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Anthroposophy as Cosmosophy I
GA 207

24 September 1921, Dornach

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Ich habe gestern davon gesprochen, daß wir im Inneren des Menschen eine Art Herd der Zerstörung finden. Wenn wir im gewöhnlichen Bewußtsein verharren, so kommen wir ja eigentlich innerhalb dieses Bewußtseins, sagte ich, nur dahin, von den Eindrücken der Welt die Erinnerungen zu bewahren. Wir machen an der Welt unsere Erfahrungen, haben an ihr unsere Erlebnisse durch die Sinne, durch den Verstand, durch die Wirkungen auf unser Seelenleben überhaupt. Später können wir aus unserer Erinnerung die Nachbilder desjenigen, was wir erlebt haben, wiederum hervorholen. Wir tragen als unser Innenleben in uns die Nachbilder der Sinneserlebnisse. Und es ist schon so, wie wenn ein Spiegel in uns wäre, der nur anders wirkt als ein gewöhnlicher räumlicher Spiegel. Ein gewöhnlicher räumlicher Spiegel strahlt zurück, was vor ihm ist. Jener lebendige Spiegel, den wir in uns tragen, strahlt anders zurück. Die Sinneseindrücke, die wir aufnehmen, die strahlt er im Laufe der Zeit, veranlaßt durch dies oder jenes, wiederum in unser Bewußtsein zurück und wir haben die Erinnerungen an unsere Erlebnisse. Wenn wir einen räumlichen Spiegel zerschlagen, so sehen wir hinter den Spiegel. Wir sehen dann ein Gebiet, das wir eben gerade nicht sehen, wenn der Spiegel intakt ist. Wenn wir in der entsprechenden Weise innerlich üben, dann kommen wir, wie ich öfter erwähnt habe, zu etwas wie zu einem Zerbrechen des inneren Spiegels. Die Erinnerungen können gewissermaßen für kurze Zeit — das muß alles in unserer Willkür stehen — aufhören, und wir sehen tiefer in unser Inneres hinein. Und dann eben, wenn wir tiefer in unser Inneres hineinsehen, wenn wir hinter den Erinnerungsspiegel sehen, dann erblicken wir das, was ich gestern charakterisierte als eine Art Zerstörungsherd.

[ 1 ] Yesterday I spoke about how we find a kind of source of destruction within the human being. If we remain in ordinary consciousness, I said, we actually only manage, within that consciousness, to preserve memories of the impressions of the world. We have our experiences of the world; we perceive it through our senses, through our intellect, and through its effects on our soul life in general. Later, we can retrieve from our memory the afterimages of what we have experienced. We carry within us, as part of our inner life, the afterimages of our sensory experiences. And it is as if there were a mirror within us that functions differently from an ordinary physical mirror. An ordinary physical mirror reflects back what is in front of it. That living mirror we carry within us reflects things back differently. The sensory impressions we take in—prompted by this or that—are reflected back into our consciousness over time, and we have memories of our experiences. If we shatter a physical mirror, we see behind it. We then see an area that we do not see at all when the mirror is intact. If we practice inwardly in this way, then—as I have often mentioned—we arrive at something akin to shattering the inner mirror. The memories can, so to speak, cease for a short time—this must all be at our discretion—and we see deeper into our inner being. And then, precisely when we look deeper into our inner being, when we look behind the mirror of memory, we behold what I characterized yesterday as a kind of focus of destruction.

[ 2 ] Ein solcher Zerstörungsherd muß ja in uns sein, denn nur in einem solchen kann eigentlich das Ich des Menschen sich verfestigen. Da ist eigentlich auch der Herd zur Befestigung, zur Erhärtung des Ich. Ich sagte gestern: Wenn diese Ich-Erhärtung, diese Egoität nach außen ins soziale Leben getragen wird, so entsteht eben gerade dadurch das Böse, das Böse im sozialen Leben, im Wirken des Menschen.

[ 2 ] Such a source of destruction must surely lie within us, for it is only within such a source that the human ego can truly solidify. That is, in fact, also the source of the ego’s consolidation and hardening. I said yesterday: When this hardening of the ego, this egotism, is carried outward into social life, it is precisely this that gives rise to evil—the evil in social life, in human activity.

[ 3 ] Sie sehen daraus, wie kompliziert eigentlich das Leben, in das der Mensch hineingestellt ist, eingerichtet ist. Was im Inneren des Menschen seine gute Aufgabe hat, ohne das wir unser Ich nicht ausbilden können, das darf gar nicht nach außen getragen werden. Der schlechte, der böse Mensch trägt es nach außen, der gute Mensch behält es in seinem Inneren. Wenn es nach außen getragen wird, wird es Verbrechen, wird es das Böse. Wenn es im Inneren bewahrt bleibt, ist es das, was wir brauchen, damit das menschliche Ich die richtige Stärke erhalte. Es gibt eben nichts in der Welt, was nicht an seinem Orte seine segensreiche Bedeutung haben würde. Wir würden gedankenlose, unbesonnene Menschen sein, wenn wir nicht in uns diesen Herd hätten. Denn dieser Herd äußert sich ja so, daß wir in ihm etwas erleben, was wir in der äußeren Welt niemals erleben können. In der äußeren Welt sehen wir die Dinge materiell. Alles, was wir da sehen, sehen wir materiell, und wir sprechen dann nach den Gewohnheiten der heutigen Wissenschaft von der Erhaltung der Materie, von der Unzerstörbarkeit des eigentlichen Materiellen.

[ 3 ] From this you can see just how complex the life into which human beings are placed actually is. What has its proper place within a person—without which we cannot develop our sense of self—must never be revealed to the outside world. The bad, the evil person reveals it to the outside world; the good person keeps it within. When it is brought out into the open, it becomes a crime; it becomes evil. When it is kept within, it is what we need so that the human “I” may gain the proper strength. There is simply nothing in the world that does not have its own beneficial significance in its proper place. We would be thoughtless, rash people if we did not have this inner hearth within us. For this inner hearth manifests itself in such a way that we experience within it something we can never experience in the outer world. In the outer world, we see things materially. Everything we see there, we see materially, and we then speak—in accordance with the conventions of modern science—of the conservation of matter and the indestructibility of the material itself.

[ 4 ] In diesem Zerstörungsherd, von dem ich gestern gesprochen habe, wird die Materie wirklich vernichtet. Sie wird in ihr Nichts zurückgeworfen. Und dann können wir innerhalb dieses Nichts, das da entsteht, das Gute entstehen lassen, wenn wir statt unserer Instinkte, unserer Triebe, die nur zur Ausbildung der Egoität wirken müssen, durch eine moralische Seelenverfassung alles das hineingießen in diesen Zerstörungsherd, was moralische, was ethische Ideale sind. Dann entsteht ein Neues. Dann entstehen eben gerade in diesem Zerstörungsherde die Keime für künftige Welten. Da also nehmen wir als Menschen teil an entstehenden Welten. Und wenn wir, wie man das aus meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» ersehen kann, davon sprechen, daß einmal unsere Erde der Vernichtung entgegengehen und sich durch allerlei Umwandlungszustände das Jupiterdasein entwickeln wird, so müssen wir sagen: In diesem Jupiterdasein wird nur dasjenige sein, was sich heute schon in den Menschen innerhalb dieses Zerstörungsherdes als Neubildung gestaltet aus den moralischen Idealen heraus — allerdings auch aus den antimoralischen Impulsen heraus, aus demjenigen, was eben gerade als das Böse aus der Egoität heraus wirkt. Und so wird das Jupiterdasein eben ein Kampf sein zwischen dem, was die Menschen auf der Erde schon zustande bringen dadurch, daß sie in ihr inneres Chaos hineinbringen ihre moralischen Ideale, und dem, was sie auch hineinbringen als das, was mit der Ausbildung der Egoität als das Unmoralische, als das Widermoralische entsteht. So also schauen wir auf ein Gebiet, wo Materie in ihr Nichts zurückgeworfen wird, indem wir in unser tiefstes Inneres hineinblicken.

