Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in the Course of History
GA 206
22 July 1921, Dornach
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Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II, tr. SOL
Vierzehnter Vortrag
Fourteenth Lecture
[ 1 ] Wir fahren fort in der Betrachtung des Verhältnisses des Menschen zur Welt, und um die Betrachtungen der nächsten Tage an dasjenige anschließen zu können, was ich vorgebracht habe in der letzten Zeit, möchte ich heute zunächst an ein Kapitel unserer anthroposophischen Anschauung anknüpfen, das ich vor längerer Zeit behandelt habe, nämlich an die im anthroposophischen Sinne gehaltene Sinneslehre. Ich sagte vor längerer Zeit und immer wieder, daß ja die äußere Wissenschaft von unseren Sinnen nur diejenigen betrachtet, für die im gröberen Sinne Organe vorhanden sind, wie der Sehsinn, der Gehörsinn und so weiter. Diese Betrachtungsweise kann in einem tieferen Sinne deshalb nicht befriedigen, weil das Gebiet, das zum Beispiel das Sehen von unserer Erfahrung, von unserer Gesamterfahrung umfaßt, ein ebenso abgegrenztes ist innerhalb der Gesamtsumme unserer Erlebnisse, wie, sagen wir die Wahrnehmung des fremden Ich oder die Wahrnehmung der Bedeutung von Worten. Es ist ja heute, wo in einem gewissen Sinne alle Dinge auf den Kopf gestellt werden, durchaus auch üblich geworden, zu sagen: Wenn wir dem fremden Ich gegenüberstehen, dann sehen wir zunächst die menschliche Gestalt. Wir wissen, daß wir diese menschliche Gestalt selber haben, daß bei uns diese menschliche Gestalt ein Ich beherbergt, und so schließen wir, daß auch in der uns ähnlich schauenden fremden menschlichen Gestalt ein Ich enthalten sei. — Es ist nicht das geringste wirkliche Bewußtsein von dem vorhanden, was in der ganzen Unmittelbarkeit der Wahrnehmung des andern Ich liegt, wenn man einen solchen Schluß zugrunde legt. Er ist völlig sinnlos. Denn genau in derselben Weise, wie wir unmittelbar der Außenwelt gegenüberstehen und ein gewisses Gebiet von ihr umfassen durch unseren Sehsinn, ebenso dringt in unser Erlebnisgebiet in unmittelbarer Weise hinein das fremde Ich. Wir müssen, wenn wir uns einen Sehsinn zuschreiben, uns so auch einen Ichsinn zuschreiben.
[ 1 ] We continue our examination of the relationship between the human being and the world, and in order to link the reflections of the coming days to what I have presented recently, I would like to begin today by returning to a chapter of our anthroposophical view that I addressed some time ago, namely the theory of the senses as understood in the anthroposophical sense. I said some time ago—and have said repeatedly—that external science considers only those of our senses for which, in the broader sense, organs are present, such as the sense of sight, the sense of hearing, and so on. This approach cannot be satisfying in a deeper sense because the realm encompassed, for example, by the experience of seeing—our entire experience of seeing—is just as distinct within the totality of our experiences as, say, the perception of another person’s “I” or the perception of the meaning of words. After all, today—when, in a certain sense, everything is being turned upside down—it has become quite common to say: When we face another person, we first see the human form. We know that we ourselves possess this human form, that this human form houses a “self” within us, and so we conclude that the human form of the other person, which appears similar to our own, must also contain a “self.” — There is not the slightest real awareness of what lies in the full immediacy of the perception of the other “I” when one bases one’s reasoning on such a conclusion. It is completely meaningless. For just as we face the external world directly and encompass a certain realm of it through our sense of sight, so too does the other “I” penetrate directly into our realm of experience. If we attribute a sense of sight to ourselves, we must also attribute a sense of “I” to ourselves.
[ 2 ] Es ist dabei vor allen Dingen das festzuhalten, daß dieser Ichsinn durchaus etwas anderes ist als die Entwickelung des Bewußtseins des eigenen Ich. Es ist ein völlig anderer Vorgang, dieses Bewußtwerden des eigenen Ich, was ja eigentlich kein Wahrnehmen ist, und der Vorgang, der sich abspielt, wenn wir ein fremdes Ich als solches wahrnehmen. Ebenso liegt ein ganz anderes zugrunde, wenn wir Worten zuhören und in den Worten eine Bedeutung vernehmen, als dann, wenn wir den bloßen Ton, den bloßen Klang vernehmen. Wenn es auch zunächst schwieriger ist, für den Wortesinn ein menschliches Organ nachzuweisen als für den Tonsinn das Gehörorgan, so muß doch derjenige, der nun wirklich unser gesamtes Erfahrungsfeld analysieren kann, gewahr werden, daß wir innerhalb dieses Erfahrungsfeldes begrenzen müssen auf der einen Seite den Ton- und Lautsinn, den Klangsinn, und auf der andern Seite den Wortesinn. Und wiederum ein anderes ist es, innerhalb der Worte, innerhalb der Wortgestaltungen und innerhalb der Wortzusammenhänge namentlich, den Gedanken des andern wahrzunehmen. Und wiederum müssen wir unterscheiden zwischen dem Wahrnehmen des Gedankens des andern und dem eigentlichen Denken. Nur eben die grobe Art, wie heute Seelenerscheinungen betrachtet werden, die kommt nicht dazu, in dieser feineren Weise zu analysieren zwischen dem Denken, das wir als eine innere Tätigkeit unseres Seelenlebens entfalten, und der nach außen gerichteten Tätigkeit, die im Gedankenwahrnehmen des andern liegt. Gewiß, wir müssen, wenn der Gedanke des andern wahrgenommen wird, um diesen Gedanken zu verstehen, um diesen Gedanken mit andern Gedanken, die wir auch schon gehegt haben, in Beziehung zu bringen, dann denken. Aber dieses Denken ist etwas völlig anderes als das Wahrnehmen des Gedankens des andern.
[ 2 ] Above all, it must be noted that this sense of self is something entirely different from the development of awareness of one’s own self. This becoming aware of one’s own “I”—which is not actually a form of perception—is a completely different process from the one that takes place when we perceive another person’s “I” as such. Similarly, something entirely different underlies our listening to words and perceiving meaning in them than when we perceive merely the sound, the mere tone. Although it is initially more difficult to identify a human organ for the sense of words than it is to identify the organ of hearing for the sense of sound, anyone who is truly able to analyze our entire field of experience must realize that, within this field of experience, we must distinguish, on the one hand, the sense of sound and speech—the sense of tone—and, on the other hand, the sense of words. And yet another matter is perceiving the thoughts of others within words, specifically within word forms and word contexts. And again, we must distinguish between perceiving the thoughts of others and actual thinking. It is precisely the crude way in which soul phenomena are regarded today that fails to analyze, in this more subtle manner, the distinction between thinking—which we develop as an inner activity of our soul life—and the outward-directed activity that lies in perceiving another’s thoughts. Certainly, when we perceive another person’s thought, we must think in order to understand that thought and to relate it to other thoughts we have already held. But this thinking is something entirely different from the perception of another person’s thought.
[ 3 ] Dann aber, wenn wir alles das, was nun im Umkreise unserer Gesamterfahrung vorhanden ist, gliedern, analysieren in die Gebiete, die wirklich spezifisch voneinander verschieden sind und die doch wiederum eine gewisse innerliche Verwandtschaft so haben, daß wir sie als Sinne bezeichnen können, dann kommen wir zu den zwölf Sinnen des Menschen, die ich öfter angegeben habe. Heute ist ja eines der schwächsten Kapitel unserer gegenwärtigen Wissenschaft dasjenige, das vom physiologischen oder vom psychologischen Standpunkte die Sinne behandelt, denn im Grunde genommen wird von den Sinnen im Allgemeinen gesprochen.
[ 3 ] But then, when we classify and analyze everything that is present within the scope of our total experience into areas that are truly distinct from one another and yet share a certain inner kinship such that we can designate them as senses, we arrive at the twelve human senses that I have often mentioned. Today, one of the weakest areas of our current science is the one that deals with the senses from a physiological or psychological standpoint, for, strictly speaking, the discussion generally focuses on the senses in the abstract.
