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Human Responsibility for Global Development
Through Its Spiritual Connection
to the Earth and the Celestial Realm
GA 203

1 April 1921, Stuttgart

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Human Responsibility for Global Development, tr. SOL
  1. Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung

Achtzehnter Vortrag

Eighteenth Lecture

[ 1 ] Wenn dasjenige, was wir oftmals als Gegenstand esoterischer Betrachtung angesehen haben, was wir in meiner «Theosophie», in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», in anderen Büchern verzeichnet finden, als die Gliederung des Menschen, wenn wir das, und zwar etwas zusammenfassend, mehr von außen betrachten, so können wir hinblicken auf der einen Seite nach alledem, was wir im Menschen nennen können die Verstandeskräfte, die Verstandesfähigkeiten. Gewiß, was wir da unter Verstandesfähigkeiten zusammenfassen, umgreift das Verschiedenste von dem, was wir als die Glieder des Menschen bezeichnet haben. Allein gerade durch solche Betrachtungen, die die verschiedenen Begriffe und Ideen, die wir haben, unter anderen Gesichtspunkten ins Auge fassen, kommen wir ja in unseren Auseinandersetzungen weiter. Also wir sehen auf der einen Seite die mehr verstandesmäßigen Betätigungen des menschlichen Geist-Seelenlebens, und wir sehen auf der anderen Seite die mehr nach dem Begehrungsvermögen, nach dem Willensmäßigen hin gelegenen Betätigungen des menschlichen Geist- und Seelenlebens. Wir wollen heute diese Fähigkeiten einmal von dem Gesichtspunkte der ganzen Menschheit ins Auge fassen, das heißt, wir wollen uns fragen: Welche Bedeutung haben die mehr verstandesmäßigen Kräfte in dem Leben der Gesamtmenschheit und welche haben die mehr willensmäßigen Kräfte? Wenn man eine solche Betrachtungsweise unternimmt, dann kann sie nur fruchtbar sein, wenn man den Menschen und auch die Menschheit nicht isoliert betrachtet von dem gesamten Erdenplaneten, sondern als ein Glied des gesamten Erdenplaneten. Daß man dazu ein Recht hat, das ergibt sich Ihnen ja aus dem Verfolgen jener Auseinandersetzungen, die sich zum Beispiel in der «Geheimwissenschaft» finden über die Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung unserer Erde.

[ 1 ] If what we have often regarded as the subject of esoteric contemplation—what we have described in my *Theosophy* and in my *Outline of Esoteric Science* and in other books, as the structure of the human being—if we consider this, somewhat summarily, more from the outside—then we can look, on the one hand, at all that we might call the intellectual powers and faculties in the human being. Certainly, what we summarize here as intellectual faculties encompasses the most diverse aspects of what we have designated as the parts of the human being. Yet it is precisely through such considerations—which examine the various concepts and ideas we hold from different perspectives—that we make progress in our discussions. So, on the one hand, we see the more intellectual activities of human spiritual and soul life, and on the other hand, we see the activities of human spiritual and soul life that are more oriented toward the capacity for desire and the volitional. Today we want to consider these faculties from the perspective of humanity as a whole; that is, we want to ask ourselves: What significance do the more intellectual forces have in the life of humanity as a whole, and what significance do the more volitional forces have? If one undertakes such a line of inquiry, it can only be fruitful if one does not view the individual human being—or humanity as a whole—in isolation from the entire Earth, but rather as a part of the entire Earth. That we have a right to do so becomes clear to you from following the discussions found, for example, in *The Secret Science* regarding the Saturn, Sun, and Moon phases of our Earth’s development.

[ 2 ] Wenn Sie sich erinnern, was da gesagt ist über Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung, dann werden Sie sehen, wie da die Sache nicht so betrachtet wird, wie es etwa die heutigen Geologen und Naturforscher machen, daß sie auf der einen Seite geologisch die Erde betrachten, als wenn der Mensch gar nicht dazu gehörte, und dann wiederum die Menschheit für sich in einer Art abgeschlossener Anthropologie, wie wenn diese Menschheit auf einem ihr ganz fremden Boden herumspazierte. Darum kann es sich für eine wirklich fruchtbare Betrachtungsweise nicht handeln. Wenn Sie verfolgen, was gesagt ist über die Saturn-, Sonnen- und Mondenentwickelung, so werden Sie sehen, daß in dieser Entwickelung gar nicht getrennt gedacht werden können die Kräfte, die in der Menschheit selber spielen, und die Kräfte, die im übrigen Planeten spielen. Daß auf der Erde die Menschheit eine gewisse Selbständigkeit erlangt hat und gewissermaßen unabhängig von dem Planeten auf dem Boden desselben herumspaziert, das ist ein Entwickelungszustand; er darf für die Betrachtungsweise nicht ausschließlich maßgebend sein. Wir müssen die Menschheit im Zusammenhange mit der ganzen Erdenentwickelung betrachten. Und da müssen wir zunächst sagen: Wenn wir die Verstandesfähigkeiten ins Auge fassen und uns erinnern an dasjenige, was über frühere Metamorphosen, über die Saturn-, Sonnen- und Mondenmetamorphose der Erdenentwickelung gesagt ist, dann werden wir darauf kommen, daß diese Innerlichkeit, die wir heute in dem Menschen der Verstandesentwickelung haben, vorher, also auf den vorigen Metamorphosen der Erdenentwickelung, nicht vorhanden war. Was heute in unserem Kopfe gewissermaßen als Verstand lokalisiert ist, das war als allgemeine Verständigkeit wie eine durchgreifende gesetzmäßige Verständigkeit über den ganzen Erdenplaneten verteilt. Man könnte sagen: Verstand wirkte in den Tatsachen der ganzen Erdenentwickelung. Der Mensch selber hatte ja — von Saturn und Sonne gar nicht zu sprechen — auf dem Monde noch nicht das Verstandesbewußtsein, sondern eine Art träumerischen Bewußtseins. Dieses träumerische Bewußtsein, das sah hinaus in die Weltenerscheinungen, und der Mensch sagte sich nicht, während er dieses träumerische Bewußtsein hatte: Da draußen spielen sich die Welterscheinungen ab, und ich begreife sie mit meinem Verstande —, sondern der Mensch träumte in Bildern. Er sah aber dasjenige, was wir heute wie in unserem Kopfe lokalisiert als Verstand empfinden, als die Dinge und Tatsachen draußen durchsetzend. Wir unterscheiden zwischen den Naturgesetzen und zwischen dem, was in uns diese Naturgesetze auffaßt und nennen das letztere unseren Verstand. Der Mensch der Vorzeit lebte seelisch bewußt nur in Bildern, und das war ja für die älteren Partien unserer Erdenentwickelung auch noch der Fall, und er unterschied nicht die Naturgesetze draußen von seinem Verstande, sondern die Natur selber hatte Verstand, die Natur selber gab sich ihre Gesetze. Da draußen wirkte der Verstand. Es ist ein Entwickelungsstadium unserer selbständig gewordenen Menschheit, daß wir sagen: Wir tragen in uns den Verstand und draußen sind die Naturgesetze. — Die Summe dieser Naturgesetze war für den Menschen der Vorzeit der Verstand.