[ 4 ] In this source of destruction, which I spoke of yesterday, matter is truly annihilated. It is cast back into nothingness. And then, within this nothingness that arises, we can bring about the good if, instead of our instincts and drives—which serve only to develop the ego—we channel into this focus of destruction, through a moral state of mind, all that constitutes moral and ethical ideals. Then something new comes into being. Then, precisely within this focus of destruction, the seeds for future worlds will emerge. Thus, as human beings, we participate in the emergence of new worlds. And when we speak—as can be seen in my *Outline of Esoteric Science*—of how our Earth will one day face destruction and, through various stages of transformation, develop into a Jupiter existence, we must say: In this Jupiter existence, there will be only that which is already taking shape today within human beings—within this very hotbed of destruction—as a new formation arising from moral ideals—though also from antimoral impulses, from that which acts precisely as evil arising from egoism. And so the Jupiter phase will be a struggle between what human beings on Earth are already bringing about by introducing their moral ideals into their inner chaos, and what they also introduce as that which arises with the development of egoity—namely, the immoral and the anti-moral. Thus, when we look into our deepest inner being, we are looking at a realm where matter is cast back into nothingness.

[ 5 ] Ich habe dann darauf hingedeutet, wie es sich auf der anderen Seite des menschlichen Daseins verhält, auf der Seite, wo die Sinneserscheinungen um uns herum ausgebreitet sind. Wir blicken hin auf diese Sinneserscheinungen: Wie ein Teppich sind sie ausgebreitet, und wir wenden dann unseren kombinierenden Verstand an, um innerhalb dieser Sinneserscheinungen Gesetze zu finden, die wir die Naturgesetze nennen. Aber mit dem gewöhnlichen Bewußtsein kommt man nicht durch diesen Sinnesteppich durch. Geradesowenig wie man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nach innen durch den Erinnerungsspiegel durchkommt, geradesowenig kommt man nach außen durch mit dem gewöhnlichen Bewußtsein durch den Teppich der Sinneseindrücke. Mit dem entwickelten Bewußtsein kommt man durch, und mit einem instinktiv schauenden Bewußtsein kamen die Menschen der alten orientalischen Weisheit durch. Und dann erblickten sie diejenige Welt, in der zunächst die Egoität im Bewußtsein sich nicht geltend machen kann. Wir treten jedesmal beim Einschlafen in diese Welt ein. Da wird die Egoität herabgedämpft, weil eben jenseits des Sinnesteppichs die Welt liegt, wo zunächst die für das Menschendasein sich entwikkelnde Ich-Gewalt keinen Platz hat. Daher sprach diejenige Weltanschauung, die als die alte orientalische eine besondere Sehnsucht entwickelte, hinter den Sinneserscheinungen zu leben, von dem Nirvana, von dem Verwehen der Egoität.

[ 5 ] I then pointed out how things are on the other side of human existence—the side where sensory phenomena are spread out around us. We look at these sensory phenomena: they are spread out like a carpet, and we then apply our reasoning mind to find laws within these sensory phenomena, which we call the laws of nature. But with ordinary consciousness, one cannot penetrate this carpet of sensory phenomena. Just as one cannot penetrate inward through the mirror of memory with ordinary consciousness, so too cannot one penetrate outward through the carpet of sensory impressions with ordinary consciousness. With developed consciousness, one can pass through, and with an instinctively perceptive consciousness, the people of ancient Eastern wisdom were able to pass through. And then they beheld that world in which, at first, the ego cannot assert itself in consciousness. We enter this world every time we fall asleep. There, the ego is subdued, because beyond the tapestry of the senses lies a world where, at first, the power of the “I”—which develops in human existence—has no place. Therefore, the worldview that, as the ancient Eastern tradition, developed a special longing to live beyond sensory phenomena spoke of Nirvana, of the dissolution of the ego.

[ 6 ] Wir haben dann gestern hingewiesen auf den großen Gegensatz, der da lebt zwischen Orient und Okzident. Der Orient hat einstmals ausgebildet alles das, was der Mensch ersehnt zu schauen hinter den Sinneserscheinungen, und er bildete da das Schauen für eine geistige Welt aus, für diejenige Welt, die nicht aus Atomen und Molekülen, wohl aber aus geistigen Wesenheiten sich zusammengliedert, und die für die alte orientalische Weltanschauung einfach als die schaubare Wirklichkeit da war. Jetzt lebt der Orient, jetzt lebt Asien und leben andere Glieder der Welt in den dekadenten Entwickelungsstadien dieses Sich-Sehnens nach der Welt hinter den Sinneserscheinungen, während der Okzident ausgebildet hat die Egoität, ausgebildet hat alles das, was im Menscheninneren sich erhärtet und verfestigt innerhalb des Zerstörungsherdes, den wir charakterisiert haben.

[ 6 ] Yesterday we pointed out the great contrast that exists between the Orient and the Occident. The East once developed everything that human beings long to perceive beyond sensory phenomena, and it cultivated the ability to perceive a spiritual world—a world not composed of atoms and molecules, but rather of spiritual beings, and which, for the ancient Eastern worldview, simply existed as visible reality. Now the Orient, now Asia, and other parts of the world exist in the decadent stages of development of this yearning for the world beyond sensory phenomena, while the West has developed egoism—it has developed everything that hardens and solidifies within the human being at the very source of destruction that we have characterized.

[ 7 ] Damit hat man aber auch zu gleicher Zeit auf alles das hingedeuter, was notwendigerweise heute und in der nächsten Zukunft wird einziehen müssen in das Bewußtsein der Menschen. Denn würde weiter bleiben, was sich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts als der bloße Intellektualismus heraufentwickelt hat, so würde die Menschheit vollständig in den Niedergang verfallen, denn mit Hilfe des Intellektualismus gelangt man niemals weder hinter den Erinnerungsspiegel noch hinter den vor unseren Sinnen ausgebreiteten Sinnesteppich. Der Mensch muß aber wieder ein Bewußtsein von diesen Welten erlangen. Er muß ein Bewußtsein von diesen Welten erlangen schon aus dem Grunde, damit für ihn das Christentum wiederum eine Wahrheit werden könne; denn das Christentum ist eigentlich heute für ihn keine Wahrheit. Wir sehen das am besten an der neuzeitlichen Ausbildung der Christus-Vorstellung, wenn man überhaupt von einer solchen Ausbildung sprechen kann. Es ist schon einmal so für den modernen Menschen in dem gegenwärtigen Entwickelungsstadium, daß er zu einer Christus-Vorstellung gar nicht kommen kann aus denjenigen Begriffen und Ideen heraus, die sich seit dem 15. Jahrhundert als die naturwissenschaftlichen ausgebildet haben. Und man ist auch im 19. Jahrhundert und im Beginne des 20. Jahrhunderts zu keiner Christus-Vorstellung fähig gewesen.

[ 7 ] At the same time, however, this also points to everything that will necessarily have to enter people’s consciousness today and in the near future. For if what has developed since the middle of the 15th century as mere intellectualism were to continue, humanity would fall completely into decline; for with the help of intellectualism, one can never reach beyond the mirror of memory or beyond the tapestry of the senses spread out before our eyes. But human beings must regain an awareness of these worlds. They must regain an awareness of these worlds for the very reason that Christianity might once again become a truth for them; for Christianity is, in fact, no truth for them today. We see this most clearly in the modern development of the concept of Christ—if one can even speak of such a development at all. It is already the case for modern human beings at the present stage of development that they cannot arrive at a conception of Christ at all based on the concepts and ideas that have developed since the 15th century as those of the natural sciences. Nor were people capable of forming a conception of Christ in the 19th century or at the beginning of the 20th century.

