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The Rudolf Steiner Archive

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Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203

27 February 1921, Stuttgart

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Human Responsibility for Global Development, tr. SOL
  1. Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung

Dreizehnter Vortrag

Thirteenth Lecture

[ 1 ] Die Zeiten, in denen wir leben, sind so ernst, daß es nicht angeht, irgendwie gegenwärtig an persönliche Verhältnisse zu denken. Und so gestatten Sie, daß ich nur mit einigen Worten kurz Ihrer verehrten Vorsitzenden den herzlichsten Dank für ihre lieben Worte ausspreche, und daß ich gleich übergehe zu dem, was ich glaube, Ihnen zu sagen zu haben, nachdem wir uns ja längere Zeit hier in Holland nicht gesehen haben.

[ 1 ] The times we live in are so serious that it is simply not appropriate to think about personal circumstances at this moment. And so please allow me to briefly express my heartfelt thanks to your esteemed chairwoman for her kind words, and to move right on to what I believe I have to say to you, since we haven’t seen each other here in Holland for quite some time.

[ 2 ] Die Zeitverhältnisse, in denen wir leben, sind viel ernster, als die meisten Menschen der Gegenwart in ihr Bewußtsein aufgenommen haben. Diese Zeitverhältnisse dürfen wir ja hier von denjenigen Gesichtspunkten aus besprechen, die uns ein langjähriges Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft an die Hand gibt. Wir wissen, daß wir in einer Zeitepoche leben, welche in ihrer besonderen Eigenart im 15. Jahrhundert begonnen hat. Damals hat sie langsam ihre Eigentümlichkeiten zu entwickeln begonnen. Und diejenigen, welche als in die geistigen Verhältnisse der Menschheitsentwickelung Eingeweihte diese Entwickelung überschauen können, wissen, daß die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts einen besonderen Tiefstand der menschlichen Entwickelung bedeutet innerhalb der neuzeitlichen, insbesondere der europäischen Zivilisation. Und dieser Tiefstand, den wir charakterisieren können als das Heraufkommen eines besonderen Einschlages von Egoismus in alle Glieder der zivilisierten Menschheit, eines Egoismus, wie er vorher nicht da war, diese Welle einer besonderen Entwickelung hat dann ihre furchtbaren Ausläufer hereingeschickt in das 20. Jahrhundert, und diese Ausläufer halten gegenwärtig durchaus noch die Menschheit in ihrem Bann.

[ 2 ] The circumstances of our time are far more serious than most people today realize. Here, we may discuss these circumstances from the perspectives provided by our many years of study of anthroposophical spiritual science. We know that we are living in an epoch whose distinctive character began in the 15th century. At that time, it slowly began to develop its own characteristics. And those who, as initiates into the spiritual conditions of human development, can survey this development know that the second half of the 19th century marked a particular low point in human development within modern civilization, especially European civilization. And this low point—which we can characterize as the emergence of a particular strain of selfishness in all segments of civilized humanity, a selfishness unlike anything that existed before—this wave of a particular development then sent its terrible offshoots into the 20th century, and these offshoots still hold humanity in their grip to this day.

[ 3 ] Wenn ich sage: Eine Welle von Egoismus ist heraufgezogen in der ganzen modernen Zivilisation —, so spreche ich nicht im trivialen Sinn von dem, was man gewöhnlich Egoismus nennt, sondern ich spreche in dem Sinn von Egoismus, wie wir es im Laufe dieser heutigen Vormittagsbetrachtung noch ein wenig durchschauen wollen, und wie es klar ist demjenigen, der eben in die eigentlichen Geheimnisse der neueren Menschheitsentwickelung eingeweiht ist.

[ 3 ] When I say, “A wave of selfishness has swept through modern civilization”— I am not speaking in the trivial sense of what is commonly called selfishness, but rather in the sense of selfishness that we will seek to understand a little more clearly in the course of this morning’s reflection, and which is clear to anyone who has been initiated into the true mysteries of recent human development.

[ 4 ] Wir kennen ja die Glieder der menschlichen Natur. Wir wissen, daß seit langer Zeit die seelischen Glieder der menschlichen Natur in einer besonderen Umgestaltung, in einer besonderen Entwickelung begriffen sind. Wir wissen, daß, wenn wir in uralte Zeiten der Menschheitsentwickelung zurückgehen, wir dann innerhalb einer uralten indischen Entwickelung es zu tun haben mit einer besondern Formung des menschlichen Ätherleibes, daß dann aber beginnt eine besondere Formung des Astralleibes, und daß eine gewisse mittlere Entwickelung stattgefunden hat während jenes Zeitraumes der europäischen Entwickelung, die etwa um das Jahr 747 vor Christus im Süden Europas begonnen hat, und die ihren Abschluß gefunden hat eben im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts. Damals hat jene Epoche menschlicher Entwickelung begonnen, in der wir noch heute drinnenstehen. 747 vor dem Mysterium von Golgatha beginnt diejenige Entwickelungsphase der Menschheit, in der namentlich die sogenannte Verstandes- oder Gemütsseele sich entfaltete. Und alles dasjenige, was die Menschheit heute noch schätzt als griechische Kultur, hat sich dadurch entwickelt, daß gerade in dieser Zeit die Verstandes- oder Gemütsseele in ihrer höchsten Entwickelung war. Allerdings, während sich die ganz wunderbare griechische Kultur entwickelte, war das, was wir Verstandes- oder Gemütsseele nennen, in aufsteigender Entwickelung. Es war noch nicht an seinem Höhepunkt angekommen. Denn solche Höhepunkte sind immer für die Menschheitsentwickelung in gewisser Weise auch Prüfungszeiten. Die Griechen hatten zu ihrer Entwickelung die Jugendfrische, könnte man sagen, der Verstandes- oder Gemütsseele durchzumachen. Und aus dieser Jugendfrische eines noch nicht vom Egoismus durchdrungenen Verstandes, aus dieser Jugendfrische des menschlichen Gemütes heraus ist dann die ja auch von der Nachwelt so bewunderte griechische Zivilisation entstanden. Das Lateinertum, das Römertum hat dann schon etwas übernommen von diesem Verstandesseelencharakter, was in absteigender, in dekadenter Entwickelung war. Wer ein tieferes Verständnis hat für dasjenige, was in der Römerkultur lebte, der weiß, daß der Verstand da schon in seine Kulmination kommt. Da geht es mit dem Verstande zu einem Höhepunkte hinauf. Daher haben die Römer so abstrakte Begriffe ausgebildet, haben dasjenige ausgebildet, was es für das ganze alte Morgenland noch nicht gab, was es in dem Sinne, wie wir es in Europa kennen, auch für das Griechentum nicht gegeben hat: die Römer haben die Rechtsbegriffe, die juristischen Begriffe ausgebildet. Man betrachtet heute die Welt außerordentlich äußerlich; und man betrachtet dasjenige, was wir über das Jus, über das Recht denken, was eigentlich erst aus der römischen Verstandesseele herauskommt, als etwas, was auch schon im alten Morgenland, etwa bei Hammurabi und dergleichen vorhanden gewesen wäre. Das ist aber nicht der Fall. Sowohl der Dekalog, die Zehn Gebote, wie auch dasjenige, was in anderen Dokumenten aus jener Zeit vorhanden ist, war im Grunde genommen etwas ganz anderes als dasjenige, was unsere modernen Rechtsbegriffe sind. Die sind etwas Abstraktes, etwas, was der menschlichen Seele nicht mehr ganz nahe ist. Und alles das, was in dieser Weise Verstandesentwickelung ist, hat seinen Höhepunkt erreicht innerhalb der europäischen Zivilisation in einem Zeitalter, das eigentlich äußerlich geschichtlich wenig studiert wird, das aber für den, der die menschliche Entwickelung im geistigen Sinne betrachten will, außerordentlich wichtig und bedeutsam ist.

[ 4 ] We are, of course, familiar with the aspects of human nature. We know that for a long time now, the soul elements of human nature have been undergoing a special transformation, a special development. We know that when we go back to the ancient times of human development, we find, within the context of ancient Indian development, a special formation of the human etheric body; but then a special formation of the astral body begins, and that a certain intermediate phase of development took place during that period of European development, which began around the year 747 B.C. in southern Europe and came to an end in the first third of the 15th century. It was then that the epoch of human development began in which we still find ourselves today. In 747 B.C., prior to the Mystery of Golgotha, that phase of human development began in which, in particular, the so-called intellectual or emotional soul unfolded. And everything that humanity still values today as Greek culture developed precisely because, during this time, the intellectual or emotional soul was at its highest stage of development. However, while the truly wonderful Greek culture was developing, what we call the intellectual or emotional soul was in a phase of ascending development. It had not yet reached its peak. For such peaks are always, in a certain sense, times of trial for human development. The Greeks had, so to speak, the youthful freshness of the intellectual or emotional soul to experience as part of their development. And out of this youthful freshness of an intellect not yet permeated by egoism, out of this youthful freshness of the human spirit, the Greek civilization—so admired by posterity—then arose. Latin culture, Roman culture, had by then already adopted something of this intellectual-soul character, which was in a state of decline and decadence. Anyone with a deeper understanding of what lived within Roman culture knows that the intellect had already reached its culmination there. There, the intellect rises to a pinnacle. That is why the Romans developed such abstract concepts—they developed what did not yet exist in the entire ancient East, and what, in the sense we know it in Europe, did not exist even in Greek civilization: the Romans developed legal concepts, juridical concepts. Today, people view the world in an extremely superficial way; and they regard what we think of as “jus,” or law—which actually springs from the Roman rational soul—as something that must have already existed in the ancient East, for example in the time of Hammurabi and the like. But that is not the case. Both the Decalogue—the Ten Commandments—and what is found in other documents from that time were, in essence, something entirely different from our modern legal concepts. These are abstract concepts, something that is no longer very close to the human soul. And everything that constitutes this kind of intellectual development reached its peak within European civilization during an era that, outwardly speaking, has received little historical attention, but which is extraordinarily important and significant for anyone who wishes to view human development from a spiritual perspective.