[ 2 ] If you recall what is said there about the evolution of Saturn, the Sun, and the Moon, you will see that the matter is not viewed there in the same way as, for example, today’s geologists and natural scientists do—who, on the one hand, view the Earth geologically as if humanity were not part of it at all, and then, on the other hand, consider humanity in isolation within a kind of self-contained anthropology, as if humanity were strolling about on ground entirely foreign to it. Therefore, this cannot be a truly fruitful approach. If you follow what is said about the development of Saturn, the Sun, and the Moon, you will see that in this development, the forces at work within humanity itself and the forces at work in the rest of the planet cannot be thought of as separate. The fact that humanity has attained a certain degree of autonomy on Earth and, so to speak, walks about on the planet’s surface independently of it is a stage of development; it must not be the sole determining factor in our perspective. We must view humanity in the context of the entire development of the Earth. And here we must first say: When we consider the faculties of the intellect and recall what has been said about earlier metamorphoses—the Saturn, Sun, and Moon metamorphoses of Earth’s evolution—we will come to realize that this inner quality, which we now find in human beings as the development of the intellect, did not exist previously, that is, during the earlier metamorphoses of Earth’s evolution. What is today, so to speak, localized in our heads as intellect was, as a general intellectual faculty—a pervasive, law-governed intellectual faculty—distributed throughout the entire Earth. One could say: Intellect was at work in the facts of the entire Earth’s evolution. Human beings themselves—not to mention Saturn and the Sun—did not yet possess intellectual consciousness on the Moon, but rather a kind of dreamlike consciousness. This dreamlike consciousness gazed out at the phenomena of the world, and while possessing this dreamlike consciousness, human beings did not say to themselves: “Out there, the phenomena of the world are unfolding, and I comprehend them with my intellect”—but rather, human beings dreamed in images. Yet they perceived what we today experience as “intellect,” localized as if within our own heads, as permeating the things and facts outside. We distinguish between the laws of nature and that which within us grasps these laws of nature, and we call the latter our intellect. The human being of ancient times lived, in terms of soul consciousness, only in images, and this was indeed still the case during the earlier stages of our Earth’s development; he did not distinguish the laws of nature outside from his intellect, but nature itself possessed intellect; nature itself established its own laws. Out there, the intellect was at work. It is a stage in the development of our now independent humanity that we say: We carry reason within us, and the laws of nature exist outside of us. — For the people of prehistoric times, the sum of these laws of nature was reason.

[ 3 ] Nun haben wir ja als Erdenmenschheit bis zu einem gewissen Grade das Bewußtsein schon entwickelt, daß der Verstand in uns vorhanden ist und daß draußen eben die Naturgesetze vorhanden sind, die wir mit unserem Verstande nur auffassen. Wir berühren, indem wir auf diese Tatsache hinweisen, einen wichtigen Entwickelungsimpuls der Menschheit. Aber wir müssen uns bewußt sein, daß dieser wichtige Entwickelungsimpuls der Menschheit immer mehr und mehr aufgegriffen und noch immer mehr und mehr ausgebildet werden muß. Er ist ja im Grunde genommen heute noch nicht voll ausgebildet. Wir sagen uns zwar, wir hätten in uns den Verstand und draußen walteten die Naturgesetze; aber wir machen uns den Verstand noch nicht völlig zu eigen. Wir sind als Menschheit auf dem halben Wege stehengeblieben mit Bezug auf dieses In-uns-Aufnehmen des Verstandes, der Vernunft, der Naturgesetzlichkeit. Und gerade in unserer Zeit gehört zu denjenigen Dingen, auf die man am meisten hinsehen muß gerade vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus, diese Tatsache, die ich eben berührt habe. Wir sind heute noch außerordentlich stolz darauf, wenn wir mit Bezug auf alles das, was dem Verstande angehört, was wir als menschliches Wissen anerkennen, etwas dem Menschen Gemeinsames haben. Es gilt heute immer noch als etwas, was außerordentlich einschneidend in die ganze menschliche Naturentwickelung ist, daß die Wissenschaft gewissermaßen wie ein allgemein über der Menschheit Schwebendes ausgebildet werden soll, und daß die Menschen, indem sie sich der Wissenschaft widmen, gewissermaßen ihre Individualität zum Opfer bringen sollen, daß sie denken sollen, wie halt «jedermann» denkt. Das ist ein Ideal namentlich unserer öffentlichen Lehranstalten, eine Wissenschaft, die ganz unpersönlich, die ganz unindividuell ist, auszubilden, diese Wissenschaft zu etwas zu machen, demgegenüber man möglichst wenig «Ich» sagt und möglichst viel «man» sagt: man hat dieses oder jenes gefunden, man muß dieses oder jenes für wahr halten! — Und das Ideal gerade der offiziellen Vertreter der Wissenschaft heute wäre ja wohl dieses, daß man die einzelnen Dozenten eigentlich nicht sehr unterscheiden könnte — höchstens in bezug auf das Temperament —, wenn man von einer Hochschule an eine sehr entfernte andere Hochschule hinkommt. Es würde geradezu als ein Ideal gelten, wenn man, sagen wir, einen Botanikvortrag irgendwo im Norden anhören könnte, dann mit einem raschen Ballon nach dem Süden fliegen könnte, dort die Fortsetzung dieses Vortrages hören könnte und er ganz dem entsprechen würde, was «man» eben in der Botanik weiß! Etwas ganz Unpersönliches, Unindividuelles, das ist dasjenige, was man auf diesem Gebiete als das Richtige betrachtet, und man hat eine greuliche Angst davor, daß irgendwie etwas Persönliches in dieses Wissen, in dieses Werk des menschlichen Verstandes hineinziehen könnte. Gerade auf diesem Gebiete gilt das Nivellieren der ganzen menschlichen Kultur am allermeisten. Man ist stolz darauf, nur ja nicht abzuweichen von dem, was ein für allemal in einer gewissen Weise formuliert ist. Also man möchte dasjenige, was Wissenschaft ist, vom Menschen absondern. Man sondert es ja auch noch in mancher anderen Beziehung vom Menschen ab. Dafür können Beispiele angeführt werden. Denken Sie sich nur einmal, wie heute die meisten Menschen, die sich in offizieller Weise am wissenschaftlichen Leben beteiligen, ihre Dissertationen, ihre Privatdozentenbücher, ihre Professoren-Kandidaturbücher und so weiter schreiben. Sie sind ja möglichst wenig dabei und sie rechnen möglichst wenig damit, daß diese Bücher nun etwa ganz allgemein gelesen würden. Sie werden geschrieben; aber kaum lesen sie diejenigen, die sie in dem betreffenden Kollegium zu prüfen haben, sondern höchstens einer liest sie notdürftig und sagt dann den anderen, was sie davon zu halten haben. Denn die Wissenschaft ist ja etwas, worüber «man» denkt, nicht einer persönlich, und dann werden sie in den Bibliotheken aufgespeichert. Wenn irgend jemand wieder einmal etwas Ähnliches schreibt, sieht er sich die Bibliothekkataloge an und sieht nach, wo er irgendwie etwas findet, was er berücksichtigen muß, und dann wird das wieder aufgespeichert, geht möglichst wenig an das IndividuellPersönliche heran. Es ist ja das alles abgesondert. In den Bibliotheken wuchert Unzähliges, was gar nicht irgendwie persönlich interessiert. Das ist im Grunde genommen ein schrecklicher Zustand. Aber das noch Schrecklichere ist, daß die Menschen das eigentlich gar nicht spüren, sich völlig beruhigt dabei fühlen, daß sie selber gar nichts zu wissen brauchen, denn in den Bibliotheken kann man ja alles finden, wenn man nur das betreffende Schlagwort in den Katalogen aufsuchen kann. Da ruhen die Dinge. Die Menschen gehen aber neben der Wissenschaft, die so etwas Allgemeines ist, einher. Es würde allerdings diese Wissenschaft anders ausschauen müssen, wenn die Menschen sie in ihren Köpfen und nicht in den Stellagen der Bibliotheken aufbewahren würden.

