Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203
6 January 1921, Stuttgart
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Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Es kommt heute alles darauf an, dasjenige, was als Erkenntnisse und als Seelenimpulse durch die Geisteswissenschaft fließen will, in wirklich lebendiger Weise in das Dasein einzuführen. Immer wieder muß es betont werden, daß gegenüber den großen Aufgaben der Gegenwart es nicht genügt, irgendwie theoretisch sich zu unterrichten über die Wahrheiten, welche dem Menschenleben, dem Weltendasein zugrunde liegen und die man aus anthroposophischer Geisteswissenschaft gewinnen kann, sondern daß es sich darum handelt, im konkreten Leben zu sehen, wie die Zusammenhänge sind, und aus den geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus das Leben selbst zu verstehen. Die Menschheit hat sich durch Jahrhunderte hindurch gewöhnt, von dem Wirklichen nur einen Teil zu sehen. Und gerade dadurch sind nach und nach jene Menschenstimmungen vorbereitet worden, die dann hineingeführt haben in das gegenwärtige katastrophale Leben. Die Menschen stehen ohne Verständnis des Lebens, ohne dasjenige Verständnis des Lebens heute im Dasein drinnen, welches verlangt wird von der gegenwärtigen Entwickelungsstufe der Menschheit.
[ 1 ] Es kommt heute alles darauf an, dasjenige, was als Erkenntnisse und als Seelenimpulse durch die Geisteswissenschaft fließen will, in wirklich lebendiger Weise in das Dasein einzuführen. Immer wieder muß es betont werden, daß gegenüber den großen Aufgaben der Gegenwart es nicht genügt, irgendwie theoretisch sich zu unterrichten über die Wahrheiten, welche dem Menschenleben, dem Weltendasein zugrunde liegen und die man aus anthroposophischer Geisteswissenschaft gewinnen kann, sondern daß es sich darum handelt, im konkreten Leben zu sehen, wie die Zusammenhänge sind, und aus den geisteswissenschaftlichen Untergründen heraus das Leben selbst zu verstehen. Die Menschheit hat sich durch Jahrhunderte hindurch gewöhnt, von dem Wirklichen nur einen Teil zu sehen. Und gerade dadurch sind nach und nach jene Menschenstimmungen vorbereitet worden, die dann hineingeführt haben in das gegenwärtige katastrophale Leben. Die Menschen stehen ohne Verständnis des Lebens, ohne dasjenige Verständnis des Lebens heute im Dasein drinnen, welches verlangt wird von der gegenwärtigen Entwickelungsstufe der Menschheit.
[ 2 ] Wir werden ja ganz gewiß als Bekenner anthroposophischer Geisteswissenschaft leicht vordringen zu der Überzeugung von den wiederholten Erdenleben, von der Verursachung dessen in einem früheren Leben, was — trotz des vollen Bestandes der Freiheit — mit einem Menschen vorgeht, oder was ein Mensch unternimmt in seinem jetzigen Leben. Wenn es sich aber darum handelt, das konkrete Leben zu begreifen, dann fügen wir uns allzuleicht den Vorstellungen, die die letzten Jahrhunderte hervorgebracht haben und die ja eigentlich zum Ergreifen des Menschenlebens durchaus nicht ausreichen, die ganz geeignet sind, gewisse Tatsachen des natürlichen Geschehens zu begreifen, die aber stumpf sind gegenüber der ganzen Kompliziertheit des Menschenlebens. Und man möchte sagen: Am weitesten zurückgeblieben hinter dem, was heute Lebensforderung ist, ist eigentlich das wissenschaftliche Leben. Aber dieses wissenschaftliche Leben übt wiederum einen großen Einfluß aus auf das Denken der breitesten Menschenmassen. Ich habe gar nicht, wenn ich von der Wirkung dieses wissenschaftlichen Lebens rede, diejenigen im Auge, die zur Wissenschaft in irgendeiner Beziehung stehen. Ich habe die ganze breite Masse der Menschheit im Auge, die sich in den wichtigsten Lebensfragen den autoritativen Weisungen derjenigen fügt, die nun einmal durch die äußeren Einrichtungen berufen erscheinen, über diese oder jene Dinge zu urteilen. Dann richtet man sich nach solchen Urteilen. Aber in solchen Urteilen ist nichts enthalten von einem wirklichen Verständnis des Menschenlebens. Es muß hineingetragen werden in dieses Menschenleben dasjenige, was aus anthroposophischer Geisteswissenschaft fließen kann. Vor allen Dingen muß es hineingetragen werden in diejenigen Zweige des öffentlichen Unterrichtes, welche die Grundlage abgeben für das Verständnis des Lebens.
[ 2 ] Wir werden ja ganz gewiß als Bekenner anthroposophischer Geisteswissenschaft leicht vordringen zu der Überzeugung von den wiederholten Erdenleben, von der Verursachung dessen in einem früheren Leben, was — trotz des vollen Bestandes der Freiheit — mit einem Menschen vorgeht, oder was ein Mensch unternimmt in seinem jetzigen Leben. Wenn es sich aber darum handelt, das konkrete Leben zu begreifen, dann fügen wir uns allzuleicht den Vorstellungen, die die letzten Jahrhunderte hervorgebracht haben und die ja eigentlich zum Ergreifen des Menschenlebens durchaus nicht ausreichen, die ganz geeignet sind, gewisse Tatsachen des natürlichen Geschehens zu begreifen, die aber stumpf sind gegenüber der ganzen Kompliziertheit des Menschenlebens. Und man möchte sagen: Am weitesten zurückgeblieben hinter dem, was heute Lebensforderung ist, ist eigentlich das wissenschaftliche Leben. Aber dieses wissenschaftliche Leben übt wiederum einen großen Einfluß aus auf das Denken der breitesten Menschenmassen. Ich habe gar nicht, wenn ich von der Wirkung dieses wissenschaftlichen Lebens rede, diejenigen im Auge, die zur Wissenschaft in irgendeiner Beziehung stehen. Ich habe die ganze breite Masse der Menschheit im Auge, die sich in den wichtigsten Lebensfragen den autoritativen Weisungen derjenigen fügt, die nun einmal durch die äußeren Einrichtungen berufen erscheinen, über diese oder jene Dinge zu urteilen. Dann richtet man sich nach solchen Urteilen. Aber in solchen Urteilen ist nichts enthalten von einem wirklichen Verständnis des Menschenlebens. Es muß hineingetragen werden in dieses Menschenleben dasjenige, was aus anthroposophischer Geisteswissenschaft fließen kann. Vor allen Dingen muß es hineingetragen werden in diejenigen Zweige des öffentlichen Unterrichtes, welche die Grundlage abgeben für das Verständnis des Lebens.
[ 3 ] Wenn heute der eine oder der andere herantritt an Geisteswissenschaft, so fängt er an, das, was den wiederholten Erdenleben zugrunde liegt, zu begreifen. Wenn er aber dann sich unterrichten will über dasjenige, was in der Gegenwart vorgeht, und wenn er außer anderem vielleicht an die Geschichte herantritt — ich meine jetzt unter Geschichte das, was zur Bildung der breitesten Masse gehört —, dann herrscht gerade in dem, was da Geschichte ist, jene Denkweise, die nur geeignet ist, die Naturdinge und Naturtatsachen zu erklären. Immer mehr ist die Menschheit dazu gekommen, gerade aus der Geschichte alles Geistige herauszustreichen. Und wenn heute jemand sich die Tatsachen erklären will, die aus dem geschichtlichen Leben auf irgendeinem Gebiet hervorgehen, dann kann er das kaum anders, als daß er sich über dasjenige unterrichtet, was erlebt hat die frühere Generation, die zweite frühere Generation, die dritte Generation und so weiter, hinauf durch die Jahrhunderte. Wie lernt, um ein konkretes Beispiel herauszugreifen, heute der Deutsche seine Geschichte? Er faßt ins Auge eben die Menschen, die da in Mitteleuropa gelebt haben, zu denen er selber gehört. Er läßt sich erzählen dieHergänge,diesichabgespielthaben mitdiesenMenschen;erverfolgt diese Hergänge hinauf zu den Vätern, Großvätern, Urgroßvätern, zu den früheren Generationen. Er dringt dann vor, rückwärtsgehend, vielleicht bis in die Zeit des Mittelalters. Man hat immer das Bewußtsein, daß man es da zu tun hat mit einer fortströmenden Menschheit, die man bis zur Völkerwanderung und so weiter zurückverfolgt, und man will sich erklären, was den Menschen der Gegenwart geschieht, aus dem, was geschehen ist mit Bezug auf diese vorhergehenden Generationen. Man lernt kennen den fortlaufenden Strom des geschichtlichen Werdens, wie er sich in der Folge dieser Generationen abspielt. Man hat eigentlich nur den Begriff der Vererbung mit Bezug auf die Menschen, man denkt sich, daß die Söhne gewisse Dinge von ihren Vätern ererbt haben, seien es ihre Eigenschaften, sei es, daß ihnen geblieben ist, was die Väter gestiftet haben und so weiter. Also man geht in der Zeit hinauf von der gegenwärtigen Generation zur vorhergehenden und so fort.
