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The Bridge Between the Spiritual and
Physical Realms of Human Beings
GA 202

11 December 1920, Dornach

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Siebenter Vortrag

Seventh Lecture

[ 1 ] Wir wollen heute auf einiges hindeuten, das den moralischen Menschen als solchen betrifft, um dann morgen zu zeigen, wie dasjenige, was man ansprechen kann im Menschen als das Seelisch-Moralische, hinüberführt in den Makrokosmos. Es handelt sich darum, daß man zuletzt zwei menschliche Eigenschaften in der richtigen Weise wertet, wenn man zu einer durchgreifenden Beurteilung des Menschen als eines moralisch-seelischen Wesens kommen will.

[ 1 ] Today we want to point out a few things that concern the moral human being as such, so that tomorrow we can show how what can be addressed in the human being as the spiritual-moral aspect extends into the macrocosm. The point is that one can only properly evaluate two human qualities if one wishes to arrive at a thorough assessment of the human being as a moral and spiritual being.

[ 2 ] Der Mensch ist ja gewissermaßen eingeschaltet zwischen zwei Extremen, zwischen zwei polarischen Gegensätzen. Sie kommen ihm zum Bewußtsein, diese Gegensätze, als die Ordnung der Natur und die Ordnung der sittlichen Welt. Wir haben darauf hingewiesen, wie aus jener Weltanschauung, die in den letzten Jahrhunderten heraufgekommen und immer populärer und populärer geworden ist, eine Brücke nicht gebaut werden kann zwischen der Naturordnung und der moralischen Ordnung im Weltenall. Zwei Eigenschaften des Menschen wird man vor allen Dingen ins Auge fassen müssen, wenn man überhaupt sich den Lebens- und Weltenrätseln nähern will, die zusammenhängen mit diesen polarischen Gegensätzen der Natur und, sagen wir, des Geistes oder eben auch der moralischen Weltenordnung. Der Natur ist der Mensch zweifellos hingegeben; er ist gewissermaßen in Abhängigkeit von der Naturordnung mit Bezug auf sein Seelisches, also auch sein moralisches Wesen. Er ist aber auch darauf angewiesen, wenn er sich als wirklicher Mensch fühlen will, sich aus der bloßen Naturordnung herauszuheben, sich zu fühlen als in einer Weltenordnung stehend, die nicht in der Natur aufgeht, und man wird eigentlich nur auf geisteswissenschaftlichem Wege zu einer klaren Anschauung kommen können über das, was hier zugrunde liegt. Deuten wir zunächst hin auf eine, ich möchte sagen, durchgreifend irrtümliche Anschauung, die den Menschen zu einer Lösung entsprechender Rätsel, die hier verborgen liegen, nicht kommen läßt. Es wird aus alter Tradition heraus von den Menschen geglaubt, daß man einfach zum Verständnis der eigenen menschlichen Wesenheit kommen könne, indem man den Zusammenhang des Geistig-Seelischen mit dem Leiblich-Physischen im Menschen in irgendeiner Weise gegenwärtig, wenn ich so sagen darf, suchen kann. Man stellt sich vor, da sei das leibliche Wesen des Menschen, und in diesem leiblich-physischen Menschenwesen sei das Geistig-Seelische irgendwie darinnen. Und nun sucht man nach dem Zusammenhange. Es ist viel gesucht worden nach diesem Zusammenhange, und ein großer Teil des philosophischen Strebens der Menschheit ist eigentlich darauf aus, diese Frage zu lösen: Welcher Zusammenhang ist zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen?

[ 2 ] Human beings are, in a sense, caught between two extremes, between two polar opposites. These opposites come to their consciousness as the order of nature and the order of the moral world. We have pointed out how, based on that worldview that has emerged in recent centuries and has become increasingly popular, it is impossible to build a bridge between the natural order and the moral order in the universe. Two characteristics of human beings must be considered above all else if one is to even begin to approach the mysteries of life and the universe that are connected with these polar opposites of nature and, let us say, the spirit—or indeed, the moral order of the universe. Human beings are undoubtedly subject to nature; in a sense, they are dependent on the natural order with regard to their soul—and thus also their moral being. But if he wishes to feel like a true human being, he must also rise above the mere natural order and feel that he stands within a cosmic order that is not subsumed by nature; and it is really only through spiritual science that one can arrive at a clear understanding of what underlies this. Let us first point to what I would call a profoundly erroneous view that prevents human beings from arriving at a solution to the corresponding mysteries hidden here. Based on an old tradition, people believe that one can simply come to an understanding of one’s own human nature by seeking, in some way—if I may put it that way—the connection between the spiritual-soul aspect and the physical-bodily aspect within the human being. People imagine that there is the physical being of the human being, and that within this physical human being, the spiritual and soul aspects are somehow contained. And now one searches for this connection. Much has been sought regarding this connection, and a large part of humanity’s philosophical endeavor is actually aimed at resolving this question: What is the connection between the spiritual-soul and the physical-bodily?

[ 3 ] Sie wissen ja, in der Geisteswissenschaft erscheinen die meisten Fragen, die man so populär aufwirft, auf eine ganz andere Art. In der Geisteswissenschaft müssen schon die Fragestellungen anders gefaßt werden, als sie oftmals in trivialer Weise heute noch gefaßt werden. Es sind ja insbesondere im 19. Jahrhundert, auch theoretisch, ganz besonders stark Anschauungen heraufgekommen, und es hat sich die Idee festgesetzt, daß man ein Seelisch-Geistiges neben dem Leiblich-Physischen gar nicht finden könne, und daß man das Geistig-Seelische wie eine Art Ergebnis des Leiblich-Physischen ansehen könne. Diese Anschauung hatte für diejenigen Menschen, die mit den großen Ergebnissen der naturwissenschaftlichen Forschungen bekannt wurden, etwas außerordentlich Bestechendes. Man braucht ja nur sich zu erinnern, wie der Mensch eigentlich abhängig ist in seinem Leben zwischen der Geburt und dem Tode von seinen physischen Vorgängen, von seiner ganzen physischen Organisation. Immer wieder wurde von den materialistisch Denkenden darauf hingewiesen, wie ja in demselben Maße, in dem der äußere Leib sich entwickelt von den ersten Tagen der Kindheit an, mit dem Heranwachsen des äußeren Leibes sich auch die geistig-seelischen Fähigkeiten entwickeln, wie der Mensch, wenn er in bezug auf Leiblich-Physisches nicht entsprechend gepflegt wird, auch geistig-seelisch zurückbleibt. Es wurde darauf hingewiesen, wie dann beim Menschen im Alter, wenn das Leiblich-Physische in die Dekadenz kommt, auch die geistig-seelischen Fähigkeiten wiederum im Niedergange sind. Es wurde darauf hingewiesen, wie der Mensch, wenn er irgendwelchen Verletzungen unterliegt, auch in seinem Geistig-Seelischen Abnormitäten zeigt, so daß der Mensch abhängig ist von der Art und Weise, wie sein Physisch-Leibliches eben beschaffen ist. Es wurde darauf hingewiesen, wie der Mensch gewisse Gifte zu sich nimmt, die ja nur eine gewissermaßen chemische Wirkung in ihm hervorrufen können, und er dennoch dadurch in gewisse Zustände geistiger Abnormität hineingetrieben werden kann, wie hervorgerufen werden können geistig-seelische Lähmungszustände durch physische Substanzen, die dem Leib zugefügt werden, und dergleichen mehr. Es wurde also gezeigt, wie dasjenige, was man, ich möchte sagen, in aller Handgreiflichkeit in der äußeren physischen Forschung vor sich haben kann, bezeugt, daß im Grunde genommen das Geistig-Seelische nur eine Funktion sei des Physisch-Leiblichen. Ja, es konnten diejenigen Forscher, die ihre Gesinnung besonders an solchen Erscheinungen entwickelten, auch auf, ich möchte sagen, mehr minuziöse Tatsachen dieser Art hinweisen. Eine solche Erscheinung wie diese, daß Entartungen der Schilddrüse auf die geistig-seelischen Fähigkeiten einen Einfluß ausüben, hat zum Beispiel Forscher wie Gley dazu gebracht, zu sagen, die höchsten Fähigkeiten des Menschen, die geistig-seelischen, seien schließlich von jenen chemischen Vorgängen abhängig, die sich in der Schilddrüse abspielen. Alle diese Dinge hatten ja etwas Bestechendes aus der ganzen Art und Weise, wie sich wissenschaftliche Denkungsart in der neueren Zeit entwickelt hat. Und eigentlich kann man nicht anders sagen, als daß, indem immer mehr Menschen hineinwuchsen in diese wissenschaftliche Denkungsweise, die Begriffe von dem Geistig-Seelischen immer mehr und mehr zurückgedrängt wurden; das Geistig-Seelische wurde immer mehr als etwas angesehen, was keine selbständige Bedeutung hat. Und es bildete sich sozusagen mit aller Intensität ein Gegensatz heraus in unserer Bevölkerung der zivilisierten Erdengebiete: auf der einen Seite stehen diejenigen, die mehr oder weniger angesteckt sind von dem, was die naturwissenschaftliche Denkungsweise der neueren Zeit gibt, die es als einen großen Fortschritt für ihre geistige Entwickelung betrachten, wenn sie von einer solchen überhaupt sprechen wollen, einen Hinweis auf ein selbständig GeistigSeelisches abzulehnen. Und auf der anderen Seite steht derjenige Teil der Bevölkerung, welcher fortleben will in alten Religionsbekenntnissen, in alten Vorstellungen von dem Geistig-Seelischen, von einer moralisch-göttlichen Weltenordnung, der aber eigentlich bei seinen Anschauungen, die aus alten Zeiten überliefert sind, nur dadurch bleiben kann, daß er sich fernhält von denjenigen Anschauungen, welche die naturwissenschaftliche Denkweise gebracht hat.

