Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203
16 January 1921, Stuttgart
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Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung
Vierter Vortrag
Vierter Vortrag
[ 1 ] Unsere Betrachtungen während meiner diesmaligen Anwesenheit bezogen sich darauf, wie voller Lebensernst gemacht werden kann aus der anthroposophischen Erkenntnis gegenüber den großen Aufgaben unserer Zeit. Wenn man sagt «gegenüber den großen Aufgaben unserer Zeit», so braucht man ja durchaus nicht immer an dasjenige zu denken, was gewissermaßen über den Menschen schwebt und was von einigen autoritativen Menschen über die Köpfe der anderen hinüber geregelt werden muß, sondern man muß sich heute darüber klar sein, daß durchaus dasjenige, was von Mensch zu Mensch im Alltag spielt, das in sich enthält, gewissermaßen durch sich durchströmend hat, was zu den großen Aufgaben der Zeit gehört. Das sollte doch selbstverständlich als eine erste Konsequenz anthroposophischer Weltanschauung durch unsere Seelen ziehen. Denn diese anthroposophische Weltanschauung führt uns ja dahin, anzuerkennen, daß das Geistige in allem lebt, nicht lebt irgendwo in abstrakten Höhen, sondern lebt in dem uns umgebenden Leben, in dem wir alltäglich drinnenstehen. Und gerade das müssen wir anwenden lernen auf die großen Aufgaben des Lebens und auf die kleinen alltäglichen Erlebnisse und Handlungen.
[ 1 ] Unsere Betrachtungen während meiner diesmaligen Anwesenheit bezogen sich darauf, wie voller Lebensernst gemacht werden kann aus der anthroposophischen Erkenntnis gegenüber den großen Aufgaben unserer Zeit. Wenn man sagt «gegenüber den großen Aufgaben unserer Zeit», so braucht man ja durchaus nicht immer an dasjenige zu denken, was gewissermaßen über den Menschen schwebt und was von einigen autoritativen Menschen über die Köpfe der anderen hinüber geregelt werden muß, sondern man muß sich heute darüber klar sein, daß durchaus dasjenige, was von Mensch zu Mensch im Alltag spielt, das in sich enthält, gewissermaßen durch sich durchströmend hat, was zu den großen Aufgaben der Zeit gehört. Das sollte doch selbstverständlich als eine erste Konsequenz anthroposophischer Weltanschauung durch unsere Seelen ziehen. Denn diese anthroposophische Weltanschauung führt uns ja dahin, anzuerkennen, daß das Geistige in allem lebt, nicht lebt irgendwo in abstrakten Höhen, sondern lebt in dem uns umgebenden Leben, in dem wir alltäglich drinnenstehen. Und gerade das müssen wir anwenden lernen auf die großen Aufgaben des Lebens und auf die kleinen alltäglichen Erlebnisse und Handlungen.
[ 2 ] Wenn wir das heutige Leben gerade von diesem Gesichtspunkte aus ins Auge fassen, können wir uns fragen: Was haben wir denn als die Bestandteile dieses Lebens, namentlich in bezug auf das Geistige, um uns herum? Worin leben wir denn heute in diesem Zeitalter als Menschen geistig? — Wir haben dasjenige, was die Überreste alter Bekenntnisse sind, dieser verschiedenen Bekenntnisse, welche ihre Anhänger in Gemeinden versammeln und ihnen auf irgendeine Weise, die traditionell ist, die überliefert ist, beibringen, was angesehen wird als der Glaube an die ewige Natur des Menschen. In den verschiedensten Formen, den verschiedensten Nuancen wird eben durch die verschiedenen Bekenntnisse dieser Glaube den Menschen beigebracht. Die Menschen leben dann in diesem Glauben und meinen auch, den Bedürfnissen ihrer Seele Genüge zu tun durch diesen Glauben. Neben diesem Glauben haben wir dann heute schon durchaus so populär, wie die einzelnen Bekenntnisse selbst jeweilig bei ihren Anhängern sind, dasjenige, was aus der Wissenschaft stammt, die heute an unseren Bildungsanstalten getrieben wird. Diese Wissenschaft hat sich ja allmählich dazu ausgebildet, bloß das sinnlich-physische Material zu betrachten, höchstens es zu durchdringen mit einigen unzulänglichen geistigen Vorstellungen, die aber auch schon mehr oder weniger im Schwinden sind. Immer mehr und mehr geht die Tendenz dahin, als Wissenschaft nur dasjenige anzusehen, was in sinnlich-physischer Beobachtung aufgefunden und höchstens durch den Verstand kombiniert werden kann.
[ 2 ] Wenn wir das heutige Leben gerade von diesem Gesichtspunkte aus ins Auge fassen, können wir uns fragen: Was haben wir denn als die Bestandteile dieses Lebens, namentlich in bezug auf das Geistige, um uns herum? Worin leben wir denn heute in diesem Zeitalter als Menschen geistig? — Wir haben dasjenige, was die Überreste alter Bekenntnisse sind, dieser verschiedenen Bekenntnisse, welche ihre Anhänger in Gemeinden versammeln und ihnen auf irgendeine Weise, die traditionell ist, die überliefert ist, beibringen, was angesehen wird als der Glaube an die ewige Natur des Menschen. In den verschiedensten Formen, den verschiedensten Nuancen wird eben durch die verschiedenen Bekenntnisse dieser Glaube den Menschen beigebracht. Die Menschen leben dann in diesem Glauben und meinen auch, den Bedürfnissen ihrer Seele Genüge zu tun durch diesen Glauben. Neben diesem Glauben haben wir dann heute schon durchaus so populär, wie die einzelnen Bekenntnisse selbst jeweilig bei ihren Anhängern sind, dasjenige, was aus der Wissenschaft stammt, die heute an unseren Bildungsanstalten getrieben wird. Diese Wissenschaft hat sich ja allmählich dazu ausgebildet, bloß das sinnlich-physische Material zu betrachten, höchstens es zu durchdringen mit einigen unzulänglichen geistigen Vorstellungen, die aber auch schon mehr oder weniger im Schwinden sind. Immer mehr und mehr geht die Tendenz dahin, als Wissenschaft nur dasjenige anzusehen, was in sinnlich-physischer Beobachtung aufgefunden und höchstens durch den Verstand kombiniert werden kann.
[ 3 ] Wir mögen die heutige zivilisierte Welt wo immer ansehen, es wird sich uns der Anblick darbieten, daß die Menschen aus diesen zwei Quellen heraus schöpfen: einerseits aus demjenigen, was ihnen beigebracht wird als sogenanntes ernstes, exaktes Wissen, das sie auf Autorität hin annehmen; denn auf Autorität hin nimmt ja jeder das Wissen auf, der nicht gerade in einem der Wissensfächer selber arbeitet, und nimmt vor allen Dingen die große Menge der Menschen das Wissen auf. Und neben dem, daß man in seiner populären Zeitschrift sich unterrichten läßt darüber, wie man zu denken hat über astronomische, physikalische, chemische Tatsachen, über Biologisches, Zoologisches, Mineralogisches, Botanisches, Geschichtliches und so weiter, neben dem, daß man diese Dinge aufnimmt und sich auf diese Weise unterrichten läßt und dann sagt: Das alles muß wahr sein, denn es rührt ja von denjenigen Leuten her, welche für die Sache durch die gewohnten Instanzen als Autorität bestellt sind, neben dem nimmt man das andere auf, das aus den verschiedenen Bekenntnissen fließt. Eine Brücke zwischen beiden schlägt man nicht, denn aus den Bekenntnissen heraus wird ja zumeist den Leuten gelehrt, daß sie nur ja Wissen und Glauben auseinanderhalten sollen, daß sie nur ja Wissen und Glauben nicht in irgendeiner Weise verschmelzen sollen. Ein Aufraffen zu einem bewußten Durchschauen dieses Tatbestandes findet nur in den seltensten Fällen statt. Man bemüht sich, durchaus anzuerkennen, was durch die gewohnten Kanäle von den wissenschaftlichen Autoritäten her den Menschen als exakte Wahrheit mitgeteilt wird. Aber man geht den Dingen nicht nach, um zu prüfen, wie es sich in Wirklichkeit mit der Arbeitsmethode verhält, durch die solche Wissenschaftlichkeit gewonnen ist.
[ 3 ] Wir mögen die heutige zivilisierte Welt wo immer ansehen, es wird sich uns der Anblick darbieten, daß die Menschen aus diesen zwei Quellen heraus schöpfen: einerseits aus demjenigen, was ihnen beigebracht wird als sogenanntes ernstes, exaktes Wissen, das sie auf Autorität hin annehmen; denn auf Autorität hin nimmt ja jeder das Wissen auf, der nicht gerade in einem der Wissensfächer selber arbeitet, und nimmt vor allen Dingen die große Menge der Menschen das Wissen auf. Und neben dem, daß man in seiner populären Zeitschrift sich unterrichten läßt darüber, wie man zu denken hat über astronomische, physikalische, chemische Tatsachen, über Biologisches, Zoologisches, Mineralogisches, Botanisches, Geschichtliches und so weiter, neben dem, daß man diese Dinge aufnimmt und sich auf diese Weise unterrichten läßt und dann sagt: Das alles muß wahr sein, denn es rührt ja von denjenigen Leuten her, welche für die Sache durch die gewohnten Instanzen als Autorität bestellt sind, neben dem nimmt man das andere auf, das aus den verschiedenen Bekenntnissen fließt. Eine Brücke zwischen beiden schlägt man nicht, denn aus den Bekenntnissen heraus wird ja zumeist den Leuten gelehrt, daß sie nur ja Wissen und Glauben auseinanderhalten sollen, daß sie nur ja Wissen und Glauben nicht in irgendeiner Weise verschmelzen sollen. Ein Aufraffen zu einem bewußten Durchschauen dieses Tatbestandes findet nur in den seltensten Fällen statt. Man bemüht sich, durchaus anzuerkennen, was durch die gewohnten Kanäle von den wissenschaftlichen Autoritäten her den Menschen als exakte Wahrheit mitgeteilt wird. Aber man geht den Dingen nicht nach, um zu prüfen, wie es sich in Wirklichkeit mit der Arbeitsmethode verhält, durch die solche Wissenschaftlichkeit gewonnen ist.
[ 4 ] Auf der anderen Seite geht man auch wenig der Entstehung desjenigen nach, was sich als Bekenntnisse durch die Zeiten herauf fortgepflanzt hat und traditionell von den heutigen amtlichen Vertretern dieser Bekenntnisse an die Menschheit herangebracht wird. Ein Aufraffen zu einem vollen Bewußtsein dessen, was da eigentlich vorliegt, das findet in den seltensten Fällen statt. Und wenn es stattfindet, dann kommt man heute nur wenig dazu, die Sache im richtigen Licht zu sehen. Denn nehmen wir an, es bäumt sich irgend jemand, sagen wir, innerhalb des katholischen oder protestantischen Bekenntnisses auf gegen das, was Dogma genannt wird, dann wird es in der Regel so geschehen, daß dieses Dogma als ein «Unsinn» angesehen wird, daß man gegen dieses Dogma polemisiert und damit dasjenige fortwirft, was traditionelles Bekenntnis ist, daß man aber nicht die Möglichkeit findet, irgend etwas an die Stelle zu setzen.
