The New Spirituality and the
Christ Experience of the Twentieth Century
GA 200
31 October 1920, Dornach
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The New Spirituality and the Christ Experience of the Twentieth Century, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Ich habe gestern versucht, Ihnen einiges zu schildern von den europäischen Verhältnissen, wie sie sich in der nächsten Zeit herausbilden müssen, und Sie haben gesehen, wie mit der europäischen Entwickelung, überhaupt mit der Entwickelung der modernen Zivilisation verbunden sein muß ein gewisses Hinschwinden dessen, was die Menschen in der gegenwärtigen Zeit auf manchen Gebieten noch durchaus als etwas ihnen Bequemes, etwas ihnen Wertes ansehen. Aus der Art, wie ich gerade gestern darstellen mußte, ersehen Sie, daß es noch für manchen, der lieber die Entwickelung der nächsten Zeiten in bequemem Schlafe, im Seelenschlafe verleben möchte, ein gar nicht behagliches Erwachen geben wird. Ich will nicht sagen — ich habe das schon gestern angedeutet —, daß die Prophezeiungen derjenigen bis aufs i-Pünktchen stimmen müssen, die nur in so äußerlichen Dingen wie in der Diskrepanz zwischen Japan und Amerika etwa das Wesentliche der nächsten Entwickelung sehen. Aber als bevorstehend muß betrachtet werden, was ich Ihnen, wenigstens mit einigen Strichen, charakterisiert habe als den großen Geisteskampf des Ostens mit dem Westen, des Westens mit dem Osten, in dem eingekeilt sein wird dasjenige, was wir jetzt schon durch Wochen kennengelernt haben als die eigentliche Kultur der europäischen Mitte. Gerade aus dem heraus, was sich als die moderne, auf Naturwissenschaft gebaute Weltanschauung in der letzten Zeit betätigt hat — so sonderbar das klingt, es muß gesagt werden —, gerade aus dem heraus wird das intensivste Bedürfnis entstehen müssen nach dem, was ich bezeichnete als das Christus-Erlebnis, das bevorsteht. Wir haben namentlich durch die Auseinandersetzungen von gestern erfahren können, wie wenig von diesem Christus-Erlebnis eigentlich in der Gegenwart vorhanden ist. Gerade das, was man das Christus-Erlebnis nennen könnte, ist ja seit dem Mysterium von Golgatha durch die Entwickelung der Menschheit, besonders in den letzten Jahrhunderten, durchaus in die Dekadenz gekommen. Und wir konnten sehen, daß auf Grund des unmöglichen Festhaltens an dem alten Verbot des Evangelienlesens, das ja von der katholischen Kirche noch theoretisch festgehalten wird gegenüber der Forderung der Menschheit, die Evangelien zu bekommen, die Evangelien lesen zu können, sich ein Christus-Erlebnis nicht entwickeln kann. Und wir haben schon darauf hingewiesen, wie die besondere Seelenverfassung, die da im Anzuge ist innerhalb der modernen Zivilisation, wiederum hinführen wird zu dem Christus-Erlebnis, geradeso wie zu solchem Erlebnis hinführen konnte dasjenige, was von den Resten der alten instinktiven Hellsichtigkeit der Menschheit zur Zeit des Mysteriums von Golgatha noch da war. Aber man muß sich klar sein darüber, daß, wie auch sonst wesentliche, einschlagende Ereignisse in der Menschheitsentwickelung auf eine andere Art kommen, als man in den Kreisen der Philister und Pedanten erwartet, dasjenige, was man das Christus-Erlebnis von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nennen muß, in einer anderen Weise kommen wird. Und eine ganz klar zu umschreibende Beziehung zu der auf moderne Naturwissenschaft gebauten Weltanschauung wird dieses Erlebnis haben.
[ 1 ] Yesterday I tried to describe to you some aspects of the European situation as it is bound to unfold in the near future, and you have seen how European development—and indeed the development of modern civilization in general—must be accompanied by a certain decline in what people today still regard, in many areas, as something comfortable and valuable to them. From the way I had to describe things just yesterday, you can see that for many who would prefer to spend the coming times in a comfortable slumber—a slumber of the soul—there will be a far from pleasant awakening. I do not mean to say—as I already hinted at yesterday—that the prophecies of those who see the essence of future developments solely in such external matters as the discrepancy between Japan and America, for example, must come true down to the last detail. But what I have characterized for you—at least in broad strokes—as the great spiritual struggle between the East and the West, and between the West and the East, must be regarded as imminent; wedged between them will be what we have already come to know over the past few weeks as the true culture of central Europe. Precisely out of what has recently been active as the modern worldview based on the natural sciences—as strange as it may sound, it must be said—precisely out of this will the most intense need arise for what I have described as the Christ experience that lies ahead. We have been able to see, particularly through yesterday’s discussions, how little of this Christ experience is actually present today. Precisely what one might call the Christ experience has, since the Mystery of Golgotha, fallen into complete decadence through the course of human development, especially in recent centuries. And we have seen that, due to the impossible insistence on the old prohibition against reading the Gospels—a prohibition still theoretically upheld by the Catholic Church in the face of humanity’s demand to receive the Gospels and to be able to read them—a Christ experience cannot develop. And we have already pointed out how the particular state of the soul that is now emerging within modern civilization will in turn lead to the experience of Christ, just as that which remained of humanity’s old instinctive clairvoyance at the time of the Mystery of Golgotha was able to lead to such an experience. But one must be clear about the fact that, just as other significant, transformative events in human development occur in a different way than is expected in the circles of philistines and pedants, so too will what must be called the “Christ experience” of the first half of the 20th century come about in a different way. And this experience will have a relationship to the worldview based on modern natural science that can be very clearly defined.
[ 2 ] Bedenken Sie nur das Folgende: Die Seelenverfassung der Menschen ist — ich habe das oft beschrieben, noch in diesen Tagen — seit der Mitte des 15. Jahrhunderts eine ganz andere geworden, als sie früher war. Das berücksichtigt die äußere Geschichte nicht, weil diese äußere Geschichte immer wieder und wieder an der Oberfläche haftet. Aber insbesondere ist in der Zeit von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in unsere Tage die Seelenverfassung der Gesamtmenschheit einer wesentlichen Änderung unterworfen gewesen. Auch das wird viel zu wenig berücksichtigt, weil die Menschen gewohnheitsmäßig an denjenigen Dingen festhalten, welche ihnen einmal eingepfropft worden sind. Man kann höchstens eine Durchbrechung dieses gewohnheitsmäßigen Festhaltens an dem Eingepfropften bemerken, wenn man heute mit wacher Seele verfolgt, was mit der jüngeren Generation an Anschauung heraufkommt, und es vergleicht mit dem, was in ihrer Jugend die heute älteren Menschen als Anschauung gehabt haben. Die Diskrepanz zwischen dem heutigen Alter und der heutigen Jugend ist insbesondere durch die Dichter immer wieder und wiederum dargestellt worden, und wenn die Menschen sich nicht gar zu sehr einkapseln würden in ihre gewohnten Vorstellungen, so daß sie eigentlich nichts hereinlassen, was ihren Denkgewohnheiten widerspricht, so würde man schon bemerken, welch ein ungeheurer Riß eigentlich vorhanden ist zwischen dem heutigen Alter und der heutigen Jugend.
[ 2 ] Just consider the following: The state of the human soul—as I have often described, even in recent days—has become quite different since the mid-15th century than it was before. External history does not take this into account, because external history remains stuck on the surface time and time again. But in particular, from the mid-19th century to the present day, the spiritual constitution of all humanity has undergone a fundamental change. This, too, is given far too little consideration, because people habitually cling to the things that were once instilled in them. At most, one can discern a break from this habitual clinging to what has been instilled by observing with an alert spirit the views emerging among the younger generation today and comparing them with the views held by today’s older generation during their youth. The discrepancy between today’s older generation and today’s youth has been depicted time and again, particularly by poets; and if people did not shut themselves off so completely within their habitual ideas—to the point of letting in nothing that contradicts their habitual ways of thinking—one would already notice what an enormous rift actually exists between today’s older generation and today’s youth.
[ 3 ] Auf der anderen Seite ist heute ein ungeheuer reaktionär-konservatives Element in der Menschheitsentwickelung vorhanden, und auf das habe ich auch schon gestern hingedeutet. Es ist der Autoritätsglaube gegenüber der landläufigen Wissenschaft. Und das hängt zusammen damit, daß diese landiäufige Wissenschaft eigentlich sich mit Riesenschritten das allgemeine Bewußtsein erobert hat. Das unterschätzt man eben durchaus heute. Man sollte nur einmal verfolgen, mit welcher Raschheit insbesondere in den letzten Jahrzehnten die gebräuchlichen Vorstellungen jener Wissenschaft, die sich im 19. Jahrhundert ausgebildet hat, bis in die allerungebildetsten Menschenklassen hinunter alle Seelen ergriffen haben. Gewiß, es halten sich manche Menschen noch im Zustande einer gewissen Frömmigkeit, die nichts wissen will von dem, was durch die moderne naturwissenschaftliche Vorstellung in die Menschheit eindringt. Aber in dieser Frömmigkeit ist zumeist verankert eine ungeheure Unwahrhaftigkeit, ein Nicht-sehen-Wollen auch desjenigen, was sich dort ausbreitet, und was man nicht anders bezeichnen kann als den durch die Naturwissenschaft hervorgerufenen Materialismus der neueren Menschheit. Die Ausbreitung dieses Materialismus wird in den nächsten Zeiten nicht etwa eine Zurückdämmung erfahren, wie einzelne wissenschaftliche Illusionäre glauben, sondern im Gegenteil, die Ausbreitung dieses populärwissenschaftlichen Materialismus wird mit rasender Eile zunehmen, und man wird sehen, daß aus dem Chaos der modernen Zivilisation heraus diese materialistische Stimmung immer mehr und mehr zunehmen wird. Und aus dieser materialistischen Stimmung heraus können sich, wenn die Sache genügend vorbereitet wird, wenn Geisteswissenschaft mit dem, was sie will, durchdringt, wenn also Anregung gegeben werden kann zu einer sachgemäßen Entwickelung schon der Kinder in der Schule, dann können sich aus diesem Chaos heraus einzelne Seelen entwickeln, welche eines besonders stark empfinden werden, das ich jetzt charakterisieren möchte, obwohl diese Charakteristik in der verschiedensten Weise schon bei anderen Gelegenheiten gegeben worden ist.
