Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203

1 January 1921, Stuttgart

Translate the original German text into any language:

Erster Vortrag

Erster Vortrag

[ 1 ] Lassen Sie uns heute eine Betrachtung anstellen, welche sich anschließen soll an die Festeszeit, an jene Zeit, die ja in jedem Jahr wiederum erneuert die Erinnerung und das Gedenken an das Mysterium von Golgatha, auch die unmittelbare Empfindung des Mysteriums von Golgatha.

[ 1 ] Lassen Sie uns heute eine Betrachtung anstellen, welche sich anschließen soll an die Festeszeit, an jene Zeit, die ja in jedem Jahr wiederum erneuert die Erinnerung und das Gedenken an das Mysterium von Golgatha, auch die unmittelbare Empfindung des Mysteriums von Golgatha.

[ 2 ] Wir haben eigentlich drei solcher Festeszeiten innerhalb der christlichen Entwickelung: das Weihnachtsfest, das Osterfest und das Pfingstfest. Und man kann sagen, daß diese drei Feste in verschiedener Art den Menschen in ein Verhältnis bringen zu demjenigen, worin die christliche Entwickelung den Sinn des ganzen Erdengeschehens sieht. Auch in bezug auf die menschlichen Seelenkräfte unterscheiden sich diese drei Feste.

[ 2 ] Wir haben eigentlich drei solcher Festeszeiten innerhalb der christlichen Entwickelung: das Weihnachtsfest, das Osterfest und das Pfingstfest. Und man kann sagen, daß diese drei Feste in verschiedener Art den Menschen in ein Verhältnis bringen zu demjenigen, worin die christliche Entwickelung den Sinn des ganzen Erdengeschehens sieht. Auch in bezug auf die menschlichen Seelenkräfte unterscheiden sich diese drei Feste.

[ 3 ] Das Weihnachtsfest knüpft mehr an die Empfindung an. Es ist auch dasjenige Fest, welches in gewissem Sinne das populärste ist, weil sein Verständnis eben die Vertiefung der Empfindung, die Vertiefung des Gefühls fordert, und weil es dasjenige ist, was dem Menschen im weitesten Umkreis zugänglich ist.

[ 3 ] Das Weihnachtsfest knüpft mehr an die Empfindung an. Es ist auch dasjenige Fest, welches in gewissem Sinne das populärste ist, weil sein Verständnis eben die Vertiefung der Empfindung, die Vertiefung des Gefühls fordert, und weil es dasjenige ist, was dem Menschen im weitesten Umkreis zugänglich ist.

[ 4 ] Das Osterfest, das notwendig macht, daß der Mensch sich aufschwingt zu einem Verständnis des eigentlichen Mysteriums von Golgatha, des Hereindringens einer übersinnlichen Wesenheit in die menschheitliche Entwickelung, es stellt die größten Anforderungen an das menschliche Verstehen. Es ist ein Fest, das gewissermaßen das menschliche Verstehen auf das höchste Niveau hinauf erhebt, das ja natürlich auch allgemein begangen wird, aber nicht in derselben Weise populär sein kann wie das Weihnachtsfest.

[ 4 ] Das Osterfest, das notwendig macht, daß der Mensch sich aufschwingt zu einem Verständnis des eigentlichen Mysteriums von Golgatha, des Hereindringens einer übersinnlichen Wesenheit in die menschheitliche Entwickelung, es stellt die größten Anforderungen an das menschliche Verstehen. Es ist ein Fest, das gewissermaßen das menschliche Verstehen auf das höchste Niveau hinauf erhebt, das ja natürlich auch allgemein begangen wird, aber nicht in derselben Weise populär sein kann wie das Weihnachtsfest.

[ 5 ] Das dritte Fest, das Pfingstfest, stellt besonders ein Verhältnis her zwischen dem menschlichen Willen und der übersinnlichen Welt, der Welt namentlich, welcher das Christus-Wesen als solches angehört. Die Überleitung von Willensimpulsen, die dann wiederum auf die Welt übertragen werden, sie wird ja dem Menschen zum Bewußtsein gebracht durch den rechten Sinn des Pfingstfestes.

[ 5 ] Das dritte Fest, das Pfingstfest, stellt besonders ein Verhältnis her zwischen dem menschlichen Willen und der übersinnlichen Welt, der Welt namentlich, welcher das Christus-Wesen als solches angehört. Die Überleitung von Willensimpulsen, die dann wiederum auf die Welt übertragen werden, sie wird ja dem Menschen zum Bewußtsein gebracht durch den rechten Sinn des Pfingstfestes.

[ 6 ] So wird in dreifacher Weise dasjenige, was man das christliche Geheimnis nennen könnte, anschaulich gemacht durch diese jährlichen Festeszeiten. Wie das Weihnachtsmysterium an den Menschen herantritt, das kann man sich in der verschiedensten Weise vor das Bewußtsein stellen, und wir haben ja im Laufe der Jahre den Weihnachtsgedanken von den verschiedensten Gesichtspunkten aus gerade gelegentlich der Weihnachtsfeste ins Auge gefaßt.

[ 6 ] So wird in dreifacher Weise dasjenige, was man das christliche Geheimnis nennen könnte, anschaulich gemacht durch diese jährlichen Festeszeiten. Wie das Weihnachtsmysterium an den Menschen herantritt, das kann man sich in der verschiedensten Weise vor das Bewußtsein stellen, und wir haben ja im Laufe der Jahre den Weihnachtsgedanken von den verschiedensten Gesichtspunkten aus gerade gelegentlich der Weihnachtsfeste ins Auge gefaßt.

[ 7 ] Diesmal wollen wir erinnern an etwas, was jedem klar werden kann, der das Weihnachtsmysterium von seiten der Evangelien aus betrachtet. In den Evangelien wird uns eine zwiefache Verkündigung der Geburt des Christus Jesus dargestellt. Die eine Verkündigung ist diejenige, welche ergeht an die armen Hirten auf dem Felde draußen, denen — man nenne es nun im Traume oder irgendwie — ein Engel verkündet die Geburt des Christus Jesus. Wir haben es da zu tun mit dem Gewahrwerden dieses Ereignisses durch die inneren Seelenkräfte, die in einer besonderen Verfassung sind bei diesen Hirten aus der Umgebung des Geburtsortes des Christus Jesus. Und es wird uns eine zweite Verkündigung dargestellt in den Evangelien: diejenige, welche ergeht an die drei Könige oder die drei Magier aus dem Morgenlande. Sie folgen — so wird uns gesagt — der Sprache eines Sternes, die ihnen verkündigt, daß der Christus Jesus in die Welt gekommen ist.

[ 7 ] Diesmal wollen wir erinnern an etwas, was jedem klar werden kann, der das Weihnachtsmysterium von seiten der Evangelien aus betrachtet. In den Evangelien wird uns eine zwiefache Verkündigung der Geburt des Christus Jesus dargestellt. Die eine Verkündigung ist diejenige, welche ergeht an die armen Hirten auf dem Felde draußen, denen — man nenne es nun im Traume oder irgendwie — ein Engel verkündet die Geburt des Christus Jesus. Wir haben es da zu tun mit dem Gewahrwerden dieses Ereignisses durch die inneren Seelenkräfte, die in einer besonderen Verfassung sind bei diesen Hirten aus der Umgebung des Geburtsortes des Christus Jesus. Und es wird uns eine zweite Verkündigung dargestellt in den Evangelien: diejenige, welche ergeht an die drei Könige oder die drei Magier aus dem Morgenlande. Sie folgen — so wird uns gesagt — der Sprache eines Sternes, die ihnen verkündigt, daß der Christus Jesus in die Welt gekommen ist.

[ 8 ] Wir werden da verwiesen auf zwei Arten, wie eine frühere Menschheit zu ihren höheren Erkenntnissen kam. Es handelt sich auch da um etwas, was in der Gegenwart eigentlich niemals mehr in der richtigen Weise angeschaut wird. In der Gegenwart stellt man sich vielfach vor, daß die Menschen nun einmal eine Wahrnehmung, ein Denken haben, und daß diese Wahrnehmung, dieses Denken, kurz, die Entfaltung der inneren Seelenkräfte, im Grunde genommen durch alle Jahrhunderte und Jahrtausende, wenn sie auch in früheren Zeiten primitiver waren, so doch im wesentlichen so waren, wie sie heute sind. Wir wissen aus unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft, wie die Seelenverfassung der Menschen sich im Laufe der Zeiten geändert hat, wie in alten Zeiten, etwa im 7., 8. Jahrtausend der nachatlantischen Zeit oder früher, die Menschheit in einer ganz anderen Weise sowohl das eigene Leben wie auch das Wesen der Umwelt angesehen hat, und wie sich dann diese Seelenverfassung immer wieder gewandelt hat, wie sie dann diejenige geworden ist, die wir als die verstandesmäßige Zergliederung der Welt in der Gegenwart kennen und als die rein sinnliche Auffassung, die wir auch in der Gegenwart in den äußeren Dingen haben. Diese Entwickelung geht von einem gewissen älteren, instinktiven Hellsehen durch unsere gegenwärtige Seelenverfassung, um in der Zukunft sich wiederum zurückzuwenden zu einer Art Hellsichtigkeit, zu einem Schauen der Welt, das aber dann durchsetzt sein soll von der vollen Bewufßstheit der Menschheit.

[ 8 ] Wir werden da verwiesen auf zwei Arten, wie eine frühere Menschheit zu ihren höheren Erkenntnissen kam. Es handelt sich auch da um etwas, was in der Gegenwart eigentlich niemals mehr in der richtigen Weise angeschaut wird. In der Gegenwart stellt man sich vielfach vor, daß die Menschen nun einmal eine Wahrnehmung, ein Denken haben, und daß diese Wahrnehmung, dieses Denken, kurz, die Entfaltung der inneren Seelenkräfte, im Grunde genommen durch alle Jahrhunderte und Jahrtausende, wenn sie auch in früheren Zeiten primitiver waren, so doch im wesentlichen so waren, wie sie heute sind. Wir wissen aus unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft, wie die Seelenverfassung der Menschen sich im Laufe der Zeiten geändert hat, wie in alten Zeiten, etwa im 7., 8. Jahrtausend der nachatlantischen Zeit oder früher, die Menschheit in einer ganz anderen Weise sowohl das eigene Leben wie auch das Wesen der Umwelt angesehen hat, und wie sich dann diese Seelenverfassung immer wieder gewandelt hat, wie sie dann diejenige geworden ist, die wir als die verstandesmäßige Zergliederung der Welt in der Gegenwart kennen und als die rein sinnliche Auffassung, die wir auch in der Gegenwart in den äußeren Dingen haben. Diese Entwickelung geht von einem gewissen älteren, instinktiven Hellsehen durch unsere gegenwärtige Seelenverfassung, um in der Zukunft sich wiederum zurückzuwenden zu einer Art Hellsichtigkeit, zu einem Schauen der Welt, das aber dann durchsetzt sein soll von der vollen Bewufßstheit der Menschheit.