[ 4 ] Nun ist natürlich innerhalb des Sinnesgebietes der Gehörsinn zum Beispiel, sagen wir, radikal verschieden vom Gesichtssinn oder vom Geschmackssinn. Und wiederum, wenn man zu einem deutlichen Begreifen vom Gehörsinn oder vom Gesichtssinn kommt, dann muß man auch einen Wortesinn, einen Gedankensinn und einen Ichsinn unterscheiden. Die meisten Begriffe, die heute gangbar sind, wenn die Wissenschaft von den Sinnen spricht, sind eigentlich von dem Tastsinn genommen. Und unsere Philosophie hat es sich schon einmal angewöhnt, darauf eine ganze Erkenntnistheorie zu gründen, die eigentlich in nichts anderem besteht als in der Übertragung einiger Wahrnehmungen, die auf den Tastsinn bezüglich sind, auf das ganze Gebiet der Wahrnehmungsfähigkeit.
[ 4 ] Now, of course, within the realm of the senses, the sense of hearing, for example, is—let’s say—radically different from the sense of sight or the sense of taste. And again, if one arrives at a clear understanding of the sense of hearing or the sense of sight, then one must also distinguish between a sense of language, a sense of thought, and a sense of the self. Most of the terms in common use today when science speaks of the senses are actually derived from the sense of touch. And our philosophy has already gotten into the habit of basing an entire theory of knowledge on this, a theory that consists of nothing more than the transfer of certain perceptions relating to the sense of touch to the entire realm of perceptual capacity.
[ 5 ] Wenn wir nun in Wirklichkeit analysieren das Gesamtgebiet, den Umkreis unserer äußeren Erlebnisse, die wir in ähnlicher Weise wahrnehmen, sagen wir, wie die Seherlebnisse oder wie die Tasterlebnisse oder wie die Wärmeerlebnisse, dann kommen wir zu zwölf deutlich voneinander unterscheidbaren Sinnen, die ich ja früher öfter in folgender Weise aufgezählt habe: erstens der Ichsinn, der, wie gesagt, zu unterscheiden ist von dem Bewußtsein des eigenen Ich; mit Ichsinn wird nichts anderes bezeichnet als die Fähigkeit, das Ich des andern wahrzunehmen. Das zweite ist der Gedankensinn, das dritte ist der Wortesinn, das vierte ist der Gehörsinn, das fünfte ist der Wärmesinn, das sechste der Sehsinn, das siebente der Geschmackssinn, das achte der Geruchssinn, das neunte der Gleichgewichtssinn. Wer auf diesem Gebiete wirklich analysieren kann, der weiß, daß es ein ganz begrenztes Gebiet des Wahrnehmens gibt, ebenso wie das Gebiet des Sehens, ein begrenztes Gebiet, das uns einfach eine Empfindung davon vermittelt, daß wir als Mensch in einem gewissen Gleichgewichte stehen. Ohne daß ein Sinn uns vermitteln würde dieses Stehen im Gleichgewichte oder dieses Schweben und Tanzen im Gleichgewichte, ohne dies würden wirdurchaus nicht unser Bewußtsein vollständig aufbauen können.
[ 5 ] If we now actually analyze the entire realm—the scope of our external experiences—which we perceive in similar ways, say, as visual experiences, tactile experiences, or thermal experiences, then we arrive at twelve clearly distinguishable senses, which I have listed on previous occasions as follows: first, the sense of “I,” which, as I said, must be distinguished from the consciousness of one’s own “I”; the sense of “I” refers to nothing other than the ability to perceive the “I” of another. The second is the sense of thought, the third is the sense of language, the fourth is the sense of hearing, the fifth is the sense of warmth, the sixth is the sense of sight, the seventh is the sense of taste, the eighth is the sense of smell, and the ninth is the sense of balance. Anyone who can truly analyze this area knows that there is a very limited realm of perception—just as there is a limited realm of sight—a limited realm that simply conveys to us the sensation that we, as human beings, are in a certain state of equilibrium. Without a sense to convey to us this state of balance—or this floating and dancing in balance—we would certainly not be able to fully develop our consciousness.
[ 6 ] Dann ist der Bewegungssinn das nächste. Der Bewegungssinn ist die Wahrnehmung dessen, ob wir in Ruhe oder in Bewegung sind. Diese Wahrnehmung müssen wir genau ebenso in uns erleben, wie wir erleben unsere Gesichtswahrnehmung. Elftens der Lebenssinn, zwölftens der Tastsinn (siehe Zeichnung Seite 25).
[ 6 ] Next is the sense of movement. The sense of movement is the perception of whether we are at rest or in motion. We must experience this perception within ourselves just as we experience our sense of sight. Eleventh is the sense of life, and twelfth is the sense of touch (see illustration on page 25).
Ichsinn
Gedankensinn
Wortesinn
GehörsinnWärmesinn
Sehsinn
Geschmackssinn
GeruchssinnGleichgewichtssinn
Bewegungssinn
Lebenssinn
Tastsinn
I-sense
Thought-sense
Word-sense
Hearing-senseSense of heat
Sense of sight
Sense of taste
Sense of smellSense of balance
Sense of movement
Sense of life
Sense of touch
[ 7 ] Diese Gebiete, die ich Ihnen hier als Sinnesgebiete aufgeschrieben habe, man kann sie deutlich voneinander unterscheiden, und man kann zugleich in ihnen das Verwandte finden, daß wir uns wahrnehmend durch diese Sinne verhalten. Es ist unser Verkehr mit der Außenwelt, unser erkennender Verkehr mit der Außenwelt, den uns diese Sinne vermitteln; allerdings in einer sehr verschiedenen Weise mit Bezug auf die Außenwelt. Wir haben zunächst vier Sinne, die uns in zweifelloser Weise mit der Außenwelt verbinden, wenn ich das Wort zweifellos in diesem Falle gebrauchen darf; das sind: der Ichsinn, der Gedankensinn, der Wortesinn und der Gehörsinn. Es wird Ihnen ohne weiteres klar sein, daß wir mit unserem ganzen Erleben gewissermaßen in der Außenwelt sind, wenn wir das Ich eines andern wahrnehmen, ebenso wenn wir die Gedanken oder die Worte eines andern wahrnehmen. Nicht so einleuchtend könnte das sein in bezug auf den Gehörsinn; aber das kommt ja nur davon her, weil man in einer Art abstrakter Anschauung über alle Sinne so eine gemeinsame Begriffsnuance ausgegossen hat, die eben ein gemeinsamer Begriff, eine gemeinsame Idee eines Sinneslebens sein soll, und man nicht eigentlich das Spezifische der einzelnen Sinne ins Auge faßt. Natürlich kann man diese Dinge nicht, ich möchte sagen, im äußeren Experimente auf ihre Begriffe bringen, sondern dazu ist schon notwendig, daß man eben die Fähigkeit des Anfühlens der Erlebnisse hat.
[ 7 ] These areas, which I have listed here as sensory domains, can be clearly distinguished from one another, and at the same time, one can find in them the commonality that we interact with the outside world through these senses. It is our interaction with the external world—our cognitive interaction with the external world—that these senses mediate for us; though in very different ways with regard to the external world. We have, first of all, four senses that connect us to the external world in an unquestionable way—if I may use the word “unquestionable” in this context—namely: the sense of the “I,” the sense of thought, the sense of speech, and the sense of hearing. It will readily be clear to you that, in a sense, our entire experience is situated in the external world when we perceive another person’s sense of self, just as when we perceive another person’s thoughts or words. This might not be quite as obvious with regard to the sense of hearing; but that is only because, in a kind of abstract contemplation of all the senses, a common conceptual nuance has been applied—one that is meant to be a common concept, a common idea of sensory life—and one does not actually take into account the specific characteristics of the individual senses. Of course, one cannot—I would say—reduce these things to their concepts through external experimentation; rather, it is necessary to possess the very capacity to intuit these experiences.