[ 3 ] As you know, in the humanities, most of the questions that are raised in popular discourse appear in a completely different light. In the humanities, the questions themselves must be framed differently than they are often still framed in a trivial manner today. Especially in the 19th century, certain views gained significant traction—even in theoretical circles—and the idea took hold that one could not find a psychological-spiritual realm alongside the physical-bodily realm, and that the spiritual-psychological could be regarded as a kind of result of the physical-bodily. This view held an extraordinary appeal for those who became acquainted with the great findings of scientific research. One need only recall how dependent human beings actually are, in their lives between birth and death, on their physical processes, on their entire physical organization. Time and again, materialist thinkers pointed out that, just as the outer body develops from the earliest days of childhood, so too do the spiritual and psychological faculties develop alongside the growth of the outer body; and that if a person is not properly cared for in terms of their physical and bodily needs, they also lag behind spiritually and psychologically. It has been pointed out that in old age, when the physical body begins to decline, the spiritual and soul capacities also undergo a decline. It was pointed out that when a person suffers any kind of injury, they also exhibit abnormalities in their mental and emotional life, so that a person is dependent on the nature of their physical constitution. It was pointed out how a person ingests certain poisons—which, strictly speaking, can only produce a chemical effect within them—and yet can thereby be driven into certain states of mental abnormality; how states of mental and emotional paralysis can be induced by physical substances administered to the body, and so on. It was thus demonstrated how what one might say is clearly evident in external physical research testifies that, fundamentally, the spiritual-soul aspect is merely a function of the physical-bodily aspect. Indeed, those researchers who developed their perspective specifically around such phenomena were also able to point to, I might say, more detailed facts of this kind. A phenomenon such as this—that thyroid disorders exert an influence on the spiritual-psychic faculties—has, for example, led researchers like Gley to say that the highest human faculties, the spiritual-psychic ones, are ultimately dependent on the chemical processes that take place in the thyroid gland. All these ideas had, after all, a certain appeal stemming from the very way in which scientific thinking has developed in recent times. And in fact, one cannot help but say that as more and more people became immersed in this scientific way of thinking, concepts of the spiritual-psychic realm were increasingly pushed into the background; the spiritual-psychic was increasingly viewed as something that has no independent significance. And, so to speak, a stark contrast emerged with great intensity among the population of the civilized regions of the Earth: on the one hand are those who are more or less influenced by the scientific way of thinking of modern times, who regard it as a great step forward for their spiritual development—if they are willing to speak of such a thing at all—to reject any reference to an independent spiritual-psychic realm. And on the other side stands that part of the population which wishes to continue living according to old religious creeds, old conceptions of the spiritual and soul, and a moral-divine world order—but which, in fact, can only maintain its views, handed down from ancient times, by keeping its distance from the views brought about by the scientific way of thinking.

[ 4 ] So haben wir auf der einen Seite eine zahlreiche Bevölkerung, die von den anderen wie die Zurückgebliebenen angesehen werden, wie Menschen, die eben nichts wissen von dem Gesetze der natürlichen Ordnung, und die deshalb bei den alten religiösen Vorstellungen bleiben können. Allerdings hat sich immer mehr und mehr in der letzteren Zeit noch etwas anderes ergeben. Jene, ich möchte sagen, faszinierende Überzeugungskraft, die für einen großen Teil der Menschheit die naturwissenschaftlichen Vorstellungen in der Mitte oder auch noch im Anfange des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts hatte, diese faszinierende Überzeugungskraft hat allmählich abgenommen. Sie hat sogar bei vielen wissenschaftlich Denkenden abgenommen, und man ist duldsamer geworden gegen das, was man früher so aufgefaßt hat, daß es sich eben noch erhält bei den zurückgebliebenen unwissenden Menschen, daß es aber verschwinden müsse. Diese letztere Erscheinung, die ist aber eigentlich nur zurückzuführen auf die allgemeine Schläfrigkeit der modernen Seelen. Denn im Grunde genommen ist es unmöglich, auf der einen Seite die allmächtige Naturordnung zu haben und auf der anderen Seite eine irgendwie reale sittlich-geistige Weltenordnung. So wie die Naturordnung einmal angesehen wird in der neueren Zeit, verträgt sie sich nicht mit einer moralischen Weltordnung, und nur wenn man nicht schlagkräftig denkt, kann man die heutige Naturanschauung irgendwie neben das stellen, was aus alten Traditionen heraus in den verschiedenen Bekenntnissen vorhanden ist. Konsequent sind im Grunde genommen nur diejenigen Menschen gewesen, die etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts, auch in den fünfziger, sechziger Jahren, mit aller Entschiedenheit darauf hingewiesen haben, daß der Mensch ein physisch-leibliches Wesen ist, daß aus den Vorgängen seiner physisch-leiblichen Organisation die Erscheinungen des geistig-seelischen Lebens sich ergeben, und daß man allmählich ausrotten müsse, was dieser Anschauung entgegensteht. Und ich habe ja auch einmal in einem Öffentlichen Vortrag in Basel und an anderen Orten darauf aufmerksam gemacht, daß es Leute gegeben hat, die mit aller Strenge vertreten haben, daß man die Berechtigung einer moralischen Weltanschauung ablehnen müsse und daß im Grunde genommen ein Verbrecher ebenso ein Recht habe, sich auszuleben, wie derjenige, der in sogenannten moralischen Vorstellungen lebt.