[ 5 ] Das markante Jahr, auf das man da hinweisen kann als für die europäische Entwickelung in ganz besonderer Weise wichtig, ist das Jahr 333 nach dem Mysterium von Golgatha. 333 nach dem Mysterium von Golgatha ist die Mitte des vierten nachatlantischen Zeitraumes. Es ist derjenige Zeitpunkt, in dem eine fluktuierende Welterkenntnis und eine fluktuierende Menschheitserkenntnis zu gleicher Zeit in Europa lebte. Nichts von einer eindringlichen Welterkenntnis, wie die Griechen sie noch hatten; nichts auch von einem ordentlichen Erfassen des Inneren ist vorhanden, dafür aber ein Schwanken der Menschen bald hin zu der Sehnsucht nach großen Welterkenntnissen, bald hin zu der Sehnsucht nach Eigenerkenntnis, nach Selbsterkenntnis. Die Menschenseele der europäischen Völker hat ja viel durchgemacht gerade in diesem vierten nachatlantischen Zeitraum. Das Römertum schickte sich dazumal an zu seinem Untergang. Es überließ dann nur seine Sprache, es überließ sein gewissermaßen wertvolles Kultur-Hauptmaterial der europäischen Menschheit. Und so lebte dann die Menschheit durch die zweite Hälfte dieses vierten nachatlantischen Zeitraumes bis in das 15. Jahrhundert herein, in dem der unsrige begonnen hat.

[ 5 ] The pivotal year that can be identified as particularly significant for European development is the year 333 after the Mystery of Golgotha. The year 333 after the Mystery of Golgotha marks the midpoint of the fourth post-Atlantean epoch. It is the point in time when a fluctuating understanding of the world and a fluctuating understanding of humanity coexisted in Europe. There was nothing of the penetrating understanding of the world that the Greeks still possessed; nor was there any proper grasp of the inner life—instead, there was a wavering among people, sometimes toward a longing for great knowledge of the world, sometimes toward a longing for self-knowledge, for self-awareness. The human soul of the European peoples has indeed gone through a great deal, especially during this fourth post-Atlantean epoch. At that time, Roman civilization was heading toward its downfall. It left behind only its language; it bequeathed to European humanity, so to speak, the valuable core material of its culture. And so humanity lived through the second half of this fourth post-Atlantean epoch right up into the 15th century, when our own epoch began.

[ 6 ] Wir haben von dem vorhergehenden Zeitraum, in dem die meisten Menschen von uns ein oder mehrere Erdenleben durchgemacht haben, in irgendeiner Weise — teilweise durch physische Vererbung, namentlich aber dadurch, daß wir die vorher inkarnierten Seelen waren — in unseren fünften nachatlantischen Zeitraum das Erbe dieses vierten nachatlantischen Zeitraumes hereingetragen und dieses Erbe angetreten. In allem, was heute unsere Zivilisation ist, lebt dieses Erbe des vierten nachatlantischen Zeitraumes.

[ 6 ] From the preceding epoch—during which most of us have lived through one or more earthly lives—we have, in one way or another—partly through physical inheritance, but chiefly because we were the souls who had previously incarnated—brought the legacy of this fourth post-Atlantean epoch into our fifth post-Atlantean epoch and taken up this legacy. This legacy of the fourth post-Atlantean epoch lives on in everything that constitutes our civilization today.

[ 7 ] Wir haben den Verstand, das Denken in die Bewußtseinsseele hereingearbeitet. Das bedeutet viel. Die Bewußtseinsseele, die den Menschen zur eigentlichen Durchdringung, zum eigentlichen Verständnis seines Ich bringt, hat sich im Beginn dieses fünften Zeitraumes zunächst des Denkens, des Vorstellungslebens, des Intellektes bemächtigt. Die Menschheit ist gescheit, ist klug geworden, aber klug innerhalb der Bewußtseinsseele. Das ist in der Menschheitsentwickelung die Ausarbeitung des Egoismus bis zum feinsten Raffinement. Diese Zeit des Egoismus dürfen wir nicht bloß schelten, wir dürfen uns nicht bloß kritisierend über sie hermachen, sondern wir müssen dieses Zeitalter des Egoismus, trotzdem es so viele Versuchungen bringt, trotzdem es den Menschen in so große seelische und auch äußerliche Gefahren bringt, als dasjenige anerkennen, in dem das Ich-Bewußtsein in seiner besonderen Schärfe auftritt. Dadurch wird es den Menschen möglich, ein richtiges Gefühl der Freiheit in sich aufzunehmen. Dieses Gefühl von der Freiheit, das haben wir in unseren früheren Inkarnationen, in den früheren Epochen der Menschheitsentwickelung alle nicht gehabt. Wir mußten durch den Egoismus, der so viele Versuchungen darbietet, durchgehen, um zu der Sehnsucht nach Freiheit zu kommen, wie sie nur die moderne Menschheit hat. Und das gehört zu den wichtigsten anthroposophischen Erkenntnissen, daß wir wissen: wir mußten etwas aufnehmen, um eine wichtige Etappe der Menschheitsentwickelung zu übersteigen, die Etappe zur Freiheitsentwickelung. Aber wir müssen uns eben gerade deshalb bewußt sein, daß dieses Überschreiten mit vielen Versuchungen, mit vielen Gefahren in seelisch-geistiger und auch in leiblicher Beziehung für die Menschheit verknüpft ist. Und anthroposophisch orientierte Erkenntnis muß uns die Möglichkeit bringen, das Freiheitsgefühl voll aufzunehmen, aber zu gleicher Zeit es zu veredeln, es zu durchdringen wiederum mit einer geistigen Welterkenntnis, welche trotz des reifen vorhandenen Ich-Gefühls, des reifen vorhandenen IchBewußtseins doch die Menschheit dazu bringt, Aufgaben zu lösen, die nicht bloß Aufgaben des Egoismus, sondern Aufgaben der ganzen Menschheitsentwickelung, ja der ganzen Erdenentwickelung, der ganzen Weltentwickelung sind.

[ 7 ] We have integrated the intellect, the act of thinking, into the soul of consciousness. This is significant. The soul of consciousness, which leads the human being to a true penetration of and understanding of his or her “I,” first took hold of thinking, the life of the imagination, and the intellect at the beginning of this fifth epoch. Humanity has become clever and intelligent, but intelligent within the soul of consciousness. In the development of humanity, this represents the refinement of egoism to its finest degree. We must not merely condemn this age of egoism; we must not merely set about criticizing it. Rather, we must recognize this age of egoism—despite the many temptations it brings, despite the great spiritual and external dangers it poses to human beings—as the era in which ego-consciousness manifests itself with particular acuity. This makes it possible for people to take in a true sense of freedom. This sense of freedom is something none of us had in our earlier incarnations, in the earlier epochs of human development. We had to pass through egoism—which presents so many temptations—in order to arrive at the longing for freedom that only modern humanity possesses. And it is one of the most important anthroposophical insights that we know: we had to take on something in order to transcend an important stage in human development—the stage leading to the development of freedom. But precisely for this reason, we must be aware that this transition is fraught with many temptations and dangers for humanity—both in the soul-spiritual and physical realms. And an anthroposophically oriented understanding must enable us to fully embrace the sense of freedom, but at the same time to refine it, to permeate it once again with a spiritual understanding of the world which, despite the mature sense of “I” and the mature “I”-consciousness that already exist, nevertheless leads humanity to solve tasks that are not merely tasks of egoism, but tasks of the entire development of humanity—indeed, of the entire development of the Earth and the entire world.

[ 8 ] In dieser Beziehung stehen wir heute vor einem großen Wendepunkte in der ganzen neueren Zivilisation. Es ist einmal eine Zeit der Prüfungen da. Vor den Menschen stehen große Aufgaben. Aber das Erkennen dieser Aufgaben ist außerordentlich schwierig, und es ist noch dadurch erschwert, daß wir eben durch das Zeitalter des großen Egoismus durchgegangen sind.

[ 8 ] In this regard, we are facing a major turning point today in the entire history of modern civilization. A time of trials has arrived. Humanity faces great challenges. But recognizing these challenges is extremely difficult, and it is made even more difficult by the fact that we have just emerged from an age of great selfishness.