[ 3 ] Now, as the human race on Earth, we have already developed, to a certain extent, the awareness that we possess reason and that the laws of nature exist outside of us, which we can only comprehend through our reason. By pointing out this fact, we are touching upon an important impulse for humanity’s development. But we must be aware that this important impulse for humanity’s development must be taken up more and more and developed even further. After all, it is not yet fully developed today. We tell ourselves, to be sure, that we possess reason within us and that the laws of nature prevail outside; but we have not yet fully made reason our own. As humanity, we have come to a standstill halfway along the path with regard to this internalization of reason, rationality, and the laws of nature. And especially in our time, this fact I have just touched upon is among the things that require the most attention, particularly from the standpoint of spiritual science. We are still extraordinarily proud today when, with regard to everything that belongs to reason—what we recognize as human knowledge—we share something in common as human beings. It is still regarded today as something that has an extraordinarily profound impact on the entire development of human nature: that science should, as it were, be developed as something hovering universally above humanity, and that people, by devoting themselves to science, should, as it were, sacrifice their individuality—that they should think the way “everyone” thinks. This is an ideal, particularly of our public institutions of higher education: to cultivate a science that is entirely impersonal, entirely devoid of individuality; to make this science into something in which one says “I” as little as possible and “one” as much as possible: “one” has discovered this or that; “one” must accept this or that as true! — And the ideal of today’s official representatives of science, in particular, would surely be that one could not really distinguish between individual professors—at most in terms of temperament—when moving from one university to another very far away. It would be considered nothing short of an ideal if one could, say, attend a botany lecture somewhere in the north, then take a quick hot-air balloon ride south, hear the continuation of that lecture there, and find that it corresponded exactly to what “one” currently knows in botany! Something entirely impersonal, non-individual—that is what is regarded as correct in this field, and there is a dreadful fear that something personal might somehow creep into this knowledge, into this work of the human intellect. It is precisely in this field that the leveling of the entire human culture applies most of all. People take pride in never, under any circumstances, deviating from what has been formulated once and for all in a certain way. So they want to separate what science is from the human being. Indeed, they separate it from the human being in many other respects as well. Examples of this can be cited. Just imagine for a moment how most people today who participate officially in scientific life write their dissertations, their private lecturer theses, their applications for professorship, and so on. They put as little of themselves into them as possible and expect as little as possible that these books will be read by the general public. They are written; but those who are supposed to examine them in the relevant academic body hardly ever read them—at most, one person skims them and then tells the others what to make of them. For science is, after all, something that “one” thinks about, not an individual personally, and then these works are stored away in libraries. When someone writes something similar again, they look through the library catalogs to see where they might find something they need to take into account, and then it gets stored away again, touching as little as possible on the individual and personal. It’s all separated off, after all. Countless items proliferate in the libraries that aren’t of any personal interest whatsoever. That is, fundamentally, a terrible state of affairs. But what’s even more terrible is that people don’t actually sense this at all; they feel completely at ease with the idea that they themselves don’t need to know anything, because you can find everything in the libraries if you can just look up the relevant keyword in the catalogs. That’s where things rest. Yet people walk hand in hand with science, which is something so general. However, this science would have to look different if people kept it in their minds rather than on the shelves of libraries.

[ 4 ] Das ist dasjenige, was einem, ich möchte sagen, wie durch ein paar Löcher hindurch — denn man könnte vieles nach dieser Richtung hin anführen — einen Hinweis gibt, wie die allgemeine Verstandeskultur in der heutigen Menschheit noch unindividuell, unpersönlich ist, wie die Menschen sie als etwas, was ein Wolkendasein über einem führt, haben möchten. Dasjenige aber, was Menschen hervorbringen, das gehört nicht nur den Menschen, das gehört dem Weltall an. Deshalb habe ich gesagt, wir müssen, um zu einer fruchtbaren Betrachtung zu kommen, den Menschen im Zusammenhange mit seinem Planeten und dann ja auch wiederum den Planeten im Zusammenhange mit dem ganzen Weltenall betrachten.

