Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II
Human Beings as Physical and Spiritual Entities
in the Course of History
GA 206
14 August 1921, Dornach
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Human-Becoming, World-Soul and World-Spirit II, tr. SOL
Zweiundzwanzigster Vortrag
Twenty-second Lecture
[ 1 ] Wir haben nun einige Bausteine zusammengetragen, die geeignet sein sollen, eine Art Gebäude aufzurichten, um durch dieses Anschauungsgebäude tiefer in das Wesen des Menschen einzudringen. Um nun von den Auseinandersetzungen, die wir gestern und vorgestern gepflogen haben, in entsprechender Weise weiterzuschreiten, ist es notwendig, daß wir heute unsere Betrachtungen ausdehnen auf Gebiete, die wir berührt haben, in der Weise, daß wir gewissermaßen das SeelischGeistige, das ja im Menschen wirkt, und das Leiblich-Materielle, das in ihm ebenso wirkt, im Zusammenhange betrachten. Es ist ja nun einmal in der wissenschaftlichen Entwickelung der neueren Zeit schwer geworden, diese Anschauung über das Zusammenwirken des GeistigSeelischen und des Leiblich-Physischen im Menschen in fruchtbringender Weise zusammenzustellen, denn der moderne Mensch kennt eigentlich auf diesem Gebiete immer nur eine Zweiheit. Er kennt das Materielle mit seinen Wirkungen und mit seinen Konfigurationen und betrachtet dann dieses Materielle auch am Menschen. Er betrachtet es am Menschen, indem er etwa Physiologie, Chemie, Biologie betreibt. Von diesen Dingen gehen dann gewisse Anschauungen aus und werden in das populäre Bewußtsein aufgenommen. Man hält mit einer gewissen Zähigkeit an ihnen fest, und es muß immer wieder betont werden, daß ja eigentlich selbst diejenigen, die mit ihren Sonntagsgefühlen noch in alten traditionellen Religionsvorstellungen leben, durchaus als Autorität anerkennen, was eben die landläufige Wissenschaft sagt über das Leibliche des Menschen, vielleicht diese erst recht. Auf der andern Seite machen sich ja gewisse Menschen Vorstellungen über das GeistigSeelische. Aber diese Vorstellungen über das Geistig-Seelische sind so abstrakt, sind manchmal tatsächlich nur Worthülsen über irgend etwas, das man einmal genauer gekannt hat, dessen Erkenntnis verlorengegangen ist, so daß nicht viel damit anzufangen ist. Die Menschen reden wohl heute vom Denken, vom Fühlen, vom Wollen, sie reden vom Vorstellen. Allein wirklich erlebte Anschauungen über diese Dinge hat man ja nicht. Man möchte sagen, es haben sich Worte fortgepflanzt, und an diesen Worten hält die Menschheit fest, ohne daß sie mit ihnen viel Sinn verbindet. Man sieht das auch sein Spiel hineintreiben in die heute erscheinenden Literaturwerke über Seelenkunde und dergleichen, wo über Denken, Fühlen und Wollen durchaus Worthülsen oder wenigstens leere Abstraktionen ihr Wesen treiben.
[ 1 ] We have now gathered together some building blocks that should be suitable for erecting a kind of structure, so that through this illustrative structure we may gain a deeper insight into the nature of the human being. In order to proceed appropriately from the discussions we held yesterday and the day before, it is necessary that we expand our considerations today to areas we have touched upon, in such a way that we view, as it were, the soul-spiritual—which is at work within the human being—and the physical-material—which is likewise at work within him—in their mutual relationship. It has, after all, become difficult in the scientific development of recent times to synthesize this view of the interaction between the spiritual-psychic and the physical-material in the human being in a fruitful way, for modern humanity actually knows only a duality in this realm. They recognize the material realm with its effects and configurations, and then apply this understanding to human beings as well. They examine it in human beings through disciplines such as physiology, chemistry, and biology. Certain views then emerge from these fields and are absorbed into popular consciousness. People cling to them with a certain tenacity, and it must be emphasized time and again that even those who, with their Sunday-best sentiments, still live within old, traditional religious conceptions, fully recognize as authoritative what mainstream science says about the physical aspect of human beings—perhaps they do so all the more. On the other hand, certain people do form ideas about the spiritual and soul aspects. But these ideas about the spiritual and soul-related realms are so abstract; they are sometimes, in fact, merely empty phrases about something that was once understood more precisely, but whose understanding has been lost, so that there is little to be done with them. People today may well speak of thinking, feeling, and willing; they speak of imagination. Yet they have no truly experienced insights into these things. One might say that words have multiplied, and humanity clings to these words without attaching much meaning to them. One sees this at work in the literary works on psychology and the like that appear today, where thinking, feeling, and willing are nothing but empty phrases—or at least empty abstractions.
[ 2 ] Dann merken die Menschen, daß sie auf der einen Seite die Anschauung des Materiellen haben, die sie nicht ableugnen können, weil sie ja Augen haben, Hände haben, mit denen sich das Materielle angreifen und sehen läßt, weil sie Waagen haben, mit denen es sich wiegen läßt, weil sie messen können und dergleichen. Also das Materielle wird als solches aus dem unmittelbaren Augenscheine, aus der Sinnesempfindung heraus anerkannt.
[ 2 ] Then people realize that, on the one hand, they have a perception of the material world that they cannot deny—because they have eyes, hands with which they can touch and see material things, because they have scales with which to weigh them, because they can measure them, and so on. Thus, the material world is recognized as such through direct visual perception and sensory experience.
[ 3 ] Auf der andern Seite reden schon die Menschen von einem GeistigSeelischen, aber in jener Weise, wie ich es eben besprochen habe. Und dann können sie nicht irgendwie eine Beziehung finden zwischen diesem Geistig-Seelischen und dem Leiblich-Physischen, dem MateriellPhysischen. Man ist ja auf allerlei Theorien verfallen, wie das GeistigSeelische zusammenwirken soll mit dem Leiblich-Materiellen. Allein alle diese Theorien sind eben Gedankengespinste. Denn bevor man über diese Dinge Anschauungen gewinnt, ist es durchaus notwendig, daß man einzugehen vermag auf den ganzen Menschen. Im ganzen Menschen ist es ja schließlich so, daß niemals irgendeine geistigseelische Äußerung zwischen Geburt und Tod da ist, ohne daß eine leiblich-physische Äußerung da ist. Und wenn wir vom LeiblichPhysischen und vom Geistig-Seelischen als etwas Gegensätzlichem reden, so sind das Abstraktionen, denn es ist das eine und dieselbe Sache von verschiedenen Seiten angesehen. Aber das weiß man nicht, daß das eine und dieselbe Sache ist, und man sieht gerade die Schwierigkeiten darin, eine Theorie aufzustellen, wie nun die beiden zusammenwirken. Aber nur was wir in einer wirklich gesteigerten, herangebildeten Beobachtung erfassen, das ist es, was auf diesem Gebiete hilft. Und dazu ist notwendig, daß eben aufmerksam gemacht wird auf die Dinge, die sich bei einer solchen Beobachtung ergeben. Es ist ja natürlich, daß einer exakten Beobachtung auf diesem Gebiete vorangehen muß eine gewisse Schulung in dem Sinne, wie ich sie beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Aber wenn man die Zielpunkte hat, wenn man weiß, was da beobachtet worden ist, so kann man schon nachkommen mit dem gesunden Menschenverstand, wenn man nur überhaupt will, wenn man nur überhaupt sich darauf einläßt, die Ideen, die dann zutage gefördert werden durch die geisteswissenschaftliche Beobachtung, in ihren Inhalten ordentlich zu verfolgen.
[ 3 ] On the other hand, people do speak of a spiritual-soul aspect, but in the way I have just discussed. And then they cannot somehow find a connection between this spiritual-soul aspect and the bodily-physical, the material-physical. People have, of course, come up with all sorts of theories about how the spiritual-psychic is supposed to interact with the physical-material. But all these theories are merely figments of the imagination. For before one can gain insight into these matters, it is absolutely necessary to be able to take the whole human being into account. After all, in the whole human being, there is never any spiritual-soul manifestation between birth and death without a physical-material manifestation. And when we speak of the physical-material and the spiritual-soul as opposites, these are abstractions, for they are one and the same thing viewed from different angles. But people do not realize that this is one and the same thing, and they see precisely the difficulty in formulating a theory of how the two interact. Yet only what we grasp through truly heightened, trained observation is what helps in this field. And for this, it is necessary to draw attention to the things that emerge during such observation. It is, of course, natural that precise observation in this field must be preceded by a certain training in the sense I described in How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?. But once one has the objectives in mind, once one knows what has been observed there, one can already follow along using common sense—provided one is willing at all, provided one is at all open to properly tracing the content of the ideas that are then brought to light through spiritual scientific observation.