[ 4 ] On the one hand, we have a large population that is viewed by others as backward, as people who simply know nothing of the laws of the natural order, and who can therefore cling to old religious beliefs. However, something else has become increasingly apparent in recent times. That—I would say—fascinating persuasive power that scientific ideas held for a large part of humanity in the middle or even at the beginning of the last third of the 19th century has gradually waned. It has even waned among many who think scientifically, and people have become more tolerant of what was previously regarded as something that persists only among backward, ignorant people—but which was thought to be destined to disappear. This latter phenomenon, however, can actually be attributed solely to the general lethargy of modern souls. For, fundamentally speaking, it is impossible to have, on the one hand, the all-powerful natural order and, on the other, a moral-spiritual world order that is in any way real. As the natural order is viewed in modern times, it is incompatible with a moral world order, and only those who do not think rigorously can somehow place today’s view of nature alongside what has been preserved from ancient traditions in the various creeds. In essence, the only people who have been consistent are those who, around the middle of the 19th century—and also in the 1850s and 1860s—pointed out with the utmost decisiveness that human beings are physical, bodily beings, that the phenomena of spiritual and soul life arise from the processes of their physical, bodily organization, and that whatever stands in opposition to this view must gradually be eradicated. And I have also pointed out on one occasion in a public lecture in Basel and in other places that there have been people who have argued with the utmost rigor that one must reject the legitimacy of a moral worldview and that, fundamentally speaking, a criminal has just as much a right to live out his life as someone who lives according to so-called moral concepts.

[ 5 ] Das sind die konsequenten Leute auf der einen Seite gewesen. Auf dieser Konsequenz konnte man nicht mutvoll stehenbleiben. Man wurde lässig, schläfrig, und da ergab sich eben dasjenige, was ich jetzt charakterisiert habe. Konsequent sind allerdings auch die anderen, die etwa so vorgehen, wie die mehr jesuitisch Gesinnten in der katholischen Kirche, welche sagen: Weg mit aller Wissenschaft, die irgendwie etwas anderes als äußerliche Tatsachen erforschen will —, die den Menschen den Glauben an eine geistig-seelische Weltenordnung einbleuen und das durch alle mögliche äußere Gewalt festhalten wollen. Beide Dinge lassen sich gegenüber der Weiterentwickelung der Menschheit ganz gewiß nicht halten.

[ 5 ] Those were the consistent people on one side. It was impossible to stand firm with such consistency. People became careless, sleepy, and that is precisely what led to the situation I have just described. However, the others are also consistent—those who proceed much like the more Jesuit-minded members of the Catholic Church, who say: “Away with all science that seeks to investigate anything other than external facts”—who drum into people a belief in a spiritual-soul-based world order and seek to enforce it through every possible form of external coercion. Neither of these approaches can certainly be sustained in the face of humanity’s further development.

[ 6 ] Aber es läßt sich auch das nicht halten, was nur aus unklaren, konfusen Begriffen heraufgekommen ist aus alten Zeiten. Es läßt sich vor allen Dingen nicht halten, daß man den Menschen vorstellt als eine leiblich-physische Wesenheit mit einem Seelischen darinnen, und daß man darnach sucht, wie dieses Geistig-Seelische im Zusammenhange steht mit dem Leiblich-Physischen, indem man dabei nur auf die Gegenwart sieht. Ohne daß man nämlich seine Betrachtungsweise ausdehnt über die Zeit, ohne daß man die Zeit zu Hilfe ruft, um den Menschen zu verstehen, kommt man nicht weiter. Dieses Schema für die menschliche Wesenheit ist ein ganz unmögliches Schema. Einzig und allein durch die folgenden Vorstellungen können sich klare Begriffe ergeben, die dann, wie wir sehen werden, weiterführen, um die Brücke zu bauen zwischen der moralischen Weltanschauung und der physischen Weltanschauung.

[ 6 ] But neither can we accept what has arisen from ancient times based solely on unclear, confused concepts. Above all, it is untenable to conceive of the human being as a physical entity with a soul within it, and to seek to understand how this spiritual-soul aspect relates to the physical aspect by focusing solely on the present. For without extending one’s perspective beyond the present moment—without calling upon time to help us understand the human being—we cannot make any progress. This model of human existence is a completely untenable one. Only through the following ideas can clear concepts emerge, which, as we shall see, will then lead us to build a bridge between the moral worldview and the physical worldview.

[ 7 ] Da wissen wir, daß der Mensch, bevor er zum physisch-irdischen Erdendasein kommt, in einer geistigen Welt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt lebt. Nehmen wir diese Linie an als die Zeit charakterisierend (Pfeil), so haben wir ein geistig-seelisches Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das eben in der Zeitenströmung läuft. Nun bildet sich im Zusammenhange mit denjenigen Tatsachen, die ich gestern versuchte auseinanderzusetzen, innerhalb dieser geistig-seelischen Wesenheit des Menschen im Laufe der Zeit, in welcher sich der Mensch entwickelt ohne physische Leiblichkeit, durch die Vorgänge der geistigen Welt in dem Menschen vor allen Dingen dasjenige heraus, was man nennen kann die Begierde nach physischer Leiblichkeit. Dieses Sich-Fortentwickeln, das wird allmählich Begierde nach physischer Leiblichkeit (rot). Und wenn man den Metamorphosegedanken richtig erfaßt, dann kommt man darauf, daß die Sache so ist: Diese Begierde fließt tatsächlich über in die physische Leiblichkeit (blau), so daß, wenn wir dem Kinde gegenübertreten, wir sagen müssen: Was uns im Kinde erscheint, das ist die Erfüllung der Begierde nach physischer Leiblichkeit, welche das Seelisch-Geistige hatte, bevor es zum physischen Dasein gekommen ist. — Wir sollen nicht gewissermaßen eine Zweiheit sehen in dem Physisch-Leiblichen und in dem Geistig-Seelischen. Wir sollen in dem Physisch-Leiblichen nicht bloß etwas sehen, in das gewissermaßen das Geistig-Seelische hineinschlüpft, sondern wir sollen in dem Physisch-Leiblichen etwas sehen, in das sich das Geistig-Seelische tatsächlich verwandelt.

[ 7 ] We know that before a human being comes into physical, earthly existence, he or she lives in a spiritual world between death and a new birth. If we take this line as characterizing time (arrow), we have a spiritual-soul life between death and a new birth that flows precisely within the stream of time. Now, in connection with the facts I attempted to explain yesterday, within this spiritual-soul entity of the human being—over the course of time during which the human being develops without a physical body—the processes of the spiritual world within the human being give rise, above all else, to what can be called the longing for physical embodiment. This process of further development gradually becomes a longing for physical embodiment (red). And if one grasps the idea of metamorphosis correctly, one comes to realize that the situation is as follows: This longing actually flows over into physical embodiment (blue), so that when we look at a child, we must say: What appears to us in the child is the fulfillment of the longing for physical embodiment that the soul-spirit had before it entered physical existence. — We should not, so to speak, see a duality between the physical-embodied and the spiritual-soul. We should not merely see the physical-bodily as something into which the spiritual-soul aspect, so to speak, slips; rather, we should see the physical-bodily as something into which the spiritual-soul aspect actually transforms itself.

