Die Brücke zwischen der Weltgeistigkeit
und dem Physischen des Menschen
Die Suche nach der neuen Isis,
der göttlichen Sophia
GA 202
11 Dezember 1920, Dornach
Siebenter Vortrag
[ 1 ] Wir wollen heute auf einiges hindeuten, das den moralischen Menschen als solchen betrifft, um dann morgen zu zeigen, wie dasjenige, was man ansprechen kann im Menschen als das Seelisch-Moralische, hinüberführt in den Makrokosmos. Es handelt sich darum, daß man zuletzt zwei menschliche Eigenschaften in der richtigen Weise wertet, wenn man zu einer durchgreifenden Beurteilung des Menschen als eines moralisch-seelischen Wesens kommen will.
[ 2 ] Der Mensch ist ja gewissermaßen eingeschaltet zwischen zwei Extremen, zwischen zwei polarischen Gegensätzen. Sie kommen ihm zum Bewußtsein, diese Gegensätze, als die Ordnung der Natur und die Ordnung der sittlichen Welt. Wir haben darauf hingewiesen, wie aus jener Weltanschauung, die in den letzten Jahrhunderten heraufgekommen und immer populärer und populärer geworden ist, eine Brücke nicht gebaut werden kann zwischen der Naturordnung und der moralischen Ordnung im Weltenall. Zwei Eigenschaften des Menschen wird man vor allen Dingen ins Auge fassen müssen, wenn man überhaupt sich den Lebens- und Weltenrätseln nähern will, die zusammenhängen mit diesen polarischen Gegensätzen der Natur und, sagen wir, des Geistes oder eben auch der moralischen Weltenordnung. Der Natur ist der Mensch zweifellos hingegeben; er ist gewissermaßen in Abhängigkeit von der Naturordnung mit Bezug auf sein Seelisches, also auch sein moralisches Wesen. Er ist aber auch darauf angewiesen, wenn er sich als wirklicher Mensch fühlen will, sich aus der bloßen Naturordnung herauszuheben, sich zu fühlen als in einer Weltenordnung stehend, die nicht in der Natur aufgeht, und man wird eigentlich nur auf geisteswissenschaftlichem Wege zu einer klaren Anschauung kommen können über das, was hier zugrunde liegt. Deuten wir zunächst hin auf eine, ich möchte sagen, durchgreifend irrtümliche Anschauung, die den Menschen zu einer Lösung entsprechender Rätsel, die hier verborgen liegen, nicht kommen läßt. Es wird aus alter Tradition heraus von den Menschen geglaubt, daß man einfach zum Verständnis der eigenen menschlichen Wesenheit kommen könne, indem man den Zusammenhang des Geistig-Seelischen mit dem Leiblich-Physischen im Menschen in irgendeiner Weise gegenwärtig, wenn ich so sagen darf, suchen kann. Man stellt sich vor, da sei das leibliche Wesen des Menschen, und in diesem leiblich-physischen Menschenwesen sei das Geistig-Seelische irgendwie darinnen. Und nun sucht man nach dem Zusammenhange. Es ist viel gesucht worden nach diesem Zusammenhange, und ein großer Teil des philosophischen Strebens der Menschheit ist eigentlich darauf aus, diese Frage zu lösen: Welcher Zusammenhang ist zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen?
[ 3 ] Sie wissen ja, in der Geisteswissenschaft erscheinen die meisten Fragen, die man so populär aufwirft, auf eine ganz andere Art. In der Geisteswissenschaft müssen schon die Fragestellungen anders gefaßt werden, als sie oftmals in trivialer Weise heute noch gefaßt werden. Es sind ja insbesondere im 19. Jahrhundert, auch theoretisch, ganz besonders stark Anschauungen heraufgekommen, und es hat sich die Idee festgesetzt, daß man ein Seelisch-Geistiges neben dem Leiblich-Physischen gar nicht finden könne, und daß man das Geistig-Seelische wie eine Art Ergebnis des Leiblich-Physischen ansehen könne. Diese Anschauung hatte für diejenigen Menschen, die mit den großen Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Forschungen bekannt wurden, etwas außerordentlich Bestechendes. Man braucht ja nur sich zu erinnern, wie der Mensch eigentlich abhängig ist in seinem Leben zwischen der Geburt und dem Tode von seinen physischen Vorgängen, von seiner ganzen physischen Organisation. Immer wieder wurde von den materialistisch Denkenden darauf hingewiesen, wie ja in demselben Maße, in dem der äußere Leib sich entwickelt von den ersten Tagen der Kindheit an, mit dem Heranwachsen des äußeren Leibes sich auch die geistig-seelischen Fähigkeiten entwickeln, wie der Mensch, wenn er in bezug auf Leiblich-Physisches nicht entsprechend gepflegt wird, auch geistig-seelisch zurückbleibt. Es wurde darauf hingewiesen, wie dann beim Menschen im Alter, wenn das Leiblich-Physische in die Dekadenz kommt, auch die geistig-seelischen Fähigkeiten wiederum im Niedergange sind. Es wurde darauf hingewiesen, wie der Mensch, wenn er irgendwelchen Verletzungen unterliegt, auch in seinem Geistig-Seelischen Abnormitäten zeigt, so daß der Mensch abhängig ist von der Art und Weise, wie sein Physisch-Leibliches eben beschaffen ist. Es wurde darauf hingewiesen, wie der Mensch gewisse Gifte zu sich nimmt, die ja nur eine gewissermaßen chemische Wirkung in ihm hervorrufen