[ 4 ] Diese Ideen sind natürlich immer derart, daß, wenn man auf sie anwendet, was aus der gewöhnlichen Wissenschaft einem vertraut ist, dann kommt man nicht nach. Man muß schon sich einlassen auf die Ideen, die da gegeben werden. Aber auf Ideen kann man sich immer einlassen mit dem gesunden Menschenverstand. Ideen könnten hergekommen sein von den allerunbekanntesten Welten; wenn sie da sind, kann man sich auf sie einlassen. Wenn nur wirklich die Erfahrungen aus den entsprechenden Welten in solche erfaßbaren Ideen gebracht sind, dann kann man sich schon auf sie einlassen. Aber man muß sich zu dem aufschwingen, zu dem man ja keine okkulte Schulung braucht: zu dem Erfassen von Ideen.
[ 4 ] These ideas are, of course, always such that if one applies to them what one is familiar with from conventional science, one cannot keep up. One really has to open oneself up to the ideas that are presented here. But one can always open oneself up to ideas using common sense. Ideas could have come from the most unknown of worlds; if they are there, one can engage with them. As long as the experiences from those worlds are truly expressed in such comprehensible ideas, then one can indeed engage with them. But one must rise to a level that requires no occult training: the grasping of ideas.
[ 5 ] Das können natürlich gerade die meisten Menschen heute nicht, und am wenigsten die Wissenschafter des heutigen Tages. Die sind gewöhnt, Ideen nur zu haben, wenn diese Ideen entlehnt sind der äußeren Sinneswelt. Und sie lassen sich höchstens in der Mathematik darauf ein, sonst lassen sie sich aber gar nicht ein auf das Erfassen von Ideen, die dann aus sich selbst heraus verfolgt werden, wie die mathematischen Gebilde aus sich selbst heraus verfolgt werden. Alles, was der Geisteswissenschafter bringt, kann man verfolgen, wenn man den Willen entwickelt, sich auf solche Ideen einzulassen, und man kann eigentlich ideell alles nachprüfen. Aber man muß wollen. Dazu gehört eben — das muß immer wieder betont werden — gar keine okkulte Schulung, aber dazu gehört eine Überwindung dessen, was man gerade heute aufnimmt als anerkannt wissenschaftliche Denkmethoden, die durchaus nicht zusammenfallen mit dem gesunden Menschenverstand, weil sie eben die Denkgewohnheiten erzeugt haben, nur das gelten zu lassen, was ein Korrelat in der sinnlichen Welt hat. Wir müssen heute eine Anzahl von Ideen entwickeln, welche uns weiterführen können in den Betrachtungen, die wir gewonnen haben. Wenn unser Vorstellungsleben abläuft, wenn wir also vorstellen, so geht ja in uns etwas vor. Und was da vorgeht, das ist nicht der abstrakte Prozeß, der heute vielfach beschrieben wird, sondern es ist ein Prozeß, in dem durchaus auch etwas lebt, was man materielle Vorgänge nennt. Man ist nicht dadurch Materialist, daß man das Geistige bis in seine materiellen Wirkungen hinein verfolgt, man ist nur dadurch Materialist, daß man das Geistige aus einem Vorurteile heraus ablehnt.
[ 5 ] Of course, most people today are unable to do this, and least of all today’s scientists. They are accustomed to having ideas only when those ideas are borrowed from the external sensory world. And they are willing to engage with this only in mathematics, at most; otherwise, they do not engage at all with grasping ideas that are then pursued from within themselves, just as mathematical constructs are pursued from within themselves. Everything that the humanities scholar presents can be followed if one develops the will to engage with such ideas, and one can actually verify everything conceptually. But one must want to. This does not—and this must be emphasized again and again—require any occult training, but it does require overcoming what is accepted today as recognized scientific methods of thinking, which by no means coincide with common sense, because they have created the habit of thinking that only what has a correlate in the sensory world is valid. Today we must develop a number of ideas that can lead us further in the insights we have gained. When our imaginative life unfolds—that is, when we imagine—something is indeed taking place within us. And what is taking place there is not the abstract process that is often described today, but rather a process in which there is certainly also something alive that is called material processes. One is not a materialist simply because one traces the spiritual down to its material effects; one is a materialist only because one rejects the spiritual out of prejudice.
[ 6 ] Sobald man sich völlig klar darüber wird, was da eigentlich in der Seele vorgeht, wenn man denkt, wenn man vorstellt, dann wird man allmählich doch auch schon ohne okkulte Schulung zu einem inneren Erfassen des seelisch-leiblichen Prozesses kommen können, der vorliegt. Und dieser seelisch-leibliche Prozeß beim Denken, beim Vorstellen, er ist ein solcher, der schon seinen seelischen Eigenschaften nach zeigt, daß er das Gegenteil eines andern Prozesses ist. Versuchen Sie nur einmal aufzufinden in dem Umfange des gewöhnlichen Bewußtseins, welches der gegenteilige Prozeß des Denkens ist. Es ist derjenige, wo uns die Gedanken schwinden, wo wir unfähig werden, die Gedanken in heller, klarer Weise zu verfolgen, wo also das, was wir im gewöhnlichen Leben bewußt nennen, aufhört, wenigstens wo unsere Gewalt aufhört über das, was wir im gewöhnlichen Leben bewußt nennen. Nun können Sie gerade bei diesem Gegenbild des Denkens verfolgen, wie es ein leibliches Korrelat hat: Überall da, wo der eigentliche Wachstumsprozeß, der Werdeprozeß in uns, der Prozeß des Nährens, des Wachsens, besonders stark auftritt, da tritt das Gedankenelement, das Vorstellungselement zurück. Sie brauchen nur verständig hinzuschauen auf die rege organische Wachstumstätigkeit in den ersten Kinderjahren. Da ist diese Wachstumstätigkeit ganz besonders lebendig. Aber das Denken, das ist doch nur im Keime vorhanden, wenigstens die Gewalt des Menschen über das Denken. Oder verfolgen Sie Krankheitsprozesse, durch die wie in Fiebererscheinungen, die organische Tätigkeit eine besonders vehemente wird, wo sie eine gesteigerte wird, da schwindet die bewußte Gewalt über das Vorstellungsleben dahin.
[ 6 ] As soon as one becomes fully aware of what is actually taking place in the soul when one thinks or imagines, one will gradually—even without occult training—be able to gain an inner understanding of the soul-body process that is at work. And this soul-body process involved in thinking and imagining is one that, by its very psychological nature, reveals itself to be the opposite of another process. Just try to identify, within the scope of ordinary consciousness, what the opposite process of thinking is. It is the process in which our thoughts fade away, in which we become unable to follow our thoughts in a clear and lucid manner—in other words, where what we call “consciousness” in ordinary life ceases, or at least where our control over what we call “consciousness” in ordinary life ceases. Now, it is precisely in this counter-image of thinking that you can observe how it has a physical counterpart: Wherever the actual process of growth, the process of becoming within us—the process of nourishment and growth—occurs with particular intensity, there the element of thought, the element of imagination, recedes. You need only observe with discernment the vigorous organic growth activity during a child’s early years. There, this growth activity is particularly vivid. But thinking—or at least the human capacity for thought—is present only in its embryonic form. Or observe disease processes, such as those associated with fever, in which organic activity becomes particularly intense; wherever it intensifies, conscious control over the life of imagination fades away.
[ 7 ] Wir sehen also einen Gegensatz, den wir immer genauer beschreiben könnten, aber ich möchte nur auf die Richtlinien hinweisen. Das eine ist das Vorstellungsleben; wir fassen es zunächst seelisch. Das andere ist das Wachstumsleben. Ich werde, um Sie genauer darauf hinzuweisen, was eigentlich vorliegt, schreiben die «Wachstumswucherung», da ist jetzt der Gegensatz mehr leiblich erfaßt.
[ 7 ] So we see a contrast that we could describe in ever greater detail, but I would just like to point out the general principles. One is the life of the imagination; we’ll consider it, for now, in psychological terms. The other is the life of growth. To help you understand more precisely what is actually at play, I will use the term “growth proliferation,” since this captures the contrast in a more physical sense.
[ 8 ] Aber versuchen Sie einmal, von diesem Ausgangspunkt weiterzugehen. Erinnern Sie sich, daß ich oftmals darauf hingewiesen habe, wie der Mensch eigentlich in seinem gewöhnlichen Bewußtsein dies helle, klare Tagesbewußtsein, das er vom Aufwachen bis zum Einschlafen trägt, nur über sein Vorstellungsleben hat, während dasjenige, was in uns vorgeht, wenn wir den Willen entwickeln, in ein Finsteres hinuntertaucht wie das Leben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Wir schlafen, so sagte ich oftmals, nicht nur vom Einschlafen bis zum Aufwachen ganz, sondern wir schlafen auch im wachenden Zustande partiell für unsere Willenstätigkeit. Alles was in uns als wollende Betätigung lebt, ist eigentlich in einen Schlafzustand eingehüllt. Wir wissen, wenn wir die Hand heben wollen, von unseren Absichten, von unseren Willensmotiven, aber wir verhalten uns zu dem, was da eigentlich in uns vorgeht, indem die Hand wirklich gehoben wird, indem also der Wille entfaltet wird, gerade so, wie wir uns zu uns selbst verhalten, wenn wir schlafen. Was geschieht da eigentlich? Was liegt da eigentlich vor?
