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Perspectives on Human Evolution
The Materialistic Impulse toward Knowledge
and the Task of Anthroposophy
GA 204

2 April 1921, Dornach

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Die Zeit der materialistischen Entwickelung liegt ja vorzugsweise in der Mitte und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Heute mag uns zunächst von dieser materialistischen Entwickelung mehr die theoretische Seite interessieren. Manches von dem, was ich heute über diese theoretische Seite sagen werde, kann aber auch in ungefähr derselben Weise für die mehr praktische Lebensseite des Materialismus gesagt werden. Allein, wie gesagt, davon wollen wir heute absehen, wir wollen mehr sehen auf dasjenige, was durch die ganze zivilisierte Welt in der Mitte und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als die materialistische Weltanschauung aufgetreten ist.

[ 1 ] The period of materialist development lies primarily in the middle and second half of the 19th century. Today, we may initially be more interested in the theoretical side of this materialist development. However, much of what I will say today about this theoretical aspect can also be said in roughly the same way about the more practical, everyday aspect of materialism. But, as I said, we will set that aside for today; we want to focus more on what emerged throughout the civilized world in the middle and second half of the 19th century as the materialist worldview.

[ 2 ] Bei einer solchen Sache handelt es sich eigentlich um ein Zweifaches. Es handelt sich erstens darum, daß wir uns klar sein müssen darüber, inwiefern so etwas wie die materialistische Weltanschauung zu bekämpfen ist, daß wir gewissermaßen in uns tragen müssen alle diejenigen Vorstellungen und Ideen, durch die wir gerüstet sein können, um die materialistische Weltanschauung als solche abzuweisen. Allein neben diesem Gerüstetsein mit der nötigen Vorstellungswelt haben wir gerade vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft aus noch etwas anderes nötig. Wir haben nötig, diese materialistische Vorstellungsweise zu verstehen, zu verstehen erstens ihrem Inhalte nach, zweitens aber auch zu verstehen, inwiefern in der Menschheitsentwickelung einmal diese extreme materialistische Weltanschauung auftreten konnte.

[ 2 ] Such a matter actually involves two aspects. First, we must be clear about the extent to which something like the materialist worldview must be combated; we must, so to speak, carry within ourselves all those concepts and ideas that equip us to reject the materialist worldview as such. However, in addition to being equipped with the necessary conceptual framework, we need something else, particularly from the perspective of spiritual science. We need to understand this materialistic way of thinking—first, in terms of its content, and second, to understand to what extent this extreme materialistic worldview could have arisen in the course of human development.

[ 3 ] Es könnte als ein Widerspruch erscheinen, daß auf der einen Seite hier gefordert wird, man müsse die materialistische Weltanschauung bekämpfen können, und auf der anderen Seite wiederum, man müsse sie verstehen können. Es ist dies für denjenigen, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, nicht in Wirklichkeit ein Widerspruch, sondern es ist nur ein scheinbarer Widerspruch. Die Sache verhält sich vielmehr so. Im Laufe der Menschheitsentwickelung müssen Momente auftreten, welche zunächst diese Menschheit in einer gewissen Weise herunterziehen, welche die Menschheit unter ein gewisses Niveau herunterbringen, damit sie sich dann durch sich selber wiederum heraufheben könne. Und es würde für die Menschheit keine Hilfe sein, wenn sie dutch irgendeinen göttlichen Ratschluß oder dergleichen davor bewahrt werden könnte, nicht die Niederungen des Daseins durchmachen zu müssen. Es ist für die Menschheit, damit sie zum vollen Gebrauche ihrer Freiheitskräfte komme, durchaus notwendig, auch in die Niederungen sowohl der Weltauffassung wie des Lebens herunterzusteigen. Und das Gefährliche liegt eigentlich nicht darin, daß zur rechten Zeit — und die war für den theoretischen Materialismus eigentlich die Mitte des 19. Jahrhunderts — so etwas auftritt, sondern das Gefährliche besteht darin, daß wenn im Laufe der normalen Entwickelung so etwas aufgetreten ist, dann daran festgehalten wird, daß dann dieses für einen gewissen Zeitpunkt Notwendige hinübergetragen wird in künftige Zeiten. Und wenn man sagen kann, daß der Materialismus in gewisser Beziehung für die Menschheit eine Prüfung war in der Mitte des 19. Jahrhunderts, die durchzumachen war, so ist es auf der anderen Seite auch wiederum richtig, daß das Festhalten an dem Materialismus jetzt einen furchtbaren Schaden bringen muß, und daß dasjenige, was wir an furchtbaren Weltkatastrophen und Menschheitskatastrophen durchmachen, eben darauf beruht, daß die Menschheit an diesem Materialismus in weiten Kreisen festhalten möchte.

[ 3 ] It might seem like a contradiction that, on the one hand, it is argued here that one must be able to combat the materialist worldview, and on the other hand, that one must be able to understand it. For those who stand on the ground of spiritual science, this is not really a contradiction, but only an apparent one. The situation is rather as follows: In the course of human development, moments must arise that initially pull humanity down in a certain way—that bring humanity below a certain level—so that it can then raise itself up again through its own efforts. And it would be of no help to humanity if it could be spared, through some divine decree or the like, from having to pass through the depths of existence. It is absolutely necessary for humanity—so that it may come to the full use of its powers of freedom—to descend into the depths of both its worldview and its life. And the danger does not actually lie in the fact that such a thing occurs at the right time—which, for theoretical materialism, was actually the mid-19th century—but rather in the fact that, once such a thing has arisen in the course of normal development, it is clung to, so that what was necessary for a certain point in time is carried over into future times. And while it can be said that, in a certain sense, materialism was a trial that humanity had to undergo in the mid-19th century, it is also true, on the other hand, that clinging to materialism now is bound to cause terrible harm, and that the terrible global and human catastrophes we are experiencing are precisely due to the fact that humanity, in large circles, wishes to cling to this materialism.

[ 4 ] Was bedeutet eigentlich der theoretische Materialismus? Er bedeutet die Anschauung, daß der Mensch zunächst der Umfang desjenigen sei, was die materiellen Prozesse seines physischen Leibes ausmacht. Der theoretische Materialismus studierte die physisch-sinnlichen Prozesse des physischen Leibes, und wenn auch zunächst dasjenige, was er in diesem Studium erreicht hat, mehr oder weniger am Anfange ist, so hat er doch die letzten Konsequenzen in bezug auf die Weltanschauungen bereits gezogen. Er hat den Menschen gewissermaßen erklärt als den Zusammenfluß dieser physischen Kräfte, er hat sein Seelisches erklärt als etwas, was nur hervorgerufen wird durch das Zusammenarbeiten dieser physischen Kräfte. Er hat aber auch eingeleitet die Untersuchung der physischen Natur des Menschen. Dieses letztere, die weitere Untersuchung der physischen Natur des Menschen, das ist dasjenige, was bleiben muß. Was das 19. Jahrhundert als Konsequenz aus dieser physischen Untersuchung gezogen hat, das ist das, was eine vorübergehende Erscheinung bleiben muß in der Menschheitsentwickelung. Aber als solche vorübergehende Erscheinung wollen wir sie zunächst einmal begreifen.

[ 4 ] What does theoretical materialism actually mean? It refers to the view that human beings are, first and foremost, the sum of the material processes that constitute their physical bodies. Theoretical materialism has studied the physical and sensory processes of the physical body, and even though what it has achieved in this study is, for the time being, more or less in its infancy, it has already drawn the ultimate conclusions regarding worldviews. It has, so to speak, explained human beings as the convergence of these physical forces, and it has explained their mental life as something that is merely brought about by the interaction of these physical forces. But he has also initiated the investigation of the physical nature of the human being. This latter endeavor—the further investigation of the physical nature of the human being—is what must endure. What the 19th century drew as a consequence from this physical investigation is what must remain a temporary phenomenon in human development. But let us first understand it as such a temporary phenomenon.