[ 9 ] Zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha sich auf der Erde ereignete, war das alte Hellsehen, das ein instinktives war, zum großen Teil schon, wenn ich so sagen darf, abgelähmt. Die Menschen hatten zwar eine andere Seelenverfassung, als die heutige ist, aber sie hatten auch nicht mehr das alte Hellsehen; sie hatten auch nicht mehr die alten Formen, durch allerlei Weisheit die Welt sich genauer zu zergliedern. Sowohl die alten Weisheitslehren wie auch das alte instinktive Hellsehen waren abgeglommen, als das Mysterium von Golgatha an die Menschheit herankam. Aber Reste davon waren noch vorhanden, und wir werden gerade durch die Evangelien deutlich darauf hingewiesen, wenn wir sie richtig verstehen, daß solche Reste vorhanden waren. Bei einzelnen auserlesenen Persönlichkeiten waren solche Reste vorhanden. Solche auserlesenen Persönlichkeiten können nun sowohl gewesen sein die armen Hirten auf dem Felde, die aus ihrem frommen Herzen heraus eine gewisse hellsichtige Kraft, die wie traumhaft über sie gekommen ist, besessen haben; es können auch gewesen sein solche Persönlichkeiten, die uns auf der Spitze der sozialen Stufenleiter vorgeführt werden, wie die drei Magier aus dem Morgenlande, welche aus alten Zeiten die Fähigkeit bewahrt haben, durch eine gewisse Weisheitslehre hineinzuschauen in den Gang der Weltenereignisse. Und so konnten die armen Hirten in einer Art traumhaften Erlebens, in einer Art innerlicher Wahrnehmung dasjenige an sich herankommen sehen, was in dem Ereignis der Geburt des Christus Jesus sich vollzog. Auf der anderen Seite konnten die drei Magier aus dem Morgenlande eine solche Wissenschaft entwickeln, daß sie aus der Verfolgung der Weltenerscheinungen, der Erscheinungen am Himmel, dasjenige sich zu vergegenwärtigen vermochten, was über den gewöhnlichen Gang des Lebens hinausliegend Bedeutungsvolles auf der Erde geschah.

[ 9 ] Zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha sich auf der Erde ereignete, war das alte Hellsehen, das ein instinktives war, zum großen Teil schon, wenn ich so sagen darf, abgelähmt. Die Menschen hatten zwar eine andere Seelenverfassung, als die heutige ist, aber sie hatten auch nicht mehr das alte Hellsehen; sie hatten auch nicht mehr die alten Formen, durch allerlei Weisheit die Welt sich genauer zu zergliedern. Sowohl die alten Weisheitslehren wie auch das alte instinktive Hellsehen waren abgeglommen, als das Mysterium von Golgatha an die Menschheit herankam. Aber Reste davon waren noch vorhanden, und wir werden gerade durch die Evangelien deutlich darauf hingewiesen, wenn wir sie richtig verstehen, daß solche Reste vorhanden waren. Bei einzelnen auserlesenen Persönlichkeiten waren solche Reste vorhanden. Solche auserlesenen Persönlichkeiten können nun sowohl gewesen sein die armen Hirten auf dem Felde, die aus ihrem frommen Herzen heraus eine gewisse hellsichtige Kraft, die wie traumhaft über sie gekommen ist, besessen haben; es können auch gewesen sein solche Persönlichkeiten, die uns auf der Spitze der sozialen Stufenleiter vorgeführt werden, wie die drei Magier aus dem Morgenlande, welche aus alten Zeiten die Fähigkeit bewahrt haben, durch eine gewisse Weisheitslehre hineinzuschauen in den Gang der Weltenereignisse. Und so konnten die armen Hirten in einer Art traumhaften Erlebens, in einer Art innerlicher Wahrnehmung dasjenige an sich herankommen sehen, was in dem Ereignis der Geburt des Christus Jesus sich vollzog. Auf der anderen Seite konnten die drei Magier aus dem Morgenlande eine solche Wissenschaft entwickeln, daß sie aus der Verfolgung der Weltenerscheinungen, der Erscheinungen am Himmel, dasjenige sich zu vergegenwärtigen vermochten, was über den gewöhnlichen Gang des Lebens hinausliegend Bedeutungsvolles auf der Erde geschah.

[ 10 ] Wir werden also auf zwei ganz bestimmte, aber voneinander verschiedene Erkenntnisarten verwiesen. Wenden wir uns zunächst zu demjenigen, was bei den drei Magiern aus dem Morgenlande vorhanden war als ein letzter Rest einer alten Weisheitslehre. Es wird uns ja deutlich gezeigt, wie diese Magier den Gang der Sterne enträtseln konnten. Wir werden also durch diese Darstellung verwiesen auf eine alte Sternenkunde, auf eine alte Anschauung über die Geheimnisse der Sternenwelt, in der sich auch die Geheimnisse des menschheitlichen Geschehens offenbarten. Diese alte Sternenkunde war etwas anderes als unsere Sternenkunde. Unsere Sternenkunde ist ja auch in einer gewissen Weise prophetisch; sie kann voraussagen den Gang von Sonnen- und Mondfinsternissen und ähnliches. Aber unsere Sternenkunde ist bloß mathematisch-mechanisch. Unsere Sternenkunde spricht bloß von den Verhältniissen des Raumes und der Zeit, insofern man sie mathematisch zum Ausdruck bringen kann. Dasjenige aber, was sich in bezug auf das innere Menschenleben abseits von Raum und Zeit, aber doch im Raum und in der Zeit, jedoch mit einer höheren Bedeutung abspielt, das sah eine alte Sternenkunde, eine alte Sternenweisheit aus dem Gang der Sterne heraus. Wenn wir die Wissenschaft einer älteren Menschheit uns vor das Bewußtsein bringen, so finden wir, daß diese Sternenweisheit im wesentlichen das ist, was dieser alten Wissenschaft überhaupt den Inhalt gab. Aus den Sternen erforschten die Menschen dasjenige, was auf der Erde geschah. Aber ihnen war die Sternenwelt nicht jenes abstrakte, maschinenartige Wesen, das sie der heutigen Menschheit geworden ist. Ihnen war die Sternenwelt etwas, was voll Leben war. Sie empfanden bei jedem einzelnen der Planeten ein Wesenhaftes in der Welt. Gewissermaßen sprachen sie durch eine innere Seelensprache mit jedem einzelnen Planeten so, wie wir heute nur von Mensch zu Mensch durch die äußere Sprache sprechen. Man war sich klar darüber, daß man im Inneren seelisch etwas erlebt, was in einer gewissen Weise abspiegelt und wiedergibt dasjenige, was draußen im großen Raume durch den Gang der Sterne sich vollzieht. Es war eine lebendige, durchgeistigte Anschauung des Weltenalls. Und der Mensch selber fühlte sich in einer geistigen, in einer seelenhaften Weise in dieses Weltenall hineingestellt. Es wurde die Weisheit von diesem Weltenall auch gepflegt in Schulen, die man Mysterienschulen nennen könnte, in denen die Zöglinge in einer sorgfältigen, intimen, innerlichen Art vorbereitet wurden, den Gang der Sterne so verstehen zu können, daß er das menschliche Leben auf der Erde verständlich machte.

[ 10 ] Wir werden also auf zwei ganz bestimmte, aber voneinander verschiedene Erkenntnisarten verwiesen. Wenden wir uns zunächst zu demjenigen, was bei den drei Magiern aus dem Morgenlande vorhanden war als ein letzter Rest einer alten Weisheitslehre. Es wird uns ja deutlich gezeigt, wie diese Magier den Gang der Sterne enträtseln konnten. Wir werden also durch diese Darstellung verwiesen auf eine alte Sternenkunde, auf eine alte Anschauung über die Geheimnisse der Sternenwelt, in der sich auch die Geheimnisse des menschheitlichen Geschehens offenbarten. Diese alte Sternenkunde war etwas anderes als unsere Sternenkunde. Unsere Sternenkunde ist ja auch in einer gewissen Weise prophetisch; sie kann voraussagen den Gang von Sonnen- und Mondfinsternissen und ähnliches. Aber unsere Sternenkunde ist bloß mathematisch-mechanisch. Unsere Sternenkunde spricht bloß von den Verhältniissen des Raumes und der Zeit, insofern man sie mathematisch zum Ausdruck bringen kann. Dasjenige aber, was sich in bezug auf das innere Menschenleben abseits von Raum und Zeit, aber doch im Raum und in der Zeit, jedoch mit einer höheren Bedeutung abspielt, das sah eine alte Sternenkunde, eine alte Sternenweisheit aus dem Gang der Sterne heraus. Wenn wir die Wissenschaft einer älteren Menschheit uns vor das Bewußtsein bringen, so finden wir, daß diese Sternenweisheit im wesentlichen das ist, was dieser alten Wissenschaft überhaupt den Inhalt gab. Aus den Sternen erforschten die Menschen dasjenige, was auf der Erde geschah. Aber ihnen war die Sternenwelt nicht jenes abstrakte, maschinenartige Wesen, das sie der heutigen Menschheit geworden ist. Ihnen war die Sternenwelt etwas, was voll Leben war. Sie empfanden bei jedem einzelnen der Planeten ein Wesenhaftes in der Welt. Gewissermaßen sprachen sie durch eine innere Seelensprache mit jedem einzelnen Planeten so, wie wir heute nur von Mensch zu Mensch durch die äußere Sprache sprechen. Man war sich klar darüber, daß man im Inneren seelisch etwas erlebt, was in einer gewissen Weise abspiegelt und wiedergibt dasjenige, was draußen im großen Raume durch den Gang der Sterne sich vollzieht. Es war eine lebendige, durchgeistigte Anschauung des Weltenalls. Und der Mensch selber fühlte sich in einer geistigen, in einer seelenhaften Weise in dieses Weltenall hineingestellt. Es wurde die Weisheit von diesem Weltenall auch gepflegt in Schulen, die man Mysterienschulen nennen könnte, in denen die Zöglinge in einer sorgfältigen, intimen, innerlichen Art vorbereitet wurden, den Gang der Sterne so verstehen zu können, daß er das menschliche Leben auf der Erde verständlich machte.

[ 11 ] Welcher Art waren diese Vorbereitungen? Diese Vorbereitungen gerade für die Erkenntnis des Sternenhimmels und seiner Wirkungen waren so, daß der Mensch auch damals schon, in der Zeit instinktiven Hellsehens, erzogen wurde zu einem wacheren Leben, als das normale äußere Leben war. Die Menschen der breiten Massen hatten eine Art instinktiven Hellsehens. Das entsprach einer Seelenverfassung, die weniger wach war, als es unsere normale Seelenverfassung ist. Man konnte in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung nicht in solcher Weise wach denken, wie man das heute kann. Man konnte nicht in demselben Sinne wie heute zu der Mathematik, zu der Geometrie kommen. Es war des Menschen Leben durch das ganze Dasein zwischen Geburt und Tod mehr ein hinträumendes gewesen, das aber eben gerade deshalb, weil es ein hinträumendes war, in einer lebendigeren Art als unser ganz waches Leben die Umwelt wahrnahm. Und das Eigentümliche ist, daß die einzelnen Zöglinge der Mysterien, in deren letzten Resten eben solche Menschen wie die drei Magier standen damals in alten Zeiten, man könnte sagen noch etwa bis in das 2. Jahrtausend, sogar anfangs des 1. Jahrtausends vor dem Mysterium von Golgatha eingeführt wurden in ein Wissen, das ganz ähnlich unserem geomerrischen oder mathematischen Wissen ist.