können, und er dennoch dadurch in gewisse Zustände geistiger Abnormität hineingetrieben werden kann, wie hervorgerufen werden können geistig-seelische Lähmungszustände durch physische Substanzen, die dem Leib zugefügt werden, und dergleichen mehr. Es wurde also gezeigt, wie dasjenige, was man, ich möchte sagen, in aller Handgreiflichkeit in der äußeren physischen Forschung vor sich haben kann, bezeugt, daß im Grunde genommen das Geistig-Seelische nur eine Funktion sei des Physisch-Leiblichen. Ja, es konnten diejenigen Forscher, die ihre Gesinnung besonders an solchen Erscheinungen entwickelten, auch auf, ich möchte sagen, mehr minuziöse Tatsachen dieser Art hinweisen. Eine solche Erscheinung wie diese, daß Entartungen der Schilddrüse auf die geistig-seelischen Fähigkeiten einen Einfluß ausüben, hat zum Beispiel Forscher wie Gley dazu gebracht, zu sagen, die höchsten Fähigkeiten des Menschen, die geistig-seelischen, seien schließlich von jenen chemischen Vorgängen abhängig, die sich in der Schilddrüse abspielen. Alle diese Dinge hatten ja etwas Bestechendes aus der ganzen Art und Weise, wie sich wissenschaftliche Denkungsart in der neueren Zeit entwickelt hat. Und eigentlich kann man nicht anders sagen, als daß, indem immer mehr Menschen hineinwuchsen in diese wissenschaftliche Denkungsweise, die Begriffe von dem Geistig-Seelischen immer mehr und mehr zurückgedrängt wurden; das Geistig-Seelische wurde immer mehr als etwas angesehen, was keine selbständige Bedeutung hat. Und es bildete sich sozusagen mit aller Intensität ein Gegensatz heraus in unserer Bevölkerung der zivilisierten Erdengebiete: auf der einen Seite stehen diejenigen, die mehr oder weniger angesteckt sind von dem, was die naturwissenschaftliche Denkungsweise der neueren Zeit gibt, die es als einen großen Fortschritt für ihre geistige Entwickelung betrachten, wenn sie von einer solchen überhaupt sprechen wollen, einen Hinweis auf ein selbständig GeistigSeelisches abzulehnen. Und auf der anderen Seite steht derjenige Teil der Bevölkerung, welcher fortleben will in alten Religionsbekenntnissen, in alten Vorstellungen von dem Geistig-Seelischen, von einer moralisch-göttlichen Weltenordnung, der aber eigentlich bei seinen Anschauungen, die aus alten Zeiten überliefert sind, nur dadurch bleiben kann, daß er sich fernhält von denjenigen Anschauungen, welche die naturwissenschaftliche Denkweise gebracht hat.
[ 4 ] So haben wir auf der einen Seite eine zahlreiche Bevölkerung, die von den anderen wie die Zurückgebliebenen angesehen werden, wie Menschen, die eben nichts wissen von dem Gesetze der natürlichen Ordnung, und die deshalb bei den alten religiösen Vorstellungen bleiben können. Allerdings hat sich immer mehr und mehr in der letzteren Zeit noch etwas anderes ergeben. Jene, ich möchte sagen, faszinierende Überzeugungskraft, die für einen großen Teil der Menschheit die naturwissenschaftlichen Vorstellungen in der Mitte oder auch noch im Anfange des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts hatte, diese faszinierende Überzeugungskraft hat allmählich abgenommen. Sie hat sogar bei vielen wissenschaftlich Denkenden abgenommen, und man ist duldsamer geworden gegen das, was man früher so aufgefaßt hat, daß es sich eben noch erhält bei den zurückgebliebenen unwissenden Menschen, daß es aber verschwinden müsse. Diese letztere Erscheinung, die ist aber eigentlich nur zurückzuführen auf die allgemeine Schläfrigkeit der modernen Seelen. Denn im Grunde genommen ist es unmöglich, auf der einen Seite die allmächtige Naturordnung zu haben und auf der anderen Seite eine irgendwie reale sittlich-geistige Weltenordnung. So wie die Naturordnung einmal angesehen wird in der neueren Zeit, verträgt sie sich nicht mit einer moralischen Weltordnung, und nur wenn man nicht schlagkräftig denkt, kann man die heutige Naturanschauung irgendwie neben das stellen, was aus alten Traditionen heraus in den verschiedenen Bekenntnissen vorhanden ist. Konsequent sind im Grunde genommen nur diejenigen Menschen gewesen, die etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts, auch in den fünfziger, sechziger Jahren, mit aller Entschiedenheit darauf hingewiesen haben, daß der Mensch ein physisch-leibliches Wesen ist, daß aus den Vorgängen seiner physisch-leiblichen Organisation die Erscheinungen des geistig-seelischen Lebens sich ergeben, und daß man allmählich ausrotten müsse, was dieser Anschauung entgegensteht. Und ich habe ja auch einmal in einem Öffentlichen Vortrag in Basel und an anderen Orten darauf aufmerksam gemacht, daß es Leute gegeben hat, die mit aller Strenge vertreten haben, daß man die Berechtigung einer moralischen Weltanschauung ablehnen müsse und daß im Grunde genommen ein Verbrecher ebenso ein Recht habe, sich auszuleben, wie derjenige, der in sogenannten moralischen Vorstellungen lebt.