[ 5 ] Was liegt denn eigentlich da vor? Nun, wenn wir zurückblicken in die Menschheitsentwickelung und an der Hand desjenigen, was ich in der «Geheimwissenschaft im Umriß» angegeben habe, ziemlich weit zurückblicken, dann müssen wir sagen: Dieses Menschenwesen hat die verschiedensten Stadien durchgemacht. — Wir brauchen uns ja nur zu beschränken auf dasjenige, was das Menschenwesen im Laufe der Erdenentwickelung selber durchgemacht hat, und wir werden uns sagen müssen: Dieses Menschenwesen ging im Verlauf der Erdenentwickelung von einer allerdings im Verhältnis zu seiner heutigen Gestaltung primitiven Bildungsform aus, wandelte dann diese Bildungsform um und kam immer näher und näher derjenigen Gestalt, die eben der Mensch heute hat. Solange man im groben der menschlichen Gestaltung bleibt, so lange wird man, wenn man das geschichtliche Dasein des Menschen verfolgt, die Unterschiede nicht so außerordentlich groß finden. Wer etwa nach den Mitteln, die für die äußere Geschichte vorhanden sind, die Gestalt eines alten Ägypters oder selbst eines alten Inders vergleichen will mit der Gestaltung eines Menschen der heutigen europäischen Zivilisation, der wird nur verhältnismäßig kleine Unterschiede finden, wenn er eben durchaus im gröberen der Betrachtung bleibt. In bezug auf dieses gröbere der Betrachtung treten ja die großen Unterschiede gegenüber den primitiven Bildungsformen, die der Urmensch gehabt hat, erst hervor in den Zeiten, die weit hinter den geschichtlichen zurückliegen. Aber wenn wir ins feinere hineingehen, wenn wit in das hineingehen, was sich allerdings den äußeren Blicken verbirgt, dann gilt das nicht mehr, was ich eben gesagt habe, dann muß man durchaus sagen: Zwischen dem Organismus eines heutigen Zivilisationsmenschen und dem Organismus eines alten Ägypters oder selbst eines alten Griechen oder Römers ist ein großer, ein bedeutsamer Unterschied. Und wenn auch die Umwandlung in viel feinerer Weise sich vollzogen hat in geschichtlichen Zeiten, so hat sie sich eben doch in bezug auf alle feinere Gestaltung des menschlichen Organismus vollzogen. Und was sich da vollzogen hat, das hat eine gewisse Kulmination, einen gewissen Höhepunkt erreicht in der Mitte des 19. Jahrhunderts. So paradox es klingt, es ist durchaus so, daß in bezug auf seine innere Formung, in bezug auf dasjenige, was der menschliche Organismus überhaupt werden kann, der Mensch um die Mitte des 19. Jahrhunderts am vollkommensten war, und daß gerade seit jener Zeit eine Art Dekadenz wiederum eintritt, daß der menschliche Organismus in Rückverwandlung begriffen ist. Daher war es auch in der Mitte des 19. Jahrhunderts so, daß namentlich diejenigen Organe am vollkommensten ausgebildet waren, welche als die physischen Organe der Verstandestätigkeit dienen.

[ 5 ] What exactly are we dealing with here? Well, if we look back at human evolution—and, based on what I have outlined in An Outline of Esoteric Science, look back quite far—then we must say: This human being has gone through the most diverse stages. — We need only limit ourselves to what the human being has undergone in the course of Earth’s evolution, and we will have to conclude: In the course of Earth’s evolution, this human being began with a form of development that was indeed primitive in relation to its present form, then transformed this form of development, and came closer and closer to the form that human beings have today. As long as one remains within the broad outlines of human form, one will not find the differences to be exceptionally great when tracing the historical existence of humankind. For example, anyone who, using the sources available for external history, wishes to compare the form of an ancient Egyptian or even an ancient Indian with that of a person from today’s European civilization will find only relatively minor differences if they remain strictly within the broader scope of observation. In terms of this broader perspective, the major differences compared to the primitive forms of development that early humans possessed only become apparent in times that lie far beyond the historical record. But when we delve into finer details—when we examine what is indeed hidden from outward view—then what I have just said no longer applies; then one must certainly say: There is a great, significant difference between the organism of a modern civilized human being and that of an ancient Egyptian or even an ancient Greek or Roman. And even though this transformation took place in a much more subtle way during historical times, it did indeed occur with regard to all the finer aspects of the human organism. And what took place there reached a certain culmination, a certain peak, in the middle of the 19th century. As paradoxical as it may sound, it is indeed the case that, in terms of its inner formation—in terms of what the human organism is capable of becoming—human beings were at their most perfect around the middle of the 19th century, and that precisely since that time a kind of decadence has set in once again, with the human organism undergoing a process of regression. Consequently, it was also the case in the mid-19th century that those organs which serve as the physical organs of intellectual activity were the most fully developed.

[ 6 ] Was wir den menschlichen Verstand, den menschlichen Intellekt nennen, das braucht ja physische Organe. Diese physischen Organe waren in früheren Zeiten bei weitem weniger ausgebildet, als sie es in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren. Es ist durchaus so, daß dasjenige, was wir zum Beispiel am Griechen, was wir selbst an solchen vollendeten Griechen bewundern, wie Plato oder Aristoteles es waren, darauf beruht, daß diese Griechen nicht so vollkommene Denkorgane im rein physischen Sinne hatten, wie die Menschen des 19. Jahrhunderts sie hatten. Je nachdem man den Geschmack dazu hat, kann man sagen: Gott sei’s gedankt, daß die Menschen der Griechenzeit nicht so vollkommene Denkorgane hatten wie die Menschen des 19. Jahrhunderts! — Ist man aber ein Nüchterling des 19. Jahrhunderts selber und will man diese Nüchterlingheit beibehalten, dann kann man sagen: Die Griechen waren eben Kinder, die haben noch nicht jene vollkommenen Denkorgane gehabt, die der Mensch des 19. Jahrhunderts hat, und man muß daher mit einer gewissen Nachsicht auf das herunterschauen, was Plato und Aristoteles zutage gefördert haben. — Gymnasiallehrer tun das oftmals, indem sie sich ungeheuer erhaben fühlen in der Kritik über Plato und Aristoteles. Aber verstehen wird man das, was ich jetzt eben angedeutet habe, nur dann vollkommen, wenn man sich bekanntgemacht hat mit Menschen, die es ja auch gibt, welche bis zu einem gewissen Grade eine Art Schauvermögen haben, dasjenige, was man, im besten Sinne des Wortes, eine Art hellseherisches Bewußtsein nennen kann.

[ 6 ] What we call the human mind, the human intellect, requires physical organs. In earlier times, these physical organs were far less developed than they were in the mid-19th century. It is certainly true that what we admire, for example, in the Greeks—even in such consummate Greeks as Plato or Aristotle—is based on the fact that these Greeks did not possess thinking organs as perfect in the purely physical sense as those of the people of the 19th century. Depending on one’s inclination, one might say: Thank God that the people of the Greek era did not have such perfect cognitive faculties as the people of the 19th century! — But if one is a sober-minded person of the 19th century oneself and wishes to maintain this sobriety, then one might say: The Greeks were, after all, children; they did not yet possess those perfect organs of thought that people of the nineteenth century have, and one must therefore look down upon what Plato and Aristotle brought to light with a certain degree of indulgence. — High school teachers often do this by feeling immensely superior when criticizing Plato and Aristotle. But one will only fully understand what I have just hinted at if one has become acquainted with people—and such people do exist—who, to a certain degree, possess a kind of insight, that which, in the best sense of the word, can be called a kind of clairvoyant consciousness.