[ 11 ] Welcher Art waren diese Vorbereitungen? Diese Vorbereitungen gerade für die Erkenntnis des Sternenhimmels und seiner Wirkungen waren so, daß der Mensch auch damals schon, in der Zeit instinktiven Hellsehens, erzogen wurde zu einem wacheren Leben, als das normale äußere Leben war. Die Menschen der breiten Massen hatten eine Art instinktiven Hellsehens. Das entsprach einer Seelenverfassung, die weniger wach war, als es unsere normale Seelenverfassung ist. Man konnte in alten Zeiten der Menschheitsentwickelung nicht in solcher Weise wach denken, wie man das heute kann. Man konnte nicht in demselben Sinne wie heute zu der Mathematik, zu der Geometrie kommen. Es war des Menschen Leben durch das ganze Dasein zwischen Geburt und Tod mehr ein hinträumendes gewesen, das aber eben gerade deshalb, weil es ein hinträumendes war, in einer lebendigeren Art als unser ganz waches Leben die Umwelt wahrnahm. Und das Eigentümliche ist, daß die einzelnen Zöglinge der Mysterien, in deren letzten Resten eben solche Menschen wie die drei Magier standen damals in alten Zeiten, man könnte sagen noch etwa bis in das 2. Jahrtausend, sogar anfangs des 1. Jahrtausends vor dem Mysterium von Golgatha eingeführt wurden in ein Wissen, das ganz ähnlich unserem geomerrischen oder mathematischen Wissen ist.

[ 12 ] Für die äußere Menschheit hat Euklid zuerst die Geometrie hingestellt. Das war aber eben nur eine Übermittlung der Geometrie an die äußere, große Menschheit. Was Euklid als Geometrie hingestellt hat, das war in den Mysterien lebendig durch Jahrtausende schon; es wurde aber nur mitgeteilt an die auserlesenen Schüler der Mysterien. Bei ihnen wirkte es anders, als es später wirkte. Es sieht sonderbar und paradox aus, ist aber doch so: was heute bei uns schon die Kinder lernen, unsere Geometrie, unsere Rechenkunst, das lernten in den Mysterienschulen einzelne Menschen, die besonders dazu auserlesen wurden, die man innerhalb der Masse für besonders befähigt hielt und die man hineinnahm in die Mysterien.

[ 12 ] Für die äußere Menschheit hat Euklid zuerst die Geometrie hingestellt. Das war aber eben nur eine Übermittlung der Geometrie an die äußere, große Menschheit. Was Euklid als Geometrie hingestellt hat, das war in den Mysterien lebendig durch Jahrtausende schon; es wurde aber nur mitgeteilt an die auserlesenen Schüler der Mysterien. Bei ihnen wirkte es anders, als es später wirkte. Es sieht sonderbar und paradox aus, ist aber doch so: was heute bei uns schon die Kinder lernen, unsere Geometrie, unsere Rechenkunst, das lernten in den Mysterienschulen einzelne Menschen, die besonders dazu auserlesen wurden, die man innerhalb der Masse für besonders befähigt hielt und die man hineinnahm in die Mysterien.

[ 13 ] Man kann heute oftmals hören, in den Mysterien seien geheimnisvolle Dinge gelehrt worden. Ihrem rein abstrakten Inhalte nach sind diese geheimnisvollen Dinge dieselben, die heute den Kindern gelehrt werden. Es sind gar keine anderen Dinge, und das Mysterienhafte liegt nicht darin, daß diese Dinge heute den Menschen etwa unbekannt seien, sondern es liegt in der anderen Art, wie die Sache an die Menschen herangebracht worden ist. Es ist natürlich etwas ganz anderes, wenn man den Inhalt unserer Geometrie einfach appellierend an den Verstand an die Kinder heranbringt in einem Zeitalter, wo der Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen in unserem Wachbewußtsein lebt, oder ob man im Zeitalter des alten, instinktiven Hellsehens mit einer traumhaften Art des Bewußtseins diese Dinge an besonders auserlesene Menschen mit reiferem Bewußtsein heranbrachte. Es sind heute durchaus nicht immer zutreffende Vorstellungen in der Menschheit über diese Dinge vorhanden.

[ 13 ] Man kann heute oftmals hören, in den Mysterien seien geheimnisvolle Dinge gelehrt worden. Ihrem rein abstrakten Inhalte nach sind diese geheimnisvollen Dinge dieselben, die heute den Kindern gelehrt werden. Es sind gar keine anderen Dinge, und das Mysterienhafte liegt nicht darin, daß diese Dinge heute den Menschen etwa unbekannt seien, sondern es liegt in der anderen Art, wie die Sache an die Menschen herangebracht worden ist. Es ist natürlich etwas ganz anderes, wenn man den Inhalt unserer Geometrie einfach appellierend an den Verstand an die Kinder heranbringt in einem Zeitalter, wo der Mensch vom Aufwachen bis zum Einschlafen in unserem Wachbewußtsein lebt, oder ob man im Zeitalter des alten, instinktiven Hellsehens mit einer traumhaften Art des Bewußtseins diese Dinge an besonders auserlesene Menschen mit reiferem Bewußtsein heranbrachte. Es sind heute durchaus nicht immer zutreffende Vorstellungen in der Menschheit über diese Dinge vorhanden.

[ 14 ] Sehen Sie, es gibt ein Gedicht an Varuna in der morgenländischen Literatur. Das spricht davon, daß Varuna erscheint in der Luft, die als Wind die Wälder durchweht, daß Varuna erscheint in dem Donner, der aus dem Wolkenwasser hervorzuckt, daß Varuna erscheint in dem menschlichen Herzen, wenn es zum Willen sich aufrafft, daß Varuna erscheint am Himmel, wenn die Sonne über den Himmel geht, daß Varuna enthalten ist auf den Bergen in dem Somasaft. Sie werden heute in den Büchern meistens finden: daß man eigentlich nicht wisse, was der Somasaft ist. Die Menschen konstatieren heute in ihrer Gelehrsamkeit, daß man nicht wisse, was der Somasaft ist, trotzdem es Menschen gibt, die ihn literweise trinken und von einem gewissen Gesichtspunkte aus sehr gut kennen. Aber es ist etwas anderes, die Sachen vom Mysterienstandpunkt aus zu kennen, als vom Standpunkte des wachen Bewußtseins in profaner Empfindung. Und Sie können heute lesen vom Stein der Weisen, der gepflegt wurde in einer gewissen Zeit, in der man das Wesen der Substantialität eben anders angesehen hat als heute. Und wiederum werden Ihnen die Geschichtsschreiber der Alchimie sagen, man kenne den Stein der Weisen nicht. Ich habe schon immer da und dort in meinen Vorträgen angedeutet, daß dieser Stein der Weisen den meisten Menschen sehr gut bekannt ist. Sie kennen nur nicht seine Wesenheit und wissen nicht, warum er so genannt wird. Er ist den meisten Menschen sehr gut bekannt, da sie ihn eigentlich kiloweise verwenden.

[ 14 ] Sehen Sie, es gibt ein Gedicht an Varuna in der morgenländischen Literatur. Das spricht davon, daß Varuna erscheint in der Luft, die als Wind die Wälder durchweht, daß Varuna erscheint in dem Donner, der aus dem Wolkenwasser hervorzuckt, daß Varuna erscheint in dem menschlichen Herzen, wenn es zum Willen sich aufrafft, daß Varuna erscheint am Himmel, wenn die Sonne über den Himmel geht, daß Varuna enthalten ist auf den Bergen in dem Somasaft. Sie werden heute in den Büchern meistens finden: daß man eigentlich nicht wisse, was der Somasaft ist. Die Menschen konstatieren heute in ihrer Gelehrsamkeit, daß man nicht wisse, was der Somasaft ist, trotzdem es Menschen gibt, die ihn literweise trinken und von einem gewissen Gesichtspunkte aus sehr gut kennen. Aber es ist etwas anderes, die Sachen vom Mysterienstandpunkt aus zu kennen, als vom Standpunkte des wachen Bewußtseins in profaner Empfindung. Und Sie können heute lesen vom Stein der Weisen, der gepflegt wurde in einer gewissen Zeit, in der man das Wesen der Substantialität eben anders angesehen hat als heute. Und wiederum werden Ihnen die Geschichtsschreiber der Alchimie sagen, man kenne den Stein der Weisen nicht. Ich habe schon immer da und dort in meinen Vorträgen angedeutet, daß dieser Stein der Weisen den meisten Menschen sehr gut bekannt ist. Sie kennen nur nicht seine Wesenheit und wissen nicht, warum er so genannt wird. Er ist den meisten Menschen sehr gut bekannt, da sie ihn eigentlich kiloweise verwenden.

[ 15 ] Es handelt sich eben bei den Dingen zuweilen um etwas ganz anderes als um dasjenige, was sich unsere heute abstrakt-theoretische und lebensfremde, wirklichkeitsfremde Anschauung vorzustellen vermag. Es gibt heute auch keine rechte Anschauung davon, was es heißt, mit ganz anderer Seelenverfassung, als diejenige der heutigen Menschheit ist, im reifen Zustande aufzunehmen unsere geometrische, unsere arithmetische Wissenschaft. Ich habe auf diese besondere Artung des Mysterienwesens in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache» ja hingewiesen. Allein solch wichtige Dinge versteht man gewöhnlich nicht in der richtigen Weise; man nimmt sie gewöhnlich nicht tief genug. Daß die Art und Weise, wie die Dinge an die Menschen herangebracht worden sind, das Mysterienhafte in alten Zeiten ausmachte, das ist dasjenige, was man verstehen sollte. Und so war es wirklich bei rein mathematischen Betrachtungen, deren Gefühls- und vollmenschlichen Inhalt Novalis noch nachgefühlt hat, als er die Mathematik wie ein großes Gedicht empfand, was die meisten Menschen heute gewiß nicht drin finden. So war es dieses gefühlsmäßige, aber in mathematische Formen ergossene Erfassen der Welt, in das der Zögling der alten Mysterien eingeführt wurde. Und wenn so das mathematische Verständnis des Weltenalls an den Zögling der alten Mysterien herantrat, dann wurde er ein Mensch mit einer solchen Weltbetrachtung, wie es diejenige war, die uns als die der Magier aus dem Morgenlande geschildert wird. Dann enthüllte die Mathematik des Weltenalls, die bei uns zu etwas ganz Abstraktem geworden ist, Wesenhaftes, weil das, was sie enthüllte, durch anderes ergänzt wurde, was ihm entgegenkam. Und so war dasjenige, was als äußeres Wissen einer alten Kultur entsprach, was sich in den letzten Resten für die Magier erhalten hatte, was an die Magier aus dem Morgenlande herangekommen ist, die Veranlassung zu der einen Verkündigung: der Verkündigung durch die Weisheitslehre, durch die äußere Wissenschaft.