[ 3 ] On the other hand, there is today an immensely reactionary-conservative element present in the development of humanity, and I already alluded to this yesterday. It is the blind faith in conventional science. And this is connected to the fact that this mainstream science has, in fact, conquered the general consciousness in giant strides. This is something that is thoroughly underestimated today. One need only observe the rapidity with which—especially in recent decades—the common notions of that science, which took shape in the 19th century, have taken hold of every soul, right down to the most uneducated classes of people. Certainly, some people still cling to a certain piety that refuses to acknowledge what is penetrating humanity through modern scientific concepts. But anchored within this piety is, for the most part, an immense insincerity—a refusal to see even what is spreading there, and which can be described as nothing other than the materialism of modern humanity brought about by the natural sciences. The spread of this materialism will not be curbed in the coming times, as some scientific dreamers believe, but on the contrary, the spread of this popular-scientific materialism will increase at a breakneck pace, and we will see that, out of the chaos of modern civilization, this materialistic mood will grow ever more and more. And out of this materialistic mood, if the groundwork is sufficiently laid—if spiritual science permeates society with its message, if, in other words, the proper impetus can be given for the appropriate development of even children in school— then, out of this chaos, individual souls may develop who will feel one thing particularly strongly—something I would now like to characterize, although this characterization has already been given in various ways on other occasions.
[ 4 ] Wenn derjenige, der ein wenig die moderne naturwissenschaftliche Weltanschauung kennt, sie mit wachen Seelenaugen verfolgt, so muß er das besonders charakteristisch in ihr finden, daß sie außerstande ist, den Menschen irgendwie zu begreifen. Eigentlich fällt aus dieser modernen naturwissenschaftlichen Weltanschauung der Mensch als solcher ganz heraus. Wir haben Gelegenheit gehabt, als hier unser Hochschulkursus gehalten worden ist, auf den verschiedensten Gebieten der einzelnen Fachwissenschaften zu sehen, wie diese Fachwissenschaften nichts zu sagen haben über das eigentliche Wesen des Menschen. Man braucht nur einiges Charakteristische aus diesen Wissenschaften herauszunehmen. Da haben wir zum Beispiel die gebräuchliche Darwinistische oder Weismannsche oder wie immer gefärbte Entwickelungslehre; sie zeigt die Entwickelung der Lebewesen von den unvollkommensten bis zu den vollkommensten, und sie begründet die Ansicht, daß auch der Mensch aus dieser Entwickelungsströmung hervorgegangen ist. Aber eigentlich betrachtet sie vom Menschen nur so viel, als am Menschen Tierisches ist. Sie betrachtet den Menschen überall nur so weit, als sie sagen kann: Irgendein Glied, irgendeine Ausbildung am Menschen geht aus diesem Glied, aus dieser Ausbildung der Tierströmung hervor. Inwiefern das Tierische am Menschen verändert auftritt, inwiefern das Tierische beim Menschen etwas anderes ist als beim Tiere, das betrachtet eigentlich diese Wissenschaft nicht. Dagegen den Menschen selbst wirklich ins Auge zu fassen, das ist dieser Wissenschaft abhanden gekommen. Der Mensch fällt gewissermaßen aus dieser Wissenschaft ganz heraus. Diese Wissenschaft hat gewissenhafte Methoden entwikkelt. Sie hat eine gewisse Disziplin begründet, die notwendig ist, wenn man heute mitreden will in Fragen der Weltanschauung. Aber es war diese Wissenschaft nicht imstande, irgendwie das menschliche Begreifen zu dem zu erheben, was den Menschen selbst begreiflich macht. Der Mensch fällt heraus aus dem, was heute wissenschaftliches Begreifen ist, so daß er immer mehr und mehr sich selber als ein Rätsel gegenübertreten muß. Das empfinden heute noch die wenigsten; und diejenigen, die es empfinden, können es sich wohl theoretisch klarmachen, aber es ist noch nicht ein einheitliches Gefühl davon vorhanden. Aus richtig geleiteten Volksschulen wird dieses Gefühl mit aller Lebendigkeit hervorgehen. Es werden aus richtig geleiteten Volksschulen die Kinder so hervorkommen, daß sie im Fühlen schon haben: Ja, wir haben eine Wissenschaft, die aus der modernen Intellektualität geboren ist; aber gerade je weiter wir kommen in diesem Wissen, je mehr wir da lernen von der Natur, desto weniger können wir von uns selbst, desto weniger können wir vom Menschen begreifen.
[ 4 ] Anyone who is even slightly familiar with the modern scientific worldview and observes it with the eyes of the soul will find it particularly characteristic that it is incapable of comprehending human beings in any way. In fact, human beings as such are completely absent from this modern scientific worldview. When our university course was held here, we had the opportunity to see, across the most diverse fields of the individual scientific disciplines, how these disciplines have nothing to say about the true nature of the human being. One need only extract a few characteristic examples from these sciences. Take, for example, the common Darwinian or Weismannian theory of evolution—or whatever its specific flavor may be; it traces the evolution of living beings from the most imperfect to the most perfect, and it supports the view that human beings, too, have emerged from this evolutionary current. But in reality, it considers only that aspect of human beings which is animal in nature. It considers human beings only to the extent that it can say: Some limb or some feature in humans arises from this limb or this feature of the animal lineage. To what extent the animal aspect in humans appears in a modified form, to what extent the animal aspect in humans is different from that in animals—this is something this science does not actually consider. On the other hand, truly taking human beings themselves into account—that is something this science has lost sight of. In a sense, the human being falls completely outside the scope of this science. This science has developed meticulous methods. It has established a certain discipline that is necessary if one wishes to have a say today in questions of worldview. But this science has been unable to elevate human understanding in any way to that which makes the human being itself comprehensible. Human beings fall outside the scope of what constitutes scientific understanding today, so that they must increasingly confront themselves as a mystery. Very few people sense this today; and those who do can certainly grasp it theoretically, but a unified sense of it does not yet exist. This sense will emerge with all its vitality from properly guided elementary schools. Children will emerge from properly led elementary schools in such a way that they will already feel: Yes, we have a science born of modern intellectuality; but the further we advance in this knowledge—the more we learn from nature—the less we can understand about ourselves, the less we can understand about human beings.
[ 5 ] Dieser Intellekt, der ja die hauptsächlichste sich entwickelnde Seelenkraft der letzten Jahrhunderte war, und der es auch heute noch ist, höhlt gewissermaßen den Menschen ganz aus in bezug auf seine Selbstempfindung, in bezug auf sein Selbstgefühl. Und auf der anderen Seite steht wieder die Forderung da, daß der Mensch sich ganz auf den Boden seiner eigenen Wesenheit stellen soll. Das tritt gerade, ich möchte sagen, als eine wesentliche soziale Forderung hervor. Neben dem, daß die Wissenschaft der neueren Zeit über den Menschen nichts auszusagen vermag, sehen wir auf der anderen Seite überall die Forderungen stehen, die nun nicht wissenschaftlich auftreten, sondern die aus der Tiefe der Menscheninstinkte heraufkommen, wir sehen die Forderung: Der Mensch müsse sich erheben können zu einem menschenwürdigen Dasein, der Mensch müsse erfühlen können, was sein Wesen ist. Wir sehen immer mehr und mehr praktische Forderungen auftreten, und wir sehen auf der anderen Seite immer mehr und mehr das Unvermögen der Wissenschaft, dem Menschen über sein eigenes Wesen irgend etwas zu sagen. Solch eine Diskrepanz im menschlichen Erleben wäre in älteren Zeiten der menschlichen Weltanschauungs-Entwickelung ganz unmöglich gewesen.
[ 5 ] This intellect, which has indeed been the primary evolving spiritual force of the past centuries—and which remains so even today—in a sense completely hollows out the human being with regard to his sense of self and his self-esteem. And on the other hand, there is once again the demand that human beings should stand firmly on the ground of their own being. This emerges, I would say, as an essential social demand. Alongside the fact that modern science has nothing to say about human beings, we see, on the other hand, demands arising everywhere—demands that do not stem from science but rise from the depths of human instincts; we see the demand that human beings must be able to rise to a life worthy of their dignity, that they must be able to sense what their true nature is. We see more and more practical demands emerging, and on the other hand, we see more and more the inability of science to tell human beings anything about their own nature. Such a discrepancy in human experience would have been entirely impossible in earlier periods of the development of the human worldview.
[ 6 ] Stellen wir die alte orientalische Weltanschauung noch einmal vor uns, so werden wir aus dem, was wir darüber andeuten konnten, sagen müssen: Da wußte der Mensch, er kommt aus geistigen Höhen herunter; er lebt, bevor er durch die Empfängnis beziehungsweise Geburt eingetreten ist in das physische Dasein, in einer geistigen Welt. Er bringt sich aus einer geistigen Welt mit, was eben noch in ihm ist, was als Anlage, was als Aspiration herauskommt in der Kindheit, was ihm dann durch die ganze Lebenszeit auf Erden hindurch bleibt. Jeder Orientale der älteren Zeiten hat gewußt, daß dasjenige, was aus seiner Seele sich herausarbeitet in der Kindheit, in der Jugend, eine Mitgift ist aus den geistigen Welten heraus, die er durchlebt hat, bevor er sein physisches Dasein angetreten hat. Theoretisch einzusehen, daß man ein solches geistiges Leben vor dem Erdenleben durchlebt hat, das hat nicht den großen Wert. Den großen Wert hat das lebendige Gefühl davon, den großen Wert hat es, wenn man fühlt: Was da in einem herangewachsen ist seit der Kindheit in der seelischen Entwickelung, das kommt aus der geistigen Welt her.