[ 4 ] Auf der anderen Seite geht man auch wenig der Entstehung desjenigen nach, was sich als Bekenntnisse durch die Zeiten herauf fortgepflanzt hat und traditionell von den heutigen amtlichen Vertretern dieser Bekenntnisse an die Menschheit herangebracht wird. Ein Aufraffen zu einem vollen Bewußtsein dessen, was da eigentlich vorliegt, das findet in den seltensten Fällen statt. Und wenn es stattfindet, dann kommt man heute nur wenig dazu, die Sache im richtigen Licht zu sehen. Denn nehmen wir an, es bäumt sich irgend jemand, sagen wir, innerhalb des katholischen oder protestantischen Bekenntnisses auf gegen das, was Dogma genannt wird, dann wird es in der Regel so geschehen, daß dieses Dogma als ein «Unsinn» angesehen wird, daß man gegen dieses Dogma polemisiert und damit dasjenige fortwirft, was traditionelles Bekenntnis ist, daß man aber nicht die Möglichkeit findet, irgend etwas an die Stelle zu setzen.
[ 5 ] Ein solches Dogma — ich will gleich ein Zentraldogma anführen ist zum Beispiel das der Trinität, der Drei-Persönlichkeit des göttlichen Wesens. Wer ein solches Dogma so vorfindet, wie es ihm heute durch die Bekenntnisse entgegengebracht wird, hat es in einer gewissen Weise leicht, gegen ein solches Dogma zu polemisieren, wenn er sich wiederum auf den Standpunkt der heutigen wissenschaftlichen Denkweise stellt. Denn er wird in diesem Sinne sehr leicht enthüllen können, was «Unsinn» an einem solchen Dogma ist. Derjenige aber, der zurückgeht auf die Entstehungsweise eines solchen Dogmas, der findet, daß die Dogmen der gebräuchlichen Bekenntnisse sich durch lange Zeiten in der Menschheit fortgepflanzt haben, daß aber am Ausgangspunkt bei der Entstehung dieser Dogmen dasjenige steht, was ich oftmals charakterisiert habe als das in früheren Entwickelungsstufen der Menschheit vorhandene instinktive Hellsehen, das atavistische Hellsehen, das Hineinschauen in die geistige Welt. Aus diesem Hellsehen sind also solche Dogmen hervorgegangen, und man möchte sagen: So etwas wie das Trinitätsdogma ist hervorgegangen aus tiefen, aus gründlichen Einsichten in das Gefüge des Weltendaseins. — Es war einmal dieses Dogma der Trinität eine tief erkannte Wahrheit. Es stellte dar eine tiefe Einsicht in Wirklichkeitszusammenhänge. Aber das war vorhanden in jener alten Zeit, in welcher die menschlichen Seelenfähigkeiten, die Erkenntniskräfte, die, wie gesagt, eine Art instinktiven Hellsehens waren, zusammenpaßten mit einem solchen Dogma. Das Dogma hat sich dann fortgepflanzt. Es paßt nicht mehr zu der heutigen Ausbildung der menschlichen Seelenkräfte. Es sind in der Regel für jeden Menschen, der dieses Dogma bei seiner Entstehung mit durchgemacht hat, seit jener Zeit mehrere Erdenleben verflossen. Die Seelen haben verschiedene Erlebnisse während dieser Erdenleben durchgemacht. In der äußeren Welt hat sich das Dogma erhalten, es ist von Generation zu Generation fortgepflanzt worden. Es hat heute eine Gestalt angenommen, daß es aus den Worten heraus, mit denen es mitgeteilt wird, gar nicht mehr verstanden werden kann. Und nun sind diese Seelen wiedergeboren; aus dem Kirchlichen heraus wird ihnen das Dogma entgegengebracht. Es ist keine innere menschliche Beziehung zwischen dem, was da von den Bekenntnissen den menschlichen Seelen entgegengebracht wird, und demjenigen, was die Seelen aus sich heraus anstreben zu erfahren, zu wissen. Was so schlimm wirkt in der Gegenwart, ist nicht, daß die Dogmen falsch sind, sondern worauf es ankommt, ist, daß die Dogmen eine solche Form sind, die Wahrheit zu fassen, die den heutigen Zeitverhältnissen nicht mehr entspricht, daß die Dogmen nicht mehr entgegenkommen dem, was die menschlichen Seelen brauchen. So daß wir sagen können: Diese Dogmen werden heute gepredigt, indem sie eigentlich in den leeren Wind hinausgehaucht werden. — Auch diejenigen, die sich zu ihnen bekennen, tun dieses Bekennen nicht in innerer Seelenwahrheit, denn sie verstehen die Dogmen zumeist nicht. Aber dasjenige annehmen, was man nicht versteht, ist eine innere Unwahrheit. Und im Grunde kommt es von dieser inneren Unwahrheit her, daß in unserer Gegenwart so viel Schaden angerichtet wird durch die Unwahrhaftigkeit der Welt.
[ 5 ] Ein solches Dogma — ich will gleich ein Zentraldogma anführen ist zum Beispiel das der Trinität, der Drei-Persönlichkeit des göttlichen Wesens. Wer ein solches Dogma so vorfindet, wie es ihm heute durch die Bekenntnisse entgegengebracht wird, hat es in einer gewissen Weise leicht, gegen ein solches Dogma zu polemisieren, wenn er sich wiederum auf den Standpunkt der heutigen wissenschaftlichen Denkweise stellt. Denn er wird in diesem Sinne sehr leicht enthüllen können, was «Unsinn» an einem solchen Dogma ist. Derjenige aber, der zurückgeht auf die Entstehungsweise eines solchen Dogmas, der findet, daß die Dogmen der gebräuchlichen Bekenntnisse sich durch lange Zeiten in der Menschheit fortgepflanzt haben, daß aber am Ausgangspunkt bei der Entstehung dieser Dogmen dasjenige steht, was ich oftmals charakterisiert habe als das in früheren Entwickelungsstufen der Menschheit vorhandene instinktive Hellsehen, das atavistische Hellsehen, das Hineinschauen in die geistige Welt. Aus diesem Hellsehen sind also solche Dogmen hervorgegangen, und man möchte sagen: So etwas wie das Trinitätsdogma ist hervorgegangen aus tiefen, aus gründlichen Einsichten in das Gefüge des Weltendaseins. — Es war einmal dieses Dogma der Trinität eine tief erkannte Wahrheit. Es stellte dar eine tiefe Einsicht in Wirklichkeitszusammenhänge. Aber das war vorhanden in jener alten Zeit, in welcher die menschlichen Seelenfähigkeiten, die Erkenntniskräfte, die, wie gesagt, eine Art instinktiven Hellsehens waren, zusammenpaßten mit einem solchen Dogma. Das Dogma hat sich dann fortgepflanzt. Es paßt nicht mehr zu der heutigen Ausbildung der menschlichen Seelenkräfte. Es sind in der Regel für jeden Menschen, der dieses Dogma bei seiner Entstehung mit durchgemacht hat, seit jener Zeit mehrere Erdenleben verflossen. Die Seelen haben verschiedene Erlebnisse während dieser Erdenleben durchgemacht. In der äußeren Welt hat sich das Dogma erhalten, es ist von Generation zu Generation fortgepflanzt worden. Es hat heute eine Gestalt angenommen, daß es aus den Worten heraus, mit denen es mitgeteilt wird, gar nicht mehr verstanden werden kann. Und nun sind diese Seelen wiedergeboren; aus dem Kirchlichen heraus wird ihnen das Dogma entgegengebracht. Es ist keine innere menschliche Beziehung zwischen dem, was da von den Bekenntnissen den menschlichen Seelen entgegengebracht wird, und demjenigen, was die Seelen aus sich heraus anstreben zu erfahren, zu wissen. Was so schlimm wirkt in der Gegenwart, ist nicht, daß die Dogmen falsch sind, sondern worauf es ankommt, ist, daß die Dogmen eine solche Form sind, die Wahrheit zu fassen, die den heutigen Zeitverhältnissen nicht mehr entspricht, daß die Dogmen nicht mehr entgegenkommen dem, was die menschlichen Seelen brauchen. So daß wir sagen können: Diese Dogmen werden heute gepredigt, indem sie eigentlich in den leeren Wind hinausgehaucht werden. — Auch diejenigen, die sich zu ihnen bekennen, tun dieses Bekennen nicht in innerer Seelenwahrheit, denn sie verstehen die Dogmen zumeist nicht. Aber dasjenige annehmen, was man nicht versteht, ist eine innere Unwahrheit. Und im Grunde kommt es von dieser inneren Unwahrheit her, daß in unserer Gegenwart so viel Schaden angerichtet wird durch die Unwahrhaftigkeit der Welt.
[ 6 ] Was in den letzten Jahren durch die Menschheit gegangen ist an Unwahrhaftigkeit, ist ja wirklich unermeßlich. Aber im Grunde genommen ist es nicht zu verwundern, daß es so ist, aus dem einfachen Grunde, weil, wenn die Seelen in jener Unwahrhaftigkeit leben, die ich eben jetzt gekennzeichnet habe, es eben kein Wunder ist, wenn sie keinen Sinn für die Wahrhaftigkeit im äußeren Leben haben. Das sollten vor allen Dingen diejenigen bedenken, welche heute glauben, eintreten zu müssen für die traditionellen Bekenntnisse. Es ist durchaus eine ernste Angelegenheit, mit der man sich auf diesem Gebiet beschäftigen muß.
[ 6 ] Was in den letzten Jahren durch die Menschheit gegangen ist an Unwahrhaftigkeit, ist ja wirklich unermeßlich. Aber im Grunde genommen ist es nicht zu verwundern, daß es so ist, aus dem einfachen Grunde, weil, wenn die Seelen in jener Unwahrhaftigkeit leben, die ich eben jetzt gekennzeichnet habe, es eben kein Wunder ist, wenn sie keinen Sinn für die Wahrhaftigkeit im äußeren Leben haben. Das sollten vor allen Dingen diejenigen bedenken, welche heute glauben, eintreten zu müssen für die traditionellen Bekenntnisse. Es ist durchaus eine ernste Angelegenheit, mit der man sich auf diesem Gebiet beschäftigen muß.
[ 7 ] Man könnte sagen, über die Dogmen sind die Seelen, die mittlerweile durch verschiedene Erdenleben gegangen sind, hinausgewachsen, seit diese Bekenntnisse sich gebildet haben. Geradeso wie man mit denjenigen Dingen, die ich Ihnen in den beiden letzten Vorträgen hier entwickelt habe, Ernst machen muß gegenüber dem Leben, so muß man mit der Anschauung von den wiederholten Erdenleben auch auf diesem Gebiete Ernst machen, Lebensernst machen.
[ 7 ] Man könnte sagen, über die Dogmen sind die Seelen, die mittlerweile durch verschiedene Erdenleben gegangen sind, hinausgewachsen, seit diese Bekenntnisse sich gebildet haben. Geradeso wie man mit denjenigen Dingen, die ich Ihnen in den beiden letzten Vorträgen hier entwickelt habe, Ernst machen muß gegenüber dem Leben, so muß man mit der Anschauung von den wiederholten Erdenleben auch auf diesem Gebiete Ernst machen, Lebensernst machen.
