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The Bridge Between the Spiritual and
Physical Realms of Human Beings
GA 202

26 December 1920, Dornach

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Sechzehnter Vortrag

Sechzehnter Vortrag

[ 1 ] Wir wollen uns einmal einige von den Tatsachen in die Erinnerung zurückrufen, welche in diesen Tagen Gegenstand unserer Betrachtung waren. Ich habe auf die bedeutsame Tatsache hingewiesen, welche darinnen liegt, daß in der Erzählung des Mysteriums von Golgatha auftauchen auf der einen Seite die Hirten mit ihrer Verkündigung, also Menschen einfachen Gemütes, auf der anderen Seite die Magier aus dem Morgenlande, also nach der damaligen Zeitauffassung Menschen, die aufgestiegen sind zur höchsten Weisheit, die zu erlangen war. Aus den Sternen heraus und den Geheimnissen, die ihnen die Menschheit abgelauscht hatte, verkündigte sich das Mysterium für die Magier. Aus dem, was aus frommen Herzen in der damaligen Zeit noch als eine gewisse Art des Hellsehens auftauchen konnte, verkündigte sich dasselbe für die ungelehrten einfachen Hirten. Wir werden dabei — so führte ich aus — auf die letzten Reste alter Menschheitsanschauungen hingewiesen, welche in viel früheren Zeiten gewissermaßen die normalen Menschheitsanschauungen waren, die dazumal, als das Mysterium von Golgatha eintrat, in letzten Resten bei auserlesenen Menschen der einen Art, der Gelehrtenart, oder auch bei auserlesenen Menschen der ungelehrten Art noch aufgetreten sind. So daß man etwa sagen kann, in der Zeit, als bei einzelnen Menschen noch letzte Reste alter Menschheitsanschauung vorhanden waren, die gerade noch hinreichten, um das Übersinnliche des Ereignisses von Golgatha zu erfassen, da trat auch dieses Ereignis von Golgatha auf Erden ein.

[ 1 ] Wir wollen uns einmal einige von den Tatsachen in die Erinnerung zurückrufen, welche in diesen Tagen Gegenstand unserer Betrachtung waren. Ich habe auf die bedeutsame Tatsache hingewiesen, welche darinnen liegt, daß in der Erzählung des Mysteriums von Golgatha auftauchen auf der einen Seite die Hirten mit ihrer Verkündigung, also Menschen einfachen Gemütes, auf der anderen Seite die Magier aus dem Morgenlande, also nach der damaligen Zeitauffassung Menschen, die aufgestiegen sind zur höchsten Weisheit, die zu erlangen war. Aus den Sternen heraus und den Geheimnissen, die ihnen die Menschheit abgelauscht hatte, verkündigte sich das Mysterium für die Magier. Aus dem, was aus frommen Herzen in der damaligen Zeit noch als eine gewisse Art des Hellsehens auftauchen konnte, verkündigte sich dasselbe für die ungelehrten einfachen Hirten. Wir werden dabei — so führte ich aus — auf die letzten Reste alter Menschheitsanschauungen hingewiesen, welche in viel früheren Zeiten gewissermaßen die normalen Menschheitsanschauungen waren, die dazumal, als das Mysterium von Golgatha eintrat, in letzten Resten bei auserlesenen Menschen der einen Art, der Gelehrtenart, oder auch bei auserlesenen Menschen der ungelehrten Art noch aufgetreten sind. So daß man etwa sagen kann, in der Zeit, als bei einzelnen Menschen noch letzte Reste alter Menschheitsanschauung vorhanden waren, die gerade noch hinreichten, um das Übersinnliche des Ereignisses von Golgatha zu erfassen, da trat auch dieses Ereignis von Golgatha auf Erden ein.

[ 2 ] Nun charakterisieren wir noch einmal, wie diese Erkenntnisarten bei den Menschen sind. Wir haben auf der einen Seite die Hirten. Sie erfahren durch innere naive, instinktive Schauungen dasjenige, was in der Menschenwelt geschieht. Solche innere Schauungen — darauf habe ich Sie aufmerksam gemacht — rühren davon her, daß die Kräfte des Erdenplaneten in den Menschen hereinwirken. Diese Kräfte des Erdenplaneten wirken ja nicht bloß in den niederen Reichen, sondern sie wirken auch im Menschen. Die neuere Menschheit, namentlich die Menschheit der Gegenwart, erlebt im Inneren nicht mehr Unmittelbares von diesen irdischen Kräften, die gewissermaßen aufsteigen aus dem Erdenplaneten und im Inneren des Menschen dann in Schauungen auftreten. Aber je weiter wir zurückgehen in der Entwickelung der Menschheit, desto mehr finden wir solche im Inneren des Menschen auftretende Schauungen, welche in ihrer ganzen Konfiguration, in ihrer besonderen Art und Weise verschieden sind je nach den verschiedenen Klimaten, nach den verschiedenen Erdenterritorien und so weiter. Was man dabei äußerlich entdecken kann, das ist allerdings vielfach trügerisch, denn die Menschen der älteren Zeiten waren auch nicht durchaus seßhaft. Was ihnen an inneren Erkenntnisfähigkeiten durch die Kräfte des Erdenplaneten zugekommen ist, das haben sie in irgendeinem Territorium der Erde entwickelt, sind dann durch Völkerund Stammeswanderungen nach anderen Territorien gezogen und haben dann das durch Vererbung weiter fortgepflanzt. So daß wir nicht immer sagen können, daß dasjenige, was da auftrat als innere Schauungen, unmittelbar zusammenhing mit dem Territorium, auf dem es gerade durch Menschen auftrat.

[ 2 ] Nun charakterisieren wir noch einmal, wie diese Erkenntnisarten bei den Menschen sind. Wir haben auf der einen Seite die Hirten. Sie erfahren durch innere naive, instinktive Schauungen dasjenige, was in der Menschenwelt geschieht. Solche innere Schauungen — darauf habe ich Sie aufmerksam gemacht — rühren davon her, daß die Kräfte des Erdenplaneten in den Menschen hereinwirken. Diese Kräfte des Erdenplaneten wirken ja nicht bloß in den niederen Reichen, sondern sie wirken auch im Menschen. Die neuere Menschheit, namentlich die Menschheit der Gegenwart, erlebt im Inneren nicht mehr Unmittelbares von diesen irdischen Kräften, die gewissermaßen aufsteigen aus dem Erdenplaneten und im Inneren des Menschen dann in Schauungen auftreten. Aber je weiter wir zurückgehen in der Entwickelung der Menschheit, desto mehr finden wir solche im Inneren des Menschen auftretende Schauungen, welche in ihrer ganzen Konfiguration, in ihrer besonderen Art und Weise verschieden sind je nach den verschiedenen Klimaten, nach den verschiedenen Erdenterritorien und so weiter. Was man dabei äußerlich entdecken kann, das ist allerdings vielfach trügerisch, denn die Menschen der älteren Zeiten waren auch nicht durchaus seßhaft. Was ihnen an inneren Erkenntnisfähigkeiten durch die Kräfte des Erdenplaneten zugekommen ist, das haben sie in irgendeinem Territorium der Erde entwickelt, sind dann durch Völkerund Stammeswanderungen nach anderen Territorien gezogen und haben dann das durch Vererbung weiter fortgepflanzt. So daß wir nicht immer sagen können, daß dasjenige, was da auftrat als innere Schauungen, unmittelbar zusammenhing mit dem Territorium, auf dem es gerade durch Menschen auftrat.

[ 3 ] Geradeso wie die Tierwelt eines bestimmten Erdenteiles eine ganz bestimmte Konfiguration hat — bei den Tieren drückt sich das mehr aus im äußerlichen Wachstum, in der äußerlichen Formung, in der Lebensweise —, so hatten die Menschen, als sie noch näherstanden den Kräften der Natur, einen Zusammenhang in bezug auf ihre innere Konfiguration mit dem, was innere Kräfte der Erde sind. Allerdings sind diese inneren Kräfte der Erde wiederum nicht ganz unabhängig von den Kräften des Universums. Der Mensch ist in seinem Leben zwischen Geburt und Tod diesen Erdenkräften hingegeben. Er ist ihnen hingegeben in bezug auf gewisse Glieder seiner menschlichen Wesenheit, in bezug auf den physischen Leib, in bezug auf den ätherischen Leib. Nicht in bezug auf den astralischen Leib und das Ich, aber in bezug auf den physischen Leib und den ätherischen Leib ist der Mensch durchaus den Kräften der Erde hingegeben. An das, was da unten im Erdenreich, möchte ich sagen, tätig ist, an das ist der Mensch mit seinem physischen Leib und mit seinem Ätherleib hingegeben. Und da in den älteren Zeiten die Menschheit viel abhängiger war vom physischen und Ätherleib, als sie es heute ist, so drückte sich auch das, was als Wirkungen der Erde in den Menschen tätig ist, mehr in dem Bewußtsein der Menschen aus, und das vermittelte für die Menschen namentlich ein gewisses instinktives Tätigsein des Gemütes mit Bezug auf die Erkenntnis der Menschenwelt selber, mit Bezug auf die Erkenntnis des Erdenplaneten, mit Bezug auf die Erkenntnis aber auch sogar der Tierwelt.

[ 3 ] Geradeso wie die Tierwelt eines bestimmten Erdenteiles eine ganz bestimmte Konfiguration hat — bei den Tieren drückt sich das mehr aus im äußerlichen Wachstum, in der äußerlichen Formung, in der Lebensweise —, so hatten die Menschen, als sie noch näherstanden den Kräften der Natur, einen Zusammenhang in bezug auf ihre innere Konfiguration mit dem, was innere Kräfte der Erde sind. Allerdings sind diese inneren Kräfte der Erde wiederum nicht ganz unabhängig von den Kräften des Universums. Der Mensch ist in seinem Leben zwischen Geburt und Tod diesen Erdenkräften hingegeben. Er ist ihnen hingegeben in bezug auf gewisse Glieder seiner menschlichen Wesenheit, in bezug auf den physischen Leib, in bezug auf den ätherischen Leib. Nicht in bezug auf den astralischen Leib und das Ich, aber in bezug auf den physischen Leib und den ätherischen Leib ist der Mensch durchaus den Kräften der Erde hingegeben. An das, was da unten im Erdenreich, möchte ich sagen, tätig ist, an das ist der Mensch mit seinem physischen Leib und mit seinem Ätherleib hingegeben. Und da in den älteren Zeiten die Menschheit viel abhängiger war vom physischen und Ätherleib, als sie es heute ist, so drückte sich auch das, was als Wirkungen der Erde in den Menschen tätig ist, mehr in dem Bewußtsein der Menschen aus, und das vermittelte für die Menschen namentlich ein gewisses instinktives Tätigsein des Gemütes mit Bezug auf die Erkenntnis der Menschenwelt selber, mit Bezug auf die Erkenntnis des Erdenplaneten, mit Bezug auf die Erkenntnis aber auch sogar der Tierwelt.

[ 4 ] Man lernte in alten Zeiten die Tierwelt kennen, indem man von jeder Tierart ein bestimmtes Bild, eine bestimmte Imagination hatte. Wir haben zurückbehalten von dieser Imagination, welche die Alten von den Tierarten hatten, nur den abstrakten Artenbegriff. Wir reden von der Art oder der Gattung von Wölfen, Tigern und Katzen und so weiter. Das sind die letzten abstrakten Überreste dessen, was in alten Zeiten als lebendige Bilder vorhanden war, was in Anschauung, in instinktiver Anschauung vorhanden war. Ebenso hatte der Mensch im Verhältnis zu den anderen Menschen in älteren Zeiten nicht jenes abstrakte Gefühl, das wir heute haben gegenüber unseren Nebenmenschen, an denen wir ja fast vorbeigehen, ohne sie wirklich kennenzulernen; sondern durch das, was in der geschilderten Weise im Inneren der Menschen an Kräften lebte, bekam der Mensch, wenn er dem Menschen begegnete, ein allerdings durch das gemeinsame Karma, durch das gemeinsame Schicksal bestimmtes, aber eben doch ein bestimmtes Bild, eine Anschauung von seinem Nebenmenschen, die sehr konkret als naive Imagination auftrat.