[ 9 ] Wir schlafen vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Das ist richtig. Wir sind da in einem Zustand herabgedämpften Bewußtseins. Wohl die meisten von Ihnen kennen den Schlaf durch die negative Art, wie er sich ankündigt, eben dadurch, daß das Bewußtsein herabgedämpft ist. Aber nicht in derselben Weise beurteilen die Menschen die Zeit des Wachseins. Diese Zeit des Wachseins, die Zeit vom Aufwachen bis zum Einschlafen, die war eigentlich anders noch für den vierten nachatlantischen Zeitraum. Die Menschen glauben ja heute, daß sie so wachen, wie auch, sagen wir, um die Zeit des Mysteriums von Golgatha die Menschen gewacht haben. Das ist nicht der Fall. Die ganze Seelenverfassung war eine andere. Die Menschen wachten dazumal anders. Sie hatten ein viel stärkeres Bewußtsein von ihrem Leibe. Sehen Sie, der heutige Mensch weiß ja im Grunde genommen von den leiblichen Vorgängen außerordentlich wenig. Die Griechen, allerdings nicht die Griechen der späteren Zeit, aber die Griechen der vorsokratischen oder vorplatonischen Zeit wußten von den Vorgängen des eigenen Leibes noch außerordentlich viel. Der wirklich gebildete Grieche sah zum Beispiel zur Sonne auf. Er empfing von der Sonne das Licht. Er empfing damit ein Gefühl, daß er etwas Ätherisches einsaugte, daß er selber in seinem Inneren das Licht fortgeleitet erhielte. Und wenn er dachte, dann sagte er: Das Licht, die Sonne denkt in mir. Das war für den Griechen der vorsokratischen Zeit noch ein reales Gefühl. Er dachte nicht so abstrakt über das Denken, wie wir heute abstrakt über das Denken denken. Er dachte: Die Sonne denkt in mir; sie läßt ihr Licht durch mich aufsaugen; das Licht, das da draußen die Dinge bescheint, das da draußen die Dinge sichtbar macht, das wirkt in mir, indem es sich gewissermaßen in sich selber zurückspiegelt so, daß in mir die Gedanken aufkeimen. — Die Gedanken, die in ihm waren, waren dem Griechen Sonnenlicht. Sie waren ihm zu gleicher Zeit dasjenige, was in ihm lebte dank der Wirkung göttlich-geistiger Wesenheiten im Makrokosmos. Sie waren ihm zu gleicher Zeit dasjenige, was ihn eigentlich über seine gewöhnliche Menschenwürde zu dem Göttlichen hinaufhob. Der Mensch empfand sich über das Irdische hinausgehoben, wenn er so das Sonnenlicht in sich als Denken erlebte. — Und wenn der besonders gebildete Grieche aß, so betrachtete er zwar das Essen, womit er dasjenige aufnahm, was nicht die Sonne direkt gibt, sondern was aus der Erde kommt, als eine Lebensnotwendigkeit, aber er fühlte sich zu gleicher Zeit verwandelt in die Speisen, die durch seinen Mund, durch seine Speiseröhre, durch die übrigen Verdauungsorgane er selbst wurden. Er fühlte sich eins mit diesen Speisen, wie er sich eins fühlte mit dem Sonnenlicht. Und er fühlte die Schwere der Erde, indem er verdaute. Er fühlte sich gewissermaßen wie die ja von ihm noch nicht hochgeschätzte, sondern etwas scheu beobachtete Schlange, welche sich der Erde entwindet, welche aber, wenn sie gegessen hat, das Verdauen in einer ganz besonders sichtbaren Weise besorgt. So fühlte der Grieche dasjenige, was in seinem Leibe vorging, sei es dasjenige, was er als das helle Sonnenlicht, das in ihm dachte, empfand, sei es, daß er dasjenige, was ihn an das Irdische kettete, das Speiseaufnehmen, in sich erlebte. Er fühlte durch die innige Verbindung des Verstandes mit dem eigenen Leibe dasjenige, was in ihm auch als physischer Mensch lebte, auf eine besonders energische Art. Das können Sie auch aus folgendem entnehmen.

[ 9 ] We sleep from the moment we fall asleep until we wake up. That is correct. During that time, we are in a state of diminished consciousness. Most of you are probably familiar with sleep through the negative way it announces itself—precisely because consciousness is diminished. But people do not judge the waking state in the same way. This waking state—the time from waking up until falling asleep—was actually different even during the fourth post-Atlantean epoch. People today believe that they are awake in the same way that, say, people were awake around the time of the Mystery of Golgotha. That is not the case. The entire state of the soul was different. People were awake differently back then. They had a much stronger awareness of their bodies. You see, modern people know, when it comes down to it, extraordinarily little about bodily processes. The Greeks—not the Greeks of later times, but the Greeks of the pre-Socratic or pre-Platonic era—knew an extraordinary amount about the processes of their own bodies. The truly educated Greek, for example, would look up at the sun. He received light from the sun. Through this, he experienced a sensation that he was absorbing something ethereal, that the light was being transmitted within him. And when he thought, he would say: “The light, the sun, thinks within me.” For the Greeks of the pre-Socratic era, this was still a real sensation. He did not think about thinking in such an abstract way as we think about thinking today. He thought: The sun thinks within me; it allows its light to be absorbed through me; the light that shines upon things out there, that makes things visible out there, works within me by, so to speak, reflecting back upon itself in such a way that thoughts spring up within me. — The thoughts that were within him were sunlight to the Greeks. They were, at the same time, that which lived within him thanks to the influence of divine-spiritual beings in the macrocosm. They were, at the same time, that which actually lifted him above his ordinary human dignity toward the divine. A person felt lifted above the earthly realm when he experienced the sunlight within himself as thought in this way. — And when the particularly educated Greek ate, he regarded food—through which he took in not what the sun directly provides, but what comes from the earth—as a necessity of life; yet at the same time he felt transformed into the food that, through his mouth, his esophagus, and the rest of his digestive organs, became a part of himself. He felt at one with this food, just as he felt at one with the sunlight. And he felt the weight of the earth as he digested. He felt, in a sense, like the snake—which he did not yet hold in high esteem but observed with some wariness—that writhes its way through the earth, yet which, once it has eaten, carries out digestion in a particularly visible manner. Thus the Greek felt what was taking place within his body, whether it was what he perceived as the bright sunlight thinking within him, or whether he experienced within himself that which bound him to the earthly realm—the act of eating. Through the intimate connection of the intellect with his own body, he felt in a particularly vigorous way that which also lived within him as a physical human being. You can also glean this from the following:

[ 10 ] Wenn wir heute in der gewöhnlichen Weise Menschen malen, wie es Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt innerhalb der jetzigen Generation zahlreiche Maler gemacht haben, so lügen wir ja eigentlich. Wir sehen die Menschen von außen an und glauben, daß wir da irgend etwas hervorbringen von dem, was wir erleben. Es ist ja gar nicht wahr, daß wir das erleben können. Wir könnten es nur erleben, wenn wir heraufzaubern könnten in uns die Art und Weise, wie sich der Mensch mit der ganzen Natur durchfühlte, so wie es bei den Griechen der Fall war. Dieses müssen wir ja erst wiederum lernen auf einem ganz anderen Wege, als es die Griechen gehabt haben. Wir haben seit der Mitte des 15. Jahrhunderts abstrakt-theoretisch eine solche innere Seelenverfassung erlangt, die uns nicht mehr unseren Leib wirklich durchleben läßt, sondern die in Vorstellungen lebt, welche unanschaulich sind, weil wir das Denken für die Egoität erobert haben, für das Ich. Dessen müssen wir uns bewußt sein. Und wir müssen uns bewußt werden, daß wir wiederum Geistigkeit aufnehmen müssen aus anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft, damit die Egoität mit etwas angefüllt werden könne, damit wiederum dasjenige in unser Leben komme, jetzt auf eine andere Art, was in uns wirklich ist, was die Griechen unmittelbar elementar erlebt haben, was aber nicht hat fortdauern können. Denn schließlich, wenn der Grieche ging, so ging er mit einer Naturnotwendigkeit, ähnlich wie wenn der Blitzstrahl durch die Wolken zuckt, wie wenn der Donner rollt. Er kannte nichts von Freiheit. Er kannte den Menschen. Er wußte sogar mehr über den Menschen, als man heute meint. Er wußte zum Beispiel noch Worte zu geben, die deutlich zeigen, daß der Mensch etwas wußte von dem Zusammenhang zwischen Geistig-Seelischem und Physisch-Leiblichem. Die griechischen Worte, oder diejenigen Worte, die vom Griechen geblieben sind, sind heute noch viel bezeichnender als diejenigen, die aus unserer nichts mehr erkennenden therapeutischen oder pathologischen Anschauung kommen. Hypochondrie zum Beispiel ist Unterleibsknorpeligkeit. Das ist etwas, was die Griechen aus ihrer vollen Erkenntnis, wie die Knorpeligkeit in einem gewissen Teile des Leibes durch das Schaffen des SeelischGeistigen ist bei solchen Menschen, die hypochondrisch sind, als Namen gegeben haben. Diese Namen bedeuten viel mehr, als die heutigen Menschen ahnen, und als irgendwie die heutige Medizin aus ihrem abstrakten Denken heraus gewinnen kann, wenn sie auch experimentiert, seziert und so weiter. All die Dinge, die Realitäten sind, die uns wieder durchschauen lassen die Welt, müssen wir ja erst wiederum aufnehmen. Das aber ist die Aufgabe geisteswissenschaftlicher Vertiefung, daß wir wiederum zu Wirklichkeiten, zu Realitäten kommen.

[ 10 ] When we paint people today in the usual way—as numerous painters within the current generation have done year after year, decade after decade—we are, in fact, lying. We look at people from the outside and believe that we are producing something from what we experience. But it is not true at all that we can experience this. We could only experience it if we could conjure up within ourselves the way in which human beings used to feel themselves at one with all of nature, as was the case with the Greeks. We must first learn this again in a completely different way than the Greeks did. Since the middle of the 15th century, we have attained—in an abstract and theoretical sense—an inner state of mind that no longer allows us to truly live through our bodies, but instead lives in concepts that are abstract, because we have harnessed thinking for the sake of egoity, for the “I.” We must be aware of this. And we must become aware that we must once again take up spirituality from anthroposophically oriented spiritual science, so that the ego can be filled with something, so that what is truly within us—what the Greeks experienced directly and elementally, but which could not endure—may once again enter our lives, now in a different way. For after all, when the Greek walked, he did so with a natural necessity, much like a bolt of lightning flashing through the clouds, or thunder rolling. He knew nothing of freedom. He knew the human being. He even knew more about the human being than we suppose today. For example, he still knew how to coin terms that clearly show that human beings understood something of the connection between the spiritual-soul and the physical-bodily. The Greek terms—or those terms that have survived from the Greeks—are still far more revealing today than those derived from our therapeutic or pathological perspective, which no longer recognizes anything. Hypochondria, for example, is “cartilaginousness of the lower abdomen.” This is a term the Greeks coined—based on their full understanding of how the cartilaginous condition in a certain part of the body is caused by the spiritual-soul activity in people who are hypochondriac. These terms mean far more than people today realize, and far more than modern medicine can ever derive from its abstract thinking, even as it experiments, dissects, and so on. All the things that are realities—which allow us to see through the world once more—we must first take in again. But this is the task of spiritual scientific deepening: that we may return to realities, to true realities.