[ 8 ] Diese Dinge muß man in der folgenden Weise ansehen. Wenn der Mensch so, wie er nun einmal sein heutiges Bewußtsein hat, sich die Welt ringsherum anschaut, so bildet er sich mit dem kombinierenden Verstande Naturgesetze. Dadurch kommt er ja auf eine Weise, die durchaus dem heutigen Bewußtsein schon möglich ist, dazu, zu sagen: Diese Welt ist von Gedanken durchsetzt, denn die Naturgesetze sind in Gedanken erfaßbar und sind eigentlich selbst die Weltgedanken. — Man kommt dann dazu — namentlich, wenn man die Naturgesetze verfolgt bis zu derjenigen Stufe, wo sie angewendet werden müssen auf das eigene Entstehen des Menschen als physisches Wesen —, sich zu sagen: Innerhalb derjenigen Welt, die wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen, von der Sinneswahrnehmung bis zum Erinnerungsspiegel, lebt ein Geistiges. — Man muß eigentlich schon als Mensch krank sein, pathologisch sein, wenn man wie der gewöhnliche atheistische Materialist dieses Geistige nicht anerkennen will. Wir stehen ja in dieser Welt, die dem gewöhnlichen Bewußtsein gegeben ist, so darinnen, daß wir aus ihr als physischer Mensch durch die physische Konzeption und die physische Geburt selber hervorgehen. Was da beobachtbar ist innerhalb der physischen Welt, das muß nämlich notwendigerweise unvollständig betrachtet werden, wenn man nicht eine allgemeine geistige Wesenheit zugrunde legt. Wir werden als physische Wesen auf physische Art geboren. Wir sind eigentlich, wenn wir als kleines Kind geboren werden, für die äußere physische Anschauung ziemlich ähnlich einem Naturwesen. Und aus diesem Naturwesen, das im Grunde genommen in einer Art von schlafendem Zustand ist, entwickeln sich die inneren geistigen Fähigkeiten heraus. Diese inneren geistigen Fähigkeiten entstehen ja erst im Laufe der künftigen Entwickelung. Man muß sich ganz notwendigerweise dazu bequemen, das, was da im Menschen entsteht als die geistigen Fähigkeiten, ebenso zurückzuverfolgen hinter Geburt und Konzeption, wie man das Wachsen der Glieder verfolgt. Dann aber kommt man eben dazu, sich auch das lebendig geistig zu denken, was man sonst an der äußeren Natur sich nur als die abstrakten Naturgesetze bildet. Und dann kommt man, mit anderen Worten, zum Konstatieren dessen, was man den Vatergott nennen kann.

[ 8 ] One must view these things in the following way. When a person, with the consciousness he possesses today, looks at the world around him, he forms laws of nature through his reasoning mind. In this way—which is entirely possible within the framework of present-day consciousness—he comes to say: This world is permeated by thoughts, for the laws of nature can be grasped in thought and are, in fact, the very thoughts of the world. — One then comes to the conclusion—especially when one traces the laws of nature back to the stage where they must be applied to the very origin of the human being as a physical being—that within the world we survey with our ordinary consciousness, from sensory perception to the mirror of memory, a spiritual reality lives. — One must actually be mentally ill, pathological, to refuse to acknowledge this spiritual reality, as the ordinary atheistic materialist does. After all, we stand within this world—which is given to ordinary consciousness—in such a way that we ourselves emerge from it as physical human beings through physical conception and physical birth. What is observable within the physical world must, in fact, necessarily be viewed as incomplete unless one takes a general spiritual essence as the foundation. We are born as physical beings in a physical manner. When we are born as small children, we are, in terms of external physical appearance, actually quite similar to a natural being. And from this natural being, which is essentially in a kind of dormant state, the inner spiritual faculties develop. These inner spiritual faculties, after all, only arise in the course of future development. One must quite necessarily resign oneself to tracing back what arises in the human being as spiritual faculties to a time before birth and conception, just as one traces the growth of the limbs. But then one comes to conceive of what one otherwise perceives in external nature only as abstract natural laws in a living, spiritual way. And then, in other words, one comes to recognize what one might call the Father God.

[ 9 ] Es ist schon bedeutsam, daß die Scholastik im Mittelalter angenommen hat, daß unter denjenigen Erkenntnisergebnissen, die man haben kann aus der gewöhnlichen Beobachtung der Welt durch die gewöhnliche menschliche Vernunft, die Erkenntnis des Vatergottes ist. Man kann schon sagen, wie ich es öfters ausgedrückt habe: Wer sich wirklich darauf einläßt, diese Welt, die dem gewöhnlichen Bewußtsein gegeben ist, zu zergliedern und dann nicht dazu kommt, die Naturgesetze zuletzt zusammenzufassen in demjenigen, was man den Vatergott nennt, der muß eigentlich irgendwie krank sein, pathologisch sein. Atheist sein, heißt krank sein — so sprach ich das hier einmal aus.

[ 9 ] It is indeed significant that medieval scholasticism held that among the insights one can gain from the ordinary observation of the world through ordinary human reason is the knowledge of God the Father. One can certainly say, as I have often expressed: Anyone who truly sets out to analyze this world, as it is given to ordinary consciousness, and then fails to ultimately synthesize the laws of nature into what is called God the Father must actually be sick in some way, pathological. To be an atheist is to be sick—that is how I once put it here.

[ 10 ] Aber man kommt mit diesem gewöhnlichen Bewußtsein eben nicht weiter als bis zu diesem Vatergotte. Bis zu ihm kann man kommen mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, aber eben nicht weiter. Und daher ist es charakteristisch, daß einer, der als ein ganz bedeutender Theologe der neuesten Zeit gilt, Adolf von Harnack, davon gesprochen hat, daß eigentlich Christus, der Sohn, in die Evangelien gar nicht hineingehöre, daß in die Evangelien die Botschaft vom Vater gehöre, daß Christus Jesus eigentlich nur insoweit in die Evangelien gehöre, als er die Botschaft von dem Vatergott gebracht hat. Sie können da ganz deutlich sehen, daß dieses moderne Denken auch in der modernen Theologie mit einer gewissen Konsequenz dazu führt, nur den Vatergott anzuerkennen und die Evangelien selber so aufzufassen, daß in ihnen nur enthalten ist die Botschaft von dem Vatergotte. Man wollte also im Sinne dieser Theologie den Christus als Wesenheit nur insofern gelten lassen, als er einmal in der Welt aufgetreten ist und den Menschen die richtige Lehre vom Vatergotte beigebracht habe.

[ 10 ] But with this ordinary consciousness, one simply cannot go any further than this God the Father. One can reach him with ordinary consciousness, but no further. And that is why it is significant that Adolf von Harnack, who is regarded as a very important theologian of recent times, has stated that Christ, the Son, does not actually belong in the Gospels at all; that the message of the Father belongs in the Gospels; and that Christ Jesus actually belongs in the Gospels only to the extent that he brought the message of the Father God. You can see quite clearly here that this modern way of thinking, even within modern theology, leads with a certain consistency to recognizing only God the Father and interpreting the Gospels themselves in such a way that they contain only the message about God the Father. According to this theology, therefore, Christ as a being was to be acknowledged only insofar as he once appeared in the world and taught people the correct doctrine of God the Father.

[ 11 ] Darin ruht zweierlei: erstens der Glaube, als ob die Botschaft vom Vatergotte nicht durch die gewöhnliche Weltbetrachtung gefunden werden könnte. Die Scholastik hat das noch angenommen, hat nicht angenommen, daß die Evangelien dazu da seien, um von dem Vatergotte zu sprechen, sondern sie hat angenommen, daß die Evangelien dazu da seien, um von dem Sohnesgotte zu sprechen. Daß so die Meinung auftreten konnte, es solle eigentlich nur vom Vatergotte gesprochen werden, das bezeugt, daß auch die Theologie eingelaufen ist in die Denkweise, die sich eben als die okzidentale ausgebildet hat. Denn bis etwa ins 3., 4. nachchristliche Jahrhundert, wo noch viel von orientalischer Weisheit im Christentum da war, da beschäftigte die Menschen innig die Frage nach dem Unterschiede zwischen dem Vatergotte und dem Sohnesgotte. Man möchte sagen: Diese feinen Unterscheidungen zwischen dem Vater- und dem Sohnesgotte, die die ersten christlichen Jahrhunderte unter dem Einfluß der orientalischen Weisheit noch beschäftigt haben, die haben eigentlich gar keinen Inhalt mehr für den modernen Menschen, für jenen modernen Menschen, der unter solchen Einflüssen, wie ich es gestern dargestellt habe, die Egoität ausgebildet hat.