[ 4 ] Man lernte in alten Zeiten die Tierwelt kennen, indem man von jeder Tierart ein bestimmtes Bild, eine bestimmte Imagination hatte. Wir haben zurückbehalten von dieser Imagination, welche die Alten von den Tierarten hatten, nur den abstrakten Artenbegriff. Wir reden von der Art oder der Gattung von Wölfen, Tigern und Katzen und so weiter. Das sind die letzten abstrakten Überreste dessen, was in alten Zeiten als lebendige Bilder vorhanden war, was in Anschauung, in instinktiver Anschauung vorhanden war. Ebenso hatte der Mensch im Verhältnis zu den anderen Menschen in älteren Zeiten nicht jenes abstrakte Gefühl, das wir heute haben gegenüber unseren Nebenmenschen, an denen wir ja fast vorbeigehen, ohne sie wirklich kennenzulernen; sondern durch das, was in der geschilderten Weise im Inneren der Menschen an Kräften lebte, bekam der Mensch, wenn er dem Menschen begegnete, ein allerdings durch das gemeinsame Karma, durch das gemeinsame Schicksal bestimmtes, aber eben doch ein bestimmtes Bild, eine Anschauung von seinem Nebenmenschen, die sehr konkret als naive Imagination auftrat.

[ 5 ] Ebenso lebte in dieser Urmenschheit vielfach etwas, was den ganzen Erdenplaneten oder, wenigstens für viele Völker, die Territorien, auf denen sie lebten, anging. Das war ein innerliches Anschauen gegenüber dem Erdenplaneten, selbst gegenüber den Vorgängen in der Menschenwelt, die sich im sozialen Leben auslebten, und auch gegenüber den Vorgängen in der Tierwelt. Aus diesem innerlichen Anschauen hat sich dann unser gewöhnliches Sinnesanschauen entwickelt. Man könnte sagen, was den ganzen Menschen innerlich erfüllt hat, das innerliche Wahrnehmen, Schauungen bilden, das hat sich bei den Menschen ganz nach der Oberfläche der Sinne hin geschlagen in der neueren Zeit, und das ist unser Anschauen geworden, wie wir es heute namentlich im naturwissenschaftlichen Anschauen anbeten, wo wir nur gelten lassen wollen all das, was der Verstand aus den Anschauungen der Sinne kombiniert. Dieses sinnliche Anschauen, dieses Anschauen, mit dem wir heute den Sinnesteppich überblicken, ist der Abkömmling dessen, was uns entgegentritt, wenn wir in Wirklichkeit, nicht mit den Phantasmen der heutigen Psychologie oder Anthropologie, die alten Zeiten der Menschheitsentwickelung studieren. Was uns entgegentrat in alten Zeiten als innerliches Schauen, das ist heute zunächst unser äußerliches Schauen geworden.

[ 5 ] Ebenso lebte in dieser Urmenschheit vielfach etwas, was den ganzen Erdenplaneten oder, wenigstens für viele Völker, die Territorien, auf denen sie lebten, anging. Das war ein innerliches Anschauen gegenüber dem Erdenplaneten, selbst gegenüber den Vorgängen in der Menschenwelt, die sich im sozialen Leben auslebten, und auch gegenüber den Vorgängen in der Tierwelt. Aus diesem innerlichen Anschauen hat sich dann unser gewöhnliches Sinnesanschauen entwickelt. Man könnte sagen, was den ganzen Menschen innerlich erfüllt hat, das innerliche Wahrnehmen, Schauungen bilden, das hat sich bei den Menschen ganz nach der Oberfläche der Sinne hin geschlagen in der neueren Zeit, und das ist unser Anschauen geworden, wie wir es heute namentlich im naturwissenschaftlichen Anschauen anbeten, wo wir nur gelten lassen wollen all das, was der Verstand aus den Anschauungen der Sinne kombiniert. Dieses sinnliche Anschauen, dieses Anschauen, mit dem wir heute den Sinnesteppich überblicken, ist der Abkömmling dessen, was uns entgegentritt, wenn wir in Wirklichkeit, nicht mit den Phantasmen der heutigen Psychologie oder Anthropologie, die alten Zeiten der Menschheitsentwickelung studieren. Was uns entgegentrat in alten Zeiten als innerliches Schauen, das ist heute zunächst unser äußerliches Schauen geworden.

[ 6 ] Das andere, was uns nun charakterisiert wird durch das Wissen der Magier aus dem Morgenlande, das ist abstrakt geworden. Es ist das, was nun den entgegengeserzten Weg genommen hat. Während das innerliche Schauen sich an die Oberfläche geschlagen hat und Sinnesanschauung geworden ist, hat das äußerliche Anschauen, das sich ausdrückte in dem imaginativen, instinktiv-imaginativen Wissen von der Sternenwelt und ihren Geheimnissen — was ausgedrückt wurde in der alten Art der Astronomie, die allerdings auch mit Zahlen rechnete, die mit Figuren geometrisierte, um diesen platonischen Ausdruck zu gebrauchen —, hat diese Anschauung, die gewissermaßen eine lebendige Mathematik im Weltenall verwirklicht sah, in dem jeder Stern zu gleicher Zeit Geistig-Wesenhaftes war, den entgegengesetzten Weg genommen (siehe Zeichnung). Die andere Anschauung ging an die Sinnesoberfläche, wurde das, was wir heute unsere äußere Anschauung, unsere Empirie nennen. Dasjenige aber, was äußere Anschauung war, ging in das Innere des Menschen und wurde die abstrakte Mathematik, die abstrakte Mechanik oder Phoronomie, alles das, was als mathematisch-mechanisches Wissen aus unserem Inneren aufsteigt.

[ 6 ] Das andere, was uns nun charakterisiert wird durch das Wissen der Magier aus dem Morgenlande, das ist abstrakt geworden. Es ist das, was nun den entgegengeserzten Weg genommen hat. Während das innerliche Schauen sich an die Oberfläche geschlagen hat und Sinnesanschauung geworden ist, hat das äußerliche Anschauen, das sich ausdrückte in dem imaginativen, instinktiv-imaginativen Wissen von der Sternenwelt und ihren Geheimnissen — was ausgedrückt wurde in der alten Art der Astronomie, die allerdings auch mit Zahlen rechnete, die mit Figuren geometrisierte, um diesen platonischen Ausdruck zu gebrauchen —, hat diese Anschauung, die gewissermaßen eine lebendige Mathematik im Weltenall verwirklicht sah, in dem jeder Stern zu gleicher Zeit Geistig-Wesenhaftes war, den entgegengesetzten Weg genommen (siehe Zeichnung). Die andere Anschauung ging an die Sinnesoberfläche, wurde das, was wir heute unsere äußere Anschauung, unsere Empirie nennen. Dasjenige aber, was äußere Anschauung war, ging in das Innere des Menschen und wurde die abstrakte Mathematik, die abstrakte Mechanik oder Phoronomie, alles das, was als mathematisch-mechanisches Wissen aus unserem Inneren aufsteigt.

[ 7 ] So haben wir allerdings in dem, was heute an den Menschen auf der einen Seite als Sinnesanschauung, auf der anderen Seite als mathematisch-mechanische Konstruktion der Welt herantritt, die Erbschaften, die abstrakten Erbschaften der alten, instinktiven Schauungen der Menschheit. Es sind namentlich, wenn das auch der äußeren Anthropologie so unzugänglich ist, im wesentlichen seit dem Eintritt des Mysteriums von Golgatha die letzten Reste alter Anschauungen dahingeschwunden. Bei der Mehrzahl der Erdenbevölkerung waren sie schon viel früher verschwunden, denn wir müssen in sehr, sehr frühe Jahrtausende zurückgehen, in die Jahrtausende, ehe von dem Hochland von Turan ausgegangen ist, was dann ägyptisch-chaldäische, griechische Kultur und so weiter geworden ist, wenn wir diese uralten Anschauungsweisen der Menschheit wirklich kennenlernen wollen. Aber die letzten Reste treten uns noch in der christlichen Tradition durch die Anschauung der Hirten entgegen, die ein wichtiges Menschheitsereignis kennenlernen durch instinktives imaginatives Hellsehen, und durch die Anschauung der Magier aus dem Morgenlande, die aus der Sternenweisheit heraus dasselbe sehen.

[ 7 ] So haben wir allerdings in dem, was heute an den Menschen auf der einen Seite als Sinnesanschauung, auf der anderen Seite als mathematisch-mechanische Konstruktion der Welt herantritt, die Erbschaften, die abstrakten Erbschaften der alten, instinktiven Schauungen der Menschheit. Es sind namentlich, wenn das auch der äußeren Anthropologie so unzugänglich ist, im wesentlichen seit dem Eintritt des Mysteriums von Golgatha die letzten Reste alter Anschauungen dahingeschwunden. Bei der Mehrzahl der Erdenbevölkerung waren sie schon viel früher verschwunden, denn wir müssen in sehr, sehr frühe Jahrtausende zurückgehen, in die Jahrtausende, ehe von dem Hochland von Turan ausgegangen ist, was dann ägyptisch-chaldäische, griechische Kultur und so weiter geworden ist, wenn wir diese uralten Anschauungsweisen der Menschheit wirklich kennenlernen wollen. Aber die letzten Reste treten uns noch in der christlichen Tradition durch die Anschauung der Hirten entgegen, die ein wichtiges Menschheitsereignis kennenlernen durch instinktives imaginatives Hellsehen, und durch die Anschauung der Magier aus dem Morgenlande, die aus der Sternenweisheit heraus dasselbe sehen.

[ 8 ] Diese uralten Anschauungsweisen werden uns ja in ihren letzten Resten als ein deutliches Merkzeichen innerhalb der Menschheitsentwickelung vermittelt. Seit dem Mysterium von Golgatha hat sich dann immer mehr und mehr die neuere Anschauungsweise ausgebreitet, die sich übrigens schon im Griechentum vorbereitete, denn die Dinge gehen nicht schroff ineinander, sondern bereiten sich vor und glimmen ab. Es hat sich vorbereitet im Griechentum dasjenige, was im Grunde genommen intensiv erst in der allerneuesten Zeit geworden ist, was insbesondere sich in der Menschheitsentwickelung seit der Mitte des 15. Jahrhunderts zeigte und was seinen Höhepunkt dann erst im 19. Jahrhundert erlangt hat, deutlich aber schon im 18. Jahrhundert geworden ist, namentlich im europäischen Westen. Es besteht darin, daß die alte geistdurchsetzte Anschauung der Himmelsweiten zur abstrakten Mathematik und Mechanik geworden ist; so daß wir den Himmel im galileisch-keplerschen Sinne überschauen, wie wenn er begreiflich wäre als ein bloßer Gegenstand der Mathematik und Mechanik, und daß wir dasjenige, was wir Wahrnehmungen nennen, beschränken müssen auf das, was uns nur die Sinne vermitteln, daß untätig geworden ist die Wahrnehmungskraft des ganzen Menschen, die instinktiv in Urzeiten vorhanden war.

[ 8 ] Diese uralten Anschauungsweisen werden uns ja in ihren letzten Resten als ein deutliches Merkzeichen innerhalb der Menschheitsentwickelung vermittelt. Seit dem Mysterium von Golgatha hat sich dann immer mehr und mehr die neuere Anschauungsweise ausgebreitet, die sich übrigens schon im Griechentum vorbereitete, denn die Dinge gehen nicht schroff ineinander, sondern bereiten sich vor und glimmen ab. Es hat sich vorbereitet im Griechentum dasjenige, was im Grunde genommen intensiv erst in der allerneuesten Zeit geworden ist, was insbesondere sich in der Menschheitsentwickelung seit der Mitte des 15. Jahrhunderts zeigte und was seinen Höhepunkt dann erst im 19. Jahrhundert erlangt hat, deutlich aber schon im 18. Jahrhundert geworden ist, namentlich im europäischen Westen. Es besteht darin, daß die alte geistdurchsetzte Anschauung der Himmelsweiten zur abstrakten Mathematik und Mechanik geworden ist; so daß wir den Himmel im galileisch-keplerschen Sinne überschauen, wie wenn er begreiflich wäre als ein bloßer Gegenstand der Mathematik und Mechanik, und daß wir dasjenige, was wir Wahrnehmungen nennen, beschränken müssen auf das, was uns nur die Sinne vermitteln, daß untätig geworden ist die Wahrnehmungskraft des ganzen Menschen, die instinktiv in Urzeiten vorhanden war.

[ 9 ] Wir haben es ja oftmals gesagt, daß die Menschheit wiederum zurückkehren muß dazu, Schauungen zu entwickeln. Was als Mathematik, als Mechanik im Inneren aufsteigt, das muß wiederum zur Imagination entfaltet werden. Was von außen sich nur auf den Sinnesteppich anwenden läßt, sonst ins Spekulieren kommt und allerlei mechanische Theorien über die Sinnesvorgänge entwickelt, von allerlei Wellenschwingungen oder dergleichen redet, das muß wiederum unterworfen werden den Schauungen der Inspiration. Dadurch wird die Menschheit. wieder die Anknüpfung finden an ihren eigentlichen Ursprung, an das Geistige, das ja des Menschen ureigenstes Wesen ist. Also als letzte Reste haben wir erhalten aus diesen alten Zeiten die mathematische Anschauung und das, was äußere Sinnesanschauung ist. Und was ist damit heraufgekommen in der Menschheitsentwickelung?