[ 4 ] This is what, I would say, as if through a few holes—for one could cite many examples along these lines—gives us an indication of how the general culture of the intellect in humanity today is still unindividual and impersonal, how people would like to have it as something that hovers like a cloud above them. But what human beings bring forth does not belong only to human beings; it belongs to the universe. That is why I have said that, in order to arrive at a fruitful perspective, we must view human beings in relation to their planet and, in turn, the planet in relation to the entire universe.

[ 5 ] Was der Mensch also hervorbringt, worauf er seinen Verstand anwendet, damit kann er in zweifacher Weise verfahren. Er kann auf der einen Seite diesen Verstand anstrengen, Wissenschaften auszubilden, die dann alle ins «man denkt», «man weiß», «man ist zu diesen und jenen Fortschritten gekommen» einmünden; dann schreibt man das in Bücher, dann speichert man das auf, dann ist das die Wissenschaft, über die so die Generationen hinwegwachsen; und die Menschen können bei einem solchen Betrieb des Verstandes vertrocknen. Sie können es so machen, daß sie dasjenige, was sie eigentlich interessant finden, in manchem anderen suchen, nur ja nicht in dem, was ja ohnedies Unwahrheit ist, objektiv von Persönlichem unberührte Unwahrheit, die objektiv in Bibliotheken aufbewahrt wird; sie können es so machen, daß sie das nun ja nicht berühren, Man hat ja Gelehrtenversammlungen gekannt, welche in ihrer Terminologie das Wort hatten vom Fachsimpeln. Es galt als etwas Minderwertiges, wenn man nach den offiziellen Reden sich über die einzelnen Dinge der Wissenschaft unterhielt etwa in kleinen Zirkeln und dergleichen. Da sprach man allerlei andere Allotria, die jedenfalls ganz fernlagen demjenigen, was eigentlich die wissenschaftlichen Angelegenheiten waren. Und diejenigen, die die Schwäche hatten, von ihrer Wissenschaft etwas begeistert zu sein, und die dann etwa anfingen, sagen wir, beim Tee oder beim schwarzen Kaffee von dem oder jenem philologischen oder sonstigen Thema zu sprechen, waren eben die Leute, die «Fachsimpelei» trieben, das waren diejenigen, die man nicht ganz ernst nahm, die keinen weltmännischen Geist hatten.

[ 5 ] So whatever a person produces—whatever he applies his intellect to—he can approach it in two ways. On the one hand, they can exert this intellect to develop sciences, all of which then lead to “one thinks,” “one knows,” “one has made such and such progress”; then this is written down in books, then it is recorded, and then this becomes the science through which generations grow up; and people can wither away in the course of such an exercise of the intellect. They can approach it by seeking what they actually find interesting in various other things—just not in what is, after all, untruth: an untruth objectively untouched by the personal, which is objectively preserved in libraries; they can go about it by not touching on that at all; after all, one has known scholarly gatherings that used the term “shop talk” in their terminology. It was considered somewhat inferior to discuss the individual topics of science in small circles or the like after the official speeches. There, people talked about all sorts of other nonsense that was, in any case, quite far removed from what actually constituted scientific matters. And those who had the weakness of being somewhat enthusiastic about their field of study, and who then began—say, over tea or black coffee—to discuss this or that philological or other topic, were precisely the people who engaged in “shop-talk”; they were the ones who weren’t taken entirely seriously, who lacked a worldly spirit.

[ 6 ] Es trat mir einmal in einer ganz eigenartigen Weise entgegen, dieses Unpersönliche gegenüber der Wissenschaft. Ich war einmal bei einer Versammlung, bei welcher Helmholtz einen Vortrag hielt. Bei diesem Vortrag, der wörtlich abgelesen war von Helmholtz und der bereits längst im Drucke war, als er abgelesen wurde, hörten die Leute so zu, wie man eben bei einem solchen Vortrag, nun, zuhört. Nach dem Vortrag kam zu mir ein Journalist, der sagte: Wozu eigentlich das? Das brauchte man ja gar nicht. Wer das will, kann ja einen solchen Vortrag dann lesen, wenn er gedruckt wird; warum soll er einem auch noch vorgelesen werden? Es wäre doch viel gescheiter, wenn Helmholtz einfach im Auditorium herumginge und jedem die Hand reichte; das wäre ja doch viel mehr, da wäre doch viel mehr damit getan. — Das ist so richtig ein Beispiel für das Fremdsein gegenüber demjenigen, was da eigentlich als Wissenschaft so unpersönlich «herumfliegt». Dabei vertrocknen selbstverständlich die Leute. Das ist die eine Art, wie man die Verstandeskultur erfassen kann.

[ 6 ] I once encountered this impersonal attitude toward science in a very peculiar way. I was once at a gathering where Helmholtz was giving a lecture. During this lecture—which Helmholtz read verbatim from a text that had already been in print for quite some time by the time he delivered it—the audience listened in the way one simply listens to such a lecture. After the lecture, a journalist came up to me and said: “What was the point of that, really? There was no need for it at all. Anyone who wants to can just read a lecture like that once it’s published; why should it be read aloud to them as well? It would be much smarter if Helmholtz simply walked around the auditorium and shook everyone’s hand; that would be so much more—it would accomplish so much more.” — That’s such a perfect example of the alienation from what actually “floats around” so impersonally as science. And of course, people wither away in the process. That’s one way to grasp the culture of the intellect.