[ 15 ] Es handelt sich eben bei den Dingen zuweilen um etwas ganz anderes als um dasjenige, was sich unsere heute abstrakt-theoretische und lebensfremde, wirklichkeitsfremde Anschauung vorzustellen vermag. Es gibt heute auch keine rechte Anschauung davon, was es heißt, mit ganz anderer Seelenverfassung, als diejenige der heutigen Menschheit ist, im reifen Zustande aufzunehmen unsere geometrische, unsere arithmetische Wissenschaft. Ich habe auf diese besondere Artung des Mysterienwesens in meiner Schrift «Das Christentum als mystische Tatsache» ja hingewiesen. Allein solch wichtige Dinge versteht man gewöhnlich nicht in der richtigen Weise; man nimmt sie gewöhnlich nicht tief genug. Daß die Art und Weise, wie die Dinge an die Menschen herangebracht worden sind, das Mysterienhafte in alten Zeiten ausmachte, das ist dasjenige, was man verstehen sollte. Und so war es wirklich bei rein mathematischen Betrachtungen, deren Gefühls- und vollmenschlichen Inhalt Novalis noch nachgefühlt hat, als er die Mathematik wie ein großes Gedicht empfand, was die meisten Menschen heute gewiß nicht drin finden. So war es dieses gefühlsmäßige, aber in mathematische Formen ergossene Erfassen der Welt, in das der Zögling der alten Mysterien eingeführt wurde. Und wenn so das mathematische Verständnis des Weltenalls an den Zögling der alten Mysterien herantrat, dann wurde er ein Mensch mit einer solchen Weltbetrachtung, wie es diejenige war, die uns als die der Magier aus dem Morgenlande geschildert wird. Dann enthüllte die Mathematik des Weltenalls, die bei uns zu etwas ganz Abstraktem geworden ist, Wesenhaftes, weil das, was sie enthüllte, durch anderes ergänzt wurde, was ihm entgegenkam. Und so war dasjenige, was als äußeres Wissen einer alten Kultur entsprach, was sich in den letzten Resten für die Magier erhalten hatte, was an die Magier aus dem Morgenlande herangekommen ist, die Veranlassung zu der einen Verkündigung: der Verkündigung durch die Weisheitslehre, durch die äußere Wissenschaft.

[ 16 ] Auf der anderen Seite konnte sich das innerliche Erleben der Menschheitsgeheimnisse bei besonders dazu veranlagten Menschen entwickeln, wie diejenigen waren, die uns dargestellt werden sollten in den Hirten auf dem Felde. Da mußten die inneren Kräfte, die im Menschen sind, eine besondere Stufe erreichen. Dann wurde unmittelbare Anschauung, imaginative, instinktiv-imaginative Bilderwahrnehmung dasjenige, was in der Menschheitswelt geschah. So kündigte sich durch inneres Schauen für die armen Hirten auf dem Felde dasjenige an, was sich ihnen zusammenfaßte in den Verkündigungsspruch: «Es offenbart sich der Gott in den Himmelshöhen, und durch ihn kann sein der Friede bei allen Menschen, die eines guten Willens sind.»

[ 16 ] Auf der anderen Seite konnte sich das innerliche Erleben der Menschheitsgeheimnisse bei besonders dazu veranlagten Menschen entwickeln, wie diejenigen waren, die uns dargestellt werden sollten in den Hirten auf dem Felde. Da mußten die inneren Kräfte, die im Menschen sind, eine besondere Stufe erreichen. Dann wurde unmittelbare Anschauung, imaginative, instinktiv-imaginative Bilderwahrnehmung dasjenige, was in der Menschheitswelt geschah. So kündigte sich durch inneres Schauen für die armen Hirten auf dem Felde dasjenige an, was sich ihnen zusammenfaßte in den Verkündigungsspruch: «Es offenbart sich der Gott in den Himmelshöhen, und durch ihn kann sein der Friede bei allen Menschen, die eines guten Willens sind.»

[ 17 ] Es sprachen also die Weltengeheimnisse sowohl zum Innersten der armen Hirten auf dem Felde wie zu dem Äußersten, wozu sich menschliche Weisheit aufschwingen konnte in der damaligen Zeit; es sprachen die Weltengeheimnisse sowohl zu den Hirten wie zu den Magiern aus dem Morgenlande. Und es wurde verkündigt von zwei Seiten das große Mysterium des Erdenlebens.

[ 17 ] Es sprachen also die Weltengeheimnisse sowohl zum Innersten der armen Hirten auf dem Felde wie zu dem Äußersten, wozu sich menschliche Weisheit aufschwingen konnte in der damaligen Zeit; es sprachen die Weltengeheimnisse sowohl zu den Hirten wie zu den Magiern aus dem Morgenlande. Und es wurde verkündigt von zwei Seiten das große Mysterium des Erdenlebens.

[ 18 ] Was erlebten die Magier aus dem Morgenlande? Was wurde bei solchen Schülern besonders entwickelt dadurch, daß die Mathematik in ihre Seelenverfassung hereingebracht wurde, wenn diese Seelenverfassung schon eine besonders reife war? Sehen Sie, Kant sagt von den mathematischen Erkenntnissen, sie seien a priori. Mit dem a priori meint er: sie sind vor der äußeren, empirischen Erkenntnis, vor der Erfahrung errungen. Das ist eine Wortweisheit. Es ist gar nichts gesagt mit diesem a priori. Das Wort bekommt erst einen Sinn, wenn man aus der Geisteswissenschaft heraus darauf hinweisen kann, daß die Mathematik aus uns aufsteigt, daß sie etwas ist, das aus dem Inneren des Menschen in das menschliche Bewußtsein kommt. Und woher kommt sie? Nun, sie kommt aus den Erlebnissen, die wir vor der Empfängnis oder vor der Geburt in der geistigen Welt durchgemacht haben. Da lebten wir im großen, weiten Weltenall. Da erlebten wir dasjenige, was wir erleben konnten, bevor wir unsere Leibesaugen und Leibesohren hatten. Da erlebten wir a priori gegenüber dem Leben auf der Erde. Dasjenige, was da a priori erlebt wird, es steigt heute für unser Bewußtsein unbewußt aus dem Inneren herauf. Der Mensch weiß nicht, wenn er es nicht wie Novalis durch solch eine Ahnung erlebt, daß da aufsteigen die Erlebnisse von vor der Geburt oder Empfängnis, wenn er mathematisiert. Für denjenigen, der diese Dinge in der richtigen Weise anzuschauen vermag, ist allein schon das mathematische Erkennen ein Beweis dafür, daß er vor der Empfängnis in einer geistigen Welt da war. Für jene, denen das kein Beweis ist für ein vorgeburtliches Leben, für die besteht die andere Tatsache, daß sie eben nicht gründlich genug über die Erscheinungen des Lebens nachdenken, daß sie keine Ahnung haben von dem, was eigentlich der Ursprung des Mathematischen ist.

[ 18 ] Was erlebten die Magier aus dem Morgenlande? Was wurde bei solchen Schülern besonders entwickelt dadurch, daß die Mathematik in ihre Seelenverfassung hereingebracht wurde, wenn diese Seelenverfassung schon eine besonders reife war? Sehen Sie, Kant sagt von den mathematischen Erkenntnissen, sie seien a priori. Mit dem a priori meint er: sie sind vor der äußeren, empirischen Erkenntnis, vor der Erfahrung errungen. Das ist eine Wortweisheit. Es ist gar nichts gesagt mit diesem a priori. Das Wort bekommt erst einen Sinn, wenn man aus der Geisteswissenschaft heraus darauf hinweisen kann, daß die Mathematik aus uns aufsteigt, daß sie etwas ist, das aus dem Inneren des Menschen in das menschliche Bewußtsein kommt. Und woher kommt sie? Nun, sie kommt aus den Erlebnissen, die wir vor der Empfängnis oder vor der Geburt in der geistigen Welt durchgemacht haben. Da lebten wir im großen, weiten Weltenall. Da erlebten wir dasjenige, was wir erleben konnten, bevor wir unsere Leibesaugen und Leibesohren hatten. Da erlebten wir a priori gegenüber dem Leben auf der Erde. Dasjenige, was da a priori erlebt wird, es steigt heute für unser Bewußtsein unbewußt aus dem Inneren herauf. Der Mensch weiß nicht, wenn er es nicht wie Novalis durch solch eine Ahnung erlebt, daß da aufsteigen die Erlebnisse von vor der Geburt oder Empfängnis, wenn er mathematisiert. Für denjenigen, der diese Dinge in der richtigen Weise anzuschauen vermag, ist allein schon das mathematische Erkennen ein Beweis dafür, daß er vor der Empfängnis in einer geistigen Welt da war. Für jene, denen das kein Beweis ist für ein vorgeburtliches Leben, für die besteht die andere Tatsache, daß sie eben nicht gründlich genug über die Erscheinungen des Lebens nachdenken, daß sie keine Ahnung haben von dem, was eigentlich der Ursprung des Mathematischen ist.

[ 19 ] Die Schüler der alten Mysterien, die in jener Weisheitsverfassung waren, wie sie sich als letzte Reste bei den Magiern aus dem Morgenlande erhalten hatte, bekamen einen deutlichen Eindruck davon: Wenn wir so die Sterne anschauen, daß wir sie durchdringen mit den mathematischen Linien, mit unserer Rechnung, dann breiten wir über die äußeren Raumesweiten dasjenige aus, worin wir gelebt haben vor unserer Geburt. Und so kam sich solch ein Schüler der heiligen Mysterien vor, daß er sich sagte: Jetzt lebe ich hier auf der Erde, schaue durch meine Augen hinaus in den Weltenraum, bemerke dasjenige, was räumlich um mich herum ist. Ich habe auch gelebt innerhalb dieser Erscheinungen des Weltenraumes vor meiner Geburt oder Empfängnis. Da habe ich selber gezählt von Stern zu Stern dasjenige, was ich mir jetzt hier nur nachbildlich vergegenwärtige durch Mathematik; da bin ich selber hingeeilt mit den inneren Kräften von Stern zu Stern; da lebte ich in dem, was ich jetzt nur konstruiere. Gegenwärtig wurde den Menschen dadurch alles, was sie erlebt hatten vor der Geburt oder Empfängnis. Daher nahmen sie es auch in einem heiligen Sinne auf. Daher wußten sie auch: es ist die geistige Welt, in die sie sich da einleben, es ist die Welt, in der sie gelebt haben, bevor sie die Erde betreten haben. Dieses Wissen um die Welt, die der Mensch durchlebt, bevor er die Erde betritt, war in einem letzten Rest bei den Magiern aus dem Morgenland vorhanden; durch das erkannten sie das Herannahen der Christus-Wesenheit.