[ 8 ] But try to take this a step further. Remember that I have often pointed out how, in ordinary consciousness—this bright, clear daytime consciousness that we carry from waking until falling asleep—human beings experience this only through their imaginative life, whereas what takes place within us when we exercise our will plunges into a darkness like the state between falling asleep and waking up. We sleep, as I have often said, not only completely from falling asleep to waking up, but we also sleep partially in the waking state with regard to our volitional activity. Everything that lives within us as volitional activity is actually enveloped in a state of sleep. We are aware of our intentions and our volitional motives when we want to raise our hand, but our relationship to what is actually happening within us—as the hand is actually raised, that is, as the will unfolds—is exactly the same as our relationship to ourselves when we are asleep. What is actually happening there? What is actually taking place?
[ 9 ] Was da vorliegt, ist dieses: Was in uns organisch dem Willen zugrunde liegt, das ist unten zu suchen, in den Wachstumsprozessen, die uns unbewußt bleiben. Der Wille ist hinuntergetaucht in die Wachstumsprozesse. Alles das, was als Wachstum in uns wuchert, das ist zu gleicher Zeit willensverwandt, ist äußerlich leiblich betrachtet Wachstumsprozeß, ist innerlich seelisch betrachtet Wille. So daß wir schon darauf kommen können, wie die Wachstumswucherung, wie alles, was innerhalb derjenigen Kräfteströme liegt, die im Wachstum, in der Ernährung, im Leben überhaupt sich äußern, willensverwandt ist. Wenn wir es also seelisch betrachten, so können wir sagen, das hängt mit dem Willen zusammen.
[ 9 ] What we have here is this: What organically underlies the will within us is to be found below, in the growth processes that remain unconscious to us. The will has plunged down into the growth processes. Everything that flourishes within us as growth is at the same time related to the will; viewed externally from a physical perspective, it is a growth process; viewed internally from a psychological perspective, it is will. Thus we can already begin to see how this proliferation of growth—how everything that lies within those currents of force that manifest in growth, in nutrition, and in life in general—is related to the will. So when we consider it from a psychological perspective, we can say that it is connected to the will.
[ 10 ] Nun ist es durchaus so, wenn wir den Menschen zwischen Geburt und Tod betrachten: Was wir unseren Willen nennen, das ist in jeder einzelnen Tätigkeit eine Abstraktion. Dieser Wille verläuft ja gar nicht abgesondert für sich. Es ist immer in uns ein Stoffwechselprozeß, ein Wachstums-, ein Ernährungsprozeß oder ein Ent-Ernährungsprozeß vorhanden, indem der Wille sich entfaltet. Es ist in einer geringeren Art dasselbe vorhanden, was eben, sagen wir, bei besonders gesteigertem Wachstums- oder Lebensprozeß das Bewußtsein auslöscht. Daher wird auch unser Bewußtsein in der eigentlichen Willensregion ausgelöscht. Diese Willensregion, die ist da, wo die Wachstumswucherung ist; daher ist sie im Unbewußten. Wir müssen also als Mensch in uns unterscheiden ein Gebiet — ich zeichne es natürlich schematisch —, wo die Wachstumswucherung ist, und in dieser Wachstumswucherung, die nun nicht ins gewöhnliche Bewußtsein hereinfällt, wurzelt der Wille. Aber das ist eigentlich eines beim konkreten Menschen. Nur im Denken sondern wir den Willen ab von dieser Wachstumswucherung.
[ 10 ] Now, when we consider human beings between birth and death, it is certainly true that what we call our will is, in every single activity, an abstraction. This will does not operate in isolation at all. There is always a metabolic process, a process of growth, nutrition, or denutrition taking place within us, through which the will unfolds. To a lesser extent, the same process is at work that, let us say, extinguishes consciousness during a particularly intensified process of growth or life. That is why our consciousness is also extinguished in the actual region of the will. This region of the will is located where the growth proliferation occurs; therefore, it lies in the unconscious. So, as human beings, we must distinguish within ourselves a region—I am, of course, drawing this schematically—where this growth proliferation occurs, and within this growth proliferation, which does not enter ordinary consciousness, the will is rooted. But this is actually a single entity in the concrete human being. It is only in thinking that we separate the will from this growth proliferation.
[ 11 ] Ein anderes Gebiet, das wir zunächst nur seelisch betrachtet haben, ist dasjenige, was unser Denken umfaßt. Dieses Denken, das Vorstellen, entwickelt sich entweder in Anknüpfung an äußere Vorstellungen oder dadurch, daß der Erinnerungsprozeß sich in Vorstellungen umsetzt, wenn eben Erlebnisse wiedererinnert werden.
[ 11 ] Another area that we initially considered only from a psychological perspective is that which encompasses our thinking. This thinking—this process of forming mental images—develops either in connection with external mental images or through the process of memory transforming itself into mental images when experiences are recalled.
[ 12 ] Nun, seelisch kann man im Grunde ganz genau sehen, daß dieses Vorstellungsleben der Gegenpol ist des Willenslebens und auch der Gegenpol ist des Wachstumslebens, des Lebens im Organismus überhaupt. Dieses Denkleben, dieses Vorstellungsleben ist ja gerade da, wo wir uns voll in der Gewalt haben, wo wir die Vorstellungen aneinanderreihen, wo wir analysieren und synthetisieren innerhalb des Vorstellungslebens. Wir können das Denken dem Willen entgegensetzen. Der Wille ist, seiner Wesenheit nach, uns ganz unbewußt. Wir wissen jetzt, daß er uns unbewußt ist, weil er im Wachstum, in den Lebensvorgängen, in den Stoffwechselvorgängen wurzelt. Das Denken steht dem Willen entgegen. Wir haben es in der Gewalt.
[ 12 ] Well, on a psychological level, one can actually see quite clearly that this life of imagination is the polar opposite of the life of the will and also the polar opposite of the life of growth—of life in the organism as a whole. This life of thought, this life of imagination, is precisely where we are fully in control of ourselves, where we string ideas together, where we analyze and synthesize within the life of imagination. We can set thinking in opposition to the will. The will, by its very nature, is completely unconscious to us. We now know that it is unconscious to us because it is rooted in growth, in the processes of life, and in metabolic processes. Thinking stands in opposition to the will. We have it under our control.
[ 13 ] In dem Augenblicke allerdings, wo der Geistesforscher vordringt zur Imagination, wird es ihm sogleich klar, was da eigentlich im Denken vorliegt. Denn stellen Sie sich nur einmal genau diesen Prozeß vor, den der Mensch durchmacht, der vom gewöhnlichen Denken zur Imagination vorschreitet.
[ 13 ] The moment, however, that the spiritual researcher advances to imagination, it immediately becomes clear to him what is actually taking place in thought. For just imagine for a moment exactly this process that a person goes through when advancing from ordinary thinking to imagination.
[ 14 ] Das gewöhnliche Denken ist abstrakt. Der Mensch, indem er denkt, ist sich nur des Gedankenlebens bewußt (gelb). Wenn nun dieses Denken durch die Methoden, die ich geschildert habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» sich verdichtet zu dem imaginativen Leben, dann treten die Bilder des imaginativen Lebens auf. Aber es ist ja begreiflich, daß nichts, was in der Seele vorgeht, das heißt, erlebt wird, nicht auch irgendein leibliches Korrelat im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod hat. Man nimmt etwas an sich selbst wahr, wenn man zur Imagination aufsteigt. Und was man wahrnimmt, das ist ja eben gerade derjenige Prozeß, der sich beim Denken überhaupt abspielt, denn es ist ja nur eine Weiterbildung des Denkens, dieses imaginative Erkennen, Ich habe schon gesagt, die Tatsachen am Menschen werden keine andern dadurch, daß man zu dem höheren, zu dem übersinnlichen Erkennen aufsteigt. Man lernt nur das, was ja immer am Menschen vorhanden ist, erkennen. Es geschieht das, was man da erkennen lernt, immer, aber man weiß es nicht mit dem gewöhnlichen Bewußtsein. Hat man nun im vorgerückten Bewußtsein die Bilder, dann weiß man, daß diesen Bildern in der menschlichen Organisation entsprechen gewisse figurale Ablagerungen, richtige stoffliche Ablagerungen (rot). Diese richtigen stofflichen Ablagerungen sind immer im Menschen vorhanden; sie werden nur nicht bemerkt. Denn das, was man in der Imagination erlebt, sind keine neuen Ablagerungen, sondern die Imagination befähigt einen nur, die immer vorhandenen Ablagerungen zu sehen. Man würde keine Imaginationen haben können, wenn man nicht in einer gewissen Weise sehen würde — man kann es übrigens kaum «sehen» nennen —, wenn man nicht gewahr werden würde diese Ablagerungen, denn an diesen Ablagerungen spiegeln sich die Imaginationen. Man merkt dann, daß eben schon im gewöhnlichen Denken diese Ablagerungen durchaus vorhanden sind. Sie hängen zusammen mit der feinen Organisation unseres Nervensystems und desjenigen, was zum Nervensystem gehört. Sie konstituieren das Nervensystem. Das Leben unseres Nervensystems hängt von diesen Ablagerungen ab. Sie bleiben, wie gesagt, unbekannt für das gewöhnliche Bewußtsein. Mit dem imaginativen Bewußtsein werden sie erkannt.