[ 11 ] In diesen vierten nachatlantischen Zeitraum, in dem die Menschen gewissermaßen das durchmachten, was physische Selbsterkenntnis war, was ein Durchschauen des Menschlich-Leiblichen war, gerade in diese Zest — annähernd ins erste Drittel hinein — fällt das größte Ereignis der Erdenentwickelung, das Mysterium von Golgatha. Wie ist die Zeit beschaffen, in die das Mysterium von Golgatha hineinfällt? Je weiter wir zurückgehen, desto mehr finden wir in den alten Zeiten, in der griechischen Zeit, in der ägyptisch-chaldäischen, in der persischen, in der altindischen Zeit, ein solch unmittelbares Erkennen der ganzen menschlichen Wesenheit. Dieses Erkennen der ganzen menschlichen Wesenheit verschwindet dann. Die letzten Reste davon sind vorhanden in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha eintrat. Es war noch etwas von instinktivem, altem Menschheitserkennen da. Zum Beispiel diejenigen Persönlichkeiten, die uns beschrieben werden in den Evangelien als die Apostel oder als die Jünger des Herrn, hatten noch etwas von alten Erkenntnissen, aber durchaus instinktiv, nicht klar in ihren Seelen lebend. Auch andere hatten noch solche Erkenntnisse. Es waren solche Erkenntnisse in jener Zeit vielfach in der Dekadenz, aber sie waren noch da. Sie waren absterbend, verglimmend, aber es war doch noch so viel geblieben für jene Zeiten von den alten Erkenntnissen, daß eine große Anzahl von Menschen noch nach diesen alten Erkenntnissen das Mysterium von Golgatha begreifen konnte; namentlich als hineingestellt wurde in die Zeitentwickelung der durch göttliche Mächte eingeweihte Apostel Paulus, der ja selber ansichtig wurde der geistigen Welt. Durch alles das wurden die Zeitbedingungen geschaffen, aus denen heraus das Mysterium von Golgatha noch in einer gewissen ursprünglichen, instinktiven Weise begriffen werden konnte. Viele Menschen waren schon in einer späteren Entwickelungsphase drinnen. Namentlich die gebildeten Griechen und die gebildeten Römer hatten schon viel zu abstrakte Begriffe, um das Mysterium von Golgatha wirklich zu begreifen. Aber gewisse Menschen hatten sich die letzten Reste alter, hellsichtiger Erkenntnis und namentlich hellsichtiger Traditionen erhalten, und die begriffen noch, daß da wirklich eine außerirdische Macht, der Christus, sich verbunden hat mit einem irdischen Menschen, dem Jesus von Nazareth. Das Jahr 333 war gewissermaßen das Jahr, in dem die letzten Nachzügler derjenigen da waren, die innerhalb Europas das Mysterium von Golgatha wirklich verstanden; aber nicht verstanden etwa mit unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft — die war natürlich dazumal noch nicht da —, sondern mit den Resten der alten Erkenntnis, desjenigen, was von der Gnosis zurückgeblieben war und dergleichen. Es war noch eine gewisse Geist-Erkenntnis da. Uraltes, menschliches Erbgut lebte in den menschlichen Seelen. Mit dem konnten sie das Mysterium von Golgatha begreifen.

[ 11 ] It is during this fourth post-Atlantean epoch—in which human beings, so to speak, underwent a process of physical self-knowledge, a process of gaining insight into the human-physical—that the greatest event in Earth’s evolution, the Mystery of Golgotha, takes place, specifically in this epoch—approximately in its first third. What is the nature of the era in which the Mystery of Golgotha took place? The further back we go, the more we find in ancient times—in the Greek era, the Egyptian-Chaldean era, the Persian era, and the ancient Indian era—such an immediate understanding of the entire human being. This understanding of the entire human being then disappears. The last remnants of it were still present at the time the Mystery of Golgotha took place. There was still something of this instinctive, ancient human insight remaining. For example, the figures described to us in the Gospels as the apostles or the disciples of the Lord still possessed some of these ancient insights, though they were entirely instinctive and did not live clearly within their souls. Others, too, still possessed such insights. Such insights were often in a state of decline at that time, but they were still there. They were dying out, fading away, but so much of the ancient knowledge had remained for those times that a large number of people could still comprehend the Mystery of Golgotha in accordance with these ancient insights; especially when the Apostle Paul—who had been initiated by divine powers and who himself had beheld the spiritual world—was introduced into the course of historical development. Through all this, the conditions of the time were created from which the Mystery of Golgotha could still be understood in a certain original, instinctive way. Many people were already in a later stage of development. In particular, the educated Greeks and Romans already had concepts that were far too abstract to truly grasp the Mystery of Golgotha. But certain people had preserved the last remnants of ancient, clairvoyant knowledge—and especially clairvoyant traditions—and they still understood that an extraterrestrial power, the Christ, had truly united with an earthly human being, Jesus of Nazareth. The year 333 was, in a sense, the year in which the last stragglers of those who truly understood the Mystery of Golgotha within Europe were still present; but they did not understand it, for example, through our anthroposophical spiritual science—which, of course, did not yet exist at that time—but through the remnants of ancient knowledge, what remained of Gnosticism, and the like. A certain spiritual insight still existed. Ancient, human heritage lived on in human souls. With this, they were able to comprehend the Mystery of Golgotha.

[ 12 ] Was ist geblieben von diesem Mysterium von Golgatha? Verstandesmäßige Traditionen. Alte Gnosis wurde zur Theologie, zum bloß logischen Begreifen des Göttlichen. Theo-Logie; bloßes logisches Begreifen, nicht mehr Anschauen des Göttlichen.

[ 12 ] What remains of this mystery of Golgotha? Intellectual traditions. Ancient gnosis became theology—a mere logical understanding of the divine. Theo-logy; mere logical understanding, no longer a beholding of the divine.

[ 13 ] Und immer mehr und mehr kam seit dem Jahre 333 in die Dekadenz das unmittelbare Anschauen des Mysteriums von Golgatha, bis das verhängnisvolle 9. Jahrhundert eintrat, wo auf dem achten allgemeinen ökumenischen Konzil zu Konstantinopel im Jahre 869 das Dogma erlassen wurde, der Mensch bestünde nicht aus Leib, Seele und Geist, sondern es sei Pflicht des Christen anzuerkennen, daß der Mensch nur aus Leib und Seele bestehe, und die Seele einige geistige Eigenschaften habe. Dazumal wurde die Trichotomie, wie man es nannte — die einzig und allein mögliche Menschenerkenntnis, daß der Mensch aus Leib, Seele und Geist bestehe — dogmatisch abgeschafft, und es wurde befohlen, als rechtgläubig anzuerkennen das Dogma, daß der Mensch nur aus Leib und Seele bestehe. Die modernen Philosophen geben vielfach vor, sie gingen von einer voraussetzungslosen Erkenntnis aus, und sie reden von dem Leib auf der einen Seite, von der Seele auf der anderen Seite. Sie reden vom Geiste höchstens in einer sehr phrasenhaften Weise, denn sie kennen ihn ja nicht. Sie würden ihn erst erkennen, wenn sie anthroposophische Geisteswissenschaft anerkennen würden. Diese «voraussetzungslose Philosophie», die heute vielfach gelehrt wird, was ist sie denn? Sie ist das Ergebnis des Dogma vom achten ökumenischen Konzil im Jahre 869. Und während die großen Philosophen unserer Zeit deklamieren, daß sie voraussetzungslose Wissenschaft treiben, prägen sie eigentlich nichts anderes als in neuere Formen dasjenige, was das achte ökumenische Konzil der Christenheit als Dogma vorgeschrieben hat.

[ 13 ] And from the year 333 onward, the direct contemplation of the mystery of Golgotha fell into ever-deepening decadence, until the fateful 9th century dawned, when, at the Eighth Ecumenical Council in Constantinople in the year 869, the dogma was decreed, that human beings do not consist of body, soul, and spirit, but that it is the duty of Christians to acknowledge that human beings consist only of body and soul, and that the soul possesses certain spiritual qualities. At that time, the trichotomy—as it was called—the sole and only possible understanding of human nature, namely that man consists of body, soul, and spirit—was dogmatically abolished, and it was decreed that the dogma stating that man consists only of body and soul must be accepted as orthodox. Modern philosophers often claim to proceed from a form of knowledge free of presuppositions, and they speak of the body on the one hand and the soul on the other. They speak of the spirit, at most, in a very clichéd way, for they do not know it. They would only come to know it if they were to acknowledge anthroposophical spiritual science. This “unbiased philosophy,” which is widely taught today—what is it, really? It is the result of the dogma of the Eighth Ecumenical Council in the year 869. And while the great philosophers of our time proclaim that they are pursuing science without presuppositions, they are in fact doing nothing more than recasting in new forms what the Eighth Ecumenical Council prescribed as dogma for Christendom.

[ 14 ] Das muß man durchschauen. Man muß sich völlig klar sein darüber, daß schon die Hinweisung auf den Geist innerhalb des Entstehens der modernen Zivilisation noch in der zweiten Hälfte des vierten nachatlantischen Zeitraumes als gefährlich angesehen worden ist. Wir stehen heute vor der Verpflichtung, wiederum die Menschheit hinzuweisen auf den Geist, der durch eine lange Zeit der europäischen Zivilisation geradezu für den Teufel erklärt worden ist. Und geblieben sind nach dem Jahre 333 im Grunde genommen nur Traditionen der alten christologischen Erkenntnis. Traditionen!

[ 14 ] One must see through this. One must be absolutely clear that even the mere mention of the Spirit in the context of the emergence of modern civilization was already regarded as dangerous in the second half of the fourth post-Atlantean epoch. Today we are faced with the obligation to once again point humanity toward the spirit that, for a long period of European civilization, was virtually declared to be the devil. And after the year 333, all that remained, in essence, were traditions of the old Christological insight. Traditions!