[ 7 ] Die andere Art ist diese, daß man sich für alle Einzelheiten interessiert, daß das Gemüt Feuer fängt und die Wissenschaft belebt, daß es sie umschmelzt in lebendige Begriffe, daß alles dasjenige, was wir begreifen, erfassen, geradezu in Empfang genommen wird von innerlichem Gemütsleben. So kann man alles das, was die Wissenschaft gibt, wirklich mit innerem Feuer durchdringen, so kann man, indem man die einzelnen Wissenschaften erfaßt, allmählich eindringen in das ganze Weltendasein, so kann man etwas gestalten, was jedes Menschen, der es betreibt, ureigenste persönliche Angelegenheit wird. Das ist das andere. Und das alles, was da getrieben wird auf der einen Seite, ist unpersönlich, abgesondert vom Menschen im Grunde genommen. Am liebsten möchten da die Menschen Automaten für den wissenschaftlichen Betrieb erfinden, so daß sie nichts mehr mit ihren eigenen Köpfen zu bedenken hätten, dann wären sie vielleicht produzierend ohne sie. Das aber, was geschieht aus vollem, herzhaftem Betreiben der Wissenschaft heraus, das sind ja nicht nur Angelegenheiten der Menschheit, das sind Angelegenheiten des ganzen Planeten und damit des ganzen Weltenalls. Denn dasjenige, was der Mensch tut, indem er denkt, indem er irgend etwas in seinem Kopfe verstandesmäßig ausbildet, das ist ein Geschehnis genau ebenso, wie wenn ein Wasser aus einer Quelle den Strom hinunter zum Meere fließt, oder wie wenn es verdunstet oder wenn es regnet. Was da äußerlich materiell geschieht im Regen, was geschieht, wenn die Pflanze sprießt und so weiter, das sind Ereignisse der einen Art. Was durch den Menschen geschieht, sind Ereignisse der anderen Art. Es ist nicht bloß eine menschliche Angelegenheit, es ist eine Angelegenheit des ganzen Planeten. Und das ist gerade die Aufgabe des Menschen in seiner Entwickelung auf der Erde, daß er den Verstand, der früher allgemein über das Planetarische ausgegossen war, daß er diesen Verstand in sich hereinnimmt, daß er ihn mit sich vereinigt. Also, es ist ein Entwickelungsimpuls des Menschen, daß er das Wissen zu seiner persönlichen Angelegenheit macht, daß er es durchziehen kann mit Enthusiasmus, daß es in ihn übergehen kann, so daß es ergriffen wird von seinem herzhaften Feuer. Und wenn das letztere nicht geschieht, wenn er das Wissen [nur] in unpersönlicher Weise aufspeichert, so geschieht etwas nicht, was im Sinne der Erdenentwickelung geschehen soll. Es wird nicht das Gemüt der Menschheit ergriffen von der Verstandeskultur. Die Verstandeskultur entwickelt sich gewissermaßen nur in dem Kopf und schwebt zu weit ab von der Oberfläche der Erde bloß in den Köpfen; sie entwickelt sich nur in den Köpfen und sollte heruntersinken bis in die Herzen. Aber es warten auf dasjenige, was also von den Herzen nicht erfangen wird, was also von dem Gemüte des Menschen nicht ergriffen wird, es warten auf das die luziferischen Geister. Und dasjenige, auf das so warten die luziferischen Geister, das können sie in Empfang nehmen, wenn es in dieser Weise unpersönlich über die Erde hinschwebt. Denn die einzige Möglichkeit, dasjenige, was Verstandeswelt ist, den luziferischen Geistern zu entreißen, ist, es mit dem Gemüte zu durchdringen, es zur persönlichen Angelegenheit zu machen. Und was in unserer Zeit geschieht, was seit langem geschieht und was anders werden muß, das ist eben, daß wir das irdische Dasein auf dem Umwege durch die kalte, nüchterne Verstandestrockenheit zur Beute werden lassen der luziferischen Welt. Dadurch wird die Erde aufgehalten in ihrer Entwickelung, dadurch wird die Erde zurückgehalten auf einem früheren Standpunkte. Sie kommt nicht zu ihrem Ende. Und wenn die Menschen lange, lange fortbetreiben das Unpersönliche der sogenannten Wissenschaft, dann wird die Folge diese sein, daß die Menschen ihre Seelenhaftigkeit überhaupt verlieren. Diese unpersönliche Wissenschaft ist die Mörderin des menschlichen Seelenhaften und Geisteshaften; sie vertrocknet den Menschen, sie dörrt ihn aus. Sie macht zuletzt aus der Erde dasjenige, was man nennen kann einen toten Planeten mit automatenhaften Menschen darauf, die ihr GeistigSeelisches auf diesem Wege verlieren. Auch da muß man sagen: Die Dinge müssen schon ernst betrachtet werden. Es darf nicht zugeschaut werden diesem kosmischen Mord durch den abstrakten Betrieb, den unpersönlichen Betrieb des Wissens auf der Erde. Das ist das eine.

[ 7 ] The other approach is this: to take an interest in every detail, to let the mind catch fire and breathe life into science, to transform it into living concepts, so that everything we comprehend and grasp is truly received by our inner life of the mind. In this way, one can truly imbue everything that science offers with inner fire; in this way, by grasping the individual sciences, one can gradually penetrate the whole of worldly existence; in this way, one can shape something that becomes the most deeply personal concern of every person who pursues it. That is the other approach. And everything that is being pursued on the one hand is, in essence, impersonal and separate from human beings. People would most like to invent machines for scientific work, so that they would no longer have to think for themselves; then they might be productive without actually thinking. But what arises from the full, wholehearted pursuit of science—these are not merely matters of humanity; they are matters of the entire planet and thus of the entire universe. For what a person does—by thinking, by intellectually forming something in their mind—is an event just as much as when water flows from a spring down a river to the sea, or when it evaporates, or when it rains. What happens outwardly and materially in the rain, what happens when a plant sprouts, and so on—these are events of one kind. What happens through human beings are events of a different kind. It is not merely a human affair; it is a matter concerning the entire planet. And this is precisely the task of human beings in their development on Earth: to take into themselves the intellect that was previously spread out over the planetary realm, to unite it with themselves. Thus, it is an impulse in human development for a person to make this knowledge a personal matter, to carry it out with enthusiasm, so that it may pass into them and be seized by the fire of their heart. And if the latter does not happen—if humanity [merely] stores knowledge in an impersonal way—then something that is meant to happen in the context of Earth’s evolution does not take place. The culture of the intellect does not capture the heart of humanity. Intellectual culture develops, so to speak, only in the head and hovers too far above the surface of the Earth, existing merely in the heads; it develops only in the heads and ought to descend into the hearts. But what is not grasped by the hearts—what is not taken up by the human soul—is what the Luciferic spirits are waiting for. And that which the Luciferic spirits thus await—they can receive it when it hovers over the earth in this impersonal way. For the only way to wrest what belongs to the world of the intellect from the Luciferic spirits is to permeate it with the soul, to make it a personal matter. And what is happening in our time—what has been happening for a long time and what must change—is precisely that we are allowing earthly existence, through the detour of cold, sober intellectual aridity, to fall prey to the Luciferic world. This holds back the Earth’s development; this keeps the Earth stuck at an earlier stage. It does not reach its fulfillment. And if people continue to pursue the impersonal nature of so-called science for a long, long time, the consequence will be that they lose their soulfulness altogether. This impersonal science is the murderer of the human soul and spirit; it withers the human being, it dries them up. Ultimately, it will turn the Earth into what one might call a dead planet, inhabited by automaton-like human beings who lose their spiritual and soul aspects in this way. Here, too, it must be said: these matters must be taken seriously. We must not stand by and watch this cosmic murder being committed through the abstract, impersonal pursuit of knowledge on Earth. That is one thing.