[ 11 ] This rests on two things: first, the belief that the message of God the Father cannot be found through ordinary observation of the world. Scholasticism still held this view; it did not assume that the Gospels were intended to speak of God the Father, but rather that they were intended to speak of God the Son. The fact that such an opinion could arise—namely, that one should really speak only of God the Father—testifies that theology, too, has fallen into the mode of thinking that has developed precisely as the Western way of thinking. For up until about the 3rd or 4th century A.D., when there was still much of Eastern wisdom present in Christianity, people were deeply preoccupied with the question of the difference between God the Father and God the Son. One might say: These subtle distinctions between God the Father and God the Son, which still occupied the early Christian centuries under the influence of Eastern wisdom, actually have no meaning left for modern people—for those modern people who, under influences such as those I described yesterday, have developed egoism.

[ 12 ] Und so kommt denn eine gewisse Unwahrheit in das moderne religiöse Bewußtsein hinein. Das, was der Mensch innerlich erlebt, wozu er kommt durch seine Weltzergliederung und Weltsynthese, das ist der Vatergott. Aus der Tradition, aus der Überlieferung hat er dann Gott den Sohn. Die Evangelien sprechen ihm davon, die Tradition spricht ihm davon: Er hat den Christus; er will sich zum Christus bekennen — aber aus dem inneren Erleben heraus hat er eigentlich den Christus nicht, Und so überträgt er das, was er eigentlich nur anwenden sollte auf den Vatergott, auf den Christus-Gott. Die moderne Theologie hat eigentlich gar nicht den Christus, sie hat nur den Vater, aber sie nennt den Vater «Christus», weil es nun schon einmal so ist, daß die ChristusWesenheit aus der Geschichte überliefert ist und man Christ sein will. Man dürfte sich, wenn man wahr wäre, gar nicht Christ nennen in der neueren Zeit!

[ 12 ] And so a certain untruth creeps into modern religious consciousness. What a person experiences inwardly—what he arrives at through his analysis and synthesis of the world—is God the Father. From tradition, from what has been handed down, he then has God the Son. The Gospels speak of this to him, tradition speaks of this to him: He has the Christ; he wants to profess his faith in the Christ—but based on his inner experience, he does not actually have the Christ. And so he transfers what he should really only apply to the Father God to the Christ-God. Modern theology does not actually have the Christ at all; it has only the Father, but it calls the Father “Christ” because it just so happens that the Christ-being has been handed down from history and people want to be Christians. If one were truthful, one should not even call oneself a Christian in modern times!

[ 13 ] Das wird allerdings anders, wenn wir weiter nach dem Osten hinübergehen. Schon im europäischen Osten wird es anders. Wenn Sie den hier auch schon öfters erwähnten russischen Philosophen Solowjow nehmen, so haben Sie ja wiederum eine Seelenverfassung, zur Philosophie geworden, die mit einem vollen Rechte, nämlich mit einem innerlichen Rechte spricht von einem Unterschied zwischen dem Vater und dem Sohn, weil beides, der Vater und Christus, für Solowjow Erlebnisse sind. Der westliche Mensch unterscheidet nicht zwischen Gott dem Vater und Christus. Wenn Sie innerlich ehrlich sind, werden Sie es selber fühlen, wie Ihnen sogleich, wenn Sie eine Unterscheidung treffen wollen zwischen dem Vatergott und dem Christus, beide durcheinanderfließen. Das ist bei Solowjow unmöglich. Solowjow erlebt beide getrennt, und er hat daher auch noch einen Sinn für die Kämpfe, die Geisteskämpfe, die in den ersten christlichen Jahrhunderten ausgefochten worden sind, um für das menschliche Bewußtsein den Unterschied zwischen dem Vatergotte und dem Sohnesgotte zu vergegenwärtigen.

[ 13 ] However, things are different when we move further east. Even in Eastern Europe, things are different. If you take the Russian philosopher Soloviev, whom I have mentioned here many times, you have a state of mind—one that has become philosophy—which speaks with full authority, namely with an inner authority, of a difference between the Father and the Son, because for Soloviev, both the Father and Christ are experiences. Westerners do not distinguish between God the Father and Christ. If you are inwardly honest, you will feel for yourself how, the moment you try to make a distinction between God the Father and Christ, the two flow into one another. This is impossible for Soloviev. Soloviev experiences both separately, and he therefore still has a sense of the struggles—the spiritual struggles—that were waged in the early Christian centuries to bring home to human consciousness the difference between God the Father and God the Son.

[ 14 ] Das ist es aber, wozu der moderne Mensch wiederum kommen muß. Es muß doch eine Wahrheit darinnenstecken, wenn man sich Christ nennt. Es darf doch nicht so sein, daß man eigentlich den Christus zu verehren vorgibt und ihm nur die Eigenschaften des Vatergottes beilegt! Man wird aber nur dadurch, daß man solche Wahrheiten vorbringt, wie diejenigen sind, auf die ich gestern aufmerksam gemacht habe, dazu kommen, die beiden Erlebnisse, das Vatererlebnis und das Sohneserlebnis, zu haben.

[ 14 ] But that is precisely what modern people must come to understand once again. There must surely be some truth to it if one calls oneself a Christian. It cannot be that one purports to worship Christ while attributing to him only the characteristics of God the Father! But it is only by presenting such truths—such as those I drew attention to yesterday—that one will come to have both experiences: the experience of the Father and the experience of the Son.

[ 15 ] Aber allerdings, es wird dazu notwendig sein, daß die ganze abstrakte Form des Bewußtseins, in der der moderne Mensch aufwächst und die eigentlich nichts zuläßt als die Anerkennung des Vatergottes, durch ein viel konkreteres Bewußtseinsleben ersetzt werde. Natürlich, so wie ich Ihnen die Dinge gestern dargestellt habe, kann man sie heute nicht ganz allgemein in der Welt darstellen, die nicht genügend vorbereitet ist durch die anderen Gebiete der Geisteswissenschaft, der Anthroposophie. Aber es gibt immerhin Möglichkeiten, auch den modernen Menschen ebenso darauf hinzuweisen, wie in seinem Inneren ein Zerstörungsherd ist, und wie in der Außenwelt dasjenige ist, wo das Ich gewissermaßen ertrinkt, wo es sich nicht befestigt halten kann wie man in alten Zeiten vom Sündenfall und ähnlichem gesprochen hat. Man muß nur die Form finden, wie diese Dinge ebenso in das gewöhnliche Bewußtsein übergehen können, wie früher die Lehre vom Sündenfall die Lehre von einer geistigen Grundlage der Welt gegeben hat, die anders gewaltet hat als unsere Vatergott-Lehre.

[ 15 ] However, it will be necessary for the entire abstract form of consciousness in which modern human beings grow up—and which, in fact, allows for nothing other than the recognition of God the Father—to be replaced by a much more concrete life of consciousness. Of course, the way I presented these things to you yesterday cannot be presented in a completely general way in the world today, which is not sufficiently prepared by the other fields of spiritual science, of anthroposophy. But there are, after all, ways to point out to modern people as well that there is a source of destruction within them, and that in the outer world there is that in which the “I” is, so to speak, drowning—where it cannot hold its ground—just as people spoke in ancient times of the Fall of Man and similar concepts. One need only find the form in which these things can enter ordinary consciousness, just as the doctrine of the Fall of Man once provided a spiritual foundation for the world that operated differently from our doctrine of God the Father.

[ 16 ] Unsere Wissenschaft wird sich eben durchdringen müssen mit solchen Anschauungen, wie ich sie gestern geltend gemacht habe. Unsere Wissenschaft will nur anerkennen die Naturgesetze im Inneren des Menschen. Aber gerade in diesem Zerstörungsherde, von dem ich jetzt schon öfter hier gesprochen habe, da vereinigen sich die Naturgesetze mit den Moralgesetzen, da werden Naturgesetze und moralische Gesetze eines. In unserem Inneren wird eben die Materie, und damit alle Naturgesetze, vernichtet. Das materielle Leben mit allen Naturgesetzen wird ins Chaos zurückgeworfen, und aus dem Chaos vermag aufzusteigen eine neue Natur, durchtränkt von den Moralimpulsen, die wir in unserem Inneren in sie hineinlegen. Und wir haben gesagt: Alles das, was da als Zerstörungsherd sich geltend macht, ist unterhalb unseres Erinnerungsspiegels. Wenn wir also schauend hinunterdringen unter diesen Erinnerungsspiegel, so bemerken wir das, was eigentlich immer im Menschen ist. Durch die Erkenntnis wird ja der Mensch nicht anders. Er erkennt nur das, wie er ist, wie er sonst immer ist. Der Mensch muß zur Besinnung kommen über das, was er ist und wie er ist.