[ 6 ] If we once again picture the ancient Eastern worldview, we must conclude from what we have been able to suggest about it: In that worldview, human beings knew that they had descended from spiritual heights; before entering physical existence through conception or birth, they lived in a spiritual world. They bring with them from a spiritual world what is still within them—what emerges in childhood as a predisposition or an aspiration, and what remains with them throughout their entire life on earth. Every person in the East in earlier times knew that what emerges from their soul during childhood and youth is a gift from the spiritual worlds they had experienced before entering physical existence. Theoretically understanding that one has lived such a spiritual life prior to earthly life is not of great value. What is of great value is the living sense of this; it is of great value when one feels: What has grown within me since childhood in the course of my soul’s development comes from the spiritual world.
[ 7 ] Dieses Gefühl aber ist heute eigentlich einem anderen gewichen. Es ist einem anderen gewichen beim einzelnen Menschen, und namentlich im sozialen Leben ist es heute einem anderen Gefühl gewichen. Und da liegt etwas Wichtiges vor, auf das man hinschauen muß. Immer mehr und mehr lastet auf dem Menschen halb unbewußt das Gefühl von seinen vererbten Eigenschaften. Wer unbefangen heute auf das, was die Menschen fühlen, hinschauen kann, der sieht: Eigentlich fühlt der Mensch, das, was er ist, ist er durch seine Eltern, Voreltern und so weiter. Er fühlt nicht wie der alte Mensch, daß dasjenige, was in ihm aufflammt von Kindheit auf, aus jenen Tiefen herauskommt, in denen sich verankert hat, was er aus seinen geistigen Erlebnissen vor dem Erdenleben mitbekommen hat, sondern er fühlt in sich die von den Eltern, Großeltern und so weiter vererbten Eigenschaften. Man fragt auch heute zuerst: Wo hat das Kind das, wo jenes her? — Und wenige Menschen geben sich darauf die Antwort: Das hat das Kind von dem oder jenem Erlebnisse der geistigen Welt —, sondern man forscht danach, ob das von Großmutter, Großvater und dergleichen herstammt. Aber je mehr im einzelnen Menschen dies nicht als eine theoretische Ansicht, sondern als ein Gefühl auftritt, als ein Gefühl der Abhängigkeit von bloß irdisch vererbten Eigenschaften, desto drückender wird dieses Gefühl, desto furchtbarer nach und nach wird dieses Gefühl. Und dieses Gefühl wird mit einer rasenden Eile an Stärke zunehmen. Es wird bis zur Unerträglichkeit sich steigern müssen in dem nächsten Jahrzehnt, denn dieses Gefühl ist verbunden mit einem anderen, mit einem gewissen Gefühl der Wertlosigkeit des menschlichen Daseins. Das wird immer mehr und mehr auftreten, daß der Mensch die Wertlosigkeit seines Daseins fühlt, wenn er dieses Sein als nichts anderes fühlen kann denn als eine Zusammenfassung dessen, was seinem Blute, was seinen übrigen Organen eingepflanzt ist aus den physisch vererbten Eigenschaften heraus. Heute ist das, was da auftritt, allerdings noch bis zu einem gewissen Grade eine bloße Theorie. Dichter haben es auch schon als Erlebnis dargestellt. Aber es wird als Gefühl, es wird als Empfindung auftreten, und dann wird es eine drückende Eigentümlichkeit sein des Fühlens der zivilisierten Menschheit. Es wird wie eine Last auf der Seele ruhen, dieses Sich-Erleben in den bloß vererbten Eigenschaften. So tritt das, was die Naturwissenschaft dem Menschen nicht geben kann, das Menschenverständnis selber, so tritt es auf in seinem Mangel, indem der Mensch sich nicht als ein Kind der geistigen Welt fühlt, sondern lediglich als ein Kind der in dem irdischen, physischen Daseinslaufe vererbten Eigenschaften.
[ 7 ] But today, this feeling has actually given way to another. It has given way to another feeling within the individual, and especially in social life, it has given way to another feeling. And there is something important here that we must pay attention to. More and more, the feeling of one’s inherited traits weighs on people, almost unconsciously. Anyone who can look impartially today at what people feel will see this: In reality, a person feels that what they are is what they have become through their parents, grandparents, and so on. They do not feel, as people of the past did, that what flares up within them from childhood arises from those depths in which what they received from their spiritual experiences before their earthly life has become anchored; rather, they feel within themselves the characteristics inherited from their parents, grandparents, and so on. Even today, the first question people ask is: Where did the child get this or that? — And few people answer it by saying, “The child got that from this or that experience in the spiritual world”—instead, they investigate whether it comes from the grandmother, grandfather, or the like. But the more this arises in the individual not as a theoretical view but as a feeling—a feeling of dependence on merely earthly inherited traits—the more oppressive this feeling becomes, and the more dreadful it gradually grows. And this feeling will increase in intensity at a breakneck pace. It will have to intensify to the point of unbearability over the next decade, for this feeling is linked to another—a certain sense of the worthlessness of human existence. It will occur more and more frequently that people will feel the worthlessness of their existence when they can perceive this existence as nothing other than a synthesis of what is implanted in their blood and their other organs through physically inherited characteristics. Today, however, what is emerging is still, to a certain extent, merely a theory. Poets have already depicted it as an experience. But it will emerge as a feeling, as a sensation, and then it will be an oppressive characteristic of the emotional life of civilized humanity. This experience of oneself as merely the sum of inherited characteristics will weigh on the soul like a burden. Thus, what natural science cannot give to human beings—an understanding of humanity itself—manifests in its absence, in that human beings do not feel themselves to be children of the spiritual world, but merely children of the characteristics inherited in the course of earthly, physical existence.
[ 8 ] Aber mit aller Vehemenz tritt das im sozialen Leben auf. Denken Sie nur, welche Forderungen da auftraten als der Ausfluß einer riesigen weltpolitischen Dummheit, die in den letzten Jahren durch die Welt gezogen ist! Langsam ist es heraufgekommen in den letzten Jahrhunderten, seine Kulmination hat es erlangt, als es in unseren Tagen eben eine weltpolitische Dummheit geworden ist. Die große Krise im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts trat ein, als alle diejenigen Nichtswisser von den Menschheitsverhältnissen, die nun die Führung der verschiedenen Nationen und so weiter angeblich in der Hand hatten, die wenigstens an den Plätzen standen, auf denen man glaubte, die Führung der Menschheit in der Hand zu haben, als alle diese von einer Gliederung der Menschheit nach dem Willen der einzelnen Nationen sprachen. Im allerschlimmsten Sinne wurde nationaler Chauvinismus gerade in der neuesten Zeit wachgerufen. Und nationaler Chauvinismus klingt heute durch die ganze zivilisierte Welt. Das ist nur das soziale Gegenbild für jene urreaktionäre Weltanschauung, welche alles auf die vererbten Eigenschaften zurückführen will. Wenn man nicht mehr danach strebt, sein Wesen als Mensch zu ergründen und die soziale Struktur so zu gestalten, daß dieses Wesen als Mensch zurechtkommt, sondern wenn man nur darnach strebt, die soziale Struktur so herbeizuführen, daß sie dem entspricht, was man als Tscheche, als Slowake, als Magyar, als Franzose, als Engländer, als Pole und so weiter ist, dann vergißt man alle Geistigkeit. Dann schließt man alle Geistigkeit aus, dann will man die Welt bloß nach den blutsvererbten Eigenschaften ordnen, weil man immer mehr und mehr dazu gekommen ist, in seinen Begriffen nicht den geringsten Inhalt zu haben, weil dieses 20. Jahrhundert die Probe zu liefern hatte, daß auch ein Mensch da sein kann, der angestaunt wird von einer großen Menge als ein Weltenlenker, der aber überhaupt in seinen Worten gar keinen Begriff mehr hat, wie Woodrow Wilson, der nur Worte sagt, die gar keine Begriffe mehr enthalten. Deshalb mußte man sich anlehnen an irgend etwas, was ganz geistlos ist, die Blutsverwandtschaft, die blutsverwandten Eigenschaften der Nationen, woraus dann nichts anderes geworden ist, als daß Friedensschlüsse zustande gekommen sind — nun ja, wie sie eben zustande gekommen sind —, in denen Leute Landkarten über die Gestaltung der modernen zivilisierten Welt bestimmt haben, die überhaupt nicht das geringste von den Lebensverhältnissen dieser modernen Welt kennen. Nichts zeigt vielleicht deutlicher den Materialismus der Neuzeit, dieses Verleugnen alles Geistigen, als das Auftreten des Nationalprinzips.
[ 8 ] But this manifests itself with great vehemence in social life. Just think of the demands that arose as the outpouring of a colossal global political folly that has swept across the world in recent years! It has been slowly building up over the past few centuries and reached its climax when, in our own time, it became precisely this global political folly. The great crisis of the second decade of the 20th century arose when all those who knew nothing about human affairs—who now supposedly held the reins of the various nations and so on, or at least occupied positions where it was believed they held the reins of humanity—when all of them spoke of organizing humanity according to the will of individual nations. In the very worst sense, national chauvinism has been revived, especially in recent times. And national chauvinism resounds throughout the entire civilized world today. This is merely the social counterpart to that ultra-reactionary worldview that seeks to attribute everything to inherited traits. If one no longer strives to fathom one’s essence as a human being and to shape the social structure so that this human essence can thrive, but instead strives only to bring about a social structure that corresponds to what one is as a Czech, a Slovak, a Magyar, a Frenchman, an Englishman, a Pole, and so on, then one forgets all spirituality. Then one excludes all spirituality; then one seeks to organize the world solely according to characteristics inherited through blood, because one has come to have not the slightest substance in one’s concepts, because this 20th century had to provide proof that there can be a person who is marveled at by a large crowd as a world leader, yet who no longer has any concept whatsoever in his words—like Woodrow Wilson, who speaks only words that no longer contain any concepts at all. That is why people had to rely on something completely devoid of spirit—blood kinship, the blood-related characteristics of nations—which then led to nothing more than the conclusion of peace treaties—well, however they came about—in which people who know absolutely nothing about the conditions of life in this modern world have drawn up maps determining the shape of the modern civilized world. Perhaps nothing illustrates the materialism of the modern age—this denial of all that is spiritual—more clearly than the emergence of the national principle.