[ 15 ] Für dasjenige, was künstlerisch ist, sieht man leichter ein, wie es Tradition geblieben ist. Sehen Sie sich zum Beispiel noch an die Bilder von Cimabue, da werden Sie sehen, daß da eine Welt lebte, die sogleich, indem sie bei Giotto auftaucht, eine andere wird. In Cimabue lebt noch etwas, wie es in Dante zum Beispiel auch noch lebte, was die späteren Menschen gar nicht mehr erleben. Aber dieses Drinnenstehen in der geistigen Welt, was bei Cimabue noch vorhanden war, hörte später auf. Später ist es eine Verlogenheit, wenn man einen Goldhintergrund macht. Für Cimabue war das noch eine Selbstverständlichkeit. Und sehen Sie sich die russische Ikone an, das ist nicht irgend etwas, was nach einem Modell gemacht wird, sondern das ist etwas, wo noch alte Traditionen leben; Traditionen von einem Hellsehen, das zur Zeit des Mysteriums von Golgatha noch vorhanden war und der Menschheit das Mysterium von Golgatha verständlich machte. Dann kamen die Zeiten, in denen durch äußere Machtmittel die Traditionen aufrechterhalten wurden. Und dann kam die Zeit des 19. Jahrhunderts, wo die gewöhnliche Seelenregsamkeit, die so große, bedeutsame Früchte in Naturwissenschaft und Technik gebracht hat, auch auf die Theologie angewendet wurde. Was ist aber in der Theologie daraus geworden? Aus dem Christus Jesus, aus der Verkörperung einer außerirdischen Wesenheit wurde «der schlichte Mann aus Nazareth»; zwar der vorzüglichste Mensch, aber eben nicht der Träger einer überirdischen Wesenheit. Naturalismus wurde die Theologie. Je menschlicher die modernen Theologen den Jesus von Nazareth auffassen, je weniger sie Christologie zu treiben veranlaßt sind, desto mehr lieben sie das. Sie möchten sich auch in der Theologie nur erheben bis zu der Beschreibung des Menschen Jesus von Nazareth, nicht bis zum Erfassen des Christus als einer überirdischen Wesenheit, die gewohnt hat in dem Menschen Jesus von Nazareth.

[ 15 ] When it comes to art, it is easier to see how it has remained a tradition. Take, for example, the paintings of Cimabue; you will see that a world lived there which, the moment it appears in Giotto’s work, becomes something else entirely. In Cimabue, something still lives on—as it did in Dante, for example—that later generations no longer experience at all. But this immersion in the spiritual world, which was still present in Cimabue, ceased later on. Later on, it became a form of pretense to paint a gold background. For Cimabue, this was still a matter of course. And look at the Russian icon—it is not just something made according to a model, but rather something in which ancient traditions still live on; traditions of clairvoyance that were still present at the time of the Mystery of Golgotha and made the Mystery of Golgotha comprehensible to humanity. Then came the times when traditions were upheld through external means of power. And then came the 19th century, when the ordinary spiritual vitality that had borne such great and significant fruits in the natural sciences and technology was also applied to theology. But what has become of theology as a result? Christ Jesus, the embodiment of a super-earthly being, became “the simple man from Nazareth”; certainly the most exceptional human being, but not the bearer of a super-earthly being. Theology became naturalism. The more humanly modern theologians conceive of Jesus of Nazareth, the less they are moved to engage in Christology—and the more they love it. Even in theology, they wish to rise only as far as describing the human being Jesus of Nazareth, not to grasping Christ as a supernatural being who dwelt within the human being Jesus of Nazareth.

[ 16 ] Wer heute in die Weltenereignisse vom Geiste aus etwas eingeweiht ist, muß manches anders sehen, als die Menschen es nach äußerlichen Beurteilungen sehen. Jenes Mitteleuropa, das solch tragisches Schicksal heute erlebt, hat ja auch unter manchem anderen, was zu besprechen nicht hierher gehört, es ausgehalten, einen Adolf Harnack als einen großen Gelehrten anzusehen; jenen Menschen, der es zuwege gebracht hat, zu sagen, der Sohn gehöre nicht in das Evangelium, sondern nur der Vater, und das Evangelium solle man so verstehen, daß man nur von dem Menschen Jesus von Nazareth spreche und von dem, was dieser Mensch gelehrt habe über den Vatergott. Abgesetzt sollte werden durch die Harnacksche Theologie das Aufblicken zu der Geistigkeit des Christus. Harnacksche "Theologie in Mitteleuropa bedeutete in Wahrheit Abschwören des Christentums, Verleugnen des Christentums, bedeutete das Aufrichten derjenigen Weltanschauung, die ausdrücklich erklärt: Wir wollen nichts mehr wissen von der Geistigkeit des Christus. Das ist das Bedeutsame, welches gekommen ist über die neuere Menschheit, daß über die lebenswichtigsten Begriffe die verkehrtesten Anschauungen da sind.

[ 16 ] Anyone today who is spiritually attuned to world events must see many things differently than people do based on outward appearances. That Central Europe which is now experiencing such a tragic fate has, among other things—which are beyond the scope of this discussion—endured the notion of regarding Adolf Harnack as a great scholar; that man who managed to assert that the Son does not belong in the Gospel—only the Father does—and that the Gospel should be understood in such a way that one speaks only of the man Jesus of Nazareth and of what this man taught about God the Father. Harnack’s theology was intended to eliminate any gaze toward the spirituality of Christ. Harnack’s “theology” in Central Europe actually meant renouncing Christianity, denying Christianity, and establishing a worldview that explicitly declares: We want nothing more to do with the spirituality of Christ. This is the significant development that has befallen modern humanity—that the most perverse views now prevail regarding the most vital concepts.

[ 17 ] Und so weiß die Menschheit heute, was Schlafen ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen, aber sie ist gewöhnlich nicht aufmerksam, was das andere Schlafen ist vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wenn wir im Alltag herumgehen und über die wichtigsten Dinge uns Illusionen, Träumen hingeben. Die neuere Menschheit schläft nicht nur, wenn sie in der Nacht im Bette liegt — das ist sogar noch das bessere Schlafen —, die neuere Menschheit schläft im Gebiete ihres Egoismus, wenn sie sich einsperrt in ihr Inneres, wenn sie den menschlichen Leib nicht kennenlernt, wenn sie aber auch nicht zu geistiger Selbsterkenntnis vorschreiten will. Es ist eine andere Art des Schlafens als in der Zeit, die zugebracht wird vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Um das zu verstehen, müssen wir allerdings einmal hinschauen auf die Natur des Einschlafens und des Schlafens vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Was geschieht denn da eigentlich mit dem Menschen? Warum ist es so für die Anschauung des modernen Menschenverstandes, als ob Schlafen in der Seelenverfassung für den jetzigen Menschen dasselbe wäre wie für den alten Griechen? Der Grieche wachte nicht so, der Ägypter erst recht nicht, wie der heutige Mensch wacht, und er schlief auch nicht so. Wir müssen für jedes Zeitalter gerade diese Seelenverfassung im besonderen kennenlernen. Wenn des Menschen Seele, also Ich und Astralleib sich loslösen im Schlafe vom physischen Leib und Ätherleib, die dann im Bette liegen bleiben, wo ist die Seele, also Ich und Astralleib, dann in der Schlafenszeit?

[ 17 ] And so humanity today knows what sleep is—from falling asleep to waking up—but it is usually unaware of the other kind of sleep—from waking up to falling asleep—when we go about our daily lives and indulge in illusions and dreams about the most important things. Modern humanity does not sleep only when lying in bed at night—which is, in fact, the better kind of sleep—but modern humanity sleeps within the realm of its selfishness, when it shuts itself off within its inner self, when it fails to get to know the human body, and when it also refuses to advance toward spiritual self-knowledge. It is a different kind of sleep than the time spent from falling asleep until waking up. To understand this, however, we must first examine the nature of falling asleep and of sleep from the moment of falling asleep until waking up. What actually happens to a person during that time? Why does it seem to the modern human mind as though sleep, in terms of the soul’s state, were the same for people today as it was for the ancient Greeks? The Greeks did not stay awake—and the Egyptians certainly not—the way people do today, nor did they sleep in the same way. We must come to know precisely this state of the soul specific to each age. When the human soul—that is, the “I” and the astral body—detaches itself during sleep from the physical body and the etheric body, which then remain in bed, where is the soul—that is, the “I” and the astral body—during sleep?