[ 3 ] Wenn heute der eine oder der andere herantritt an Geisteswissenschaft, so fängt er an, das, was den wiederholten Erdenleben zugrunde liegt, zu begreifen. Wenn er aber dann sich unterrichten will über dasjenige, was in der Gegenwart vorgeht, und wenn er außer anderem vielleicht an die Geschichte herantritt — ich meine jetzt unter Geschichte das, was zur Bildung der breitesten Masse gehört —, dann herrscht gerade in dem, was da Geschichte ist, jene Denkweise, die nur geeignet ist, die Naturdinge und Naturtatsachen zu erklären. Immer mehr ist die Menschheit dazu gekommen, gerade aus der Geschichte alles Geistige herauszustreichen. Und wenn heute jemand sich die Tatsachen erklären will, die aus dem geschichtlichen Leben auf irgendeinem Gebiet hervorgehen, dann kann er das kaum anders, als daß er sich über dasjenige unterrichtet, was erlebt hat die frühere Generation, die zweite frühere Generation, die dritte Generation und so weiter, hinauf durch die Jahrhunderte. Wie lernt, um ein konkretes Beispiel herauszugreifen, heute der Deutsche seine Geschichte? Er faßt ins Auge eben die Menschen, die da in Mitteleuropa gelebt haben, zu denen er selber gehört. Er läßt sich erzählen dieHergänge,diesichabgespielthaben mitdiesenMenschen;erverfolgt diese Hergänge hinauf zu den Vätern, Großvätern, Urgroßvätern, zu den früheren Generationen. Er dringt dann vor, rückwärtsgehend, vielleicht bis in die Zeit des Mittelalters. Man hat immer das Bewußtsein, daß man es da zu tun hat mit einer fortströmenden Menschheit, die man bis zur Völkerwanderung und so weiter zurückverfolgt, und man will sich erklären, was den Menschen der Gegenwart geschieht, aus dem, was geschehen ist mit Bezug auf diese vorhergehenden Generationen. Man lernt kennen den fortlaufenden Strom des geschichtlichen Werdens, wie er sich in der Folge dieser Generationen abspielt. Man hat eigentlich nur den Begriff der Vererbung mit Bezug auf die Menschen, man denkt sich, daß die Söhne gewisse Dinge von ihren Vätern ererbt haben, seien es ihre Eigenschaften, sei es, daß ihnen geblieben ist, was die Väter gestiftet haben und so weiter. Also man geht in der Zeit hinauf von der gegenwärtigen Generation zur vorhergehenden und so fort.
[ 4 ] Wenn wir nun die Sache geisteswissenschaftlich ansehen, ist sie denn dann eine volle Wirklichkeit? Liegt denn die Sache nicht so, daß die Seelen, die in den gegenwärtigen Menschenleibern eine Generation sind, durchaus nicht in ihrem früheren Erdenleben in diesem Mitteleuropa verkörpert gewesen zu sein brauchen, daß sie vielleicht ganz woanders unter ganz anderen Verhältnissen verkörpert waren? — Die Kräfte, die sie sich mitgebracht haben aus ihren früheren Verkörperungen, die tragen sie in die gegenwärtigen Leiber herein. Die wirken doch wahrhaftig ebenso wie das, was mit dem Blut heruntergeronnen ist durch die Generationen, die wirken zusammen mit diesen äußerlichen, physisch vererbten Merkmalen. Kann man sich denn der Illusion hingeben, daß man die Gegenwart versteht hinsichtlich ihrer Menschen, hinsichtlich der Tatsachen, die geschehen, wenn man nur ein Stück Wirklichkeit, nicht die volle Wirklichkeit ins Auge faßt, wenn man sich nicht sagt: In den Menschen der Gegenwart leben eben Seelen, in denen Kräfte walten, die uns durchaus nicht zurückführen durch die Generationen, sondern die uns vielleicht in ganz andere Regionen führen, wo diese Seelen in einem früheren Leben waren? — Man versteht nicht, was auf der Erde vorgeht, wenn man nicht im konkreten Sinne ernst nimmt dasjenige, was in der Anerkennung der Tatsache der wiederholten Erdenleben liegt. Man kann nicht in ehrlicher Weise auf der einen Seite ein abstrakter Bekenner der wiederholten Erdenleben sein und auf der anderen Seite Geschichte so betrachten, wie sie heute betrieben wird. Da schneidet man eben mitten auseinander auf der einen Seite das äußere Leben, in dem man sich ganz fügt dem Traditionellen, und auf der anderen Seite dasjenige, was man eigentlich für das Wesentliche anerkennt. Es muß immer mehr und mehr das Bedürfnis entstehen, die Dinge, die man aus geistigen Untergründen heraus als Wahrheit erkannt hat, wirklich auch im Leben drinnen zu sehen. Weil das so ist, stehe ich nicht an, über gewisse Forschungen auch zu sprechen, die vielleicht heute von manchen Menschen als sehr paradox empfunden werden, die aber durchaus heute verkündet werden müssen, weil heute die Menschheit nach dem Begreifen der ganzen Wirklichkeit verlangt, und weil alles, was nicht nach dem Begreifen der ganzen Wirklichkeit hingeht, einfach dem niedergehenden Leben angehört. Es ist ja natürlich schon einmal so, daß die meisten Menschen heute noch, wenn sie sich vor den vollen Ernst der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten gestellt sehen, zurückschrecken. Die Dinge kommen ihnen zu kühn vor. Es ist ihnen ein zu weiter Weg von dem, was sie gewohnt sind zu denken und zu empfinden, zu dem, was die Geisteswissenschaft sagt. Daher nippen sie vielleicht an dieser Geisteswissenschaft, aber sie kommen nicht bis zum vollen Ernste ihrer Erfassung, denn sie haben nicht den Mut, die Dinge in das Leben wirklich hineinzutragen, nicht einmal in die Betrachtung des konkreten Lebens.
[ 4 ] Wenn wir nun die Sache geisteswissenschaftlich ansehen, ist sie denn dann eine volle Wirklichkeit? Liegt denn die Sache nicht so, daß die Seelen, die in den gegenwärtigen Menschenleibern eine Generation sind, durchaus nicht in ihrem früheren Erdenleben in diesem Mitteleuropa verkörpert gewesen zu sein brauchen, daß sie vielleicht ganz woanders unter ganz anderen Verhältnissen verkörpert waren? — Die Kräfte, die sie sich mitgebracht haben aus ihren früheren Verkörperungen, die tragen sie in die gegenwärtigen Leiber herein. Die wirken doch wahrhaftig ebenso wie das, was mit dem Blut heruntergeronnen ist durch die Generationen, die wirken zusammen mit diesen äußerlichen, physisch vererbten Merkmalen. Kann man sich denn der Illusion hingeben, daß man die Gegenwart versteht hinsichtlich ihrer Menschen, hinsichtlich der Tatsachen, die geschehen, wenn man nur ein Stück Wirklichkeit, nicht die volle Wirklichkeit ins Auge faßt, wenn man sich nicht sagt: In den Menschen der Gegenwart leben eben Seelen, in denen Kräfte walten, die uns durchaus nicht zurückführen durch die Generationen, sondern die uns vielleicht in ganz andere Regionen führen, wo diese Seelen in einem früheren Leben waren? — Man versteht nicht, was auf der Erde vorgeht, wenn man nicht im konkreten Sinne ernst nimmt dasjenige, was in der Anerkennung der Tatsache der wiederholten Erdenleben liegt. Man kann nicht in ehrlicher Weise auf der einen Seite ein abstrakter Bekenner der wiederholten Erdenleben sein und auf der anderen Seite Geschichte so betrachten, wie sie heute betrieben wird. Da schneidet man eben mitten auseinander auf der einen Seite das äußere Leben, in dem man sich ganz fügt dem Traditionellen, und auf der anderen Seite dasjenige, was man eigentlich für das Wesentliche anerkennt. Es muß immer mehr und mehr das Bedürfnis entstehen, die Dinge, die man aus geistigen Untergründen heraus als Wahrheit erkannt hat, wirklich auch im Leben drinnen zu sehen. Weil das so ist, stehe ich nicht an, über gewisse Forschungen auch zu sprechen, die vielleicht heute von manchen Menschen als sehr paradox empfunden werden, die aber durchaus heute verkündet werden müssen, weil heute die Menschheit nach dem Begreifen der ganzen Wirklichkeit verlangt, und weil alles, was nicht nach dem Begreifen der ganzen Wirklichkeit hingeht, einfach dem niedergehenden Leben angehört. Es ist ja natürlich schon einmal so, daß die meisten Menschen heute noch, wenn sie sich vor den vollen Ernst der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten gestellt sehen, zurückschrecken. Die Dinge kommen ihnen zu kühn vor. Es ist ihnen ein zu weiter Weg von dem, was sie gewohnt sind zu denken und zu empfinden, zu dem, was die Geisteswissenschaft sagt. Daher nippen sie vielleicht an dieser Geisteswissenschaft, aber sie kommen nicht bis zum vollen Ernste ihrer Erfassung, denn sie haben nicht den Mut, die Dinge in das Leben wirklich hineinzutragen, nicht einmal in die Betrachtung des konkreten Lebens.