[ 16 ] Our science will simply have to come to terms with views such as those I put forward yesterday. Our science seeks only to recognize the laws of nature within the human being. But it is precisely in this focus of destruction—which I have already spoken of here on several occasions—that the laws of nature unite with the moral laws; there, the laws of nature and moral laws become one. Within us, matter—and with it all the laws of nature—is destroyed. Material life, with all its natural laws, is cast back into chaos, and from this chaos a new nature can arise, imbued with the moral impulses that we instill within it from within ourselves. And we have said: Everything that asserts itself there as a source of destruction lies below our mirror of memory. So when we look down beneath this mirror of memory, we perceive what is actually always present within the human being. This insight does not change the human being. He merely recognizes himself as he is, as he always is. The human being must come to realize what he is and how he is.

[ 17 ] Aber indem wir so hinunterdringen, wir könnten sagen, in das innere Böse im Menschen und dann auch ein Bewußtsein davon bekommen, wie da in dieses innere Böse, wo die Materie zerstört wird, wo die Materie in ihr Chaos zurückgeworfen wird, die moralischen Impulse hineinwehen, dann haben wir den Anfang des geistigen Seins in uns selbst. Wir nehmen dann in uns selber den schaffenden Geist wahr. Denn indem die moralischen Gesetze an der Materie wirken, die eins geworden, ins Chaos zurückgeworfen ist, haben wir in uns ein auf naturhafte Weise geistig Wirksames. Wir werden uns bewußt des konkreten geistig Wirksamen, das in uns ist und das der Keim für künftige Welten ist.

[ 17 ] But as we delve down into—we might say—the inner evil within the human being, and then also become aware of how moral impulses blow into this inner evil—where matter is destroyed, where matter is cast back into chaos—we find the beginning of spiritual being within ourselves. We then perceive the creative spirit within ourselves. For as the moral laws act upon matter—which has become one and been cast back into chaos—we have within us something spiritually active in a natural way. We become aware of the concrete spiritual activity that is within us and that is the seed for future worlds.

[ 18 ] Womit können wir das, was sich da in unserem Inneren ankündigt, vergleichen? Wir können es jetzt nicht vergleichen mit demjenigen, was unsere Sinne zunächst von der äußeren Natur uns mitteilen. Wir können es nur vergleichen mit dem, was uns etwa ein anderer Mensch mitteilt, wenn er zu uns spricht. Deshalb ist es mehr als ein Vergleich, wenn wir sagen: Was da im Inneren sich vollzieht, indem die moralischen oder auch unmoralischen Impulse sich mit dem Chaos in uns verbinden, das spricht zu uns. Das ist in der Tat etwas, was in uns spricht. Und man kommt da in einer Weise, die nicht etwa Allegorie oder Symbol ist, sondern die durchaus real ist, man kommt darauf, wie das, was wir äußerlich durch unsere Ohren hören können, eine für die Erdenwelt abgeschwächte Sprache ist, während in unserem Inneren eine Sprache gesprochen wird, die über die Erde hinausgeht, weil sie aus dem heraus spricht, was die Keime für künftige Welten enthält. Wir dringen da wirklich vor zu dem, was das «innere Wort» genannt werden muß. Allerdings so, daß in dem abgeschwächten Worte, das wir sprechen oder hören im Verkehr mit unseren Mitmenschen, ja Hören und Sprechen getrennt ist, während wir in unserem Inneren, wenn wir unter den Erinnerungsspiegel hinuntertauchen in das innere Chaos, eine Wesenhaftigkeit haben, wo in unserem Inneren selber gesprochen wird und zu gleicher Zeit gehört wird. Hören und Sprechen vereinigen sich da wiederum. Das innere Wort spricht in uns, das innere Wort wird in uns gehört.

[ 18 ] To what can we compare what is stirring within us? We cannot compare it to what our senses initially convey to us from the external world. We can only compare it to what another person, for example, communicates to us when they speak to us. That is why it is more than a mere comparison when we say: What is taking place within us—as moral or even immoral impulses combine with the chaos within us—that speaks to us. It is indeed something that speaks within us. And we come to realize—in a way that is not merely allegory or symbol, but is thoroughly real—that what we can hear externally through our ears is a language attenuated for the earthly world, whereas within us a language is spoken that transcends the earth, because it speaks from that which contains the seeds of future worlds. We truly penetrate there to what must be called the “inner word.” However, in the attenuated language we speak or hear in our interactions with our fellow human beings, hearing and speaking are indeed separate; whereas within us, when we dive beneath the mirror of memory into the inner chaos, there is an essence where within ourselves speaking and hearing occur simultaneously. There, hearing and speaking are united once again. The inner word speaks within us; the inner word is heard within us.

[ 19 ] Aber wir sind da zugleich in ein Gebiet hineingekommen, wo es keinen Sinn mehr hat, von Subjektivem und Objektivem zu sprechen. Wenn Sie den anderen Menschen hören, wenn er zu Ihnen Worte spricht, die Sie mit ihrem Gehörsinn wahrnehmen, dann wissen Sie, diese Wesenheit des anderen Menschen ist außer Ihnen, aber Sie müssen gewissermaßen sich aufgeben, sich an sie hingeben, damit Sie im Gehörten die Wesenheit des anderen Menschen wahrnehmen. Und wiederum, wenn Sie sprechen: Sie wissen, das, was wirklich Wort wird, hörbares Wort, ist nicht bloß etwas Subjektives, das ist etwas, was in die Welt hineingestellt wird. Also auch in dem Abgeschwächten, das wir im Verkehr mit anderen Menschen hören als Wort und das wir zu ihnen sprechen als Wort, da hat die Unterscheidung zwischen Subjektivität und Objektivität keinen Sinn. Wir stehen mit unserer Subjektivität in der Objektivität drinnen, und die Objektivität wirkt in uns und mit uns, indem wir wahrnehmen. So wird es auch, indem wir hinuntersteigen zu dem inneren Wort. Es ist nicht bloß ein inneres Wort, es ist zu gleicher Zeit etwas Objektives. Es spricht nicht unser Inneres, es spricht, bloß auf dem Schauplatz unseres Inneren, die Welt.

[ 19 ] But at the same time, we have entered a realm where it no longer makes sense to speak of the subjective and the objective. When you hear another person—when they speak words to you that you perceive with your sense of hearing—you know that this essence of the other person is outside of you, but you must, in a sense, let go of yourself, surrender to it, so that you may perceive the essence of the other person in what you hear. And again, when you speak: you know that what truly becomes a word—an audible word—is not merely something subjective; it is something that is placed into the world. So even in the faintest sounds that we hear as words in our interactions with others, and that we speak to them as words, the distinction between subjectivity and objectivity makes no sense. We stand with our subjectivity within objectivity, and objectivity acts within us and with us as we perceive. This is also the case when we descend into the inner word. It is not merely an inner word; it is, at the same time, something objective. It is not our inner self that speaks; it is the world that speaks, merely on the stage of our inner self.

[ 20 ] Daher ist es auch für den, der nun eine Einsicht hat, wie hinter dem Sinnesteppich eine geistige Welt ist, wie da die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien walten und weben, für den ist es so, daß er zunächst durch eine Imagination wahrnimmt diese Wesenheiten; aber sie werden für ihn, für sein Schauen von innerlichem Leben durchdrungen, indem er nun, scheinbar durch sich, aber in Wirklichkeit aus der Welt, das Wort vernimmt.

[ 20 ] Therefore, for the one who now has an insight into how there is a spiritual world behind the veil of the senses, and how the spiritual beings of the higher hierarchies reign and weave there, it is the case that he first perceives these beings through an imagination; but they become imbued with inner life for him, for his vision, as he now hears the Word—seemingly through himself, but in reality from the world.

[ 21 ] Der Mensch dringt also durch Hingabe, durch Liebe ein in die Welt jenseits des Sinnesteppichs, und er dringt dazu vor, die Wesenheiten, die sich ihm da bei voller Hingabe seines eigenen Wesens offenbaren, wahrzunehmen durch das, was er in seinem Inneren als das innere Wort gelten lassen muß. Wir wachsen zusammen mit der Außenwelt. Die Außenwelt wird gewissermaßen weltentönend, wenn das innere Wort erweckt ist.