[ 7 ] Bei Menschen, die ein solches hellseherisches Bewußtsein heute haben, kann das Vorhandensein dieses hellseherischen Bewußtseins — diejenigen, die etwa in diesem Auditorium ein solches hellseherisches Bewußtsein haben sollten, mögen mir die Erzählung dieser Wahrheit verzeihen — gerade auf der mangelhaften Ausbildung der mangelhaften Verstandesorgane beruhen. Es ist durchaus eine ganz gewöhnliche Erscheinung, daß wir innerhalb unserer heutigen Welt Menschen treffen können mit einem gewissen hellseherischen Bewußtsein, die eigentlich von dem, was man heute den wissenschaftlichen Verstand nennt, außerordentlich wenig haben. Und so wahr dieses ist, so wahr ist aber auch das andere, daß nun solche hellseherischen Menschen dazu kommen können, gewisse Dinge, die sie selber durch ihre Erkenntnis hervorbringen, aufzuzeichnen oder zu erzählen, und daß in diesen Erzählungen, in diesen Aufzeichnungen Gedanken leben, die viel gescheiter sind als die Gedanken derjenigen Menschen, die, ohne Hellseherisches zu entwickeln, mit den allerbesten Verstandeswerkzeugen arbeiten. Es kann vorkommen, daß vom Gesichtspunkte der heutigen Wissenschaft aus dumme — verzeihen Sie den Ausdruck —, dumme hellseherische Personen Gedanken produzieren, durch die sie zwar nicht gescheiter werden, aber die gescheiter sind als Gedanken der autoritativsten Wissenschafter von heute. Diese Tatsache ist schon durchaus vorhanden. Und worauf beruht sie? Sie beruht darauf, daß solche hellseherische Personen gar nicht nötig haben, irgend etwas von Denkorganen anzustrengen, um zu diesen Gedanken zu kommen. Sie schaffen aus der geistigen Welt heraus die betreffenden Bilder, und da drinnen sind schon die Gedanken, sie sind schon fertig, während die anderen Menschen, die nicht hellsehend sind und nur denken können, zur Ausbildung ihrer Gedanken ihre Denkorgane ausbilden müssen. Schematisch gezeichnet, wäre das so. Nehmen wir an, solche hellseherischen Personen bringen in allerlei Bildern irgend etwas aus der geistigen Welt heraus; das hier (siehe Zeichnung, rot) sei so etwas, was durch solche Personen aus der geistigen Welt herauskommt. Aber da drinnen sind Gedanken, es ist ein Gedankennetz drinnen. Das denken die betreffenden Personen nicht, sondern sie schauen es, sie bringen es mit aus der geistigen Welt heraus; sie haben nicht nötig, Denkorgane anzustrengen.

[ 7 ] For people who possess such clairvoyant consciousness today—and I ask those in this auditorium who might have such clairvoyant consciousness to forgive me for stating this truth—the existence of this clairvoyant consciousness may be due precisely to the inadequate development of their intellectual faculties. It is indeed a quite common phenomenon that, within our present-day world, we can encounter people with a certain clairvoyant consciousness who actually possess very little of what is today called the scientific intellect. And as true as this is, it is equally true that such clairvoyant people may come to record or recount certain things that they themselves bring forth through their insight, and that in these accounts, in these records, there live thoughts that are far more intelligent than the thoughts of those people who, without developing clairvoyance, work with the very best tools of the intellect. It can happen that, from the standpoint of modern science, “stupid”—pardon the expression—“stupid” clairvoyant individuals produce thoughts that, while not making them any smarter, are nonetheless more intelligent than the thoughts of today’s most authoritative scientists. This fact is already very much a reality. And on what does it rest? It is based on the fact that such clairvoyant individuals do not need to exert their thinking faculties at all to arrive at these thoughts. They create the relevant images from within the spiritual world, and the thoughts are already there—they are already complete—while other people, who are not clairvoyant and can only think, must train their thinking faculties to form their thoughts. Schematically drawn, it would look like this. Let’s assume that such clairvoyant individuals bring forth all sorts of images from the spiritual world; let this (see drawing, red) be an example of something that comes out of the spiritual world through such individuals. But inside there are thoughts; there is a network of thoughts inside. The individuals in question do not think these thoughts; rather, they see them and bring them back from the spiritual world; they do not need to exert their thinking faculties.

[ 8 ] Schauen wir einen anderen an, der nicht hellseherisch begabt ist, sondern der denken kann, von dem Roten da ist nichts vorhanden bei ihm, das bringt er nicht heraus; er bringt auch aus der geistigen Welt dieses Gedankengerippe (siehe Zeichnung links) nicht heraus; aber er strengt seine Denkorgane an und bringt dann durch seine Denkorgane dieses Gedankengerippe zur Welt (siehe Zeichnung rechts).

[ 8 ] Let’s consider someone else who does not possess clairvoyant abilities but is capable of thinking; as for the red element, there is nothing of it within him—he cannot bring it forth; nor can he bring forth this skeletal framework of thought (see drawing on the left) from the spiritual world; but he strains his thinking faculties and then, through his thinking faculties, brings this skeletal framework of thought into being (see drawing on the right).

[ 9 ] Man kann, wenn man heute die Menschen betrachtet, die Abstufungen zwischen diesen zwei Extremen überall bemerken. Für denjenigen, der sein Anschauungsvermögen nicht geschult hat, ist es allerdings außerordentlich schwer, zu unterscheiden, ob der andere wirklich gescheit ist in dem Sinne, daß er durch seine Verstandesorgane denkt, oder ob er gar nicht durch seine Verstandesorgane denkt, vielmehr irgendwie etwas herschafft in sein Bewußtsein, und daß nur das, was bildhaft ist, was imaginativ ist, sich bei ihm entwickelt, aber so schwach, daß es von ihm selber nicht bemerkt wird. Und so sind alle möglichen Menschen heute vorhanden, die sehr gescheite Gedanken hervorbringen, aber deshalb gar nicht gescheit zu sein brauchen, während andere sehr gescheite Gedanken denken, aber in gar keiner besonderen Weise mit irgendeiner geistigen Welt in Beziehung stehen. Das Einschulen auf diese Unterscheidung, das gehört zu den bedeutsamen psychologischen Aufgaben in unserer Zeit und es liefert die Grundlage zu wichtiger Menschenkenntnis in der Gegenwart. Wenn Sie das zur Erklärung nehmen, so wird es Ihnen nicht mehr so unverständlich sein, daß sich der empirischen übersinnlichen Betrachtung eben ergibt, daß in der Mitte des 19. Jahrhunderts der menschliche Organismus bei dem Gros der Menschen eben die vollkommensten Denkorgane hatte. Es wurde niemals so ausschließlich viel gedacht wie um die Mitte des 19. Jahrhunderts, und so wenig gescheit wie um diese Zeit.

[ 9 ] If one observes people today, one can see the gradations between these two extremes everywhere. For those who have not trained their powers of perception, however, it is extremely difficult to distinguish whether another person is truly intelligent in the sense that they think through their intellectual faculties, or whether they do not think through their intellectual faculties at all, but rather somehow brings something into their consciousness, and that only what is pictorial, what is imaginative, develops within them—though so weakly that they themselves do not notice it. And so there are all kinds of people today who produce very intelligent thoughts but need not be intelligent at all because of this, while others think very intelligent thoughts but are in no special way connected to any spiritual world. Training oneself to make this distinction is one of the significant psychological tasks of our time, and it provides the foundation for an important understanding of human nature in the present. If you take this as an explanation, it will no longer be so incomprehensible to you that empirical supersensible observation reveals that, in the mid-19th century, the human organism possessed the most perfect thinking organs in the vast majority of people. Never has there been such an exclusive focus on thinking as there was around the mid-19th century, and never has thinking been as unwise as it was at that time.

[ 10 ] Gehen Sie nur zurück — das tun nur die Menschen heute nicht in die zwanziger Jahre oder vor die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts und lesen Sie durch, was damals wissenschaftlich produziert war, so werden Sie sehen: das hat noch einen ganz anderen Ton, da lebt eben noch durchaus nicht jenes ganz abstrakte, auf die menschlichen physischen Denkorgane angewiesene Denken wie später, ganz zu schweigen von solchen Dingen, wie sie etwa ein Herder oder Goethe und Schiller hervorgebracht haben. Da leben noch großartige Anschauungen darinnen. Daß man das nicht glaubt, und daß die Kommentare heute so sprechen, als ob das nicht der Fall wäre, darauf kommt es ja nicht an. Denn diejenigen, die diese Kommentare schreiben und die Goethe und Schiller und Herder zu verstehen glauben, die verstehen sie eben nicht, die sehen das Wichtigste bei ihnen nicht.

