es einen Gott gäbe und so weiter. Ich drücke es nur mit ein paar paradigmatischen Worten aus. Diese Philosophie des «Als Ob» ist die deutsche Umgestaltung der amerikanischen Lehre, daß das Nützliche wahr und das Schädliche falsch ist.
[ 17 ] Aber nur im Zusammenhang mit dem ganzen Menschenleben können diese Dinge richtig und voll gewürdigt werden. Das ganze Mittelalter und einen großen Teil der neueren Zeit hindurch sprach man von «tichtig» und «unrichtig». Jeder Mensch glaubte selbstverständlich, er habe das Richtige, und was nicht damit übereinstimmte, sei das Unrichtige, und wenn die Menschen über das Richtige und Unrichtige sprachen, dann redeten sie vom Gesichtspunkte der Logik. Logik war der große Stolz der Menschheit. Heute ist es schon fast nicht mehr so. Von Amerika herüber ist eine Lehre gekommen, die bereits die Philosophie ergriffen und in Deutschland eine besonders groteske Form angenommen hat. Das ist nun nicht mehr die logische Lehre von Wahr und Falsch, das ist der sogenannte Pragmatismus, die Lehre vom Nützlichen. Man glaubt an eine Sache als wahr nicht deshalb, weil man sie logisch durchschaut hat, sondern Leute wie James und andere sagen: Ach was, wahr oder falsch ist nur ein anderer Ausdruck für das, was nützlich oder schädlich ist! — Wir merken, irgend etwas ist uns nützlich, deshalb sagen wir, es sei wahr; wir merken, irgend etwas sei uns schädlich, deshalb sagen wir, es sei falsch! In Deutschland hat sich dieses als die Philosophie des «Als Ob» geltend gemacht, und es gibt wirklich ein dickes Buch darüber. von einem gewissen Universitätsprofessor Vaihinger, der lange in Halle Philosophie gelehrt hat. Die Philosophie des «Als Ob» bedeutet ungefähr: Man weiß nicht, ob es Moleküle oder Atome gibt, aber es ist nützlich, die Welt so zu erklären, als ob es Atome gäbe; man weiß nicht, ob das Gute irgendeine ewige Bedeutung hat, aber es ist nützlich, die Welt so zu erklären; man weiß nicht, ob es einen Gott gibt, aber es ist ‚nützlich für den Menschen, nützlicher als das Entgegengesetzte, die Welt so anzuschauen, als ob es einen Gott gäbe und so weiter. Ich drücke es nur mit ein paar paradigmatischen Worten aus. Diese Philosophie des «Als Ob» ist die deutsche Umgestaltung der amerikanischen Lehre, daß das Nützliche wahr und das Schädliche falsch ist.
[ 18 ] Neben diesen Anschauungen gab es in allen alten Kulturen noch eine andere. Im späteren Griechentum war sie schon nicht mehr vorhanden; im älteren Griechentum ist sie für alle diejenigen, die diese Zeit nicht professorengemäß, sondern wahrheitsgemäß studieren, noch bemerkbar. Da redete man nicht im logischen Sinne von einer Anschauung, sie sei «wahr» oder «falsch», da redete man von einer Anschauung so, daß man sagte, sie sei «gesund» oder «krank». Das bedeutete etwas! Wir reden heute eigentlich nur noch von Gesundheit und Krankheit, wenn wir den physischen Menschen meinen, denn wir reden im gewöhnlichen Leben überhaupt nur noch von diesem. Da wissen wir, aus dem Kosmos heraus stammen Kräfte, die einen gesund oder krank machen, aber wenn wir von Seele und Geist reden, reden wir nicht mehr von gesund oder krank, da sind wir zum Abstrakten übergegangen, zur bloßen Theorie. In alten Kulturen hatte man die Empfindung, wenn irgend jemand etwas sagte, was richtig war: Das organisiert seinen Geist gut, da ist er gesund. — Wenn er etwas sagte, was schief war, was wir heute abstrakt «falsch» nennen, da empfand man konkret: Das kommt aus einer kranken Seelenstimmung heraus. — «Gesund» und «krank», das war etwas, was man auch von der Seele sagte, was man von der Seele vor allen Dingen empfand. Aus dieser Empfindung heraus stammt das Wort, über das die Gelehrten später lange philologische Abhandlungen verfaßt haben, das Wort «Katharsis» in der griechischen Tragödie, ein Wort, das aus den Mysterien kommt. Katharsis geht nach Aristoteles in der Menschenseele vor sich, wenn sie eine Tragödie ansieht. Da wird Furcht und Mitleid erregt, damit Furcht und Mitleid zu einer Art Krisis, Katharsis führt, und der Mensch gereinigt wird in Furcht und Mitleid. Da wird der Vorgang, der in der Menschenseele vorgeht, indem sie eine Tragödie ansieht, wie ein Gesundungsprozeß aus der erkrafteten Seele heraus geschildert. Da haben Sie in der Ästhetik, in der Kunst, noch drinnen den Begriff des Gesund- und des Krankmachenden.