[ 8 ] Das andere ist das menschliche Begehrensvermögen. Das ist dasjenige, was mit dem Willensmäßigen im Menschen zusammenhängt. Was mit dem Willensmäßigen im Menschen zusammenhängt, kann wiederum zwei Wege gehen. Der eine Weg ist der, daß dieses Willensmäßige sich möglichst unter Gebote oder Staatsgesetze und dergleichen unterordnet und sich fügt dem, was die allgemeinere Gesetzmäßigkeit ist, so daß die allgemeine Gesetzmäßigkeit da ist und daneben nur das rein instinktmäßige Begehren der Menschen.

[ 8 ] The other is the human capacity for desire. This is what is connected to the volitional aspect of human nature. What is connected to the volitional aspect of human nature can, in turn, take two paths. One path is for this volitional aspect to subordinate itself as much as possible to commandments, state laws, and the like, and to conform to what constitutes the more general law, so that the general law prevails and, alongside it, there is only the purely instinctive desire of human beings.

[ 9 ] Der andere Weg ist, daß sich dasjenige, was im Menschen als Begehrensvermögen sich spiegelt, was als Willensfähigkeit vorhanden ist, daß sich das allmählich heraufhebt zum reinen Denken, in Freiheit sich auslebt individuell, so daß es sich ins soziale Leben in Liebe ergießt. Es ist diejenige Art des Auslebens des Willens und des Begehrungsvermögens, wie ich sie geschildert habe in der «Philosophie der Freiheit». Da habe ich gezeigt, wie dasjenige, was allgemeine menschliche Gesetzmäßigkeit ist, hervorgehen muß aus jeder menschlichen Individualität und daß, wenn dasjenige, was aus der menschlichen Individualität hervorgeht, sich erhebt bis zum reinen Denken, daß dann durch das Zusammenstimmen dessen, was die Menschen tun, die soziale Ordnung entsteht. Die Menschen fürchten sich vor aller sozialen Ordnung, welche konstituiert wird dadurch, daß aus dem Individuellen heraus ein jeder Mensch sich [selbst] die Richtung gibt. Sie möchten organisieren, was die Menschen wollen sollen. Sie möchten «kategorische Imperative» an die Stelle der aus jedem Menschen heraus wirkenden Liebe setzen. Dadurch aber, daß solche abstrakten Gebote bestehen — seien sie nun Gebote nach dem Muster des Dekalog, seien sie Gesetze irgendwelcher Einheitsstaaten —, dadurch, daß solche Gebote bestehen, machen sich aus dem Individuellen des Menschen heraus nur geltend die instinktmäßigen Begierden, jene Begierden, die wir besonders heute aufleben sehen und die im Grunde genommen das einzige soziale Ingredienz der gegenwärtigen Zeit geworden sind. Wiederum ist das, was im Menschen dadurch geschieht, daß er seinen Willen nicht bis zum Individuellen gestaltet, ihn nicht erhebt zum reinen Denken, wiederum ist das nicht bloß etwas, was den Menschen allein angeht, sondern den ganzen Planeten und damit den Kosmos. Und auf das, was da geschieht, indem sich nicht der menschliche Wille individuell gestalten kann, auf das warten gierig die ahrimanischen Geister. Das eignen sie sich an, diese ahrimanischen Geister, und sie verwenden alles, was an nicht zur Liebe entfalteten Begierden im Menschen lebt, willensmäßig lebt, sie verwenden es so, daß sie es übertragen auf individuelle dämonische Wesenheiten. So wie mehr allgemeine Wesenheit entsteht durch dasjenige, was die über der Menschheit schwebende Verstandestätigkeit ist, so entstehen ganz individuell gestaltete dämonische Wesenheiten aus dem nicht in Liebe umgesetzten Begehrungsvermögen der einzelnen Individualitäten. Und es müßte, wenn nicht eine individuelle Gestaltung des freiheitlichen Zusammenlebens in der sozialen Ordnung angestrebt würde, sich die Erde erfüllen mit denjenigen Wesenheiten, die dann individuell wären, aber die ein ahrimanisch-geisterhaftes Dasein führen und die der Erde nehmen würden die Möglichkeit, sich in die nächste planetarische Metamorphose, in die Jupitermetamorphose hinein zu verwandeln. Schematisch gezeichnet würde das etwa so sein, daß die abstrakte Verstandesmäßigkeit ausbilden würde unseren Planeten (siehe Zeichnung links) nach der einen Seite, ihn nicht zur Vollendung kommen lassen würde, und dasjenige, was aus dem nicht in Liebe umgesetzten Willen entsteht, das würde auf der anderen Seite (rechts) lauter individuelle Wesenheiten gestalten. Schematisch ist damit gezeichnet, was heute jemand, der hineinsieht in die Anfänge einer den richtigen Entwickelungsvorgang des Erdenplaneten untergrabenden Zivilisation, sehen kann als dasjenige, was sich gestaltet, wenn diejenigen Impulse, die jetzt so stark ersprießen in der westlichen Welt, ihren ungehemmten Fortgang nehmen, und was sich so stark entwickelt in der östlichen Welt (siehe Zeichnung), was da liegt, als bloß aus der menschlichen Subjektivität hervorgehend, in der in die Dekadenz gekommenen Staatskultur; das ist eigentlich dasjenige, was nach individuellen Dämonen hin die Erdenentwickelung gestalten will. Was sich im Westen entwickelt, das ist das, was in ein allgemeines Verstandesmäßiges hineinsegeln und die Menschen allmählich zu Automaten machen will.