[ 9 ] Wir haben es ja oftmals gesagt, daß die Menschheit wiederum zurückkehren muß dazu, Schauungen zu entwickeln. Was als Mathematik, als Mechanik im Inneren aufsteigt, das muß wiederum zur Imagination entfaltet werden. Was von außen sich nur auf den Sinnesteppich anwenden läßt, sonst ins Spekulieren kommt und allerlei mechanische Theorien über die Sinnesvorgänge entwickelt, von allerlei Wellenschwingungen oder dergleichen redet, das muß wiederum unterworfen werden den Schauungen der Inspiration. Dadurch wird die Menschheit. wieder die Anknüpfung finden an ihren eigentlichen Ursprung, an das Geistige, das ja des Menschen ureigenstes Wesen ist. Also als letzte Reste haben wir erhalten aus diesen alten Zeiten die mathematische Anschauung und das, was äußere Sinnesanschauung ist. Und was ist damit heraufgekommen in der Menschheitsentwickelung?

[ 10 ] Sehen wir uns einmal das 18. Jahrhundert an. Gehen wir zurück bis zu dem englischen Philosophen Locke, der einen so großen Einfluß auf die Entwickelung der Wissenschaften genommen hat. Da finden wir zunächst hingewiesen durch Locke als auf die einzig mögliche Erkenntnis auf diejenige, die zunächst durch die Sinne vermittelt ist. Nur Sinnesanschauung durfte mathematisch kombiniert werden, weil man eben — besonders im Westen, der Osten hat sich immer dagegen gestemmt — nur erhalten hat die äußere Sinnesanschauung, und die innere Anschauung bloß eine abstrakt-mathematische geworden ist.

[ 10 ] Sehen wir uns einmal das 18. Jahrhundert an. Gehen wir zurück bis zu dem englischen Philosophen Locke, der einen so großen Einfluß auf die Entwickelung der Wissenschaften genommen hat. Da finden wir zunächst hingewiesen durch Locke als auf die einzig mögliche Erkenntnis auf diejenige, die zunächst durch die Sinne vermittelt ist. Nur Sinnesanschauung durfte mathematisch kombiniert werden, weil man eben — besonders im Westen, der Osten hat sich immer dagegen gestemmt — nur erhalten hat die äußere Sinnesanschauung, und die innere Anschauung bloß eine abstrakt-mathematische geworden ist.

[ 11 ] In Frankreich zeigte sich im 18. Jahrhundert, daß man versuchte, den Menschen zu begreifen, Antwort zu geben auf die Frage: Was ist der Mensch eigentlich? — Man wollte den Menschen erkennen durch das, was der Mensch nun selber an Erkenntniskraft aufbringen kann. Und es entstand ein solches Werk wie: «Der Mensch eine Maschine» von de LaMettrie. Das ist nicht entstanden aus dem bloßen Einfall eines Menschen heraus, sondern das ist entstanden aus einer welthistorischen Notwendigkeit der Menschheitsentwickelung. Das Entsprechende in uralten Zeiten wäre gewesen, daß aus all der Wissenschaft, die die alte Astronomie hat gewinnen können über die Himmelserscheinungen, man den Menschen aus dem ganzen Makrokosmos heraus begriffen hätte; daß man gewissermaßen mit der qualitativen Mathematik, die aber nichts anderes ist als die alte Astronomie, oder sagen Sie meinetwillen Astrologie, daß man aus diesem heraus den Menschen begriffen hätte. Da wäre der Mensch konkret begriffen worden, wenn auch nicht mit unserem bewußten Erkenntnisvermögen, so doch mit dem instinktiven Erkenntnisvermögen der Alten.

[ 11 ] In Frankreich zeigte sich im 18. Jahrhundert, daß man versuchte, den Menschen zu begreifen, Antwort zu geben auf die Frage: Was ist der Mensch eigentlich? — Man wollte den Menschen erkennen durch das, was der Mensch nun selber an Erkenntniskraft aufbringen kann. Und es entstand ein solches Werk wie: «Der Mensch eine Maschine» von de LaMettrie. Das ist nicht entstanden aus dem bloßen Einfall eines Menschen heraus, sondern das ist entstanden aus einer welthistorischen Notwendigkeit der Menschheitsentwickelung. Das Entsprechende in uralten Zeiten wäre gewesen, daß aus all der Wissenschaft, die die alte Astronomie hat gewinnen können über die Himmelserscheinungen, man den Menschen aus dem ganzen Makrokosmos heraus begriffen hätte; daß man gewissermaßen mit der qualitativen Mathematik, die aber nichts anderes ist als die alte Astronomie, oder sagen Sie meinetwillen Astrologie, daß man aus diesem heraus den Menschen begriffen hätte. Da wäre der Mensch konkret begriffen worden, wenn auch nicht mit unserem bewußten Erkenntnisvermögen, so doch mit dem instinktiven Erkenntnisvermögen der Alten.

[ 12 ] Was bleibt von dem zurück? Im Weltenall dachte man sich nur rein abstrakt ausgebreitet mathematische Linien, Kräfte, wie man sie innerlich abstrakt fassen kann. Man wollte sich den Menschen vorstellen als Maschine. Ein geistvolles Werk, das im Grunde genommen den Menschen nur nach den mathematisch-mechanischen Kräften vorstellen will, das hat dann weiter gespukt im 19. Jahrhundert, das hat alle wissenschaftlichen Anschauungen überschwemmt. Man hat sich höchstens theoretisch dagegen aufgelehnt. Man hat gesagt: Ja, das kann nicht so sein, da muß noch irgend etwas anderes im Menschen wirksam sein. — Aber man hat nichts anderes angewendet, wenn man auch theoretisch-philosophisch zugab, daß das nicht so sein kann, wie es in dem Werk «Der Mensch eine Maschine» dargestellt wird. Man hat doch keine anderen Kräfte angewendet zum Begreifen des Menschen als diejenigen, die man im Grunde auch bei der Maschine anwendet. Die Menschen mußten einmal durchgehen durch die Entwickelung des Geistes, der zwar im abstraktesten Sinne Geist ist, der aber, weil er eben nur im abstrakten Sinne Geist ist, nur das MechanischMineralische begreifen kann. Nur dadurch ist dem Menschen das Bewußtsein der Freiheit gekommen. Möge noch so tumultuarisch im 18. Jahrhundert der Freiheitsdrang im Westen Europas erschienen sein, es gibt einen inneren Zusammenhang zwischen jener armseligen Erkenntnis vom Menschen, die sich ausdrückt in «Der Mensch eine Maschine», und dem Drang nach menschlicher Freiheit, wie er sich ausdrückt in der Französischen Revolution. Auf der einen Seite ist die ärgste Dekadenz des Erkennens aus inneren Kräften, auf der anderen Seite das intensive Fordern der Menschenwürde in der Freiheit.

[ 12 ] Was bleibt von dem zurück? Im Weltenall dachte man sich nur rein abstrakt ausgebreitet mathematische Linien, Kräfte, wie man sie innerlich abstrakt fassen kann. Man wollte sich den Menschen vorstellen als Maschine. Ein geistvolles Werk, das im Grunde genommen den Menschen nur nach den mathematisch-mechanischen Kräften vorstellen will, das hat dann weiter gespukt im 19. Jahrhundert, das hat alle wissenschaftlichen Anschauungen überschwemmt. Man hat sich höchstens theoretisch dagegen aufgelehnt. Man hat gesagt: Ja, das kann nicht so sein, da muß noch irgend etwas anderes im Menschen wirksam sein. — Aber man hat nichts anderes angewendet, wenn man auch theoretisch-philosophisch zugab, daß das nicht so sein kann, wie es in dem Werk «Der Mensch eine Maschine» dargestellt wird. Man hat doch keine anderen Kräfte angewendet zum Begreifen des Menschen als diejenigen, die man im Grunde auch bei der Maschine anwendet. Die Menschen mußten einmal durchgehen durch die Entwickelung des Geistes, der zwar im abstraktesten Sinne Geist ist, der aber, weil er eben nur im abstrakten Sinne Geist ist, nur das MechanischMineralische begreifen kann. Nur dadurch ist dem Menschen das Bewußtsein der Freiheit gekommen. Möge noch so tumultuarisch im 18. Jahrhundert der Freiheitsdrang im Westen Europas erschienen sein, es gibt einen inneren Zusammenhang zwischen jener armseligen Erkenntnis vom Menschen, die sich ausdrückt in «Der Mensch eine Maschine», und dem Drang nach menschlicher Freiheit, wie er sich ausdrückt in der Französischen Revolution. Auf der einen Seite ist die ärgste Dekadenz des Erkennens aus inneren Kräften, auf der anderen Seite das intensive Fordern der Menschenwürde in der Freiheit.

[ 13 ] Das andere, die Anschauung, die der Mensch im Inneren gehegt hat, sie wurde bis in die Sinne hinein getrieben und verblaßte bis zum äußeren Sinnesanschauen. Nichts mehr wurde ihr von dem, was den Menschen zum Menschen in der Anschauung führt; da blieb nur das Gefühl zurück als sozialer Motor. Und im 19. Jahrhundert, da traten dann namentlich in Mitteleuropa, im Westen auch schon im 18. Jahrhundert, diejenigen Persönlichkeiten auf — im Westen Dapuis, in Mitteleuropa dann solche Geister wie Ludwig Feuerbach und andere —, welche in der eigentümlichen Art, wie alles derartige in Mitteleuropa dann erfaßt wurde, sich erinnerten, daß die Menschheit im Laufe ihrer Entwickelung im Hinaussehen in den Makrokosmos Geistiges geschaut hat, Götter oder zuletzt Gott geschaut hat. Aber da trat der starke Instinkt davon auf: Wenn ich in die Außenwelt hinausschaue, da habe ich ja nur den Sinnesteppich, da habe ich nur das, was der sinnlichen Wahrnehmung gegeben ist. Was da überliefert wird, was man einstmals aus den Sternen leuchten gesehen hat, die ja auch Sinnendinge zunächst sind, dasjenige, was gegeben worden ist als geistiger Inhalt der mineralischen, der pflanzlichen Welt, das — so sagte man sich — haben die Menschen hineingedichtet, das ist alles Anthropomorphismus, das haben aus ihrer Phantasie heraus die Menschen in die Außenwelt hineinverlegt. Nicht die Götter haben die Menschen geschaffen, die Menschen haben aus ihrem Seelenwesen heraus die Götter geschaffen. Dupuis zuerst, dann solche Leute wie Ludwig Feuerbach in der Mitte des 19. Jahrhunderts, haben das vor die Menschen hingestellt.

[ 13 ] Das andere, die Anschauung, die der Mensch im Inneren gehegt hat, sie wurde bis in die Sinne hinein getrieben und verblaßte bis zum äußeren Sinnesanschauen. Nichts mehr wurde ihr von dem, was den Menschen zum Menschen in der Anschauung führt; da blieb nur das Gefühl zurück als sozialer Motor. Und im 19. Jahrhundert, da traten dann namentlich in Mitteleuropa, im Westen auch schon im 18. Jahrhundert, diejenigen Persönlichkeiten auf — im Westen Dapuis, in Mitteleuropa dann solche Geister wie Ludwig Feuerbach und andere —, welche in der eigentümlichen Art, wie alles derartige in Mitteleuropa dann erfaßt wurde, sich erinnerten, daß die Menschheit im Laufe ihrer Entwickelung im Hinaussehen in den Makrokosmos Geistiges geschaut hat, Götter oder zuletzt Gott geschaut hat. Aber da trat der starke Instinkt davon auf: Wenn ich in die Außenwelt hinausschaue, da habe ich ja nur den Sinnesteppich, da habe ich nur das, was der sinnlichen Wahrnehmung gegeben ist. Was da überliefert wird, was man einstmals aus den Sternen leuchten gesehen hat, die ja auch Sinnendinge zunächst sind, dasjenige, was gegeben worden ist als geistiger Inhalt der mineralischen, der pflanzlichen Welt, das — so sagte man sich — haben die Menschen hineingedichtet, das ist alles Anthropomorphismus, das haben aus ihrer Phantasie heraus die Menschen in die Außenwelt hineinverlegt. Nicht die Götter haben die Menschen geschaffen, die Menschen haben aus ihrem Seelenwesen heraus die Götter geschaffen. Dupuis zuerst, dann solche Leute wie Ludwig Feuerbach in der Mitte des 19. Jahrhunderts, haben das vor die Menschen hingestellt.