[ 9 ] Das ist selbstverständlich eine Wahrheit, die heute vielen Menschen unangenehm ist. Und das macht es wiederum, daß so viel Lüge auf dem Grunde der Seele sich ablagern muß. Denn geht man nicht ehrlich darauf ein, daß man den Geist ableugnet, wenn man eine Weltordnung nur auf die Blutsverwandtschaft begründen will, so lügt man; man lügt, wenn man dann sagt, man neige irgendeiner geistigen Weltanschauung zu.
[ 9 ] This is, of course, a truth that many people find uncomfortable today. And this, in turn, is what causes so many lies to accumulate at the bottom of the soul. For if one does not honestly acknowledge that one is denying the spirit when one seeks to base a world order solely on blood kinship, then one is lying; one is lying when one then claims to be inclined toward some spiritual worldview.
[ 10 ] Und nun sehen Sie sich den Gang der heutigen Weltentwickelung an. Was aus den chaotischen Instinkten der Menschheit herausquillt, das verleugnet ja überall den Geist. Ich habe Ihnen gestern eine Probe geliefert. Ich will, um Ihre zarten Nerven zu schonen, die ich gestern einigermaßen bemerkte, nicht diese Probe noch vermehren, sie könnte leicht vermehrt werden. So sehen wir überall, wie die Anschauung des menschlichen Wesens dem Menschen abhanden gekommen ist. Und nun wollen wir einmal geisteswissenschaftlich von dem, was ich da als ein heraufziehendes Gefühl schildern mußte, das Gegenbild ins Auge fassen.
[ 10 ] And now take a look at the course of today’s world developments. What wells up from humanity’s chaotic instincts denies the spirit everywhere. I gave you an example of this yesterday. To spare your delicate nerves—which I noticed to some extent yesterday—I do not wish to expand on this example, though it could easily be expanded. Thus, we see everywhere how the understanding of the human being has been lost to humanity. And now, from the perspective of spiritual science, let us consider the counter-image to what I had to describe as a rising feeling.
[ 11 ] Sie wissen ja, geisteswissenschaftlich zeigt sich, wie unser Erdenplanet, auf dem der Mensch sein gegenwärtiges Schicksal zu erleben hat, die Wiederverkörperung von drei vorangehenden Weltenverkörperungen ist, und wie wir hinschauen müssen auf drei folgende Weltenkörper, wie also unsere Erde, schematisch dargestellt, der Zwischenzustand ist.
[ 11 ] As you know, the humanities reveal how our planet Earth—on which humanity must experience its present destiny—is the reincarnation of three preceding world bodies, and how we must look toward three subsequent world bodies; thus, schematically speaking, our Earth is the intermediate state.


[ 12 ] Wir wissen nun auch aus dem, was in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt worden ist, daß im wesentlichen das, was der Mensch heute als seinen physischen Leib an sich trägt, eine Erbschaft ist des ersten, zweiten, dritten und vierten Zustandes, daß dasjenige, was der Mensch als seinen Ätherleib an sich trägt, ein Ergebnis ist des zweiten, dritten und vierten Zustandes; was wir als seinen astralischen Leib bezeichnen, ist das Ergebnis des dritten und vierten Zustandes, und sein Ich kommt jetzt in unserer Erdenentwickelung zum Vorschein. Es wird ferner zum Vorschein kommen, wenn die Erde in ihre nächsten Zustände eingetreten ist, dasjenige, was heute im Menschen nur keimhaft angedeutet ist, Geistselbst, Lebensgeist und der eigentliche Geistesmensch. Das muß sich im Menschen ebenso herausarbeiten, wie sich in ihm herausgearbeitet hat physischer Leib, Ätherleib, astralischer Leib, und wie das Ich gegenwärtig in seinem Herausarbeiten ist. Aber Sie wissen, wenn Sie überdenken, was als diese kosmisch-irdische Evolution an Sie herangebracht werden kann: Während der Erdenentwickelung können ja doch nur die Keime von Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch entwickelt werden, denn es muß abgewartet werden die Umwandlung der Erde in ihre drei nächstfolgenden Zustände, wenn das zum Vorschein kommen soll. Und aus der Schilderung, die ich gegeben habe in meiner «Geheimwissenschaft», werden Sie ersehen, daß im wesentlichen das Geistselbst die Umwand Tafel 7 lung des astralischen Leibes zu einer höheren Stufe bedeutet, daß der Lebensgeist die Umwandlung des Ätherleibes zu einer höheren Stufe und der Geistesmensch die Umwandlung des physischen Leibes zu einer höheren Stufe bedeutet. Aber diese Umwandlung des physischen Leibes zu einer höheren Stufe wird ja erst im siebenten Zustande — und so entsprechend auch die Umwandlung der anderen Glieder — stattfinden. Aber daß das stattfinden muß, das kann der Mensch heute schon einsehen; er kann heute den Gedanken aufnehmen, daß das stattfinden muß. Ja, noch mehr kann der Mensch heute begreifen, wenn er unbefangen über die naturwissenschaftliche Beschränktheit heraus den Seelenblick auf sein eigenes Wesen lenkt. Er muß sich sagen: Gewiß, ich kann nicht in meinem astralischen Leib während des Erdendaseins das Geistselbst erringen, ich kann nicht während des Erdendaseins in meinem Ätherleib den Lebensgeist, in meinem physischen Leib den Geistesmenschen erringen, aber seelisch muß ich das vorbilden. Und indem ich jetzt die Bewußtseinsseele ausbilde, bereite ich mich vor, in dem nächsten, in dem sechsten Zeitalter das Geistselbst in diese Bewußtseinsseele hereinzunehmen. Zwar kann ich noch nicht das Geistselbst in meinen ganzen astralischen Leib hineinbringen, aber ich muß es in meine Bewußtseinsseele hereinbringen. Ich muß innerlich als Mensch lernen so zu leben, wie ich einstmals leben werde, wenn die Erde in ihren nächsten Entwickelungszustand durch eine gewisse, selbstverständlich kosmische Entwickelung übergegangen sein wird. Und ich muß noch während des Erdendaseins diese Zukunftszustände wenigstens in mein Inneres hereinnehmen. Ich muß mein Inneres keimhaft vorbereiten, so daß auch mein Äußeres in der Zukunft in einer solchen Weise sich gestalten kann, wie ich es heute verstehen muß.
[ 12 ] We now also know from what has been presented in my *Outline of Esoteric Science* that, essentially, what human beings today possess as their physical body is a legacy of the first, second, third, and fourth states; that what human beings possess as their etheric body is a result of the second, third, and fourth states; what we call the astral body is the result of the third and fourth states, and the “I” is now emerging in our earthly evolution. Furthermore, once the Earth has entered its next stages of development, what is today only hinted at in a germinal form within the human being—the spiritual self, the life spirit, and the actual spiritual human being—will come to the fore. This must develop within the human being just as the physical body, the etheric body, and the astral body have developed within him, and just as the “I” is currently in the process of developing. But you know, if you reflect on what can be conveyed to you regarding this cosmic-earthly evolution: During the Earth’s development, only the seeds of the spiritual self, the life spirit, and the spiritual human can be developed, for we must await the Earth’s transformation into its next three states if these are to come to light. And from the description I have given in my *The Secret Science*, you will see that, in essence, the Spiritual Self signifies the transformation of the astral body to a higher stage, that the Life Spirit signifies the transformation of the etheric body to a higher stage, and that the Spiritual Man signifies the transformation of the physical body to a higher stage. But this transformation of the physical body to a higher level will, of course, take place only in the seventh state—and the transformation of the other members will follow accordingly. Yet people today can already recognize that this must take place; they can already grasp the idea that it must happen. Indeed, people today can understand even more if they direct their soul’s gaze impartially beyond the limitations of natural science to their own being. They must say to themselves: Certainly, I cannot attain the Spirit-Self in my astral body during my earthly existence; I cannot attain the Life Spirit in my etheric body or the Spiritual Human in my physical body during my earthly existence—but I must prefigure this in my soul. And by developing the consciousness soul now, I am preparing myself to receive the spiritual self into this consciousness soul in the next, the sixth, age. Although I cannot yet bring the spiritual self into my entire astral body, I must bring it into my consciousness soul. I must learn inwardly, as a human being, to live as I will one day live, when the Earth has passed into its next stage of development through a certain—naturally, cosmic—process. And I must, even during my earthly existence, at least take these future states into my inner being. I must prepare my inner being in a nascent way so that my outer being, too, can take shape in the future in the manner I must understand today.