[ 8 ] Da gibt es natürlich für die moderne wissenschaftliche Denkweise bedeutsame Schwierigkeiten. Denn diese moderne naturwissenschaftliche Denkungsart, die bleibt am Allernächstliegenden haften, die sieht, wie die Keimesanlage des Menschen sich im Mutterleibe entwickelt, gibt sich dem Glauben hin, daß dieser Mensch einfach aus dem Mutterleibe nach der Befruchtung herauswächst, weil der Mutterleib die Kräfte enthält, die den Menschenkeim wachsen machen. Aber so ist es ja nicht. Solch eine Erklärungsweise sieht eben nur auf das Allernächste. Der Mensch ist ja ein Wesen, welches dasteht in der Welt im Zusammenhange mit dem ganzen Kosmos, welches in fortwährender Wechselwirkung steht mit dem gesamten Kosmos. Was würden Sie sagen, wenn jemand behaupten wollte: Ein gewisses Luftquantum, das Sie in einem gewissen Zeitpunkte in sich haben, sei aus Ihrem Leibe herausgewachsen. Es ist nicht aus Ihrem Leibe herausgewachsen, Sie haben es eingeatmet, Sie haben es dadurch in sich, daß Sie mit der gesamten Umwelt ein Ganzes bilden. Nur weil man nicht äußerlich sieht, wie der ganze Makrokosmos mitwirkt, wenn der Menschenkeim im Mutterleibe sich entwickelt, nur weil man nicht sieht, daß da ebenso die Einwirkungen von außen geschehen, daß da erst recht der Mensch mit dem gesamten Makrokosmos in Verbindung ist, glaubt man, der Menschenkeim wachse einfach im mütterlichen Leibe aus den Kräften des mütterlichen Leibes selbst heraus. Dieser Menschenkeim kommt eigentlich eindeutig aus der geistigen Welt. Er benützt nur denjenigen Ort, in dem er gewissermaßen das Tor findet, um in die physische Welt hereinzukommen. Es ist innerhalb dessen, was sich um uns herum im Raume ausbreitet, nirgends ein Tor für den Menschen, der die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchlebt hat, um in die physische Welt hereinzukommen. Es ist nur innerhalb des Menschenleibes selbst dieses Tor. Und was da kraftet, was da wirkt, das sind nicht die Kräfte von Vater und Mutter, sondern das sind kosmische Kräfte, die eben durch den mütterlichen Leib nach der Befruchtung ihren Zugang zur physischen Welt suchen, nach der sie als geistig-seelisches Wesen eine Begierde entwickelt haben.

[ 8 ] Of course, this presents significant difficulties for modern scientific thinking. For this modern scientific way of thinking, which focuses on what is immediately at hand—which observes how the human embryo develops in the womb—succumbs to the belief that this human being simply grows out of the womb after fertilization, because the womb contains the forces that cause the human embryo to grow. But that is not how it is. Such an explanation focuses only on what is immediately apparent. The human being is, after all, a being that stands in the world in connection with the entire cosmos, a being that is in constant interaction with the entire cosmos. What would you say if someone were to claim that a certain amount of air that you have within you at a given moment had grown out of your body? It did not grow out of your body; you inhaled it, and you possess it because you form a whole with the entire environment. Simply because one cannot see externally how the entire macrocosm is at work when the human embryo develops in the womb—simply because one cannot see that external influences are also at work there, and that the human being is, all the more so, connected to the entire macrocosm—people believe that the human embryo simply grows within the mother’s body out of the forces of the mother’s body itself. This human embryo actually comes unequivocally from the spiritual world. It merely uses that place where it finds, so to speak, the gateway to enter the physical world. Nowhere within what extends around us in space is there a gateway for the human being who has lived through the time between death and a new birth to enter the physical world. This gateway exists only within the human body itself. And what is at work there, what is active there, are not the forces of the father and mother, but rather cosmic forces that, after fertilization, seek their way into the physical world through the mother’s body—a world for which they, as spiritual-soul beings, have developed a longing.

[ 9 ] So verwandelt sich der Mensch in ein physisches Wesen; aber dieses physische Wesen ist nur die äußere Form für ein Geistiges. Wir sehen das Kind, wie es zunächst, ich möchte sagen, undifferenzierte Züge hat, wie immer mehr und mehr sich aus ihm herausentwickelt die Menschengestalt. Und wir tun unrecht, wenn wir sagen: Da in dem Kinde drinnen, da ist etwas, was sich herausentwickelt. Wir tun recht, wenn wir von dem Kinde aus den Blick zurückwenden zu dem, was vorgeburtlich, was vor der Empfängnis tätig war, und was jetzt noch nachwirkt, was jetzt seine Wirkung äußert. In dem, was wir am Kinde beobachten von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr, sehen wir das Hereinwirken eines Vergangenen, das der Mensch geistig-seelisch durchgemacht hat vor seiner Geburt oder vor seiner Empfängnis. Wir tun nur recht, wenn wir das Kind so betrachten, daß wir sagen: Da ist die kindliche Organisation. Wir sehen, wie das Kind gewisse Eigenschaften entwickelt. Die suchen wir nicht in seinem Inneren, wo sie gewissermaßen herausstrahlen, sondern die suchen wir in seiner Vorzeit, von der noch die Strahlen hereinwirken. — Daß man das nicht will, das ist das große Unglück der modernen Weltanschauung. Die Zeit zu Hilfe nehmen, dasjenige, was vergangen ist, noch wirksam zu denken in seinem Gegenwärtigen, das ist es, worauf es ankommt. Und indem wir dann das Leben weiterentwickeln in der Zeit (blau, rechts), wandeln wir wiederum zurück, was leiblich-physisch ist, und wir kommen allmählich dazu, wiederum umzuwandeln das Leiblich-Physische in das Geistig-Seelische (rot, rechts). Indem wir physische Menschen geworden sind, hat sich in der Tat das GeistigSeelische in das Physisch-Leibliche verwandelt, und wir verwandeln das Physisch-Leibliche wiederum in das Geistig-Seelische zurück. Sie werden sagen: Ja, da liegt aber doch eine Schwierigkeit vor! — Man würde schon verstehen, wie sich das Physisch-Leibliche wiederum zurückverwandelt in das Geistig-Seelische, wenn das so allmählich geschähe, wenn man sehen würde, daß der Mensch, sagen wir, vielleicht mit seinem fünfunddreißigsten Jahre ganz physisch geworden ist, dann aber anfangen würde, nach und nach wiederum geistig zu werden, und wenn er am Ende seines Lebens eben schon so geistig geworden wäre, daß der Tod nur ein allmählicher Übergang in das Geistig-Seelische wäre. Innerlich ist das auch der Fall, nur äußerlich nicht — der Schein trügt dabei. Es ist so, daß wir eigentlich in der absteigenden Lebenshälfte - die etwas älteren Leute, die hier sitzen, mögen mir diese Wahrheit nicht gar zu übel anrechnen —, indem wir älter werden, schon unseren Leib als etwas mitschleppen, was nicht mehr ganz zu uns gehört. Wir werden langsam Leichnam, und der Tod besteht eigentlich nur darin, daß uns dieser Leichnam zu schwer wird, daß die Schwerkraft zu stark wird, wenn wir mit unserer Seele am Morgen beim Aufwachen immer wiederum in diesen Leib zurückkommen. Man kann nur nicht sehen, wenn man die Sinne auf den äußeren Schein richtet, welche Veränderungen eigentlich mit dem Menschen vor sich gehen, und wie das Leben dieser zweiten Lebenshälfte schon ein langsames Sterben ist.