[ 10 ] Just go back—which is something people don’t do today—to the 1820s or earlier in the 19th century, and read through what was produced scientifically at that time, and you will see: it has a completely different tone; it is by no means characterized by that entirely abstract way of thinking—reliant on the human physical organs of thought—as it was later, not to mention the kind of ideas produced by figures such as Herder, Goethe, and Schiller. There are still magnificent insights alive within them. The fact that people do not believe this, and that commentaries today speak as if that were not the case, is irrelevant. For those who write these commentaries and who believe they understand Goethe, Schiller, and Herder—they simply do not understand them; they fail to see what is most important about them.

[ 11 ] Das ist eine wichtige Tatsache, daß um die Mitte des 19. Jahrhunderts der menschliche Organismus in bezug auf seine physische Gestaltung gewissermaßen bei einer Kulmination, bei einem Höhepunkt angekommen war und daß er seitdem wiederum zurückgeht, und zwar — in einer gewissen Weise für das verständige Erfassen der Welt — rasch zurückgeht.

[ 11 ] It is an important fact that, around the middle of the 19th century, the human organism had, in terms of its physical form, reached a kind of culmination, a peak, and that since then it has been in decline—and, in a certain sense relevant to our rational understanding of the world, it has been declining rapidly.

[ 12 ] Mit dieser Tatsache hängt aber zusammen die Ausbildung des Materialismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Denn was ist denn eigentlich dieser menschliche Organismus? — Dieser menschliche Organismus ist ja ein getreues Abbild des Geistig-Seelischen des Menschen. Man braucht sich gar nicht zu verwundern, daß dieser menschliche Organismus in seinem Bau manchem, der eben nicht auf das Geistig-Seelische einzugehen vermag, schon wie die Erklärung des ganzen Menschen erscheint. Insbesondere, wenn man die Hauptesorganisation und im Haupte wiederum die Nervenorganisation berücksichtigt, tritt das ja stark hervor.

[ 12 ] The emergence of materialism in the mid-19th century, however, is closely linked to this fact. For what, exactly, is this human organism? — This human organism is, after all, a faithful reflection of the human spirit and soul. It is hardly surprising that, to those who are unable to grasp the spiritual and soul aspects, the structure of this human organism already appears to be an explanation of the whole human being. This becomes particularly evident when one considers the organization of the head and, within the head, the nervous system in particular.

[ 13 ] Ich habe neulich in Stuttgart innerhalb meiner Vorträge ein Erlebnis erwähnt, das wirklich geeignet ist, Licht zu werfen auf diese Sache. Ich sagte: Es war so am Beginne des 20. Jahrhunderts in einer Versammlung des Berliner Giordano-Bruno-Vereins, da sprach zunächst ein Mensch — was ich einen handfesten Materialisten nenne —, ein sehr kundiger Materialist war es, der den Gehirnbau ebensogut kannte, wie man heute den Gehirnbau, wenn man gewissenhaft studiert hat, wirklich kennt; und er war einer von denjenigen Menschen, welche in der Analyse des Gehirnbaues eigentlich schon die ganze Seelenkunde sehen, welche sagen: Man muß nur erkennen, wie das Gehirn arbeitet, dann hat man die Seele, dann beschreibt man die Seele. — Nun war es interessant; er malte auf die Tafel diese verschiedenen Hirnpartien auf, also die Verbindungsstränge und so weiter, und lieferte da eben jenes wunderbare Bild, das man ja bekommt, wenn man diesen menschlichen Gehirnbau verfolgt. Und er glaubte eben durchaus mit der Schilderung dieses Gehirnbaues etwas gegeben zu haben, was Seelenkunde ist. Nachdem er seine Auseinandersetzungen gemacht hatte, erhob sich ein handfester Philosoph, ein Herbartianer. Dieser Herbartianer sagte: Gegen die Ansichten, die der Mann entwickelt hat, daß man schon die Seelenkunde besitzt, wenn man den Gehirnbau erklärt, gegen diese Ansichten muß ich mich natürlich entschieden wenden; aber gegen die Zeichnung, die er gemacht hat, brauche ich mich gar nicht zu wenden, diese Zeichnung stimmt ganz gut auch mit meiner Herbartschen Ansicht überein, daß die Vorstellungen sich miteinander vergesellschaften, daß von einer Vorstellung zu der anderen gewisse Verbindungsstränge rein seelischer Art gehen. Und er fügte hinzu, er könne als Herbartianer ganz gut dieselbe Zeichnung machen, nur würden bei ihm die einzelnen Kreise und so weiter nicht Gehirnpartien bedeuten, sondern Vorstellungskomplexe. Aber die Zeichnung würde ganz dieselbe bleiben!

[ 13 ] I recently mentioned an experience during my lectures in Stuttgart that really sheds light on this matter. I said: It happened at the beginning of the 20th century at a meeting of the Berlin Giordano Bruno Society, where a man—whom I would call a staunch materialist—spoke first; he was a very knowledgeable materialist who understood the structure of the brain just as well as anyone who has studied it conscientiously truly understands it today; and he was one of those people who actually see the entire science of the soul in the analysis of brain structure—who say: One need only understand how the brain works, and then one has the soul; then one can describe the soul. — Well, it was interesting; he sketched these various parts of the brain on the blackboard—the connecting pathways and so on—and presented precisely that marvelous picture one obtains when one traces the structure of the human brain. And he truly believed that by describing this structure of the brain, he had provided something that constitutes the study of the soul. After he had presented his arguments, a staunch philosopher, a Herbartian, rose to his feet. This Herbartian said: “I must, of course, firmly oppose the views this man has put forward—namely, that one already possesses the study of the soul simply by explaining the structure of the brain; but I need not object at all to the diagram he drew; this diagram agrees quite well with my Herbartian view that ideas associate with one another, that certain connecting threads of a purely psychological nature run from one idea to another.” And he added that, as a Herbartian, he could very well draw the same diagram; it’s just that, for him, the individual circles and so on would not represent parts of the brain, but rather complexes of ideas. But the diagram would remain exactly the same!

[ 14 ] Sehr interessant, sehen Sie! Wenn es darauf ankommt, die Sache in die Wirklichkeit hineinzustellen, da sind die Leute ganz entgegengesetzter Ansicht; wenn sie Zeichnungen machen von derselben Sache, so müssen sie eigentlich dieselben Zeichnungen machen, und der eine ist ganz und gar Herbartscher Philosoph, der andere ist handfester materialistischer Physiologe.

[ 14 ] Very interesting, you see! When it comes to placing the matter within reality, people hold completely opposing views; when they draw pictures of the same thing, they should actually produce the same drawings, and one is a die-hard Herbartian philosopher, while the other is a staunch materialist physiologist.