[ 5 ] Ich muß da etwas noch einmal betonen, auf das ich öfters aufmerksam gemacht habe, bevor ich die folgenden Auseinandersetzungen gebe. Ich sagte schon öfters: Derjenige, der etwas finden will in geistiger Erforschung aus den geistigen Welten heraus, der muß sich wohl hüten vor bloßen Begriffskombinationen oder Ideenverbindungen. Denn das, was man sich vorstellt, ist gewöhnlich das Gegenteil der Wahrheit oder wenigstens etwas, was sehr abweicht von der Wahrheit. Gerade die tieferen Wahrheiten erscheinen zunächst paradox. Sie können nur gefunden werden durch wirkliches Erlebnis, durch wirkliche Erfahrung.
[ 5 ] Ich muß da etwas noch einmal betonen, auf das ich öfters aufmerksam gemacht habe, bevor ich die folgenden Auseinandersetzungen gebe. Ich sagte schon öfters: Derjenige, der etwas finden will in geistiger Erforschung aus den geistigen Welten heraus, der muß sich wohl hüten vor bloßen Begriffskombinationen oder Ideenverbindungen. Denn das, was man sich vorstellt, ist gewöhnlich das Gegenteil der Wahrheit oder wenigstens etwas, was sehr abweicht von der Wahrheit. Gerade die tieferen Wahrheiten erscheinen zunächst paradox. Sie können nur gefunden werden durch wirkliches Erlebnis, durch wirkliche Erfahrung.
[ 6 ] Wir wollen also einmal ernst nehmen die Frage: Wie steht es denn, wenn wir von wahrer Geisteswissenschaft aus die Verhältnisse der Gegenwart, die Menschen der Gegenwart betrachten, mit den Menschen dieser Zivilisation, die in solch eine Katastrophe hineingeführt hat? — Ich bemerke ausdrücklich, daß dasjenige, was ich über Dinge, die ich auch jetzt besprechen will, im einzelnen da oder dort schon angedeutet habe, durchaus so ist, wie ich es angedeutet habe. Aber natürlich kann man das, was das Feld einer weitausgreifenden Wirklichkeit ist, nur charakterisieren, indem man immer Einzelheiten anführt.
[ 6 ] Wir wollen also einmal ernst nehmen die Frage: Wie steht es denn, wenn wir von wahrer Geisteswissenschaft aus die Verhältnisse der Gegenwart, die Menschen der Gegenwart betrachten, mit den Menschen dieser Zivilisation, die in solch eine Katastrophe hineingeführt hat? — Ich bemerke ausdrücklich, daß dasjenige, was ich über Dinge, die ich auch jetzt besprechen will, im einzelnen da oder dort schon angedeutet habe, durchaus so ist, wie ich es angedeutet habe. Aber natürlich kann man das, was das Feld einer weitausgreifenden Wirklichkeit ist, nur charakterisieren, indem man immer Einzelheiten anführt.
[ 7 ] Ich habe ja öfters darauf aufmerksam gemacht, wie in der Gegenwart viele Seelen leben, die in einem früheren Leben in den ersten Jahrhunderten des Christentums mehr im Süden von Europa inkarniert waren, und die jetzt mehr in Mitteleuropa verkörpert sind. Das ist durchaus eine Wahrheit, allein es bezieht sich nur auf eine gewisse Anzahl von Seelen. Ich will heute das vor Sie hinstellen, was sich auf große Teile der gegenwärtigen Erdenbevölkerung bezieht. Da kommen wir zu der Frage, und dasjenige, was ich als Antwort geben werde auf diese Frage, beruht eben auf wirklicher, intensiver geistiger Forschung: Wo waren denn die Seelen eines großen Teiles, geradezu das Gros der europäischen Westbevölkerung und auch eines großen Teiles der mitteleuropäischen Bevölkerung bis weit nach Rußland hinein in einem früheren Erdenleben? — Wenn man diese Frage gewissenhaft untersucht mit den zur Verfügung stehenden geistigen Forschungsmitteln, dann stellt sich heraus, daß man es zu tun hat mit Seelen, die ein verhältnismäßig kürzeres Leben durchgemacht haben zwischen dem letzten Tod und dieser Geburt. Man wird nach Westen hinübergeführt. Man wird dort hingeführt auf seinen Forschungswegen, wo nach der Entdeckung Amerikas ja ein großer Teil der europäischen Bevölkerung dieses Amerika besiedelt und die Urbevölkerung ausgerottet oder wenigstens außerordentlich zurückgedrängt hat. Man wird in die Jahrhunderte der Eroberung Amerikas geführt, zu denjenigen Seelen, die in den Indianerleibern waren, über die sich die Eroberungen ergossen haben. Man wird, was ich zu sagen habe, nur verstehen, wenn man diese von den Europäern ausgerotteten Indianer in der richtigen Weise beurteilt. Gewiß, in dem Sinne waren das nicht gebildete Leute, in dem man jetzt unter uns Bildung auffaßt, aber es war etwas in diesen Seelen, was ich bezeichnen möchte als eine universelle pantheistische religiöse Empfindung. Gerade bei diesen Indianern, nicht gerade bei den entarteten Leuten, aber bei denen, die dort das tonangebende Element bildeten, hat man angetroffen ein religiöses Gefühl, das sich richtete auf eine geistige Wesenheit, monotheistisch sogar, das einen einheitlichen Geist in den Naturerscheinungen und auch in den Taten der Menschen lebendig und intensiv empfand. Diese Seelenstimmung muß man ins Auge fassen und muß durch manches Vorurteil wie durch Gestrüpp hindurch begreifen, daß man in diesen Seelen doch etwas anderes zu sehen hat als das, was man nur dann im Indianer sieht, wenn man ihn nach äußerlicher, naturalistischer Methode gewissermaßen wie ein halbes Tier ansieht. Und die Seelen dieser ausgerotteten, besiegten Indianerbevölkerung leben heute in dem Gros der westeuropäischen und mitteleuropäischen Menschen bis weit nach Rußland hinein. Wir begreifen nicht, wie die Wirklichkeit ist, wenn wir nicht dieses uns scheinbar so paradox Anmutende zu unserem Verständnis bringen.
[ 7 ] Ich habe ja öfters darauf aufmerksam gemacht, wie in der Gegenwart viele Seelen leben, die in einem früheren Leben in den ersten Jahrhunderten des Christentums mehr im Süden von Europa inkarniert waren, und die jetzt mehr in Mitteleuropa verkörpert sind. Das ist durchaus eine Wahrheit, allein es bezieht sich nur auf eine gewisse Anzahl von Seelen. Ich will heute das vor Sie hinstellen, was sich auf große Teile der gegenwärtigen Erdenbevölkerung bezieht. Da kommen wir zu der Frage, und dasjenige, was ich als Antwort geben werde auf diese Frage, beruht eben auf wirklicher, intensiver geistiger Forschung: Wo waren denn die Seelen eines großen Teiles, geradezu das Gros der europäischen Westbevölkerung und auch eines großen Teiles der mitteleuropäischen Bevölkerung bis weit nach Rußland hinein in einem früheren Erdenleben? — Wenn man diese Frage gewissenhaft untersucht mit den zur Verfügung stehenden geistigen Forschungsmitteln, dann stellt sich heraus, daß man es zu tun hat mit Seelen, die ein verhältnismäßig kürzeres Leben durchgemacht haben zwischen dem letzten Tod und dieser Geburt. Man wird nach Westen hinübergeführt. Man wird dort hingeführt auf seinen Forschungswegen, wo nach der Entdeckung Amerikas ja ein großer Teil der europäischen Bevölkerung dieses Amerika besiedelt und die Urbevölkerung ausgerottet oder wenigstens außerordentlich zurückgedrängt hat. Man wird in die Jahrhunderte der Eroberung Amerikas geführt, zu denjenigen Seelen, die in den Indianerleibern waren, über die sich die Eroberungen ergossen haben. Man wird, was ich zu sagen habe, nur verstehen, wenn man diese von den Europäern ausgerotteten Indianer in der richtigen Weise beurteilt. Gewiß, in dem Sinne waren das nicht gebildete Leute, in dem man jetzt unter uns Bildung auffaßt, aber es war etwas in diesen Seelen, was ich bezeichnen möchte als eine universelle pantheistische religiöse Empfindung. Gerade bei diesen Indianern, nicht gerade bei den entarteten Leuten, aber bei denen, die dort das tonangebende Element bildeten, hat man angetroffen ein religiöses Gefühl, das sich richtete auf eine geistige Wesenheit, monotheistisch sogar, das einen einheitlichen Geist in den Naturerscheinungen und auch in den Taten der Menschen lebendig und intensiv empfand. Diese Seelenstimmung muß man ins Auge fassen und muß durch manches Vorurteil wie durch Gestrüpp hindurch begreifen, daß man in diesen Seelen doch etwas anderes zu sehen hat als das, was man nur dann im Indianer sieht, wenn man ihn nach äußerlicher, naturalistischer Methode gewissermaßen wie ein halbes Tier ansieht. Und die Seelen dieser ausgerotteten, besiegten Indianerbevölkerung leben heute in dem Gros der westeuropäischen und mitteleuropäischen Menschen bis weit nach Rußland hinein. Wir begreifen nicht, wie die Wirklichkeit ist, wenn wir nicht dieses uns scheinbar so paradox Anmutende zu unserem Verständnis bringen.