[ 9 ] Thus, the human being is transformed into a physical being; but this physical being is only the outer form of a spiritual one. We see the child, which at first has, I might say, undifferentiated features, and how the human form develops more and more from within it. And we are wrong when we say: There is something inside the child that is developing outward. We are right when we turn our gaze away from the child and back to what was active before birth, before conception, and what is still having an effect now, what is now manifesting its influence. In what we observe in the child from day to day, week to week, and year to year, we see the influence of a past that the human being has undergone spiritually and psychologically before birth or before conception. We are only doing the right thing when we view the child in such a way that we say: “Here is the child’s constitution.” We see how the child develops certain characteristics. We do not seek these within the child, where they, so to speak, radiate outward, but rather we seek them in the child’s past, from which these rays continue to influence the present. — The fact that people are unwilling to do this is the great misfortune of the modern worldview. To draw upon time—to think of what has passed as still active in the present—that is what matters. And as we then continue to develop life within time (blue, right), we in turn transform back what is physical-bodily, and we gradually come to transform the physical-bodily back into the spiritual-soul (red, right). By becoming physical human beings, the spiritual-soul aspect has indeed been transformed into the physical-bodily, and we are transforming the physical-bodily back into the spiritual-soul aspect. You will say: Yes, but there is a difficulty here! — One could understand how the physical-bodily is transformed back into the spiritual-soul-related if this were to happen gradually, if one could see that a person, let’s say, perhaps by the age of thirty-five had become entirely physical, but then began, little by little, to become spiritual again, and if by the end of his life he had become so spiritual that death would be nothing more than a gradual transition into the spiritual-soul realm. Internally, this is indeed the case, but not externally—appearances are deceptive here. The fact is that in the second half of life—the somewhat older people sitting here may not hold this truth against me too harshly—as we grow older, we are already dragging our body along as something that no longer belongs entirely to us. We are slowly becoming a corpse, and death actually consists only in this corpse becoming too heavy for us, in gravity becoming too strong, as we return with our soul to this body again and again each morning upon waking. But if one focuses one’s senses on outward appearances, one simply cannot see what changes are actually taking place within a person, and how life in this second half of life is already a slow dying.

[ 10 ] Es handelt sich nicht darum, daß wir das Geistig-Seelische auf der einen Seite annehmen, das Physisch-Leibliche auf der anderen, sondern daß wir verstehen lernen, wie sich, wenn wir den Zeitbegriff zu Hilfe nehmen, das Geistig-Seelische in das Physisch-Leibliche verwandelt, und das Physisch-Leibliche sich wiederum zurückverwandelt in das Geistig-Seelische. Dies hängt, trotzdem es sozusagen nur äußerlich den Verlauf der Menschenentwickelung ausdrückt, mit zwei bedeutsamen Eigenschaften des Menschen zusammen. Wodurch können wir uns aus einem Geistig-Seelischen allmählich in ein Physisch-Leibliches metamorphosieren, daß wir das Physisch-Leibliche werden, daß wir eins werden mit dem Physisch-Leiblichen? Dieses kann der Mensch erfassen, wenn er verstehen lernt, was die moralische Qualität der Liebe ist. Und eine wichtige, eine prinzipielle Wahrheit ist diese: Der Mensch geht in die physische Welt durch Liebe herein, durch das Sich-Ausgießen in das Physisch-Leibliche. Und wodurch geht er wieder hinaus? Er nimmt sich aus der physisch-leiblichen Metamorphose wieder zurück, er verwandelt sich zurück, und keine andere Kraft gibt ihm diese Möglichkeit des Zurückverwandelns als die Freiheit. So daß wir sagen: Daß wir uns weiterentwickeln, durch den Tod gehen, geschieht gerade durch die Freiheit. Wir werden geboren durch die kosmische Liebe, wir gehen durch das Tor des Todes in die geistig-seelische Welt ein durch die Kraft der Freiheit, die wir in uns haben. Und entwickeln wir Liebe in der Welt, so ist diese Liebe im Grunde genommen der Nachklang, das Nachtönen unserer geistig-seelischen Wesenheit, wie wir sie gehabt haben vor unserer Geburt, oder sagen wir vor unserer Empfängnis. Und entwickeln wir Freiheit im Dasein zwischen Geburt und Tod, so entwickeln wir geistig-seelisch in uns wie prophetisch vorher als Kraft dasjenige, was unsere wichtigste Kraft ist, wenn wir den Leib durch den Tod verlassen haben werden.

[ 10 ] The point is not that we accept the spiritual-soul aspect on the one hand and the physical-bodily aspect on the other, but that we learn to understand how, when we make use of the concept of time, the spiritual-soul aspect transforms into the physical-bodily aspect, and the physical-bodily aspect in turn transforms back into the spiritual-soul aspect. Although this, so to speak, merely expresses the outward course of human development, it is connected with two significant characteristics of the human being. How can we gradually metamorphose from a spiritual-soul aspect into a physical-bodily aspect, so that we become the physical-bodily aspect, so that we become one with the physical-bodily aspect? Human beings can grasp this when they learn to understand what the moral quality of love is. And this is an important, fundamental truth: Human beings enter the physical world through love, through pouring themselves out into the physical-bodily realm. And how do they leave it again? They withdraw from the physical-bodily metamorphosis, they transform themselves back, and no other force gives them this possibility of transforming back than freedom. So that we say: Our continued development, our passing through death, happens precisely through freedom. We are born through cosmic love; we enter the spiritual-soul world through the gate of death by the power of freedom that we possess within ourselves. And when we develop love in the world, this love is, in essence, the echo, the reverberation of our spiritual-soul being as we possessed it before our birth—or, let us say, before our conception. And when we develop freedom in our existence between birth and death, we develop within ourselves—as if prophetically in advance—that which is our most important spiritual-soul force once we have left the body through death.

[ 11 ] Was heißt im Grunde genommen, kosmisch gefaßt, ein freies Wesen sein? Ein freies Wesen sein, sich zurückverwandeln können aus dem Physisch-Leiblichen in das Geistig-Seelische, heißt im Grunde genommen, sterben können; während Liebe heißt, sich verwandeln können aus dem Geistig-Seelischen in Physisch-Leibliches. Lieben können heißt leben können, kosmisch gefaßt.

[ 11 ] What does it essentially mean, in a cosmic sense, to be a free being? To be a free being—to be able to transform oneself back from the physical-bodily realm into the spiritual-soul realm—essentially means to be able to die; whereas love means being able to transform oneself from the spiritual-soul realm into the physical-bodily realm. To be able to love means to be able to live, in a cosmic sense.