[ 5 ] Das sind die konsequenten Leute auf der einen Seite gewesen. Auf dieser Konsequenz konnte man nicht mutvoll stehenbleiben. Man wurde lässig, schläfrig, und da ergab sich eben dasjenige, was ich jetzt charakterisiert habe. Konsequent sind allerdings auch die anderen, die etwa so vorgehen, wie die mehr jesuitisch Gesinnten in der katholischen Kirche, welche sagen: Weg mit aller Wissenschaft, die irgendwie etwas anderes als äußerliche Tatsachen erforschen will —, die den Menschen den Glauben an eine geistig-seelische Weltenordnung einbleuen und das durch alle mögliche äußere Gewalt festhalten wollen. Beide Dinge lassen sich gegenüber der Weiterentwickelung der Menschheit ganz gewiß nicht halten.
[ 6 ] Aber es läßt sich auch das nicht halten, was nur aus unklaren, konfusen Begriffen heraufgekommen ist aus alten Zeiten. Es läßt sich vor allen Dingen nicht halten, daß man den Menschen vorstellt als eine leiblich-physische Wesenheit mit einem Seelischen darinnen, und daß man darnach sucht, wie dieses Geistig-Seelische im Zusammenhange steht mit dem Leiblich-Physischen, indem man dabei nur auf die Gegenwart sieht. Ohne daß man nämlich seine Betrachtungsweise ausdehnt über die Zeit, ohne daß man die Zeit zu Hilfe ruft, um den Menschen zu verstehen, kommt man nicht weiter. Dieses Schema für die menschliche Wesenheit ist ein ganz unmögliches Schema. Einzig und allein durch die folgenden Vorstellungen können sich klare Begriffe ergeben, die dann, wie wir sehen werden, weiterführen, um die Brücke zu bauen zwischen der moralischen Weltanschauung und der physischen Weltanschauung.
[ 7 ] Da wissen wir, daß der Mensch, bevor er zum physisch-irdischen Erdendasein kommt, in einer geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt lebt. Nehmen wir diese Linie an als die Zeit charakterisierend (Pfeil), so haben wir ein geistig-seelisches Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das eben in der Zeitenströmung läuft. Nun bildet sich im Zusammenhange mit denjenigen Tatsachen, die ich gestern versuchte auseinanderzusetzen, innerhalb dieser geistig-seelischen Wesenheit des Menschen im Laufe der Zeit, in welcher sich der Mensch entwickelt ohne physische Leiblichkeit, durch die Vorgänge der geistigen Welt in dem Menschen vor allen Dingen dasjenige heraus, was man nennen kann die Begierde nach physischer Leiblichkeit. Dieses Sich-Fortentwickeln, das wird allmählich Begierde nach physischer Leiblichkeit (rot). Und wenn man den Metamorphosegedanken richtig erfaßt, dann kommt man darauf, daß die Sache so ist: Diese Begierde fließt tatsächlich über in die physische Leiblichkeit (blau), so daß, wenn wir dem Kinde gegenübertreten, wir sagen müssen: Was uns im Kinde erscheint, das ist die Erfüllung der Begierde nach physischer Leiblichkeit, welche das Seelisch-Geistige hatte, bevor es zum physischen Dasein gekommen ist. — Wir sollen nicht gewissermaßen eine Zweiheit sehen in dem Physisch-Leiblichen und in dem Geistig-Seelischen. Wir sollen in dem Physisch-Leiblichen nicht bloß etwas sehen, in das gewissermaßen das Geistig-Seelische hineinschlüpft, sondern wir sollen in dem Physisch-Leiblichen etwas sehen, in das sich das Geistig-Seelische tatsächlich verwandelt.