[ 13 ] Nun machen Sie sich einmal empfindungsgemäß klar, was da eigentlich vorliegt. Der Mensch wächst ja schon jetzt in das Geistselbst hinein, wie ich das öfter dargestellt habe, der Mensch wächst in Bewußtseinszustände hinein, von denen er sich sagen muß, sie sind eigentlich so, daß sie während der Erdenzeit nicht vollständig herauskommen können. Diese Bewußtseinszustände wollen ihn eigentlich auch in bezug auf seine äußeren Hüllen, in bezug auf Astralleib, Ätherleib und physischen Leib umgestalten; aber das kann er als Erdenmensch nicht. Der Mensch muß sich sagen: Für den Rest der Erdenentwickelung muß ich durch diese so durchgehen, daß ich eigentlich überall empfinde: Ich bereite mich vor durch mein Inneres zu Zuständen, die ich jetzt noch nicht entwickeln kann. — Das muß die normale Entwickelung der Zukunft sein, daß der Mensch sich sagt: Ich sehe das Menschenwesen als etwas an, was eigentlich durch sein inneres Wesen hinauswächst über das, was ich als Erdenmensch werden kann. Ich muß mich als Erdenmensch gewissermaßen als Zwerg fühlen gegenüber dem, was der eigentliche Mensch ist. Und aus dem Unbefriedigten, das richtig erzogene Kinder schon in der allernächsten Zeit haben werden, wird eben gerade dieses Gefühl herauswachsen. Die Kinder werden empfinden: Mit aller intellektualistischen Bildung kommt man nicht dazu, das Rätsel des Menschen zu lösen. Der Mensch fällt heraus aus dem, was man intellektualistisch wissen kann, aus dem sozialen Gestalten. All das, was sich unter den Wilsonschen Dummheitsformeln und unter dem, was sonst als Chauvinismus durch die Welt geht, entwickeln wird, das werden ja lauter Unmöglichkeiten sein. Die moderne Zivilisation geht durch all diese Dinge lauter Unmöglichkeiten entgegen. Richten Sie noch mehr nationale Reiche auf innerhalb der modernen Zivilisation, so liefern Sie noch mehr Zerstörungskeime — und aus alledem, was sich da ablagert auf den Seelen, wird hervorgehen eben gerade dasjenige Gefühl, was ich jetzt Ihnen von einer anderen Seite her geschildert habe. Der Mensch wird sich sagen: Ja, aber des Menschen Wesen, das mir innerlich aufleuchtet, ist ein viel höheres als dasjenige, was ich da äußerlich verwirklichen kann. Ich muß etwas ganz anderes in die Welt hineintragen. Ich muß in die soziale Struktur etwas ganz anderes hineintragen, etwas, was aus geistigen Höhen her erkannt wird. Ich kann mich nicht dem überlassen, was ich aus der Naturwissenschaft für die soziale Wissenschaft und dergleichen lernen kann. — Aber den inneren Zwiespalt muß der Mensch empfinden zwischen diesem zwerghaften Dasein auf der Erde und dem, was ihm aufleuchtet als einem kosmischen Wesen, als das er sich empfinden wird. Aus all dem, was die moderne Bildung, diese heute so vielgepriesene, angebetete Bildung dem Menschen geben kann, wird herauswachsen, daß er sich auf der einen Seite als Erdenmensch fühlt, und auf der anderen Seite, daß er sich sagt: Aber der Mensch ist mehr als ein Erdenwesen. Die Erde kann gar nicht den Menschen ausfüllen, sie muß, wenn sie ihn ausfüllen will, sich erst in andere Zustände verwandeln. — Der Mensch ist ja auch kein Erdenwesen in Wirklichkeit, der Mensch ist in Wirklichkeit ein kosmisches Wesen, ein Wesen, das dem ganzen Weltenall angehört. Auf der einen Seite wird der Mensch erdgebunden sein, auf der anderen Seite wird er sich als ein kosmisches Wesen fühlen. Und dieses Gefühl wird sich in ihm ablagern. Wenn das einmal nicht mehr Theorie ist, sondern gefühlt wird von einzelnen Menschen, die durch ihr entsprechendes Karma herauswachsen aus dem, was heute triviales Gefühl ist, wenn die Menschheit sich angeekelt fühlt und dadurch zu einer Umkehr kommt über das Fühlen der bloß vererbten Eigenschaften, über das Fühlen des Chauvinismus, nur dann wird eine Art Reversion eintreten. Der Mensch wird sich als kosmisches Wesen fühlen. Er wird verlangen wie mit ausgestreckten Armen nach einer Enträtselung seines kosmischen Wesens. Das ist, was in den nächsten Jahrzehnten kommt, daß der Mensch wie — ich meine das jetzt natürlich symbolisch — mit ausgestreckten Armen fragt: Wer enträtselt mir mein Wesen als ein kosmisches Wesen? Alles, was ich auf der Erde ergründen kann, was mir die Erde geben kann, alles, was ich aus der modernen Wissenschaft, die heute so geschätzt wird, entnehmen kann, enträtselt mich nur als Erdenwesen, läßt mir gerade das eigentliche Wesen des Menschen als ein ungelöstes Rätsel erscheinen. Ich weiß, ich bin ein kosmisches, ich bin ein überirdisches Wesen; wer enträtselt mir mein überirdisches Wesen?
[ 13 ] Now try to grasp intuitively what is actually happening here. As I have often explained, human beings are already growing into their spiritual self; they are growing into states of consciousness that, as they must acknowledge, are such that they cannot fully emerge during their earthly life. These states of consciousness actually seek to transform them—even with regard to their outer sheaths, that is, the astral body, the etheric body, and the physical body—but as an earthly human being, they cannot do so. Human beings must tell themselves: For the remainder of Earth’s evolution, I must pass through these states in such a way that I actually feel everywhere: I am preparing myself, through my inner being, for states that I cannot yet develop. — This must be the normal development of the future: that human beings tell themselves, “I regard the human being as something that, through its inner being, actually outgrows what I, as an earthly human being, can become.” As an earthly human being, I must, in a sense, feel like a dwarf compared to what the true human being is. And out of the sense of dissatisfaction that properly educated children will already experience in the very near future, this very feeling will grow. The children will sense: No amount of intellectual education can solve the mystery of the human being. Humanity falls outside the realm of what can be known intellectually, outside social structures. Everything that will develop under Wilson’s formulas of stupidity and under what is otherwise known as chauvinism throughout the world will, in fact, be nothing but impossibilities. Modern civilization is heading toward nothing but impossibilities through all these things. If you establish even more national empires within modern civilization, you will be sowing even more seeds of destruction—and from all that settles upon people’s souls, precisely that feeling will emerge which I have just described to you from another perspective. People will say to themselves: Yes, but the nature of the human being, which shines within me, is far higher than what I can realize externally. I must bring something entirely different into the world. I must bring something entirely different into the social structure—something perceived from spiritual heights. I cannot simply rely on what I can learn from the natural sciences for the social sciences and the like.—But human beings must feel this inner conflict between this dwarfed existence on Earth and what shines forth to them as a cosmic being, as which they will come to perceive themselves. Out of all that modern education—this education so highly praised and idolized today—can offer human beings, it will emerge that, on the one hand, they feel themselves to be earthly beings, and on the other hand, they say to themselves: But human beings are more than just earthly beings. The Earth cannot possibly fulfill human beings; if it is to do so, it must first transform itself into other states. — For in reality, human beings are not earthly beings at all; in reality, they are cosmic beings, beings that belong to the entire universe. On the one hand, human beings will be bound to the Earth; on the other hand, they will feel themselves to be cosmic beings. And this feeling will take root within them. Once this is no longer merely a theory but is actually felt by individual human beings—who, through their corresponding karma, transcend what is today a trivial sentiment—once humanity feels repulsed by this and thereby comes to a change of heart regarding the feeling of merely inherited traits and the feeling of chauvinism—only then will a kind of reversal occur. Human beings will feel themselves to be cosmic beings. They will reach out—as if with outstretched arms—to unravel their cosmic nature. This is what will happen in the coming decades: human beings will—I mean this symbolically, of course—ask, as if with outstretched arms: Who will unravel my nature as a cosmic being for me? Everything I can fathom on Earth, everything the Earth can give me, everything I can glean from modern science—which is so highly valued today—only unravels me as an earthly being; it makes the very essence of the human being appear to me as an unsolved mystery. I know I am a cosmic being, I am a super-earthly being; who will unravel my super-earthly nature for me?
[ 14 ] Als eine Grundempfindungsfrage wird das aus den Seelen heraus leben. Wichtiger als alle anderen Dinge, die in den nächsten Jahrzehnten auftreten können, noch bevor das Jahrhundert seiner Hälfte sich nähert, wichtiger als alle anderen Empfindungen, die auftreten können, wird gerade diese Empfindung sein. Und aus der Erwartung, aus dem Verlangen, daß doch etwas da sein muß, was dieses menschliche Rätsel löst, dieses Rätsel, daß der Mensch doch ein kosmisches Wesen ist, aus diesem Gestimmtsein gegenüber dem Kosmos: Es muß das aus dem Kosmos einmal heraus sich enthüllen, was nicht von der Erde kommen kann —, aus dem heraus wird die Stimmung entstehen, der der Kosmos entgegenkommt. So wie zur Zeit des Mysteriums von Golgatha der physische Christus erschienen ist, so wird der geistige Christus der Menschheit erscheinen, der allein Antwort geben kann, weil er nicht irgendwo ist, weil er charakterisiert werden muß als ein Wesen, das sich aus Außerirdischem mit der irdischen Menschheit verbunden hat. — Man wird begreifen müssen: Beantwortet werden kann die Frage nach dem kosmischen Menschen nur dann, wenn dem Menschen zu Hilfe kommt dasjenige, was aus dem Kosmos heraus sich mit dem Erdendasein verbindet. So wird die Lösung sein der bedeutsamsten Disharmonie, die jemals im Erdendasein hervorgetreten ist: der Disharmonie des menschlichen Erfühlens als eines irdischen Wesens und seiner Erkenntnis, daß er ein überirdisches, ein kosmisches Wesen ist. Die Erfüllung dieses Dranges wird ihn dazu vorbereiten, zu erkennen, wie aus grauen Geistestiefen heraus sich ihm offenbaren wird dieses Christus-Wesen, das nun geistig zu ihm sprechen wird, wie es im Physischen während der Zeit des Mysteriums von Golgatha zu ihm gesprochen hat. Es wird der Christus nicht kommen im geistigen Sinn, wenn die Menschen nicht dazu vorbereitet sind. Aber vorbereitet dazu können sie nur sein durch die Art, wie ich es eben auseinandergesetzt habe, indem sie die geschilderte Diskrepanz empfinden, indem der Zwiespalt furchtbar auf ihnen lastet: Ich bin ja zunächst ein Erdenwesen. Die intellektuelle Entwickelung der letzten Jahrhunderte hat alles das gebracht, was mich erscheinen läßt als ein Erdenwesen. Aber ich bin kein Erdenwesen. Ich muß mich verbunden fühlen mit einem Wesen, das nicht von dieser Erde ist, das wirklich in Wahrheit, und nicht mit der theologischen Verlogenheit sagen kann: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» Denn der Mensch wird sich sagen müssen: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. — Daher wird er verbunden sein müssen mit einem Wesen, dessen Reich nicht von dieser Welt ist.