[ 14 ] Ordinary thinking is abstract. When a person thinks, they are aware only of their thought life (yellow). When this thinking is condensed into the imaginative life through the methods I have described in How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds? is condensed into the imaginative life, then the images of the imaginative life emerge. But it is, of course, understandable that nothing that takes place in the soul—that is, that is experienced—does not also have some physical counterpart in ordinary life between birth and death. One perceives something within oneself when one ascends to imagination. And what one perceives is precisely the same process that takes place in thinking in the first place, for this imaginative cognition is merely a further development of thinking. As I have already said, the facts about the human being do not change simply because one ascends to higher, supersensible cognition. One merely learns to recognize what is always present in the human being. What one learns to recognize there is always happening, but one is unaware of it with ordinary consciousness. Once one has these images in advanced consciousness, one knows that certain figurative deposits—actual material deposits (red)—correspond to these images in the human organism. These actual material deposits are always present in the human being; they are simply not noticed. For what one experiences in imagination are not new deposits; rather, imagination merely enables one to see the deposits that are always present. One could not have imaginations if one did not see in a certain way—though one can hardly call it “seeing,” incidentally—if one did not become aware of these deposits, for the imaginations are reflected in these deposits. One then realizes that these deposits are indeed present even in ordinary thinking. They are connected to the fine organization of our nervous system and to that which belongs to the nervous system. They constitute the nervous system. The life of our nervous system depends on these deposits. As mentioned, they remain unknown to ordinary consciousness. Through imaginative consciousness, they are recognized.
[ 15 ] Damit schließt sich eine Erwägungsreihe, die man so anstellen kann: Das Vorstellungsleben ist gegensätzlich zum Willen. Der Wille ist aber gebunden — was man durch solche Erwägungen erfahren kann, wie ich sie Ihnen vorgeführt habe — an die Wachstumswucherung. Nun kann man erwägen: Also wird das Vorstellungsleben an das Gegenteil der Wachstumswucherung gebunden sein, an das Absterben. Und in der Tat, dasjenige, was da in uns sich abspielt und was bei der imaginativen Erkenntnis gewissermaßen nach innen wahrnehmend geschaut wird, das ist das Herausfallen des Materiellen als organische Materie aus dem Wachstumswucherungsprozeß.
[ 15 ] This concludes a line of reasoning that can be formulated as follows: The life of the imagination is opposed to the will. The will, however, is bound—as can be discerned from considerations such as those I have presented to you—to unchecked growth. Now one might consider: Thus, the life of the imagination must be bound to the opposite of unchecked growth—to decay. And indeed, what takes place within us—and what, in imaginative cognition, is perceived and observed inwardly, as it were—is the separation of the material, as organic matter, from the process of unchecked growth.
[ 16 ] Seelisch: Vorstellungsleben
[ 16 ] Psychic: Imagination
[ 17 ] Wille Leiblich: Absterben Wachstumswucherung
[ 17 ] Will: Physical: Decay, Proliferation
[ 18 ] Es ist schon so, daß wir in uns den Wachstumswucherungsprozeß, also den Stoffwechselprozeß haben, und fortwährend fällt sterbende Materie heraus. Wir werden fortwährend, indem wir denken, mit solcher sterbender Materie angefüllt. Dieses Sterben der Materie nehmen wir eben wahr, wenn wir zur Imagination aufsteigen. Und unser Denken, unser Vorstellen ist an diese sterbende Materie gebunden.
[ 18 ] It is indeed true that we have within us the process of growth and proliferation—that is, the metabolic process—and dying matter is constantly being shed. As we think, we are constantly filled with this dying matter. We perceive this dying of matter precisely when we rise to the level of imagination. And our thinking, our imagination, is bound to this dying matter.
[ 19 ] Es ist wirklich so, daß wir Menschen den Stoffwechselprozeß an uns tragen, die Auflösung und die Zusammensetzung der Stoffe und so weiter, daß darinnen lebt das Willensleben, und daß fortwährend in sich selbst stirbt die Materie, das heißt, daß sie Teile ausscheidet, die nicht weiter innerhalb ihrer Organisationskräfte einbezogen sind. Es fällt fortwährend Unorganisches aus dem Organischen heraus, und an dieses Herausfallen ist gebunden das Vorstellungsleben. Überwuchert also der Wachstumsprozeß, der Stoffwechselprozeß, so schwindet unser Vorstellungsleben. Überwiegt dieser Absterbeprozeß, dann werden unsere Vorstellungen immer steifer, pedantischer. Es kann kaum verlangt werden, daß der Mensch ohne okkulte Schulung leicht zu solcher Selbstschau kommt; aber er könnte dazukommen, er kann zu einer Selbstschau kommen, durch die ihm klar wird: Geradeso wie wenn ihm in irgendeiner Weise, sei es auch nur beim Einschlafen, das Bewußtsein entschwindet, so ist da ein Sieg der Wachstums-, der Stoffwechselkräfte über diejenigen Kräfte, die jener inneren Aktivität zugrunde liegen, die die Gedanken beherrscht. Aber man kann ebenso wahrnehmen, wenn man nur unbefangen genug ist, sich solche innere Selbstschau anzueignen, wie ein inneres Ermüden, ein Sich-Absenken von Materie im Inneren stattfindet, indem die Gedanken entwickelt werden, indem man gerade immer bewußter und bewußter in seinem Vorstellungsleben lebt.
[ 19 ] It is indeed true that we human beings carry within us the metabolic process—the breakdown and synthesis of substances, and so on—that the life of the will dwells within this, and that matter is constantly dying within itself; that is to say, it excretes parts that are no longer integrated into its organizational forces. Inorganic matter is constantly falling out of the organic, and the life of imagination is bound up with this process of falling out. Thus, if the growth process—the metabolic process—becomes excessive, our life of imagination dwindles. If this process of dying off predominates, then our concepts become increasingly rigid and pedantic. It can hardly be expected that a person without occult training will easily attain such self-observation; but they could attain it—they can attain a self-observation through which it becomes clear to them: Just as when consciousness slips away in any way—even if only upon falling asleep—there is a triumph of the forces of growth and metabolism over those forces that underlie the inner activity governing thoughts. But one can also perceive—if one is open-minded enough to cultivate such inner self-observation—how an inner weariness, a settling of matter within, takes place as thoughts are developed, as one lives more and more consciously within one’s imaginative life.
[ 20 ] Wir tragen in der Tat fortwährend in uns Geburt und Tod. Und was im Beginn des Lebens als Geburt steht, wo zunächst noch am regsten sind die Wachstumskräfte, wo das Bewußtsein noch ganz zurückgetreten ist, das lebt fortwährend mit uns bis zum Tode und ist im Grunde genommen der Träger unseres Willens, unseres unbewußten Willens, der nur bewußt wird dadurch, daß das Gedankenlicht hineingeworfen wird. Aber durchdrungen ist dasjenige, was da wuchert, von fortwährenden Auflöseprozessen, von einem fortwährenden, kontinuierlichen Sich-Vollziehen desjenigen, was dann in eines zusammengedrängt ist im Momente des Todes, von einem Absterbeprozeß. Und wie der Wachstumswucherungsprozeß das Willenselement nach außen hin offenbart, so der innerliche Absterbeprozeß das Gedanken-, das Vorstellungselement. Wir kommen zum Schluß dazu, wenn wir diese Erkenntnis in uns pflegen, zu wissen, daß wir eigentlich fortwährend geboren werden und fortwährend sterben, und daß das einmalige Geborenwerden im Beginn eines irdischen Lebens nichts anderes ist als eine Summierung desjenigen, was unser ganzes Leben bis zum Tode hin im kleinen durchzieht.