[ 8 ] Aber betrachten wir von demselben Gesichtspunkte aus dasjenige, was der Menschheit heute gegeben wird an äußerer Wissenschaft. Da wird geformt ein Wissen, bloß entstammend der sinnlich physischen Beobachtung. Das soll vereint werden mit demjenigen, was als menschliche Seele da in uns selber lebt, sie soll aufnehmen, sich erfüllen mit dem, was bloß sinnlich-physisches Beobachtungsmaterial ist.
[ 8 ] Aber betrachten wir von demselben Gesichtspunkte aus dasjenige, was der Menschheit heute gegeben wird an äußerer Wissenschaft. Da wird geformt ein Wissen, bloß entstammend der sinnlich physischen Beobachtung. Das soll vereint werden mit demjenigen, was als menschliche Seele da in uns selber lebt, sie soll aufnehmen, sich erfüllen mit dem, was bloß sinnlich-physisches Beobachtungsmaterial ist.
[ 9 ] Betrachten Sie den Menschen lebendig drinnenstehend im Leben. Er trägt in sich die Seele, die durch Erdenleben hindurchgegangen ist, die äußerlich in den Religionsbekenntnissen nicht das findet, womit sie sich verbinden kann. Sie verbindet sich aber, wenigstens für gewisse Gebiete des Lebens, mit dem, was heute anerkannte Wissenschaftlichkeit ist. Die Frage muß aufgeworfen werden: Was geschieht mit der menschlichen Seele, wenn sie sich verbindet mit dieser anerkannten, bloß auf dem sinnlich-physischen Gebiete beobachtenden Wissenschaft? — Die Seelen, die heute sich einverleiben den physischen Organismen, diese Seelen haben ja in der Tat in früheren Verkörperungen dasjenige in sich aufgenommen, was noch ganz anderen Verhältnissen zur Natur, zur Umgebung, zur Welt entsprach als das, was heute in diesem Wissen aufgenommen wird. Man kann nur verhältnismäßig wenige Seelen, die jetzt verkörpert sind, finden, welche nicht in ihrem vorigen Leben noch so verkörpert waren, daß sie zum Beispiel mit dem, was ihnen über die Naturerscheinungen gesagt worden ist, verbanden ein gewisses Wissen oder, sagen wir, ein gewisses Vorstellen über Geistiges. Solch eine geistentblößte Naturwissenschaft, wie sie seit drei bis vier Jahrhunderten heraufgezogen ist, gab es ja vorher nicht. Was als Naturwissenschaft der Menschheit in jenen älteren Zeiten gegeben worden ist, in jenen verhältnismäßig gar nicht so lang hinter uns liegenden Zeiten, das war so, daß man, indem man einen sinnlichen Tatbestand hinstellte, immer noch in diesem sinnlichen Tatbestand etwas hatte, was diesen sinnlichen Tatbestand durchtränkte mit Geistigem. Daher kommt es ja auch, daß viele Menschen der Gegenwart, denen nichts Besonderes daran liegt, mit ihrer Zeit zu gehen, in der gegenwärtigen sinnlich-physischen Naturwissenschaft nichts finden, was sie befriedigt, diese daher links liegen lassen und sich nicht damit beschäftigen, dafür aber allerlei alte Schmöker aufstöbern und nun nachforschen, was Basilius Valentinus oder irgendein anderer in seiner Art den Menschen an Naturwissen überliefert hat. Es ist richtig, daß in den Vorstellungen, die man sich damals über die Natur machte, noch allerlei von Geistigem drinnen lebte, aber gewöhnlich beruht der tiefe Respekt derjenigen, die sich heute mit diesen Dingen befassen, nur darauf, daß sie sie nicht verstehen und daß sie dasjenige für sehr tief halten, was man nicht versteht.
[ 9 ] Betrachten Sie den Menschen lebendig drinnenstehend im Leben. Er trägt in sich die Seele, die durch Erdenleben hindurchgegangen ist, die äußerlich in den Religionsbekenntnissen nicht das findet, womit sie sich verbinden kann. Sie verbindet sich aber, wenigstens für gewisse Gebiete des Lebens, mit dem, was heute anerkannte Wissenschaftlichkeit ist. Die Frage muß aufgeworfen werden: Was geschieht mit der menschlichen Seele, wenn sie sich verbindet mit dieser anerkannten, bloß auf dem sinnlich-physischen Gebiete beobachtenden Wissenschaft? — Die Seelen, die heute sich einverleiben den physischen Organismen, diese Seelen haben ja in der Tat in früheren Verkörperungen dasjenige in sich aufgenommen, was noch ganz anderen Verhältnissen zur Natur, zur Umgebung, zur Welt entsprach als das, was heute in diesem Wissen aufgenommen wird. Man kann nur verhältnismäßig wenige Seelen, die jetzt verkörpert sind, finden, welche nicht in ihrem vorigen Leben noch so verkörpert waren, daß sie zum Beispiel mit dem, was ihnen über die Naturerscheinungen gesagt worden ist, verbanden ein gewisses Wissen oder, sagen wir, ein gewisses Vorstellen über Geistiges. Solch eine geistentblößte Naturwissenschaft, wie sie seit drei bis vier Jahrhunderten heraufgezogen ist, gab es ja vorher nicht. Was als Naturwissenschaft der Menschheit in jenen älteren Zeiten gegeben worden ist, in jenen verhältnismäßig gar nicht so lang hinter uns liegenden Zeiten, das war so, daß man, indem man einen sinnlichen Tatbestand hinstellte, immer noch in diesem sinnlichen Tatbestand etwas hatte, was diesen sinnlichen Tatbestand durchtränkte mit Geistigem. Daher kommt es ja auch, daß viele Menschen der Gegenwart, denen nichts Besonderes daran liegt, mit ihrer Zeit zu gehen, in der gegenwärtigen sinnlich-physischen Naturwissenschaft nichts finden, was sie befriedigt, diese daher links liegen lassen und sich nicht damit beschäftigen, dafür aber allerlei alte Schmöker aufstöbern und nun nachforschen, was Basilius Valentinus oder irgendein anderer in seiner Art den Menschen an Naturwissen überliefert hat. Es ist richtig, daß in den Vorstellungen, die man sich damals über die Natur machte, noch allerlei von Geistigem drinnen lebte, aber gewöhnlich beruht der tiefe Respekt derjenigen, die sich heute mit diesen Dingen befassen, nur darauf, daß sie sie nicht verstehen und daß sie dasjenige für sehr tief halten, was man nicht versteht.
[ 10 ] Was wichtig ist auf diesem Gebiet, ist, daß eben die menschlichen Seelen, die in gegenwärtigen Leibern verkörpert sind, auch zu jenem alten Wissen keine reale Beziehung mehr haben und mit dem, was durch das übrige Leben geht und womit heute jeder schon in der Schule gefürtert wird, eben angepfropft werden, also in irgendeiner Weise das der sinnlich-physischen Beobachtung entstammende Wissensmaterial aufnehmen. Was aber liegt, wenn man die Sache innerlich betrachtet, da eigentlich vor?
[ 10 ] Was wichtig ist auf diesem Gebiet, ist, daß eben die menschlichen Seelen, die in gegenwärtigen Leibern verkörpert sind, auch zu jenem alten Wissen keine reale Beziehung mehr haben und mit dem, was durch das übrige Leben geht und womit heute jeder schon in der Schule gefürtert wird, eben angepfropft werden, also in irgendeiner Weise das der sinnlich-physischen Beobachtung entstammende Wissensmaterial aufnehmen. Was aber liegt, wenn man die Sache innerlich betrachtet, da eigentlich vor?
[ 11 ] Wir kommen heute in unsere Leiber hinein mit dem, was unsere Seelen in früheren Leben durchlebt haben, aber wir kommen in einer gewissen Weise so in unsere Leiber herein, daß wir kein Verhältnis mehr zu dem haben, was die Seelen in früheren Erdenleben durchlebt haben. Wir haben durch die verschiedenen Erdenleben hindurch — das mußte geschehen, weil das ja die Vorbereitung zur Ausbildung der Freiheit war — die Seelen so ausgebildet, daß sie in einer gewissen Weise ausgehöhlt sind von dem, was sie früher in sich aufgenommen haben, daß sie keine Beziehung mehr haben zu dem, was sie früher aufgenommen haben, daß sie in einer gewissen Weise leer sind gegenüber demjenigen, was eigentlich in der Welt lebt. Wir bringen in unseren Seelen nichts mehr herüber in dieser Beziehung aus früheren Erdenerlebnissen. Wir bringen wohl die Ergebnisse unserer moralischen Qualitäten herüber, aber wir bringen im Grunde genommen aus den früheren Erlebnissen, aus den früheren Erdenleben nicht dasjenige in dieses Erdenleben hinein, was zu einem irgendwie gearteten angeborenen Wissen von den Geheimnissen der Welt führen könnte. Die Seelen kommen heute nicht so in die Leiber herein, wie sie zum Beispiel noch in die griechischen Leiber hereingekommen sind. Die Seele, die durch die Geburt gegangen war im griechischen Leben, die kam noch mit einer durch das alte Wissen gespeisten Kraft in den physischen Leib herein, so daß sie diesen physischen Leib durchfrischen konnte mit geistig-seelischer Lebenskraft. Das ist heute nicht der Fall. Heute kommt zumeist die Seele so in den Leib herein, daß sie etwas für den Leib Aufzehrendes hat. Und in immer stärkerem und stärkerem Maße ist das der Fall, daß die Seelen, die heute geboren werden, etwas für den Leib Aufzehrendes haben, daß sie den Leib lähmen, daß sie ihn gewissermaßen mit Todesgewalten durchziehen. Würde die Entwickelung in diesem Sinne vorschreiten, so kämen wir ganz gewiß in die Untergrabung, in den Niedergang des Erdenlebens hinein. Die Menschen würden immer willensschwächer und willensschwächer. Die Menschen würden immer mehr und mehr zeigen, wie sie sich nicht aufraffen können zum Erfassen von aktiven Impulsen. Die Menschen würden gewissermaßen nur wie automatische Erfasser des Lebens durch dieses Leben gehen. Wie traurig ist es, daß wir in der Gegenwart sehen müssen, wie selten es ist, daß sich die Menschen innerlich befeuern lassen von lebendigen Ideen. Wie sehr finden wir, daß die Menschen der Gegenwart, man möchte sagen, an seelischer Sklerose leiden, daß sie tote Ideen wälzen, daß sie nur dasjenige, was sie mit den Traditionen aufnehmen, in ihren Köpfen wälzen und Automaten werden.