[ 14 ] Living from the depths of the soul will be a matter of fundamental feeling. More important than anything else that may arise in the coming decades—even before the century reaches its midpoint—more important than any other feeling that may arise, will be precisely this feeling. And out of the expectation, out of the longing that there must surely be something that solves this human enigma—this enigma that human beings are, after all, cosmic beings—out of this attunement to the cosmos: what cannot come from the Earth must one day reveal itself from the cosmos—from this will arise the mood to which the cosmos responds. Just as the physical Christ appeared at the time of the Mystery of Golgotha, so will the spiritual Christ appear to humanity—the one who alone can provide an answer, because he is not merely somewhere out there, but must be characterized as a being who has united himself with earthly humanity from beyond the Earth. — One will have to understand: The question of the cosmic human being can be answered only when that which connects with earthly existence from the cosmos comes to humanity’s aid. Thus will be resolved the most significant disharmony that has ever arisen in earthly existence: the disharmony between the human being’s feeling as an earthly being and his realization that he is a super-earthly, a cosmic being. The fulfillment of this longing will prepare them to recognize how, from the gray depths of the spirit, this Christ-being will reveal itself to them—a being who will now speak to them spiritually, just as he spoke to them physically during the time of the Mystery of Golgotha. Christ will not come in the spiritual sense unless people are prepared for it. But they can only be prepared for this in the way I have just explained—by sensing the discrepancy I have described, by feeling the terrible weight of this conflict: I am, after all, first and foremost an earthly being. The intellectual development of the last few centuries has brought about everything that makes me appear to be an earthly being. But I am not an earthly being. I must feel connected to a being who is not of this Earth, who can truly—and not with theological hypocrisy—say: “My kingdom is not of this world.” For human beings will have to say to themselves: My kingdom is not of this world. — Therefore, they will have to be connected to a being whose kingdom is not of this world.
[ 15 ] Gerade aus den Wissenschaften heraus, die sich, wie ich geschildert habe, mit rasender Eile zum populären Bewußtsein verbreiten werden, muß sich das entwickeln, was die Menschheit der Wiedererscheinung des Christus von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an entgegenführt. Das konnte natürlich nicht eintreten in derjenigen Seelenverfassung, in der die zivilisierte Welt vor dem Jahre 1914 war, wo alles Reden von Idealen, alles Reden von Spiritualität im Grunde genommen eine Verlogenheit war. Die Not muß dem Menschen wahrmachen das Streben nach der Geistigkeit. Und der Christus wird erscheinen niemand anderen als denjenigen, die verlassen all das, was Verlogenheit über das irdische Leben ausbreitet. Und keine soziale Frage wird gelöst werden, die nicht verbunden gedacht wird mit diesem geisteswissenschaftlichen Streben, das den Menschen in Wahrheit wieder als ein überirdisches Wesen erscheinen läßt. Unsere sozialen Lösungen werden in demselben Maße sich ergeben, als die Menschen den Christus-Impuls in ihrer Seele werden empfinden können. Alle anderen sozialen Lösungen werden nur in Zerstörung, in Chaos hineinführen. Denn alle anderen Lösungen gehen darauf aus, den Menschen als ein irdisches Wesen zu beschreiben. Aber der Mensch wächst heraus — gerade in unserem Zeitalter wächst er heraus — aus jener Seelenverfassung, die ihn in seinem Bewußtsein für sich selber ein bloß irdisch-physisches Wesen sein läßt. Aus der Gestimmtheit der Menschenseele und aus der Not heraus wird sich das neue Christus-Erlebnis bilden.
[ 15 ] It is precisely from the sciences—which, as I have described, will spread with breakneck speed into the popular consciousness—that what will lead humanity toward the reappearance of the Christ from the first half of the 20th century onward must develop. Of course, this could not have come about in the state of mind in which the civilized world found itself before 1914, when all talk of ideals, all talk of spirituality, was essentially a pretense. Adversity must make the pursuit of spirituality a reality for human beings. And the Christ will appear to none other than those who renounce all that spreads hypocrisy regarding earthly life. And no social issue will be resolved unless it is conceived in connection with this spiritual-scientific striving, which truly reveals human beings once again as supernatural beings. Our social solutions will emerge to the extent that people are able to perceive the Christ impulse in their souls. All other social solutions will lead only to destruction and chaos. For all other solutions are based on describing human beings as merely earthly beings. But human beings are growing out of—precisely in our age they are growing out of—that state of soul that, in their own consciousness, allows them to see themselves as merely earthly, physical beings. Out of the disposition of the human soul and out of necessity, the new experience of Christ will take shape.
[ 16 ] Um so mehr aber muß hingesehen werden auf alles, was das Herankommen dieses neuen Christus-Erlebnisses verhindert.
[ 16 ] All the more, then, we must pay attention to everything that prevents this new experience of Christ from taking hold.
[ 17 ] Wir haben ja, indem wir unmittelbar auf Angriffe auf unsere eigene Sache hinweisen mußten, auch hier gesehen, wie eigentlich die Menschen sich so stellen zu der heraufkommenden Geisteswissenschaft, daß sie sie aus innerer Unwahrheit heraus bekämpfen.
[ 17 ] Here, too, as we were forced to respond directly to attacks on our own cause, we have seen how people actually react to the emerging spiritual science—namely, by fighting it out of an inner falsehood.
[ 18 ] Auf diesem Gebiete erlebt man wirklich heute etwas, was ganz unbefangen ins Auge gefaßt werden muß. Man möchte sagen, fast jeden Tag wird ja jetzt einmal die Geisteswissenschaft totgeschlagen. Der letzte dieser Totschläge ist ja derjenige, den ein Professor der Theologie, Karl Goetz, verübt hat in Übereinstimmung mit einem anderen Doktor der Theologie, einem gewissen Heinzelmann. Ich will ganz absehen davon, daß jener Doktor der Theologie, Karl Goetz, einen Angriff auf die Geisteswissenschaft oder, wie er sagt, wie es zum Beispiel nach dem Zeitungsbericht heißt, auf die sogenannte Geisteswissenschaft verübt hat — an diese Dinge gewöhnt man sich ja heute, namentlich hier in Dornach, allmählich mehr und mehr. Aber man kann das ganze, was da von einem Dr. theol. Goetz verübt worden ist, auch noch von einem anderen Standpunkte aus betrachten. Man kann es von dem Standpunkte aus betrachten, wie unwissend diese offizielle Gelehrsamkeit ist, die die Heranbildung der heutigen Jugend in der Hand hat. Man kann abstrahieren davon, daß ein Angriff auf die Geisteswissenschaft vorliegt, aber man kann auf das Folgende seine Blicke richten, und ich will einige charakteristische Dinge herausheben — allerdings nur nach dem Zeitungsbericht —, die gerade in diesem Angriff vorkommen sollen. Da wird also hingewiesen auf die Erkenntnismethode der Geisteswissenschaft von einem Manne, dessen Beruf es ist, über die Christologie zu sprechen, der sein Brot dafür ißt, daß er die Jugend aufzieht in Christologie. Von diesem Manne wird über die Erkenntnismethode der anthroposophischen Wissenschaft so gesprochen, daß er sagt, was da angestrebt werde als Imagination, als Intuition, das beruhe darauf, daß durch die Übungen künstlich gehemmte und verdrängte Vorstellungstätigkeit hervorgerufen werde, und daß die dabei ersparte Nervenenergie dann jene Vorstellungsbilder erzeuge, welche der Anthroposoph Imagination und Intuition nennt.
[ 18 ] In this field, one is truly witnessing something today that must be viewed with complete objectivity. One might say that spiritual science is being beaten to death almost every day now. The latest of these attacks is the one carried out by a professor of theology, Karl Goetz, in collaboration with another doctor of theology, a certain Heinzelmann. I will completely set aside the fact that this Doctor of Theology, Karl Goetz, has launched an attack on spiritual science or, as he puts it—and as the newspaper report states, for example—on so-called spiritual science; one is gradually becoming more and more accustomed to such things today, especially here in Dornach. But one can also view the entire matter—what has been perpetrated by a Dr. theol. Goetz—from another perspective. One can view it from the perspective of just how ignorant this official scholarship is, which is responsible for the education of today’s youth. One can set aside the fact that an attack on spiritual science has taken place, but one can turn one’s attention to the following, and I would like to highlight a few characteristic points—admittedly based only on the newspaper report—that are said to appear specifically in this attack. Reference is thus made to the method of knowledge in spiritual science by a man whose profession is to speak about Christology, who earns his living by educating young people in Christology. This man speaks of the method of knowledge in anthroposophical science in such a way that he claims what is sought there—imagination and intuition—is based on the fact that the exercises artificially inhibit and suppress the activity of the imagination, and that the nervous energy thus conserved then generates those mental images which the anthroposophist calls imagination and intuition.