[ 20 ] We do, in fact, constantly carry birth and death within us. And what stands as birth at the beginning of life—where the forces of growth are initially at their most vigorous, where consciousness has not yet fully emerged—lives on continuously with us until death and is, in essence, the bearer of our will, our unconscious will, which becomes conscious only when the light of thought is cast upon it. But that which is proliferating there is permeated by constant processes of dissolution, by a constant, continuous unfolding of that which is then compressed into a single entity at the moment of death—a process of dying off. And just as the process of growth and proliferation reveals the element of will outwardly, so does the inner process of dying reveal the element of thought and imagination. If we cultivate this insight within ourselves, we ultimately come to realize that we are, in fact, constantly being born and constantly dying, and that the single act of being born at the beginning of an earthly life is nothing other than a summation of what permeates our entire life, down to the smallest detail, right up until death.
[ 21 ] Für Mathematiker könnte man sagen, die wirkliche Geburt ist ein Integral all der Geburtsdifferentiale, die durch das Leben hindurch wirksam sind. Ebenso sind aber auch die Todesdifferentiale wirksam, und der wirkliche Tod, er ist nur das Integral davon. Das heißt, wenn wir innerlich so fortwährend sterben, daß das Sterben beständig aufgehoben wird, daß es schon aufgehoben wird im Momente seines Entstehens, so ist das die materielle Grundlage des Vorstellungslebens. Wenn das Sterben einmal eintritt, wenn also einfach in unbegrenzter Weise das intensiver wird, was fortwährend in uns tätig ist, dann ist der Moment des Todes da, wie bei der wirklichen Geburt dasjenige in unermeßlicher Weise in uns intensiver ist, was fortwährend in uns Wachstumsprozeß ist. So sieht man den geistig-seelischen, den leiblich-materiellen Prozeß in einem. Und ohne das kann man überhaupt nicht wirklich zu einer geistigen Erkenntnis kommen.
[ 21 ] For mathematicians, one could say that true birth is an integral of all the birth differentials that are at work throughout life. But the differentials of death are also at work, and true death is merely the integral of those. That is to say, if we die inwardly so continuously that dying is constantly suspended—that it is already suspended at the very moment of its arising—then that is the material foundation of the life of the imagination. Once dying sets in—that is, when what is constantly at work within us simply intensifies in an unlimited way—then the moment of death is present, just as in true birth, what is constantly a process of growth within us is immeasurably more intense. Thus, one sees the spiritual-psychic and the physical-material processes as one. And without this, one cannot truly arrive at spiritual insight at all.
[ 22 ] Nun, wir sind in einem gewissen Momente unseres Lebens immer sehr nahe demjenigen Punkte, wo wir einen Übergang vollziehen zwischen dem Denken, das ja unser gesundes Bewußtsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen ausfüllen muß, und zwischen dem, was da wuchert und was das Denken fortwährend auslöschen will. Das ist der Moment des Einschlafens. Wir können sagen, wir kommen da zu einem für das Leben zunächst zu rechnenden Maximum der Wachstumswucherung. Die lernt derjenige, der zum imaginativen Erkennen vorrückt, sehr gut kennen. Denn in dem Augenblicke, wo sich die imaginative Erkenntnis ergibt, ist er auch in der Lage, solche Erlebnisse zu haben, die im gewöhnlichen Bewußtsein verschlafen werden, wo das gewöhnliche Bewußtsein sich auslöscht, weil es von der Willenswachstumsentwickelung eben überwuchert wird.
[ 22 ] Well, at certain moments in our lives, we are always very close to that point where we make a transition between thinking—which, after all, must fill our healthy consciousness from the moment we wake up until we fall asleep—and that which proliferates there and constantly seeks to erase that thinking. That is the moment of falling asleep. We can say that we reach there a peak of this rampant growth—one that is, for the time being, to be reckoned with in life. Those who advance toward imaginative cognition become very familiar with this. For at the very moment when imaginative cognition arises, they are also in a position to have experiences that are slept through in ordinary consciousness—where ordinary consciousness fades away because it is overgrown by the development of the will.
[ 23 ] Es sind das solche Zustände, in welche das gewöhnliche Bewußtsein nicht hineinkommen darf. Wenn das gewöhnliche Bewußtsein hineinkommt, so ergreift gewissermaßen die Wachstumswucherung dasjenige, was im Sterbevorstellungsleben liegt; es treibt auf — ich muß mich jetzt in Bildern ausdrücken, aber man redet ja auch in der Imagination oder aus der Imagination heraus — die Wachstumswucherung das, was in dem Vorstellungssterbeleben liegt. Es läßt gewissermaßen das Vorstellungssterbeleben nicht bis zu seiner höheren Entwickelung kommen.
[ 23 ] These are the kinds of states into which ordinary consciousness must not enter. When ordinary consciousness does enter, the rampant growth, as it were, takes hold of that which lies in the life of dying imagery; it pushes up—I must now express myself in images, but then again, one also speaks in or from the realm of the imagination—the unchecked growth takes hold of what lies within the life of dying in the imagination. It, as it were, prevents the life of dying in the imagination from reaching its higher stage of development.
[ 24 ] Das ist der Prozeß, der im halluzinatorischen Leben und in einer gewissen Beziehung auch im Leben in Illusionen, in Visionen auftritt. Visionen sind krankhafte Gebilde, Halluzinationen sind auch krankhafte Gebilde. Man begreift sie, ich möchte sagen, seelisch-leiblich, wenn man eben in einem gewissen Einklang sieht den Willen mit der Wachstumswucherung, die dann ergreift und gewissermaßen auseinanderreißt, was sich im Sterbeprozeß des Denkens konsolidieren sollte. Es wird gewissermaßen das innerliche fortwährende Leichnamwerden aufgehoben. Es wird aus dem Menschen etwas herausgerissen und wuchert, was in ihm sterben sollte, wenn er gesund wäre. Es sind aufgetriebene Gedankenmassen, und wir begreifen sie als aufgetriebene Gedankenmassen nur, wenn wir eben im Einklang sehen das, was leiblich-materiell ist, mit demjenigen, was geistig-seelisch ist. Es wuchert immer etwas von Wachstumsprozessen im Menschen, wenn er zu Halluzinationen oder zu Visionen kommt. Sie lernen gewisse vorbereitende Schulungen für das Imaginative erkennen; werden diese vorbereitenden Schulungen in entsprechender Weise gemacht, dann ist der Mensch in der Lage, sich bewußt hineinzuleben in das, was ja fortwährend im Lebenstageswechsel sich vollzieht, nämlich, daß wir wirklich durch die Traumvorstellungen in den vollständigen Schlafzustand hineinleben. In diesen Zustand, wo uns das gewöhnliche Bewußtsein genommen wird, lernt man sich hineinleben beim Vorrücken in die Imagination. Man gelangt also dahin, wo der Sterbeprozeß in einer gewissen Weise wirklich überwunden wird. Er wird überwunden im alltäglichen Leben im Schlafzustande. Aber in einen solchen Zustand, der ja dann ein bewußter Zustand ist, wird der Mensch in der höheren Erkenntnis eingeführt. Und wenn der Mensch in dieser Weise über sein gewöhnliches Bewußtsein hinauskommt, dann lernt er erkennen, daß dieses gewöhnliche Bewußtsein eben in diesen Zustand nicht hinein kann. Der Mensch im gewöhnlichen Bewußtseinszustande geht schlafend aus seinem physischen und aus seinem Ätherleib heraus; der Mensch mit imaginativer Erkenntnis geht wachend heraus. Aber das Gebiet, das man zunächst betritt, ich möchte sagen, das erste Gebiet, das man betritt, wenn man eintritt in diese geistige Welt, die sich dann in der Imagination erschließt, das empfindet man zunächst so wie den absolut leeren, finsteren Raum, und man kann eigentlich nicht in die geistige Welt hineinkommen, ohne diesen Umweg durch diese leere Finsternis zu machen.
[ 24 ] This is the process that occurs in hallucinatory life and, in a certain sense, also in a life of illusions and visions. Visions are pathological constructs; hallucinations are also pathological constructs. One understands them—I would say, psychically and physically—when one perceives a certain harmony between the will and the uncontrolled growth that then takes hold and, in a sense, tears apart what should be consolidating in the process of the death of thought. In a sense, the inner, ongoing process of becoming a corpse is suspended. Something is torn from the human being and proliferates—something that should die within them if they were healthy. These are swollen masses of thought, and we can only perceive them as such when we see a harmony between what is physical and material and what is spiritual and psychological. Something of the growth processes within a person always proliferates when they experience hallucinations or visions. You will learn to recognize certain preparatory exercises for the imaginative; if these preparatory exercises are carried out appropriately, then a person is able to consciously immerse themselves in what is constantly taking place in the daily cycle of life—namely, that we truly enter the state of deep sleep through our dream images. In this state, where ordinary consciousness is set aside, one learns to immerse oneself as one progresses into imagination. One thus reaches a point where the process of dying is, in a certain sense, truly overcome. It is overcome in everyday life during the state of sleep. But in such a state—which is, after all, a conscious state—the human being is introduced to higher knowledge. And when a person transcends their ordinary consciousness in this way, they come to realize that this ordinary consciousness simply cannot enter this state. A person in the ordinary state of consciousness leaves their physical and etheric bodies while asleep; a person with imaginative insight leaves them while awake. But the realm one first enters—I would say the first realm one enters when stepping into this spiritual world, which then opens up in the imagination—is initially experienced as an absolutely empty, dark space, and one cannot actually enter the spiritual world without taking this detour through this empty darkness.