[ 8 ] Da gibt es natürlich für die moderne wissenschaftliche Denkweise bedeutsame Schwierigkeiten. Denn diese moderne naturwissenschaftliche Denkungsart, die bleibt am Allernächstliegenden haften, die sieht, wie die Keimesanlage des Menschen sich im Mutterleibe entwickelt, gibt sich dem Glauben hin, daß dieser Mensch einfach aus dem Mutterleibe nach der Befruchtung herauswächst, weil der Mutterleib die Kräfte enthält, die den Menschenkeim wachsen machen. Aber so ist es ja nicht. Solch eine Erklärungsweise sieht eben nur auf das Allernächste. Der Mensch ist ja ein Wesen, welches dasteht in der Welt im Zusammenhange mit dem ganzen Kosmos, welches in fortwährender Wechselwirkung steht mit dem gesamten Kosmos. Was würden Sie sagen, wenn jemand behaupten wollte: Ein gewisses Luftquantum, das Sie in einem gewissen Zeitpunkte in sich haben, sei aus Ihrem Leibe herausgewachsen. Es ist nicht aus Ihrem Leibe herausgewachsen, Sie haben es eingeatmet, Sie haben es dadurch in sich, daß Sie mit der gesamten Umwelt ein Ganzes bilden. Nur weil man nicht äußerlich sieht, wie der ganze Makrokosmos mitwirkt, wenn der Menschenkeim im Mutterleibe sich entwickelt, nur weil man nicht sieht, daß da ebenso die Einwirkungen von außen geschehen, daß da erst recht der Mensch mit dem gesamten Makrokosmos in Verbindung ist, glaubt man, der Menschenkeim wachse einfach im mütterlichen Leibe aus den Kräften des mütterlichen Leibes selbst heraus. Dieser Menschenkeim kommt eigentlich eindeutig aus der geistigen Welt. Er benützt nur denjenigen Ort, in dem er gewissermaßen das Tor findet, um in die physische Welt hereinzukommen. Es ist innerhalb dessen, was sich um uns herum im Raume ausbreitet, nirgends ein Tor für den Menschen, der die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchlebt hat, um in die physische Welt hereinzukommen. Es ist nur innerhalb des Menschenleibes selbst dieses Tor. Und was da kraftet, was da wirkt, das sind nicht die Kräfte von Vater und Mutter, sondern das sind kosmische Kräfte, die eben durch den mütterlichen Leib nach der Befruchtung ihren Zugang zur physischen Welt suchen, nach der sie als geistig-seelisches Wesen eine Begierde entwickelt haben.
[ 9 ] So verwandelt sich der Mensch in ein physisches Wesen; aber dieses physische Wesen ist nur die äußere Form für ein Geistiges. Wir sehen das Kind, wie es zunächst, ich möchte sagen, undifferenzierte Züge hat, wie immer mehr und mehr sich aus ihm herausentwickelt die Menschengestalt. Und wir tun unrecht, wenn wir sagen: Da in dem Kinde drinnen, da ist etwas, was sich herausentwickelt. Wir tun recht, wenn wir von dem Kinde aus den Blick zurückwenden zu dem, was vorgeburtlich, was vor der Empfängnis tätig war, und was jetzt noch nachwirkt, was jetzt seine Wirkung äußert. In dem, was wir am Kinde beobachten von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr, sehen wir das Hereinwirken eines Vergangenen, das der Mensch geistig-seelisch durchgemacht hat vor seiner Geburt oder vor seiner Empfängnis. Wir tun nur recht, wenn wir das Kind so betrachten, daß wir sagen: Da ist die kindliche Organisation. Wir sehen, wie das Kind gewisse Eigenschaften entwickelt. Die suchen wir nicht in seinem Inneren, wo sie gewissermaßen herausstrahlen, sondern die suchen wir in seiner Vorzeit, von der noch die Strahlen hereinwirken. — Daß man das nicht will, das ist das große Unglück der modernen Weltanschauung. Die Zeit zu Hilfe nehmen, dasjenige, was vergangen ist, noch wirksam zu denken in seinem Gegenwärtigen, das ist es, worauf es ankommt. Und indem wir dann das Leben weiterentwickeln in der Zeit (blau, rechts), wandeln wir wiederum zurück, was leiblich-physisch ist, und wir kommen allmählich dazu, wiederum umzuwandeln das Leiblich-Physische in das Geistig-Seelische (rot, rechts). Indem wir physische Menschen geworden sind, hat sich in der Tat das GeistigSeelische in das Physisch-Leibliche verwandelt, und wir verwandeln das Physisch-Leibliche wiederum in das Geistig-Seelische zurück. Sie werden sagen: Ja, da liegt aber doch eine Schwierigkeit vor! — Man würde schon verstehen, wie sich das Physisch-Leibliche wiederum zurückverwandelt in das Geistig-Seelische, wenn das so allmählich geschähe, wenn man sehen würde, daß der Mensch, sagen wir, vielleicht mit seinem fünfunddreißigsten Jahre ganz physisch geworden ist, dann aber anfangen würde, nach und nach wiederum geistig zu werden, und wenn er am Ende seines Lebens eben schon so geistig geworden wäre, daß der Tod nur ein allmählicher Übergang in das Geistig-Seelische wäre. Innerlich ist das auch der Fall, nur äußerlich nicht — der Schein trügt dabei. Es ist so, daß wir eigentlich in der absteigenden Lebenshälfte - die etwas älteren Leute, die hier sitzen, mögen mir diese Wahrheit nicht gar zu übel anrechnen —, indem wir älter werden, schon unseren Leib als etwas mitschleppen, was nicht mehr ganz zu uns gehört. Wir werden langsam Leichnam, und der Tod besteht eigentlich nur darin, daß uns dieser Leichnam zu schwer wird, daß die Schwerkraft zu stark wird, wenn wir mit unserer Seele am Morgen beim Aufwachen immer wiederum in diesen Leib zurückkommen. Man kann nur nicht sehen, wenn man die Sinne auf den äußeren Schein richtet, welche Veränderungen eigentlich mit dem Menschen vor sich gehen, und wie das Leben dieser zweiten Lebenshälfte schon ein langsames Sterben ist.