[ 19 ] Die Schüler der alten Mysterien, die in jener Weisheitsverfassung waren, wie sie sich als letzte Reste bei den Magiern aus dem Morgenlande erhalten hatte, bekamen einen deutlichen Eindruck davon: Wenn wir so die Sterne anschauen, daß wir sie durchdringen mit den mathematischen Linien, mit unserer Rechnung, dann breiten wir über die äußeren Raumesweiten dasjenige aus, worin wir gelebt haben vor unserer Geburt. Und so kam sich solch ein Schüler der heiligen Mysterien vor, daß er sich sagte: Jetzt lebe ich hier auf der Erde, schaue durch meine Augen hinaus in den Weltenraum, bemerke dasjenige, was räumlich um mich herum ist. Ich habe auch gelebt innerhalb dieser Erscheinungen des Weltenraumes vor meiner Geburt oder Empfängnis. Da habe ich selber gezählt von Stern zu Stern dasjenige, was ich mir jetzt hier nur nachbildlich vergegenwärtige durch Mathematik; da bin ich selber hingeeilt mit den inneren Kräften von Stern zu Stern; da lebte ich in dem, was ich jetzt nur konstruiere. Gegenwärtig wurde den Menschen dadurch alles, was sie erlebt hatten vor der Geburt oder Empfängnis. Daher nahmen sie es auch in einem heiligen Sinne auf. Daher wußten sie auch: es ist die geistige Welt, in die sie sich da einleben, es ist die Welt, in der sie gelebt haben, bevor sie die Erde betreten haben. Dieses Wissen um die Welt, die der Mensch durchlebt, bevor er die Erde betritt, war in einem letzten Rest bei den Magiern aus dem Morgenland vorhanden; durch das erkannten sie das Herannahen der Christus-Wesenheit.

[ 20 ] Woher kam denn die Christus-Wesenheit? Sie kam ja aus jener Welt, die wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und vereinigte sich mit dem Leben, das wir durchleben zwischen Geburt und Tod. Diejenige Wissenschaft, die handelt von der Welt, die wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, kann daher so etwas wie das Mysterium von Golgatha enthüllen. Auf dem Wege dieser Wissenschaft wurde also den Magiern verkündet das Mysterium von Golgatha, das Weihnachtsmysterium.

[ 20 ] Woher kam denn die Christus-Wesenheit? Sie kam ja aus jener Welt, die wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und vereinigte sich mit dem Leben, das wir durchleben zwischen Geburt und Tod. Diejenige Wissenschaft, die handelt von der Welt, die wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, kann daher so etwas wie das Mysterium von Golgatha enthüllen. Auf dem Wege dieser Wissenschaft wurde also den Magiern verkündet das Mysterium von Golgatha, das Weihnachtsmysterium.

[ 21 ] Indem der Mensch hier auf der Erde lebt und das entfaltet, was ihm seine Erkenntnisse bringen über die Umwelt, was die Impulse zu seinem Handeln, seinem sozialen Leben sind, erlebt er ja in sich unbewußt noch etwas anderes. Er weiß es nicht, aber geradeso wie er die Nachwirkungen seines vorgeburtlichen Lebens erlebt, erlebt er auch dasjenige, was dann durch die Pforte des Todes schreitet und der Inhalt des Lebens nach dem Tode wird. Das sind die Kräfte, die keimhaft schon vorhanden sind zwischen Geburt und Tod und die erst im nachtodlichen Leben sich zur vollen Blüte entfalten. Diese Kräfte wirkten mit einer großen Intensität im alten instinktiven Hellsehen; und sie wirkten im letzten Rest noch bei den armen Hirten auf dem Felde durch ihre besondere Frömmigkeit. In diesen Kräften leben wir ja insbesondere zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, wenn unsere Seele aus der Körperlichkeit draußen ist und im äußeren Raume lebt. Dann lebt sie auf solche Art, wie sie bewußt erst wiederum leben wird, wenn sie den äußeren physischen Leib abgelegt hat nach dem Tode. Diese Kräfte, die aus der Traumes-, aus der Schlafeswelt heraus in besonderen Zuständen in das Tagesleben eindringen können, waren da sehr regsam in dem alten instinktiven Hellsehen. Die armen Hirten erlebten diese Kräfte, und in ihnen enthüllte sich dasjenige, was ihnen, von einer anderen Seite als den drei Magiern, das Mysterium von Golgatha ankündigen konnte.

[ 21 ] Indem der Mensch hier auf der Erde lebt und das entfaltet, was ihm seine Erkenntnisse bringen über die Umwelt, was die Impulse zu seinem Handeln, seinem sozialen Leben sind, erlebt er ja in sich unbewußt noch etwas anderes. Er weiß es nicht, aber geradeso wie er die Nachwirkungen seines vorgeburtlichen Lebens erlebt, erlebt er auch dasjenige, was dann durch die Pforte des Todes schreitet und der Inhalt des Lebens nach dem Tode wird. Das sind die Kräfte, die keimhaft schon vorhanden sind zwischen Geburt und Tod und die erst im nachtodlichen Leben sich zur vollen Blüte entfalten. Diese Kräfte wirkten mit einer großen Intensität im alten instinktiven Hellsehen; und sie wirkten im letzten Rest noch bei den armen Hirten auf dem Felde durch ihre besondere Frömmigkeit. In diesen Kräften leben wir ja insbesondere zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, wenn unsere Seele aus der Körperlichkeit draußen ist und im äußeren Raume lebt. Dann lebt sie auf solche Art, wie sie bewußt erst wiederum leben wird, wenn sie den äußeren physischen Leib abgelegt hat nach dem Tode. Diese Kräfte, die aus der Traumes-, aus der Schlafeswelt heraus in besonderen Zuständen in das Tagesleben eindringen können, waren da sehr regsam in dem alten instinktiven Hellsehen. Die armen Hirten erlebten diese Kräfte, und in ihnen enthüllte sich dasjenige, was ihnen, von einer anderen Seite als den drei Magiern, das Mysterium von Golgatha ankündigen konnte.

[ 22 ] Was erfährt man durch diejenigen Kräfte, die dem Menschen besonders eigen sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wenn sie in dem Leben zwischen Geburt und Tod angefacht werden wie bei den Magiern aus dem Morgenlande? Man erfährt dasjenige, was außer dem Irdischen geschieht. Man wird von der Erde hinweggetragen in die Welt der Sterne, in der man ist zwischen dem 'Tod und einer neuen Geburt. Das war die Welt, in die eingeführt wurden die Magier aus dem Morgenlande, von der Erde weg in den Himmelsraum.

[ 22 ] Was erfährt man durch diejenigen Kräfte, die dem Menschen besonders eigen sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wenn sie in dem Leben zwischen Geburt und Tod angefacht werden wie bei den Magiern aus dem Morgenlande? Man erfährt dasjenige, was außer dem Irdischen geschieht. Man wird von der Erde hinweggetragen in die Welt der Sterne, in der man ist zwischen dem 'Tod und einer neuen Geburt. Das war die Welt, in die eingeführt wurden die Magier aus dem Morgenlande, von der Erde weg in den Himmelsraum.

[ 23 ] Was erfährt man durch diejenigen Kräfte, die innerlich aufsteigen, besonders in der Traumeswelt, die überhaupt aus dem menschlichen Inneren kommen? Da erfährt man, was im Inneren der Erde geschieht. Da wirken vorzugsweise die tellurischen Kräfte, diejenigen Kräfte, die wir haben durch unseren Leib, durch das Wohnen in unserem Leibe. Die wirken besonders in demjenigen, was wir durchleben zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Wir sind auch da in der äußeren Welt, aber vorzugsweise in jener äußeren Welt, die zur Erde gehört.

[ 23 ] Was erfährt man durch diejenigen Kräfte, die innerlich aufsteigen, besonders in der Traumeswelt, die überhaupt aus dem menschlichen Inneren kommen? Da erfährt man, was im Inneren der Erde geschieht. Da wirken vorzugsweise die tellurischen Kräfte, diejenigen Kräfte, die wir haben durch unseren Leib, durch das Wohnen in unserem Leibe. Die wirken besonders in demjenigen, was wir durchleben zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen. Wir sind auch da in der äußeren Welt, aber vorzugsweise in jener äußeren Welt, die zur Erde gehört.

[ 24 ] Sie werden sagen: Das ist ein Widerspruch gegenüber der Wahrheit, daß wir außerhalb unseres Leibes sind. — Das ist kein Widerspruch. Man nimmt immer nur das wahr, was man außerhalb hat; dasjenige, in dem man lebt, das nimmt man nicht wahr. Nur diejenigen Menschen, die über irgendwelche Gebiete besonders unwissend sind und ein reines Phrasenwissen entwickeln möchten, bringen es fertig, über solche Dinge leicht hinwegzugleiten mit Phrasen und etwa zu sagen: Es käme nicht darauf an, eine Geisteswissenschaft zu begründen mit einem Wissen, gewonnen außerhalb des Menschen, denn das Wichtige sei gerade, daß der Mensch zu dem äußeren Naturwissen ein Wissen durch das Innere bekäme. — Ja, mit einem solchen Phrasenschwall kann man heute Darmstädter Weisheitsschulen begründen, aber man bleibt doch eben bloß ein Phraseur, auch wenn man Weisheitsschulen begründet. Denn wenn man die Sache in der richtigen Weise versteht, kann man sogar sagen: Ja, man muß die Welt von innen beschreiben, um zum Übersinnlichen zu kommen; aber dann muß man ja erst ins Innere hineinkommen, und das, was dann äußerlich ist, das muß man betrachten aus dem Leibe heraußen, und man muß den Leib zurück betrachten. Die Keyserlingschen Reden von einem Betrachten von seelischen Gesichtspunkten aus wollen aber eigentlich nicht in das menschliche Innere hinein, sondern sie bedienen sich bloßer Phrasen. Daher ist es auch so: wenn wir in dem Zustand zwischen Einschlafen und Aufwachen sind, schauen wir zurück und empfinden gewissermaßen zurück in unseren Leib. Wir empfinden also dasjenige, worin unser Leib mit dem Irdischen zusammenhängt; er ist ja von der Erde. Die armen Hirten auf dem Felde empfanden eigentlich die Offenbarung der Erde aus ihrem Leibe, indem sie in einem traumhaften Zustande dasjenige, was geschah, als die Stimme des Engels wahrnahmen.

[ 24 ] Sie werden sagen: Das ist ein Widerspruch gegenüber der Wahrheit, daß wir außerhalb unseres Leibes sind. — Das ist kein Widerspruch. Man nimmt immer nur das wahr, was man außerhalb hat; dasjenige, in dem man lebt, das nimmt man nicht wahr. Nur diejenigen Menschen, die über irgendwelche Gebiete besonders unwissend sind und ein reines Phrasenwissen entwickeln möchten, bringen es fertig, über solche Dinge leicht hinwegzugleiten mit Phrasen und etwa zu sagen: Es käme nicht darauf an, eine Geisteswissenschaft zu begründen mit einem Wissen, gewonnen außerhalb des Menschen, denn das Wichtige sei gerade, daß der Mensch zu dem äußeren Naturwissen ein Wissen durch das Innere bekäme. — Ja, mit einem solchen Phrasenschwall kann man heute Darmstädter Weisheitsschulen begründen, aber man bleibt doch eben bloß ein Phraseur, auch wenn man Weisheitsschulen begründet. Denn wenn man die Sache in der richtigen Weise versteht, kann man sogar sagen: Ja, man muß die Welt von innen beschreiben, um zum Übersinnlichen zu kommen; aber dann muß man ja erst ins Innere hineinkommen, und das, was dann äußerlich ist, das muß man betrachten aus dem Leibe heraußen, und man muß den Leib zurück betrachten. Die Keyserlingschen Reden von einem Betrachten von seelischen Gesichtspunkten aus wollen aber eigentlich nicht in das menschliche Innere hinein, sondern sie bedienen sich bloßer Phrasen. Daher ist es auch so: wenn wir in dem Zustand zwischen Einschlafen und Aufwachen sind, schauen wir zurück und empfinden gewissermaßen zurück in unseren Leib. Wir empfinden also dasjenige, worin unser Leib mit dem Irdischen zusammenhängt; er ist ja von der Erde. Die armen Hirten auf dem Felde empfanden eigentlich die Offenbarung der Erde aus ihrem Leibe, indem sie in einem traumhaften Zustande dasjenige, was geschah, als die Stimme des Engels wahrnahmen.