[ 18 ] Mit solch äußeren Beschreibungen, daß da eine Wolke sich äußerlich erhebt über dem physischen Leibe — was ja durchaus für die äußerliche, für die ganz äußerliche Hellsichtigkeit eine Tatsache ist —, ist es aber nicht getan. Man muß auf das Innere sehen. Man muß auf das sehen, was die Seele wirklich zwischen dem Einschlafen und Aufwachen erlebt. Beim heutigen Menschen erlebt die Seele zwischen dem Einschlafen und Aufwachen diejenigen Erlebnisse, welche wiederum durchlebt werden von den noch nicht auf der Erde verkörperten Seelen. Also nehmen wir ein Ereignis, das gerade jetzt, in diesem Augenblick, bevor ich mit dem Vortrage angefangen habe, an mich herangetreten ist: Einem Anthroposophen ist ein Töchterchen geboren worden. Es war vor einem Jahr in der geistigen Welt und hat seit dem Jahr den Versuch gemacht, herunterzusteigen in die physische Welt. Es war also in der geistigen Welt die ganzen früheren Jahrzehnte, die wir schon älter sind als dieses Mädchen, das geboren worden ist. Während wir nun jeweils geschlafen haben, lebten wir tatsächlich vom Einschlafen bis zum Aufwachen auch in der Welt, diedieses Mädchen vor der Empfängnis beziehungsweise vor der Geburt durchlebt hat. Das ist auch unsere Welt. Die noch nicht verkörperten Seelen erleben etwas; mit denen leben wir im fünften nachatlantischen Zeitalter beim Schlafen zusammen und in allen Ereignissen, die ähnlich sind denjenigen, die solche Seelen in der geistigen Welt erleben. — Dagegen leben wir mit demjenigen, was wir beim Wachen verschlafen, vom Aufwachen bis zum Einschlafen, in den Erbschaften des alten irdischen Lebens. Was zurückgeblieben ist vom Indertum, vom Persertum, vom Ägyptertum, was aber auf der Erde erlebt worden ist geistig, mit dem leben wir ganz zusammengekrampft egoistisch in unserem Inneren, weil wir es ja in unsere Inkarnation hereintragen. Mit dem leben wir bei Tage, die Gegenwart verschlafend — denn die hat sehr viele geistig erfaßbare Ereignisse —, aber uns zusammenkrampfend mit den Vorstellungen, die wir von früher haben, die wir sogar in unserer Sprache hartnäckig festhalten, denn die Sprache enthält vielfach für uns kristallisiertes altes Weisheitsgut. Wir opponieren dagegen, dieses alte Weisheitsgut irgendwie auf unsere Seelen wirken zu lassen. Wir reden heute zum Beispiel vom Messer und von der Schere, und wir bedenken meistens nicht, wenn wir das Schneiden der Schere ins Auge fassen, daß da dem Wort das Scheren zugrunde liegt, das Sie hier an jedem Coiffeurladen angeschrieben finden. Und beim Messer, da liegt eine moralische Vorstellung zugrunde; das hängt mit dem Maß zusammen, mit dem Zumessen. Das Messer war dasjenige, womit man dem anderen die Gabe zugeschnitten, zugemessen hatte. Die Dinge, die in den Worten kristallisiert sind, die sind altes Geistesleben. Die Worte gebrauchen wir heute gedankenlos, die Dinge aber ruhen in den Tiefen unseres Wesens. Wenn die Sprache sich aus uns entringt, dann ist es so, daß wir da miterleben alte Erdenzeiten. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen erleben wir geistig alte Erdenzeiten, auch schlafend; und vom Einschlafen bis zum Aufwachen erleben wir diejenigen Ereignisse, die zum Herabsteigen der Seelen ins irdische Leben weisen.

[ 18 ] Such external descriptions—that a cloud rises outwardly above the physical body, which is indeed a fact for external, for purely external clairvoyance—are not enough, however. One must look to the inner realm. One must look at what the soul truly experiences between falling asleep and waking up. In modern human beings, the soul experiences, between falling asleep and waking up, those very experiences that are in turn lived through by souls not yet incarnated on Earth. So let us take an event that has just now, at this very moment, before I began this lecture, come to my attention: a little daughter has been born to an anthroposophist. She was in the spiritual world a year ago and has been attempting ever since to descend into the physical world. So she had been in the spiritual world for all the decades prior—decades during which we were already older than this girl who has now been born. While we were asleep, from the moment we fell asleep until we woke up, we were in fact also living in the world that this girl experienced before her conception or birth. That is also our world. The souls who have not yet incarnated experience certain things; in the fifth post-Atlantean epoch, we live together with them while we sleep and in all events similar to those such souls experience in the spiritual world. — In contrast, from the moment we wake until we fall asleep, we live with what we miss while awake, within the legacies of our old earthly life. What remains of the Indian, Persian, and Egyptian eras—but which has been spiritually experienced on Earth—is what we live with, all tangled up and selfishly within ourselves, because we carry it into our incarnation. We live with this during the day, sleeping through the present—for it holds many spiritually perceptible events—but clinging tightly to the ideas we have from the past, which we even stubbornly hold onto in our language, for language often contains crystallized ancient wisdom. We resist, however, allowing this ancient wisdom to influence our souls in any way. Today, for example, we speak of a knife and scissors, and we usually do not consider, when we think of the cutting action of scissors, that the word is based on “shearing,” which you will find written on every barber shop here. And with the knife, there is a moral concept underlying it; this is connected to measurement, to the act of measuring out. The knife was the instrument with which one had cut out and measured out a gift for another. The things crystallized in words are ancient spiritual life. We use these words thoughtlessly today, but these things lie deep within our being. When language flows from us, we are, in a sense, reliving ancient earthly times. From the moment we wake up until we fall asleep, we experience ancient earthly times spiritually, even while sleeping; and from the moment we fall asleep until we wake up, we experience those events that point to the descent of souls into earthly life.

[ 19 ] Sehen Sie, das sind Realitäten, das sind Wirklichkeiten. Diese Wirklichkeiten muß sich eine neuere Menschheit wohl einprägen, wenn sie nicht durchaus nur mit den Niedergangskräften sich bekanntmachen will, sondern auch mit den Aufgangskräften. Es wäre viel besser, wenn eine größere Anzahl von Menschen des Abends vor dem Einschlafen etwas anderes machen würde, als was heute die Menschen machen. Denken Sie nur einmal, was das Letzte bei vielen Menschen ist, wenn sie abends schlafen gehen. Für die heutige Menschheit wäre es richtig zu sagen: Ich möchte hineingehen in diejenige Welt, in der Aufgangskräfte sind, in der die Kräfte erlebt werden, welche die Seelen hier in die irdische Welt herunterführen; in der diese Kräfte geistig erlebt werden. Zukunftskräfte erlebt der Mensch heute zwischen Einschlafen und Aufwachen. Und er sollte daher eine gewisse Begierde entwickeln nach denjenigen Lehren, die von der geistigen Welt reden, die ein Bewußtsein darüber entwickeln, was durchlebt wird von den Seelen, wenn sie in einem ähnlichen Zustande sind, aber bewußt, wie die Seelen sonst zwischen Einschlafen und Aufwachen. Da heraus, aus dieser Welt muß kommen dasjenige, was die großen Impulse gibt, um die Zivilisation weiterzubringen, um die Zivilisation wiederum zu heilen. Da heraus müssen die geistigen, die staatlichen und auch die sozial-wirtschaftlichen Impulse kommen, welche als Heilkräfte unserer Zivilisation sich entfalten müssen. Denn in unserer Zeit müssen wir wieder gewinnen die Möglichkeit, das Mysterium von Golgatha spirituell-geistig aufzufassen.

[ 19 ] You see, these are realities, these are truths. A new humanity must take these truths to heart if it does not wish to become acquainted solely with the forces of decline, but also with the forces of ascent. It would be much better if a larger number of people did something different in the evening before going to sleep than what people do today. Just think for a moment about what the last thing on many people’s minds is when they go to sleep at night. For humanity today, it would be right to say: “I want to enter the world where the forces of ascent are present, where the forces that lead souls down into the earthly world are experienced; where these forces are experienced spiritually.” Today, human beings experience the forces of the future between falling asleep and waking up. And they should therefore develop a certain longing for those teachings that speak of the spiritual world—teachings that foster an awareness of what souls experience when they are in a similar state, but consciously, just as souls are otherwise between falling asleep and waking up. It is from this world that the great impulses must come to advance civilization and, in turn, to heal it. It is from this world that the spiritual, political, and socio-economic impulses must arise, which must unfold as healing forces for our civilization. For in our time, we must once again regain the ability to comprehend the Mystery of Golgotha in a spiritual-psychic way.