[ 10 ] Es handelt sich nicht darum, daß wir das Geistig-Seelische auf der einen Seite annehmen, das Physisch-Leibliche auf der anderen, sondern daß wir verstehen lernen, wie sich, wenn wir den Zeitbegriff zu Hilfe nehmen, das Geistig-Seelische in das Physisch-Leibliche verwandelt, und das Physisch-Leibliche sich wiederum zurückverwandelt in das Geistig-Seelische. Dies hängt, trotzdem es sozusagen nur äußerlich den Verlauf der Menschenentwickelung ausdrückt, mit zwei bedeutsamen Eigenschaften des Menschen zusammen. Wodurch können wir uns aus einem Geistig-Seelischen allmählich in ein Physisch-Leibliches metamorphosieren, daß wir das Physisch-Leibliche werden, daß wir eins werden mit dem Physisch-Leiblichen? Dieses kann der Mensch erfassen, wenn er verstehen lernt, was die moralische Qualität der Liebe ist. Und eine wichtige, eine prinzipielle Wahrheit ist diese: Der Mensch geht in die physische Welt durch Liebe herein, durch das Sich-Ausgießen in das Physisch-Leibliche. Und wodurch geht er wieder hinaus? Er nimmt sich aus der physisch-leiblichen Metamorphose wieder zurück, er verwandelt sich zurück, und keine andere Kraft gibt ihm diese Möglichkeit des Zurückverwandelns als die Freiheit. So daß wir sagen: Daß wir uns weiterentwickeln, durch den Tod gehen, geschieht gerade durch die Freiheit. Wir werden geboren durch die kosmische Liebe, wir gehen durch das Tor des Todes in die geistig-seelische Welt ein durch die Kraft der Freiheit, die wir in uns haben. Und entwickeln wir Liebe in der Welt, so ist diese Liebe im Grunde genommen der Nachklang, das Nachtönen unserer geistig-seelischen Wesenheit, wie wir sie gehabt haben vor unserer Geburt, oder sagen wir vor unserer Empfängnis. Und entwickeln wir Freiheit im Dasein zwischen Geburt und Tod, so entwickeln wir geistig-seelisch in uns wie prophetisch vorher als Kraft dasjenige, was unsere wichtigste Kraft ist, wenn wir den Leib durch den Tod verlassen haben werden.
[ 11 ] Was heißt im Grunde genommen, kosmisch gefaßt, ein freies Wesen sein? Ein freies Wesen sein, sich zurückverwandeln können aus dem Physisch-Leiblichen in das Geistig-Seelische, heißt im Grunde genommen, sterben können; während Liebe heißt, sich verwandeln können aus dem Geistig-Seelischen in Physisch-Leibliches. Lieben können heißt leben können, kosmisch gefaßt.