[ 25 ] Und es entspricht das ganz dem Mysterium von Golgatha, daß von zwei Seiten her die Offenbarung gekommen ist: die der Magier aus der Himmelskunde, die der Hirten aus der Erdenoffenbarung. Denn ein himmlisches Wesen, ein Wesen, das bis dahin nicht zur Erde gehört hat, das kommt an. Das muß man also erkennen in seiner Ankunft aus der Himmelsweisheit heraus. Da lernt man erkennen, daß vom Himmel etwas heruntersteigt. — Hat man die Hirtenweisheit, so lernt man die Erde kennen; man empfindet sich hinein in das Weben und Leben der Erde, welches die Ankunft des Himmelswesens wahrnimmt. Es ist von der anderen Seite dieselbe Ankündigung. In wunderbarer Weise ist zusammengeflossen dasjenige, was als einheitliches Ereignis von zwei Seiten her den Menschen mitgeteilt wird.

[ 25 ] Und es entspricht das ganz dem Mysterium von Golgatha, daß von zwei Seiten her die Offenbarung gekommen ist: die der Magier aus der Himmelskunde, die der Hirten aus der Erdenoffenbarung. Denn ein himmlisches Wesen, ein Wesen, das bis dahin nicht zur Erde gehört hat, das kommt an. Das muß man also erkennen in seiner Ankunft aus der Himmelsweisheit heraus. Da lernt man erkennen, daß vom Himmel etwas heruntersteigt. — Hat man die Hirtenweisheit, so lernt man die Erde kennen; man empfindet sich hinein in das Weben und Leben der Erde, welches die Ankunft des Himmelswesens wahrnimmt. Es ist von der anderen Seite dieselbe Ankündigung. In wunderbarer Weise ist zusammengeflossen dasjenige, was als einheitliches Ereignis von zwei Seiten her den Menschen mitgeteilt wird.

[ 26 ] Und wenn man nun sieht auf die Art und Weise, wie die Menschheit das Ereignis von Golgatha aufnahm, so muß man sagen: Es waren ja in dieser und in anderer Beziehung nur noch Reste der alten Weisheit vorhanden. Ich habe schon darauf hingedeutet, wie mit den Resten der alten Weisheit, mit einer gewissen Gnosis zunächst in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung das Mysterium von Golgatha verstanden worden ist. Dann versuchte man immer mehr und mehr mit dem bloßen verstandesmäßigen Zergliedern in das Ereignis von Golgatha einzudringen. Und im 19. Jahrhundert kam allmählich der Naturalismus auf diesem Bekenntnisgebiet herauf. Es wurde nichts mehr begriffen von dem übersinnlichen Inhalt des Ereignisses von Golgatha. Der Christus wurde zum bloßen naturalistisch aufgefaßten weisen Mann aus Nazareth. Es wurde eben notwendig eine neue, geistige Erfassung des Mysteriums von Golgatha. Man darf nicht verwechseln die Tatsache des Mysteriums von Golgatha mit der Art und Weise, wie die Menschen in ihrem Verständnis sich zu dieser Tatsache verhalten.

[ 26 ] Und wenn man nun sieht auf die Art und Weise, wie die Menschheit das Ereignis von Golgatha aufnahm, so muß man sagen: Es waren ja in dieser und in anderer Beziehung nur noch Reste der alten Weisheit vorhanden. Ich habe schon darauf hingedeutet, wie mit den Resten der alten Weisheit, mit einer gewissen Gnosis zunächst in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung das Mysterium von Golgatha verstanden worden ist. Dann versuchte man immer mehr und mehr mit dem bloßen verstandesmäßigen Zergliedern in das Ereignis von Golgatha einzudringen. Und im 19. Jahrhundert kam allmählich der Naturalismus auf diesem Bekenntnisgebiet herauf. Es wurde nichts mehr begriffen von dem übersinnlichen Inhalt des Ereignisses von Golgatha. Der Christus wurde zum bloßen naturalistisch aufgefaßten weisen Mann aus Nazareth. Es wurde eben notwendig eine neue, geistige Erfassung des Mysteriums von Golgatha. Man darf nicht verwechseln die Tatsache des Mysteriums von Golgatha mit der Art und Weise, wie die Menschen in ihrem Verständnis sich zu dieser Tatsache verhalten.

[ 27 ] Nun, solche Seelenverfassung, wie sie die Hirten auf dem Felde hatten, wie sie die Magier aus dem Morgenland hatten, war ja in den letzten Resten vorhanden zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha eintrat. Das hat sich alles in der Menschheitsentwickelung geändert. Die Dinge ändern sich und erleiden Metamorphosen.

[ 27 ] Nun, solche Seelenverfassung, wie sie die Hirten auf dem Felde hatten, wie sie die Magier aus dem Morgenland hatten, war ja in den letzten Resten vorhanden zur Zeit, als das Mysterium von Golgatha eintrat. Das hat sich alles in der Menschheitsentwickelung geändert. Die Dinge ändern sich und erleiden Metamorphosen.

[ 28 ] Was ist geworden aus der Magierweisheit aus dem Morgenlande? Es ist daraus geworden unsere Mathematik mit ihrer Himmelskunde. Die Magier hatten ein überirdisches Wissen, das im Grunde genommen ein grandioses Erinnern an das vorgeburtliche Leben war. Das ist bei uns zusammengeschrumpft und abgelähmt zu unserem mathematisch-mechanischen Himmelserfassen, wo wir auf die äußeren Erscheinungen nichts mehr anwenden als die Gesetze der Mathematik, der Mechanik. Was aus unserem Inneren heraufsteigt, gerade wenn wir auf das hinschauen, was uns als mathematische Astronomie geblieben ist, das ist die heutige Metamorphose desjenigen, was die Magier gehabt haben.

[ 28 ] Was ist geworden aus der Magierweisheit aus dem Morgenlande? Es ist daraus geworden unsere Mathematik mit ihrer Himmelskunde. Die Magier hatten ein überirdisches Wissen, das im Grunde genommen ein grandioses Erinnern an das vorgeburtliche Leben war. Das ist bei uns zusammengeschrumpft und abgelähmt zu unserem mathematisch-mechanischen Himmelserfassen, wo wir auf die äußeren Erscheinungen nichts mehr anwenden als die Gesetze der Mathematik, der Mechanik. Was aus unserem Inneren heraufsteigt, gerade wenn wir auf das hinschauen, was uns als mathematische Astronomie geblieben ist, das ist die heutige Metamorphose desjenigen, was die Magier gehabt haben.

[ 29 ] Und wenn wir auf dasjenige hinschauen, was unser äußeres Sinneswissen ist — bloßes Augenwahrnehmen, Ohrenwahrnehmen —, so ist es das veräußerlichte innere Wissen der Hirten auf dem Felde. Was den Hirten auf dem Felde noch die inneren Geheimnisse des Erdendaseins gegeben hat, das läßt uns kalt anschauen die äußere Welt in unserer naturwissenschaftlichen Beobachtung. Unsere naturwissenschaftliche Beobachtung ist die Tochter der Hirtenweisheit. Aber die Tochter schaut der Mutter sehr unähnlich aus. Und unsere Mathematik, die zur Himmelskunde wird, ist die Tochter der Magierweisheit. Die Menschheit mußte durch das hindurchgehen. Wenn unsere Naturforscher mit ihrem trockenen Forschen in den Laboratorien, in den Kliniken sitzen, haben sie ja nicht mehr viel Gemeinschaftliches mit den Hirten, aber es ist die gradlinige Metamorphose der Hirtenweisheit. Und unsere Mathematiker sind die in gradliniger Strömung gekommenen Nachfolger der Magier aus dem Morgenlande. Das Außerliche ist innerlich, das Innerliche ist äußerlich geworden. Und damit sind wir zunächst im Grunde genommen sehr abgekommen von dem Verständnis des Mysteriums von Golgatha; und dessen sollten wir uns bewußt werden. Ja, wir sind sehr abgekommen von diesem Verständnis. Vielleicht am meisten aber sind viele von denjenigen abgekommen vor diesem Verständnis, die sich im offiziellen Sinne heute die Prediger und Verkündiger des Christentums nennen.

[ 29 ] Und wenn wir auf dasjenige hinschauen, was unser äußeres Sinneswissen ist — bloßes Augenwahrnehmen, Ohrenwahrnehmen —, so ist es das veräußerlichte innere Wissen der Hirten auf dem Felde. Was den Hirten auf dem Felde noch die inneren Geheimnisse des Erdendaseins gegeben hat, das läßt uns kalt anschauen die äußere Welt in unserer naturwissenschaftlichen Beobachtung. Unsere naturwissenschaftliche Beobachtung ist die Tochter der Hirtenweisheit. Aber die Tochter schaut der Mutter sehr unähnlich aus. Und unsere Mathematik, die zur Himmelskunde wird, ist die Tochter der Magierweisheit. Die Menschheit mußte durch das hindurchgehen. Wenn unsere Naturforscher mit ihrem trockenen Forschen in den Laboratorien, in den Kliniken sitzen, haben sie ja nicht mehr viel Gemeinschaftliches mit den Hirten, aber es ist die gradlinige Metamorphose der Hirtenweisheit. Und unsere Mathematiker sind die in gradliniger Strömung gekommenen Nachfolger der Magier aus dem Morgenlande. Das Außerliche ist innerlich, das Innerliche ist äußerlich geworden. Und damit sind wir zunächst im Grunde genommen sehr abgekommen von dem Verständnis des Mysteriums von Golgatha; und dessen sollten wir uns bewußt werden. Ja, wir sind sehr abgekommen von diesem Verständnis. Vielleicht am meisten aber sind viele von denjenigen abgekommen vor diesem Verständnis, die sich im offiziellen Sinne heute die Prediger und Verkündiger des Christentums nennen.

[ 30 ] Mit denjenigen Erkenntniskräften und Empfindungskräften und Glaubenskräften, die heute im Menschen spielen, ist auch das Ereignis von Golgatha in seiner wahren Wesenheit nicht mehr zu durchschauen. Es muß schon durchaus neu gefunden werden. Zur trockenen Mathematik, durch deren Bilder nur der Himmel noch angeschaut wird, ist dieMagierweisheit geworden; sie ist innerlich geworden. Das Innerliche muß sich wieder beleben. Es muß gewissermaßen das, was äußerlich ist, wiederum aufbauen von innen her.