[ 14 ] Auf der anderen Seite haben dann wiederum solche Geister wie Darwin und diejenigen, die in ähnlicher Weise gesinnt waren, stark geltend gemacht, daß der Mensch eben als Anschauung nur die äußere Sinnesanschauung hat. Sie haben Lehren begründet, in denen nur diese äußere Sinnesanschauung leben sollte. Und da zeigte sich: der Mensch kann nicht durch diese Lehren begriffen werden. In einer grandiosen Ideenkonstruktion ist eine Entwickelungstheorie von den einfachsten Organismen bis herauf zu den komplizierten gegeben worden, und der Mensch ist an die Spitze der Tierwelt gestellt worden. Was begriff man vom Menschen? Man begriff vom Menschen dasjenige, was man äußerlich anschauen konnte durch bloße Sinneswahrnehmung.

[ 14 ] Auf der anderen Seite haben dann wiederum solche Geister wie Darwin und diejenigen, die in ähnlicher Weise gesinnt waren, stark geltend gemacht, daß der Mensch eben als Anschauung nur die äußere Sinnesanschauung hat. Sie haben Lehren begründet, in denen nur diese äußere Sinnesanschauung leben sollte. Und da zeigte sich: der Mensch kann nicht durch diese Lehren begriffen werden. In einer grandiosen Ideenkonstruktion ist eine Entwickelungstheorie von den einfachsten Organismen bis herauf zu den komplizierten gegeben worden, und der Mensch ist an die Spitze der Tierwelt gestellt worden. Was begriff man vom Menschen? Man begriff vom Menschen dasjenige, was man äußerlich anschauen konnte durch bloße Sinneswahrnehmung.

[ 15 ] Hatte man in Frankreich im 18. Jahrhundert ausgedacht, daß der Mensch eine Maschine sei, so schaute man jetzt im 19. Jahrhundert den Menschen nur von außen an, und man drang eben nicht vor in das Innere des Menschen. Nur die Menschenhülle bot sich dar. Diese Menschenhülle aber steht an der Spitze des Tierreiches. Was diese Menschenhülle umschließt, das steht aber gar nicht an der Spitze des Tierreiches, sondern rührt aus ganz anderen Welten her, in die man keinen Einblick mehr hatte, weil nur die sinnliche Anschauung vorhanden war, zu der sich das alte Hellsehen entwickelt hatte, weil nur vorhanden war die Mathematik und Mechanik, zu der sich die alte Astronomie, die eine lebendige Geistwissenschaft war, entwickelt hatte. So konnte man durch die innere Wissenschaft den Menschen nur als Maschine konstruieren, so konnte man durch die äußere Wissenschaft den Menschen überhaupt nicht konstruieren, sondern nur seine Hülle, Der Mensch kam allmählich abhanden. Und heute hat man ja im Grunde auch kein Bewußtsein davon, wie weit man den Menschen gerade in der Erkenntnis verloren hat. Man anatomisiert die Tiere, man betreibt Physiologie der Tiere und überträgt dann das mit einigen Modifikationen auf den Menschen. Aber eine wirkliche Menschenerkenntnis hat das heutige Streben nicht. Der Mensch kann heute aus dem, was er gerade als höchste Autorität anerkennt, aus der Wissenschaft, kein Bewußtsein vom Menschen gewinnen. Unserem wissenschaftlichen Gesinntsein ist vorangegangen der Mensch als Maschine, ist vorangegangen das Begreifen der sinnlichen Außenwelt, innerhalb welcher der Mensch nicht gefunden werden kann.

[ 15 ] Hatte man in Frankreich im 18. Jahrhundert ausgedacht, daß der Mensch eine Maschine sei, so schaute man jetzt im 19. Jahrhundert den Menschen nur von außen an, und man drang eben nicht vor in das Innere des Menschen. Nur die Menschenhülle bot sich dar. Diese Menschenhülle aber steht an der Spitze des Tierreiches. Was diese Menschenhülle umschließt, das steht aber gar nicht an der Spitze des Tierreiches, sondern rührt aus ganz anderen Welten her, in die man keinen Einblick mehr hatte, weil nur die sinnliche Anschauung vorhanden war, zu der sich das alte Hellsehen entwickelt hatte, weil nur vorhanden war die Mathematik und Mechanik, zu der sich die alte Astronomie, die eine lebendige Geistwissenschaft war, entwickelt hatte. So konnte man durch die innere Wissenschaft den Menschen nur als Maschine konstruieren, so konnte man durch die äußere Wissenschaft den Menschen überhaupt nicht konstruieren, sondern nur seine Hülle, Der Mensch kam allmählich abhanden. Und heute hat man ja im Grunde auch kein Bewußtsein davon, wie weit man den Menschen gerade in der Erkenntnis verloren hat. Man anatomisiert die Tiere, man betreibt Physiologie der Tiere und überträgt dann das mit einigen Modifikationen auf den Menschen. Aber eine wirkliche Menschenerkenntnis hat das heutige Streben nicht. Der Mensch kann heute aus dem, was er gerade als höchste Autorität anerkennt, aus der Wissenschaft, kein Bewußtsein vom Menschen gewinnen. Unserem wissenschaftlichen Gesinntsein ist vorangegangen der Mensch als Maschine, ist vorangegangen das Begreifen der sinnlichen Außenwelt, innerhalb welcher der Mensch nicht gefunden werden kann.

[ 16 ] In einem der neueren Bücher — seitdem ist ja auch schon wieder ein neues erschienen; es wachsen sich zuletzt die Broschüren, welche die Anthroposophie heute widerlegen sollen, zu ganzen Büchern aus —, in dem vorletzten größeren Buch gegen die Anthroposophie finden wir, wie manches in der Anthroposophie erinnern soll an alte Mythologien. Ja, eigentlich liegt einem solchen Tun nur das zugrunde, daß der Betreffende eben so gar nicht die Anthroposophie versteht. Der Verfasser dieser Schrift ist ein Lizentiat der Theologie, ein sehr gelehrter Herr. Gelehrte Herren sind sie ja alle, das kann man immer als Refrain sagen, wenn man sich an die berühmte Rede in Shakespeares « Julius Cäsar» erinnert: Ehrenwerte Männer sind sie alle. — Gelehrte Herren sind sie ja alle, und dieser findet eben, weil er Anthroposophie so gar nicht versteht, etwas Übereinstimmendes mit alten Mythologien.

[ 16 ] In einem der neueren Bücher — seitdem ist ja auch schon wieder ein neues erschienen; es wachsen sich zuletzt die Broschüren, welche die Anthroposophie heute widerlegen sollen, zu ganzen Büchern aus —, in dem vorletzten größeren Buch gegen die Anthroposophie finden wir, wie manches in der Anthroposophie erinnern soll an alte Mythologien. Ja, eigentlich liegt einem solchen Tun nur das zugrunde, daß der Betreffende eben so gar nicht die Anthroposophie versteht. Der Verfasser dieser Schrift ist ein Lizentiat der Theologie, ein sehr gelehrter Herr. Gelehrte Herren sind sie ja alle, das kann man immer als Refrain sagen, wenn man sich an die berühmte Rede in Shakespeares « Julius Cäsar» erinnert: Ehrenwerte Männer sind sie alle. — Gelehrte Herren sind sie ja alle, und dieser findet eben, weil er Anthroposophie so gar nicht versteht, etwas Übereinstimmendes mit alten Mythologien.

[ 17 ] Wir wissen, daß es sich bei Anthroposophie um ein vollbewußtes Erfassen der Welt handelt, um ein Erfassen der Welt, das mit solchem Bewußtsein geschieht, wie sonst nur in der Mathematik die Wirklichkeiten innerlich durchschaut werden, also daß es sich wahrhaftig nicht um mythologische Dichtungen handelt. Aber dennoch werden wir manchmal, indem unser Inneres in tiefer Weise erregt wird, gerade durch Anthroposophie aufmerksam gemacht auf das Sinnvolle alter Mythologien, alter mythologischer Anschauungen. Diese alten Mythologien sind durchaus nicht in dem Sinne Dichtung, wie heute etwas Dichtung ist, sondern sie sind aus den naiven Imaginationen, die aber einem gewissen Weltinhalte entsprechen, hervorgegangen. Nur gaben sie eben das, was dieser Weltinhalt in sich hatte, bildhaft. Und wenn man das tief Bedeutsame dieser Bilder auf sich wirken läßt, dann zeigt sich manchmal etwas ganz Wunderbares an Erkenntnissicherheit in diesen alten Bildern, und ich möchte heute gerade erinnern an ein altes indisches Gedicht, das an den Gott Varuna gerichtet ist, und das ich etwa in der folgenden Weise Ihnen geben möchte:

[ 17 ] Wir wissen, daß es sich bei Anthroposophie um ein vollbewußtes Erfassen der Welt handelt, um ein Erfassen der Welt, das mit solchem Bewußtsein geschieht, wie sonst nur in der Mathematik die Wirklichkeiten innerlich durchschaut werden, also daß es sich wahrhaftig nicht um mythologische Dichtungen handelt. Aber dennoch werden wir manchmal, indem unser Inneres in tiefer Weise erregt wird, gerade durch Anthroposophie aufmerksam gemacht auf das Sinnvolle alter Mythologien, alter mythologischer Anschauungen. Diese alten Mythologien sind durchaus nicht in dem Sinne Dichtung, wie heute etwas Dichtung ist, sondern sie sind aus den naiven Imaginationen, die aber einem gewissen Weltinhalte entsprechen, hervorgegangen. Nur gaben sie eben das, was dieser Weltinhalt in sich hatte, bildhaft. Und wenn man das tief Bedeutsame dieser Bilder auf sich wirken läßt, dann zeigt sich manchmal etwas ganz Wunderbares an Erkenntnissicherheit in diesen alten Bildern, und ich möchte heute gerade erinnern an ein altes indisches Gedicht, das an den Gott Varuna gerichtet ist, und das ich etwa in der folgenden Weise Ihnen geben möchte:

Varuna ist der Kraftende in allen Wesen.
Varuna ist es, der in den Wäldern die Luft ausgebreitet hat.
Varuna ist es, der in den schnellfüßigen Tieren die Schnelligkeit bewirkt.
Varuna ist es, der in den milchtragenden Kühen die Milch bewirkt.
Varuna ist es, der in dem menschlichen Herzen den Willen erregt.
Varuna ist es, der in den Wolkenwassern die Blitzesstrahlen erregt.
Varuna ist es, der am Himmelsgewölbe das Licht der Sonne scheinen läßt.
Varuna ist es, der auf dem Berg den Somatrank erzeugt.

Varuna ist der Kraftende in allen Wesen.
Varuna ist es, der in den Wäldern die Luft ausgebreitet hat.
Varuna ist es, der in den schnellfüßigen Tieren die Schnelligkeit bewirkt.
Varuna ist es, der in den milchtragenden Kühen die Milch bewirkt.
Varuna ist es, der in dem menschlichen Herzen den Willen erregt.
Varuna ist es, der in den Wolkenwassern die Blitzesstrahlen erregt.
Varuna ist es, der am Himmelsgewölbe das Licht der Sonne scheinen läßt.
Varuna ist es, der auf dem Berg den Somatrank erzeugt.

[ 18 ] Wir finden in einer wunderbaren Weise in dieser Ansprache an Varuna dasjenige, was ich Ihnen gestern ausgeführt habe. Fassen wir zuerst, was sich aus den inneren Kräften der Erde in den Menschen hereinbegibt in seinen physischen und in seinen Ätherleib — so daß dann nur der Astralleib und das Ich in sein Bewußtsein heraufkommen können und es verändern —, fassen wir also auf, daß da die Erdenkräfte in das Bewußtsein hereinspielen und dasjenige bewirken, was im Inneren dann Schaukräfte wurden in alten Zeiten, was überhaupt das Innere des Menschen und der Erde belebte, so finden wir das Sinnvolle, indem zuerst hingedeutet wird, wie es Varuna, der Gott der Verwandlungen, ist, der den Wind, die Luft durch die Wälder, das heißt durch die wälderbedeckte Erde, streifen läßt, wie diese selbe kraftende Wesenheit, indem sie von der Erde aus durch die Tiere wirkt, die Geschwindigkeit in den Pferden bewirkt, wie sie bewirkt die Lebenssubstanz in den Wesen, die Milch geben, wie sie aber in dem Herzen des Menschen die Willensimpulse bewirkt, aus denen gerade dasjenige kam, was eben altes innerliches Hellsehen war. Wir haben, ich möchte sagen, in diesem Hindeuten etwas, was uns die Anschauungsweise der Hirten auf dem Felde verständlich macht. Und in dem, was nun kommt, haben wir das, was uns verständlich macht die besondere Anschauungsweise der Magier aus dem Morgenlande. Denn Varuna ist es, der in den Wolkenwassern das Blitzesfeuer erregen läßt — man sieht hinaus in den Makrokosmos und findet da draußen die Kräfte, die auf die Magierweise erkannt werden —, der am Himmel das Licht der Sonne erscheinen läßt, und der auf dem Berge den Somatrank erzeugt, das, was im Menschen so wirkt, daß er überschauen kann die Welt.