[ 12 ] Sie sehen hier, wie Vorgänge, die zweifellos auch ganz natürlich gefaßt werden können, das Geborenwerden und das Sich-Entkörpern des Menschen, Geburt und Tod, die die äußere Naturwissenschaft nur als Naturvorgänge auffaßt, als Erscheinungen, als Offenbarungen von Liebe und Freiheit gefaßt werden können. Und indem wir in uns aus unserem Willen heraus entwickeln die Liebe, geistig-seelisch, was tun wir denn da eigentlich? Da bilden wir ein geistig-seelisches Nachbild in uns, innerhalb unserer Haut, von dem, was unser ganzes Wesen ausmachte, bevor wir empfangen worden sind. Wir leben vor unserer Empfängnis im Kosmos durch die Kraft der Liebe. Und gewissermaßen wie eine gefühlsmäßig-willensmäßige Erinnerung an dieses kosmische Leben ist die Entfaltung der Liebe als einer moralischen Tugend während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod. Wie eine Verfeinerung im Mikrokosmischen dessen, was ausgebreitet ist makrokosmisch vor unserer Geburt, erscheint uns die Tugend der Liebe, und das Bewußtsein unserer Freiheit erscheint uns dadurch, daß wir geistig-seelisch während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod dasjenige in uns tragen, was wie ein Naturkraftwirken ganz im Kosmos wirken wird, wenn wir die Pforte des Todes durchschritten haben. Wir erleben Liebe und Freiheit zwischen Geburt und Tod. Sie sind nichts anderes als die menschlichen Widerklänge von kosmischen Kräften, denn mit aller Geburt hängt die kosmische Liebe zusammen, mit allem Sterben hängt die kosmische Freiheit zusammen. Wir reden, seitdem die Naturwissenschaften ihre 'Triumphe gefeiert haben, von allerlei Naturkräften, Licht, Wärme, Elektrizität und so weiter; wir reden aber nicht von denjenigen Naturkräften, oder besser gesagt Weltkräften, welche uns Menschen ins physisch-sinnliche Dasein führen und wiederum aus diesem physisch-sinnlichen Dasein herausführen. Denn die Sache liegt so: Nehmen Sie sich einmal die physikalisch-chemischen, die biologischen Wissenschaften, und nehmen Sie alles dasjenige, was Ihnen da geschildert wird an Kräften, welche die Welt konstituieren. Aus diesen Kräften, welche die Welt konstituieren, werden Sie verstehen können alles, was nicht Mensch ist auf der Welt, niemals aber den Menschen. Denn damit der Mensch da sein kann, muß außer dem, daß in der Welt Elektrizität, Licht, Wärme und so weiter wirkt, da sein Freiheit und Liebe. Man kommt, wenn man sich einer solchen Betrachtungsweise hingibt, indem man wirklich den Menschen begreifen lernt, zu Begriffen über das Naturwesen, die zu gleicher Zeit moralische Begriffe und Naturbegriffe sind, und es schwebt nicht auf der einen Seite ohne Zusammenhang mit der Natur die moralische Weltordnung, und auf der anderen Seite ohne Zusammenhang mit der Moralität die Naturordnung.
[ 13 ] Es ist im Weltengange der Menschheit nun etwas geschehen, was allerdings eine tiefe innere Gesetzmäßigkeit hat, was aber in einer gewissen Weise doch im Laufe der künftigen Erdenentwickelung von der Menschheit überwunden werden muß, wenn diese Menschheit nicht in den Niedergang verfallen will. Die Menschheit der Erdenentwickelung ist ausgegangen von derjenigen Art von Geistesentwickelung, die sich im Orient entwickelt hat, die im Orient ihre Blüten getrieben hat, die, wie wir ja wissen, in ältesten Zeiten, in der nachatlantischen Zeit, höher noch war, als später in den Dichtungen der Veden oder in der Vedantaphilosophie zum Vorschein gekommen ist. Aber es war dies eine Anschauung, die im wesentlichen nur auf dasjenige hingezielt hat, was moralisch-geistige Weltordnung ist. Diese moralisch-geistige Weltordnung war groß und glänzend in gewissen vergangenen Zeitaltern der Menschheitsentwickelung, aber sie ist gerade im Orient in die Dekadenz gekommen. Sie konnte nicht eine Naturordnung aus sich heraustreiben.
[ 14 ] In der neueren Zeit ist im Westen aufgegangen die Anschauung von der natürlichen Ordnung der Welt. Die ist, wie sie zunächst im Westen aufgegangen ist, so, daß sie die Welt nur aus den Kräften heraus begreift, welche in der äußeren Natur auf sinnesgemäße Art zu beobachten sind. Sie kann nicht zu einer moralischen Weltordnung kommen. Das ist ja — wir haben das schon von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachtet — der ungeheure Gegensatz des Ostens mit dem Westen, daß im Osten die Menschheit veranlagt war für ein einseitiges Begreifen des Geistig-Seelischen, im Westen zunächst die Menschheit hintendiert auf ein einseitiges Begreifen des Physisch-Leiblichen. Das überträgt sich dann auf alle übrigen menschlichen Anschauungen. Man beachtet ja gewöhnlich gar nicht, wie radikal verschieden die Begriffe der Menschen über die Erde hin sind. Dasjenige, was der richtige Westländer in die Betrachtung hereinbekommt, wenn er vom Menschen spricht, das ist ja etwas, was dem Ostländer ganz fern liegt. Wenn der Ostländer vom Menschen spricht, dann redet er eigentlich von etwas, was auf der Erde selber im Grunde genommen gar nicht ist. Der Ostländer richtet ganz und gar den Seelenblick auf das hin, was im Grunde genommen von der Erde gar nicht berührt wird. Würde man die Urzustände orientalischer Weltanschauung haben, so würde man ja alle Geburten, alles, was die Menschheitsentwickelung regelt, so haben, daß eigentlich auf dasjenige, was physisch-sinnliches Dasein ist, keineRücksicht genommen wäre. Der Mensch ist da ganz als geistig-seelisches Wesen und entwickelt auch keinen rechten Sinn für das physisch-sinnliche Dasein. Das hat einen bedeutsamen Einfluß auf alles, was der Orientale denken kann. Heute ist es in der Dekadenz; aber in alten Zeiten war ganz ausgesprochen vorhanden, was der Orientale denken kann in bezug auf den Menschen als soziales Wesen.