[ 30 ] Mit denjenigen Erkenntniskräften und Empfindungskräften und Glaubenskräften, die heute im Menschen spielen, ist auch das Ereignis von Golgatha in seiner wahren Wesenheit nicht mehr zu durchschauen. Es muß schon durchaus neu gefunden werden. Zur trockenen Mathematik, durch deren Bilder nur der Himmel noch angeschaut wird, ist dieMagierweisheit geworden; sie ist innerlich geworden. Das Innerliche muß sich wieder beleben. Es muß gewissermaßen das, was äußerlich ist, wiederum aufbauen von innen her.

[ 31 ] Versuchen Sie jetzt, von diesem Gesichtspunkte aus zu verstehen den Inhalt eines solchen Buches, wie es meine «Geheimwissenschaft im Umriß» ist. Die Magier überschauten die Sternenwelten; sie sahen in den Sternenwelten das Geistige, weil sie in das menschliche Erleben vor der Geburt hineinschauen konnten. Das ist abstrakt geworden in unserer Mathematik. Aber dieselben Kräfte, die unsere Mathematik entwickelt, können wiederum verlebendigt werden, verintensiviert werden im imaginativen Anschauen. Dann gebiert sich aus unserem Inneren eine Welt, die wir nun wiederum, obwohl wir sie aus dem Inneren heraus schaffen, als die äußere Welt anschauen, die uns nun wiederum wie Saturn, Sonne, Mond, Erde, Jupiter, Venus, Vulkan ist. Wir sehen den Himmel durch innere Anschauung, wie die Weisen aus dem Morgenlande durch äußere Anschauung die Geheimnisse des Mysteriums von Golgatha wahrgenommen haben. Das Äußere ist innerlich geworden, ist bis zur Abstraktheit der Mathematik gekommen; also muß das Innerliche wiederum erweitert werden zum äußerlichen Weltenall, indem uns wiederum das innerliche Anschauen zu einer neuen Astronomie, zu einer innerlich erlebten Astronomie führt.

[ 31 ] Versuchen Sie jetzt, von diesem Gesichtspunkte aus zu verstehen den Inhalt eines solchen Buches, wie es meine «Geheimwissenschaft im Umriß» ist. Die Magier überschauten die Sternenwelten; sie sahen in den Sternenwelten das Geistige, weil sie in das menschliche Erleben vor der Geburt hineinschauen konnten. Das ist abstrakt geworden in unserer Mathematik. Aber dieselben Kräfte, die unsere Mathematik entwickelt, können wiederum verlebendigt werden, verintensiviert werden im imaginativen Anschauen. Dann gebiert sich aus unserem Inneren eine Welt, die wir nun wiederum, obwohl wir sie aus dem Inneren heraus schaffen, als die äußere Welt anschauen, die uns nun wiederum wie Saturn, Sonne, Mond, Erde, Jupiter, Venus, Vulkan ist. Wir sehen den Himmel durch innere Anschauung, wie die Weisen aus dem Morgenlande durch äußere Anschauung die Geheimnisse des Mysteriums von Golgatha wahrgenommen haben. Das Äußere ist innerlich geworden, ist bis zur Abstraktheit der Mathematik gekommen; also muß das Innerliche wiederum erweitert werden zum äußerlichen Weltenall, indem uns wiederum das innerliche Anschauen zu einer neuen Astronomie, zu einer innerlich erlebten Astronomie führt.

[ 32 ] Nur durch eine solche Hinwendung zu einem neuen Christus-Verständnis erfüllen wir heute mit einem gewissen Sinn dasjenige, was das Weihnachtsfest ist. Hat denn für die meisten Menschen heute das Weihnachtsfest noch einen besonderen Sinn? Es ist eine sehr schöne Sitte geworden, die noch nicht sehr alt ist, kaum hundertfünfzig Jahre alt, den Weihnachtsbaum zum Symbol des Weihnachtsfestes zu machen. Der Weihnachtsbaum ist ja erst im 19. Jahrhundert heraufgekommen. Was ist er? Man kann sich anstrengen, den Sinn des Weihnachtsbaumes zu finden. Gerade wenn man sich anstrengt und wenn man weiß, wie der Weihnachtsbaum allmählich erwachsen ist, wie er aus dem kleinen Zweige, den zuerst der Knecht Ruprecht, der Nikolaus, zum 6. Dezember in seinem Arme trug, zum Weihnachtsbaum ausgewachsen ist, gerade wenn man die Geschichte des Weihnachtsbaumes verfolgt, kommt man darauf, wie der Weihnachtsbaum doch wieder mit dem Paradiesesbaum unmittelbar etwas zu tun hat. Das menschliche Bewußtsein lenkt sich zum Paradiesesbaum, zu Adam und Eva hin. Was heißt das? Es ist die eine Seite, wie in unserer Zeit das Mysterium von Golgatha wieder verkündet wird.

[ 32 ] Nur durch eine solche Hinwendung zu einem neuen Christus-Verständnis erfüllen wir heute mit einem gewissen Sinn dasjenige, was das Weihnachtsfest ist. Hat denn für die meisten Menschen heute das Weihnachtsfest noch einen besonderen Sinn? Es ist eine sehr schöne Sitte geworden, die noch nicht sehr alt ist, kaum hundertfünfzig Jahre alt, den Weihnachtsbaum zum Symbol des Weihnachtsfestes zu machen. Der Weihnachtsbaum ist ja erst im 19. Jahrhundert heraufgekommen. Was ist er? Man kann sich anstrengen, den Sinn des Weihnachtsbaumes zu finden. Gerade wenn man sich anstrengt und wenn man weiß, wie der Weihnachtsbaum allmählich erwachsen ist, wie er aus dem kleinen Zweige, den zuerst der Knecht Ruprecht, der Nikolaus, zum 6. Dezember in seinem Arme trug, zum Weihnachtsbaum ausgewachsen ist, gerade wenn man die Geschichte des Weihnachtsbaumes verfolgt, kommt man darauf, wie der Weihnachtsbaum doch wieder mit dem Paradiesesbaum unmittelbar etwas zu tun hat. Das menschliche Bewußtsein lenkt sich zum Paradiesesbaum, zu Adam und Eva hin. Was heißt das? Es ist die eine Seite, wie in unserer Zeit das Mysterium von Golgatha wieder verkündet wird.

[ 33 ] Man wendet sich vom Mysterium von Golgatha zurück zur Welterschaffung, zu dem Ausgangspunkte der Welt. Man begreift nicht den Sinn der Welterlösung und wendet sich wiederum zum weltschaffenden Gott. Das drückt sich darin aus, daß allmählich verschwindet das eigentliche Weihnachtssymbol, das Krippensymbol, das so großartig da war noch in den Weihnachtsspielen der früheren Jahrhunderte, und indem heraufkommt der Weihnachtsbaum, der eigentlich der Paradiesesbaum ist. Die alte Jahve-Religion trat wiederum an die Stelle der Christus-Religion, und der Weihnachtsbaum ist das Symbolum für dieses Heraufkommen der Jahve-Religion. Nur tritt diese Jahve-Religion vervielfacht auf bei den Menschen. Denn Jahve ist als der Einheitliche mit Recht verehrt worden in einer Zeit, als sein Volk sich eben als das Einheitsvolk fühlte, das nicht über seine Grenzen hinaus sah und in der Erwartung war, daß es einmal ganz die Erde erfüllen würde.

[ 33 ] Man wendet sich vom Mysterium von Golgatha zurück zur Welterschaffung, zu dem Ausgangspunkte der Welt. Man begreift nicht den Sinn der Welterlösung und wendet sich wiederum zum weltschaffenden Gott. Das drückt sich darin aus, daß allmählich verschwindet das eigentliche Weihnachtssymbol, das Krippensymbol, das so großartig da war noch in den Weihnachtsspielen der früheren Jahrhunderte, und indem heraufkommt der Weihnachtsbaum, der eigentlich der Paradiesesbaum ist. Die alte Jahve-Religion trat wiederum an die Stelle der Christus-Religion, und der Weihnachtsbaum ist das Symbolum für dieses Heraufkommen der Jahve-Religion. Nur tritt diese Jahve-Religion vervielfacht auf bei den Menschen. Denn Jahve ist als der Einheitliche mit Recht verehrt worden in einer Zeit, als sein Volk sich eben als das Einheitsvolk fühlte, das nicht über seine Grenzen hinaus sah und in der Erwartung war, daß es einmal ganz die Erde erfüllen würde.

[ 34 ] In unserer Zeit reden die Leute vom Christus Jesus und verehren nur den Jahve. Denn in den einzelnen Nationalitäten, das hat sich besonders im Kriege gezeigt, wurde zwar von Christus gesprochen; es war aber nur der ursprüngliche Gott, der in der Vererbung, in der Natur lebende Gott Jahve. Der Weihnachtsbaum auf der einen Seite, die Nationalgötter, die nicht bis zum Christlichen hinaufkamen, auf der anderen Seite waren das, wodurch die Menschen von der Erfassung des Mysteriums von Golgatha zu der Erfassung einer viel früheren Zeit zurückkehrten. In der Geltendmachung des Nationalitätenprinzips, in der Verkündigung, daß die einzelnen Völker ihren Göttern folgen, ist ein Rückschritt vorhanden in die alte Jahve-Religion. Den Christus verleugnen am meisten diejenigen, die ihn in irgendeiner nationalen Form anbeten wollen.

[ 34 ] In unserer Zeit reden die Leute vom Christus Jesus und verehren nur den Jahve. Denn in den einzelnen Nationalitäten, das hat sich besonders im Kriege gezeigt, wurde zwar von Christus gesprochen; es war aber nur der ursprüngliche Gott, der in der Vererbung, in der Natur lebende Gott Jahve. Der Weihnachtsbaum auf der einen Seite, die Nationalgötter, die nicht bis zum Christlichen hinaufkamen, auf der anderen Seite waren das, wodurch die Menschen von der Erfassung des Mysteriums von Golgatha zu der Erfassung einer viel früheren Zeit zurückkehrten. In der Geltendmachung des Nationalitätenprinzips, in der Verkündigung, daß die einzelnen Völker ihren Göttern folgen, ist ein Rückschritt vorhanden in die alte Jahve-Religion. Den Christus verleugnen am meisten diejenigen, die ihn in irgendeiner nationalen Form anbeten wollen.

[ 35 ] Sehen Sie, was man berücksichtigen muß, das ist, daß in jeder Art von Verkündigung, in der Hirtenverkündigung und in der Magierverkündigung, etwas ganz allgemein Menschliches gegeben ist; denn die Erde ist allen Menschen gemeinschaftlich. Und indem die Hirten die Erdenverkündigung bekommen haben, haben sie eine Verkündigung bekommen, die nicht volksmäßig verschieden sein kann, die nicht volksmäßig sich differenzieren kann. Und indem die Magier die große Sonnen-, die Himmelsverkündigung bekommen haben, haben auch sie ein allgemein Menschliches empfangen. Denn wenn die Sonne zuerst auf dem Territorium des einen Volkes geschienen hat, dann scheint sie auch im Territorium des anderen. Der Himmel ist allen gemeinschaftlich, die Erde ist allen gemeinschaftlich. Das ganz allgemein Menschliche wird mit dem Christentum in der Menschheit rege. Darauf weist auch jene Weihnachtsdarstellung hin, die sich in der zweifachen Verkündigung darstellt. Solche Dinge, die für eine ganz andere Seelenverfassung voll verständlich waren, werden heute erst wiederum verständlich durch die Geisteswissenschaft.