[ 9 ] The other path is for that which is reflected in human beings as the capacity for desire—that which exists as the capacity for will—to gradually rise to the level of pure thought, to express itself freely and individually, so that it flows into social life through love. This is the kind of expression of the will and the capacity for desire that I have described in *The Philosophy of Freedom*. There I showed how what constitutes universal human law must emerge from every human individuality, and that when what emerges from human individuality rises to the level of pure thought, social order arises through the harmonization of what people do. People fear any social order that is constituted by each individual setting their own course. They wish to organize what people are supposed to want. They wish to substitute “categorical imperatives” for the love that arises from within each person. But because such abstract commandments exist—whether they be commandments modeled on the Decalogue or the laws of any unitary state—because such commandments exist, only instinctual desires assert themselves from within the individual; those desires that we see reviving especially today and that, in essence, have become the sole social ingredient of the present age. Again, what happens within human beings as a result of their failure to shape their will up to the level of the individual, to elevate it to pure thinking—this, too, is not merely a matter concerning human beings alone, but the entire planet and thus the cosmos. And the Ahrimanic spirits eagerly await what happens when the human will cannot take on an individual form. These Ahrimanic spirits appropriate this, and they utilize everything in human beings that consists of desires not developed into love—desires that live through the will—and they use it in such a way that they transfer it to individual demonic beings. Just as a more general entity arises from the intellectual activity that hovers above humanity, so do entirely individually shaped demonic entities arise from the capacity for desire within individual personalities that has not been transformed into love. And if we did not strive for an individual form of free coexistence within the social order, the Earth would become filled with beings who, while individual, would lead an Ahrimanic, spirit-like existence and would deprive the Earth of the possibility of transforming itself into the next planetary metamorphosis—the Jupiter metamorphosis. Schematically, this would look something like this: on the one hand, abstract intellectual rationality would shape our planet (see diagram on the left), preventing it from reaching completion; and on the other hand (right), that which arises from will not transformed through love would give rise to a multitude of individual entities. This diagram illustrates what someone today, looking into the beginnings of a civilization that is undermining the proper developmental process of the Earth, can see as what will take shape if the impulses now sprouting so strongly in the Western world are allowed to proceed unchecked, and what is developing so strongly in the Eastern world (see drawing)—that which lies there, arising merely from human subjectivity, within the state culture that has fallen into decadence; this is actually what seeks to shape Earth’s evolution toward individual demons. What is developing in the West is that which seeks to sail into a general intellectual realm and gradually turn people into automatons.

[ 10 ] Diese Dinge sind deutlich wahrzunehmen, wenn auch erst in den Anlagen jener Automaten, die heute schon teilweise — ich sage vollbewußt «teilweise», denn sie sind allerdings noch etwas sehr Individuelles — vorhanden sind. Mit Bezug auf vieles kann man ja den Automatismus schon sehen. Aber etwas ist in diesen Automaten noch immer in einer sehr individuellen Weise vorhanden, nämlich etwas, was da noch zu bemerken ist wie so ein Anhängsel an jedem dieser einzelnen Automaten, ein Anhängsel, in dem es, wenn die Dinge nicht gerade in Banknoten umgewandelt sind, nach Gold und Silber klingt. Aber der allgemeine Automatismus würde schon dahin wirken, daß auch die individuellen Geldtaschen zu allgemeinen kommunistischen Geldtaschen würden.

[ 10 ] These things can be clearly perceived, albeit only in the mechanisms of those automatons that already exist today—in part; I say “in part” quite deliberately, for they are indeed still something very individual. In many respects, one can already see the automatism at work. But there is still something present in these machines in a very individual way, namely something that can still be noticed there as a sort of appendage to each of these individual machines—an appendage that, when things are not actually converted into banknotes, resonates with gold and silver. But the general automatism would already have the effect of turning even the individual wallets into general communist wallets.

[ 11 ] Das ist aber dasjenige, was nicht allein betrachtet werden muß heute mit bloßen Sympathien und Antipathien, sondern mit jenem Blick, der das Weltgeschehen durchschaut, der das, was unter den Menschen geschieht, im Zusammenhange mit dem kosmischen Geschehen betrachten kann. Wenn man die Dinge so anschaut, wird man sich sagen: Es ist an die Menschen gegeben, den Planeten in seiner Entwickelung weise vorwärtszubringen. — Es droht diese besondere Art des Daseins, wie es hier schematisch angedeutet ist, der Menschheit, wenn die Menschheit nicht versucht, das Wissen zur Weisheit umzuwandeln, was nur dadurch geschehen kann, daß sich der Mensch für das Wissen persönlich einsetzt, daß er es persönlich in sich aufnimmt und daß er es wieder verbindet mit demjenigen, was auf dem Umwege der Liebe zur allgemeinen Menschheitsangelegenheit wird aus dem individuellen Begehrensvermögen heraus. Mit einem starken Einschlag von innerlichem Verständnis kann man diese Dinge aufnehmen durch die Geisteswissenschaft. Im Grunde genommen zeigt sich das heute ja so in dem, was, ich möchte sagen, als kosmisches Symbolum stehengeblieben istim Mond.

[ 11 ] But this is precisely what must not be viewed today solely through the lens of mere likes and dislikes, but rather with a perspective that sees through world events—one that can view what happens among human beings in the context of cosmic events. When one views things in this way, one will say to oneself: It has been entrusted to human beings to wisely advance the planet in its evolution. — This particular form of existence, as schematically indicated here, if humanity does not attempt to transform knowledge into wisdom—which can only happen when human beings personally commit themselves to knowledge, take it in personally, and reconnect it with that which, through the circuitous path of love, becomes a matter of universal human concern arising from the individual capacity for desire. With a strong element of inner understanding, one can take these things in through spiritual science. Essentially, this is reflected today in what, I would say, has remained as a cosmic symbol in the Moon.

[ 12 ] Wenn wir den Mond in seinem ersten oder letzten Viertel haben, so haben wir in dem, was er uns in seiner Sichelform zeigt, ein Abbild desjenigen, was die Erde werden könnte; in der dunkleren Seite zeigt er ja demjenigen, der das Übersinnliche schauen kann, diese dämonischen Gestältlein, die in der nach einwärts gebildeten Biegung der Sichel sich in abscheulicher Weise bewegen. So daß man eigentlich sehr richtig spricht, wenn man sagt: Der Mensch muß durch das, was ich eben angeführt habe, die Erde bewahren vor dem Mondendasein. — Der Mond zeigt das, was die Erde werden kann, in einem kosmischen Bilde, das vor uns hingestellt ist. Und so müssen wir uns schon angewöhnen, das, was wir draußen im Kosmos sehen, auch in dieser Weise zu durchdringen mit einem innerlichen Sinn. Wir müssen den Mond so ansehen, daß wir sagen: Er weist uns etwas auf, was hingestellt ist durch die kosmische Entwickelung wie die Karikatur des Erdendaseins, wie das, was das Erdendasein werden kann, wenn der Mensch nicht verstehen lernt, das unpersönliche Wissen zu seiner persönlichen Angelegenheit zu machen, umzuglühen die individuellen Begehrungen in die Liebe, wodurch sie dasjenige werden, was im assoziativen sozialen Leben eine allgemeine Angelegenheit der ganzen Menschheit werden kann. Man kann das, was im Kosmos geschieht, besser verstehen, wenn man hinschaut auf das, was im Menschen sich vollzieht, und man kann umgekehrt dasjenige, was Menschenaufgabe ist, in der richtigen Weise sehen, wenn man die Bedingungen des Kosmos sinngemäß durchschauen kann. Dann wenden sie sich schon an auch auf dasjenige, was als Moralität, als Ethizismus in der Menschheit leben soll.