[ 15 ] Worauf beruht das? Das beruht darauf, daß es in der Tat so ist: Wir haben das geistig-seelische Wesen des Menschen, das tragen wir in uns. Und dieses geistig-seelische Wesen, das ist der Schöpfer der ganzen Form unseres Organismus. Und wir brauchen uns nicht zu verwundern darüber, daß da, wo der Organismus seine vollkommenste Partie hat, im Nervensystem des Gehirns, daß da das Abbild, das die geistig-seelische Wesenheit heraussetzt, vollkommen ähnlich sieht diesem geistig-seelischen Wesen. Es ist in der Tat so, daß da, wo der Mensch am meisten, wenn ich so sagen möchte, Mensch ist, in seinem Nervenbau, daß er da ein getreues Abbild ist des Geistig-Seelischen, so daß derjenige, der zufrieden ist mit dem Abbild, der vor allen Dingen ein Sinnliches vor sich haben will und zufrieden ist mit dem Abbild, in der Tat dasselbe, was man zunächst mit Bezug auf den Menschen im Geistig-Seelischen sieht, auch in dem Abbild sieht. Und da er kein Verlangen hat nach dem Geistig-Seelischen, da er gewissermaßen nur das Abbild will, so hält er sich an den Bau des Gehirns. Und weil dieser Bau des Gehirnes ebenso besonders vollendet sich darstellte dem Betrachter um die Mitte des 19. Jahrhunderts, so lag es wiederum, wenn man die damalige Veranlagung der Menschheit nimmt, ungeheuer nahe, den theoretischen Materialismus auszubilden. Denn was liegt eigentlich beim Menschen vor? Wenn man den Menschen als solchen betrachtet — ich will ihn hier schematisch zeichnen — und dann den Gehirnbau nimmt, dann ist das so, daß zunächst der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist, wie wir wissen: der Gliedmaßenmensch, der rhythmische Mensch und der NervenSinnesmensch. Wenn wir den Nerven-Sinnesmenschen ansehen, so haben wir den vollkommensten Teil des Menschen vor uns, sozusagen den am meisten menschlichen Teil. In diesem am meisten menschlichen Teil spiegelt sich die äußere Welt (siehe Zeichnung, rot). Ich will dieses Spiegeln dadurch bezeichnen, daß ich zum Beispiel die Wahrnehmungen durch das Auge bezeichne. Ich könnte auch die Wahrnehmungen durch das Ohr zeichnen und so weiter. Die äußere Welt also spiegelt sich in dem Menschen, so daß wir vorliegen haben den Bau des Menschen und die Spiegelung der äußeren Welt in diesem Menschen. Solange wir den Menschen so betrachten, können wir eigentlich gar nicht anders, selbst wenn wir über die manchmal recht groben Vorstellungen des Materialismus hinausgehen, als den Menschen materialistisch zu deuten. Denn wir haben auf der einen Seite den Bau des Menschen. Wir können diesen Bau verfolgen in all seinen feineren Gewebestrukturen und bekommen, je mehr wir gegen die Kopforganisation heraufgehen, ein getreues Abbild des Geistig-Seelischen. Und wir können dann weiterverfolgen dasjenige, was sich von der Außenwelt in dem Menschen spiegelt. Das ist aber bloßes Bild. Wir haben die Realität des Menschen, die wir in ihre feineren Strukturen hinein verfolgen können, und wir haben das Bild der Welt.

[ 15 ] What is the basis for this? It is based on the fact that this is indeed the case: We possess the spiritual-soul nature of the human being; we carry it within us. And this spiritual-soul nature is the creator of the entire form of our organism. And we need not be surprised that where the organism has its most perfect part—in the nervous system of the brain—the image that the spiritual-soul being projects there looks perfectly similar to this spiritual-soul being. It is indeed the case that where the human being is most—if I may put it this way— human—in his nervous structure—he is a faithful image of the spiritual-soul aspect, so that the person who is content with the image, who above all wants to have something sensory before him and is content with the image, in fact sees in the image the very same thing that one initially sees in the spiritual-soul aspect of the human being. And since they have no desire for the spiritual-psychic realm—since, in a sense, they want only the image—they cling to the structure of the brain. And because this structure of the brain appeared to the observer around the middle of the 19th century as particularly perfected, it was, given the disposition of humanity at that time, incredibly natural to develop theoretical materialism. For what is actually present in the human being? If we consider the human being as such—I will sketch him schematically here—and then examine the structure of the brain, we see that, first of all, the human being is a threefold being, as we know: the human being of the limbs, the human being of rhythm, and the human being of nerves and senses. When we look at the nervous-sensory human being, we have before us the most perfect part of the human being, so to speak, the most human part. In this most human part, the external world is reflected (see diagram, red). I will illustrate this reflection by referring, for example, to perceptions through the eye. I could also draw perceptions through the ear, and so on. The external world, then, is reflected in the human being, so that we have before us the structure of the human being and the reflection of the external world within this human being. As long as we view the human being in this way—even if we go beyond the sometimes rather crude notions of materialism—we cannot help but interpret the human being in materialistic terms. For on the one hand, we have the structure of the human being. We can trace this structure in all its finer tissue structures and, the further we move upward toward the organization of the head, the more we obtain a faithful reflection of the spiritual-soul aspect. And we can then continue to trace what is reflected in the human being from the external world. But that is merely an image. We have the reality of the human being, which we can trace down into its finer structures, and we have the image of the world.

[ 16 ] Halten wir das recht gut fest: wir haben des Menschen Realität in seinem Organausbau und wir haben dasjenige, was sich drinnen im Menschen spiegelt. Das ist eigentlich alles, was zunächst der äußeren sinnlichen Beobachtung vorliegt. Bei dieser äußeren sinnlichen Beobachtung liegt also im Grunde das Folgende vor: Diese ganze Struktur des Menschen zerfällt, wenn der Mensch stirbt, zerfällt als Leichnam. Außerdem liegen ihr die Bilder der äußeren Welt vor. Wenn Sie den Spiegel zerbrechen, kann sich nichts mehr spiegeln; die Bilder sind also auch vergangen, wenn der Mensch durch den Tod geht. Ist es also nicht natürlich, daß da der äußeren sinnlich-physischen Beobachtung nichts anderes vorliegt als das, was ich eben angeführt habe, daß da gesagt werden muß: Mit dem Tode zerfällt die physische Struktur des Menschen? — Die spiegelte früher die Außenwelt. Was der Mensch in der Seele trägt, ist Spiegelbild; das vergeht aber. Diese Tatsache stellte einfach der Materialismus des 19. Jahrhunderts hin. Er mußte sie hinstellen, weil er schließlich von anderem nichts wußte. Nun wird die Sache schon anders, wenn man ein wenig eingeht auf das menschliche geistige und seelische Leben selber. Da aber betreten wir schon ein Gebiet, wohin die physisch-sinnliche Beobachtung nicht dringen kann.

[ 16 ] Let us keep this clearly in mind: we have the reality of the human being in the structure of his organs, and we have that which is reflected within the human being. That is, in fact, all that is initially present to external sensory observation. In this external sensory observation, the following is essentially the case: this entire structure of the human being disintegrates when the person dies—it disintegrates as a corpse. Furthermore, the images of the external world are present in this structure. If you break a mirror, nothing can be reflected anymore; thus, the images also vanish when a person passes through death. Is it not, then, natural that external sensory-physical observation reveals nothing other than what I have just described, that one must say: With death, the physical structure of the human being disintegrates? — It used to reflect the external world. What the human being carries within the soul is a reflection; but that passes away. This fact was simply posited by nineteenth-century materialism. It had to present it that way because, after all, it knew nothing else. Now, however, the matter takes on a different aspect when one delves a little into human spiritual and soul life itself. But there we are already entering a realm where physical-sensory observation cannot penetrate.

[ 17 ] Nehmen wir eine naheliegende Tatsachenreihe der Seele heraus, die einfache Tatsachenreihe, die damit gegeben ist, daß wir der Außenwelt beobachtend gegenüberstehen. Wir beobachten die Dinge, wir nehmen sie wahr, haben sie dann vorstellungsgemäß in uns. Aber wir haben auch ein Gedächtnis, ein Erinnerungsvermögen. Was wir an der Außenwelt erleben, das können wir wiederum heraufheben in Bildern aus den Tiefen unseres Wesens. Wir wissen, welche Bedeutung diese Erinnerung für den Menschen hat. Bleiben wir zunächst bei dieser Tatsachenreihe stehen. Nehmen Sie diese zwei inneren Erlebnisse: Sie schauen durch die Augen die Außenwelt an oder hören sie mit Ihren Ohren, nehmen sie sonst mit Ihren Sinnen wahr. Da sind Sie in einer gegenwärtigen seelischen Betätigung. Das geht über in Ihr vorstellungsgemäßes Leben. Das was Sie heute erlebt haben, Sie können es in ein paar Tagen aus den Untergründen Ihrer Seele in Bildern wiederum heraufheben. Es geht ja in irgendeiner Weise etwas in Sie hinein, Sie holen es wiederum aus sich heraus. Es ist unschwer zu erkennen, daß dasjenige, was da in die Seele hineingeht, von der Außenwelt herrühren muß. Ich will mich jetzt gar nicht weiter einlassen auf etwas anderes als auf den reinen Tatbestand, der ja offen zutage liegt, daß das, was so erinnert wird, von der Außenwelt kommen muß. Denn wenn Sie irgendeinen roten Gegenstand gesehen haben, so erinnern Sie sich wiederum an den roten Gegenstand, und was in Ihnen vorgegangen ist, ist nur das Bild des roten Gegenstandes, das wiederum in Ihnen heraufkommt. Also es ist etwas, was die Außenwelt in Sie hineingeprägt hat, tiefer hineingeprägt hat, als wenn Sie sich nur unmittelbar vorstellend in der Außenwelt betätigen. Aber stellen Sie sich jetzt vor: Sie gehen an irgend etwas heran, beobachten es, sind also in einer gegenwärtigen Seelenbetätigung gegenüber dem Beobachteten. Sie verlassen es; nach einigen Tagen haben Sie Veranlassung, die Bilder des Beobachteten wieder aus dem Untergrund Ihres Wesens heraufzuheben, da sind sie wieder da; sie sind blasser, gewiß, aber sie sind da, sie sind bei dem Menschen da. Aber was war in der Zwischenzeit?