[ 20 ] Sehen Sie, was ist denn das Wesentliche — oder sagen wir ein Wesentliches, denn es gibt ja natürlich unzählig viel Wesentliches — im Mysterium von Golgatha? Ein Gott, eine überirdische Wesenheit ist heruntergestiegen, hat Wohnung genommen im Jesus von Nazareth. Eine Eigenschaft solcher Wesenheiten ist die, daß sie nicht sterben können. Alle diejenigen Wesenheiten, die Sie beschrieben finden in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» als die Wesenheiten der höheren Hierarchien, der Angeloi, Archangeloi und so weiter bis hinauf zu den höchsten, den Seraphinen und Cherubinen und so weiter, sie sterben nicht in demselben Sinn; Sie können das nachlesen, wie ihr Lebensschicksal ist; sie sterben nicht in einer solchen Weise, wie die Menschen sterben. Was hat der Christus, der aus diesen höheren Hierarchien hervorgegangen ist, auf sich genommen? Er stirbt in einem Menschenleibe. Das, sehen Sie, ist sein bedeutungsvollster Übergang zur Wirksamkeit innerhalb der Erdenmenschheit. Er starb in einem Menschenleibe. Er hat dasjenige Erlebnis des Sterbens durchgemacht, das andere Götter, die mit der Erde verbunden sind, nicht durchmachen. Das hat man noch einigermaßen verstanden bis zum Jahre 333, das müssen wir wieder lernen zu verstehen. Wir müssen wieder lernen zu verstehen, daß in der Tat eine außerirdische Wesenheit das Erlebnis des Sterbens mitgemacht hat und dadurch aufgegangen ist in der Erdenentwickelung, mit uns lebt in der Erdenentwickelung. Aber wir müssen die große Bescheidenheit entwickeln, zu erkennen, daß ja diese Wesenheit natürlich weit über dem, was menschliche Seelenverfassung erleben kann, steht. Diese Wesenheit ist herabgestiegen aus Welten, wo nicht gestorben wird. Wer sind die dienenden Wesen für diese Christus-Wesenheit? Es sind nicht alle zu demselben Opfer gekommen; es sind nicht alle auf die Erde herabgestiegen und gestorben. Wesenheiten, angefangen von der Hierarchie der Angeloi bis hinauf in die höheren Hierarchien dienen dem Christus, der sich mit der Erdenentwickelung vereinigt hat. Aber wir entdecken sie nicht, wenn wir uns nicht aufschwingen zur überirdischen Erkenntnis der höheren Hierarchien. Dasjenige, was zu dem Christus führt, muß aus der Erkenntnis geistiger Welten gesucht werden. Wir brauchen zuerst Geisteswissenschaft, damit wir zur Christus-Erkenntnis wiederum kommen können. Denn der Christus ist auf der Erde, aber das, was ihn umgibt, das ist in der Welt der höheren Hierarchien. Und es war die große Versuchung der Menschheit in der neueren Zeit, daß sie die neuere Naturwissenschaft mit ihren großen Triumphen durchmachte, daß sie die Anerkenntnis der bloßen äußeren Naturkräfte in sich aufgenommen hat. Aber hinter all diesen Naturkräften leben die geistigen Wesenheiten. Das ist schon richtig, was die neuere Naturwissenschaft sagt, aber hinter diesen Naturkräften leben lenkend und leitend die geistigen Wesenheiten, die dienen dem Christus. Der Christus ist in alledem, was Erdenentwickelung ist. Überirdische Wesen dienen ihm, aber überirdische Wesen werden nur durch Geisteswissenschaft erkannt. Deshalb hat auch Geisteswissenschaft gegenüber der Erneuerung des Christentums eine unbegrenzt bedeutsame Aufgabe. Sie sehen daraus, daß wir heute diese Geisteswissenschaft nicht so betreiben können, daß wir sie nur als persönliche Angelegenheit betrachten. Diese Geisteswissenschaft ist heute eine Angelegenheit der ganzen zivilisierten Menschheit. Und deshalb war es durchaus eine innere Notwendigkeit, daß von Anfang an innerhalb des Kreises, der dann den Namen «Anthroposophische Gesellschaft» erhalten hat, die Geisteswissenschaft in einer anderen Weise getrieben worden ist, als etwa in der Theosophischen Gesellschaft. Die Theosophische Gesellschaft hatte von Anfang an in ihrer ganzen Konstitution etwas Sektiererisches, etwas was rechnete mit dem Egoismus der neueren Zeit. Der Anthroposophie war die Aufgabe zugefallen, mit dem modernen Bewußtsein zu rechnen; mit demjenigen zu rechnen, was sonst äußere Kultur der Menschheit ist, und da hineinzutragen die Ergebnisse des geistigen Anschauens. Alle kleineren Streitigkeiten und Katzbalgereien kommen demgegenüber gar nicht in Betracht. Das Wesentliche war, daß von mir rein erhalten werden mußte jene geistige Bewegung, die mit der gesamten modernen Wissenschaft rechnet. Dabei kommt es mir nicht darauf an, ob der eine oder der andere dieses oder jenes anerkennt. Möge die ganze Welt heute noch schimpfen, möge die ganze Welt nur in negativer Weise kritisieren, darauf kommt es nicht an, sondern darauf kommt es an, daß in Wirklichkeit dasjenige, was von mir als Geisteswissenschaft vertreten wird, in vollem Einklange steht mit der modernen wissenschaftlichen Gesinnung und dem modernen moralischen Gewissen. — Ich mußte vorangehen lassen die «Philosophie der Freiheit», die Verkündigung des Karma. Ich habe es oftmals mit tiefem Herzeleid in dem Kreise der Theosophen hören müssen, daß sie gesagt haben: Wenn den oder jenen ein Leid trifft, oder wenn der oder jener sozial ein geplagtes Wesen einer niedrigeren Klasse oder Kaste ist, so ist das eben in seinem Karma, das hat er eben so verdient. — Das war eine Ausdeutung der Karmaidee, wie die egoistischen Menschen des 19. oder 20. Jahrhunderts sie brauchten. Diese Menschen bedachten nicht, daß wir ja nicht nur in diesem gegenwärtigen Erdenleben leben, sondern daß wir auch in künftigen leben werden. Und wir haben heute nicht immer zurückzuschauen auf dasjenige, was wir in vergangenen Erdenleben hatten, sondern wir haben auch zu bedenken, daß wir in kommenden Erdenleben auf das als etwas erstes zurückzublicken haben werden, was wir jetzt erleben. Freiheit ist mit der Karmaidee in vollem Einklange, nur daß alles dasjenige, was im Kontobuch des Lebens auftritt, in einem karmischen Zusammenhang steht.

[ 20 ] Look, what is the essential—or let’s say one of the essentials, since there are, of course, countless essentials—in the Mystery of Golgotha? A God, a supernatural being, descended and took up residence in Jesus of Nazareth. One characteristic of such beings is that they cannot die. All the beings you have described—who are described in my *Outline of Esoteric Science* as the beings of the higher hierarchies, the Angeloi, Archangeloi, and so on, up to the highest, the Seraphim and Cherubim—do not die in the same sense; you can read there what their life destiny is; they do not die in the same way that human beings die. What did the Christ, who emerged from these higher hierarchies, take upon Himself? He dies in a human body. That, you see, is His most significant transition to active work among humanity on Earth. He died in a human body. He underwent the experience of dying that other gods connected to the Earth do not undergo. This was still understood to some extent up until the year 333; we must learn to understand this again. We must learn once more to understand that, in fact, an extraterrestrial being has shared in the experience of dying and, through this, has become part of Earth’s evolution, living with us within Earth’s evolution. But we must develop the great humility to recognize that this being naturally stands far above what the human soul can experience. This being has descended from worlds where death does not occur. Who are the serving beings for this Christ being? Not all have made the same sacrifice; not all have descended to Earth and died. Beings, ranging from the hierarchy of the Angeloi up to the higher hierarchies, serve the Christ who has united Himself with Earth’s evolution. But we do not perceive them unless we rise to the super-earthly knowledge of the higher hierarchies. That which leads to the Christ must be sought through the knowledge of spiritual worlds. We first need spiritual science so that we may once again come to a knowledge of Christ. For Christ is on Earth, but that which surrounds him belongs to the world of the higher hierarchies. And it was the great temptation of humanity in recent times that, as it went through the great triumphs of modern natural science, it absorbed within itself the recognition of mere external natural forces. But behind all these natural forces live spiritual beings. What modern natural science says is indeed correct, but behind these natural forces, guiding and directing them, are the spiritual beings who serve Christ. Christ is present in all of earthly evolution. Supernatural beings serve Him, but supernatural beings can only be recognized through spiritual science. That is why spiritual science also has a task of boundless significance for the renewal of Christianity. You can see from this that we cannot practice this spiritual science today in such a way that we regard it merely as a personal matter. This spiritual science is today a matter for all of civilized humanity. And that is why it was an inner necessity that, from the very beginning, within the circle that later came to be known as the “Anthroposophical Society,” spiritual science was pursued in a different way than, for example, in the Theosophical Society. From the very beginning, the Theosophical Society had something sectarian in its entire constitution—something that counted on the egoism of modern times. Anthroposophy had been entrusted with the task of engaging with modern consciousness; of engaging with what is otherwise the outer culture of humanity, and of bringing the results of spiritual insight into it. In comparison, all the minor disputes and squabbles are of no consequence whatsoever. What was essential was that I had to preserve in its pure form that spiritual movement which engages with modern science as a whole. In this regard, it does not matter to me whether one person or another acknowledges this or that. Let the whole world still rail against it today; let the whole world offer only negative criticism—that is not what matters. What matters is that, in reality, what I represent as spiritual science is in full harmony with the modern scientific mindset and the modern moral conscience. — I had to begin with *The Philosophy of Freedom*, the proclamation of karma. I have often had to hear, with deep sorrow, within the circle of theosophists, that they said: If this or that person suffers, or if this or that person is a socially oppressed being of a lower class or caste, then that is simply part of their karma; they have simply deserved it. — That was an interpretation of the idea of karma suited to the needs of the selfish people of the 19th or 20th centuries. These people did not consider that we do not live only in this present earthly life, but that we will also live in future ones. And today we do not always have to look back on what we experienced in past earthly lives; rather, we must also bear in mind that in future earthly lives, what we are experiencing now will be the first thing we look back on. Freedom is fully in harmony with the concept of karma, except that everything that appears in the ledger of life is connected to karma.

[ 21 ] Wenn ich das Lebensschicksal seinen Aktiva und Passiva nach addiere, und nachher die Differenz bilde, so bekomme ich eine Lebensbilanz, aber deshalb sind die einzelnen Zahlen nicht einer Naturnotwendigkeit unterworfen, ebensowenig wie die einzelnen Zahlen des kaufmännischen Kontobuches vom Fleiße und dergleichen abhängen, und zuletzt sich doch mit Notwendigkeit eine Bilanz ergibt. So ist im Lebenskarma Freiheit absolut vereinbar mit der Karmaidee. Wir dürfen uns nicht der Bequemlichkeit eines Fatalismus hingeben, wenn wir die Karmaidee als etwas voll Berechtigtes hinstellen. Ebenso muß Geisteswissenschaft mit dem modernen Gewissen, mit der moralischen Gesinnung der modernen Menschheit in vollem Einklang stehen. Und deshalb trat auch in der Zeit, in welcher gewissermaßen die Katastrophe eintrat für alles dasjenige, was seelisch, geistig und physisch der Egoismus der modernen Menschheit verschuldet hat, die Notwendigkeitheran, in einem großen Umfange mit Geisteswissenschaft zu wirken.

[ 21 ] If I add up the assets and liabilities of one’s life’s destiny and then calculate the difference, I arrive at a life balance sheet; but this does not mean that the individual figures are subject to a natural necessity, any more than the individual figures in a commercial ledger depend on diligence and the like, even though a balance sheet ultimately results out of necessity. Thus, in the karma of life, freedom is absolutely compatible with the concept of karma. We must not succumb to the convenience of fatalism if we are to present the concept of karma as something fully justified. Likewise, spiritual science must be in complete harmony with the modern conscience and with the moral outlook of modern humanity. And that is why, at a time when, in a sense, a catastrophe befell everything that modern humanity’s egoism had caused—spiritually, mentally, and physically—the necessity arose to work extensively with spiritual science.