[ 8 ] Das waren Seelen, die in ihrer früheren Inkarnation nichts vom Christentum gehabt haben. Dem Gros der europäischen Bevölkerung ist daher das Christentum auch nicht etwas, was schon in ihren Seelen lag vor der gegenwärtigen Geburt oder Empfängnis. Es ist ihnen anerzogen, allerdings anerzogen zum großen Teil mit den Lauten der Sprache. Es ist etwas, was äußerlich erworben ist. Die Art, wie das Christentum eigentlich in den heutigen europäischen Seelen lebt, wird derjenige verstehen, der weiß, daß in dem Gros dieser Seelen in einem früheren Erdenleben gar nicht christliche Impulse vorhanden waren, sondern die Impulse, die nach dem großen, universellen Geiste mit einer Art pantheistischer religiöser Empfindung hingingen. Allerdings hat sich ja in diese Bevölkerung vieles hineingemischt von Seelen, die mehr vom Süden heraufkamen, die eben in den ersten Jahrhunderten des Christentums in mehr südlichen Gegenden Europas verkörpert waren, die in nordafrikanischen Gegenden gelebt haben und die dann wiederverkörpert sind in diesem Gros, das ich eben bezeichnet habe. Aus diesen zwei Seelenarten setzt sich in der Hauptsache das zusammen, was west- und mitteleuropäische Bevölkerung ist, wie gesagt, bis weit nach Rußland hinein. Wir müssen uns klar sein darüber, daß wir zu studieren haben die Art und Weise, wie sich eine Seele äußert in der Gegenwart, wie ihre Aspirationen sind, wie ihre Art des Denkens ist. Um das alles zu wissen, müssen wir uns davon unterrichten, daß ein großer Teil der gegenwärtigen Bevölkerung nur begriffen werden kann, wenn wir nicht bloß wie gang und gäbe Geschichte in der Generationenströmung hinnehmen, sondern wenn wir wissen, daß in denjenigen Leibern, die allerdings in bezug auf die bloße Blutsverwandtschaft zurückgehen auf ihre Väter, Großväter, Urgroßväter und so weiter bis hinauf in die Zeiten Karls des Großen und weiter zurück, Seelen tätig sind, ihnen die ganze seelische Konfiguration gebend, welche im fernen Amerika gelebt haben und von Europäern überwunden worden sind.
[ 8 ] Das waren Seelen, die in ihrer früheren Inkarnation nichts vom Christentum gehabt haben. Dem Gros der europäischen Bevölkerung ist daher das Christentum auch nicht etwas, was schon in ihren Seelen lag vor der gegenwärtigen Geburt oder Empfängnis. Es ist ihnen anerzogen, allerdings anerzogen zum großen Teil mit den Lauten der Sprache. Es ist etwas, was äußerlich erworben ist. Die Art, wie das Christentum eigentlich in den heutigen europäischen Seelen lebt, wird derjenige verstehen, der weiß, daß in dem Gros dieser Seelen in einem früheren Erdenleben gar nicht christliche Impulse vorhanden waren, sondern die Impulse, die nach dem großen, universellen Geiste mit einer Art pantheistischer religiöser Empfindung hingingen. Allerdings hat sich ja in diese Bevölkerung vieles hineingemischt von Seelen, die mehr vom Süden heraufkamen, die eben in den ersten Jahrhunderten des Christentums in mehr südlichen Gegenden Europas verkörpert waren, die in nordafrikanischen Gegenden gelebt haben und die dann wiederverkörpert sind in diesem Gros, das ich eben bezeichnet habe. Aus diesen zwei Seelenarten setzt sich in der Hauptsache das zusammen, was west- und mitteleuropäische Bevölkerung ist, wie gesagt, bis weit nach Rußland hinein. Wir müssen uns klar sein darüber, daß wir zu studieren haben die Art und Weise, wie sich eine Seele äußert in der Gegenwart, wie ihre Aspirationen sind, wie ihre Art des Denkens ist. Um das alles zu wissen, müssen wir uns davon unterrichten, daß ein großer Teil der gegenwärtigen Bevölkerung nur begriffen werden kann, wenn wir nicht bloß wie gang und gäbe Geschichte in der Generationenströmung hinnehmen, sondern wenn wir wissen, daß in denjenigen Leibern, die allerdings in bezug auf die bloße Blutsverwandtschaft zurückgehen auf ihre Väter, Großväter, Urgroßväter und so weiter bis hinauf in die Zeiten Karls des Großen und weiter zurück, Seelen tätig sind, ihnen die ganze seelische Konfiguration gebend, welche im fernen Amerika gelebt haben und von Europäern überwunden worden sind.
[ 9 ] Wir haben noch eine andere Wahrheit, die sich ergeben kann durch eine solche geistige Forschung. Wir können zurückblicken auf diejenige Bevölkerung, welche in Europa zur Zeit der Völkerwanderung, etwas früher und etwas später, vorhanden war, also gerade auf die europäische Bevölkerung, die vom Süden her das Christentum entgegengenommen hat, es entgegengenommen hat in der Form, die noch eine andere war als heute, da es noch durchaus durchsetzt war mit elementaren, ursprünglichen inneren Seelenkräften, da es eine imponderable Macht war, die innerhalb des ganzen Lebens wirkte. Es war noch nicht von abstrakter, verstandesmäßiger Theologie durchsetzt, es war etwas, was vor allen Dingen auf die Grundempfindungen der Seele wirkte. Diese Seelen, die in dem damaligen Europa vorhanden waren und die in dieser Weise das Christentum entgegengenommen haben, sind nun nach einem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, das etwas länger dauerte als bei anderen, weil eben gerade durch diese besondere Art der Seelenbildung, die da in die Menschen hineingekommen ist, dieses Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verlängert wird, diese Seelen sind heute zum großen Teil in Asien drüben verkörpert. Insbesondere sind viele von diesen Seelen, die gerade durchchristet worden sind in der bezeichneten Zeit, in japanischen Leibern heute verkörpert. Wer dieses eigentümliche Leben in Asien, das ja heute wirklich viele Rätsel bietet, verstehen will, muß sich darüber klar sein, daß in Asien heute gerade viele Seelen leben, die im vorigen Erdenleben in einer gewissen Gestalt die christlichen Empfindungen aufgenommen haben, die diese christlichen Empfindungen hineingetragen haben in gegenwärtige orientalische Leiber, die umgeben waren von Kindheit auf schon durch die Sprache von dem, was in Dekadenz aus älterer orientalischer Kultur geblieben ist. Ich möchte sagen, es lebt etwas von wahrem Christlichen in dem Durchdringen des Christlichen, dem solche Seelen früher unterworfen waren, gegenüber dem, was an ihr Ohr heranklingt, was an ihr Gemüt herantönt von der dekadenten orientalischen religiösen und sonstigen Kulturwelt. Selbst bis zu den Gebildeten, bis zu den Allergebildetsten hinauf, läßt sich das verfolgen, und man gewinnt eigentlich nur ein Verständnis, wenn man es so verfolgt. Es wird einem erst klar, was eine solche Persönlichkeit wie Rabindranath Tagore eigentlich bedeutet, wenn man sich klar ist darüber: Auch das ist wohl eine Seele, die in einem früheren Erdenleben europäisch christlich war, die aus dieser europäischen Christlichkeit eine gewisse Wärme der Empfindung durch alles ergießt, was sie von sich gibt. — Dagegen fließt dann aus dem dekadenten Orientalismus alles dasjenige, was gerade bei Tagore einem entgegentritt in seinem koketten Wesen, in dieser Kulturkoketterie. Es ist ja eine merkwürdige Zwitterbildung in dieser Persönlichkeit gerade des Tagore. Auf der einen Seite wird man immer, wenn man ein natürliches, gesundes Empfinden hat, aufmerksam darauf, daß da alle heutige orientalische Koketterie vorhanden ist, dann aber wiederum zieht einen die ungeheure Seelenwärme an.