[ 11 ] Wir kommen heute in unsere Leiber hinein mit dem, was unsere Seelen in früheren Leben durchlebt haben, aber wir kommen in einer gewissen Weise so in unsere Leiber herein, daß wir kein Verhältnis mehr zu dem haben, was die Seelen in früheren Erdenleben durchlebt haben. Wir haben durch die verschiedenen Erdenleben hindurch — das mußte geschehen, weil das ja die Vorbereitung zur Ausbildung der Freiheit war — die Seelen so ausgebildet, daß sie in einer gewissen Weise ausgehöhlt sind von dem, was sie früher in sich aufgenommen haben, daß sie keine Beziehung mehr haben zu dem, was sie früher aufgenommen haben, daß sie in einer gewissen Weise leer sind gegenüber demjenigen, was eigentlich in der Welt lebt. Wir bringen in unseren Seelen nichts mehr herüber in dieser Beziehung aus früheren Erdenerlebnissen. Wir bringen wohl die Ergebnisse unserer moralischen Qualitäten herüber, aber wir bringen im Grunde genommen aus den früheren Erlebnissen, aus den früheren Erdenleben nicht dasjenige in dieses Erdenleben hinein, was zu einem irgendwie gearteten angeborenen Wissen von den Geheimnissen der Welt führen könnte. Die Seelen kommen heute nicht so in die Leiber herein, wie sie zum Beispiel noch in die griechischen Leiber hereingekommen sind. Die Seele, die durch die Geburt gegangen war im griechischen Leben, die kam noch mit einer durch das alte Wissen gespeisten Kraft in den physischen Leib herein, so daß sie diesen physischen Leib durchfrischen konnte mit geistig-seelischer Lebenskraft. Das ist heute nicht der Fall. Heute kommt zumeist die Seele so in den Leib herein, daß sie etwas für den Leib Aufzehrendes hat. Und in immer stärkerem und stärkerem Maße ist das der Fall, daß die Seelen, die heute geboren werden, etwas für den Leib Aufzehrendes haben, daß sie den Leib lähmen, daß sie ihn gewissermaßen mit Todesgewalten durchziehen. Würde die Entwickelung in diesem Sinne vorschreiten, so kämen wir ganz gewiß in die Untergrabung, in den Niedergang des Erdenlebens hinein. Die Menschen würden immer willensschwächer und willensschwächer. Die Menschen würden immer mehr und mehr zeigen, wie sie sich nicht aufraffen können zum Erfassen von aktiven Impulsen. Die Menschen würden gewissermaßen nur wie automatische Erfasser des Lebens durch dieses Leben gehen. Wie traurig ist es, daß wir in der Gegenwart sehen müssen, wie selten es ist, daß sich die Menschen innerlich befeuern lassen von lebendigen Ideen. Wie sehr finden wir, daß die Menschen der Gegenwart, man möchte sagen, an seelischer Sklerose leiden, daß sie tote Ideen wälzen, daß sie nur dasjenige, was sie mit den Traditionen aufnehmen, in ihren Köpfen wälzen und Automaten werden.
[ 12 ] Es ist ja wirklich so: Wenn man mit unbefangenem Sinn heute durch die Welt geht und diejenigen Menschen betrachtet, die heute im Leben stehen, so kann man sie eigentlich im Grunde genommen zu Dutzenden gar nicht voneinander unterscheiden. Man kann sie wirklich nicht unterscheiden. Man redet mit dem A, mit dem B, mit dem C, alle erzählen sie dasselbe. Jeder glaubt selbstverständlich, sein Eigenes zu sagen; aber man kann gar nicht darauf kommen, einen besonderen Unterschied zwischen ihnen anzugeben, sie erzählen alle dasselbe. Man hat eigentlich nur eine Art des Menschen in verschiedenen Exemplaren vor sich, und man frägt sich manchmal? Gibt man sich nicht einer Täuschung hin, ist nicht der, mit dem du heute sprichst, derselbe, mit dem du gestern gesprochen hast? — Das entspricht aber durchaus dem, was sich auch ergibt aus der Betrachtung der aufeinanderfolgenden Erdenleben im Verhältnis zu diesem jetzigen, besonderen Erdenleben. Die Seelen bringen sich eben nicht dasjenige mehr mit, was sie früher gehabt haben, was von Erdenleben zu Erdenleben gegangen ist und immer wiederum erschienen ist, wenn auch in absteigender Kraft, und was wie ein angeborenes Wissen da war. Das ist eben nicht mehr da. Und wenn dann mit solchen Seelen verbunden wird dasjenige, was nur äußerlich beobachtetes, physisch-sinnlich beobachtetes Naturwissen ist, dann werden diese Seelen angefüllt mit einem Wissen vom Vergänglichen, mit einem Wissen, das nur dasjenige in Ideengebilden ausdrückt, was äußerlich, vergänglich ist. Das 19. Jahrhundert hat ja, um sich in einer furchtbaren Illusion hinwegzutäuschen über diese Tatsache, zu dem schon älteren «Gesetz von der Erhaltung des Stoffes» hinzuerfunden das sogenannte «Gesetz von der Erhaltung der Kraft». Es hat diese Gesetze erfunden, um sich darüber hinwegzutäuschen, daß in der Natur nichts erhalten wird, sondern alles vergänglich ist, daß auch der Stoff und die Kraft vergänglich sind. Es bleibt von der Seele nichts mehr übrig, wenn die Inkarnationen sich in der Zukunft wiederholen, als der Menschheitsautomat, wenn diese leere Seele nur angefüllt wird mit dem sinnlich beobachteten, naturwissenschaftlichen Material. Denn das übt keine belebende, keine befruchtende Kraft auf die Seele aus.
[ 12 ] Es ist ja wirklich so: Wenn man mit unbefangenem Sinn heute durch die Welt geht und diejenigen Menschen betrachtet, die heute im Leben stehen, so kann man sie eigentlich im Grunde genommen zu Dutzenden gar nicht voneinander unterscheiden. Man kann sie wirklich nicht unterscheiden. Man redet mit dem A, mit dem B, mit dem C, alle erzählen sie dasselbe. Jeder glaubt selbstverständlich, sein Eigenes zu sagen; aber man kann gar nicht darauf kommen, einen besonderen Unterschied zwischen ihnen anzugeben, sie erzählen alle dasselbe. Man hat eigentlich nur eine Art des Menschen in verschiedenen Exemplaren vor sich, und man frägt sich manchmal? Gibt man sich nicht einer Täuschung hin, ist nicht der, mit dem du heute sprichst, derselbe, mit dem du gestern gesprochen hast? — Das entspricht aber durchaus dem, was sich auch ergibt aus der Betrachtung der aufeinanderfolgenden Erdenleben im Verhältnis zu diesem jetzigen, besonderen Erdenleben. Die Seelen bringen sich eben nicht dasjenige mehr mit, was sie früher gehabt haben, was von Erdenleben zu Erdenleben gegangen ist und immer wiederum erschienen ist, wenn auch in absteigender Kraft, und was wie ein angeborenes Wissen da war. Das ist eben nicht mehr da. Und wenn dann mit solchen Seelen verbunden wird dasjenige, was nur äußerlich beobachtetes, physisch-sinnlich beobachtetes Naturwissen ist, dann werden diese Seelen angefüllt mit einem Wissen vom Vergänglichen, mit einem Wissen, das nur dasjenige in Ideengebilden ausdrückt, was äußerlich, vergänglich ist. Das 19. Jahrhundert hat ja, um sich in einer furchtbaren Illusion hinwegzutäuschen über diese Tatsache, zu dem schon älteren «Gesetz von der Erhaltung des Stoffes» hinzuerfunden das sogenannte «Gesetz von der Erhaltung der Kraft». Es hat diese Gesetze erfunden, um sich darüber hinwegzutäuschen, daß in der Natur nichts erhalten wird, sondern alles vergänglich ist, daß auch der Stoff und die Kraft vergänglich sind. Es bleibt von der Seele nichts mehr übrig, wenn die Inkarnationen sich in der Zukunft wiederholen, als der Menschheitsautomat, wenn diese leere Seele nur angefüllt wird mit dem sinnlich beobachteten, naturwissenschaftlichen Material. Denn das übt keine belebende, keine befruchtende Kraft auf die Seele aus.
[ 13 ] Die Seele wird heute geboren, herüberkommend aus früheren Erdenleben, lechzend darnach, befruchtet zu werden von irgend etwas, um wiederum weiterzukommen durch die folgenden Erdenleben. Aber die Aufnahme des Wissens von bloß Vergänglichem gibt ihr nur den Seelentod, mordet die Seele. Das ist dasjenige, was heute im Ernste durchschaut werden muß, daß, wenn es fortan bleibt, daß nur Nichtverstehen sein kann gegenüber den altgewordenen Dogmen, dann nur Lähmung, Tötung eintreten könnte durch ein nicht geistdurchdrungenes Naturwissen, und die Seele den zweiten Tod, den Seelentod erleiden müßte. Es hängt durchaus an den Menschen und an der Menschheit, die Seelen lebendig zu erhalten. Es darf sich der Mensch heute nicht jener bequemen Passivität hingeben, indem er sagt: Ich bin ein ewiges Wesen, und mein ewiger Wesenskern wird mir unter allen Umständen erhalten bleiben. — Das entspricht nicht einem Wirklichkeitsergebnis. Dieser ewige Wesenskern ist allerdings im Menschen vorhanden, aber er muß gerade in diesem Zeitalter der Entscheidung befruchtet werden, wenn er nicht absterben soll. Und es gibt kein anderes Mittel, um die Seele lebendig zu erhalten, als zu brechen mit den bloß physisch-sinnlichen Naturbeobachtungen und zu begründen eine wirkliche Geist-Wissenschaft, auch gegenüber den Naturtatsachen zu zeigen, wie in allem sinnlich zu Beobachtenden der Geist lebt. Es kommt darauf an, nichts gelten zu lassen, was bloß Registrierung sinnlich-physischen Materials ist, sondern zu fordern, daß alles physisch-sinnliche Material durchdrungen werde von Vorstellungen des Geistigen, das ja darin lebt, das nur nicht herausgetrieben werden darf. Denn wenn dann die Seelen, die aus früheren Erdenleben kommen, dieses geisterfüllte Naturwissen aufnehmen, dann werden sie befruchtet und dadurch in die Lage versetzt, ihre Lebendigkeit hinüberzutragen in die folgenden Erdenleben. Der Fortbestand der Seele, ihre Gesundheit, ja der Fortbestand des Seelenlebens selbst, die Abwendung des Seelentodes der Menschheit hängen an der Durchgeistigung unseres Naturwissens!
[ 13 ] Die Seele wird heute geboren, herüberkommend aus früheren Erdenleben, lechzend darnach, befruchtet zu werden von irgend etwas, um wiederum weiterzukommen durch die folgenden Erdenleben. Aber die Aufnahme des Wissens von bloß Vergänglichem gibt ihr nur den Seelentod, mordet die Seele. Das ist dasjenige, was heute im Ernste durchschaut werden muß, daß, wenn es fortan bleibt, daß nur Nichtverstehen sein kann gegenüber den altgewordenen Dogmen, dann nur Lähmung, Tötung eintreten könnte durch ein nicht geistdurchdrungenes Naturwissen, und die Seele den zweiten Tod, den Seelentod erleiden müßte. Es hängt durchaus an den Menschen und an der Menschheit, die Seelen lebendig zu erhalten. Es darf sich der Mensch heute nicht jener bequemen Passivität hingeben, indem er sagt: Ich bin ein ewiges Wesen, und mein ewiger Wesenskern wird mir unter allen Umständen erhalten bleiben. — Das entspricht nicht einem Wirklichkeitsergebnis. Dieser ewige Wesenskern ist allerdings im Menschen vorhanden, aber er muß gerade in diesem Zeitalter der Entscheidung befruchtet werden, wenn er nicht absterben soll. Und es gibt kein anderes Mittel, um die Seele lebendig zu erhalten, als zu brechen mit den bloß physisch-sinnlichen Naturbeobachtungen und zu begründen eine wirkliche Geist-Wissenschaft, auch gegenüber den Naturtatsachen zu zeigen, wie in allem sinnlich zu Beobachtenden der Geist lebt. Es kommt darauf an, nichts gelten zu lassen, was bloß Registrierung sinnlich-physischen Materials ist, sondern zu fordern, daß alles physisch-sinnliche Material durchdrungen werde von Vorstellungen des Geistigen, das ja darin lebt, das nur nicht herausgetrieben werden darf. Denn wenn dann die Seelen, die aus früheren Erdenleben kommen, dieses geisterfüllte Naturwissen aufnehmen, dann werden sie befruchtet und dadurch in die Lage versetzt, ihre Lebendigkeit hinüberzutragen in die folgenden Erdenleben. Der Fortbestand der Seele, ihre Gesundheit, ja der Fortbestand des Seelenlebens selbst, die Abwendung des Seelentodes der Menschheit hängen an der Durchgeistigung unseres Naturwissens!