[ 21 ] Through devotion and love, the human being thus penetrates into the world beyond the veil of the senses, and in doing so, strives to perceive the beings that reveal themselves there—through the full surrender of his own being—by means of what he must accept as the inner Word within himself. We grow together with the outer world. The outer world, so to speak, becomes a world of sound when the inner word is awakened.

[ 22 ] Nun, das, was ich Ihnen da schildere, das ist ja bei jedem Menschen der Gegenwart da. Er hat nur keine Erkenntnis, daher keine Besonnenheit, kein Bewußtsein davon; und er muß erst hineinwachsen in eine solche Erkenntnis, in eine solche Besonnenheit. Wenn wir mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, das uns die intellektualistischen Begriffe liefert, die Welt erkennen, so erkennen wir eigentlich nur das Vergehende, nur die Vergangenheit. Und wenn wir dann recht anschauen, was uns unser Intellekt liefern kann, so ist es im Grunde genommen der Rückblick auf die vergehende Welt. Aber wir können mit dem, was ich angedeutet habe, den Vatergott finden. Welches Bewußtsein entwickeln wir also dem Vatergotte gegenüber? Das Bewußtsein, daß der Vatergott einer Welt zugrunde liegt, deren Vergehen sich in unserer Intellektualität ankündigt.

[ 22 ] Well, what I am describing to you is, after all, present in every person today. They simply lack insight, and therefore lack prudence and awareness of it; and they must first grow into such insight, into such prudence. When we perceive the world with the ordinary consciousness that provides us with intellectual concepts, we actually perceive only what is passing away, only the past. And when we look closely at what our intellect can offer us, it is, in essence, a retrospective view of the passing world. But with what I have indicated, we can find the Father God. What kind of consciousness, then, do we develop toward the Father God? The consciousness that the Father God underlies a world whose passing is foreshadowed in our intellectuality.

[ 23 ] Ja, es ist so: Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts hat der Mensch eine besondere Fähigkeit in seiner Intellektualität entwickelt, das Untergehende der Welt zu betrachten. Den Weltenleichnam analysieren wir und prüfen wir mit unseren intellektualistischen Wissenschaftserkenntnissen. Und solche Theologen, wie Adolf Harnack, die nur am Vatergotte festhalten, sind eigentlich für die Welt Schilderer des Untergehenden, dessen, was mit der Erde vollends untergehen wird, was mit der Erde vollends verschwinden wird. Es sind nach rückwärts weisende Geister.

[ 23 ] Yes, it is true: Since the mid-15th century, humankind has developed a special intellectual capacity to contemplate the world’s demise. We analyze and examine the corpse of the world with our intellectual scientific knowledge. And theologians such as Adolf Harnack, who cling only to God the Father, are in fact, for the world, chroniclers of what is perishing—that which will perish completely with the earth, that which will vanish completely with the earth. They are minds looking backward.

[ 24 ] Aber schließlich, wie ist es denn für den Menschen, der sich so ganz einlebt in das, was ihm von Kindheit auf als moderne naturwissenschaftliche Denkweise eingepfropft wird? Es ist so, daß er lernt: Da in der Welt entstehen und vergehen zwar die äußeren Phänomene, aber die Materie bleibt, die Materie ist das Unzerstörbare, und wenn auch die Erde einmal an ihrem Ende angekommen sein wird, die Materie wird nicht zerstört sein. Gewiß, es wird ein großer Friedhof kommen, aber dieser große Friedhof wird dieselben Atome und Moleküle oder wenigstens dieselben Atome bergen, die heute schon da sind. — Man wendet den Blick nur hin auf dieses Untergehende, und man studiert auch in dem Aufgehenden im Grunde genommen nur das, was vom Untergehenden in das Aufgehende hineinspielt.

[ 24 ] But after all, what is it like for a person who has so completely internalized what has been instilled in him since childhood as modern scientific thinking? The fact is that he learns: While external phenomena arise and pass away in the world, matter remains; matter is indestructible, and even when the Earth has reached its end, matter will not be destroyed. Certainly, there will be a vast graveyard, but this vast graveyard will contain the same atoms and molecules—or at least the same atoms—that are already there today. — One merely turns one’s gaze toward what is perishing, and even in what is emerging, one essentially studies only what flows from the perishing into the emerging.

[ 25 ] Das würde einem Orientalen nie möglich sein mitzumachen, und in dem abgedämpften philosophischen Fühlen Solowjows zeigt sich das schon im europäischen Orient, im Osten von Europa. Wenn er es auch nicht deutlich ausspricht — wenigstens nicht so deutlich, als es in der Zukunft ausgesprochen werden müßte im allgemeinen Bewußtsein —, so muß man doch sagen: Solch ein Geist wie Solowjow hat noch so viel vom Orientalen, daß er überall sieht, wie das Untergehende der Welt da ist, das sich Zerbröckelnde, das sich Auflösende, das nach dem Chaos Strebende und daß doch auch wiederum das Aufgehende, das Zukünftige da ist. Aber man muß das dann so sehen, wenn man es der Realität, der Wirklichkeit nach sehen will, daß wir all das haben, was wir mit unseren Sinnen sehen, auch von dem anderen Menschen zunächst mit unseren Sinnen sehen: das, all das wird einmal nicht sein. Was sich unseren Augen zeigt, was sich unseren Ohren weist und so weiter, das wird einmal nicht sein. Himmel und Erde werden vergehen — denn auch das, was wir von den Sternen durch unsere Sinne sehen, gehört zu diesem Vergänglichen —, Himmel und Erde werden vergehen; das aber, was sich als das innere Wort in dem inneren Chaos des Menschen, in dem Zerstörungsherde bildet, das wird, nachdem Himmel und Erde vergangen sind, so fortleben, wie der Keim der Pflanze des gegenwärtigen Jahres im nächsten Jahr in der Pflanze weiterleben wird. In dem Inneren der Menschen sind die Keime von Weltenzukünften. Und nehmen die Menschen in diesen Keimen den Christus auf, dann können Himmel und Erde vergehen, aber der Logos, der Christus, kann nicht vergehen. Der Mensch trägt gewissermaßen in seinem Inneren, was einmal sein wird, wenn alles das nicht mehr sein wird, was er um sich sieht.

[ 25 ] It would never be possible for an Oriental to participate in this, and in Soloviev’s subdued philosophical sensibility, this is already evident in the “European Orient,” in Eastern Europe. Even if he does not state it explicitly—at least not as explicitly as it will need to be stated in the future in the collective consciousness—one must nevertheless say: A mind like Soloviev’s still retains so much of the Eastern mindset that he sees everywhere the world in decline—that which is crumbling, dissolving, and striving toward chaos—and yet he also sees the dawning, the future. But if one wishes to view this in terms of reality, one must recognize that everything we perceive with our senses—including what we initially perceive of other people through our senses—will one day cease to be. What appears to our eyes, what presents itself to our ears, and so on—all of that will one day cease to be. Heaven and earth will pass away—for even what we perceive of the stars through our senses belongs to this transitory realm—heaven and earth will pass away; but that which forms as the inner Word within the inner chaos of the human being, within the foci of destruction, will, after heaven and earth have passed away, continue to live on, just as the seed of this year’s plant will live on in next year’s plant. Within human beings lie the seeds of future worlds. And if human beings receive the Christ within these seeds, then heaven and earth may pass away, but the Logos, the Christ, cannot pass away. Human beings carry within themselves, as it were, what will one day be, when all that they see around them will no longer be.

[ 26 ] Und er muß sich sagen können: Ich blicke zum Vatergotte. Der Vatergott liegt der Welt zugrunde, die ich durch die Sinne sehen kann. Sie ist seine Offenbarung. Aber sie ist eine untergehende Welt, und sie wird in diesen Untergang auch den Menschen mitreißen, wenn der Mensch ganz aufgehen würde in ihr, wenn nur das Bewußtsein des Vatergottes entwickelt werden könnte. Der Mensch würde zurückkehren zum Vatergotte; er würde keine Fortentwickelung haben können. Da ist aber eine aufgehende Welt, die zunächst eben gerade durch den Menschen da ist. Adelt der Mensch seine sittlichen Ideale durch das Christus-Bewußtsein, durch den Christus-Impuls, gestaltet er seine sittlichen Ideale so, daß sie sind, wie sie sein sollten dadurch, daß der Christus auf die Erde gekommen ist, dann lebt in seinem Chaos keimend in die Zukunft hinein, was nun nicht eine untergehende, was eine aufgehende Welt ist.