[ 12 ] Sie sehen hier, wie Vorgänge, die zweifellos auch ganz natürlich gefaßt werden können, das Geborenwerden und das Sich-Entkörpern des Menschen, Geburt und Tod, die die äußere Naturwissenschaft nur als Naturvorgänge auffaßt, als Erscheinungen, als Offenbarungen von Liebe und Freiheit gefaßt werden können. Und indem wir in uns aus unserem Willen heraus entwickeln die Liebe, geistig-seelisch, was tun wir denn da eigentlich? Da bilden wir ein geistig-seelisches Nachbild in uns, innerhalb unserer Haut, von dem, was unser ganzes Wesen ausmachte, bevor wir empfangen worden sind. Wir leben vor unserer Empfängnis im Kosmos durch die Kraft der Liebe. Und gewissermaßen wie eine gefühlsmäßig-willensmäßige Erinnerung an dieses kosmische Leben ist die Entfaltung der Liebe als einer moralischen Tugend während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod. Wie eine Verfeinerung im Mikrokosmischen dessen, was ausgebreitet ist makrokosmisch vor unserer Geburt, erscheint uns die Tugend der Liebe, und das Bewußtsein unserer Freiheit erscheint uns dadurch, daß wir geistig-seelisch während unseres Lebens zwischen Geburt und Tod dasjenige in uns tragen, was wie ein Naturkraftwirken ganz im Kosmos wirken wird, wenn wir die Pforte des Todes durchschritten haben. Wir erleben Liebe und Freiheit zwischen Geburt und Tod. Sie sind nichts anderes als die menschlichen Widerklänge von kosmischen Kräften, denn mit aller Geburt hängt die kosmische Liebe zusammen, mit allem Sterben hängt die kosmische Freiheit zusammen. Wir reden, seitdem die Naturwissenschaften ihre 'Triumphe gefeiert haben, von allerlei Naturkräften, Licht, Wärme, Elektrizität und so weiter; wir reden aber nicht von denjenigen Naturkräften, oder besser gesagt Weltkräften, welche uns Menschen ins physisch-sinnliche Dasein führen und wiederum aus diesem physisch-sinnlichen Dasein herausführen. Denn die Sache liegt so: Nehmen Sie sich einmal die physikalisch-chemischen, die biologischen Wissenschaften, und nehmen Sie alles dasjenige, was Ihnen da geschildert wird an Kräften, welche die Welt konstituieren. Aus diesen Kräften, welche die Welt konstituieren, werden Sie verstehen können alles, was nicht Mensch ist auf der Welt, niemals aber den Menschen. Denn damit der Mensch da sein kann, muß außer dem, daß in der Welt Elektrizität, Licht, Wärme und so weiter wirkt, da sein Freiheit und Liebe. Man kommt, wenn man sich einer solchen Betrachtungsweise hingibt, indem man wirklich den Menschen begreifen lernt, zu Begriffen über das Naturwesen, die zu gleicher Zeit moralische Begriffe und Naturbegriffe sind, und es schwebt nicht auf der einen Seite ohne Zusammenhang mit der Natur die moralische Weltordnung, und auf der anderen Seite ohne Zusammenhang mit der Moralität die Naturordnung.

[ 12 ] Here you can see how processes—such as human birth and the shedding of the physical body, birth and death—which can undoubtedly also be understood in purely natural terms, and which external natural science regards solely as natural processes, can be understood as phenomena, as manifestations of love and freedom. And as we develop love within ourselves—spiritually and soulfully—out of our own will, what are we actually doing? We are forming a spiritual-soul image within ourselves, within our skin, of what constituted our entire being before we were conceived. Before our conception, we live in the cosmos through the power of love. And in a sense, the unfolding of love as a moral virtue during our life between birth and death is like an emotional and volitional memory of this cosmic life. The virtue of love appears to us as a microcosmic refinement of what is spread out macrocosmically before our birth, and our awareness of freedom arises from the fact that, spiritually and emotionally, during our life between birth and death, we carry within us that which—like a natural force—will act entirely within the cosmos once we have passed through the gate of death. We experience love and freedom between birth and death. They are nothing other than the human echoes of cosmic forces, for cosmic love is connected to every birth, and cosmic freedom is connected to every death. Ever since the natural sciences have celebrated their “triumphs,” we have spoken of all manner of natural forces—light, heat, electricity, and so on; but we do not speak of those forces of nature—or rather, cosmic forces—that lead us humans into physical-sensory existence and, in turn, lead us out of this physical-sensory existence. For the matter is this: Consider the physical-chemical and biological sciences, and take all the forces described to you there as constituting the world. From these forces that constitute the world, you will be able to understand everything in the world that is not human, but never the human being. For in order for the human being to exist, in addition to the fact that electricity, light, heat, and so on are at work in the world, there must also be freedom and love. When one adopts such a perspective—by truly learning to understand human beings—one arrives at concepts of the natural world that are at once moral and natural concepts; and the moral world order does not float on one side without connection to nature, nor does the natural order float on the other side without connection to morality.

[ 13 ] Es ist im Weltengange der Menschheit nun etwas geschehen, was allerdings eine tiefe innere Gesetzmäßigkeit hat, was aber in einer gewissen Weise doch im Laufe der künftigen Erdenentwickelung von der Menschheit überwunden werden muß, wenn diese Menschheit nicht in den Niedergang verfallen will. Die Menschheit der Erdenentwickelung ist ausgegangen von derjenigen Art von Geistesentwickelung, die sich im Orient entwickelt hat, die im Orient ihre Blüten getrieben hat, die, wie wir ja wissen, in ältesten Zeiten, in der nachatlantischen Zeit, höher noch war, als später in den Dichtungen der Veden oder in der Vedantaphilosophie zum Vorschein gekommen ist. Aber es war dies eine Anschauung, die im wesentlichen nur auf dasjenige hingezielt hat, was moralisch-geistige Weltordnung ist. Diese moralisch-geistige Weltordnung war groß und glänzend in gewissen vergangenen Zeitaltern der Menschheitsentwickelung, aber sie ist gerade im Orient in die Dekadenz gekommen. Sie konnte nicht eine Naturordnung aus sich heraustreiben.

[ 13 ] Something has now occurred in the course of human history that, while it certainly has a profound inner logic, must nevertheless be overcome by humanity in the course of future earthly development, if humanity is not to fall into decline. Humanity, in the course of Earth’s evolution, originated from the kind of spiritual development that arose in the East, that reached its peak in the East, and that—as we know—was, in the most ancient times, during the post-Atlantean era, even higher than what later emerged in the Vedic literature or in Vedanta philosophy. But this was a worldview that essentially aimed only at what constitutes the moral-spiritual world order. This moral-spiritual world order was grand and resplendent in certain past ages of human development, but it has fallen into decadence, particularly in the East. It was unable to give rise to a natural order from within itself.

[ 14 ] In der neueren Zeit ist im Westen aufgegangen die Anschauung von der natürlichen Ordnung der Welt. Die ist, wie sie zunächst im Westen aufgegangen ist, so, daß sie die Welt nur aus den Kräften heraus begreift, welche in der äußeren Natur auf sinnesgemäße Art zu beobachten sind. Sie kann nicht zu einer moralischen Weltordnung kommen. Das ist ja — wir haben das schon von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachtet — der ungeheure Gegensatz des Ostens mit dem Westen, daß im Osten die Menschheit veranlagt war für ein einseitiges Begreifen des Geistig-Seelischen, im Westen zunächst die Menschheit hintendiert auf ein einseitiges Begreifen des Physisch-Leiblichen. Das überträgt sich dann auf alle übrigen menschlichen Anschauungen. Man beachtet ja gewöhnlich gar nicht, wie radikal verschieden die Begriffe der Menschen über die Erde hin sind. Dasjenige, was der richtige Westländer in die Betrachtung hereinbekommt, wenn er vom Menschen spricht, das ist ja etwas, was dem Ostländer ganz fern liegt. Wenn der Ostländer vom Menschen spricht, dann redet er eigentlich von etwas, was auf der Erde selber im Grunde genommen gar nicht ist. Der Ostländer richtet ganz und gar den Seelenblick auf das hin, was im Grunde genommen von der Erde gar nicht berührt wird. Würde man die Urzustände orientalischer Weltanschauung haben, so würde man ja alle Geburten, alles, was die Menschheitsentwickelung regelt, so haben, daß eigentlich auf dasjenige, was physisch-sinnliches Dasein ist, keineRücksicht genommen wäre. Der Mensch ist da ganz als geistig-seelisches Wesen und entwickelt auch keinen rechten Sinn für das physisch-sinnliche Dasein. Das hat einen bedeutsamen Einfluß auf alles, was der Orientale denken kann. Heute ist es in der Dekadenz; aber in alten Zeiten war ganz ausgesprochen vorhanden, was der Orientale denken kann in bezug auf den Menschen als soziales Wesen.