[ 8 ] Das gewöhnliche Denken befaßt sich ja zum Beispiel gar nicht damit, wie das Hören dadurch, daß der Vermittler des Hörens die bewegte Luft, also ein Physisches ist, im Grunde genommen uns unmittelbar in die Außenwelt hinausbringt. Und wenn Sie einfach ins Auge fassen, wie sehr äußerlich der Gehörsinn eigentlich gegenüber unserem ganzen organischen inneren Erleben ist, so werden Sie bald darauf kommen, daß Sie den Gehörsinn in dieser Weise anders fassen müssen als zum Beispiel den Sehsinn. Beim Sehsinn wird man einfach aus der Betrachtung des Organs, des Auges, bald ersehen können, wie dasjenige, was da vermittelt wird, doch in einem hohen Maße ein innerer Vorgang, wenigstens relativ ein innerer Vorgang ist. Wir schließen das Auge, wenn wir schlafen, wir schließen das Ohr nicht, wenn wir schlafen. In solchen Dingen, die scheinbar triviale, einfache Tatsachen sind, drückt sich aber tief Bedeutsames für das ganze Leben des Menschen aus. Und wenn wir beim Schlafen genötigt sind, unser Inneres abzuschließen, weil wir nicht wahrnehmen sollen durch das Sehen, so sind wir eben nicht genötigt, unser Ohr abzuschließen, weil das in einer ganz andern Weise in der Außenwelt drinnen lebt als das Auge. Das Auge ist viel mehr Bestandteil unseres Inneren. Die Sehwahrnehmung ist viel mehr nach innen gerichtet als die Gehörwahrnehmung. Nicht die Empfindung des Gehörten, das ist ja etwas anderes. Die Empfindung des Gehörten, die dem Musikalischen zugrunde liegt, das ist etwas anderes als der eigentliche Gehörvorgang.
[ 8 ] Ordinary thinking, for example, does not concern itself at all with how hearing—because the medium of hearing is moving air, that is, a physical entity—essentially takes us directly out into the external world. And if you simply consider how external the sense of hearing actually is in relation to our entire organic inner experience, you will soon realize that you must understand the sense of hearing differently in this respect than, for example, the sense of sight. With the sense of sight, simply by observing the organ—the eye—one can soon see how what is conveyed there is, to a high degree, an inner process, or at least a relatively inner process. We close our eyes when we sleep; we do not close our ears when we sleep. Yet in such things—which are seemingly trivial, simple facts—something deeply significant for the whole of human life is expressed. And while we are compelled to shut off our inner world when we sleep, because we are not meant to perceive through sight, we are not compelled to shut off our ears, because the ear exists within the external world in a completely different way than the eye does. The eye is much more an integral part of our inner being. Visual perception is directed much more inward than auditory perception. Not the sensation of what is heard—that is something else entirely. The sensation of what is heard, which underlies music, is something different from the actual process of hearing.
[ 9 ] Diese Sinne nun, die im wesentlichen, ich möchte sagen, das Äußere und das Innere vermitteln, das sind ausgesprochen äußere Sinne (siehe Zeichnung Seite 25). Diejenigen Sinne, die sozusagen auf der Kippe stehen zwischen Außerem und Innerem, die ebenso äußeres wie inneres Erleben sind, das sind die vier nächsten Sinne: der Wärmesinn, der Sehsinn, der Geschmackssinn, der Geruchssinn. Versuchen Sie nur einmal die ganze Summe der Erlebnisse, die durch einen dieser Sinne gegeben ist, sich vor Augen zu führen, und Sie werden sehen, wie da auf der einen Seite bei all diesen Sinnen ein Miterleben mit der Außenwelt vorhanden ist, aber zu gleicher Zeit ein Erleben im eigenen Inneren. Wenn Sie Essig trinken, also Ihr Geschmackssinn in Betracht kommt, haben Sie ganz gewiß auf der einen Seite ein inneres Erlebnis mit dem Essig und auf der andern Seite ein Erlebnis, das nach außen gerichtet ist, das man vergleichen kann mit dem Erleben eines äußeren Ich zum Beispiel oder der Worte. Aber es würde sehr schlimm sein, wenn man in demselben Sinne ein subjektives, ein inneres Erlebnis, sagen wir, dem Anhören der Worte beimischen würde. Denken Sie sich einmal, wenn Sie Essig trinken, Sie verziehen das Gesicht; das deutet Ihnen ganz klar an, daß Sie da ein inneres Erlebnis mit dem äußeren Erlebnis haben, daß äußeres Erlebnis und inneres Erlebnis ineinanderschwimmen. Würde dasselbe bei den Worten der Fall sein, wenn Ihnen zum Beispiel einer eine Rede hielte und Sie in derselben Weise innerlich miterleben müßten wie beim Essigtrinken oder beim Moselweintrinken oder dergleichen, dann würden Sie ja niemals in einer objektiven Weise sich über die Worte klar sein, die der andere Ihnen sagt. In demselben Maße, wie Sie beim Essig ein unangenehmes und beim Moselwein ein angenehmes inneres Erlebnis haben, in demselben Maße tingieren Sie ein äußeres Erlebnis. Dieses äußere Erlebnis dürfen Sie nicht tingieren, wenn Sie wahrnehmen, sagen wir, die Worte des andern. Man kann sagen: Hier sieht man das Hereinragen des Moralischen in dem Augenblicke, wo man die Dinge im rechten Lichte sieht. — Denn es gibt allerdings Menschen, die namentlich in bezug auf den Ichsinn, aber auch in bezug auf den Gedankensinn sich so verhalten, daß man sagen kann, die Menschen stecken so stark in ihren mittleren Sinnen, im Wärmesinn, Sehsinn, Geschmackssinn und Geruchssinn drinnen, daß sie auch die andern Menschen oder deren Gedanken so beurteilen. Dann hören sie aber gar nicht die Gedanken oder die Worte des andern, sondern sie nehmen sie so wahr, wie zum Beispiel eben, sagen wir, Moselwein oder Essig oder irgendein anderes Getränk oder eine Speise wahrgenommen wird.
[ 9 ] These senses, which essentially—I would say—mediate between the external and the internal, are distinctly external senses (see diagram on page 25). The senses that, so to speak, straddle the line between the external and the internal—which are experiences that are both external and internal—are the next four senses: the sense of warmth, the sense of sight, the sense of taste, and the sense of smell. Just try for a moment to visualize the full range of experiences provided by any one of these senses, and you will see how, on the one hand, all these senses involve a shared experience with the external world, but at the same time an experience within one’s own inner self. When you drink vinegar—that is, when your sense of taste comes into play—you certainly have, on the one hand, an inner experience of the vinegar and, on the other hand, an experience directed outward, which can be compared to the experience of an external “I,” for example, or of words. But it would be very problematic if one were to add a subjective, inner experience—let’s say—to the act of listening to words in the same way. Just imagine: when you drink vinegar, you grimace; this clearly indicates to you that you are having an inner experience alongside the external experience—that the external and inner experiences are intertwined. If the same were true of words—if, for example, someone were giving you a speech and you had to experience it internally in the same way as when drinking vinegar or Moselle wine or the like—then you would never be able to form a clear, objective understanding of the words the other person is saying to you. To the same extent that you have an unpleasant inner experience with vinegar and a pleasant one with Moselle wine, to that same extent do you color an external experience. You must not color this external experience when you perceive, let’s say, the other person’s words. One might say: Here one sees the moral aspect coming into play at the very moment when one sees things in their proper light. — For there are indeed people who, particularly with regard to the sense of the “I,” but also with regard to the sense of thought, behave in such a way that one can say these people are so deeply immersed in their middle senses—the sense of warmth, the sense of sight, the sense of taste, and the sense of smell—that they judge other people or their thoughts in the same way. But then they do not hear the other person’s thoughts or words at all; rather, they perceive them in the same way that, for example, let’s say, Mosel wine or vinegar or any other beverage or food is perceived.