[ 26 ] And he must be able to say to himself: I look to God the Father. God the Father is the foundation of the world that I can see through my senses. It is His revelation. But it is a world in decline, and it will drag humanity down with it in this decline if humanity were to become completely absorbed in it—if only the consciousness of God the Father could be developed. Humanity would return to God the Father; it would be unable to continue developing. Yet there is a world in the making, one that exists, for the time being, precisely through humanity. If humanity ennobles its moral ideals through Christ-consciousness, through the Christ impulse, and shapes its moral ideals so that they are as they ought to be because Christ came to Earth, then what is now germinating within its chaos and reaching into the future is not a world in decline, but a world in the making.

[ 27 ] Man muß diese starke Empfindung haben für die untergehende und für die aufgehende Welt. Man muß in der Natur schon empfinden, wie in ihr ein immerwährendes Sterben ist. Und durch dieses Sterben wird die Natur gewissermaßen tingiert. Dafür aber ist in der Natur auch ein fortwährendes Aufgehen, ein fortwährendes Geborenwerden. Das tingiert die Natur nicht mit demjenigen, was dann unseren Sinnen sichtbar wird, aber das ist doch in der Natur empfindbar, wenn wir nur mit offenem Herzen uns dieser Natur hingeben.

[ 27 ] One must have this intense sense of both the world that is passing away and the world that is coming into being. One must already sense in nature how there is an everlasting dying within it. And nature is, in a sense, tinged by this dying. Yet there is also a continuous blossoming in nature, a continuous coming into being. This does not tinge nature with what then becomes visible to our senses, but it can still be sensed in nature if we only surrender ourselves to it with an open heart.

[ 28 ] Wir sehen draußen in der Natur, sagen wir, die Farben, die Farben im Sinne des Farbenspektrums, von dem äußersten Rot bis zu dem äußersten Violett, mit den Zwischennuancen. Wenn wir nun in einer gewissen Weise diese Farben durcheinander tingieren würden, dann würden sie Leben annehmen. Dann werden sie gerade zu dem, was als die menschliche sogenannte Fleischfarbe, das Inkarnat, aus dem Menschen herausdringt. Wo wir in die Natur hineinblicken, erblicken wir gewissermaßen den ausgebreiteten Regenbogen als das Zeichen des Vatergottes. Blicken wir aber auf den Menschen: Das Inkarnat, es spricht aus des Menschen Inneren heraus, indem sich alle Farben durchdringen, aber Leben annehmen, lebendig werden in ihrem Sich-Durchdringen. Fort ist dasjenige, was da Leben annimmt, wenn wir nur den Leichnam ansehen. Da wird wiederum zurückgeworfen in den Regenbogen, in die Schöpfung des Vatergottes, was der Mensch ist. Aber der Mensch muß in seinem Inneren auch die Quelle des Farbigen, das, was den Regenbogen zum Inkarnat, was den Regenbogen zu einer lebendigen Einheit macht — er muß dieses in seinem Inneren erblicken.

[ 28 ] Out in nature, we see, for example, colors—colors in the sense of the color spectrum, from the deepest red to the deepest violet, with all the shades in between. If we were to blend these colors together in a certain way, they would come to life. Then they would become precisely what emerges from the human being as the so-called flesh color, the incarnate. When we look into nature, we see, as it were, the spread-out rainbow as the sign of God the Father. But when we look at the human being: the incarnate color speaks from within the human being, as all the colors interpenetrate one another, yet take on life, becoming alive in their interpenetration. That which takes on life is gone when we look merely at the corpse. What a human being is is then cast back into the rainbow, into the creation of God the Father. But a human being must also perceive within themselves the source of color—that which makes the rainbow into the incarnate, that which makes the rainbow a living unity—they must perceive this within themselves.

[ 29 ] Ich habe Sie in einer vielleicht komplizierten Weise gestern und heute auf dieses Innere geführt in seiner eigentlichen Bedeutung: wie durch dieses die Materie, das, was äußerlich ist, in das Nichts, in das Chaos zurückgeworfen wird, damit der Geist neu schöpferisch werden kann. Wenn man bis zu diesem Neuschöpferischen blickt, dann sagt man sich: Der Vatergott wirkt bis zu der Materie in ihrer Vollendetheit (siehe Zeichnung, hell). Sie tritt uns in der äußeren Welt in der verschiedensten Weise entgegen, so daß sie für uns sichtbar ist. Aber in unserem eigenen Inneren wird diese Materie in ihr Nichts zurückgeworfen, wird durchdrungen von dem rein geistigen Wesen, von unseren moralischen Idealen oder auch antimoralischen Idealen (rot). Da sprießt dann neues Leben auf. Die Welt muß uns in dieser ihrer Doppelgestalt erscheinen: Der Vatergott, wie er das, was äußerlich sichtbar ist, schafft, wie es an seinem Ende angelangt ist im Menscheninneren, wo es ins Chaos zurückgeworfen wird. Wir müssen das Ende dieser Welt stark fühlen, die die Welt des Vatergottes ist, und wir werden sehen, wie wir dadurch zu einem innerlichen Verstehen des Mysteriums von Golgatha kommen, zu jenem innerlichen Verstehen, durch das uns anschaulich wird, wie das, was im Sinne der Vatergott-Schöpfung an ein Ende kommt, wie das durch den Sohnesgott wiederum auflebt, wie ein neuer Anfang gemacht wird.

[ 29 ] Yesterday and today, I have guided you—perhaps in a somewhat complicated way—to this inner reality in its true meaning: how, through it, matter—that which is external—is cast back into nothingness, into chaos, so that the spirit may become creative anew. When one looks into this creative renewal, one says to oneself: God the Father acts down to matter in its perfection (see illustration, light). It appears to us in the outer world in the most varied ways, so that it is visible to us. But within our own inner being, this matter is cast back into its nothingness, permeated by the purely spiritual essence, by our moral ideals or even anti-moral ideals (red). There, new life then springs forth. The world must appear to us in this dual form: the Father God, as He creates what is outwardly visible, and how it has reached its end within the human being, where it is cast back into chaos. We must keenly feel the end of this world—which is the world of the Father God—and we will see how this leads us to an inner understanding of the Mystery of Golgotha, to that inner understanding through which it becomes clear to us how that which comes to an end in the sense of the Father God’s creation is revived through the Son God, and how a new beginning is made.

[ 30 ] Man kann im Grunde genommen überall in der abendländischen Welt sehen, wie seit dem 15. Jahrhundert hintendiert worden ist, nur das Untergehende, nur das Leichnammäßige, das allein dem Intellekt zugänglich ist, zu durchdringen, wie alle sogenannte Bildung nur gestaltet worden ist unter dem Einflusse einer solchen auf das Tote gerichteten Wissenschaftlichkeit. Sie ist dem wirklichen Christentum entgegengesetzt. Das wirkliche Christentum muß Empfindung haben für das Lebendige, aber auch trennen können diese Empfindung des Auflebenden von dem Niedergehenden. Daher ist schon die wichtigste Vorstellung, die sich anknüpfen muß an das Mysterium von Golgatha, die des auferstandenen Christus, des Christus, der den Tod besiegt hat. Darauf kommt es an, einzusehen, daß die wichtigste Vorstellung die des durch den Tod gegangenen und auferstandenen Christus ist. Das Christentum ist eben nicht bloß eine Erlösungsreligion — das waren die orientalischen Religionen auch —, das Christentum ist eine Auferstehungsreligion, eine Wiedererweckungsreligion für dasjenige, was sonst eben die sich zerbröckelnde Materie ist.