[ 19 ] Also, sehen Sie sich den Mann einmal an: künstlich gehemmte und verdrängte Vorstellungstätigkeit, und dabei ersparte Nervenenergie! Ganz abgesehen davon, daß der Mann selbstverständlich von ersparter Nervenenergie nur als von einer ganz vagen Hypothese reden kann, denn kein Mensch kann sich heute aus der Wissenschaft heraus irgend etwas vorstellen unter ersparter Nervenenergie, aber er redet von künstlich gehemmter und von verdrängter Vorstellungstätigkeit. Hat dieser Mann in seiner wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit — ich muß in diesem Falle das Wort richtig wählen: «wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit», ich sage es jetzt in Gänsefüßchen — sich jemals wirklich beschäftigt mit dem, was zum Beispiel hier als die Erkenntnismethode angewendet wird, um zu Imaginationen zu kommen? Kann man da reden von künstlich gehemmter oder verdrängter Vorstellungstätigkeit? Nun, der Mann könnte sich das beantworten, wenn er die anthroposophische Literatur vornähme. Diejenigen Vorstellungen, die er als seine normalen betrachtet, die werden wahrhaftig nicht zurückgedrängt. Hätte der Mann nur ein wenig sich erkundigt, ob hier verdrängte Vorstellungen walteten, als unser Hochschulkursus abgehalten wurde, dann könnte er nicht davon reden, daß hier Vorstellungstätigkeit unterdrückt wird. Es kommt immer reichlich noch dasjenige heraus an nichtunterdrücktem Vorstellungsleben, das, mindestens in bezug auf manche Fachwissenschaften, auch begreifen kann, was der Mann begreifen kann. Also von unterdrückter Vorstellungstätigkeit kann gar nicht gesprochen werden. Und würde er sich jemals in seiner sogenannten «wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit» bekanntgemacht haben mit dem, was hier geschildert wird als der Weg in die geistigen Welten, so würde er sehen: Künstlich gehemmt wird da nämlich gar nicht, sondern da wird freigemacht. Nichts anderes liegt vor, als daß der Mann kein Sterbenswörtchen von dem verstanden hat, was in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» steht. Und nichts weiß er von Erkenntnismethoden der Geisteswissenschaft als dasjenige, was er nach seiner Seelenverfassung aus den Meditationserfolgen einiger alter Tanten ablesen kann. Von dem übrigen versteht er nichts. Das wirkt heute als «wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit» in dem, was offizielle Wissenschaft ist.
[ 19 ] Well, just take a look at this man: artificially inhibited and repressed imagination—and all that saved nervous energy! Quite apart from the fact that the man, of course, can only speak of “saved nervous energy” as a very vague hypothesis—since no one today can conceive of anything in science that involves “saved nervous energy”—he speaks of artificially inhibited and repressed imaginative activity. In his scientific conscientiousness—I must choose the right word here: “scientific conscientiousness”; I’m putting it in quotation marks now—has this man ever really engaged with, for example, the method of knowledge applied here to arrive at imaginations? Can one speak in this context of artificially inhibited or repressed imaginative activity? Well, the man could answer that for himself if he were to study the anthroposophical literature. Those images that he regards as his own normal ones are truly not repressed. If only the man had inquired a little as to whether repressed images prevailed here when our university course was held, then he could not speak of imaginative activity being suppressed here. There is still an abundance of unsuppressed imaginative life that—at least with regard to certain specialized sciences—is capable of grasping what this man is capable of grasping. So there can be no question of suppressed imaginative activity at all. And if, in his so-called “scientific rigor,” he had ever familiarized himself with what is described here as the path to the spiritual worlds, he would see: There is no artificial inhibition there at all; rather, the way is being cleared. The simple fact is that this man has not understood a single word of what is written in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*. And he knows nothing about the methods of spiritual science other than what he can glean—based on his own state of mind—from the “meditation successes” of a few old ladies. He understands nothing of the rest. This is what passes today as “scientific rigor” within what is considered official science.
[ 20 ] Was er dann weiter redet, daß durch die Zurückstauung dieser gehemmten Vorstellungen — es soll sich ein Mensch dabei nur etwas vorstellen, wenn da wie Wasser zurückgestaut sind die Vorstellungen —, daß durch dieses Zurückstauen nun die Imaginationen lebendig werden, so daß sie wie sinnliche Wahrnehmungen sich ausnehmen, ja, ich möchte die Seiten zusammenzählen, wo immer und immer wiederum in meinen Büchern gesagt wird, daß Imaginationen nichts ähnliches haben mit sinnlichen Vorstellungen, mit sinnlichen Wahrnehmungen. Das wird in aller Breite überall auseinandergesetzt. Was herrscht also in dieser «wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit»? Die Lüge, die vielleicht aus der Ohnmacht hervorgeht, aus dem Unvermögen. Aber diese Lüge, sie breitet sich insbesondere im Theologischen, im Philosophischen, im Geschichtswissenschaftlichen, im Juristischen und in ähnlichen Unterrichtszweigen mit rasender Eile aus. Auf diese Tatsache sollte die moderne Menschheit hinschauen. Denn in diesen Tatsachen liegen die Gründe für das Hineinsteuern in das Chaos, nicht in jenen Redereien, die die Woodrow Wilsoneanerei aus ihren gehaltleeren Worten und dergleichen fabriziert.
[ 20 ] What he goes on to say—that through the damming up of these inhibited ideas—one need only imagine this: the ideas are dammed up like water—that through this damming up, the imaginations now come to life, so that they appear like sensory perceptions; indeed, I would like to count the pages where, time and again, it is stated in my books that imaginations bear no resemblance to sensory representations or sensory perceptions. This is explained at great length throughout. So what prevails in this “scientific rigor”? The lie, which perhaps stems from powerlessness, from inability. But this lie is spreading with breakneck speed, particularly in theology, philosophy, history, law, and similar fields of study. Modern humanity should take note of this fact. For it is in these facts that the reasons for our descent into chaos lie, not in the empty rhetoric that Woodrow Wilsonism concocts from its hollow words and the like.
[ 21 ] Dann kommt noch eine schöne Stelle, wie gesagt, ich kann alles nur aus dem Zeitungsbericht besprechen: Weil sie unwillkürlich aufsteigen, diese durch das zurückgestaute Vorstellungselement lebendig gewordenen Imaginationen, deshalb werden sie als leibfreie Erlebnisse geschildert —, so sagt er. Wiederum hat er in seiner «wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit» niemals sein Auge darauf hingerichtet, wie gezeigt wird, daß gar nichts unwillkürlich aufsteigt, wie das willkürliche Vorstellen gerade im geisteswissenschaftlichen Erkennen eine Steigerung erfährt. Vielleicht aus spiritistischen oder aus medialen Kindskopfstuben heraus hat sich der Mann seine Kenntnisse gebildet. Dann soll er den kindsköpfigen Spiritismus, die kindsköpfige Mediumschaft treffen, aber er soll die Hand weglassen von demjenigen, wovon er nichts versteht und nichts verstehen will.
[ 21 ] Then there is another interesting passage—as I said, I can only discuss this based on the newspaper report: Because these imaginations, brought to life by the pent-up element of representation, arise involuntarily, they are described as experiences detached from the body—so he says. Once again, in his “scientific scrupulousness,” he has never turned his attention to how it is shown that nothing at all arises involuntarily, and how voluntary imagination is actually heightened in the context of spiritual scientific knowledge. Perhaps the man acquired his knowledge from childish circles of spiritualism or mediumship. In that case, let him deal with childish spiritualism and childish mediumship, but he should keep his hands off that which he neither understands nor wishes to understand.
[ 22 ] Und weiter erzählt er: Durch die Bewußtseinsspaltung wird das hervorgerufen, was dann die Imagination personifiziert. — Das ist eine gewissenlose, lügenhafte Verdrehung alles dessen, was dargestellt wird in meinen Büchern als die Erkenntnismethode der Geisteswissenschaft! Dadurch macht sich der Mann dann den Boden zurecht, um in seiner Art zuletzt sagen zu können, daß zwar diese Geisteswissenschaft das Christentum nicht bekämpft, aber daß sie doch kulturell wertlos ist. Und jetzt kommt etwas ganz besonders «Schönes»: Diese Geisteswissenschaft ist kulturell wertlos, denn die Telepathie wird niemals den Telegraphen ersetzen, das Gedankenlesen wird nicht das Telephon ersetzen und die magnetische Heilkraft niemals die Medizin!
[ 22 ] And he goes on to say: This split in consciousness gives rise to what the imagination then personifies. — This is an unscrupulous, mendacious distortion of everything presented in my books as the method of knowledge in spiritual science! In this way, the man prepares the ground so that, in his own way, he can ultimately claim that while this spiritual science does not oppose Christianity, it is nonetheless culturally worthless. And now comes something particularly “beautiful”: This spiritual science is culturally worthless, for telepathy will never replace the telegraph, mind reading will not replace the telephone, and magnetic healing will never replace medicine!
[ 23 ] Also, während hier im Goetheanum während dieses Hochschulkursus über Medizin gesprochen worden ist, wahrhaftig mit Ausschluß alles Dilettantismus in magnetischen Heilkräften, und während in Wirklichkeit hingedeutet worden ist auf das ganz ernsthaftig Medizinische, redet ein theologischer Doktor unmittelbar in der Nachbarschaft, nachdem dieser Kursus abgelaufen ist, davon, daß die ganzen Bestrebungen der Geisteswissenschaft darinnen bestünden, die Medizin ersetzen zu wollen durch magnetische Heilkräfte. Und mit solchem Gerede erlebt ein heutiger Dr. theol. Erfolge bei dem heutigen Publikum! Und er erlebt Erfolge, wenn ihm dann das Heinzelmännchen beispringt, ein modernes Heinzelmännchen, und zuletzt hinzufügt, daß man mit der Geisteswissenschaft doch nicht den Christus finden kann, sondern nur durch die Evangelien. Nun sollte man dieses Heinzelmännchen einmal fragen: Mit welchem der Evangelien? — Man sollte dieses Heinzelmännchen fragen: Was habt ihr denn mit eurer Theologie aus den Evangelien gemacht? — Das habt ihr gemacht, daß schließlich die ganze Christologie aus der modernen Entwickelung verschwunden ist. Und jetzt, nachdem der Brei da ist, hört man von dieser Seite reden: Was von der Geisteswissenschaft kommt, das braucht man nicht für das Christliche, denn da muß die Einfachheit der Evangelien wirken. — Ist das nicht die allergründlichste Verlogenheit? Eine Verlogenheit ist es, zu wissen, was die moderne Evangelienkritik geliefert hat, und sich dann hinzustellen und zu sagen: Es muß Rettung für Zeit und Ewigkeit kommen aus den Evangelien ohne die Geisteswissenschaft.