[ 10 ] Hier sehen wir, wie etwas Moralisches einfach aus einer sonst ganz amoralischen Betrachtungsweise sich ergibt. Nehmen Sie zum Beispiel einen Menschen, bei dem der Gehörsinn, namentlich aber der Wortesinn, der Gedankensinn und der Ichsinn schlecht ausgebildet sind. Ein solcher Mensch lebt gewissermaßen, sagen wir, ohne Kopf, das heißt, er gebraucht seine Kopfsinne auch in einer ähnlichen Weise, wie die mehr schon dem Animalischen zugeneigten Sinne. Das Tier kann nicht in dieser Weise objektiv wahrnehmen, wie es objektiv-subjektiv wahrnehmen kann durch Wärmesinn, Sehsinn, Geschmackssinn, Geruchssinn. Das Tier riecht: Sie können sich vorstellen, daß das Tier in sehr geringem Maße objektiv dasjenige sich vergegenständlichen kann, was ihm entgegentritt, sagen wir zum Beispiel beim Geruchssinn. Es ist in hohem Grade ein subjektives Erlebnis. Nun, natürlich haben ja alle Menschen auch Gehörsinn, Wortesinn, Gedankensinn, Ichsinn; aber diejenigen, die mehr sich hineinlegen mit ihrer ganzen Organisation in den Wärmesinn und Sehsinn, namentlich aber in den Geschmacksoder gar Geruchssinn, die verändern alles nach ihrem subjektiven Geschmack oder nach ihrem subjektiven Riechen der Umgebung. Nicht wahr, solche Dinge kann man ja täglich im Leben wahrnehmen. Wenn Sie ein Beispiel haben wollen, so können Sie ja nur beachten, wie es Menschen gibt, die gar nichts objektiv wahrnehmen können, sondern alles so wahrnehmen, wie man sonst nur durch Geschmacks- und Geruchssinn wahrnimmt. Das können Sie in der neuesten Broschüre des Pfarrers Kully wahrnehmen. Der ist gar nicht imstande, Worte oder Gedanken des andern aufzufassen, er faßt alles so auf, wie man Wein trinkt, oder Essig trinkt, oder irgendeine Speise ißt. Da wird alles subjektives Erlebnis. In demselben Sinne wird es unmoralisch, indem man die höheren Sinne hinunterrückt zum Charakter der niederen Sinne. Es gibt eben durchaus die Möglichkeit, die Moral in Zusammenhang zu bringen mit der ganzen Weltanschauung, während in der Gegenwart das Zerstörerische, das unsere ganze Zivilisation Untergrabende darin liegt, daß man keine Brücke zu schlagen weiß zwischen dem, was man Naturgesetzlichkeit nennt und was man moralisch nennt.
[ 10 ] Here we see how something moral can simply arise from an otherwise entirely amoral perspective. Take, for example, a person whose sense of hearing—and especially whose sense of language, thought, and self—is poorly developed. Such a person lives, so to speak, without a head; that is, he uses his mental faculties in a manner similar to the senses that are more inclined toward the animal realm. An animal cannot perceive objectively in this way, as it can perceive objectively and subjectively through the sense of warmth, the sense of sight, the sense of taste, and the sense of smell. An animal smells: You can imagine that an animal can, to a very limited extent, objectively objectify what it encounters—let’s say, for example, through the sense of smell. It is, to a high degree, a subjective experience. Now, of course, all human beings also have the sense of hearing, the sense of language, the sense of thought, and the sense of self; but those who immerse themselves more fully—with their entire being—in the sense of warmth and the sense of sight, and especially in the sense of taste or even the sense of smell, alter everything according to their subjective taste or their subjective perception of the environment through smell. Isn’t that right? You can observe such things every day in life. If you want an example, you need only consider how there are people who cannot perceive anything objectively, but instead perceive everything in the way one would otherwise only perceive through the senses of taste and smell. You can see this in Pastor Kully’s latest brochure. He is completely incapable of grasping the words or thoughts of others; he interprets everything as one might drink wine, or drink vinegar, or eat any kind of food. Everything becomes a subjective experience. In the same sense, it becomes immoral when one reduces the higher senses to the level of the lower senses. There is, in fact, every possibility of bringing morality into connection with the entire worldview, whereas at present the destructive force—the force that undermines our entire civilization—lies in the fact that we do not know how to build a bridge between what is called the laws of nature and what is called morality.
[ 11 ] Wenn wir nun zu den nächsten vier Sinnen kommen, zu dem Gleichgewichtssinn, Bewegungssinn, Lebenssinn und Tastsinn, so kommen wir zu ausgesprochen inneren Sinnen. Wir haben es da zunächst mit ausgesprochen inneren Sinnen zu tun. Denn das, was uns der Gleichgewichtssinn übermittelt, ist unser eigenes Gleichgewicht, was uns der Bewegungssinn übermittelt, ist der Zustand der Bewegung, in dem wir sind. Unser Lebenszustand ist dieses allgemeine Wahrnehmen, wie unsere Organe funktionieren, ob sie unserem Leben förderlich sind oder abträglich sind und so weiter. Beim Tastsinn könnte es täuschen; dennoch aber, wenn Sie irgend etwas betasten, so ist das, was Sie da als Erlebnis haben, ein inneres Erlebnis. Sie fühlen gewissermaßen nicht die Kreide, sondern Sie fühlen die zurückgedrängte Haut, wenn ich mich grob ausdrücken darf; der Vorgang ist natürlich viel feiner zu charakterisieren. Es ist die Reaktion Ihres eigenen Inneren auf einen äußeren Vorgang, der da im Erlebnis vorliegt, der in keinem andern Sinneserlebnis in derselben Weise vorliegt wie im Tasterlebnis.
[ 11 ] When we now turn to the next four senses—the sense of balance, the sense of movement, the sense of life, and the sense of touch—we are dealing with distinctly internal senses. We are dealing here, first and foremost, with distinctly internal senses. For what the sense of balance conveys to us is our own balance; what the sense of movement conveys is the state of movement in which we find ourselves. Our vital state is this general perception of how our organs function, whether they are beneficial or detrimental to our life, and so on. The sense of touch might be misleading; nevertheless, when you touch something, what you experience is an inner experience. In a sense, you do not feel the chalk, but rather you feel the skin being pushed back, if I may put it bluntly; the process, of course, can be described in much finer terms. It is the reaction of your own inner self to an external process that is present in the experience—a reaction that is not present in any other sensory experience in the same way as it is in the tactile experience.
[ 12 ] Nun aber wird allerdings diese letztere Gruppe der Sinne durch etwas anderes modifiziert. Da müssen Sie sich erinnern an etwas, das ich vor einigen Wochen hier gesagt habe. Nehmen Sie den Menschen in bezug auf das, was durch diese letzten vier Sinne wahrgenommen wird; es sind, trotzdem wir die Dinge wahrnehmen — unsere eigene Bewegung, unser eigenes Gleichgewicht —, es sind, trotzdem wir das, was wir wahrnehmen, auf entschieden subjektive Weise nach innen hin wahrnehmen, dennoch aber Vorgänge, die ganz objektiv sind. Das ist das Interessante an der Sache. Wir nehmen diese Dinge nach innen hin wahr, aber was wir da wahrnehmen, sind ganz objektive Dinge, denn es ist im Grunde genommen physikalisch gleichgültig, ob, sagen wir, ein Holzklotz sich bewegt oder ein Mensch, ob ein Holzklotz im Gleichgewicht ist oder ein Mensch. Für die äußere physische Welt in ihrer Bewegung ist der sich bewegende Mensch ganz genau ebenso zu betrachten wie ein Holzklotz; ebenso mit Bezug auf das Gleichgewicht. Und wenn Sie den Lebenssinn nehmen, so ist es zunächst allerdings nicht in bezug auf die äußere Welt — scheinbar allerdings nur —, aber es ist so, daß das, was unser Lebenssinn übermittelt, ganz objektive Vorgänge sind. Stellen Sie sich vor einen Vorgang in einer Retorte: er verläuft nach gewissen Gesetzen, kann objektiv beschrieben werden. Das, was der Lebenssinn wahrnimmt, ist ein solcher Vorgang, der nach innen gelegen ist. Ist er in Ordnung, dieser Vorgang, ganz als objektiver Vorgang, so übermittelt Ihnen dieses der Lebenssinn, oder ist er nicht in Ordnung, so überliefert Ihnen der Lebenssinn auch das. Wenn auch der Vorgang in Ihrer Haut eingeschlossen ist, der Lebenssinn übermittelt es. Ein objektiver Vorgang ist schließlich gar nichts, was zunächst mit dem Inhalt Ihres Seelenlebens einen besonderen Zusammenhang hat. Und ebenso beim Tastsinn; es ist immer eine Veränderung in der ganzen organischen Struktur, wenn wir wirklich tasten. Unsere Reaktion ist eine organische Veränderung in unserem Inneren. Wir haben also durchaus in dem, was wir mit diesen vier Sinnen gegeben haben, eigentlich ein Objektives gegeben, ein solches, was uns als Menschen so in die Welt hineinstellt, wie wir im Grunde genommen als objektive Wesen sind, die auch in der Sinneswelt äußerlich gesehen werden können.