[ 22 ] Wäre es denn ehrlich und redlich gewesen, immerzu zu predigen, Geisteswissenschaft sei da, um der Menschheit zu helfen, und dann keine sozialen Anschauungen zu haben in den Zeiten, in denen die sozialen Forderungen so dringend geworden sind wie heute? Soll die Menschenliebe nicht fortschreiten zu sozialer Erkenntnis? Sollen wir bloß bei dem phrasenhaften Deklamieren über Menschenliebe bleiben? Sollen wir nicht vielmehr fortschreiten zu realen sozialen Impulsen? Sehen Sie dieses Fortschreiten zu realen sozialen Impulsen als ein Ergebnis, als Grunderkenntnis der Geisteswissenschaft an, als ein Ergebnis desjenigen, was ich Ihnen heute über Wachen und Schlafen, über schlafendes Wachen und das Aufwecken des Schlafens durch die Geisteswissenschaft gesagt habe; sehen Sie es als ein Ergebnis derjenigen Erkenntnis an, die Ihnen sagt: die dienenden Geister des Christus, sie werden uns erst klar, wenn wir in die geistige Welt hinaufschauen, dadurch wird uns auch erst — durch Geisteswissenschaft — das Mysterium von Golgatha in einem der heutigen Menschheit entsprechenden Sinne wiederum klar; — sehen Sie es als ein Ergebnis alles dessen an, daß Geisteswissenschaft heute nicht innerhalb von irgendwelchen sektiererischen Logen oder Zweigen stehenbleiben darf, sondern daß wir sie hinaustragen müssen so gut wir können, jeder nach dem Maße, wie er an seinem Platze steht. In Dornach durfte nicht bloß eine sektiererische Stätte geschaffen werden, sondern es mußte eine solche Stätte geschaffen werden, wo alle Wissenschaften, das ganze tätige Leben, das soziale Leben, das künstlerische Leben befruchtet werden kann. Eine Angelegenheit der breiten Menschheitsmassen muß anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft werden, trotzdem wir ihr wichtigstes, dasjenige, was uns eigentlich dann so recht zu Herzen geht, was uns die Kräfte im Inneren aufleben läßt, eben in dem engeren Kreise unserer Zweige betreiben. Da sollen wir uns die Kräfte sammeln, um eine gewisse höhere Erkenntnis, die wir zuerst aufnehmen in diesen Zweigen, heranbilden zu können. Diese Erkenntnis muß aber herangebildet werden. Denn wir leben heute in einem Zeitalter, in dem die Menschen eigentlich nicht wissen, was sie wollen, weil sie das wichtigste im Leben verschlafen, in dem sie aber alle ein Wiedererkennen des Geistes wollen. Das müssen wir als die Pioniere, möchte ich sagen, der geistigen Erneuerung, als Anthroposophen, in unserem tiefsten Herzen fühlen.

[ 22 ] Would it have been honest and sincere to constantly preach that spiritual science exists to help humanity, and then to have no social views at a time when social demands have become as urgent as they are today? Shouldn't love for humanity progress toward social awareness? Should we merely stick to rhetorical declarations about love for humanity? Should we not rather move forward toward real social impulses? Consider this progression toward real social impulses as a result, as a fundamental insight of spiritual science, as a result of what I have told you today about waking and sleeping, about sleeping while awake, and about the awakening from sleep brought about by spiritual science; view it as a result of the insight that tells you: the serving spirits of Christ—they only become clear to us when we look up into the spiritual world; through this, too—through spiritual science—the Mystery of Golgotha once again becomes clear to us in a sense appropriate to humanity today; —regard it as a result of the fact that spiritual science today must not remain confined within any sectarian lodges or branches, but that we must carry it out into the world as best we can, each according to the position in which they stand. In Dornach, it was not merely a matter of creating a sectarian site; rather, a site had to be created where all sciences, the whole of active life, social life, and artistic life could be enriched. Anthroposophically oriented spiritual science must become a matter for the broad masses of humanity, even though we pursue its most essential aspect—that which truly touches our hearts and stirs our inner forces—within the narrower circle of our branches. There we are to gather our strength so that we can cultivate a certain higher knowledge, which we first absorb within these branches. But this insight must be cultivated. For we live today in an age in which people do not really know what they want—because they are missing out on what is most important in life—yet in which they all long for a rediscovery of the spirit. As pioneers—I would say—of spiritual renewal, as anthroposophists, we must feel this in the depths of our hearts.

[ 23 ] Deshalb wünsche ich auch so recht von Herzen, daß innerhalb der Zweige auch von Holland lebe ein solch ernstes, fleißiges und emsiges Studieren desjenigen, was aus geistigen Welten an Erkenntnissen gegeben werden kann in unserer Bewegung. Ich wünsche ein recht fleißiges Studieren innerhalb der Zweige. Aber ich wünsche, daß es nicht bleibe bei der Tätigkeit innerhalb der Zweige, daß dasjenige, was in den Zweigen getrieben wird, nur der Ausgangspunkt sein möge eines Heraustretens unter alle Menschen, eines jeden in seiner Weise, damit diejenigen Sehnsuchten, die heute in der ganzen Menschheit leben, gerade durch die anthroposophisch orientierte Geistesanschauung befriedigt werden können. Das ist es auch, warum wir verstehen sollten, worin diese Sehnsuchten der modernen Menschheit bestehen. Glauben wir nicht, materialistisch zu werden, indem wir die Materie durchgeistigen. Seien wir uns klar darüber, daß ein großes Unglück vor der Menschheit steht, wenn man es nicht in der rechten Weise erkennt, um es abzuwenden.

[ 23 ] That is why I also wish with all my heart that within the branches—including those in Holland—there may be such a serious, diligent, and earnest study of the insights that can be imparted from the spiritual worlds within our movement. I wish for a truly diligent study within the branches. But I hope that this does not remain confined to activity within the branches; may what is undertaken in the branches serve only as a starting point for reaching out to all people—each in their own way—so that the longings that exist today throughout all of humanity may be fulfilled precisely through the anthroposophically oriented spiritual perspective. This is also why we should understand what these longings of modern humanity consist of. Let us not believe that we are becoming materialistic by spiritualizing matter. Let us be clear that a great misfortune lies ahead for humanity if it is not recognized in the right way so that it can be averted.

[ 24 ] Das achte ökumenische Konzil im Jahre 869 hat aus der Menschheit das Hinblicken auf den Geist ausgetrieben. Diejenigen, die so recht materialistisch gesinnt sind, möchten die nächste Etappe vorbereiten; sie möchten vorbereiten, auch die Seele abzuschaffen, und es zu einer allgemeinen dogmatischen Erkenntnis des modernen und zukünftigen Lebens machen, daß der Mensch überhaupt nur Leib sei. Und auf Mittel sinnen gewisse teuflische Eingeweihte, wie man — jetzt nicht durch seelische Einflüsse, sondern durch Ingredienzien, durch gewisse Säfte, die man der Natur entnimmt — materialistisch erziehen, materialistisch den Menschen überhaupt zubereiten könne als Leib. Mehr mit anderen Grundsätzen, als denjenigen der Waldorfschule — die spirituelle Proteste sind gegen den modernen Materialismus —, sinnen andere Menschen die experimentelle Psychologie aus, die heute allerlei Experimente macht, um die Fähigkeiten zu prüfen. Das ist nur die Vorstufe desjenigen, was man eigentlich will. Man will nicht mehr mit seelischen Mitteln das Kind erziehen, sondern mit äußerlich materiellen Mitteln, damit die Fähigkeiten in leiblicher Beziehung sich entwickeln. Wir kommen zur Automatisierung des Menschen, wenn wir uns nicht im rechten Zeitpunkt besinnen darauf, daß nicht der Weg gemacht werden darf, zu dem abgeschafften Geiste auch noch die Seele abzuschaffen, sondern daß der Weg umgekehrt gemacht werden muß, wie er seit dem achten ökumenischen Konzil gegangen worden ist; daß der Weg gemacht werden muß, den Geist wiederum zu finden, und das, was von ihm wiederum gefunden werden kann, in der Menschheit, in allen Zweigen des menschlichen, praktischen Lebens zu pflegen.

[ 24 ] The Eighth Ecumenical Council in 869 drove the focus on the Spirit out of humanity. Those who are truly materialistic in their outlook wish to prepare the next stage; they wish to prepare the way for abolishing the soul as well, and to make it a general dogmatic tenet of modern and future life that human beings are nothing but physical bodies. And certain diabolical initiates are devising ways to educate people materialistically—not through spiritual influences, but through ingredients, through certain juices extracted from nature—and to prepare human beings entirely as bodies. Based on principles other than those of the Waldorf School—whose spiritual protests are directed against modern materialism—other people are exploring experimental psychology, which today conducts all manner of experiments to test abilities. This is merely the preliminary stage of what they actually want. They no longer wish to educate the child through spiritual means, but rather through external, material means, so that abilities may develop in a physical sense. We are heading toward the automation of human beings if we do not reflect at the right moment on the fact that we must not pave the way to abolish the soul as well as the spirit—which has already been abolished—but rather that we must pave the way in the opposite direction, as has been done since the Eighth Ecumenical Council; that the path must be taken to rediscover the spirit, and to nurture what can be rediscovered of it within humanity, in all branches of practical human life.

[ 25 ] Das möchte ich, nachdem wir uns wiederum nach längerer Zeit haben sehen dürfen, in Ihre lieben Seelen, in Ihre Herzen gelegt haben. Pflegen Sie Geisteswissenschaft erstens als eine Herzensangelegenheit, so wie sie der einzelne Mensch pflegen muß heute, um selber vorwärtszukommen. Pflegen Sie dann dasjenige, was Sie selber so in sich aufgenommen haben, indem Sie es in die Menschheit hineintragen auf allen Gebieten des Lebens. Dann werden Sie allmählich den Weg finden, um innerhalb der heutigen schweren, ernsten Prüfungszeit der Menschheit das Rechte, ein jeder an seinem Platze, zu tun.

[ 25 ] Now that we have been able to see each other again after such a long time, this is what I would like to place in your dear souls, in your hearts. First and foremost, cultivate spiritual science as a matter of the heart, just as each individual must do today in order to make progress on their own. Then, nurture what you yourselves have taken into your hearts by carrying it out into humanity in all areas of life. Then you will gradually find the way to do what is right—each in their own place—amidst humanity’s current difficult and serious time of trial.