[ 18 ] Neben diesen Anschauungen gab es in allen alten Kulturen noch eine andere. Im späteren Griechentum war sie schon nicht mehr vorhanden; im älteren Griechentum ist sie für alle diejenigen, die diese Zeit nicht professorengemäß, sondern wahrheitsgemäß studieren, noch bemerkbar. Da redete man nicht im logischen Sinne von einer Anschauung, sie sei «wahr» oder «falsch», da redete man von einer Anschauung so, daß man sagte, sie sei «gesund» oder «krank». Das bedeutete etwas! Wir reden heute eigentlich nur noch von Gesundheit und Krankheit, wenn wir den physischen Menschen meinen, denn wir reden im gewöhnlichen Leben überhaupt nur noch von diesem. Da wissen wir, aus dem Kosmos heraus stammen Kräfte, die einen gesund oder krank machen, aber wenn wir von Seele und Geist reden, reden wir nicht mehr von gesund oder krank, da sind wir zum Abstrakten übergegangen, zur bloßen Theorie. In alten Kulturen hatte man die Empfindung, wenn irgend jemand etwas sagte, was richtig war: Das organisiert seinen Geist gut, da ist er gesund. — Wenn er etwas sagte, was schief war, was wir heute abstrakt «falsch» nennen, da empfand man konkret: Das kommt aus einer kranken Seelenstimmung heraus. — «Gesund» und «krank», das war etwas, was man auch von der Seele sagte, was man von der Seele vor allen Dingen empfand. Aus dieser Empfindung heraus stammt das Wort, über das die Gelehrten später lange philologische Abhandlungen verfaßt haben, das Wort «Katharsis» in der griechischen Tragödie, ein Wort, das aus den Mysterien kommt. Katharsis geht nach Aristoteles in der Menschenseele vor sich, wenn sie eine Tragödie ansieht. Da wird Furcht und Mitleid erregt, damit Furcht und Mitleid zu einer Art Krisis, Katharsis führt, und der Mensch gereinigt wird in Furcht und Mitleid. Da wird der Vorgang, der in der Menschenseele vorgeht, indem sie eine Tragödie ansieht, wie ein Gesundungsprozeß aus der erkrafteten Seele heraus geschildert. Da haben Sie in der Ästhetik, in der Kunst, noch drinnen den Begriff des Gesund- und des Krankmachenden.
[ 19 ] Dazu müssen wir wieder zurückkommen! Wir müssen wieder den Begriff bekommen davon, daß das, was wir im Abstrakten das Richtige nennen, davon herkommt, daß die Seele, die heruntersteigt aus dem vorgeburtlichen Dasein, den Körper bezwingt, daß sie ihn organisieren kann, daß er sich als plastisches Material den Seelenkräften fügt, die ihn gesund machen. Das ist das Wahre. Was aus einer Seele kommt, die ihren Körper nicht als Apparat gebrauchen kann, die sich schief äußert, dunkel äußert durch ihren Körper, das ist das Seelisch-Kranke. Wir müssen wieder lernen die Begriffe wahr und falsch durch gesund und krank zu ersetzen. Wir müssen wieder empfinden jenen inneren Schmerz, der uns überkommen kann, wenn irgend jemand unrichtige Ansichten äußert, wir müssen empfinden die innere Befriedigung am Wahren. Das aber werden wir nicht, bevor wir nicht ebenso vom vorgeburtlichen Dasein sprechen, wie wir vom nachtodlichen Dasein sprechen, bevor wir nicht lernen, ein Wort wie Ungeborenheit ebenso zu gebrauchen wie Unsterblichkeit, was beweist, wie weit wir abgekommen sind von der Erkenntnis jener geistigen Welt, der der Mensch eigentlich entstammt.
[ 19 ] Dazu müssen wir wieder zurückkommen! Wir müssen wieder den Begriff bekommen davon, daß das, was wir im Abstrakten das Richtige nennen, davon herkommt, daß die Seele, die heruntersteigt aus dem vorgeburtlichen Dasein, den Körper bezwingt, daß sie ihn organisieren kann, daß er sich als plastisches Material den Seelenkräften fügt, die ihn gesund machen. Das ist das Wahre. Was aus einer Seele kommt, die ihren Körper nicht als Apparat gebrauchen kann, die sich schief äußert, dunkel äußert durch ihren Körper, das ist das Seelisch-Kranke. Wir müssen wieder lernen die Begriffe wahr und falsch durch gesund und krank zu ersetzen. Wir müssen wieder empfinden jenen inneren Schmerz, der uns überkommen kann, wenn irgend jemand unrichtige Ansichten äußert, wir müssen empfinden die innere Befriedigung am Wahren. Das aber werden wir nicht, bevor wir nicht ebenso vom vorgeburtlichen Dasein sprechen, wie wir vom nachtodlichen Dasein sprechen, bevor wir nicht lernen, ein Wort wie Ungeborenheit ebenso zu gebrauchen wie Unsterblichkeit, was beweist, wie weit wir abgekommen sind von der Erkenntnis jener geistigen Welt, der der Mensch eigentlich entstammt.