[ 17 ] Let us take a straightforward sequence of facts concerning the soul—the simple sequence of facts that arises from our observing the external world. We observe things, we perceive them, and then hold them within us as images. But we also have a memory, a capacity to recall. What we experience in the external world, we can in turn bring to the surface in images from the depths of our being. We know what significance this memory has for human beings. Let us first pause at this sequence of facts. Consider these two inner experiences: You look at the external world through your eyes, or hear it with your ears, or perceive it in some other way through your senses. There you are engaged in a present moment of soul activity. This flows into your imaginative life. What you have experienced today, you can bring back in a few days as images from the depths of your soul. Something enters you in some way, and you bring it back out of yourself. It is not difficult to see that what enters the soul must originate from the external world. I do not wish to delve into anything other than the plain fact—which is, after all, plain to see—that what is recalled in this way must come from the outside world. For if you have seen any red object, you recall that red object, and what has taken place within you is merely the image of the red object that resurfaces within you. So it is something that the external world has imprinted upon you, imprinted more deeply than when you are merely engaged in the external world through immediate imagination. But now imagine this: you approach something, observe it—you are thus engaged in a present activity of the soul in relation to what you are observing. You leave it; after a few days, you have reason to bring the images of what you observed back up from the depths of your being—there they are again; they are paler, certainly, but they are there; they are present within the person. But what happened in the meantime?

[ 18 ] Nun bitte ich Sie, halten Sie das fest, was ich Ihnen gesagt habe, und vergleichen Sie dieses eigentümliche Spiel von gegenwärtigen Wahrnehmungsvorstellungen und Erinnerungsvorstellungen mit dem, was Sie gut kennen als das Bild des Traumes. Sie werden unschwer bemerken können, wie mit dem Erinnerungsvermögen das Träumen zusammenhängt. Die Traumvorstellungen brauchen ja nur nicht sehr konfus zu sein, dann werden Sie sehen, wie sie an die Erinnerungsvorstellungen anknüpfen, wie also eine Verwandtschaft besteht zwischen dem Träumen und demjenigen, was da aus den lebendigen Vorstellungen in die Erinnerung übergeht.

[ 18 ] Now I ask you to keep in mind what I have told you and to compare this peculiar interplay of present perceptions and memories with what you know well as the image of a dream. You will easily be able to see how dreaming is connected to memory. After all, the images in a dream need not be very confused; then you will see how they tie in with the images of memory—that is, how there is a connection between dreaming and that which passes from living images into memory.

[ 19 ] Aber jetzt betrachten Sie etwas anderes. Der Mensch muß organisch vollkommen gesund sein, wenn er sozusagen das Träumen richtig vertragen will. Zum Träumen gehört, daß man sich organisch völlig in der Hand hat, daß der Moment immer wiederum eintreten kann, wo man weiß: Das ist ein Traum gewesen. — Es muß irgend etwas nicht in Ordnung sein, wenn jemand nicht zu dem Moment kommen könnte, wo er vollkommen durchschauen würde: etwas ist ein Traum gewesen. Man hat ja Menschen kennengelernt, die haben geträumt, daß sie geköpft worden sind. Nun denken Sie, wenn diese Menschen hinterher nicht unterscheiden können dieses geträumte Köpfen von dem wirklichen Köpfen und glauben würden, daß sie nun wirklich geköpft sind und würden doch weiterleben müssen, bedenken Sie doch nur einmal, wie wenig solche Menschen, ohne konfus zu werden, die Tatsachen durch das Unterscheiden zusammenbringen könnten. Sie müßten fortwährend erleben: Ich komme eben vom Köpfen. — Und wenn sie voraussetzen müßten, daß sie das glauben müßten, dann kann man ja ungefähr ermessen, welche Worte sich da ihren Lippen entringen würden. Also, es handelt sich darum, daß der Mensch immerzu die Möglichkeit hat, sich so in der Hand zu haben, daß er Träume von dem In-der-Wirklichkeit-Drinnenstecken mit seinem Vorstellen unterscheiden kann. Aber es gibt doch auch Menschen, die können das nicht. Es gibt Menschen, die erleben allerlei Halluzinatorisches, Visionäres und dergleichen und halten es für Wirklichkeiten. Die können es nicht unterscheiden, die haben sich nicht so stark in der Hand. Was bedeutet das? Das bedeutet, daß bei diesen Leuten das, was im Traume lebt, einen Einfluß auf ihre Organisation hat, daß ihre Organisation angepaßt ist der Traumvorstellung. Sie haben irgendwo etwas nicht vollständig ausgebildet in ihrem Nervensystem, was vollständig ausgebildet sein sollte; daher ist der Traum in ihnen tätig, er wirkt in ihnen.

[ 19 ] But now consider something else. A person must be in perfect physical health if they are to, so to speak, handle dreaming properly. Part of dreaming is having complete control over one’s body, so that the moment can always arise again when one realizes: “That was a dream.” — Something must be wrong if someone cannot reach the moment when they fully realize: “That was a dream.” After all, we have all met people who have dreamed that they were beheaded. Now imagine if these people, afterward, could not distinguish between this dream of being beheaded and the actual beheading, and believed that they had indeed been beheaded yet still had to go on living—just consider for a moment how little such people could reconcile the facts through this distinction without becoming confused. They would have to constantly experience: “I’ve just come from being beheaded.” — And if they were forced to assume that they had to believe that, then one can roughly imagine what words would escape their lips. So, the point is that a person always has the ability to maintain enough self-control to distinguish dreams from being immersed in reality through their imagination. But there are also people who cannot do that. There are people who experience all sorts of hallucinations, visions, and the like, and take them for reality. They cannot distinguish between the two; they do not have such strong self-control. What does this mean? It means that, for these people, what lives in their dreams influences their mental constitution, that their mental constitution is adapted to their dream imagery. Somewhere in their nervous system, they have not fully developed something that should be fully developed; therefore, the dream is active within them; it exerts its influence on them.

[ 20 ] Wenn also irgend jemand seine Traumvorstellungen nicht von den erlebten Wirklichkeiten unterscheiden kann, so bedeutet das, daß die Traumkraft in ihm organisierend wirkt. Sobald der Traum unseres ganzen Gehirnes mächtig würde, würden wir überhaupt die ganze Welt als Traum anschauen. Wer solch eine Tatsache in ihrem vollen Werte betrachten kann, der wird nach und nach zu Dingen kommen, zu denen sich allerdings unsere gewöhnliche Wissenschaft heute nicht aufschwingen will, weil sie nicht den Mut dazu hat; er wird dazu kommen, einzusehen, daß in dem, was im Traumleben kraftet, dasselbe liegt, was in uns Organisationskraft ist, was Wachstums-, Belebekraft ist. Nur dadurch, daß gewissermaßen unser Organismus so in sich konsolidiert ist, daß er so feste Strukturen hat, daß er widersteht dem gewöhnlichen Traum, nur dadurch hat die Kraft der gewöhnlichen Träume nicht die Macht, seine Struktur auseinanderzureißen, und der Mensch kann unterscheiden das Traumerlebnis vom Wirklichkeitserlebnis.