[ 14 ] In more recent times, the concept of the natural order of the world has emerged in the West. As it first emerged in the West, this concept understands the world solely in terms of the forces that can be observed in external nature through the senses. It cannot arrive at a moral world order. This is, after all—as we have already considered from various perspectives—the immense contrast between the East and the West: in the East, humanity was predisposed toward a one-sided understanding of the spiritual and soul-related, while in the West, humanity initially tended toward a one-sided understanding of the physical and corporeal. This then carries over into all other human perspectives. People usually do not even notice how radically different people’s concepts of the Earth are. What the true Westerner brings into his consideration when he speaks of the human being is something that is quite foreign to the Easterner. When the Easterner speaks of the human being, he is actually speaking of something that, in essence, does not even exist on Earth itself. The Eastern person directs the gaze of the soul entirely toward that which, in essence, is not touched by the Earth at all. If one were to have the primordial states of the Eastern worldview, one would view all births—everything that governs human development—in such a way that no account would actually be taken of what constitutes physical-sensory existence. There, the human being is entirely a spiritual-soul being and does not develop a true sense for physical-sensory existence. This has a significant influence on everything the Eastern person is capable of thinking. Today it is in a state of decline; but in ancient times, what the Eastern person is capable of thinking with regard to the human being as a social being was quite distinctly present.

[ 15 ] Und was denkt der Westländer? Nehmen wir einmal die hervorragendsten, gerade sozialen Denker des Westens, zum Beispiel Adam Smith. Geradeso wie die Naturwissenschaft des Westens ja den Menschen gar nicht hat — sie hat nur das Außermenschliche —, so hat auch die Sozialwissenschaft des Westens nicht den Menschen. Denn studieren Sie einmal Adam Smith: Er redet in seiner Nationalökonomie überhaupt gar nicht vom Menschen, sondern er redet von einem gewissen Erdenstück und von dem, was darauf wächst und darauf steht, und dann redet er noch von einem Automaten, den er säen läßt, ernten läßt und so weiter. Da ist ein Stück Erde, da ist ein Automat (es wird gezeichnet), der nur aus seinem Automatismus heraus frei muß schalten können über dieses Erdenstück. Da muß alles von diesem Automaten dann in der richtigen Weise mit diesem Erdenstück geschehen. Von diesen zweien redet eigentlich Adam Smith, und er nennt die hauptsächlichsten Eigenschaften dessen, was da als Automat ist, die wirtschaftliche Freiheit, und er nennt dasjenige, was da ein Stück Erde ist, das Privateigentum. Und das ist eigentlich die Urzelle seines sozialen Wesens, ein Stück Privateigentum mit einem wirtschaftenden Automaten, der von den anderen Automaten, die auf anderen Stücken Privateigentum stehen, unabhängig ist. Die Begriffe, die Adam Smith hat, handeln nur von der bearbeiteten Erde, vom Privateigentum und von einem solchen wirtschaftlichen Automaten mit wirtschaftlicher Freiheit. Das sind seine wirklichen Begriffe. Begegnet er einem Menschen, so sieht er ihn nicht als Mensch an, sondern er sagt sich: Das repräsentiert ein Stück Privateigentum und einen wirtschaftlichen Automaten, und das ist nur so gestaltet, daß es oben einen Kopf hat, und in der Mitte einen Rumpf und dann noch Gliedmaßen, und zu alldem gehört ja auch noch so ein Gespenst. — Aber darüber denkt man nicht nach; davon hat man keinen Begriff. Das erscheint nur so auf dem Privateigentum. Und indem sich der wirtschaftende Automat betätigt, nimmt er äußerlich die Gestalt eines kopfbegabten, rumpfbegabten und gliedmaßenbegabten Gespenstes an. Nirgends finden Sie, wenn Sie Adam Smith betrachten, irgendeinen Begriff von einem Menschen. Versuchen Sie es einmal! Sie finden eine Zusammenstellung von Privateigentum mit einem wirtschaftenden Automaten, aber Sie finden nicht einen Begriff vom Menschen. Sie finden gewissermaßen das, was um den Menschen herum ist, aber nicht den Menschen. Dabei ist das Charakteristische, daß von der Freiheit so ein letzter Schatten vorhanden ist, den man dann auf den wirtschaftenden Automaten überträgt. Man redet nicht von der menschlichen Freiheit, man redet nicht von dem, was, aus der moralischen Phantasie heraus sich erfüllend mit geistigem Inhalt, den Menschen als Vollmenschen ausfüllt — denn dann müßte man so reden, wie ich in meiner «Philosophie der Freiheit» geredet habe —, sondern man redet von einem Zusammenhang zwischen Privateigentum und einem wirtschaftenden Automaten. Wir haben auf der einen Seite, was von der Weisheit des Ostens zurückgeblieben ist, die Unfähigkeit, vom menschlichen seelisch-geistigen Wesen herauszukommen in die physische Welt. Wir haben von den Westländern die Fähigkeit, zu sehen: Ja, da ist etwas Reales in der Welt, denn es hat irgend etwas in der Welt und das automatisiert darauf; seine Lordschaft hat große Güter, seine Lordschaft hat äußere Kräfte, durch die diese Güter bewirtschaftet und bejagt werden. Da sieht man, daß seine Lordschaft da etwas hat. Aber das, was da herumwandelt, das ist eigentlich bloß ein menschliches Gespenst.

[ 15 ] And what do Westerners think? Let’s take the most outstanding social thinkers of the West, for example, Adam Smith. Just as Western natural science does not deal with human beings at all—it deals only with what is outside of humanity—so, too, Western social science does not deal with human beings. For just study Adam Smith: In his Wealth of Nations, he does not speak of human beings at all, but rather of a certain piece of land and of what grows on it and stands upon it; and then he speaks of an automaton that he causes to sow, to harvest, and so on. There is a piece of land, there is an automaton (it is depicted), which, solely by virtue of its automatism, must be able to act freely upon this piece of land. Everything must then be carried out by this automaton in the proper manner with regard to this piece of land. Adam Smith is actually speaking of these two, and he calls the principal characteristics of what functions as an automaton “economic freedom,” and he calls what constitutes a piece of land “private property.” And that is, in fact, the fundamental unit of his social being: a piece of private property with an economic automaton that is independent of the other automatons situated on other pieces of private property. The concepts Adam Smith employs deal solely with cultivated land, private property, and such an economic automaton endowed with economic freedom. These are his true concepts. When he encounters a human being, he does not regard him as a human being, but says to himself: This represents a piece of private property and an economic automaton, and it is merely shaped in such a way that it has a head on top, a torso in the middle, and limbs, and to all of that, of course, a ghost is also attached. — But one does not think about that; one has no concept of it. It merely appears that way on the surface of private property. And as the economic automaton goes about its business, it outwardly takes on the form of a phantom endowed with a head, a torso, and limbs. Nowhere, if you examine Adam Smith, will you find any concept of a human being. Try it for yourself! You’ll find a combination of private property and an economic automaton, but you won’t find a concept of the human being. You’ll find, so to speak, what surrounds the human being, but not the human being itself. What is characteristic here is that there remains a faint shadow of freedom, which is then projected onto the economic automaton. One does not speak of human freedom; one does not speak of that which, arising from the moral imagination and filled with spiritual content, fulfills the human being as a complete human being—for then one would have to speak as I did in my Philosophy of Freedom—but rather one speaks of a connection between private property and an economic automaton. On the one hand, we have what remains of the wisdom of the East: the inability to move from the human soul-spiritual being into the physical world. From the Western countries, we have the ability to see: Yes, there is something real in the world, for there is something in the world that operates automatically; His Lordship has vast estates, His Lordship has external forces through which these estates are managed and hunted. There one sees that His Lordship has something there. But what wanders about there is actually nothing more than a human specter.