[ 14 ] Aus diesen Tatsachen heraus und nicht aus irgendeinem beliebigen Vorurteil wird heute von uns angestrebt diese Durchgeistigung der Naturwissenschaft. Und wenn die Menschheit in vielen ihrer Exemplare sich gegen diese Durchgeistigung der Naturwissenschaft wendet, dann ist diese Menschheit, eben weil sie unwissend ist gegenüber der eigentlichen Bedeutung der Tatsachen, eben aufgestachelt von Geistern, die wir ja gut kennen, die sich um so mehr in der menschlichen Natur geltend machen können, je weniger die Seele mitgebracht hat aus ihren früheren Inkarnationen. Aus dem ganzen Gefüge unseres Gegenwartslebens, das geistig sich zusammensetzt aus geistentblößter Naturwissenschaft und sinnentblößten Bekenntnissen, geht dasjenige hervor, was immerfort wieder und wiederum in der absurdesten Weise sich gegnerisch verhält gegen den Willen zu einer geistigen Durchdringung des Naturwissens. Es kann nicht oft genug betont werden, wie notwendig es ist in unserer Zeit, solchen Sachverhalt tief innerlich zu verstehen und sich, wenn ich das Wort gebrauchen darf, einzustellen auf eine solche Tatsache. Wir können nicht ernst genug nehmen, was heute auf Ablehnung hingeht einer geistdurchdrungenen Wissenschaftlichkeit, ob es nun aufsprießt in jener Weise, die ich heute nachmittag habe erwähnen hören — ich weiß nicht, inwieweit sie auf Wahrheit beruht —: daß sogar auf einen Beschluß der Farben tragenden Studenten hin die erst in der vergangenen Woche gehaltenen Vorträge boykottiert worden sind, oder ob es in einer anderen Form auftritt. Man kann ja heute die Schriften, die sich gegen diese Geisteswissenschaft wenden, zu ganzen Stößen sammeln. Und was in recht dunkeln, unsauberen Strömungen sich geltend macht, das werden diejenigen, die diese Dinge zu verschlafen lieben, doch auch in verhältnismäßig vielleicht recht kurzer Zeit recht stark wahrnehmen können. Es ist ja heute noch bequemer, unaufmerksam zu sein auf diese Dinge, als aufmerksam zu sein auf sie. Aber wir stehen eben nicht mehr auf dem Punkte, wo wir den Weg zurückmachen könnten zum Unbesprochenbleiben von der Welt. Das läßt sich nicht mehr machen. Und deshalb gibt es nur ein Vorwärtsgehen. Aber dieses Vorwärtsgehen ist gebunden an ein aktives SichBeteiligen an den immer schlimmere Gestalten annehmenden — man kann es ja nicht mehr Diskussionen nennen, aber wollen wir es einmal so nennen — «Diskussionen» der Zeit. Nur wenn es uns gelingt, aus einer starken Kraft heraus, die nur, wenn jeder das Seinige tut, zusammenfließen kann, für Geisteswissenschaft einzutreten und uns nicht zu scheuen, überall in ungeschminkter Weise rückhaltlos zu charakterisieren, wo im Verborgenen offenbar Feindseligkeit gegen die Geisteswissenschaft vorhanden ist, nur dann kann eine Hoffnung bestehen, durchzukommen. Es handelt sich dabei viel weniger darum, bloß dasjenige, was etwa wörtlich genommen als Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft auftritt, aufzufangen und dagegen verteidigend aufzutreten. Das ist gewiß in dem einen oder anderen Fall durchaus notwendig; aber es genügt das nicht. Denn schließlich ist das doch nur die sekundäre Erscheinung, wenn aus törichtem Mißverständlichen oder aus Mißverstehen entsprungen böswillig Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft sich erhebt. Das ist gewissermaßen etwas Sekundäres, das ja natürlich ab und zu in das richtige Licht gesetzt werden muß. Sekundär ist es selbstverständlich, wenn — ich habe das neulich schon im öffentlichen Vortrag angeführt — solche Menschen wie Frohnmeyer über die Hauptgestalt der plastischen Gruppe in Dornach, die als die Christus-Gestalt erlebt werden kann, vorbringen: Daß sich in Dornach eine «Statue des Idealmenschen» befinde, «oben mit «luziferischen» Zügen, unten mit tierischen Merkmalen». — Es ist gewiß notwendig, daß auf so etwas hingewiesen wird, aber schließlich gar nicht einmal deswegen, um bloß unsere Geisteswissenschaft zu verteidigen, sondern aus einem viel tieferen, bedeutsameren Untergrunde heraus. Wer imstande ist, eine solche furchtbare Unwahrheit in die Welt zu setzen, der wirkt schädigend auf die Menschheit in allem, was er schreibt und sagt, wo er erziehend auf die Menschheit wirken soll. Und nicht das ist das Bedeutsame, daß so jemand einmal eine knüppeldicke Lüge ausspricht, sondern das ist das Bedeutsame, daß man von diesem Symptom aus, daß ein Mensch so stark lügen kann, ersieht, auf welchen Pfaden gewisse Führer der Menschheit heute wandeln. Man kann erkennen an den Angriffen gegen die Geisteswissenschaft, wie der heutige Wahrheitssinn beschaffen ist. Und auf dieses breitere Feld hinaus muß die Arbeit auf diesem geistigen Gebiet geführt werden. Das ist es, worauf es ankommt. Man darf nicht zurückschrecken vor dem Aufsuchen dieses mangelnden Wahrheitssinnes auf allen Gebieten. Und es muß die Menschheit verstehen lernen, daß nur mit wirklichem Wahrheitssinn der Zukunft entgegengearbeitet werden kann, wenn die Seelen den Weg finden sollen aus der Inkarnation dieses Zeitalters in die Inkarnation der nächsten Zeitalter hinein. Es handelt sich heute dabei nicht um etwas Formales, sondern durchaus um das reale Leben der Seele durch die aufeinanderfolgenden Erdenleben hindurch. Man suche und man wird finden, wie der Zusammenhang ist zwischen jener Ihnen früher charakterisierten innerlichen Unwahrhaftigkeit des Denkens — in äußerlich der Seele entgegengebrachten Bekenntnissen, ohne eine innerliche Verbindung herzustellen mit der Wahrheit — und der Unwahrhaftigkeit in der äußeren Welt. Denn schließlich ist es doch eine merkwürdige Erscheinung, daß solche Unwahrhaftigkeiten besonders bei denjenigen so stark auftreten — womit ich aber nicht sagen will, daß sie bei Genossen von den anderen Fakultäten nicht vorhanden wären —, die eigentlich die Belehrer der Menschheit, die großen Siegelbewahrer der religiösen Wahrheiten sein sollten.
[ 14 ] Aus diesen Tatsachen heraus und nicht aus irgendeinem beliebigen Vorurteil wird heute von uns angestrebt diese Durchgeistigung der Naturwissenschaft. Und wenn die Menschheit in vielen ihrer Exemplare sich gegen diese Durchgeistigung der Naturwissenschaft wendet, dann ist diese Menschheit, eben weil sie unwissend ist gegenüber der eigentlichen Bedeutung der Tatsachen, eben aufgestachelt von Geistern, die wir ja gut kennen, die sich um so mehr in der menschlichen Natur geltend machen können, je weniger die Seele mitgebracht hat aus ihren früheren Inkarnationen. Aus dem ganzen Gefüge unseres Gegenwartslebens, das geistig sich zusammensetzt aus geistentblößter Naturwissenschaft und sinnentblößten Bekenntnissen, geht dasjenige hervor, was immerfort wieder und wiederum in der absurdesten Weise sich gegnerisch verhält gegen den Willen zu einer geistigen Durchdringung des Naturwissens. Es kann nicht oft genug betont werden, wie notwendig es ist in unserer Zeit, solchen Sachverhalt tief innerlich zu verstehen und sich, wenn ich das Wort gebrauchen darf, einzustellen auf eine solche Tatsache. Wir können nicht ernst genug nehmen, was heute auf Ablehnung hingeht einer geistdurchdrungenen Wissenschaftlichkeit, ob es nun aufsprießt in jener Weise, die ich heute nachmittag habe erwähnen hören — ich weiß nicht, inwieweit sie auf Wahrheit beruht —: daß sogar auf einen Beschluß der Farben tragenden Studenten hin die erst in der vergangenen Woche gehaltenen Vorträge boykottiert worden sind, oder ob es in einer anderen Form auftritt. Man kann ja heute die Schriften, die sich gegen diese Geisteswissenschaft wenden, zu ganzen Stößen sammeln. Und was in recht dunkeln, unsauberen Strömungen sich geltend macht, das werden diejenigen, die diese Dinge zu verschlafen lieben, doch auch in verhältnismäßig vielleicht recht kurzer Zeit recht stark wahrnehmen können. Es ist ja heute noch bequemer, unaufmerksam zu sein auf diese Dinge, als aufmerksam zu sein auf sie. Aber wir stehen eben nicht mehr auf dem Punkte, wo wir den Weg zurückmachen könnten zum Unbesprochenbleiben von der Welt. Das läßt sich nicht mehr machen. Und deshalb gibt es nur ein Vorwärtsgehen. Aber dieses Vorwärtsgehen ist gebunden an ein aktives SichBeteiligen an den immer schlimmere Gestalten annehmenden — man kann es ja nicht mehr Diskussionen nennen, aber wollen wir es einmal so nennen — «Diskussionen» der Zeit. Nur wenn es uns gelingt, aus einer starken Kraft heraus, die nur, wenn jeder das Seinige tut, zusammenfließen kann, für Geisteswissenschaft einzutreten und uns nicht zu scheuen, überall in ungeschminkter Weise rückhaltlos zu charakterisieren, wo im Verborgenen offenbar Feindseligkeit gegen die Geisteswissenschaft vorhanden ist, nur dann kann eine Hoffnung bestehen, durchzukommen. Es handelt sich dabei viel weniger darum, bloß dasjenige, was etwa wörtlich genommen als Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft auftritt, aufzufangen und dagegen verteidigend aufzutreten. Das ist gewiß in dem einen oder anderen Fall durchaus notwendig; aber es genügt das nicht. Denn schließlich ist das doch nur die sekundäre Erscheinung, wenn aus törichtem Mißverständlichen oder aus Mißverstehen entsprungen böswillig Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft sich erhebt. Das ist gewissermaßen etwas Sekundäres, das ja natürlich ab und zu in das richtige Licht gesetzt werden muß. Sekundär ist es selbstverständlich, wenn — ich habe das neulich schon im öffentlichen Vortrag angeführt — solche Menschen wie Frohnmeyer über die Hauptgestalt der plastischen Gruppe in Dornach, die als die Christus-Gestalt erlebt werden kann, vorbringen: Daß sich in Dornach eine «Statue des Idealmenschen» befinde, «oben mit «luziferischen» Zügen, unten mit tierischen Merkmalen». — Es ist gewiß notwendig, daß auf so etwas hingewiesen wird, aber schließlich gar nicht einmal deswegen, um bloß unsere Geisteswissenschaft zu verteidigen, sondern aus einem viel tieferen, bedeutsameren Untergrunde heraus. Wer imstande ist, eine solche furchtbare Unwahrheit in die Welt zu setzen, der wirkt schädigend auf die Menschheit in allem, was er schreibt und sagt, wo er erziehend auf die Menschheit wirken soll. Und nicht das ist das Bedeutsame, daß so jemand einmal eine knüppeldicke Lüge ausspricht, sondern das ist das Bedeutsame, daß man von diesem Symptom aus, daß ein Mensch so stark lügen kann, ersieht, auf welchen Pfaden gewisse Führer der Menschheit heute wandeln. Man kann erkennen an den Angriffen gegen die Geisteswissenschaft, wie der heutige Wahrheitssinn beschaffen ist. Und auf dieses breitere Feld hinaus muß die Arbeit auf diesem geistigen Gebiet geführt werden. Das ist es, worauf es ankommt. Man darf nicht zurückschrecken vor dem Aufsuchen dieses mangelnden Wahrheitssinnes auf allen Gebieten. Und es muß die Menschheit verstehen lernen, daß nur mit wirklichem Wahrheitssinn der Zukunft entgegengearbeitet werden kann, wenn die Seelen den Weg finden sollen aus der Inkarnation dieses Zeitalters in die Inkarnation der nächsten Zeitalter hinein. Es handelt sich heute dabei nicht um etwas Formales, sondern durchaus um das reale Leben der Seele durch die aufeinanderfolgenden Erdenleben hindurch. Man suche und man wird finden, wie der Zusammenhang ist zwischen jener Ihnen früher charakterisierten innerlichen Unwahrhaftigkeit des Denkens — in äußerlich der Seele entgegengebrachten Bekenntnissen, ohne eine innerliche Verbindung herzustellen mit der Wahrheit — und der Unwahrhaftigkeit in der äußeren Welt. Denn schließlich ist es doch eine merkwürdige Erscheinung, daß solche Unwahrhaftigkeiten besonders bei denjenigen so stark auftreten — womit ich aber nicht sagen will, daß sie bei Genossen von den anderen Fakultäten nicht vorhanden wären —, die eigentlich die Belehrer der Menschheit, die großen Siegelbewahrer der religiösen Wahrheiten sein sollten.