[ 12 ] Now, however, this latter group of senses is modified by something else. You must recall something I said here a few weeks ago. Consider human beings in relation to what is perceived through these last four senses; even though we perceive things—our own movement, our own balance—and even though we perceive what we perceive in a decidedly subjective, inward manner, these are nevertheless processes that are entirely objective. That is what makes this so interesting. We perceive these things inwardly, but what we perceive there are entirely objective things, for it is, in essence, physically irrelevant whether, say, a block of wood is moving or a human being, whether a block of wood is in balance or a human being. As far as the external physical world and its motion are concerned, a moving human being is to be regarded in exactly the same way as a block of wood; the same applies with regard to equilibrium. And if you consider the sense of life, it is true that at first glance it does not relate to the external world—though this is only apparent—but the fact is that what our sense of life conveys are entirely objective processes. Imagine a process taking place in a retort: it proceeds according to certain laws and can be described objectively. What the sense of life perceives is such a process, one that is internal. If this process is in order—as a purely objective process—the sense of life conveys this to you; or if it is not in order, the sense of life conveys that to you as well. Even if the process is enclosed within your skin, the sense of life conveys it. After all, an objective process is not something that initially has any particular connection to the content of your inner life. And the same applies to the sense of touch; when we truly touch, it is always a change in the entire organic structure. Our reaction is an organic change within us. So in what we have described with these four senses, we have in fact described something objective—something that places us as human beings in the world exactly as we fundamentally are: objective beings who can also be perceived externally in the sensory world.
[ 13 ] So daß wir sagen können, es sind ausgesprochen innere Sinne, aber dasjenige, was wir durch sie wahrnehmen, ist an uns genauso wie das, was wir äußerlich in der Welt wahrnehmen. Ob wir schließlich einen Holzklotz in Bewegung setzen, oder ob der Mensch in äußerer Bewegung ist, darauf kommt es nicht an für den physikalischen Fortgang der Ereignisse. Der Bewegungssinn ist nur da, damit das, was in der Außenwelt geschieht, auch zu unserem subjektiven Bewußtsein kommt, wahrgenommen wird.
[ 13 ] So we can say that these are distinctly internal senses, but what we perceive through them is just as much a part of us as what we perceive externally in the world. Whether we set a block of wood in motion or whether a person is moving externally makes no difference to the physical course of events. The sense of motion exists solely so that what happens in the external world can also reach our subjective consciousness and be perceived.
[ 14 ] Sie sehen also, richtig subjektiv sind gerade die ausgesprochen äußeren Sinne. Die müssen dasjenige, was durch sie wahrgenommen wird, im ausgesprochenen Sinne in unsere Menschlichkeit hereinbefördern. Ich möchte sagen, ein Hin- und Herpendeln zwischen Außen- und Innenwelt stellt die mittlere Gruppe der Sinne dar, und ein ausgesprochenes Miterleben von etwas, was wir sind, indem wir der Welt angehören, nicht uns, ist uns durch die letzte Gruppe der Sinne übermittelt.
[ 14 ] So you see, it is precisely the purely external senses that are truly subjective. They must bring what is perceived through them into our humanity in the truest sense. I would say that the middle group of senses represents a back-and-forth oscillation between the outer and inner worlds, and that a profound experience of something that we are—in that we belong to the world, not to ourselves—is conveyed to us through the last group of senses.
[ 15 ] Diese Betrachtung könnte man sehr ausdehnen. Man würde vieles finden, was charakteristisch ist für den einen oder für den andern Sinn. Man muß sich eben nur bekanntmachen mit dem Gedanken, daß die Sinneslehre nicht so behandelt werden darf, daß man nur die Sinne beschreibt nach den gröberen Sinnesorganen, sondern nach der Analyse des Erlebnisfeldes. Es ist nämlich gar nicht richtig, daß zum Beispiel für den Wortesinn ein abgetrenntes Organ nicht vorhanden ist; es ist nur von der gewöhnlichen materialistischen Physiologie heute nicht in demselben Sinne in seiner Abgrenzung erforscht wie, sagen wir, das Gehörorgan. Oder der Gedankensinn, er ist auch da, aber er ist nicht in demselben Stil erforscht wie, sagen wir, der Sehsinn oder dergleichen.
[ 15 ] This line of thought could be expanded considerably. One would find many things that are characteristic of one sense or the other. One simply has to become familiar with the idea that the study of the senses must not be approached by describing the senses solely in terms of the grosser sensory organs, but rather through an analysis of the field of experience. For it is not at all correct to say, for example, that there is no separate organ for the sense of language; it is simply that contemporary materialistic physiology has not investigated its boundaries in the same way as, say, the organ of hearing. Or take the sense of thought—it is also there, but it has not been investigated in the same manner as, say, the sense of sight or the like.
[ 16 ] Wenn wir so den Menschen übersehen, dann wird es uns stark auffallen müssen, wie eigentlich dasjenige Leben, das wir im gewöhnlichen Wortsinn Seelenleben nennen, gebunden ist an, sagen wir also, die höheren Sinne. Wir können fast nicht weiter gehen, als vom Ichsinn bis zum Sehsinn, wenn wir den Inhalt dessen, was im gewöhnlichen Wortsinn Seelenleben genannt ist, umfassen wollen. Vergegenwärtigen Sie sich alles das, was Sie durch Ichsinn, Gedankensinn, Wortesinn, Lautsinn, Wärmesinn, Sehsinn haben, dann werden Sie ungefähr den Umfang dessen haben, was Sie seelisches Leben nennen. Es ragt eben aus diesen ausgesprochen äußeren Sinnen, von den Eigenschaften dieser ausgesprochen äußeren Sinne noch etwas hinein in den Wärmesinn, von dem wir im Seelenleben viel mehr abhängig sind, als wir gewöhnlich denken. Der Sehsinn hat ja eine ungeheuer weite Bedeutung für das gesamte Seelenleben. Aber wir dringen schon in das Animalische hinunter mit dem Geschmackssinn, mit dem Geruchssinn, und dringen völlig in unsere Körperlichkeit hinunter mit dem Gleichgewichtssinn, Bewegungssinn, Lebenssinn und so weiter. Die nehmen gewissermaßen schon ganz nach innen hin wahr, als dasjenige, was nicht mehr unserem Seelenleben angehört.
[ 16 ] If we look at human beings in this way, it must become strikingly clear to us how the life that we commonly call “soul life” is actually connected to, let us say, the higher senses. We can hardly go beyond the sense of “I” to the sense of sight if we want to grasp the content of what is commonly called “soul life.” Imagine everything you experience through the sense of “I,” the sense of thought, the sense of speech, the sense of sound, the sense of warmth, and the sense of sight—then you will have roughly the scope of what you call “soul life.” It is precisely from these distinctly external senses—and from the qualities of these distinctly external senses—that something extends into the sense of warmth, on which we depend far more in our soul life than we usually realize. The sense of sight, after all, has an immensely broad significance for the entire soul life. But we already descend into the animal realm with the sense of taste and the sense of smell, and we descend completely into our physicality with the sense of balance, the sense of movement, the sense of life, and so on. In a sense, these perceive things entirely inwardly, as that which no longer belongs to our soul life.