[ 12 ] When the moon is in its first or last quarter, what it reveals to us in its crescent shape is a reflection of what the Earth could become; on its darker side, it reveals to those who can perceive the supersensible these demonic little figures that move in a hideous manner within the inward curve of the crescent. So it is actually quite accurate to say: Through what I have just described, human beings must protect the Earth from a lunar existence. — The Moon reveals what the Earth can become in a cosmic image set before us. And so we must accustom ourselves to penetrating what we see out there in the cosmos in this very way with an inner sense. We must look at the Moon in such a way that we say: It points out to us something that has been set before us by cosmic evolution—like a caricature of earthly existence, like what earthly existence can become if human beings do not learn to make impersonal knowledge their personal concern, to transform individual desires into love, thereby turning them into what, in associative social life, can become a common concern of all humanity. One can better understand what happens in the cosmos by looking at what takes place within human beings, and conversely, one can properly perceive what constitutes humanity’s task by gaining a meaningful insight into the conditions of the cosmos. Then one’s attention naturally turns to that which is meant to live within humanity as morality and ethics.

[ 13 ] Die Dinge, die man spricht über Luzifer und Ahriman, sie sind wahrhaftig nicht so gemeint, daß man nur darüber theoretisieren soll, daß man nur so sprechen soll, daß eben Ahriman das ist und Luzifer das. Sondern man soll diese Begriffe nun auch so in sich aufnehmen, daß man im Grunde genommen in alledem, was um einen herum geschieht, die Wirksamkeiten der luziferischen Geister sieht, die das Erdenstadium in früheren Stadien zurückhalten möchten, und daß man in alledem, was Ahriman ist, dasjenige sieht, was das Erdenstadium zurückbehalten will, so daß es nicht weiterkommt in Zukunftsstadien hinein. Aber man muß in den Einzelheiten diese Dinge durchschauen. Man muß, ich möchte sagen, das Moralische naturgesetzlich, das Naturgesetzliche moralisch werten können. Wenn das geschieht, dann wird die große Brücke geschlagen werden zwischen der moralischen Weltanschauung und der theoretischen Weltanschauung, von welcher Brücke ich ja gerade an diesem Orte hier öfters gesprochen habe.

[ 13 ] The things that are said about Lucifer and Ahriman are certainly not meant to be merely theoretical speculations, nor are they meant to be stated simply as “Ahriman is this” and “Lucifer is that.” Rather, one should now take these concepts to heart in such a way that, in everything that happens around one, one sees the workings of the Luciferic spirits who wish to hold back the Earth stage in its earlier phases, and that in everything that is Ahriman, one sees that which seeks to hold back the Earth stage so that it does not progress into future stages. But one must see through these things in detail. One must, I would say, be able to evaluate the moral in terms of natural law and the natural law in terms of morality. When that happens, then the great bridge will be built between the moral worldview and the theoretical worldview—a bridge of which I have, in fact, spoken often right here in this very place.

[ 14 ] Unter diesem Gesichtspunkte müssen auch die Dinge betrachtet werden, die heute geschehen. Denn nur, wenn der freie Wille des Menschen eingreift in dieses Weltgeschehen, kann dasjenige angewendet werden, was heute Ihnen skizzenhaft hier angedeutet worden ist. Die weitere Erdenentwickelung ist eben durchaus Aufgabe des Menschen und der Menschheit. Das darf nicht übersehen werden. Und derjenige, der nur theoretisieren will, der zum Beispiel nur sehen will, nur hören will: Nach so und so vielen Jahrhunderten oder Jahrtausenden geschieht das —, der berücksichtigt nicht, daß wir schon in einem Zeitalter leben, in dem es der Menschheit übergeben ist, mitzuwirken an den Metamorphosen der Erdenentwickelung, daß aufgenommen werden muß in das menschliche Gemüt das, was allgemeiner Weltverstand ist, und daß hinausfließen muß aus den Menschen in der Form der allgemeinen Menschenliebe, die aber nur in reinem, freiem Denken zu erreichen ist, dasjenige, was individuell im Menschen als Begehrungsvermögen lebt.

[ 14 ] The events taking place today must also be viewed from this perspective. For only when human free will intervenes in these world events can what has been outlined here for you today be put into practice. The future development of the Earth is, after all, entirely the task of human beings and humanity. This must not be overlooked. And those who wish only to theorize—who, for example, wish only to see or hear that ‘this will happen after so many centuries or millennia’—fail to take into account that we are already living in an age in which it has been entrusted to humanity to participate in the metamorphoses of Earth’s development; that what constitutes universal world understanding must be absorbed into the human soul, and that what lives individually within human beings as the capacity for desire must flow out from them in the form of universal love for humanity—which, however, can only be attained through pure, free thinking.

[ 15 ] Damit habe ich Ihnen zwei Kulturströmungen, die vor allen Dingen wichtig sind, vor das Seelenauge hingestellt und habe damit versucht zu zeigen, wiederum von einer gewissen Seite aus, welches die Aufgabe ernst gemeinter Geisteswissenschaft ist. In solchen Bahnen liegt diese Aufgabe. Sie liegt wirklich nicht darin, daß einige ein Wohlgefühl haben an dem Wissen von diesem oder jenem, sondern sie liegt schon darin — die Aufgabe dieser ernst gemeinten Geisteswissenschaft —, daß so in die Menschheitsentwickelung eingegriffen werde, daß in der richtigen Weise aus dem Menschentum heraus das Weltgeschehen sich formt.

[ 15 ] I have thus presented to your inner eye two cultural currents that are of paramount importance, and in doing so I have attempted to show—again from a certain perspective—what the task of serious spiritual science is. This task lies along these lines. It truly does not consist in a few people deriving a sense of well-being from knowledge of this or that, but rather—the task of this serious spiritual science—in intervening in human development in such a way that world events are shaped in the right way out of humanity itself.