[ 15 ] Das ist die erste Pflicht des heutigen Menschen, der irgendeine Beziehung zum geistigen Leben haben will: die kulturhistorisch gewordene Unwahrhaftigkeit aufzusuchen. Es ist merkwürdig, wie tief eingefressen diese kulturhistorische Unwahrhaftigkeit ist. Sie ist ein Charakteristikum unseres Zeitalters. Aus der Politik, in der sie ihre üblen Sumpfpflanzen getrieben hat, ist sie ja schließlich eingedrungen auch in manches andere Gebiet. Und es ist schon der Zustand eingetreten, daß die Menschen kaum mehr unterscheiden können zwischen Wahrhaftigkeit und Unwahrhaftigkeit in bezug auf gewisse Erscheinungen des Lebens. Sie sehen, es spielt eine gewisse Lebenserscheinung, die Unwahrhaftigkeit, der wir auf Schritt und Tritt im täglichen Leben begegnen, sowohl] in diesem täglichen Leben ihre Rolle, wie auch in den großen Angelegenheiten des Lebens. Schließlich ist die Unwahrhaftigkeit heute demselben Hang entsprossen, gleichgültig, ob sie nun auftritt bei den erleuchteten Herren — allerdings von einem merkwürdigen Licht erleuchtet —, die in Genf versammelt waren, oder ob sie auftritt bei den verschiedenen bürgerlichen und proletarischen Kaffeeklatschen. Was als Geist in Genf und in den bürgerlichen und proletarischen Kaffeeklatschen gelebt hat, ist als Unwahrhaftigkeit beliebt, und in Parenthese möchte ich sagen die Anwesenden müssen mir das nicht übelnehmen, in Parenthese darf ich es wohl sagen —, daß sie auch durchaus nicht ausgerottet ist innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Diese Unwahrhaftigkeit ist eine kulturhistorische Erscheinung der Gegenwart, und mit ihr muß man sich befassen. Sie darf vor allen Dingen auf keinem Gebiet bloß entschuldigt werden, sondern sie muß charakterisiert, vor die Zeitgenossen hingestellt werden. Wir erleben es ja immer wiederum, daß, wenn einmal die dringende Notwendigkeit sich herausstellt, auf solche Dinge hinzuweisen, uns auch von Leuten, die in der anthroposophischen Bewegung stehen, weil ihnen die Dinge unbequem sind, weil sie leben müssen innerhalb der Unwahrhaftigkeit und ihnen daher die Charakteristik der Unwahrhaftigkeit in dem einen oder andern Falle höchst unbequem ist, dieses Charakterisieren der Unwahrhaftigkeit immer wiederum übelgenommen wird.
[ 15 ] Das ist die erste Pflicht des heutigen Menschen, der irgendeine Beziehung zum geistigen Leben haben will: die kulturhistorisch gewordene Unwahrhaftigkeit aufzusuchen. Es ist merkwürdig, wie tief eingefressen diese kulturhistorische Unwahrhaftigkeit ist. Sie ist ein Charakteristikum unseres Zeitalters. Aus der Politik, in der sie ihre üblen Sumpfpflanzen getrieben hat, ist sie ja schließlich eingedrungen auch in manches andere Gebiet. Und es ist schon der Zustand eingetreten, daß die Menschen kaum mehr unterscheiden können zwischen Wahrhaftigkeit und Unwahrhaftigkeit in bezug auf gewisse Erscheinungen des Lebens. Sie sehen, es spielt eine gewisse Lebenserscheinung, die Unwahrhaftigkeit, der wir auf Schritt und Tritt im täglichen Leben begegnen, sowohl] in diesem täglichen Leben ihre Rolle, wie auch in den großen Angelegenheiten des Lebens. Schließlich ist die Unwahrhaftigkeit heute demselben Hang entsprossen, gleichgültig, ob sie nun auftritt bei den erleuchteten Herren — allerdings von einem merkwürdigen Licht erleuchtet —, die in Genf versammelt waren, oder ob sie auftritt bei den verschiedenen bürgerlichen und proletarischen Kaffeeklatschen. Was als Geist in Genf und in den bürgerlichen und proletarischen Kaffeeklatschen gelebt hat, ist als Unwahrhaftigkeit beliebt, und in Parenthese möchte ich sagen die Anwesenden müssen mir das nicht übelnehmen, in Parenthese darf ich es wohl sagen —, daß sie auch durchaus nicht ausgerottet ist innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Diese Unwahrhaftigkeit ist eine kulturhistorische Erscheinung der Gegenwart, und mit ihr muß man sich befassen. Sie darf vor allen Dingen auf keinem Gebiet bloß entschuldigt werden, sondern sie muß charakterisiert, vor die Zeitgenossen hingestellt werden. Wir erleben es ja immer wiederum, daß, wenn einmal die dringende Notwendigkeit sich herausstellt, auf solche Dinge hinzuweisen, uns auch von Leuten, die in der anthroposophischen Bewegung stehen, weil ihnen die Dinge unbequem sind, weil sie leben müssen innerhalb der Unwahrhaftigkeit und ihnen daher die Charakteristik der Unwahrhaftigkeit in dem einen oder andern Falle höchst unbequem ist, dieses Charakterisieren der Unwahrhaftigkeit immer wiederum übelgenommen wird.
[ 16 ] Diese Dinge, die ich heute gesagt habe, in Verbindung gedacht mit dem, was ich in den zwei vorigen Betrachtungen gesagt habe in bezug auf die Wiederverkörperung der Seelen über die heutige zivilisierte Welt hin, sowie über das Interesse, das bei einem Teil der Menschheit vorhanden ist, das Entscheidende, das im gegenwärtigen Zeitalter an die Menschheit heran will, nicht an diese Menschheit herankommen zu lassen, kann einen Begriff geben von dem großen Ernste der Zeitaufgaben, in denen wir drinnenstehen. |
[ 16 ] Diese Dinge, die ich heute gesagt habe, in Verbindung gedacht mit dem, was ich in den zwei vorigen Betrachtungen gesagt habe in bezug auf die Wiederverkörperung der Seelen über die heutige zivilisierte Welt hin, sowie über das Interesse, das bei einem Teil der Menschheit vorhanden ist, das Entscheidende, das im gegenwärtigen Zeitalter an die Menschheit heran will, nicht an diese Menschheit herankommen zu lassen, kann einen Begriff geben von dem großen Ernste der Zeitaufgaben, in denen wir drinnenstehen. |
[ 17 ] Diese Zeitaufgaben sind durchaus vom tiefsten Ernste durchdrungen. Und deshalb, weil es so notwendig ist, gerade auf unserem Boden von diesem Gesichtspunkte auszugehen, habe ich das letzte Mal am Schlusse davon gesprochen, wie schmerzlich es mir ist, daß heute so viel Zeit in Anspruch genommen wird, ohne daß zu gleicher Zeit die Möglichkeit vorhanden ist, die frühere anthroposophische Arbeit so fortzusetzen, wie sie vorhanden war, bevor die Notwendigkeit — eine Notwendigkeit ist es ja— sich ergeben hat, in den Dingen zu arbeiten, die ja hier oftmals besprochen worden sind, und die eben heute durchaus da sein müssen. Allein, wenn wir uns in das richtige Verhältnis zu diesen Dingen setzen wollen, dann ist es notwendig, notwendig gerade aus dem Geiste der großen Zeitaufgaben heraus.
[ 17 ] Diese Zeitaufgaben sind durchaus vom tiefsten Ernste durchdrungen. Und deshalb, weil es so notwendig ist, gerade auf unserem Boden von diesem Gesichtspunkte auszugehen, habe ich das letzte Mal am Schlusse davon gesprochen, wie schmerzlich es mir ist, daß heute so viel Zeit in Anspruch genommen wird, ohne daß zu gleicher Zeit die Möglichkeit vorhanden ist, die frühere anthroposophische Arbeit so fortzusetzen, wie sie vorhanden war, bevor die Notwendigkeit — eine Notwendigkeit ist es ja— sich ergeben hat, in den Dingen zu arbeiten, die ja hier oftmals besprochen worden sind, und die eben heute durchaus da sein müssen. Allein, wenn wir uns in das richtige Verhältnis zu diesen Dingen setzen wollen, dann ist es notwendig, notwendig gerade aus dem Geiste der großen Zeitaufgaben heraus.