[ 15 ] Und was denkt der Westländer? Nehmen wir einmal die hervorragendsten, gerade sozialen Denker des Westens, zum Beispiel Adam Smith. Geradeso wie die Naturwissenschaft des Westens ja den Menschen gar nicht hat — sie hat nur das Außermenschliche —, so hat auch die Sozialwissenschaft des Westens nicht den Menschen. Denn studieren Sie einmal Adam Smith: Er redet in seiner Nationalökonomie überhaupt gar nicht vom Menschen, sondern er redet von einem gewissen Erdenstück und von dem, was darauf wächst und darauf steht, und dann redet er noch von einem Automaten, den er säen läßt, ernten läßt und so weiter. Da ist ein Stück Erde, da ist ein Automat (es wird gezeichnet), der nur aus seinem Automatismus heraus frei muß schalten können über dieses Erdenstück. Da muß alles von diesem Automaten dann in der richtigen Weise mit diesem Erdenstück geschehen. Von diesen zweien redet eigentlich Adam Smith, und er nennt die hauptsächlichsten Eigenschaften dessen, was da als Automat ist, die wirtschaftliche Freiheit, und er nennt dasjenige, was da ein Stück Erde ist, das Privateigentum. Und das ist eigentlich die Urzelle seines sozialen Wesens, ein Stück Privateigentum mit einem wirtschaftenden Automaten, der von den anderen Automaten, die auf anderen Stücken Privateigentum stehen, unabhängig ist. Die Begriffe, die Adam Smith hat, handeln nur von der bearbeiteten Erde, vom Privateigentum und von einem solchen wirtschaftlichen Automaten mit wirtschaftlicher Freiheit. Das sind seine wirklichen Begriffe. Begegnet er einem Menschen, so sieht er ihn nicht als Mensch an, sondern er sagt sich: Das repräsentiert ein Stück Privateigentum und einen wirtschaftlichen Automaten, und das ist nur so gestaltet, daß es oben einen Kopf hat, und in der Mitte einen Rumpf und dann noch Gliedmaßen, und zu alldem gehört ja auch noch so ein Gespenst. — Aber darüber denkt man nicht nach; davon hat man keinen Begriff. Das erscheint nur so auf dem Privateigentum. Und indem sich der wirtschaftende Automat betätigt, nimmt er äußerlich die Gestalt eines kopfbegabten, rumpfbegabten und gliedmaßenbegabten Gespenstes an. Nirgends finden Sie, wenn Sie Adam Smith betrachten, irgendeinen Begriff von einem Menschen. Versuchen Sie es einmal! Sie finden eine Zusammenstellung von Privateigentum mit einem wirtschaftenden Automaten, aber Sie finden nicht einen Begriff vom Menschen. Sie finden gewissermaßen das, was um den Menschen herum ist, aber nicht den Menschen. Dabei ist das Charakteristische, daß von der Freiheit so ein letzter Schatten vorhanden ist, den man dann auf den wirtschaftenden Automaten überträgt. Man redet nicht von der menschlichen Freiheit, man redet nicht von dem, was, aus der moralischen Phantasie heraus sich erfüllend mit geistigem Inhalt, den Menschen als Vollmenschen ausfüllt — denn dann müßte man so reden, wie ich in meiner «Philosophie der Freiheit» geredet habe —, sondern man redet von einem Zusammenhang zwischen Privateigentum und einem wirtschaftenden Automaten. Wir haben auf der einen Seite, was von der Weisheit des Ostens zurückgeblieben ist, die Unfähigkeit, vom menschlichen seelisch-geistigen Wesen herauszukommen in die physische Welt. Wir haben von den Westländern die Fähigkeit, zu sehen: Ja, da ist etwas Reales in der Welt, denn es hat irgend etwas in der Welt und das automatisiert darauf; seine Lordschaft hat große Güter, seine Lordschaft hat äußere Kräfte, durch die diese Güter bewirtschaftet und bejagt werden. Da sieht man, daß seine Lordschaft da etwas hat. Aber das, was da herumwandelt, das ist eigentlich bloß ein menschliches Gespenst.