[ 18 ] Wir finden in einer wunderbaren Weise in dieser Ansprache an Varuna dasjenige, was ich Ihnen gestern ausgeführt habe. Fassen wir zuerst, was sich aus den inneren Kräften der Erde in den Menschen hereinbegibt in seinen physischen und in seinen Ätherleib — so daß dann nur der Astralleib und das Ich in sein Bewußtsein heraufkommen können und es verändern —, fassen wir also auf, daß da die Erdenkräfte in das Bewußtsein hereinspielen und dasjenige bewirken, was im Inneren dann Schaukräfte wurden in alten Zeiten, was überhaupt das Innere des Menschen und der Erde belebte, so finden wir das Sinnvolle, indem zuerst hingedeutet wird, wie es Varuna, der Gott der Verwandlungen, ist, der den Wind, die Luft durch die Wälder, das heißt durch die wälderbedeckte Erde, streifen läßt, wie diese selbe kraftende Wesenheit, indem sie von der Erde aus durch die Tiere wirkt, die Geschwindigkeit in den Pferden bewirkt, wie sie bewirkt die Lebenssubstanz in den Wesen, die Milch geben, wie sie aber in dem Herzen des Menschen die Willensimpulse bewirkt, aus denen gerade dasjenige kam, was eben altes innerliches Hellsehen war. Wir haben, ich möchte sagen, in diesem Hindeuten etwas, was uns die Anschauungsweise der Hirten auf dem Felde verständlich macht. Und in dem, was nun kommt, haben wir das, was uns verständlich macht die besondere Anschauungsweise der Magier aus dem Morgenlande. Denn Varuna ist es, der in den Wolkenwassern das Blitzesfeuer erregen läßt — man sieht hinaus in den Makrokosmos und findet da draußen die Kräfte, die auf die Magierweise erkannt werden —, der am Himmel das Licht der Sonne erscheinen läßt, und der auf dem Berge den Somatrank erzeugt, das, was im Menschen so wirkt, daß er überschauen kann die Welt.

[ 19 ] Allerdings muß man da eine Anmerkung machen. Das Gedicht ist schon aus einer Zeit, in der nicht mehr die urälteste, reinste Anschauung vorhanden war in bezug auf die äußere Welt, in der man schon nicht mehr durch rein geistige Verrichtungen des Atmens, wie es in der alten Zeit üblich war, wo man nicht aus der Einatmung ersaugen wollte, was dann die Anschauung ergab der Weltenweiten, sondern wo man — und das wurde vielfach in den Spätmysterien gepflogen — durch einen gewissen Trank, den man aus Pflanzen bereitete, sich anregen wollte, nach außen zu schauen; so wie man dann später, als die innere Anschauung verlorengegangen war, durch Genießen von ganz bestimmten Substanzen innerlich sich anregen wollte. Im Orient wollte man sich durch gewisse Pflanzensäfte für die äußere Anschauung des Makrokosmos anregen. Im Abendlande kam es dann auf, daß man sich durch innere Substanzen anregen wollte. Im Morgenlande nannte man dasjenige, wodurch man wieder durch äußere Mittel, durch Einnehmen von etwas, die Fähigkeit heraufbeschwören wollte, die im letzten Reste durch den Magier erschienen war, den Somatrank. Im Abendlande, bis ins späte Mittelalter herein, ja noch bis in die neuere Zeit nannte man das, was man innerlich einnehmen wollte, um jene Weisheit zu bekommen, die innerliche Wahrnehmung hervorruft, den Stein der Weisen.

[ 19 ] Allerdings muß man da eine Anmerkung machen. Das Gedicht ist schon aus einer Zeit, in der nicht mehr die urälteste, reinste Anschauung vorhanden war in bezug auf die äußere Welt, in der man schon nicht mehr durch rein geistige Verrichtungen des Atmens, wie es in der alten Zeit üblich war, wo man nicht aus der Einatmung ersaugen wollte, was dann die Anschauung ergab der Weltenweiten, sondern wo man — und das wurde vielfach in den Spätmysterien gepflogen — durch einen gewissen Trank, den man aus Pflanzen bereitete, sich anregen wollte, nach außen zu schauen; so wie man dann später, als die innere Anschauung verlorengegangen war, durch Genießen von ganz bestimmten Substanzen innerlich sich anregen wollte. Im Orient wollte man sich durch gewisse Pflanzensäfte für die äußere Anschauung des Makrokosmos anregen. Im Abendlande kam es dann auf, daß man sich durch innere Substanzen anregen wollte. Im Morgenlande nannte man dasjenige, wodurch man wieder durch äußere Mittel, durch Einnehmen von etwas, die Fähigkeit heraufbeschwören wollte, die im letzten Reste durch den Magier erschienen war, den Somatrank. Im Abendlande, bis ins späte Mittelalter herein, ja noch bis in die neuere Zeit nannte man das, was man innerlich einnehmen wollte, um jene Weisheit zu bekommen, die innerliche Wahrnehmung hervorruft, den Stein der Weisen.

[ 20 ] Sie werden in den gebräuchlichen Büchern, die Sie über den Orientalismus unterrichten wollen, überall den Hinweis auf den Somatrank, auf den Somasaft finden. Allerlei sehr geistvolle Erklärungen finden sich darüber, weil die Menschen von der wirklichen Initiationsweisheit aus niemals darauf aufmerksam gemacht sind, was nun der Somatrank substantiell eigentlich ist. Ebenso werden Sie in allerlei historischen Büchern darauf hingewiesen, daß man ja nicht weiß, welche Substanz der Stein der Weisen ist. Allerdings habe ich auch nicht gerade vor, von diesen beiden Substanzen zu sprechen. Ich möchte nur auf das Humorvolle hindeuten, daß eine gewisse Gelehrsamkeit darauf hinweist, daß man nicht wissen könne, was eigentlich der Somasaft ist, trotzdem eine große Anzahl von Menschen diesen Somasaft, der, wie das hier—im Liede des Varuna mitgeteilt ist, auf dem Berge wächst, literweise trinken. Und so wird auch hingewiesen darauf, daß eine gewisse Substanz als der Stein der Weisen existiert, daß man nicht eigentlich wisse, was die gelehrten Alchimisten unter diesem Stein der Weisen verstehen, obwohl die Menschen auch der heutigen Zeit kiloweise diesen Stein der Weisen verbrennen. Es handelt sich nur darum, diese Dinge in dem richtigen Lichte zu sehen. Es ist ein Merkwürdiges, daß da eigentlich oftmals als etwas höchst Unbekanntes hingestellt wird, was den Menschen sehr bekannt ist, weil sie nicht wissen, wie der Zusammenhang ihrer heutigen Anschauungsweise ist mit dem, was Anschauungsweise einer verhältnismäßig kurz zurückliegenden Zeit ist.

[ 20 ] Sie werden in den gebräuchlichen Büchern, die Sie über den Orientalismus unterrichten wollen, überall den Hinweis auf den Somatrank, auf den Somasaft finden. Allerlei sehr geistvolle Erklärungen finden sich darüber, weil die Menschen von der wirklichen Initiationsweisheit aus niemals darauf aufmerksam gemacht sind, was nun der Somatrank substantiell eigentlich ist. Ebenso werden Sie in allerlei historischen Büchern darauf hingewiesen, daß man ja nicht weiß, welche Substanz der Stein der Weisen ist. Allerdings habe ich auch nicht gerade vor, von diesen beiden Substanzen zu sprechen. Ich möchte nur auf das Humorvolle hindeuten, daß eine gewisse Gelehrsamkeit darauf hinweist, daß man nicht wissen könne, was eigentlich der Somasaft ist, trotzdem eine große Anzahl von Menschen diesen Somasaft, der, wie das hier—im Liede des Varuna mitgeteilt ist, auf dem Berge wächst, literweise trinken. Und so wird auch hingewiesen darauf, daß eine gewisse Substanz als der Stein der Weisen existiert, daß man nicht eigentlich wisse, was die gelehrten Alchimisten unter diesem Stein der Weisen verstehen, obwohl die Menschen auch der heutigen Zeit kiloweise diesen Stein der Weisen verbrennen. Es handelt sich nur darum, diese Dinge in dem richtigen Lichte zu sehen. Es ist ein Merkwürdiges, daß da eigentlich oftmals als etwas höchst Unbekanntes hingestellt wird, was den Menschen sehr bekannt ist, weil sie nicht wissen, wie der Zusammenhang ihrer heutigen Anschauungsweise ist mit dem, was Anschauungsweise einer verhältnismäßig kurz zurückliegenden Zeit ist.

[ 21 ] Aber das müssen wir uns eben durchaus klarmachen, daß wir im Grunde genommen heute mit den schlimmsten Brillen in die Welt sehen und die Bedeutung des Allernächsten trotz unserer wissenschaftlichen Ausbildung nicht kennen, nicht kennen die Wirkungen mancher Substanzen, die wir im alltäglichen Leben anwenden. Wir stehen in diesen Wirkungen drinnen, wir erleben sie. Aber ebenso wie heute die Gelehrsamkeit nicht weiß, was der Somatrank ist, wie sie nicht weiß, was der Stein der Weisen ist, trotzdem man nur wenige Menschen finden kann, die die betreffenden Substanzen nicht ganz gut kennen — sie wissen nur nicht, welche es sind —, ebensogut kann man sagen: Die Menschen von heute sehen, daß sich manches vollzieht in dem Verkehr zwischen den Banken und den Industrieunternehmungen, und die meisten Menschen schneiden ihre Coupons ab von den betreffenden Papieren, die sie bekommen, und sie wissen ebensowenig, was eigentlich das im ganzen sozialen Zusammenhang des Lebens bedeutet, wie sie auch das andere eben Angeführte nicht wissen. Unsere Anschauungsweise ist eben durchaus so, daß sie uns bebrillt, das heißt, mit Brillen versieht, so daß wir unsere alltäglichen Verrichtungen haben, ohne irgend etwas über den inneren Zusammenhang der Welt in Wirklichkeit zu erkennen.

[ 21 ] Aber das müssen wir uns eben durchaus klarmachen, daß wir im Grunde genommen heute mit den schlimmsten Brillen in die Welt sehen und die Bedeutung des Allernächsten trotz unserer wissenschaftlichen Ausbildung nicht kennen, nicht kennen die Wirkungen mancher Substanzen, die wir im alltäglichen Leben anwenden. Wir stehen in diesen Wirkungen drinnen, wir erleben sie. Aber ebenso wie heute die Gelehrsamkeit nicht weiß, was der Somatrank ist, wie sie nicht weiß, was der Stein der Weisen ist, trotzdem man nur wenige Menschen finden kann, die die betreffenden Substanzen nicht ganz gut kennen — sie wissen nur nicht, welche es sind —, ebensogut kann man sagen: Die Menschen von heute sehen, daß sich manches vollzieht in dem Verkehr zwischen den Banken und den Industrieunternehmungen, und die meisten Menschen schneiden ihre Coupons ab von den betreffenden Papieren, die sie bekommen, und sie wissen ebensowenig, was eigentlich das im ganzen sozialen Zusammenhang des Lebens bedeutet, wie sie auch das andere eben Angeführte nicht wissen. Unsere Anschauungsweise ist eben durchaus so, daß sie uns bebrillt, das heißt, mit Brillen versieht, so daß wir unsere alltäglichen Verrichtungen haben, ohne irgend etwas über den inneren Zusammenhang der Welt in Wirklichkeit zu erkennen.

[ 22 ] Es ist merkwürdig, wie die Menschen heute danach streben, innerhalb dieser an der Oberfläche schwimmenden Begriffe zu bleiben, wie sie nicht wollen untertauchen auf der einen Seite in ein neues Inneres, auftauchen auf der anderen Seite, aufstreben nach einem neuen äußeren Wissen. Aus dunklen Gefühlen ringt sich dem Menschen manchmal das heraus, was im Unbewußten die meisten Menschen eigentlich schon wollen, aber sie schrecken zurück vor dem Erheben dieses Wollens in das Bewußtsein.

[ 22 ] Es ist merkwürdig, wie die Menschen heute danach streben, innerhalb dieser an der Oberfläche schwimmenden Begriffe zu bleiben, wie sie nicht wollen untertauchen auf der einen Seite in ein neues Inneres, auftauchen auf der anderen Seite, aufstreben nach einem neuen äußeren Wissen. Aus dunklen Gefühlen ringt sich dem Menschen manchmal das heraus, was im Unbewußten die meisten Menschen eigentlich schon wollen, aber sie schrecken zurück vor dem Erheben dieses Wollens in das Bewußtsein.