[ 25 ] Aber das ist es, was jenseits der Grenze unserer Sinneswahrnehmung liegt. Wenn Sie sich an die schematische Zeichnung erinnern, die ich gestern auf die Tafel gezeichnet habe — Sinnesempfindungen, die gewissermaßen in uns hineingeschickt werden und die die Wogen sind, auf denen das Ich sich bewegt —, so werden Sie aus dieser Zeichnung gewinnen, wie das Ich herausgeht in die Umwelt, in der es ja sonst auch ist. Aber es streckt im Wachen seine Fühlhörner in den Leib hinein. Nun aber zieht es sich aus dem Leib zurück und kommt auch mit denjenigen Teilen, die sich gewöhnt haben, das Leibesleben mitzumachen, außen in die Welt, die jenseits unserer Sinne liegt. Es lernt das geistige Gebiet kennen. Es lernt nicht Atome kennen, es lernt die geistige Welt kennen jenseits der Sinne. Aber es muß durch die absolute finstere Leere durchgehen, denn erst aus dieser finsteren Leere heraus wird ihm das Geistige geboren.
[ 25 ] But that is what lies beyond the limits of our sensory perception. If you recall the schematic diagram I drew on the blackboard yesterday—sensory perceptions that are, so to speak, sent into us and which are the waves upon which the “I” moves—you will see from this diagram how the “I” reaches out into the environment in which it otherwise exists. But while awake, it extends its sensory antennae into the body. Now, however, it withdraws from the body and, together with those parts that have become accustomed to participating in bodily life, emerges into the world beyond our senses. It comes to know the spiritual realm. It does not come to know atoms; it comes to know the spiritual world beyond the senses. But it must pass through the absolute, dark void, for it is only out of this dark void that the spiritual is born to it.
[ 26 ] Sie haben da die eine Grenze, möchte ich sagen, an die das menschliche Erleben angrenzt, oder die das menschliche Erleben hat gegen die Welt hin. Da haben Sie die eine Grenze. Diese Grenze, die muß da sein. Wäre sie nicht da, würden wir gewissermaßen nicht wie durch einen leeren Abgrund geschieden sein von unserer Umgebung, wir könnten niemals dasjenige entwickeln, was wirkliche Liebe ist, denn die erfordert, daß der Mensch um sich herum das Leere kennenlernen kann. Denn würde er alles um sich herum erfüllen, er würde ja niemals mit seinem Wesen hinüberfließen können in das andere. Das ist aber dasjenige, was sich im Wesen der Liebe entwickelt.
[ 26 ] There, I would say, is the boundary that human experience borders on, or that human experience has in relation to the world. There you have that boundary. That boundary must be there. If it weren’t there, we would not, so to speak, be separated from our surroundings as if by an empty abyss; we could never develop what true love is, for it requires that a person be able to come to know the emptiness around them. For if they were to fill everything around them, they would never be able to flow across into the other with their very being. But that is precisely what develops in the essence of love.
[ 27 ] Will man das Wesen der Liebe kennen in einem wirklichen Erkenntnisprozesse, dann muß man eben wissen, wie der Mensch gerade dann auch, wenn sich in ihm Empfindungen der Liebe entwickeln, sich ausdehnt gewissermaßen dahin, wo sein Bewußtsein die Leere hat. Daher kann er sich mit etwas anderem erfüllen. Entwickelung der Liebe ist gerade das Entgegensetzen der Leerheit des Bewußtseins dem andern, das dann das Bewußtsein erfüllt.
[ 27 ] If one wishes to understand the nature of love through a genuine process of insight, one must understand how a person—precisely when feelings of love develop within them—expands, as it were, toward the void in their consciousness. Thus, they can fill themselves with something else. The development of love is precisely the act of countering the emptiness of consciousness with another, which then fills that consciousness.
[ 28 ] Wenn aber nicht die richtige Harmonie besteht zwischen dem Geistig-Seelischen und dem Leiblich-Physischen — Sie merken, daß das nur ein Ausdruck ist, der nicht vollständig die Tatsache trifft, denn es wird ja von der Harmonie als von einer Harmonie für die andern Vorgänge gesprochen, aber doch versteht man in dieser Ausdrucksweise, um was es sich handelt —, wenn nicht die richtige Harmonie besteht, wenn das einseitig Geistig-Seelische oder Leiblich-Physische zu sehr nach der einen oder andern Seite sich entwickelt, so daß die beiden Seiten nicht völlig zum Ausdrucke kommen, so tritt ein Krankhaftes ein. Nach der einen Seite tritt ein Krankhaftes ein, wenn der Mensch eben in dasjenige, wo die Leere sein soll für ihn, sein eigenes Wesen hineingießt. Dann lebt er in dieses leere Wesen eben die Welt seiner Visionen und Halluzinationen hinein. Das ist gerade das, was durch eine wirkliche okkulte Schulung überwunden wird: Halluzinieren und Visionen haben. Denn nicht oft genug kann betont werden: Dies ist eben krankhaft. — Und was die okkulte Schulung entwickelt, ist die Entwickelung von Kräften, die entgegengesetzt den Kräften sind, die dann auftreten, wenn Halluzinationen oder Visionen auftreten.
[ 28 ] But if there is no proper harmony between the spiritual-soul aspect and the physical-bodily aspect—you realize that this is merely an expression that does not fully capture the reality, for we speak of harmony as a harmony that serves the other processes, yet this way of speaking makes it clear what is meant—if the proper harmony does not exist, if the spiritual-soul aspect or the physical-bodily aspect develops too one-sidedly in one direction or the other, so that both sides cannot fully express themselves, then a pathological condition arises. On the one hand, a pathological condition arises when a person pours his own being into precisely that space where emptiness should be for him. Then he projects the world of his visions and hallucinations into this empty being. This is precisely what is overcome through genuine occult training: hallucinations and visions. For it cannot be emphasized often enough: this is, in fact, pathological. — And what occult training develops is the cultivation of forces that are opposite to the forces that arise when hallucinations or visions occur.
[ 29 ] Der Mensch entwickelt im Halluzinieren, im Visionenhaben Kräfte in sich, denen entgegengesetzt ist das, was angeraten werden muß für das imaginative Leben. Man wird es daher immer wieder erleben: Es gibt Menschen, die deshalb nicht gleich im höchsten Grade krank sein müssen, sondern die, ich will nicht sagen Halluzinationen, denn da muß man dann schon von Kranksein sprechen, aber die Visionen haben. Es gehen ja sogar sehr viele Leute mit Visionen durch das Leben und sind sehr stolz darauf und leben in diesen Visionen, indem sie glauben, in ihnen enthülle sich eine wirkliche geistige Welt, während es nur die Wucherung ihrer Lebenskräfte ist, die in das Leere hinein sich ergießt. Es gibt auch solche, die so hochmütig sind, größenwahnsinnig dann werden, daß sie sagen, sie erleben eine Einweihung, während das, was sie erleben, lediglich eben ein abnormes Wachstum ist, das ihr Denken überwuchert. Und wenn solche Menschen dann herankommen an das, was im ernsten Sinne als Übungen empfohlen werden muß zur Imagination, dann ergibt sich manchmal etwas ganz Besonderes. Denn wenn diese dann sagen: Ja, ich habe jetzt mein geistiges Schauen verloren —, so haben sie nämlich ihre visionären Schauungen verloren; und das ist aus dem Grunde, weil diese Übungen zur wahren Imagination, die sie da auf sich anwenden, ihrer krankhaften Visionskraft gerade entgegenwirken. Solche Menschen, die in dieser Weise glauben, in der geistigen Welt durch Naturgewalten zu leben, die leben krankhaft darin, und sie verlieren in der Regel das, was sie in einer ziemlich hochmütigen Eigenliebe so lieb gewonnen haben. Das kann ja immer wiederum erlebt werden, und das beweist eben nur, wenn es erlebt wird, wie die visionären Kräfte krankhafte Kräfte sind, und wie das, was für imaginatives Schauen angestrebt wird, die entgegengesetzten, gesundmachenden Kräfte sind.