[ 18 ] Wir müssen uns nämlich nur folgendes heute immer klarer und klarer machen: Unsere Freunde haben sich vielfach eingelebt in die anthroposophische Bewegung, wie sie ja im Grunde seit dem Beginn dieses Jahrhunderts da ist. Diese anthroposophische Bewegung ist etwas, was nun wirklich nicht bloß eine Realität hier auf dem physischen Plan hat, sondern was fortdauernd eine Angelegenheit der geistigen Welten ist, eine unmittelbare Angelegenheit der geistigen Welten ist. Selbstverständlich sind auch die äußersten praktischen Maßnahmen eine Angelegenheit der geistigen Welten, aber nicht in dem Sinn, wie es die anthroposophische Bewegung selbst ist. Und darüber muß ich heute ein paar Worte sagen. — Die anthroposophische Bewegung in ihren geistigen Aspekten, sie geht fort, ob die Menschen hier, die sie vertreten, fleißig oder faul sind; ob die Menschen, die sie vertreten, sich Mühe geben, die Dinge vorwärtszubringen oder nicht vorwärtszubringen, sie geht eben dann schneller oder langsamer vorwärts, aber sie bleibt in ihrer geistigen Realität vorhanden. Da es notwendig geworden ist, praktische Dinge ins Leben zu rufen, die unmittelbar aus den Forderungen der Gegenwart herausgewachsen sind, so steht es mit diesen Dingen anders. Diese Dinge müssen in ihrer richtigen Zeit gemacht werden, da es unmöglich ist, mit diesen Dingen zurechtzukommen, wenn sie nicht in der richtigen Zeit absolviert werden. Für die Dinge des praktischen Lebens kann es so liegen, daß, wenn sie in langsamem Trott gemacht werden, sie einfach zu spät kommen. Innerhalb der anthroposophischen Bewegung hat man sich aber vielfach gewöhnt an dasjenige, was langsam oder schnell gehen kann. Und es wird jetzt vielfach die Praxis, die man sich dort angeeignet hat, auch hinübergetragen in diejenigen Dinge, in denen diese Praxis nicht geht. Und das ist dasjenige, hauptsächlich, was zugrunde liegt dem, was ich neulich charakterisieren wollte, indem ich hingewiesen habe darauf, daß wiederum die Möglichkeit geschaffen werden muß, dasjenige, woraus ja doch schließlich alles fließt, die anthroposophische Bewegung als solche zu pflegen. Wie lange mußte ich schon darauf hinweisen, daß es gar nicht möglich ist, persönliche Unterredungen jetzt zu haben. Ja, meine lieben Freunde, wir haben in den letzten Tagen der vorigen Woche — die paar wenigen Leute, die nun wirklich arbeiten können in den praktischen Angelegenheiten —, wir haben unsere Tage bis gegen drei Uhr morgens besetzt gehabt. Und doch sind die Leute immer wiederum unwillig, wenn nicht dem Wunsche nach persönlicher Besprechung Rechnung getragen werden kann. Aber ich möchte wissen, woher die Zeit kommen soll dazu. Das muß verstanden werden. Daraus darf nicht eine Lässigkeit im anthroposophischen Leben selber fließen; sondern im Gegenteil, es muß geradezu eine Erkraftung des anthroposophischen Lebens daraus kommen. Denn seien Sie versichert, wenn diese Erkraftung des anthroposophischen Lebens kommt, dann kommt das andere Notwendige auch auf den praktischen Lebensgebieten von selber. Aber die Erkraftung muß kommen vor allen Dingen. Diese Erkraftung muß so kommen, daß wir versuchen, alles Träumerische aus unseren Seelen auszutreiben. Was bloß brüten will auf irgendeiner Lebensinsel, was sich nicht kümmern will um dasjenige, was im Leben heute vorgeht, ist dasjenige, was die Verfolgung der wirklichen Aufgaben des Lebens so lähmt. Diese Aufgaben werden gelähmt, wenn die Menschen auf der einen Seite einfach blind bleiben, schläfrig bleiben gegenüber dem, was im äußeren Leben sich abspielt, und ihr Heil, was aber mehr die Wollust ihrer Seele ist, suchen in der Bearbeitung allerlei lebensfremder, mystischer Probleme auf ihren Lebensinseln.
[ 18 ] Wir müssen uns nämlich nur folgendes heute immer klarer und klarer machen: Unsere Freunde haben sich vielfach eingelebt in die anthroposophische Bewegung, wie sie ja im Grunde seit dem Beginn dieses Jahrhunderts da ist. Diese anthroposophische Bewegung ist etwas, was nun wirklich nicht bloß eine Realität hier auf dem physischen Plan hat, sondern was fortdauernd eine Angelegenheit der geistigen Welten ist, eine unmittelbare Angelegenheit der geistigen Welten ist. Selbstverständlich sind auch die äußersten praktischen Maßnahmen eine Angelegenheit der geistigen Welten, aber nicht in dem Sinn, wie es die anthroposophische Bewegung selbst ist. Und darüber muß ich heute ein paar Worte sagen. — Die anthroposophische Bewegung in ihren geistigen Aspekten, sie geht fort, ob die Menschen hier, die sie vertreten, fleißig oder faul sind; ob die Menschen, die sie vertreten, sich Mühe geben, die Dinge vorwärtszubringen oder nicht vorwärtszubringen, sie geht eben dann schneller oder langsamer vorwärts, aber sie bleibt in ihrer geistigen Realität vorhanden. Da es notwendig geworden ist, praktische Dinge ins Leben zu rufen, die unmittelbar aus den Forderungen der Gegenwart herausgewachsen sind, so steht es mit diesen Dingen anders. Diese Dinge müssen in ihrer richtigen Zeit gemacht werden, da es unmöglich ist, mit diesen Dingen zurechtzukommen, wenn sie nicht in der richtigen Zeit absolviert werden. Für die Dinge des praktischen Lebens kann es so liegen, daß, wenn sie in langsamem Trott gemacht werden, sie einfach zu spät kommen. Innerhalb der anthroposophischen Bewegung hat man sich aber vielfach gewöhnt an dasjenige, was langsam oder schnell gehen kann. Und es wird jetzt vielfach die Praxis, die man sich dort angeeignet hat, auch hinübergetragen in diejenigen Dinge, in denen diese Praxis nicht geht. Und das ist dasjenige, hauptsächlich, was zugrunde liegt dem, was ich neulich charakterisieren wollte, indem ich hingewiesen habe darauf, daß wiederum die Möglichkeit geschaffen werden muß, dasjenige, woraus ja doch schließlich alles fließt, die anthroposophische Bewegung als solche zu pflegen. Wie lange mußte ich schon darauf hinweisen, daß es gar nicht möglich ist, persönliche Unterredungen jetzt zu haben. Ja, meine lieben Freunde, wir haben in den letzten Tagen der vorigen Woche — die paar wenigen Leute, die nun wirklich arbeiten können in den praktischen Angelegenheiten —, wir haben unsere Tage bis gegen drei Uhr morgens besetzt gehabt. Und doch sind die Leute immer wiederum unwillig, wenn nicht dem Wunsche nach persönlicher Besprechung Rechnung getragen werden kann. Aber ich möchte wissen, woher die Zeit kommen soll dazu. Das muß verstanden werden. Daraus darf nicht eine Lässigkeit im anthroposophischen Leben selber fließen; sondern im Gegenteil, es muß geradezu eine Erkraftung des anthroposophischen Lebens daraus kommen. Denn seien Sie versichert, wenn diese Erkraftung des anthroposophischen Lebens kommt, dann kommt das andere Notwendige auch auf den praktischen Lebensgebieten von selber. Aber die Erkraftung muß kommen vor allen Dingen. Diese Erkraftung muß so kommen, daß wir versuchen, alles Träumerische aus unseren Seelen auszutreiben. Was bloß brüten will auf irgendeiner Lebensinsel, was sich nicht kümmern will um dasjenige, was im Leben heute vorgeht, ist dasjenige, was die Verfolgung der wirklichen Aufgaben des Lebens so lähmt. Diese Aufgaben werden gelähmt, wenn die Menschen auf der einen Seite einfach blind bleiben, schläfrig bleiben gegenüber dem, was im äußeren Leben sich abspielt, und ihr Heil, was aber mehr die Wollust ihrer Seele ist, suchen in der Bearbeitung allerlei lebensfremder, mystischer Probleme auf ihren Lebensinseln.
[ 19 ] Ich berühre damit etwas außerordentlich Wichtiges, etwas, was eine unmittelbare Anwendung der Ideen über die großen Aufgaben der Zeit auf unsere eigene Bewegung ist. — Jeder einzelne von uns müßte mitarbeiten an der Erkraftung dieser anthroposophischen Bewegung. Man kann nur mitarbeiten an der Erkraftung dieser anthroposophischen Bewegung, wenn man sich ein freies und offenes Auge anerzieht für dasjenige, was die Niedergangserscheinungen in unserem Kulturleben im Großen sind. Für Anthroposophen geht es nicht an, sich nicht zu kümmern um diese Niedergangserscheinungen im Großen. Es geht nicht an für Sie, sich nicht hinzuwenden zu dem, was die heutige Zivilisation durchdringt mit einer Kraft, die sie in den Abgrund hineintreibt. — Trotzdem es auf der einen Seite nicht gerne gehört wird, auf der anderen Seite immer wiederum vergessen wird, muß ich immer wiederum darauf hinweisen, daß die Dinge von selber nicht besser werden. Und das kontemplative Brüten heute, das eine Art transzendentaler Demonstration bei vielen ist, das ist dasjenige, was uns außerordentlich schadet. Statt daß der Wille aufgerüttelt wird und man sich sagt: Ich will tun —, brütet man darüber nach, ob da oder dort die Verhältnisse so sind, daß man etwas tun kann.
[ 19 ] Ich berühre damit etwas außerordentlich Wichtiges, etwas, was eine unmittelbare Anwendung der Ideen über die großen Aufgaben der Zeit auf unsere eigene Bewegung ist. — Jeder einzelne von uns müßte mitarbeiten an der Erkraftung dieser anthroposophischen Bewegung. Man kann nur mitarbeiten an der Erkraftung dieser anthroposophischen Bewegung, wenn man sich ein freies und offenes Auge anerzieht für dasjenige, was die Niedergangserscheinungen in unserem Kulturleben im Großen sind. Für Anthroposophen geht es nicht an, sich nicht zu kümmern um diese Niedergangserscheinungen im Großen. Es geht nicht an für Sie, sich nicht hinzuwenden zu dem, was die heutige Zivilisation durchdringt mit einer Kraft, die sie in den Abgrund hineintreibt. — Trotzdem es auf der einen Seite nicht gerne gehört wird, auf der anderen Seite immer wiederum vergessen wird, muß ich immer wiederum darauf hinweisen, daß die Dinge von selber nicht besser werden. Und das kontemplative Brüten heute, das eine Art transzendentaler Demonstration bei vielen ist, das ist dasjenige, was uns außerordentlich schadet. Statt daß der Wille aufgerüttelt wird und man sich sagt: Ich will tun —, brütet man darüber nach, ob da oder dort die Verhältnisse so sind, daß man etwas tun kann.