[ 35 ] Sehen Sie, was man berücksichtigen muß, das ist, daß in jeder Art von Verkündigung, in der Hirtenverkündigung und in der Magierverkündigung, etwas ganz allgemein Menschliches gegeben ist; denn die Erde ist allen Menschen gemeinschaftlich. Und indem die Hirten die Erdenverkündigung bekommen haben, haben sie eine Verkündigung bekommen, die nicht volksmäßig verschieden sein kann, die nicht volksmäßig sich differenzieren kann. Und indem die Magier die große Sonnen-, die Himmelsverkündigung bekommen haben, haben auch sie ein allgemein Menschliches empfangen. Denn wenn die Sonne zuerst auf dem Territorium des einen Volkes geschienen hat, dann scheint sie auch im Territorium des anderen. Der Himmel ist allen gemeinschaftlich, die Erde ist allen gemeinschaftlich. Das ganz allgemein Menschliche wird mit dem Christentum in der Menschheit rege. Darauf weist auch jene Weihnachtsdarstellung hin, die sich in der zweifachen Verkündigung darstellt. Solche Dinge, die für eine ganz andere Seelenverfassung voll verständlich waren, werden heute erst wiederum verständlich durch die Geisteswissenschaft.

[ 36 ] Und wie wird diese Geisteswissenschaft behandelt? — Ja, sie wird sehr sonderbar behandelt gerade von denjenigen, welche sich offizielle Vertreter des Christentums nennen. Es sind gewiß auch eine Anzahl unter Ihnen, welche jene Gruppe in Dornach gesehen haben, mit der Christus-Figur in der Mitte, die am Ostende des Dornacher Goetheanums stehen soll. Sie wissen, wenn ich diese Christus-Figur erkläre, so erkläre ich, wie oben ein ideales Antlitz des Menschen ist, wie es mir erscheint als das wirkliche Antlitz des Christus. Diejenigen, welche die Figur gesehen haben, werden sich erinnern, daß es ein rein menschliches, idealisiertes Angesicht ist. Jetzt ist die Figur etwas weiter gediehen in der letzten Zeit, aber sie war, solange sie gezeigt wurde, bis zur Mitte unten ein Holzklotz, wie ihn die Arbeiter gemacht haben. Denn unten wird namentlich der Wille im Schreiten sich auszudrücken haben. Diese Figur ist umgeben oben von zwei luziferischen Gestalten, die abgesondert sind von der Christus-Gestalt, und unten von zwei ahrimanischen Gestalten. — Nun gibt es einen gewissen Missionsprediger, der den Namen Frohnmeyer trägt. Der hat ein Büchelchen erscheinen lassen über die Theosophie. Das behandelt auch in ganz äußerlicher Weise die Anthroposophie. Da steht — und nicht, als ob dem Manne das irgend jemand gesagt hätte, sondern als ob er selber dagewesen wäre und es sich angesehen hätte —, da steht in dieser Schrift: In Dornach soll ein Christus dargestellt werden, welcher oben luziferische Züge trägt und unten tierische Merkmale.

[ 36 ] Und wie wird diese Geisteswissenschaft behandelt? — Ja, sie wird sehr sonderbar behandelt gerade von denjenigen, welche sich offizielle Vertreter des Christentums nennen. Es sind gewiß auch eine Anzahl unter Ihnen, welche jene Gruppe in Dornach gesehen haben, mit der Christus-Figur in der Mitte, die am Ostende des Dornacher Goetheanums stehen soll. Sie wissen, wenn ich diese Christus-Figur erkläre, so erkläre ich, wie oben ein ideales Antlitz des Menschen ist, wie es mir erscheint als das wirkliche Antlitz des Christus. Diejenigen, welche die Figur gesehen haben, werden sich erinnern, daß es ein rein menschliches, idealisiertes Angesicht ist. Jetzt ist die Figur etwas weiter gediehen in der letzten Zeit, aber sie war, solange sie gezeigt wurde, bis zur Mitte unten ein Holzklotz, wie ihn die Arbeiter gemacht haben. Denn unten wird namentlich der Wille im Schreiten sich auszudrücken haben. Diese Figur ist umgeben oben von zwei luziferischen Gestalten, die abgesondert sind von der Christus-Gestalt, und unten von zwei ahrimanischen Gestalten. — Nun gibt es einen gewissen Missionsprediger, der den Namen Frohnmeyer trägt. Der hat ein Büchelchen erscheinen lassen über die Theosophie. Das behandelt auch in ganz äußerlicher Weise die Anthroposophie. Da steht — und nicht, als ob dem Manne das irgend jemand gesagt hätte, sondern als ob er selber dagewesen wäre und es sich angesehen hätte —, da steht in dieser Schrift: In Dornach soll ein Christus dargestellt werden, welcher oben luziferische Züge trägt und unten tierische Merkmale.

[ 37 ] Ich habe oftmals die Erzählung gehört, daß man in einer ganz besonderen Weise abends manchmal seinen Seelenzustand prüfen kann, indem man, wenn man nach Hause kommt, sich ins Bett legt und den Zylinder auf die Bettdecke legt. Ist der Zylinder einfach vorhanden, so ist man nüchtern, ist er doppelt vorhanden, so ist man entschieden betrunken. — Nun, wer in Dornach die Christus-Figur oben mit luziferischen Zügen sieht und unten mit tierischen Merkmalen, der war gewiß in der Lage eines Mannes, der zwei Zylinderhüte sieht, wenn er einen auf die Bettdecke gelegt hat.

[ 37 ] Ich habe oftmals die Erzählung gehört, daß man in einer ganz besonderen Weise abends manchmal seinen Seelenzustand prüfen kann, indem man, wenn man nach Hause kommt, sich ins Bett legt und den Zylinder auf die Bettdecke legt. Ist der Zylinder einfach vorhanden, so ist man nüchtern, ist er doppelt vorhanden, so ist man entschieden betrunken. — Nun, wer in Dornach die Christus-Figur oben mit luziferischen Zügen sieht und unten mit tierischen Merkmalen, der war gewiß in der Lage eines Mannes, der zwei Zylinderhüte sieht, wenn er einen auf die Bettdecke gelegt hat.

[ 38 ] Die Sache hat einen sehr ernsthaften Hintergrund, denn das schreibt ein Mensch, welcher ein christlicher Missionsprediger ist. Das erscheint in einer Schrift, in der andere Sachen stehen von gleichem Wahrheitsgehalt. Der Mann wurde vor einiger Zeit von einer theologischen Fakultät zum Dr. theol. gemacht. Der Mann lehrt an einer theologischen Fakultät, wo er als Dozent eingeschrieben ist. Sie können sich vorstellen, von welchem Wahrheitsgehalt die Lehre eines Menschen durchdrungen sein kann, der ein solches Verhältnis zur Wahrheit hat und der behauptet, er hätte das gesehen, was er da beschreibt.

[ 38 ] Die Sache hat einen sehr ernsthaften Hintergrund, denn das schreibt ein Mensch, welcher ein christlicher Missionsprediger ist. Das erscheint in einer Schrift, in der andere Sachen stehen von gleichem Wahrheitsgehalt. Der Mann wurde vor einiger Zeit von einer theologischen Fakultät zum Dr. theol. gemacht. Der Mann lehrt an einer theologischen Fakultät, wo er als Dozent eingeschrieben ist. Sie können sich vorstellen, von welchem Wahrheitsgehalt die Lehre eines Menschen durchdrungen sein kann, der ein solches Verhältnis zur Wahrheit hat und der behauptet, er hätte das gesehen, was er da beschreibt.

[ 39 ] So steht es heute mit der Wahrhaftigkeit derjenigen, die offiziell das Christentum vertreten wollen. Ich frage Sie: Beweisen nicht gerade diese christlichen, das heißt antichristlichen Vertreter — antichristlich wegen ihres unwahrhaftigen, verlogenen Sinnes — die Notwendigkeit einer Erneuerung des Christentums? Sind diese Leute nicht der lebendige Beweis dafür, daß das Christentum einer Erneuerung bedarf? Vielleicht ist es auch aus diesem Grunde heraus am meisten begreifbar, warum man an diesen Leuten die schärfsten Feinde hat: weil herauskommen soll, was für Christen diese Menschen sind! Das wollen sie natürlich nicht. Sie wollen weiter im trüben fischen, wollen ihre Verleumdungen und Unwahrheiten überall verkündigen und dann selber als Leuchten des Christentums dastehen.

[ 39 ] So steht es heute mit der Wahrhaftigkeit derjenigen, die offiziell das Christentum vertreten wollen. Ich frage Sie: Beweisen nicht gerade diese christlichen, das heißt antichristlichen Vertreter — antichristlich wegen ihres unwahrhaftigen, verlogenen Sinnes — die Notwendigkeit einer Erneuerung des Christentums? Sind diese Leute nicht der lebendige Beweis dafür, daß das Christentum einer Erneuerung bedarf? Vielleicht ist es auch aus diesem Grunde heraus am meisten begreifbar, warum man an diesen Leuten die schärfsten Feinde hat: weil herauskommen soll, was für Christen diese Menschen sind! Das wollen sie natürlich nicht. Sie wollen weiter im trüben fischen, wollen ihre Verleumdungen und Unwahrheiten überall verkündigen und dann selber als Leuchten des Christentums dastehen.

[ 40 ] Das sollen wir uns heute ins Herz schreiben: Wir haben nötig, wenn wir an das Weihnachtsmysterium denken, tatsächlich auf eine Geburt hinzuschauen. Wir haben nicht bloß zu schwätzen über das Weihnachtsfest und auch nicht bloß zu schwätzen in unserer Empfindung, sondern wir haben hinzuschauen auf etwas, was in unserer Zeit neu geboren werden muß. Das wahre Christentum, wahrhaftig, es muß neu geboren werden. Wir brauchen ein Weltenweihnachtsfest. Geisteswissenschaft will sein dasjenige, was ein Weltenweihnachtsfest unter den Menschen in der richtigen Weise vorbereitet.

[ 40 ] Das sollen wir uns heute ins Herz schreiben: Wir haben nötig, wenn wir an das Weihnachtsmysterium denken, tatsächlich auf eine Geburt hinzuschauen. Wir haben nicht bloß zu schwätzen über das Weihnachtsfest und auch nicht bloß zu schwätzen in unserer Empfindung, sondern wir haben hinzuschauen auf etwas, was in unserer Zeit neu geboren werden muß. Das wahre Christentum, wahrhaftig, es muß neu geboren werden. Wir brauchen ein Weltenweihnachtsfest. Geisteswissenschaft will sein dasjenige, was ein Weltenweihnachtsfest unter den Menschen in der richtigen Weise vorbereitet.