[ 9 ] Wir haben noch eine andere Wahrheit, die sich ergeben kann durch eine solche geistige Forschung. Wir können zurückblicken auf diejenige Bevölkerung, welche in Europa zur Zeit der Völkerwanderung, etwas früher und etwas später, vorhanden war, also gerade auf die europäische Bevölkerung, die vom Süden her das Christentum entgegengenommen hat, es entgegengenommen hat in der Form, die noch eine andere war als heute, da es noch durchaus durchsetzt war mit elementaren, ursprünglichen inneren Seelenkräften, da es eine imponderable Macht war, die innerhalb des ganzen Lebens wirkte. Es war noch nicht von abstrakter, verstandesmäßiger Theologie durchsetzt, es war etwas, was vor allen Dingen auf die Grundempfindungen der Seele wirkte. Diese Seelen, die in dem damaligen Europa vorhanden waren und die in dieser Weise das Christentum entgegengenommen haben, sind nun nach einem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, das etwas länger dauerte als bei anderen, weil eben gerade durch diese besondere Art der Seelenbildung, die da in die Menschen hineingekommen ist, dieses Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verlängert wird, diese Seelen sind heute zum großen Teil in Asien drüben verkörpert. Insbesondere sind viele von diesen Seelen, die gerade durchchristet worden sind in der bezeichneten Zeit, in japanischen Leibern heute verkörpert. Wer dieses eigentümliche Leben in Asien, das ja heute wirklich viele Rätsel bietet, verstehen will, muß sich darüber klar sein, daß in Asien heute gerade viele Seelen leben, die im vorigen Erdenleben in einer gewissen Gestalt die christlichen Empfindungen aufgenommen haben, die diese christlichen Empfindungen hineingetragen haben in gegenwärtige orientalische Leiber, die umgeben waren von Kindheit auf schon durch die Sprache von dem, was in Dekadenz aus älterer orientalischer Kultur geblieben ist. Ich möchte sagen, es lebt etwas von wahrem Christlichen in dem Durchdringen des Christlichen, dem solche Seelen früher unterworfen waren, gegenüber dem, was an ihr Ohr heranklingt, was an ihr Gemüt herantönt von der dekadenten orientalischen religiösen und sonstigen Kulturwelt. Selbst bis zu den Gebildeten, bis zu den Allergebildetsten hinauf, läßt sich das verfolgen, und man gewinnt eigentlich nur ein Verständnis, wenn man es so verfolgt. Es wird einem erst klar, was eine solche Persönlichkeit wie Rabindranath Tagore eigentlich bedeutet, wenn man sich klar ist darüber: Auch das ist wohl eine Seele, die in einem früheren Erdenleben europäisch christlich war, die aus dieser europäischen Christlichkeit eine gewisse Wärme der Empfindung durch alles ergießt, was sie von sich gibt. — Dagegen fließt dann aus dem dekadenten Orientalismus alles dasjenige, was gerade bei Tagore einem entgegentritt in seinem koketten Wesen, in dieser Kulturkoketterie. Es ist ja eine merkwürdige Zwitterbildung in dieser Persönlichkeit gerade des Tagore. Auf der einen Seite wird man immer, wenn man ein natürliches, gesundes Empfinden hat, aufmerksam darauf, daß da alle heutige orientalische Koketterie vorhanden ist, dann aber wiederum zieht einen die ungeheure Seelenwärme an.
[ 10 ] Es geht eben heute nicht, bloß obenhin naschend zu nehmen, was sich einem theoretisch darbietet als die Anschauung von den wiederholten Erdenleben. Das ganz konkrete Leben will heute so betrachtet werden, wenn dies auch eigentlich den Menschen heute noch unbequem ist. Denn im Grunde zittern die Menschen heute davor zurück, sich selber kennenzulernen. Sie versuchen gar nicht, das, was sie sich abstrakt vorhalten, auch im wirklichen Leben zu sehen. Gewissermaßen fühlt sich der Mensch geniert, so in sein Wesen hineinzuschauen. Er möchte nicht so vor der Welt dastehen, wie er wirklich ist. Daher verpönt er es, die Realitäten auf diesem Gebiete wirklich zu untersuchen. Was das gegenwärtige Leben an Verworrenheit, an Rätseln hat, es wird verständlich, wenn man solche Dinge in Erwägung zieht, wie ich sie Ihnen jetzt vorlegte.
[ 10 ] Es geht eben heute nicht, bloß obenhin naschend zu nehmen, was sich einem theoretisch darbietet als die Anschauung von den wiederholten Erdenleben. Das ganz konkrete Leben will heute so betrachtet werden, wenn dies auch eigentlich den Menschen heute noch unbequem ist. Denn im Grunde zittern die Menschen heute davor zurück, sich selber kennenzulernen. Sie versuchen gar nicht, das, was sie sich abstrakt vorhalten, auch im wirklichen Leben zu sehen. Gewissermaßen fühlt sich der Mensch geniert, so in sein Wesen hineinzuschauen. Er möchte nicht so vor der Welt dastehen, wie er wirklich ist. Daher verpönt er es, die Realitäten auf diesem Gebiete wirklich zu untersuchen. Was das gegenwärtige Leben an Verworrenheit, an Rätseln hat, es wird verständlich, wenn man solche Dinge in Erwägung zieht, wie ich sie Ihnen jetzt vorlegte.
[ 11 ] Aber nehmen wir eine andere Bevölkerung. Gerade wenn der Geistesforscher solche Untersuchungen gemacht hat, deren Ergebnisse ich ‚Ihnen jetzt eben gesagt habe, wird er zu der Frage getrieben: Was ist denn eigentlich geschehen mit derjenigen Bevölkerung, die zeitlich etwas weiter zurückliegt, in Asien drüben? — Es ist ja beim geistigen Forschen so, daß man irgendwo, gedrängt durch das Leben, durch irgendeine Rätselfrage, die sich einem aufgibt, das angreift, was man erforschen kann. Erst ist es das Leben, das einen hinführt, an irgendeiner Stelle mit der Forschung einzusetzen, dann entzündet sich das Schauen daran. Eine Frage bringt einen auf ein anderes Gebiet, und man kann dann nur sagen: Es stellt sich zuletzt schon als sinnvoll heraus, warum man so getrieben wird von einer Frage, von einem Ergebnis zu dem anderen. Man wird gewissermaßen aufmerksam: Wenn du erforschen willst, was aus den Indianerseelen geworden ist, was aus anderen Seelen der früheren europäischen Bevölkerung geworden ist, dann mußt du die Frage stellen, und sie wird sich dir beantworten: Was ist aus denjenigen Seelen geworden, die mit der besonderen Bildung der damaligen Zeit in Vorderasien, in Asien überhaupt, in Afrika waren, als das Christentum entstanden ist, also in der Zeit, da sich das Mysterium von Golgatha abgespielt hat? — Ich meine nicht diejenigen Seelen, welche die Lehren von dem Mysterium von Golgatha aufgenommen haben, sondern die Seelen, die sie nicht aufgenommen haben, die die alte orientalische asiatische Kultur fortgepflanzt haben. Von dem Bestand dieser alten orientalischen asiatischen Kultur — heute ist sie in der Dekadenz —, in der Zeit, als sich das Mysterium von Golgatha abgespielt hat, hat man ja nicht immer einen genauen Begriff. Es war bei sehr vielen Menschen eine durchgeistigte, eine sehr durchgeistigte Kultur. Die schloß bei sehr vielen Menschen die Fähigkeit in sich, sich sehr klare Vorstellungen zu machen über gewisse Zusammenhänge der geistigen Welten. Was aus dem Menschen wird, wenn er sich vom Christentum durchziehen läßt, das war natürlich bei denen, von denen ich jetzt rede, nicht vorhanden. Aber es war ein sehr stark von Bilderbegriffen durchsetztes Verstehen geistiger Zusammenhänge da. Es war eine in hohem Grade spirituelle Weltanschauung, der diese Menschen angehörten, eine Weltanschauung, die sie dazu brachte, in vieler Beziehung nur die geistige, die spirituelle Welt für die wahre, für die erstrebenswerte zu halten und in einer gewissen Weise zu fliehen die Welt der äußeren sinnlichen Wirklichkeit. Es waren Menschen, die viele Spekulationen anstellten, aber Spekulationen, die zum Teil noch genährt waren aus alten, instinktiven hellsichtigen Kräften, Spekulationen über den Hervorgang der Welt aus den verschiedenen geistigen Entwickelungsstufen früherer, urferner vergangener Zeiten. Es waren Menschen, die da sprachen von Äonen, die einander folgten und die immer gröber und gröber, materieller und materieller wurden, bis zuletzt das zustande kam, was das gegenwärtige Gebilde der äußeren physischen, realen Welt ist. Kurz, es waren Menschen, die ernst und tief hinaufschauten in das Geistige. Diese Seelen bereiteten eben gerade durch diese besondere Seelenstruktur, diese Seelenverfassung sich ein längeres Leben vor zwischen Tod und neuer Geburt, sie brauchten lange, bis in ihnen wiederum der Trieb erwachte in eine neue Körperlichkeit herunterzusteigen. Und eine Anzahl dieser Seelen, sehr viele derselben sind verkörpert in der heutigen amerikanischen Bevölkerung. Diese amerikanische Bevölkerung, die in vieler Beziehung gerade neigt zu der Auffassung des praktischen, materiellen Lebens, ist in ihrer gesamten Konstitution dadurch hervorgerufen, daß die Seelen früher gelebt haben in einer solchen geistigen Erfassung der Welt, wie ich sie geschildert habe, dann aber untergetaucht sind in eine sehr, sehr dichte Leiblichkeit und die im Grunde genommen jetzt in einer raffinierten Behandlung dieser materiellen Welt dasjenige auszuleben suchen, was sie früher in einer feinen Geistigkeit gehabt haben. Man begreift die besondere Art des amerikanischen Geistes, sich wirklich praktisch und wissenschaftlich herzumachen über die Dinge der Welt, wenn man weiß, wie das zurückgeht auf ein früheres Hingelenktsein auf die geistige Welt, das heute gerade ins materielle Leben hereingetragen wird, ohne daß man sich dessen bewußt wird, daß man das Geistige im Materiellen erfassen will. Es ist das materielle Gegenbild des Spirituellen, das diese Seelen in ihrem früheren Erdenleben durchgemacht haben.