[ 23 ] Mir hat einer unserer Freunde in diesen Tagen die «Rheinische Musik- und Theater-Zeitung» gegeben. Der erste Artikel dieser «Rheinischen Musik- und Theater-Zeitung» sagt etwas aus den speziellen Erlebnissen eines Musikers heraus, also aus der unmittelbaren Erfahrung in einem besonderen Falle des Lebens. Es ist außerordentlich interessant, was da jemand aus einem Spezialfall des Erlebens heraus niederschreibt. Ich will nur einige Sätze daraus lesen. Da lesen wir zum Beispiel: «Zu diesem inneren Problem der Musik kam nun mit der allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Umwälzung das äußere, das des neuen Publikums, welches ziemlich unvorbereitet an die Kunst herantritt. Welche Kunst hat bleibenden Wert, und wie bringt man die Kunst und das Volk zusammen? Das sind die beiden zur Zeit besonders wichtigen Fragen.»

[ 23 ] Mir hat einer unserer Freunde in diesen Tagen die «Rheinische Musik- und Theater-Zeitung» gegeben. Der erste Artikel dieser «Rheinischen Musik- und Theater-Zeitung» sagt etwas aus den speziellen Erlebnissen eines Musikers heraus, also aus der unmittelbaren Erfahrung in einem besonderen Falle des Lebens. Es ist außerordentlich interessant, was da jemand aus einem Spezialfall des Erlebens heraus niederschreibt. Ich will nur einige Sätze daraus lesen. Da lesen wir zum Beispiel: «Zu diesem inneren Problem der Musik kam nun mit der allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Umwälzung das äußere, das des neuen Publikums, welches ziemlich unvorbereitet an die Kunst herantritt. Welche Kunst hat bleibenden Wert, und wie bringt man die Kunst und das Volk zusammen? Das sind die beiden zur Zeit besonders wichtigen Fragen.»

[ 24 ] Man muß sagen, die meisten Menschen fühlen noch nicht einmal das Schwergewicht dieser Fragen; hier fühlt man wenigstens das Schwergewicht dieser Fragen, denn diese Fragen sind mit furchtbarem Gewichte lastend in der Welt da.

[ 24 ] Man muß sagen, die meisten Menschen fühlen noch nicht einmal das Schwergewicht dieser Fragen; hier fühlt man wenigstens das Schwergewicht dieser Fragen, denn diese Fragen sind mit furchtbarem Gewichte lastend in der Welt da.

[ 25 ] «Viele, sehr viele Probleme würden besser und leichter gelöst werden, wenn der Musikerstand organisiert wäre. Noch aber fehlt uns die Musikerkammer, welche die gemeinsamen Interessen aller Fachmusiker vertreten könnte; noch sind nicht einmal die einzelnen Interessengruppen wirklich zusammengeschlossen.»

[ 25 ] «Viele, sehr viele Probleme würden besser und leichter gelöst werden, wenn der Musikerstand organisiert wäre. Noch aber fehlt uns die Musikerkammer, welche die gemeinsamen Interessen aller Fachmusiker vertreten könnte; noch sind nicht einmal die einzelnen Interessengruppen wirklich zusammengeschlossen.»

[ 26 ] Nun denkt der Betreffende nach über die betreffende Organisation. Er sagt nun: «Kaum einer der Verbände umfaßt alle Standesgenossen; am stärksten sind vielleicht der deutsche Musikerverband, der besonders die Orchestermusiker umfaßt, ferner die Organisationen der Musikalienhändler, die ja durch ihre wirtschaftlichen Ziele eine gemeinsame Basis haben. In weitem Abstand folgen dann die verschiedenen Gruppen der akademischen und nicht akademischen Musiklehrer, der Gesanglehrer an Schulen, der Organisten, Dirigenten und Kritiker, sowie der schaffenden und reproduzierenden Musiker. Eigenbrödelei und Rivalität haben hier manchen ferngehalten. Es fehlt noch viel, daß alle geistigen Berufsarbeiter die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses erkennen. So kam es denn, daß die Herrschaft auf musikalischem Gebiet besonders für alle öffentlichen Fragen gar nicht von Fachleuten ausgeübt wird, die wissen, was nottut, sondern daß vor allem im großen Staatsplan wie in den engeren provinzialen Gemeindeverwaltungen Dilettanten dieses Amtes walten, heutzutage je nach Stärke der Parteien Politiker, die gewissermaßen nur nebenher die Kunst mitbetreuen, oft sicherlich mit gutem Willen, aber vielfach doch nicht mit der nötigen Sachkenntnis und Unvoreingenommenheit. So kam es, daß vor allem der Staat den berechtigten Forderungen der Musik gegenüber fast völlig versagt. Aber diese Erscheinung trifft nicht die Musik allein; sie ist typisch für alle kulturellen Angelegenheiten. Aus der Erkenntnis heraus, daß auch die wirtschaftlichen Fragen eines Volkes nicht von den bisher bestehenden, politisch orientierten Volksvertretungen sachlich behandelt werden können, wurde jüngst ein neuer «Wirtschaftsrat> gebildet. Bei zirka 400 Sitzen waren knapp drei für die Künste eingeräumt; so bescheiden taxierte man deren Bedeutung ein! Und wenn wir schon glauben, daß ein bis zwei Stimmen nicht ausreichen, um auch nur in rein wirtschaftlichen Fragen die Interessen des deutschen Musikerstandes zu vertreten, so müssen wir doch die Frageaufwerfen: wo werden überhaupt die kulturellen Interessen des Volkes beraten? Die bisherige Besprechung in den Parlamenten lehnen wir ab. Nicht ein einziger Fachmusiker sitzt unseres Wissens im Reichstag, und wären es ihrer zehn und zwanzig, so könnten sie doch nichts ausrichten, wo man nach Parteigesichtspunkten redet und stimmt.

[ 26 ] Nun denkt der Betreffende nach über die betreffende Organisation. Er sagt nun: «Kaum einer der Verbände umfaßt alle Standesgenossen; am stärksten sind vielleicht der deutsche Musikerverband, der besonders die Orchestermusiker umfaßt, ferner die Organisationen der Musikalienhändler, die ja durch ihre wirtschaftlichen Ziele eine gemeinsame Basis haben. In weitem Abstand folgen dann die verschiedenen Gruppen der akademischen und nicht akademischen Musiklehrer, der Gesanglehrer an Schulen, der Organisten, Dirigenten und Kritiker, sowie der schaffenden und reproduzierenden Musiker. Eigenbrödelei und Rivalität haben hier manchen ferngehalten. Es fehlt noch viel, daß alle geistigen Berufsarbeiter die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses erkennen. So kam es denn, daß die Herrschaft auf musikalischem Gebiet besonders für alle öffentlichen Fragen gar nicht von Fachleuten ausgeübt wird, die wissen, was nottut, sondern daß vor allem im großen Staatsplan wie in den engeren provinzialen Gemeindeverwaltungen Dilettanten dieses Amtes walten, heutzutage je nach Stärke der Parteien Politiker, die gewissermaßen nur nebenher die Kunst mitbetreuen, oft sicherlich mit gutem Willen, aber vielfach doch nicht mit der nötigen Sachkenntnis und Unvoreingenommenheit. So kam es, daß vor allem der Staat den berechtigten Forderungen der Musik gegenüber fast völlig versagt. Aber diese Erscheinung trifft nicht die Musik allein; sie ist typisch für alle kulturellen Angelegenheiten. Aus der Erkenntnis heraus, daß auch die wirtschaftlichen Fragen eines Volkes nicht von den bisher bestehenden, politisch orientierten Volksvertretungen sachlich behandelt werden können, wurde jüngst ein neuer «Wirtschaftsrat> gebildet. Bei zirka 400 Sitzen waren knapp drei für die Künste eingeräumt; so bescheiden taxierte man deren Bedeutung ein! Und wenn wir schon glauben, daß ein bis zwei Stimmen nicht ausreichen, um auch nur in rein wirtschaftlichen Fragen die Interessen des deutschen Musikerstandes zu vertreten, so müssen wir doch die Frageaufwerfen: wo werden überhaupt die kulturellen Interessen des Volkes beraten? Die bisherige Besprechung in den Parlamenten lehnen wir ab. Nicht ein einziger Fachmusiker sitzt unseres Wissens im Reichstag, und wären es ihrer zehn und zwanzig, so könnten sie doch nichts ausrichten, wo man nach Parteigesichtspunkten redet und stimmt.

[ 27 ] So bleibt nur ein Weg, der logisch und klar ist, und deshalb eines Tages auch beschritten werden wird zum Heil unseres ganzen Volkes. Wir brauchen neben dem politischen Parlament, welches die rechtliche Stellung des Einzelnen gegenüber der Gesamtheit und des gesamten Volkes gegenüber der internationalen Welt verwaltet, und neben dem Wirtschaftsrat, der die materiellen Grundlagen des Volkslebens betreuen soll, einen Kulturrat, der sich der geistigen Dinge annimmt und deren Förderung zur Aufgabe hat.

[ 27 ] So bleibt nur ein Weg, der logisch und klar ist, und deshalb eines Tages auch beschritten werden wird zum Heil unseres ganzen Volkes. Wir brauchen neben dem politischen Parlament, welches die rechtliche Stellung des Einzelnen gegenüber der Gesamtheit und des gesamten Volkes gegenüber der internationalen Welt verwaltet, und neben dem Wirtschaftsrat, der die materiellen Grundlagen des Volkslebens betreuen soll, einen Kulturrat, der sich der geistigen Dinge annimmt und deren Förderung zur Aufgabe hat.

[ 28 ] Der Gedanke dieser Dreigliederung ist nicht neu. Er wurde aber jüngst erst auf eine präzise Formel gebracht durch Dr. Rudolf Steiner und wird nun von der Geschäftsstelle eines Bundes <«Dreigliederung des sozialen Organismus Stuttgart, Champignystraße 17, propagiert, von der jedermann weiteres Material zu der Frage erhalten kann.

[ 28 ] Der Gedanke dieser Dreigliederung ist nicht neu. Er wurde aber jüngst erst auf eine präzise Formel gebracht durch Dr. Rudolf Steiner und wird nun von der Geschäftsstelle eines Bundes <«Dreigliederung des sozialen Organismus Stuttgart, Champignystraße 17, propagiert, von der jedermann weiteres Material zu der Frage erhalten kann.

[ 29 ] Wer sich einmal in die Sache hineingedacht hat, wird von dem Gedanken schwerlich wieder freikommen, so eindeutig ist er, und so sicher löst er die Probleme, mit denen wir uns seit langer Zeit hoffnungslos herumschlagen. Die Durchführung wird und muß unser ganzes Volksleben zur Gesundung führen!»

[ 29 ] Wer sich einmal in die Sache hineingedacht hat, wird von dem Gedanken schwerlich wieder freikommen, so eindeutig ist er, und so sicher löst er die Probleme, mit denen wir uns seit langer Zeit hoffnungslos herumschlagen. Die Durchführung wird und muß unser ganzes Volksleben zur Gesundung führen!»

[ 30 ] Ich lese Ihnen das aus dem Grunde vor, weil Sie hier aus einem ganz einzelnen Fach heraus die Sehnsucht nach der Dreigliederung haben. Nun, da kommen diejenigen, die eben hier abgelehnt werden müssen, die eigentlich nur eine äußere politische Erziehung haben und finden, diese Dreigliederung sei eine Utopie. Nein, sie ist keine Utopie, sie ist gerade aus der innersten Empfindung jedes einzelnen Faches heraus genommen. Und jeder einzelne, der in einem ganz bestimmten Fache, in einem ganz bestimmten Gebiet drinnensteht, wie hier derjenige, der den Artikel geschrieben hat — es ist der Herausgeber der Zeitung; eine Seltenheit, daß Zeitungsherausgeber heute in einer solchen Weise schreiben —, jeder einzelne, der in einem bestimmten, konkreten Fall drinnensteht, kann empfinden, wie gerade das praktischste Betrachten des Lebens dazu führt, zuletzt sich sagen zu müssen: «Wer sich einmal in die Sache hineingedacht hat, wird von dem Gedanken schwerlich wieder freikommen, so eindeutig ist er, und so sicher löst er die Probleme, mit denen wir uns seit langer Zeit hoffnungslos herumschlagen. Die Durchführung wird und muß unser ganzes Volksleben zur Gesundung führen!»