[ 30 ] Essentially, one can see everywhere in the Western world how, since the 15th century, there has been a tendency to penetrate only that which is decaying, only that which is corpse-like—the sole realm accessible to the intellect—and how all so-called education has been shaped solely under the influence of such a scientific approach directed toward the dead. This stands in opposition to true Christianity. True Christianity must have a sense for what is alive, but it must also be able to distinguish this sense of what is coming to life from what is decaying. Therefore, the most important concept—which must be linked to the Mystery of Golgotha—is that of the risen Christ, the Christ who has conquered death. What matters is to realize that the most important concept is that of the Christ who passed through death and rose again. Christianity is not merely a religion of salvation—the Eastern religions were that as well—but rather a religion of resurrection, a religion of reawakening for that which is otherwise simply crumbling matter.

[ 31 ] Kosmisch haben wir vorhanden das Zerbröckelnde der Materie im Monde, dasjenige, was immer neu und frisch entsteht, im Sonnenhaften. Geistig gesehen, durch geistiges Schauen gesehen, wird der Mond, schon wenn man hinauskommt aus der gewöhnlichen sinnlichen Anschauung bis dahin, wo die Imagination wirkt, etwas, was in einem fortwährenden Prozeß ist: Es zersplittert sich fortwährend (Mitte der Zeichnung a, S. 44). Da, wo der Mond sitzt, zersplittert sich die Materie des Mondes und stäubt in die Welt hinaus, sammelt sich von der Umgebung wiederum, zersplittert sich (Umkreiszeichnung a, S. 44). Man hat, indem man den Mond — schon in der Imagination — anschaut, ein fortwährendes Zusammenkommen von Materie, die sich zersplittert da, wo der Mond ist, und hinausstäubt in die Welt. Der Mond ist eigentlich so zu sehen: Kreis, engerer Kreis, mehr zusammen also, engerer Kreis; jetzt aber wird es Mond selber. Da löst es sich auf, zersplittert. Da splittert es hinaus in alle Welt. Es erträgt im Monde die Materie nicht den Mittelpunkt, nicht das Zentrum. Es konzentriert sich die Materie nach dem Mondenzentrum hin, erträgt aber das Zentrum nicht, macht halt, splittert als Weltenstaub hinaus. Nur der gewöhnlichen sinnlichen Anschauung erscheint der Mond als ruhend. Er ist nicht ruhend. Es preßt sich fortwährend Materie zusammen und splittert hinaus (Zeichnung b, S. 44).

[ 31 ] Cosmically speaking, we have the crumbling nature of matter in the Moon, and that which is constantly emerging anew and fresh in the solar realm. Spiritually speaking, as seen through spiritual vision, the Moon—as soon as one moves beyond ordinary sensory perception to the realm where the imagination operates—becomes something that is in a continuous process: it is constantly shattering (center of drawing a, p. 44). Where the Moon is situated, the Moon’s matter shatters and scatters out into the world, gathers again from the surroundings, and shatters once more (circular drawing a, p. 44). When one looks at the moon—even in the imagination—one sees a continuous gathering of matter that fragments where the moon is and scatters out into the world. The moon should actually be seen this way: a circle, a tighter circle—more concentrated, in other words, a tighter circle; but now it becomes the moon itself. There it dissolves, shatters. There it scatters out into the whole world. Within the moon, the matter cannot bear the midpoint, cannot bear the center. Matter concentrates toward the center of the moon, but cannot bear the center; it comes to a halt and shatters outward as cosmic dust. Only to ordinary sensory perception does the moon appear to be at rest. It is not at rest. Matter is constantly compressing and shattering outward (Drawing b, p. 44).

[ 32 ] Anders ist es bei der Sonne. Schon in der Imagination, da sehen wir, wie nicht in dieser Weise Materie zusammensplittert, sondern wie in der Tat Materie auch sich dem Zentrum zwar nähert, aber nun anfängt, in den Strahlen im Hinausdringen Lebendigkeit zu bekommen. Das zersplittert nicht, das bekommt Lebendigkeit, das breitet Leben von dem Mittelpunkt nach allen Seiten aus. Und mit diesem Leben entwickelt sich Astralität. Da, beim Mond, ist nichts; da wird die Astralität zerstört. Da, bei der Sonne, verbindet sich Astralität mit dem Strahlenden. Die Sonne ist in Wahrheit etwas, was von innerlichem Leben durchdrungen ist, wo nicht der Mittelpunkt nicht ertragen wird, sondern wo er gerade wirkt wie etwas Befruchtendes. Im Mittelpunkte der Sonne lebt das kosmisch Befruchtende. Man hat in der Tat auch kosmisch in dem Gegensatze von Sonne und Mond das In-das-Chaos-geworfen-Werden der Materie, und das Aufgehende, Sprossende, Sprießende der Materie.

[ 32 ] The situation is different with the sun. Even in our imagination, we see that matter does not fragment in this way; rather, while matter does indeed approach the center, it now begins to take on vitality as it radiates outward. It does not fragment; it takes on vitality; it radiates life from the center in all directions. And with this life, astral nature develops. There, with the Moon, there is nothing; there, astral nature is destroyed. There, with the Sun, astral nature unites with the radiant. The Sun is, in truth, something permeated by inner life, where the center is not something that cannot be endured, but rather where it acts precisely as something life-giving. At the center of the Sun lives the cosmically fertilizing force. Indeed, cosmically speaking, the contrast between the Sun and the Moon also represents matter being cast into chaos, and the rising, sprouting, and budding of matter.

[ 33 ] Wenn wir in unser Inneres hinuntertauchen — wir blicken in unser inneres Chaos, in unser Mondenhaftes. Da ist der innere Mond. Die Materie wird zerstört, wie es äußerlich in der Welt nur da geschieht, wo der Mond eben ist. Aber dann dringt durch unsere Sinne das Sonnenhafte ein in uns, dann geht das Sonnenhafte bei uns in das Mondenhafte hinein. Die Materie, die sich innerlich zerstäubt, wird ersetzt durch das Sonnenhafte. Hier stößt fortwährend im Inneren die Materie in das Mondenhafte hinein, und da saugt der Mensch durch seine Sinne fortwährend das Sonnenhafte ein (es wird auf die Zeichnung verwiesen). So stehen wir mit dem Kosmos in Beziehung, und so muß man Wahrnehmungsvermögen haben für das Mondenhafte, das SichZersplitternde, das in den Weltenstaub Laufende, und für das Belebende im Sonnenhaften.

[ 33 ] When we dive deep into our inner being—we gaze into our inner chaos, into our lunar aspect. There is the inner moon. Matter is destroyed, just as it happens externally in the world only where the moon is present. But then the solar aspect penetrates us through our senses; then the solar aspect merges with the lunar aspect within us. The matter that disintegrates internally is replaced by the solar aspect. Here, within us, matter is constantly merging with the lunar aspect, and there, through our senses, we are constantly absorbing the solar aspect (see the illustration). This is how we relate to the cosmos, and this is why we must have the capacity to perceive the lunar aspect—that which fragments and dissolves into the dust of the worlds—and the life-giving force within the solar aspect.

[ 34 ] Durch diese beiden Erlebnisse erblickt man in dem sich Zersplitternden, Zerstäubenden, die Welt des Vatergottes, die da sein mußte, bis sich die Welt in die Welt des Sohnesgottes wandelte, die im Grunde genommen physisch gegeben ist durch das Sonnenhafte der Welt. Mondenhaftes und Sonnenhaftes, sie verhalten sich wie Vatergottheit zu Sohnesgottheit.

[ 34 ] Through these two experiences, one glimpses, within that which is shattering and dispersing, the world of the Father-God, which had to exist until the world was transformed into the world of the Son-God—a world that is, in essence, physically manifested through the solar nature of the world. The lunar and the solar—they relate to one another as the Father-Godhead relates to the Son-Godhead.

[ 35 ] Das war instinktiv geschaut in den ersten christlichen Jahrhunderten. Das muß wiederum mit voller Besonnenheit erkannt werden, wenn der Mensch wieder in ehrlicher Weise von sich wird wollen sagen können: Ich bin ein Christ.

[ 35 ] This was instinctively recognized in the early centuries of Christianity. It must be recognized once again with complete clarity if people are to be able to say honestly about themselves: “I am a Christian.”

[ 36 ] Das ist es, was ich Ihnen heute darlegen wollte.

[ 36 ] That is what I wanted to explain to you today.