[ 11 ] Aber nehmen wir eine andere Bevölkerung. Gerade wenn der Geistesforscher solche Untersuchungen gemacht hat, deren Ergebnisse ich ‚Ihnen jetzt eben gesagt habe, wird er zu der Frage getrieben: Was ist denn eigentlich geschehen mit derjenigen Bevölkerung, die zeitlich etwas weiter zurückliegt, in Asien drüben? — Es ist ja beim geistigen Forschen so, daß man irgendwo, gedrängt durch das Leben, durch irgendeine Rätselfrage, die sich einem aufgibt, das angreift, was man erforschen kann. Erst ist es das Leben, das einen hinführt, an irgendeiner Stelle mit der Forschung einzusetzen, dann entzündet sich das Schauen daran. Eine Frage bringt einen auf ein anderes Gebiet, und man kann dann nur sagen: Es stellt sich zuletzt schon als sinnvoll heraus, warum man so getrieben wird von einer Frage, von einem Ergebnis zu dem anderen. Man wird gewissermaßen aufmerksam: Wenn du erforschen willst, was aus den Indianerseelen geworden ist, was aus anderen Seelen der früheren europäischen Bevölkerung geworden ist, dann mußt du die Frage stellen, und sie wird sich dir beantworten: Was ist aus denjenigen Seelen geworden, die mit der besonderen Bildung der damaligen Zeit in Vorderasien, in Asien überhaupt, in Afrika waren, als das Christentum entstanden ist, also in der Zeit, da sich das Mysterium von Golgatha abgespielt hat? — Ich meine nicht diejenigen Seelen, welche die Lehren von dem Mysterium von Golgatha aufgenommen haben, sondern die Seelen, die sie nicht aufgenommen haben, die die alte orientalische asiatische Kultur fortgepflanzt haben. Von dem Bestand dieser alten orientalischen asiatischen Kultur — heute ist sie in der Dekadenz —, in der Zeit, als sich das Mysterium von Golgatha abgespielt hat, hat man ja nicht immer einen genauen Begriff. Es war bei sehr vielen Menschen eine durchgeistigte, eine sehr durchgeistigte Kultur. Die schloß bei sehr vielen Menschen die Fähigkeit in sich, sich sehr klare Vorstellungen zu machen über gewisse Zusammenhänge der geistigen Welten. Was aus dem Menschen wird, wenn er sich vom Christentum durchziehen läßt, das war natürlich bei denen, von denen ich jetzt rede, nicht vorhanden. Aber es war ein sehr stark von Bilderbegriffen durchsetztes Verstehen geistiger Zusammenhänge da. Es war eine in hohem Grade spirituelle Weltanschauung, der diese Menschen angehörten, eine Weltanschauung, die sie dazu brachte, in vieler Beziehung nur die geistige, die spirituelle Welt für die wahre, für die erstrebenswerte zu halten und in einer gewissen Weise zu fliehen die Welt der äußeren sinnlichen Wirklichkeit. Es waren Menschen, die viele Spekulationen anstellten, aber Spekulationen, die zum Teil noch genährt waren aus alten, instinktiven hellsichtigen Kräften, Spekulationen über den Hervorgang der Welt aus den verschiedenen geistigen Entwickelungsstufen früherer, urferner vergangener Zeiten. Es waren Menschen, die da sprachen von Äonen, die einander folgten und die immer gröber und gröber, materieller und materieller wurden, bis zuletzt das zustande kam, was das gegenwärtige Gebilde der äußeren physischen, realen Welt ist. Kurz, es waren Menschen, die ernst und tief hinaufschauten in das Geistige. Diese Seelen bereiteten eben gerade durch diese besondere Seelenstruktur, diese Seelenverfassung sich ein längeres Leben vor zwischen Tod und neuer Geburt, sie brauchten lange, bis in ihnen wiederum der Trieb erwachte in eine neue Körperlichkeit herunterzusteigen. Und eine Anzahl dieser Seelen, sehr viele derselben sind verkörpert in der heutigen amerikanischen Bevölkerung. Diese amerikanische Bevölkerung, die in vieler Beziehung gerade neigt zu der Auffassung des praktischen, materiellen Lebens, ist in ihrer gesamten Konstitution dadurch hervorgerufen, daß die Seelen früher gelebt haben in einer solchen geistigen Erfassung der Welt, wie ich sie geschildert habe, dann aber untergetaucht sind in eine sehr, sehr dichte Leiblichkeit und die im Grunde genommen jetzt in einer raffinierten Behandlung dieser materiellen Welt dasjenige auszuleben suchen, was sie früher in einer feinen Geistigkeit gehabt haben. Man begreift die besondere Art des amerikanischen Geistes, sich wirklich praktisch und wissenschaftlich herzumachen über die Dinge der Welt, wenn man weiß, wie das zurückgeht auf ein früheres Hingelenktsein auf die geistige Welt, das heute gerade ins materielle Leben hereingetragen wird, ohne daß man sich dessen bewußt wird, daß man das Geistige im Materiellen erfassen will. Es ist das materielle Gegenbild des Spirituellen, das diese Seelen in ihrem früheren Erdenleben durchgemacht haben.
[ 12 ] Sie werden sehen, wie fruchtbar es ist, wenn Sie dasjenige, was Ihnen in dieser oder jener Tatsache, in diesem oder jenem Benehmen von Menschen der gegenwärtigen Generation entgegentritt, sich dadurch verständlich zu machen versuchen, daß Sie solche Dinge ins Auge fassen, und wenn Sie dabei das Bewußtsein entwickeln: Jetzt erst ergreife ich die volle Wirklichkeit, während ich im Grunde genommen — wenn es auch eine äußerlich wahrnehmbare Abstraktion ist — doch nur vor einer Abstraktion stehe, wenn ich mir erzählen lasse die Geschichte der Generationen.
[ 12 ] Sie werden sehen, wie fruchtbar es ist, wenn Sie dasjenige, was Ihnen in dieser oder jener Tatsache, in diesem oder jenem Benehmen von Menschen der gegenwärtigen Generation entgegentritt, sich dadurch verständlich zu machen versuchen, daß Sie solche Dinge ins Auge fassen, und wenn Sie dabei das Bewußtsein entwickeln: Jetzt erst ergreife ich die volle Wirklichkeit, während ich im Grunde genommen — wenn es auch eine äußerlich wahrnehmbare Abstraktion ist — doch nur vor einer Abstraktion stehe, wenn ich mir erzählen lasse die Geschichte der Generationen.
[ 13 ] Es ist schon notwendig, daß Sie sich klarmachen, wie wenig die große Mehrheit der heutigen Menschheit geneigt ist, in einer solchen Weise wirklich zur Selbsterkenntnis hinzustreben, wie wenig man den Mut findet, hinauszugehen aus demjenigen, was auch in der Geschichte nur die äußerliche, physisch-sinnliche Beobachtung ist. Es ist ja gerade auf dem Gebiete desjenigen, was dann auf dem Wege des Unterrichts in unsere jungen Seelen fließt, so klar zu bemerken, wie die Menschen heute herausgerissen werden aus der ganzen vollen Wirklichkeit des Lebens dadurch, daß ihnen eigentlich überall nur ein Stück der Wirklichkeit beigebracht wird. Natürlich ist es für die heutigen Menschen etwas, vor dem sie zurückschrecken, wie wenn sie sich daran verbrennen würden, wenn man ihnen zumutet, ernst zu nehmen das geistige Leben, das sich in wiederholten Erdenleben für die Seele äußert, und daß sie wirklich absehen sollen von dem bloß Außerlichen. In dieser Beziehung erlebt man ja heute geradezu die unglaublichsten Dinge in dem, was einem von den wissenschaftlichen Führern der heutigen Menschheit entgegentritt. Natürlich ist noch nicht die Zeit gekommen, um solche Dinge, wie ich sie eben jetzt auseinandergesetzt habe, geradezu in öffentlichen Vorträgen zu sagen. Aber man muß heute schon ziemlich weit gehen in öffentlichen Vorträgen. Ich habe zum Beispiel neulich in Zürich ungefähr das auseinandergesetzt, was ich auch hier am Dienstag im öffentlichen Vortrag dargelegt habe, und habe, um mich verständlich zu machen, in welcher Sphäre das spielt, was der Geistesforscher zur Ausbildung seiner Methoden an besonderen inneren Seelenübungen durchmacht, gesagt: Das fließt in eineSphäre, die durchzogen sein muß vom inneren Willen des Menschen, von innerer Klarheit, wie es sonst nur beim Verfolgen der mathematischen Ableitungen, beim Verfolgen der Wahrheiten des Mathematischen der Fall ist. — Diesen Vortrag hat sich ein Zürcher Wissenschafter angehört, wahrhaftig nicht der schlechteste, sondern einer, der sogar zu den Begabteren gehört. Aber unter manchem anderen, wirklich recht Stumpfen, was er dann in einem ausführlichen Feuilleton der «Neuen Zürcher Zeitung» gegen diesen Vortrag vorgebracht hat, steht, ich hätte mich darauf berufen, daß die inneren Untersuchungsmethoden der anthroposophischen Erkenntnis in einem solchen klaren Seelenverfahren herangebildet werden müssen, wie es nachgebildet ist dem klaren Seelenverfahren in der Ausbildung mathematischen Urteils. — Dazu sagt dieser Gelehrte, es ist sogar ein junger Gelehrter, also eine «hoffnungsvolle Leuchte» für die Zukunft, und man kann wirklich gar nicht seines Erstaunens Ende finden, wenn man so etwas von einem Menschen liest, der ernst genommen werden will: Die Gewißheit der Mathematik bezieht sich ja eigentlich nur darauf, daß man die mathematischen Gebilde miteinander verbindet. Wenn man den Punkt hat und die Linie hat und den Winkel, kann man Punkt und Linie und Winkel verbinden, dann bekommt man Wahrheiten, Gewißheiten heraus. Aber der Punkt und die Linie sind doch selber ungewiß, geradeso wie das Atom und das Molekül ungewiß sind.