[ 20 ] Solche Dinge, die ich heute nur kurz zusammengefaßt habe, finden Sie eingehender in mannigfaltigen Ausführungen in Zyklen und Büchern dargestellt. Aus solchen Betrachtungen können Sie ersehen, was es für einen Umschwung in der ganzen Verfassung der Menschenseele bedeuten wird, wenn dasjenige, was der Nerv der Geisteswissenschaft ist, die menschlichen Gemüter wirklich ergreift, wenn die Menschen in der Welt mit einem solchen Bewußtsein ihres Wesens herumgehen werden, wie es ihnen werden kann aus der Geisteswissenschaft heraus. Die Menschen fronen heute nur dem Egoismus der Seele, der eine Postexistenz festhalten will, sie wollen nicht vordringen zum eigentlichen Ergreifen der Menschenseele, die vor der Geburt ebenso Erlebnisse hatte, wie sie nach dem Tode Erlebnisse haben wird. Die ganze, volle Ewigkeit der Menschenseele begreift nur der, der nicht nur von einer Unsterblichkeit, sondern von einer Ungeborenheit aus der Erkenntnis heraus reden kann. Glauben können wir, weil der Glaube immer aus dem Wunsche an das nachtodliche Leben kommt, wissen können wir von dem vorgeburtlichen und von dem nachtodlichen Leben als zwei Dingen, die voneinander untrennbar sind. Erkenntnis geht auf die volle Wesenheit der Menschenseele, Glaube geht nur auf die Post-mortem-Existenz. Das ist es, was der Mensch erobern muß: Erkenntnis des Geistigen; das ist es aber, wogegen sich die gegenwärtigen Menschen so stemmen. Wirkliche Erkenntnis der geistigen Welt kann nur aus der Geisteswissenschaft fließen. Aus ihr wird kommen eine Verfassung der Menschenseele, die gesund ist, nicht bloß wahr ist, und die physische Gesundung wird ein notwendiges Ergebnis der geistigen Gesundung sein. Dann wird der Mensch nicht wie die heutige Geologie die Erde anschauen als eine große mineralische Kugel, sondern wird sie ansehen als Geistwesen, in welchem er selber ein Glied ist. Das ist es, worauf wir hinarbeiten müssen. Dies sollte den ersten Teil meiner heutigen Betrachtungen bilden.
[ 20 ] Solche Dinge, die ich heute nur kurz zusammengefaßt habe, finden Sie eingehender in mannigfaltigen Ausführungen in Zyklen und Büchern dargestellt. Aus solchen Betrachtungen können Sie ersehen, was es für einen Umschwung in der ganzen Verfassung der Menschenseele bedeuten wird, wenn dasjenige, was der Nerv der Geisteswissenschaft ist, die menschlichen Gemüter wirklich ergreift, wenn die Menschen in der Welt mit einem solchen Bewußtsein ihres Wesens herumgehen werden, wie es ihnen werden kann aus der Geisteswissenschaft heraus. Die Menschen fronen heute nur dem Egoismus der Seele, der eine Postexistenz festhalten will, sie wollen nicht vordringen zum eigentlichen Ergreifen der Menschenseele, die vor der Geburt ebenso Erlebnisse hatte, wie sie nach dem Tode Erlebnisse haben wird. Die ganze, volle Ewigkeit der Menschenseele begreift nur der, der nicht nur von einer Unsterblichkeit, sondern von einer Ungeborenheit aus der Erkenntnis heraus reden kann. Glauben können wir, weil der Glaube immer aus dem Wunsche an das nachtodliche Leben kommt, wissen können wir von dem vorgeburtlichen und von dem nachtodlichen Leben als zwei Dingen, die voneinander untrennbar sind. Erkenntnis geht auf die volle Wesenheit der Menschenseele, Glaube geht nur auf die Post-mortem-Existenz. Das ist es, was der Mensch erobern muß: Erkenntnis des Geistigen; das ist es aber, wogegen sich die gegenwärtigen Menschen so stemmen. Wirkliche Erkenntnis der geistigen Welt kann nur aus der Geisteswissenschaft fließen. Aus ihr wird kommen eine Verfassung der Menschenseele, die gesund ist, nicht bloß wahr ist, und die physische Gesundung wird ein notwendiges Ergebnis der geistigen Gesundung sein. Dann wird der Mensch nicht wie die heutige Geologie die Erde anschauen als eine große mineralische Kugel, sondern wird sie ansehen als Geistwesen, in welchem er selber ein Glied ist. Das ist es, worauf wir hinarbeiten müssen. Dies sollte den ersten Teil meiner heutigen Betrachtungen bilden.