[ 17 ] Wollten wir schematisch unser menschliches Wesen zeichnen, so müßten wir so zeichnen: Wir müßten sagen, wir umfassen das obere Gebiet, und darinnen, in diesem oberen Gebiete, da ruht unser eigentliches Innenleben (gelb). Dieses Innenleben kann ja gar nicht da sein, wenn wir nicht gerade diese äußeren Sinne haben. Was wären wir als ein Mensch, der keine andern Iche neben sich hätte? Was wären wir als ein Mensch, der niemals Worte, Gedanken und so weiter vernommen hätte? Malen Sie sich das nur aus. Dagegen dasjenige, was dann vom Geschmackssinn nach abwärts liegt, das nimmt nach innen hin wahr, das vermittelt zunächst Vorgänge nach innen (rot). Aber die werden ja immer unklarer und unklarer. Gewiß, der Mensch muß ein ganz deutliches Wahrnehmen haben seines eigenen Gleichgewichtes, sonst würde er ohnmächtig und umfallen. Ohnmächtig umfallen bedeutet für den Gleichgewichtssinn nichts anderes, als blind werden für die Augen. Nun aber, es wird undeutlich, was diese Sinne vermitteln. Der Geschmackssinn, der entwickelt sich, ich möchte sagen, noch gewissermaßen an der Oberfläche, da ist ein deutliches Bewußtsein von diesem Geschmackssinn vorhanden. Aber obwohl unser ganzer Körper, wenigstens mit Ausnahme des Gliedmaßenorganismus — aber auch eigentlich der —, obwohl unser ganzer Körper schmeckt, sind ja die wenigsten Menschen in der Lage, die verschiedenen Speisen noch im Magen zu schmecken, weil nach dieser Richtung heute doch, ja, wie soll ich jetzt sagen, Zivilisation oder Kultur, oder soll ich auch sagen Feinschmeckerei, nicht so weit ausgebildet ist. Die wenigsten Menschen können noch im Magen die verschiedenen Speisen schmecken. Sie schmecken sie gerade noch in den übrigen Organen. Aber wenn sie einmal im Magen sind, dann ist es den meisten Menschen ganz einerlei, wie sie sind, trotzdem unterbewußt der Geschmackssinn sich durch den ganzen Verdauungstrakt in sehr deutlicher Weise fortsetzt. Der ganze Mensch schmeckt im Grunde genommen dasjenige, was er zu sich nimmt, aber es stumpft sehr bald ab, wenn sich das Gegessene dem Körper mitteilt. Der ganze Mensch entwickelt durch seinen Organismus hindurch den Geruchssinn, das passive Verhalten zu den riechenden Körpern. Dieses konzentriert sich wiederum nur, ich möchte sagen, auf das alleroberflächlichste, während eigentlich der ganze Mensch ergriffen wird von einer riechenden Blume oder von irgendeinem andern riechenden Stoff und so weiter. Gerade wenn man dieses weiß, wie der Geschmackssinn und der Geruchssinn den ganzen Menschen durchdringen, dann weiß man auch, was in diesem Erlebnis des Riechens, des Schmeckens enthalten ist, wie sich das fortsetzt nach dem Inneren des Menschen, und man kommt ganz ab von jeder Art materialistischer Auffassung, wenn man weiß, was Schmecken zum Beispiel heißt. Und ist man sich klar darüber, daß dieser Schmeckensvorgang durch den ganzen Organismus geht, dann ist man nicht mehr imstande, so bloß chemiehaft den weiteren Verdauungsvorgang zu schildern, wie er von der heutigen materialistischen Wissenschaft geschildert wird.
[ 17 ] If we were to sketch our human nature schematically, we would have to draw it this way: We would have to say that we encompass the upper region, and within that upper region lies our actual inner life (yellow). This inner life could not possibly exist if we did not have these very external senses. What would we be as human beings if we had no other “selves” beside us? What would we be as human beings if we had never heard words, thoughts, and so on? Just imagine that. In contrast, that which lies below the sense of taste perceives inwardly; it first conveys processes inward (red). But these perceptions become increasingly unclear. Certainly, a person must have a very clear perception of their own balance; otherwise, they would faint and fall over. Fainting and falling over means nothing other than becoming blind to the eyes for the sense of balance. But now, what these senses convey becomes unclear. The sense of taste—which develops, I would say, still to a certain extent on the surface—is accompanied by a clear awareness of this sense of taste. But although our entire body—at least with the exception of the limbs, though actually even they—tastes, very few people are still able to taste different foods once they are in the stomach, because in this regard today, well, how shall I put it, civilization or culture—or should I say gourmet culture—has not developed that far. Very few people can still taste the various foods in their stomachs. They can barely taste them in the other organs. But once they are in the stomach, most people don’t care at all what they taste like, even though the sense of taste continues very distinctly throughout the entire digestive tract on a subconscious level. Essentially, the whole person tastes what they consume, but this sense dulls very quickly once what has been eaten is assimilated by the body. The whole person develops, throughout their organism, the sense of smell—the passive response to scented substances. This, in turn, focuses only—I would say—on the most superficial aspects, whereas in reality the whole person is captivated by a fragrant flower or any other scented substance, and so on. Precisely when one knows this—how the senses of taste and smell permeate the whole human being—then one also knows what is contained in this experience of smelling and tasting, how it extends into the inner being of the human being, and one moves entirely away from any kind of materialistic conception when one knows what tasting, for example, means. And once one is clear that this process of tasting permeates the entire organism, one is no longer able to describe the subsequent digestive process in such a purely chemical manner as it is described by today’s materialistic science.
[ 18 ] Aber auf der andern Seite läßt sich ja nicht leugnen, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen dem, was ich hier gelb bezeichnet habe, und dem, was ich hier schematisch rot bezeichnet habe: ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Inhalt, den wir haben in unserem Seelenleben durch den Ichsinn, Wortesinn und so weiter, und den Erlebnissen, die wir durch Geschmacks-, Geruchs-, Bewegungs-, Lebenssinn und so weiter haben. Es ist ein gewaltiger, ein radikaler Unterschied. Und zwar werden Sie diesen Unterschied am besten einsehen, wenn Sie sich klarmachen, wie Sie aufnehmen, was Sie in sich selbst erleben, wenn Sie, sagen wir, die Worte eines andern Menschen anhören, oder wenn Sie einem Klang zuhören; was Sie da in sich selbst erleben, hat doch zunächst gar keine Bedeutung, also für sich, für den äußeren Vorgang gar keine Bedeutung. Was schert sich die Glocke darum, daß Sie sie hören! Da ist nur eben eine Verbindung zwischen Ihrem inneren Erlebnis und dem Vorgang, der sich in der Glocke abspielt, insofern Sie zuhören.
[ 18 ] But on the other hand, there is no denying that there is a huge difference between what I have marked in yellow here and what I have schematically marked in red here: a tremendous difference between the content we experience in our inner life through the sense of the “I,” the sense of language, and so on, and the experiences we have through the senses of taste, smell, movement, life, and so on. It is a tremendous, a radical difference. And you will best understand this difference when you realize how you perceive what you experience within yourself when, say, you listen to another person’s words, or when you listen to a sound; what you experience within yourself in that moment has, at first, no meaning at all—that is, in and of itself, it has no meaning for the external process. What does the bell care that you hear it! There is simply a connection between your inner experience and the process taking place within the bell, insofar as you are listening.
[ 19 ] Dasselbe können Sie nicht sagen, wenn Sie den objektiven Vorgang beim Schmecken ins Auge fassen oder beim Riechen oder gar, sagen wir, beim Tasten. Da liegt durchaus ein Weltenvorgang vor. Was da in Ihrem Organismus vorgeht, das können Sie nicht trennen von demjenigen, was sich in Ihrer Seele abspielt. Sie können nicht sagen in diesem Falle wie bei der Glocke: Was schert sich die Glocke, die da klingt, darum, ob Sie ihr zuhören! — So können Sie nicht sagen: Was schert sich dasjenige, was auf der Zunge vorgeht, wenn Sie Essig trinken, um dasjenige, was Sie erleben! — Das können Sie nicht so sagen, da herrscht ein inniger Zusammenhang. Da ist das, was objektiver Vorgang ist, eins mit dem subjektiven Vorgang.