[ 30 ] Ich lese Ihnen das aus dem Grunde vor, weil Sie hier aus einem ganz einzelnen Fach heraus die Sehnsucht nach der Dreigliederung haben. Nun, da kommen diejenigen, die eben hier abgelehnt werden müssen, die eigentlich nur eine äußere politische Erziehung haben und finden, diese Dreigliederung sei eine Utopie. Nein, sie ist keine Utopie, sie ist gerade aus der innersten Empfindung jedes einzelnen Faches heraus genommen. Und jeder einzelne, der in einem ganz bestimmten Fache, in einem ganz bestimmten Gebiet drinnensteht, wie hier derjenige, der den Artikel geschrieben hat — es ist der Herausgeber der Zeitung; eine Seltenheit, daß Zeitungsherausgeber heute in einer solchen Weise schreiben —, jeder einzelne, der in einem bestimmten, konkreten Fall drinnensteht, kann empfinden, wie gerade das praktischste Betrachten des Lebens dazu führt, zuletzt sich sagen zu müssen: «Wer sich einmal in die Sache hineingedacht hat, wird von dem Gedanken schwerlich wieder freikommen, so eindeutig ist er, und so sicher löst er die Probleme, mit denen wir uns seit langer Zeit hoffnungslos herumschlagen. Die Durchführung wird und muß unser ganzes Volksleben zur Gesundung führen!»

[ 31 ] Nun, was hier bezeichnet wird als ein Element, das besonders begründet werden müsse, ein Kulturrat: es war in diesem Mai ein Jahr, daß der Kulturrat begründet worden ist. Und dieser Kulturrat, er ist verglommen, er ist heute vergessen. Am wenigsten verstanden ihn diejenigen, die irgendwie gerade im wissenschaftlichen oder künstlerischen Leben in Amt und Würden drinnenstanden.

[ 31 ] Nun, was hier bezeichnet wird als ein Element, das besonders begründet werden müsse, ein Kulturrat: es war in diesem Mai ein Jahr, daß der Kulturrat begründet worden ist. Und dieser Kulturrat, er ist verglommen, er ist heute vergessen. Am wenigsten verstanden ihn diejenigen, die irgendwie gerade im wissenschaftlichen oder künstlerischen Leben in Amt und Würden drinnenstanden.

[ 32 ] Das ist, was immer mehr und mehr betont werden muß: daß wir es gar sehr nötig haben, heute die Dinge außerordentlich ernst zu nehmen! Die Menschen finden es unbequem, dieses Ernstnehmen. Sie möchten immer wieder und wiederum glauben, es werde schon im alten Trott weitergehen. Nein, es wird nicht im alten Trott weitergehen! Wenn so weitergelebt wird, wie gelebt wird ohne die Anregungen, die aus der geistigen Welt heraus kommen, dann kann weiter Industrie getrieben werden, es können Banken da sein, es können Universitäten da sein, auf denen alle möglichen Wissenschaften gelehrt werden, es können die anderen Berufe weiter ausgeführt werden — alles führt in die Dekadenz, in die Barbarei, in den Untergang der Zivilisation hinein. Wer nicht ins unmittelbare Leben dasjenige hineinstellen will, was aus Geisteswissenschaft kommen kann, der will im Grunde genommen nicht den Aufstieg, der will den Niedergang. Und die Mehrzahl der Menschen will heute den Niedergang und lügt sich nur vor, daß aus dem Niedergang noch ein Aufgang kommen könne.

[ 32 ] Das ist, was immer mehr und mehr betont werden muß: daß wir es gar sehr nötig haben, heute die Dinge außerordentlich ernst zu nehmen! Die Menschen finden es unbequem, dieses Ernstnehmen. Sie möchten immer wieder und wiederum glauben, es werde schon im alten Trott weitergehen. Nein, es wird nicht im alten Trott weitergehen! Wenn so weitergelebt wird, wie gelebt wird ohne die Anregungen, die aus der geistigen Welt heraus kommen, dann kann weiter Industrie getrieben werden, es können Banken da sein, es können Universitäten da sein, auf denen alle möglichen Wissenschaften gelehrt werden, es können die anderen Berufe weiter ausgeführt werden — alles führt in die Dekadenz, in die Barbarei, in den Untergang der Zivilisation hinein. Wer nicht ins unmittelbare Leben dasjenige hineinstellen will, was aus Geisteswissenschaft kommen kann, der will im Grunde genommen nicht den Aufstieg, der will den Niedergang. Und die Mehrzahl der Menschen will heute den Niedergang und lügt sich nur vor, daß aus dem Niedergang noch ein Aufgang kommen könne.

[ 33 ] Das ist es, was ich insbesondere von verschiedenen Gesichtspunkten her gelegentlich dieses Weihnachtsfestes hier besonders betonen wollte. Lassen Sie doch die anderen Leute weiter im alten Sinne jene gewohnten Gänge machen, die immer in der neueren Zeit wie eine große Lebenslüge gemacht worden sind! Mir trat diese Lebenslüge entgegen, als ich ein junger Mensch war. In bezug auf das Leben, auf die Wirklichkeit, auf die Wahrheit des Lebens, verstand ich mich sehr wohl auf das Allerinternationalste und auf alles das, was wahrhaftig nicht zusammenhängt mit der Sympathie oder Antipathie für irgendeine Menschenrasse, denn ich war lange Zeit, viele Jahre, Erzieher in einem jüdischen Hause. Jedes Jahr aber, wenn die Weihnachtszeit herankam, da machte sich die ganze Verwandtschaft, entfernte und nahe Verwandte, alle machten sich auf die Strümpfe — und es waren alle durchaus solche, die dem Judentum angehörten —, um die Weihnachtsgeschenke zu kaufen, um zuletzt den Weihnachtsbaum einzukaufen. Und alles das wurde getan, gerade so wie es die andere Bevölkerung, die sich christlich nennt, auch tut. Alles das wurde getan zu Ehren dessen, was man mit dem Satze verehrt: «Uns ist heute der Heiland geboren!» So sehr sind die Dinge zur Phrase geworden. Man will sich nur nicht gestehen, wie sehr die Dinge zur Phrase geworden sind, wie sie aufhörten, Inhalt zu haben! Es ist heute und es ist seit lange schon ganz gleichgültig, ob derjenige, der einen lebendigen Herzensinhalt mit dem Heiland verbindet, zum Weihnachtsbaume sich setzt und Geschenke darunterlegt, oder ob einer, der in einem Diktum verharrt, das den Heiland ablehnt, ob der sich unter den Weihnachtsbaum setzt und Geschenke darunter verteilt! An solchen Dingen muß man das real gewordene Lügen der Menschheit, die real gewordene Phrase in unserer Zivilisation durchschauen. Im Ernste muß man die Dinge durchschauen. Es handelt sich heute nicht darum, etwa zu sagen: Man darf nicht in dieser Weise radikal sein! — denn Nicht-radikalSein in dieser Beziehung bedeutet Mitmachen mit dem Hineinsegeln in den Niedergang der Menschheit. Das ist es, was ich gerade an diesem Weihnachtsfeste zur Sprache bringen wollte innerhalb desjenigen Gebietes, in dem nun wahrhaftig gar nichts im alten Stile da ist. Sie finden nichts von alten Baustilen in unserer Architektur hier am Goetheanum. Sie finden in dem, was sonst in diesem Goetheanum ist, schließlich auch nichts von dem, was vertreten wurde von den alten Gewohnheiten. Deshalb haßt man dieses Goetheanum auf vielen Seiten so, weil eben nichts von den alten Gewohnheiten da ist. Aber es darf auch nichts da sein, denn es muß heute wenigstens eine Stätte geben — wenn man sie auch noch so sehr haßt, wenn man auch ihren Untergang wünscht —, es muß eine Stätte geben, die aufmerksam macht auf das, was der Menschheit heute notwendig ist.

[ 33 ] Das ist es, was ich insbesondere von verschiedenen Gesichtspunkten her gelegentlich dieses Weihnachtsfestes hier besonders betonen wollte. Lassen Sie doch die anderen Leute weiter im alten Sinne jene gewohnten Gänge machen, die immer in der neueren Zeit wie eine große Lebenslüge gemacht worden sind! Mir trat diese Lebenslüge entgegen, als ich ein junger Mensch war. In bezug auf das Leben, auf die Wirklichkeit, auf die Wahrheit des Lebens, verstand ich mich sehr wohl auf das Allerinternationalste und auf alles das, was wahrhaftig nicht zusammenhängt mit der Sympathie oder Antipathie für irgendeine Menschenrasse, denn ich war lange Zeit, viele Jahre, Erzieher in einem jüdischen Hause. Jedes Jahr aber, wenn die Weihnachtszeit herankam, da machte sich die ganze Verwandtschaft, entfernte und nahe Verwandte, alle machten sich auf die Strümpfe — und es waren alle durchaus solche, die dem Judentum angehörten —, um die Weihnachtsgeschenke zu kaufen, um zuletzt den Weihnachtsbaum einzukaufen. Und alles das wurde getan, gerade so wie es die andere Bevölkerung, die sich christlich nennt, auch tut. Alles das wurde getan zu Ehren dessen, was man mit dem Satze verehrt: «Uns ist heute der Heiland geboren!» So sehr sind die Dinge zur Phrase geworden. Man will sich nur nicht gestehen, wie sehr die Dinge zur Phrase geworden sind, wie sie aufhörten, Inhalt zu haben! Es ist heute und es ist seit lange schon ganz gleichgültig, ob derjenige, der einen lebendigen Herzensinhalt mit dem Heiland verbindet, zum Weihnachtsbaume sich setzt und Geschenke darunterlegt, oder ob einer, der in einem Diktum verharrt, das den Heiland ablehnt, ob der sich unter den Weihnachtsbaum setzt und Geschenke darunter verteilt! An solchen Dingen muß man das real gewordene Lügen der Menschheit, die real gewordene Phrase in unserer Zivilisation durchschauen. Im Ernste muß man die Dinge durchschauen. Es handelt sich heute nicht darum, etwa zu sagen: Man darf nicht in dieser Weise radikal sein! — denn Nicht-radikalSein in dieser Beziehung bedeutet Mitmachen mit dem Hineinsegeln in den Niedergang der Menschheit. Das ist es, was ich gerade an diesem Weihnachtsfeste zur Sprache bringen wollte innerhalb desjenigen Gebietes, in dem nun wahrhaftig gar nichts im alten Stile da ist. Sie finden nichts von alten Baustilen in unserer Architektur hier am Goetheanum. Sie finden in dem, was sonst in diesem Goetheanum ist, schließlich auch nichts von dem, was vertreten wurde von den alten Gewohnheiten. Deshalb haßt man dieses Goetheanum auf vielen Seiten so, weil eben nichts von den alten Gewohnheiten da ist. Aber es darf auch nichts da sein, denn es muß heute wenigstens eine Stätte geben — wenn man sie auch noch so sehr haßt, wenn man auch ihren Untergang wünscht —, es muß eine Stätte geben, die aufmerksam macht auf das, was der Menschheit heute notwendig ist.

[ 34 ] Das Goetheanum enthält nichts von Altem. Dasjenige, was sichtlich die Wissenschaft des Goetheanismus ist, die hier gepflegt wird, die enthält wohl kaum irgend etwas von dem, was alt ist. Wenn wir irgend etwas für das praktische Leben begründen — das Echo, das ihm entgegenkommt, zeigt schon, daß es auch nicht gerade im alten Stil ist. Nun, ob in den Lebensgewohnheiten aller anthroposophischen Freunde auch schon alles Alte überwunden ist, darüber schweigt des anthroposophischen Vortragenden Höflichkeit. Aber den Wunsch möchte er aussprechen, daß immer mehr und mehr einlaufen mögen auch unsere Gewohnheiten, bis hinunter in unser Kinderbehandeln, in dasjenige, was wir als eine Notwendigkeit für die Menschheitsentwickelung erkennen.

[ 34 ] Das Goetheanum enthält nichts von Altem. Dasjenige, was sichtlich die Wissenschaft des Goetheanismus ist, die hier gepflegt wird, die enthält wohl kaum irgend etwas von dem, was alt ist. Wenn wir irgend etwas für das praktische Leben begründen — das Echo, das ihm entgegenkommt, zeigt schon, daß es auch nicht gerade im alten Stil ist. Nun, ob in den Lebensgewohnheiten aller anthroposophischen Freunde auch schon alles Alte überwunden ist, darüber schweigt des anthroposophischen Vortragenden Höflichkeit. Aber den Wunsch möchte er aussprechen, daß immer mehr und mehr einlaufen mögen auch unsere Gewohnheiten, bis hinunter in unser Kinderbehandeln, in dasjenige, was wir als eine Notwendigkeit für die Menschheitsentwickelung erkennen.