[ 13 ] Es ist schon notwendig, daß Sie sich klarmachen, wie wenig die große Mehrheit der heutigen Menschheit geneigt ist, in einer solchen Weise wirklich zur Selbsterkenntnis hinzustreben, wie wenig man den Mut findet, hinauszugehen aus demjenigen, was auch in der Geschichte nur die äußerliche, physisch-sinnliche Beobachtung ist. Es ist ja gerade auf dem Gebiete desjenigen, was dann auf dem Wege des Unterrichts in unsere jungen Seelen fließt, so klar zu bemerken, wie die Menschen heute herausgerissen werden aus der ganzen vollen Wirklichkeit des Lebens dadurch, daß ihnen eigentlich überall nur ein Stück der Wirklichkeit beigebracht wird. Natürlich ist es für die heutigen Menschen etwas, vor dem sie zurückschrecken, wie wenn sie sich daran verbrennen würden, wenn man ihnen zumutet, ernst zu nehmen das geistige Leben, das sich in wiederholten Erdenleben für die Seele äußert, und daß sie wirklich absehen sollen von dem bloß Außerlichen. In dieser Beziehung erlebt man ja heute geradezu die unglaublichsten Dinge in dem, was einem von den wissenschaftlichen Führern der heutigen Menschheit entgegentritt. Natürlich ist noch nicht die Zeit gekommen, um solche Dinge, wie ich sie eben jetzt auseinandergesetzt habe, geradezu in öffentlichen Vorträgen zu sagen. Aber man muß heute schon ziemlich weit gehen in öffentlichen Vorträgen. Ich habe zum Beispiel neulich in Zürich ungefähr das auseinandergesetzt, was ich auch hier am Dienstag im öffentlichen Vortrag dargelegt habe, und habe, um mich verständlich zu machen, in welcher Sphäre das spielt, was der Geistesforscher zur Ausbildung seiner Methoden an besonderen inneren Seelenübungen durchmacht, gesagt: Das fließt in eineSphäre, die durchzogen sein muß vom inneren Willen des Menschen, von innerer Klarheit, wie es sonst nur beim Verfolgen der mathematischen Ableitungen, beim Verfolgen der Wahrheiten des Mathematischen der Fall ist. — Diesen Vortrag hat sich ein Zürcher Wissenschafter angehört, wahrhaftig nicht der schlechteste, sondern einer, der sogar zu den Begabteren gehört. Aber unter manchem anderen, wirklich recht Stumpfen, was er dann in einem ausführlichen Feuilleton der «Neuen Zürcher Zeitung» gegen diesen Vortrag vorgebracht hat, steht, ich hätte mich darauf berufen, daß die inneren Untersuchungsmethoden der anthroposophischen Erkenntnis in einem solchen klaren Seelenverfahren herangebildet werden müssen, wie es nachgebildet ist dem klaren Seelenverfahren in der Ausbildung mathematischen Urteils. — Dazu sagt dieser Gelehrte, es ist sogar ein junger Gelehrter, also eine «hoffnungsvolle Leuchte» für die Zukunft, und man kann wirklich gar nicht seines Erstaunens Ende finden, wenn man so etwas von einem Menschen liest, der ernst genommen werden will: Die Gewißheit der Mathematik bezieht sich ja eigentlich nur darauf, daß man die mathematischen Gebilde miteinander verbindet. Wenn man den Punkt hat und die Linie hat und den Winkel, kann man Punkt und Linie und Winkel verbinden, dann bekommt man Wahrheiten, Gewißheiten heraus. Aber der Punkt und die Linie sind doch selber ungewiß, geradeso wie das Atom und das Molekül ungewiß sind.
[ 14 ] Der Mann glaubt, etwas furchtbar Gescheites zu sagen, aber es ist nur charakteristisch dafür, wie verrenkt eigentlich das Denken des gegenwärtigen Wissenschafters ist. Denn wenn sich jemand mit geraden, gesunden Sinnen darauf beruft, daß in dem Verfahren der Seelenübungen bei anthroposophischer Forschung mathematische Klarheit ist, geht ihn ja alles das nichts an, was man nun diskutieren kann über die Gewißheit der Linienzusammenhänge und die Ungewißheit eines einzelnen Punktes. Das ist ja ganz gleichgültig, was solch ein philosophischer Privatgelehrter denkt über die Gewißheit von Punkten und Linien und so weiter. Lasse man das gewiß oder ungewiß sein, was sich solch ein Mensch vorstellen will. Aber man lebt in einer gewissen Seelenstimmung, wenn man sich den pythagoräischen Lehrsatz klarmacht. Was man da durchmacht, dem wird nachgebildet die anthroposophische Methode, gleichgültig, was man darüber streiten kann, ob das Dreieck des pythagoräischen Lehrsatzes gewiß ist für sich oder ob sein eines Quadrat gewiß ist für sich.
[ 14 ] Der Mann glaubt, etwas furchtbar Gescheites zu sagen, aber es ist nur charakteristisch dafür, wie verrenkt eigentlich das Denken des gegenwärtigen Wissenschafters ist. Denn wenn sich jemand mit geraden, gesunden Sinnen darauf beruft, daß in dem Verfahren der Seelenübungen bei anthroposophischer Forschung mathematische Klarheit ist, geht ihn ja alles das nichts an, was man nun diskutieren kann über die Gewißheit der Linienzusammenhänge und die Ungewißheit eines einzelnen Punktes. Das ist ja ganz gleichgültig, was solch ein philosophischer Privatgelehrter denkt über die Gewißheit von Punkten und Linien und so weiter. Lasse man das gewiß oder ungewiß sein, was sich solch ein Mensch vorstellen will. Aber man lebt in einer gewissen Seelenstimmung, wenn man sich den pythagoräischen Lehrsatz klarmacht. Was man da durchmacht, dem wird nachgebildet die anthroposophische Methode, gleichgültig, was man darüber streiten kann, ob das Dreieck des pythagoräischen Lehrsatzes gewiß ist für sich oder ob sein eines Quadrat gewiß ist für sich.
[ 15 ] Also man muß sich schon klar sein darüber, daß man da tatsächlich zumeist keine Brücke schlagen kann zu einem solchen Gelehrten, denn diese «Verstande» sind ganz und gar verbildet durch dasjenige, was eben von der Gegenwart herangezüchtet worden ist. Aber auf der anderen Seite ist es schon dringend notwendig, daß Wirklichkeitssinn in unser ganzes Leben hereinkommt. Ohne diesen Wirklichkeitssinn kommen wir nicht weiter. Daher muß derjenige, der es nun ehrlich meint mit den Wahrheiten und Erkenntnissen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, nicht zurückschrecken davor, diejenigen Dinge, die er vielleicht im Abstrakten ganz gut begreift wie die Lehre von den wiederholten Erdenleben, auch in das konkrete Leben hereinzutragen. Dabei bleibt es durchaus richtig, daß man gerade die Dogmen, das heißt, die abstrakte Dogmenform der Wahrheit eigentlich so spät wie möglich ausbilden soll. Es bleibt zum Beispiel durchaus richtig, daß so etwas wie unsere Waldorfschule keine Weltanschauungsschule sein soll. Es handelt sich daher dort viel weniger darum, daß irgendwie der abstrakte Gedanke der wiederholten Erdenleben schon begriffen werde von den jungen Seelen. Aber es läßt sich, ohne daß man diesen abstrakten Gedanken berührt, einfach indem man selber im Hintergrund hat solche Erkenntnisse, wie ich sie heute dargelegt habe, das geschichtliche Leben im Unterricht beleuchten und zum Verständnis bringen. Dann wird etwas ganz anderes in den Gemütern dieser Seelen leben, die vielleicht ganz ohne die Theorie und Dogmatik von den wiederholten Erdenleben eine solche geschichtliche Darstellung übermittelt bekommen, leben einfach dadurch, daß man die Methoden findet, das Leben der Gegenwart so zu beschreiben, wie man es selber versteht, indem man den Zusammenfluß von ganz fremdem Seelenleben mit dem findet, was in der Generationenfolge durch das Blut leiblich in gerader Strömung aus der Vorzeit heruntergeflossen ist.