[ 23 ] So, while here at the Goetheanum, during this School of Spiritual Science course, we have been discussing medicine—truly excluding any form of dilettantism regarding magnetic healing powers—and while in reality we have been pointing to the very serious aspects of medicine, a doctor of theology is speaking right next door, after this course has ended, that the entire aim of spiritual science is to replace medicine with magnetic healing powers. And with such talk, a modern Doctor of Theology enjoys success with today’s audience! And he enjoys success when the little imp comes to his aid—a modern little imp—and finally adds that one cannot find Christ through spiritual science after all, but only through the Gospels. Now one should ask this little imp: Which of the Gospels? — One should ask this little helper: What have you done with the Gospels in your theology? — What you’ve done is ensure that the entire Christology has ultimately vanished from modern scholarship. And now, with this muddle in place, one hears people on this side say: What comes from spiritual science is unnecessary for Christianity, for there the simplicity of the Gospels must take effect. — Isn’t that the most profound hypocrisy of all? It is hypocrisy to know what modern Gospel criticism has produced, and then to stand there and say: “Salvation for time and eternity must come from the Gospels without spiritual science.”
[ 24 ] Was von dieser Seite kommt, was ist es denn? Es ist Verleugnung des Christus. Und die stärksten Verleugner des Christus sind heute die Theologen. Diejenigen, die nur ja keine wahre Idee von dem Christus heraufkommen lassen wollen, das sind heute die Theologen. Und ehe das nicht eingesehen ist, daß dieses neue Erlebnis des Christus im 20. Jahrhundert so heraufkommen muß, daß zunächst die Theologie aller Konfessionen den Christus verleugnet hat, eher wird er nicht kommen. Er wird den Menschen wieder erscheinen, wenn ihn diejenigen, die «von den Seinen» sind, die modernen Schriftgelehrten und Pharisäer, völlig verleugnet haben.
[ 24 ] What comes from this side—what is it, then? It is a denial of Christ. And the strongest deniers of Christ today are the theologians. Those who refuse to allow any true idea of Christ to emerge—those are the theologians of today. And until it is recognized that this new experience of Christ in the 20th century must arise in such a way that, first of all, the theology of all denominations has denied Christ—until then, He will not come. He will appear to humanity again when those who are “of His own,” the modern scribes and Pharisees, have completely denied Him.
[ 25 ] Es ist nicht leicht, diese Dinge in aller Stärke zu durchschauen, denn man sieht dann immer auch, wie wenig die Menschen der Gegenwart geneigt sind, mit solchem Durchschauen zu rechnen. Die Gegner stehen auf ihren Posten. Die Gegner entwickeln alle Intensität des Kampfes. Unser Kampf, dasjenige, was wir vermögen, ist schwach, recht schwach, und unsere Auffassung der Anthroposophie ist in vieler Beziehung schläfrig, recht schläfrig. Das ist der große Schmerz, der sich heute ablagert auf den, der die Dinge voll durchschaut. Man fühlt es so oft, wie man mit dem, von dem man meint, daß es aus den Forderungen der Zeit heraus gesprochen ist, daß es gerade gesprochen ist zur sozialen Heilung der Zeit, wie man mit dem eigentlich kaum etwas anderes sagt als etwas, was die Menschen als ein gesprochenes Feuilleton hinnehmen. Man möchte die Menschen aufrufen, daß sie hineinnehmen in alle Gestaltung des Lebens dasjenige, was aus der Geisteswissenschaft kommen kann, und man sieht, wie die Menschen das Leben laufen lassen, hinschauen auf diejenigen, die aus Verlogenheit heraus dieses Leben dirigieren, und aus einer gewissen inneren Wollust heraus zuhören dem, was sie als ein gesprochenes Feuilleton der Geisteswissenschaft aufnehmen. Das ist es, was noch erstehen muß: der tiefe, der heilige Ernst im Aufnehmen des Geisteswissenschaftlichen, das Abgewöhnen dessen, was die Menschen dazu bringt, wie irgendein anderes literarisches Produkt, so auch die Geisteswissenschaft aufzunehmen als etwas, an dem man sich in einer etwas besseren Weise amüsiert, weil es einem die Sehnsucht nach dem Weiterleben nach dem Tode garantiert. Es ist heute noch ein furchtbarer Abstand zwischen dem, was notwendig ist im Aufnehmen der Geisteswissenschaft, und dem, was wirklich da ist. Sehen Sie, man kann ganz absehen von dem, was ein solcher Angriff auf die Anthroposophie ist bei einem Goetz oder bei einem Heinzelmann, man braucht nur hinzuschauen auf ihre Fähigkeiten und man muß sich sagen: Wie war denn die Auslese der Menschheit, daß sie diese Leute auf solch führende Posten gebracht hat? — Ehe man sich aber nicht diese Frage in der intensivsten Weise stellen will, ehe man nicht hinschauen will, wo es eigentlich fehlt, eher kommt man nicht weiter. Alles Deklamieren von sozialen oder ähnlichen Idealen nützt nichts, wenn man nicht hinschauen will auf dieses ganz prinzipiell in unserer Gegenwart Lebende. Denn die Schäden unserer Zeit gehen von unserem verkehrten Geistesleben aus, das allmählich ganz tief in die Unwahrheit hineingekommen ist, und das sich nicht einmal bewußt ist, wie tief es in der Unwahrheit drinnen lebt. Wie sehr kontrastiert von dem, was notwendig ist, die Art, wie dasjenige, was hier gesprochen wird, aufgenommen wird! Es ist nicht als ein gesprochenes Feuilleton gemeint, es ist gemeint als eine Lebenskraft, und man wird allmählich sich dazu bequemen müssen, es als eine Lebenskraft zu verstehen.
[ 25 ] It is not easy to see through these things in all their clarity, for one then always sees how little people today are inclined to expect such insight. The opponents are standing their ground. The opponents are waging the struggle with all their might. Our struggle—that which we are capable of—is weak, quite weak, and our understanding of anthroposophy is, in many respects, sluggish, quite sluggish. This is the great pain that weighs upon those who fully grasp these matters today. One feels it so often: when one speaks of what one believes to be in response to the demands of the times—what is spoken precisely for the social healing of our age—one is actually saying little more than what people accept as mere editorial commentary. One would like to call upon people to incorporate into every aspect of life that which can come from spiritual science, and one sees how people let life run its course, look to those who, out of hypocrisy, direct this life, and—out of a certain inner complacency—listen to what they take in as a spoken feature article on spiritual science. This is what still needs to come into being: the deep, sacred seriousness in receiving spiritual science, and the breaking of the habit that leads people to treat spiritual science—just like any other literary product—as something with which one amuses oneself in a somewhat more refined way, because it guarantees one’s longing for life after death. Even today, there remains a tremendous gap between what is necessary in the reception of spiritual science and what actually exists. You see, one can completely disregard what kind of attack on anthroposophy is found in the writings of someone like Goetz or Heinzelmann; one need only look at their abilities and ask oneself: How, then, did the selection process of humanity work that it placed these people in such leading positions? — But unless one is willing to ask oneself this question in the most intense way, unless one is willing to look at where the real shortcomings lie, one will not make any progress. All this declamation about social or similar ideals is of no use if one is unwilling to look at what is fundamentally alive in our present time. For the ills of our time stem from our distorted spiritual life, which has gradually sunk very deeply into untruth and is not even aware of how deeply it is immersed in untruth. How starkly the way what is spoken here is received contrasts with what is actually necessary! It is not meant to be a spoken feature article; it is meant to be a life force, and people will gradually have to come to terms with understanding it as such.
[ 26 ] Das ist es, was ich Ihnen heute sagen wollte im positiven und im negativen Sinne über — um jetzt das triviale Wort zu gebrauchen — den Geist unseres Zeitalters, Dieser Geist unseres Zeitalters sollte der Geist der Erwartung sein, er sollte der Geist sein, der aus der Erwartung heraus sich ein Verständnis für das große, aus der Not geborene Erlebnis von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt. Aber ohne daß man in Wahrheit auf alles, was ein Hemmschuh ist, hinschaut, wird man heute nicht diesem Erlebnis entgegengehen können. Will man heute, wie man es so gerne aus Bequemlichkeit, aus innerer Wollust tut, das Knie beugen vor dem Traditionellen, und will man sich nicht bewußt werden, daß man mit dieser Kniebeuge eine tiefe Unwahrheit an den Tag legt, dann wird man sich nicht reif machen für das Christus-Erlebnis des 20. Jahrhunderts. Aber von diesem Reifmachen hängt alles ab. Alles hängt davon ab, daß wir die theologische Rederei über den Christus überwinden, um zum Verständnis des Christus wirklich vorzudringen.
[ 26 ] That is what I wanted to tell you today, in both a positive and a negative sense, about—to use the trite term—the spirit of our age. This spirit of our age should be a spirit of anticipation; it should be a spirit that, out of this anticipation, develops an understanding of the great experience of the first half of the 20th century, born of necessity. But unless we truly look at everything that stands in the way, we will not be able to face this experience today. If, as is so often done out of convenience or inner complacency, one bows the knee before tradition today—and refuses to realize that this act of bowing reveals a profound untruth—then one will not prepare oneself for the experience of Christ in the 20th century. Yet everything depends on this preparation. Everything depends on our overcoming theological rhetoric about Christ in order to truly advance toward an understanding of Christ.