[ 19 ] You cannot say the same thing when you consider the objective process of tasting, or of smelling, or even, let’s say, of touching. There is certainly a cosmic process at work there. What is happening within your organism cannot be separated from what is taking place in your soul. In this case, you cannot say—as you might with a bell: “What does the ringing bell care whether you’re listening to it!” — So you cannot say: “What does what is happening on your tongue when you drink vinegar have to do with what you are experiencing?” — You cannot say that, because there is an intimate connection. What is an objective process is one and the same as the subjective process.
[ 20 ] Die Sünden, die auf diesem Gebiete von der modernen Physiologie gemacht werden, streifen geradezu ans Unerhörte aus dem Grunde, weil man wirklich solch einen Vorgang, wie zum Beispiel das Schmekken, in einer ähnlichen Weise der Seele gegenüberstellt wie, sagen wir, das Sehen oder das Hören. Und es gibt philosophische Abhandlungen, die einfach ganz im allgemeinen von sinnlichen Qualitäten und ihrem Verhältnis zur Seele sprechen. Locke, selbst Kant, sie sprechen im allgemeinen von einem Verhältnis der sinnlichen Außenwelt zu der menschlichen Subjektivität, während etwas ganz anderes vorliegt für alles das, was vom Sehsinn nach aufwärts verzeichnet ist, und in dem, was vom Geschmackssinn nach abwärts verzeichnet ist. Es ist unmöglich, diese beiden Gebiete mit einer einzigen Lehre zu umfassen. Und da man es getan hat, ist diese ungeheure Verwirrung in der Erkenntnistheorie heraufgezogen, die etwa seit Hume oder Locke oder noch früher die modernen Begriffe geradezu verwüstet hat bis herauf in die moderne Physiologie. Denn man kann auf die Natur und das Wesen der Vorgänge nicht kommen, und damit auch nicht auf das Wesen des Menschen, wenn man in dieser Weise nach vorgefaßten Begriffen, ohne eine unbefangene Beobachtung, die Dinge verfolgt.
[ 20 ] The errors committed in this area by modern physiology border on the outrageous, precisely because such a process as, for example, tasting is treated in a manner similar to that of, say, seeing or hearing. And there are philosophical treatises that speak simply and generally about sensory qualities and their relationship to the soul. Locke, and even Kant, speak generally of a relationship between the external sensory world and human subjectivity, whereas something entirely different applies to everything that extends upward from the sense of sight and to everything that extends downward from the sense of taste. It is impossible to encompass these two domains with a single theory. And since this has been attempted, this immense confusion has arisen in the theory of knowledge, which—beginning with Hume or Locke, or even earlier—has virtually devastated modern concepts all the way up to modern physiology. For one cannot arrive at the nature and essence of these processes—and thus also not at the essence of human beings—if one pursues these matters in this way, guided by preconceived notions and without unbiased observation.
[ 21 ] Wir müssen uns also klar sein, daß, indem wir so den Menschen vor uns hinstellen, wir auf der einen Seite deutlich ein nach innen gerichtetes Leben haben, das der Mensch für sich lebt, indem er einfach wahrnehmend sich zur Außenwelt verhält. Auf der andern Seite nimmt er allerdings auch wahr, aber mit dem, was er wahrnimmt, stellt er sich in die Welt hinein. Es ist, wenn ich mich etwas radikal ausdrücke, zum Schluß wiederum so, daß man sagen muß: Dasjenige, was auf meiner Zunge vorgeht, indem ich schmecke, das ist ganz als objektiver Vorgang in mir; indem er sich in mir abspielt, ist das ein Weltenvorgang. Während ich nicht sagen kann, daß dasjenige, was als Bild in mir ersteht durch das Sehen, zunächst ein Weltenvorgang ist. Es könnte wegbleiben, und die ganze Welt wäre so, wie sie ist. Dieser Unterschied zwischen dem oberen Menschen und dem unteren Menschen, der muß durchaus festgehalten werden. Wenn man ihn nicht festhält, dann wird man auf gewisse Richtungen gar nicht kommen können.
[ 21 ] We must therefore be clear that, by placing the human being in this way before us, we have, on the one hand, a distinctly inward-directed life that the human being lives for himself, simply by perceiving and relating to the external world. On the other hand, however, the person also perceives; but through what he perceives, he places himself within the world. To put it somewhat radically, in the end one must say: What takes place on my tongue as I taste is entirely an objective process within me; in that it unfolds within me, it is a worldly process. Whereas I cannot say that what arises within me as an image through seeing is, in the first place, a worldly process. It could be absent, and the whole world would still be as it is. This distinction between the higher human being and the lower human being must absolutely be maintained. If one does not maintain it, then one will not be able to arrive at certain lines of thought at all.
[ 22 ] Wir haben mathematische Wahrheiten, geometrische Wahrheiten. Ein oberflächliches Menschenbetrachten denkt: Nun ja, der Mensch nimmt aus seinem Kopfe oder irgendwo heraus — nicht wahr, so bestimmt sind ja die Vorstellungen nicht, die man sich da macht — die Mathematik. — Aber das ist ja nicht so. Diese Mathematik kommt aus ganz andern Gebieten. Und wenn Sie den Menschen betrachten, so haben Sie ja die Gebiete gegeben, aus denen das Mathematische kommt: Es ist der Gleichgewichtssinn, es ist der Bewegungssinn. Aus solchen Tiefen herauf kommt das mathematische Denken, bis zu denen wir nicht mehr hinreichen, hinuntergehen mit unserem gewöhnlichen Seelenleben. Unter unserem gewöhnlichen Seelenleben lebt dasjenige, was uns heraufbefördert, was wir in mathematischen Gebilden entfalten. Und so sehen wir, daß das Mathematische eigentlich wurzelt in dem, was in uns zugleich kosmisch ist. Wir sind ja wirklich subjektiv nur mit dem, was vom Sehsinn hier nach aufwärts liegt; mit dem, was da hinunter liegt, wurzeln wir in der Welt. Wir sind darinnen in der Welt; mit dem, was aber darunter liegt, sind wir wie ein Holzklotz, ebenso wie die ganze übrige Außenwelt. Wir können daher niemals sagen, daß zum Beispiel die Raumlehre irgend etwas Subjektives haben könnte, denn sie entspringt aus dem in uns, worinnen wir selber objektiv sind. Es ist genau derselbe Raum, den wir durchmessen, wenn wir gehen und den uns unsere Bewegungen vermitteln, genau derselbe Raum, den wir dann, wenn wir ihn im Bilde aus uns herausgebracht haben, auf das Angeschaute verwenden. Vom Raume kann auch nicht die Rede sein, daß er irgendwie etwas Subjektives sein könnte, denn er entspringt nicht jenem Gebiete, aus dem das Subjektive entspringt.
[ 22 ] We have mathematical truths, geometric truths. A superficial observer of human beings might think: Well, people just pull mathematics out of their heads or from somewhere—after all, the ideas they form aren’t that precise, are they? — But that’s not the case. This mathematics comes from entirely different realms. And if you observe human beings, you’ll see that the realms from which mathematics arises are already present: it is the sense of balance, it is the sense of movement. Mathematical thinking rises from such depths—depths we cannot reach or descend to with our ordinary soul life. Beneath our ordinary life of the soul lies that which lifts us up, that which we unfold in mathematical structures. And so we see that the mathematical actually has its roots in that which is at the same time cosmic within us. We are, after all, truly subjective only with regard to what lies above the sense of sight; with what lies below it, we are rooted in the world. We are within the world in that respect; but with what lies beneath it, we are like a block of wood, just like the rest of the external world. We can therefore never say that, for example, the theory of space could have anything subjective about it, for it springs from that within us in which we ourselves are objective. It is precisely the same space that we traverse when we walk and that our movements convey to us—precisely the same space that we then, once we have brought it out of ourselves in the form of an image, apply to what we are looking at. Nor can it be said of space that it could in any way be something subjective, for it does not arise from that realm from which the subjective arises.