[ 20 ] So if anyone is unable to distinguish their dream images from the realities they have experienced, this means that the power of dreams is having an organizing effect within them. As soon as the power of dreams took hold of our entire brain, we would perceive the whole world as a dream. Anyone who can contemplate such a fact in its full significance will gradually arrive at insights that our conventional science today is unwilling to embrace—because it lacks the courage to do so; they will come to realize that what is at work in the life of dreams is the very same force that constitutes our power of organization, our power of growth and vitality. It is only because our organism is, so to speak, so consolidated within itself—possessing such firm structures that it resists ordinary dreaming—that the power of ordinary dreams lacks the strength to tear its structure apart, and the human being is able to distinguish the dream experience from the experience of reality.

[ 21 ] Aber wenn das Kind klein ist und heranwächst, wenn es also immer größer und größer wird, da ist eine Kraft in ihm. Das ist dieselbe Kraft, die im Traume ist, nur daß man sie beim Traume ansieht. Und wenn: man sie nicht ansieht, sondern wenn sie im Leibe wirkt, diese Kraft, die sonst im Traume ist, dann wächst man durch sie. Und man braucht nicht einmal so weit zu gehen, auf das Wachsen hinzuschauen. Auch wenn Sie täglich zum Beispiel essen und das Gegessene in sich verdauen, es in dem ganzen Organismus verbreiten, so ist es durch die Kraft, die im Traume lebt. Wenn daher irgend etwas im Organismus nicht richtig ist, dann hängt das auch mit unrichtigem Träumen zusammen. Es ist dieselbe Kraft, die in dem Traumleben äußerlich angeschaut wirkt, und die da in einem wirkt selbst bis in die Verdauungskräfte hinein.

[ 21 ] But when a child is small and growing up—that is, as it gets bigger and bigger—there is a power within it. This is the same power that exists in dreams, except that in dreams we can see it. And when—instead of seeing it—this force, which is otherwise present in dreams, is at work within the body, then one grows through it. And one doesn’t even need to go so far as to observe the process of growth. Even when you eat every day, for example, and digest what you’ve eaten, distributing it throughout your entire organism, this happens through the force that lives in dreams. Therefore, if something in the organism is not right, it is also connected to incorrect dreaming. It is the same force that is visibly at work in the life of dreams, and that works within you, even down to your digestive functions.

[ 22 ] So können wir sagen: Wir werden gewahr, wenn wir nur das Leben des Menschen richtig anschauen, die wirksame Traumeskraft in seinem Organismus. Und indem ich das schilderte, diese wirksame Traumeskraft, betrete ich eigentlich in dieser Schilderung dieselben Wege, die ich betreten muß, wenn ich den menschlichen Ätherleib beschreibe.

[ 22 ] Thus we can say: If we only look properly at a person’s life, we become aware of the active force of trauma within their organism. And in describing this active force of trauma, I am actually following the same path in this description that I must follow when describing the human etheric body.

[ 23 ] Denken Sie sich, irgend jemand könnte durchschauen alles dasjenige, was im Menschen wächst vom Kinde auf, was im Menschen die Verdauung bewirkt, was im Menschen wirkt, um den ganzen Organismus in seiner Tätigkeit zu erhalten; denken Sie sich, ich könnte dieses ganze Kraftsystem nehmen, herausnehmen aus dem Menschen und es vor den Menschen hinstellen, dann hätte ich den Ätherleib vor den Menschen hingestellt. Dieser Ätherleib, dieser Leib also, der sich nur in Unregelmäßigkeiten in dem Traume offenbart, war in sich viel mehr ausgebildet vor dem Zeitpunkte im 19. Jahrhundert, den ich angeführt habe. Er wurde immer schwächer und schwächer in seiner Struktur. Dafür wurde der physische Leib immer stärker und stärker in seiner Struktur. Der Ätherleib kann in Bildern vorstellen, er kann traumhafte Imaginationen haben, aber er kann nicht denken. Und sobald in irgendeinem Menschen der Gegenwart dieser Ätherleib besonders stark tätig zu sein beginnt, dann wird er das, was ich vorhin sagte, er wird etwas hellseherisch; aber er kann dann weniger denken, denn zum Denken braucht er gerade den physischen Leib.

[ 23 ] Just imagine if someone could see through everything that develops within a human being from childhood onward—what causes digestion in a human being, what works within a human being to maintain the entire organism in its activity; imagine if I could take this entire system of forces, remove it from the human being, and place it before people—then I would have placed the etheric body before them. This etheric body—this body, in other words, that reveals itself only in irregularities during dreams—was much more fully developed prior to the point in the 19th century that I mentioned. Its structure grew weaker and weaker. In contrast, the physical body’s structure grew stronger and stronger. The etheric body can form images; it can have dreamlike imaginings, but it cannot think. And as soon as this etheric body begins to be particularly active in any person today, then what I said earlier happens: the person becomes somewhat clairvoyant; but they are then less able to think, for thinking requires precisely the physical body.

[ 24 ] Daher ist es nicht zu verwundern, daß die Menschen, wenn sie im 19. Jahrhundert das Gefühl hatten, sie könnten besonders gut denken, eigentlich zum Materialismus hingetrieben wurden. Was ihnen zu diesem Denken am meisten half, das ist dieser physische Leib, mit anderen Worten ausgedrückt. Aber mit diesem Denken gerade, mit diesem physischen Denken hängt die besondere Art des Gedächtnisses zusammen, die im 19. Jahrhundert entwickelt worden ist, es ist ein Gedächtnis, das womöglich wenig bildhaft ist, womöglich in Abstraktionen verläuft.

[ 24 ] It is therefore not surprising that when people in the 19th century felt they were particularly capable of thinking, they were in fact driven toward materialism. To put it another way, what helped them most in this way of thinking was this physical body. But it is precisely this way of thinking—this physical thinking—that is linked to the particular kind of memory that developed in the 19th century; it is a memory that is perhaps not very vivid, perhaps tending toward abstractions.

[ 25 ] Interessant ist solch eine Erscheinung. Ich habe öfters den Kriminalanthropologen Moriz Benedikt angeführt; ich möchte auch heute ein interessantes Erlebnis, das er selber erzählt in seinen «Lebenserinnerungen», anführen. Er hatte eine Rede zu halten auf einer Naturforscherversammlung, und nun erzählt er, daß er sich auf diese Rede, indem er Tag und Nacht nicht geschlafen hat, zweiundzwanzig Nächte lang vorbereitet hat. Zweiundzwanzig Nächte hat er die Rede vorbereitet, und am letzten Tag, bevor er die Rede gehalten hat, ist ein Journalist bei ihm erschienen, der sollte diese Rede veröffentlichen. Er diktierte sie ihm. Er hatte die Rede nicht niedergeschrieben, erzählt er, er hatte sie nur dem Gedächtnis eingeprägt. Er diktierte sie dem Journalisten; also im Kämmerchen diktierte er sie dem Journalisten und dann hielt er bei der Naturforscherversammlung diese Rede. Was der Journalist nach dem Diktat abgedruckt hat, stimmte nun bis aufs Wort genau mit dem überein, was Benedikt dann der Naturforscherversammlung vorgetragen hat. — Ich muß sagen, ich bewundere so etwas außerordentlich! Denn man bewundert immer dasjenige, was zu leisten man selbst niemals imstande wäre. Das also ist eine sehr interessante Erscheinung. Der Mann hat zweiundzwanzig Nächte lang daran gearbeitet, Wort für Wort einzuverleiben seiner Organisation, was er vorbereitet hat, so daß er niemals hätte irgendeinen Satz anders sagen können in der Wortfolge, als wie er saß in seinem Organismus, so fest saß er da.

[ 25 ] This is an interesting phenomenon. I have often cited the criminal anthropologist Moriz Benedikt; today I would also like to mention an interesting experience that he himself recounts in his Memoirs. He was scheduled to give a speech at a meeting of naturalists, and he recounts that he prepared for this speech by staying awake day and night for twenty-two nights. He spent twenty-two nights preparing the speech, and on the last day before he was to deliver it, a journalist came to see him to publish the speech. He dictated it to the journalist. He hadn’t written the speech down, he says; he had merely committed it to memory. He dictated it to the journalist—in his little study, to be precise—and then he delivered the speech at the naturalists’ conference. What the journalist printed after the dictation matched exactly, word for word, what Benedikt then presented to the naturalists’ conference. — I must say, I admire something like that immensely! For one always admires what one would never be capable of accomplishing oneself. So this is a very interesting phenomenon. The man worked on it for twenty-two nights, incorporating what he had prepared, word for word, into his own system, so that he could never have phrased any sentence differently in the sequence of words than it was embedded in his system—so firmly was it embedded there.