[ 16 ] Sie sehen, was gesucht werden muß: gesucht werden muß der Mensch als solcher. Man muß in seine Seelenverfassung hereinbekommen eine lebendige Anschauung von dem Menschen als solchem. Wir haben eine westliche Naturwissenschaft, die hat die Tierreihe. Da haben wir zuerst einfache Tiere, dann immer kompliziertere Tiere, die letzten komplizierten gehen auf vier Beinen, dann richten sie sich auch einmal auf, werden senkrecht statt waagerecht — nun, da ist dann ein höchstes Tier, das nennt man Mensch. Man hat eigentlich nur die Tierreihe, und der Mensch ist eben das höchste Glied in der Tierreihe. Also man betrachtet nicht den Menschen von seiten der Naturwissenschaft. Aber auch nicht von seiten der Sozialwissenschaft, denn da betrachtet man dasjenige, was der als Privateigentum an sich hat, und dasjenige, was der wirtschaftende Automat ist. Der Mensch fällt aus der sozialen Betrachtung, der sozialen Naturbetrachtung heraus. Das Eigentümliche der modernen Menschheit ist ja, daß sie gar nicht bemerkt, daß gar nichts Menschliches da ist. Es ist gar nichts Menschliches da. Daher entsteht ein gewisses Bedürfnis. Denken Sie sich doch einmal, die Menschen leben im äußeren sozialen Leben. Nehmen wir an, sie leben so, wie Adam Smith sie betrachtet, denn daß er diese Anschauung geäußert hat, rührt ja nur davon her, weil er eben dasjenige gesagt hat, wonach das Denken zahlreicher Menschen tendiert. Denken Sie sich, die Menschen schauen sich nun als Westländer ihr soziales Dasein an: sie sind ja gar nicht da! Privateigentum ist da und ein wirtschaftlicher Automat; die Menschen sind ja gar nicht da. Wie soll man denn aus diesem Begriff vom Menschen irgend etwas, was jenseits von Geburt und Tod liegt, herausbekommen? Das muß man sich dann schon auf Autorität hin sagen lassen. Und indem solche Begriffe immer weiter und weiter ihre Blüten getrieben haben, kam es eben so, daß mit Bezug auf das Geistige alles nach und nach unter Autorität gestellt worden ist, ja, daß die Menschen auch eine gewisse Abneigung haben, über das Geistige irgendwie zu denken. In der modernen proletarischen Wissenschaft ist das dann weiter aufgenommen worden. Nur hat die dann Ernst damit gemacht und hat gesagt: Ja, nun haben die Bourgeois über den Menschen nachgedacht, aber es ist doch gar nichts da vom Menschen; Privateigentum ist da und der wirtschaftende Automat ist da. Also reden wir nicht von diesem Firlefanz von einem besonderen Menschen, sondern reden wir bloß von wirtschaftlichen Kräften; die bringen alles hervor. Machen wir Ernst mit dieser Anschauung! Die anderen machen nicht Ernst; die ganze Woche hindurch reden sie, als wenn es bloß Privateigentum und wirtschaftliche Freiheit des Automaten gäbe, und am Sonntag lassen sie sich predigen, daß es auch eine unsterbliche Seele gibt.

[ 16 ] You see what we must seek: we must seek the human being as such. We must gain a living understanding of the human being as such by entering into the state of his soul. We have Western natural science, which has the animal kingdom. First we have simple animals, then increasingly complex ones; the most complex walk on four legs, then they eventually stand upright, becoming vertical instead of horizontal—and there, at the top, is the highest animal, which is called “human.” We really only have the animal kingdom, and the human is simply the highest link in that chain. So we do not view the human from the perspective of natural science. Nor is he viewed from the perspective of the social sciences, for there one considers what he possesses as private property in and of itself, and what he is as an economic automaton. Human beings fall outside the scope of social observation, of the social view of nature. The peculiarity of modern humanity is, after all, that it does not even notice that there is nothing human there at all. There is nothing human there at all. Hence, a certain need arises. Just imagine: people live in the external social sphere. Let’s assume they live as Adam Smith describes them, for the fact that he expressed this view stems solely from the fact that he merely articulated what the thinking of many people tends toward. Imagine that people, as Westerners, now look at their social existence: they aren’t even there! Private property is there, and an economic automaton; people aren’t even there. How is one supposed to extract anything from this concept of the human being that lies beyond birth and death? One must then simply accept this on authority. And as such concepts continued to flourish further and further, it simply came to pass that, with regard to the spiritual, everything was gradually placed under authority—indeed, that people even developed a certain aversion to thinking about the spiritual in any way. Modern proletarian science has taken this idea further. Only it took it seriously and said: Yes, the bourgeoisie have reflected on the human being, but there is really nothing there about the human being; there is private property, and there is the economic automaton. So let’s not talk about this nonsense of a distinct human being, but let’s just talk about economic forces; they produce everything. Let’s take this view seriously! The others don’t take it seriously; all week long they talk as if there were nothing but private property and the economic freedom of the automaton, and on Sunday they let themselves be preached to that there is also an immortal soul.

[ 17 ] Das ist etwas, was in aller Wachheit aufgefaßt werden muß. Denn hat man nicht den Mut, die Dinge in aller Wachheit so anzusehen, dann kommt man eben nicht vorwärts. Und es ist schon begreiflich, daß in der Gegenwart recht viele Mächte da sind, die durchaus nicht wollen, daß in diese Dinge mit einem ordentlichen Licht hineingeleuchtet wird. Denn es ist natürlich unangenehm, wenn darauf hingewiesen wird, wie Sozialwissenschaft einen Zusammenklang unter den Menschen begreifen soll, aber vom Menschen eigentlich nichts weiß, sondern lediglich von Privateigentum und von wirtschaftlicher Freiheit des wirtschaftenden Automaten.

[ 17 ] This is something that must be understood with complete clarity. For if one does not have the courage to view things with such clarity, then one simply cannot move forward. And it is quite understandable that there are quite a few forces at work today that have absolutely no desire to see these matters illuminated by a proper light. For it is naturally unpleasant when it is pointed out that while the social sciences are supposed to understand harmony among people, they actually know nothing about human beings themselves, but only about private property and the economic freedom of the economic automaton.

[ 18 ] Ich habe versucht, Ihnen zu zeigen, wie eine Betrachtungsweise ist, die nun wirklich auf lebendige Metamorphosenanschauung gebaut ist, und wie eine Betrachtungsweise geworden ist, die von solchen Metamorphosenanschauungen nichts wissen will. Wir werden morgen die tieferen Gründe zu betrachten haben, welche dazu führen, daß man dasjenige, was nun als makrokosmische Folge einer solchen Anschauung sich notwendig ergibt, heute so wenig an die Menschen herankommen lassen will. Wir werden also entwickeln morgen, was, ich möchte sagen, das makrokosmische Gegenbild ist der heute dargestellten Tatsachen und werden dann übergehen zu den menschlichen Folgen der einen und der anderen Weltanschauung.

[ 18 ] I have tried to show you what a perspective truly grounded in a living understanding of metamorphosis looks like, and how a perspective has emerged that wants nothing to do with such an understanding of metamorphosis. Tomorrow we will have to examine the deeper reasons that lead to the fact that what necessarily arises as the macrocosmic consequence of such a view is so rarely allowed to reach people today. So tomorrow we will explore what I would call the macrocosmic counterpart to the facts presented today, and then we will move on to the human consequences of both worldviews.