[ 23 ] Eine solche Betrachtungsweise, wie ich sie jetzt angestellt habe, liegt einfach allem Kantianismus ganz fern, weil der Kantianismus diese radikale Unterscheidung nicht kennt zwischen diesen zwei Gebieten im menschlichen Leben. Er weiß nicht, daß der Raum nichts Subjektives sein kann, weil der Raum aus dem Gebiete im Menschen entspringt, das an sich objektiv ist, demgegenüber wir uns objektiv verhalten. Wir sind nur anders mit ihm verbunden als mit der Außenwelt, aber es ist Außenwelt, richtige Außenwelt, und wird vor allen Dingen jede Nacht Außenwelt, indem wir uns mit unserer Subjektivität, dem Ich und astralischen Leib, schlafend zurückziehen.
[ 23 ] An approach such as the one I have just taken is simply very far removed from all forms of Kantianism, because Kantianism does not recognize this radical distinction between these two spheres of human life. It does not recognize that space cannot be anything subjective, because space arises from that realm within the human being that is objective in itself, toward which we behave objectively. We are connected to it differently than we are to the external world, but it is the external world—the true external world—and, above all, it becomes the external world every night when we withdraw into sleep with our subjectivity, the “I,” and the astral body.
[ 24 ] Es ist notwendig, daß man einsieht: Es nützt nichts, möglichst viele äußere Tatsachen zusammenzutragen zu einer angeblichen Wissenschaft, die dann die Kultur weiter fördern soll, wenn innerhalb des Vorstellens und des Begreifens der Welt ganz konfuse Begriffe existieren, wenn über die wichtigsten Dinge keine klaren Begriffe existieren. Und das ist dasjenige, was wir als eine unbedingte Aufgabe jetzt vor uns haben, wenn den Niedergangskräften entgegengearbeitet und zu Aufgangskräften hingearbeitet werden soll: daß wir einsehen, wie es vor allen Dingen notwendig ist, zu klaren, nicht verschwommenen, sondern zu klaren Begriffen zu kommen. Man muß schon durchaus einsehen, daß das Ausgehen von Begriffen, das Ausgehen von Definitionen gar nichts bedeutet, sondern das vorurteilsfreie Anschauen der Tatsachengebiete.
[ 24 ] It is necessary to realize that it is of no use to compile as many external facts as possible into a so-called science—which is then supposed to further promote culture—if there are completely confused concepts within our imagination and understanding of the world, if there are no clear concepts regarding the most important things. And this is the task that now lies before us as an absolute necessity if we are to counteract the forces of decline and work toward forces of ascent: that we recognize how essential it is, above all else, to arrive at clear concepts—not vague ones, but clear ones. One must certainly realize that relying on concepts or definitions means nothing at all; rather, it is the unbiased observation of the realms of facts.
[ 25 ] Kein Mensch hat das Recht, zum Beispiel das Sehgebiet als etwas zu begrenzen, das er dann als ein Sinnesgebiet charakterisiert, wenn er nicht zugleich, sagen wir, das Gebiet der Wortewahrnehmung als ein ebensolches Gebiet absondert. Versuchen Sie es nur einmal, sich das Gebiet der gesamten Erfahrung so zu gliedern, wie ich das nun schon öfters gemacht habe, und Sie werden sehen, daß Sie sich nicht sagen dürfen: Wir haben Augen, also haben wir einen Sehsinn, und wir betrachten den Sehsinn. — Sondern Sie werden sich sagen müssen: Gewiß, das hängt mit irgend etwas zusammen, daß das Sehen so ausgesprochen physisch-sinnliche Organe hat; aber das berechtigt nicht, das Gebiet der Sinne auf dasjenige zu beschränken, in dem deutlich wahrnehmbare physische Organe vorhanden sind. — Dabei kommen wir noch lange nicht auf irgendeine höhere Anschauung, sondern wir kommen nur auf das, was im gewöhnlichen Menschenleben spielt. Auf das Wichtige kommen wir, daß wir wirklich unterscheiden müssen zwischen dem, was im Menschen subjektiv ist, was im Menschen inneres Seelenleben ist, und worinnen der Mensch eigentlich schläft. Ein kosmisches Wesen ist der Mensch zum Beispiel in bezug auf alles das, was seine Sinne vermitteln; da ist er ein kosmisches Wesen. Sie wissen nichts davon in Ihrem gewöhnlichen Seelenleben, was da vorgeht, wenigstens nicht ohne höhere Anschauung, wenn Sie Ihren Arm bewegen. Das ist Willensentwickelung. Es ist ein Vorgang, der ebenso außer Ihnen liegt wie irgendein anderer äußerer Vorgang. Trotzdem ist er mit Ihnen innig verbunden. Aber er liegt außer Ihrem Seelenleben. Dagegen kann keine Vorstellung da sein, ohne daß wir mit unserem Bewußtsein dabei sind. Sie bekommen daher, wenn Sie diese drei Gebiete gliedern, auch noch ein anderes.
[ 25 ] No one has the right, for example, to define the visual field as something that he then characterizes as a sensory field unless he simultaneously, let’s say, sets aside the field of word perception as a field of the same kind. Just try once to structure the realm of all experience in the way I have done on several occasions, and you will see that you cannot say to yourself: We have eyes, so we have a sense of sight, and we are considering the sense of sight. — Instead, you will have to say to yourself: Certainly, the fact that vision has such distinctly physical-sensory organs is connected to something; but that does not justify limiting the realm of the senses to that in which clearly perceptible physical organs are present. — Yet this does not bring us anywhere near any higher perspective; rather, it brings us only to what takes place in ordinary human life. We arrive at the important point that we must truly distinguish between what is subjective in the human being, what is the inner life of the soul, and that in which the human being is actually asleep. For example, the human being is a cosmic being in relation to everything conveyed by the senses; in that respect, he is a cosmic being. You are unaware of what is happening there in your ordinary soul life—at least not without a higher perspective—when you move your arm. This is the development of the will. It is a process that lies just as much outside of you as any other external process. Nevertheless, it is intimately connected with you. But it lies outside your soul life. On the other hand, no conception of it can exist without our consciousness being present. Therefore, when you structure these three realms, you also gain another one.
[ 26 ] Bei allem, was Ihr Ichsinn, Ihr Gedankensinn, Ihr Wortesinn und Ihr Gehörsinn Ihnen vermitteln, indem diese Vermittelungen zum Seelenleben werden, bekommen Sie ja im eminentesten Sinne alles dasjenige, was vorstellungsverwandt ist. In eben demselben Sinne ist alles, was Wärmesinn, Sehsinn, Geschmacks-, Geruchssinn betrifft, gefühlsverwandt. Bei einigem ist es nicht ganz auffällig, wie beim Sehsinn. Beim Geschmacks-, Geruchs- und Wärmesinn ist es auffällig, aber beim Sehsinn wird derjenige, der genauer darauf eingeht, das auch finden. Dagegen alles das, was mit Gleichgewichtssinn, Bewegungssinn, Lebenssinn zusammenhängt und auch mit dem Tastsinn, obwohl es da schwerer zu bemerken ist, weil der Tastsinn sich ins Innere zurückzieht, alles das ist willensverwandt. Im menschlichen Leben ist eben alles miteinander verwandt und doch alles wiederum metamorphosiert.
[ 26 ] In everything that your sense of self, your sense of thought, your sense of speech, and your sense of hearing convey to you—as these conveyances become part of your soul life—you receive, in the most eminent sense, everything that is related to the imagination. In exactly the same sense, everything pertaining to the sense of warmth, the sense of sight, and the senses of taste and smell is related to feeling. In some cases, this is not entirely obvious, as with the sense of sight. With the senses of taste, smell, and warmth, it is obvious, but with the sense of sight, anyone who examines it more closely will find this to be true as well. In contrast, everything related to the sense of balance, the sense of movement, the sense of life, and also the sense of touch—although this is harder to notice because the sense of touch withdraws inward—all of this is related to the will. In human life, everything is interconnected, and yet everything is constantly undergoing metamorphosis.
[ 27 ] So habe ich versucht, Ihnen heute zusammenfassend dasjenige, was ich bei den verschiedensten Gelegenheiten ausgeführt habe, noch einmal zu sagen, damit wir dann die morgige und übermorgige Betrachtung daranschließen können.
[ 27 ] So today I have tried to summarize and reiterate what I have discussed on various occasions, so that we can then move on to tomorrow’s and the day after tomorrow’s reflections.