[ 20 ] Meine lieben Freunde, wenn man vom Beginn des Jahrhunderts so nachgedacht hätte über die anthroposophische Bewegung, niemals wäre sie heute dasjenige, was sie ist. Denn die gescheiten Leute, die dazumal aufgetreten sind, haben gesagt, in München müsse man so und so arbeiten; und die noch gescheiteren haben wieder unterschieden zwischen Schwabing und München, und haben überall das Gras wachsen hören, das ihnen anzeigte, wie die betreffenden Orte beschaffen sind. Dann sind solche gekommen, die haben in Hannover, in Frankfurt ganz besondere Verhältnisse gefunden. Das war etwas, dem man überall begegnete. Hätte man irgendwie darauf gehört, man wäre keinen Schritt vorwärtsgekommen. Es war das dazumal schon eine üble Sache, aber heute, wo es sich um Aufgaben des praktischen Lebens vielfach handelt, ist es eine noch üblere Sache. Denn heute handelt es sich nicht darum, daß wir solche Graswachserei aufstöbern, sondern darum, daß wir unseren Willen anspannen, um etwas zu tun, um wirklich zu arbeiten. Es ist natürlich ungemein leicht, zu sagen: Ich verspüre in der transzendentalen Atmosphäre dieses oder jenes Ortes, daß man da nicht das oder jenes tun kann — es ist viel leichter, als einfach etwas tun wollen. Man sollte so wenig wie möglich sich auf das Äußere heute berufen, und so viel wie möglich das Innere in Gang bringen. Das ist dasjenige, was nun wirklich nicht oft genug betont werden kann.
[ 20 ] Meine lieben Freunde, wenn man vom Beginn des Jahrhunderts so nachgedacht hätte über die anthroposophische Bewegung, niemals wäre sie heute dasjenige, was sie ist. Denn die gescheiten Leute, die dazumal aufgetreten sind, haben gesagt, in München müsse man so und so arbeiten; und die noch gescheiteren haben wieder unterschieden zwischen Schwabing und München, und haben überall das Gras wachsen hören, das ihnen anzeigte, wie die betreffenden Orte beschaffen sind. Dann sind solche gekommen, die haben in Hannover, in Frankfurt ganz besondere Verhältnisse gefunden. Das war etwas, dem man überall begegnete. Hätte man irgendwie darauf gehört, man wäre keinen Schritt vorwärtsgekommen. Es war das dazumal schon eine üble Sache, aber heute, wo es sich um Aufgaben des praktischen Lebens vielfach handelt, ist es eine noch üblere Sache. Denn heute handelt es sich nicht darum, daß wir solche Graswachserei aufstöbern, sondern darum, daß wir unseren Willen anspannen, um etwas zu tun, um wirklich zu arbeiten. Es ist natürlich ungemein leicht, zu sagen: Ich verspüre in der transzendentalen Atmosphäre dieses oder jenes Ortes, daß man da nicht das oder jenes tun kann — es ist viel leichter, als einfach etwas tun wollen. Man sollte so wenig wie möglich sich auf das Äußere heute berufen, und so viel wie möglich das Innere in Gang bringen. Das ist dasjenige, was nun wirklich nicht oft genug betont werden kann.
[ 21 ] Und dazu kommt eben, daß zwar der anthroposophische Ernst durchaus aufrechterhalten werden muß, daß aber wirklich die Kraft aufgebracht werden muß, in bezug auf das Äußere eben einfach wirklich mit Interesse auf die Dinge einzugehen. Wir müssen doch wissen, was in der Welt vor sich geht — und es gehen viele Dinge vor sich. Aber es ist erstaunlich, wie auch in unseren Kreisen man sich wenig kümmert um das, was geschieht.
[ 21 ] Und dazu kommt eben, daß zwar der anthroposophische Ernst durchaus aufrechterhalten werden muß, daß aber wirklich die Kraft aufgebracht werden muß, in bezug auf das Äußere eben einfach wirklich mit Interesse auf die Dinge einzugehen. Wir müssen doch wissen, was in der Welt vor sich geht — und es gehen viele Dinge vor sich. Aber es ist erstaunlich, wie auch in unseren Kreisen man sich wenig kümmert um das, was geschieht.
[ 22 ] Ich will eine betrübliche Tatsache hervorheben. Diese Tatsache hat viele Ursachen, aber es würde heute die Zeit nicht ausreichen, alle die einzelnen Ursachen Ihnen zu schildern. Aber das liegt doch vor, daß unsere Zeitschrift für Dreigliederung seit dem Mai um fast keinen einzigen Abonnenten vorwärtsgekommen ist. Und dabei sind wir eine Gesellschaft, die Tausende und Tausende von Mitgliedern hat. Es ist wirklich recht traurig, daß eine solche Tatsache eben verzeichnet werden muß. Aber solche Tatsachen sind da, und das ist nur eine derselben. Glauben Sie, es ist durchaus wahr: die Gegner sind da andere Kerle, die sind überall auf ihrem Posten. Und deren Machinationen, die breiten sich aus. Ich sage diese Dinge nicht ohne Bedacht, und namentlich nicht ohne Bedacht dessen, was wir gewärtig sein müssen, wenn wir nicht alle Kraft zusammennehmen, die wir in uns haben, wenn wir nicht summieren all die einzelnen, individuellen Kräfte. Das brauchen wir. Wir müssen nun so viel Anthroposophie in uns haben, daß wir an die Werke gehen können, sonst kommen wir zu spät. Und ich sehe nicht, daß von anderer Seite dasjenige unternommen wird, was unternommen werden muß, sonst würde ich wahrhaftig nicht darauf verfallen, just von uns zu sagen, daß wir zu spät kommen.
[ 22 ] Ich will eine betrübliche Tatsache hervorheben. Diese Tatsache hat viele Ursachen, aber es würde heute die Zeit nicht ausreichen, alle die einzelnen Ursachen Ihnen zu schildern. Aber das liegt doch vor, daß unsere Zeitschrift für Dreigliederung seit dem Mai um fast keinen einzigen Abonnenten vorwärtsgekommen ist. Und dabei sind wir eine Gesellschaft, die Tausende und Tausende von Mitgliedern hat. Es ist wirklich recht traurig, daß eine solche Tatsache eben verzeichnet werden muß. Aber solche Tatsachen sind da, und das ist nur eine derselben. Glauben Sie, es ist durchaus wahr: die Gegner sind da andere Kerle, die sind überall auf ihrem Posten. Und deren Machinationen, die breiten sich aus. Ich sage diese Dinge nicht ohne Bedacht, und namentlich nicht ohne Bedacht dessen, was wir gewärtig sein müssen, wenn wir nicht alle Kraft zusammennehmen, die wir in uns haben, wenn wir nicht summieren all die einzelnen, individuellen Kräfte. Das brauchen wir. Wir müssen nun so viel Anthroposophie in uns haben, daß wir an die Werke gehen können, sonst kommen wir zu spät. Und ich sehe nicht, daß von anderer Seite dasjenige unternommen wird, was unternommen werden muß, sonst würde ich wahrhaftig nicht darauf verfallen, just von uns zu sagen, daß wir zu spät kommen.
[ 23 ] Es ist manches Schöne im Anzuge, vor allen Dingen die Teilnahme eines Teiles der Studentenschaft bei unseren Bestrebungen. Gerade aus diesem Gebiet heraus kann das Fruchtbarste erwachsen, wenn man dieser Sache mit echtem, wahrem Verständnis entgegenkommt; aber wir müssen uns auch klarsein darüber, wie man dieser Sache entgegenkommen muß. Da geht es ganz gewiß mit unklarem Mysteln nicht. Da handelt es sich darum, daß man aus innerem Lebensfleiß heraus der Sache entgegenkommt.
[ 23 ] Es ist manches Schöne im Anzuge, vor allen Dingen die Teilnahme eines Teiles der Studentenschaft bei unseren Bestrebungen. Gerade aus diesem Gebiet heraus kann das Fruchtbarste erwachsen, wenn man dieser Sache mit echtem, wahrem Verständnis entgegenkommt; aber wir müssen uns auch klarsein darüber, wie man dieser Sache entgegenkommen muß. Da geht es ganz gewiß mit unklarem Mysteln nicht. Da handelt es sich darum, daß man aus innerem Lebensfleiß heraus der Sache entgegenkommt.
[ 24 ] Dieses und noch manches andere wäre vielleicht heute zu sagen, aber ich denke, das andere könnte sich bei Ihnen selbst einfinden, wenn Sie die Gedankengänge, die angeregt worden sind, in sich selber weiter entwickeln. Aber daß sie sich weiter entwickeln möchten, das ist dasjenige, was ich am Schlusse dieses letzten Vortrages als einen vorläufigen Wunsch hinstellen möchte. Und jetzt sind die Zeiten so, daß ich einen solchen Wunsch nicht hinstellen kann für die Erfüllung auf Jahre hinaus, sondern daß ich nur sehen kann auf die Wochen, bis ich wiederum hier sein kann. Denn im Grunde stehen die Dinge jetzt so, daß wir wirklich die Zeit brauchen, daß wirklich jede Woche verloren sein kann, die wir nicht benützen.
[ 24 ] Dieses und noch manches andere wäre vielleicht heute zu sagen, aber ich denke, das andere könnte sich bei Ihnen selbst einfinden, wenn Sie die Gedankengänge, die angeregt worden sind, in sich selber weiter entwickeln. Aber daß sie sich weiter entwickeln möchten, das ist dasjenige, was ich am Schlusse dieses letzten Vortrages als einen vorläufigen Wunsch hinstellen möchte. Und jetzt sind die Zeiten so, daß ich einen solchen Wunsch nicht hinstellen kann für die Erfüllung auf Jahre hinaus, sondern daß ich nur sehen kann auf die Wochen, bis ich wiederum hier sein kann. Denn im Grunde stehen die Dinge jetzt so, daß wir wirklich die Zeit brauchen, daß wirklich jede Woche verloren sein kann, die wir nicht benützen.
[ 25 ] Deshalb, meine lieben Freunde, möchte ich Ihnen am Schlusse dieses Vortrages zweierlei sagen: Erstens möchte ich den Wunsch aussprechen, daß dasjenige verstanden werde, was ich heute gesagt habe, bis wir uns wiedersehen. Das zweite: daß dieses Wiedersehn eben erfolgen könnte, indem hingewiesen werden kann auf Dinge, die in der Richtung dieses Wunsches liegen. In diesem Sinne sage ich Ihnen auf Wiedersehen!
[ 25 ] Deshalb, meine lieben Freunde, möchte ich Ihnen am Schlusse dieses Vortrages zweierlei sagen: Erstens möchte ich den Wunsch aussprechen, daß dasjenige verstanden werde, was ich heute gesagt habe, bis wir uns wiedersehen. Das zweite: daß dieses Wiedersehn eben erfolgen könnte, indem hingewiesen werden kann auf Dinge, die in der Richtung dieses Wunsches liegen. In diesem Sinne sage ich Ihnen auf Wiedersehen!