[ 29 ] Through hallucinations and visions, a person develops inner powers that are opposed to what is necessary for an imaginative life. One will therefore experience this time and again: There are people who, for this reason, are not necessarily ill to the highest degree, but who—I do not want to say have hallucinations, for then one must speak of illness—but who have visions. In fact, there are even a great many people who go through life with visions and are very proud of them, living within these visions in the belief that a real spiritual world is revealed to them, whereas it is merely the unchecked growth of their life forces pouring out into the void. There are also those who are so arrogant—who become megalomaniacal—that they claim to be experiencing an initiation, whereas what they are experiencing is merely an abnormal growth that overwhelms their thinking. And when such people then approach what must be recommended in the serious sense as exercises in imagination, something quite special sometimes arises. For when they then say, “Yes, I have now lost my spiritual vision”—they have in fact lost their visionary perceptions; and this is because these exercises in true imagination, which they are applying to themselves, directly counteract their pathological power of vision. Such people, who believe in this way that they live in the spiritual world through natural forces, live there in a pathological way, and they generally lose what they have come to love so dearly in a rather haughty self-love. This can, of course, be experienced again and again, and when it is experienced, it only serves to prove how these visionary powers are pathological forces, and how what is sought after for imaginative perception are the opposite, healing forces.
[ 30 ] Man sieht daraus, daß also nach innen hin jenseits der Sinneswahrnehmung an das menschliche Erleben ein Gebiet sich anschließt, das nur im imaginativen Leben objektiv zu erfassen ist. Im visionären Leben strahlen wir nur unser eigenes Leben in die Leerheit hinein. Erleben wir aber die Leerheit, dann kommt in diese Leerheit hinein — geradeso wie durch unsere Sinne die Außenwelt wirkt — dasjenige, was ich schon bezeichnet habe als die webende, wirkende Welt der AngeloiHierarchie. Um uns herum wirkt die webende, wirkende Welt der Angeloi-Hierarchie.
[ 30 ] It can be seen from this that, inwardly, beyond sensory perception, human experience is adjoined by a realm that can only be objectively grasped in the imaginative life. In the visionary life, we merely project our own life into the void. But when we experience this void, then—just as the external world acts upon us through our senses—that which I have already described as the weaving, active world of the Angeloi Hierarchy enters into this void. The weaving, active world of the Angeloi Hierarchy is at work all around us.
[ 31 ] Nun können wir aber auch nach der andern Seite das an das menschliche Erleben angrenzende Gebiet finden, und das ist dasjenige, das jenseits des Denkens mehr nach dem Inneren liegt. Wir können ja sagen: Diese Wahrnehmung hängt mit dem Ich zusammen (siehe Zeichnung Seite 135). Jetzt gehen wir nach dem astralischen Leibe herein: Wir haben das Vorstellen. Nun gehen wir in den ätherischen Leib hinunter: Wir haben die Erinnerungstätigkeit. Und im physischen Leibe Bilder. Hier hinunter in den Atherleib kommt ja das gewöhnliche Bewußtsein nicht; hier hinaus kommt es auch nicht. Dadraußen liegt die Welt, von der gesagt werden muß, sie ist die Welt der lebenden, webenden Angeloi. Sie ist also eine geistige Welt, die über unserer Bewußtseinswelt vorhanden ist. Sie liegt nicht außerhalb des Gebietes des menschlichen Lebens, aber sie liegt außerhalb des Gebietes des gewöhnlichen Bewußtseins. Denn unser Ich, von dem wurde ja ausdrücklich gesagt, daß es außerhalb der Sinneswahrnehmungen liegt und diese hereinträgt, also unser Ich ist durchaus mit dieser Welt verbunden. Es ist die Welt, die wir nur mit gestärktem Bewußtsein betreten können, weil wir sonst eben das Bewußtsein herabgemindert erhalten, also in Bewußtlosigkeit verfallen. Wir verfallen ja jedesmal beim Einschlafen in diese Bewußtlosigkeit und wir steigen dann in diese Welt hinein. Das ist also, wenn wir über die Sinneswahrnehmung hinausdringen in dieses Gebiet hinein.
[ 31 ] But we can also find, on the other side, the realm adjacent to human experience, and that is the one that lies beyond thinking, more toward the inner realm. We can indeed say: This perception is connected to the “I” (see drawing on page 135). Now let us enter the astral body: we have imagination. Now let us descend into the etheric body: we have the activity of memory. And in the physical body, we have images. Ordinary consciousness does not reach down into the etheric body; nor does it extend out beyond it. Out there lies the world of which it must be said that it is the world of the living, weaving angels. It is, therefore, a spiritual world that exists above our world of consciousness. It does not lie outside the realm of human life, but it does lie outside the realm of ordinary consciousness. For our “I”—of which it has been explicitly stated that it lies outside sensory perceptions and brings them into our consciousness—is thus thoroughly connected to this world. It is the world we can enter only with heightened consciousness, because otherwise our consciousness would be diminished, causing us to fall into unconsciousness. We do, after all, fall into this unconsciousness every time we fall asleep, and we then ascend into this world. This is what happens when we go beyond sensory perception and enter this realm.
[ 32 ] Nun können wir aber auch nach der andern Seite hinunter in unser eigentliches Wesen steigen. Das geschieht dann, wenn die in uns selbst liegenden, zerstörenden Sterbekräfte uns mehr erfassen, als sie das gewöhnlich tun; besser gesagt, wenn sie bewußt werden. Geradeso wie wir herausdringen können jenseits der Grenze des Sinneslebens, so können wir auch durch dasjenige, was ich okkulte Schulung nenne, hinunterdringen.
[ 32 ] But we can also descend to the other side, into our true being. This happens when the destructive forces of death lying within us take hold of us more than they usually do; or rather, when we become aware of them. Just as we can break through beyond the boundaries of sensory life, so too can we penetrate downward through what I call occult training.
[ 33 ] Was aber da erlebt wird, das muß nun, wenn es nicht in einer gewissen Weise krankhaft auftreten soll, durchaus im Inneren des Menschen bleiben. Der Mensch darf es nicht in sein gewöhnliches Bewußtsein herauflassen. Er muß dieses Gebiet unten lassen, da, wo es sonst unbewußt ist. Das heißt, der Mensch darf dieses Gebiet, das ja im Atherleib liegt, nicht heraufströmen lassen in sein gewöhnliches Bewußtsein, sondern er muß sein gewöhnliches Bewußtsein hinunterleiten in den Atherleib. Es darf also nicht dasjenige, was da unten ist, etwa hereindringen in das gewöhnliche Vorstellen, sondern es muß das gewöhnliche Vorstellen da hinunterdringen.
[ 33 ] But what is experienced there must—if it is not to manifest in a certain pathological way—remain entirely within the human being. The human being must not allow it to rise into his ordinary consciousness. He must leave this realm below, where it is otherwise unconscious. That is to say, a person must not allow this realm—which, after all, lies in the etheric body—to flow up into their ordinary consciousness; rather, they must direct their ordinary consciousness down into the etheric body. Thus, what is down there must not intrude upon ordinary imagination; rather, ordinary imagination must penetrate down into that realm.
[ 34 ] Daraus ersehen Sie aber, daß es sich um ein Gebiet handelt, das geradeso wie das andere, das ich beschrieben habe, gewissermaßen um den physischen Leib des Menschen ist, so daß innerhalb des physischen Leibes des Menschen immer vorhanden ist dieses Gebiet. Das gehört zu den inneren menschlichen Entitäten, auf die oftmals in geisteswissenschaftlichen Zusammenhängen hingewiesen worden ist, und es wird immer auf dieses Gebiet so hingewiesen, daß diejenigen, die es erkannt haben, die etwas davon geschaut haben, sagen: Es ist unmöglich, in menschlichen Worten das auszusprechen, was da unten ist. — Sie können das verfolgen von den Beschreibungen der älteren ägyptischen Einweihungen an bis herauf zu Bulwer.
[ 34 ] From this, however, you can see that this is a realm which, just like the other one I have described, is, so to speak, the physical body of the human being, so that this realm is always present within the physical body of the human being. This belongs to the inner human entities that have often been referred to in the context of spiritual science, and this region is always described in such a way that those who have recognized it—who have caught a glimpse of it—say: It is impossible to express in human words what lies down there. — You can trace this from the descriptions of the ancient Egyptian initiations all the way up to Bulwer.
[ 35 ] Aber in einer gewissen Weise, andeutend, kann heute schon und muß eigentlich doch gesprochen werden über dieses Gebiet. In diesem Gebiete wurzelt nämlich all dasjenige vom menschlichen Seelen-Leibesleben, was im gewöhnlichen Sinne sich eigentlich nicht in dem äußeren Gebaren des Menschen entwickeln darf. Es wurzelt da das menschliche Böse.
[ 35 ] But in a certain sense, we can—and indeed must—already speak today about this realm. For it is in this realm that everything in human soul-body life is rooted that, in the ordinary sense, should not actually develop in a person’s outward behavior. It is there that human evil is rooted.