[ 16 ] Sie sehen, was gesucht werden muß: gesucht werden muß der Mensch als solcher. Man muß in seine Seelenverfassung hereinbekommen eine lebendige Anschauung von dem Menschen als solchem. Wir haben eine westliche Naturwissenschaft, die hat die Tierreihe. Da haben wir zuerst einfache Tiere, dann immer kompliziertere Tiere, die letzten komplizierten gehen auf vier Beinen, dann richten sie sich auch einmal auf, werden senkrecht statt waagerecht — nun, da ist dann ein höchstes Tier, das nennt man Mensch. Man hat eigentlich nur die Tierreihe, und der Mensch ist eben das höchste Glied in der Tierreihe. Also man betrachtet nicht den Menschen von seiten der Naturwissenschaft. Aber auch nicht von seiten der Sozialwissenschaft, denn da betrachtet man dasjenige, was der als Privateigentum an sich hat, und dasjenige, was der wirtschaftende Automat ist. Der Mensch fällt aus der sozialen Betrachtung, der sozialen Naturbetrachtung heraus. Das Eigentümliche der modernen Menschheit ist ja, daß sie gar nicht bemerkt, daß gar nichts Menschliches da ist. Es ist gar nichts Menschliches da. Daher entsteht ein gewisses Bedürfnis. Denken Sie sich doch einmal, die Menschen leben im äußeren sozialen Leben. Nehmen wir an, sie leben so, wie Adam Smith sie betrachtet, denn daß er diese Anschauung geäußert hat, rührt ja nur davon her, weil er eben dasjenige gesagt hat, wonach das Denken zahlreicher Menschen tendiert. Denken Sie sich, die Menschen schauen sich nun als Westländer ihr soziales Dasein an: sie sind ja gar nicht da! Privateigentum ist da und ein wirtschaftlicher Automat; die Menschen sind ja gar nicht da. Wie soll man denn aus diesem Begriff vom Menschen irgend etwas, was jenseits von Geburt und Tod liegt, herausbekommen? Das muß man sich dann schon auf Autorität hin sagen lassen. Und indem solche Begriffe immer weiter und weiter ihre Blüten getrieben haben, kam es eben so, daß mit Bezug auf das Geistige alles nach und nach unter Autorität gestellt worden ist, ja, daß die Menschen auch eine gewisse Abneigung haben, über das Geistige irgendwie zu denken. In der modernen proletarischen Wissenschaft ist das dann weiter aufgenommen worden. Nur hat die dann Ernst damit gemacht und hat gesagt: Ja, nun haben die Bourgeois über den Menschen nachgedacht, aber es ist doch gar nichts da vom Menschen; Privateigentum ist da und der wirtschaftende Automat ist da. Also reden wir nicht von diesem Firlefanz von einem besonderen Menschen, sondern reden wir bloß von wirtschaftlichen Kräften; die bringen alles hervor. Machen wir Ernst mit dieser Anschauung! Die anderen machen nicht Ernst; die ganze Woche hindurch reden sie, als wenn es bloß Privateigentum und wirtschaftliche Freiheit des Automaten gäbe, und am Sonntag lassen sie sich predigen, daß es auch eine unsterbliche Seele gibt.
[ 17 ] Das ist etwas, was in aller Wachheit aufgefaßt werden muß. Denn hat man nicht den Mut, die Dinge in aller Wachheit so anzusehen, dann kommt man eben nicht vorwärts. Und es ist schon begreiflich, daß in der Gegenwart recht viele Mächte da sind, die durchaus nicht wollen, daß in diese Dinge mit einem ordentlichen Licht hineingeleuchtet wird. Denn es ist natürlich unangenehm, wenn darauf hingewiesen wird, wie Sozialwissenschaft einen Zusammenklang unter den Menschen begreifen soll, aber vom Menschen eigentlich nichts weiß, sondern lediglich von Privateigentum und von wirtschaftlicher Freiheit des wirtschaftenden Automaten.
[ 18 ] Ich habe versucht, Ihnen zu zeigen, wie eine Betrachtungsweise ist, die nun wirklich auf lebendige Metamorphosenanschauung gebaut ist, und wie eine Betrachtungsweise geworden ist, die von solchen Metamorphosenanschauungen nichts wissen will. Wir werden morgen die tieferen Gründe zu betrachten haben, welche dazu führen, daß man dasjenige, was nun als makrokosmische Folge einer solchen Anschauung sich notwendig ergibt, heute so wenig an die Menschen herankommen lassen will. Wir werden also entwickeln morgen, was, ich möchte sagen, das makrokosmische Gegenbild ist der heute dargestellten Tatsachen und werden dann übergehen zu den menschlichen Folgen der einen und der anderen Weltanschauung.