[ 26 ] So etwas ist nur möglich, wenn man die ganze Rede absolut aus dem allmählich sich formenden Wortlaut dem physischen Organismus einprägen kann. Es ist schon richtig so, daß man das, was man da ausdenkt, so fest dem physischen Organismus einprägt, wie die Naturkraft das Knochensystem fest aufbaut. Dann ruht diese ganze Rede wie ein Gerippe im physischen Organismus. Es ist ja das Gedächtnis gewöhnlich an den Ätherleib gebannt, aber hier hat sich der Ätherleib ganz im physischen Organismus abgedruckt. Der ganze physische Organismus hat etwas in sich, wie er seine Knochen in sich hat, was als ein Gerippe dieser Rede dasteht. Dann kann man auch so etwas machen, wie es der Professor Benedikt gemacht hat. Und so etwas ist eben nur möglich, wenn dieser physische Organismus in seiner Nervenstruktur so ausgebildet ist, daß er in seine Plastik dasjenige hineinnimmt, ohne Widerstand hineinnimmt, was in ihn hineingebracht wird, nach und nach allerdings, zweiundzwanzig Tage beziehungsweise zweiundzwanzig Nächte hindurch mußte es hineingearbeitet werden.

[ 26 ] Something like this is only possible if one can imprint the entire speech—in its gradually taking shape—upon the physical organism. It is indeed true that what one conceives there is imprinted upon the physical organism just as firmly as the forces of nature firmly build up the skeletal system. Then this entire speech rests within the physical organism like a skeleton. Memory is usually bound to the etheric body, but here the etheric body has been fully imprinted upon the physical organism. The entire physical organism contains within itself—just as it contains its bones—something that stands as a skeleton for this speech. Then one can also do something like what Professor Benedikt did. And something like this is only possible if the nervous structure of this physical organism is developed in such a way that it incorporates—without resistance—into its plasticity whatever is brought into it; though this must be worked in gradually, over the course of twenty-two days or, rather, twenty-two nights.

[ 27 ] Man braucht sich da nicht zu verwundern, daß jemand, der so auf seinen physischen Leib baut, das Gefühl bekommt, dieser physische Leib ist das einzig Arbeitende im Menschen drinnen. — Und es war schon das Leben des Menschen allmählich so geworden, daß es sich ganz und gar in den physischen Leib hineinarbeitete, und er daher auch zu dem Glauben kam: der physische Leib ist alles in der menschlichen Organisation. Ich glaube nicht, daß ein anderes Zeitalter als dasjenige, welches auf den physischen Leib diesen großen Wert legt, hätte zu einer so grotesken Erfindung — verzeihen Sie diesen Ausdruck — kommen können, wie es die Stenographie ist. Denn man hat ja, als man keine Stenographie gehabt hat, nicht solchen Wert darauf gelegt, das Wort und die Wortfolge so unbedingt festzuhalten und so festzuprägen die Worte, wie sie im Stenogramm festgehalten werden wollen. So festprägen kann sie ja nur der Abdruck im physischen Leib. Also nur die besondere Vorliebe für das Abprägen im physischen Leibe bewirkt auch die andere Vorliebe, dieses abgeprägte Wort zu erhalten, ja nicht irgend etwas zu erhalten, was um ein Niveau höher erhoben ist. Da hätte die Stenographie nämlich nichts zu suchen, wenn man diejenigen Formen festhalten wollte, die sich im ätherischen Leibe ausprägen. Es gehörte schon die materialistische Tendenz dazu, um etwas so Groteskes zu erfinden, wie es die Stenographie ist.

[ 27 ] It is no wonder that someone who relies so heavily on his physical body comes to feel that this physical body is the only active force within a human being. — And human life had gradually come to be such that it became entirely absorbed in the physical body, leading people to believe that the physical body is everything in the human organism. I do not believe that any other era than the one that places such great value on the physical body could have come up with such a grotesque invention—forgive me for using that expression—as shorthand. For when shorthand did not yet exist, people did not place such importance on recording words and word sequences so absolutely, nor on imprinting the words as firmly as they are intended to be recorded in shorthand. Only the imprint in the physical body can fix them so firmly. Thus, it is precisely this particular preference for imprinting in the physical body that also gives rise to the other preference: to preserve this imprinted word—and indeed, not just to preserve anything, but something elevated to a higher level. For shorthand would have no place there if one were to record the forms that are imprinted in the etheric body. It took a materialistic tendency to invent something as grotesque as shorthand.

[ 28 ] Nun, das sollte nur erläuternd hinzugefügt werden zu dem, was ich zu dem Problem beitragen möchte: das Verstehen des Auftretens des Materialismus im 19. Jahrhundert. Die Menschheit war bei einer gewissen Verfassung angelangt, die hinneigte zu dem Einprägen des Geistig-Seelischen in den physischen Organismus. Sie müssen das, was ich gesagt habe, als eine Interpretation nehmen, nicht als eine Kritik der Stenographie. Ich will nicht, daß die Stenographie heute gleich abgeschafft wird. Das ist niemals die Tendenz, die solchen Charakteristiken zugrunde liegt. Denn man muß sich ganz klar sein: Damit, daß man etwas versteht, will man es ja auch nicht durchaus gleich abschaffen! Es gibt vieles in der Welt, was notwendig ist zum Leben, was aber auch nicht zu allem dienen kann — ich will das Thema nicht weiter ausführen — und was man doch auch in seiner Notwendigkeit begreifen muß. Aber wir leben, das muß ich immer wieder betonen, in einem Zeitalter, in dem es durchaus notwendig ist, etwas mehr in die Tiefe sowohl der Naturentwickelung wie der Kulturentwickelung einzudringen, sich sagen zu können: Woher kommt die eine oder die andere Erscheinung? — Denn mit dem bloßen keiferischen Aburteilen und Abkritisieren ist es nicht getan; man muß alle Dinge der Welt wirklich verstehen.

[ 28 ] Well, this should just be added by way of explanation to what I would like to contribute to the issue: understanding the emergence of materialism in the 19th century. Humanity had reached a certain state that tended toward the imprinting of the spiritual-soul aspects onto the physical organism. You must take what I have said as an interpretation, not as a criticism of shorthand. I do not want shorthand to be abolished right away. That is never the intention underlying such characterizations. For one must be quite clear about this: just because one understands something does not mean one necessarily wants to abolish it right away! There are many things in the world that are necessary for life, but which cannot serve every purpose—I do not wish to elaborate further on this topic—and which one must nevertheless understand in terms of their necessity. But we live—and I must emphasize this again and again—in an age in which it is absolutely necessary to delve a little more deeply into both the development of nature and the development of culture, to be able to ask ourselves: Where does this or that phenomenon come from? — For mere snide condemnation and criticism are not enough; one must truly understand all things in the world.

[ 29 ] Was ich also heute ausgeführt habe, möchte ich dahin zusammenfassen, daß uns die Entwickelung der Menschheit zeigt, daß gewissermaßen die Strukturvollendung des physischen Leibes in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen Höhepunkt erreichte, daß jetzt schon wieder die Dekadenz eintritt, und daß mit diesem Vervollkommnen des physischen Leibes der Aufschwung der theoretischen materialistischen Weltanschauung zusammenhängt. Ich werde ja über diese Dinge in den nächsten Tagen von dem einen oder anderen Gesichtspunkt aus das eine oder das andere noch zu sagen haben. Heute möchte ich gerade dieses vor Ste hingestellt haben, was ich eben zusammengefaßt habe.

[ 29 ] So I would like to summarize what I have discussed today by saying that the development of humanity shows us that, in a sense, the structural perfection of the physical body reached a peak in the middle of the 19th century, that decadence is now setting in once again, and that the rise of the theoretical materialist worldview is connected with this perfection of the physical body. I will, of course, have more to say about these matters in the coming days from one perspective or another. Today, I simply wanted to present to you what I have just summarized.