[ 35 ] Das Jahr, das wir beginnen mit diesem Weihnachtsfeste, es wird für unsere anthroposophische Entwickelung kein leichtes Jahr sein; es wird ein schwieriges Jahr sein. Was uns entgegentritt, wird nicht an Kraft abnehmen, es wird an Kraft immer zunehmen. Denn diejenigen Mächte, die ein Interesse daran haben, Anthroposophie zu ruinieren, die sind sehr tätig, die sind sehr wach, wie ich oftmals gesagt habe. Und an eines möchte ich heute gerade erinnern: hier an diesem Orte stand, als in Dornach das «Futurum» begründet werden sollte, unser lieber Freund Herr Molt und sprach von dem, was ja auch ins praktische Leben einziehen sollte. Er hatte gewiß in jedem Worte recht. Ich ergriff hinterher das Wort und sagte, es wäre mir nicht bange um alles das, was man braucht, um anthroposophische Gedanken und Ideen und Empfindungen zu verkörpern in äußeren praktischen Einrichtungen; nur um das eine sei mir bange — so sagte ich dazumal —, ob wir auch eine genügend große Anzahl von Menschen finden, welche Tüchtigkeit an den Tag zu legen vermögen, um so etwas durchzuführen.

[ 35 ] Das Jahr, das wir beginnen mit diesem Weihnachtsfeste, es wird für unsere anthroposophische Entwickelung kein leichtes Jahr sein; es wird ein schwieriges Jahr sein. Was uns entgegentritt, wird nicht an Kraft abnehmen, es wird an Kraft immer zunehmen. Denn diejenigen Mächte, die ein Interesse daran haben, Anthroposophie zu ruinieren, die sind sehr tätig, die sind sehr wach, wie ich oftmals gesagt habe. Und an eines möchte ich heute gerade erinnern: hier an diesem Orte stand, als in Dornach das «Futurum» begründet werden sollte, unser lieber Freund Herr Molt und sprach von dem, was ja auch ins praktische Leben einziehen sollte. Er hatte gewiß in jedem Worte recht. Ich ergriff hinterher das Wort und sagte, es wäre mir nicht bange um alles das, was man braucht, um anthroposophische Gedanken und Ideen und Empfindungen zu verkörpern in äußeren praktischen Einrichtungen; nur um das eine sei mir bange — so sagte ich dazumal —, ob wir auch eine genügend große Anzahl von Menschen finden, welche Tüchtigkeit an den Tag zu legen vermögen, um so etwas durchzuführen.

[ 36 ] Das ist gar sehr notwendig, daß wir immer anstreben, die tüchtigen Menschen in der Welt zusammenzubringen, welche die Fähigkeiten entwickeln können, das, was Anthroposophie sein kann, wirklich auch praktisch zu machen, denn die neueren Jahrhunderte haben nicht nur das menschliche Wissen etwa stumpf gemacht, sie haben tatsächlich auch die praktischen, die eigentlich wirklich praktischen Fähigkeiten der Menschen zurückgedrängt. Und notwendig ist es, daß die Menschen versuchen, aus den tiefsten Untergründen ihres Wesens — denn da hat jeder Mensch die Kräfte, welche nötig sind — wirklich diese Kräfte hervorzuholen. Wir brauchen eine solche Erneuerung auch der äußeren praktischen Kräfte der Menschheit aus des Menschen tiefstem Inneren heraus. Diese Geburt sollte uns vorschweben: die Geburt eines Tüchtigen, das aus dem Inneren des Menschen heraus will, gegenüber dem Untüchtigen, das wir heute in der Außenwelt lernen können. Diese Geburt, sie sollte uns vorschweben bei alldem, was wir als die Weihnachtsstimmung empfinden.

[ 36 ] Das ist gar sehr notwendig, daß wir immer anstreben, die tüchtigen Menschen in der Welt zusammenzubringen, welche die Fähigkeiten entwickeln können, das, was Anthroposophie sein kann, wirklich auch praktisch zu machen, denn die neueren Jahrhunderte haben nicht nur das menschliche Wissen etwa stumpf gemacht, sie haben tatsächlich auch die praktischen, die eigentlich wirklich praktischen Fähigkeiten der Menschen zurückgedrängt. Und notwendig ist es, daß die Menschen versuchen, aus den tiefsten Untergründen ihres Wesens — denn da hat jeder Mensch die Kräfte, welche nötig sind — wirklich diese Kräfte hervorzuholen. Wir brauchen eine solche Erneuerung auch der äußeren praktischen Kräfte der Menschheit aus des Menschen tiefstem Inneren heraus. Diese Geburt sollte uns vorschweben: die Geburt eines Tüchtigen, das aus dem Inneren des Menschen heraus will, gegenüber dem Untüchtigen, das wir heute in der Außenwelt lernen können. Diese Geburt, sie sollte uns vorschweben bei alldem, was wir als die Weihnachtsstimmung empfinden.

[ 37 ] Nehmen Sie auch in der Wissenschaft die Dinge, wo sie auftreten. Eine jüngere medizinisch studierende Persönlichkeit war vor einigen Tagen bei mir und sprach sich über verschiedene Nöte ihres Studiums aus. Ich konnte nur sagen: Das Schlimmste, was gegenwärtig geschieht, ist, daß gerade an den wichtigsten Wissenschaften die menschlichen Denkkräfte gar nicht entwickelt werden. Man nehme heute irgendein therapeutisches oder ein pathologisches Buch in die Hand: sehr häufig hat man Herzorgane, Lunge, Verdauungsorganismus und so weiter alles nebeneinander aufgestapelt nach äußerer sinnlicher Anschauung, möglichst mit Ausschaltung des Denkens. Und kommt man mit irgendwelchem Denken, dann passiert einem das, was mir eben passiert ist in dem Buche von Kurt Leese, dem Lizentiaten der Theologie. Er sagt einem: Die Lektüre der Steinerschen Schriften sei ärgerlich und unleidlich, denn der komme mit Gedanken, welche von der Dreigliederung des Menschen sprechen, und da solle man sich vorstellen, daß nun die drei Glieder nicht nebeneinander sind, sondern ineinander. — Das ist ein Gedanken-Bravourstück, meint der Lizentiat der Theologie, Kurt Leese.

[ 37 ] Nehmen Sie auch in der Wissenschaft die Dinge, wo sie auftreten. Eine jüngere medizinisch studierende Persönlichkeit war vor einigen Tagen bei mir und sprach sich über verschiedene Nöte ihres Studiums aus. Ich konnte nur sagen: Das Schlimmste, was gegenwärtig geschieht, ist, daß gerade an den wichtigsten Wissenschaften die menschlichen Denkkräfte gar nicht entwickelt werden. Man nehme heute irgendein therapeutisches oder ein pathologisches Buch in die Hand: sehr häufig hat man Herzorgane, Lunge, Verdauungsorganismus und so weiter alles nebeneinander aufgestapelt nach äußerer sinnlicher Anschauung, möglichst mit Ausschaltung des Denkens. Und kommt man mit irgendwelchem Denken, dann passiert einem das, was mir eben passiert ist in dem Buche von Kurt Leese, dem Lizentiaten der Theologie. Er sagt einem: Die Lektüre der Steinerschen Schriften sei ärgerlich und unleidlich, denn der komme mit Gedanken, welche von der Dreigliederung des Menschen sprechen, und da solle man sich vorstellen, daß nun die drei Glieder nicht nebeneinander sind, sondern ineinander. — Das ist ein Gedanken-Bravourstück, meint der Lizentiat der Theologie, Kurt Leese.

[ 38 ] Wer heute an unseren Universitäten Lizentiat der Theologie wird, dem hat das Studium gerade das Denken gründlich ausgetrieben! Und dann findet er aufreizend und unleidlich, wenn man von ihm verlangt, er solle denken; dann findet er gerade das am allerunbequemsten. Aber dann kommt es eben dahin, daß alles, was aus dem Innersten des Menschen hervorquillt, zum Beispiel auch die Wahrhaftigkeit, selbst innerhalb der Führer des Christentums so auftritt, wie zum Beispiel bei jenem Pfarrer, der nicht etwa sagt, irgendein Betrunkener habe ihm erzählt, daß da eine Statue von Christus gemacht wird, der oben wie er es als bestimmte Tatsache hinstellt — luziferische Züge und unten tierische Merkmale hat, sondern er stellt es hin als etwas, was er gewiß weiß. Also er stellt eine ganz objektive Lüge in ein Buch hinein, durch das er die Anthroposophie charakterisieren will. Und die Menschen nehmen solche Dinge hin, ohne sie zu monieren, ohne sich dagegen aufzulehnen. Glauben Sie, daß irgendeine soziale Gesundung eintreten kann, wenn nebenbei in der sozialen Ordnung diese Dinge möglich sind? Wenn Sie das glauben, geben Sie sich einer falschen Hoffnung hin. Notwendig ist, daß der Mensch seine gesunden Sinne entwickelt für das, was moralisches Unkraut ist. Es kommt gar nicht darauf an, ob Anthroposophie angegriffen ist oder nicht, sondern es kommt darauf an, daß da ein Buch auftritt, in dem nicht eine, sondern eine ganze Anzahl solcher Unwahrheiten drinnenstehen. Wer solche Unwahrheiten in diesem Buche schreibt, schreibt sie selbstverständlich auch in seinen anderen. Das ist Gewohnheit. Und das lebt im Grunde genommen in dem, was an die Jugend herangebracht wird. Das muß ins Auge gefaßt werden. Es darf nicht versäumt werden, auf das hinzuschauen.

[ 38 ] Wer heute an unseren Universitäten Lizentiat der Theologie wird, dem hat das Studium gerade das Denken gründlich ausgetrieben! Und dann findet er aufreizend und unleidlich, wenn man von ihm verlangt, er solle denken; dann findet er gerade das am allerunbequemsten. Aber dann kommt es eben dahin, daß alles, was aus dem Innersten des Menschen hervorquillt, zum Beispiel auch die Wahrhaftigkeit, selbst innerhalb der Führer des Christentums so auftritt, wie zum Beispiel bei jenem Pfarrer, der nicht etwa sagt, irgendein Betrunkener habe ihm erzählt, daß da eine Statue von Christus gemacht wird, der oben wie er es als bestimmte Tatsache hinstellt — luziferische Züge und unten tierische Merkmale hat, sondern er stellt es hin als etwas, was er gewiß weiß. Also er stellt eine ganz objektive Lüge in ein Buch hinein, durch das er die Anthroposophie charakterisieren will. Und die Menschen nehmen solche Dinge hin, ohne sie zu monieren, ohne sich dagegen aufzulehnen. Glauben Sie, daß irgendeine soziale Gesundung eintreten kann, wenn nebenbei in der sozialen Ordnung diese Dinge möglich sind? Wenn Sie das glauben, geben Sie sich einer falschen Hoffnung hin. Notwendig ist, daß der Mensch seine gesunden Sinne entwickelt für das, was moralisches Unkraut ist. Es kommt gar nicht darauf an, ob Anthroposophie angegriffen ist oder nicht, sondern es kommt darauf an, daß da ein Buch auftritt, in dem nicht eine, sondern eine ganze Anzahl solcher Unwahrheiten drinnenstehen. Wer solche Unwahrheiten in diesem Buche schreibt, schreibt sie selbstverständlich auch in seinen anderen. Das ist Gewohnheit. Und das lebt im Grunde genommen in dem, was an die Jugend herangebracht wird. Das muß ins Auge gefaßt werden. Es darf nicht versäumt werden, auf das hinzuschauen.

[ 39 ] Denn schließlich, wenn uns heute das Kind, das in der Krippe lag, etwas zu sagen hat, so ist es das: Es ist eine gesundende Erneuerung des Tiefsten notwendig, was im Menscheninneren lebt. Wir müssen zu einer neuen Verkündigung dessen kommen, was auf der einen Seite den armen Hirten auf dem Felde, auf der anderen Seite den weisen Magiern aus dem Morgenlande verkündet worden ist. Wir müssen aus dem Fundamente heraus verstehen können, was wirklich das Heilende, das Heilandartige in der menschlichen Entwickelung ist. Dann erst sind wir würdig, zu sagen: Uns ist der Heiland geboren. — Das haben wir nötig. Auf das wollte ich noch einmal hinweisen, bevor wir für eine ganz kurze Zeit die Vorträge hier unterbrechen müssen.

[ 39 ] Denn schließlich, wenn uns heute das Kind, das in der Krippe lag, etwas zu sagen hat, so ist es das: Es ist eine gesundende Erneuerung des Tiefsten notwendig, was im Menscheninneren lebt. Wir müssen zu einer neuen Verkündigung dessen kommen, was auf der einen Seite den armen Hirten auf dem Felde, auf der anderen Seite den weisen Magiern aus dem Morgenlande verkündet worden ist. Wir müssen aus dem Fundamente heraus verstehen können, was wirklich das Heilende, das Heilandartige in der menschlichen Entwickelung ist. Dann erst sind wir würdig, zu sagen: Uns ist der Heiland geboren. — Das haben wir nötig. Auf das wollte ich noch einmal hinweisen, bevor wir für eine ganz kurze Zeit die Vorträge hier unterbrechen müssen.