[ 36 ] Sie sehen daraus eine sehr bemerkenswerte Tatsache. Dieser Quell des Bösen, er ist eigentlich fortwährend in uns. Wir dürfen uns keinen Augenblick der Illusion hingeben, daß der Quell des Bösen nicht in uns wäre. Er ist, wenn ich so sagen darf, unterhalb des Vorstellungslebens gelegen. Er darf nur nicht das Vorstellungsleben infizieren, sonst werden die Vorstellungen Motive zum Bösen; er muß unten bleiben. Und derjenige, der ihn da beschauen will, muß moralisch so stark sein, daß er ihn nicht heraufläßt, daß er wirklich nur das Bewußtsein hinunterschickt. Nun können Sie sagen: Wozu ist denn aber das im Menschen? — Ja, diese Frage kann nur derjenige aufwerfen, der etwa sagen würde: Warum hört denn die Pflanze nicht auf zu wachsen, wenn sie grüne Blätter bekommen hat? — Sie wächst eben durch ihre eigene Kraft weiter. Wir tragen in uns den Absterbeprozeß, der unser Denken entwickelt. Dieser Prozeß ist noch bewußt, aber er muß in das Unbewußte hinunter. Denn würde dieser Prozeß nicht weitergehen, dann würden niemals unsere Gedanken sich so konsolidieren, daß in uns Erinnerung zustande kommen kann, daß in uns später wiederum die Gedanken auftauchen können an die Erlebnisse, die wir denkend gehabt haben. Es muß also der Absterbeprozeß sich noch weiter fortsetzen, damit wir eine Erinnerung haben. Und die Wesenheit, der wir als Menschen das Erinnern verdanken, ist dieselbe Wesenheit, die, wenn sie in unrichtiger Weise hervortritt, dann hervortritt, wenn die Motive des Bösen im Menschen auftreten. Gewissermaßen ist der Hang, der in gewissen Menschen zum Bösen vorhanden ist, ein geistig-seelisches Aufstoßen verzeihen Sie, daß ich diesen Ausdruck gebrauche —, ein geistigseelisches Aufstoßen dessen, was unten bleiben und die Erinnerung besorgen sollte.
[ 36 ] They see this as a very remarkable fact. This source of evil is, in fact, constantly within us. We must not for a single moment succumb to the illusion that the source of evil is not within us. It lies, if I may say so, beneath the realm of the imagination. It must simply not infect the life of the imagination; otherwise, the images become motives for evil; it must remain below. And whoever wishes to observe it there must be morally strong enough not to let it rise, but to send only consciousness down. Now you might ask: But what is the purpose of this in human beings? — Yes, this question can only be raised by someone who might say, for example: Why doesn’t the plant stop growing once it has developed green leaves? — It simply continues to grow by its own power. We carry within us the process of dying that develops our thinking. This process is still conscious, but it must descend into the unconscious. For if this process were not to continue, our thoughts would never consolidate to the point where memory can arise within us, so that later, thoughts can resurface within us regarding the experiences we have had through thinking. So the process of withering away must continue even further so that we may have a memory. And the essence to which we, as human beings, owe our ability to remember is the very same essence that, when it manifests in an improper way, does so when the motives of evil arise within a person. In a sense, the inclination toward evil present in certain people is a spiritual-soul upheaval—please forgive me for using this expression—a spiritual-soul upheaval of that which should remain below and provide for memory.
[ 37 ] Im Menschenwesen wurzelt diese Kraft der Erinnerung. Und so wie es ein leibliches Aufstoßen gibt, so gibt es dieses geistig-seelische Aufstoßen. Wenn das, was in göttlicher Weisheit uns in den Tiefen unseres Wesens als die Kraft der Erinnerung zuerteilt ist, wenn das aufstößt herauf ins Bewußtsein, so wie irgend etwas — verzeihen Sie den unappetitlichen Ausdruck — leiblich heraufrülpst, dann haben Sie den verbrecherischen Hang.
[ 37 ] This power of memory is rooted in the human being. And just as there is a physical upwelling, so there is this spiritual-psychic upwelling. When that which, in divine wisdom, has been bestowed upon us in the depths of our being as the power of memory—when that rises up into consciousness, just as something—forgive the unappetizing expression—physically belches up—then you have the criminal inclination.
[ 38 ] Nichts gibt es in der Welt, was nicht an seinem Orte seine Berechtigung hätte, und was nicht zum Unheil ausschlagen kann, wenn es deplaciert wird. Wenn irgend etwas in der Welt uns erscheint, als sollte es nicht sein, so müssen wir die Frage aufwerfen: Wo muß es sein, damit es dort seine Aufgabe erfüllt? — Und hier, indem wir da hinuntertauchen, kommen wir dann in das andere Gebiet, in das Gebiet der Hierarchie der Seraphim, Cherubim, Throne, geradeso wie wir über das Sinnesgebiet hinaus in das webende Gebiet der Angeloi, Archangeloi und Archai kommen. Wir kommen da hinunter in ein Gebiet, wo wir jetzt in deutlicher Weise sehen, wie jene Naturkraft, die mit unseren Erinnerungen zusammenhängt, eine moralische Seite hat.
[ 38 ] There is nothing in the world that does not have its rightful place, and that cannot lead to disaster if it is out of place. If anything in the world seems to us as though it should not be there, we must ask the question: Where must it be in order to fulfill its purpose there? — And here, as we descend, we enter the other realm—the realm of the hierarchy of the Seraphim, Cherubim, and Thrones—just as we move beyond the realm of the senses into the weaving realm of the Angeloi, Archangeloi, and Archai. We descend into a realm where we can now clearly see how that natural force connected to our memories has a moral aspect.
[ 39 ] Bedenken Sie nur, was das heißt: Geisteswissenschaft entdeckt so etwas, wo ein Naturvorgang eine moralische Seite hat, das heißt, wo etwas, das deplaciert wirkt, einen moralischen Charakter annimmt! Das ist ja gerade das, woran unsere Zeit krankt, daß das moralischse Leben auf der einen Seite ein abstraktes ist, und das Naturhafte, das Kausalistische auf der andern Seite ist. Die Methode finder man nicht, wie die beiden zusammenkommen können. Hier haben Sie einen ganz konkreten Vorgang, wo ein Naturhaftes in sich das trägt, was eben jetzt, im Gegenteil vom Moralischen, unmoralisch werden kann.
[ 39 ] Just consider what this means: the humanities discover instances where a natural process has a moral aspect—that is, where something that seems out of place takes on a moral character! That is precisely what ails our age: that moral life, on the one hand, is abstract, while the natural and the causal, on the other hand, are concrete. We cannot find a method for bringing the two together. Here you have a very concrete process in which something natural carries within itself that which—contrary to what is moral—can now become immoral.
[ 40 ] Aber erscheint Ihnen hier jetzt nicht ein Merkwürdiges? Wenn wir die Sache so betrachten, wie sie nach der einen Seite in der Ausartung ist, so kommen wir gewissermaßen unter unserem Bewußtsein in das Antimoralische. Wir brauchen es um der Erinnerung willen. Wir kommen aber, wenn wir über die Sinnesempfindungen hinübergehen, in das Gebiet der Liebe, sagte ich Ihnen. Das ist ja im Grunde genommen die Kraft des Moralischen. Wir kommen in das Moralische. Wir sind auf dem Wege, die Brücke immer besser und besser schlagen zu können zwischen der moralisch-religiösen Welt auf der einen Seite und der physisch-leiblichen Welt, der Welt der Naturkausalität auf der andern Seite. Diese Brücke muß geschlagen werden. Und wir kommen ja tatsächlich, wenn wir hinausgehen, ins Geistige, wenn wir hinuntergehen, ins Geistige, und kommen in die Welt der Hierarchien. Wir haben gewissermaßen anschlagen können von zwei Seiten das Gebiet der Hierarchien.
[ 40 ] But doesn’t something strange strike you here? If we look at the matter as it is, on the one hand, in its degenerate form, we enter, so to speak, into the realm of the antimoral without even realizing it. We need this for the sake of memory. But as I told you, when we transcend sensory perceptions, we enter the realm of love. That is, after all, the very essence of morality. We enter the realm of morality. We are on the path to being able to build an ever-stronger bridge between the moral-religious world on the one hand and the physical-bodily world—the world of natural causality—on the other. This bridge must be built. And indeed, when we go out into the spiritual realm, when we descend into the spiritual, we enter the world of hierarchies. We have, so to speak, been able to approach the realm of hierarchies from two sides.
[ 41 ] Diese Betrachtung kann natürlich nur so verlaufen, daß wir uns gewissermaßen im Kreise dem Ziel nähern. Es kann nicht so sein, wie man es in der Mathematik macht, daß man von elementaren Begriffen ausgeht und aufbaut, sondern man muß sich im Kreise demjenigen nähern, das zuletzt verstanden werden soll.
[ 41 ] Of course, this line of thought can only proceed in such a way that we approach the goal, as it were, in a circular fashion. It cannot be done the way it is in mathematics, where one starts with elementary concepts and builds upon them; rather, one must approach, in a circular fashion, that which is ultimately to be understood.