[ 15 ] Also man muß sich schon klar sein darüber, daß man da tatsächlich zumeist keine Brücke schlagen kann zu einem solchen Gelehrten, denn diese «Verstande» sind ganz und gar verbildet durch dasjenige, was eben von der Gegenwart herangezüchtet worden ist. Aber auf der anderen Seite ist es schon dringend notwendig, daß Wirklichkeitssinn in unser ganzes Leben hereinkommt. Ohne diesen Wirklichkeitssinn kommen wir nicht weiter. Daher muß derjenige, der es nun ehrlich meint mit den Wahrheiten und Erkenntnissen der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft, nicht zurückschrecken davor, diejenigen Dinge, die er vielleicht im Abstrakten ganz gut begreift wie die Lehre von den wiederholten Erdenleben, auch in das konkrete Leben hereinzutragen. Dabei bleibt es durchaus richtig, daß man gerade die Dogmen, das heißt, die abstrakte Dogmenform der Wahrheit eigentlich so spät wie möglich ausbilden soll. Es bleibt zum Beispiel durchaus richtig, daß so etwas wie unsere Waldorfschule keine Weltanschauungsschule sein soll. Es handelt sich daher dort viel weniger darum, daß irgendwie der abstrakte Gedanke der wiederholten Erdenleben schon begriffen werde von den jungen Seelen. Aber es läßt sich, ohne daß man diesen abstrakten Gedanken berührt, einfach indem man selber im Hintergrund hat solche Erkenntnisse, wie ich sie heute dargelegt habe, das geschichtliche Leben im Unterricht beleuchten und zum Verständnis bringen. Dann wird etwas ganz anderes in den Gemütern dieser Seelen leben, die vielleicht ganz ohne die Theorie und Dogmatik von den wiederholten Erdenleben eine solche geschichtliche Darstellung übermittelt bekommen, leben einfach dadurch, daß man die Methoden findet, das Leben der Gegenwart so zu beschreiben, wie man es selber versteht, indem man den Zusammenfluß von ganz fremdem Seelenleben mit dem findet, was in der Generationenfolge durch das Blut leiblich in gerader Strömung aus der Vorzeit heruntergeflossen ist.
[ 16 ] Es kommt heute darauf an, vom Geiste nicht nur zu reden, sondern das Verständnis des Geistes wirklich so weit zu treiben, daß man das Wirken dieses Geistes im konkreten, im materiellen Dasein findet. Unsere Wissenschaften haben überall eine abstrakte Form angenommen, selbst da, wo sie bloß nur so herumplätschern im äußerlichen Hantieren. Da ist das, was man im äußerlichen Hantieren entwickelt, wenn es auch eine anschauliche Abstraktion ist, doch ebenso eine Abstraktion, wenn man es ohne das zugrundeliegende Geistige hat. Und wer einwendet: Da muß man ja glauben denjenigen, die da schauen das geistige Leben; man kann ja die Initiationswissenschaft nicht so einfach erlangen wie etwas anderes! — der steht im Grunde genommen mit einem solchen Einwand auf dem Standpunkt des Pfarrers und Professors Traub, der da sagt, daß ich Dinge, die mich im Grunde genommen wenig berühren, wie zum Beispiel die Geburt Alexanders des Großen, nicht selbst erlebt zu haben brauche, daß ich aber das, was ich als mich unmittelbar angehend anerkennen soll, selbst erlebt haben oder selbst erleben können muß, denn das will ich nicht bloß annehmen als das Erlebnis eines anderen. — Ich möchte Leuten, die solche Logik haben, nur empfehlen, einmal nachzusehen, wann sie das ihnen persönlich doch wohl naheliegende Datum ihrer eigenen Geburt in ihr Tagebuch eingeschrieben haben, ob da nicht doch ein Faktum vorliegt, das ihnen dem persönlichen Leben nach sehr naheliegt und das sie auf keine andere Weise zu ihrem Bewußtsein bringen können als auf Treu und Glauben anderer hin! — Dies zunächst über das Ablehnen des sogenannten Autoritätsprinzips. Aber man soll es nur einmal versuchen, den Weg aufzufinden, der schon durch den gesunden Menschenverstand zum Verstehen desjenigen führt, was Geisteswissenschaft bietet. Man soll nur die Dinge einmal gründlich und intensiv ernst nehmen, dann wird man sehen, daß selbst zu solch anscheinend paradoxen und abgelegenen Wahrheiten, wie ich sie heute vorgebracht habe, dem unbehinderten, ungehemmten gesunden Menschenverstand der Zugang schon möglich ist. Allerdings, wenn man sich den gesunden Menschenverstand durch jene Mauern verbaut, welche aufgerichtet werden, indem man Geschichte nur betrachtet als ein System, sei es physisch, dem Blute nach vererbter Menscheneigenschaften, oder sei es im fortlaufenden Strom auf einem Gebiete sich abspielender Ereignisse, solange man sich verbaut das Verständnis für die Wirklichkeit durch solche Vorurteile, wird man eben an diese Wirklichkeit nicht herankommen können. In dem Augenblick aber, in welchem man sich dem gesunden Menschenverstande übergibt in der richtigen Weise, wenn man nur anfängt, begreifen zu wollen, wird man sehen, was da lebt in den Seelen der Gegenwart. Man begreift es nicht als bloß herkommend aus dem Blut durch Vererbung oder aus dem innerhalb der Generationenreihen fortfließenden Strom, wenn man es nur begreifen will. Allerdings handelt es sich darum, daß man den Mut findet, heranzugehen an die Dinge. Findet man aber diesen Mut, dann wird man über die bloßen Abstraktionen hinaus zum konkreten Ergreifen der Wahrheiten schon kommen.
[ 16 ] Es kommt heute darauf an, vom Geiste nicht nur zu reden, sondern das Verständnis des Geistes wirklich so weit zu treiben, daß man das Wirken dieses Geistes im konkreten, im materiellen Dasein findet. Unsere Wissenschaften haben überall eine abstrakte Form angenommen, selbst da, wo sie bloß nur so herumplätschern im äußerlichen Hantieren. Da ist das, was man im äußerlichen Hantieren entwickelt, wenn es auch eine anschauliche Abstraktion ist, doch ebenso eine Abstraktion, wenn man es ohne das zugrundeliegende Geistige hat. Und wer einwendet: Da muß man ja glauben denjenigen, die da schauen das geistige Leben; man kann ja die Initiationswissenschaft nicht so einfach erlangen wie etwas anderes! — der steht im Grunde genommen mit einem solchen Einwand auf dem Standpunkt des Pfarrers und Professors Traub, der da sagt, daß ich Dinge, die mich im Grunde genommen wenig berühren, wie zum Beispiel die Geburt Alexanders des Großen, nicht selbst erlebt zu haben brauche, daß ich aber das, was ich als mich unmittelbar angehend anerkennen soll, selbst erlebt haben oder selbst erleben können muß, denn das will ich nicht bloß annehmen als das Erlebnis eines anderen. — Ich möchte Leuten, die solche Logik haben, nur empfehlen, einmal nachzusehen, wann sie das ihnen persönlich doch wohl naheliegende Datum ihrer eigenen Geburt in ihr Tagebuch eingeschrieben haben, ob da nicht doch ein Faktum vorliegt, das ihnen dem persönlichen Leben nach sehr naheliegt und das sie auf keine andere Weise zu ihrem Bewußtsein bringen können als auf Treu und Glauben anderer hin! — Dies zunächst über das Ablehnen des sogenannten Autoritätsprinzips. Aber man soll es nur einmal versuchen, den Weg aufzufinden, der schon durch den gesunden Menschenverstand zum Verstehen desjenigen führt, was Geisteswissenschaft bietet. Man soll nur die Dinge einmal gründlich und intensiv ernst nehmen, dann wird man sehen, daß selbst zu solch anscheinend paradoxen und abgelegenen Wahrheiten, wie ich sie heute vorgebracht habe, dem unbehinderten, ungehemmten gesunden Menschenverstand der Zugang schon möglich ist. Allerdings, wenn man sich den gesunden Menschenverstand durch jene Mauern verbaut, welche aufgerichtet werden, indem man Geschichte nur betrachtet als ein System, sei es physisch, dem Blute nach vererbter Menscheneigenschaften, oder sei es im fortlaufenden Strom auf einem Gebiete sich abspielender Ereignisse, solange man sich verbaut das Verständnis für die Wirklichkeit durch solche Vorurteile, wird man eben an diese Wirklichkeit nicht herankommen können. In dem Augenblick aber, in welchem man sich dem gesunden Menschenverstande übergibt in der richtigen Weise, wenn man nur anfängt, begreifen zu wollen, wird man sehen, was da lebt in den Seelen der Gegenwart. Man begreift es nicht als bloß herkommend aus dem Blut durch Vererbung oder aus dem innerhalb der Generationenreihen fortfließenden Strom, wenn man es nur begreifen will. Allerdings handelt es sich darum, daß man den Mut findet, heranzugehen an die Dinge. Findet man aber diesen Mut, dann wird man über die bloßen Abstraktionen hinaus zum konkreten Ergreifen der Wahrheiten schon kommen.
